11.00 (MS) UNSUN

Es verspricht ein schöner Tag zu werden in Dinkelsbühl. Die Sonne kämpft sich ihren Weg durch die Wolken und wärmt den ersten Gästen vor der Main Stage den Rücken. Auf der Bühne finden sich derweil die Polen von UNSUN ein, um den noch spärlich vertretenen Anwesenden das Konterbier mit etwas Gothic-Pop zu versüßen. Keine Sorge: die gebotene Mucke ist von der leicht verdaulichen Sorte und setzt mit Sicherheit nicht an. Zumindest wenn man nach Sängerin und Frontfrau Aya urteilt, die stimmlich zwar eine Klangfarbe auffährt, die einer Sharon den Adel (WITHIN TEMPTATION) nicht unähnlich ist, trotzdem aber noch in kindlicher Kleidergröße Platz findet. Überfordern möchte man das Publikum zu dieser frühen Stunde offenbar noch nicht, hält man sich in punkto Stageacting und Kommunikation doch eher zurück. Besonders Gitarrist Mauser kennt man aus seinen VADER-Zeiten doch um einiges agiler. Verausgaben muss er sich bei den allgemein recht gängigen Songstrukturen jedenfalls nicht. Für den musikalischen Frühschoppen taugen UNSUN zwar, um zur vollwertigen Mahlzeit zu werden, fehlt aber noch ein wenig Nährwert.

11.35 (PS) THE NEW BLACK

Mit THE NEW BLACK eröffnete zum „Ein Colt für alle Fälle“-Intro eine noch recht junge Band die Pain Stage. Die Gruppe hatte schon reichlich Vorschusslorbeeren geerntet, und das nicht zu Unrecht, hört man sich das Anfang des Jahres veröffentlichte Debütalbum an. Trotz früher Stunde schienen doch schon einige Bock auf eine ordentliche Ladung Rock zu haben. Mit einer großen Portion Spaß in den Backen zelebrierten THE NEW BLACK ihren kraftvollen Rotzrock amerikanischer Prägung, welcher irgendwo zwischen BLACK LABEL SOCIETY, CORROSION OF CONFORMITY und NICKELBACK liegt. Dabei zeigten sich beim Energie geladenen Auftritt auch aufgrund der etwas roheren Herangehensweise und den fetten Riffs dezente PANTERA-Einflüsse. Ein wenig ruppig, ein wenig ungehobelt, dabei aber immer griffig und ungemein heavy präsentierten die symphatischen Nordlichter ihre kompakten Stücke und bewiesen, dass sie auch Live ganz schön was auf dem Kerbholz haben. Leadgitarrist Christof Leim beherrscht übrigens fast alle Angus Young Posen perfekt und war damit ein echter Hingucker. Sehr cool auch die Mundharmonika-Einlage des Sängers!

12.10 (MS) THE CUMSHOTS

Nach THE NEW BLACK ging es dann eine ganze Spur deftiger zu Werke, was man jedoch beim Elvis Presley Intro vielleicht nicht gleich ahnen konnte. THE CUMSHOTS, das ist eine saucoole und schnörkellose Mischung aus Rock und einer ordentlichen Portion Metal, das ist Party mit verdammt viel Bier, Whiskey, Zigaretten und nur spärlich bekleideten jungen Damen, wenngleich diese wohl im Backstage-Bereich geblieben waren. Schon alleine optisch waren die Norweger ein echter Augenöffner, wirkten diese doch eher wie eine authentische amerikanische Rockband. Und nicht nur musikalisch ging es ziemlich derb zu, so herrschte ein deutlich „fuck“-lastiger Sprachgebrauch. Und die Mucke? Eine geile, dreckig-rotzige und brachiale Mischung aus MOTÖRHEAD, THE HELLACOPTERS, SLAYER, AC/DC, ENTOMBED und ELVIS. Gerade die authentische Darbietung in Sachen Optik, Ausstrahlung und Musik in Verbindung mit dem mörderischen Groove ließ sogleich Bewegung in die vorderen Reihen der Fans kommen. THE CUMSHOTS jedenfalls erspielten sich den Anwärter auf den Titel der dicksten Eier des SUMMER BREEZE. Und das nicht nur, weil Sänger Max Cargo selbige den versammelten Fotografen im Fotograben vor die Linse hielt, ehe er singend durch die Fanreihen schritt und das Bad in der Menge genoss.

12.45 (PS) BATTLELORE

Kontrastprogramm: Nach dreckigem und noch dreckigerem Rock ertönten nun ganz andere Klänge und ging es nun um ganz andere Themen. Mittelerde, die Welt Tolkiens und der symphonische Gothic Metal von BATTLELORE. In Kostümierung, kriegerisch bemalt und mit spärlicher Bewaffnung begaben sich die „Herr der Ringe“-Fans auf die Bühne, um das Publikum in ihre bzw. Tolkiens aufregende Fantasy-Welt zu entführen. Die Finnen lieferten hierzu mit ihren episch angelegten, äußerst melodischen und eingängigen Hymnen den musikalischen Soundtrack zu einer großen Schlacht gegen den dunklen Herrscher Sauron. Live kamen die Stücke etwas weniger sphärisch, dafür deutlich deftiger rüber, was vor allem an den heftig riffenden Gitarristen lag. Die recht theatralisch agierenden BATTLELORE waren bestens aufeinander eingespielt, die zahlreichen Fans entwickelten einen starken Bewegungsdrang, und so verflog die halbe Stunde Spielzeit leider viel zu schnell.

13.20 (MS) CALLEJON

Nach dem Intro stürmte die Band und bald darauf auch Sänger Basti hochmotiviert die Bühne. Über dieser prangte überraschenderweise keinerlei Backdrop, und das bei einer Band, deren Sänger auch für außerordentlich gelungenes Artwork steht, schade. Aber egal, schließlich gings ja auch primär um Musik. Nachdem sich der Drummer beim With Full Force angeblich das Handgelenk gebrochen hat, kann man nur von einer wundersamen Gesundung sprechen, denn der Mann spielte, als wär nie was gewesen! Das jugendliche Publikum stand direkt vom Start weg wie ein Mann hinter der Band und feierte sie nach Strich und Faden ab – schon die Songtitelansagen wurden kollektiv mitgebrüllt – was natürlich auch die Mucker zusätzlich motivierte und für viel Bewegung auf der großen Bühne sorgte. Und es wurde natürlich wieder munter im Kreis getanzt und sich fleißig am Bau von Mauern des Todes geübt. Basti glänzte neben seinem souveränen Gesang erneut als Anpeitscher und Mann für die coolen Ansagen („Beim nächsten Song geht’s um kleine, urwüchsige Zwerge, die unter der Erde leben! – es ging um „Zombiefied“). Das abschließende „Porn From Spain“ geriet dann zu einer wahren Crowdsurfing-Orgie, bei der sich teilweise bis zu 10 Körper gleichzeitig über den Köpfen bewegten. Um die Uhrzeit hatte das wohl auch die Grabensecurity nicht erwartet, die auf einen Schlag alle Hände voll zu tun hatte.

14.05 (PS) NIM VIND

Bereits im Vorfeld war schon relativ klar, dass es die Kanadier mit ihrem pop-punkigen Rock’n Roll recht schwer vor einem doch hauptsächlich in Richtung Metal orientierten Publikum haben würden. Nichtsdestotrotz legten sie vor ihrem nagelneuen Backdrop munter los und brachten gleich an zweiter Stelle im Set ihren Hit „Killing Saturday Night“, der dann auch für ersten verhaltenen Applaus sorgte. Riesige Reaktionen gabs aber auch im weiteren Verlauf des Sets nicht und so fragte sich Sänger und Gitarrist Chris irgendwann auch zu recht, ob das Publikum denn noch am Leben war „How Are You Doing Out There? You’re Dead, Or What?“. Als sie dann auch noch überraschend viel älteres Material in ihr Set einfließen ließen, sorgte das für zunehmende Zurückhaltung bei den Anwesenden. Leider war dann der Sound des Trios recht unausgewogen gemischt, so dass gerade die zweiten Gesangslinien oft kaum hörbar und die Gitarre relativ matschig war. „21st Century Teenage“ vom neuen Album war dann ein halbwegs versöhnlicher Abschluss.

14.50 (MS) THE OTHER

Bereits vor drei Jahren auf dem Billing und damals noch recht unbekannt, dürfen die vier Horrorpunker an diesem strahlenden Mittag erneut ihr Können unter Beweis stellen. Beim ersten Auftritt noch vor eher lichten Reihen spielend, drängen sich heute wesentlich mehr Fans vor der Hauptbühne. Dass die Fangemeinde auch deutlich angewachsen ist, spürt man insbesondere daran, dass nahezu jeder Refrain, der mit MISFITS-Camouflage versehenen Herren lauthals vom Publikum zurückgeschmettert wird. So ist es wenig verwunderlich, dass der Vorschlag von Fronter Rod Usher, den ersten Pit des Tages zu zelebrieren, dankend angenommen wird. Inspiriert von der tadellosen Vorstellung lassen sich schließlich immer mehr anstecken und formieren sich mit anerkennendem Kopfnicken zur mittlerweile beachtlichen Fangemeinde. THE OTHER sind sicherlich eine kleine Überraschung, die ihren Slot auf der Main Stage mehr als rechtfertigten und nutzten. Man darf gespannt sein, in dieser Form ist die Band jederzeit ein willkommener Farbklecks auf jedem Festivalbilling. Well done Boys!

15.00 (PZ) SACRED STEEL

Allein beim Lesen der Setlist dürfte selbst Leuten, die mit dem Sound der Nieten- und Patronengurtbehangenen Süddeutschen nicht vertraut sind, schnell klar geworden sein, was auf sie zukommen würde. Denn Songtitel wie „Heavy Metal To The End”, “Wargods Of Metal” oder auch “Blood On My Steel” deuteten unausweichlich in Richtung True Metal. Dazu passend auch die Aufsteller links und rechts auf der Bühne, die Beile und Schwerter zeigten. Und da der „wahre“ Metalsound nicht gerade im Zentrum des SUMMER BREEZE-Focus steht, war das Zelt schon richtig gut besucht und Stimmung war auch ordentlich. „Wir haben nichts erwartet und viel bekommen!“ war dann gegen später auch das begeisterte Fazit von Sänger Gerrit P. Mutz. Die ersten 5 – 10 Reihen waren sogar richtig ausdauernd und fleißig am Haareschütteln. Der Sänger bewegte sich genrebedingt hauptsächlich in hohen und schmerzlich ho(d/h)en Gefilden, bei „Slaughter Prophecy“ gabs durch zusätzlich eingestreute Growl-Passagen aber erfrischende Abwechslung.

15.40 (PS) PSYCHOPUNCH

Nach NIM VIND und THE OTHER machen PSYCHOPUNCH auf der Pain Stage das Horrorpunk-/Schweinerock-Trio komplett. Die Schweden sind nach einigen Auftritten in der Vergangenheit keine Unbekannten auf dem BREEZE und fühlen sich auch 2009 bei ihrem Quasi-Heimspiel sichtlich wie zu Hause. Die Meute begrüßt die Band wie es sich gehört und bereitet auch den beiden Neuzugängen Lindell und Jocke, die die beiden kürzlich ausgeschiedenen Peppe und Mumbles an Bass und Drums ersetzen, einen verschwitzt-warmen Empfang. „Hush Now Baby“ vom vorletzten Longplayer „Moonlight City“ eröffnet den Gig, dessen Schwerpunkt deutlich auf dem erst kürzlich veröffentlichten neuen Album „Death By Misadventure“ liegt. Doch auch mit den noch weniger bekannten Stücken können die vier Schweden beim Publikum einiges reißen und sorgen für ordentlich Partystimmung. Die musikalische Seite war und ist bei PSYCHOPUNCH allerdings nur die Hälfte der Miete. Mit ihren witzigen Ansagen, bei denen sich die drei Jungs am vorderen Bühnenrand regelmäßig gegenseitig ins Wort fallen, unterstreichen sie nicht nur ihre Fannähe sondern auch, dass alles im Grunde nur ein Heidenspaß ist. Recht so!

16.00 (PZ) SKYFORGER

SKYFORGER aus Lettland widmen sich der Lettischen Folklore. Ihre Songs erzählen Geschichten von längst vergessenen Göttern, heroischen Schlachten und alten Sagen. Aber auch musikalisch schlägt sich dieser Folklore-Input nieder. So mischen sich in ihren stampfenden Pagan Metal-Sound immer wieder Flöten und Dudelsäcke. Optisch wirkte die Band etwas unentschlossen, so trug die komplette Band, bis auf den Flötenspieler, normale Kleidung, also Jeans und T-Shirt. Besagter Flötenspieler kleidete sich hingegen konsequent passend zum thematischen Hintergrund eher altertümlich – war da etwa bei der Anreise ein Koffer mit Stage-Outfits verloren gegangen? Einig waren sich die bärtigen Herren jedoch darüber, dass sie beim Publikum des SUMMER BREEZE ordentlich Eindruck schinden wollten und hängten sich entsprechend ins Zeug. Da kam es dann auch schon mal vor, dass ein Gitarrist auf Knien spielte. Das Publikum im schon proppevollen Zelt danke es mit frenetischen Reaktionen. Die lange Anreise dürfte sich für diese Jungs in jedem Fall gelohnt haben!

16.30 (MS) THE HAUNTED

Zum zweiten Mal beehren THE HAUNTED bereits das SUMMER BREEZE. Als erstes fällt auf, dass Frontmann Peter Dolving sich optisch verändert hat. Er trägt mittlerweile einen imposanten Rauschebart zur Schau. Doch derartiges wurde sehr schnell zur Nebensache, als die Band dann furios mit „Little Cage“ vom aktuellen Album „Versus“ loslegte. Die Jungs zündeten von der ersten Minute ein Feuerwerk das in Punkto Intensität, Wucht und Aggression seines Gleichen suchte. Da störte es auch nicht, dass Dolving während den ersten Songs eigentlich kaum nennenswerte Ansagen machte, sondern sich voll und ganz auf seine Ausstrahlung verlies um das Publikum anzuheizen. Dies gelang ihm auch mit links. Die Publikumsreaktionen wurden von Song zu Song heftiger, bis die Band zum Schluss schließlich nach Strich und Faden abgefeiert wurde. Doch Dolving entpuppte sich im weitern Verlauf des Sets als richtiggehender Spaßvogel und kommunizierte dann doch mit augenzwinkernden Ansagen („I Feel Stupid Today“) mit dem Publikum, hielt nicht mit seiner Meinung zu Metalcore hinterm Berg und dozierte über Geld und Musik. Ein ganz anderes Bild bot sich während den Songs in denen er zum waren Berserker mutierte, vor Energie strotzend über die Bühne turnte und bei manchen Shouts wirklich alles gab und man Sorge haben musste, dass ihm demnächst eine Ader im Schädel platzt. Während andere Bands sich abmühen von der Bühne aus eine ordentliche Wall Of Death zustande zu bekommen fackelte Dolving da nicht lange und nahm das gleich selbst in die Hand. Über den Fotograben gings mitten ins Publikum, und dort marschierte er erst mal bis zum Wellenbrecher, beschaute sich seine Band aus der Distanz und scheuchte dann die Leute zur Seite. Mit imposantem Resultat, denn THE HAUNTED hatten dann die wohl größte Wall Of Death des Tages! Die Band hatte sichtlich Spaß und die Musiker feixten auch untereinander herum. Dieser Auftritt dürfte wohl einer dieser Auftritte gewesen sein über die man sich noch länger unterhalten wird, definitiv unter den Gewinnern des diesjährigen Festivals. Man hätte dem Publikum zwecks Motivation wohl auch gar keine Pistolenläufe ins Gesicht halten müssen, wie es das Backdrop der Band tat.

17.00 (PZ) BLACK MESSIAH

Als dritte Band haben die Ruhrpott-Wikinger von BLACK MESSIAH die Ehre. Dem Publikum im Zelt ist deutlich anzumerken, dass man sich am frühen Abend den ersten Einheizer vor den großen AMON AMARTH abholen will. Dementsprechend gut gefüllt ist es schließlich auch im mittlerweile deutlich aufgeheizten Party Tent. Die Jungs von BLACK MESSIAH nehmen diese Steilvorlage dankend auf und werden den Erwartungen der Fanschar mehr als gerecht. Dabei sparen die Herren keineswegs an Pathos und gehen zu Werke, als wolle man sich dem heutigen Headliner aus Schweden als möglicher Toursupport empfehlen. Getrieben vom mittlerweile kollektiv dem Kopfkreisen verfallenen Rund legen BLACK MESSIAH einen Gig auf die Bretter, der bisher seinesgleichen sucht. Jeder Song der Wikinger explodiert im Publikum und lässt das Quecksilber beinahe an die kritische Grenze steigen. Selbst Metalheads, die sich nur zufällig in das Party Zelt verirrt haben, werden nach kurzer Zeit in den Bann von BLACK MESSIAH gezogen. Trotz der noch recht frühen Stunde stellen die Herren einen neun Publikumsrekord im Zelt auf, der wohl auch nur schwer zu toppen sein wird. Toller Auftritt ohne Schnörkel, dafür aber mit jeder Menge Spielfreude.

17.25 (PS) ENTOMBED

Der Punkt für das coolste Intro ging an diesem Tag mit knappem Vorsprung vor THE NEW BLACK an ENTOMBED. Ein Prediger berichtete dort über Gott und kommt zu dem Schluss, dass auch Satan existiert und stellt dies eindringlich klar. Eine Ansicht, die perfekt auf das Set des schwedischen Urgesteins einstimmt. Diese legen direkt mit „Serpent Saints“, dem Titeltrack der aktuellen Platte, los. Es folgte ein solides Best-Of-Set quer durch die gesamten Bandgeschichte. Aktuelle Songs wurde mit Material von „Wolverine Blues“, „To Ride, Shoot Straight And Speak The Truth“ und „Morning Star“ gemischt. Einziger Wehrmutstropfen war das eklatante Fehlen von „Left Hand Path“. Die Show der Band war frei von jeglichen Schnörkeln und bot dreckigen Death´n Roll in Reinform. Die deutschen Ansagen von Frontmann L.G. Petrov („Alles gut meine Damen und Headbanger? Keine Lahmen hier, das ist fein!“) sorgten dann auch für das Extra an Unterhaltung. Überhaupt hatte seine leicht debil wirkende Bühnenpräsenz etwas von Ozzy. Stimmlich lies er im Gegensatz zu diesem jedoch keine Wünsche offen und röhrte ordentlich ins Mikro. Auch Gitarrist Alex Hellid war mit seinen coolen Riffs über alle Zweifel erhaben. Da der eigentliche Bassist der Band Vater wurde, hatten ENTOMBED einen Ersatz dabei der die Songs in einem Tag lernen musste. Dem Zusammenspiel der Band tat das keinen Abbruch. Coole Show.

18.00 (PZ) OBSCURA

Nach den Partymuckern BLACK MESSIAH liefern OBSCURA aus Bayern rein musikalisch gesehen, ein herbes Kontrastprogramm. Death Metal auf höchstem technischen Niveau ist ab sofort angesagt. Interessant war auch zu beobachten in welch rasanter Geschwindigkeit ein nahezu kompletter Publikumswechsel vollzogen werden kann. Somit hatten OBSCURA trotzdem leichtes Spiel ihre anspruchsvollen Kompositionen zu platzieren. Die Band orientiert sich an großen Vertretern des Genres wie CYNIC oder ATHEIST und überzeugen live mit einer Genauigkeit, die jeden nur halbwegs versierten Musiker im Publikum staunen lässt. So ist im Publikum ein breites Spektrum an Gefühlregungen auszumachen. Angefangen von anerkennendem Stauen bis hin zu exstatischem Headbanging ist da alles vertreten. OBSCURA untermauern mit diesem energiegeladenen Auftritt ihre Spitzenposition der deutschen Technical Death Metal-Fraktion. Dementsprechend frenetischen wird der Vierer abgefeiert – bitte mehr davon.

18.15 (MS) SCHANDMAUL

Eine Band wie Schandmaul könnte ohne Probleme auf jedem Kindergeburtstag spielen – was jetzt überhaupt nicht abfällig gemeint ist, sondern einfach den eingängigen Sound und die unfassbar sympathische Art der Band unterstreichen soll. Schon bevor die Band auf der Bühne war sah man nur glückliche Gesichter im Publikum und als die Formation dann ans Werk ging, begann für die folgende Stunde eine einzige glückselige Feier. Links und rechts auf der Bühne gabs jeweils eine kleine Treppenkonstruktion, die beim ersten Song „Vor der Schlacht“ von je einer der Damen in der Band eingenommen wurde, links und rechts neben dem Drumriser waren minimal niedrigere Riser für Gitarrist und Bassist installiert und über den ganzen Bühnenhintergrund prangte ein riesiges Backdrop mit dem Schriftzug der Band – ganz zu schweigen von den schicken Gewändern, besonders der Damen, die in edlen, figurbetonten Brokatkleidern auftraten! Die Band hatte sich also auch in Sachen Optik etwas einfallen lassen. Zu den leidenschaftlich dargebotenen Songs erzählte Fronter Thomas Lindner meist noch einleitende und oft unterhaltsame Geschichtchen (siehe beispielsweise „Missgeschick“) und so hielt sich auch das Spannungsbarometer immer im oberen Bereich. Man merkte der Band den Spaß, den sie hatte zu jeder Zeit an, es wurde jede Menge gegrinst und geflachst und es scheint die Band – und noch vielmehr die Fans – genießen diese letzten Gelegenheiten die Band live zu sehen, bevor sie sich für lange Zeit (es heisst für ca. 1,5 Jahre!) von der Bühne zurückziehen wird um intensiv und in aller Ruhe an neuem Material zu werkeln. Mit den umjubelten Zugaben „Frei“ und „Dein Anblick“ ging einer der Höhepunkte des Freitags zu Ende.

19.00 (PZ) KOLDBRANN

Bereits vor zwei Jahren waren die Norweger schon einmal zu Gast in Dinkelsbühl, hatten damals aber mit einer recht frühen Spielzeit und entsprechend überschaubaren Zuschauerzahlen zu kämpfen. Dieses Jahr ist das anders. Im ansehnlich gefüllten Partyzelt machen KOLDBRANN das Beste aus der ihnen gegebenen halben Stunde und richten erwartungsgemäß die erhoffte akustische Verwüstung an. Mit ihrem gnadenlosen und unbarmherzigen Sound gehören die Norweger zusammen mit URGEHAL zu den extremsten Bands des heutigen Tages. Bei aller Unnachgiebigkeit ist dem Sound der Norweger aber auch eine gehörige Portion Rock’n’Roll eigen, die das Material ein ums andere mal in die Nähe von etwa CARPATHIAN FOREST oder aktuellen SATYRICON rückt. Mit „Moribund“ und „Nekrotisk Inkvisition“ hat die Band zwei Alben und ein paar Zerquetschte (soll heißen EPs und Splits) auf der Habenseite. Das mag vielleicht nicht nach viel klingen, reicht aber mehr als aus, um sich mit reichlich Groove in die Herzen der Anwesenden zu spielen. Schunkelmusik der etwas anderen Art eben!

19.20 (PS) SABATON

SABATON sind eine verdammt ehrgeizige Band. Die Schweden veröffentlichen ihre Alben mittlerweile im Jahrestakt und sorgen so dafür, dass man um diese Band nicht mehr herum kommt. Mit eben solchem Nachdruck arbeiten sie sich auch auf den Billings so mancher Festivals immer weiter nach oben, so dass sie sich auch auf dem SUMMER BREEZE langsam der besten Sendezeit nähern. Wer ihre Show gesehen hat, weiß, dass das nicht ungerechtfertigt ist. Zwar gehört Sänger Joakim noch immer nicht zu den begnadetsten Sängern dieser Welt, ganz sicher aber zu ihren talentierten Entertainern. Mit ihren eingängigen Hymnen, die sich mal ein bisschen bei PRIMAL FEAR, mal ein bisschen bei HAMMERFALL und recht oft bei MANOWAR bedienen, reißen SABATON die Leute mit. Trotz der stets gegenwärtigen Kriegsthematik schwingt bei jedem Song ein kleines Augenzwinkern mit. Das wird besonders bei einem Song wie „Metal Machine“ deutlich, mit dem sich SABATON textlich vor ihren prägenden Vorbildern – von AC/DC bis JUDAS PRIEST – verneigen. Optisch hat es Sänger Joakim offenbar der Solarzellenanzug angetan, den HAMMERFALLs Oscar Dronjak vor ein paar Jahren gern getragen hat. Die Inspiration durch dieses ökologisch vollkommen korrekte Kleidungsstück kann sein Tränenblechharnisch kaum leugnen. Die Songs ihrer Alben – allen voran natürlich die des aktuellen Outputs „The Art Of War“ schlagen beim Publikum ein wie die sprichwörtliche Bombe. Selbst als die Band die Bühne nach Ende des abschließenden Medleys aus „Metal Machine“ und „Metal Crüe“ (übrigens eine weitere Hommage an unser aller Lieblingsmusik) bereits verlassen hat, wollen die „SABATON“-Sprechchöre minutenlang nicht abreißen. Wenn sich hier mal niemand für Höheres empfohlen hat…?

20.00 (PZ) URGEHAL

URGEHAL sind sicher ein Vertreter der Kategorie Band, die man entweder liebt oder hasst. Heut liegt den Norwegern das Publikum zu Füßen, denn es ist kaum anders zu erklären, dass das Zelt dicht mit finster dreinblickenden Black Metal Anhängern gedrängt ist. Aber genau dieser Umstand lässt den Gig zu einem ganz besonderen Erlebnis werden. Die Chemie zwischen Band und Publikum stimmt vom ersten grimmigen Grunzen an. Egal was Stachelkopf und Sänger Trondr Nefas auch veranstaltet, wird mit Inbrunst von den Fans aufgesogen. Man mag über die Norweger denken was man will, aber heute punkten die schwarzen Herren auf ganzer Linie und lassen keine Zweifel aufkommen, dass ihnen auf dem diesjährigen SUMMER BREEZE die schwarzmetallische Dornenkrone gehört. Fies und energiegeladen krachen die Songs aus den Boxen und schaffen eine beklemmend authentische Atmosphäre. URGEHAL werden an diesen Gig sicher ähnlich euphorisch zurückdenken wie auch das randvoll gefüllte Zelt. Großes Kino und eine Offenbarung für jeden Anhänger des norwegischen Black Metals.

20.15 (MS) LIFE OF AGONY

Frage: Was macht ein Hippie auf einem Metal Festival? Antwort: Er legt mit seiner Band einen der grandiosesten Auftritte des Festivals hin! Die Rede ist von Keith Caputo, seines Zeichens Frontmann von LIFE OF AGONY, der mit seinem weiten Leinenhemdchen, der übergroßen Sonnenbrille, den langen Haaren und der „Love, Peace, Universe!“-Ansagen in der Tat etwas wie ein Hippie wirkte. Die New Yorker legten einen absolut überzeugenden Auftritt hin (was im 20. Jahr ihres Bestehens wohl nicht jeder so erwartet hätte), der dann auch direkt mit dem Klassiker „River Runs Red“ begann. Überhaupt dominierten die Klassiker, also Songs vom ersten Album, das Set. Zentraler Punkt war der kleine Mann mit der großen Stimme. Caputo gab den Songs massig Seele mit auf den Weg und ging völlig im Material auf. Seine, im Vergleich zu den bekannten Versionen der Alben, immer wieder variiert gesungenen Passagen, gingen unter die Haut. Man merkte ihm genau an, dass seine Texte ihm noch immer genauso viel bedeuten wie in den Anfangstagen der Band. Natürlich durften auch Hits wie „Weeds“ oder „Other Side Of The River“ nicht fehlen. Bassist Alan Robert und Gitarrist Joey Z. hüpften über die Bühne wie zwei Flummies während Drummer Sal Abruscato souverän und mit sichtlichem Spaß das rhythmische Fundament dazu lieferte. Gut erzogen wie Caputo ist, bedankte er sich bei den Fans, den Veranstaltern, der Crew, dem Himmel und dem Universum und machte sich für die Liebe stark. Das Publikum lies sich nur zu gerne von der Band mitreißen. Es wurde viel gehüpft, im Kreis gerannt und lauthals gejubelt. Leider beendete die Band ihren großartigen Auftritt vor der regulären Spielzeit, da wäre locker noch Zeit für einen weiteren Hit wie z.B. „Pretend“ oder auch „Tangerine“ gewesen!

21.00 (PZ) CYNIC

Progressive Death Metal mit sphärischen Parts und einem ordentlichen Schuss Jazz. Was für manche per Definition schon ziemlich ungenießbar klingt, ist für die Conaisseure der Gipfel der Genüsse. Das „Focus“-Album aus dem Jahre 1993 genießt in Kennerkreisen uneingeschränkten Kultstatus und viele der Anwesenden dürften sehr froh gewesen sein, dass die Band sich nach langer Abwesenheit 2007 wieder zusammenfand und sogar im letzten Jahr ein neues Album auf den Markt brachte, mit dessen ersten drei Tracks auch ihre Show begann. Die Gelegenheiten die außergewöhnliche Band aus Florida live zu erleben sind recht rar gesät und so sah man schon vor dem Auftritt der Band einige extrem erwartungsfrohe Gesichter im Zelt. Ihrem Exotenstatus gab die Band auch in ihrem Auftreten und dem Bühnenaufbau Ausdruck. So stand das Schlagzeug nicht auf dem dafür vorgesehenen Drumriser, sondern ganz links auf der Bühne und diagonal zur Band und zum Publikum ausgerichtet. Die Gitarristen spielten die sonst in der Metalszene eher verpönten Headless-Gitarren und vermeintliche Standardposen fehlten völlig. Der schmächtige Gitarrist/Sänger Paul Masvidal wäre mit seinen kurzen Haaren und seiner bescheiden-sympathischen Art wohl den wenigsten als „Star“ aufgefallen, die versammelten Fans hätten ihn aber wohl am liebsten auf Händen getragen und gerne wesentlich länger als die der Band zugestandenen 40 Minuten bei sich gehabt. Trotz des hoch komplizierten Materials schaffte es die Band mühelos Stimmung ins Zelt zu zaubern, es wurde geklatscht und auch sonst munter interagiert, aber auch vielerorts einfach still und beseelt genossen.

21.35 (PS) AMORPHIS

Ein Garant für super Live-Stimmung sind und bleiben AMORPHIS, und das in verstärkter Form seit dem Einstieg von Sänger Tomi Joutsen, welcher eine wahre Bereicherung für die Finnen darstellt. Wer in den letzten Jahren einmal einem Auftritt der Band beiwohnen durfte, wird sicherlich zustimmen, dass diese durch den neuen Frontmann enorm an Energie und Präsenz hinzugewonnen haben. Und nicht zuletzt dank ihm fanden wieder einige alte Klassiker den Weg auf die Setlist. So auch an diesem schönen Sommerabend auf dem SUMMER BREEZE. AMORPHIS präsentierten sich in bestechender Form mit einer Ansammlung an Hits, welche kaum Wünsche offen lies, wenngleich das Hauptaugenmerk ganz klar auf den letzten drei Alben sowie „Tales From The Thousand Lakes“ lag. Schwachpunkte gab es keine. Überraschenderweise wurde „Black Winter Day“, eines der wichtigsten Stücke ihrer Kariere, nicht dargeboten, die Band wollte sich wohl etwas vom Standard lösen und nicht zu vorhersehbar sein. Auch die Lebensgeister scheinen enorm gesteigert, allen voran Tomi wirbelte über die Bühne wie ein Derwisch, seine meterlangen Dreads entwickelten sich während der Instrumentalparts zu einem gefährlichen Rotor. Und auch die anderen Bandmitglieder hatten sichtlich viel Spaß am Auftritt. Die finnischen Barden waren ein Jungbrunnen an Präzision, Spielfreude und Leidenschaft. Alte wie neue Stücke wurden perfekt dargeboten, und man musste sich schon mit den Werken der Gruppe auskennen, um die einzelnen Schaffensperioden der gespielten Lieder auseinander zuhalten. Optisch unterstützt wurde die Stimmung von einer äußerst gelungenen Lichtshow, welche perfekt auf die jeweiligen Stücke zugeschnitten war. Selbstredend, dass der Publikumsmagnet durch das Ausspielen sämtlicher Stärken leichte Hand hatten mit der riesigen Menschenmenge, die sich vor der Bühne angesammelt hatte. So versprühte die Musik zwar eine gewisse Melancholie, doch die Gesichter von AMORPHIS als auch der Fans sprühten vor Euphorie. Mit dem nostalgische Gefühle aufkommen lassenden „Magic And Mayhem“ endete der umjubelte Auftritt.

22.05 (PZ) VREID

Nach den filigran-verspielten und komplexen CYNIC gabs mit den Norwegern VREID krasses Kontrastprogramm. Dementsprechend gabs während der Umbaupause einen fast kompletten Zuschauerwechsel im Zelt. Die WINDIR-Nachfolgeband ließ wieder finsteren Black Metal im Zelt Einzug halten. Anstatt sich aber schwarz-weiß zu schminken, haben sich die vier für eine Art Uniform entschieden, die natürlich weitestgehend schwarz war. Die in schwarz und blutrot gehaltenen Aufsteller, die gestalterisch eine Mischung aus dem Design ihres aktuellen Albums und der Flagge ihres Heimatlandes waren, sorgten zusätzlich für Atmosphäre und als dann zur Einstimmung eine Sirene erklang, hatten sie auch die volle Aufmerksamkeit des Publikums. Bei den Texten wechselten sie zwischen Norwegisch und Englisch, was die Sache noch zusätzlich interessant machte. Direkt mit dem Opener „Jarnbyrd“ hatten sie ihr Publikum fest im Griff, wo es auch bis zum Ende der Show blieb. Mit ihren überraschend düster-groovenden Songs und ihrem souveränen Auftreten, hatten sie aber auch ein paar gute Argumente auf ihrer Seite und verwandelten dieses Kapital zu einem mehr als gelungenen Auftritt, der mit „Pitch Black“ von ihrem fast gleichnamigen Album zu Ende ging.

22.40 (MS) AMON AMARTH

Was sich in den beiden Tagen zuvor schon anhand der zahlreichen AMON AMARTH Shirts auf dem Gelände ankündigte, wird an diesem Abend bestätigt. Der Platz vor der Hauptbühne ist ebenso prall gefüllt wie die fliegende Jägermeister Bar, sowie auch alle anderen Nischen, die noch einen halbwegs uneingeschränkten Blick auf das gleich folgende Geschehen ermöglichen. AMON AMARTH haben geladen. Und um es gleich vorweg zu nehmen: AMON AMARTH übertreffen mit diesem Auftritt zweifelsfrei alle bisher markierten Rekorde in Sachen Zuschauerresonanz. Dabei hatten die Wikinger weder ihren Drachenschiff-Aufbau im Gepäck noch sonst überdurchschnittlich ausladende Requisiten auf der Bühne platziert. Die riesige Bühne mit mehreren Ebenen gab ihnen jedoch vielfältige Möglichkeiten sich zu präsentieren. Es war aber an sich auch gar kein großes Brimborium notwendig, denn die Schweden regierten mal wieder alleine dank ihrer schieren Präsenz. AMON AMARTH jagten an diesem denkwürdigen Abend einen Kracher nach dem anderen durch die PA. Egal welcher Song von den Nordlichtern um Fronthüne Johan Hegg angestimmt wird, es herrscht pure Raserei im Publikum. Angefangen beim donnernden Opener „Twlight Of The Thunder God“ über das martialisch dargebotene „Guardians Of Asgaard“ bis hin zum krachenden „Fate Of Norn“ verlangen die Mannen dem Publikum alles ab. Es scheint, als ob das Festival und die Band eine spezielle Beziehung haben, denn sie gibt an diesem Tag mal wieder alles, formiert sich im gefühlten Sekundentakt neu auf der Bühne und genießt die Energie und fast Magie, die in der Luft hängt. Mächtig Ausdruck bekommen die Songs beim Auftritt der Donnergötter durch eine imposant inszenierte Licht- und Pyroshow. Umrahmt von Feuerfontänen finden sich die Rhythmus- und Gitarrenfraktion immer wieder kollektiv zum synchronen Haareschütteln ein. Nach dem grandiosen „Pursuit Of Vikings“ ist erst einmal Schluss mit dem Treiben. Aber weit gefehlt, auch wenn einige völlig erschöpften Fans vielleicht dankbar gewesen wären, das Ende des Gigs war noch nicht gekommen. Nach einem kurzen Intro mobilisiert Fronter Johann Hegg die letzten Kräfte und treibt das Publikum zu finalen Höchstleistungen an. Nach „Cry Of The Blackbirds“ bei dem Bassist Ted Lundström wegen technischen Problemen größtenteils aussetzt, folgt unausweichlich der im Feurglanz dargebotende Hit „Death in Fire“. AMON AMARTH hinterlassen an diesem Abend ein völlig verausgabtes, aber zufriedenes Publikum und untermauern einmal mehr ihren mittlerweile unangefochtenen Status.

23.05 (PZ) THE SORROW

Die Österreicher von THE SORROW waren sicherlich eine der heißesten Bands im Zelt an diesem Abend – zumindest was die Publikumsreaktionen und Temperaturen anging. Sie verwandelten das Zelt während ihres Auftritts nahezu in eine Sauna, umso erstaunlicher, dass es dort doch tatsächlich noch zu zehrenden Aktionen wie diversen Wall Of Deaths. Die Band hat zwar erst zwei Alben am Markt, war mit denen aber viel unterwegs und legte einen absolut gekonnten Auftritt hin. Die Songs der Alben wurden gleichmäßig übers Set verteilt und trafen beim Publikum auf offene Arme und Ohren. Die eingängigen Tracks boten zahlreiche Gelegenheiten zum mitsingen und Fäuste recken. Die Band selbst hatte sichtlich Spaß an ihrer Show und genoss die Interaktion mit den Fans sichtlich. THE SORROW sind auf der Bühne zu einer echten Macht geworden. Mit dem Hit „Death From A Lovers Hand” ihres Debuts fand eine mehr als überzeugende Show ihren krönenden Abschluss.

00.00 (PS) HAGGARD

Eigentlich hätte das mittelalterliche Metal-Orchester (klingt komisch, triffts aber ziemlich gut!) pünktlich zur Geisterstunde loslegen sollen, aber erstens kommt es anders… Wie üblich war es schwierig die vielköpfige Formation, trotz reichlich Umbaupause, entsprechend zu disziplinieren, und so kam es erneut zu einer fast schon traditionellen Verzögerung. Als die Band dann endlich auf der Bühne war, lief erst mal ein Intro mit dramatischem Erzähler vom Band, bevor es dann mit „Tales Of Irithia“ tatsächlich losging. Es war erstaunlich, wie es das Bandkollektiv tatsächlich geschafft hatte, all die Instrumente, Musiker und Säner(innen) auf der „kleinen“ Pain Stage zu arrangieren. Das ca. 10köpfige Orchester saß vor Notenständern die mit Kerzen beleuchtet wurden in der Mitte der Bühne, links daneben war das Schlagzeug aufgebaut und auf der anderen Seite Pauken und Percussion untergebracht. Neu war, dass die beiden (Opern-)Sängerinnen nicht mehr mittelalterlich gewandet vors Publikum traten, sondern eher der Veranstaltung gerecht schwarz gekleidet waren. Die Band im allgemeinen dürfte ja schon polarisieren, aber der streckenweise doch sehr schrille Gesang der Damen, war manchmal fast schon etwas zu viel des Guten. Die biegsamen Tanzeinlagen der Ladies wurden vom Publikum aber gebannt verfolgt. Sänger Asis Nasseri leitete auf seine ganz eigene Art durchs Programm, spielte zusätzlich Gitarre und steuerte bei den derberen Passagen auch noch Growls bei. Für die zahlreich erschienenen Fans, die der kompletten Vorstellung gebannt und weidlich feiernd folgten, sicherlich wieder ein Höhepunkt des Festivalsommers.

00.10 (PZ) FIREWIND

Die Freunde von melodischen Gitarrenfrickeleien kamen bei dem Auftritt von Firewind voll auf ihre Kosten. Die Griechen boten ein Power Metal-Spektakel der Extraklasse. Einer der Gitarristen wechselte regelmäßig zwischen der Sechssaitigen und dem Keyboard und bewies sein Können ebenso souverän an beiden Instrumenten. Mit südländischem Charme und den Power Metal-typischen Posen sorgte die Band für Stimmung. Ihrem Namen machte die Band mit den aufgestellten Ventilatoren die für ordentlich (Fire-)Wind auf der Bühne sorgten, alle Ehre. Interessant war auch die Kreuzform einiger Becken am Drumkit. Frontmann Apollo Papathanasio sang in höchsten Power Metal-Regionen und traf dabei trotzdem jeden Ton perfekt. Ein stimmungsvoller Höhepunkt war sicherlich das Cover von „Maniac“. Auch wenn die Band im Billing der Zeltbühne zu diesem Zeitpunkt sicherlich ein Exot war, überzeugten FIREWIND mit einem gelungenen Auftritt.

01.15 (PZ) PROTEST THE HERO

Eine der außergewöhnlichsten Bands des Festivals waren sicherlich die Kanadier PROTEST THE HERO. Die Band kombiniert progressiven Metal mit vertracktestem Chaoscore, garniert mit einem Spritzer Punk-Attitüde. Wer die Band nicht kennt, ist mit diesem Sound schnell mal überfordert, denn da wird selten ein Part länger als ein paar Sekunden gespielt; Vokabeln wie hyperaktiv und hysterisch drängen sich auf. Insbesondere auch der teilweise sehr hohe Gesang des Frontmanns überrascht beim ersten Kontakt mit der Band. Jedoch schienen nicht wenige der Anwesenden im Zelt genau zu wissen was sie erwartet. Den über das Griffbrett flitzenden Fingern der Gitarristen war oft nur schwer zu folgen. Nach verzwickten, fast wirren Parts, folgten zur Belohnung dann aber immer wieder begnadete Melodien mit hohem Wiedererkennungswert. Optisch interessant waren neben dem in Badelatschen spielende Bassisten, auch die vielen farbigen T-Shirts der Band. Sänger Rody Walker machte sogar extra darauf aufmerksam „We Are The Most Colorful Band Of The Festival“. Überhaupt hielt er sich mit witzigen Ansagen nicht zurück. Die Pausen, die der Drummer benötigte um sein Kit wieder gerade zu rücken, nutze er um beispielsweise klarzustellen, dass die Band aus Kanada und NICHT aus den USA stammen oder Songs mit „This Next Song Is About Satan! …No, It´s Not!“ anzukündigen. Ebenso lernte er das deutsche Wort „Ficken“, was er sofort zu „Ficken You“ benutzte. Das und natürlich die musikalisch atemberaubende Darbietung machte den Auftritt von PROTEST THE HERO zu einem echten Highlight.

02.20 (PZ) RAUNCHY

Mit RAUNCHY biegt dieser lau(t)e Freitagabend langsam auf die Zielgerade ein. Als vorletzte Band des Tages geht noch einmal ein richtiges Highlight an den Start. Agil, super aufeinander und auf das Publikum eingespielt und mit hochmelodischen, modernen Metal-Songs zum Niederknien gesegnet, machen RAUNCHY die Nacht zum Tag. Mit „Remembrance“ vom 2006er Album „Death Pop Romance“ legen die Dänen los. Besser als mit diesem Plattentitel kann man den eingängigen Sound der Jungs auch kaum umschreiben. Vom gängigen Modern Metal- bzw. Metalcore-Brei heben sie sich angenehm ab, indem sie nicht am allgemeinen Härter-schneller-krasser-Wettbewerb teilnehmen, sondern die Eier in der Hose haben, richtig geile Melodien in ihre Songs zu basteln, die zu einem Großteil sogar vom Keyboard kommen. Tut es ihrem Impact irgendeinen Abbruch? Mitnichten. “Summer Of Overload” und vor allem das Cover zu “Somebody’s Watching Me”, das seinerzeit MICHAEL JACKSON mit ROCKWELL veröffentlicht hat, lassen aufhorchen und wissen: hier sind Leute am Werk, die scheuklappenfrei nichts und niemandem etwas zu beweisen haben. Keinerlei Anbiederung, sondern ein ganz eigener Stiefel. Das Publikum dankt es der Band mit minutenlangen „Zugabe“-Rufen. Fett!

03.20 (PZ) ELVENKING

Bereits der Soundcheck verrät es: jetzt wird gefiedelt. ELVENKING aus Italien mögen es offenbar ungeheuer melodisch, verlassen mit ihrem zuckersüßen Sound den schmalen Grat zwischen Kunst und Kitsch aber leider öfter mal in die falsche Richtung. Fröhliche Hupfdolen-Liedchen mit lustig trällernden Twin-Guitars, einer omnipräsenten Geige und den semi-geraden Vocals von Sänger Damna, dessen Bewegungen und Gesten wohl vom jüngst verstorbenen King of Pop inspiriert sind, sorgen im Publikum für Bombenstimmung. Der eine Teil hat sichtlich Spaß an der Vorstellung der Band, der andere findet das Gebotene offenbar wirklich gut. Die Kommunikation mit dem Publikum ist aber alles andere als ein Dialog. Denn die wiederholte vehemente Forderung des einen Teils nach einer Wall Of Death verhallt ohne Reaktion seitens der Band. Ein bisschen Message hat man schließlich auch zu vermelden: in „Infection“ geht es um Selbstmord. Schön, dass man auch ein so heikles Thema in so drolliges Tralala verpacken kann. Gegen vier Uhr in der Früh packt der Elfenkönig dann sein Gefolge ein und entlässt das Publikum nach einem ausladenden Solo- und Drumfill-Finale MANOWAR’schen Ausmaßes selig lächelnd in die Nacht.