Rückblick 2009

Mittwoch, 12.08.2009

Cyrcus

16.00 (PZ) CYRCUS
Laut Ansage ihres sympathischen Fronters hatte die Band zu so früher Stunde gerade mal mit ca. 50 Zuschauern gerechnet. Weit gefehlt! Die SUMMER BREEZE-Meute war offensichtlich heiss und mehr als bereit loszulegen und so durften sich CYRCUS trotz der vermeintlich undankbaren Openerposition über ein sehr gut gefülltes Zelt freuen, das sie direkt nach dem Pulp Fiction-Intro freudig und mit offenen Armen empfing. Und die Nordrhein-Westfalen waren offensichtlich entschlossen diese Steilvorlage zu verwandeln, jedenfalls ließen sie sich direkt von der guten Laune anstecken und zeigten sich äußerst spiel- und bewegungsfreudig. Besonders Gitarrist Andy legte ein beeindruckendes Laufpensum in Verbindung mit astreinen Shouts an den Tag, während sich Sänger und optischer Mittelpunkt Chubby gekonnt um die melodischen Gesangpassagen und die Ansagen kümmerte. Gelegentlich ließen KILLSWITCH ENGAGE grüßen, die Jungs waren aber weit davon entfern ein purer Clone zu sein. Im Mittelteil von „Somethings Missing“ gabs eine „All We Are“-/WARLOCK/80er-Metal-Reminiszenz und mit Circlepit und Wall Of Death ließ sich auch das Publikum nicht lumpen. Ein mehr als starker Auftakt!


Sheephead

16.45 (PZ) SHEEPHEAD
War der Andrang bei CYRCUS schon beachtlich, so drückten bei SHEEPHEAD sogar noch deutlich mehr Leute ins Zelt. Die Pfaffenhofener Death-Walze übernahm ein gut temperiertes Publikum und ließ dem auch erst gar keine Zeit sich zu erholen, sondern nutzte seine Zeit optimal, reduzierte die Ansagen auf ein Minimum und gab Vollgas. Wie ein sehr gut geöltes Maschinchen, mit ordentlich Doublebass-Einsatz, tuckerten sie unter der Führung ihres Fronters Benni durch die sechs Songs ihrer Setlist. Zwischen den Songs wurde vom Volk vehement eine Wall Of Death gefordert und später sogar lauthals der Bandname skandiert. Die Band erinnerte nicht nur dank beachtlicher technischer Fähigkeiten ab und an mal an derbere IN FLAMES-Zeiten und –Songs, vergaß aber auch nicht mittels smart dosierten melodischen Midtempo-Groovepassagen für Abwechslung zu sorgen. Bei „The Plague“ hielt es den Fronter dann auch nicht mehr auf der Bühne und er suchte im Graben vor der Bühne den direkten Kontakt zur feiernden Masse, die wie zum Dank die ersten Crowdsurfer nach vorne reichte. Auch die zweite Band also bockstark, kein leichter Job für die Jury!


Dreamshade

17.30 (PZ) DREAMSHADE
Zahlenmäßig konnten DREAMSHADE, die Herren aus der italienischsprachigen Schweiz, sogar noch einen drauflegen, allerdings weniger was Anwesende vor der Bühne anging, sondern eher was den Count auf der Bühne betraf. Mit sechs Leuten war da auf jeden Fall mal gut was geboten. Vor der Bühne war im Gegensatz zu den ersten Bands deutlich weniger los – obs an der weiten Anreise der Band lag? Egal, die Band liess sich die Laune nicht verderben, und vor allem: die Leute vor der Bühne waren voll dabei und nahmen die gereckten Fäuste erst gar nicht mehr runter! Sehr engagiert ging der Sixpack ins Rennen, Dauerbangen war angesagt und der Sänger bemühte sich mit seinen englischen Ansagen samt smartem Akzent redlich um Motivation. Ihr Keyboard-dominierter Sound polarisierte, aber die Jungs werden bestimmt ihren Weg machen, sind sie doch – bis auf den Drummer- wohl alle noch sehr jung und erst am Anfang ihrer Karriere. Motiviert waren sie jedenfalls allesamt bis in die Haarspitzen, Keyboarder Rawi saß beispielsweise schon geraume Zeit vor der Show seiner Band mit Kopfhörern vor ihrem Backstageraum an seinem Instrument.


Cypecore

18.15 (PZ) CYPECORE
Auch bei der dritten Band des Contests ist das Zelt bis in die letzten Reihen gefüllt. Dank eines relativ langen Intros bauen sie auch direkt massig Atmosphäre auf, lassen diese aber leider ungenutzt verpuffen, indem sie nicht direkt daran anschließend in ihr Set starten, sondern scheinbar unentschlossen noch etwas Zeit verstreichen lassen. Wenig irritiert ob der Massen an diesem frühen Mittwochabend entfacht der Fünfer ein musikalisches Feuerwerk. Im Fahrwasser eher traditioneller Melodic Death Register à la DARK TRANQUILLITY mit einer phasenweise deutlich ausgeprägten Göteborg-Färbung, wissen die Herren ab dem ersten Song das Rund zu begeistern. Durchweg klassisch geht es allerdings nicht durchs Programm. Ganz zeitgemäß kokettiert man an den richtigen Stellen mit passend gesetzten Core-Einlagen und wuchtigen Breaks. Routiniert und wohlwissend ein äußerst starkes Album im Gepäck zu haben, zocken die Sinsheimer ein Brett als gäbe es kein Morgen. Insbesondere Sänger Attila führt mit seinem charismatischen Gesang schon nach kurzer Zeit Regiment über das Publikum und provoziert erneut Sprechchöre an diesem Abend. Ganz gemäß dem Motto „No Fillers, Just Killers“ hechtet das Gespann durch ein äußerst kurzweiliges Set und empfiehlt sich ohne Abstriche für einen Platz im Stall eines Labels. Starker Auftritt des jungen Quintetts.


Scond Relation

19.00 (PZ) SECOND RELATION
Last but not least sind die Österreicher von SECOND RELATION an der Reihe und lassen das Publikum noch vor dem ersten gespielten Ton staunen. Weder extravagantes Bühnenoutfit noch sonst eine außergewöhnliche Äußerlichkeit ist Anlass für das rege Interesse. Alleine das Alter dieser aufstrebenden Band sorgt für Aufsehen. Allesamt noch entfernt von der Volljährigkeit, beweisen die jungen Herren musikalische Früherziehung in Perfektion. Deutlich inspiriert von den großen OPETH, aber fernab aller Duplizität beschreiten SECOND RELATION neue Pfade und schaffen es mit ihrer größtenteils ruhigen, progressiven Musik das aufgeheizte Publikum in Ihren Bann zu ziehen. Einen nicht geringen Anteil am omipräsenten Erscheinen der Band hat Sänger und Bassist Bastian, der mit seinem jugendlichen Charme das gesamte Rund zu begeistern weiß. Hinzu kommt die schon fast erschreckende Präzision an den Instrumenten, die ausnahmslos jeder der fünf Musiker an den Tag legt. Selbst bei gestanden Musikern ist nach jahrelangem Zusammenspiel selten dieses außergewöhnliche Feeling für den eigenen Song zu beobachten. Äußerst beeindruckend ist es, wie es die blutjunge Band mühelos schafft, ein hechelndes Metalpublikum in ihren Bann zu ziehen.

Dank einem sehr stark besetzten Teilnehmerfelds, war es dann auch dieses Jahr wieder nicht einfach für die Juroren, sich auf einen Sieger zu einigen. Die Jury setzte sich u.a. aus Redakteuren von Metal.de, dem A&R von Metal Blade, einem Redakteur des Metal Hammer und einer Lady aus den Reihen der Besucher, die die Jurymitgliedschaft im Vorfeld bei einem Preisausschreiben gewonnen hatte, zusammen. Nach entsprechender Beratungszeit fanden sich alle teilnehmenden Bands noch mal auf der Bühne ein, wo nach einer kurzen Juryvorstellung dann Second Relation als Gewinner gekürt wurden und sie somit verdienter Weise am morgigen Donnerstag das SUMMER BREEZE 2009 eröffnen werden.


One way mirror

20.00 (PZ) ONE WAY MIRROR
Nachdem mit SECOND RELATION die Sieger der Newcomer Stage ermittelt sind, beginnt um Punkt acht der reguläre Festivalbetrieb, der mit ONE WAY MIRROR stilistisch an die ersten Kapellen des Tages anknüpft. Mit ihrem modernen Metal SOILWORK’scher Prägung fackeln die agilen Franzosen nicht lange und nehmen das bereits gut vorgewärmte Publikum vom Fleck weg mit. Das Partyzelt ist noch immer gut gefüllt und für die Anwesenden scheinen ONE WAY MIRROR keine gänzlich Unbekannten zu sein. Denn die eingängigen Songs werden aufgenommen wie gute Bekannte. Kein Wunder: mit Guillaume Bideau (MNEMIC) und Dirk Verbeuren (eben SOILWORK) hat die Band einschlägig vorbelastete Mitglieder in ihren Reihen. Zur guten Stimmung im Zelt trägt auch der amtliche Sound bei, der dem dynamischen Auftreten der Band schön kernige Bässe und ordentlich röhrende Gitarren beschert und keine Wünsche offen lässt. Hymnische Refrains wechseln sich mit thrashigen Einlagen und treibenden Grooves ab, über die Sänger Guillaume seine variablen Vocals streut – wobei er nicht nur einmal an FAITH NO MOREs Mike Patton erinnert. Dass aller Anfang schwer ist, widerlegt die Band mit einem überzeugenden Gig, der reichlich Bock auf mehr macht.


Razor of Occam

20.55 (PZ) RAZOR OF OCCAM
Der Ausstoß der Nebelmaschinerie hüllt das Partyzelt in einen süß duftenden Dunst, als RAZOR OF OCCAM im Anschluss auf die Bretter steigen, um den Nachweis anzutreten, dass es auch komplett anders geht. Vorbei ist die süße Melodik – ab jetzt kreist der Old-School-Hammer. Wenn man in Betracht zieht, dass die Band zur Hälfte aus DESTRÖYER 666-Members besteht, verwundert das nicht wirklich, lässt aber auch eine gewisse Erwartungshaltung aufkeimen. Nach immerhin zehn Jahren Bandgeschichte haben die Briten neulich ihr erstes Full Length-Album bei Metal Blade herausgebracht und stehen nun livehaftig auf der Party Stage, um ihr Gebräu aus Old School Death und Black Metal mit deutlichem Thrash-Einschlag in die Menge zu jagen. Von eben diesem Album „Homage To Martyrs“ stammt dann auch die Mehrheit der Songs, die das Quartett erwartungsgemäß kaltschnäuzig zum Besten gibt. Viel Bewegung herrscht nicht auf der Bühne. Kaschierendes Beiwerk, wie großartige Bewegung oder andere Formen des Stage-Acting, haben diese alten Hasen nicht nötig. Zum einen würde das nicht zum staubtrockenen Charakter der Songs passen, zum anderen überzeugen sie einfach musikalisch. Die Soli von Gitarrist Ian sind sowohl Augen- als auch Ohrenweide. Dass sich das Publikum auch für ratternden Old-School-Sound begeistern kann, zeigen die durchweg positiven Reaktionen, die der Band während des Gigs entgegen schwappen. Gut so! Denn mit VOMITORY setzt das Billing dem Abend im direkten Anschluss härtetechnisch sogar noch einen drauf.


Vomitory

22.00 (PZ) VOMITORY
Gepflegter Schwedentod zum guten Abend, was will man mehr? VOMITORY wissen, was man von ihnen erwartet, fackeln nicht lange und hauen dem Publikum direkt „The Carnage Rages On“ und „Revelation Nausea“ um die Ohren. Und dem Volk geht bei den herrlichen Blasts, die die Schweden aufs Parkett legen, dann auch direkt das Herz auf. Mittlerweile ist das Zelt bis in die letzten Ecken gefüllt, was bei einer so extremen Band wie VOMITORY zunächst doch ein wenig verwundert. Doch die Leute geben Gas, erfüllen willig jede Aufforderung zum Circle Pit und sorgen dafür, dass die gesammelte Wärme von geschätzten 600 abgehenden Körpern bald den Schweiß in Rinnsalen die Zeltwände hinab fließen lässt. VOMITORY haben die Leute von der ersten Minute an im Griff und lockern diesen auch mit „Serpents“ und dem Titeltrack ihres vorletzten Albums „Terrorize, Brutalize, Sodomize“ nicht. Mächtig groovende Monsterparts wechseln sich mit Blast-Attacken ab, dass es eine wahre Wonne ist. Das sieht wohl auch das Publikum so und feiert die Band ab wie einen kleinen Headliner. Nach gefühlten zwanzig Minuten, die sich laut Zeiteisen aber als ausgewachsene Dreiviertelstunde entpuppen, beschließen „Redemption“ und „Under Clouds Of Blood“ einen Gig, mit dem VOMITORY einmal mehr bestätigen, was wir eigentlich schon immer wussten: Gute Musik braucht keine Melodie.


God Dethroned

23.05 (PZ) GOD DETHRONED
Kurzfristig kam es zu einer Änderung im Ablauf, CATARACT waren nicht rechtzeitig vor Ort und so gingen GOD DETHRONED früher als geplant ins Rennen. Und so betraten nun also die Holländer um Frontmann Henri Sattler die Bühne, um dem Partyzelt mit ihren mächtigen Death-Black-Metal-Hymnen einzuheizen. Sobald die Musiker auf den Brettern erschienen, schallte ihnen ein großer Jubelsturm vom Publikum entgegen. Und GOD DETHRONED legten gleich furios mit „Under A Darkening Sky“, einem wahren Tornado des eingängigen Todesbleis, los. Im Laufe des gelungenen Auftritts zeigte sich deutlich, dass die epischen Melodien, die prägnanten Nackenbrecherriffs, das treibende Schlagzeugspiel sowie die tiefen Growls genau das richtige Futter für die gierigen Fans waren. Zahlreiche Pommesgabeln in der Luft, Moshpits und sogar ein ansehnlicher Circlepit ließen da auch gar keinen anderen Schluss zu. GOD DETHRONED ihrerseits wirkten äußerst engagiert, feuerten präzise und mit viel Leidenschaft einen wuchtigen Death-Metal-Brocken nach dem anderen ins Auditorium, bis schließlich mit dem ungezügelten „Villa Vampiria“ leider schon Schicht für die Tulpenschlächter war.


Powerwolf

00.15 (PZ) POWERWOLF
Obwohl im Zelt natürlich nicht zu erkennen war, ob am Nachthimmel der Mond stand, stieg mit dem Näherrücken des Auftritts der „rumänischen“ Metalrecken, auch die Zahl derjenigen, die inbrünstig den Mond anheulten. Mit minimaler Verzögerung starteten die in schwarze Roben gekleideten Jungs mit „We Take It From The Living“ in ihr Set. Die anfangs leichten stimmlichen Probleme, waren schnell vergessen und Attila Dorn steuerte seine Crew souverän durch die Songs, während das Publikum kaum noch ausgelassener hätte feiern können. Nach dem ersten Song hantierte Dorn mit einem Weihrauchgefäß herum, wodurch er dem Publikum unter anderem die Schweinegrippe austreiben wollte; bei der Band reiht sich eben nicht nur (Mitgröhl-)Hit an Hit, auch die Unterhaltung wird ganz groß geschrieben. Und auch das Auge isst bekanntlich mit, dank großem Backdrop und vier sehr hohen und stimmungsvoll rot angestrahlten Aufstellern in Kirchenfenster-Optik, gabs auch abseits der Bandmitglieder was zu Kucken. Mit Ausnahme des Drummers (wen wunderts?) war die komplette Band ständig am über die Bühne wuseln und gerade Orgelknecht Falk Maria Schlegel heizte die Meute dabei kontinuierlich an. Die neun Songs auf der Setlist boten einen ausgewogenen Querschnitt durch die drei seitherigen Alben und dank der zweistimmigen Gitarrenleads bei „In Blood We Trust“ wehte sogar ein Hauch IRON MAIDEN durchs Zelt. Mit einer recht knappen Spielzeit von gerade mal 45 Minuten war natürlich nicht für jeden Hit Platz auf der Setlist, und so dürften nicht wenige beispielsweise „Mr. Sinister“ vermisst haben, aber was nicht ist, ist nicht. Mit „Kiss Of The Cobra King“ gabs einen optimalen Abschluss, bei dem Attila dann im Bühnengraben mit den ersten Reihen gemeinsam sang.


Cataract

01.20 (PZ) CATARACT
Wegen Problemen bei der Anreise wurden die Positionen von GOD DETHRONED und CATARACT kurzfristig getauscht. Es dürfte den Anwesenden aber schnell aufgefallen sein, dass da keine niederländischen Death Metaller, sondern Eidgenossen mit ordentlich Hardcore-Attitüde zum Death Metal-Grundgerüst angetreten waren. Die Death Metal-Roots ließen sich direkt an den getragenen Shirts der Mucker ablesen, Sänger Fedi trug einen riesigen Obituary-Schriftzug auf der Brust, während der Basser im Death-Shirt antrat. Im Publikum kochte spätestens ab dem Moment die Stimmung hoch, als Sänger Fedi nach dem von seinen Jungs selbst gespielten Intro die Bühne enterte. Der Pit brodelte non Stopp, die Grabensecurity hatte alle Hände voll damit zu tun die vielen Crowdsurfer von der Menge zu fischen und die Band zeigte sich sehr spielfreudig, agil und kompakt. Verschnaufpausen waren Mangelware, einzig etwa in der Mitte des Sets gabs vor „Killing Tool“ ein Intro vom Band, wo sich die Wogen kurz etwas geglättet haben – nur um dann in der Folge noch höher zu schlagen. Als Sahnehäubchen gabs dann auch die geforderte Wall Of Death. Neben Fronter Fedi fiel besonders Drummer Ricky Dürst positiv auf. Der hatte zwar weder ein riesiges Kit, noch spielte er sonderlich frickliges Zeug, aber im Zusammenhang mit seinem Spiel fiel einem dann direkt die sprichwörtliche Schweizer Präzisionsarbeit ein. Be-ein-druck-en-de Show!


Donnerstag, 13.08.2009

Second Relation

13.00 (PS) SECOND RELATION
Ihre mitgereisten Eltern waren mindestens so aufgeregt wie die Musiker von SECOND RELATION selbst, als es dann wirklich Zeit für sie war das SUMMER BREEZE 2009 zu eröffnen. Pünktlich zu ihrem Auftritt, hörte es dann auch auf zu regnen und so strömten während des Auftritts permanent Volk vor die Pain Stage. Da hatten wohl einige Probleme den erwachsenen Sound, der aus den Boxen kam mit dem Bild der minderjährigen Musiker auf der Bühne zu synchronisieren. Ihr Sound nahm jedenfalls absolut gefangen. Das war zwar keinesfalls eine Band, die zu spontanen Hüpforgien animierte, aber als erste Band des Tages passten sie auch richtig gut zur Wettersituation. Wolkenverhangener Himmel, Wind, also eher Herbstatmosphäre – an sich hätten nur noch fallende Blätter gefehlt. Auch die Protagonisten auf der Bühne gingen eher introvertiert vor, besonders Sänger/Bassist Bastian war völlig in die Songs und seine Parts versunken und schaffte es schlafwandlerisch sicher seine Parts perfekt zu performen. Dass auch das Publikum begeistert war, liess sich außer am steten Zustrom so recht erst nach dem ersten Song erkennen (und der hatte durchaus Überlänge), als begeisterter Applaus losbrach, was die jungen Herren auf der Bühne sichtlich verlegen machte. Nach der Show konnten wohl viele der Anwesenden die Entscheidung der Jury vom Vortag nachvollziehen.


Katra

13.30 (MS) KATRA
Mit finnischem Gothicsound gings dann auf der Hauptbühne los bzw. weiter. Nach dem fordernden Material ihrer Vorgänger gings hier wesentlich direkter in die Knie der anwesenden Frühaufsteher. Die rothaarige Schönheit am Mikro tat ein Übriges in Sachen Publikumsmotivation bzw. –animation, und so wurde schon recht schnell mitgeklatscht und die Hände in die Luft gereckt. Die Band hatte anfangs mit ein paar Rückkopplungen zu kämpfen, nach zwei Songs hatte sich das aber auch erledigt. Die namensgebende Sängerin Katra zog sehr engagiert die Massen in ihren Bann und da war auch schnell vergessen, dass da nicht jeder Ton 100%ig getroffen wurde. Für etwas Irritation sorgten vielleicht die doch recht häufigen Keyboardpassagen, denn da dürfte manch einer die riesige Bühne vergeblich nach einem Keyboarder abgesucht haben – die Sound wurden alle eingespeist. Rein gesanglich bieten sich natürlich Vergleiche zu NIGHTWISH, WITHIN TEMPTATIO und Konsorten an, diese Finnen gingen aber wesentlich straighter ans Werk und sparten sich auch jegliche Ausflüge ins Opernhafte. Überraschend dann die Coverversion eines Songs, den die breite Masse wohl von LOONA oder auch MECANO kennt: „Hijo de la Luna“. Das spanische Volkslied gewann aber durchaus in der Katra-Bearbeitung und kam auch beim Publikum gut an. Fast entschuldigend danach dann die „Are You Ready For Some Serious Headbanging?“-Ansage des Bassers vor dem nächsten Song – und das Publikum war durchaus bereit! Seltsam war aber, dass vor der Pain Stage mittlerweile mehr Leute auf DEADLOCK warteten, als sich wegen KATRA vor der Mainstage eingefunden hatten.


Deadlock

14.10 (PS) DEADLOCK
Nach den Newcomern von Second Relation betraten Deadlock die Pain Stage. Vor der Bühne hatten sich noch während Katra auf der Hauptbühne spielten zahlreiche Fans eingefunden. Nach einem kurzen Techno Intro gingen die fünf Herren und die Dame auch gleich in die Vollen. Mit „Martyr To Science“ und „Code Of Honor“ feuerte die Band gleich zwei absolute Hits zu Beginn ihres Sets ab. Der Abwechslungsreiche Soundmix aus brutalem Metalcore und epischem Metal. Der Doppelgesang von Frontfrau Sabine und Shouter Johannes verleiht den Songs eine besondere Note. Insbesondere Sabine Weniger zählt mit ihrer glasklaren aber dennoch kraftvollen Stimme zu einer der stärksten Sängerinnen im modernen Metal. Zum Abschluss packte die Band noch mal die Techno/Dance Keule aus und stieß damit sicherlich den einen oder anderen im Publikum vor den Kopf. Insgesamt kam der Auftritt aber sehr gut an und wurde mit heftigen Publikumsreaktionen belohnt. Deadlock zeigten eindrucksvoll dass sie über die Jahre zu einer sehr starken Liveband gewachsen sind.


Vader

14.55 (MS) VADER
Lange nicht mehr – aber immer wieder gern – gesehene Gäste sind fraglos VADER, die zur besten Kaffeekränzchenzeit vor die Main Stage laden. Waren die Polen vor einigen Jahren fast schon überpräsent, haben sie es mittlerweile geschafft, die damals drohende Übersättigung wieder in neuen Hunger beim Publikum zu verwandeln und füttern es heute Nachmittag mit einem fetten Old-School-Gig. Nach dem Intro zum Einmarsch der runderneuerten Formation geht es gleich mit „Dark Age“ in die Vollen. Zum Nüsseknacken tight und bestens aufeinander eingespielt geben VADER die Marschrichtung vor: es geht gen Vergangenheit. „Sothis“ und „Black To The Blind“ folgen, die deutlich unterstreichen, dass VADER noch immer einen unverkennbaren eigenen Stil fahren. Frontmann Pjotr röhrt so einzigartig wie sonst vielleicht nur Jan-Chris de Koeijer (GOREFEST) und stachelt die Menge zu einigen Walls Of Death an. Die Gitarren surren wie ein Riesenschwarm Killerbienen und Drummer Paul ist eine wahre Waffe: ein Maschinengewehr, großkalibrig und doppelläufig, das sentimentale Erinnerungen an den vor einigen Jahren verstorbenen langjährigen Drummer Doc aufkommen lässt, dessen Spiel den Sound von VADER für immer geprägt hat. Im Publikum ist für Sentimentalitäten aber keine Zeit. Der wabernde Orbit des Moshpits saugt immer mehr Leute ins Geschehen, polnische Flaggen werden geschwenkt, Songtitel skandiert und über allem fliegt ein lila Kissen von einer Ecke des Publikums in die andere. Da sag noch einer Death Metal sei nichts zum Kuscheln!


Grand Magus

15.40 (PS) GRAND MAGUS
Auch wenn sich die Besucher an diesem Mittag sicher besseres Wetter verdient hätten, ist das Ambiente perfekt für die Schweden. Der Himmel ist in tiefes Grau getaucht und ein kühler Wind bläst über das Gelände. Von der ersten Sekunde an lässt das Trio keine Zweifel aufkommen, dass auch grooviger oldschool Doom mit erdigen Rockelementen wunderbar auf einem Festival funktioniert und auch bei jungem Publikum durchaus salonfähig ist. Trotz des heute eher spärlichen Stageactings der Herren ist von Beginn an zustimmendes Kopfnicken bis in die letzten Reihen zu beobachten. GRAND MAGUS rocken das SUMMER BREEZE. Insbesondere die Rhythmusfraktion um Drummer Frederik und Basser Fox sorgt für eine grandiose Soundwand. Sänger JB ist in gewohnter Manier bester Laune und versteht es ein ums andere Mal mit nordischen Anekdoten die Songs zu intonieren. Höhepunkt des Sets ist das Titelstück des aktuellen Longplayers „Iron Will“, das während des Songs von lautstarken Sprechchören begleitet wird. Sichtlich begeistert und immer in der Nähe einer Bierdose, sprüht JB förmlich vor Spielfreude und hinterlässt eine begeisterte Menge, die in dieser Stärke nicht zu erwarten war. Charaktervoller Auftritt der Schweden, der der Band noch einige zusätzliche Fans beschert haben dürfte.


Jack Slater

16.00 (PZ) JACK SLATER
JACK SLATER, benannt nach dem Actionhelden des „Last Action Hero“ Films, sind im deutschen Underground bereits seit 13 Jahren eine feste Größe und haben den Ruf, eine hervorragende Live-Band zu sein. Hiervon durften sich auch die zahlreichen Fans im Partyzelt an diesem Nachmittag überzeugen. Mit spielerischer Leichtigkeit feuerte die engagiert wirkende Formation ihren technischen Brutal Death Metal mit starker Grindcore-Schlagseite amerikanischer Machart von der Bühne. Ihre knackigen, kraftvollen und aggressiven Stücke zwischen Groove und Raserei triefen nur so vor Blut und Rohheit, handeln doch die deutschen Texte meist von Splatter- und Horrorszenarien. Für viel Spaß in den Backen sorgten indes nicht nur die Spiellaune von JACK SLATER, sondern auch die überaus witzigen Ansagen von Sänger Horn, welcher sich erst einmal darüber wunderte, dass so viele „hässliche Menschen“ den Weg ins Zelt gefunden hätten. Der Aufforderung, dass die Fans die Bühne stürmen sollten, da sowieso nicht allzu viele Securities vor Ort wären, kam glücklicherweise niemand nach. Schön auch, dass die ganzen feinen Raffinessen wie die herrlich eigenwilligen Soli gut zur Geltung kamen. Mit dem unbarmherzigen „Metzgore“ endete schließlich der energische Auftritt.


Unheilig

16.30 (MS) UNHEILIG
Obwohl – oder vielleicht ja auch gerade weil! – die Band sich stilistisch eher am Rand des sonst üblichen auf dem SUMMER BREEZE bewegt, drängten sich die Fans schon lange vor der Show ihrer Helden vor der Main Stage – und zwar bis deutlich hinters Mischpult. Als es dann sowohl für die Band als auch die ungeduldig wartenden Fans endlich losging, wurde auf beiden Seiten direkt Vollgas gegeben. Zunächst startete die Band alleine in den ersten Song und als dann kurz darauf auch Sänger Der Graf dazustieß brandete noch mal extra viel Applaus auf. Der Mann ist ohnehin der Dreh- und Angelpunkt der Band. Ganz schick in schwarzer Anzughose und Krawatte zum weißen Hemd und mit ohne Haare dirigierte er charismatisch die Massen. Dabei warf er sich auch gerne mal in die ein oder andere theatralische Pose, tigerte permanent an der Bühnenkante hin und her und zeigte sich extrem sympathisch. (Was er dann später bei der Autogrammstunde auch unterstrich indem er wohl wirklich überhaupt keine Berührungsängste hatte, wirklich jeder seine Unterschrift, sein Foto und/oder seinen Handschlag bekam). Recht früh im Set wurde dann auch die erste Ballade aus dem Hut gezaubert und selbst da brach die Stimmung keineswegs ein, sondern erreichte einen weiteren Höhepunkt. Und auch optisch hatte sich die Band was einfallen lassen und garnierte ihren streckenweise fast poppigen Mix aus Gothic und NDH-Riffs mit einem dreigeteilten Backdrop und drei riesigen Kerzenständerbögen. Schade nur, dass die Band hinter dem Grafen etwas blass und statisch blieb.


Sylosis

17.00 (PZ) SYLOSIS
In letzter Zeit spricht man immer wieder darüber, dass Thrash Metal wieder deutlich angesagter wäre und dass diese Stilrichtung wieder stark am Kommen ist. Das ist sicherlich etwas übertrieben, wenngleich doch mittlerweile deutlich mehr neue Bands sich wieder diesem Genre widmen. SYLOSIS aus Großbritannien sind eine jener Gruppen, und haben Ende letzten Jahres ihr Debütalbum „Conclusion Of An Age“ veröffentlicht. Hier trifft die alte Schule auf die neue. Mit ihrem Mix aus Bay Area Thrash sowie modernen Einflüssen aus dem europäischen Norden, wie latenten Melodic-Death-Metal-Einsprengseln, und einer Spur Metalcore hatten SYLOSIS das Zelt schnell im Griff. Kein Wunder bei dem Sound, der irgendwo zwischen TESTAMENT, KILLSWITCH ENGAGE, IN FLAMES, SOILWORK und SLAYER liegt. Gerade die episch-klaren Refrains und die tiefen Growls des äußerst talentierten Sängers Jamie in Verbindung mit den brutalen Grooves sorgten nicht nur für reihenweise Fäuste in der Luft, sondern auch für ordentlich Bewegung im vorderen Bereich des Publikums. Gerade der Frontmann schien vor Energie gleich zu platzen, doch die Anstrengung hatte sich auch wirklich gelohnt! Und um eine amtliche Wall Of Death musste der gute Mann die zahlreichen Fans auch nicht lange bitten.


Equilibrium

17.25 (PS) EQUILIBRIUM
Nach einem kleinen Fehlstart in Sachen Intro gings dann um 17.25 Uhr tatsächlich mit dem dramatischen Intro los. Und obs nun an der fünfjährigen SUMMER BREEZE-Abwesenheit der Bayern oder mehr an der generellen Vorliebe des Publikums für launig-derben Pagan Metal lag, lässt sich nicht zweifelsfrei sagen; es war auf jeden Fall ein Start-Ziel-Sieg der Band. Wohl selbst etwas von den heftigen Reaktionen überrascht hat sich Sänger Helge Stang zwischen den Songs immer wieder fast ungläubig bedankt. Abgesehen vom Sänger schien das völlig austickende Publikum die restlichen Mucker wenig zu motivieren, denn sie konzentrierten sich weitestgehend fast stoisch aufs Bedienen ihrer Instrumente. Für die emsige Graben-Security gabs auf jeden Fall tonnen zu tun, es befanden sich ständig mehrere Crowdsurfer über den Köpfen und abseits der Bühne kümmerten sich die Sanitäter tatsächlich um die ersten Opfer! Als kleine Auflockerung gabs eine eher despektierliche MICHAEL JACKSON-Einlage. Die Band spielte „Billi Jean“ an und der Sänger versuchte sich mit einem Hut bewaffnet mit eher kläglichem Erfolg an einer Imitation bekannter Posen. Das wurde dann aber schnell vom nächsten Track der Combo beendet.


Psycroptic

18.00 (PZ) PSYCROPTIC
PSYCROPTIC dürften wohl die Band mit dem weitesten Anfahrtsweg des Festivals sein. Das Quartett stammt aus Australien, genauer gesagt Tasmanien. Am anderen Ende der Welt also. Die Musik eilte der Band aber voraus und so haben sich bereits einige Moshwillige im Partyzelt eingefunden. Und die Band liefert massig Material dafür. Technisch versierter, aber dennoch straighter Death Metal der sowohl in Grindcore also auch progressiven Gefilden wildert. Blickfang war sicherlich Shouter Jason, der an seinem geschorenen Schädel nur einen recht dünnen aber umso längeren Zopf hat stehen lassen, der einen recht coolen Mosh Effekt abgibt. Der Sound der Band war ultrabrutal und glänzte sowohl mit rasanten Hochgeschwindigkeitsorgien als auch mit messerscharfen Grooves. Das Zelt füllte sich im Lauf des Sets immer mehr und die Australier verließen die Bühne mit einem zufriedenen Grinsen auf dem Gesicht.


J.B.O.

18.15 (MS) J.B.O.
Die Spaßvögel von J.B.O. waren nicht zum ersten Mal auf dem Summer Breeze, und auch dieses Mal war wieder für eine Stunde für fröhliche, ausgelassene Stimmung gesorgt. Eine riesige Menschenmenge hatte sich vor der Mainstage versammelt, als die rosa Barden mit „Im Verkehr“ einen furiosen Start hinlegten. Überhaupt schien rosa die Farbe des frühen Abends zu sein. Rosa Marshall-Boxen, überall Fans verkleidet als rosafarbene Hasen, Schafe, Engel und irgendwelche Fantasieobjekte. Wer schon immer mal einen doch recht menschlichen Hasen mit den Ohren bangen sehen wollte, muss unbedingt mal auf ein Konzert der Gute-Laune-Musiker. Überhaupt war über den gesamten Verlauf des Auftritts Stimmung angesagt, nicht nur während der durchweg lustigen Songs, sondern auch zwischen den Stücken sorgten vor allem Vito und Hannes mit reichlich vielen Witzen für Kurzweil. Die Welt, zumindest der fränkische Teil von ihr, schien J.B.O. zu Füßen zu liegen. Jedes Lied wurde lauthals mitgesungen, die Interaktion mit dem Publikum war nahezu perfekt, und unzählige Crowdsurfer sorgten dafür, dass die Securities im Fotograben alle Hände voll zu tun hatten. Diese hatten sich übrigens rosafarbene Shirts übergezogen. Die Rosa Armee Fraktion ist und bleibt einfach ein Garant für gute Laune und Party. Eben wahre „Verteidiger des Blödsinns“! Und mit „Geh mer halt zu Slayer“ gabs sogar einen brandneuen Song.


Beneath the Massacre

19.00 (PZ) BENEATH THE MASSACRE
Nach den Australiern betrat eine weitere Band aus einer ehemaligen britischen Kolonie die Bühne. Die Kanadier BENEATH THE MASSACRE zeigten dem Publikum im Party Zelt wo der Hammer in Sachen extremem Metal hängt. Mit atemberaubender Geschwindigkeit und Präzision ballerte die Band ihre Songs in die willige Meute. Verzwickte Gitarrenparts treffen auf massives Schlagzeuggeballer und sorgen in Kombination für offene Münder. Gezielt fährt die Band aber auch immer wieder das Tempo runter und fordert die Anwesenden mit Breakdowns der fettesten Sorte. Beeindruckender Anziehungspunkt ist der muskulöse Shouter Elliot, dessen tiefe Growls durch Mark und Bein gehen. Die Setlist setzte sich sowohl aus aktuellem als auch älterem Material zusammen. Liebhaber der extremen Spielarten des Metals sind bei diesem Auftritt zweifellos auf ihre Kosten gekommen.


Walls of Jericho

19.20 (PS) WALLS OF JERICHO
Ein echtes Highlight auf der Painstage war sicherlich der Auftritt von WALLS OF JERICHO. Die Band aus Chicago gibt in diesem Jahr ihr längst überfälliges Debüt auf dem SUMMER BREEZE. Entsprechend viele Fans hatten sich vor der Bühne versammelt und nach einem kurzen Intro stürmte die Band um Frontfrau Candace auch schon die Bühne. Aufgrund des kühlen Windes hatten die meisten Bandmitglieder wohl zu eher warmen Bühnenoutfits gegriffen, die aber schon nach dem ersten Song abgelegt wurden. Kein Wunder, die Musiker gaben sich sehr agil und spielfreudig. Es dauerte nicht lange bis der Funke auch aufs Publikum übersprang und es den lautstarken Forderungen von Candace nach Circle Pits nachkam. Es gab Zeiten in denen man tatsächlich drei Pits zur gleichen Zeit beobachten konnte. Auch Wall Of Death war natürlich wieder ein gern gespieltes Pit-Spiel. Der Auftritt der Band bestand aus einem starken Best-Of Set mit Material der letzten drei Alben. Der Auftritt wurde natürlich von dem Sing-along-Hit der Band, „Revival Never Goes Out Of Style“, beendet. Zu diesem Zeitpunkt kochte der Bühnenvorraum bereits. Ein fantastischer Auftritt an dem sowohl Publikum als auch Band sichtlich Spaß hatten. Zum Abschluss gönnte sich Bassist Aaron Ruby noch ein Bad in der Menge. Einziger Wehrmutstropfen für den Die-Hard Fans: Die Band hätte eigentlich noch fünf Minuten länger Zeit gehabt.


Hackneyed

20.00 (PZ) HACKNEYED
Was jetzt folgt ist eine Offenbarung für jeden eingefleischten Death Metal Fan. Von Beginn an legen die jungen Schwaben das Party Tent in Schutt und Asche. Im letzten Jahr noch mit dem Bonus ihrer Jugendlichkeit gesegnet, lassen HACKNEYED an diesem Abend keine Zweifel aufkommen, dass in kurzer Zeit eine gestandene Band gereift ist, die Todesbleisalven mit höchsten technischen Anspruch formt. Insbesondere Sänger Phil besitzt mittlerweile ein Charisma, das sich mit seinem Alter kaum vereinbaren lässt – früh übt sich! Routiniert und trotzdem strotzend vor jugendlichem Charme hat der Fronter das prall gefüllte Zelt direkt vom Start weg mit dem schlau gewählten Opener „Axe Splatter“ fest in seinen Händen. Auch der Rest der Band legt die anfängliche Nervosität zügig ab und blastet einem Höhepunkt nach dem anderen entgegen. Noch vor kurzer Zeit als hoffnungsvoller Newcomer promotet, beweisen HACKNEYED an diesem Abend, dass sie sich in kürzester Zeit zu einer ernstzunehmenden Größe im Death Metal gemausert haben. Auch das Publikum honoriert jeden Song mit enthusiastischem Beifall und lässt inmitten des prall gefüllten Zeltes immer wieder einen grandiosen Moshpit entstehen. Wer vor der Show noch irgendwelche Zweifel an der Band hegte, wird mittels des Sets und durch eine intensive Welle purer musikalischer Brutalität überzeugt. Von der Newcomerhoffnung also in kürzester Zeit zum Aushängeschild des deutschen Death Metal – Respekt!


Kreator

20.15 (MS) KREATOR
Zur besten Spielfilmzeit hatte das deutsche Thrash-Metal-Urgestein KREATOR geladen, und alle waren sie gekommen. Alle? Nun zumindest sah es so aus, denn vor der Mainstage hatte sich eine riesige Menschenmenge versammelt, um den nicht mehr ganz so jungen Mannen um Kult-Fronter Mille zuzusehen. Kein Wunder, schließlich handelt es sich bei den Ruhrpottlern um DIE Institution in Sachen Teutonen-Thrash, welche nicht nur ganze Legionen an Bands international beeinflusst hat, sondern kürzlich auch mit „Hordes Of Chaos“ ein wirklich mächtiges neues Album veröffentlicht hatten. Doch selbstverständlich wollen die Fans hauptsächlich die alten Stücke hören, und KREATOR wären nicht KREATOR, wenn sie das nicht wüssten. Dementsprechend gab es gleich tonnenweise alte Hits. Zum Intro „Choir Of The Damned“ wurden riesige Nebelmaschinen in Gang gesetzt, welche ihren roten Auswurf über die Köpfe des Publikums verbreiteten und schon mal die passende Optik für den Opener „Hordes Of Chaos(A Necrologue For The Elite) “ boten. Mittelpunkt des Geschehens war wie immer der charismatische Frontkämpfer Mille, welcher mit seinen Ansagen die Fans vor der Bühne immer weiter anstachelte und nach jedem Song einen noch größeren Moshpit forderte. Unbedingt notwendig wäre es nicht gewesen, denn schließlich zog die Band auch so sämtliche Register. Sei es das perfekte Zusammenspiel, das gute Stageacting oder die gnadenlose Setlist, welche nun wirklich kaum Wünsche offen lies. Neuere und alte Hits reihten sich stimmig aneinander, und KREATOR bewiesen ein weiteres Mal, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören, sondern immer noch wissen, wie man aggressive Musik spielt und ein riesiges Publikum mitreißen kann. Keinerlei Verlust an Biss und Durchschlagskraft bei Deutschlands wichtigster Thrash-Metal-Band. Nicht wenige zeigten sich erst mal erstaunt, als die Band dem Publikum nach acht Songs bereits den Rücken zukehrte. Selbstverständlich ließen die lauten Zugaberufe nicht lange auf sich warten, so dass KREATOR nochmals einige Stücke spielten, um sich dann mit einem knappen „Tschüss“ zu verabschieden. So einfach darf man sich aber natürlich nicht vom Summer-Breeze-Publikum verdrücken, und so bildete „Warcurse“ die erste Nummer des zweiten Zugabeteils. Bevor „Flag Of Hate“ ertönte, ließ es sich Mille nicht nehmen, mit einer KREATOR-Flagge über die Bühne zu stapfen, und die Fans mehrmals den Refrain lauthals mitschreien lassen, so dass diese Worte wohl über ganz Dinkelsbühl wehten. Den Schlusspunkt dieser gelungenen Show markierte dann die Kultnummer „Tormentor“. Well Done!


The red chord

21.00 (PZ) THE RED CHORD
Nach der Death Metal-Breitseite von HACKNEYED hatten es die Herren aus Massachusetts mit ihrer Mischung aus Grindcore, Death Metal und Hardcore Versatzstücken nicht ganz leicht. Noch benommen vom Groove der Vorgängerband braucht das Publikum offensichtlich ein paar Minuten, bis es sich auf die musikalische Raserei der Jungs einlassen konnte. Dafür gibt es schließlich aber kein Halten mehr als Sänger Guy Kozowyk das Ruder an sich reißt und das Zelt zu abermaligen Höchstleistungen peitscht. Halsbrecherische Breaks gepaart mit waghalsigen Blastparts wechseln sich in steter Regelmäßigkeit ab und manifestieren schließlich den herausragenden Live-Status dieser Ausnahmeband. Gekonnt mischen die Jungs ihr Set mit alten und neuen Songs und lassen das Zelt gegen Ende des Sets mächtig brodeln. Selbst die Grabensecurity bekommt nun mächtig Arbeit und fischt beinahe im Sekundentakt tieffliegende Metalheads aus dem Publikum. THE RED CHORD beweisen einmal mehr, dass sie live zu jeder Zeit eine feste Größe darstellen.


Backyard Babies

21.35 (PS) BACKYARD BABIES
Rock´n Roll Baby! Die Stunde für alle Liebhaber des dreckig-rotzigen Rock´n Rolls schlug mit dem Auftritt des schwedischen Quartetts. Betont lässig aber mit reichlich Hummeln im Arsch stieg die Band in ihr Set ein. Hier wurden in der Folge (im positiven Sinne) sämtliche harten Rocker Klischees bedient. Insbesondere Gitarrist Dregen zeigte sich von seiner Schokoladenseite und bot ein Feuerwerk an coolen Rock´n Roller-Moves. Der typische Angus Young Walk, Gitarre spielen auf Knien oder das unvermeidliche „Posen mit Kippe“ sind dabei nur drei Beispiele. Die Band bot ein schmissiges Set quer durch die Bandgeschichte, jedoch mit deutlichem Schwerpunkt auf neuerem Material. Zwar fanden sich, gemessen an dem sehr guten Platz im Billing des Festivals, relativ wenige Zuschauer vor der Bühne ein, diese schienen jedoch sehr Glücklich zu sein und feierten die Band ausgiebig ab. Nach elf Stücken verlies die Band die Bühne und liess sich dann aber doch zu einer Zugabe bewegen. Sänger Nicke Borg kam jedoch zunächst allein zurück und bot das Stück „Saved By The Bell“ ganz alleine dar - definitiv ein Stimmungshöhepunkt der Show. Zum Abschluss gab es dann noch mal zwei Kracher in Form von „Look At You“ und „People Like Us“. Die BACKYARD BABIES sind im Billing des Summer Breeze sicherlich eher Exoten gewesen, konnten sich jedoch mit einem rundum gelungen Auftritt behaupten, sorgen für Abwechslung und dürften neue Fans dazu gewonnen haben!


Anaal Nathrakh

22.05 (PZ) ANAAL NATHRAKH
Eine kleine Premiere feiern ANAAL NATHRAKH, die zum ersten Mal auf deutschem Boden spielten. Auch musikalisch gesehen hat man so etwas noch nicht gehört: die Briten vereinen flirrende Black-Metal-Läufe mit räudigen Death-Metal-Vocals und lupenreinem Grind-Speed zu einer Mischung, bei der einem Hören, Sehen und die Fähigkeit geradeaus zu denken, verloren zu gehen drohen. Die Songs mit so klangvollen Titeln wie „I Am The Wrath Of Gods And The Desolation Of The Earth” oder „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen“ sind geschwindigkeitstechnisch nahezu alle im Überschallbereich angesiedelt. Die Gitarren verbreiten schwarzmetallische Disharmonien zuhauf, während Sänger Dave keift und grölt, grunzt und kreischt, was die Stimmbänder hergeben. Richtig sick wird das ganze aber erst, wenn ANAAL NATHRAKH mitten im wüstesten Geballer mit hymnischen Refrains und melodischen Parts die Sonne aufgehen lassen und Dave die cleanen Vocals von der Leine lässt. ANAAL NATHRAKH tänzeln auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn von einem Extrem zum anderen und sind damit sensationell und absolut eigenständig. Auch wenn bei den Zutaten für jeden etwas dabei ist, sind ANAAL NATHRAKH damit noch lange nicht für jeden was. Beeindruckend!


Cantus Buranus

22.40 (MS) CANTUS BURANUS
And Now For Something Completely Different… Mittelaltersounds sind ja gern gesehene Gäste auf dem SUMMER BREEZE und CORVUS CORAX, die Protagonisten dieser Cantus Buranus-Show, sind ja auch keine Unbekanntem auf dem Festival. Die CANTUS BURANUS-Produktion sprengte in ihren Dimensionen, aber dann doch alles, was seither hier geboten wurde. Star-Regisseur Gert Hof, der in der Vergangenheit auch schon Shows für RAMMSTEIN inszeniert hat, durfte offensichtlich aus dem Vollen schöpfen, denn die schiere Masse an Personal, Instrumenten, Ausstattung und Effekten war mehr als beeindruckend. Um es gleich vorweg zu nehmen: zur Masse kam dann auch noch Klasse! Das ca. dreißigköpfige Böhmische Sinfonieorchester Prag, der ebenso große Passionata–Chor und Ingeborg Schöpf, Sopranistin der Staatsoperette Dresden runden die Inszenierung um die CORVUS CORAX-Belegschaft perfekt ab. Ob nun in blutroten Kardinalsroben oder beispielsweise in geheimnisvollen Mönchskutten (Chor und Corvus Corax zogen sich mehrfach während der Show um!), die Show war ein Erlebnis und ein optisches Feuerwerk sondergleichen. Stichwort Feuerwerk: zum perfekten Licht kam natürliches noch einiges an Feuerspielereien und Pyroeffekten. Musikalisch war das dann auch ganz großes Kino, denn so ein komplettes Orchester mit Blech- und Holzbläsern, Pauken, Harfe, Gong und einer Armada an Streichern sorgt schon allein für eine beeindruckendes Klangspektrum, dazu dann noch das riesige Arsenal an mittelalterlichen Schlag- und Blasinstrumenten. Gänsehautgarantie dank Bombast. Die musikalische Bearbeitung der Texte aus den Schriften der Carmina Burana als ein Werk zwischen Klassik, Soundtrack, Mittelalterlicher Musik und den hinlänglich bekannten CORVUS CORAX-Klängen ist für die Headlinerposition auf einer solchen Bühne wie geschaffen.


Misery Index

23.05 (PZ) MISERY INDEX
“We Never Come In Peace” ist Titel des Intros und Programm zugleich, als MISERY INDEX zu fortgeschrittener Stunde die Bühne der Party Stage betreten. Den Härtegrad, den ANAAL NATHRAKH kurz zuvor mit ihrer sicken Show ziemlich weit oben angesiedelt haben, können die vier Jungs aus Maryland locker mitgehen und schenken noch einmal ordentlich aus und schaffen es doch auch noch ihre politischen Überzeugungen einfließen zu lassen – die Band gilt nicht umsonst als sehr engagiert. Zwar ist ihr Sound um einiges geradliniger als der der Vorgänger, der Punch, den ihr Material entwickelt, stachelt das Publikum aber ordentlich an. In einer knappen Dreiviertelstunde holzen sich MISERY INDEX durch einen repräsentativen Querschnitt ihres bisherigen Schaffens und gönnen dabei weder sich noch dem Publikum eine Verschnaufpause. Mit einigen Circle Pits ist im Zelt ordentlich Alarm, bis die Band mit dem coolen „Conquistadores“ einen überzeugenden Gig beschließt.


Katatonia

00.00 (PS) KATATONIA
Der letzte Auftritt der Schweden war vielen Anwesenden sicher noch in sehr guter Erinnerung, ob sie 2006 nun selbst vor Ort waren, und/oder später dann das „Live Consternation“-Album samt DVD gesehen haben. Pünktlich zur Geisterstunde gings dann nach dem Intro auch überraschend holprig mit „Consternation“ los. Die Band wirkte auch beim folgenden „Soil’s Song“ etwas neben sich und fing sich dann bei „Teargas“ vom „Last Fair Deal Gone Down“-Album. Von besagtem Album wurde bei der 2006er-Show beim SUMMER BREEZE kein einziger Song gespielt, das schien die Band dieses Mal ausgleichen zu wollen und so wurden später mit „Future Of Speech“ und „Tonight’s Music“ noch zwei weitere Tracks nachgeschoben. Trotz der bemüht ausgewogenen Setlist, einem gewissen Engagement seitens der Band und einem prinzipiell willigen Publikum sprang der Funke dieses Mal leider nicht wie erwartet über. „Ghost Of The Sun“ gelang der Band, das folgende „My Twin“ schaffte es aber dann wiederum nicht den Stimmungspegel zu halten. Der eigentlich letzte Song war laut Setlist „Evidence“, der vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Völlig überraschend gabs dann als Bonus noch „Murder“ vom 1996er „Brave Muder Day“, inklusive Growls! Eine große Band mit einem nicht ganz so großen Auftritt. Vielleicht hings ja wirklich damit zusammen, dass die Band extra für den Auftritt die laufende Studiosession fürs neue Album unterbrochen hat...


Hate Eternal

00.10 (PZ) HATE ETERNAL
Erik Rutan und seine Mitstreiter live zu sehen, ist immer wieder eine Freude, gehören HATE ETERNAL doch zu den Fittesten an ihren Instrumenten. Besonders bei Erik selbst sieht man gerne hin – und das nicht nur aufgrund seiner Erscheinung – wenn er seine Finger in Windeseile über das Griffbrett seiner Klampfe flitzen lässt. Da bleibt kein Auge trocken und kein Mund geschlossen. Bei allem Können kann die Band heute leider nicht darüber hinweg täuschen, dass ihr ein zweiter Gitarrist gut täte. So wirkt der Sound gerade bei den beeindruckenden Soli streckenweise etwas limitiert. Aber das ist nur ein kleiner Kritikpunkt, denn ansonsten wissen HATE ETERNAL einfach zu überzeugen. Auch wenn die komplexen Songs etwas weniger Party-Appeal mitbringen als zuvor MISERY INDEX, zeigt sich das Publikum vom Gebotenen beeindruckt und würdigt, was es sieht. Insgesamt hat man HATE ETERNAL – die technische Seite natürlich ausgenommen – aber sicher schon überzeugender gesehen.


Suffocation

01.15 (PZ) SUFFOCATION
Liebhaber der wirklich derben Töne dürften das Partyzelt an diesem Tag kaum verlassen haben, und wenn, dann wirklich nur zum Entleeren und Nahrung nachfüllen – denn was da ab 16 Uhr geboten wurde, war wirklich nonstop hochqualitative Knüppelkost. Mit SUFFOCATION betrat um kurz nach ein Uhr nachts dann wohl die Band mit dem größten Renommee die Bühne und unterstrich imposant, warum sie diesen fast schon legendären Ruf genießt. Sie gelten als eine der ersten Bands, die Hardcore mit brutalem Death Metal verschmolz und diese Kombinaton spiegelte sich auch optisch in ihrem Sänger Frank Mullen wieder. Der kahlgeschorene und muskelbepackte Fronter tigerte in weiten Jeans über die Bühne und sorgte mit seinen engagierten, sozialkritisch-politischen Ansagen und den derben Shouts und Growl für die perfekte Symbiose von Hardcore und Death Metal. Ein weiterer Legendenfaktor innerhalb der Combo ist natürlich ihr fast schon übermenschlich schneller und präziser Drummer Mike Smith. Bassist Derek Boyer fiel neben akkuratem Spiel vor allem durch seine eigenwillige Headbang-Position auf: tief in der Hocke, wie auf einem unsichtbaren Stuhl sitzend ließ er die Haare rotieren und fegte dabei noch fast die Bühne. Im Publikum gabs ob der exzellenten Darbietung kein Halten und nahezu konstante Circlepitaction. Hut ab!


Carnifex

02.20 (PZ) CARNIFEX
Zu später Stunde gaben sich die Deathcore Shooting Stars von CARNIFEX ein Stelldichein. Das Zelt war um diese Zeit noch sehr gut gefüllt. Auch die Band hat sich so lange wach gehalten und gab sich äußerst engagiert. Der spargeldürre bis unter die Zähne tätowierte Shouter Scott Lewis zeigte eindrucksvoll wie tief und markerschütternd er grunzen kann. Die Band nahm unterdessen das Publikum unter ultrabrutales Blastbeat- und Breakdown-Dauerfeuer. Überraschenderweise stütze die Band ihr Set nicht nur auf Songs von ihrem Hitalbum „The Diseased And The Poisoned“ sondern bot auch Songs ihres hierzulande eher unbekannteren Debüt „Dead In My Arms“ dar. Technisch lies der extreme Sound keinerlei Wünsche offen. Das Publikum feierte die Band gebührend ab und bei ihrem Hit „Lie To My Face“ waren sogar lautstarke Sing-Alongs zu hören. Für CARNIFEX hat sich das fleißige Touren in Europa in letzter Zeit also durchaus bezahlt gemacht.


The Faceless

03.20 (PZ) THE FACELESS
Die letzte Band im Zelt waren die Newcomer von The Faceless, deren Debüt „Planetary Duality“ in der Szene eingeschlagen ist wie eine Bombe. Entsprechend hatten tatsächlich noch zahlreiche Fans bis zu dieser späten Stunde durchgehalten um sich diesen Leckerbissen nicht entgehen zu lassen. Die Jungs sind allesamt erst Anfang 20, beherrschen ihre Instrumente allerdings durch und durch. Der Stil der Band ist in ihrem Metier eine echte Ausnahme. Kaum eine andere Band verbindet auf so virtuose Weise brutalsten Tech-Death Metal mit progressiven Elementen, eingängigen melodischen Passagen und schädelspaltenden Killerriffs. Auf technisch höchstem Niveau flitzen die Jungs über ihre Griffbretter und malträtieren die Felle. Die markerschütternd brutalen Vocals lassen in Punkto Charisma keinerlei Wünsche offen und der melodische Gesang sorgte gekonnt für Kontraste. Die Songs, die auch von stimmungsvollen Samples unterstützt werden, sind extrem abwechslungsreich, aber nie zu verkopft sondern immer nachvollziehbar. Neben Songs von „Planetary Duality“ gab die Band auch zwei Tracks ihres ersten Albums zum Besten. Die Band schafft es auf beeindruckende Weise die Intensität der Platte live 1:1 zu reproduzieren und sogar noch eins drauf zu setzen. Shouter Derek Rydquist gab sich sehr sympathisch und das Publikum fraß ihm aus der Hand. Ein wahrer Leckerbissen zur späten Stunde. Der Auftritt von THE FACELESS kann getrost als einer der musikalischen Höhepunkte des Festivals gewertet werden.


Freitag, 14.08.2009

Unsun

11.00 (MS) UNSUN
Es verspricht ein schöner Tag zu werden in Dinkelsbühl. Die Sonne kämpft sich ihren Weg durch die Wolken und wärmt den ersten Gästen vor der Main Stage den Rücken. Auf der Bühne finden sich derweil die Polen von UNSUN ein, um den noch spärlich vertretenen Anwesenden das Konterbier mit etwas Gothic-Pop zu versüßen. Keine Sorge: die gebotene Mucke ist von der leicht verdaulichen Sorte und setzt mit Sicherheit nicht an. Zumindest wenn man nach Sängerin und Frontfrau Aya urteilt, die stimmlich zwar eine Klangfarbe auffährt, die einer Sharon den Adel (WITHIN TEMPTATION) nicht unähnlich ist, trotzdem aber noch in kindlicher Kleidergröße Platz findet. Überfordern möchte man das Publikum zu dieser frühen Stunde offenbar noch nicht, hält man sich in punkto Stageacting und Kommunikation doch eher zurück. Besonders Gitarrist Mauser kennt man aus seinen VADER-Zeiten doch um einiges agiler. Verausgaben muss er sich bei den allgemein recht gängigen Songstrukturen jedenfalls nicht. Für den musikalischen Frühschoppen taugen UNSUN zwar, um zur vollwertigen Mahlzeit zu werden, fehlt aber noch ein wenig Nährwert.


The new black

11.35 (PS) THE NEW BLACK
Mit THE NEW BLACK eröffnete zum „Ein Colt für alle Fälle“-Intro eine noch recht junge Band die Pain Stage. Die Gruppe hatte schon reichlich Vorschusslorbeeren geerntet, und das nicht zu Unrecht, hört man sich das Anfang des Jahres veröffentlichte Debütalbum an. Trotz früher Stunde schienen doch schon einige Bock auf eine ordentliche Ladung Rock zu haben. Mit einer großen Portion Spaß in den Backen zelebrierten THE NEW BLACK ihren kraftvollen Rotzrock amerikanischer Prägung, welcher irgendwo zwischen BLACK LABEL SOCIETY, CORROSION OF CONFORMITY und NICKELBACK liegt. Dabei zeigten sich beim Energie geladenen Auftritt auch aufgrund der etwas roheren Herangehensweise und den fetten Riffs dezente PANTERA-Einflüsse. Ein wenig ruppig, ein wenig ungehobelt, dabei aber immer griffig und ungemein heavy präsentierten die symphatischen Nordlichter ihre kompakten Stücke und bewiesen, dass sie auch Live ganz schön was auf dem Kerbholz haben. Leadgitarrist Christof Leim beherrscht übrigens fast alle Angus Young Posen perfekt und war damit ein echter Hingucker. Sehr cool auch die Mundharmonika-Einlage des Sängers!


The Cumshots

12.10 (MS) THE CUMSHOTS
Nach THE NEW BLACK ging es dann eine ganze Spur deftiger zu Werke, was man jedoch beim Elvis Presley Intro vielleicht nicht gleich ahnen konnte. THE CUMSHOTS, das ist eine saucoole und schnörkellose Mischung aus Rock und einer ordentlichen Portion Metal, das ist Party mit verdammt viel Bier, Whiskey, Zigaretten und nur spärlich bekleideten jungen Damen, wenngleich diese wohl im Backstage-Bereich geblieben waren. Schon alleine optisch waren die Norweger ein echter Augenöffner, wirkten diese doch eher wie eine authentische amerikanische Rockband. Und nicht nur musikalisch ging es ziemlich derb zu, so herrschte ein deutlich "fuck"-lastiger Sprachgebrauch. Und die Mucke? Eine geile, dreckig-rotzige und brachiale Mischung aus MOTÖRHEAD, THE HELLACOPTERS, SLAYER, AC/DC, ENTOMBED und ELVIS. Gerade die authentische Darbietung in Sachen Optik, Ausstrahlung und Musik in Verbindung mit dem mörderischen Groove ließ sogleich Bewegung in die vorderen Reihen der Fans kommen. THE CUMSHOTS jedenfalls erspielten sich den Anwärter auf den Titel der dicksten Eier des SUMMER BREEZE. Und das nicht nur, weil Sänger Max Cargo selbige den versammelten Fotografen im Fotograben vor die Linse hielt, ehe er singend durch die Fanreihen schritt und das Bad in der Menge genoss.


Battleore

12.45 (PS) BATTLEORE
Kontrastprogramm: Nach dreckigem und noch dreckigerem Rock ertönten nun ganz andere Klänge und ging es nun um ganz andere Themen. Mittelerde, die Welt Tolkiens und der symphonische Gothic Metal von BATTLELORE. In Kostümierung, kriegerisch bemalt und mit spärlicher Bewaffnung begaben sich die „Herr der Ringe“-Fans auf die Bühne, um das Publikum in ihre bzw. Tolkiens aufregende Fantasy-Welt zu entführen. Die Finnen lieferten hierzu mit ihren episch angelegten, äußerst melodischen und eingängigen Hymnen den musikalischen Soundtrack zu einer großen Schlacht gegen den dunklen Herrscher Sauron. Live kamen die Stücke etwas weniger sphärisch, dafür deutlich deftiger rüber, was vor allem an den heftig riffenden Gitarristen lag. Die recht theatralisch agierenden BATTLELORE waren bestens aufeinander eingespielt, die zahlreichen Fans entwickelten einen starken Bewegungsdrang, und so verflog die halbe Stunde Spielzeit leider viel zu schnell.


13.20 (MS) CALLEJON
Nach dem Intro stürmte die Band und bald darauf auch Sänger Basti hochmotiviert die Bühne. Über dieser prangte überraschenderweise keinerlei Backdrop, und das bei einer Band, deren Sänger auch für außerordentlich gelungenes Artwork steht, schade. Aber egal, schließlich gings ja auch primär um Musik. Nachdem sich der Drummer beim With Full Force angeblich das Handgelenk gebrochen hat, kann man nur von einer wundersamen Gesundung sprechen, denn der Mann spielte, als wär nie was gewesen! Das jugendliche Publikum stand direkt vom Start weg wie ein Mann hinter der Band und feierte sie nach Strich und Faden ab – schon die Songtitelansagen wurden kollektiv mitgebrüllt - was natürlich auch die Mucker zusätzlich motivierte und für viel Bewegung auf der großen Bühne sorgte. Und es wurde natürlich wieder munter im Kreis getanzt und sich fleißig am Bau von Mauern des Todes geübt. Basti glänzte neben seinem souveränen Gesang erneut als Anpeitscher und Mann für die coolen Ansagen („Beim nächsten Song geht’s um kleine, urwüchsige Zwerge, die unter der Erde leben! – es ging um „Zombiefied“). Das abschließende „Porn From Spain“ geriet dann zu einer wahren Crowdsurfing-Orgie, bei der sich teilweise bis zu 10 Körper gleichzeitig über den Köpfen bewegten. Um die Uhrzeit hatte das wohl auch die Grabensecurity nicht erwartet, die auf einen Schlag alle Hände voll zu tun hatte.

Nim Vind

14.05 (PS) NIM VIND
Bereits im Vorfeld war schon relativ klar, dass es die Kanadier mit ihrem pop-punkigen Rock’n Roll recht schwer vor einem doch hauptsächlich in Richtung Metal orientierten Publikum haben würden. Nichtsdestotrotz legten sie vor ihrem nagelneuen Backdrop munter los und brachten gleich an zweiter Stelle im Set ihren Hit „Killing Saturday Night“, der dann auch für ersten verhaltenen Applaus sorgte. Riesige Reaktionen gabs aber auch im weiteren Verlauf des Sets nicht und so fragte sich Sänger und Gitarrist Chris irgendwann auch zu recht, ob das Publikum denn noch am Leben war „How Are You Doing Out There? You’re Dead, Or What?“. Als sie dann auch noch überraschend viel älteres Material in ihr Set einfließen ließen, sorgte das für zunehmende Zurückhaltung bei den Anwesenden. Leider war dann der Sound des Trios recht unausgewogen gemischt, so dass gerade die zweiten Gesangslinien oft kaum hörbar und die Gitarre relativ matschig war. „21st Century Teenage“ vom neuen Album war dann ein halbwegs versöhnlicher Abschluss.


The Other

14.50 (MS) THE OTHER
Bereits vor drei Jahren auf dem Billing und damals noch recht unbekannt, dürfen die vier Horrorpunker an diesem strahlenden Mittag erneut ihr Können unter Beweis stellen. Beim ersten Auftritt noch vor eher lichten Reihen spielend, drängen sich heute wesentlich mehr Fans vor der Hauptbühne. Dass die Fangemeinde auch deutlich angewachsen ist, spürt man insbesondere daran, dass nahezu jeder Refrain, der mit MISFITS-Camouflage versehenen Herren lauthals vom Publikum zurückgeschmettert wird. So ist es wenig verwunderlich, dass der Vorschlag von Fronter Rod Usher, den ersten Pit des Tages zu zelebrieren, dankend angenommen wird. Inspiriert von der tadellosen Vorstellung lassen sich schließlich immer mehr anstecken und formieren sich mit anerkennendem Kopfnicken zur mittlerweile beachtlichen Fangemeinde. THE OTHER sind sicherlich eine kleine Überraschung, die ihren Slot auf der Main Stage mehr als rechtfertigten und nutzten. Man darf gespannt sein, in dieser Form ist die Band jederzeit ein willkommener Farbklecks auf jedem Festivalbilling. Well done Boys!


Sacred Steel

15.00 (PZ) SACRED STEEL
Allein beim Lesen der Setlist dürfte selbst Leuten, die mit dem Sound der Nieten- und Patronengurtbehangenen Süddeutschen nicht vertraut sind, schnell klar geworden sein, was auf sie zukommen würde. Denn Songtitel wie „Heavy Metal To The End”, “Wargods Of Metal” oder auch “Blood On My Steel” deuteten unausweichlich in Richtung True Metal. Dazu passend auch die Aufsteller links und rechts auf der Bühne, die Beile und Schwerter zeigten. Und da der „wahre“ Metalsound nicht gerade im Zentrum des SUMMER BREEZE-Focus steht, war das Zelt schon richtig gut besucht und Stimmung war auch ordentlich. „Wir haben nichts erwartet und viel bekommen!“ war dann gegen später auch das begeisterte Fazit von Sänger Gerrit P. Mutz. Die ersten 5 – 10 Reihen waren sogar richtig ausdauernd und fleißig am Haareschütteln. Der Sänger bewegte sich genrebedingt hauptsächlich in hohen und schmerzlich ho(d/h)en Gefilden, bei „Slaughter Prophecy“ gabs durch zusätzlich eingestreute Growl-Passagen aber erfrischende Abwechslung.


Psychopunch

15.40 (PS) PSYCHOPUNCH
Nach NIM VIND und THE OTHER machen PSYCHOPUNCH auf der Pain Stage das Horrorpunk-/Schweinerock-Trio komplett. Die Schweden sind nach einigen Auftritten in der Vergangenheit keine Unbekannten auf dem BREEZE und fühlen sich auch 2009 bei ihrem Quasi-Heimspiel sichtlich wie zu Hause. Die Meute begrüßt die Band wie es sich gehört und bereitet auch den beiden Neuzugängen Lindell und Jocke, die die beiden kürzlich ausgeschiedenen Peppe und Mumbles an Bass und Drums ersetzen, einen verschwitzt-warmen Empfang. „Hush Now Baby“ vom vorletzten Longplayer „Moonlight City“ eröffnet den Gig, dessen Schwerpunkt deutlich auf dem erst kürzlich veröffentlichten neuen Album „Death By Misadventure“ liegt. Doch auch mit den noch weniger bekannten Stücken können die vier Schweden beim Publikum einiges reißen und sorgen für ordentlich Partystimmung. Die musikalische Seite war und ist bei PSYCHOPUNCH allerdings nur die Hälfte der Miete. Mit ihren witzigen Ansagen, bei denen sich die drei Jungs am vorderen Bühnenrand regelmäßig gegenseitig ins Wort fallen, unterstreichen sie nicht nur ihre Fannähe sondern auch, dass alles im Grunde nur ein Heidenspaß ist. Recht so!


Skyforger

16.00 (PZ) SKYFORGER
SKYFORGER aus Lettland widmen sich der Lettischen Folklore. Ihre Songs erzählen Geschichten von längst vergessenen Göttern, heroischen Schlachten und alten Sagen. Aber auch musikalisch schlägt sich dieser Folklore-Input nieder. So mischen sich in ihren stampfenden Pagan Metal-Sound immer wieder Flöten und Dudelsäcke. Optisch wirkte die Band etwas unentschlossen, so trug die komplette Band, bis auf den Flötenspieler, normale Kleidung, also Jeans und T-Shirt. Besagter Flötenspieler kleidete sich hingegen konsequent passend zum thematischen Hintergrund eher altertümlich – war da etwa bei der Anreise ein Koffer mit Stage-Outfits verloren gegangen? Einig waren sich die bärtigen Herren jedoch darüber, dass sie beim Publikum des SUMMER BREEZE ordentlich Eindruck schinden wollten und hängten sich entsprechend ins Zeug. Da kam es dann auch schon mal vor, dass ein Gitarrist auf Knien spielte. Das Publikum im schon proppevollen Zelt danke es mit frenetischen Reaktionen. Die lange Anreise dürfte sich für diese Jungs in jedem Fall gelohnt haben!


The HauntedHaunted

16.30 (MS) THE HAUNTED
Zum zweiten Mal beehren THE HAUNTED bereits das SUMMER BREEZE. Als erstes fällt auf, dass Frontmann Peter Dolving sich optisch verändert hat. Er trägt mittlerweile einen imposanten Rauschebart zur Schau. Doch derartiges wurde sehr schnell zur Nebensache, als die Band dann furios mit „Little Cage“ vom aktuellen Album „Versus“ loslegte. Die Jungs zündeten von der ersten Minute ein Feuerwerk das in Punkto Intensität, Wucht und Aggression seines Gleichen suchte. Da störte es auch nicht, dass Dolving während den ersten Songs eigentlich kaum nennenswerte Ansagen machte, sondern sich voll und ganz auf seine Ausstrahlung verlies um das Publikum anzuheizen. Dies gelang ihm auch mit links. Die Publikumsreaktionen wurden von Song zu Song heftiger, bis die Band zum Schluss schließlich nach Strich und Faden abgefeiert wurde. Doch Dolving entpuppte sich im weitern Verlauf des Sets als richtiggehender Spaßvogel und kommunizierte dann doch mit augenzwinkernden Ansagen („I Feel Stupid Today“) mit dem Publikum, hielt nicht mit seiner Meinung zu Metalcore hinterm Berg und dozierte über Geld und Musik. Ein ganz anderes Bild bot sich während den Songs in denen er zum waren Berserker mutierte, vor Energie strotzend über die Bühne turnte und bei manchen Shouts wirklich alles gab und man Sorge haben musste, dass ihm demnächst eine Ader im Schädel platzt. Während andere Bands sich abmühen von der Bühne aus eine ordentliche Wall Of Death zustande zu bekommen fackelte Dolving da nicht lange und nahm das gleich selbst in die Hand. Über den Fotograben gings mitten ins Publikum, und dort marschierte er erst mal bis zum Wellenbrecher, beschaute sich seine Band aus der Distanz und scheuchte dann die Leute zur Seite. Mit imposantem Resultat, denn THE HAUNTED hatten dann die wohl größte Wall Of Death des Tages! Die Band hatte sichtlich Spaß und die Musiker feixten auch untereinander herum. Dieser Auftritt dürfte wohl einer dieser Auftritte gewesen sein über die man sich noch länger unterhalten wird, definitiv unter den Gewinnern des diesjährigen Festivals. Man hätte dem Publikum zwecks Motivation wohl auch gar keine Pistolenläufe ins Gesicht halten müssen, wie es das Backdrop der Band tat.


Black Messiah

17.00 (PZ) BLACK MESSIAH
Als dritte Band haben die Ruhrpott-Wikinger von BLACK MESSIAH die Ehre. Dem Publikum im Zelt ist deutlich anzumerken, dass man sich am frühen Abend den ersten Einheizer vor den großen AMON AMARTH abholen will. Dementsprechend gut gefüllt ist es schließlich auch im mittlerweile deutlich aufgeheizten Party Tent. Die Jungs von BLACK MESSIAH nehmen diese Steilvorlage dankend auf und werden den Erwartungen der Fanschar mehr als gerecht. Dabei sparen die Herren keineswegs an Pathos und gehen zu Werke, als wolle man sich dem heutigen Headliner aus Schweden als möglicher Toursupport empfehlen. Getrieben vom mittlerweile kollektiv dem Kopfkreisen verfallenen Rund legen BLACK MESSIAH einen Gig auf die Bretter, der bisher seinesgleichen sucht. Jeder Song der Wikinger explodiert im Publikum und lässt das Quecksilber beinahe an die kritische Grenze steigen. Selbst Metalheads, die sich nur zufällig in das Party Zelt verirrt haben, werden nach kurzer Zeit in den Bann von BLACK MESSIAH gezogen. Trotz der noch recht frühen Stunde stellen die Herren einen neun Publikumsrekord im Zelt auf, der wohl auch nur schwer zu toppen sein wird. Toller Auftritt ohne Schnörkel, dafür aber mit jeder Menge Spielfreude.


Entombed

17.25 (PS) ENTOMBED
Der Punkt für das coolste Intro ging an diesem Tag mit knappem Vorsprung vor THE NEW BLACK an ENTOMBED. Ein Prediger berichtete dort über Gott und kommt zu dem Schluss, dass auch Satan existiert und stellt dies eindringlich klar. Eine Ansicht, die perfekt auf das Set des schwedischen Urgesteins einstimmt. Diese legen direkt mit „Serpent Saints“, dem Titeltrack der aktuellen Platte, los. Es folgte ein solides Best-Of-Set quer durch die gesamten Bandgeschichte. Aktuelle Songs wurde mit Material von „Wolverine Blues“, „To Ride, Shoot Straight And Speak The Truth“ und „Morning Star“ gemischt. Einziger Wehrmutstropfen war das eklatante Fehlen von „Left Hand Path“. Die Show der Band war frei von jeglichen Schnörkeln und bot dreckigen Death´n Roll in Reinform. Die deutschen Ansagen von Frontmann L.G. Petrov („Alles gut meine Damen und Headbanger? Keine Lahmen hier, das ist fein!“) sorgten dann auch für das Extra an Unterhaltung. Überhaupt hatte seine leicht debil wirkende Bühnenpräsenz etwas von Ozzy. Stimmlich lies er im Gegensatz zu diesem jedoch keine Wünsche offen und röhrte ordentlich ins Mikro. Auch Gitarrist Alex Hellid war mit seinen coolen Riffs über alle Zweifel erhaben. Da der eigentliche Bassist der Band Vater wurde, hatten ENTOMBED einen Ersatz dabei der die Songs in einem Tag lernen musste. Dem Zusammenspiel der Band tat das keinen Abbruch. Coole Show.


Obscura

18.00 (PZ) OBSCURA
Nach den Partymuckern BLACK MESSIAH liefern OBSCURA aus Bayern rein musikalisch gesehen, ein herbes Kontrastprogramm. Death Metal auf höchstem technischen Niveau ist ab sofort angesagt. Interessant war auch zu beobachten in welch rasanter Geschwindigkeit ein nahezu kompletter Publikumswechsel vollzogen werden kann. Somit hatten OBSCURA trotzdem leichtes Spiel ihre anspruchsvollen Kompositionen zu platzieren. Die Band orientiert sich an großen Vertretern des Genres wie CYNIC oder ATHEIST und überzeugen live mit einer Genauigkeit, die jeden nur halbwegs versierten Musiker im Publikum staunen lässt. So ist im Publikum ein breites Spektrum an Gefühlregungen auszumachen. Angefangen von anerkennendem Stauen bis hin zu exstatischem Headbanging ist da alles vertreten. OBSCURA untermauern mit diesem energiegeladenen Auftritt ihre Spitzenposition der deutschen Technical Death Metal-Fraktion. Dementsprechend frenetischen wird der Vierer abgefeiert - bitte mehr davon.


Schandmaul

18.15 (MS) SCHANDMAUL
Eine Band wie Schandmaul könnte ohne Probleme auf jedem Kindergeburtstag spielen - was jetzt überhaupt nicht abfällig gemeint ist, sondern einfach den eingängigen Sound und die unfassbar sympathische Art der Band unterstreichen soll. Schon bevor die Band auf der Bühne war sah man nur glückliche Gesichter im Publikum und als die Formation dann ans Werk ging, begann für die folgende Stunde eine einzige glückselige Feier. Links und rechts auf der Bühne gabs jeweils eine kleine Treppenkonstruktion, die beim ersten Song „Vor der Schlacht“ von je einer der Damen in der Band eingenommen wurde, links und rechts neben dem Drumriser waren minimal niedrigere Riser für Gitarrist und Bassist installiert und über den ganzen Bühnenhintergrund prangte ein riesiges Backdrop mit dem Schriftzug der Band – ganz zu schweigen von den schicken Gewändern, besonders der Damen, die in edlen, figurbetonten Brokatkleidern auftraten! Die Band hatte sich also auch in Sachen Optik etwas einfallen lassen. Zu den leidenschaftlich dargebotenen Songs erzählte Fronter Thomas Lindner meist noch einleitende und oft unterhaltsame Geschichtchen (siehe beispielsweise „Missgeschick“) und so hielt sich auch das Spannungsbarometer immer im oberen Bereich. Man merkte der Band den Spaß, den sie hatte zu jeder Zeit an, es wurde jede Menge gegrinst und geflachst und es scheint die Band – und noch vielmehr die Fans – genießen diese letzten Gelegenheiten die Band live zu sehen, bevor sie sich für lange Zeit (es heisst für ca. 1,5 Jahre!) von der Bühne zurückziehen wird um intensiv und in aller Ruhe an neuem Material zu werkeln. Mit den umjubelten Zugaben „Frei“ und „Dein Anblick“ ging einer der Höhepunkte des Freitags zu Ende.


Koldbrann

19.00 (PZ) KOLDBRANN
Bereits vor zwei Jahren waren die Norweger schon einmal zu Gast in Dinkelsbühl, hatten damals aber mit einer recht frühen Spielzeit und entsprechend überschaubaren Zuschauerzahlen zu kämpfen. Dieses Jahr ist das anders. Im ansehnlich gefüllten Partyzelt machen KOLDBRANN das Beste aus der ihnen gegebenen halben Stunde und richten erwartungsgemäß die erhoffte akustische Verwüstung an. Mit ihrem gnadenlosen und unbarmherzigen Sound gehören die Norweger zusammen mit URGEHAL zu den extremsten Bands des heutigen Tages. Bei aller Unnachgiebigkeit ist dem Sound der Norweger aber auch eine gehörige Portion Rock’n’Roll eigen, die das Material ein ums andere mal in die Nähe von etwa CARPATHIAN FOREST oder aktuellen SATYRICON rückt. Mit "Moribund" und "Nekrotisk Inkvisition" hat die Band zwei Alben und ein paar Zerquetschte (soll heißen EPs und Splits) auf der Habenseite. Das mag vielleicht nicht nach viel klingen, reicht aber mehr als aus, um sich mit reichlich Groove in die Herzen der Anwesenden zu spielen. Schunkelmusik der etwas anderen Art eben!


Sabaton

19.20 (PS) SABATON
SABATON sind eine verdammt ehrgeizige Band. Die Schweden veröffentlichen ihre Alben mittlerweile im Jahrestakt und sorgen so dafür, dass man um diese Band nicht mehr herum kommt. Mit eben solchem Nachdruck arbeiten sie sich auch auf den Billings so mancher Festivals immer weiter nach oben, so dass sie sich auch auf dem SUMMER BREEZE langsam der besten Sendezeit nähern. Wer ihre Show gesehen hat, weiß, dass das nicht ungerechtfertigt ist. Zwar gehört Sänger Joakim noch immer nicht zu den begnadetsten Sängern dieser Welt, ganz sicher aber zu ihren talentierten Entertainern. Mit ihren eingängigen Hymnen, die sich mal ein bisschen bei PRIMAL FEAR, mal ein bisschen bei HAMMERFALL und recht oft bei MANOWAR bedienen, reißen SABATON die Leute mit. Trotz der stets gegenwärtigen Kriegsthematik schwingt bei jedem Song ein kleines Augenzwinkern mit. Das wird besonders bei einem Song wie „Metal Machine“ deutlich, mit dem sich SABATON textlich vor ihren prägenden Vorbildern – von AC/DC bis JUDAS PRIEST – verneigen. Optisch hat es Sänger Joakim offenbar der Solarzellenanzug angetan, den HAMMERFALLs Oscar Dronjak vor ein paar Jahren gern getragen hat. Die Inspiration durch dieses ökologisch vollkommen korrekte Kleidungsstück kann sein Tränenblechharnisch kaum leugnen. Die Songs ihrer Alben – allen voran natürlich die des aktuellen Outputs „The Art Of War“ schlagen beim Publikum ein wie die sprichwörtliche Bombe. Selbst als die Band die Bühne nach Ende des abschließenden Medleys aus „Metal Machine“ und „Metal Crüe“ (übrigens eine weitere Hommage an unser aller Lieblingsmusik) bereits verlassen hat, wollen die „SABATON“-Sprechchöre minutenlang nicht abreißen. Wenn sich hier mal niemand für Höheres empfohlen hat...?


Urgehal

20.00 (PZ) URGEHAL
URGEHAL sind sicher ein Vertreter der Kategorie Band, die man entweder liebt oder hasst. Heut liegt den Norwegern das Publikum zu Füßen, denn es ist kaum anders zu erklären, dass das Zelt dicht mit finster dreinblickenden Black Metal Anhängern gedrängt ist. Aber genau dieser Umstand lässt den Gig zu einem ganz besonderen Erlebnis werden. Die Chemie zwischen Band und Publikum stimmt vom ersten grimmigen Grunzen an. Egal was Stachelkopf und Sänger Trondr Nefas auch veranstaltet, wird mit Inbrunst von den Fans aufgesogen. Man mag über die Norweger denken was man will, aber heute punkten die schwarzen Herren auf ganzer Linie und lassen keine Zweifel aufkommen, dass ihnen auf dem diesjährigen SUMMER BREEZE die schwarzmetallische Dornenkrone gehört. Fies und energiegeladen krachen die Songs aus den Boxen und schaffen eine beklemmend authentische Atmosphäre. URGEHAL werden an diesen Gig sicher ähnlich euphorisch zurückdenken wie auch das randvoll gefüllte Zelt. Großes Kino und eine Offenbarung für jeden Anhänger des norwegischen Black Metals.


Life of Agony

20.15 (MS) LIFE OF AGONY
Frage: Was macht ein Hippie auf einem Metal Festival? Antwort: Er legt mit seiner Band einen der grandiosesten Auftritte des Festivals hin! Die Rede ist von Keith Caputo, seines Zeichens Frontmann von LIFE OF AGONY, der mit seinem weiten Leinenhemdchen, der übergroßen Sonnenbrille, den langen Haaren und der „Love, Peace, Universe!“-Ansagen in der Tat etwas wie ein Hippie wirkte. Die New Yorker legten einen absolut überzeugenden Auftritt hin (was im 20. Jahr ihres Bestehens wohl nicht jeder so erwartet hätte), der dann auch direkt mit dem Klassiker „River Runs Red“ begann. Überhaupt dominierten die Klassiker, also Songs vom ersten Album, das Set. Zentraler Punkt war der kleine Mann mit der großen Stimme. Caputo gab den Songs massig Seele mit auf den Weg und ging völlig im Material auf. Seine, im Vergleich zu den bekannten Versionen der Alben, immer wieder variiert gesungenen Passagen, gingen unter die Haut. Man merkte ihm genau an, dass seine Texte ihm noch immer genauso viel bedeuten wie in den Anfangstagen der Band. Natürlich durften auch Hits wie „Weeds“ oder „Other Side Of The River“ nicht fehlen. Bassist Alan Robert und Gitarrist Joey Z. hüpften über die Bühne wie zwei Flummies während Drummer Sal Abruscato souverän und mit sichtlichem Spaß das rhythmische Fundament dazu lieferte. Gut erzogen wie Caputo ist, bedankte er sich bei den Fans, den Veranstaltern, der Crew, dem Himmel und dem Universum und machte sich für die Liebe stark. Das Publikum lies sich nur zu gerne von der Band mitreißen. Es wurde viel gehüpft, im Kreis gerannt und lauthals gejubelt. Leider beendete die Band ihren großartigen Auftritt vor der regulären Spielzeit, da wäre locker noch Zeit für einen weiteren Hit wie z.B. „Pretend“ oder auch „Tangerine“ gewesen!


Cynic

21.00 (PZ) CYNIC
Progressive Death Metal mit sphärischen Parts und einem ordentlichen Schuss Jazz. Was für manche per Definition schon ziemlich ungenießbar klingt, ist für die Conaisseure der Gipfel der Genüsse. Das „Focus“-Album aus dem Jahre 1993 genießt in Kennerkreisen uneingeschränkten Kultstatus und viele der Anwesenden dürften sehr froh gewesen sein, dass die Band sich nach langer Abwesenheit 2007 wieder zusammenfand und sogar im letzten Jahr ein neues Album auf den Markt brachte, mit dessen ersten drei Tracks auch ihre Show begann. Die Gelegenheiten die außergewöhnliche Band aus Florida live zu erleben sind recht rar gesät und so sah man schon vor dem Auftritt der Band einige extrem erwartungsfrohe Gesichter im Zelt. Ihrem Exotenstatus gab die Band auch in ihrem Auftreten und dem Bühnenaufbau Ausdruck. So stand das Schlagzeug nicht auf dem dafür vorgesehenen Drumriser, sondern ganz links auf der Bühne und diagonal zur Band und zum Publikum ausgerichtet. Die Gitarristen spielten die sonst in der Metalszene eher verpönten Headless-Gitarren und vermeintliche Standardposen fehlten völlig. Der schmächtige Gitarrist/Sänger Paul Masvidal wäre mit seinen kurzen Haaren und seiner bescheiden-sympathischen Art wohl den wenigsten als „Star“ aufgefallen, die versammelten Fans hätten ihn aber wohl am liebsten auf Händen getragen und gerne wesentlich länger als die der Band zugestandenen 40 Minuten bei sich gehabt. Trotz des hoch komplizierten Materials schaffte es die Band mühelos Stimmung ins Zelt zu zaubern, es wurde geklatscht und auch sonst munter interagiert, aber auch vielerorts einfach still und beseelt genossen.


Amorphis

21.35 (PS) AMORPHIS
Ein Garant für super Live-Stimmung sind und bleiben AMORPHIS, und das in verstärkter Form seit dem Einstieg von Sänger Tomi Joutsen, welcher eine wahre Bereicherung für die Finnen darstellt. Wer in den letzten Jahren einmal einem Auftritt der Band beiwohnen durfte, wird sicherlich zustimmen, dass diese durch den neuen Frontmann enorm an Energie und Präsenz hinzugewonnen haben. Und nicht zuletzt dank ihm fanden wieder einige alte Klassiker den Weg auf die Setlist. So auch an diesem schönen Sommerabend auf dem SUMMER BREEZE. AMORPHIS präsentierten sich in bestechender Form mit einer Ansammlung an Hits, welche kaum Wünsche offen lies, wenngleich das Hauptaugenmerk ganz klar auf den letzten drei Alben sowie „Tales From The Thousand Lakes“ lag. Schwachpunkte gab es keine. Überraschenderweise wurde „Black Winter Day“, eines der wichtigsten Stücke ihrer Kariere, nicht dargeboten, die Band wollte sich wohl etwas vom Standard lösen und nicht zu vorhersehbar sein. Auch die Lebensgeister scheinen enorm gesteigert, allen voran Tomi wirbelte über die Bühne wie ein Derwisch, seine meterlangen Dreads entwickelten sich während der Instrumentalparts zu einem gefährlichen Rotor. Und auch die anderen Bandmitglieder hatten sichtlich viel Spaß am Auftritt. Die finnischen Barden waren ein Jungbrunnen an Präzision, Spielfreude und Leidenschaft. Alte wie neue Stücke wurden perfekt dargeboten, und man musste sich schon mit den Werken der Gruppe auskennen, um die einzelnen Schaffensperioden der gespielten Lieder auseinander zuhalten. Optisch unterstützt wurde die Stimmung von einer äußerst gelungenen Lichtshow, welche perfekt auf die jeweiligen Stücke zugeschnitten war. Selbstredend, dass der Publikumsmagnet durch das Ausspielen sämtlicher Stärken leichte Hand hatten mit der riesigen Menschenmenge, die sich vor der Bühne angesammelt hatte. So versprühte die Musik zwar eine gewisse Melancholie, doch die Gesichter von AMORPHIS als auch der Fans sprühten vor Euphorie. Mit dem nostalgische Gefühle aufkommen lassenden „Magic And Mayhem“ endete der umjubelte Auftritt.


Vreid

22.05 (PZ) VREID
Nach den filigran-verspielten und komplexen CYNIC gabs mit den Norwegern VREID krasses Kontrastprogramm. Dementsprechend gabs während der Umbaupause einen fast kompletten Zuschauerwechsel im Zelt. Die WINDIR-Nachfolgeband ließ wieder finsteren Black Metal im Zelt Einzug halten. Anstatt sich aber schwarz-weiß zu schminken, haben sich die vier für eine Art Uniform entschieden, die natürlich weitestgehend schwarz war. Die in schwarz und blutrot gehaltenen Aufsteller, die gestalterisch eine Mischung aus dem Design ihres aktuellen Albums und der Flagge ihres Heimatlandes waren, sorgten zusätzlich für Atmosphäre und als dann zur Einstimmung eine Sirene erklang, hatten sie auch die volle Aufmerksamkeit des Publikums. Bei den Texten wechselten sie zwischen Norwegisch und Englisch, was die Sache noch zusätzlich interessant machte. Direkt mit dem Opener „Jarnbyrd“ hatten sie ihr Publikum fest im Griff, wo es auch bis zum Ende der Show blieb. Mit ihren überraschend düster-groovenden Songs und ihrem souveränen Auftreten, hatten sie aber auch ein paar gute Argumente auf ihrer Seite und verwandelten dieses Kapital zu einem mehr als gelungenen Auftritt, der mit „Pitch Black“ von ihrem fast gleichnamigen Album zu Ende ging.


Amon Amarth

22.40 (MS) AMON AMARTH
Was sich in den beiden Tagen zuvor schon anhand der zahlreichen AMON AMARTH Shirts auf dem Gelände ankündigte, wird an diesem Abend bestätigt. Der Platz vor der Hauptbühne ist ebenso prall gefüllt wie die fliegende Jägermeister Bar, sowie auch alle anderen Nischen, die noch einen halbwegs uneingeschränkten Blick auf das gleich folgende Geschehen ermöglichen. AMON AMARTH haben geladen. Und um es gleich vorweg zu nehmen: AMON AMARTH übertreffen mit diesem Auftritt zweifelsfrei alle bisher markierten Rekorde in Sachen Zuschauerresonanz. Dabei hatten die Wikinger weder ihren Drachenschiff-Aufbau im Gepäck noch sonst überdurchschnittlich ausladende Requisiten auf der Bühne platziert. Die riesige Bühne mit mehreren Ebenen gab ihnen jedoch vielfältige Möglichkeiten sich zu präsentieren. Es war aber an sich auch gar kein großes Brimborium notwendig, denn die Schweden regierten mal wieder alleine dank ihrer schieren Präsenz. AMON AMARTH jagten an diesem denkwürdigen Abend einen Kracher nach dem anderen durch die PA. Egal welcher Song von den Nordlichtern um Fronthüne Johan Hegg angestimmt wird, es herrscht pure Raserei im Publikum. Angefangen beim donnernden Opener „Twlight Of The Thunder God“ über das martialisch dargebotene „Guardians Of Asgaard“ bis hin zum krachenden „Fate Of Norn“ verlangen die Mannen dem Publikum alles ab. Es scheint, als ob das Festival und die Band eine spezielle Beziehung haben, denn sie gibt an diesem Tag mal wieder alles, formiert sich im gefühlten Sekundentakt neu auf der Bühne und genießt die Energie und fast Magie, die in der Luft hängt. Mächtig Ausdruck bekommen die Songs beim Auftritt der Donnergötter durch eine imposant inszenierte Licht- und Pyroshow. Umrahmt von Feuerfontänen finden sich die Rhythmus- und Gitarrenfraktion immer wieder kollektiv zum synchronen Haareschütteln ein. Nach dem grandiosen „Pursuit Of Vikings“ ist erst einmal Schluss mit dem Treiben. Aber weit gefehlt, auch wenn einige völlig erschöpften Fans vielleicht dankbar gewesen wären, das Ende des Gigs war noch nicht gekommen. Nach einem kurzen Intro mobilisiert Fronter Johann Hegg die letzten Kräfte und treibt das Publikum zu finalen Höchstleistungen an. Nach „Cry Of The Blackbirds“ bei dem Bassist Ted Lundström wegen technischen Problemen größtenteils aussetzt, folgt unausweichlich der im Feurglanz dargebotende Hit „Death in Fire“. AMON AMARTH hinterlassen an diesem Abend ein völlig verausgabtes, aber zufriedenes Publikum und untermauern einmal mehr ihren mittlerweile unangefochtenen Status.


The Sorrow

23.05 (PZ) THE SORROW
Die Österreicher von THE SORROW waren sicherlich eine der heißesten Bands im Zelt an diesem Abend - zumindest was die Publikumsreaktionen und Temperaturen anging. Sie verwandelten das Zelt während ihres Auftritts nahezu in eine Sauna, umso erstaunlicher, dass es dort doch tatsächlich noch zu zehrenden Aktionen wie diversen Wall Of Deaths. Die Band hat zwar erst zwei Alben am Markt, war mit denen aber viel unterwegs und legte einen absolut gekonnten Auftritt hin. Die Songs der Alben wurden gleichmäßig übers Set verteilt und trafen beim Publikum auf offene Arme und Ohren. Die eingängigen Tracks boten zahlreiche Gelegenheiten zum mitsingen und Fäuste recken. Die Band selbst hatte sichtlich Spaß an ihrer Show und genoss die Interaktion mit den Fans sichtlich. THE SORROW sind auf der Bühne zu einer echten Macht geworden. Mit dem Hit „Death From A Lovers Hand” ihres Debuts fand eine mehr als überzeugende Show ihren krönenden Abschluss.


Haggard

00.00 (PS) HAGGARD
Eigentlich hätte das mittelalterliche Metal-Orchester (klingt komisch, triffts aber ziemlich gut!) pünktlich zur Geisterstunde loslegen sollen, aber erstens kommt es anders... Wie üblich war es schwierig die vielköpfige Formation, trotz reichlich Umbaupause, entsprechend zu disziplinieren, und so kam es erneut zu einer fast schon traditionellen Verzögerung. Als die Band dann endlich auf der Bühne war, lief erst mal ein Intro mit dramatischem Erzähler vom Band, bevor es dann mit „Tales Of Irithia“ tatsächlich losging. Es war erstaunlich, wie es das Bandkollektiv tatsächlich geschafft hatte, all die Instrumente, Musiker und Säner(innen) auf der „kleinen“ Pain Stage zu arrangieren. Das ca. 10köpfige Orchester saß vor Notenständern die mit Kerzen beleuchtet wurden in der Mitte der Bühne, links daneben war das Schlagzeug aufgebaut und auf der anderen Seite Pauken und Percussion untergebracht. Neu war, dass die beiden (Opern-)Sängerinnen nicht mehr mittelalterlich gewandet vors Publikum traten, sondern eher der Veranstaltung gerecht schwarz gekleidet waren. Die Band im allgemeinen dürfte ja schon polarisieren, aber der streckenweise doch sehr schrille Gesang der Damen, war manchmal fast schon etwas zu viel des Guten. Die biegsamen Tanzeinlagen der Ladies wurden vom Publikum aber gebannt verfolgt. Sänger Asis Nasseri leitete auf seine ganz eigene Art durchs Programm, spielte zusätzlich Gitarre und steuerte bei den derberen Passagen auch noch Growls bei. Für die zahlreich erschienenen Fans, die der kompletten Vorstellung gebannt und weidlich feiernd folgten, sicherlich wieder ein Höhepunkt des Festivalsommers.


Firewind

00.10 (PZ) FIREWIND
Die Freunde von melodischen Gitarrenfrickeleien kamen bei dem Auftritt von Firewind voll auf ihre Kosten. Die Griechen boten ein Power Metal-Spektakel der Extraklasse. Einer der Gitarristen wechselte regelmäßig zwischen der Sechssaitigen und dem Keyboard und bewies sein Können ebenso souverän an beiden Instrumenten. Mit südländischem Charme und den Power Metal-typischen Posen sorgte die Band für Stimmung. Ihrem Namen machte die Band mit den aufgestellten Ventilatoren die für ordentlich (Fire-)Wind auf der Bühne sorgten, alle Ehre. Interessant war auch die Kreuzform einiger Becken am Drumkit. Frontmann Apollo Papathanasio sang in höchsten Power Metal-Regionen und traf dabei trotzdem jeden Ton perfekt. Ein stimmungsvoller Höhepunkt war sicherlich das Cover von „Maniac“. Auch wenn die Band im Billing der Zeltbühne zu diesem Zeitpunkt sicherlich ein Exot war, überzeugten FIREWIND mit einem gelungenen Auftritt.


Protest the Hero

01.15 (PZ) PROTEST THE HERO
Eine der außergewöhnlichsten Bands des Festivals waren sicherlich die Kanadier PROTEST THE HERO. Die Band kombiniert progressiven Metal mit vertracktestem Chaoscore, garniert mit einem Spritzer Punk-Attitüde. Wer die Band nicht kennt, ist mit diesem Sound schnell mal überfordert, denn da wird selten ein Part länger als ein paar Sekunden gespielt; Vokabeln wie hyperaktiv und hysterisch drängen sich auf. Insbesondere auch der teilweise sehr hohe Gesang des Frontmanns überrascht beim ersten Kontakt mit der Band. Jedoch schienen nicht wenige der Anwesenden im Zelt genau zu wissen was sie erwartet. Den über das Griffbrett flitzenden Fingern der Gitarristen war oft nur schwer zu folgen. Nach verzwickten, fast wirren Parts, folgten zur Belohnung dann aber immer wieder begnadete Melodien mit hohem Wiedererkennungswert. Optisch interessant waren neben dem in Badelatschen spielende Bassisten, auch die vielen farbigen T-Shirts der Band. Sänger Rody Walker machte sogar extra darauf aufmerksam „We Are The Most Colorful Band Of The Festival“. Überhaupt hielt er sich mit witzigen Ansagen nicht zurück. Die Pausen, die der Drummer benötigte um sein Kit wieder gerade zu rücken, nutze er um beispielsweise klarzustellen, dass die Band aus Kanada und NICHT aus den USA stammen oder Songs mit „This Next Song Is About Satan! …No, It´s Not!“ anzukündigen. Ebenso lernte er das deutsche Wort „Ficken“, was er sofort zu „Ficken You“ benutzte. Das und natürlich die musikalisch atemberaubende Darbietung machte den Auftritt von PROTEST THE HERO zu einem echten Highlight.


Raunchy

02.20 (PZ) RAUNCHY
Mit RAUNCHY biegt dieser lau(t)e Freitagabend langsam auf die Zielgerade ein. Als vorletzte Band des Tages geht noch einmal ein richtiges Highlight an den Start. Agil, super aufeinander und auf das Publikum eingespielt und mit hochmelodischen, modernen Metal-Songs zum Niederknien gesegnet, machen RAUNCHY die Nacht zum Tag. Mit „Remembrance“ vom 2006er Album „Death Pop Romance“ legen die Dänen los. Besser als mit diesem Plattentitel kann man den eingängigen Sound der Jungs auch kaum umschreiben. Vom gängigen Modern Metal- bzw. Metalcore-Brei heben sie sich angenehm ab, indem sie nicht am allgemeinen Härter-schneller-krasser-Wettbewerb teilnehmen, sondern die Eier in der Hose haben, richtig geile Melodien in ihre Songs zu basteln, die zu einem Großteil sogar vom Keyboard kommen. Tut es ihrem Impact irgendeinen Abbruch? Mitnichten. “Summer Of Overload” und vor allem das Cover zu “Somebody’s Watching Me”, das seinerzeit MICHAEL JACKSON mit ROCKWELL veröffentlicht hat, lassen aufhorchen und wissen: hier sind Leute am Werk, die scheuklappenfrei nichts und niemandem etwas zu beweisen haben. Keinerlei Anbiederung, sondern ein ganz eigener Stiefel. Das Publikum dankt es der Band mit minutenlangen „Zugabe“-Rufen. Fett!


Elvenking

03.20 (PZ) ELVENKING
Bereits der Soundcheck verrät es: jetzt wird gefiedelt. ELVENKING aus Italien mögen es offenbar ungeheuer melodisch, verlassen mit ihrem zuckersüßen Sound den schmalen Grat zwischen Kunst und Kitsch aber leider öfter mal in die falsche Richtung. Fröhliche Hupfdolen-Liedchen mit lustig trällernden Twin-Guitars, einer omnipräsenten Geige und den semi-geraden Vocals von Sänger Damna, dessen Bewegungen und Gesten wohl vom jüngst verstorbenen King of Pop inspiriert sind, sorgen im Publikum für Bombenstimmung. Der eine Teil hat sichtlich Spaß an der Vorstellung der Band, der andere findet das Gebotene offenbar wirklich gut. Die Kommunikation mit dem Publikum ist aber alles andere als ein Dialog. Denn die wiederholte vehemente Forderung des einen Teils nach einer Wall Of Death verhallt ohne Reaktion seitens der Band. Ein bisschen Message hat man schließlich auch zu vermelden: in „Infection“ geht es um Selbstmord. Schön, dass man auch ein so heikles Thema in so drolliges Tralala verpacken kann. Gegen vier Uhr in der Früh packt der Elfenkönig dann sein Gefolge ein und entlässt das Publikum nach einem ausladenden Solo- und Drumfill-Finale MANOWAR’schen Ausmaßes selig lächelnd in die Nacht.


Samstag, 15.08.2009

Benighted

11.00 (MS) BENIGHTED
Wurde an den vorherigen Tagen mit SECOND RELATION und UNSUN relativ zärtlich, rücksichtsvoll und fast flüsternd geweckt, so waren BENIGHTED wohl das musikalische Äquivalent eines direkt ins Gesicht geschütteten Eimers voll Eiswasser. Derbster Death Metal mit dem Blubb Grindcore eben. Wobei die Protagonisten selbst gar nicht so finster daher kamen, wie das der Sound nahe legen mag. Der Drummer tobte sich an einem quietschgelben Schlagzeug aus, zwei der Jungs gingen barfuss ans Werk und der Bassist Eric Lombard erschien gar im rosa T-Shirt, kurzen, hellen Jeansshorts mit bunten Aufnähern und tatsächlich einem großen Tattoo von I-Ah (der depressive Esel von Winnie The Puh!) auf der rechten Wade. Rein äußerlich hätte da wohl niemand auf Death Metal-Vorlieben getippt! Es ging nach dem Intro jedenfalls fulminant mit „Collapse“ los, bevor dem lustigen Bassisten dann direkt seine tiefste Saite riss und er weder eine Ersatzsaite noch einen Ersatzbass am Start hatte. Der technisch unglaublich versierte Drummer, hinter dem sich ein ganze Traube an ungläubig staunenden Musikern und Bühnentechnikern versammelt hatte, reagierte prompt und überbrückte die Zeit, in der der Bassist umstimmte, mit einem sehr groovigen Drummuster. Was den lustigen Effekt erzeugte, als wenn man von einem Death Metal-Konzert mit einem Aufzug in dem entspannte Easy Listening-Mucke läuft, ins nächste Stockwerk fährt, wo wiederum auch ein Death Metal-Konzert stattfindet. Trotz quasi nachtschlafener Zeit ließ sich eine beachtliche Menge Fans von ihren Helden mit dem Holzhammer wecken. Die Band konzentrierte sich auf Material ihres „Icon“-Albums und empfahl sich auf jeden Fall für eine erneute Einladung.


Black Sun Aeon

11.35 (PS) BLACK SUN AEON
Hier überraschte zunächst mal der, für die frühe Stunde, überaus beachtliche Andrang. Eigentlich „nur“ das Sideproject von Tuomas Saukkonen von BEFORE THE DAWN interessierten sich wohl viele Leute für die atmosphärischen Tracks des Debutalbums „Darkness Walks Beside Me“. Die düster-atmosphärischen Tracks schreien zwar eindeutig nach anderen Wetter- bzw. Lichtverhältnissen als die pralle Mittagssonne, in der sie dargeboten wurden, aber ansonsten gabs an dem Auftritt überhaupt nichts zu mäkeln. Saukkonen dirigierte seine zwei Gitarristenmitstreiter von hinter seinem Schlagzeug aus durch die sechs Songs, sang gelegentlich auch noch derbere Passagen mit, überließ den Großteil des Gesangs aber seinen Saitenschergen. Mikko Heikkilä besorgte dabei die klaren und sein Kollege Mynni Luukkainen die Growling-Gesänge. Stilistisch ist das schwer festzunageln, Melancholie, düstere Atmosphäre und ein gewisser Groove sind ihnen aber allen gemein. Außergewöhnlich, aber gar nicht negativ ins Gewicht fallend: die Band sparte sich jegliche Ansagen.


The Storm

12.10 (MS) THE STORM
Mit THE STORM aus Dänemark folgte nun eine hierzulande noch nicht so sehr bekannte Band, was sich aber sicherlich bald ändern wird. Deren Sängerin Pernille hatte auf dem letzten VOLBEAT-Album „Guitar Gangsters & Cadillac Blood“ ein Duett mit Michael Poulsen gesungen. Musikalisch unterscheiden sich THE STORM allerdings deutlich von ihren Landsleuten, bietet doch der Geheimtipp aus dem Norden feinen, sentimentalen, aber auch mal ordentlich zur Sache gehenden Gothic Rock mit sehr viel Melodie, meist in getragenem Tempo, welcher hier und da auch mal ein wenig an ältere THE GATHERING erinnert. Dies liegt nicht zuletzt auch an der schön angenehmen, hellen und warmen Stimme von Pernille. Tolle Musik, toller Gesang, herrlich düsterromantische Atmosphäre. Für viele Besucher war dies der erste Kontakt mit THE STORM, doch diese ließen sich von der hervorragenden Performance und den mitreißenden Klängen verzaubern. Und als dann schließlich VOLBEAT-Sänger Michael beim letzten Stück ein Duett mit Pernille sang, gab es sowieso kein Halten mehr. THE STORM hatten Dinkelsbühl im Sturm erobert, denn nur wenige Bands schaffen es, bei derart heißen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein dem Besucher eine wohlige Gänsehaut zu verschaffen.


Before the Dawn

12.45 (PS) BEFORE THE DAWN
BEFORE THE DAWN werden nicht gerade von wenigen als die nächsten SENTENCED gehandelt. Von deren Status sind die Finnen zwar noch weit entfernt, in Sachen hochqualitativer düster-melancholischer Musik zwischen Melodic Death Metal und Gothic Metal stehen sie allerdings den leider viel zu früh zu Grabe getragenen Genre-Vorreitern kaum noch nach. Mit ihren eingängigen, melodischen Ohrwurm-Songs, welche auch hier und da mal an AMORPHIS, DARK TRANQUILLITY oder KATATONIA erinnern, trafen BEFORE THE DAWN den Nerv des zahlreich erschienen Publikums, die Stimmung wuchs im Laufe des Sets immer mehr. Glänzend war vor allem der gute Wechsel aus epischem Klargesang von Bassist Lars Eikind und die fetten Growls von Gitarrist/Sänger Tuomas Saukkonen. Auch verfehlten die kraftvollen, gleichzeitig melodischen Riffs und die geilen Hooklines nicht ihre Wirkung, jeder Song wurde gnadenlos abgefeiert. Mit dem famosen „Deadsong“ endete der euphorisch umjubelte Auftritt.


Grave

13.20 (MS) GRAVE
Mit GRAVE betrat am frühen Mittag eine echte Kulttruppe in Sachen schwedischem Old-School-Death Metal die Hauptbühne. Sie ließen die hungrigen Fans nicht hängen und boten ein Best-Of-Set, das sich wahrlich gewaschen hatte. Ohne Schnörkel und vor allem ohne Rücksicht auf Verluste ballert sich die Truppe durch ihre Songs. Die tiefen Riffs mit denen die Band den Death Metal-Sound mit definierte hat, wummerten ordentlich in der Magengegend und verfehlten offensichtlich auch nicht ihren Effekt in Sachen Publikumsmotivation. Sowohl im High-Speed-Bereich als auch bei erbarmungslosen Grooves fühlt sich die Band wohl. Die Songauswahl konzentrierte sich vor allem auf Klassiker von den frühen Alben. Den zwischen den Songs immer wieder vorgebrachten Forderungen des Publikums nach dem Überhit „Soulless“ kam die Band dann erst ganz zum Schluss nach. Den Bass bedient bei den Schweden seit ein paar Jahren übrigens Fredrik Isaksson, der früher bei THERION gespielt hat. Im November geht die Band dann zusammen mit u.a. KRISIUN und NILE auf Tour, wo sie in der dargebotenen Form wohl nicht enttäuschen werden!


Krypteria

14.05 (PS) KRYPTERIA
Die Sängerin von KRYPTERIA lebte auf der Bühne wohl eine Kindheitsfantasie aus. Mädchen spielen ja bekanntlich gern mit Puppen, ziehen diese ständig um und sind allgemein wohl begeisterungsfähiger für aufwändige Garderobe als ihre männlichen Gegenparts. So betrat Frau Ji-In Cho die Bühne im opulenten weißen Brautkleid. Dieses legte sie jedoch schon während des ersten Songs mit einer lasziven Strip-Einlage ab. Zur „Enttäuschung“ der männlichen Zuschauer trug sie darunter jedoch eine schwarzes Leder Outfit. Ihr zuckersüßer Gesang passt einfach perfekt zu dem rockigen Sound der Band und verlieh dem Ganzen einen gewissen Pop-Appeal. Die Songs überzeugten vor allem durch ihren mitreißenden Charakter und ihre Eingängigkeit. Ehe man sich dessen recht bewusst war, setzten sich die Songs im Gehörgang fest und blieben da beharrlich hängen. Die engagiert auftretende Band tat ihren Teil dazu und so wird auch der zweite Besuch der Formation auf dem SUMMER BREEZE als Erfolg verbucht.


Born from Pain

14.50 (MS) BORN FROM PAIN
Die niederländische Truppe BORN FROM PAIN war ohne Zweifel einer der Abräumer des Samstag Mittags. Die Band um den sympathischen Frontmann Rob starteten ihr Set von Anfang an mit geballter Power. Rob forderte dabei schon früh die Mitwirkung des Publikums. Ihr brutaler Metalcore-/Hardcore-Sound war genau das Richtige für die Bewegungswilligen im schon zahlreich erschienen Publikum. So forderte das Volk schon früh eine Wall Of Death ein, wogegen die Band natürlich nichts einzuwenden hatte. Rob, der übrigens mit perfektem Deutsch glänzte, verwies jedoch darauf, es wenn schon, dann auch richtig zu machen. So gab es die wohl größte Wall Of Death des Mittags. Spätestens jetzt gab es kein Halten mehr und es entstand ein riesiger Circle Pit, der auch überraschend lang anhielt. Rob forderte mehr Crowdsurfer um die Security im Graben zu beschäftigen. Eine Bitte die vom Publikum nur zu gerne erfüllt wurde. Die Security wurde endgültig nervös als Rob sich es nicht nehmen lies zum Publikum herunter zu steigen und „The New Hate“ von dort zusammen mit dem Publikum zu singen. Die Stimmung war am Überkochen. Auch die Songauswahl, die sich hauptsächlich auf neueres Material konzentrierte, konnte überzeugen. Neben dem Spaß, der sichtlich nicht zu kurz kam, hatte Rob auch einige ernste Ansagen über die Probleme der Gesellschaft. Die Show hatte also alles, was eine ordentliche Hardcore Show braucht.


Unlight

15.00 (PZ) UNLIGHT
UNLIGHT hatten anfangs als Opener im Party Tent naturgemäß einen etwas schweren Stand. Bei strahlendem Sonnenschein hatten sich zunächst nur wenige Besucher in das schon schweißtreibend aufgeheizte Zelt begeben. Erschwerend kam hinzu dass UNLIGHT mit ihrem kompromisslosen Black Metal nur ein ausgewähltes Publikum ansprechen. Lange dauert es dann allerdings nicht, bis die ersten kopfnickenden Fans im Publikum auszumachen waren. Sichtlich begeistert und angespornt von der Tatsache, dass nun doch mehr und mehr Anhänger in das Zelt strömten, legten die Freiburger noch eine Schippe nach und sind mit „Carnal Baptism“ am Höhepunkt angelangt. Auch das Publikum honoriert die Leistung der Mannen nun gebührlich. Sonst eher für mäßiges Stageacting bekannt, laufen sie zu ungeahnten Höchstleistungen auf. Rau, schnell und düster führen UNLIGHT durch den Rest des Sets. Am Ende bleibt eine zwar verschwitzte, aber zufriedene Fanschar zurück, die die Black Metal-Formation gebührend verabschiedet.


Epica

15.40 (PS) EPICA
EPICA sind eine der Überraschungen des Tages. Angeführt von ihrer scheinbar mit der Sonne um die Wette strahlenden Fronterin Simone Simons, legen EPICA ein Set auf die Bretter, das sich gewaschen hat. Den Start macht in schon fast guter Tradition „Obsessive Devotion“. Ansteckend ist die Spielfreude der Niderländer, die am frühen Nachmittag das Feld vor der Pain Stage schon mächtig voll machen. Handwerklich geht die Formation dabei mit äußerster Präzision zu Werke. Auch Sängerin Simone hat einen grandiosen Tag erwischt und bildet einen wunderbaren Kontrast zu Grunzer Mark Jansen. Die Hitdichte ist bei ihrem Set mal wieder gewohnt hoch und auch die Spielfreude überträgt sich immer mehr auf das Publikum. Das bricht in der Folge bereits nach wenigen Songs in „EPICA!“-Sprechchöre aus – und die Gänsehaut gabs gratis dazu! Als dann zum finalen „Consign To Oblivion“ angesetzt wird, kann unterm Strich als Fazit nur stehen, dass die Band auch auf einem großen Festival problemlos bestehen kann.


Narziss

16.00 (PZ) NARZISS
Metalcore war nicht wirklich überpräsent auf dem diesjährigen SUMMER BREEZE und deutschsprachiger erst recht nicht. Vermutlich waren viele derjenigen, die die Show von BORN FROM PAIN zu so einem Fest hatten werden lassen, im Anschluss ins Zelt gepilgert um NARZISS ähnlich zu „bescheren“. Das Intro startete dann auch schon kurz vor 16 Uhr, die Band war wohl ähnlich ungeduldig, wie die Massen vor der Bühne. Mit den ersten Worten bzw. Tönen der Band kam dann trotz drückender Hitze sofort Bewegung im Publikum auf, bereits beim dritten Song nahm das dann auch schon Circle Pit-Ausmaße an – was gleichzeitig auch eine Staubwolke über den Massen nach sich zog, denn nach dem vierten Tag Extremstbelastung, war da nicht mehr viel Gras vorhanden. Der Sänger trat im stylishen, hellblauen Reinhard Kleist-Shirt auf, während seine Kollegen sich eher genretypisch schwarz eingekleidet hatten. Zwischen die Monitorboxen an der Bühnenkante hatten sie niedrige Backline-Kisten gestellt, so dass es auch für die Band munter Gelegenheit zum Posen in erhöhter Lage gab. Der Song „Verblasst“ wurde von Sänger Alexander Bartsch dann allen Mädels und Hippies“ gewidmet. Der Shouter kümmerte sich auch ständig darum, die schwitzenden Leute mit Wasserflaschen von der Bühne zu versorgen und selbst seine Bandkollegen vergaß er dabei nicht: dem Basser spuckte er Wasser aus seinem Mund erst in den Nacken und später von hinter ihm kniend in den Schritt. Heiße Show das!


Brainstorm

16.30 (MS) BRAINSTORM
Samstag, 16.30 Uhr, Zeit für Power Metal! Die Sympathen von BRAINSTORM waren das letzte mal beim Festival aufgetreten, als das noch in Abtsgmünd stattfand, und insofern, waren sie gleich zu Beginn hochmotiviert. Als warmen Willkommensgruß hatten Fans aus ihrer Heimatgemeinde eine riesige Gerstetten-Fahne in der Mitte entfaltet, man fühlte sich fast wie im Stadion. Und auch sonst war einiges für eine standesgemäße Kulisse getan worden, imposantes Backdrop, passende Seitenaufsteller und sogar der Drumriser war „untenrum“ entsprechend verkleidet worden. Und auch die Band präsentierte sich nicht nur spielerisch, sondern auch optisch wie aus einem Guss, alle trugen sie die gleichen Hemden, während auf dem Rücken jeweils der Nachname und die Position notiert war. Sänger Andy B. Frank gab mal wieder den Deluxe-Animateur, der Mann würde wahrscheinlich noch nem Vegetarier ein Pfund Gehacktes aufschwatzen, arg schwer machte es ihm das Publikum aber sowieso nicht und machte bereitwillig bei sämtlichen Klatsch- und Mitsingübungen mit. Der Blick von der Bühne zeigte ein klare Trennlinie auf der Fläche vor der Bühne, nämlich die Schattengrenze. In dem Schatten vor der Bühne drängten sich dann auch die Massen (kein Wunder, gab es hier doch Schatten UND die Power Metal-Vollbedienung!), während es in der Sonne massig Platz hatte. Bissiges, klassisches Riffing, superbe Bassarbeit und ein tighter Drummer, die Brainstorm-Maschine schnurrte und servierte der willigen Meute einen Hit nach dem anderen. Bei „Shiva’s Tears“ wurde es dann sogar orientalisch angehaucht und selbst das ruhige „End In Sorrow“, das vom erdigen Bass Toni Ievas getragen wurde, kam prima an.


Waylander

17.00 (PZ) WAYLANDER
Vom Look WAYLANDERs darf man sich nicht irritieren lassen: die Jungs sehen mit ihrem blauen Warpaint zwar etwas aus wie William Wallace, sind aber aus Irland. Musikalisch ist die Verwechslungsgefahr weniger gegeben, denn mit ihren folkloristischen Elementen erinnern die Songs teilweise ein wenig an die Landsmänner von MAEL MORDHA, wenn auch weniger pathetisch. Mit traditionellen Folk-Instrumenten reichern WAYLANDER ihren Sound an und ringen dem in letzter Zeit doch sehr strapazierten Folk Metal-/Pagan-Boom durchaus die eine oder andere eigenständige Facette ab. Viel falsch machen kann man mit so einem Konzept heute aber auch gar nicht. Dass man es bei der Band tatsächlich nicht nur mit irgendeinem gesichtslosen Klon zu tun hat, zeigen die Publikumsreaktionen, die doch ziemlich euphorisch ausfallen. Da werden permanent und vehement Songs gefordert und die Lieder textsicher mitgesungen. Alles in allem ein souveräner Gig einer interessanten Kapelle.


Evergreen Terrace

17.25 (PS) EVERGREEN TERRACE
EVERGREEN TERRACE haben ihren Namen zwar dem Wohnort der Simpsons entliehen, um eine Fun-Band handelt es sich jedoch keinesfalls. Die Band bietet eine interessante Mischung aus modernem Hardcore und melodischen Elementen. Dabei haben ihre Songs, insbesondere durch den melodischen Gesang von Gitarrist Craig Chaney, einen ganz besonderen Vibe. Shouter Andrew Carey brüllt hingegen meist recht fies ins Mikro. Die Band war sichtlich angetan von dem regen Zuspruch, den die Band von Seiten des Publikums erntete und Carey zitierte TYPE O NEGATIVE bzw. NEIL YOUNG mit „Summer Breeze makes me feel fine!“. Wohl weil es der Band so viel Spaß machte, gab es zur Belohnung auch einen brandneuen Song der kommenden Platte zu hören. „Enemy Sex“ hieß der Track und fügte sich nahtlos ins Material ihres Hitalbums „Wolfbiker“ ein. Während ihres Auftritts wurde permanent ein überdimensionierter Wasserball übers Publikum geklopft, was man jetzt ja auch eher selten bei ner Metalshow sieht. Die Band legte sich während des kompletten Sets enorm ins Zeug und alle Beteiligten sprangen über die Bühne wie von der Tarantel gestochen. Frontmann Carey lies es sich bi einem Song dann auch nicht nehmen den Vollkontakt zu suchen. Er kletterte auf die Absperrung beim Publikum um von dort aus mit ihnen zu shouten. Neben eigenen Songs gab es dann auch noch die Coverversion „Mad World“ von TEARS FOR FEARS zu hören. Ein absolut spannender Auftritt und eine gelungene Abwechslung im Billing des Festivals.


Excrementroy Grindfuckers

18.00 (PZ) EXCREMENTORY GRINDFUCKERS
Da rockt das Haus! Die absolut einzigartigen Fun-Grind-Obermacker hatten ins kuschlige Zelt geladen, und ganze Scharen an Fans waren ihrem Ruf gefolgt. Kein Wunder, die Grindcore-Spaßmaschine ist eben einfach ein Garant für gute Laune, verpackt in knappe, äußerst unterhaltsame Lärmorgien. Wem J.B.O. zu zahm sind, der ist bei den GRINDFUCKERS bestens aufgehoben. Mit ihren witzigen Texten, in denen sie alles und jeden verarschen, den durchweg schnellen, rotzig runter geprügelten Stücken und dem großen Bewegungsdrang auf den Brettern hatten die Spaßvögel leichtes Spiel mit den Fans. Dabei war es vollkommen egal, ob im Grindgemetzel-Style verunstaltete Cover-Klassiker oder Eigenkreationen gezockt wurden. Das Zelt stand Kopf, und das bekamen vor allem die Ordner im Fotograben zu spüren, welche einen Crowdsurfer nach dem anderen in Empfang nehmen mussten. Merke: Ein bisschen Grind muss sein! Dass dies auch mit Trompete super funktioniert, bewies Urmitglied Him, welcher die eigentliche Keyboardmelodie des „The Final Countdown“ Covers „Final Grinddown“ auf seinem im Metalkontext doch eher untypischen Instrument wiedergab. Die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS wirkten mal wieder gut aufeinander eingespielt, dabei aber auch nicht zu routiniert, Langeweile war da zu keinem Zeitpunkt ein Thema! Und welcher Band wird schon während des Gigs ein Kinderplanschbecken übergeben?


Moonspell

18.15 (MS) MOONSPELL
Fast zum gleichen Zeitpunkt wie 2006, aber am Samstag statt wie damals am Donnerstag, betraten MOONSPELL die Mainstage. Mit ihren dunklen Hymnen, die ihresgleichen suchen, war es für die Portugiesen natürlich sehr einfach, das Publikum vor der Bühne schnell auf ihre Seite und in ihren Bann zu ziehen. Denn schließlich schaffen sie es mit ihren emotionalen Songperlen seit 20 Jahren und wie kaum eine andere Band für fast greifbare Dunkelheit zu sorgen. Gerade diese besondere Atmosphäre des Auftritts, der wie gewohnt äußerst professionell, dabei aber gleichzeitig mit viel Leidenschaft agierenden Band, sorgte erneut für dieses einzigartige Gänsehaut-Feeling. MOONSPELL waren wirklich perfekt aufeinander eingespielt und navigierten souverän zwischen energischem und pathetischem Stageacting. Frontmann Fernando Ribeiro war natürlich während des Auftritts der Blickfang, jede Silbe wurde mit Mimik und Gestik entsprechend und fast schon theatralisch unterstrichen. Dabei wurden fast alle der dargebotenen Hits wie „Opium“, „Scorpion Flower“, „Vampiria“, „Alma Mater“ sowie das abschließende „Full Moon Madness“ von den Fans lauthals mitgesungen. Beim Ende des letztgenannten Songs schwang Ribeiro ebenfalls die Schlagzeugstöcke und unterstützte Drummer Mike Gaspar an den Becken.


Hate

19.00 (PZ) HATE
Bei den Polen von HATE kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, man habe es mit einem BEHEMOTH-Zwilling zu tun. Warum? Die Polen spielen erstens eine Mischung aus Death- und Black Metal, haben zweitens allesamt ein Faible für Corpsepaint und drittens für lange, schwarze Röcke – ganz wie BEHEMOTHs Nergal. Das mag vielleicht auch alles Zufall sein, jedoch drängt sich bei diesen Ähnlichkeiten nur allzu sehr der Verdacht auf, dass hier der Epigon doch nicht ganz so gut ist wie das Original. Und das trifft im Falle von HATE leider über weite Strecken zu. Ihre Songs halten sich zum größten Teil im Midtempo auf, nur selten legen die Polen mal einen Zahn zu, um zu zeigen bzw. anzudeuten, was tatsächlich in ihnen steckt bzw. stecken könnte. Auch erreichen sie nur selten die beeindruckende Tightness ihrer Landsleute. So bleibt am Ende ein guter Gig ohne große Überraschungen und dem Gefühl, dass da mit etwas mehr Selbstbewusstsein eigentlich mehr gehen könnte.


Legion of the damned

19.20 (PS) LEGION OF THE DAMNED
Diese Band ist ein echtes Phänomen! Jahrelang rissen sich die Holländer unter dem Namen OCCULT den Allerwertesten auf, und bis auf einige Achtungserfolge ging es nie wirklich vorwärts - vor allem auch nach dem Abgang von Sängerin Rachel. Im Jahre 2004 erfolgte die Umbenennung bzw. Neugründung, und unter dem Banner LEGION OF THE DAMNED fuppt es seither. Gute Verkaufszahlen, zahlreiche Festivalauftritte, viele Tourneen; das volle Programm. Der Popularitätsschub ist enorm, und ehrlich gesagt hat es die Legion der Verdammten auch verdammt verdient. Ihr eingängiger und direkter Thrash Metal mit latentem Todesblei-Einschlag, welcher die Nähe zu den Frühwerken von SLAYER nie leugnet, war genau das, wonach die versammelte Fanschar vor der Bühne lechzte. Gleich von Anfang an kreisten gehörig viele Köpfe und bildeten sich die ersten Moshpits. Und allzu sehr musste Sänger Maurice, welcher aufgrund seiner Haarpracht doch eine gewisse Ähnlichkeit mit Vetter It hat, die Fans auch nicht um einen gigantischen Circlepit bitten. Die Oranje-Thrasher präsentierten sich wieder einmal in absoluter Topform, präzise, druckvoll und wuchtig und dabei immer voll auf die Zwölf. Hervorzuheben waren wie immer die messerscharfen Riffs sowie der charismatische Gesang von Fronter Maurice. In Sachen Performance begnügten sich die Herren zumeist damit, auf der Stelle zu stehen und zu bangen. Aber hey, das funktioniert ja auch bei SLAYER schon seit Jahren bestens!


Ghost Brigade

20.00 (PZ) GHOST BRIGADE
Bevor ihr aktuelles, dieser Tage erscheinendes Album, im Metal Hammer überraschend auf Platz 1 landete, kannte diese finnische Truppe so gut wie niemand. Ihr Debut kursierte eher als Geheimtipp und wenn man sie abseits der Bühne getroffen hätte, wäre man wohl auch kaum darauf gekommen, dass es sich hier um Musiker handelt – und was für leidenschaftliche! Fast schüchtern schleichen sie in normalen Alltagsklamotten auf die schmucklose Bühne (kein Backdrop etc.), schnallen sich ihre Instrumente um und legen los. Sänger Manne schwankt zwischen einer mürrischen und schüchternen Erscheinung, wenn er aber das Mikro benutzt, dann vollbringt der kleine Mann wahrhaft Großes. Ob nun, wie bei den neuen Songs, zunehmend melodisch, oder, ebenso intensiv, bei derben Shouts. Überhaupt nimmt einen die Band in Rekordzeit gefangen und führt einen durch ein Wechselbad an Gefühlen. Ruhige, fast akustische Momente, treffen auf überwältigend mächtige Gitarrenwände, während deren sich die Musiker hemmungslos dem Headbangen hingeben. Der Drummer sitzt beim Spielen völlig selbstvergessen hinter seinem Arbeitsgerät und hat sichtlich Spaß. Trotz riesiger Konkurrenz durch VOLBEAT auf der Hauptbühne füllt sich das Zelt zunehmend, und als die Band fünf Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit von der Bühne geht ist der Schrecken bei den Zuschauern groß. Die sechs Finnen sind dann aber schnell wieder da um als Gipfel „Lost In A Loop“ zu zelebrieren. Der Band gelang, was manch anderer, großer Band, dieses Jahr nicht glücken wollte; sie zauberte mit ihrer Darbietung mühelos große Gefühle zwischen Melancholie und Wut ins elektrifizierte Publikum. Definitiv eine der ganz großen Überraschungen des Festivals.


Volbeat

20.15 (MS) VOLBEAT
VOLBEAT ist eine jener Bands, die durch und mit dem SUMMER BREEZE gewachsen ist. Jeder Auftritt hat bisher auch einen neuen Abschnitt in der Karriere der Band eingeläutet. Es sollte also doch mit dem Teufel zugehen, wenn sie nach diesem Auftritt auf der Karriereleiter nicht noch eine Stufe höher steigen. Um es gleich zu Beginn auf den Punkt zu bringen: VOLBEAT rocken an diesem Abend alles in Grund und Boden. Ohne überhaupt richtig die Instrumente umgeschnallt zu haben, werden die Dänen mit einer Welle an „VOLBEAT!“-Chören empfangen. Schließlich geht es ungebremst nach vorne und Frontröhre Poulsen erweist sich einmal mehr als perfekter Entertainer. Spielfreude und Interaktion mit dem Publikum beherrschen die Jungs in Perfektion, was schließlich auch dazu führt, dass sich bereits nach zwei Songs die Grabensecurity kaum mehr den tief fliegenden Massen aus dem Publikum erwehren kann. Ein Highlight und absoluter optischer Glanzpunkt des Gigs ist gegen Mitte der Auftritt von Pernille Rosendahl. Gekleidet in ein halbtransparentes Kleid und ausgestattet mit 10 cm High-Heels fegt Pernille über die Bretter und schmettert zusammen mit Poulsen das grandiose „Mary Ann’s Place“ ins Publikum. VOLBEAT verstehen es das absolut Letzte aus dem Publikum herauszuholen und schaffen es gar parallel mehrere Circle Pits entstehen zu lassen. Einen kleinen Appetithappen aus dem nächsten Album hatten die Dänen in Form eines brandneuen Tracks ebenfalls im Gepäck. Egal, ob Songs der ersten beiden Alben oder der neue Song, dieser Auftritt strotzt nur so vor Superlativen und dürfte in die Geschichte des Festivals eingehen. Cool auch der kurz angespielte Slayer-Song am Ende. Wenn man die schiere Anzahl an Crowdsurfern als Bewertungsmaßstab heranzieht ist dieser Auftritt wohl auf Ewigkeit die Messlatte. VOLBEAT sind zusammen mit AMON AMARTH wohl die unangefochtenen Könige des Festivals!


Evocation

21.00 (PZ) EVOCATION
Es ist nicht einfach, einen Bericht über einen kompletten EVOCATION-Gig zu schreiben, wenn einem dabei genau ein Song noch Stunden danach die Konzentration raubt: Meine Güte, „Feed The Fire“ ist wirklich eine Live-Granate vor dem Herrn! Aber es soll hier natürlich nicht nur um diese viereinhalb Minuten Alarm gehen. Auch mit den anderen Songs ihrer beiden bislang veröffentlichten Alben blasen die Schweden die Leute an die hintere Zeltwand. Tight, spielfreudig und verdammt gut aufgelegt machen die Jungs keine Gefangenen. Trotz der großen Lücke im Lebenslauf der Band haben sie es geschafft, sich innerhalb kurzer Zeit auf den Bühnen Europas den Platz zwischen DISMEMBER und ENTOMBED zu sichern, den sie schon vor 15 Jahren hätten haben können. Zum Glück vermeiden sie es auch bislang, ihren Stockholm-Sound gängigen vermeintlich aktuellen Markterfordernissen anzupassen und etwa mit Clean Vocals und derlei Mumpitz zu verbessern. Dass man auch ohne derartige Anbiederungen verdammt gut ankommen kann, beweisen EVOCATION einmal mehr im Partyzelt. Haltet die Flamme am Lodern Jungs - Feed The Fire!


Voivod

21.35 (PS) VOIVOD
Dass diese Band je auf diesem Festival spielen würde, war nun wirklich nicht absehbar. Zum einen sind die Kanadier nie die Hardest-Touring-Band-Ever gewesen, zum anderen starb der an sich unersetzbare Gitarrist Denis „Piggy“ D’Amour 2005 an Darmkrebs. Nicht wenige hatten sich im Vorfeld über die Verpflichtung der Band und vor allem über die ihnen zugeordnete Position im LineUp und die damit verbundene Spielzeit gewundert, man darf allerdings nicht vergessen, dass das SUMMER BREEZE ein Festival von Fans für Fans ist. Und davon haben Voivod wohl offensichtlich immer noch zahlreiche, denn der Platz vor der Pain Stage war rappelvoll, als die Band auf die Bühne ging. Die folgende Stunde verging wie im Flug, der Start war mit „Voivod“ quasi vorgegeben, aber als bereits an vierter Stelle im Set „Tribal Convictions“ angestimmt wurde, fühlten sich bestimmt nicht wenige vor und neben der Bühne freudig in eine Art Zeitloch gerissen. Hier wurde einem erst bewusst, welche Klasse die Band und ihr Material hat und wie einzigartig ihre Stellung und ihr Werk sind. Daniel Mongrain an der Gitarre machte seine Sache sehr gut, Blacky wieder am Bass zu sehen war ein unverhofftes Geschenk und Snake am Mikro ist nicht nur wegen seiner hünenhaften Gestalt ein Großer. Die Band hatte sichtlich Spaß und man ist wirklich hin und her gerissen, ob man sich eine wirklich neues Album von ihnen wünscht. In ihrer 27jährigen Geschichte hat sich die Band nie wiederholt und immer wieder überrascht, für mit dem Songmaterial nicht vertraute mag dieser Ritt durch Genres wie Industrial, Thrash, Punk, Progressive und Elektro verwirrt haben, die große Mehrheit der Zuhörer wird als eine der ersten Handlungen daheim wohl erst mal ein paar alte VOIVOD-Alben aus dem Regal geholt und aufgelegt haben!


Bury me deep

22.05 (PZ) BURY ME DEEP
Unter dem Banner BURY ME DEEP gibt es die nun aufspielende Formation erst seit wenigen Monaten. Als DIE FUGE sind Leshi Love und seine Darkbrothers aber bereits seit über zehn Jahren unterwegs. Wobei „unterwegs“ wohl ein etwas unglücklich gewählter Begriff ist. Denn Konzerte der Jungs hat es in der Vergangenheit leider nur sehr selten gegeben. Mit der Umbenennung in BURY ME DEEP wird sich das in Zukunft aber hoffentlich ändern! Aushängeschild der Schwaben ist Sänger Michelle Darkness, der sonst bei END OF GREEN für düstere Melancholie sorgt. Stilistisch passen auch BURY ME DEEP in diese Ecke – die Zutaten sind im Grunde ähnlich. Das Mischungsverhältnis aus dunkler Melancholie und treibendem Gothic Rock ist aber ein anderes als bei Michelles Hauptband: BURY ME DEEP sind nachdenklicher, leiden leiser und wirken in ihren Songs weniger selbstzerstörerisch als END OF GREEN und sperren sich auch nicht gegen den ein oder anderen poppigen Einsprengsel. Dennoch verstehen es Leshi, Michelle & Co., ihre Songs mit einer traumwandlerisch sicheren Mischung aus rockendem Vibe und subtiler Traurigkeit auf die Bühne zu bringen, die den Zuschauer emotional von einem Extrem ins andere stürzt. Von der wunderschönen Ballade „The Angel’s Handshake“ über treibende Rocker wie „Like Little Souls“ oder „Cobalt Blue Light“ bis zum Hit „Burn My Soul“, dessen Titel im ironischen Kontrast zum positiven Song-Feeling steht, lassen BURY ME DEEP keine Wünsche offen. Außer den nach einer ausgewachsenen Tour. Aber vielleicht kommt die ja noch. Schon bei der Autogrammstunde zeichnete sich großes Interesse an der Show ab und die zahlreichen Anwesenden gehören jetzt zum illustren Kreis, die schon mal eine Show der Combo erleben durfte.


Opeth

22.40 (MS) OPETH
Den letzten Slot des Festivals auf der Hauptbühne hatten die Schweden OPETH inne. Für die Proggötter lautete an diesem Abend das Motto offensichtlich „Weniger ist mehr!“. Denn der Bühnenaufbau ist, bis auf ein schlichtes Backdrop, äußerst spartanisch, was aber keineswegs störend zu Buch schlägt, sondern vielmehr die gesamte Aufmerksamkeit auf die Herren lenkt. OPETH sind sicherlich nicht zwangsweise eine Festivalband, funktionieren aber am heutigen Abend auch vor dieser imposanten Kulisse. Selbst die progressiven Kompositionen werden vom Publikum dankend angenommen, wenn es auch zu Anfang offensichtlich einige (technische) Probleme auf der Bühne gab. OPETH sind und bleiben trotzdem die Messlatte an Präzision. Selbst die teilweise ungewohnt langatmigen, aber unterhaltsamen Ansagen von Herrn Åkerfeldt wirken keinesfalls störend, sondern passten sich ganz gut in das Gesamtbild dieser musikalischen Lehrstunde ein. So war auch zu vernehmen, dass OPETH wohl in naher Zukunft mit neuem Album im Gepäck und ihren Freunden von KATATONIA im Schlepptau einige Deutschland-Konzerte absolvieren werden. Sichtlich begeistert angesichts der Publikumsreaktionen läuft die Band gegen Ende ihres Sets schließlich wieder zur Normalform auf. OPETH bestätigen mit diesem Auftritt eindrucksvoll ihre Stellung und beweisen, dass anspruchsvolle Musik keineswegs nur in Clubs funktioniert. Nach knapp 80 Minuten beenden Mikael Åkerfeldt und seine Mannen ein imposantes Set mit vergleichsweise übergebührlichen Publikumsreaktionen. Ein würdiger Abschluss auf der Hauptbühne für ein Festivalwochenende voller Highlights.
Lest hier ein Statement.


Dagoba

23.05 (PZ) DAGOBA
Ihr Auftritt beim SUMMER BREEZE 2007 war vielen offensichtlich sehr gut in Erinnerungen geblieben und sie gehörten damals auch zu den absolut positiven Überraschungen des Festivals. Trotzdem sie am letzten Tag und als vorletzte Band ins Rennen gingen, hatten sich offensichtlich sehr viele Fans ihre Kräfte smart eingeteilt und bescherten den freundlichen Franzosen einen entsprechenden Empfang, als es nach dem Intro losging. Aber auch wer nur zufällig vorbei gekommen ist, dürfte durch den direkt in die Knie gehenden, präzise dargebotenen Modern Metal mit einem gewissen Industrial-Input schnell gefangen genommen worden sein. Durch die leidenschaftliche Darbietung der vier Herren, die streckenweise fast schon unmenschlich heftig headbangten, und die entsprechenden Reaktionen, schaukelten sich DAGOBA und das Publikum gegenseitig hoch und gerieten fast in Extase-ähnliche Zustände. Die Dreiviertelstunde Spielzeit war jedenfalls wie im Flug vorbei und es bleibt zu hoffen, dass das nicht der letzte Besuch der Meute um Sänger Shawter in Dinkelsbühl war.


Deathstars

00.00 (PS) DEATHSTARS
Man mag es ja kaum glauben, dass diese Band von Mitgliedern derber Kapellen wie u.a. Dissection gegründet wurde. Denn die Gestalten, die um Mitternacht die Pain Stage übernahmen, sahen so aus, als wäre der Begriff metrosexuell erst für sie geprägt worden. Seine feminine Seite versteckt hier jedenfalls niemand, Sänger Whiplasher Bernadotte hatte z.B. mehr Glitzer im Haar als in den letzten Tagen auf dem gesamten Gelände verwendet worden war, und wie seine Kollegen war auch er blass geschminkt, hatte aber noch ordentlich blutroten Lippenstift aufgelegt. Das Publikum war somit auch überdurchschnittlich hoch mit Frauen durchsetzt. Ganz abseits von Äußerlichkeiten, wissen die Fünf, wie man ein Publikum rockt, denn hier gabs Entertainment pur, Posen im Quadrat und so was von keine Langeweile... Die Band hatte anfänglich allesamt die gleichen schwarzen, figurbetonten Oberhemden an, der riesige Bassist und einer der Gitarristen machten sich aber bald oben frei, was zu erfreutem Gekreische in der Menge führte. Die Band war durchaus humorig zugange, so hatte man laut Whiplasher „Some Problems With Heterosexuality On Stage“ und ließ sich sogar zu albernen Wasserpistolen-Schießereien hinreißen. Ihr Songmaterial zwischen fettem RAMMSTEIN-Riffing und Gothic erwies sich erneut als äußerst eingängig und die abschließende Stunde war (mal wieder!) viel zu schnell vorbei! Wer hat an der Uhr gedreht? Es war wirklich schon so spät!


Secrets of the Moon

00.15 (PZ) SECRETS OF THE MOON
Während auf der Pain Stage die DEATHSTARS den letzten Auftritt des Festivals geben, beschließen auf der Party Stage SECRETS OF THE MOON das SUMMER BEEZE 2009. In rotes Licht getaucht zelebriert die Osnabrücker Institution ihre Definition von Black Metal, die anno 2009 massiv, zäh und komplex ausfällt. Mit „Sulphur Pulse“, „Queen Among Rats“ und „Black Halo“ stammen drei von fünf gespielten Songs vom im September erscheinenden neuen Album „Privilegivm“. Das ist mutig – kann das Publikum die Songs ja noch gar nicht kennen. Den Rest des Sets bestreitet das Quartett vom nicht unumstrittenen aktuellen Album „Antithesis“, dessen stilistische Fortsetzung „Privilegivm“ darstellt. Flottere Songs, etwa vom Überalbum „Carved In Stigmata Wounds“ finden nicht statt – somit auch nicht das sensationelle „To The Ultimate Embers And Ash“. Stattdessen reiten SECRETS OF THE MOON eine Tour de Force, der man in diesem Extrem und an diesem Punkt des Festivals erst einmal gewachsen sein muss. Wenn es dem Gig auch etwas an Abwechslung fehlt, ist seine Inszenierung dramaturgisch doch lupenrein. Und das beeindruckt dann doch wieder.


nach oben