Rückblick 2004

Mit etwas Abstand zum eigentlichen Festivalgeschehen lässt sich eigentlich nur ein Fazit ziehen: es war ein erfolgreiches, mit über 40000 Metalheads erneut ausverkauftes Festival und die wenigen aufgetretenen Probleme gingen zum Großteil auf das erstmals richtig regnerische Wetter. Die Erfahrung, die das Team über die Jahre bei der Organisation auf dem Gelände sammeln konnte, haben zu einem fast reibungslosen Ablauf geführt, die Kritikpunkte des letzten Jahres wurden gelöst und das Wetter liegt ja nun wirklich nicht in der Macht der Veranstalter...

Donnerstag 19.08.2004

Lords of Decadence

LORDS OF DECADENCE
Die Opener-Position auf der Hauptbühne haben sich dieses Jahr die Österreicher LORDS OF DECADENCE erarbeitet. Die haben sich nämlich im Metal Hammer-Contest gegen die illustre Mitbewerberschar durchgesetzt und waren gewillt diese Chance auch zu nutzen. Vom Publikum wurde ihr leicht an Children of Bodom angelehnter Metal dankend aufgenommen und sie dürften nicht nur aufgrund ihrer weißen Garderobe in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen ihrer souveränen Show. Besonderen Respekt verdient der Schlagzeuger, nach dem kurzfristigen Ausstieg seines Vorgängers packte er sich die Songs in nur zwei Wochen ins Hirn und leistete einen guten Job!


Fragment of Unbecoming

FRAGMENTS OF UNBECOMING
Auf ähnlichem Energie-Niveau gings dann auf der Pain-Stage weiter: FRAGMENTS OF UNBECOMING feuerten eine fette Schweden-Metal-Breitseite ins hungrige Publikum und bewiesen, dass derartiges eben nicht nur von Skandinaviern kompetent zelebriert werden kann. Die Süddeutschen brillierten sowohl auf technischer Seite, als auch vom Einsatz und ihre halbstündige Spielzeit war viel zu schnell vorbei.


Rawhead Rexx

RAWHEAD REXX
Seit jeher ist das Summer Breeze ein Festival, das verschiedenste Spielarten des Metals präsentiert und so machte das Publikum auch den Wechsel von den heftigen Klängen der Pain-Stage zu dem fast klassischen Heavy Metal freudig mit und empfing die Vier mit offenen Armen. Die waren wohl etwas überrascht trotz des frühen Nachmittags mit so viel Einsatz empfangen zu werden und legten sich nur umso mehr ins Zeug. Und auch wenn die Band selbst noch recht Jung ist, standen hier doch bekannte Leute auf der Bühne: Glenmore, Letter X und Erotic Jesus wären als ehemalige Wirkungsstätten aufzuführen - was sich natürlich in entsprechend souveränem Songwriting und Stageacting niederschlägt.


Gorerotted

GOREROTTED
Und wieder ein krasser Stilwechsel! Von Heavy Metal zu derbestem Grindcore mit hohem Unterhaltungsfaktor. Wie ein Sturm fegt der Sound der Engländer über die Bühne, der Sänger ist mit seiner Weirdo-Nummer inklusive blutbesudeltem Outfit das klare Zentrum der Aufmerksamkeit und auch wenn die Musik in keinster Weise lustig ist, macht der Auftritt doch jede Menge Spaß. Das quittiert das Publikum folgerichtig mit dem ersten Moshpit des Tages...


Mörk Gryning

MÖRK GRYNING
Zurück zur Hauptbühne wo MÖRK GRYNING nen skandinavischen Dreierpack einleiteten. Die unberechenbaren Schweden mit dem eigenwilligen Sound aus Metal, Klassik und Folklore wurden sehnlichst erwartet und nutzten ihre 35minütige Spielzeit unter anderem um auch erstmals neues Material vom kommenden Album zu präsentieren. Ihr Auftritt krankte Anfangs etwas an Soundproblemen, das Keyboard drang kaum durch die anderen Instrumente und das hochprozentige Frühstück scheint bei manchem Skandinavier wohl Standard zu sein...


Vomitory

VOMITORY
Die vereinzelt gesichteten Schwedenfahnen brauchten gar nicht erst weggesteckt werden, denn die Landsmänner VOMITORY spielten direkt im Anschluss. Extremen Metal mit derber, aber doch hochtechnischer Gitarrenarbeit boten die Brüder Gustafsson mit ihren Kollegen der Meute vor der Pain-Stage.


Sonata Arctica

SONATA ARCTICA
Ihr Sänger heisst Tony Kakko, ihr Auftritt war aber genau das Gegenteil! OK, die technischen Probleme waren offensichtlich, aber ansonsten wurden die Finnen ihrem Insider-Tip-Status völlig gerecht; auf dem Gebiet des melodischen Power-Metal werden sie zu recht hoch gehandelt. Als Krönung eines gelungenen Auftritts brachten sie noch "Still loving you" von den Scorpions. Ihr Gig beim Breeze hat ihnen bestimmt viele neue Fans beschert, die sich die gemeinsamen Dates mit Nightwish im Herbst bestimmt nicht entgehen lassen werden.


Fleshcrawl

FLESHCRAWL
Bei der Band aus der Ulmer-Gegend kann man ja fast noch von einem Heimspiel reden, der Platz vor der Pain-Stage war auf jeden Fall rappelvoll als die Jungs die Bühne betraten. Ab dem Moment war sowohl auf der Bühne als auch davor permanentes Headbangen angesagt, denn die Band machte wirklich keine Gefangenen. Brutale Vocals und ein entsprechender Gitarrensound transportierten die schwedisch angehauchten Death Metal-Songs ideal durch die Boxen und natürlich fehlten weder die Hits ihres aktuellen Albums a la "Flesh bloody Flesh" noch ältere Granaten und sogar eine Cover-Version von Carnage wurde ins dankbare Publikum gefeuert.


Crematory

CREMATORY
"Manchmal kommen sie wieder" heisst ein Buch von Stephen King, und genau wie seine Bücher sind Reunions auch immer Geschmackssache. Wenn die Publikumsreaktionen aber als Indiz für die Notwendigkeit der Rückkehr dieser Band zählen, dann war es längst überfällig, dass sie nun wieder die Bühnen dieser Welt bespielen. Mit offenen Armen und mehr als frenetisch wurden sie empfangen und führten die Meute durch ein Sammelsurium an Hits wie der aktuellen Chart-Single "Greed" und dem Klassiker "Tears of Time". An der der Sisters of Mercy-Coverversion "Temple of Love" schieden sich allerdings die Geister. Über die Jahre haben Elektro- und Synthie-Elemente eine immer größere Rolle in der Musik der Band eingenommen und das schlug sich auch in ihrem Auftritt nieder.


Saltatio Mortis

SALTATIO MORTIS
Das tolle an großen Festivals ist ja, dass man unter Umständen Bands für sich entdecken kann, die man sonst nie gesehen hätte, die einem am Festival aber total überraschen und begeistern. Im letzten Jahr waren das z.B. Psychopunch, die mit ihrer sympathischen und energiegeladenen Show auch Nicht-Punkrockern gefallen haben. Für viele Leute wird diese Band 2004 SALTATIO MORTIS gewesen sein. Denn wer die im Vorfeld nur als weitere Mittelalter-Band abgetan hat, wurde am Donnerstag Abend schnell eines Besseren belehrt. Schon die komplett umgebaute Bühne erregte Aufmerksamkeit, zusätzliche Podeste mit arrangierten Trommeln und die Pyroshow taten ein Übriges. Nicht zu vergessen die ansteckende Spielfreude und der Spaß den die Band offensichtlich auf der Bühne hatte und die schnell ins Publikum überschwappte... Zu den mittelalterlichen und fremdländischen Instrumenten (Leier, Dudelsack, Schalmei, Flöten) kamen spanische und Techno-Einflüsse sowie Cover-Versionen, die hier wohl auch niemand erwartet hätte (z.B. "God gave Rock'n'Roll to you" von KISS und "Eine Insel mit zwei Bergen"). Viel Applaus erntete auch die treffende Ansage in Bezug auf den amerikanischen Präsidenten vor ihrem zweiten Song "Der Heuchler".


Hypocrisy

HYPOCRISY
In der Dämmerung gingen die Schweden auf die Bühne und spielten in die Dunkelheit hinein - ein Bild für die Götter! Und passend zu den Lichtverhältnissen gings auch gleich mit "Adjusting the Sun" in die Vollen. Mehr als souverän war der gesamte Auftritt der Band, flankiert von Transparenten im Alien-Design und vor einem riesigen Backdrop mit dem aktuellen Albumcover stimmte auch die Optik. "Neu"-Drummer Horg kannte den Ausblick von der Hauptbühne ja noch von einem früheren Besuch mit seiner Ex-Band Immortal und auch Workaholic Tägtgren ist Summer Breeze-Wiederholungstäter - sowohl mit Hypocrisy als auch mit seinem Projekt Pain war er schon früher zu Gast. "Fire in the Sky" passte sehr gut zum blutrot gefärbten Himmel und mit "Rosewell 47", der Bandhymne vom "Abducted"-Album, beendete Peter & Co. ihren Gig und liessen ein geschafftes aber auch mehr als glückliches Publikum zurück. Für viele wohl der Headliner am Donnerstag


Lake of Tears

LAKE OF TEARS
Nach den heftigen Tönen ihrer Landsmänner auf der Hauptbühne tauchten LAKE OF TEARS in ihr ganz eigenes Sound-Universum ab. Schon rein optisch fielen die Musiker auf: der Sänger und Gitarrist Daniel Brannare hatte bei den ersten Songs eine Fliegenpilzartige Kopfbedeckung auf, der Drummer sah aus wie ein US-Cop und seine Kollegen hatten fusslig-bunte Oberteil an, die mich irgendwie an Sesamstrasse-Vögel erinnert haben... Die Fans erlebten ergiffen einen der seltenen Gigs der Schweden, die ihre ganz eigenen Klänge zwischen Hippie-, Gothic- und Metal-Sounds aufbauten. Von Stageacting konnte man nicht wirklich reden, aber hier zählt eben mehr die Atmosphäre. Ins Set wurden auch schon Songs des kurz nach dem Breeze erschienen "Comeback"-Album "Black Brick Road" eingebaut.


Sentenced

SENTENCED
Nach ihrem umjubelten Auftritt auf dem Summer Breeze 2002 kehrten die Finnen dieses Jahr als Headliner nach Abtsgmünd zurück - auch wenn sie optisch nicht unbedingt als solcher auszumachen waren: keinerlei Backdrop, Aufbauten, Pyros oder sonstige Gimmicks, die Herren konzentrierten sich voll auf die Musik. Trotz fast permanentem Regen liessen sich die zahlreichen Fans die Laune nicht verderben und begleiteten ihre Band durch einen Querschnitt ihres Schaffens; sogar Songs vom mittlerweile fast zehn Jahre alten "Amok"-Album wurden gespielt. Etwas verwunderlich war, dass sie einen ihrer größten Erfolge ("Killing you, Killing me") nicht präsentierten, aber die Setlist kann bei so einem Repertoire ja nicht jedem Geschmack gerecht werden... Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand ganz klar Sänger Ville Laihiala, der den klassischen, leicht angetrunkenen Frontposer gab und von den Fans gefeiert wurde. Da tat es der Stimmung auch kaum Abbruch, dass ein Gitarrist nen Einsatz verpasste und ein Song neu begonnen werden musste... Als Abschluss gabs mit der Iron Maiden Cover-Version "The Trooper" eine Verneigung vor den alten Helden und unterm Strich wars wohl ein angemessener Headliner.
 


Goddess of Desire

GODDESS OF DESIRE
Ladies and Gentleman, it's Showtime! Zum Abschluss des ersten Tages gabs nochmal richtig was fürs Auge. Musikalisch bieten die Nachbarn aus den Niederlanden nichts wirklich Neues, sondern eher Altbekanntes a la AC/DC, aber das wird ehrlich und engagiert dargeboten und die Show bleibt unvergesslich. Zwei leicht bekleidetet Damen strippten bzw. präsentierten sich immer wieder in verschiedenen Rollen lasziv auf der Bühne, mal als "strenge" Lehrerin verkleidet, dann mal wieder eher in der Lustsklaven-Pose. Dazu gabs ordentlich Splatter-Show und entsprechende Totenkopf- und ähnliches Dekozeug. Nicht zu vergessen die Pyroshow - wobei ein Teil davon leider durch den Regen nass wurde und nicht zum Einsatz kam... Eine Band mit viel Humor und Spaß an der Sache, die das gesamte Wochenende viel Fan-Nähe zeigte und mit den Leuten feierte. Noch lange schallten die an den Hit "Vamos a la playa!" angelehnten "Goddess of Desire, oh, ohohoh, oh!"-Rufe übers Gelände...


Freitag 20.08.2004

Mental Amputation

MENTAL AMPUTATION
MENTAL AMPUTATION entspringen direkt dem deutschen Underground, konnten sich dort einen guten Ruf erspielen und sind eine Band, die es als lokale Band auch ohne Plattenvertrag auf die Hauptbühne geschafft haben. Auf dem Summer Breeze konnten sie den Frühaufstehern, die es um diese unchristliche Zeit schon zur Main Stage geschafft haben, eine frühe Death Metal Dusche verpassen die sich gewaschen hatte. Für alle die noch im Zelt lagen war dies der Wake-Up Call.


Alev

ALEV
ALEV eröffneten den Freitag auf der Pain Stage. Die Band die sich nach ihrer Sängerin benannte konnte sowohl optisch als auch musikalisch bestechen. Mit ihren melodischen Pop/Rocksongs punkten die Band bei den Anwesenden ordentlich und die zuckersüße Sängerin durfte nach dem Auftritt nicht nur ordentlich Autogramme schreiben sondern bekam auch den einen oder anderen Heiratsantrag - wohl nicht nur aufgrund ihrer schönen Stimme.


Beseech

BESEECH
Auf der Hauptbühne ließen es die Schweden von BESEECH wesentlich düsterer angehen. Gothic Metal der nicht den aktuellen Trends hinterher rennt sondern sich eher auf die Frühwerke der Szenestifter Paradise Lost besinnt. Schwere Riffs treffen auf traurige Gesänge. Die Songs der Band sind ziemlich eingängig und verfügen über den nötigen Drive. Weiblicher Gesang ist natürlich auch an Bord. Dieser besitzt, wenn man(n) das so sagen darf, sogar richtig Eier und ist weit mehr als einfache Effekthascherei. Prima Band und das wussten schon ein paar mehr Leute vor der Bühne zu würdigen.


Sleepingodslie

SLEEPINGODSLIE
Diese Band verbindet scheinbar jede Spielart heftiger Musik zu einem stimmigen Sound. Darin sind vor allem Stonerrock, Nu-Rock, Reggae- und Punk-Elemente zu hören. Insgesamt ergibt sich ein Klangbild das mehr als interessant ist und dazu noch rockt wie die Hölle. Da hat sich einiges getan seit ihrem letztjährigen Breeze-Auftritt, als sie noch als Metal Hammer-Contest Gewinner dabei waren! Leider hatten sich die Jungs nen schlechten Zeitpunkt ausgesucht, denn der Himmel öffnete zum ersten Mal an diesem Tag seine Pforten. Schade, einige Hartgesottene harrten dennoch vor der Bühne aus und wurden dafür mit einem überzeugenden und mitreißenden Auftritt der Münchner entlohnt.


Criminal

CRIMINAL
Chile ist sicherlich ein schönes Land, wenn man es als Tourist bereist. Dort zu wohnen, spezielle in der Hauptstadt Santiago, ist allerdings eine ganz andere Sache. CRIMINAL stammen von dort und sind scheinbar richtig sauer. Sie knüppeln mal eben alles nieder und dem einen oder anderen dürfte sein verspätetes Frühstück im Hals stecken geblieben sein. Der Platz vor der Hauptbühne hat sich schon ordentlich gefüllt und die Fans gingen ab wie nichts Gutes. CRIMINAL boten Grindcore vom allerfeinsten. Auf die Texte hat wohl kaum jemand geachtet, auch wenn sich das gelohnt hätte.


Dark Forstress

DARK FORTRESS
Die Jungs von der dunklen Festung waren die ersten an diesem Tag die in voller Montur auftraten. Leder, Spicks, voll in Schwarz und vor allem mit Corpse Paint. Entsprechend boten sie hyperschnellen Black Metal der alten Schule. Atmosphärisch, düster, fies wie es sein muss. Vor der Pain Stage hatten sich etliche Jünger der dunklen Seite eingefunden und der Band gehuldigt. Für die Black Metal Vertreter dürfte dieser Auftritt ein absoluter Höhepunkt gewesen sein.


Evergrey

EVERGREY
Röcke stehen auch Männern gut. Das dachte sich der Bassist von Evergrey wohl und lebte seine feminine Seite ungehemmt auf der Bühne aus. Seine Kollegen kleideten sich ebenso voll in schwarzer Ledergarnitur. Ich überlegte mir um dieselbe Zeit ob ich nicht doch lieber in eine kurze Hose schlüpfen soll, denn die Sonne zeigte sich von ihrer besten Seite. Aber zur Band... diese erfreuten sich über verstärkten Zulauf und die für diese Zeit mehr als beachtlichen Besucherzahlen. Die Anwesenden scheinen dabei echte Fans der Band gewesen zu sein, denn die Hörnchen wurden zahlreich in die Luft gestreckt. Der poppige Prog Metal mit Anleihen bei diversen anderen Genres kam auf jeden Fall gut an und die Band wurde abgefeiert wie kaum eine andere Band an diesem frühen Mittag.


Mercenary

MERCENARY
In diversen Metalgazetten wurde das aktuelle Album dieser Band ordentlich abgefeiert. Ensprechend neugierig schien auch das Summer Breeze Publikum gewesen zu sein. Die Band lieferte dann ein solides Set das sowohl progressiver Metal mit Power Metal und einem Schuss Gothic und Death Metal verband.


Green Carnation

GREEN CARNATION
Kaum zu glauben, dass Gitarrist Tchort einmal Bass bei den Black Metallern Emperor gespielt hat. Mit Black Metal hat der Sound von GREEN CARNATION nämlich rein gar nichts zu tun. Den Stil der Band würde ich am ehesten als "Interesting Metal" beschreiben. Moderne Nu-Rock Elemente verbunden mit progressivem Metal und einer Prise Artrock in bester Pink Floyd-Manier. Alles sehr eingängig und mit langen Instrumentalpassagen verziert.


Leave´s Eyes

LEAVES' EYES
Nach der Heirat mit Atrocity Sänger Alex Krull und dem Weggang von Theater Of Tragedy wollte Liv Kristine wohl nicht einfach ein Dasein als Hausfrau fristen. Wäre wohl auch viel zu schade um ihr Talent. Mit neuer Band und neuem Willen tritt die zierliche Dame erneut an die Metalwelt zu überzeugen. Beim Summer Breeze versammelten sich reichlich interessierte Zuhörer vor der Pain Stage um ihr zu lauschen. Die neuen Songs sind sehr eingängig und tendieren in Richtung Poprock. Es fehlt aber auch nicht an der nötigen Portion Wucht. Der Sound klingt modern und eigenständig also keine billige Nightwish Kopie. An sich cool und durch die kultigen deutschen Ansagen auch recht unvergesslich.


Xandria

XANDRIA
XANDRIA, die mit ihrem Video zum Song "Ravenheart" im Zuge des Erfolgs von Nightwish auf sämtlichen Musikkanälen gespielt wurden, entern am frühen Abend die Hauptbühne. Die rothaarige Sängerin beschwert sich gleich zu Beginn, dass es unerträglich heiß wäre. Recht hatte sie, die Sonne strahlte über beide Backen. Abträglich für das Wohlbefinden der Dame auf der Bühne war sicherlich ihr enges Kostüm aus schwarzem Leder. Musikalisch boten XANDRIA eine Mischung aus Opernmetal und Nu-Rock. In direkten Vergleich zu den zuvor auf der Pain Stage auftretenden Leaves´ Eyes hatten sie musikalisch knapp die Nase vorn. Durch den höheren Bekanntheitsgrad von XANDRIAwar auch ihr Zuspruch von den Fans etwas größer.


Vintersorg

VINTERSORG
Auf der Pain Stage entfaltete sich anschließend das Klanguniversum von VINTERSORG. Das schwedische Duo (beim Summer Breeze natürlich auf komplette Bandgroße gewachsen) kombiniert Elemente des Black und Death Metals mit progressivem Metal und skandinavischer Folklore. Auch klassische Elemente und Pop finden ihren Weg in Vintersorgs Darbietung. Was sich auf dem Papier sehr theoretisch anhört hat jedoch auch im Live-Kontext bestens funktioniert. Die Band spielte technisch atemberaubend, transportierte aber auch eine packende Atmosphäre und der Sänger wechselte mühelos zwischen cleanen und gebrüllten Gesangspassagen. Schade, dass es noch hell war, denn im Dunkeln und mit einer coolen Lichtshow wäre die Band sicherlich noch besser zur Geltung gekommen.


Sodom

SODOM
Yeah, darauf hab ich gewartet. Mein erstes Konzert überhaupt war eine Show von SODOM. Die Band um Tom Angelripper (das Lineup ist in den letzten Jahre auffällig konstant) hat zwar kein neues Album am Start, hält aber über genügend Hits auf der Hinterhand um eine grandiose Show zu liefern. Das taten sie dann auch und feuerten einen Kracher nach dem anderen ins hungrige Publikum. Angefangen mit ganz alten Schoten wie "Outbreak Of Evil" und "Blasphemer" an der sich heute noch Genrebands messen lassen müssen. Das weitere Set bestand dann aus Krachern aller Alben, darunter auch Songs vom letzten Album "M16". Zur Überraschung der Fans gab es sogar einen brandneuen Song zu hören der auf dem Breeze seine Live Premiere feierte. In der Mitte boten SODOM die bekannten Stimmungssongs wie "Die Stumme Ursel" (natürlich mit Puppe), "Aber Bitte Mit Sahne" und "Der Wachturm". "Rember The Fallen" fehlte ebenso wenig wie "Sodomy And Lust". Immer wieder gab es nette Pyro-Effekte zu sehen, die selbst im Hellen gut zur Geltung kamen. SODOM boten Thrash Metal der alten Schule, schnell, dreckig und einfach geil.


Tankard

TANKARD
Mit TANKARD ging auf der Pain Stage direkt anschließend eine weitere Ikone des deutschen Thrash Metals auf die Bretter. Die hessische Alkoholvernichtungs-Truppe boten ebenfalls ein gelungenes Best-Of Set mit Songs wie "The Morning After", "Die With A Beer In Your Hand" oder "Zombie Attack". Sänger Gerre betonte des Öfteren, dass die Band zum alten Eisen gehört. Dafür waren sie auf der Bühne allerdings noch ziemlich agil und sprangen und moshten mit den Fans um die Wette. Gerre zeigte ausserdem oft und gerne seinen Bierbauch der inzwischen wirklich beängstigende Ausmaße annimmt. Das anwesende Publikum feierte die Band amtlich ab und lies sich gerne zum trinken animieren.


Die Happy

DIE HAPPY
Auf der Hauptbühne zwischen Sodom und den Headlinern Six Feet Under wirkten DIE HAPPY etwas deplatziert. Das wusste auch Sängerin Marta und animierte das Publikum auf die genau richtige Weise. So hatte sie den Metalmob fest im Griff, die leidigen "Ausziehen!"-Rufe konterte Marta souverän mit smarten Sprüchen und die aus Funk und Fernsehen bekannten Hits der Band wurden mit positiven Publikumsreaktionen quittiert. Marta hüpfte wie ein Gummiball auf der Bühne umher und traf überraschenderweise dennoch jeden Ton perfekt. Wirklich beachtlich die kleine Dame. DIE HAPPY passten somit erneut hervorragend auf die große Bühne. Stadionrock und Stimmung galore und sie waren wohl auch die einzige Band des Festivals, die Blumen um den Mikroständer drapiert hatten...


Sirenia

SIRENIA
Mit ausdrucksstarkem Frauengesängen gings auch auf der kleineren Bühne weiter, allerdings mit ganz anderen Mitteln. Der Platz vor der Bühne war randvoll und die Norweger wurde mit offenen Armen empfangen. Die Band erinnerte etwas an frühe Amorphis, allerdings ist an den Vocals neben den fiesen Death Metal Grunts eine betörende Frauenstimme zu hören. Ebenfalls positiv zur Stimmung trug der opulente Einsatz von Streichern (vom Band) und Keyboardteppichen bei. Die Songs hatten reichlich Energie waren aber auch sehr eingängig. Kein Wunder, hinter SIRENIA verbirgt sich Morten Veland der ja bereits von Tristania her bekannt sein dürfte. Begleitet wurde das Ganze von einer sehr gelungenen Lichtshow, die den Sound noch unterstrich. Sehr beeindrucken.


Six Feet Under

SIX FEET UNDER
Mit Six Feet Under hat man sich ein echten Schwergewicht auf das Festival geholt. Nicht nur in den Staaten ist die Band extrem erfolgreich, auch in Europa gehört die Band zu den Größen im Death Metal Bereich. Die Band bewies eindrucksvoll, dass eine opulente Lightshow absolut nicht nötig ist, wenn man den richtigen Sound macht. So verzichtete die Band auf eine besondere Lichtspielereien und walzte schlicht durch ihren Auftritt alles platt. Die tiefen Gitarrenriffs wirkten wie akustische Wände und Frontgrunzer Chris Barnes (ex-Cannibal Corpse) kotzte sich die Seele aus dem Leib. Nach den vielen kritischen Stimmen zur etwas lethargischen Performance beim WFF zeigte sich Chris hier sehr agil: Er gab sich für seine Verhältnisse sehr kommunikativ und bewegte sich mehr als üblich. Der Hitbestand der Band ist über die Jahre und fünf Alben beachtlich angewachsen, so dass die 80 Minuten Spielzeit ohne einen einzigen Durchhänger gefüllt werden konnten. Songs wie "Lycantrophy", "War Is Coming", "Feasting On The Blood Of The Insane", "Victim Of The Paraniod" aber auch Songs vom neuen Album wie z.B. "Murdered In The Basement" trafen so genau und ebenso wuchtig wie Präzisionsbomben. Immer wieder beeindruckend wie tief Barnes grunzt und wie extrem er kreischt. Begleitet von einer Band, die zwar nicht durch extreme Bewegungsfreude auffällt, dafür aber umso tighter spielt und groovt. Das machte Six Feet Under an diesem Abend zum fraglos würdigen Headliner.


Katatonia

KATATONIA
Nach der kurzfristigen Absage im letzten Jahr, waren wohl einige am Zweifeln, ob es die Schweden diesmal aufs Breeze schaffen würden... Aber die Sorgen waren unbegründet, als kurz nach dem Ende auf der Hauptbühne die Lichter auf der Pain Stage ausgingen gab es keinen Zweifel mehr: sie waren da, und wie! Klar, für die Zuschauer war das ein harter Wechsel, von derbstem Death Metal zu filigranem und ultramelancholischem Atmosphäre-Metal, den Fans war das aber sichtlich egal, sie trugen die Band auf Händen durch ein ausgewogenes Set quer durch die letzten Alben. KATATONIA sind ein sehr gutes Beispiel für eine nachvollziehbare Wandlung über mehrere Jahre und Alben; vom tumben Deat Metal der Anfangstage Schritt für Schritt in ihre eigene Liga. Los ginsg direkt mit den ersten zwei Songs des letzten Studio-Albums "Viva Emptiness", weitere Highlights waren "Teargas", "Tonights Music", "For my Demons" und "The Future of Speech". Die Position erwies sich als optimal, denn nach dieser Performance und besonders der Zugabe "Murder" wäre jede weitere Band deplaziert gewesen.


Samstag 21.08.2004

Busta Hoota

BUSTA HOOTA
Zu dem Auftritt von BUSTA HOOTA haben sich an diesem Samstag Morgen nur sehr wenige Interessenten eingefunden. Diese groovten jedoch bereits zu den modernen Metalklängen mit. Die Band lies sich dadurch nicht aus dem Konzept bringen und turnte auf der Bühne herum als gebe es kein Morgen. Die Band erinnerte mich irgendwie an Bands der frühen Crossover-Bewegung, gemischt mit einer ordentlichn Portion New-Metal.


Paragon

PARAGON
PARAGON hielten auf der Pain Stage das True Metal Banner hoch. Musikalisch ging das ganze in Richtung Manowar meets Hammerfall. Auch optisch gab die Band ein absolut "wahres" Bild ab und lief voll in Leder und Nieten auf. Den wenigen Anwesenden hat es scheinbar gefallen.


Immortal Rites

IMMORTAL RITES
Ok, vom Bandnamen zu schließen kann man hier ohne Frage Death oder Black Metal erwarten. Als die Band dann aber schließlich die Bühne betrat war ich etwas vor den Kopf gestoßen. Machen die etwa doch Nu-Metal? Der Gitarrist und Sänger sah nämlich verdammt nach Max Cavalera zu Roots Zeiten aus (halb schwarz/halb rot gefärbte Haare). Als die Band dann aber loslegte wurde ich erneut eines besseren belehrt. Death Metal und zwar nicht von schlechten Eltern. Die Schwaben sind durchaus eigenständig und stehen irgendwo zwischen schwedischem und amerikanischen Death Metal. Ihr ordentliches Gebolze am frühen Morgen hat wohl einigen den Schlaf und die Spuren der letzten Tage aus dem Gesicht gepustet.


Equilibrium

EQUILIBRIUM
Die Vikinger von EQUILIBRIUM hatten offenbar viele Fans mitgebracht, denn bereits kurz nach der Mittagszeit fanden sich etliche Fans vor der Pain Stage die ungeduldig warteten. Auch die Anzahl der gesichteten EQUILIBRIUM T-Shirt träger war beachtlich. Als die Band nach ihrem Intro dann loslegte öffnete sich fast umgehend der Himmel und es regnete in Strömen. Den Fans war das aber egal und sie feierten tapfer ihre Helden ab. Auch mir haben die Pfeilschnellen Black (sorry Viking) Metal Kompositionen mit moshigen Einschüben gut gefallen.


Deadsoul Tribe

DEADSOUL TRIBE
Mit DEADSOUL TRIBE betrat ein weiterer Exot die Summer Breeze Hauptbühne. Die Band um den ehemaligen Psychotic Walz Sänger entfaltete ein seltsam anmutendes Klangspektrum das einerseits sehr ruhig und psychedelisch wirkte, auf der anderen Seite aber auch genügend rockte um aufs Summer Breeze Billing zu passen. Das Publikum schien zunächst etwas vor den Kopf gestoßen zu sein, taute aber im Verlauf des Sets immer weiter auf, entdeckte die anspruchsvollen Kompositionen für sich und fraß dem charismatischen Sänger und seiner österreichischen Band gegen Schluss förmlich aus der Hand.


Hatesphere

HATESPHERE
Ein absoluter Höhepunkt auf der Pain Stage war wohl der Auftritt von HATESPHERE. Mit ihrer energiegeladenen Mixtur aus brutalem Death Metal, Thrash der Marke The Haunted und heftigem Hardcore heizten die Dänen ordentlich ein. In Sachen Druck wurden sie später nur noch von Cataract überboten. Schnelle Nackenbrecher gehören ebenso zum Programm wie groovige Breakdowns. Dazu das markerschütternde aber dennoch charismatische Geschrei des Sängers der erneut zum Motivator der Massen wurde. Das Publikum bemerkte mit zunehmender Dauer der Show die Qualitäten der Band und ging ab wie nichts Gutes. Das Set der Band setzte sich hauptsächlich aus Songs ihrer "Bloodred Hatred" Platte und dem neuen Album "Ballet Of The Brute" zusammen und liess nicht viel Zeit zum Verschnaufen.


Mnemic

MNEMIC
Dänisch gings im Anschluss auch auf der Hauptbühne weiter: Durch ihre Supportauftritte mit Bands wie Machine Head und Fear Factory waren die Modern Metaller von MNEMIC sicherlich dem einen oder anderen ein Begriff. Ihr Stilmix irgendwo zwischen Fear Factory, At The Gates und Hatebreed entfachte auf der Hauptbühne seine volle Durchschlagskraft. Vor allem der Sänger gab sich sehr bewegungsfreudig und hüpfte wie wild über die Bühne während er seinem Zorn in Form von heftigen Shouts Luft machte. Die Stimmung erreichte bei MNEMIC ihren ersten Höhepunkt.


Honigdieb

HONIGDIEB
Skurril, dieses Wort beschreibt wohl am Besten den Auftritt von HONIGDIEB. Frontmann Sir Hannes Smith betrat die Bühne lediglich in einer Leg-in, die zu allem Überfluss nur ein Bein bedeckte, einem Leopardenfell Mantel (den er im weiteren Verlauf mehrmals wechselte) und einem Zylinder bekleidet. Umgeben war er neben dem Drummer und Gitarristen von einem Kontrabass und einer Musikerin die mit Violine/Querflöte bewaffnet war. Der Sound den HONIGDIEB produzierten war ebenfalls sehr seltsam. Folk-Punk/Rock trifft es wohl am Besten. Die ungewöhnlichen Texte wurden in Deutsch vorgetragen. Dem Publikum scheint diese Band eine willkommene Abwechslung gewesen zu sein, denn der Auftritt erfreute sich regem Zuspruch.


Disillusion

DISILLUSION
Die deutschen DISILLUSION wurden schon im Vorfeld von vielen sehnsüchtig erwartet. Schließlich ist ihr Album ein Lehrstück in Sachen progressivem Metal. Die Band hatte neben der üblichen Rockbesetzung noch einen Gitarristen an Bord der ausschließlich auf einer akustischen Gitarre musizierte sowie je einen Backgroundsänger und eine Sängerin. Diese glänzen über weite Strecken zwar durch Untätigkeit, verliehen dem Gesamtsound aber in den Momenten, in denen es drauf ankam, deutlich mehr Volumen und Tiefe. Sehr schön. So musizierten die Herrn und die Dame munter drauf los und bescherten dem Summer Breeze Publikum einen denkwürdigen Auftritt voller interessanter Spannungsbögen und einem breiten Stimmungsspektrum.


Cataract

CATARACT
Gegen 16.35 Uhr betraten, wieder bei Sonnenschein, CATARACT aus Zürich die Pain Stage. Nach einem kurzen Intro brach die Hölle los. Die Band, die als einer der heißesten Acts aus der Metalcore Szene gilt, haute ein fettes Monsterriff nach dem anderen in die Menge. Die Band war den meisten wohl noch unbekannt aber angelockt von den brutalen Moshattacken füllte sich der Platz vor der Bühne in Bestzeit. CATARACT gaben hauptsächlich Stücke vom neuen Album "With Triumph Comes Loss" zum Besten welches bald nach dem Festival bei Metal Blade erschien. Jeder Song ein Treffer, brutal und ohne Gande peitschten die Riffs nach vorne und donnerten die Drums. Dazu brüllte Sänger Fedi seine intelligenten Texte hinaus. Sicherlich ein Gewinn fürs Festival und viel Zuschauer, die eine weitere, neue Band für sich entdecken konnten.
 


Schandmaul

SCHANDMAUL
Mit SCHANDMAUL entert nach Honigdieb eine zweite Folk Band die Bühne. Allerdings sind sie viel weniger bunt sondern eher etwas ernster. Der Sound der Band wird unterstützt von verschiedenen Flöten und einer Geige. Die Band schaffte es auf dem Breeze mindestens genauso gut wie auf einem Mittelaltermarkt für Stimmung zu sorgen. Eine willkommene Abwechslung und nach dem Festival agb es gegensätzliche Meinungen, ob nun Saltatio Mortis oder SCHANDMAUL die besser "Mittelalter"-Band waren - klasse waren sie beide! Schandmaul hatten nach ihren knapp bemessenen 35 Minuten Spielzeit auf jeden Fall einen idealen Abgang: den letzten Song "Gebt acht!" sangen Tausende mit!


Ensiferum

ENSIFERUM
ENSIFERUM boten anschließend auf der kleinen Bühne schwedischen Death Metal vom feinsten - und das obwohl sie ja aus Finnland sind. Ihr Sound war sowohl brutal und schnell als auch mit filigranen Melodien versehen. Etwas amüsant wirkte die Bemalung der Musiker, die erinnerte irgendwie an amerikanische Football Spieler und passte so gar nicht recht zu dem mystisch-nordischen Bandimage. Musikalisch gab es, wie die vielen Anwesenden bestätigen werden, rein gar nichts zu meckern. Die Band ballerte ordentlich was vor den Latz, und das hat offensichtlich gefallen. Sowohl die Publikumsreaktionen als auch die T-Shirt-Verkäufe sprechen eine deutliche Sprache: ins der vielen Highlights der drei Festivaltage.


Brainstorm

BRAINSTORM
Tja, was soll man zu den Jungs von BRAINSTORM noch groß schreiben? Sie waren zum wiederholten und bestimmt nicht zum letzten Mal auf dem Festival, sind durch die Bank grundsympathisch und haben sich über die Jahre zu einer Vorzeige-Power-Metal-Band von internationalem Kaliber mit einem Ausnahme-Frontmann (Andy B. Franck) gemausert. Kaum ein Sänger ging so aufs Publikum ein und suchte ständig seine Nähe. Die Bühne war im Albumdesign dekoriert (Backdrop, Transparente neben dem Drumkit). Diese Show markierte das Ende ihrer Festival-Aktivitäten auf der "Soul Temptation"-Tour, schon bald geht's für den Nachfolger ins Studio. Als Zugabe gabs den Stimmungskracher "Amarillo" und glückliche Gesichter auf, vor und hinter der Bühne (wo neben diversen Musikern anderer Bands auch Freunde, Freundinnen und teilweise auch Kinder den Gig miterlebt hatten).


Psychopunch

PSYCHOPUNCH
Die Publikumslieblinge des letzten Jahres liessen auch dieses Jahr an gewohnter Wirkungsstätte nichts anbrennen. Mittlerweile ist auch ihr neues Album "Smashed on Arrival" auf den Markt gekommen und die fett bratzenden Punkrock-Songs sorgten für Stimmung ab der ersten Minute. Viele der Fans genossen wohl die Abwechslung vom Metal und liessen sich dabei auch nicht von Regen und Matsch stören - ganz im Gegenteil. Da wurde es der Band am Ende auch verziehen, dass sie ihre Spielzeit leicht überschritt, denn wer wollte derartigen Stimmungskanonen schon den Saft abdrehen?
 


U.D.O.

U.D.O.
Das war schon ein denkwürdiger Augenblick als mit Udo Dirkschneider eine lebende Legende des Metal die Hauptbühne betrat und vom ersten bis zum letzten Ton nur rockte. An sich unnötig zu erwähnen, dass neben eigenem U.D.O.-Material auch mehrere Accept-Hits präsentiert wurden und auch für Zuschauer, die sich vorher nicht zu seinen Fans zählten, war es der Beweis, dass der Mann noch lange nicht zum alten Eisen zählt. Los gings mit jeder Menge Wasser von oben und einem furiosen "Thunderball" vom "German Tank". Das Wetter schien jedoch weder den komplett in Wintertarn gekleideten Fronter noch sein Publikum zu kümmern... Seine Band hielt dem Meister supertight den Rücken frei und spätestens bei "Balls to the Wall" gabs kein Halten mehr. Da flog dann auch ein Ball während des Songs auf die Bühne - also da hat irgendjemand etwas falsch verstanden!
Fürs Publikum unsichtbar schlich während des Auftritts ein etwa 100jähriger Steppke hinter und auf der Bühne herum und ich musste spontan "Liebling, ich habe den Udo geschrumpft" denken, denn sein Sohnemann, sah original wie sein Vater aus, nur in ein paar Nummern kleiner! Seitlich am Bühnenrand erlebten u.a. Musiker von Danzig, Hatesphere und Hypocrisy (ein dauerbangender Peter T.!) die Show mit. Als erste Zugabe servierte uns die Band "Princess of the Dawn" in einer spezial XXL-Version: unvergesslich!


Primordial

PRIMORDIAL
PRIMORDIAL und ihre Fans vor der Pain-Stage mussten sich etwas gedulden, denn "Uns-Udo" hatte etwas überzogen, aber kurz nach 22 Uhr war es dann soweit, ein bedrohliches Intro und viel Nebel waberten über die Bühne sowie die ersten Zuschauerreihen bevor die Band furios mit "Gods to the Godless" loslegte. Der blutbeschmierte Sänger tobte wie ein Derwisch über die Bühne und peitschte seine Band und das Publikum immer wieder an. Spötter haben vermutet, dass die Iren wohl ihr tolles Inselwetter aufs Breeze mitgebracht haben und es deswegen so fies geregnet hat, aber das gehört wohl ins Reich der Märchen. Die Iren boten ihre ganz eigene Black Metal-Interpretation, die ganz stark auf die keltischen Wurzeln ihrer Heimat fusst. Die Show konzentrierte sich ganz klar auf den Sänger, der sehr theatralisch agiert und von seiner Band technisch versiert unterstützt wurde.


Danzig

DANZIG
Mit DANZIG ist es ein kleines bisschen wie mit dem FC Bayern: entweder man liebt ihn, oder man hasst ihn! Nur mit dem Unterschied, dass der FC Bayern keine Szene-Ikone ist und auch keine drei Klassiker-Alben veröffentlicht hat... Ganz zu schweigen von Glen Danzigs Vergangenheit als Fronter legendärer Bands wie Misfits und Samhain. Mit seinem Gebaren (niemand durfte auf die Bühne außer seiner und der Breeze-Crew, niemand durfte Fotos machen) goss er natürlich Wasser auf die Mühlen seiner Kritiker aber das stört den Mann ja seit Jahren nicht. Und ich denke, man kann sagen was man will, DANZIG hat eine imposante und ehrliche Show hin gelegt. Nichts wurde technisch kaschiert, der Herr stand zu dem ein oder anderen Schwanken in der Stimme und erfreute seine Fans mit einer soliden Show. Im Bühnenhintergrund prangten zwei der bekannten Skull-Transparente und erwartungsgemäß gings mit ein paar neueren Songs los bevor Gitarrist Tommy Victor (Prong) ein paar technische Probleme mit seinem Arbeitsgerät hatte. Ab etwa der Hälfte des Auftritts reihte sich dann aber Hit an Hit ("How the Gods kill", "Twist of Cain", "Mother", "Dirty Black Summer") und sogar "Am I evil" von den Misfits gabs gegen Ende. Wie anfangs ja gesagt, der Mann polarisiert eben, wie auch immer, es war jedenfalls ein denkwürdiger Abend mit zwei Metal-Legenden kurz nacheinander!


Finntroll

FINNTROLL
Niemand hätte diese wunderbaren drei Tage besser abschließen können als die knuddeligen Trolle äähhh Finnen von FINNTROLL. Ihr folkig angehauchter und mit dem ein oder anderen Humpa-Part aufgelockerter Black Metal war der stimmungsvolle Schlusspunkt und die Band genoss es sichtlich ein weiteres Mal auf dem Breeze zu gastieren. Diesmal hatten sie sogar ihre Instrument dabei! Die waren ihnen letztes Jahr auf einem chaotischen Flug abhanden gekommen und wurden dann vor Ihrem Auftritt von u.a. Amorphis zusammengeschnorrt... Die Band hat sich trotz einiger Umbesetzungen seit ihrem ersten Auftritt in Abtsgmünd zu einer souveränen Einheit entwickelt und der Sänger ist die reinste Stimmungskanone. Das Ende hätte man wohl souveräner gestalten können, als der Band mitten in "Grottens Barn" den Sound abzudrehen, aber es gab eben einen strengen Zeitplan und Auflagen von der Stadt - es soll ja auch nächstes Jahr wieder ein Festival in Abtsgmünd stattfinden können!


Das Festivalgelände
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