12.00 (PS) STAHLMANN

Den Bandreigen am Freitag läuteten die Silber geschminkten STAHLMANN ein. Ihre martialische Musik mit harten Metal-Riffs, stampfenden Beats und deutlichen Industrial-Einlagen in der Schnittmenge von Bands wie EISBRECHER, UNHEILIG, MEGAHERZ und natürlich RAMMSTEIN, lud trotz der frühen Stunde zahlreiche Fans zum Tanzen ein, die wacker Wind und Kälte trotzten. Das verwunderte auch nicht, da STAHLMANN ihre mitreißenden, erfrischend unkompliziert treibenden Stücke, in welchen hier und da auch immer zarter Gothic eingewoben wurde, derartig schmissig und mit gewohnter Power spielten, dass einem kaum etwas anderes übrig blieb als sich zu den eingängigen Rhythmen zu bewegen. Dabei bewies sich vor allem Sänger Mart, der zu Anfang mit einem Nebelwerfer auf dem Rücken für Action sorgte, als echter Entertainer und Animateur, der mit seiner steten Interaktion das Publikum stets fest im Griff hatte und immer weiter anheizte. Die Fans feierten ihre Party, sangen Zeile für Zeile mit, klatschten in die Hände und sprangen freudig im Takt. Herrrrrlich!

12.50 (MS) CRUCIFIED BARBARA

Nach männlich-martialischem Stechschritt-Metal durfte nun das vermeintlich schwache Geschlecht ran – von wegen! CRUCIFIED BARBARA, das sind vier adrette, bezaubernd gutaussehende Damen fürs Auge, die rocken, was das Zeug hält! Leidenschaftlich und mit mächtig dicken, ähem, Eiern, zocken die wunderbar synchron posenden Schwedinnen herrlich unbekümmert ihren dreckigen, rifforientierten Rock, dass man sich unweigerlich an eine weibliche Form von MOTÖRHEAD erinnert fühlt. Mit souveränem Stageacting und präzisem Zusammenspiel überzeugten CRUCIFIED BARBARA von der ersten Minute an und rockten gegen die Kälte, und tatsächlich kam (wegen ihnen?) wieder die Sonne über dem SUMMER BREEZE raus. Vor allem die lässig gespielten, zweistimmigen Leads in Verbindung mit der kräftigen Röhre von Frontfrau Mia Coldheart setzten Ausrufezeichen. Ansonsten regierte simpler, effektiver, schmissiger Rock’n’Roll, in welchem die Songs der Stockholmerinnen untereinander zwar teilweise ziemlich ähnlich klangen, aber auch einfach Spaß machten und das zahlreiche Publikum zum Mitfeiern animierten.

13.40 (PS) DEADLOCK

TPassender als mit der Begrüßung „Wir bekommen ein Baby!“ hätte DEADLOCKs Show kaum starten können, denn auf der Bühne stand eine umwerfende Bald-Mama, die das schlechte Wetter mit ihrem Strahlen zur Nebensache werden ließ. Doch nicht nur Sabine Scherer, die unverwechselbare Klarstimme der Melodic Death-Metaller, war für den baldigen Nachwuchs zu beglückwünschen – zudem handelte es sich um die Release-Show für DEADLOCKs neues Baby “The Re-Arrival“, welche am selben Tag veröffentlicht wurde. Von der neuen Scheibe wurden die Songs “An Ocean’s Monument“ und “The Arsenic River“ gespielt und auch Tracks wie “Earthlings“ und “Awakened By Sirens“ wurden im neuen Gewand vorgestellt und von den Fans mit winkenden Armen und gesanglicher Unterstützung gebührend belohnt. Einmal mehr konnten DEADLOCK beweisen, dass sie live absolut überzeugen und weder Wind noch Wetter etwas daran ändern kann. Und in Sachen frühkindliche Prägung hat die Band auch alles richtig gemacht!

14.30 (MS) PRIMAL FEAR

Regen ist flüssiger als Wasser – er ist nämlich verdammt überflüssig. Folgerichtig lockten PRIMAL FEAR nach einem letzten, kurzen Schauer erst einmal die Sonne hinter den Wolken hervor. Für die hervorragende Laune unter den Zuschauern war jedoch weniger das Wetter, als vielmehr die routiniert und spielfreudig agierende Band verantwortlich. Obwohl es die letzte gemeinsame Show mit Trommler Randy Black war und Gründungsmitglied Tom Naumann als Ersatz für den zweiten Gitarristen Magnus Karlsson einsprang, agierten PRIMAL FEAR als Einheit und kamen einer perfekten Heavy-Metal-Show bereits gefährlich nahe. Auf dem Programm stand ein Best-Of-Set, der vom Opener „Final Embrace“ bis hin zum unvermeidlichen „Metal Is Forever“ mit absoluten Klassikern gespickt war. Zwischen diesen machten aber auch die beiden aktuellen Stücke „Delivering The Black“ und „When Death Comes Knocking“ eine gute Figur. Und natürlich ließ sich Frontmann Ralf Scheepers, bei dem man nicht so recht entscheiden konnte, ob nun seine markerschütternden Schreie oder sein beeindruckender Bizeps mehr Respekt einflößten, die obligatorischen Mitsing-Spielchen nicht nehmen. An diesen beteiligte sich das Publikum nach Kräften, ohne dabei ernsthaft mit dem durch Mark und Bein gehenden Organ des Sängers mithalten zu können.

14.30 (TS) OMNIUM GATHERUM

OMNIUM GATHERUM sind mittlerweile zweifelsohne eine Klasse für sich. Die Finnen schaffen es immer wieder, auf ihren Alben gekonnt schwedische Melodic DeathMetal-Härte mit finnischer Melancholie und Progrock zu paaren, und präsentieren sich damit als eine Art Schöngeister des Genres. Und auch Live schafften es die Melodie-Könige OMNIUM GATHERUM, straighteste Grooves mit stilvollen Progrock-Vibes, brachiale Passagen mit fantastischen Hooklines und mitreißenden, zuckersüßen Melodien aufzuwerten. Egal wie komplex ihre durchdachten Kompositionen auch sind, OMNIUM GATHERUM spielten die Songs präzise und mit Liebe zum Detail. Auch wenn nicht jeder in der Menge mit dem Material der Band vertraut war, wurde in den ersten Reihen schon ordentlich mitgebangt. Ansonsten ließen sich doch einige im Publikum von der manchmal etwas überspitzt wirkenden Performance anstecken, allen voran Sänger Jukka Pelkonen, aber auch der an die Posen von Alexi Laiho (CHILDREN OF BODOM) erinnernde Gitarrist Markus Vanhala. Die nahezu perfekt dargebotenen Musik mit den eingängigen Refrains tat dann ein Übriges. Und hätten OMNIUM GATHERUM nicht erwähnt, dass Schlagzeuger Jarmo für diesen Auftritt durch Toni Paananen (HEVEIN, MALPRACTICE) ersetzt wurde, wäre das gar nicht aufgefallen. Well done!.

15.15 (CS) WOUND

Auf der Camel Stage ging es an diesem Tag mit WOUND los, und damit mit lupenreinem, kultigen Old School Death Metal aus Wiesbaden. Die Hessen konnten mit ihrem Demo „Confess To Filth – Demo MMXII“ den Titel „Demo des Monats“ im Rock Hard erreichen, und auch das Debütalbum „Inhale The Void“ kam bei den Magazinen wie im Underground sehr gut an. Der räudige, kompromisslos straighte Todesblei wurde dabei offensichtlich von der ersten Welle schwedischer Death Metal Acts beeinflusst und enthält auch einen unüberhörbaren Crust-Einschlag. Dieser simpel eingängige, direkte aber keineswegs stumpfe Schwedentod uralter Stockholmer Schule machte es WOUND natürlich recht einfach, die versammelten Fans vor der Bühne mitzureißen. Mit Vehemenz und charmanter Brutalität knüppelte sich die Truppe durch fiese Stücke wie dem Brecher „Codex Arcanum“, „Carrion“ oder das coole ENTOMBED / NIHILIST Cover „Supposed To Rot“ ohne sich zwischendurch mit viel Geschwätz aufzuhalten. Dabei wurden in die ansonsten rohen Songs beinahe unauffällige Melodien eingearbeitet, was dem Material zusätzlich Tiefe und eine düstere Aura verlieh. Alle Musiker machten einen verdammt guten Job mit aktivem Stageacting, allen voran der engagierte Sänger Christian Schettler, der nicht nur ordentlich tief growlte sondern auch angeschwärzt krächzte. Eindrucksvolle Vorstellung!

15.20 (PS) BENEDICTION

Letztes Jahr mussten BENEDICTION ihren Auftritt kurzfristig absagen, dieses Jahr hat es dann aber geklappt. Glücklicherweise, muss man sagen, denn der Hunger der Fans nach klassischem Todesmörtel war an diesem frühen Donnerstagnachmittag groß. Trotz viel Regen versammelte sich eine beachtliche Anzahl vorrangig älterer Herrschaften vor der Pain Stage und blickte auf eine spartanisch ausgestattete Bühne: Backdrop, ein überschaubares schwarzes Schlagzeug, schmale Backline und ein paar Büchsen Bier. Schon vor dem ersten Ton zu “Nightfear“ war also klar, dass es hier ohne Umschweife direkt auf die Fresse geben sollte. Da ließ die Sonne dann auch nicht lange auf sich warten und bescherte BENEDICTION ab dem umjubelten “Unfound Mortality“ einen warmen Empfang. Entsprechend gaben die englischen Death-Metal-Recken in einem erfreulicherweise sehr old-schooligen Set durchgängig Gas. Fronter Dave Hunt trat zwischendurch mal das Kabel von Gitarrist Darren Brookes raus, was jedoch von den Stage Hands schnell bemerkt und behoben wurde. Der redselige Hunt nahm es mit Humor und widmete “Suffering Feeds Me“ dem am Bühnenrand zuschauenden Nuclear Blast-Chef Markus Staiger – der laut dem augenzwinkernden Hunt die Schuld daran trug, dass es BENEDICTION überhaupt bis zum SUMMER BREEZE geschafft haben. Mit “The Dreams You Dread“ gab es aufgrund einem Mehr an Spielzeit sogar noch einen Bonustrack. Mit “Magnificat“ verabschiedete sich das Quintett von seinem ersten SUMMER BREEZE-Gig und das keine Sekunde zu früh – bei den letzten Klängen riss Darren Brookes die tiefe E-Saite. So sieht Einsatz aus.

15.45 (TS) WOLFHEART

Vorhang auf für Tuomas Saukkonen! Im letzten Jahr zog der umtriebige Finne unter all seine bisherigen Bands einen Schlussstrich. Nun ist er mit dem mittlerweile zur richtigen Band aufgestiegenen Projekt WOLFHEART zurück, um seine Art typisch skandinavischer Melancholie zu verbreiten. Mit Erfolg, schon der Opener “The Hunt“ knallt ordentlich und besticht durch Akustik-Intro und eindringlicher Melodie. Leichte Soundprobleme inmitten des Sets wurden gekonnt durch Ansagen überbrückt. Ohnehin war das Publikum bei bester Laune und wedelte fleißig mit finnischen Flaggen, während die Matten wild geschwungen wurden. Erst zu Beginn der diesjährigen Festivalsaison spielten die Jungs ihren ersten Gig außerhalb Finnlands, anzumerken war ihnen dies allerdings nicht, so gut eingespielt, wie sie waren. Alle außer Toumas (einer musste ja schließlich für den Gesang zuständig sein) ließen permanent ihre Köpfe kreisen, meist sogar synchron. Das schwappte schnell auf’s Publikum über, das sogar Zeuge einer Premiere wurde: Mit “Susi“ präsentierten WOLFHEART erstmals einen Song vom kommenden Album. Mehr und mehr von den Songs ergriffen, wurde die Band zum Ende hin nur unter lautem Jubel entlassen.

16.10 (MS) J.B.O.

Ein komplett einfarbiges Backdrop in rosa? Klar, nun spielten die Erlanger Klamauk-Metaller J.B.O. zum Tanze auf, die bereits in der Vergangenheit mehrfach ein gerne gesehener Gast auf dem SUMMER BREEZE waren. Das neue Album der Franken war just an diesem Tag erschienen und fand mit „Vier Finger Für Ein Halleluja“ und „Death Is Death“ (dreimal darf geraten werden, welcher Party-Klassiker hierfür umgedichtet wurde! Kleiner Tipp: na-naaa-naa-naa-na) gleich doppelte Berücksichtigung. Wer den Humor der Band teilte, bekam dazu auch eine gute Show geboten, bei der wieder einmal zwei Roadies der Band ihre Schauspielkünste unter Beweis stellen durften. „Ich will Lärm!“ forderten die Musiker und bekamen diesen sogleich von der begeisterten Zuschauermenge, die Frontmann Vito C. beim Überhit „Ein Guter Tag Zum Sterben“ komplett arbeitslos machte. Zum absoluten Höhepunkt sollte dieses Mal jedoch „Ein Fest“ avancieren, bei dem das Publikum vorher verteilte Holi-Farbbeutel in die Luft warf und dann minutenlang rosane Schwaden über den gesamten Zuschauerraum hinweg wehten. So hinterließen J.B.O. bei einem Großteil der Besucher bleibenden Eindruck – bis der nächste Regenschauer die Holi-Farben in den Matsch spülte

16.30 (CS) MALRUN

Nach wüstem Death Metal folgte nun mit MALRUN totales Kontrastprogramm. Die Dänen spielen eine Mischung aus modernem Mainstream Rock bzw. Metal, melancholischem Alternative Rock und Core-Elementen, und gehören dabei zumindest in Europa zu den Besten ihres Fachs. Dies unterstrichen MALRUN auch auf dem SUMMER BREEZE – mit feinem Gespür für griffige Melodien, kräftige Riffs, massive Breakdowns, erstklassig starke Hooklines und eingängige Refrains hatten sie leichtes Spiel mit dem Publikum. Vor allem der hervorragend klare, hypnotische, sehr emotionale Gesang mit sporadischen Metalcore-Brüllattacken von Jacob Løbner, dessen Stimme doch manchmal an Jesse Leach (KILLSWITCH ENGAGE) erinnerte, erwies sich als großer Pluspunkt. MALRUN gelang es ebenfalls recht gut, die teils doch sehr progressiv angelegte Musik mitreißend mit viel Groove druckvoll zu präsentieren, und so das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Die Band strotze nur so vor Energie und Spielfreude und legte einen überzeugenden Auftritt mit beeindruckender Bühnenpräsenz hin. Die vielfach von den Fans geforderte Zugabe konnte mangels Zeit leider nicht mehr gespielt werden.

17.00 (TS) ANNEKE VAN GIERSBERGEN

Offensichtlich handelt es sich beim Auftritt von ANNEKE VAN GIERSBERGEN um einen echten Geheimtipp, denn das Zelt wollte sich am frühen Abend nur spärlich füllen. Die Anwesenden durften aber ein atmosphärisches Highlight mit vielen ambientigen Momenten erleben, über denen in all ihrer Erhabenheit die Stimme der sympathischen Sängerin thronte. Die Instrumentalparts bereicherte Anneke mit anmutigen Tanzeinlagen, deren positive Energie sich verlustfrei auf das Publikum übertrug. Wohl kaum ein anderer Künstler vermochte die Menge auf so sympathische Weise zum Mitklatschen und Mitsingen zu bewegen – wer da nicht mitmachte, bekam schon fast ein schlechtes Gewissen. Ihre THE-GATHERING-Vergangenheit wird ANNEKE VAN GIERSBERGEN hingegen wohl nie völlig ablegen können, so dass ein großer Teil der Fans mit Klassikern der Kategorie „Saturnine“ oder „Strange Machines“ vertrauter war als mit den jüngeren Solo-Aktivitäten Annekes. Dabei sprach es für das kompositorische Talent der Holländerin, wie nahtlos sich Solo-Stücke an THE-GATHERING-Tracks fügten und ein harmonisches Ganzes ergaben, das allen Anwesenden wohligste Gänsehautschauer bescherte.

17.15 (PS) IGNITE

Es gibt sicherlich nicht viele Bands, die über acht Jahre lang mit ein und derselben Platte touren können und trotzdem das Wohlwollen der Zuschauer in dem Maße genießen wie IGNITE. Somit ist das 2006er Überalbum „Our Darkest Days“ auch auf der Stippvisite beim SUMMER BREEZE 2014 immer noch ihr aktuelles – den Fans ist das egal. Doch IGNITE wussten, dass ihre Anhänger langsam nach Neuem dürsten und hatten neben den alten Überfliegern wie „Let It Burn“, „A Place Called Home“ oder „Veteran“, ohne die ein ordentliches Set der Band aus Kalifornien nicht komplett wäre, endlich auch neues Material im Gepäck. So ruhte der sonst sehr aktive Pit zu „Oh No Not Again! It’s Just Another Army Marching In“ für einige Minuten und der gesamte Platz lauschte andachtsvoll dem neuen Song. Auch wurde mit “Embrace“ an die Die Hard Fans gedacht und so konnte zum großen Finale „Veteran“ jeder glücklich ausrasten. Fronter Zoli Teglas glänzte auch wieder mit diversen guten Ansagen, so widmete er “Fill In The Blanks“ allen anwesenden Vätern, die ihre Kinder als ihre Top-Priorität betrachten und sich auch um sie kümmern. Und auch die aktuellen Krisenherde Ukraine und Palästina blieben nicht unerwähnt. Große Band, große Show – und prominente Zaungäste am Bühnenrand; MACHINE HEAD outeten sich als große IGNITE-Fans!

17.45 (CS) GINGERPIG

Boudewjin Bonebakker (DAS ist ein Name!) hat sich leicht umorientiert. Früher, als er bei GOREFEST zockte, quälte er druckvolle Todesblei-Riffs aus seiner Klampfe. Heute fabriziert der Holländer mit GINGERPIG Hardrock mit Blues-Anleihen und ganz viel 70er-Jahre-Flair – und greift selbst zum Mikro. Mit der neuen Band geht’s also zurück zu den musikalischen Wurzeln. Das gesellt sich gut zur recht souverän rollenden Retro-Rock-Welle und somit auch zum SUMMER BREEZE. Vor dem Start hielt sich die Menschenmenge zwar noch in Grenzen, doch schon zu Beginn des Sets füllten sich die Reihen mehr und mehr. Fronter Boudewjin fragte dann auch erst mal, ob alle ihr Bier haben. So starteten GINGERPIG ihren Gig zu hochgereckten Bechern und siehe da, sogar die Sonne lugte interessiert aus der grauen Wolkendecke heraus. Auch das passte perfekt zur chilligen Musik und Performance. Dementsprechend wurde im Publikum auch nicht wild abgefeiert, sondern zufrieden genickt und lässig getanzt. Genau diesen Stiefel zogen GINGERPIG konsequent durch und dafür gabs am Ende auch vehemente „Zugabe“-Rufe.

18.15 (TS) THE AGONIST

Der Wettergott meinte es sehr gut mit den Kanadiern THE AGONIST. Denn pünktlich zu ihrem Showbeginn wurden auf einen Schlag wirklich sämtliche Schleusen geöffnet, so dass es in kürzester Zeit proppenvoll im Zelt war. Die von ihrer neuen Sängerin Vicky Psarakis gefrontete Band (ihre Vorgängerin singt mittlerweile bei ARCH ENEMY) legte sich entsprechend angestachelt direkt vom Start weg mächtig ins Zeug. Dank Senderanlagen und Funkmikro gabs keinerlei Hemmnisse für die wild kreuzenden Akteure und der Bassist wagte sich sogar mehrfach auf die im Graben stehenden Bassboxen vor. Direkte Reaktionen auf die Songs gab es anfangs aber nur bei den mit dem Material vertrauten Hardcorefans in den ersten fünf Reihen im Zentrum vor der Bühne – der Applaus zwischen den Songs wuchs aber mit jedem gespielten Song. Auf Bühnendeko in Form eines Backdrops oder ähnlichem wurde leider völlig verzichtet und auch in Sachen Ansagen zischen den Songs beschränkte sich die Band aufs Nötigste und wies nur auf ihr neues Album hin, dass Anfang November über Century Media veröffentlicht wird.

18.20 (MS) GAMMA RAY

Na das war doch mal ein Empfang für die Hanseaten. Unter tosendem Applaus und GAMMA RAY-Sprechchören enterten die Herren die Main Stage und legen mit “Avalon“ sogleich ein dickes Pfund in die Waagschale. Das war der beste Beweis, dass auch Power Metal anno 2014 richtig gut funktioniert und ein willkommener Farbtupfen inmitten des modernen Core-Reigens war. Sichtlich begeistert ob der Reaktionen, führte Kai Hansen durch ein perfekt arrangiertes Power Metal-Gewitter. So war es auch kaum verwunderlich, dass Kai Hansen namentlich vom Publikum gefeiert wurde. Angeheizt vom dankbaren Publikum zauberte man einen Kracher nach dem anderen aus der Wundertüte und fegte über “I Want Out“ (HELLOWEEN) zur einer bombastisch inszenierten “Rebellion In Dreamland“. Damit waren dann auch die letzten Reihen angeheizt und schipperten gemeinsam mit dem Quartett zu einem perfekten Festivalauftritt. GAMMA RAY waren erneut der Beweis, dass man auch mit traditionellem Heavy Metal noch immer und überall willkommen ist. Ein kurzweiliger Auftritt gespickt mit Hits des gesamten Schaffens der Band.

19.00 (CS) ANISOKAY

Die Post-Hardcore-Truppe ANNISOKAY hat seither hauptsächlich durch Miley Cyrus- und Lady Gaga- Cover auf sich aufmerksam gemacht. Nach dem Video zu „Wrecking Ball“, das mittlerweile bei 481.824 (!) Klicks angekommen ist, bekam auch ihr 2012 veröffentlichtes Debüt Album “The Lucid Dream[er]“ mehr Aufmerksamkeit. Größere Show und längere Touren war die Folge. Dabei macht die fünfköpfige Truppe aus Halle nicht unbedingt etwas Außergewöhnliches: Moshparts und Breakdowns werden mit großen Melodien versetzt. Dazu gibt es grobe Shouts von Sänger Dave Grunewald und zuckersüßen Clean-Gesang von Gitarrist Christoph Wieczorek. Was sie aber vom großen Rest der Masse abhebt, ist dass es unglaublich homogen und mitreißend präsentiert wird. Wer im Vorfeld der Show noch Zweifel hegte, war nach der halben Stunde bestimmt endgültig überzeugt. Die Band ging zudem mit viel Bewegungsdrang zu Werke und zeigte sich hervorragend aufeinander eingespielt; und auch das Publikum ging ordentlich mit. Und beim Miley Cyrus-Cover “Wrecking Ball“ sang selbst der härteste Metaler mit. Letzten Endes lässt sich die Show von ANNISOKAY auf ein Wort runterbrechen: überzeugend!

19.25 (PS) AUGUST BURNS RED

AUGUST BURNS RED haben sich seit ihrer Gründung 2003 mit einer Ochsentour nach der anderen in den Metalcore-Olymp gespielt – über 1,7 Millionen Facebook-Likes sind schon ne Ansage! Heuer waren sie also zum ersten Mal auf dem SUMMER BREEZE zu Gast. Dementsprechend groß war der Ansturm auf die Pain Stage als die Band nach einem unterhaltsamen Techno-Intro die ersten Töne des Openers „Internal Cannon“ in die Menge feuerte. Was folgte waren 60 Minuten Metalcore-Meisterklasse. Technisch versiert und tight wie ein Uhrwerk folgte eine Groove-Salve auf die nächste. Dabei gönnten die Amis zum Einstieg weder sich noch dem Publikum eine Verschnaufpause. Die ersten vier Songs kamen en block und mündeten im großartigen „Back Burner“ als vorläufigem Höhepunkt. Musikalisch ein Hochgenuss – menschlich unglaublich sympathisch. Sänger Jake Luhrs bedankte sich mehrfach sichtlich gerührt von dem überwältigenden Publikumszuspruch. Gekrönt wurde der regelrechte Siegeszug von AUGUST BURNS RED bei “Empire“ durch einen der lautesten Chöre, den das SUMMER BREEZE wohl je gehört hat. Ein absoluter Gänsehautmoment. Bei einem kurzen Drum-Solo durfte Drummer Matt Greiner noch sein Können unter Beweis stellen, bevor es mit „White Washed“ in die Endrunde ging.

19.30 (TS) EXCREMENTORY GRINDFUCKERS

Eigentlich ist man geneigt zu glauben die Kapazität der T-Stage wird nur für die Auftritte der GRINDFUCKERS immer wieder nach oben korrigiert. Schon lange bevor der erste Ton aus der PA donnerte, war das Zelt bereits zum Bersten gefüllt und mal durfte die opulente weihnachtliche Bühnendeko bestaunen. Genau, richtig gelesen! Noch vor zwei Jahren im Strandoutfit und Gummiente in Sommerstimmung, feierte man dieses Jahr einfach Weihachten. So kamen die teils neu formierten Grindfuckers dann auch festlich gekleidet auf die Bühne. Him war Christus und Christus ein Engel. Rob hatte sich an dem Abend mit dem Weihnachtsmann begnügt. Lange Rede, kurzer Sinn, die Grindfuckers sind zurück und drückten zu Beginn im Gestöber zweier “Schneekanonen“ ein Medley aus “Last Christmas“, “Fröhliche Weihnacht“ und “Klinglöckchen“ ins Rund. Danach gab es “Schnaps“! „Ihr seid so ruhig, das ist doch nicht Wacken hier, oder was?“ kokettierte Sänger Him und verursachtef damit die totale Party-Eskalation. Das ohnehin schon prall gefüllte Zelt war komplett in der Hand der Band, und sogar das angrenzende Außenfeld wurde annektierte und selbst dort die Luft zum Brennen brachte. Die Grindfuckers sind und bleiben die Mutter des Spasses auf jedem Festival und markierten einen Höhepunkt des Freitages. Selbst nach dem abschließenden “Final Grinddown/Picknick“ ließen sich die Massen nicht beruhigen. Sänger Him nutze die Gelegenheit und liess sich nach dem Set nochmal über die feiernde Menge tragen. Die Grindfuckers haben sich einmal mehr den Titel “Headliner der Herzen“ verdient.

20.15 (CS) CYRCUS

Auf der Pain Stage bolzten gerade noch AUGUST BURNS RED, als die Genre-Brüder CYRCUS die Camel Stage enterten. Zu diesem Zeitpunkt war den Rheinländern noch nicht bewusst, welche Abrisswirkung ihr Auftritt erzielen sollte. Metalcore ist natürlich dafür bekannt, das Publikum ordentlich in Bewegung zu versetzen, doch die sukzessive Stimmungssteigerung war schon enorm. Los ging es mit einer übersichtlichen Menge an Zuschauern. Weiter ging es mit einem Mini-Moshpit, in dem sich ein paar Verzweifelte schubsten. Dann gings plötzlich Schlag auf Schlag: Erst schwangen sich überraschenderweise ein paar Crowdsurfer über die Köpfe, dann setzten sich einige Leute auf die Schultern anderer, mit einem Mal begann eine Polonaise, die ihren Radius immens vergrößerte, bis daraus ein waschechter Circlepit wurde, der sich zu einer Wall of Death entwickelte. Ähm, ist das tatsächlich noch die Camel Stage? Fronter Jan konnte es selbst kaum glauben und ging sogar auf die Knie, um soviel Huldigung zu huldigen. Metalcore kann ja so harmonisch sein. Musikalisch überzeugten CYRCUS durch gut miteinander verwobene Standards, das heißt: Melodien, Breakdowns, thrashiges Riffing und eingängige Refrains. Das alles mit cleaner Stimme und Gebrüll vorgetragen. Als Dankeschön wurden noch zwei EPs in die Menge geworfen. Lediglich die aufgrund des sich spontan ausweitenden Pits hoffentlich nur leicht verletzte Zuschauerin trübte das Gesamtbild etwas, insgesamt haben CYRCUS aber, anders kann man es nicht sagen, heftig abgeräumt – und das auf der kleinsten Bühne des Festivals.

20.30 (MS) CARCASS

Death Metal braucht keine Opulenz. Und wenn CARCASS nach gut 20 Jahren wieder live an den Seziertisch laden, sprechen nur messerscharfe Riffs und geniales Songwriting. Da braucht es keine ausladenden Bühnenaufbauten, Masken, Schminke, Kostüme oder nachterhellende Pyrowände; drei Backdrops im Bühnenhintergrund waren fast schon alles, was die Band neben der Musik aufgefahren hat. CARCASS sind zurück und haben nichts von ihrer musikalischen Genialität eingebüßt oder gar verloren – allein der spezielle englische Humor ist vielleicht noch schwärzer geworden. Flankiert von zwei dezenten Projektionswänden, thronten Bill Steer und Jeff Walker über dem Schaffen der Band, die den Death Metal nachhaltig geprägt und revolutioniert hat. Gänsehaut ist bereits beim Opener angesagt. Mit “Buried Dream“ war klar, dass Steer keine Mühe haben würde, das SUMMER BREEZE zu erobern. Selbst jüngere Zeitgenossen, die bei der Erstveröffentlichung des Songmaterials teilweise noch nicht einmal in fester Form vorhanden waren, unterstützen die Briten bei den alten Klassikern textsicher. Die Setlist selbst war eine Zeitreise durchs Schaffen der Combo, wobei ein leichter Schwerpunkt auf den aktuellen Longplayer „Surgical Steel” gesetzt wurde. Gekrönt wurde dieser Abend von Steers pointierten Ansagen, und auch bei seinem Shirt lohnt sich das genauere Hinsehen, der Mann hat ein Auge fürs Detail! Einen finalen Höhepunkt fand das Death Metal-Urgewitter dann mit dem Übersong “Heartwork“, der vom Publikum entsprechend abgefeiert wurde. Good to be back! Diese Reunion verdient das Prädikat “Besonders wertvoll“.

20.45 (TS) MAROON

Nach den vielen Highlights des bisherigen Festivals gibt es leider schlechte Nachrichten aus dem Hause MAROON zu verzeichnen: Im Vorfeld wurde bekanntgegeben, dass ihr Auftritt auf dem diesjährigen SUMMER BREEZE der letzte der 16-jährigen Bandgeschichte innerhalb Europas sein wird. Umso größer war die Fanschar, die “das Sterben dieser alten Lady“ miterleben wollte und MAROON bis zur letzten Minute gefeiert hat, als gäbe es kein Morgen mehr. Wer einen Rundumschlag von den Werken “Antagonist“ bis “Order“ erwartet hatte, wurde zwar enttäuscht, aber in 45 Minuten hätte man ohnehin nicht allen Veröffentlichungen gerecht werden können – vielmehr bestand das Set aus Songs der vergangenen zehn Jahre. Andre und Tom werden in Zukunft mit anderen Projekten zu hören sein, aber bei Kultwalzen wie “Stay Brutal“ und “The Worlds Havok“ wurde unmissverständlich klar, dass da eine Lücke zurückbleiben wird, die kaum eine andere Band und kein anderer Hüftschwung füllen kann! Und Ansagen wie “Ich möchte, dass Ihr Euch jetzt ins Gesicht tretet!“ hört man ja sonst auch nicht alle Tage. Mit “Wake Up In Hell“ verabschiedete sich die Band fulminant. Reunion 2018 auf dem SUMMER BREEZE?! Dafür!

21.30 (CS) MOTORJESUS

Es schien einen Haufen Leute zu geben, denen CARCASS wumpe, MAROONs Abschieds-Show egal und HYPOCRISY völlig gleich waren. Unglaublich, wie voll der Platz vor der Camel Stage war, als MOTORJESUS in die ersten Riffs von “Motor Discipline“ einstiegen! Die grundehrliche Einstellung und der Dicke-Eier-Rock vom ersten und bis dato letzten Auftritt der Gladbacher vor drei Jahren muss sich wohl herumgesprochen haben. Frontröhre Chris Birx war selbst vom immensen Zuspruch überrascht, was ihn und seine Begleitband jedoch nicht aus dem Konzept brachte. Eine halbe Stunde lang brieten MOTORJESUS bollernden Rotzrock mit Attitude über den Äther und vergaßen dabei nicht, auch zwischendurch für Spaß zu sorgen. Die Nummer mit dem ins Publikum geworfenen Dosenbier aus der Aldi-Tüte hat er zwar 2011 schon gebracht, trotzdem kam das überaus gut an. Der Mann weiß, wie man sich Freunde macht. Mit vorrangig von den letzten zwei Alben gespielten Songs und dem Bud Spencer, Terrence Hill und Bruce Lee gewidmeten „Fist Of The Dragon“ haben MOTORJESUS an diesem Abend sicherlich auch einige neue Fans hinzugewonnen.

21.50 (PS) HYPOCRISY

HYPOCRISY ist eine jener Bands, die man gefühlt mehrmals pro Jahr erleben kann, ohne jegliche Anzeichen von Langeweile dabei zu verspüren. Eine Meinung, die anscheinend viele auf dem SUMMER BREEZE teilten, denn schon in der Umbaupause versammelte sich eine ordentliche Anzahl an Zuschauern vor der Pain Stage. Pünktlich zum Beginn war es zappenduster in Dinkelsbühl und das HYPOCRISY-Logo zeichnete sich im blauen Nebel auf der Bühne ab; optimale Voraussetzungen für einen atmosphärischen Auftritt. Mit “End Of Disclosure“ eröffneten die Schweden dann auch mächtig und fanden ein Meer von Headbangern vor sich wieder, ehe bei “Valley Of The Damned“ der Pit losbrach. Nach diesem Doppelschlag wurde mit “Fractured Millenium“ die erste altgediente Hymne abgefeuert. Überhaupt lieferten Herr Tätgren und Co. eine wahrlich schmackhafte Mischung aus alten Großtaten und den dazu entsprechenden Pendants aus der Neuzeit ab. Ob “Fire In The Sky“ oder “The Eye“, hier wurde alles in Grund und Boden gefeiert. Die Stimmung befand sich bereits nach kürzester Zeit gefährlich nahe am Maximum. Auf Platte schon gnadenlos geil, zeigten die melodischen Death Metal-Granaten gerade auf großer Bühne und unter freiem Himmel ihr wahres Potential. Auch immer wieder grandios: Das ungestüme “Warpath“, bei dem der Pit nochmal so richtig Fahrt aufnahm. Peter heimste mit seinen Ansagen und Bier in der Hand ein ums andere Mal lauten Jubel und Sympathiepunkte ein. Von tiefen Augenringen gekennzeichnet, feuerte er bestens gelaunt das Publikum unerbittlich zu immer größeren Euphorieleistungen an. Hier und heute zeigte sich, dass es nicht immer die opulente Bühnenshow benötigt, um einen Abriss an Auftritt hinzulegen, sondern manchmal reichen schlicht und ergreifend gute Songs und sympathische Musiker mit Spielfreude aus. Den Abschluss besorgte schließlich “Roswell 47“, nach welchem HYPOCRISY die Bühne unter lauten Zugaberufen verließen.

22.00 (TS) AHAB

Minutenlanges Meeresrauschen leitete die Show der freudig erwarteten Funeral Doom-Helden ein, bevor das Schiff dann pünktlich um 22 Uhr für seine 45minütige Fahrt ablegte. Im Bühnenhintergrund prangte das Bandlogo und die Backline wurde links und rechts von je einem mannshohen Aufsteller mit Ankermotiv flankiert. “The Divinity Of Oceans“ eröffnete das Konzert programmatisch und trotz des extremen Kontrasts zu den davor extrem zerstörerisch agierenden MAROON war das Zelt schnell in der hynotisch-magischen Atmosphäre AHABs versunken. Die Stimmung changierte zwischen ruhig-melancholischem Dümpeln bis hin zu brachialen Brechern in aufgewühlter See und die Band spielte sich mehr und mehr in einen Rausch. Extremen Bewegungsdrang verspürte keiner der Musiker, das hätte aber auch nicht ins stoisch-leidenschaftliche Bild gepasst. Mit der OMEGA MASSIF-Coverversion “Wölfe“ unterstrichen AHAB lautstark ihr Bedauern über die Absage und Auflösung der Kollegen bevor sie mit “The Hunt“ zum Schluss kamen.

22.45 (CS) THE IDIOTS

Ein Teil der Geschichte des deutschen Punks war zu Gast auf der Bühne des SUMMER BREEZE – genau genommen eine der großen Legenden der Deutschpunk-Szene. Schafft die Kamele zur Seite, hier kommen THE IDIOTS. Wenig idiotisch war die Entscheidung der Festivalveranstalter, die Kulttruppe um Frontmann Sir Hannes ins Billing zu holen. Zwar gibt es durchaus angenehmere Slots als einen parallelen Auftritt zu MACHINE HEAD, doch wer so lange dabei ist, hat auch ein beachtliches Gefolge. Der Platz vor der Bühne war entsprechend gut gefüllt, als THE IDIOTS mit “Der S04 und der BVB“ in ihr zehn Songs umfassende Set starteten. Bei “Selbstmord“ gesellte sich Hannes mit freiem Oberkörper an die Absperrung und grölte äußerst präsent und laut bei den Fans in den vorderen Reihen – Hautkontakt und Speichelregen inklusive. Eine THE IDIOTS-Show ist also spürbar… und schmeckt auch ordentlich, denn zu “Tage ohne Alkohol“ wurde von einer barbusigen und zugleich maskierten Dame Dosenbier verteilt. Die Leute haben gemosht, der Gitarrist ist beim Solo komplett ausgeflippt und ekstatisch umhergehüpft und der Schreihals am Mikro gab sich so einigen Körperzuckungen hin. Eine Nummer wie “Emmy oh Emmy“ fiel rhythmisch aus dem Rahmen, während “E.D.E.K.A.“ den “Stumpf ist Trumpf“-Preis absahnte. MACHINE HEAD-Kontrastprogramm-Aufgabe souverän gemeistert!

22.55 (MS) MACHINE HEAD

Im letzten Jahr hat das SUMMER BREEZE mit IN FLAMES schon einen großen Wurf in Sachen Headliner gelandet, dieses Jahr zog man mit MACHINE HEAD eine noch größere Nummer aus dem Hut. Sowohl die Vorfreude als auch die Erwartungshaltung waren also immens groß und ohne in die totale Lobhudelei zu verfallen: keines von beiden wurde enttäuscht. Schon der Bühnenaufbau mit dem Bandlogo allenthalben auf Backdrop, Fahnen hier und da und riesigen MH-Gitarrenboxen-Türmen rechts und links versprach viel und ließ den Platz vor der Main Stage bereits Minuten vor dem Start “Machine-Fuckin‘-Head“ im Chor skandieren. Pünktlich zur anvisierten Uhrzeit erklang das Intro zu “Imperium“ und was dann folgte, spiegelte nur zu gut wieder, wieso MACHINE HEAD aktuell einer der besten und wichtigsten Acts im Metal ist. Von Beginn an hatten die Bay-Area-Thrasher die Fans absolut im Griff und ließen im Pit ständig den Punk abgehen. Ein derartiges Rumgeschiebe und –gehüpfe konnten auf dem SUMMER BREEZE bisher allenfalls Kapellen wie LAMB OF GOD, HATEBREED oder natürlich HEAVEN SHALL BURN überbieten. Dabei kam es nicht einmal auf aufwändiges Stage-Acting oder tonnenweise Pyros an: weder Robb Flynn noch Phil Demmel noch der dieses Jahr neu hinzugekommene Basser Jared MacEachern mussten allzu oft ihren Bewegungsradius ändern, um den Platz zum Ausrasten zu bringen. Was nicht bedeutet, dass die drei Herren Gas gaben, als gäbe es kein Morgen. Zu Dave McClains präzise hämmerndem Drumming sowie der sorgsam inszenierten Lichtshow, die vor allem Flynn und Demmel bei Solo-Ausflügen ins rechte Rampenlicht rückte, besorgte den Rest die exquisite Setlist und eine vollkommen ton- und treffsichere Band. Selbst der zwischendurch einsetzende Regen (bei “ The Blood, The Sweat, The Tears“ öffneten sich kurzzeitig alle Schleusen) tat der Feierlaune keinen Abbruch. Neben all dem Spaß blieb auch noch Zeit für bedächtige Momente: vor “Darkness Within“ setzte Flynn zu einer kleineren Ansprache über den Zusammenhalt und die Freiheit im Heavy Metal an und “Aesthetics Of Hate“ widmete der Fronter Dimebag Darrell. Highlight des Gigs, wenn nicht sogar eines der Highlights des diesjährigen Festivals, war das IGNITE-Medley aus “Darkest Days“ und “Bleeding“, für das eigens IGNITE-Sänger Zoltán Téglás auf die Bühne kam. Mit “Old“ feierte man das 20-jährige Jubiläum von „Burn My Eyes“ und “Halo“ ließ schlussendlich die Hauptbühne in einem Meer aus Konfettiregen und Kunstnebel untergehen. Falls es überhaupt etwas zu bemängeln gäbe, so ist es die fehlende Zugabe: nach genau eineinhalb Stunden war Schluss. Trotzdem bleibt nur eines festzustellen. Machine-Fuckin‘-Head: un-fuckin‘-fassbar gut.

23.15 (TS) DIE KASSIERER

Es gibt nur wenige Dinge, auf die man sich immer verlassen kann, aber Wolfgang “Wölfi“ Wendland und DIE KASSIERER haben die Fans, die sich für sie und damit an diesem Abend auch gegen MACHINE HEAD, welche zeitgleich auf der Mainstage gespielt haben, nicht enttäuscht. Während der wohl gefeiertste Nackedei zum “Physikalischen Intro“ noch bekleidet auf die Bühne kam, wurde es vor eben dieser richtig gemütlich. Die Anwesenden konnten es gar nicht erwarten, den Sänger entblößt zu sehen und die Band und ihre doch stark polarisierenden Songs abzufeiern. Begrüßt wurde das Publikum mit: “Ihr könnt euch alle ausziehen, das Zelt ist beheizt!“ und schon zum dritten Song fielen kurzzeitig die Hüllen – sowohl auf der Bühne, als auch davor. Ein weiteres Mal stellte die Gruppe ihre Live-Qualitäten unter Beweis und die komplette Stunde war ein gegröhltes und belustigtes seliges Miteinander, bei dem die obligatorischen Zwischenansprachen sowie ein Best-Of-Querschnitt durchs Schaffen der KASSIERER nicht fehlen durften.

00.15 (CS) HIS STATUE FALLS

Im Anschluss an die KASSIERER konnte man sich auf der benachbarten Camel Stage das komplette Kontrastprogramm zum Punk im Rahmen elektronischer Klänge servieren lassen. Das Saarländer Quintett von HIS STATUE FALLS gesellt sich in die Riege der Post Hardcore- und Tech Core-Ecke und lieferte an diesem Abend eine gelungene Mischung aus eingängigen Elektroklängen und tanzbaren Rhythmen. Nach und nach füllten sich die Ränge – besonders nach Ende des MACHINE HEAD-Gigs blieben viele der vorbeilaufenden Festivalbesucher zunächst nur interessiert und dann oft auch schnell begeistert bei den Tönen der jungen Garde hängen. Mit dem starken Split am Mikro und Sample-, Keyboard- und Synthie-Einlagen konnten die Zuschauer sogar zu einer kleinen Wall of Death animiert werden. Last but not least legten HIS STATUE FALLS mit “What We Had Is Gone” die härteste Nummer ans Ende ihres Sets und setzten damit alles daran, die kurzweilige Show mit einem Knall zu beenden, was ihnen auch sehr gut gelungen ist!

00.30 (PS) DEVIN TOWNSEND PROJECT

Schon während des MACHINE-HEAD-Gigs flimmerte eine skurril anmutende Dia-Show über den Beamer auf die im Hintergrund der Pain Stage aufgespannte Leinwand. Die muntere Photoshop-Parade zeigte Devin Townsends Kopf im Kontext verschiedenster Motive mit Anspielungen auf die Pop-Kultur, beispielsweise als „Djent Djedi“ oder Jabba the Hutt im „Star Wars“-Universum. Als der Kanadier dann endlich persönlich die Bühne enterte, stimmte er das Publikum zunächst mit einer kleinen Rede auf die bevorstehende Show und insbesondere seinen unkonventionellen Sinn für Humor ein. Mit „Seventh Wave“ setzte das DEVIN TOWNSEND PROJECT dann eine ultrafette Soundwalze in Bewegung, die von Anfang bis Ende erbarmungslos alles niederwalzte. Egal ob ursprünglich als unter dem Namen DEVIN TOWNSEND, DEVIN TOWNSEND BAND oder jüngst DEVIN TOWNSEND PROJECT veröffentlicht, der musikalische Tausendsassa verfügte über ein breites Repertoire an Stücken, die technischen Anspruch mit eingängigen Melodien und einem fetten Groove kombiniert und ein wahres Fest für Freunde anspruchsvoller Prog-Kompositionen darstellten. Zwischendurch zog er dann viele liebgewonnene Rockstar-Klischees durch den Kakao und ließ bei aller Genialität immer wieder jene Extraportion Wahnsinn durchblicken, auf der sich sein Ruf als verrückter Professor der Prog-Welt begründet. Seine außerirdische Handpuppe Ziltoid kam dieses Mal nicht zum Einsatz, dafür bat Devin gleich mehrfach einen ungleich hübscheren und sympathischeren Gast zu sich auf die Bühne: Die wundervolle Anneke van Giersbergen unterstützte viele der Stücke mit ihrem Gesang. Beim Refrain von „Numbered“ stimmten die Zuschauer lautstark mit ein und sorgte damit für einen echten Gänsehaut-Moment. Einzigartig waren auch die launigen Sprüche in Richtung der rotgekleideten Security-Leute im Bühnengraben, die Devin Townsend am Ende sogar erfolgreich zu einer kurzen Tanzeinlage animierte. Mit dem Übersong „Grace“ beendeten sie ihr reguläres Set. Und der sympathische Querkopf musste sich dann auch nicht lange um eine Zugabe bitten lassen und setzte mit dem bluesig angehauchten „Bad Devil“ den perfekten Schlusspunkt unter eine abgedrehte Prog-Show der Extraklasse.

00.45 (TS) INSOMNIUM

INSOMNIUM sind wie guter Wein, je älter desto besser! Bester Beweis ist ihr unlängst veröffentlichtes Album “Shadows Of A Dying Sun“. Wie schon vor zwei Jahren grüßten die Vier von der Bühne im Zelt, diesmal jedoch als vorletzte Band des Abends. Und die Finnen wurden der Position gerecht: “The Primeval Dark“ eröffnete einen gelungenen Auftritt, bei dem sich die Gitarristen in Posen warfen, als wenn es kein morgen gäbe. Bassist und Sänger Niilo hingegen spielte sich nicht nur in die Herzen der Fans, sondern redete sich auch mittels kurzen, zugegebenermaßen lustig artikulierten, Ansagen auf Deutsch in diese. Mit “Only One Who Waits“, bei dem zwischenzeitlich leider beide Gitarren streikten, wurde zum vorletzten Album zurückgegangen. Nach anfänglicher Verunsicherung und dem Versuch, die Panne mit Humor zu nehmen, öffneten die Finnen mit wiedererstarkter Gitarrenfront durch “Down With The Sun“ und “Ephemeral“ die dunkel-melancholische Hitkiste. Das Wechselspiel zwischen groovenden, nach vorne preschenden Parts und hochmelodischen Refrains funktionierte bestens. Die Leute gingen steil und strapazierten ihre reichlich geölten Stimmbänder beim abschließenden “One For Sorrow“ bis auf’s Letzte.

01.45 (CS) LAY DOWN ROTTEN

Wer auf dem Weg von der fantastischen und facettenreichen DEVIN TOWNSEND-Show auf der Pain Stage zu seinem leise rufenden Schlafsack zufällig an der Camel Stage vorbei gekommen sein sollte, würde wohl jäh aus seinen Träumen gerissen. Zur späten Stunde zündete das Bombenverschärfungs-Kommando aus Herborn noch gnadenlos ihre Death Metal-Geschosse. Und wohl wegen der fiesen Kälte gingen die beachtlich zahlreich erschienenen Fans auch direkt dazu über sich vehement zu bewegen – sowas erzeugt ja schließlich Wärme! Extrem tight und effektiv bolzten die Jungs ihre Songs in die Meute und was beim ersten Eindruck “nur“ nach fiesem Geknüppel klang, erwies sich beim genaueren Hinhören als kompositorisch vielschichtiges Material. Die Band ging dabei auch immer wieder vom Hochgeschwindigkeitspedal um mit smart gesetzten Groove-Einschüben zu punkten. Der bullige Fronter Jost Kleinert verschwendete kaum Zeit mit Ansagen und führte seine Mitstreiter souverän durch die halbe Stunde bevor dann auch auf der Camel Stage das Licht ausging.

02.15 (TS) EINHERJER

Den superben Sound haben EINHERJER von INSOMIUM vererbt bekommen, die riesige Fanschar dagegen leider nicht. Nach den finnischen Melodic Deathern leerte sich das Zelt merklich, hinterließ aber noch eine gute Anzahl an Fans, die dem Viking Black Metal entgegenfieberten – immerhin kam Schwarzmetall an diesem Freitag auf allen Bühnen reichlich kurz. Entfesselte Raserei gab es ab dem Medley aus “Crimson Rain“ und “Ironbound“ jedoch nicht zu bezeugen, denn EINHERJER favorisierten eindeutig die entspanntere Gangart aus getragenem, folkloristischem Black Metal mit gelegentlichen atmosphärischen Einschüben aus der Konserve. Die Songauswahl beleuchtete das gesamte Schaffen der Band von früh bis spät, lediglich das aktuelle Album “Norrøn“ war mit gleich zwei dargebotenen Stücken vertreten. Augenscheinlich war dies die richtige Wahl zumindest beim harten Kern in der Mitte, der unablässig die Fäuste gen Zeltdach reckte. Zur späten Stunde merkte man den Anwesenden aber die Erschöpfung deutlich an und mit “Norrøn Kraft“ entließen EINHERJER das Publikum fünf Minuten früher in die nasskalte Nacht.