Rückblick 2006

Wie heisst es doch so schön im Volksmund: "Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen!" Erzählen könnten wir und bestimmt auch Ihr so einiges über das SUMMER BREEZE 2006. Nicht nur, dass sich der Umzug von Abtsgmünd nach Dinkelsbühl offensichtlich bewährt hat und dass neue Gelände den Ansprüchen an ein Festivalgelände vollends gerecht wurde - wesentlich kürzere Wege, eine deutlich entspannte Gesamtsituation, weil einfach genügend Platz da ist und wer schlau und schnell war, konnte sogar vom eigenen Zelt auf dem Campingplatz direkt auf die Hauptbühne sehen!
Unvergesslich wird das Festival aber auch wegen der Geschichten abseits des Geschehens auf der Bühne, man denke nur an den demolierten BMW auf dem Campingplatz oder dem neu entstandenen Bambi-Kult! (wem das jetzt nichts sagt, der sucht beispielsweise bei Youtube einfach mal unter Summer Breeze und dem entsprechenden Stichwort!).Aufs Wetter haben wir natürlich nach wie vor keinen Einfluss, insofern gabs auch wieder kurze Wolkenbruchphasen, aber das erfrischt ja auch! Bei den Bands gabs aber fast nur Positives zu berichten, würdige oder zumindest heiß diskutierte Headliner und hochqualitative Überraschungen, wie man das eben von einem SUMMER BREEZE Line-Up gewöhnt ist! Aber lest selbst und lasst Euch gesagt sein: Die Feier geht 2007 weiter, allerdings mit ein paar saftigen Überraschungen, denn es ist immerhin das zehnjährige Jubiläum!

Donnerstag 17.08.2006

Subconscious

13.00 Uhr (MS) SUBCONSCIOUS
Onkel Hitchcock hatte mal wieder recht...Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Die vier Herren, die pünktlich um 13 Uhr die Main Stage betraten waren keine Dänen, hießen somit auch nicht VOLBEAT, sondern gaben sich als SUBCONSCIOUS aus Stuttgart zu erkennen. Die erfuhren gerade einmal einen Tag vorher von ihrem Glück, dass sie auserkoren wurden um die ausgefallenen REGICIDE zu ersetzen. Stilistisch sind die Schwaben mit ihrem technischen Death Metal in der Schnittmenge zwischen MESHUGGAH und ATHEIST relativ weit von REGICIDE und VOLBEAT weg, was die Anwesenden aber nicht lange störte, denn die vier Herren wussten durchaus zu gefallen. Besonders Basser Rainer Huppers glänzte an seinem Sechssaiter mit hoher Kunst, trug sehr viel zu den Songs bei und überraschte eins ums andere Mal, z.B. mit seinen Tappings bei „Reflections“. Auch Schlagzeuger Konrad Ponto liess sich nicht lumpen und zeigte mal allen, was ein Schlagzeug ist: DoubleBass-Kit mit vier Hänge- und zwei Standtoms und ca. 32 Becken (grob geschätzt!). Ein feiner und vielversprechender Einstieg!


Tourettes Syndrome

13.35 Uhr (PS) TOURETTES SYNDROME
Auf der Painstage ging es dann ähnlich weiter, wie auf der Mainstage. Der bunte Haufen, der dort ordentlich Alarm machte, hatte wenig mit Metalcore und somit auch gleich gar nichts mit FEAR MY THOUGHTS gemein – die Herren mussten ihren Auftritt beim Breeze nämlich leider kurzfristig absagen. Sie sind ja gerade bei den Aufnahmen zum neuen Album und die haben ihren Sänger wohl über die Maßen beansprucht, seine Stimme ist jedenfalls seit Tagen quasi weg... Der erste Eindruck des wilden Haufens der die Bühne hier jetzt im Sturm nahm, tendierte aufgrund der in den Keller gestimmten Gitarren und dem Rhythmus-Riffing in Richtung New Metal, über die gesamte Dauer ihres Auftritts zeigte sich die Band dann aber wesentlich facettenreicher und vor allem auch derber. Sie hatten wohl fraglos den längsten Weg hinter sich, denn Sydney, Australien dürfte wahrlich schwer zu toppen sein! Die derben Vocals kamen für viele überraschend tatsächlich aus einer weiblichen Kehle, Energiebündel Michele Madden wirbelte über die Bühne und erreichte bei den krasseren Song tatsächlich fast Chris Barnes-Niveau – mit ihren Dreads gabs da dann zusätzlich sogar noch optische Gemeinsamkeiten! Mit Samples und eingestreuten Speedpassagen peppten sie ihren Sound zusätzlich auf und wurden vom Publikum sehr wohlwollend aufgenommen.


Volbeat

14.10 Uhr (MS) VOLBEAT
Die Dänen waren nach der kurzfristigen Absage von REGICIDE im LineUp ein paar Positionen nach oben geklettert – was im Nachhinein auch bitter nötig war, denn Minuten vor dem Auftritt sah noch alles danach aus, dass sie es gar nicht mehr rechtzeitig auf die Bühne schaffen würden. Wegen eines Achsbruchs an ihrem Transporters auf Höhe Fulda saßen sie lange auf der Autobahn fest und schafften es gerade so auf die Bühne. Instrumente einstecken, Regler nach rechts und los gings mit „Caroline Leaving“. Es reichte dank dem eingesparten Fünf-Minuten-Puffer zur folgenden Band so gerade noch für fünf Songs, die vom Publikum aber regelrecht abgefeiert wurden. Die Mischung aus kernigem Rock’n’Roll, Metal und dem Gesang von Michael Poulsen ist nahezu einzigartig. Dass Elvis lebt war uns ja schon immer klar, in Dänemark hätte ich ihn aber nicht zuerst gesucht... Der Sänger hatte sein Elvis Aaron Presley-Tattoo auf dem Unterarm jedenfalls nicht ohne Grund. Bei der Danish-Dynamite-Tour mit ihren Landsleuten von HATESPHERE und RAUNCHY (die ja früher auch schon auf dem Breeze aufgetreten sind) im Herbst hat man dann Gelegenheit die Band wieder auf deutschen Bühnen zu sehen.


Undertow

14.45 Uhr (PS) UNDERTOW
Als UNDERTOW die Bühne betraten hatte sich eine für diese Uhrzeit beachtliche Menschenmenge vor der Painstage eingefunden. Kein Wunder, schließlich ist der Auftritt auf dem Summer Breeze für das Trio quasi ein Heimspiel. Die Jungs präsentierten ihr neues Album „Milgram“ und bretterten ihre Songs, die stilistisch im moderneren Metal angesiedelt sind, mit atemberaubenden Druck herunter. Das Publikum lässt sich schnell von der Power der Truppe anstecken und es entstehen erste Moshpits. Auf der Bühne wirkt die beeindruckende Dynamik des UNDERTOW-Sounds noch offensichtlicher. Ob sie nun in todtraurigen Doompassagen schwelgen wie bei „Homemade Funeral“, flotte Up-Tempo Kracher abfeuern oder saucoole Grooves auffahren, die Band ist immer mit mächtig Herzblut bei der Sache und verleiht den Songs so das gewisse etwas. Für viele ein erster Höhepunkt des Festivals.


Neaera

15.20 Uhr (MS) NEAERA
Wer bei NEAERA Standard-Metalcore erwartet hat, wurde von dem ultrabrutalen Death Metal-Geballer der Münsteraner eines besseren belehrt. Mit unverminderter Härte prügelt die Truppe auf ihre Instrumente ein und erschuf dabei ein Gewitter. Die Fans wirkten anfangs etwas vor den Kopf gestoßen, gewöhnten sich aber schnell an den Sound und moshten was das Zeug hält. Trotz der technisch anspruchsvollen Songs gaben sich NEAERA, die übrigens nach einer Figur aus der griechischen Mythologie benannt sind, zumindest in der ersten Hälfte des Sets, äußerst bewegungsfreudig. Sänger Benjamin Hilleke begab sich sogar direkt ins Publikum und traf dort auf textsichere Fans. Die Setlist setzte sich dabei hauptsächlich aus Songs vom aktuellen Album „Let The Tempest Come“ zusammen, beinhaltete aber auch Material vom Debüt. Sowohl für Extrem-Metalfans als auch Metalcoreler war dieser Auftritt genau das richtige.


Angel Blake

16.00 Uhr (PS) ANGEL BLAKE
Eine echte Besonderheit war der Auftritt von ANGEL BLAKE. Schließlich war es der erste Auftritt der Schweden überhaupt. Von Nervosität konnte aber keine Rede sein. Schließlich besteht die Band, die eigentlich als Soloprojekt von Ex-THE CROWN-Gitarrist Marko Tervonen gegründet wurde, aus echten Bühnenprofis. Neben genanntem spielt auch Ex-TRANSPORT LEAGUE bzw. Ex-MNEMIC Sänger Tony Jelencovich in der Band. Optischer Blickfang auf der Bühne ist jedoch eindeutig Bassist Magnus Olsfelt, mit seinem Kontrabass. Dieser sorgt für durchdringendes Wummern in der Magengegend und fügt sich optimal in den rockigen Sound ein. Dieser geht als Mischung aus traditionellem Rock mit fetter Metalschlagseite durch und offenbart gewisse Danzig-Vorlieben der Band. Sänger Tony besticht durch seine äußerst charismatische Darbietung und versucht das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Dies gelingt ihm leider nur bedingt. Beim letzten Song, dem melodischen „The Forsaken“, blieb nur ein kleines Häufchen Zuhörer vor der Bühne übrig. Vielleicht überkam die Anwesenden einfach das kollektive Verlangen nach einem spätnachmittaglichem Tässchen Kaffee. An der Show kann es echt nicht gelegen haben.


The Haunted

16.35 Uhr (MS) THE HAUNTED
Als optimalen Einstieg in ihr Set erwies sich „Dark Intentions“, dessen massiv SLAYER´eskes Riff optimal auf das einstimmt, was da kommen sollte. Die Band macht auch keinerlei Gefangenen und spielt die ersten drei Songs ohne eine einzige Ansage. Die Fans sind also schon völlig aus dem Häuschen als Frontmann Peter Dolving sie, heute im schicken Iro-Schnitt, begrüßt. Dolving ist der Archetyp eines Frontmanns. Während der Songs mutiert er zum Berserker und fegt über die Bühne wie ein Psychopath, wobei er nicht selten an den jungen Phil Anselmo erinnert. Bei den Ansagen zwischen den Songs erweist er sich dann als sehr sympathischer Geselle mit ordentlich Sinn für Humor. Beste Beispiele hierfür sind, das Publikum aufzufordern sich während „Hate-Song“ den „gayest-dancing-move“ auszudenken (und davon selbst genug liefert) oder sich darüber zu beschweren, im Publikum nur schwarze T-Shirts zu sehen. Damit hat er selbiges natürlich voll im Griff. Auch musikalisch lassen THE HAUNTED nichts anbrennen und feuern ein Knaller nach dem anderen ab. Ausschließlich Hits von allen vier bisherigen Alben, neues Material vom kommenden Album „The Dead Eye“ spielten die Schweden jedoch leider noch nicht. Dennoch war ihr Auftritt einer der energiereichsten und unterhaltsamsten bisher.


Saltatio Mortis

17.25 Uhr (PS) SALTATIO MORTIS
Nicht erst seit den Erfolgen von IN EXTREMO, die ja auch schon mehrmals beim Summer Breeze auftraten, ist Mittelalter-Metal nicht mehr nur eine Randerscheinung der Szene. SALTATIO MORTIS waren dieses Jahr aber immerhin die erste Band des Festivals die diesem Genre frönt. Gemessen am beachtlich gefüllten Platz vor der Bühne, haben nicht wenige Fans genau darauf gewartet. Die Bühne war mit der siebenköpfigen Mannschaft allerdings mindestens ebenso gut gefüllt. Passend zum Sound kleideten sich die Protagonisten in Klamotten die so wohl nicht bei H&M zu bekommen sind. Männer in Röcken und mittelalterlichen Trachten, bewaffnet mit Flöten, Sackpfeifen, Drehleiern und Schalmeien, aber natürlich auch mit E-Gitarren und Drums. Flankiert wurde die Bühne von zwei brennenden Schalen die passend zum Sound immer wieder aufloderten. Die Songs hatten ein äußerst fröhlichen Grundtenor und luden zum Tanzen ein. Frontmann „Alea der Bescheidene“ (so nennt der Herr sich wirklich!) bewies sehr viel Geschick im Umgang mit dem Publikum, genossen dessen Gunst sichtlich und konnten sich deswegen wohl auch nicht pünktlich von ihm trennen. Dieses feierte die Band ausgiebig ab und sang die deutschen Texte lauthals mit. So waren SALTATIO MORTIS am späten Nachmittag ein echter Stimmungshöhepunkt.


Moonspell

18.10 Uhr (MS) MOONSPELL
Die Portugiesen wurden ob des Überziehen von SALTATIO MORTIS schon leicht unruhig und begannen quasi mit den Füßen zu scharren und wollten endlich auf die Bühne. In deren Hintergrund prangte ein stimmungsvolles, riesiges Backdrop das einen blutroten Sonnenuntergang über einem Friedhof zeigte. Ansonsten gabs in Sachen Bühnendeko noch zwei große Aufsteller mit dem Bandlogo die das Drumkit flankierten. Zum zweiten Mal nach 2001 spielten die Düsterrocker auf dem Breeze auf und genossen die neu entflammte Aufmerksamkeit durch ihr „Comebackalbum“ „Memorial“ sichtlich. Durch wirklich SEHR viel Nebel kämpfte sich die Band nach und nach an ihren Arbeitsplatz. Sie hatten sich allesamt die Augen schwarz umrandet und Sänger Fernando Ribeiro trug zu Anfang einen blutroten Mantel – der allerdings nur den ersten Song „Finistera“ überlebte bevor er ihn von sich schleuderte. Fernando fuhr sein gesamtes deutsches Vokabular auf und erledigte so viel wie möglich der Ansagen auf Deutsch. Die Medaille für die meisten Bühnenmeter bekommt der Bassist (im schlicht-schicken Mercyful Fate-Shirt), der stets in Bewegung war und die Größe der Bühne entsprechend nutzte. Sowohl ältere Hits wie „Opium“ als auch die Songs vom neuen Album wurden vom Publikum begeistert aufgenommen und so wird die Band auch ihren zweiten Besuch bei diesem Festival in bester Erinnerung behalten.


1349

19.05 Uhr (PS) 1349
Lange, für manche viel zu lange hat es gedauert, bis die erste Black Metal Band an der Reihe war und so hatten 1349 auch von Anfang an leichtes Spiel. Eine Band so recht nach dem Geschmack der Fans, erreichten sie doch satte 100 Punkte auf der Black Metal-Checkliste: kontrastreiches und genretypisches MakeUp, schwarze Klamotten, hohe Stiefel, Vocals zwischen Growls und Gekeife, groovige Gitarren, Nagelarmband, Patronengurt, oberarmbedeckende Tattoos – alles dabei. Die Norweger machten keine Gefangenen und kloppten sich, nach anfänglichen leichten Gitarrenproblemen, durch ihr 45minütiges Set, dass es eine wahre Freude war. Besonders Schlagzeuger Tony Laureano (Ex-NILE und MALEVOLENT CREATION), der anstatt SATYRICONs Frost mitgereist war, sorgte für offen Münder und gilt ab sofort als neue Referenz in Sachen Präzision – vergesst die Schweizer Uhr. Was der Mann bei manchen Passagen nur mit dem rechten Bein auf seiner Bassdrum spielte, kriegen manche Leute nicht mal mit zwei Beinen hin...


Finntroll

19.55 Uhr (MS) FINNTROLL
Die drolligen Finnen an dieser Stelle noch groß vorzustellen ,hieße wahrlich Eulen nach Athen zu tragen. Die Band ist seit Jahren immer wieder Gast auf dem Breeze gewesen und ist die ideale Stimmungsband um das Publikum zum Kochen zu bringen. Ihr Ansatz Metal mit einer Extraportion schmissigen finnischen Humpa-Parts zu mischen geht voll auf und die Musik direkt in die Knie – da kann einfach niemand stillstehen. Was also bei 1349 schon frenetisch war, geriet bei FINNTROLL zu einem wahren Siegeszug. Für manchen war allerdings der Sänger eine Überraschung. Hatte man bei den Jungs doch einen eher etwas beleibteren Herrn namens Tapio Wilska in Erinnerung, stand da jetzt ein schon fast mädchenhaft-zierlicher Bub namens Mathias Lillmans am Mikro. Entgegen der äußeren Erscheinung, war seine Stimme aber alles andere als dünn, sondern im Gegenteil sogar beeindruckend kraftvoll – da fragt man sich schon, wo der Kerl das hernimmt... Von hinten hätte man fast meinen können, eine All-Girl-Band zu erleben, hatten die Jungs doch alle rockartiges an und schüttelten ihre langen Haare, dass es eine wahre Freude war. Fragloser Höhepunkt war die Bandhymne „Trollhammeren“ von ihrem „Nattfodd“-Album, wo das Publikum annähernd so laut wie die Band schmetterte und man bis zum Mischpult nur erhobene Arme sah – wie gesagt, ein Siegeszug.


ASP

21.00 Uhr (PS) ASP
Die Band dürfte das Publikum gespalten haben; für die einen heissersehnte Kultband, für die anderen eher deplaziert und uninteresssant. Die Mischung aus Prodigy-Programming und Rammstein-Riffing unter einer kuscheligen Gothik-Decke hatte durchaus ihre Reize und auch ne Menge eigenen Charakter. Das ging zu großen Teilen aufs Konto der dreistimmigen Gesängen, die eher klassisch denn modern koloriert waren und eine ganz eigene Atmosphäre zauberten. Sänger Alexander Spreng aka. ASP genoss die Shows sichtlich, sprühte vor guter Laune, erinnerte optisch latent an Onkel Fester der Addams Family und freute sich besonders über den rechtzeitigen Einbruch der Dunkelheit. Die Show wurde von jeder Menge pyrotechnischen Effekten untermalt und war somit nicht nur für die Ohren sondern auch für die Augen ein Festmahl.


Kreator

21.50 Uhr (MS) KREATOR
Mit KREATOR betritt ein echtes Metal-Urgestein die Bühne, die den deutschen Metal und durchaus auch die internationale Thrash Metal-Szene maßgeblich geprägt haben. KREATOR machten ihrer Position als Headliner alle Ehre und ließen sich nicht lumpen. Der mitgebrachte Bühnenaufbau mit Treppen, Podesten und vor allem der beeindruckenden Licht- und Effektshow war großartig. Ebenso auch die Setlist. Los ging es mit neuen Songs wie „Enemy Of God“ sowie „Impossible Brutality“ bevor der Klassiker „Extreme Aggression“ aus dem Hut gezaubert wurde. Frontmann Mille erwies sich einmal mehr als überaus freundlicher Zeitgenosse der sich weniger als Star produzierte sondern mit den Fans als Gleichgestellter kommunizierte. Dabei verstand er natürlich genau die richtigen Knöpfe beim Publikum zu drücken. Als er beispielsweise „Pleasure To Kill“ ankündigte, stellte er klar, dass das Töten nicht wörtlich zu nehmen sei und er nur Spaß machte – was einen klaren Seitenhieb auf die Possen mit überbesorgten lokalen Kirchenverbänden darstellte. Die Songauswahl zog sich fast durch die komplette KREATOR-History und wartete unter anderem auch mit Schmankerl wie einem Song der „Flag Of Hate“-EP („Awakening Of The Gods“) auf. Nach über 20 Jahren im Geschäft haben KREATOR weder von ihrem Biss und ihrer Durchschlagskraft noch ihrer Fähigkeit zu begeistern eingebüßt. Auch nachdem die Band nach dem finalen Medley aus „Flag Of Hate“ und „Tormentor“ die Bühne in dichten grünen Nebel hüllte, verlangten die Fans lauthals nach einer Zugabe zu der es aber leider nicht mehr kam.


Katatonia

23.10 Uhr (PS) KATATONIA
Nicht nur große Teile des Publikums haben den erneuten Auftritt der Schweden herbeigesehent, auch für die Band selbst hat das Festival einen ganz besonderen Status. So geben geben mehrere Bandmitglieder auf ihrer Homepage das Breeze als ihr Lieblingsfestival an... Die Voraussetzungen waren somit ideal, optisch wurden die Zuschauer durch ein Bühnenhintergrund-füllendes Backdrop im Albumdesign von Travis Smith auf das Kommende eingestimmt und akustisch gings mit einem dezenten Orgel-Streicher-Info zum gedämpften Licht los. Die Band kam während des Intros auf die Bühne, stellte sich mit dem Rücken zum Publikum, während der Drummer hinter seinem Kit stand. Im Gegensatz zu manch anderer Band, gabs hier auch keine extravaganten Bühnenklamotten, schlichte Kleidung war angesagt und auch die Performance von Sänger Jonas Renkse ist ziemlich introvertiert. Er hielt sich meist an seinem Mikroständer fest, während sein Gesicht meist hinter seinen Haaren verborgen blieb. Eröffnet wurde die Show mit „Leaders“ vom aktuellen „The Great Cold Distance“-Album, gefolgt von „Wealth“ vom Vorgänger „Viva Emptiness“. Überhaupt hievte die Band überraschend viele ältere Songs ins Set anstatt sich aufs Material des aktuellen Albums zu konzentrieren, was aber bei den Fans sehr gut ankam. Die erste Single aus dem Album fiel der Zeit-Schere zum Opfer, denn die Band hatte leider nur 50 Minuten zur Verfügung, Songs wie das erwähnte „My Twin“, „Teargas“, „For My Demons“ oder auch „Tonight’s Music“ hätten zu einer regulären Headliner-Show gehört, waren aber zeitlich nicht drin. Wenns klappt wird nach der anstehenden gemeinsamen US-Tour mit Moonspell noch mal als Headliner in Europa getourt, Daumen drücken...


Freitag 18.08.2006

Apostasy

11.00 Uhr (MS) APOSTASY
Ich kann mir wahrlich angenehmeres vorstellen, als von APOSTASY aus dem Schlaf gerissen zu werden. Man stelle sich vor, man feiert auf nem sehr feinen Festival, wankt in den frühen Morgenstunden mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen ins (hoffentlich) eigene Zelt, träumt vom nie leer werdenden Bierbecher oder ähnlichen Schönheiten des Lebens und dann bollern da um 11 Uhr (also quasi mitten in der Nacht) so wildgewordene schwedische Todesmetaller durch den Gehörgang! Wenn einem die Herren auch den Schlaf geraubt haben mögen, es war definitiv wert für sie aus den Federn zu kriechen, denn in Deutschland hat diese Band noch niemand auf einer Bühne gesehen, will sagen: es war ihr Debut bei uns. Das scheint besonders den Bassisten motiviert zu haben, denn trotz fies kaltem und böigem Wind zeigte er die nackte Brust und war zudem noch barfuss, Respekt! Trotzdem das LineUp erst Anfang August wieder komplettiert worden war, zeigte die Band eine homogene Leistung und brachte trotz früher Stunde schon so manchen Kopf zum Bangen. Natürlich war noch nicht allzu viel los vo der Bühne, es strömten aber stetig Leute hinzu und unterm Strich kann man der Band zu einer gelungenen Deutschlandpremiere gratulieren.


Exrementory Grindfuckers

11.30 Uhr (PS) EXCREMENTORY GRINDFUCKERS
In Form der EXCREMANTORY GRINDFUCKERS hält der organisierte Blödsinn Einzug auf dem Summer Breeze. Die Band aus Hannover veralbert so ziemlich alles und jeden. Fun-Grind heißt ihre Schublade dann wohl. Dabei gehen sie streckenweise durchaus als Grindcore-Version von JBO durch. Das hieß dann Growlpasssagen trafen auf hodengeschädigten Fistelgesang, auf Blastbeat folgte Tango und aus den bekannten Schlager „Im Wagen vor mir“ wurde „Im Graben vor mir“, aus David Hasselhoffs „Looking For Freedom“ wurde „Looking For Grindcore“ und auch der E.A.V.-Hit „Fatamorgana“ wurde als „Vater Morgana“ durch den Grindwolf gedreht. Die Band dürfte so ziemlich die einzige Band auf dem Festival sein, die es in 30 Minuten auf 14 Songs bringt. Der Drummer kam allerdings nicht ganz (ähem) an die Präzision des 1349 Drummers heran. Vor der Bühne feierten aber trotzdem deutlich mehr Fans als vorher noch bei APOSTASY und sogar die Grabensecurity musste schon die ersten Crowdsurfer von den Köpfen der Zuschauer fischen.


Leng Tch´E

12.05 Uhr (MS) LENG TCH’E
Es wurde keiner auf alte, traditionelle, chinesische Weise langsam durch tausende kleine Schnitte zu Tode gefoltert, aber man musste schon gute Nerven haben und offen für extremere Sounds sein, wenn man sich den Belgiern an diesem Freitag Morgen stellen wollte. Und damit ist jetzt weniger das HipHop-Intro, das sie zu Beginn ihrer Show laufen liessen gemeint.. Ich musste spontan an das selbstkritische Shirt des Gitarristen der EXCREMENTORY GRINDFUCKERS denken. Auf dessen Rücken stand „Musik machen andere“ und damit hat er wohl direkt LENG TCH’E gemeint. Denn die waren u.a. auch im Grindcoretal zu Hause, haben aber auch Verwandte im Stonerwald, im Hardcoregarten und auch das Tal des Todes hat so seine Spuren in ihrem Sound hinterlassen. Rein optisch waren sie am ehesten dem Hardcore zuzuordnen, bis auf den Drummer hatte keiner lange Haare, Sänger Boris ist kahlgeschoren, trug ein weißes Muscle-Shirt und eine fette Goldkette und der Gitarrist trug zum stylishen MASTODON-Shirt ausladende Baggypants, Skatersneaker und Käppi. Aus diesem musikalischen und optischen Vielerlei schaffte es die Band aber auf fesselnde Weise ein faszinierendes und vor allem mächtig fettes Ganzes zu schmieden, definitiv eine DER positiven Überraschungen des Festivals. Sänger Marko machte mit seinen Deutschkenntnissen bei den Ansagen dann noch zusätzlichen Boden gut. Einziges Mako war der nicht ganz tighte Drummer, aber das dürfte nur den wenigsten Leuten die schmackhafte Suppe versalzen haben.


The Ocean

12.40 Uhr (PS) THE OCEAN
Mit THE OCEAN ging eine weitere Ausnahmeband an den Start. Schon vom Aufbau her, liess sich erahnen, dass sich da nichts konventionelles anbahnt, denn auf dem Drumriser teilten sich zwei Schlagzeuger den Platz. Der klassisch agierende hatte sein Kit quer zum Publikum aufgebaut, so dass er als von der Seite zu sehen war. Ihm gegenüber stand ein weiterer Drummer, der u.a. auf zwei Standtoms, diversen Becken und einem Metallfass herumklopfte und beim ersten Song zusätzlich noch mit einer Flex ein Stahlblech rhythmisch bearbeitete und nebenbei noch imposanten Funkenflug produzierte. Beim Durchzählen fiel dann gleich mal auf, dass da etwas mehr Leute als bei der klassischen Metal-Band auf der Bühne sind und zweitens, dass THE OCEAN heute „nur“ zu sechst zu Gange waren. Es waren nämlich nur zwei Gitarristen im Einsatz, ansonsten werden drei gelistet und, traurig aber wahr, einer ihrer Sänger hat sich kürzlich zurückgezogen und so war das Berliner Krachkollektiv gezwungen sich für die zugesprochenen 30 Minuten Spielzeit auf die heftigeren Songs ihres Repertoires zu beschränken, somit heute also eher Vergleiche zu CONVERGE und weniger ISIS. Zwischen den Songs gabs ab und an ein paar Einspielungen bzw. Samples, beim letzten Song z.B. eine Passage aus David Finchers Fight Club.


Trail of Tears

13.15 Uhr (MS) TRAIL OF TEARS
Die sympathischen Norweger waren ja bereits 2005 für einen Auftritt eingeplant, haben es dann aber doch nicht geschafft, schön dass sie eine zweite Chance bekommen haben. Die Norweger erschienen quasi im “Partnerlook”, hatten also allesamt komplett schwarze Klamotten an. Zwei der üblicherweise sieben Bandmitglieder sind fürs Singen zuständig, Ronny Thorsen war für die derben Shouts zuständig, während sein glatzköpfiger Kollege Kjetil Nordhus die melodischen Passagen besorgte. Wobei der etatmäßigen Keyboarder nicht zu entdecken war, der war also entweder gar nicht dabei oder sehr gut in einer Ecke getarnt. Ich vermute, dass Drummer Jonathan Perez die Parts von Konserve einspeiste... Jedenfalls war die Band durch die beiden Sänger und die Synthieparts sehr variabel unterwegs, da trafen dann schon mal Blastattacken auf ruhigere Passagen mit Streicherarrangements. Trotz des nach wie vor windig-kalt-fiesen Wetters waren die ersten Reihen enthusiastisch dabei. Mit dem Smasher „Cold Hand Of Retribution“ von ihrem „Free Fall Into Fear“-Album beendeten sie eine überzeugende Show, die hier und da mal an NEVERMORE erinnerte.


Fragments of Unbecoming

13.50 Uhr (PS) FRAGMENTS OF UNBECOMING
FRAGMENTS OF UNBECOMING luden um kurz vor 14 Uhr zum Verdauungsmoshen ein. Einer Einladung der schon früh einige Fans nachkamen. Das Quartett heizte den Anwesenden auch gleich mit ihrer Mixtur aus melodischem Schweden-Death Metal und brutalstem Florida-Geballer mächtig ein. Frontmann Sam Anetzberger wirkt mit seinem rasiertem Schädel mit Zöpfchen am Hinterkopf optisch zwar eher wie ein Krishna-Anhänger, war stimmlich jedoch der Archetyp eines Death Metal-Fronters. Sowohl fieses Kreischen als auch tiefes Growlen bringt der Herr kraftvoll und mit Inbrunst rüber. Seine Begleiter reißen die Songs ebenfalls in technischer Perfektion runter und boten der Menge so genau das, was sie wollten. In der ersten Reihe waren dabei einige äußerst textsichere Jungs auszumachen die Anetzberger förmlich an den Lippen klebten. Cool.


Potentia Animi

14.25 Uhr (MS) POTENTIA ANIMI
Wer diese Jungs einfach als weitere Mittelalterband abgestempelt hat, begeht einen schweren Fehler. Natürlich gehören sie in diese Szene, aber bei ihnen ist der Unterhaltungsfaktor deutlich höher. Keiner, der ihren Auftritt beim diesjährigen Breeze erlebt hat, wird die Band so schnell vergessen. Die vier Herren von “Kraft der Seele“ (was der Bandname wörtlich übersetzt bedeutet) kamen als Glaubensbrüder im Auftrag des „Herrn“ aufs Festival und schmetterten nach jedem Song ein „Halleluja“ in die Meute. Drei von ihnen sahen aus wie Mönche, der Geiger „Bruder Schnabausus Rex der Aussätzige“ erschien im Papstoutfit. Barfuss waren sie allesamt. Ihr Schlagwerker und gleichzeitig auch einer der Sänger „Bruder Liebe“, stand mit seinen Bandkollegen direkt auf der Bühne und so blieb der Drumriser im Bühnenhintergrund ungenutzt. Zudem spielte er stehend und hatte allerlei Unkonventionelles an seinem Schlagzeug. Gitarrist „Bruder Nachtfraß“ spielte ausschließlich auf alten Instrumenten, nur Bassist „Bruder Schlaf“ griff auf einen konventionellen E-Bass zurück. Mit ihrer fröhlichen Natur und allerlei treffenden Scherzen unter der Gürtellinie hatten sie das Publikum schnell auf ihrer Seite, ein Song wurde auf dem bekannten Riff von AC/DCs „Thunderstruck“ aufgebaut und nachdem sie zum ertsen Mal von der Bühne gingen gabs so massive Zugaberufe, dass sie dem Volk mit „Ewigkeit“ noch einen Nachschlag gaben.


Scar Symmetry

15.05 Uhr (PS) SCAR SYMMETRY
Christian Älvestam ist ein charismatischer Frontmann vor dem Herrn. Der Mann kann nicht nur brüllen, so dass der durchschnittliche Löwe vor Neid erblassen würde, er hat auch ein ausgesprochen gutes Händchen für melodische Passagen mit dem gewissen Pop-Appeal. Das Publikum frass ihm jedenfalls gleich nach dem coolen Horrorfilm-Intro aus der Hand, honorierte lustige deutsche Ansagen wie „Vielen Fucking Danke!“ und sah auch großzügig über leichte Schwächen bei der ein oder anderen melodischen Gesangspassage hinweg. Bei der Songauswahl konzentrierte sich die Melodic Death Metal-Band hauptsächlich auf Songs von ihrem aktuellen „Pitch Black Progress“-Album und baute nur zwei Songs des 2005er Debuts „Symmetric In Design“ ein. Die bis auf den Drummer kurzhaarigen Musiker liessen trotzdem ordentlich die Rüben kreisen und machten das beste aus ihren 40 Minuten Spielzeit.


Rebellion

15.45 Uhr (MS) REBELLION
REBELLION wurden von den ehemaligen GRAVE DIGGER-Mitgliedern Uwe Lulis und Tomi Göttlich gegründet. Die musikalische Marschrichtung deckt sich dabei weitestgehend mit der von GAVE DIGGER. US-Power Metal verbunden mit typisch deutschem Heavy Metal der alten Schule. Damit waren REBELLION die erste Band aus diesem Genres im Festivalsaufgebot. Seltsamerweise konnte das noch nicht besonders viele Fans vor die Bühne locken. Doch die relativ Wenigen, die gekommen waren, gaben sich dafür umso enthusiastischer. Sie bekamen das volle Programm, sozusagen „Metal in Reinform“ geboten - inklusive aller genreüblichen Posen. Bassist Göttlich war von den Reaktionen sehr angetan, bedankte sich höflich beim Publikum und stellte klar, dass Shows wie diese auch nach 20 Jahre als Musiker etwas ganz besonderes sind.


One Man Army & The Undead Quartett

16.35 Uhr (PS) ONE MAN ARMY & THE UNDEAD QUARTET
Über deutlich mehr Fans konnten sich ONE MAN ARMY & THE UNDEAD QUARTET freuen. Die bereits zweite Nachfolgeband von THE CROWN die das Summer Breeze beehrt, geben von der ersten bis zur letzten Minute Vollgas. Stilistisch orientieren sie sich wesentlich stärker an der Vorgängerband als ANGEL BLAKE dies noch am Tag zuvor taten. Gewürzt wird der flotte Death-Metal Sound mit einer saftigen Kelle Rock´n Roll. Blickfang war vor allem Shouter Johan Lindstrand, der beinahe mehr Haare an der Backe, als auf dem Kopf hatte. Aber auch der Rest der Band hatte sichtlich Bock zu spielen, was das Energielevel in schwindelerregende Höhen trieb. Souverän bretterte die Combo die Songs ihres Debütalbums „21st Century Killing Machine“ äußert bewegungsfreudig herunter. Die erstaunlich textsicheren Fans hatten offenbar ähnlich viel Spaß, wie auch die Band. So trieben Gitarrist und Sänger allerlei Unsinn auf der Bühne, da gab es dann auch schon mal nen Klaps auf den Hintern... Am Ende des Sets meldeten sich sicherlich viele neue Fans zum Dienst in der ONE MAN ARMY.


Exilia

17.20 Uhr (MS) EXILIA
Bands, die man zunächst nicht im LineUp des Breeze vermuten würde, haben hier trotzdem ein lange Tradition. Ob nun Hardrocker wie KROKUS, Crossover wie DIE HAPPY oder seichter Modern Rock wie STONE THE CROW; da hat man damals auch erst leicht gestutzt und war später überrascht, wie gut sich die Bands verkauft haben und aufgenommen wurden. Ähnliches geschah auch dieses Jahr mit EXILIA. Wie einst für ihren prominenten italienischer Landsmann Julius C. galt auch für Sängerin Masha und ihre Jungs „Veni, vidi, vici“. Sie hatten mit ihrem eingängigen New Metal/Crossover-Mix aber auch leichtes Spiel und hatten schnell große Teile der Massen vor der Main Stage im Sack und konnten sie nach belieben zum Hüpfen, Klatschen und sonstigem Ausrasten dirigieren. Man kann von der Musik halten, was man will, an der Performance war, sowohl spielerisch und vor allem auch stimmlich nichts auszusetzen. Die zwergenhafte Masha (das Effektboard ihres Gitarristen war breiter als sie hoch) legte weite Strecken auf der Bühne zurück, animierte das Publikum und brüllte sich vor allem rücksichtslos die Seele aus dem Leib. Natürlich fehlten weder die bekannten Hits wie „Stop Playing God“ noch die aktuellen Tracks von ihrem Ende Juli erschienen „Nobody Excluded“-Album. Dessen aktuelle Auskopplung „Kill Me“ war dann auch der umjubelte Abschlusssong. Er prangert massiv die Menschrechtsverletzungen im allgemeinen und George W. Bush-Guntanamo-Handhabung im besonderen an. Um das auch optisch zu unterstreichen, trug Masha und zwei Roadies bei dem Song passende signalorangene Overalls.


Turisas

18.10 Uhr (PS) TURISAS
Die Finnen von TURISAS machen ihrem Namensgeber, einem altertümlichen finnischen Kriegsgott, alle Ehre und betreten die Bühne in voller Kriegsmontur – inklusive Bemalung. Verpackt in Felle und beschmiert mit blutroter Farbe sieht die Truppe aus, als käme sie gerade aus einer saftigen urzeitlichen Schlacht zurück. Doch das war nicht das einzige Besondere an der Band, auch die Instrumentierung ist auffällig. Neben der üblichen Rock-Besetzung trat die Band mit Keyboard, Violine und Akkordeon auf. Insbesondere letzteres Instrument sichtet man auf Metalbühnen eher selten. Für den Sound der Band, macht dies aber durchaus Sinn. Schließlich würzten die Krieger ihre schwarzmetallischen Songs mit allerlei Einflüssen aus der finnischen Folklore. Mit Mittelalter-Metal haben TURISAS dennoch wenig zu tun, dazu sind sie zu heftig. Beim Publikum findet das durchaus Anklang und sie feiern die Truppe wie wahre Kriegshelden.


Amorphis

18.55 Uhr (MS) AMORPHIS
Selbstbewusst starten AMORPHIS mit einem Song vom neuen Album. „Leaves Scar“ erweist sich dann doch tatsächlich als der ideale Opener für die Band, da er alle Vorzüge der Band vereint und sogar die Death-Metal Wurzeln durchblitzen lässt. Diese verleugnen die Finnen auch später im Set keineswegs und schmettert schon als dritten bzw. vierten Song „Against Widows“ und „Into Hiding“ in die Meute. Der neue Mann am Mikro, Tomi Joutsen, erweist sich dabei als überaus charismatischer als auch variabler Frontmann der sich sowohl in den cleanen Gesangsparts als auch fiesen Grunts wohl fühlt. Mit seinen langen Dreadlocks den Propeller-Mosh zu machen, ist sicherlich nicht besonders angenehm auf der Kopfhaut, macht aber optisch einiges her. Weiter im Set wechselt die Band immer wieder zwischen Klassikern und aktuellem Material hin und her und unterstrich so die große Bandbreite von AMORPHIS. Von sphärischem 70s-Rock, über schmissige, fast Radio kompatiblen Songs wie „Divinity“, bis hin zu Death Metal-Krachern wie „On Rich And Poor“. Zum Schluss gab die Band dem Publikum, worauf vor allem die älteren Fans gewartet hatten. Der Hit „Black Winter Day“ beendete einen rundum überzeugenden Auftritt.


Heaven Shall Burn

20.00 Uhr (PS) HEAVEN SHALL BURN
Mit HEAVEN SHALL BURN betraten am frühen Abend eine der führenden deutschen Metalcore Bands die Painstage. Die Band steht vom Moment des ersten Tons bis zum letzten unter Strom. Gleich der Opener „The Weapon They Fear“ schlägt auch beim Publikum direkt ein, wie eine Bombe. Sofort bilden sich gleich mehrere Moshpits, die das das komplette Set über bestehen bleiben. Der Spielspaß, den die Jungs an den Tag legen, ist ihnen deutlich anzumerken und springt direkt auf das Publikum über. Der Aufforderung des sympathischen Shouters Marcus Bischoff Circle-Pits zu bilden, kommt die Crowd herzlich gerne nach. Metal- und Hardcore-Fans feiern die Jungs gleichermaßen einträchtig ab, nahmen deren Power dankbar auf und gaben sie potenziert wieder zurück. Dabei war es ganz egal, ob Songs vom Hitalbum „Anitgone“ gespielt wurden oder ältere Stücke wie „The Seventh Cross“. Völlig aus dem Häuschen gerät sowohl Band als auch Publikum bei dem brandneuen Track „Counterweigth“ vom bald erscheinenden neuen Album „Deaf To Our Prayers“. Metaller, die Metalcore Bands wie HEAVEN SHALL BURN bisher mitleidig belächelt haben, dürfte nach dieser Show die Kinnlade herunter geklappt sein.


Morbid Angel

20.50 Uhr (MS) MORBID ANGEL
MORBID ANGEL gehören seit über 20 Jahren zu einer der wichtigsten Death Metal Bands, den Posten des Co-Headliners hat die Truppe somit auch absolut verdient. Die Band betrat im klassischen Line-up mit Bandkopf und Gitarrengott Trey Azagthoth, Drumwunder Pete Sandoval, Gitarrist Eric Rutan und Shouter/Bassist David Vincent die Bühne. Insbesondere die Wiedervereinigung mit David Vincent, von dem sich die Band 1996 getrennt hat, dürfte viele Fans gefreut haben. Die Reunion bedingte auch, dass sich die Setlist ausschließlich aus Song der ersten vier Alben zusammensetzte. Aber mal ehrlich, um Songs aus späteren Phasen zu spielen ist die limitierte Spielzeit zu schade. Wer sich gefragt hat, ob die Jungs noch immer die immense Power von früher entfesseln können, bekommt von der Band eine klare Antwort: Ja! Angetrieben von Sandovals fast übermenschlichem Drumming feuerten MORBID ANGEL Klassiker wie „Rapture“, „Maze Of Torment“ oder „Fall From Grace“ ab. Die Gitarrenarbeit von Azagthoth war faszinierend. Der Meister spielt seine Solos nicht nur mit den Fingern sondern mit seinem ganzen Körper. David Vincent, dessen Ansagen betont lässig waren, bot stimmlich keinerlei Anlass zu meckern. Höhepunkte der Show waren dann zweifellos die Hits „Where The Slime Live“ und das beklemmende „God Of Emptiness“. Das Publikum liess sich dankbar ordentlich durchfönen. Eine rundum gelungene Show des heimlichen Headliners.


Liv Kristine

21.55 Uhr (PS) LIV KRISTINE
Die Protagonistin aus Norwegen, Musiker und Gäste aus der Schweiz, den USA und Österreich; Liv bemerkte ganz richtig, dass es somit auf der Bühne ähnlich international zugeht, wie davor: stressfreie und einträchtige Völkerverständigung. Bei der Musik der nordischen Elfe dürfte es auch sehr schwer fallen in irgendeiner Weise aggressiv zu werden, erst recht in der dargebotenen Instrumentierung und auch sonst hat ihr Sound jede Menge Pop-Appeal. Für den Auftritt beim Summer Breeze hatte sich die Sängerin auch einige Überraschungen einfallen lassen, schon allein die opulente Besetzung mit zwei Gitarristen, Basser, Drummer und vor allem dem vierköpfigen Streichensemble war ganz großes Kino, später begrüßte sie dann beim Song „3 am“ noch Devin Graves aka. Buddy Lackey (Fronter von DEAD SOUL TRIBE und Ex-PSYCHOTIC WALTZ) als Gastsänger, der ihr dann auch noch beim abschliessenden „A Distance There Is“ mit seiner Querflöte zur Seite stand. Überraschend auch die Coverversion in der Mitte des Sets von Bruce „The Boss“ Springsteens „Streets Of Philadelphia“. Bei den drei bis vier eher Programming-dominierten Songs hatte der Schlagzeuger an seinem E-Drumkit eher weniger zu tun und beschränkte sich auf Becken und Hi-Hat, dem Volk hats aber gefallen.


Lacrimosa

22.45 Uhr (MS) LACRIMOSA
Kaum eine Band dürfte im Vorfeld so die Meinungen gespalten und polarisiert haben wie LACRIMOSA. Gothic-Bands sind seit jeher Teil dieses Festivals, eine derartige Dark Wave-Kultband hatte man seither aber nicht im LineUp und schon gar nicht auf dieser prominenten Position. Die Band um Gothic-Lichtgestalt Thilo Wolff und seine Partnerin Anne Nurmi trat in kompletter Rockbesetzung an und hatte folglich auch viele Song ihres recht Metal-lastigen „Inferno“-Albums von 1995 auf der Setlist und spielte sich ansonsten quer durch die Bandgeschichte. Bühnenbildtechnisch verliess man sich voll auf das riesige Backdrop mit dem Bandlogo, das nahezu die gesamte Bühnenhintergrundfläche bedeckte und ansonsten wurde der Auftritt von einer imposanten Lightshow begleitet. Zentrale Gestalt war natürlich Meister Wolff, der auf charakteristische Weise sang, mit grazilen Gesten seine Songs kommentierte und die straight rockende Band dirigierte. Sehr cool auch die finnischen Gesangspassagen von Anne, die eine weitere Facette im Sound der Band waren. Nach dem regulären Set kehrte die Band für einen Zugabenblock mit weiteren drei Songs zurück, „Der Morgen danach“, „Road To Pain“ und das finale „Copycat“ gaben den Fans den Rest. Diese Show wird die Zweifler wohl nicht zu Fans bekehrt haben, aber die Fans sahen ihre Helden an optimaler Position und unter Top-Voraussetzungen.


Deathstars

00.10 Uhr (PS) DEATHSTARS
Die DEATHSTARS machten ihrem Namen alle Ehre. Die Headliner der Painstage wurde von der Menge die nach dem Auftritt von LACRIMOSA wieder nach heftigeren Klängen dürsteten frenetisch begrüßt. Optisch wirkte die Band wie eine Sleaze-Rock Version von Marilyn Manson. Frontmann Whiplasher kommt mit einer schicken Pink-Schwarzen Federboa auf die Bühne und auch der Rest der Band macht mit beim androgynen Look. Musikalisch geht die Band als SISTERS OF MRCY meets DIMMU BORGIR meets RAMMSTEIN durch. Sehr düster, sehr elektronisch aber auch eingängig und tanzbar. Genau der richtige Sound zu dieser späten Stunde um die Meute noch mal zu mobilisieren. Besonders anstrengen muss sich die Band jedoch nicht um dieses Ziel zu erreichen, von Anfang bis Ende können sich die DEATHSTARS mit über heftigsten Publikumsreaktionen des Tages freuen. Vollen Körpereinsatz bringt die Band aber dennoch und gab sich bewegungsfreudig, deutete Geschlechtsverkehr an und sorgte für den Most-Shocking-Moment indem Sänger Whiplasher Gitarrist Nightmare Industries einen innigen Zungenkuss verabreicht. Die morbiden Ansagen trafen beim Publikum ebenfalls auf offene Ohren und als Whiplasher am Ende des Sets ein Bad in der Menge nahm, reagierten insbesondere die Damen wie Piranhas auf rohes Fleisch. Am Ende der Show wurde die Band dann vom Publikum vehement zur Zugabe zurückgepfiffen.


Samstag 19.08.2006

The Other

11.00 Uhr (MS) THE OTHER
Den Opener der Mainstage gaben am Samstag die aus der MISFITS-Coverband GHOULS hervorgegangen THE OTHER. Zwar spielt die Band nun eigene Songs, die Orientierung am großen Vorbild ist jedoch nach wie vor offensichtlich. Nicht nur musikalisch, auch optisch schmücken die Jungs sich mit ähnlichen Assecoires und vor allem ähnlicher Bemalung wie Jerry Only & Co.. Lediglich der Drummer fiel mit seiner Verkleidung als morbide Mischung aus Arzt und Metzger aus der Reihe. Die Band schrammelte ihre hymnischen Songs recht flott herunter und legte souveränes Stageacting an den Tag. Insbesondere der letzte Song „We Are The Other Ones“ blieb als Ohrwurm im Gedächtnis. Unter den wenigen Frühaufstehen, die es zur Show geschafft haben, finden sich einige MISFITS- und THE OTHER-Shirts wieder, deren Träger die Show sichtlich genossen. Der MISFITS-Coversong, den man eigentlich erwartet hätte, blieb leider aus. Dennoch waren THE OTHER eine erfrischend andere Band im Lineup.


Perzonal War

11.30 Uhr (PS) PERZONAL WAR
Die ersten Arschtritte des Tages verteilten PERZONAL WAR auf der Painstage. Die Newcomer rockten so souverän als stünden sie jeden Tag auf Bühnen wie dieser. Eine Tatsache die von den allmählich aus den Zelten kriechenden Fans mit wohlwollendem Kopfnicken quittiert wurde. Der moderne Metal, der Einflüsse von METALLICA beinhaltet, groovt und rockt was das Zeug hält. Der melodische Gesang hat die nötigen Eier und fügt sich perfekt in den Sound ein. Und mit der Ankündigung der nächste Song sei der morgendliche Kaffe ohne Tasse von Frontmann XY konnte so unterschrieben werden. Die Band schaffte es noch vor dem Mittagessen ein Lächeln auf müde Gesichter zu zaubern und ein erstes Moshbedürfnis zu wecken. PERZONAL WAR waren genau die richtige Band zur richtigen Zeit.


Lumsk

12.05 Uhr (MS) LUMSK
Beim Einmarsch der Truppe musste man spontan an die Herr der Ringe-Trilogie denken, irgendwas grob in Richtung Rohan... jedenfalls traten sie alle in Kleidern auf, die man dieser Tage nicht alltäglich sieht und zudem trugen die Männer ausnahmslos imposante Bärte. Das Publikum bereitete den Norwegern jedenfalls ein warmes Willkommen. Unter den vielen Bands nahmen sie auch eine einzigartige Position ein, zwar gab es auch einzelne Metalpassagen, über weite Strecken dominierten aber Folk, ruhige Momente, Geigen und der streckenweise opernhaft hohe Gesang von Sängerin Stine Mari Langstrand. Ungewöhnlich auch der Aufbau: die Boxen standen an der Seite und im hinteren Teil der Bühne waren zwei Riser mit Schlagzeug und Keyboards platziert. Bassist Espen Hammer beeindruckte mit prägnantem Spiel und der höchsten Basssaiten-Anzahl des Festivals: gegen Ende des Sets brachte er es auf stolze acht Seiten. Für den dritten Tag des Festivals UND die frühen Stunde ernteten sie erstaunlich gute Resonanzen – und zwar völlig zu Recht!


Gojira

12.40 Uhr (PS) GOJIRA
Da dürfte sich so mancher Unvorbereitete schnell suchend nach seiner Kinnlade gebückt haben. Eine der absolut besten französischen Bands machten trotz früher Stunde keinerlei Gefangenen und mähten gnadenlos alles nieder. Mit „Lizard Skin“ von ihrem 2000er Debut „Terra Incognita“ starteten sie fulminant in ihr Set und schickten gleich „Backbone“ vom aktuellen „From Mars To Sirius“ hinterher. Ihr wuchtiger Sound irgendwo zwischen Industrial und Grind/Death ist wahrlich einzigartig und wurde vom Publikum mit offenen Mündern quittiert. Basser Jean-Michel schaffte es trotz des sehr komplexen Materials beim Spielen abzugehen wie nichts Gutes und Schlagzeuger Mario Duplantier überbot doch tatsächlich noch den Drummer von 1349. Dieser Name wird oft fallen, wenn es bei den Rezensionen dann um Überraschungen und Gewinner des Festivals geht und wie man so hört sind an der Band auch schon mehrere große Labels dran. 30 Mnuten, die viel zu schnell vorbei waren!


Visions of Atlantis

13.15 Uhr (MS) VISIONS OF ATLANTIS
Wie ein sexy Hüftschwung auszusehen hat zeigte die österreichische Combo VISIONS OF ATLANTIS. Deren Sängerin war jedoch nicht nur ein optischer Blickfang, sondern verfügte auch über eine überaus betörende Stimme, die im Wechsel mit ihrem männlichen Duettpartner für Kontraste sorgte. Die Bandbreite der Songs reichte von straightem Power Metal bis hin zu gefühlvollen Balladen. Immer versehen mit einer klassischen Note und von Keyboardflächen untermalt. Vergleiche mit WITHIN TEMPTATION oder auch NIGHTWISH liegen da natürlich nahe. Den Videotrack „Lost“ kannten dann offensichtlich auch einige Fans und ließen sich gerne zum Mitsingen anstiften.


Legion of the Damned

13.50 Uhr (PS) LEGION OF THE DAMNED
LEGION OF THE DAMNED, die früher unter dem Bandnamen OCCULT firmierten trieben Freunden des schnellen Death Metals die Freudentränen in die Augen. Die Niederländer bolzten was das Zeug hält und erinnern stilistisch an einen brutalen Bastard aus BOLT THROWER und SLAYER. Die Songs waren meist im oberen Tempobereich positioniert, warteten aber immer wieder auch mit höllischen Moshparts im gedrosselten Tempo auf. Die Gesichter der Bandmitglieder bekam man relativ selten zu sehen, da diese entweder permanent am Rotieren waren oder sich ihre Haare wie ein Vorhang vor das Gesicht legten. Vorne war beim Sänger dort wo das Mikro rausguckte. Doch auch vor der Bühne wehten die Haare und kaum ein Kopf stand, im gut gefüllten Bühnenvorraum, still. Mit ihren offensichtlichen SLAYER-Einflüssen hält die Band nicht hinterm Berg und leitet „Bleed For Me“ sogar mit einem Zitat der amerikanischen Metalgötter ein. Fette Performance.


Necrophagist

14.25 Uhr (MS) NECROPHAGIST
NECROPHAGIST liefern am frühen Mittag schwer verdauliche Kost. Ihre Interpretation des Death Metal war gleich in mehrerlei Hinsicht extrem. Extrem brutal und kompromisslos, aber auch extrem technisch. In wahnwitziger Geschwindigkeit flitzen die Finger übers Griffbrett und ballerten die Stöcke auf die Felle. Da blieb keine Kinnlade geschlossen. Dabei wies die Band recht viele Einflüsse von MORBID ANGEL auf, toppten diese jedoch in technischern Hinsicht noch. Trotz der hohen Komplexität war in den Songs eine deutliche rote Linie zu erkennen. In den eingestreuten Solos konnten gar Melodien ausgemacht werden. Angesichts dieser atemberaubenden Performance ist es kaum verwunderlich, dass die Band in den USA mächtig angesagt ist - für einen deutsche Band wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Auch auf dem Summer Breeze stieß die Band auf offene Ohren. Videoaufnahmen dieses Auftritts könnten ohne Probleme als Lehrvideo in Musikhochschulen verwendet werden, auch wenn dem Schlagzeuger gegen Ende ihres Sets etwas die Luft ausging.


Carnal Forge

15.05 Uhr (PS) CARNAL FORGE
“Stille Nacht” hört man sonst auch eher selten als Intro bei einer Metalshow, aber die Schweden CARNAL FORGE haben eben so ihren eigenen Humor. Überhaupt scheint bei den Schweden irgendwas im Trinkwasser zu sein, denn am Donnerstag hatten ihre Landsleute von THE HAUNTED schon modernen Thrash Metal allererster Kajüte serviert und der Fünfer um den charismatischen Frontmann Jens C. Mortensen liess jetzt erneut die Keule kreisen, denn nach dem besinnlichen Intro gings quasi direkt von null auf hundert. Der Fronter mutete mit seinen arschlangen Dreads und dem Schokoteint eher nach Jamaica denn nach Skandinavien an, aber das passte ja auch prima zum Wetter. Die High-Speed-Thrasher wurden immer mal wieder durch groovige Passagen und Midtempo-Parts aufgebrochen und obwohl die Band sich wahrlich voll ins Zeug legte, blieben die Reaktionen im Publikum eher verhalten – da merkte man eben, dass es bereits der dritte Tag war und und zudem der Planet ordentlich vom Himmel stach. Der Drummer sang mittels eines Headsets zusätzlich auch noch Backup-Vocals und als Bonbon gabs gegen Ende des Sets sogar noch zwei brandneue Songs vom kommenden Album. Einen davon, „Burning Eden“ kündigte der Sänger als „Radiosingle“ an und las Rausschmeißer servierte die Band noch ihre Hymne „I Smell Like Death“.


Totenmond

15.45 Uhr (MS) TOTENMOND
Die Band stand vor zwei Jahren ja schon auf den Plakaten fürs Breeze, erschien dann aber nicht und erhielt in diesem Jahr also eine zweite Chance. So richtig heiss waren sie nicht aufs Spielen, denn zu Beginn ihres Auftritts, suchte sich Sänger und Gitarrist Olaf „Pazzer“ erst mal ein Werkzeug um an den Inhalt einer erbeuteten Bierflasche zu kommen. Im Folgenden unterbrach die Band ihr Set mehrmals um bereitgestellte Becher mit Wodka ins Publikum zu reichen – andere Bands hätten vielleicht lieber einen Songs mehr gespielt... Ein wesentlicher Bestandteil ihrer Show war auch der permanente massive Einsatz der Nebelmaschinen. Aber TOTENMOND sind ja seit jeher schwer zu greifen, stilistisch irgendwo zwischen Punk, Thrash und streckenweise sogar Grindcore angesiedelt, machten Ansagen wie „Hey Ihr bayerischen Wichser, wir sind ja nicht zum Spaß da“ es dem uneingeweihten Zuschauer auch nicht gerade leichter Zugang zum Kosmos der Band zu finden. Songs wie „Macht kaputt, was Euch kaputt macht“ sorgten für begeisterte Reaktionen bei den Fans, die es sogar zum ein oder anderen Moshpit schafften vom Himmel für ihre Anstrengungen aber mit einsetzendem Regen bestraft wurden. Bei „Alles ist grau“ schüttete es dann derart, dass sich das Publikum zu große Teilen um Unterschlupf bemühte. Nach „Die Macht des Feuers“ war dann auch bald Schicht im Schacht und der Sänger verabschiedete sich mit einem herzerwärmenden „Nazis raus und dankeschön ihr langhaarigen Wichser!“ Irgendwie leicht schräger Auftritt, aber die Band ist wenigstens einzigartig und hat jede Menge Charakter.


Psychopunch

16.35 Uhr (PS) PSYCHOPUNCH
THE OTHER hatten als Opener ja schon morgens das Punkfähnchen hochgehalten und Psychopunch machten jetzt im großen Stil ein ordentliches Punkrock-Fass auf. Nach einem launigen Intro legten sie direkt mit einer Granate wie „Poison Alley Groove“ los und konnten die Regenwolken zwar nicht vertreiben, verströmten aber so viel gute Laune, dass man das miese Wetter fast vergaß. Obwohl Punkrock beim Festival nun wirklich nicht im Übermaß vertreten ist, haben wohl viele Leute gerade auf eine derartige Auflockerung gewartet und so rannten die sympathischen Schweden quasi offene Türen ein. Bassist Mumbles und natürlich auch Gitarrist und Fronter JM gaben die Punkrocker par Excellance, während sich Gitarrist Joey eher zurück hielt, dann aber auch mal Burneransagen wie „You want some more? ... pay me!“ brachte. Sehr authentisch auch die Jack Daniels-Flasche auf dem Drumriser. Gegen Ende ihrer Show gabs beim „Blackriversong“ dann tatsächlich schunkelnde Fans bevor die Band mit dem Smasher „Back In The Days“ zum umjubelten Endspurt ansetzte.


Corvus Corax

17.20 Uhr (MS) CORVUS CORAX
Der eine oder andere hat sich beim Auftritt von CORVUS CORAX sicherlich gefragt ob er auf ein anderes Festival gebeamt wurde. Von Gitarren und Drums ist auf der Bühne nichts zusehen. Wo sonst das Schlagzeug stand waren nun zwei imposante Percussion-Aufbauten mit Schlaginstrumenten aus einer anderen und offensichtlich sehr Holz-dominierten Zeit. Statt Gitarren gaben Sackpfeifen den Ton an, teilweise bis zu vier gleichzeitig. Munter wechselte die Band zwischen Flöten, Sackpfeifen, Pauken, Schalmeien und seltsam anmutenden Streichinstrumenten hin und her, die in der Zwischenzeit stilecht in Bastkörben gelagert wurden. Solche Instrumente kann man natürlich nicht von der Stange kaufen, weshalb CORVUS CORAX, was übrigens die lateinische Bezeichnung für den Kolkraben ist, diese gleich selbst baut. Gesang gab es dabei nur selten zu hören, stattdessen dominierten die Blasinstrumente die von donnernden Percussions unterstütz wurden. Sowohl die Kleidung der Spielleute als auch ihre Ansagen machten den Anschein als stammen sie direkt aus dem Mittelalter. Das Publikum schien anfangs tatsächlich etwas irritiert zu sein, freundete sich jedoch sehr schnell mit der Band an und lies sich zum Tanzen, Klatschen und Schreien animieren, was das Festival quasi in einen mittelalterlichen Jahrmarkt verwandelte. Die gute Resonanz ist ein Beleg dafür, dass eine Band wie CORVUS CORAX und die Abwechslung die sie ins Lineup brachten eine echte Bereicherung für das Festival darstellte.


Thyrfing

18.10 Uhr (PS) THYRFING
Black Metal der etwas anderen Art boten am frühen Abend THYRFING aus Schweden. Zwar war die Truppe bemalt, jedoch nicht genretypisch in Schwarz/Weiß, sondern eher so als kehrten die Musiker gerade vom Tagebau zurück. Auch auf Nieten, Spikes und Leder verzichteten die Jungs und traten stattdessen in normalen Alltagsklamotten und Sneakers auf, was die Band irgendwie sympathisch machte. Lediglich Sänger Thomas Väänänen viel aus dem Rahmen und war mit reichlich Kunstblut beschmiert. Stilistisch ließen es THYRFING wesentlich gemächlicher angehen als die meisten Genrekollegen. Die Songs bewegten sich meist im groovigen Midtempo. Kontrastprogramm zu den fiesen Shouts von Väänänen bot der zweite Sänger mit seinen klaren Gesangsparts. Beim Publikum kam das überaus gut an wie ein sehr gut gefüllter Bühnenvorraum belegte.


Negative

18.55 Uhr (MS) NEGATIVE
Mit der Band brach die Stunde der pinken Hosen, großen Posen und der Stretchjeans an. Der Sänger punktete mit hautengen, strahlendweissen Hosen samt herunterhängenden Hosenträgern und der Figur eines zierlichen Mädchens, während sein Gitarrist offensichtlich Pink als das neue Schwarz auserkoren hatte und sogar eine vollrosa Gitarre spielte. Neben dem Drummer gabs ein weiteres Podest für den Keyboarder, der sich auch ordentlich ins Zeug legte, wie die gesamte Band überhaupt angetreten war um ordentlich das Haus zu rocken. Sänger Jonne Aaaron Liimatainen, Basser Anti und der Gitarrist auf der linken Seite, Larry Love, waren ständig auf der Bühne unterwegs, posten was das Zeug hielt und boten den fast komplett von der Damenwelt belegten ersten Reihen ordentlich was fürs Auge. Aber auch spielerisch konnte sich das durchaus sehen lassen. Die Band destillierte das Beste von GUNS’N’ROSES und H.I.M. zu ihrem ganz eigenen hochprozentigen Feuerwasser. Love sprang für eines seiner Soli sogar waghalsig von der Bühne auf die im Graben stehenden Bassboxen. Mitten im Set der Finnen wurde es dann Zeit für verstärkten Schirm-Einsatz, da sich die Himmelsschleusen wieder weit öffneten – worunter die Frisuren in den ersten Reihen zwar etwas litten, was aber nichts am Durchhaltewillen der Fans änderte. Die hielten ihren Helden tapfer und treu die Stange. Im hinteren Bereich lichteten sich die Reihen etwas, dafür wurde es unter den Standvordächern wieder enger. Die Band litt mit ihren Fans und man hatte den Eindruck, dass sie sich nur noch mehr ins Zeug legten und feuerten Hit um Hit in die Menge. Kurz vor dem letzten Song geriet das Ganze dann aber unfreiwillig zu einem „Miss-Wet-T-Shirt“-Contest als es plötzlich wie aus Kübeln schüttete.


Bloodflowerz

20.00 Uhr (PS) BLOODFLOWERZ
Ähnlich wie zuvor bei NEGATIVE trotzten im Anschluss auch vor der Pain Stage eine Menge tapferer und scheinbar wasserfester Anhänger dem Wetter und bereiteten den BLOODFLOWERZ einen herzlichen Empfang. Die Band ging hoch motiviert ins Rennen, hatte ihr neues Album „Dark Love Poems“ doch erst kürzlich das Licht der Welt erblickt und durchweg begeisterte Kritiken erhalten. Das Licht der Welt wird wohl auch bald das erste Kind von Sängerin Kirsten erblicken, die im deutlich schwangeren Zustand eine gewohnt charismatische Performance bot und von ihren Jungs an den Instrumenten solide durchs Set getragen wurde. Mit „Sajida’s Song“ startete man in ein smart gemischtes Set aus den Songs des neuen Albums, vergass aber auch nicht mit Songs wie der Bandhymne „Diabolic Angel“, „Ablaze“ und „Black Snake Sister“ Songs der vorigen Alben zu integrieren. Die ersten Reihen zeigten sich jedenfalls sehr textsicher und freuten sich besonders über die Extraportion Mittelalter zum Gothic Metal, die in Form von „Anthem For A Stranger“ und dessen eingeschliffenen Schalmeien verabreicht wurde. Höhepunkt der Show war die aktuelle Single „Damaged Promises“ und sowohl auf als auch vor der Bühne gab es nach der Show viele glückliche Gesichter.


Gamma Ray

20.50 Uhr (MS) GAMMA RAY
Nach dem bizarren „Bambi auf die Pain-Stage“-Zwischenspiel wurde der nächste Auftritt mit durchdringendem Sirenengeheul und GAMMA RAY-Chören der Fans eingeleitet. Als dann das Bühnenlicht anging sahen sich die Fans erst mal mit der atemberaubendsten Kulisse des Festivals konfrontiert, die Heavy Metal-Band hatte groß aufgefahren, denn das Auge isst ja schließlich mit. Das Hintergrundfüllende Backdrop mit dem Bandschriftzug war da noch nichts soo besonderes, eher schon die unzähligen Gitarrenboxen, die links, rechts und sogar vor dem Schlagzeugriser aufgetürmt waren und links und rechts noch von großen Motivwänden flankiert wurden. Fronter und (Ex-HELLOWEEN-) Legende Kai Hansen kam entsprechend schon mit einem fetten Grinsen auf die Bühne, genoss das Tosen des Publikums sichtlich und hatte für die folgende Show leichtes Spiel, die Fans frassen ihm quasi aus der Hand. Mit derart frenetischen Reaktionen hatten wohl die wenigsten gerechnet und man muss hier schon von einer Art heimlichem Headliner sprechen. Der einstündige Siegeszug zeigte die Band spielfreudig und humorvoll, man hatte sichtlich Spaß bei der Sache, zog auch in Sachen Posen sämtliche Register und als „Rebellion In Dreamland“ dann in den HELLOWEEN-Klassiker „I Want Out“ übergeleitet wurde, gab es kein Halten mehr für die Fans. Unzählige Arme reckten sich in den Nachthimmel und freuten sich zum Schluss noch über die Zugabe „Send Me A Sign“ nach der sich die Band an der Bühnenkante in den Armen lag und sich mehrmals vor dem Publikum verbeugte.


Unleashed

21.55 Uhr (PS) UNLEASHED
Mit UNLEASHED betraten die Mitbegründer der Viking Metal-Bewegung als Co-Headliner die Painstage und knallten nach einem stimmungsvollen Intro dem hungrigen Publikum direkt den Kracher „Never Ending Hate“ vor den Latz. Der Anfang eines für viele Fans sicherlich zu kurzen Sets, welches sich jedoch ausschließlich aus Höhepunkten der Bandgeschichte zusammensetzte: neue Songs nach der Reunion standen gleichberechtigt neben älteren Krachern. Frontmann Johnny Hedlund feuerte seine Warrior, wie er das Publikum nannte, mit genau den richtigen Worten an und prostet ihnen zu. „Death Metal Victory“, so heißt nicht nur der Hit der Schweden sondern steht auch stellvertretend für ihren Auftritt. Entfesselte Headbanger so weit das Auge reicht. Als Belohnung gaben UNLEASHED einen brandneuen Song vom kommenden Album zum Besten, der ebenfalls wohlwollend aufgenommen wurde. Nach dem letzen Song „Into Glory Ride“ wurde die Truppe dann noch für eine Zugabe zurückgepfiffen.


Fear Factory

22.45 Uhr (MS) FEAR FACTORY
Auf diesen Abschluss hatten viele Fans seit Tagen gewartet. Die mächtigen FEAR FACTORY beehrten das Summer Breeze. Ihren Auftritt läuteten die Amis mit IRON MAIDEN´s „Number Of The Beast“ ein. Die Anzahl der Boxen auf der Bühne konnte zwar nicht ganz mit der von GAMMA RAY mithalten, bildete aber nichtsdestotrotz ein imposantes Bühnenbild. Selbstbewusst wählte die Band „540,000 Degrees Fahrenheit“ und „Transgression“ vom aktuellen Album als Einstieg ins Set. „Shock“ war dann der erste Song aus der Zeit als Dino Cazares noch Mitglied in der Band war. Auch die Klassiker kamen keineswegs zu kurz und sowohl die Hits von „Demanufacture“ als auch von „Soul A New Machine“ wurden in der Mitte des Sets zelebriert. Bevor die Band mit dem obligatorischen „Replica“ das reguläre Set beendete gaben sie „Linchpin“ vom „Digimortal“-Album zum Besten, der seit 2001 zum ersten Mal auf einer deutschen Bühne gespielt wurde. Der Sound bot keinerlei Anlass für Kritik und ballerte amtlich. Das Quartett war spürbar in Spiellaune und insbesondere Frontmann Burton C. Bell war stimmlich voll auf der Höhe. Dies belegte er bei der Zugabe „Timelessness“ die er vollkommen alleine zu eingespielten Samples darbot. Kleinere technische Probleme mit der Gitarre wurden professionell und schnell gelöst. Ein wahrlich würdiger Headliner, der seiner Rolle voll gerecht wurde.


My dying Bride

0.10 Uhr (PS) MY DYING BRIDE
Eine passendere Band um dieses dreitägige Fest angemessener ausklingen zu lassen, wäre wohl kaum zu finden gewesen. Die Briten MY DYING BRIDE wurden seit Jahr und Tag sehnlichst von den Fans auf dieses Festival gewünscht und jetzt ist es nun endlich wahr geworden. Die melancholischen Deather pendelten gekonnt zwischen ruhigen, fast schon sphärischen Passagen und Death Metal-Parts. Ihr Hohepriester am Mikro, Aaron Stainthorpe, zog mit seiner düsteren Erscheinung die Blicke auf sich: hochgewachsen, hager, bis auf weisse Manschetten und einem ebensolchen Kragen an seinem Hemd ganz in schwarz gekleidet und mit seinem nachtschwarzen Harr und Spitzbart erinnerte er latent an Rasputin. Er gab sich völlig der Musik hin, gestikulierte mit seinen mit blutroten Ornamenten bedeckten Händen, warf sich auf die Knie und wälzte sich beim Durchleben der Songs gar auf dem Boden. Die kleine Keyboarderin im Rüschenröckchen werden viele im Bühnenhintergrund neben dem Schlagzeuger kaum bemerkt haben. Sänger Aaron konnte sich blindlings auf seine fehlerfrei agierenden Musiker verlassen und dieser Auftritt liess bis auf die Dauer wohl wenig zu wünschen übrig. Zwar konzentrierte man sich auf die neueren Alben, die Show war aber an Intensität kaum zu überbieten und besonders das abschliessende „Forever People“ sorgte für Gänsehaut galore. Der perfekte Ausklang für drei tolle Tage eben. See you next year!


Das Festivalgelände
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