Rückblick 2003

Mittlerweile ist es für viele Leute wie die fünfte Jahreszeit, wie ein fixer Termin neben Geburtstag und vielleicht noch Weihnachten geworden: Ende August nimmt man, wenn man nicht eh schon seinen Sommerurlaub hat, Donnerstag und Freitag frei und wird für drei Tage Bürger der "Metal City-Abtsgmünd", die Ostalb im Ausnahmezustand... Und auch wenn viel gemunkelt wurde über einen Umzug auf ein anderes, größeres Gelände, erneut wars der Festplatz am Rand von Abtsgmünd, der über drei Tage lang seinen Namen alle Ehre machte. Denn der Platz trägt wohl nicht unwesentlich bei zum ganz eigenen Charme des Festivals, das über die letzten Jahre kontinuierlich in der Gunst der Metalheads gestiegen ist. Das Gelände hat Charakter, wird von Fluss und Berghang umrahmt und ist unverwechselbar und eben nicht nur ein flaches Stück Land ohne Merkmale, das dann auch ohne weiteres austauschbar wäre. Weit über die Grenzen der Region hinaus zieht das Festival jedes Jahr mehr begeisterte Fans nach Abtsgmünd. Und auch in diesem Jahr waren wieder viele Fans aus aller Herren Ländern angereist. Entsprechend gesteigert hat sich mit jedem Jahr auch die Professionalität der Durchführung und der Organisationsaufwand, was einst mit einem Zelt und einem Klowagen begann ist mittlerweile ein aufwändig durchgeplantes Spektakel, das hauptberuflich gemanagt wird. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel - und so beginnt die Planung fürs Festival meist unmittelbar nachdem die letzte Band die Bühne verlassen hat... Wie auch schon im letzten Jahr hat es zwei Bühnen geben, auf denen sich über drei Tage die 50 Bands abgewechselt haben. Im Gegensatz zum letzten Jahr gabs zwischen den Bands aber kurze Pausen, damit es wenigstens kleine akustische Verschnaufpausen gibt. Was sich über die Jahre als charakteristisch neben der familiären Atmosphäre, den fairen Preisen und dem freundlichen Team etabliert hat, wurde auch dieses Jahr beibehalten: Zusätzlich zu den grossen Headlinern gabs erneut auch ne Chance für regionale Newcomer-Bands und Gruppen ohne Plattenvertrag neben den Profis aufzutreten.

Donnerstag 21.08.2003

Sleepingodslie
Den Reigen eröffnen durften am Donnerstag um 14 Uhr die Münchner SLEEPINGODSLIE, die sich diesen Platz im Vorfeld durch das Gewinnen des Hammer-Nachwuchswettbewerbs gesichert haben. Was auf Konserve noch etwas gewöhnungsbedürftig war, ging live rockig, mit Elementen des modernen Metal und einem absoluten Sympathen am Mikro richtig schön nach vorne los. Von den bajuvarischen Herren wird man bestimmt noch hören.

Final Breath
Trotz der frühen Stunde konnten sich FINAL BREATH schon über ordentlichen Zuspruch vor der Painstage freuen und knüppelten sich entsprechend enthusiastisch durch ihre 25 minütige Spielzeit. Unter anderem gabs auch schon Perlen vom neuen Album zu hören, das zum Zeitpunkt des Festivals noch gar nicht auf dem Markt war. Erinnerte in den besten Momenten an Größen wie z.B. Testament. Kontrastreich gings danach auf der Mainstage weiter, sowohl optisch als auch akustisch. Denn die vier mageren Herren hatten weder lange Haare, trugen keine schwarzen oder benieteten Klamotten noch zelebrierten sie wirklichen Metal.

Sincere
Launigen angegrungten Rock mit ner guten Portion Punk ballerten die Belgier von SINCERE ins Volk und das mit einer Hingabe, dass sich doch tatsächlich eine ganze Menge der Anwesenden angetan zeigten. Das Set bestand natürlich hauptsächlich aus Nummern vom aktuellen Album "Darkside Escort Service", das sie schon auf mehreren Touren (u.a. auch im Vorprogramm der Emil Bulls) vorgestellt haben.

Edenbridge
Gegen halb vier starteten dann EDENBRIDGE auf der kleiner Bühne. Als erste Gothic Bands des Tages wurden sie zu un-gothicmässiger Zeit trotzdem vom entsprechenden Publikum empfangen und unterstütz, so dass gegen später sogar bei der Ballade "Final Curtain" die Stimmung im Publikum nicht sank, beachtlich! Der grazilen Sängerin fehlt es noch etwas an Souveränität, aber man spielt ja auch nicht jeden Tag vor derartigen Massen. Ähnlich gings auch mit der nächsten Band weiter, will sagen Gothic und Frau am Mikro. Die Blutblumen waren den Stammbesuchern sicher schon bekannt, auf der Hauptbühne waren sie aber zum ersten Mal zu sehen.

Bloodflowerz
Die BLOODFLOWERZ zeigten eine solide Show, hatten in letzter Zeit aber Umbesetzungen zu verarbeiten (neuer Mann an der Gitarre) und waren nicht ganz so mitreißend und überzeugend wie noch im letzten Jahr. Den Fans hats aber in jedem Fall zugesagt und so wurden die letzten zwei Songs "Fallen Angel" und "Fire in Paradise" auch entsprechend abgefeiert bevor nach einer halben Stunde auch schon wieder Schicht- bzw. Bühnenwechsel angesagt war.

Psychopunch
Der Gothic-Reigen war fürs erste vorbei, denn die vier Schweden von PSYCHOPUNCH rissen quasi vom ersten Ton an die Anwesenden mit ihrer eigenen Interpretation von Rock `n Roll mit. Cool bis in die Stiefelspitzen, mit sympathisch tiefergehängten Instrumenten, waren sie wohl die erste richtige Überraschung des Festivals, eine Band die vorher nur wenige auf dem Plan aber später umso mehr auf dem Einkaufszettel hatten. Folgerichtig gabs erste richtige Mosh-Pits. Pluspunkte und entsprechenden Applaus vom Publikum verdient sich die Band auch durch die Widmung eines Songs an die zwei verstorbenen Ramones.

Napalm Death
Donnerstag, kurz vor 18 Uhr und in Abtsgmünd gehen NAPALM DEATH auf die Bühne! Wenn mir das jemand vor 5 Jahren erzählt hätte, hätte ich ihn wohl einweisen lassen... An den kurzhaarigen Barney hat man sich mittlerweile ja gewöhnt, aber irgendwas stimmte doch da nicht... richtig, da war einer zu wenig auf der Bühne! Gitarrist Jesse Pintado glänzte durch Abwesenheit, was seine Bandkollegen aber locker durch gesteigerten Einsatz wettmachten. Die einzige englische Band auf dem Billing wurde dann auch prompt mit heimischem Wetter empfangen: Zum allerersten Mal beim Breeze öffnte der Himmel seine Tore und ließ es regnen. Die Fans störte das aber kein bisschen, im Gegenteil, das kühle Nass wurde eher als willkommene Abkühlung empfunden. Birminghams Finest können scheinbar keine schlechten Shows spielen, denn trotz mittlerweile fast zweistelligen Konzertbesuchen meinerseits und quasi in Unterbesetzung funktionierte die Band wie die sprichwörtlich geölte (Grind-) Maschine und gab dem Publikum mit "Nazi Punks Fuck Off" und "Siege of Power" nach atemberaubenden 45 Minuten den Rest.

Symphorce
Danach kamen dann auch die angereisten Power-Metal-Fans zu ihrem Recht: SYMPHORCE gingen nach theatralischem Nebel-Intro mit "Speak my Mind" gleich in die vollen, hatten ihr Publikum über die gesamte Spielzeit voll im Griff und ließen nichts anbrennen. Sänger Andy B. Franck, den die meisten wohl von Brainstorm kennen, erwies sich erneut als geborener Frontmann, bewegte sich viel und hatte leichtes Spiel. Das gegen Ende des 40minütigen Auftritts eine gewisse Abwanderung in Richtung Mainstage einsetze ist somit auch in keinster Weise durch mangelnde Qualität zu erklären, das lag wohl eher daran, dass sich so mancher einen guten Platz mit entsprechendem Blick auf die folgende Band sichern wollte.

Rage
Kurz vor halb acht waren dort nämlich die stilistisch ähnlichen RAGE an der Reihe. Durch die Jahre des konstanten Rockens in Form von Veröffentlichungen und Auftritten kann man sie getrost als Urgestein der deutschen Metal-Szene und Sänger/Basser Peavy (neuerdings kahlgeschoren) als Kultfigur bezeichnen. Mit den Ausnahmemusikern Mike Terrana am Schlagzeug und Victor Smolski an der Gitarre sind Rage seit Jahren auch eine exzellente Live-Band, über die Notwendigkeit von entsprechenden Solos kann man sich bei der ohnehin knapp bemessenen Festival-Spielzeit aber streiten. Mit "War of the Worlds" gabs sogar schon nen Vorgeschmack aufs neue Album "Soundchaser" zu hören. Wenn die Stimmung durch technische Probleme des Gitarristen und die damit verbundene Unterbrechung auch etwas getrübt wurde, beim abschliessenden "Higher than the Sky" wurde lauthals mitgesungen und das auch noch, als die Band schon nicht mehr auf der Bühne war!

Pungent Stench
Meshuggah hatten leider krankheitsbedingt absagen müssen und die entstandene Lücke sollten PUNGENT STENCH, die Death-Grind-Weirdos aus Österreich füllen. Das war natürlich von vorne herein nicht möglich, zu verschieden sind die beiden Bands. Trotzdem enttäuschten die Schluchtis das Publikum in keinster Weise. Schon optisch stachen sie mit anfangs Priestersoutanen und nach dem zweiten Song bereits mit nichts als schwarzen Hotpants (ok, der Basser hatte zusätzlich noch ne Art SadoMaso-Leder-Geschirr an) schon mal ordentlich aus der Masse heraus. Das Trio und auch das Publikum genossen den Auftritt sichtlich (Spass auf der Bühne, fliegende Körper im Publikum). Das "Deadly Medley" wurde dem Chef von Nuclear Blast gewidmet, da er ihre erste Platte in Deutschland veröffentlicht hat und von der gab es auch reichlich zu hören. Als kurioses Sahnehäubchen gabs dann noch ne "La bamba"-Coverversion, klingt komisch, war aber so!

Krokus
Ein weiteres bergiges benachbartes Land ist die Heimat von KROKUS. Viele der Zuschauer mögen da zunächst mal an frühlingshafte und giftige Feldblümchen denken, denn als die Eidgenossen ihre größten Erfolge feierten, war manch einer im Publikum noch nicht mal geboren. Die gibt's aber tatsächlich immer noch und sie traten den Beweis an, dass sie auch live noch ordentlich rocken können. Dass man in der Schweiz neuerdings Englisch spricht war mir neu, jedenfalls waren die Ansagen komplett englisch gehalten, aber vielleicht war das ja wegen der vielen internationalen Zuschauer im Publikum. Wie auch in den Jahren davor, hat es sich auch in diesem Jahr wieder als richtig erwiesen auch dem Hardrock sein Plätzchen einzuräumen, denn die AH-Mannschaft um Gitarrero Ferando von Arb sorgte für ausgelassene Stimmung und geht als Bereicherung fürs Festival durch und die Sprechchöre im Publikum "Who the Hell is Angus Young?" waren der Brüller.

Pyogenesis
Ähnlich wie Paradise Lost und Amorphis haben auch PYOGENESIS einen langen Weg vom Death-Metal hin zu ihrem heutigen Stil hinter sich. Nur dass Pyo wie sie von den meisten liebevoll genannt werden, diesen Weg deutlich weiter gegangen sind, als die zuvor genannten: nämlich bis zu ihren poppigen Punk-Rock-Nummern. Sänger Flo verkündet auch gleich zu Beginn des Sets, dass man für die heutige Show extra ganz tief in der Bandgeschichte geforscht habe und unter anderem sogar einen Song von "Sweet X-Rated-Nothings" auf die Setlist gehieft hat. Vor dem vertrauten Kassettenrekorder-Backdrop und wie üblich in schwarzen Hemden und weinroten Krawatten trat die Band einen regelrechten Siegeszug an. Die perfekte Live-Show, die sehr tight aufspielende Band und die imposanten Feuersäulen sorgten für eine unvergessliche und schwer zu übertreffende Leistung, die dem Sänger fast Tränen der Rührung in die Augen trieb als er sich gegen Ende vom Publikum verabschiedete.

Subway to Sally
Danach gingen die Headliner des ersten Tages, SUBWAY TO SALLY, auf der Hauptbühne ans Werk. Und auch wenn ihr im März veröffentlichtes Album nicht nur auf positive Kritiken stieß, war das Gelände prall mit enthusiastischen Fans gefüllt, die den Auftritt der Band zu einem der Höhepunkte des Tages machten. Auf der Bühne gabs mit aufwändigen Aufbauten erneut viel zu sehen, was die musikalische und stimmliche Leistung aber zu keiner Zeit in den Hintergrund drängte. Mit "Geist des Kriegers" und massivem Pyro-Einsatz starteten sie ihren Auftritt und nach kurzen soundtechnischen Anfangsschwierigkeiten knallten auch die Gitarren angemessen. Das Potsdamer Sextett spielte sich souverän durch seinen Backkatalog, legte mit ganzen acht Songs aber einen deutlichen Schwerpunkt aufs aktuelle Album. Nach schweisstreibenden 90 Minuten und unter entsprechendem Protest der unersättlichen Fans verliess die Band mit einem breiten Grinsen und sichtlich zufrieden die Bühne.


The Kovenant
Als Betthupferl gabs dann auf der PainStage noch THE KOVENANT. Hier schieden sich dann die Geister etwas; die Fans der Norweger bescheinigten ihren Helden einen einwandfreien Auftritt, bei etwas objektiveren Zuschauern wirkten sowohl die Gitarren als auch die Stimme des Sängers etwas dünn.

Freitag 22.08.2003

Age of ignorance
High Noon, Zwölf Uhr Mittags war es, als AGE OF IGNORANCE antraten um sich wacker ihrem Schicksal zu stellen. Als erste Band und für die meisten somit mitten in der Nacht hatten sie es nicht leicht, zogen sich aber dennoch tapfer aus der Affäre und gaben sich Mühe nicht allzu enttäuscht ob der wenigen Anwesenden zu wirken. Die wenigen Anwesenden vor der Bühne werden den Bandnamen und den Crossover der Band jedoch wohl gut in Erinnerung behalten, denn einerseits hatte die Band Backdrops aufgefahren, die die Dimensionen der Hauptbühne voll nutzen und andererseits streuten sie bestimmt 20 CDs über den Anwesenden aus.

Fallen2Pieces
Mit deutlich mehr Identität, Coolness und instrumentaler Kompetenz ging es danach mit FALLEN2PIECES auf der kleineren Bühne weiter. Auch wenn dem ein oder anderen Gitarrist und Basser der Würzburger bekannt vorgekommen sein dürfte, mit Stormwitch, wo die zwei Herren auch noch dienen, hatte das bis auf Verwendung der selben Instrumente ganz und gar nichts zu tun. Es fällt auch recht schwer hier Vergleiche heranzuziehen, die der Band gerecht werden, C.O.C. ist nicht ganz so abwegig... Grooviger Rock, der seine metallischen Ambitionen auch mit klassischen Gitarrensoli nie verleugnet und in Drummer Nikki einen Gott in den eigenen Reihen hat, der so manchem Drummer, der über die drei Tage des Festivals nen Riser bestieg einiges voraus hatte. Er spielt zwar ein sehr übersichtliches Kit, aber was er draus macht, sein Groove und das Timing "entlarvten" ihn als Top-Drummer. Die vier Herren vergeudeten nur wenig ihrer knapp bemessenen Zeit für Ansagen und ballerten den auch hier noch nicht so zahlreichen Zuschauern lieber ne Nummer mehr um die Ohren - löblich.

Darkwell
Blutrote Nebelschwaden wälzten sich aus einem kleinen Topf auf der Hauptbühne, dazu erklang ein Intro und nach kurzer Zeit legten dann DARKWELL aus Innsbruck los. Es schien die Stunde der Ausnahmedrummer zu sein, denn mit dem Schlagzeuger der Österreicher hatte ein weiterer hochklassiger Vertreter der Zunft hinter den Kesseln Platz genommen. Ansonsten stach natürlich die schmucke Frontfrau hervor, die sowohl mit ihrem Rock als auch mit ihrer Stimme voll überzeugen konnte. Musikalisch gibt's leider etwas Abzug, Gothic Metal mit weiblichem Gesang und einer entsprechenden Mischung aus harten und gefühlvollen Passagen wurde meines Wissens nicht in Österreich erfunden. Trotzdem war ihr Auftritt eine Bereicherung für viele zur morgentlichen Koffeinportion, die Band legte sich trotz der frühen Stunde überraschend engagiert ins Zeug und fiel sicher vielen positiv auf, ach ja, Simple Minds "Don't you forget about me" wurde auch noch sehr ansprechend vorgetragen.

Thunderstorm
Doom gelaufen für die sympathischen THUNDERSTORM. Da nimmt man die weite Anreise aus Italien auf sich, ist hoch motiviert und findet vor der Bühne dann gerade mal 100 Freunde der schwermütigen und laaaangsamen Töne vor. Doom ist auf jeden Fall in der Minderheit in den drei Tagen, die Drei trugen es mit Fassung, der Basser ne schicke Soutane und zu allem Übel zickt dann auch noch der Sender vom Gitarristen. Trotz all der widrigen Umstände muss man den Doomstern einen astreinen Auftritt attestieren, der sicher vielen der Anwesenden in Erinnerung bleiben wird.

Justice
Was gab es doch im Vorfeld für Diskussionen im Gästebuch der Summer Breeze-Seite, JUSTICE wäre ne Cover-Band und hätten auf so nem Festival nichts zu suchen und so weiter und so fort. All dem Geunke zum Trotz, zu der Uhrzeit hab ich beim Breeze selten so viele Fans ihre Helden abfeiern sehen wie das die Fans der Franken getan haben. Die haben dann auch überhaupt nichts gecovert, sondern nur eigene Songs zum Besten gegeben, mit Eigenständigkeit wars trotzdem nicht weit her, klang oft nach Metallica bzw. Slayer.

Hypnos
Ganz anders gings dann im Anschluss mit den drei Tschechen von HYPNOS weiter. Kompromissloser Death-Metal, schörkellos und voll auf die Zwölf. Die alten Fans trauern zwar immer noch den Krabathor-Zeiten hinterher, es gab aber offensichtlich genügend andere, die sich sehr über die derbe Kost freuten. Stage-Acting ist zwar nicht die Stärke der Band, dafür wurde ordentlich der Kopf geschüttelt und mit "Endorsed by Satan" hatten sie einen heissen Anwärter auf den "coolster Song-Titel"-Preis auf ihrer Setlist.


Heaven Shall Burn

Wenn man die Jungs von HEAVEN SHALL BURN abseits der Bühne getroffen hätte, dann hätte man sie mit ihren weiten Hosen wohl eher in die New-Metal Ecke gesteckt, dass die Youngster auf der Bühne aber dermaßen die Metal-Keule schwingen hat selbst manchen finsteren Black-Metaller respektvolles Nicken abgefordert. Brachialster Metalcore mit der ein oder anderen Hardcore-Anleihe und einem beachtlichen Lauf- und Bangpensum bescherte den Thüringern viel Beifall und kurbelten ihren Shirt-Verkauf sichtbar an, zu Recht!


Graveworm

Die Südtiroler GRAVEWORM brachen gen Norden nach Abtsgmünd auf und hatten wohl auch nicht mit einer derartigen Hitze auf der Bühne gerechnet. Die Band wurde frenetisch von ihrem Publikum empfangen und ließ sich zu einer mehr als schweißtreibenden Show animieren und schielte ab und an gar neidisch auf die kühlen Wasserfontänen die über Schläuche auf dem Publikum nieder gingen. Sänger und Stimmungsmacher Stefan Fiori war erneut der Mittelpunkt der Black-Metal-Horde und die Keyboarderin war eigentlich permanent am Haare schütteln - dem Helge hätts gefallen. Für die Uhrzeit und die Temperaturen eine mehr als beachtliche Leistung. Wie bestellt flog dann auch noch just während ihrem Auftritt ein Flugzeug mit nem Nuclear Blast-Banner übers Gelände - gutes Timing auch.


Farmer Boys

Und weiter gings mit den Lokalmatadoren die nun auch Label-technisch wieder im Ländle angekommen sind, unsere Lieblings-Landwirte, die FARMER BOYS nahmen die Bühne im Sturm. Es folgten 45 Minuten souveräne Arbeit der Musiker mit leichten gesanglichen Abstrichen, die der allgemeinen Hochstimmung aber keinen Abbruch taten. Die sympathischen Schwaben, allen voran Energiebündel Alex Scholpp an der Gitarre, rockten sich durch ein sehr gut gewähltes Arrangement ihrer bisherigen Veröffentlichungen und gaben sogar schon einen Song vom Ende des Jahres erscheinenden Nachfolger zum Besten. Klar konnte sich Frontmann Sayer auch dieses Mal die fussballprolligen Ansagen nicht verkneifen ("Seid ihr Schwaben? Scheisst ich auf Bayern?" - alles lauthals bejubelt!), dieses Mal waren seine Ansagen jedoch aufgrund der Vizemeisterschaft und der Championsleague-Teilnahme endlich auch mal begründet!


Disbelief

DISBELIEF waren recht kurzfristig für die ausgefallenen Vintersorg eingesprungen, was die vielen Vintersorg-Fans natürlich masslos enttäuscht und auch nicht wirklich entschädigte, viele andere aber offensichtlich sehr erfreute! Denn obwohl nicht viele Fans bei der Anreise vom Auftreten der Deutschen wissen konnten, wurden sie mehr als freundlich empfangen und boten erneut ihre eigenständige Death-Metal Interpretation mit Melodie und einem Schuss Neurosis. Ganz souverän stiegen sie dann auch mit dem neuen Song "Ethic Instinct", der sich auch auf dem im Oktober erscheinenden nächsten Album der Band wiederfinden wird, in ihr Set ein. Intensität ist die herausragendste Qualität dieser Band und warum sie nicht schon viel weiter ist und von den meisten immer noch "nur" als Geheimtipp gehandelt wird, werd ich wohl nie verstehen...


Amon Amarth

Zum zweiten Mal richtig voll vor der Hauptbühne wurde es im Anschluss dann bei AMON AMARTH. Die Band, die letztes Jahr schon zu den grossen Gewinnern zählte, ließ auch dieses Jahr erst gar keine Zweifel aufkommen, ob sie die Leistung vom letzten Mal wiederholen könnten. Eigentlich würde die Band wohl auch nen Tauben überzeugen, denn die imposante Erscheinung der Schweden (gross, blond, bärtig) in Verbindung mit permanentem Bangen der Musiker und über die Bühne schreiten des Sängers war an sich schon ein Hingucker, durch die Mid-Tempo-Killer-Songs, brachiale Härte und einem trotzdem hohen Eingängigkeitsfaktor gabs fürs Publikum dann vollends kein Halten mehr. Nach fünf starken Alben in Folge wissen die Skandinavier eine stetig wachsende Fanschar hinter sich, dass deren Genuss durch den doch teilweise miesen Sound etwas geschmälert wurde lag jedoch nicht an der Band und kann ihr somit auch nicht vorgeworfen werden.


Naglfar

Auf der Painstage versuchten sich daraufhin NAGLFAR an der schweren Aufgabe Black Metal trotz strahlendem Sonnenschein zu zelebrieren und wurden von den zahlreichen Fans nach Strich und Faden abgefeiert. Ihr aggressives Stageacting in Verbindung mit einem glasklaren Sound taten ein übriges zum Erfolg der Band. Sie krönten ihren Auftritt mit ihrem wohl bekanntesten Song "Horncrwoned Majesty" bevor ihre Zeit auch schon wieder um war.


Primal Fear

Auch PRIMAL FEAR sind sogenannte Wiederholungstäter, also nicht zum ersten Mal in Abtsgmünd mit dabei. Erneut fanden sie sich auf der Hauptbühne wieder, diesmal jedoch mit deutlich weniger Bühnenaufbauten. Die Band ließ kein Klischee aus, bot das volle Programm inklusive Mitsingspielchen und dicker Pyro-Show und stellte sogar tatsächlich auch noch die Musiker namentlich vor. Für manchen klang das alles nach Judas Priest für Arme, die zahlreichen Fans waren da aber ganz anderer Meinung und wie heisst es so schön: der Erfolg gibt ihnen recht! Und dann spielten sie doch tatsächlich auch noch ne Priest-Cover-Version: "Metal Gods", aha. Sänger Ralf Scheepers ist sicherlich ein Meister seines Fachs und auch mit dem Neuzugang am Schlagzeug Randy Black (somit Ex-Annihilator) hat man ein gutes Händchen bewiesen. Bezeichnenderweise schallten bei ruhigen Passagen oder auch zwischen den Songs schon lauthals "Reiter!Reiter!"-Rufe über den Platz und damit gings dann auch weiter.
 


Die Apokalyptischen Reiter

DIE APOKALYPTISCHEN REITER sind.... die apokalyptischen Reiter! In ihrer ganz eigenen Art leben und spielen sie mit viel Spass und hohem Metal-Faktor ihre eigene Version von harter Musik und haben sich über ihre Eigenständigkeit eine fanatische Anhängerschar erspielt die jeden Auftritt der Band zu einem Erlebnis werden lässt. Reitermania hat sich über die Jahre als Schlagwort entwickelt und trifft die Sache auch sehr gut. Im Gegensatz zum letzten Jahr verteilte Sänger und Dauergrinser Eumel dieses mal keine Sonneblumen, sondern irgendwelche roten Gewächse und hatte erneut sichtlich Spaß. Schon bei den "No Mercy"-Festivals zusammen mit Testament und Marduk hatten sie viele neue Fans dazu gewonnen und das dürfte an diesem Tag nicht anders gewesen sein. Der wie immer abschließenden Band-Hymne "Metal will never die" wurde dann mit einer überraschenden Einlage ("Was wollen wir trinken") des Keyboarders quasi als Programm für nach dem Gig noch etwas hinterhergeschickt, hoch die Tassen!


Children of Bodom

"Etwas" hektisch gings zu für die von vielen Fans sehnlichst erwarteten CHILDREN OF BODOM. Der Flug, den sie ursprünglich nehmen wollten/sollten, wurde gestrichen und so kamen sie und ihre Crew mit gehöriger Verspätung am Festivalgelände an und mussten quasi aus dem noch rollenden Fahrzeug auf die Bühne eilen. Für die Fans völlig unverständlich wurde dann auch noch viel Zeit mit gemächlichem Aufbau und Soundcheck verschwendet, was die effektive Spielzeit der Herren mehr und mehr zusammenschrumpfen ließ. Zudem war mit Roope Latvala ein Ersatzgitarrist für den kürzlich ausgestiegenen Alexander mit auf der Bühne und so war es von vorne herein schon schwer als überzeugende Einheit loszulegen. Die Band und besonders ihr Sänger war sichtlich verärgert über die mißlichen Umstände, garnierte seine Ansagen mit reichlich Kraftausdrücken und zogen sich dank einer fein abgestimmten Setlist doch noch recht achtbar aus der Affäre. Von vielen Leuten wurde die Band vor Ihrem Auftritt als Highlight des Festivals gehandelt, daraus konnte aus genannten Gründen aber leider nichts werden, vielleicht beim nächsten Mal...


Amorphis

Weiter gings mit AMORPHIS. Eigentlich war ihr Platz ja Katatonia zugedacht gewesen, die aber durch widrige Umstände leider nicht spielen konnten und hoffentlich nächstes Jahr mit dabei sein werden. Die Finnen haben in den letzten Jahren eine ähnliche Entwicklung von ihren Death-Metal-Roots hin zu getrageneren und melodischeren Songs vollzogen wie sie in ähnlicher Weise z.B. auch Paradise Lost hinter sich haben. Durch die knapp bemessenen 45 Minuten Spielzeit waren sie aber gezwungen ihr Set recht straff zu organisieren und entschieden sich zur Freude des Publikums viele alte Perlen ins Programm zu nehmen. Diese wurden aber gemäß dem aktuellen Sound der Band teilweise etwas umarrangiert während manch jüngerer Song live deutlich rauher dargeboten wurde, als er auf dem jeweiligen Tonträger verewigt wurde. Die Band schien genau den Nerv des seligen Publikums getroffen zu haben, zeigte sich zwar nicht sehr bewegungs- aber durchaus spielfreudig und gehen als eine der (überraschenden) Gewinner des Festivals durch. Das hat sicher vielen Anwesenden Lust auf die Deutschlandtour im Herbst gemacht.


In Extremo

Um kurz nach 23 Uhr war es dann soweit: "Meine Damen, meine Herren: IN EXTREMO!" Deutschlands wohl angesagteste Mittelalter-Metal-Combo verwandelte die Fläche vor der Hauptbühne vom ersten bis zum letzten Ton in eine brodelnde Masse williger Fans, die aus dem Hüpfen und Brüllen/Singen über 90 Minuten gar nicht mehr heraus kamen. In ausnahmsweise leicht veränderter Besetzung (andere Dudelsackpfeifer, anderer Basser) aber in gewohnt mittelalterlicher Kluft, hatten auch die Leute auf der Bühne sichtlich Spaß und die gewohnt perfekte Light- und Pyro-Show unterstützte die Arbeit der Band perfekt. Einige kritische Die-Hard-Fans der Band waren etwas enttäuscht, dass es so gar keine neuen Elemente in der Bühnenshow gab, aber das hat den Grossteil des Platzes nicht wirklich gestört und den Auftritt zu einem einzigen Fest werden lassen.


Finntroll

Children of Bodom hatte es schon schwer getroffen, aber FINNTROLL waren noch schlechter dran! Auch sie mußten besagten späteren Flieger nehmen, zu allem Übel ging aber auch noch ihr gesamtes Gepäck flöten, es war am Flughafen jedenfalls unauffindbar und wurde wohl in irgendeiner Weise fehlgeleitet. Und wenn wir von Gepäck reden, dann sind hier auch Instrumente gemeint! Die knuddeligen Finnen kamen sichtlich aufgelöst an der Painstage an und mussten sich erst mal mit Instrumenten aushelfen lassen. Schlagzeug und Keyboards war kein Problem, denn das hatte die Backlinefirma vorrätig, die Gitarren wurden nach etwas Überredungskunst schließlich von Amorphis gestellt - ein netter Zug! Die Wut über den ganzen Streß setzten die Trolle dann auf der Bühne in entsprechende Energie um und bescherten der Meute vor der Pain Stage einen optimalen Abschluss des zweiten Festival Tages. Routa, der den tragisch verunglückten Gitarristen ersetzte, hatte sich schon sehr gut in die Band eingelebt und trug seinen Teil zur Show bei. Schade nur, dass sie sich fast völlig auf ihre Death-Metal-Anteile konzentrierten und die charakteristischen Folk- und Hummpa-Elemente aussen vor liessen.


Samstag 23.08.2003

Defending the Faith

Ähnlich wie schon am Vortag, hatten auch DEFENDING THE FAITH arg an der kargen Zuschauerkulisse zu knabbern als sie um punkt 12 die Mainstage betraten. Drei Leute an der Bühnenkante versuchten gute Miene zum bösen Spiel zu machen und stellten den Anwesenden ihren Prog-Powermetal vor. Auf dem Drum-Riser hinter ihnen herrschte gähnenden Leere, kein Wunder, denn die Herren liessen sich von Geknüppel aus der Maschine begleiten.
 


The Armada

Gleiches Bild vor der Painstage bei THE ARMADA. Trotz beachtlicher spielerischer Leistung und bemühter Ansagen des Sängers ("Deutschland sucht den Metal-Star") interessierten sich nur sehr wenige für den klassischen, hymnenhaften Metal der Süddeutschen die zwei ehemalige Stormwitch-Recken in ihren Reihen haben. Da halfen auch die vielen Keyboard-Chöre und Gitarrensoli nichts...


Koroded

Ganz anders sah es dann schon bei KORODED aus der Aachener Gegend aus. Der Vierer spielte sich den sprichwörtlichen Arsch ab, als ob es kein morgen gäbe und der Platz rappelvoll wäre. Stilistisch in der dieses Jahr eher schwach-vertretenen New- bzw. Modern-Metal-Ecke zu hause hatten sie die Anwesenden schnell auf ihrer Seite und besonders Sänger Jan und Gitarrist Andy schienen im festen Glauben zu agieren, dass es auch für die auf der Bühne zurückgelegte Strecke beim Lohnsteuerjahresausgleich Kilometergeld gibt.


Elis

Nach einer wie erwähnt unterrepräsentierten Sparte im Festival-Line-Up folgte mit ELIS ein weiterer Act der eine zierliche Frau am Mikro hatte, was am Summer Breeze nicht ganz so selten der Fall ist. Erfreulicherweise ging die Combo aber etwas heftiger als manche der Gothic-Bands ans Werk, eher Heavy Metal mit ein paar Abstechern ins Death-Lager. Die Schweizer/Lichtensteiner waren kurzfristig für die Iren von Primordial eingesprungen und boten eine engagierte Show, die die Primordial-Fans natürlich nicht entschädigen konnte (dazu waren die Bands einfach zu verschieden), die aber von vielen durchaus als positiv verbucht wurde.


Darkseed

Lange war es still um sie, viele wähnten sie schon in den ewigen Jagdgründen doch Totgesagte leben eben länger! DARKSEED beehrten auf jeden fall mal wieder die grosse Bühne und freuten sich über den herzlichen Empfang nach der langen Funkstille. Nach einem sehr guten neuen Album galt es auch live wieder unter Beweis zu stellen, dass auch nach drei Jahren Sendepause mit den Herren zu rechnen ist. Der neue Sänger Christoph ist ein mehr als gleichwertiger Ersatz für den ausgestiegenen Stefan Hertrich und führte seine Band durch ein ausgewogenes Set an alten Hits und neuen Glanzstücken. Wie gewohnt schaffte die Band den Balanceakt zwischen metallischen Rockern und düster-melodischen Passagen und wurde dementsprechend vom Publikum gefeiert.


Desaster

Für manchen folgte - nomen est omen - ein wahres DESASTER. Die Band polarisiert wie nur wenige auf dem Billing (mal abgesehen von Justice und vielleicht noch J.B.O.), den Fans hats aber auf jeden Fall gefallen, was man ganz leicht an den euphorischen Szenen vor der Painstage erkennen konnte. Pseudonyme wie Sataniac und Infernial sind schon nicht jedermanns Sache, schon gar nicht Old-School-Black-Trash mit mässiger instrumental Kompetenz. Respekt gibt's aber in jedem Fall für die Konsequenz der Herren, die voll engagiert ihr Ding durchzogen und den vielen Fans eine veritable Vollbedienung lieferten.


DEW-Scented

Seit Jahren eine Bank auf dem Extrem-Death-Thrash-Sektor enttäuschten DEW-SCENTED um Fronter Leif auch heuer ihre Fans in keinster weise. Unbarmherzig gegen sich selbst sowie gegenüber den Fans wurde eine Granate nach der anderen gezündet, die Band liess fast permanent die Haare fliegen und hätte die verlorene Schweissmenge wohl bald in Litern messen können, denn die Sonne brannte ebenso unbarmherzig vom Himmel. Völlig zu recht wird die Band gelegentlich mit den Schweden The Haunted verglichen, wer weiss, wo die Band heute stehen würde, wenn sie nicht aus Deutschland sondern aus Skandinavien oder den USA wäre. Auch wenn ein Grossteil der Meute die Songs noch gar nicht kennen konnte, gaben Dew-Scented bereits zwei Songs vom kommenden Album "Impact" zum besten, die auf ein weiteres gelungenes Werk hoffen ließen. Mit der nächsten Bands waren auf dem Abtsgmünder Festplatz dann vermehrt holländische Fahnen zu sehen.


Callenish Circle

Was CALLENISH CIRCLE boten klang zwar eher schwedisch, aber diese Spielart des Death-Metal hat mittlerweile eben weltweit Fans und Nacheiferer gefunden. Wenn auch nicht sonderlich originell, dann doch sehr professionell und engagiert boten die Männer um Patrick Savelkoul eine solide Show und verabschiedeten sich mit ihrem "Hit" "Obey me".


God Dethroned

Die Hollandflaggen wanderten weiter zur Hauptbühne, wo sich ihre Landmänner an den Instrumenten wieder daran machten Gott vom Thron zu holen, schwaches Wortspiel, starker Auftritt von GOD DETHRONED. Irgendwie scheinen die Fans jedoch nach der vierten Nackenbrecher-Kombo in Folge etwas geschwächt zu sein, denn der Funke wollte nicht mal bei der Death Cover-Version "Evil Dead" so recht aufs Publikum überspringen, solide Leistung, aber nicht wirklich mitreissend. Gastkritik von Powermetal.de: Das heavy Trio aus dem Süddeutschen kam allerhöchstens als Geheimtipp zum SUMMER BREEZE und wieder einmal zeigte es sich, dass die Strategie der Veranstalter, auch relativ undergroundige Acts aufs Billing zu hieven, für alle von Vorteil ist.


Undertow

Mit ihrem harten, rhythmusbetonten Metalcore und einem Stageacting, das besonders von Frontkoloss Joschi getragen wurde, lieferten UNDERTOW einen fetten Gig, bei dem die Spielfreude aller Bandmitglieder offensichtlich war und bei dem der Funken quasi sofort auf die Zuschauer übersprang. Kein Wunder somit, dass der CD-Verkauf für die Truppe nach dem Konzert ins Endlose anstieg - ein Andenken an diese Energieladung macht sich sicher auch gut im heimischen CD-Toaster! [Philipp v. d. Knesebeck]


Sinner

Jetzt musste der arme alte Mann Matt SINNER doch gleich zweimal ran beim diesjährigen Breeze - aber das war er ja bereits vom Wacken gewöhnt, wo auch gleichzeitig Sinner und Primal Fear gebucht waren. Der Herr hat ja auch schon einen beachtlichen Backkatalog und durch den arbeitete er sich auch munter bis zu jüngsten Veröffentlichungen durch. Durch Soundbrei anfangs etwas gehemmt stellte sich der Genuss für die Fans aber recht fix auch auf soundtechnischer Seite ein. Bei 45 Minuten Spielzeit hätte sich wohl mancher statt des Schlagzeugsolos einen weiteren Song gewünscht, aber das ist ja immer Geschmackssache. Toll kam auf jeden Fall erneut das gewohnte Billy Idol-Cover von "Rebel Yell" an.


End of Green

END OF GREEN haben sich über die Jahre konstant nach oben gearbeitet - und das nicht nur im Line-Up des Summer Breeze, sondern auch mit konstant hoher Qualität beim Songmaterial. Live hat die Band schon so manchen geplättet, der vom Soundgerüst der Tonträger noch nicht vollends überzeugt war. Denn hier kann die Band all ihre Trümpfe ausspielen, zu allererst natürlich die charismatische (Ausnahme-)Stimme von Sänger Huber, dann aber auch das schlafwandlerische Zusammenspiel der Musiker gepaart mit ehrlicher Leidenschaft und Hingabe bei der Darbietung. Konsequenter Weise fanden sich erneut noch mehr Leute vor der Bühne ein um mit der Band zu feiern. Das Hauptaugenmerk der Setlist lag natürlich auf den beiden letzten Alben "Songs für a dying world" und "Last night on earth" in Form von "My Friend" hievten die Jungs aber auch einen umjubelten älteren Song in ihr Programm.
 


Within Temptation

Dann wars wieder Zeit für unsere Nachbarn die blau-rot-weissen Fahnen zu entrollen und die Niederländer von WITHIN TEMPTATION zu unterstützen. Die waren ob des riesigen Interesses natürlich in keinster Weise auf ihre Landsleute angewiesen, haben sie doch in den letzten zwei Jahren einen fast kometenhaften Aufstieg in die Oberliga ihrer Zunft vollzogen. Und nach den riesigen, Kakteen-artigen Aufbauten im letzten Jahr, zog die Band um "Frontschneewittchen" Sharon den Adel wieder alle Register. Diesmal wurde die Bühne von steingrauen Säulen, Treppen und Statuen geschmückt. Nach dem vom letzten Jahr schon bekannten Glitzerregen gabs noch ne Kate Bush Cover-Version und zum Abschluss das aus Funk und Fernsehen bekannte "Ice Queen". Etwas schmerzlich für die Fans war, dass die Stimme der Sängerin doch arg in den Mittelpunkt gemischt wurde, was einem umjubelten Auftritt aber erneut keinen wirklichen Makel beibringen konnte.


Hollenthron

Wie bereits Matt Sinner vor ihm musste nun auch Martin Schirenc, der Sänger von Pungent Stench, mit HOLLENTHON zum zweiten Mal an die Arbeit. Mit viel Wiener Schmäh und leider auch viel Einspielungen vom Band überzeugten und beglückten die Österreicher ihre Fans. Ein Auftritt mit Chor und Orchester dürfte finanziell in weiter Ferne liegen und so muss man sich als Fan eben damit begnügen, dass diese Elemente aus der Konserve kommen müssen. Musikalisch sind die Herren nicht so leicht dingfest zu machen, denn einerseits hegt man gewisse Parallelen zu Therion, verwebt das ganze aber mit mannigfaltigsten Einflüssen zu einer ganz eigenen Mixtur. Gewohnt wienerisch staubtrocken und amüsant auch die Ansagen vom Sänger. Spätestens nach dem umjubelten Auftritt beim Summer Breeze wünschen sich die vielen Fans wohl sehnlichst endlich ein neues Album der Band...


J.B.O.

Zu J.B.O. kann man stehen wie man will. Man hat ja eh nur die Alternativen Lieben oder Hassen. Objektiv muss man den Franken aber eine professionelle, aufwändige Show mit vielen Ideen attestieren und die bereits lange vor Showtime immer zahlreicher werdenden rosa/pink-gewandeten Fans haben sie ohnehin wieder auf Händen getragen und hätten sie wohl gar nicht mehr von der Bühne gelassen. Ungewohnter Weise waren da auch fünf Personen auf der Bühne und keine vier, das lag daran, dass sich Sänger Vito wohl beim Zweiradfahren verletzt hatte und nicht Gitarrieren konnte. Erneut gabs bekannte Gags wie überdimensionale Text-Tafeln zum Mitsingen, den mächtigen, aufblasbaren Schriftzug und neben vielen anderen Gags auch das riesige, wandelnde Kondom. Begeistert oder nicht, ich werde wohl nie verstehen, wie ein denkender Mensch sich freiwillig ein pinkes Shirt überziehen kann...


The Crown

Etwas ungläubig ob der massenhaften Begeisterung bei den Franken-Kaspern verfolgten auch Teile von THE CROWN vor ihrer Show das Geschehen auf der Hauptbühne - allerdings in sicherer Entfernung auf der Painstage. Etwas konsterniert aber umso motivierter gingen die Schweden anschliessend in die vollen und machten aus ihrem optimalen Platz im Line-Up mehr als das beste: Sie trieben sich auf der Bühne und die Fans im Publikum zu wahren Höchstleistungen an und galten nach dem Festival für die meisten als Gewinner der dreitägigen Sause. Der neue/alte Sänger war erneut eine Augenweide (Killer-Kotletten from hell!) und die Band spielte sich souverän und streckenweise deutlich ergriffen von der vehementen Begeisterung im Publikum durch ein 45minütiges Set, dem eigentlich nur die Vokabel Siegeszug annähernd gerecht wird. Sogar die eingestreuten neuen Songs vom im Oktober erscheinenden nächsten Album "Possessed 13" wurden frenetisch bejubelt und gefeiert. Im Gegensatz zu vielen gleichartigen Schweden-Todesblei-Schmieden vereinen die Sympathen das beste aus Death-, Thrash- und saucoolen Rock'n'Roll-Elementen zu ihrem eigenen Stil. Zu toppen war die Leistung anschließend eigentlich gar nicht mehr.
 


In Flames

IN FLAMES machten ihrem Namen jedoch alle Ehre und zeigten allen anderen Bands, die über die drei Tage mit dem Feuer in Form von Pyro-Einsatz gespielt hatten, wie mans richtig macht. Die Bühne selbst war eher spartanisch-aufgeräumt geraten. Neben dem Drumriser standen links und rechts keinerlei Boxen oder Top-Teile. An der Stelle erstreckten sich zu beiden Seiten Alu-Lichttraversen in Knie-Höhe, die jedoch nicht nur mit Licht bestückt waren. Die Verstärker waren links im Abseits und auch weg vom Bühneninneren beim Gitarren- und Bassroadie aufgebaut, der mit Stimmen der Instrumente und schalten der Effekte vollauf beschäftigt war. Die Musiker spielten alle mit Sender und konzentrierten sich voll auf die Songs, die perfekt intoniert wurden. Über die gesamte Breite prangte als Krönung eine gigantische Schwedenfahne und die Musiker liefen passend dazu auch im entsprechend der Nationalfarben ihres Heimatlandes gestalteten Band-Trikots und schlichten beigen Hosen auf. Sänger Anders stand seinen Bandkollegen in nichts nach und bewegte sich ausgiebig, wenn das auch ab und an vom Stil her etwas an Jonathan Davis erinnerte. Zur Setlist kann man nur "Hits, Hits, Hits" sagen, und somit hatten die Herren, unterstützt durch die mehr als imposante, gigantische Pyro-Show die streckenweise genau auf die Snareschläge kam, leichtes Spiel und waren der, wie erwartet, verdiente Headliner des Samstags.


Letzte Instanz

Passender hätte der Name der Band, die zum Kehraus aufspielte, kaum sein können: Die bunte Truppe LETZTE INSTANZ ging trotz der späten Stunde mehr als enthusiastisch ans Werk und es schien so, als ob das Publikum das Festival nur sehr ungern zu Ende gehen lassen möchte und stellvertretend für drei wunderbare Tage nochmal so richtig abfeiern wollte. Und obwohl die Dresdner vor dem Auftritt noch etwas skeptisch waren, ob sie denn auf einem "reinen" Metal-Festival richtig aufgehoben waren, wurden diese Zweifel durch die Reaktionen seitens des Publikums schnell beiseite gefegt. Mit ihren Geigen und Chellos stachen sie in der Tat heraus, doch das Publikum hatte über die Jahre schon eine hohe Toleranzquote bewiesen und liess sich von der bewegungsfreudigen Crossover-Truppe zum finalen Tanz bitten.

Tja, und dann wars auch wirklich und tatsächlich schon wieder vorbei. Aber zum Trost für all die Fans sei auf den Countdown auf der Startseite verwiesen, dass SUMMER BREEZE Open Air 2004 rückt unaufhaltsam näher, we`ll meet again!

Thomas Jentsch


Das Festivalgelände
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