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  1. Summer Breeze 2006
  2. Freitag 18.08.2006
  3. Samstag 19.08.2006
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11.00 Uhr (MS) APOSTASY

Ich kann mir wahrlich angenehmeres vorstellen, als von APOSTASY aus dem Schlaf gerissen zu werden. Man stelle sich vor, man feiert auf nem sehr feinen Festival, wankt in den frühen Morgenstunden mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen ins (hoffentlich) eigene Zelt, träumt vom nie leer werdenden Bierbecher oder ähnlichen Schönheiten des Lebens und dann bollern da um 11 Uhr (also quasi mitten in der Nacht) so wildgewordene schwedische Todesmetaller durch den Gehörgang! Wenn einem die Herren auch den Schlaf geraubt haben mögen, es war definitiv wert für sie aus den Federn zu kriechen, denn in Deutschland hat diese Band noch niemand auf einer Bühne gesehen, will sagen: es war ihr Debut bei uns. Das scheint besonders den Bassisten motiviert zu haben, denn trotz fies kaltem und böigem Wind zeigte er die nackte Brust und war zudem noch barfuss, Respekt! Trotzdem das LineUp erst Anfang August wieder komplettiert worden war, zeigte die Band eine homogene Leistung und brachte trotz früher Stunde schon so manchen Kopf zum Bangen. Natürlich war noch nicht allzu viel los vo der Bühne, es strömten aber stetig Leute hinzu und unterm Strich kann man der Band zu einer gelungenen Deutschlandpremiere gratulieren.

11.30 Uhr (PS) EXCREMENTORY GRINDFUCKERS

In Form der EXCREMANTORY GRINDFUCKERS hält der organisierte Blödsinn Einzug auf dem Summer Breeze. Die Band aus Hannover veralbert so ziemlich alles und jeden. Fun-Grind heißt ihre Schublade dann wohl. Dabei gehen sie streckenweise durchaus als Grindcore-Version von JBO durch. Das hieß dann Growlpasssagen trafen auf hodengeschädigten Fistelgesang, auf Blastbeat folgte Tango und aus den bekannten Schlager „Im Wagen vor mir“ wurde „Im Graben vor mir“, aus David Hasselhoffs „Looking For Freedom“ wurde „Looking For Grindcore“ und auch der E.A.V.-Hit „Fatamorgana“ wurde als „Vater Morgana“ durch den Grindwolf gedreht. Die Band dürfte so ziemlich die einzige Band auf dem Festival sein, die es in 30 Minuten auf 14 Songs bringt. Der Drummer kam allerdings nicht ganz (ähem) an die Präzision des 1349 Drummers heran. Vor der Bühne feierten aber trotzdem deutlich mehr Fans als vorher noch bei APOSTASY und sogar die Grabensecurity musste schon die ersten Crowdsurfer von den Köpfen der Zuschauer fischen.

12.05 Uhr (MS) LENG TCH’E

Es wurde keiner auf alte, traditionelle, chinesische Weise langsam durch tausende kleine Schnitte zu Tode gefoltert, aber man musste schon gute Nerven haben und offen für extremere Sounds sein, wenn man sich den Belgiern an diesem Freitag Morgen stellen wollte. Und damit ist jetzt weniger das HipHop-Intro, das sie zu Beginn ihrer Show laufen liessen gemeint.. Ich musste spontan an das selbstkritische Shirt des Gitarristen der EXCREMENTORY GRINDFUCKERS denken. Auf dessen Rücken stand „Musik machen andere“ und damit hat er wohl direkt LENG TCH’E gemeint. Denn die waren u.a. auch im Grindcoretal zu Hause, haben aber auch Verwandte im Stonerwald, im Hardcoregarten und auch das Tal des Todes hat so seine Spuren in ihrem Sound hinterlassen. Rein optisch waren sie am ehesten dem Hardcore zuzuordnen, bis auf den Drummer hatte keiner lange Haare, Sänger Boris ist kahlgeschoren, trug ein weißes Muscle-Shirt und eine fette Goldkette und der Gitarrist trug zum stylishen MASTODON-Shirt ausladende Baggypants, Skatersneaker und Käppi. Aus diesem musikalischen und optischen Vielerlei schaffte es die Band aber auf fesselnde Weise ein faszinierendes und vor allem mächtig fettes Ganzes zu schmieden, definitiv eine DER positiven Überraschungen des Festivals. Sänger Marko machte mit seinen Deutschkenntnissen bei den Ansagen dann noch zusätzlichen Boden gut. Einziges Mako war der nicht ganz tighte Drummer, aber das dürfte nur den wenigsten Leuten die schmackhafte Suppe versalzen haben.

12.40 Uhr (PS) THE OCEAN

Mit THE OCEAN ging eine weitere Ausnahmeband an den Start. Schon vom Aufbau her, liess sich erahnen, dass sich da nichts konventionelles anbahnt, denn auf dem Drumriser teilten sich zwei Schlagzeuger den Platz. Der klassisch agierende hatte sein Kit quer zum Publikum aufgebaut, so dass er als von der Seite zu sehen war. Ihm gegenüber stand ein weiterer Drummer, der u.a. auf zwei Standtoms, diversen Becken und einem Metallfass herumklopfte und beim ersten Song zusätzlich noch mit einer Flex ein Stahlblech rhythmisch bearbeitete und nebenbei noch imposanten Funkenflug produzierte. Beim Durchzählen fiel dann gleich mal auf, dass da etwas mehr Leute als bei der klassischen Metal-Band auf der Bühne sind und zweitens, dass THE OCEAN heute „nur“ zu sechst zu Gange waren. Es waren nämlich nur zwei Gitarristen im Einsatz, ansonsten werden drei gelistet und, traurig aber wahr, einer ihrer Sänger hat sich kürzlich zurückgezogen und so war das Berliner Krachkollektiv gezwungen sich für die zugesprochenen 30 Minuten Spielzeit auf die heftigeren Songs ihres Repertoires zu beschränken, somit heute also eher Vergleiche zu CONVERGE und weniger ISIS. Zwischen den Songs gabs ab und an ein paar Einspielungen bzw. Samples, beim letzten Song z.B. eine Passage aus David Finchers Fight Club.

13.15 Uhr (MS) TRAIL OF TEARS

Die sympathischen Norweger waren ja bereits 2005 für einen Auftritt eingeplant, haben es dann aber doch nicht geschafft, schön dass sie eine zweite Chance bekommen haben. Die Norweger erschienen quasi im “Partnerlook”, hatten also allesamt komplett schwarze Klamotten an. Zwei der üblicherweise sieben Bandmitglieder sind fürs Singen zuständig, Ronny Thorsen war für die derben Shouts zuständig, während sein glatzköpfiger Kollege Kjetil Nordhus die melodischen Passagen besorgte. Wobei der etatmäßigen Keyboarder nicht zu entdecken war, der war also entweder gar nicht dabei oder sehr gut in einer Ecke getarnt. Ich vermute, dass Drummer Jonathan Perez die Parts von Konserve einspeiste… Jedenfalls war die Band durch die beiden Sänger und die Synthieparts sehr variabel unterwegs, da trafen dann schon mal Blastattacken auf ruhigere Passagen mit Streicherarrangements. Trotz des nach wie vor windig-kalt-fiesen Wetters waren die ersten Reihen enthusiastisch dabei. Mit dem Smasher „Cold Hand Of Retribution“ von ihrem „Free Fall Into Fear“-Album beendeten sie eine überzeugende Show, die hier und da mal an NEVERMORE erinnerte.

13.50 Uhr (PS) FRAGMENTS OF UNBECOMING

FRAGMENTS OF UNBECOMING luden um kurz vor 14 Uhr zum Verdauungsmoshen ein. Einer Einladung der schon früh einige Fans nachkamen. Das Quartett heizte den Anwesenden auch gleich mit ihrer Mixtur aus melodischem Schweden-Death Metal und brutalstem Florida-Geballer mächtig ein. Frontmann Sam Anetzberger wirkt mit seinem rasiertem Schädel mit Zöpfchen am Hinterkopf optisch zwar eher wie ein Krishna-Anhänger, war stimmlich jedoch der Archetyp eines Death Metal-Fronters. Sowohl fieses Kreischen als auch tiefes Growlen bringt der Herr kraftvoll und mit Inbrunst rüber. Seine Begleiter reißen die Songs ebenfalls in technischer Perfektion runter und boten der Menge so genau das, was sie wollten. In der ersten Reihe waren dabei einige äußerst textsichere Jungs auszumachen die Anetzberger förmlich an den Lippen klebten. Cool.

14.25 Uhr (MS) POTENTIA ANIMI

Wer diese Jungs einfach als weitere Mittelalterband abgestempelt hat, begeht einen schweren Fehler. Natürlich gehören sie in diese Szene, aber bei ihnen ist der Unterhaltungsfaktor deutlich höher. Keiner, der ihren Auftritt beim diesjährigen Breeze erlebt hat, wird die Band so schnell vergessen. Die vier Herren von “Kraft der Seele“ (was der Bandname wörtlich übersetzt bedeutet) kamen als Glaubensbrüder im Auftrag des „Herrn“ aufs Festival und schmetterten nach jedem Song ein „Halleluja“ in die Meute. Drei von ihnen sahen aus wie Mönche, der Geiger „Bruder Schnabausus Rex der Aussätzige“ erschien im Papstoutfit. Barfuss waren sie allesamt. Ihr Schlagwerker und gleichzeitig auch einer der Sänger „Bruder Liebe“, stand mit seinen Bandkollegen direkt auf der Bühne und so blieb der Drumriser im Bühnenhintergrund ungenutzt. Zudem spielte er stehend und hatte allerlei Unkonventionelles an seinem Schlagzeug. Gitarrist „Bruder Nachtfraß“ spielte ausschließlich auf alten Instrumenten, nur Bassist „Bruder Schlaf“ griff auf einen konventionellen E-Bass zurück. Mit ihrer fröhlichen Natur und allerlei treffenden Scherzen unter der Gürtellinie hatten sie das Publikum schnell auf ihrer Seite, ein Song wurde auf dem bekannten Riff von AC/DCs „Thunderstruck“ aufgebaut und nachdem sie zum ertsen Mal von der Bühne gingen gabs so massive Zugaberufe, dass sie dem Volk mit „Ewigkeit“ noch einen Nachschlag gaben.

15.05 Uhr (PS) SCAR SYMMETRY

Christian Älvestam ist ein charismatischer Frontmann vor dem Herrn. Der Mann kann nicht nur brüllen, so dass der durchschnittliche Löwe vor Neid erblassen würde, er hat auch ein ausgesprochen gutes Händchen für melodische Passagen mit dem gewissen Pop-Appeal. Das Publikum frass ihm jedenfalls gleich nach dem coolen Horrorfilm-Intro aus der Hand, honorierte lustige deutsche Ansagen wie „Vielen Fucking Danke!“ und sah auch großzügig über leichte Schwächen bei der ein oder anderen melodischen Gesangspassage hinweg. Bei der Songauswahl konzentrierte sich die Melodic Death Metal-Band hauptsächlich auf Songs von ihrem aktuellen „Pitch Black Progress“-Album und baute nur zwei Songs des 2005er Debuts „Symmetric In Design“ ein. Die bis auf den Drummer kurzhaarigen Musiker liessen trotzdem ordentlich die Rüben kreisen und machten das beste aus ihren 40 Minuten Spielzeit.

15.45 Uhr (MS) REBELLION

REBELLION wurden von den ehemaligen GRAVE DIGGER-Mitgliedern Uwe Lulis und Tomi Göttlich gegründet. Die musikalische Marschrichtung deckt sich dabei weitestgehend mit der von GAVE DIGGER. US-Power Metal verbunden mit typisch deutschem Heavy Metal der alten Schule. Damit waren REBELLION die erste Band aus diesem Genres im Festivalsaufgebot. Seltsamerweise konnte das noch nicht besonders viele Fans vor die Bühne locken. Doch die relativ Wenigen, die gekommen waren, gaben sich dafür umso enthusiastischer. Sie bekamen das volle Programm, sozusagen „Metal in Reinform“ geboten – inklusive aller genreüblichen Posen. Bassist Göttlich war von den Reaktionen sehr angetan, bedankte sich höflich beim Publikum und stellte klar, dass Shows wie diese auch nach 20 Jahre als Musiker etwas ganz besonderes sind.

16.35 Uhr (PS) ONE MAN ARMY & THE UNDEAD QUARTET

Über deutlich mehr Fans konnten sich ONE MAN ARMY & THE UNDEAD QUARTET freuen. Die bereits zweite Nachfolgeband von THE CROWN die das Summer Breeze beehrt, geben von der ersten bis zur letzten Minute Vollgas. Stilistisch orientieren sie sich wesentlich stärker an der Vorgängerband als ANGEL BLAKE dies noch am Tag zuvor taten. Gewürzt wird der flotte Death-Metal Sound mit einer saftigen Kelle Rock´n Roll. Blickfang war vor allem Shouter Johan Lindstrand, der beinahe mehr Haare an der Backe, als auf dem Kopf hatte. Aber auch der Rest der Band hatte sichtlich Bock zu spielen, was das Energielevel in schwindelerregende Höhen trieb. Souverän bretterte die Combo die Songs ihres Debütalbums „21st Century Killing Machine“ äußert bewegungsfreudig herunter. Die erstaunlich textsicheren Fans hatten offenbar ähnlich viel Spaß, wie auch die Band. So trieben Gitarrist und Sänger allerlei Unsinn auf der Bühne, da gab es dann auch schon mal nen Klaps auf den Hintern… Am Ende des Sets meldeten sich sicherlich viele neue Fans zum Dienst in der ONE MAN ARMY.

17.20 Uhr (MS) EXILIA

Bands, die man zunächst nicht im LineUp des Breeze vermuten würde, haben hier trotzdem ein lange Tradition. Ob nun Hardrocker wie KROKUS, Crossover wie DIE HAPPY oder seichter Modern Rock wie STONE THE CROW; da hat man damals auch erst leicht gestutzt und war später überrascht, wie gut sich die Bands verkauft haben und aufgenommen wurden. Ähnliches geschah auch dieses Jahr mit EXILIA. Wie einst für ihren prominenten italienischer Landsmann Julius C. galt auch für Sängerin Masha und ihre Jungs „Veni, vidi, vici“. Sie hatten mit ihrem eingängigen New Metal/Crossover-Mix aber auch leichtes Spiel und hatten schnell große Teile der Massen vor der Main Stage im Sack und konnten sie nach belieben zum Hüpfen, Klatschen und sonstigem Ausrasten dirigieren. Man kann von der Musik halten, was man will, an der Performance war, sowohl spielerisch und vor allem auch stimmlich nichts auszusetzen. Die zwergenhafte Masha (das Effektboard ihres Gitarristen war breiter als sie hoch) legte weite Strecken auf der Bühne zurück, animierte das Publikum und brüllte sich vor allem rücksichtslos die Seele aus dem Leib. Natürlich fehlten weder die bekannten Hits wie „Stop Playing God“ noch die aktuellen Tracks von ihrem Ende Juli erschienen „Nobody Excluded“-Album. Dessen aktuelle Auskopplung „Kill Me“ war dann auch der umjubelte Abschlusssong. Er prangert massiv die Menschrechtsverletzungen im allgemeinen und George W. Bush-Guntanamo-Handhabung im besonderen an. Um das auch optisch zu unterstreichen, trug Masha und zwei Roadies bei dem Song passende signalorangene Overalls.

18.10 Uhr (PS) TURISAS

Die Finnen von TURISAS machen ihrem Namensgeber, einem altertümlichen finnischen Kriegsgott, alle Ehre und betreten die Bühne in voller Kriegsmontur – inklusive Bemalung. Verpackt in Felle und beschmiert mit blutroter Farbe sieht die Truppe aus, als käme sie gerade aus einer saftigen urzeitlichen Schlacht zurück. Doch das war nicht das einzige Besondere an der Band, auch die Instrumentierung ist auffällig. Neben der üblichen Rock-Besetzung trat die Band mit Keyboard, Violine und Akkordeon auf. Insbesondere letzteres Instrument sichtet man auf Metalbühnen eher selten. Für den Sound der Band, macht dies aber durchaus Sinn. Schließlich würzten die Krieger ihre schwarzmetallischen Songs mit allerlei Einflüssen aus der finnischen Folklore. Mit Mittelalter-Metal haben TURISAS dennoch wenig zu tun, dazu sind sie zu heftig. Beim Publikum findet das durchaus Anklang und sie feiern die Truppe wie wahre Kriegshelden.

18.55 Uhr (MS) AMORPHIS

Selbstbewusst starten AMORPHIS mit einem Song vom neuen Album. „Leaves Scar“ erweist sich dann doch tatsächlich als der ideale Opener für die Band, da er alle Vorzüge der Band vereint und sogar die Death-Metal Wurzeln durchblitzen lässt. Diese verleugnen die Finnen auch später im Set keineswegs und schmettert schon als dritten bzw. vierten Song „Against Widows“ und „Into Hiding“ in die Meute. Der neue Mann am Mikro, Tomi Joutsen, erweist sich dabei als überaus charismatischer als auch variabler Frontmann der sich sowohl in den cleanen Gesangsparts als auch fiesen Grunts wohl fühlt. Mit seinen langen Dreadlocks den Propeller-Mosh zu machen, ist sicherlich nicht besonders angenehm auf der Kopfhaut, macht aber optisch einiges her. Weiter im Set wechselt die Band immer wieder zwischen Klassikern und aktuellem Material hin und her und unterstrich so die große Bandbreite von AMORPHIS. Von sphärischem 70s-Rock, über schmissige, fast Radio kompatiblen Songs wie „Divinity“, bis hin zu Death Metal-Krachern wie „On Rich And Poor“. Zum Schluss gab die Band dem Publikum, worauf vor allem die älteren Fans gewartet hatten. Der Hit „Black Winter Day“ beendete einen rundum überzeugenden Auftritt.

20.00 Uhr (PS) HEAVEN SHALL BURN

Mit HEAVEN SHALL BURN betraten am frühen Abend eine der führenden deutschen Metalcore Bands die Painstage. Die Band steht vom Moment des ersten Tons bis zum letzten unter Strom. Gleich der Opener „The Weapon They Fear“ schlägt auch beim Publikum direkt ein, wie eine Bombe. Sofort bilden sich gleich mehrere Moshpits, die das das komplette Set über bestehen bleiben. Der Spielspaß, den die Jungs an den Tag legen, ist ihnen deutlich anzumerken und springt direkt auf das Publikum über. Der Aufforderung des sympathischen Shouters Marcus Bischoff Circle-Pits zu bilden, kommt die Crowd herzlich gerne nach. Metal- und Hardcore-Fans feiern die Jungs gleichermaßen einträchtig ab, nahmen deren Power dankbar auf und gaben sie potenziert wieder zurück. Dabei war es ganz egal, ob Songs vom Hitalbum „Anitgone“ gespielt wurden oder ältere Stücke wie „The Seventh Cross“. Völlig aus dem Häuschen gerät sowohl Band als auch Publikum bei dem brandneuen Track „Counterweigth“ vom bald erscheinenden neuen Album „Deaf To Our Prayers“. Metaller, die Metalcore Bands wie HEAVEN SHALL BURN bisher mitleidig belächelt haben, dürfte nach dieser Show die Kinnlade herunter geklappt sein.

20.50 Uhr (MS) MORBID ANGEL

MORBID ANGEL gehören seit über 20 Jahren zu einer der wichtigsten Death Metal Bands, den Posten des Co-Headliners hat die Truppe somit auch absolut verdient. Die Band betrat im klassischen Line-up mit Bandkopf und Gitarrengott Trey Azagthoth, Drumwunder Pete Sandoval, Gitarrist Eric Rutan und Shouter/Bassist David Vincent die Bühne. Insbesondere die Wiedervereinigung mit David Vincent, von dem sich die Band 1996 getrennt hat, dürfte viele Fans gefreut haben. Die Reunion bedingte auch, dass sich die Setlist ausschließlich aus Song der ersten vier Alben zusammensetzte. Aber mal ehrlich, um Songs aus späteren Phasen zu spielen ist die limitierte Spielzeit zu schade. Wer sich gefragt hat, ob die Jungs noch immer die immense Power von früher entfesseln können, bekommt von der Band eine klare Antwort: Ja! Angetrieben von Sandovals fast übermenschlichem Drumming feuerten MORBID ANGEL Klassiker wie „Rapture“, „Maze Of Torment“ oder „Fall From Grace“ ab. Die Gitarrenarbeit von Azagthoth war faszinierend. Der Meister spielt seine Solos nicht nur mit den Fingern sondern mit seinem ganzen Körper. David Vincent, dessen Ansagen betont lässig waren, bot stimmlich keinerlei Anlass zu meckern. Höhepunkte der Show waren dann zweifellos die Hits „Where The Slime Live“ und das beklemmende „God Of Emptiness“. Das Publikum liess sich dankbar ordentlich durchfönen. Eine rundum gelungene Show des heimlichen Headliners.

21.55 Uhr (PS) LIV KRISTINE

Die Protagonistin aus Norwegen, Musiker und Gäste aus der Schweiz, den USA und Österreich; Liv bemerkte ganz richtig, dass es somit auf der Bühne ähnlich international zugeht, wie davor: stressfreie und einträchtige Völkerverständigung. Bei der Musik der nordischen Elfe dürfte es auch sehr schwer fallen in irgendeiner Weise aggressiv zu werden, erst recht in der dargebotenen Instrumentierung und auch sonst hat ihr Sound jede Menge Pop-Appeal. Für den Auftritt beim Summer Breeze hatte sich die Sängerin auch einige Überraschungen einfallen lassen, schon allein die opulente Besetzung mit zwei Gitarristen, Basser, Drummer und vor allem dem vierköpfigen Streichensemble war ganz großes Kino, später begrüßte sie dann beim Song „3 am“ noch Devin Graves aka. Buddy Lackey (Fronter von DEAD SOUL TRIBE und Ex-PSYCHOTIC WALTZ) als Gastsänger, der ihr dann auch noch beim abschliessenden „A Distance There Is“ mit seiner Querflöte zur Seite stand. Überraschend auch die Coverversion in der Mitte des Sets von Bruce „The Boss“ Springsteens „Streets Of Philadelphia“. Bei den drei bis vier eher Programming-dominierten Songs hatte der Schlagzeuger an seinem E-Drumkit eher weniger zu tun und beschränkte sich auf Becken und Hi-Hat, dem Volk hats aber gefallen.

22.45 Uhr (MS) LACRIMOSA

Kaum eine Band dürfte im Vorfeld so die Meinungen gespalten und polarisiert haben wie LACRIMOSA. Gothic-Bands sind seit jeher Teil dieses Festivals, eine derartige Dark Wave-Kultband hatte man seither aber nicht im LineUp und schon gar nicht auf dieser prominenten Position. Die Band um Gothic-Lichtgestalt Thilo Wolff und seine Partnerin Anne Nurmi trat in kompletter Rockbesetzung an und hatte folglich auch viele Song ihres recht Metal-lastigen „Inferno“-Albums von 1995 auf der Setlist und spielte sich ansonsten quer durch die Bandgeschichte. Bühnenbildtechnisch verliess man sich voll auf das riesige Backdrop mit dem Bandlogo, das nahezu die gesamte Bühnenhintergrundfläche bedeckte und ansonsten wurde der Auftritt von einer imposanten Lightshow begleitet. Zentrale Gestalt war natürlich Meister Wolff, der auf charakteristische Weise sang, mit grazilen Gesten seine Songs kommentierte und die straight rockende Band dirigierte. Sehr cool auch die finnischen Gesangspassagen von Anne, die eine weitere Facette im Sound der Band waren. Nach dem regulären Set kehrte die Band für einen Zugabenblock mit weiteren drei Songs zurück, „Der Morgen danach“, „Road To Pain“ und das finale „Copycat“ gaben den Fans den Rest. Diese Show wird die Zweifler wohl nicht zu Fans bekehrt haben, aber die Fans sahen ihre Helden an optimaler Position und unter Top-Voraussetzungen.

00.10 Uhr (PS) DEATHSTARS

Die DEATHSTARS machten ihrem Namen alle Ehre. Die Headliner der Painstage wurde von der Menge die nach dem Auftritt von LACRIMOSA wieder nach heftigeren Klängen dürsteten frenetisch begrüßt. Optisch wirkte die Band wie eine Sleaze-Rock Version von Marilyn Manson. Frontmann Whiplasher kommt mit einer schicken Pink-Schwarzen Federboa auf die Bühne und auch der Rest der Band macht mit beim androgynen Look. Musikalisch geht die Band als SISTERS OF MRCY meets DIMMU BORGIR meets RAMMSTEIN durch. Sehr düster, sehr elektronisch aber auch eingängig und tanzbar. Genau der richtige Sound zu dieser späten Stunde um die Meute noch mal zu mobilisieren. Besonders anstrengen muss sich die Band jedoch nicht um dieses Ziel zu erreichen, von Anfang bis Ende können sich die DEATHSTARS mit über heftigsten Publikumsreaktionen des Tages freuen. Vollen Körpereinsatz bringt die Band aber dennoch und gab sich bewegungsfreudig, deutete Geschlechtsverkehr an und sorgte für den Most-Shocking-Moment indem Sänger Whiplasher Gitarrist Nightmare Industries einen innigen Zungenkuss verabreicht. Die morbiden Ansagen trafen beim Publikum ebenfalls auf offene Ohren und als Whiplasher am Ende des Sets ein Bad in der Menge nahm, reagierten insbesondere die Damen wie Piranhas auf rohes Fleisch. Am Ende der Show wurde die Band dann vom Publikum vehement zur Zugabe zurückgepfiffen.

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