Rückblick 2007

Da beobachtet man den Countdown auf der Homepage monatelang sehnsüchtig, zählt Monate, Wochen, Tage und irgendwann dann auch mal Stunden bis es endlich wieder losgeht und "unsere 5. Jahreszeit" anbricht und so quälend langsam einem der Countdown übers Jahr oft erscheint, umso schneller scheint die Zeit dann am eigentlichen Festival zu vergehen. Uns geht das da nicht anders, auch in Bezug auf das 10-jährige Jubiläum, das wir dieses Jahr mit Euch gefeiert haben, ist die Zeit nur so an uns vorbeigeflogen. Nachdem wir 2006 erste Erfahrungen mit dem neuen Gelände sammeln konnten, wurde für dieses Jahr einiges optimiert und bis auf den Wolkenbruch am Donnerstag, der die Anreise an dem Tag ordentlich erschwert hat, ist unser Plan auch weitestgehend aufgegangen: es wurde weidlich gefeiert, sowohl mit den Bands als auch auf dem Campingplatz und das Feuerwerk war dann der perfekte Schlusspunkt! Auch das neue Partyzelt wurde mit offenen Armen aufgenommen und nachdem im letzten Jahr ja Bambi bei uns geboren wurde, war das natürlich auch dieses Jahr wieder dabei. Herrlich dass wieder neue Kuriositäten wie beispielsweise das Krautsurfen (einfach mal bei youtube.com suchen, falls Euch das jetzt nichts sagen sollte!) entstanden sind. Bei den Bands gabs natürlich wieder das gewohnte Bild von würdigen, oder zumindest heiß diskutierten Headlinern, handfeste Überraschungen in Form von eher unbekannten Bands, die nur wenige auf der Rechnung hatten und auch die ein oder andere Band, die leider nicht so überzeugt hat. Für 2008 wird schon wieder fleißig am Lineup und auch an der ein oder anderen Verbesserung gefeilt, viel Spaß beim Lesen, man sieht sich 2008!

Mittwoch 15.08.2007

Breschdleng

16.00 (PZ) BRESCHDLENG
(Hardcore)Metal mit schwäbischen Texten, so was gibts tatsächlich! Die Überraschung war groß, dass sich Backnangs Finest tatsächlich für den Newcomer Stage Contest qualifiziert haben, sie rechtfertigten diese Wahl aber ab der ersten Minute mit einem furiosen Auftritt. Zahlreiche Fans waren angetreten um die Erdbeerrocker (für Nichtschwaben: der Bandname ist der regionale Ausdruck für Erdbeere) nach allen Regeln der Kunst abzufeiern. Und offensichtlich hat es auch vielen Zuschauern gefallen, die zum ersten Mal auf die Band trafen, denn der Applaus und das Geschrei wurden von Song zu Song frenetischer. Trotz der knappen Spielzeit von gerade mal 25 Minuten fand Fronter Wolf tatsächlich noch Zeit für seine charakteristischen Ansagen, Beispiel gefällig? „Drei Sachen: 1. Danke Summer Breeze!, 2. Heizung aus! Und 3. Lebenslänglich für Kinderficker!“ Um letzteres gings nämlich im folgenden Song „Schwarzer Mann“. Natürlich fehlten auch Hits wie „Seiferts Fritz“ oder „Psychedelic Rostbraten“ nicht, bei letzterem kam es dann tatsächlich zu „Roschdbrada“-Chören. Diese Show wird wohl für viele unvergesslich bleiben!


Unblest

16.35 (PZ) UNBLEST
Bei Monty Python hätte es wohl geheißen „And Now For Something Completely Different!“, krasser Stilwechsel war angesagt, als die Vier von Unblest loslegten. Alles offensichtlich sehr gute Musiker und ein ebensolcher Sänger – kein Wunder auch bei drei Musikstudenten in der Band – gings bei ihnen meist wesentlich ruhiger zu (mit dem dritten Song „Dead Summer“ hatten sie sogar eine balladeske Nummer im Programm), auch wenn sie immer wieder mal heftigere Passagen einstreuten. Ihr Modern Rock wurde deutlich vom ausdrucksstarken Gesang von Julian Schmit getragen, der sich auch gut in der Frontmannrolle machte, Kontakt mit dem Publikum suchte und auch deutliche Worte fand, wenn das mal etwas behäbig reagierte. Drummer Timo Brouwers war schon vor dem Auftritt reichlich angespannt im Backstagebereich am Rumtigern, jonglierte kunstvoll mit seinen Sticks und zeigte sich auch beim Auftritt selbst sehr versiert. Trotz offensichtlicher Qualitäten war der Platz vor der Bühne leider nur sehr spärlich gefüllt. Vielleicht waren die Mönchengladbacher ja einfach die falsche Band fürs heutige Publikum...


Might of Lilith

17.10 (PZ) MIGHT OF LILITH
Die Fans der härteren Gangart hatten lange genug auf heftige Kost warten müssen und begrüßten die Stuttgarter Might Of Lilith umso euphorischer, als die mit dem atmosphärischen Intro “Prelude To Perdition” in ihr Set starteten. Bis auf Sänger Michael Introini standen die Musiker anfangs allesamt mit dem Rücken zum Publikum, bevor sie dann „Pandoras Box“ öffneten und die Black Metal-Fans ihnen in der Folge quasi aus der Hand fraßen. Es herrschte jedenfalls ordentlich Andrang im Partyzelt und die Band legte sich dementsprechend mächtig ins Zeug. Wer Haare hatte, schüttelte diese, besonders Sänger Michael und Bassist Robert bewegten sich auch viel und selbst die etwas im Bühnenhintergrund positionierte Keyboarderin Anna Leis gab sich ganz dem Sound hin, bangte hier und da, spielte aber auch viele Passagen mit geschlossenen Augen. Drummer Mats Kurth passte zwar rein optisch nicht so recht ins Gesamtbild, hielt das Ganze aber mit seinem präzisen Spiel zusammen und wirkte stellenweise schon fast maschinenlike. Unter tosendem Applaus und lautstarken Zugaberufen verabschiedete sich die Band schließlich.


Stitch

17.45 (PZ) STITCH
Hier war von Anfang an zu sehen, dass die Band es wissen wollte. Die brannten förmlich und waren dank Sendersystemen an den Gitarren fast nonstop unterwegs auf der Bühne. Stilistisch und von der Intensität her wohl am ehesten mit Slipknot zu vergleichen, hüpften und moshten sie sich einen ab und peitschten das Publikum immer wieder auf und rissen mit jedem der fünf gespielten Songs mehr Leute mit. Was sich dann auch deutlich manifestierte indem es hier den ersten Circlepit des noch jungen Festivals gab. Es war kaum auszumachen, wer da im Endeffekt mehr schwitzte, das Publikum oder die Fünf auf der Bühne. Sänger Moe bediente trotz immensem Laufpensum nebenher auch noch geschickt mit seinen Füßen ein Effektpedal für seinen Gesang und Drummer Henne (sic!) sah irgendwie aus wie ein entfesselter Onkel Fester, bei dem man ständig Sorge haben musste, dass er das von der Backlinefirma gestellte Schlagzeug zu Klump schlägt, so heftig hat der auf die Kessel eingedroschen! Als krönenden Abschluss gabs „Fuck The Pain“ von ihrer aktuellen 3-Track-EP.


Karma.Connect

18.20 (PZ) KARMA.CONNECT
Erneut ein krasser Wechsel von energetischem „Auf die Fresse“-Sound zu modernen Rockklängen. Und man hätte wohl vermuten können, dass auch Karma.Connect mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben würden, wie Unblest vor ihnen, aber die drei Musiker um die charismatische Sängerin Carmen Rodriguez sahen dann doch deutlich mehr Sonne. Sah es anfänglich so aus, als ob nicht allzuviele der Zuschauer auf den modernen Rock-Crossoversound der Band einsteigen würden, so erarbeiteten die sich nach und nach mehr und mehr Gegenliebe. Ab dem Opener „Time Is My Enemy“ von ihrer gleichnamigen EP aus dem letzten Jahr ging es stetig bergauf, bis der Raum vor der Bühne ansehnlich bevölkert war und auch einiges an Reaktionen aus dem Publikum zurückkam. Carmens unnachahmlich offensive Art auf das Publikum ein- und zuzugehen (sie sprang teilweise in den Graben, suchte den direkten Kontakt und sang auf der Absperrung stehend ins Publikum) brach das Eis. Hier und da gabs sogar spanische Textpassagen und gesanglich wurde Carmen auch noch kompetent von Bassist Stefan Schoch unterstützt.


Last one dying

18.55 (PZ) LAST ONE DYING
Die Kölner Metalcore-Abrissbirne ging mit viel Selbstvertrauen als letzte im Reigen der Newcomerbands auf die Bühne. Kein Wunder, verbergen sich hinter den teilweise recht obskuren Pseudonymen auf ihrer Myspace-Seite doch erfahrene Mucker von Bands wie etwa Days In Grief oder auch Circle Of Grin. Schon rein optisch wirkte das in komplett schwarzer Garderobe wie aus einem Guss und auch spielerisch war die Band mehr als nur tight. Sänger Jan wechselte schlafwandlerisch souverän von kräftigen, derben Shouts zu glasklaren melodischen, streckenweise hymnischen Passagen und wurde dabei noch perfekt vom Drummer mit Backupvocals unterstützt. Beim Publikum rannten die Fünf mit ihrem angesagten Metalcore-Sound à la Killswitch Engage offene Türen ein und erreichten streckenweise annährend vergleichbare Resonanzen wie Stitch. Die Jungs waren so motiviert, dass sie wie wild auf der Bühne rumkreuzten und dabei wohl vergessen haben, dass sie ja alle Kabel hinter sich herzogen... Zitat von Sänger Jan: „Hier auf der Bühne ist jetzt erst Mal Heavy Metal-Gummitwist angesagt, aber dann geht das gleich weiter!“


Justice

20.00 (PZ) JUSTICE
Nach einer etwas längeren Umbaupause als zwischen den Newcomerbands am Nachmittag und frühen Abend, hieß es pünktlich zur besten Tagesschauzeit „And Justice For All!“. Judas Priests „Painkiller“ eröffnete den Tanz der Lokalmatadoren durch ihr vierstündiges Coverset (am Samstag sind sie ja dann auch auf der Hauptbühne zu sehen, dort dann allerdings ausschließlich mit Eigenkompositionen). Die erfahrenen Mucker hatten links und rechts vom Drumkit jeweils Symbole (den ersten und letzten Buchstaben ihres Logos) drapiert und profitierten von einer ausgeklügelten Lightshow mit ordentlich Stroboskopeinsatz. Coverbands werden von der Presse ja gerne mal als unkreative Dienstleister belächelt, die fünf Franken fallen, wenn überhaupt, nur teilweise in diese Kategorie. Denn einerseits haben sie mit u.a. Slayer, Pantera und Slipknot ein deutlich härteres Programm als ihre Kollegen und andererseits streuen sie bei ihren Auftritten auch immer wieder Eigenkompositionen ein. Nachdem vorher schon Sepulturas „Roots“ mit entsprechender Ansage präsentiert wurde, gabs mit einem Verweis auf die Donnerstags-Headliner Amon Amarth zum Abschluss einer vom Publikum vom ersten bis zum letzten Ton abgefeierten Show den Hammersong „Death In Fire“ der Viking Metal-Helden. Interessantes Detail am Rande: Justice spielen ansonsten durchaus noch länger, machen dabei aber dann auch regelmäßig Pausen um u.a. das während der Show getrunkene Bier wieder „abzulassen“, das wurde beim Nonstop-Breeze-Auftritt zumindest vom Bassisten kreativ gelöst!


Powerwolf

00.30 (PZ) POWERWOLF
Mit “We Take It From The Living” startete die deutsch/”rumänische” Band, die ja bereits 2005 auf dem Breeze gespielt hatte, furios und gewohnt hymnisch in ihr nächtliches Dreiviertelstunden-Set. Das Zelt war quasi voll bis unters Dach und die Band genoss die überschwänglichen Publikumsreaktionen sichtlich, sowohl Sänger Attila Dorn als auch sein Keyboarder waren von der ersten Minute an dabei das Publikum zu animieren. Die Band erschien für die ersten Songs komplett in knielangen, schwarzen Mänteln mit großen Messingknöpfen und war zudem blass geschminkt. Optische Effekte wurden mit einem großen Backdrop und zwei den Drumriser umrahmenden Stellwänden im Albumdesign, die dann auch noch blutrot angestrahlt wurden, gesetzt. Die Band feuerte eine bunte Mischung aus Hymnen ihrer beiden Alben in die Meute, spielte u.a. „Kiss Of The Kobraking“, „Mister Sinister“ und schlossen das reguläre Set mit dem Titeltrack ihres aktuellen Albums „Lupus Dei“ ab. Hier erschien der Frontmann Dorn in Priesterkluft samt großem Kreuz und segnete das Publikum. Nach nicht abbrechenden Zugaberufen bekam die Meute dann tatsächlich noch einen Song Nachschlag. Wenn jetzt noch Vollmond gewesen wäre, wärs perfekt gewesen, aber die Fans gaben sich alle Mühe und heulten auch so mehrmals kollektiv den Mond an!


Impious

01.45 (PZ) IMPIOUS
Nach halbstündiger Umbaupause wars dann Zeit für die letzte Band des Tages. Die Schweden Impious boten trotz später Stunde dann aber keinesfalls Schlaflieder und auch das Publikum war noch erstaunlich wach und stieg voll auf den Death Thrash der Nordmänner ein. Auch Impious sind sozusagen „Wiederholungstäter“ und waren schon 2005 auf dem Summer Breeze zu Gast. Die Band zeigte sich sympathisch und sehr spielfreudig, besonders die beiden Gitarristen und der mit einem schicken Fünfsaiter bewaffnete Basser Erik Peterson legten sich bereits beim Opener „The Confession“ ihres aktuellen Albums „Holy Murder Masquerade“ voll ins Zeug. Nach dieser fetten Show mit einem satten Dutzend Riff-Brechern querbeet durch die seitherigen Alben, dürften sich viele aus dem Publikum auf die geplante Europatour im Herbst freuen! Zum Abschied und quasi zur guten Nacht gabs dann „Death On Floor 44“ – Sweet Dreams Summer Breeze!


Donnerstag 16.08.2007

Stitch

13.00 (PS) STITCH
Die frühen Vögel und frisch gekürten Newcomer Stage Contest-Gewinner von Stitch waren angetreten um den Wurm in Form der Gunst des Publikums zu fangen. Obwohl die Ravensburger ihren Sieg am Vortag sicher noch weidlich gefeiert haben, wirkten sie fast wie aus dem Ei gepellt, Gitarrist Freddy hatte über Nacht aufgrund einer Wette sogar seine langen Haare gegen eine Fleischmütze eingetauscht – da hat wohl jemand nicht wirklich mit dem Sieg seiner Band gerechnet... Die ihnen zugestandenen 20 Minuten Spielzeit nutzte die Band jedenfalls optimal und animierte das Publikum permanent zum Mitmachen, was dann beim vorletzten Song „Code Red“ tatsächlich schon mit dem ersten Pit des Tages belohnt wurde, bevor sie dann mit „Fuck The Pain“ auf die Zielgerade einbogen.


Swallow the Sun

13.25 (MS) SWALLOW THE SUN
Melancholischer Gothic Metal mit starker Doomschlagseite gehört eigentlich nicht unter Tageslichtbestrahlung, aber der Wind und die tiefstehenden Wolken waren auch eine halbwegs adäquate Kulisse für den Auftritt der Finnen Swallow The Sun. Die hatten wohl anfangs etwas Probleme in Stimmung zu kommen, spätestens beim zweiten Song „Out Of This Gloomy Light“ von ihrem ersten Album hatte sich der Finnen-Sixpack dann warmgespielt und dem stetig zunehmenden Applaus zwischen den Songs nach zu urteilen gefiels auch dem Publikum - und das obwohl das Material teilweise recht komplex und jenseits der Siebenminutengrenze lag. Mit „Don’t Fall Asleep“ legten sie im Anschluss einen der eingängigsten Songs ihres aktuellen Albums „Hope“ nach und während Sänger Miko Kotamäki wie an seinem Mikroständer festgeklebt wirkte und oft mit geschlossenen Augen sang, bemühten sich seine Mitstreiter mit synchronem Bangen und einem etwas größeren Bewegungsradius um optische Akzente. Nach „Swallow“ vom Debut war ihre halbe Stunde Spielzeit dann auch schon wieder vorbei, mehr gibt’s auf der Deutschlandtour im November!


Fear my throughts

14.00 (PS) FEAR MY THOUGHTS
Nach den Newcomern waren die Freiburger Fear My Thoughts an der Reihe, die zu diesem Zeitpunkt schon überraschend zahlreichen Besucher vor der Pain Stage aufzumischen. Der Fünfer vergeudete keine Zeit und legte direkt mit fetten Moshbrettern von ihrem neuen Album „Vulcanus“ los. Die Mischung aus Metalcore und Death Metal war genau das Richtige, um zu diesem Zeitpunkt die Gehörgänge durchzupusten. Die Fans nahmen den aggressiven Sound der sympathischen Badener positiv auf und bildeten immer größere Circle Pits und initiierten sogar selbst eine stattliche Wall Of Death. Sänger Matthias, der hier eine seiner letzten Shows mit der Band spielte, forderte ganz Bruce Dickinson like „Scream For Me, Summer Breeze!“, was mit lautstarken Schreien quittiert wurde. Ob er noch einen Schlafplatz gefunden hat, bleibt offen, sicher ist aber, dass die Band mit ihrem Auftritt bereits einen frühen Tageshöhepunkt gesetzt hat.


Immolation

14.35 (MS) IMMOLATION
Auf der Main Stage gab es dann ein gefundenes Fressen für Freunde des Old-School-Death Metals. Das reformierte Szene Urgestein Immolation aus New York gab sich die Ehre und bolzte mit ihrem massiven Death Metal alles in Grund und Boden. Die Band bot ein Best-of Set aus ihren, mittlerweile teilweise schon 15 Jahre alten, Alben. Mit „World Agony“ gab es sogar bereits einen Vorgeschmack auf ihr kommendes Album. Im Publikum gab es etliche rotierende Mähnen zu sehen. Der überaus sympathische Frontmann bedankte sich zwischen jedem der überaus brutalen Songs für die positiven Reaktionen beim Publikum. Das Alter der Protagonisten war dem energischen Auftritt zu keiner Zeit anzumerken. Ein willkommenes Comeback.


Lacrimas Profundere

15.15 (PS) LACRIMAS PROFUNDERE
Eigentlich unpassenderweise, aber zur Freude aller Anwesenden, ließ sich während des Auftritts der Düsterrocker von Lacrimas Profundere tatsächlich kurz die Sonne blicken. Die Band, die gut als eine Mischung aus Type O Negative, Sisters Of Mercy und HIM durchgeht, sorgte insbesondere bei den weiblichen Gästen für Verzückungen, wie die hohe weibliche Präsenz in der ersten Reihe belegte. Heftige Moshpits blieben aus, was aber eher durch den Sound der Truppe begründet war. Dafür hingen nicht wenige textsichere Fans an den Lippen des Frontmanns Peter Kafka. Pünktlich zum Ende des Auftritts verzog sich dann auch die Sonne wieder. Verkehrte Welt.


After Forever

15.55 (MS) AFTER FOREVER
Die Holländer um die herausragende Sängerin Floor Jansen sind auch keine Neulinge auf dem Breeze, 2002 waren sie schon einmal dabei. Mittlerweile sind sie in den Beneluxstaaten schon fast Superstars und auch östlich des Rheins steigt ihre Beliebtheit permanent. Ihr hymnisch-epischer Metal trifft offensichtlich den Nerv der Fans und die leidenschaftliche Liveperformance tut da ein übriges. Ungewöhnlich auch der Bühnenaufbau: der Drummer war nicht im Zentrum, sondern teilte sich den Platz mit einem weiteren Riser, auf dem Keyboarder Joost agierte. Für Abwechslung war zudem durch die immer wieder eingeschobenen derberen Passagen mit Shouter am Mikro gesorgt. Die ohnehin hervorragende Stimmung im Publikum wurde durch die Ansage eines besonderen Gastes beim Song „Who I Am“ noch zusätzlich gesteigert, denn für den Song vom aktuellen, selbstbetitelten Album gesellte sich niemand Geringeres als Metal-Röhre Doro Pesch an die Seite von Floor. Was an sich ja schon ein Bild für die Götter war, denn Frau Pesch war selbst mit mindestens zehn Zentimeter hohen Absätzen noch locker nen Kopf kleiner als die Holländerin. Das Duett war das Sahnehäubchen auf einem exzellenten Gig, dem auch der Wettergott freundlich gesonnen war, da währenddessen kein Tropfen Regen fiel, wenn im Publikum also jemand nass war, dann war das Schweiß vom Abfeiern!


Krypteria

16.35 (PS) KRYPTERIA
Die eine charismatische Frontfrau gab der nächsten quasi die Klinke in die Hand, denn auf der Painstage stand für die nächsten 40 Minuten die quirlige Koreanerin Ji-In im Rampenlicht. Kometengleich ist diese Formation in gerade mal drei Jahren in die oberen Regionen der Fangunst geschossen und das, obwohl die Luft dort neben Konkurrenten wie Nightwish und Evanescence ohnehin schon recht dünn ist. Wenn man aber ihren Auftritt beim Breeze miterlebt hat, dann ist ihr Erfolg auch nicht wirklich verwunderlich. Unter Spielfreude steht im Lexikon nämlich höchstwahrscheinlich der Name der Band ganz weit oben, denn Ji-In und ihre Mannen legten sich so was von ins Zeug, gerade Drummer Michael ist ein Poser vor dem Herrn und kam aus dem Stickjonglieren und Grimassenschneiden gar nicht mehr raus. Beim garstigen Wind hüllte sich die Sängerin anfangs noch in einen langen Ledermantel, nach dem dritten Song warf sie den aber von sich, was ihre lasziven Posen natürlich noch sehenswerter machte – sie hatte nur ein löchriges, rotes Lederkorsettchen drunter! Auch stimmlich wurde sie von ihren Mitmusikern dank Headsetmikros ordentlich unterstützt. Höhepunkt ihres Auftritts waren die beiden abschließenden Songs „Somebody Save Me“ und „I Can’t Breathe“.


Rage

17.20 (MS) RAGE
Aller guten Dinge sind drei haben sich Fronter Peavy und seine Kollegen wohl gedacht und treten zum zehnjährigen Jubiläum bereits das dritte Mal beim Breeze an. Wobei es zumindest für den neuen Drummer Andre Hilgers, der Mike Terrana ersetzte, eine Premiere war. Nach zwei Bands mit Frauen am Mikro und anderer stilistischen Ausrichtung, wurde das Trio und sein eingängiger Heavy Metal ab der ersten Sekunde begeistert gefeiert. Der neue Drummer ist offensichtlich schon optimal integriert, denn die Bandmaschine lief wie geschmiert und nahm schnell Fahrt auf — trotzdem da auf der riesigen Hauptbühne „nur“ drei Mannen am Rocken waren! Außer einem großen Backdrop und identisch bespannten Gitarrenboxen hatte man auf Aufbauten komplett verzichtet. Die Begeisterung schwappte schnell bis an den FOH-Turm und in den vorderen Reihen waren gleich mehrere griechische Fahnen auszumachen – da hat jemand mal wirklich eine weite Anreise auf sich genommen um seine Helden zu sehen! Bei dem großen Repertoire der Band (immerhin ist man seit 1985 aktiv!) ist ein 45minütiger Auftritt für DieHard-Fans natürlich kaum befriedigend, es fanden aber tatsächlich auch ein paar „Oldies“ wie z.B. „Black In Mind“ ihren Weg ins Set. In den letzten zehn Minuten brannte die Combo dann ein regelrechtes Hitfeuerwerk ab, auf „Higher Than The Sky“ folgte der „Schuh des Manitu“-Hit „Straight To Hell“ – bei dem es dann leider anfing zu schütten – was aber schon fast als willkommene Abkühlung bei den Fans ankam!


The black Dahilia murder

18.10 (PS) THE BLACK DAHLIA MURDER
Wie man an den zahlreichen Shirts im Publikum ablesen konnte, wurden The Black Dahlia Murder von nicht wenigen Gästen heiß erwartet. Entsprechend gut gefüllt war der Vorraum der Pain Stage, als die Jungs aus Detroit zu majestätischen Intro-Klängen die Bühne betraten. Neben dem neuen Mann an der Schießbude fiel vor allem die Veränderung die Shouter Trevor seit der letzten Tour in Europa durchgemacht hat, auf. Die Haare sind länger geworden und die dicke Hornbrille hat er im Bus gelassen. Vielleicht war seine Sehschwäche auch an der schrecklichen roten Hose schuld, die er trug. Musikalisch ließ die Band natürlich überhaupt nichts anbrennen und ballerte dem Summer Breeze die derbe Vollbedienung aus Death-Metal, Mathcore und Grindcore um die Ohren. Hochtechnisch, präzise wie ein Uhrwerk und vor allem ultrabrutal. Im Publikum waren wieder Pits sowie zahlreiche moshende Häupter zu sehen. Die Forderung der Band nach einer Wall Of Death wurde vom Publikum dann aber doch nicht nachgekommen. Trotzdem ein fetter Auftritt.


Doro

19.00 (MS) DORO
Doro Pesch ist unbestreitbar die Queen des deutschen Metals. Seit über zwanzig Jahren ist ihre Rockröhre nicht mehr aus der Metalwelt wegzudenken, ob mit Warlock oder Solo. Auch beim Breeze waren zahlreiche Fans wegen ihr gekommen und sie sollten nicht enttäuscht werden. Ganz in schwarzem Leder gab die Rocklady ein Best-of Programm ihres bisherigen Schaffens wieder. Dabei waren sowohl härtere Headbanger-Songs als auch bodenständiger Rock, natürlich wurden hier und da dann auch sanftere, mit Keyboards unterlegte Töne angestimmt. Wer dachte, sie gehöre inzwischen zum alten Eisen, wurde wahrlich eines Besseren belehrt. Die Dame und ihre Band rocken immer noch gewaltig. Das Judas Priest Cover „Breaking The Law“ wurde genauso abgefeiert wie der Klassiker „Für Immer“ und natürlich der Überhit „All We Are“. Sogar zu einer Zugabe ließ sich Doro noch überreden, bevor sie dann endgültig die Bühne räumte.


Suffocation

20.05 (PS) SUFFOCATION
Death Metal der alten Schule zum Zweiten. Nach Immolation trat mit Suffocation eine weitere Band aus New York ihren Siegeszug auf dem Breeze an. Sie gilt zusammen mit Bands wie Obituary oder Morbid Angel als eine der wichtigsten US-Death Metal Bands der ersten Stunde. Die unglaubliche Raserei und Aggression, welche die Herren an den Tag legten, war von Nichts und Niemandem zu stoppen. Drummer Mike Smith zählt wohl zu den beeindruckendsten Vertretern seiner Zunft überhaupt und machte seinem legendären Ruf mit extremer Schlagzeugakrobatik alle Ehre. Shouter Frank Mullen erzählte in den Pausen gern mal augenzwinkernd von seinem Hobby als Massenmörder, machte ansonsten aber einen sehr sympathischen Eindruck. Die Jungs hatten sichtlich Spaß an der Show und auch das Publikum ließ wohlwollend die Matten kreisen.


Nevermore

20.55 (MS) NEVERMORE
Reichlich Verwirrung gab's zu Beginn der Nevermore-Show auf der Hauptbühne. Wer ist der Kerl mit dem roten 5Saiterbass um den Bauch? Und wo ist der blonde Frontmann der Band? Als sich dann ein dunkelhaariger Mensch mit Basecap das Mikro griff und die Band zum ersten Song ansetzte, war dank der unverwechselbaren Stimme recht schnell klar: der Mann mit dem Cap IST Warrel Dane! Der Typ mit dem Bass war aber mitnichten der etatmäßige Bassist Jim Sheppard, sondern ein Ersatzmann namens Tim. Zudem verzichtete die Band dann trotz quasi Co-Headlinerposition völlig auf ein Backdrop oder sonstige Dekoration und startete gegen 21 Uhr ganz nach dem Motto „Let The Music Do The Talking“ mit „Medicated Nation“ und „I, Voyager“ in ihr Set. Zu einer Ansage ließ sich der Fronter erst nach diesem Eröffnungsdoppelpack hinreißen, bevor es dann auch schon mit der ruhigeren Nummer „Who Decides?“ vom „Enemies Of Reality“-Album weiterging. Warrel legte während der Show wohl mehrere hundert Meter auf der Bühne zurück, war dank Funkmikro ständig in Bewegung und tänzelte gestikulierend über die Bühne. Die Gitarristen zeigten sich auch sehr aktiv, nur Ersatzbasser Tim war etwas verhalten. Bereits in der ersten Hälfte ihres Auftritts gab's mit der Hymne „Born“ ein Highlight und das Publikum kam den mehrfachen Aufforderungen des Sängers auch bereitwillig nach und schickte mehr Crowdsurfer über die Köpfe in den Graben. Bei „Final Product“ nahm Dane dann auch erstmals seine Mütze ab, um ausgiebig die Haare kreisen zu lassen. Auch die Fans der ersten Stunde wurden gewürdigt, denn mit „Deconstruction“ und „No More Will“ fanden gleich zwei live selten gespielte Tracks vom 1999er-Album „Dreaming Neon Black“ ihren Weg auf die Setlist. Enttäuscht waren nach dieser fulminanten Show nur diejenigen, die auf wenigstens einen Sanctuary-Song gewartet haben...


Tanzwut

22.00 (PS) TANZWUT
Die erste Band mit deutlicher Verspätung, die übrigens nichts mit den ungewöhnlichen und umfangreichen Umbauten auf der Bühne zu tun hatte, startete schließlich dann doch mit einem J. S. Bach-Intro in ihr Set. Der Ausdruck “bunter Haufen” wurde wohl extra zum Beschreiben dieser Combo mitgeprägt. Es schien als hätte der Musikgott an einem arg kreativen Tag alles, was gerade so greifbar war, in seinen Mixer geschmissen, den dann eingeschaltet und heraus kamen Tanzwut. Da wurden Rammstein, ein gutes Pfund mittelalterlicher Instrumente wie Dudelsäcke, riesige Trommeln, Flöten etc., Choralgesänge, Technobeats, Kirchenorgeln und wer weiß was noch alles verwurstet. Und zudem wurde auch optisch einiges zusammengebracht, was an sich so nicht gemeinsam auf einer Bühne agiert: Einer der Dudelsackspieler sah auf seinen 20 cm-Absätzen, den Klamotten und mit der Schminke aus wie ne Dragqueen, andere trugen Militärlook samt Schaftstiefeln, wild geschminkt waren eh die meisten und der Sänger erinnerte mit seinen quietschpinken Teufelshörnchen etwas an The Prodigys Keith Flint. So eine Band polarisiert natürlich, legt es wohl auch gerade darauf an und so war das mal wieder ein typischer Fall von hassen oder lieben – bei den Massen vor der Bühne war das aber keine Frage, die feierten „ihre“ Band natürlich ab und wurden sogar mit einer Coverversion des Die Ärzte-Hits „Bitte, Bitte“ belohnt.


Amon Amarth

22.50 (MS) AMON AMARTH
Bereits nach dem Ende der Nevermore-Show war schon absehbar, dass sich hier etwas Besonderes anbahnte, die komplette Bühne wurde nämlich mittels eines schwarzen Vorhangs verhüllt, so dass das Publikum nicht sehen konnte was da vor sich ging. Mit einem atmosphärischen Wikingerhorn-Intro kündigte sich der Auftritt der Nordmänner an, mit einem infernalischen Knall fiel dann schließlich der Vorhang und wohl auch so manche Kinnlade im Publikum. Denn auf der Bühne stand tatsächlich ein riesiges Drachenboot, komplett mit riesigem Segel samt Bandemblem, das quasi ins Publikum schipperte. Am Bug mit erhobener Faust „Kapitän“ Johan Hegg, der gleichsam seine Band und das Publikum zum Opener „Valhall Awaits Me“ einpeitschte. Links und rechts neben dem Schiff standen Podeste, hinter denen mittels Palisaden eine Art Festung angedeutet wurde und seitlich waren zudem noch riesige Schilde aufgebockt. Die Menge fraß der Band von der ersten Sekunde aus der Hand und als ob die mächtige Bühnendeko nicht schon genug gewesen wäre, gab's jede Menge smart integrierte und getimte Pyroeffekte und als Krönung mehrere Auftritte der Jomswikinger, die sich in authentischen Rüstungen und Gewändern imposante Gefechte lieferten. Die Schweden wurden nicht umsonst auf die Poleposition der Bandwünsche fürs Jubiläumsfestival gewählt und spielten sich mit Hits wie „Pursuit Of Vikings“ oder „With Oden On Our Side“ in einen wahren Rausch. Beim Finale aus „Victorious March“ und „Death In Fire“ wurde pyrotechnisch noch mal Vollgas gegeben, so standen die Nüstern des Drachenkopfs in Flammen, es gab einen Feuerregen und auch die vielen Feuersäulen an der Bühnenkante und vor den Palisaden wurden nochmals effektvoll eingesetzt. Ein wahrer Siegeszug der Band mit reicher Beute in Form von völlig zufriedenen Zuschauern im Publikum, die noch lange nach dem Ende der Show lauthals nach einer Zugabe verlangten, die es aber leider nicht gab.


Dornenreich

00.10 (PS) DORNENREICH
Nach der Vollbedienung auf der Hauptbühne gings mit schwerer Kost auf der Pain Stage weiter. Was die Österreicher aus dem Dornenreich da zu später Stunde servierten, firmierte zwar unter dem Oberbegriff Black Metal, pushte die Grenzen des Genres aber ganz ordentlich um darin auch noch Klassikelemente, Streicher und Gesangspassagen eines Opernsängers unterzubringen. Zu Anfang ihres 50minütgen Sets war der Sound noch recht undefiniert, das legte sich dann aber nach kurzer Zeit. Die Band war komplett in schwarz gekleidet und unter der Regie der beiden Bandleader Eviga und Inve versuchten sie, dem Publikum ihre poetischen deutschen Texte und die avantgardistischen Kompositionen näherzubringen, Songtitel wie „Trauerbrandung“, „Grell und dunkel strömt das Leben“ und „Schwarz schaut tiefsten Lichterglanz“ sprechen da für sich. Teile des Publikums erwiesen sich als sehr textsicher und feierten die Band ab, so ein richtiges Headlinergefühl wollte sich aber leider nicht einstellen.


Deadlock

01.00 (PZ) DEADLOCK
Als Deadlock die Bühne im Partyzelt betraten, bereitete ihnen ein fast volles Zelt einen Empfang, der sich gewaschen hatte. Überraschend viele Fans waren nach einem langen Festivaltag noch hungrig auf Metalnachschlag. Den haben sie von der Band aus dem Osten Deutschlands auch bekommen. Souverän bot die Band ihre Songs dar. Dabei konzentrierten sich die Jungs und das Mädel vor allem auf die hitverdächtigen Songs vom aktuellen Album „Wolves“. Das Stageacting der Truppe war zwar recht zurückhaltend, doch Shouter Johannes und Sängerin Sabine machten das durch ihr Charisma wieder wett. Vor allem der weibliche Gesang in Verbindung mit dem brutalen Metalcore der Band setzte interessante Akzente.


Nightrage

01.50 (PZ) NIGHTRAGE
Als nächstes stand die schwedisch/griechische Band Nightrage auf dem Programm. Am Mikro gab sich ein neuer Frontmann die Ehre, der aber so eine überzeugende Performance ablieferte als würde er es schon sein ganzes Leben lang tun. Sowohl die heftigen Shouts und Grunts als auch der melodische Gesang waren absolut überzeugend. Der melodische Death-Metal mit Metalcore-Anleihen kam beim immer noch erstaunlich zahlreich anwesenden Publikum ebenfalls sehr gut an. Geboten wurde ein stimmiger Querschnitt aus allen drei Alben, wobei neuere Songs natürlich dominierten.


Fall of Serenity

02.40 (PZ) FALL OF SERENITY
„Hallo, wir sind Fall Of Serenity aus der DDR”, so begrüßte Fall Of Serenity Frontmann John das Partyzelt. So war sofort klar, von der Band ist außer ballerndem Metal auch reichlich Spaß zu erwarten. Den hatte die Band sichtlich und der Funke übertrug sich direkt aufs Publikum. Dort waren zwar schon erste Abwanderungserscheinungen in Richtung Schlafplatz wahrzunehmen, der bleibende Rest feierte aber umso ausgelassener. Fall Of Serenity gaben sich auf der Bühne äußerst bewegungsfreudig und vor allem Sänger John hüpfte wie ein tasmanischer Teufel über die Bühne. Zwischen den Songs gab es immer sympathische Ansagen, mit denen er das Publikum fest im Griff hatte. Ein weiterer Blickfang war Gitarrist Ferdinand, dessen Look wirkte als befänden wir uns mitten in den 80er Jahren. Turnschuhe, Stretch-Jeans, Patronengurt, Shirt in der Hose, das volle Programm. Auch die Posen der Band schrieen förmlich nach METAL. Der brutale Metalcore der Truppe gefiel dann aber sowohl Vollblut-Metallern als auch jüngeren Kids. Definitiv eine der Überraschungen des Tages!


War from a harlots mouth

03.30 (PZ) WAR FROM A HARLOTS MOUTH
Als WFAHM aus Berlin die Bühne betraten, hatte sich das Partyzelt schon deutlich geleert. Kein Wunder, es war schließlich schon sehr früh am Morgen. Doch die Berliner ließen sich davon nicht aus dem Konzept bringen und gaben dennoch die vollen 100%. Ihr vertrackter Mathcore/Grindcore mit Jazz-Einflüssen war sicherlich alles andere als leicht zu verdauen, doch die immense Energie, welche die Jungs an den Tag (bzw. Morgen) legten, war absolut beeindruckend. Wie von der Tarantel gestochen fegten die Jungs über die Bühne und bretterten dabei absolut präzise ihre wahnwitzigen Songs runter. Dabei wurden weder Material noch Körper geschont. Das noch anwesende Publikum hatte es wohl nicht bereut etwas weniger Schlaf zu bekommen. Ein Auftritt der für einige offene Münder gesorgt hatte. Nächstes Jahr dann bitte auf einer der Hauptbühnen.

 


Freitag 17.08.2007

Karkadan

11.00 (MS) KARKADAN
Die Jungs aus dem Stuttgarter Raum konnten ihren Auftritt beim Summer Breeze wohl kaum erwarten, denn zur Überraschung aller Anwesenden (inklusive der Bühnentechniker) legten sie mal eben einen Frühstart von ca. 10 Minuten hin. Was sich aber keinesfalls als Fehler herausstellte, denn was da aus den Boxen auf die Frühaufsteher zukam, war durchaus gelungen. Gleich der zweite Song war dann schon ein brandneuer. Die Band bezeichnet ihren Sound selbst als Black Heavy Metal, was aber an sich nicht sehr aussagekräftig ist. Sie ließ auf derbe Death Metal-Eruptionen immer wieder sehr schwelgerisch-melodische Passagen folgen und erinnert somit entfernt an Opeth. Auch der Groove wurde nicht vergessen. Ob's an der frühen Stunde lag oder an technischen Problemen, der Schlagzeuger war sich mit seiner Bass-Drum jedenfalls noch nicht so ganz grün; trotzdem: gelungener Auftritt!


Dagoba

11.30 (PS) DAGOBA
Bei den Openern auf der Painstage dürfte so manchem sein Frühstück im Hals stecken geblieben sein, denn gemütlich Käffchen schlürfen ging hier mal gar nicht! Die vier Franzosen knüppelten sich fast nonstop bangend durch ihre halbe Stunde Spielzeit und zogen mit ihrem derben Modern Metal schnell immer mehr des aufs Gelände strömenden Volks auf ihre Seite. Wie ihre Landsmänner von Gojira im Vorjahr war das wohl eine der Überraschungen des Festivals. Laut einer Ansage des Sängers Shawter war das das allererste Mal, dass die Band zu so früher Stunde aufgetreten ist – man möchte sich gar nicht vorstellen, was die Jungs erst fabrizieren, wenn sie ausgeschlafen und in den Abendstunden ans Werk gehen. Das Publikum stieg voll auf den Sound ein und gegen Ende gab es tatsächlich einen imposanten Circlepit, der bereits VOR dem letzten Song, also in der Pause zwischen zwei Songs, einsetzte!


Eluveitie

12.05 (MS) ELUVEITIE
Wer beim Anblick der Instrumente, die die achtköpfige Formation zu Beginn ihres Sets mit sich auf die Bühne trugen, automatisch in Richtung Mittelalter-Heiter-Hoppsassa-Sound kombinierte, wurde von den Eidgenossen flugs eines Besseren belehrt. Lauten, Flöten, Drehleiher und Dudelsäcke können auch mit nordischem Death Metal zusammengehen, im Fall von Eluveitie kamen da dann noch fette Gitarren und keltische und Folk-Einflüsse dazu. Die wilde Combo machte ganz schön was los, besonders die Brüder Sevan und Rafi Kirder zischten wie entfesselte Derwische über die Bühne. Beide waren sie fast komplett mit schicken und imposanten Tattoos tapeziert, dazu Vollbärte und lange, lockige Haare und Sevan trat auf imposante Weise den Beweis an, dass man tatsächlich gleichzeitig Piccoloflöte spielen und wie irr Headbangen kann. Ihre streckenweise hymnischen Songs waren offensichtlich ganz nach dem Geschmack des Publikums und man konnte richtiggehend sehen, wie die Band ihren Auftritt aufs Leidenschaftlichste genoss. Es gab mit dem Song „Slania“ sogar schon einen Vorgeschmack aufs im Dezember erscheinende neue Album. Sevan wusste auch, wie das Publikum aus der Reserve zu locken war, nach einer Aufforderung laut zu schreien, antwortete er „In den Niederlanden sind sie viel lauter als ihr!“ und erntete in der Folge ein um ein vielfach lauteres Gebrüll! Fantastischer Auftritt, auch und besonders wenn man den Platz im Lineup und die Uhrzeit den Publikumsreaktionen gegenüberstellt.


Koldbrann

12.40 (PS) KOLDBRANN
„Hallo, wir sind Koldbrann aus Norwegen!“, gar höflich stellten sie sich beim Start in ihren 30minütigen, von Brutalität geprägten, Auftritt vor. Los gings mit dem Track „Alt or befengt“, der auch ihr letztes Album „Moribund“ eröffnet. Die Fünf hatten sich auch ganz genretypisch liebevoll angemalt und detailverliebt mit Nieten ausstaffiert. So wie fieser norwegischer Blackmetal eben ursprünglich angedacht war und von puristischen Fans geliebt und verlangt wird. Problem war dabei einerseits, dass der Sound (absichtlich?) latent suboptimal war, der Schlagzeuger nicht gerade ein filigraner Techniker ist und vor allem die entsprechende Resonanz aus dem Publikum ausblieb. Es scheint wohl so, dass Black Metal-Fans gerne lange schlafen, denn außer in den ersten Reihen tat sich nicht viel im Publikum. Fronter Mannevond ließ sich davon aber nicht beeindrucken und bot mit seinen Mannen solide Black Metal-Kost zur frühen Stunde.


Illdisposed

13.15 (MS) ILLDISPOSED
Die Dänen von Illdisposed konnten bereits nachmittags ein stattliches Zuschauerheer rekrutieren. Ihr mörderisch groovender, moderner Death Metal war wohl genau das Richtige um nach der Mittagspause wieder beim Festivaltreiben mitzumischen. Die Band bot vor allem Songs ihrer letzten beiden Platten nach der Reunion, Fans der ersten Stunde wurden aber auch mit älterem Material belohnt. Shouter Bo, der mit perfektem Deutsch glänzte, war zu allerlei Späßchen aufgelegt und wertete ein schnödes Plektrum dadurch auf, dass er es sich durch die Unterhose zog. Das Publikum dankte es ihm mit gereckten Fäusten und forderte am Ende der Spielzeit lautstark nach einer Zugabe. Diesen Wunsch konnte die Band zwar leider aus Zeitgründen nicht mehr erfüllen, Shouter Bo ging aber tatsächlich noch mal raus und stimmte ein Trinklied an.


Disillusion

13.50 (PS) DISILLUSION
Metal auf David Lynch. So werden die vertrackten, künstlerischen Songs von Disillusion aus Leipzig gern beschrieben. Auf der Bühne wirkten die Songs der Band weit weniger vertrackt als auf Platte, im Gegenteil, sie rockten sogar amtlich. Trotzdem war der spannende Sound der Jungs und Mädels nicht unbedingt für wilde Moshpits geeignet. Seitdem sie wieder in kompletter Bandbesetzung auftreten (davor kam der Bass lange Zeit vom Band), ist das auch optisch interessant. Und wem die Bassistin Alla latent bekannt vorkam: als sie das letzte Mal beim Summer Breeze auf der Bühne stand, zupfte sie noch den Bass bei Peter Tägtgrens Pain-Projekt. Im Publikum waren aber zahlreiche gebannte Gesichter zu sehen, die vor allem dem glatzköpfigen Frontmann an den Lippen klebten. Selbst am frühen Mittag und bei Sonnenschein gelang es der Band eine dichte Atmosphäre zu schaffen. Disillusion sind ohne Frage eine außergewöhnliche Band, die sich als überraschend festivalkompatibel erwiesen hat.


Eisbrecher

14.25 (MS) EISBRECHER
Die großen Tage der sogenannten Neuen Deutschen Härte, die der Erfolg von Rammstein einst ausgelöst hatte, sind offensichtlich passé, und mit ihnen auch diverse Epigone, die mit auf der Erfolgswelle reiten wollten, mittlerweile aber abgesoffen sind. Eisbrecher, in deren Reihen sich mehrere ehemalige Megaherz-Mitglieder befinden, schippern aber munter weiter in diesen Gewässern und das auch mit einigem Erfolg – ihr letztes Album „Antikörper“ fand sich sogar in den Charts. Kein Wunder an sich, denn die Band kann was, und vor allem Stimmung machen und mitreißen. Was zu einem Großteil aufs Konto des smarten Hühnen am Mikro, Sänger Alexx Wesselsky, geht. Vor einem dreigeteilten Backdrop agierte er mit seinen komplett schwarz gewandeten Mannen souverän auf der Hauptbühne und hatte das Publikum schnell auf seiner Seite – auch wenn NDH nun nicht die vorherrschende Stilrichtung auf dem Festival ist. Im Gegensatz zum martialischen Aussehen (schwarz gefärbtes Tarnhemd mit Abzeichen, dazu schwarze Handschuhe und hohe, schwarze Stiefel) war der Fronter sehr fröhlich unterwegs, lachte viel und feuerte mehrere humorvolle Ansagen ins Volk. Mit dem letzten Song ließ sich das Publikum dann auch gerne als „Miststück“ bezeichnen, feierte die Band nochmals richtig ab und kuckte streckenweise etwas verdattert, als Alex am Schluß des Songs mal eben eine englische Rappassage integrierte, die aus dem Clawfinger-Song „Nigger“ stammte. Die 35 Minuten Spielzeit waren sowohl für die Leute auf als auch vor der Bühne wohl viel zu schnell vorbei.


Hevein

15.05 (PS) HEVEIN
Warum diese Band in Deutschland immer noch als eine Art Geheimtipp firmiert ist ein Rätsel. Im Gegensatz zu vielen anderen Bands haben sie etwas annähernd Eigenständiges geschaffen, kombinieren sie doch wuchtige Riffs mit viel Atmosphäre und melodisch, eingängige Refrains mit dem Schuss Klassik durch die hauseigene Streicherabteilung in Form des ehemaligen Apocalyptica-Cellisten Max Lilja und der Violinistin Aino Piipari. Die Band stellte sich nur leider durch selbstverschuldete technische Probleme, z.B. beim mitgebrachten Monitorsystem und der Stromversorgung der Cello-Effekte, selbst ein Bein, so dass sie leider nicht zur Höchstform auflaufen konnte. Die Finnen gaben trotzdem alles, zeigten sich bei ihrer Deutschlandpremiere bewegungs- und spielfreudig und hatten mit „Bullsrun“ sogar einen seither unveröffentlichten Song vom kommenden Album im Angebot, dessen mächtig stampfender Schluss latent an Pantera erinnerte. Dieser vermuteten Vorliebe gab die Band dann auch prompt mit einer „Walk“-Coverversion Ausdruck, bei der das Dimebag-Solo vom Cellisten interpretiert wurde!


Sirenia

15.45 (MS) SIRENIA
Sirenia machten es dem Publikum dann nicht wirklich einfach. Die zahlreich aufgelaufenen Fans mussten ja ohnehin nicht überzeugt werden, für mit dem Material unvertraute bot die Band aber ein etwas seltsames Bild. Durch die Boxen kam satter Bass, viel Keyboardmaterial und auch massig gesungene Chöre, auf der Bühne standen aber nur zwei Gitarristen, der Drummer und die oft etwas verloren vor sich hin gestikulierende Sängerin Monika Pedersen. Bandkopf Morten Veland bemühte sich um animierende Ansagen, so recht wollte der Funke aber nicht überspringen. Bei den Songs vom aktuellen Album „Nine Destinies And A Downfall“ wird im Gegensatz zum älteren Material auch fast gänzlich auf die derben Vocals verzichtet und völlig auf die säuselnde Blondine gesetzt.


Necrophobic

16.35 (PS) NECROPHOBIC
Necrophobic verbreiteten auf der Pain Stage wiedermal düstere Stimmung. Ihr Soundmix aus Black, Death und Thrash Metal klang ziemlich dreckig und fies, was durch die Lack- und Leder-Optik der Band auch optisch noch unterstrichen wurde. Pulsierende Bässe trafen auf klirrende Gitarren und Shouter Tobias Sidegard spuckte dazu lyrisch Gift und Galle. Die Band zeigte sich sehr bewegungsfreudig und die Gitarristen posierten um die Wette, vielleicht ist Gitarrist Johan Bergebäck dann in den nächsten Jahren auch mal mit seiner anderen Band zu Gast auf dem Breeze – über Dismember im LineUp würden sich bestimmt viele freuen. Das Publikum feierte die Truppe jedenfalls angemessen ab.


L´Âme Immortelle

17.20 (MS) L’ÂME IMMORTELLE
Sänger Thomas Rainer stellte fest, dass er gern auf Festivals mit so vielen artfremden Bands spiele. Zwar war die Band auf dem diesjährigen Breeze sicherlich ein Exot, als wirklich artfremd konnte man den Gothicrock der Band aber nicht bezeichnen. Schließlich rockten die Jungs und das Mädel amtlich ab. Der Himmel über dem Festival war voller dicker Wolken, was das Tragen von Sonnenbrillen eigentlich überflüssig machte. Was die Band aber dennoch nicht davon abhielt, geschlossen den Augenschutz zu tragen, was auch hervorragend zu dem vornehmen schwarzen Anzug (inklusive schwarzer Krawatte) passte, den Thomas Rainer trug. Die Band spielte sowohl härtere, rockige Nummern als auch ruhige Keyboard-lastige Songs. Das Publikum reagierte zwar nicht unbedingt überschwänglich auf die Band, begutachtete das Treiben auf der Bühne, insbesondere die wie in Trance schwelgende Sängerin sowie die obskuren Verrenkungen des Keyboarders, aber gespannt.


End of Green

18.10 (PS) END OF GREEN
Unverhofft kommt oft. So manch einer wird nichts von der relativ kurzfristigen Programmänderung mitbekommen haben und sich erst als End Of Greens Backdrop auf der Painstage gehisst wurde, verwundert die Augen gerieben haben. Wenn auch beide Bands Gothic-Elemente verwenden, so kann man doch kaum von einem 1:1 Ersatz reden – wobei gerade das viele Zuschauer gefreut haben dürfte, da die End Of Green-Boys ja schon so was wie Lokalmatadoren sind. Trotz Tageslicht hatten Michelle Darkness und seine Mannen keinerlei Motivationsprobleme und starteten mit „Tormented Sundown“ vom „Last Night On Earth“-Album gleich voll durch. Trotz des kaum angekündigten Auftritts zeigten sich sehr viele Leute im Publikum erstaunlich textsicher und feierten auch die zwei neuen Songs im Programm hingebungsvoll ab. Spielerisch entwickelte sich die gewohnte Magie auf der Bühne und es schien, als wäre die Band einiger denn je. Man darf gespannt aufs neue Album sein, auch wenn das wohl noch ein bisschen auf sich warten lassen wird.


Finntroll

18.55 (MS) FINNTROLL
Summer Breeze und Finntroll gehören irgendwie zusammen, rekordverdächtige fünf Mal war die Band bereits hier zu Gast, hat über die Jahre, genau wie das Breeze die ein oder andere Veränderung durchgemacht und ist gewachsen. Die trinkfesten Finnen sind mit ihrem eingängigen „Trollish Metal“ mit dem guten Schuss Humppa aber auch die optimale Band um es sich bei einem Festival richtig gut gehen zu lassen und Spaß zu haben. Bereits 10 Minuten vor der eigentlichen Show gab es schon mehrere Crowdsurfer und lautstarke Finntroll-Chöre vor der Mainstage – Schwerstarbeit für die Grabensecurity also schon vor dem eigentlichen Auftritt. Die Band selbst erschien dann wie gewohnt größtenteils in schwarzen Röcken in Verbindung mit leichtem MakeUp und erntete freudig ihre Saat. Später waren dann teilweise mehr als 10 Leute gleichzeitig über den Köpfen des Publikums unterwegs und die Show erreichte bereits nach ca. 45 Minuten einen ersten Höhepunkt mit „Trollhammaren“, bevor die Band dann fulminant auf die Zielgerade einbog.


Volbeat

20.00 (PS) VOLBEAT
Nach dem letztjährigen Anreisedebakel inklusive Achsbruch konnte man ja schon froh sein, dass die Dänen diesmal pünktlich zur vorgesehenen Zeit die Bühne enterten. Offensichtlich sehr motiviert ging's direkt mit nem Smasher, nämlich „Rebel Monster“ los. Dass die Band derart gut aufgelegt war, lag bestimmt nicht nur an den vielen Kameras, die die heutige Show für eine DVD-Produktion festhalten sollten, das Publikum war bestimmt auch ordentlich motivierend. Fronter Michael war wie immer gut gelaunt und ihm saß deutlich der Schalk im Nacken: „So you saw Illdisposed? They are also from Denmark... say Illdisposed… Illdisposed – now stop, that’s enough!” Er nutzte dann auch gleich die Gelegenheit um den nicht mehr ganz so neuen Gitarristen Thomas Bredahl vorzustellen „He’s from the same stupid town as Illdisposed!“. Für den Anfang von „Sad Man’s Tongue“ und später auch noch bei der Hitsingle „Gardens Tale“ kam ein weiterer Gitarrist mit einer Akustikgitarre auf die Bühne. Sänger Poulsen strahlte über beide Backen und genoss die Show in vollen Zügen „You are crazy people, we love crazy people! And we love Johnny Cash, give it up for Johnny Cash! Give it up for Elvis!”. Aber auch Gitarrst Bredahl konnte man die Freude deutlich ansehen, er „ritt” seine Gitarre wie ein bockiges Pony über die Bühne, stand quasi nie still und kommunizierte ständig mit dem Publikum. Poulsen entschied sich am Schluss von „Pool Of Booze“ sogar für Vollkontakt, sprang in den Bühnengraben und von dort auf die Hände und über die Köpfe der Fans, bevor er für das Finale mit „Gardens Tale“ wieder auf der Bühne eintraf. Nach der Show kehrte er erneut in den Graben zurück und bedankte sich bei vielen Fans in der ersten Reihe persönlich, fanfreundlicher geht's wohl kaum noch!


Bolt Thrower

20.50 (MS) BOLT THROWER
Die Tatsache, dass das Death Metal-Urgestein Bolt Thrower auf dem Summer Breeze auftrat war an sich schon eine kleine Sensation, da die Band eigentlich nie auf großen Open Air-Festivals vertreten ist. Hinzu kam, dass die Show der einzige Deutschland-Auftritt in diesem Jahr überhaupt war. Nach einem kurzen Intro legten die Engländer brachial und in extremer Lautstärke los. Ein Sound wie ein Panzer. Mit unglaublicher Präzision und Kompromisslosigkeit setzte die Band ihre Kriegsmaschinerie in Gang, welche sich die nächste Stunde unaufhaltsam ihren Weg bahnte. Geboten wurde ein ausgewogenes Best-of-Set aus alten und neuen Songs, mit Ausnahme von „Honour-Valour-Pride“ wurden alle Alben bedient. Der wieder eingestiegene Shouter Karl Willetts wirkte sehr locker und war sichtlich gut gelaunt. Allerdings wohl auch etwas verpeilt, als er den Song „IVth Crusade“ gleich zweimal ankündigte. Mit dem Kommentar „Bring out the big cannons“ spielte die Band ein Medley aus „World Eater“ und „Cenotaph“, was die zahlreich anwesenden Metalheads endgültig zum Rotieren brachte. Auch nach über 20 Jahren sind Bolt Thrower in ihrem Genre noch immer die Messlatte. Großartig. No Compromise.


Poisonblack

21.55 (PS) POISONBLACK
Nach dem massiven Moshinferno, das Bolt Thrower auf der Hauptbühne entfacht haben, ließen es die finnischen Düsterrocker von Poisonblack deutlich entspannter angehen. Die Band um den ehemaligen Sentenced-Frontmann Ville Laihiala bot straight nach vorne gerichteten Gothic-Rock mit hohem Hitfaktor. Interessant im Bühnenbild war das seltsam nach vorne geneigte Keyboard. Aber scheinbar lässt es sich in dieser Haltung gut spielen, wenn man permanent am Moshen ist. Das Publikum schien es zu genießen, zu verdaulicheren Klängen zu feiern, auch wenn sich der Großteil der Masse scheinbar seine Kraft für In Extremo sparen wollte. Poisonblack legten einen überzeugenden Auftritt hin, der vor allem von dem Charisma von Frontmann Laihiala lebte.


In Extremo

22.45 (MS) IN EXTREMO
Bereits vor zwei Jahren räumten die Mittelalter-Metaller von In Extremo auf dem Breeze auf ganzer Linie ab. Keine Frage, dass diese Band auch auf dem 10-jährigen Jubiläum nicht fehlen durfte. Wie zu erwarten war, ließ sich die Band erneut nicht lumpen und bot eine grandiose Show. Nach den Wikingern von Amon Amarth waren In Extremo bereits der zweite Headliner, der in diesem Jahr im Bühnenaufbau ein Schiffsthema verwendete. Die siebenköpfige Band hatte neben der regulären Rockbandbesetzung wieder allerlei, teils obskure, Instrumente auf der Bühne. Neben Dudelsack, Schalmei, Cister, Darbuka, Pauken, Leier und Harfe gab es aber auch moderne Instrumente wie Sampler und Keyboards zu hören. Die Songs wurden auf deutsch gelegentlich aber auch auf anderen, dem Normalsterblichen eher unbekannten und mystisch klingenden, Sprachen dargeboten. Mit immenser Hingabe spielte sich die Band in eine Art Rausch und rechtfertigte ihre Headlinerposition auf eindrucksvolle Weise. Zusätzlich gab's kleine Kunststückchen und optische Bonbons, die mit den Instrumenten vollführt wurden, wenn diese gerade nicht bespielt wurden, aber auch mit Flammenwerfern und anderen pyrotechnischen Effekten sowie schicken Glitzer- und Herzchenkonfettiregen. Die Menge dankte es der Band durch ausgelassenes Feiern und euphorischen Jubel. Auch dieser Auftritt dürfte ein denkwürdiger Moment in der Breeze-History werden.


Dark Funeral

00.10 (PS) DARK FUNERAL
Diese Band navigiert nahe an der Grenze zum Wahnsinn. Keine andere Band auf dem Festival hat so viele Beats in der Minute abgefeuert wie die satanistischen Schweden. In voller Kampfpanzerung und Corpsepaint schepperten die Jünger Satans ihre Songs in halsbrecherischer Geschwindigkeit und geradezu rasend herunter. Atempausen wurden dem Publikum bestenfalls in den teils sarkastischen Ansagen gewährt. Im Gegensatz zu manchen ihrer Kollegen verpönen sie auch den Einsatz von Keyboards. Der Bühnenaufbau mit allerlei Teufelssymbolik wirkte ebenfalls sehr bedrohlich. Den Fans wurde sowohl neues als auch altes Material geboten, bei dem im Gegensatz zu neueren Songs auch mal kurz vom Gaspedal gegangen wurde. Die noch zahlreich anwesenden Black Metal-Jünger huldigten der Band als gäbe es kein Morgen mehr. Evil as evil can be. Amen.


Black Messiah

01.00 (PZ) BLACK MESSIAH
Lange war die Band nicht mehr aufgetreten, über drei Jahre wohl, aber jetzt hat man wieder ein einsatzfähiges LineUp beisammen. Aufgrund technischer Probleme gingen die Ruhrpottwikinger (so stand es jedenfalls auf den T-Shirts der Band) erst mit ca. 10-minütiger Verspätung an die Arbeit. Das Publikum begrüßte sie dann aber nur umso begeisterter, als es dann mit „In Rememberance“ und „Erik, der Rote“ losging. Bei „Christenfeind“ gab's dann wahre Begeisterungsstürme, ob's daran lag, dass Sänger Zagan hier erstmals zur Geige griff oder ob das was mit der religiösen Ausrichtung des Publikums zu tun hatte, sei mal dahingestellt. Die sechs Mannen waren größtenteils in schwarzlederne Flickengewänder gehüllt und das Volk hatte sichtlich Spaß am süffig-hochgeschwindlichen Folk-Metal. „Habt Ihr heute gut gefeiert? Habt Ihr heute gut gesoffen? Habt Ihr Lust noch mehr zu saufen? Dann singt mit uns ein Sauflied!“ Mit solchen Ansagen traf man beim Publikum offensichtlich voll ins Schwarze und so wurde auch das abschließende „Moskau“ lauthals mitgeschmettert.


Squealer

01.50 (PZ) SQUEALER
Direkt zu Anfang war mal klar, dass das auf der Bühne keinesfalls der im Programmheft angekündigte Gus Chambers (Ex-Grip Inc.) ist. Von dem hatte sich die Band nämlich mittlerweile getrennt und präsentierte mit Norbert Vornam kürzlich seinen Nachfolger. Der stellte dann auch in einem Nebensatz klar, dass das zwischenzeitlich im Namen geführte Anhängsel A.D. Geschichte ist und man jetzt wieder nur Squealer heißt, aha. Die Hessen boten Power Thrash in Reinkultur, der manchmal etwas an Overkill erinnerte. Trotz engagiertem und spielerisch tightem Auftreten, traf die Band wohl nicht so recht den Nerv des Publikums und musste sich mit wesentlich weniger Zuspruch zufrieden geben als Black Messiah vor ihnen. Beim Song vom älteren, gleichnamigen Album „Under The Cross“ taute die Meute dann doch noch etwas auf und wurde prompt mit dem Thrash-Gassenhauer „Liar“ belohnt.


Absolute

02.40 (PZ) ABSOLUTE
Nach dem recht traditionellen Sound von Squealer gab's mit den auch an Jahren deutlich jüngeren Absolute Kontrastprogramm galore. Schon beim Umbau wurde klar, dass es moderner werden würde, weniger wegen der riesigen Bassdrum, sondern eher wegen der an jedem der drei Mikroständer an der Bühnenkante montierten kleinen Samplergeräte. Anfangs hätte man die Band wohl am ehesten als Modern Metal kategorisiert, die ersten Songs klangen mit ihrem straighten und scharfen Riffing und den vielen elektronischen Elementen latent nach Pain meets Linkin Park, wobei da leichte Abstriche bei den gesanglichen Fähigkeiten von Fronter Toby Breitenbach nicht unerwähnt bleiben sollen. Der „erfreute“ das Publikum sogar mit gelegentlichen Rap-Einlagen, bemühte sich zudem um professionell dickhosiges Auftreten, stieß im Publikum aber auf wenig Gegenliebe, es flogen sogar erste Wurfgeschosse in Richtung der Bühne. Spätere Songs klangen streckenweise sogar nach H-Blockx & Co. womit beim Breeze-Publikum natürlich nur schwerlich gepunktet werden konnte. Auch optisch wirkte die Band eher zerrissen, der Basser mit dem schönen Pseudonym Pogo gab die wild um sich posende Rampensau, hüpfte viel durch die Gegend und fuchtelte wild mit seinem Instrument durch die Gegend. Sein Kollege Roberto an der Gitarre war da fast das komplette Gegenteil und eher von der schüchternen Art, mit tief ins Gesicht gezogenem Cappi und dem Blick meist auf seine linke Hand gerichtet. Das Debutalbum der Band erscheint wohl noch in diesem Jahr, viele neue Fans hat die Band mit diesem Auftritt aber wohl eher nicht dazu gewonnen.


President Evil

03.30 (PZ) PRESIDENT EVIL
Durch weitere Verzögerungen im Ablauf gingen die bösen Präsidenten erst so gegen 4 Uhr in der Früh auf die Bühne, sammelten aber schon beim schnellen Line-Check dank kurz angespieltem „Just Look Around“ von SOIA Pluspunkte. Nachdem es bei Absolute schon zu großen Abwanderunsgerscheinungen kam, hätte man meinen können, dass es für die Bremer heute nicht mehr viel zu holen geben würde. Aber weit gefehlt! Die Band gab von der ersten Sekunde an Vollgas und trat auf, als würde sie zur besten Zeit auf der Mainstage aufspielen. Der Raum vor der Bühne füllte sich wieder mehr und mehr, es ging noch mal so richtig ab — was besonders in Anbetracht der Uhrzeit beachtlich war. Sänger Johnny Holz bewies Fronterqualitäten, suchte den Kontakt zum Publikum („Hat hier jemand Headbangen zum Hobby? Das ist Euer Einsatz“) und ging prompt mit gutem Beispiel voran. Der Basser sah irgendwie aus wie Samson aus der Sesamstraße mit nem Spielzeugbass vor dem Bauch und ging ab wie nichts Gutes. So gab's für die Nimmermüden noch mal ne fette Kelle rotzigen Metal, bevor dann endgültig Schluss für heute war.


Samstag 18.08.2007

Sycronomica

11.00 (MS) SYNCRONOMICA
Den deutschen Blackmetallern von Syncronomica oblag die Aufgabe des täglichen Weckdienstes. Einige Frühaufsteher waren tatsächlich gekommen um zu dem symphonischen Black Metal mit teilweise deutschen Texten die Matten kreisen zu lassen. Der Band war leider nicht viel Zeit vergönnt und sie konnte so nur vier ihrer überlangen Songs darbieten. Sägende Gitarrenriffs und epische Keyboardteppiche trieben nach und nach die Müdigkeit aus den Gesichtern der Anwesenden. Der Frontmann löste sich zwischen den Songs immer wieder mal vom ultrabösen Image und bedankte sich sogar sehr freundlich beim Publikum.


Helrunar

11.30 (PS) HELRUNAR
Auf der Pain Stage startete der Samstag wie der Freitag endete, nämlich mit Black Metal. Dieses Mal nicht wie Dark Funeral aus Schweden sondern aus Deutschland und auch deutlich weniger martialisch, denn die Münsteraner haben deutliche Pagan-Schlagseite. Helrunar verzichteten auf Rüstung und Corpsepaint und beschränkten sich aufs grimmig Dreinschauen. Musikalisch ließ es die Band ebenfalls gezügelter aber kaum weniger fies angehen. Deutlich zu spüren war der Thrash Metal-Einfluss im unterkühlten Riffing. Die Texte waren komplett auf Deutsch gehalten und im schon gut gefüllten Vorraum der Bühne waren einige textsichere Fans zu erspähen.


Justice

12.05 (MS) JUSTICE
Am Mittwoch hatten Justice im Partyzelt bereits einen vierstündigen Marathon-Auftritt hingelegt, der hauptsächlich aus Coversongs bestand. Jetzt gab sich die Band also erneut die Ehre auf dem Breeze. Dieses Mal auf der Hauptbühne und ausschließlich mit eigenen Songs. Als Intro ertönte die Musik der Western Serie Bonanza. Das eigene Material der Band klingt stilistisch ebenso vielschichtig wie ihr Coverprogramm und geht am ehesten als eine Mischung aus Thrash, Power und Death Metal durch. Die bewegungsfreudige Band hatte sichtlich Spaß an ihrem Auftritt und auch das Publikum ließ sich nur zu gerne anstecken. Optischer Blickfang war neben dem roten Bart des Bassisten vor allem der Frontmann, der über die Bühne fegte wie ein Wirbelwind und den man auch ab und an bei anderen Bands als Zuschauer seitlich an der Bühne sah – den Auftritt von Nevermore hat er z.B. komplett seitlich miterlebt und -gesungen.


Machinemade God

12.40 (PS) MACHINEMADE GOD
Als erste Metalcore Band betraten heute Machinemade God aus dem Osten der Republik die Pain Stage und legten sehr mutig direkt mit einem brandneuen Song von ihrem noch nicht erschienenen Album „Masked“ los. Dieser zeigte die Band auch gleich von ihrer melodischen Seite. Gitarrist Sky übernimmt hier den hitverdächtigen melodischen Gesang. Die Band gab alles, hetzte über die Bühne, sprang, moshte und stampfte was das Zeug hielt. Im Publikum bildete sich ein erster kleiner Moshpit und der Song „Kiss Me Now, Kill Me Later“ war den Anwesenden offensichtlich bestens bekannt und so übernahmen sie gleich die Crewshouts. Nach leider nur sechs Songs war die Show leider viel zu früh zu Ende.


Secrets of Moon

13.15 (MS) SECRETS OF THE MOON
Nach atmosphärischem Intro startete die Band in ihre Show – nicht ohne eine kurze Ansage ihres Fronters „Summer Breeze, entschuldigt das beschissene Wetter!“ – Sonne und Black Metal gehen eben nicht so optimal zusammen. Die Band war aber durchaus um Atmosphäre bemüht, sowohl ein Backdrop als auch zwei Aufsteller vor der Backline belegten das. Im Gegensatz zu seinen engagiert langhaarigen Kollegen wirkte der zweite Gitarrist eher unbeteiligt, machte kaum etwas aus seiner Sender-Bewegungsfreiheit und hatte sich sogar ne Fluppe in den Mundwinkel gesteckt. Über weite Strecken gab's atmosphärischen Black Metal, nur gelegentlich wurde richtig aufs Gas bzw. die Geschwindigkeitstube getreten – dafür war es an anderer Stelle dann schon wieder fast Doom-artig. Eine vielseitige Band!


Maroon

13.50 (PS) MAROON
Als die Band vor ein paar Jahren erstmals auf diesem Festival gespielt hat, war sie eine der ersten Bands auf der Painstage und hat damals wortwörtlich und im übertragenen Sinne viel Staub aufgewirbelt. Keine Ahnung, ob sich Sänger Andre, aka. Laus Kinski, daran erinnert hat. Als er jedenfalls beim Gang zur Bühne auf eine große Matschpfütze traf, warf er sich direkt hinein und gönnte sich vor der Show noch eine Ganzkörper-Wellness-Behandlung mit „Heilschlamm“. Es war schwer zu sagen, wer denn nun mehr motiviert war, die Band oder das Publikum, jedenfalls ging es direkt ab dem ersten Ton richtig zur Sache, die Meute moshte, hüpfte, klatschte, brachte diverse Crowdsurfer auf den Weg und erzeugte schon nach kurzer Zeit 'nen imposanten Circle Pit. In seiner ihm eigenen Art dirigierte der Sänger die Massen - ob nun Moshpit oder „Hoch die Krüppelfinger“, seine Ansagen wurden umgesetzt. Selbst ein brandneuer Song vom nächsten Album wurde begeistert aufgenommen. Beim abschließenden „Wake Up In Hell“ kam's zur bis dato größten Wall Of Death des Festivals und der Fronter begab sich gegen Ende des Songs sogar in den Graben, um dort, von der Security gestützt und auf der Absperrung stehend, mit den ersten Reihen die Texte zu brüllen. Und als cooles I-Tüpfelchen verabschiedete sich die Band mit dem bekannten „Creeping Death“-Part von Metallica.


Communic

14.25 (MS) COMMUNIC
Die Band hat mir ihrem letzten Album in nahezu allen relevanten Magazinen Höchstnoten und -platzierungen eingeheimst und es herrschte somit gespannte Erwartung auf die Liveumsetzung im Publikum. Die Band hatte im Gegensatz zu allen anderen Bands die Backline viel weiter vorgezogen und erschien mit „nur“ drei Mann für eine Power Metal-Band fast unterbesetzt. Die Norweger schafften es trotzdem wuchtig aus den Boxen zu kommen, was aber leider nicht zu ähnlich großem Bewegungsdrang im Publikum führte, wie ihn beispielsweise Maroon vor ihnen erzeugt hatten. Dank der bekannten „Say Yeah!“-Spielchen motivierte Sänger/Gitarrist Oddleif Stensland, dessen Stimme latent an Warrel Dane von Nevermore erinnerte, dann aber doch noch ein paar der Anwesenden zum Mitmachen.


Blitzkid

15.05 (PS) BLITZKID
Am frühen Mittag bestiegen die Amis von Blitzkid als erste und einzige Punkband des Festivals die Pain Stage. Horror-Punk hatten sie sich auf die Fahnen geschrieben, um genau zu sein. In bester Misfits-Manier war das Trio blass geschminkt und mit Blutspritzern dekoriert. Ihr flotter Schrammelpunk erinnerte natürlich auch stilistisch stark an die großen Vorbilder. Die hymnischen Songs gingen schnell ins Ohr und ebenso schnell auch in die Beine. Das Breeze-Publikum, was ja traditionell keine Berührungsängste mit Punkrock hat, fand schnell Gefallen an dem Sound und es bildeten sich kleine Pogo-Pits. Die Band, die zum ersten Mal in Europa spielte, war sichtlich überwältigt von den Reaktionen und lobte Europa für seine Offenheit. Der Bassist beschloss kurzerhand, dass er beim letzten Song lieber singen und ein Bad in der Menge nehmen wollte und fragte das Publikum, wer denn Bass spielen möchte. Ein Freiwilliger war schnell gefunden und die simple Grifffolge schnell erklärt. So brachten Blitzkid ihren coolen Auftritt mit einem spontan rekrutierten Bandmitglied zu Ende.


Hardcore Superstar

15.45 (MS) HARDCORE SUPERSTAR
Hardcore Superstar aus Göteborg gehen glatt als die skandinavischen Mötley Crüe durch. Der Gitarrist betrat mit Mantel und Generalsmütze die Bühne und auch die anderen Bandmitglieder punkteten durch ausgefallene Optik. Dicke Sonnenbrillen, Kopftücher, Boots, Tücher, Ketten…das volle Sleaze Rock-Programm eben. Auch die Bühnenaufbauten mit Aufstellern, Boxenwänden und riesigem Backdrop konnten sich sehen lassen. Soundtechnisch bot die Band fette Rocksongs irgendwo zwischen dreckigen Backyard Babies, Guns´n`Roses und Mötley Crüe. Schweinerock meets Glam meets Sleaze. Die Jungs hatten das immer zahlreicher werdende Publikum fest im Griff und feierten eine Riesenparty. So laut waren die Publikumsrufe heute seither noch nicht. Am Ende des Sets wurde die Band noch mal für eine Zugabe vom Publikum zurück auf die Bühne gepfiffen. Die Songauswahl konzentrierte sich auf das aktuelle Album. Die Band verlieh dem Summer Breeze einen willkommenen Farbklecks.


Xandria

16.35 (PS) XANDRIA
Auch Xandria sind bereits alte Bekannte auf dem Breeze. Der letzte Auftritt hier dürfte vor allem Sängerin Lisa noch in Erinnerung sein, da sie in schwarzer Lackmontur gekleidet in der prallen Sonne ihre Show absolvieren musste. Die Sängerin, deren Haare inzwischen schwarz statt wie bisher knallrot gefärbt sind, ist Dreh- und Angelpunkt der Show. Ihre betörende Opernstimme fügt sich ohne kitschig zu klingen perfekt in den Sound der Band ein. Die Songs der Formation sind eingängig und bestechen durch einen gewissen Pop-Appeal. Die Sängerin hatte sichtlich gute Laune und lächelte dem Publikum permanent charmant zu. Ihre Stimme taugt aber nicht nur zum engelhaften Singen sondern kann auch anders, wie sie mit kurzen tiefen Grunts bewies, die sogar einige Death Metal-Shouter alt aussehen ließen. Über mangelnden Publikumszuspruch konnte sich die Band ebenfalls nicht beschweren. Coole Show, diesmal sogar ohne Hitzschlag.


Die apokalyptischen Reiter

17.20 (MS) DIE APOKALYPTISCHEN REITER
Wie Finntroll am Vortag genießen auch Die Apokalyptischen Reiter auf dem Summer Breeze „Hausband“-Status. Wie immer hatte sich die Band so einiges einfallen lassen um ihren Auftritt für alle Beteiligten unvergesslich zu machen. Keyboarder Dr. Pest wurde mit seinem Instrument in einen riesigen Vogelkäfig gesteckt, hatte seine bekannte Ledermaske auf und sich dazu auch noch ein passendes, mit Nieten besetztes Unterhöschen übergestreift. Hinter dem Drummer prangte ein riesiges Backdrop und links und rechts standen noch Aufsteller im Design des aktuellen Albums. Bei „Seemann“ wurde dann ein Mädel aus dem Publikum auf die Bühne gebeten, denn der Seemann brauchte ja schließlich eine Braut. Die durfte sich die Sache dann zunächst gemütlich auf dem Drumriser sitzend anschauen und tanzte später mit Sänger Eumel kurz über die Bühne. Beim nächsten Song „The Iron Fist“ war dann aber Schluss mit gemütlich, da wurde sie nämlich mit Handschellen zum Keyboarder in seinen Käfig gekettet. Der ganz eigene Mix der Band aus Metal, Folk und Chaos begeisterte die Massen, es gab kaum jemanden, der nicht mitfeierte und von den Massen, die die Band vor die Hauptbühne zog und zum Mitmachen animierte, konnte sie es durchaus auch mit den Headlinern aufnehmen! Es folgte ein Tribal-Drumming-Part, bei dem die Musiker je noch eine riesige Trommel aus ausgehöhlten und bespannten Baumstämmen vor sich hatten und rhythmisch darauf eindroschen. Das war aber immer noch nicht alles, was die Band auf Lager hatte, im weiteren Verlauf gab's Spielzeug für die Meute in Form riesiger, Igluzelt-großer blauer Ballons, die minutenlang über die Zuschauer tanzten. Und als Höhepunkt wurde eine Art Regatta veranstaltet. Dafür wurden vier Leute aus dem Publikum auf die Bühne gebeten, die je ein Schlauchboot bekamen, mit dem es galt, möglichst schnell von der Bühne über die Hände und Köpfe des Publikums zum FOH-Turm und wieder zurück auf die Bühne zu kommen – was auch tatsächlich funktionierte! Beim finalen „Ghostriders In The Sky“ schafften es dann an die 50 Zuschauer auf die Bühne, wo sie mit der Band zu einem wild hüpfenden und glücklich grinsenden Haufen verschmolzen. Nicht zu vergessen der Herr im Schottenrock, der dann auch prompt den Beweis antrat, dass er standesgemäß nichts drunter hatte. Beim Abgang von der Bühne gab's für die 50 Ausdruckstänzer vom Keyboarder dann noch liebevoll mit der Peitsche auf den Hintern. Unfassbar, wie wollen die das jemals toppen?


Tankard

18.10 (PS) TANKARD
Das Frankfurter Thrash-Urgestein legte fulminant los, es war sofort viel Bewegung auf und vor der Bühne und unter dem Bandschriftzug prangte auf ihrem Backdrop natürlich der dazugehörige Bierkrug. Gleich der zweite Song war mit „Zombie Attack“ ein Klassiker, dem gegen später natürlich auch noch Perlen wie „Chemical Invasion“ und „Empty Tankard“ folgten. Fronter Gerre machte zu Anfang dann auch gleich eine Rechnung auf, die in der Folge auch aufgehen sollte: „10 Jahre Summer Breeze = ne geile Party!“. Später monierte er, dass sie immer auf der kleineren Bühne spielen müssten, hatte aber auch gleich eine augenzwinkernde Erklärung parat: „Wir sind zu schmal für die Mainstage!“. Trotz beachtlicher Plautze legte der Sänger aber lange Wege zurück, er und seine Band sind wohl, wie ihr bevorzugter Fußballverein Eintracht Frankfurt auch, lange dabei und nicht unterzukriegen. Am Schluss des Auftritts begab sich Gerre dann tatsächlich vorne in die Menge zum Crowdsurfen, verschwindet aber sofort zwischen den Leuten und tauchte dann etwas später ganz hinten beim FOH wieder auf.


Dark Tranquillity

18.55 (MS) DARK TRANQUILLITY
Ein imposantes, düsteres Backdrop samt Bandlogo ließ keinen Zweifel daran, wer auf der Hauptbühne die nächsten 60 Minuten am Drücker war. Ist ihr letzter Auftritt Manchem vielleicht noch eher zwiespältig in Erinnerung, hatten die Schweden dieses Jahr offensichtlich einen sehr guten Tag erwischt. Jeder in der Band gab bereits ab dem Opener „Terminus“ sein Bestes, sogar der auf einem separaten Riser neben dem Schlagzeug untergebrachte Keyboarder war oft am Bangen und bald auch am Schwitzen. Teile der Band hatten zuvor mit Staunen den Siegeszug der Apokalyptischen Reiter erlebt und sich vielleicht vorgenommen, ebenfalls alles zu geben. Selbst das Gesicht von Sänger Mikael Stanne passte sich farblich mehr und mehr seiner roten Lockenpracht an. Als sie etwa in der Mitte ihres Sets schon den sonstigen Abschlusssong „Final Resistance“ anstimmten, beeilte sich der Fronter, zu betonen, dass der Song heute ausnahmsweise mal nicht den Schlusspunkt setzen würde. Er freute sich in einer weiteren Ansage auch ausdrücklich über die fantastischen Publikumsreaktionen und die vielen Shirts von ihnen in der Meute. Vor „Focus Shift“ ließ er sich sogar kurz zu einer Crowdsurfing-Einlage auf dem Publikum hinreißen. Eine mehr als gelungene Show, die die Band mit „The New Build“ abschloss.


Moonsorrow

20.00 (PS) MOONSORROW
„We Are Moonsorrow And The Next Song Is About Total Fucking Darkness!“ Allesamt mit (Kunst-)Blut bespritzten Gesichtern, brachten die Finnen von Moonsorrow brachialen Doom über das Summer Breeze. Träge Lavariffs trafen auf Black Metal-Riffing, Death Metal-Grunts und nordische Folklore sowie alleszermahlende, walzende Blastbeatattacken vom sehr versierten Schlagzeuger. Die überlangen Songs sorgten für eine düstere und einnehmende Atmosphäre, wobei diese immer wieder durch die eingeflochtenen, fast schon fröhlichen Keyboardpassagen relativiert wurde. Melodischer Gesang bot einen gelungenen Kontrast zum ultraderben Gebrüll. Das Publikum feierte die Jungs gebührend ab, auch wenn der Sound nicht gerade als Party Musik bezeichnet werden konnte. Überraschenderweise glänze die Band mit soliden Deutschkenntnissen und sammelte so zusätzliche Pluspunkte.


Oomph!

20.50 (MS) OOMPH!
Oomph! können auf dem Breeze getrost zu den Exoten gezählt werden. Allerspätestens jedoch seit Stefan Raabs Song Contest dürfte die Band einige neue Fans gewonnen haben, was sich auch an dem prall gefüllten Bühnenvorraum zeigte. Nicht wenige waren offensichtlich nur wegen dieser Band angereist. Der Bühnenaufbau wurde leicht modifiziert, so dass Schlagzeug und Bassist (der auch den Sampler bediente) nebeneinander je ein Podest hatten. Die Musiker waren allesamt in schwarze Priesterroben gehüllt, während Frontmann Dero in einer weißen Zwangsjacke auftrat. Dieser mimte auf der Bühne mit seiner Gestik den sympathischen Psycho und nahm gleich zu Beginn sein erstes Bad in der Menge. Die Band könnte ohne Probleme bei der Meisterschaft zum Synchronhüpfen antreten. Auch die blau leuchtende Gitarre war ein Blickfang. Gegen Ende der Show rutschte Sänger Dero im Eifer des Gefechts von der Bühne, als er von einem erneuten Bad in der Menge wieder zurück zu seinen Kollegen wollte. Glücklicherweise ist ihm aber nichts passiert und er sang souverän weiter. Die Truppe bot ein gelungenes Set mit allen Hits, die die Band mittlerweile auf Lager hat, inklusive dem kürzlich indizierten „Gott ist ein Popstar“, zu dem es eine entsprechende Ansage für Meinungsfreiheit und gegen Zensur und Faschismus gab. Das Publikum feierte die Band entsprechend ab. Zum Schluss, als seine Musiker schon abgegangen waren, gab es von Dero noch eine A Capella-Solo-Gesangseinlage einer Frank Sinatra-Coverversion mit reichlich Feuerzeugen im Publikum, die dann aber leider aufgrund der schon überschrittenen Spielzeit und dem Beginn von Caliban auf der Nachbarbühne, abgebrochen werden musste.


Caliban

21.55 (PS) CALIBAN
Mit Caliban hatte sich das Breeze-Team erneut die wohl populärste deutsche Metalcore Band auf das Festival geholt. Sie wurden von ungeduldigen Fans bereits während der Oomph!-Show lautstark herbeigerufen und fingen auch direkt an, als ihre Zeit gekommen war. Die Jungs waren im schicken Einheitslook in weiße Shirts mit aufgemalten roten Einschusslöchern gehüllt und machten von der ersten Sekunde an mächtig Druck. Ein enormer Moshpit ließ da nicht lange auf sich warten. Erneut war es das Publikum, das die Band zur Durchführung einer Wall Of Death nötigte und nicht wie üblich andersherum. Diese war jedoch so enorm wie bei keiner anderen Band auf dem Festival. Sänger Andy Dörner teilte die Massen ganz kreativ in Perser und Spartaner, was dann auch direkt zu lautstarken „Sparta! Sparta!“-Rufen führte. Auch der spätere Circle Pit war riesig. Mit dem melodischen Gesang hatte die Band wie immer leichte Schwierigkeiten, machte dieses Manko aber durch munteres Stageacting wieder wett. Als die Klampfer ihre Instrumente umdrehten, konnte man dort „Kill This Place“ lesen. Eine Aufforderung, der das Publikum nur zu gerne nachkam. Geboten wurde hauptsächlich neueres Material, was einigen Old-School-Fans sicher sauer aufgestoßen ist. Interessanterweise gab's aber auch nur einen Song vom neuen Album. Trotzdem war ihr Auftritt ein einziger Siegeszug, der absolute Verwüstung und selige Fans hinterließ.


Pain

00.10 (PS) PAIN
Der Schwede Peter Tägtgren ist ein immer gern gesehener Gast auf dem Summer Breeze - ob nun mit seiner Band Hypocrisy oder mit seinem Projekt Pain, mit beiden war er früher hier schon aufgetreten. Dem Projektnamen entsprechend ging er natürlich auf der Painstage an die Arbeit und hatte als abschließender Act des Jubiläumsfestivals die perfekte Position erwischt. Die sehr eingängigen Kompositionen und Refrains in Verbindung mit dem messerscharfen Riffing und allerlei Elektronika eigneten sich hervorragend um noch einmal so richtig abzutanzen. Als Dekoration prangte im Bühnenhintergrund ein sehr stylishes vierbahniges Backdrop mit dem Bandschriftzug. Beim letzten Breeze-Gastspiel hatte Tägtgren noch zwei Frauen an Bass und Gitarre neben sich auf der Bühne, mittlerweile sind da aber wieder Männer am Start. Die assistierten dem charismatischen Frontmann perfekt und besonders der Basser präsentierte unglaublich heftiges Headbangig zu den Songs. Den zweiten Zugabe-Song moderierte Peter mit „Turn On The Fuckin Mobile“ an und tatsächlich startete „Shut Your Mouth“ mit einer Klingelton-artigen Passage. Das Publikum nahm dem Sänger teilweise die Arbeit ab und zeigte sich textsicher, bevor „Shut Your Mouth“ dann zwar das Ende des Auftritts aber nicht das des Festivals markierte. Aus Anlass des Jubiläums gab's nämlich noch ein mehr als imposantes Feuerwerk, das sich auch die Band, seitlich auf der Bühne stehend bewundernd anschaute.


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