Rückblick 2002

Alle Jahre wieder... kommt nicht nur das Christuskind, sondern auch der Metal nach Abtsgmünd! Und da Stillstand bekanntlich der Tod ist hieß auch dieses Jahr wieder die Devise: mehr Bands, mehr Fläche, mehr Dixies, mehr Angebote und und und... Erstmalig waren sogar zwei Bühnen aufgebaut worden um den Fans die öden Umbaupausen zwischen den Bands zu versüssen.

Donnerstag 22.08.2002

Volcano
Los gings am Donnerstag auf der Mainstage mit VOLCANO. Die Band wurde von den Lesern des Metal Hammers über einen Nachwuchswettbewerb aufs Billing gewählt und schlug sich mit ihrem Gothic-Rock wirklich wacker. Der Sänger ließ angenehm an Glenn Danzig denken und bemühte sich neben einer stimmlich einwandfreien auch um eine optisch wertvolle Performance. Ein wahrlich guter Start ins Festival!

Im Anschluss bot DRY ROT, der Bayern-Vierer ohne Steuermann, auf der Pain Stage trotz früher Stunde eine erstaunlich agile und engagierte 20minütige Show - auch wenn Sie mit nem Sturz des Gitarristen und dadurch ausgesteckter Gitarre und gerissener Basssaite das Glück nicht gerade auf ihrer Seite hatten, das schon zahlreich anwesende Volk stand trotzdem hinter ihnen.

Mr. Vader
Zurück auf die Hauptbühne; dort gingen die Lokalmatadoren von MR. VADER ans Werk. Sänger Tobias Thorwart war durch seine Doppelbelastung Gesang/Gitarre ans Mikro in der Bühnenmitte gefesselt und konzentrierte sich somit hauptsächlich auf die Qualität der Darbietung. Seine Kollegen schienen aufgrund der wirklich gigantischen Bühnen-Ausmaße etwas eingeschüchtert und wenig mobil - was dem Gesamteindruck aber wenig schadete, die Band überzeugte mit ihrem ganz eigenen modernen Metal, abseits von Trend, trotzdem oft eingängig und immer interessant.

Burden of Grief
Deutlich heftiger gings dann im Anschluss mit BURDEN OF GRIEF weiter. Zum ersten Mal gabs heute was für die Death Metal-Fans und somit wurde die Band von Anfang an wohlwollend empfangen. Auch die zerstörte Snare-Drum tat dem keinen Abbruch, fix ausgetauscht und schon konnte es weiter gehen.

Criminal
Gegen halb vier starteten dann CRIMINAL mit einem imposanten Intro ihr halbstündiges Set. Aus Südamerika kennt man nun nicht gerade viele Bands, offensichtlich hatten aber einige schon auf sie gewartet, denn schon nach kurzer Zeit bildete sich der erste Mosh-Pit des Tages vor der Bühne an dem die Chilenen sichtlich Freude hatten und so war ihr Gig auch viel zu schnell vorbei.

Deep in Myself
Exotisch war auch die Instrumentierung der folgenden Band: DEEP INSIDE MYSELF traten ohne menschlichen Drummer und Keyboarder an, ließen das Publikum aber wissen, dass der Schlagzeughocker bald wieder menschlich besetzt werden sollte. Das viel aber gar nicht negativ ins Gewicht, die Pfälzer Newcomer boten eine erstaunlich versierte Show, machten neugierig auf den jüngst veröffentlichten Longplayer und überzeugten mit einem sympathischen Auftritt. Ihre Musik (Gothic-Metal) - und auch die Kerzen, die sie auf der Bühnen aufgestellt hatten - hätte bei Dunkelheit wohl noch besser gewirkt...

Suidakra
SUIDAKRA waren zum wiederholten Mal zu Gast in Abtsgmünd, auch wenn man das auf den ersten Blick nicht sofort erkannt hat. So wurden seit dem letzten Auftritt ein paar Besetzungswechsel vorgenommen und auch musikalisch hat man sich vom reinen Death Metal wegentwickelt und mehr Folk-Einflüsse integriert. Die Fans habens offensichtlich gern gesehen und so hatten sie mit den Nordrhein-Westfalen eine schweißtreibende halbe Stunde. Sänger Arkadius war nach dem Auftritt jedenfalls sichtlich glücklich und bedankte sich ausgiebig beim Publikum.

Night in Gales
Für die gabs keine Verschnaufpause, denn es ging nahtlos mit einem weiteren Wiederholungstäter weiter: NIGHT IN GALES betraten zum Intro des Tages (die A-Team-Melodie!!) die Bühne. Aller guten Dinge sind drei heisst es doch und so machten sie das Beste aus den ihnen zugedachten 25 Minuten: sie rockten sich den sprichwörtlichen Arsch ab! Seit Jahren eine der spielfreudigsten Bands aus deutschen Landen wurde hier ordentlich Ruhrpott-Metal geschmiedet. Das Publikum stand voll hinter den Jungs und freute sich, dass neben den thrashartigen Songs neueren Datums auch ältere Death Metal Tracks auf der Setlist standen. Daumen hoch!

Entwine
Die erste "grössere" Band ging mit ENTWINE dann kurz nach 17 Uhr auf die Bühne. Die Finnen aus dem Hause Century Media haben mit ihren Kollegen H.I.M. nicht nur die Nationalität gemeinsam und boten folglich Gothic Rock der Oberliga. Mit gutem Sound, einem sehr bewegungsfreudigen am Mikro und einem Blickfang in Form der ekstatisch tanzenden Keyboarderin Riitta Heikkonen hatten sie das Publikum vor der Bühne schnell auf ihrer Seite und konnten den Auftritt als vollen Erfolg verbuchen.

Die Schinder
Die folgenden SCHINDER polarisieren. Entweder man liebt sie oder man ging sich schleunigst ein Bier holen. Fakt ist, dass die Band mit den musikalischen Mitteln der sogenannten "Neuen Deutschen Härte" gekonnt hantiert und mit Sänger Daniel Kaczmarek einen außergewöhnlichen Vertreter seiner Zunft in ihren Reihen hat. Äußerlich (er hatte sich seine Kleidung vor dem Gig hinter der Bühne mit Schlamm verschönert) und von seinen Bewegungen her latent Psycho-like tobte er ständig über die Bühne und amüsierte zwischen den Songs mit sympathisch / lustigen Ansagen. Mit dem triumphalen Auftritt der Band ging ein texter Wermutstropfen einher: Es war der vorletzte Gig mit dem Sänger, der die Band wohl verlassen wird. Man kann nur hoffen, dass die noch lange schallenden Zugaberufe ihn umstimmen konnten...

Bonfire
Lautes Motorradgeknatter von der Hauptbühne ließ ahnen was nun folgen sollte: Poser-Rock der alten Schule. BONFIRE enterten (teilweise als Kuh getarnt) die Bühne. Die Band ist ja nicht erst seit gestern im Geschäft und konnte aus ihren diversen Alben ein starkes Set zusammenzimmern, das von ihren Fans auch ausgiebig gefeiert wurde. Sänger Claus klagte noch sein Leid: "Ich persönlich scheiße auf WACKEN! Ich hab schon dort gespielt und als Band wird man da behandelt wie der letzte Arsch! Ich spiele lieber hier im Süden, in Balingen und auf dem Summer Breeze". Einzig den Song "Proud of my Country" hätte man sich - erst recht mit den Deutschlandfahnen im Publikum - mit etwas Fingerspitzengefühl wohl gespart, auch wenn er laut Ansage natürlich nix mit rechtem Gedankengut zu tun hatte.

Eigentlich wären nun die Öschis von BELPHEGOR an der Reihe gewesen, die hatten aber das Pech noch auf der Autobahn zu stehen und so pausierte die Pain Stage und es ging nach kurzer Zeit auf der anderen Bühne weiter.

Hypocrisy
Für viele waren sie der gar nicht so heimlich Headliner des Abends: HYPOCRISY. Die Schweden um Ober-Sympath Peter Tägtgren hatten das Publikum von der ersten Sekunde an voll im Griff. Gestartet wurde mit der Granate Rosewell ´47 vom Abducted Album und im Laufe des 50minütigen Gigs kamen sowohl alte Todesblei- als auch aktuelle Hits des Albums Catch 22 zum Einsatz. Die Band genoss ihren Auftritt sichtlich, der Anblick hunderter bangender Köpfe war auch wirklich überwältigend, zusätzlich wurde es im Laufe der Show langsam dunkel und so kam auch die Lightshow mehr und mehr zur Geltung. Mit Fractured Millenium schlossen sie einen Gig ab, der mit leichten Abzügen im Soundbereich die Höchstnote verdient und wohl keinen enttäuscht hat.

Wer letztes Jahr auch schon dabei war und zudem früh aufgestanden ist, der erkannte die Bühnenaufbauten auf der Pain Stage wohl gleich wieder: richtig, RED AIM waren inklusive ihrem Leichenwagenanhänger wieder mit am Start und dieses Mal sogar mit einem würdigen Platz im Line-Up. In den gewohnten Flammen-Uniformen und mit ordentlich Bananen-Munition ausgestattet waren die Jungs um Sänger Dr Rogers erneut angetreten um arschzurocken und mit dem ein oder anderen Scherz ein Lächeln zu provozieren (Songtitel wie Kneel down and blow for forgiveness sprechen da wohl für sich). Wüstenrock mit ordentlich augenzwinkerndem Metal und zwei bombigen Coverversionen (Trooper von Maiden - komplett vom Publikum der ersten Reihen gesungen; Rock you like a hurricane von Mützen-Klaus und den Hannoveranern als Zugabe) - volle Breitseite Fun!

Wie auch die Schinder vor ihnen, hatte auch EDGUY eine schlechte Nachricht für die Fans: Die Band wird wohl für die nächsten zwei Jahre pausieren. Umso enthusiastischer wurde die Melodic-Metal Band um Front-Kasper Tobi über die 60minütige Spielzeit angenommen. Das (alkoholisierte?) Publikum machte auch nochso abwegige Mitsing- und Jodel-Spielchen willig mit und feierte die Band nach Strich und Faden ab. Highlights im Set waren unter anderem "Headless Game" und "Vain Glory Opera", imposante Bühnenaufbauten sowie perfekter Sound und ebensolches Licht taten ihr übriges zum rundum gelungenen Gig.

Ektomorf
Manch einer war wohl über die hohe Position der Ungarn von EKTOMORF im Line-Up überrascht, die hatten zwar letztes Jahr mehr als überzeugt, machten aber einen riesigen Sprung und waren gar der Headliner der Pain-Stage. Ursprünglich sollte aber nach ihnen noch eine weitere Band den Donnerstag beschließen, das hat dann aber doch nicht geklappt...
Die Vier freuten sich natürlich riesig, brachten alle Hits ihres letzten Albums I scream up to the sky und spielten den Auftritt ihres Lebens! Ob man der Band nun mangelnde Originalität vorwirft oder nicht, sie hatten innerhalb kürzester Zeit den größten Moshpit des Tages (bzw. der Nacht) vor der Bühne und fast das ganze Publikum hinter sich und überzeugten somit auch noch den letzten Kritiker von ihren (Live-) Qualitäten.

Tiamat
Einen würdigen Abschluss und Headliner fand der Donnerstag dann mit TIAMAT. Die Band hat in ihrer langen Geschichte eine glaubhafte Entwicklung vom Deat-Metal zum rockigen Gothic-Metal vollzogen und besonders mit ihrem letzten Album Judas Christ wieder viel Lob in der Presse geerntet. Die Band kam völlig ohne Bühnenaufbauten aus und startete gelich mit zwei neuen Songs auf denen auch eindeutig der Schwerpunkt des Sets lag. Es wurden aber auch mehrere Songs von Wildhoney (The Ar, Whatever that hurts...) und A deeper kind of Slumber eingebaut, auf die vom Publikum vehement geforderte Sleeping Beauty vom Clouds Album wurde jedoch leider nicht reagiert. Über Sinn und Unsinn von Sonnenbrillen um 23 Uhr (Edlund) und Kiss-Gitarristen-Kostümen kann man sich sicher streiten, am Sound gabs überhaupt nichts zu mäkeln und unterm Strich wars ein ordentlicher Headliner.

Freitag 23.08.2002

Real dead Love
Zu für Festival-Verhältnisse nachtschlafener Zeit (11 Uhr morgens) durften die Schwäbisch Haller REAL DEAD LOVE den Reigen am Freitag auf der Hauptbühne eröffnen. Wenn sich noch jemand an Die Allergie erinnert könnte ihm/ihr der Herr mit dem Cowboy-Hut bekannt vorgekommen sein, der ist nämlich auch dort für die Gitarre zuständig. Musikalisch hat das aber bestimmt die meisten eher an The 69 Eyes oder auch an H.I.M. erinnert (für diejenigen, die schon länger Musik hören klingt das natürlich alles nach Fields of the Nephilim), Gothic Metal also. Nun war es einerseits sehr früh und andererseits sehr hell für diese Musik, die Band nahms trotz der wenigen Leute vor der riesigen Bühne gelassen und spielte einen souveränen Gig.

Redrum Inc.
Wegen REDRUM INC. hatten sich dann schon deutlich mehr Metal-Heads aus den Schlaftüten gequält und so war es für die Uhrzeit schon erstaunlich belebt vor der texteren Bühne. Aktivposten und Sänger "Mighty" Dohmen gab sein Bestes und unterstrich somit auch live die immensen Fortschritte, die sich auf der aktuellen CD Cure the Pain schon abgezeichnet haben. Beim zweiten Song Redemption gabs auch noch Unterstützung von Undertow-Sänger Joschi. Die Band erntete völlig zu recht ordentlich Applaus für ihren "New Orleans Hardcore".

Mourning Caress
Danach legten MOURNING CARESS auf der großen Bühne gleich ordentlich los. Anfänglich hatten sie etwas mit Soundproblemen zu kämpfen, nach kurzer Zeit drang ihr melodischer Death Metal dann aber ordentlich aus den Boxen. Fans von Bands wie In Flames oder auch Drak Tranquility dürften auf ihre Kosten gekommen sein...

Mirror of Deception
12 Uhr Mittags, die Sonne steht hoch am Himmel... und das wars auch schon mit den Parallelen zu einem der berühmtesten Western überhaupt, denn die Straßen waren keinesfalls leergefegt und mit gespenstischer Stille wars auch nix! MIRROR OF DECEPTION, eine der wenigen Bands des Festivals, die sich dem Doom verschrieben haben, nutzen die ihnen zugedachten 25 Minuten voll aus und legten eine sehr intensive Performance auf die Bretter. Besonders der barfüssige Sänger Markus Baumhauer überzeugte auf der ganzen Linie

Dark at Dawn
DARK AT DAWN waren als nächste an der Reihe. Wie schon die letzte Band auf der Mai Stage vor ihnen, hatte auch sie mit merkwürdigen Soundverhältnissen zu kämpfen, der Bass übertönte die Gitarren und der Sänger war etwas arg leise... Trotzdem zollten die zahlreich vor der Bühne versammelten Fans ihren Helden ordentlich Respekt und Applaus, nicht zu Unrecht, denn als noch relativ junge Band (ihr erstes Album erschien vor gerade mal zwei Jahren), haben sie sich in Windeseile zu einer der besten Bands im deutschen Power Metal Lager hochgespielt. Hoffentlich kann das nächste Album an diese Erfolge anschließen, die Band muss immerhin den Komplett-Austausch der Gitarrenfraktion verarbeiten. Zum Abschluss brachten sie natürlich die obligatorische Chris de Burgh Coverversion von Don´t pay the ferryman.

Charon
Bei Monty Python hieß es schon: Finnland, Finnland, Finnland, the country where I want to be... und von da kamen CHARON in die deutschen Wälder... und überzeugten quasi vom ersten Ton an. Der charismatische und witzige Sänger hatte seine (weiblichen) Fans voll im Griff, bedankte sich brav für die Unterwäsche, die auf die Bühne flog und verabschiedete sich verschmitzt mit "Good Night" als sie kurz nach 13 Uhr die Bühne verlassen mussten. In den vorangegangenen 25 Minuten spielten die Finnen ausschließlich Songs ihres aktuellen Albums, romantische Gothic Songs am laufenden Band!

Substyle
SUBSTYLE legten unmittelbar im Anschluss los. Die Band war eine der wenigen im Line Up, die sich den moderneren Metal-Klängen verschrieben hat. New Metal wäre jetzt übertrieben, aber sie dürften definitiv Fans der jüngeren Metal-Geschichte sein... Mit ihrem letzten Album On the rocks hatten sie einen Überraschungserfolg gelandet, umso unverständlicher, dass sie keinen einzigen Song von diesem Album brachten, sondern sich ausschließlich auf das zu dieser Zeit noch unveröffentlichte neue Album beschränkten. Das machte es dem Publikum natürlich nicht unbedingt leicht mitzugehen, trotzdem toller Auftritt!

Belphegor
Dank den entsprechenden Durchsagen hatte der Auftritt von BELPHEGOR auch nicht allzu viele Fans verwirrt. Denn eigentlich hätten laut dem Festival-Planer jetzt die Deutschen THORN.ELEVEN auf der Pain Stage rocken sollen, stattdessen gabs derbste Kost aus Österreich (man lasse sich nur mal Songtitel wie Vomit Upon The Cross auf der Zunge zergehen!). In bester Laune über die unverhoffte Chance den am Vortag versäumten Gig doch noch spielen zu können, gaben sie den zahlreichen Fans was sie wollten: kompromisslosen, derben Death/Black Metal mit entsprechend fiesen Vocals.

Smoke Blow
Etwas aus dem Rahmen fielen dann SMOKE BLOW. Nicht nur, dass sie den "Metal Dresscode" (Farbe egal, Hauptsache schwarz) nicht einhielten und knallbunte Klamotten präsentierten, auch musikalisch standen sie mit ihrem Aso-Punk-Rock am Rand des Spektrums. Die Reaktionen vor der Bühne waren dann auch eher verhalten, die Band zog ihr Ding aber trotzdem erstaunlich spielfreudig durch.

No Return
Eine der absolut größten Überraschung und totalen Gewinner des Festivals war als nächstes dran. Im Publikum war sogar die eine oder andere französische Flagge zu sehen und so fühlten sich die sympathischen Franzosen von NO RETURN wohl auch gleich wie zu hause. Dort sind sie nämlich ein der größten Metal-Bands im Land. Mit unglaublicher Wucht und Präzision feuerte die Band eine Death/Thrash-Granate nach der anderen in die Meute, oft mit fetten Blast-Parts garniert. Ein Mosh-Pit beachtlicher Größe war auch optisch ein deutliches Zeichen der Freude, die das Publikum mit der Band hatte, ganz abgesehen von den noch lange klingenden Zugabe-Rufen. Sahnehäubchen des perfekten Gigs war die Death Cover Version von Secret Face, bei der auch der letzte wohl die technische Klasse der Musiker (besonders die der Basserin) erkannt haben dürfte.

Left Hand Solution
Die folgenden LEFT HAND SOLUTION hatte es natürlich nicht leicht nach diesem Siegeszug. Erschwerend kam noch dazu, dass sie eher ruhigen Gothic-Metal mit Frauengesang boten und auch nicht sonderlich viel Wert auf Stageacting zu legen schienen. Sängerin Mariana Holmberg sang tadellos, sah ebenso aus, tat aber ansonsten nicht viel um das Publikum zum Mitgehen zu animieren, ein paar Ansagen wären schon nicht schlecht gewesen.

After Forever
Im Gegensatz dazu hatten AFTER FOREVER aus Holland das Publikum sofort auf ihrer Seite. Die Band war zu dieser Zeit zusammen mit Nightwish und Charon auf Europatour und vielleicht erklärt das das unverhofft große Interesse. Die Band genoss ihren Auftritt sichtlich und liess erst gar keine Langeweile aufkommen. Es wird auf ewig ein Rätsel bleiben, wie man mit derart hohen Absätzen so eine engagierte Bühnenshow hinlegen kann, Sängerin Floor Jansen hatte jedenfalls sichtlich Spaß und bot nebenbei auch stimmlich eine optimale Leistung, neben No Return sicherlich die Überraschung des Tages.

The more i see
Völlig unbekannt waren für den Grossteil des Publikums die Briten THE MORE I SEE. Im Programm war zu lesen, dass Sänger und Gitarrist Gizz Butt bei Prodigy für die Live-Gitarre zuständig ist, mit denen hatte der Auftritt aber fast nichts gemein. Die Vier Musiker boten eine moderne Mischung aus Metalcore und Alternative, die Vielseitigkeit des Sängers, der sowohl sehr gut Schreien als auch Singen kann, ist das Kapital der Band. Die eingängigen Melodien und Riffs ließen ahnen, dass aus der Band Grosse werden könnte.

Mystic Circle
Musiker-Pseudonyme wie Beelzebub und Ezpharess lassen es erahnen: MYSTIC CIRCLE hielten die Black Metal Fahne hoch. Mit ihrem letzten Album Damien haben sie sich etwas vom Bombast früherer Tage verabschiedet und so konzentrierten sie sich heuer auch live auf die straighten Black-Metal-Tracks des Albums. Toller Auftritt, wie auch schon auf der Marduk-Tour aber Slayer (Reign in Blood) darf man eigentlich nicht covern...

Soilwork
Bewegung wurde bei den mit Spannung erwarteten SOILWORK ganz dick auf die (Schweden-) Fahne geschrieben. Die Musiker machten sich von Anfang an daran die ganze Breite der Bühne zu bespielen (und das waren ja ein paar Meter) und Sänger Björn Strid (im schicken (?) Ferrari-Hemd) wollte da nicht außen vor stehen und wetze ebenfalls wie ein Irrer über die Bühne. Mit Ausnahme des doch arg dünnen Keyboards kamen die Songs optimal durch die Boxen und unterstrichen den Eindruck, den man ob des starken letzten Albums hatte: Daumen hoch für Soilwork. In Flames dürften es auf der gemeinsamen Tour schwer haben gegen die Energie der Landsmänner anzuspielen.

Disbelief
Seit Jahren sind sie eine feste Größe in der deutschen Metal-Szene, den letzten Schritt zur Spitze haben sie aber noch nicht geschafft: DISBELIEF. Und auch nach diesem Gig ist das total unverständlich... Das übliche Beats-Intro verwirrte einige der Anwesenden sichtlich, die zahlreiche anwesenden Fans wusste aber was gespielt wird und empfing die Band gebührend. Die ließ es dann auch nonstop ordentlich krachen und spielte einen "Hit" nach dem anderen (stellvertretend sei hier nur mal die Hymne God?Master! genannt), die Musiker kugelten sich fast die Hälse aus und Sänger Jagger war mal wieder der optische und akustische Mittelpunkt. Aufmerksame Beobachter haben gesehen, dass sich unter anderem auch der Dimmu Borgir Sänger ein paar Songs vom Bühnenrand aus angeschaut hat. Vielleicht ist die Band für die Breite Masse einfach zu sperrig...

Emil Bulls
Für viele sind die EMIL BULLS die einzige der deutschen New Metal Bands, die man wirklich ernst nehmen kann. Viele Anwesende konnten und wollten aber ganz und gar nichts von New Metal wissen und es war von vorneherein klar, dass manch einer nix mit der Band anzufangen weiß. Wer aber open minded war und sich vorurteilsfrei auf die Band einließ, der musste nach dem Auftritt einfach begeistert sein. Nach dem herrlich sarkastischen Manowar-Intro, gaben die sympathischen Bayern Vollgas und boten in ihrer Dreiviertelstunde die Vollbedienung an Energie und Spielfreude. Die Coverversion von Megadeths Symhony of Destruction war das I-Tüpfelchen auf einer gelungenen Show in der sie sogar fast unbemerkt einen neuen Song vom wohl noch 2002 kommenden zweiten Album unterbrachten.

Bloodflowerz
Um wertvolle Spielzeit einzusparen strich die folgende Band ihr Intro. Dass Sängerin Kirsten noch Minuten vor dem Auftritt im RotKreuz-Zelt zubrachte und dort wegen ihrer massiven Kreislaufprobleme behandelt wurde, sah man ihr während dem Auftritt der BLOODFLOWERZ zu keiner Zeit an. Im Gegensatz zum letztjährigen Auftritt auf dem Summer Breeze deutlich routinierter und engagierter merkte man, dass die Band viel an den Songs und ihrem Auftreten gefeilt haben. Zu recht wurden sie vom Publikum also freudig empfangen und gefeiert. Nach sechs Gothic-Metal-Perlen war dann auch leider schon wieder Schluss...

The Gathering
Doch es ging ja gleich ähnlich auf der Hauptbühne weiter: GATHERING übernahmen die Gothic-Fackel. Auch wenn man zweimal hinschauen musste bevor man überzeugt war, dass die wasserstoffblonde Lady im hellblauen Glitzerrock tatsächlich Anneke van Giersbergen war...
Als erste Band des Abends mit Hauptact-Spielzeit von einer vollen Stunde versehen präsentierten sie eine ausgewogene Mischung aktueller Songs und Klassiker die in einem Gathering-Set nicht fehlen dürfen (As The Sun Hits, Strange Machines etc). Die anfänglich etwas leise Stimme kam später besser zur Geltung und die Band zauberte ihre eigene melancholisch psychedelische Stimmung. Warum Gitarrero Rene allerdings nen Bauarbeiterhelm trug war wohl sein Geheimnis...

Vader
Krassen Kontrast dazu gabs mit der nächsten Band. Die polnische Todeswalze von VADER brach über die tausenden Fans herein und blastete schnell alles und jeden nieder. Bei ihrem letzten Gastspiel in Abtsgmünd fehlte ihnen das Glück, das Belphegor dieses Jahr hatten. Sie steckten im Stau und es gab leider keine Möglichkeit den Gig später nachzuholen. Dafür ließen es die Vier umso mehr krachen. Ihr letzte Album Revelations war sehr gut angenommen worden und so waren natürlich einige Songs des Abends von der aktuellen CD. Das Publikum drehte regelrecht ab und schrie zwischen den Songs immer wieder den Bandnamen in den Nachthimmel. Entgegen der Anweisung der Satgecrew spielte die Band über ihre Spielzeit hinaus einen weiteren Song, die Fans fandens klasse...

Nightwish
Mit Spannung erwartet wurde der Auftritt von NIGHTWISH. Die Band hat mit ihrer letzten CD überwältigenden Erfolg gehabt, ist in vielen Ländern in die Top Ten der Charts geklettert und so waren die Erwartungen natürlich hoch gesteckt. Ums vorweg zu nehmen, enttäuscht wurde niemand! Vorausgesetz man kann mit Metal versetzt mit klassischem, schon fast opernartigen Gesang etwas anfangen... Deutlich verbessert hat sich in jedem Fall die Bühnenshow der Sängerin Tarja Turunen und so glänzt sie jetzt nicht nur mit einer stimmlich einwandfreien Darbietung, sondern unterstreicht diese auch noch mit überzeugendem Auftreten. Nach einem entsprechend bombastischen Intro starteten die Finnen in die 75 Minuten ihres Auftritts, hatten aber anfänglich mit den fast unhörbaren Gitarren bzw. Keyboards zu kämpfen. Diese Probleme hatte ihr Mischer aber bereits beim zweiten Song Bless the Child im Griff und so stand dem Genuss der Fans nichts mehr im Weg. Nach der Cover-Version Over The Hills And Far Away war zunächst Schluss bevor die Band nochmal für zwei Songs (u.a. das finale Wishmaster) zurückkam.

Axxis
Zwischen Vader und Nightwish einerseits und Dimmu Borgir und Pain andererseits würden es AXXIS wohl schwer haben, dachte man... Ihr traditioneller Poser-Metal kam aber doch erstaunlich gut an und das kann nur daran gelegen haben, dass die Band dermaßen spielfreudig und sympathisch zu Werke geht. Der mittlerweile gestiegene Alkoholpegel dürfte mit dazu beigetragen haben, in jedem Fall wurden die Ruhrpott-Rocker nach Strich und Faden, inklusive Massen-Gesängen, abgefeiert - und das völlig zu recht!

Dimmun Borgir
Wie viele andere Bands auf der Main Stage vor ihnen hatten auch DIMMU BORGIR nach stolzen fünf Minuten Intro massiv mit Soundproblemen zu kämpfen. Im Verlauf des Sets überzeugten vor allem ältere Songs der Black Metal Helden aus der Enthrone Darkness Triumphant Phase. Die Lichtshow war wohl die beste des Festivals, sehr atmospärisch, hatte aber auch den Nachteil, dass die Band den Grossteil der Spielzeit fast unsichtbar im Halbdunkel verschwand. Unterm Strich eine sehr kurzweilige Show, es wurden sogar noch ein paar effektvolle Pyros gezündet und die Fans waren begeistert.

Pain
Den Abschluss des Freitags zelebrierten PAIN. Wiederholungstäter Peter Tägtgren von Hypocrisy präsentierte sein poppiges Side-Project äußerst souverän und überzeugend. Die seichteren Sounds waren der ideale Ausklang des Abends und man sah den Musikern die technischen Probleme, die während des Dimmu Borgir Sets hektisch behoben wurden gar nicht an. Die Setlist hatte das Mastermind zu fast gleichen Teilen aus den bisherigen Veröffentlichungen sowie aus heftigeren und ruhigeren Songs zusammengestellt, Krönung war das Beatles-Cover Eleanor Rigby. Die trotz der späten Stunde enthusiastischen Fanscharen vergnügten sich mit Mosh-Pits und Chören, die Musiker waren mehr als glücklich mit ihrem Publikum und ihrem Auftritt und so kann man das nur als gelungenen Ausklang von Tag zwei bezeichnen!

Samstag 24.08.2002

Y Not
Erneut quasi mitten in der Nacht, also um elf Uhr früh, startete der Reigen am Samstag mit Y NOT auf der Hauptbühne. Fanc Free Metal nennen sie ihre Musik, demzufolge gings bunt zu auf der Bühne. Viele Genres wurden angetippt, de facto wars wohl Crossover. Obs an der frühen Stunde lag, dass das nicht wirklich viele Leute vor die Bühne gelockt hat... ?

Furbished Face
FURBISHED FACE durften auf der Pain Stage den letzten Festivaltag einläuten. Manch einer wird ihren Heavy-Rock mit Sampleeinsatz wohl schon auf dem Feuertanz-Festival im benachbarten Wasseralfingen geschätzt haben und so hatten sich tatsächlich schon ein paar verschlafene, Kaffee-Becher-tragende Leute vor der Bühne versammelt. Die Band hatte das Gemüt zum Wetter, äußerst sonnig wurde beherzt nach vorne gerockt. Nach nur vier Songs mussten sie die Bühne jedoch schon wieder räumen...

The Blue Season
THE BLUE SEASON spielten natürlich auch noch nicht vor vollem Haus, es wurden aber stetig mehr Leute vor der Bühne. Und die konnten sich glücklich schätzen, denn die Band um Sänger/Keyboarder Oliver Zilch ließ sich zu keiner Zeit anmerken, dass man nicht täglich auf derart grossen Bühnen zur Tat schreitet und steuerte souverän durch die leider nur 20minütige Spielzeit. Der Mann an den Bongos und die Sängerin Natalie Pereira hoben den Auftritt weit übers Mittelmass, die Songs von ihrem Debutalbum Secede wurden mehr als überzeugend vorgetragen und das neue Material macht jetzt schon neugierig auf den nächsten Gothic-Output der Göppinger.

My darkest Hate
MY DARKEST HATE hatten wohl irgendwas falsch verstanden. Jedenfalls erschienen sie schon ziemlich sauer an und auf der Bühne, legten einen energischen aber irgendwie kraftlosen Auftritt aufs Parkett und verließen die Bühne nach ihrer regulären Spielzeit (in die sie trotz der kürze noch eine Exodus Cover-Version eingebaut haben) mit einer Schimpftirade des Gitarristen an den Veranstalter. Man beschwerte sich über den vorzeitig gekürzten Gig und vergaß dabei wohl irgendwie, dass man die vollen 20 Minuten bekommen hatte. Andernorts war dann später zu hören, dass sie wohl nie wieder auf dem Summer Breeze spielen werden, das ist natürlich richtig bitter...

The Nerves
Von der Hauptbühne erklang dann auch bald eine Fliegersirene als Intro für den folgenden NERVES Auftritt. Alle vier Musiker erschienen in Fliegermützen, Ledermänteln und Brillen, was man bei den herrschenden Temperaturen getrost als Eigentor betrachten kann. Die Herren schwitzen sich also durch ihr Set, rockten in bester Ramones-Tradition durch ihre 25 minütiges Set (in dem sie mit Intro rekordverdächtige zehn Songs unterbrachten) und brachten doch tatsächlich einige zum Pogen.

Ewigheim
EWIGHEIM fielen danach auch eher aus dem Rahmen. Nur drei Leute befanden sich auf der Bühne, der Sänger erschien im hellblauen, enganliegenden Oberteil und war auch sonst recht lustig unterwegs - so feuerte er ständig seinen Drummer an... den es aber gar nicht gab, denn die Drums kamen aus der Dose! Stilistisch irgendwo zwischen EBM/Elektro und Gothic angesiedelt hatte die Band ihren ganz eigenen Humor, es seien nur mal die folgenden Titel genannt: Kinderwald, Ein Boeser Scherz, Leiche Zur See. Letzteres wurde mit Geige vorgetragen. Teil der Band sind wohl auch für Eisregen verantwortlich, insgesamt haben die drei Leute wohl eher für Verwirrung gesorgt...

Ashes you leave
Einen weiten Weg hatten ASHES YOU LEAVE für ihren Auftritt in Kauf genommen, sie kommen nämlich aus Kroatien und sind seither ein noch eher unbeschriebenes Blatt. Das wird sich aber bestimmt bald ändern, denn wenn die Band auch den Stil, dem sie sich verschrieben hat bestimmt nicht neu erfunden hat, so merkt man ihnen doch zu jeder Sekunde an, dass sie Gothic-Metal lebt. Dreh- und Angelpunkt ist sicher die texte Sängerin mit der grossen Ausstrahlung. Zu den Fans aus dem eigenen Land die mit einer entsprechenden Flagge auf sich aufmerksam machten, hat die Band sicher viele neue Fans beim Summer Breeze dazugewonnen und auf das neue Album im Oktober neugierig gemacht.

Crystal Ball
Ähnliches wie schon bei Axxis am Tag zuvor ereignete sich auch bei den nun folgenden CRYSTAL BALL. Die Band war die dritte im Bunde der Poser-Rocker und überzeugte durch reine Spielfreude und Enagegement. Die wenigsten werden die Schweizer wohl vor ihrem Auftritt gekannt haben, nach ihrem Auftritt werden sich die meisten Zuhörer aber sicherlich positiv an sie erinnern. Besonders gelungen waren die mehrstimmigen Gesangspassagen, bei denen Sänger Mark Sweeney Background-Unterstützung von der gesamten (!) Saiten-Fraktion bekam. Fazit: Privat und auf Konserve würden sich das bestimmt wenige mit so viel Enthusiasmus reinziehen, live kam die Mucke aber durchaus launig rüber!

Gurd
Nachdem die Bands vor ihnen doch eher gemütlich zu Werke gingen, ließen es die Jungs von GURD von Anfang an metallisch brettern. Von den Crossover-Anfangstagen hat sich die Band mehr und mehr zu reinen Old-School-Thrash-Combo entwickelt und so wurde man gelegentlich schon an Helden wie Sacred Reich erinnert. Mit neuem Mann am Bass und zwei neuen Songs im Gepäck machten sich die Schweizer daran auch noch dem letzten den Schlaf aus dem Hirn zu fönen und somit "sanft" zu wecken.

Raunchy
RAUNCHY hatten anschließend mit dem selben Problem zu kämpfen wie vor ihnen z.B Substyle und nach ihnen später auch Prime Sth.: ihre aktuellen Songs waren dem allergrößten Teil des Publikums schlicht nicht bekannt. Das mittlerweile über Nuclear Blast erschienene Debut-Album hat mittlerweile bestimmt einige von den Qualitäten der Band überzeugt... Die freundlichen Dänen namens gelassen, allesamt noch sehr jung genossen sie sichtlich die professionelle Atmosphäre und die ausladende Bühne und bretterten durch ein energiegeladenes Set von einer satten halben Stunde. Den vom Label bemühten Vergleich zu Fear Factory werden sie nicht wirklich gerecht, wie auch? Sie spielten interessanten, technisch versierten und modernen Metal und brachten die versammelten Zuschauer mehr und mehr auf ihre Seite.

Flowing Tears
FLOWING TEARS waren eine weitere Band die mit einer Sängerin und Gothic-Metal im Gepäck angereist waren um der Sonne zu trotzen und düstere Musik bei helllichtem Tage darzubieten. Der Gitarrist kam mir doch verdächtig bekannt vor, ich glaube der hat auch bei Red Aim gerockt... Bei der Band lag das musikalische Gewicht eindeutig auf den Gitarren, Keyboards gabs zwar auch, aber die waren nicht so wichtig wie bei anderen Vertretern des Genres. Frontfrau Stephanie Duchene war wohl der Hauptgrund für viele sich den Schlaf aus den Augen zu reiben und näher an die Bühne zu rücken.

Undertow
Gastkritik von PowerMetal.de:
"UNDERTOW lieferten, wie man es von den drei Jungs aus dem Schwabenländle gewöhnt ist, eine energiegeladene Show ab und rockten was das Zeug hielt. Mit ihrem Mischling aus Metal und Hardcore, Melodie und harten Gitarren sorgten UNDERTOW hauptsächlich mit Songs aus ihrem aktuellen Album "Unit E" für gute Unterhaltung. Sänger Josch war wie immer für Späße aufgelegt, man könnte ihn sozusagen als die gute Laune in Menschengestalt ausgeben, und im Großen und Ganzen schaffte er es, neben der erstaunten Feststellung, dass hier verdammt viele Menschen vor ihm stünden, die Leute zum Lachen zu bringen. Zwischen den Songs hatte man also auf keinen Fall Langeweile zu befürchten und UNDERTOW mogelten sich auf diese Art und Weise langsam durch ihr Repertoire. Abschließend könnte man sagen, dass UNDERTOW eine sehr publikumsnahe, positive und gesprächige Band darstellen, was ihren Auftritten auf jeden Fall Plus-Punkte, und dem Publikum einen angenehmen Gig beschert." [Dani]

Amon Amarth
AMON AMARTH waren in den Rezensionen nach dem Festival stets als eine der Überraschungen und Gewinner in Abtsgmünd genannt worden - und das völlig zu recht! Fronter Johann Hegg hatte die zahlreichen Fans vor der Main Stage von Anfang an fest im Griff, bereits der erste Song Masters of War veranlasste große Teile der Fans vor der Bühne zum wildesten Rüben-Rotieren und das änderte sich auch bis zum Ende ihres Auftritts nicht mehr. Die vierzig Minuten waren für die Schweden und ihr Publikum viel zu schnell vorbei und so verabschiedeten sich die Helden des Wikinger Death Metal mit ihrer Hymne Victorious March.

Agathodaimon
AGATHODAIMON hatten dann wohl einfach einen schlechten Tag erwischt. Nach den Line-Up Problemen der letzten Zeit hatten die deutschen Black Metaller nun auch noch Pech mit der Technik. Die Keyboards kamen vom Band und genau das wollte nach der Hälfte des Sets nicht mehr so wie es sollte. Die Band versuchte den Song ohne Intro zu spielen, musste den Versuch aber nach kurzer Zeit erfolglos abbrechen - das hat die Band bestimmt noch mehr geärgert als es das Publikum verwirrt hat.

Within Temptation
Danach folgte - showmässig gesehen - der Höhepunkt des ganzen Festivals. WITHIN TEMPTATION zählen in Holland zur Zeit zu den erfolgreichsten Bands überhaupt und so kamen die Zuschauer trotz des in Deutschland nicht so großen Status in den Genuss der vollen Show. Die gesamte Rückwand der Bühne wurde von einem gigantischen Backdrop in hellblauem Himmels-Design bedeckt. Davor standen diverse, riesige aufblasbare Kakteen oder Schlingpflanzen - ziemlich grün waren sie auf jeden Fall! Die Sängerin erschien im Schneewittchen-artigen Ballkleid in blutrot und war forthin auch der Mittelpunkt des Geschehens. Es folgte ein starker Auftritt bei dem sie ihren Gothic Metal ideal präsentierten und viele neue Fans dazu gewonnen haben dürften. Showtechnisch fuhren sie noch riesige Feuersäulen und gegen Ende des Sets sogar einen Regen aus texten Pastikstreifen auf, der noch minutenlang in der Luft hing - imposant ist wohl das richtige Wort.

Die Apokalyptischen Reiter
DIE APOKALYPTISCHEN REITER haben sich über die Jahre vom Geheim-Tipp zu einer festen Größe in der deutschen Szene gemausert und so schallten recht schnell nachdem auf der Hauptbühne Schluss war vehemente Reiter!Reiter!Reiter!-Rufe. Spätestens nach dem grandiosen All you need is love-Album war die Zahl der Fans um einiges gestiegen und so wurden die Reiter schon sehnsüchtig erwartet. Der Ruf als herausragende Live-Band war ihnen vorausgeeilt und sie enttäuschten das Publikum nicht. Sie waren wohl auch die einzigste Band, die das Publikum fragte, ob sie Blumen mögen und dann auch noch tatsächlich einen Arm voll Sonnenblumen in die Meute warf!! Sänger Eumel (!!) hatte sich sein bestes Rosa Schlafanzughöschen aus dem Schrank geangelt, tobte über die Bühne und peitschte das Volk immer wieder zum Mitgehen an. Der Hammer schlechthin war aber der stoisch auf der rechten Bühnenseite agierende Keyboarder. Er präsentierte über die gesamte Auftrittsspanne ein und denselben unbeteiligt wirkenden Gesichtsaudruck und war zudem noch im alten Chic in weißem Hemd, schwarzer Hose und entsprechender Weste gekleidet - der Hammer! In harmonischem Nebeneinander präsentierte die Band sowohl deutsche als auch englische Lieder und räumt auf breiter Front ab, bei keiner anderen Band stand das Publikum so fanatisch hinter ihren Helden, Respekt!

Brainstorm
BRAINSTORM warne auch nicht zum ersten Mal beim Breeze dabei, wurden entsprechend herzlich willkommen geheißen und nahmen zudem noch eine Live-DVD auf. Ihre Fans standen ohnehin hinter ihnen, die Band suchte aber wie keine andere den direkten Kontakt zum Publikum und so machte sich Fronter Andy B. Franck auf um die Leute in den ersten Reihen persönlich kennen zu lernen und wirbelte durch den Fotograben. Nach der erfolgreichen Tour im Vorprogramm von Blind Guardian fuhren die Schwaben hier die Ernte für jahrelange beständige Arbeit an der deutschen Power-Metal Front ein. In ihren Songs Liars Edge bauten sie gar ein Slayer-Riff ein. Zum Schluss gabs vom Metus Mortis-Album Hollow Hideaway (hier gab das Publikum dem Schlagzeuger das Tempo vor!) und Under Lights. Das dürfte ne tolle DVD geben.

End of Green
Sichtlich bewegt betraten die Lokalmatadoren von END OF GREEN die Bühne. Noch nie hatten sie zu so später Stunde, vor so vielen Leuten und vor einer derartigen Kulisse gespielt. Die Band spielte sich in den folgenden 40 Minuten in einen regelrechten Rausch und zog die Zuschauer mehr und mehr in ihren Bann. Die Songauswahl beschränkte sich dabei natürlich zu großen Teilen auf Songs von ihrem aktuellen Album Songs for a dying world, aber auch der eine oder andere ältere bzw. brandneue Song wurde gekonnt eingewoben. Mit dem Gig unterstrich die Band erneut, dass sie durchaus auf große Bühnen passt und dem hohen Platz im Line-Up locker gerecht werden konnte.

Sentenced
Bereits im Vorfeld zeichnete sich ab, dass SENTENCED auf großes Interesse stoßen würden. Ihre Autogrammstunde am Metal Hammer Bus war total überlaufen und mancher Fan stand sich lange die Beine in den Bauch bevor er zur begehrten Unterschrift kam. Die Finnen nutzten dann auch die ihnen zugestandene Zeit voll aus, spielten quasi um ihr Leben, teilweise sogar drei Songs am Stück ohne Pause. Highlights wie z.B. Sun Won't Shine, Bleed, Noose, Nephente wurde dem willigen Publikum verschwenderisch vorgeworfen, teilweise sogar mit der klischee-Vodka-Flasche am Arm des Sängers Ville. Zum Abschluss gabs die sarkastisch als "The Happy Songs" angesagten The Suicider und Excuse Me While I Kill Myself. Wer den Gig erlebt hat, kann sich glücklich schätzen, denn wer weiß, wann die Band wieder zu solcher Höchstform auflaufen wird.

Stormwitch
Unverhofft kommt oft wäre wohl das passendste Motto zu den nun folgenden STORMWITCH. Seit 1979 aktiv wars in den letzten Jahren recht still um die Band geworden, bevor sie vor kurzem ein neues Album auf den Markt geworfen haben. Und die Fans hatten sie nicht vergessen, ganz im Gegenteil, es sind sogar mehr geworden! Die Band wurde sehr herzlich empfangen, gab sich mit einem engagierten Auftritt, liebevollen Bühnenaufbauten und optischen Leckerbissen in Pyro-Form alle nur erdenkliche Mühe und konnte einen starken Auftritt auf der Haben-Seite verbuchen.

Samael
Fast so lange wie die Sturmhexe waren die Schweizer SAMAEL nicht mehr auf den Bühnen dieser Welt aktiv - und sie wurden offensichtlich schmerzlich vermisst! Trotz der langen Abwesenheit wurde die Band mit Spannung erwartet und herzlich willkommen geheißen. Die Vier hatten sich auch allerhand einfallen lassen um der riesigen Bühne gerecht zu werden und die Show abwechslungsreich zu gestalten. Über die gesamte Zeit des Auftritts gabs verstörende Dia-Projektionen, zwei Feuer-Akrobaten traten immer mal wieder auf und nicht zuletzt war die Light-Show optimal auf die Musiker eingestellt. Viel gerätselt worden war im Vorfeld des Auftritts, ob die Band nach den Umbesetzungen (neuer Gitarrist) und den Querelen im Band-Lager würde überzeugen und der hohen Position im Line-Up gerecht werden können, was sich aber als völlig unbegründet erwies. Xy und seine Mannschaft weckten mit dieser überzeugenden Performance erneut die Rufe nach einem neuen Studio-Album der Schweizer, also ab ans Aufnehmen!

Prime STH
Wie bereits vorher erläutert war das große Manko des Auftritts der folgenden PRIME STH. dass das Release-Datum von ursprünglich Juli aus promotechnischen Gründen auf September verschoben werden musste. Leider kannte so kaum jemand die Songs der Schweden. Die sind aber durchaus hörenswert und zukünftiger Erfolg wäre einerseits kein Wunder und andererseits völlig verdient. Wenn man Bush oder die seligen Stabbin Westward zu seinen Faves zählt, also auf modernen Rock amerikanischer Machart steht, kam man sicherlich voll auf seine Kosten. Fast unbemerkt streuten die Wahl-Amerikaner sogar noch eine genial dargebotene Nirvana-Cover-Version ein.

Paradise Lost
Jetzt war es endlich so weit, die Band auf die alle gewartet hatten war an der Reihe. PARADISE LOST enterten die Bühne. Die fünf verzichteten komplett auf sämtliche Bühnenaufbauten, es gab keine Pyros und auch keine extravaganten Klamotten. Es war von vorneherein klar, dass es keine einhellige Meinung über die Band geben würde, zu viel Verwandlungen hat sie an ihrer Musik vorgenommen, als dass alle Fans aus den ursprünglichen Death Metal Tagen den Weg mit der Band mitgehen konnten. Heute sind sie eine moderne Metal Band, die rockigen Gothic Metal spielt, teilweise klingen sogar Bands wie Depeche Mode mit an. Die Berichte über mangelnde Spielfreude an anderer Stelle kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, speziell der Rhythmus-Gitarrist bangte sich nonstop die Rübe ab! Auch Sänger Nick war stets mit einer selbstkritischen Bemerkung zur Stelle und legte den typischen britischen Humor an den Tag. Hit aus fast allen Phasen wurden gespielt (u.a. Mouth, So much is lost, True Belief oder One Second), leider kein Song von ihrem Meilenstein Gothic, aber gegen später dann das überschwänglich begrüßte As I die. Alles in allem hätte es ein triumphaler Auftritt werden können, für den Grossteil des Publikums gabs aber deutliche Abzüge wegen des katastrophalen Sounds.

Pro Pain
Zum Zapfenstreich waren Pro-Pain angetreten. Die Band ist seit Jahr und Tag Garant für Hardcore-Metal der obersten Liga und lief in dieser Nacht gar zur absoluten Höchstform auf. Die ursprünglich veranschlagte Spielzeit von 45 Minuten wurde um über ein halbe Stunde überschritten, die Leute wollten immer mehr und wollten gar nicht mehr aufhören mit und für die Band zu singen, pogen und bangen. Ich hab die Jungs noch nie so locker und lustig (!) erlebt, ein absoluter Ausnahmegig, der schon sehr ausgelassen mit irgendeiner ballermann-artigen Party-Mitgröhl-Nummer als Intro eröffnet wurde. Zwischendrin stimmten die Vier sogar noch Type o Negatives Summer Breeze an, bedankten sich brav bei Veranstalter und ihrer Plattenfirma und natürlich bei den Fans. An der Seite der Bühne fanden sich mit der Zeit mehr und mehr Musiker ein um diesem Auftritt beizuwohnen und mit der Band zu feiern. Nach etwa drei Songs ging die Snare des Drummers zu Bruch, die er nach dem Song kurzerhand weit von sich schmiss und die Ersatzsnare benutzte. Zum Abschluss des Festivals gabs also ein weiteres Highlight und Pro-Pain kommen schon nächstes Jahr mit den No Mercy-Oster-Festivals zusammen mit Testament wieder auf Tour!

Das Festivalgelände
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