Rückblick 2010

Rückblick 2010

Mittwoch, 18.08.2010
MUSIKVEREIN ILLENSCHWANG, TORTURIZED, A.O.D, LEVIATHAN, PARASITE INC., KADAVRIK, BLEEDING RED, THE SMACK BALLZ, SUICIDAL ANGELS, SUFFOCATION, RAGE, UNLEASHED, EQUILIBRIUM, ANNOTATIONS OF AN AUTOPSY, MILKING THE GOATMACHINE

Donnerstag, 19.08.2010
NEW BLOOD AWARD CEREMONY, NEW BLOOD AWARD WINNER, BARREN EARTH, DREAM EVIL, FEUERSCHWANZ, NAPALM DEATH, ILL NINO, SIDEBLAST, PARKWAY DRIVE, GRAILKNIGHTS, THE 69 EYES, DEW-SCENTED, DIE APOKALPTISCHEN REITER, TRACEDAWN, TIEFLADER, AGNOSTIC FRONT, INSOMNIUM, JOHNNY & THE HOT RODS, OBITUARY, SWALLOW THE SUN, DARK TRANQUILLITY, TRIPTYKON, SUBWAY TO SALLY, MACABRE, RAISED FIST, ENDSTILLE, NECROPHAGIST, THE DEVIL'S BLOOD, AHAB

Freitag, 20.08.2010
CUMULO NIMBUS, INME, DEADSTAR ASSEMBLY, MONO INC., LETZTE INSTANZ, FIDDLER'S GREEN, DESTINITY, THE BLACK DAHLIA MURDER, PANTHEON I, ENSIFERUM, WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER, ANATHEMA, DOWNSPIRIT, WAR FROM A HARLOTS MOUTH, CANNIBAL CORPSE, KYLESA, END OF GREEN, DISBELIEF, HYPOCRISY, DAS PACK, ORIGIN, GORGOROTH, DESPISED ICON, HEAVEN SHALL BURN, WATAIN, GWAR, DYING FETUS, HAIL OF BULLETS, ORPHANED LAND, LONG DISTANCE CALLING

Samstag, 21.08.2010
BE'LAKOR, THE FORESHADOWING, UNDERTOW, VAN CANTO, PSYCHOPUNCH, FREI.WILD, FEJD, LEAVES EYES, HACRIDE, EISBRECHER, CALLISTO, POISONBLACK, THE VERY END, SOLSTAFIR, SEPULTURA, REBELLION, KORPIKLAANI, MÅNEGARM, SURPRISE ACT, BRESCHDLENG, SICK OF IT ALL, WARBRINGER, DARK FUNERAL, MAROON, CHILDREN OF BODOM, ASPHYX, MY DYING BRIDE, EISREGEN, THE CROWN, 1349, COUNT RAVEN

 

(MS) = Main Stage (PS) = Pain Stage (PAS) = Party Stage (CS) = Camel Stage

Mittwoch, 18.08.2010

Torturized

15.30 (PAS) TORTURIZED
Den Anfang an diesem noch leicht regnerischen Mittwoch machten die Magdeburger TORTURIZED. Zum Auftakt des NEW BLOOD AWARDS fanden leider noch nicht wirklich viele Besucher den Weg in das Rund der in diesem Jahr vergrößerten Partystage. Dies sollte sich aber mit zunehmender Spieldauer rasch ändern, was sichtlich die Spielfreude des Fünfers erhöhte und deutlich mehr Druck hinter die Todesmetal-Salven legte. Inspiriert von den treibenden Klängen kreisten auch schnell die ersten Matten und liessen das Partyzelt schnell zu einem würdigen Rahmen für den NEW BLOOD AWARD werden. Routiniert und der eigenen Stärken bewusst, führte das Quintett durch ein ausgewogenes Set aus alten und neuen Stücken. Insbesondere „Conquering The Throne“ und „Gallery Ov Blood“ der gleichnamigen EP wissen zu überzeugen und schieben die Messlatte schon ein gutes Stück nach oben. TORTURIZED legten einen kurzweiligen Auftritt auf die Bretter und heizten die Stimmung schon zum frühen Nachmittag deutlich an. Well done!


A.O.D.

16.10 (PAS) A.O.D.
Nachdem TORTURIZED bereits dafür gesorgt hatten, dass sich das Zelt stetig füllte, wurden A.O.D. um die charismatische Frontfrau Feben offen empfangen. Bereits nach gut der Hälfte des Openers „Hardline“ legt sich die anfänglich deutlich sichtbare Nervosität der Band. Ohne Pause ging es nahtlos in ein absolut tight dargebotenes „With Fire“ über. Sichtlich begeistert von der quirligen Fronfrau setzte das Publikum zu den ersten, anfangs noch zaghaften Sprechchören an. Leider übertrug sich Feben’s engagiertes Stageacting nicht durchweg auf den Rest der Formation. Unbeeindruckt dessen, feiert das Publikum zunehmendes die Performance der jungen Formation. Sogar Liebesbekundungen auf Pappschildern wurden in die Höhe gereckt. Beeindruckt von der jetzt gut gefüllten Partybühne legen A.O.D. noch mal nach und schlossen mit „Times In Silence“ ein so gar nicht ruhiges Set und empfehlen sich durchaus für den einen oder anderen Scout. Das Publikum quittierte den Auftritt mit jetzt lautstarken Sprechchören und schickte den Fünfer in den verdienten Feierabend.


Leviathan

16.50 (PAS) LEVIATHAN
Deutlich melodiöser ging es mit der dritten Band des NEW BLOOD AWARDS weiter. LEVIATHAN haben sich dem melodiösen Death Metal mit einer deutlichen Akzentuierung auf catchy Melodiebögen verschrieben. Getaucht in rotes Bühnenlicht zelebrierten die jungen Bonner ihre überlangen Songs mir klar sichtbarer Inspiration durch den Samstag-Headliner. Zum Leidwesen des Publikums haperte es mit zunehmender Geschwindigkeit aber zusehends mit der Treffsicherheit auf dem Griffbrett. Angesichts der sonst soliden Performance wohl ein Punkt, der unter der Rubrik Nervosität abgehakt werden darf. Mit zunehmender Dauer wird aber auch dieser anfängliche Faux Pas rasch vergessen gemacht und der Fünfer überzeugt streckenweise mit absolut durchdachten Songstrukturen und einem passend im Hintergrund gehaltenen Keyboardteppich. Hinzu kommt eine Stageacting, das auf seine eigene Weise durchaus sehenswert ist. Als dann zum finalen „When Only Despair Remains“ angestimmt wurde, kann unterm Strich also nur stehen, dass die Band mit zunehmender Spieldauer immer mehr Fans auf ihre Seite bringen konnte und sich mit zunehmender Spielpraxis auch für Mehr empfiehlt.


Parasite Inc.

17.30 (PAS) PARASITE INC.
Pünktlich gingen dann PARASITE INC. aus Aalen ins Rennen um den New Blood Award. Und der sympathische Vierer, der schön geschlossen in schwarzer Kleidung auflief, war offensichtlich hochmotiviert. Besonders Bassist Patrick verfolgte wohl den Plan sich 20 Minuten lang nonstop die Birne abzuschrauben – was er auch ganz gut hinbekommen hat, wohlgemerkt ohne dabei sein versiertes Spiel mit den Fingern zu vernachlässigen. Sein Kollege an den Drums hatte da schon mehr zu kämpfen, zunächst ging die Snare total im Sound unter und später hakte es dann hier und da. Ansonsten hatten sich die sechs teilnehmenden Bands wohl allesamt vorher irgendwie abgesprochen, denn auch bei PARASITE INC. spielten die Gitarristen Flying-V-Modelle! Und auch das Publikum hatte offensichtlich seine helle Freude an der agilen Band und ihrem groovigen Melodic Death und ließ sich immer wieder willig zu Mitmachspielchen animieren. Solide Vorstellung und satter Schlussapplaus.


Kadavrik

18.10 (PAS) KADAVRIK
Nach einem kurzen Introtrack aus der Konserve startete die Band dann vehement in ihr Set irgendwo in der Schnittmenge von Melodic Death und Symphonic Black Metal. Trotzdem die vorherigen Bands ja nun wahrlich nicht von schlechten Eltern waren, legten die Jungs die Latte doch gleich um ein paar Zacken höher, denn hier passte fast alles. Kompaktes Spiel, souveränes Auftreten, Interaktion mit dem Publikum, massig Spielfreude und ordentlich Druck. Schon optisch war das recht imposant, alle fünf mit langen Haaren (die auch fleißig durch die Gegend geworfen wurden), schwarzer Kleidung und grünen Armbinden. Durch die im Gesamtsound deutlich hörbaren Keyboards setzten sie sich zusätzlich im Bewerberfeld ab und sie verstanden es zudem auch immer wieder das Publikum gekonnt einzubeziehen. So brachte der Drummer das Volk vor dem letzten Song zum Klatschen und setzte mit der Band dann zum Finale ein. Imposant.


Bleeding Red

18.50 (PAS) BLEEDING RED
Die vier blutjungen Kerle (der Drummer ist gerade mal 17 Jahre alt!) aus dem mondänen Spraitbach punkteten schon vor ihrem eigentlichen Auftritt mit dem sehr coolen Mikrocheck ihre Sängers und Gitarristen Timo. Der schlenderte mal eben lässig ans Mikro, growlte ganze zwei Mal „Summer Breeze!“ in die Meute und meldete dem Mischer dann „Passt scho!“. Nur Sekunden später war er dann mit seiner Gitarre wieder am Mikro und startete mit seinen Jungs mit einem leicht an IRON MAIDEN erinnernden Part in ein Set, das sich als Siegeszug erweisen sollte. Es machte von der ersten Sekunde an einen Heidenspaß den Jungs zuzuschauen – und dieser Funke sprang dann auch schnell aufs Publikum über. Da sah man für den doch recht harten Sound auch erfreulich viele begeisterte Ladies, was wohl auch an den imposanten Matten der Gitarristen liegen mochte. Die Jungs machten fast den Eindruck, als wären sie es gewohnt vor derartiger Kulisse zu spielen, es war jedenfalls ne sehr souveräne Show und auch ne deutliche Entscheidung, die bei der Verkündung dann auch vom Publikum frenetisch bejubelt wurde.
Ach ja, der Gitarrist spielte natürlich ne Flying-V-Gitarre!

Auch der neu gestaltete NEW BLOOD BLOOD AWARD beweist einmal mehr auf welch hohem Niveau sich der Nachwuchs anno 2010 bewegt. Nach einem dann doch recht eindeutigen Juryentscheid wird mit BLEEDING RED am morgigen Donnerstag die erste Band den neugestalteten NEW BLOOD AWARD in Empfang nehmen. An dieser Stelle sei noch mal die wahnsinnige Menge von über 2500 Einsendungen erwähnt, für die wir uns im Rahmen des vom SUMMER BREEZE, metal.de und Hellfest ausgetragenen Contests herzlichen bedanken wollen.


Smack Ballz

19.40 (CS) SMACK BALLZ
Erst seit dem letzten Jahr gibt es eine vierte Bühne beim Festival. Heuer heißt die Bühne Camel Stage und hier spielten die Bands jeweils drei Mal 20 Minuten während im Partyzelt wegen Umbau- auch Sendepause ist. Das feiernde Volk kann so ohne Unterbrechungen in Feierlaune bleiben, ein Konzept, das offensichtlich voll aufgegangen ist. Am Mittwoch übernahmen SMACK BALLZ als erstes diese Aufgabe. Nur mit einer Gitarre, einem Akkordeon und einer als Percussion dienenden Holzkiste namens Cajón bewaffnet, präsentierten die Nord-Rheinwestfalen Klassiker aus der Rock- und Metal-Geschichte wie „Ace Of Spades", „Holy Diver" oder „Smoke On The Water" in einem deutlich abgespeckten Rock'n'Roll-Gewand. Jedoch nicht ohne ihr Ziel zu verfehlen und das hieß: Party-Stimmung erzeugen. Das zum Mitsingen aufgelegten Publikum dankte es ihnen herzlich und schmetterte unter anderem „I Was Made For Loving You" oder „Long Live Rock'n'Roll" lauthals mit. Alles in Allem weit mehr als nur ein Lückenfüller, sondern adäquate Untermalung zur Gerstensaftpause.


Suicidal Angels

20.00 (PAS) SUICIDAL ANGELS
Die Nuclear Blast-Labelnight auf der Party Stage eröffneten die griechischen Thrasher von SUICIDAL ANGELS. Zur besten Sendezeit war das Zelt mehr als ordentlich gefüllt, das Publikum hatte mächtig Bock auf den oldschooligen Sound des Quartetts und wurde auf eine Zeitreise in die seligen 80er mitgenommen. Mit engen Jeans und den typischen Turnschuhen ist das Outfit der Band ein Musterbeispiel für den klassischen Thrash-Stil. Da darf natürlich der Sound nicht hinten anstehen und so schredderten sich SUIDCIDAL ANGELS durch ihre Songs, dass es eine wahre Freude war. Nicht nur einmal erinnert man dabei an altgediente Thrash-Legenden wie KREATOR und SLAYER, ohne aber wie eine Kopie zu klingen. Zwei neue Tracks vom kommenden Album („Bleeding Holocaust“ und „Dead Again“) reihten sich nahtlos in die Setlist ein, die darüberhinaus mit Thrash-Perlen wie „Bloodthirsty“. „Vomit On The Cross“ und „Inquisition“ für ausgelassene Action im Publikum sorgt. Circle Pit, Wall Of Death, Crowdsurfer, gereckte Fäuste und fliegende Matten waren das Ergebnis eines mehr als unterhaltsamen Auftritts der Griechen.


Suffocation

21.05 (PAS) SUFFOCATION
SUFFOCATION sind live eine Macht. Und mit diesem Auftritt haben die Urgesteine des Ami-Death Metal ihren Status ein weiteres Mal eindrucksvoll zementiert. Ohne großes Brimborium feuerte der Fünfer erst „Thrones Of Blood" und dann „Liege Of Inveracity" in das prall gefüllte Partyzelt. Sobald Sänger Frank Mullen die linke Hand zur berühmten Haifischflosse hob, rastete das durch die griechischen Thrasher SUICIDAL ANGELS schon ordentlich vorgewärmte Publikum kollektiv aus. Auch mit die ersten zwei Walls Of Death des Summer Breeze 2010 ließen nicht lange auf sich warten. Kurze Pausen zum Verschnaufen boten sich sowieso nur während den sympathischen Ansangen. Ansonsten zermalmte die äußerst druckvoll und arschtight dargebotene Death Metal-Dampfwalze alles und jeden. „Infecting The Crypts" schraubte zum Abschluss das Stimmungsbarometer noch ein letztes Mal in schwindelerregende Höhen, bevor nach guten 45 Minuten die Demonstration der alten, aber noch lange nicht müden, Garde beendet war.


Rage

22.10 (PAS) RAGE
Die Herner Institution in Sachen teutonischer Heavy Metal war auf dem Papier zwar die softeste Band des Tages, machte dieses vermeintliche Manko aber mit einer umso härteren, recht modernen Setlist wett. Und bewies wieder einmal, dass es keiner drei Gitarristen auf der Bühne bedarf, um einen strammen Sound zu fabrizieren. Saitenhexer Victor Smolski darf aber auch getrost als Großmeister seines Fachs bezeichnet werden und stellte sein Können auch an diesem Abend eindrucksvoll unter Beweis. An der Seite von Bandleader Peavey – der mit ausgeprägter Mimik und ungewöhnlicher Gesangstechnik, bei der er immer wieder die Zunge raustreckte, auf sich aufmerksam machte – zockte der Weißrusse die Riffs und Soli von Songs wie „Soundchaser“, „Hunter And Prey“ oder „Drop Dead!“ mit erstaunlicher Lässigkeit herunter. Highlight des Auftritts war natürlich der Klassiker „Higher Than The Sky“, der die Temperatur im eh schon subtropisch anmutenden Zelt nochmals ansteigen ließ. Kaum weniger begeistert wurden „Down“, „Set The World On Fire“ und der Rausschmeisser „Carved In Stone“ aufgenommen. Superber Sound, gelungene Songauswahl und knackige Härte – so bestehen RAGE jederzeit locker zwischen Thrash und Death Metal.


Unleashed

23.35 (PAS) UNLEASHED
Als um kurz nach halb zwölf die schwedischen Death Metal-Urgesteine UNLEASHED die Zeltbühne enterten, war das Publikum zwar schon etwas weniger beweglich, aber immer noch in bester Feierlaune, gut gefüllt war der Raum vor der Party Stage zudem immer noch. Mit „Winterland“ stiegen Johnny Hedlund und seine Mitstreiter in ihr ruppiges Set ein, das Songs aus fast allen Dekaden der Band zu bieten hatte. Die Band präsentierte sich sehr aktiv und besonders die Gitarristen Tomas und Fredrik lassen die Haare permanent fliegen. Das Publikum reckt zu Songs wie dem alten „Shadows In The Deep“ oder „Hammer Battalion“ die Fäuste und wird von Hedlund bei „Wir kapitulieren niemals“, dem Hit vom aktuellen Album „As Yggdrasil Trembles“, zum Mitbrüllen animiert. Mit „Into Glory Ride“ vom 1991er-Album „Where No Life Dwells“ gedenkt man den verstorbenen Pete Steele und Ronnie James Dio, die man natürlich in Valhalla wiedersehen wird. „Legal Rapes“ wird den Kumpels von SUFFOCATION gewidmet und mit dem Midtempo-Hammer „The Longships Are Coming“ sowie dem pragmatisch betitelten „Death Metal Victory“ bogen die Schweden auf die Zielgerade ein.


Equilibrium

01.00 (PAS) EQUILIBRIUM
Als pünktlich um 01.00 Uhr das Intro zu “In Heiligen Hallen” aus dem Boxen erklang und EQUILIBRIUM die Bühne betraten, war das Partyzelt zum Bersten gefüllt, unzählige Fäuste wurden gen Bühne gereckt und das Publikum jubelte der Band ausgelassen zu. Die Münchner zeigten sich in der folgenden Stunde absolut routiniert und spielfreudig, jede Note saß perfekt und auch Neu-Fronter Robse fügt sich inzwischen optimal ins Bandgefüge ein, animierte die Zuschauer in einer Tour zum Mitmachen und rief bei „Unter der Eiche” sogar zur Wall Of Death auf. Präsentiert wurden dabei Stücke von allen drei bisherigen Alben der Band, Mitgröl-Hymnen der Marke „Met” oder „Snuffel” wurden selbstredend gebührend abgefeiert. Doch auch die Songs des aktuellen Albums „Rekreatur”, z.B. „Die Affeninsel”, kommen richtig gut bei den Leuten an, die die Band am Ende der Show kaum von der Bühne lassen wollten und mit Zugabe-Rufen überschütteten. Lange ließen sich EQUILIBRIUM dann auch nicht bitten und schmetterten zum krönenden Abschluss noch „Unbesiegt” in die feiernde Meute.


Annotations of an Autopsy

02.20 (PAS) ANNOTATIONS OF AN AUTOPSY
Doch deutlich nach der Geisterstunde betraten ANNOTATIONS OF AN AUTOPSY das Partyzelt und gaben direkt zum Start eine klare Vorgabe aus: „We Want Some Fucking Violence!". Und der breakdownlastige Death Metal der Engländer eignete sich dazu auch bestens. Von der ersten Sekunde an flogen Fäuste und sonstige Körperteile durch den selbst zu dieser späten Stunde noch erstaunlich betriebsamen Pit. Der Fünfer schien recht beliebt zu sein bei dem meist in Kapuzenpullis und New Era-Mützen gehülltem Publikum. Kein Wunder haben ANNOTATIONS OF AN AUTOPSY mit ihrem letzten Album „The Reign Of Darkness" doch ein sattes Pfund durch den Äther geblasen und eine klare Duftmarke in der Szene gesetzt. Sichtlich angetan von dem vielen Zuspruch wurden Songs wie „Born Dead" oder „Bone Crown" äußerst agil und kompakt durch die Boxen gejagt. Eine hervorragende Live-Show der jungen Briten!


Milking the Goatmachine

03.20 (PAS) MILKING THE GOATMACHINE
MILKING THE GOATMACHINE hatten die ehrenvolle Aufgabe, den ersten Festival-Tag zu beschließen. Trotz der späten Stunde haben noch erstaunlich viele Zuschauer den Weg ins Partyzelt gefunden und als die natürlich stilecht mit Ziegen-Masken bekleideten Musiker die Bühne enterten, die Zuschauer mit einem Sprüh-Schlamm-Regen begrüßten und die ersten Grind-Salven ins Publikum hageln ließen, kam ein letztes mal am heutigen Mittwoch richtig Stimmung auf. Besonders beeindruckend ist dabei, dass Drummer Goatleeb Udder auch die Vocals übernahm, obwohl er an seiner Schießbude eigentlich mehr als ausgelastet ist. Und obwohl der Bezugspunkt des Sängers am vorderen Bühnenrand fehlte, kam in keinem Moment Langeweile auf, denn die übrigen Ziegen performten eindrucksvoll dynamisch und abwechslungsreich und animierten das Publikum durchweg, das ihnen diesen Einsatz dankte und die Band nach allen Regeln der Kunst abfeierte. Sehr gelungener Abschluss des heutigen Tages!


Donnerstag, 19.08.2010

Bleeding Red

13.00 (PS) BLEEDING RED
Kurz vor der Show gabs erstmals auch eine Art Zeremonie um die siegreiche Band des NEW BLOOD AWARDS entsprechend zu würdigen. Jurymitglied Marcus Schleutermann (rockinvasion/Rock Hard) übernahm die Moderation und auch gleichzeitig den Weckruf für das doch noch etwas müde Volk. Achim Ostertag und Michael Trengert (die SUMMER BREEZE-Veranstalter) sowie Norman Sickinger (Jurymitglied/metal.de) und Andreas Schulz (Jurymitglied/Legacy/Musikreviews.de) übergaben je einen der imposanten und nicht weniger gewichtigen Awards an die bis über beide Ohren grinsenden Musiker. Das Lachen verging den Musikern von BLEEDING RED dann leider recht schnell, denn direkt beim ersten, enthusiastisch gestarteten Song, verweigerte die Gitarre von Manuel Waible spontan den Dienst. Die Jungs schafften es recht souverän durch die Zwangspause, so wurde die Dankeshymne an die Supporter einfach vorgezogen, bevor das Problem beseitigt und wieder ans Werk gegangen wurde. Im Gegensatz zum Vortag, war der Sound heute deutlich differenzierter, was die Band noch zusätzlich gewinnen ließ. Zu Anfang war der Platz zwischen Bühne und FOH nicht gerade übervölkert, aber mit fortschreitendem Set, wurden es immer mehr Leute und vor allem mehr, die sich auf den Melodic Death-Sound der Jungs einließen und mitgingen. Sänger Timo Joos gab erneut den kaltschnäuzig-sympathischen Fronter und fragte vor „Calling For Your Downfall“ auch prompt wieder „Habt Ihr Bock auf Highspeed?“ – hätte er auch gleich fragen können, ob der Papst katholisch ist... BLEEDING RED können ihr Auftreten beim Festival jedenfalls als vollen Erfolg verbuchen, werden am Samstag Nacht bestimmt selig grinsend CHILDREN OF BODOM schauen und hoffentlich demnächst den Demostatus verlassen, verdient hätten sies jedenfalls.


Barren Earth

13.35 (MS) BARREN EARTH
Allein an der Position dieser Band lässt sich ablesen, wie bis in die untersten Ränge gut besetzt das Festival in diesem Jahr ist, denn was sich hier an Prominenz auf der Bühne versammelte, war wahrlich nicht von schlechten Eltern. (Ex-)Mitglieder von u.a. KREATOR; WALTARI, MOONSORROW, AMORPHIS und SWALLOW THE SUN gaben sich hier die Ehre. Die Combo gab diesen Stardom aber in keinster Weise durch ihr Auftreten zu erkennen, völlig unkompliziert und streckenweise fast zurückhaltend und unscheinbar gingen sie ans Werk. Gerade mal einer der Gitarristen erschien mit offenem Hemd, blanker Brust und Sonnebrille noch halbwegs als extrovertiert durch. Sie wählten einen recht schleppenden, atmosphärischen Einstieg in ihre Show und fesselten vom Start weg. BARREN EARTH schafften es das teilweise recht vertrackte Material perfekt auf die Bühne zu bringen, überzeugten mit bis zu drei Gesängen gleichzeitig und sorgten mit den fast schon psychedelischen Akzenten ihres Keyboarders für ganz neue Töne auf dem Festival. Das Stageacting hielt sich in überschaubarem Rahmen aber der Drummer überzeugte durch perfektes und kreatives Spiel und souveräne Backup-Vocals. Der traurig-intensive Sound ging natürlich so gar nicht mit dem strahlenden Sonnenschein zusammen, aber die Finnen machten das Beste daraus und haben mit ihrem Dark Metal im Spannungsfeld zwischen ihren anderen Bands bestimmt viele neue Fans gewonnen.


Dream Evil

14.15 (PS) DREAM EVIL
Nach RAGE am Vorabend gab es für die seither hungerleidenden Power Metal-Fans am frühen Nachmittag vollwertige Schwedenhappen von DREAM EVIL. Man mag zu dem Sound stehen, wie man will, aber die Herren wussten wirklich, wie man ein Publikum amtlich unterhält. Vor einem riesigen Backdrop, das die Band laut Eigenaussagen seit sechs Jahren nicht mehr einsetzen konnte, weil es schlicht zu groß für die bespielten Bühnen war, legten sie sich mächtig ins Zeug. Der Sänger zeigte sich als wahrer Kalauer- und Sangesgott und forderte bei einem balladesk beginnenden Song doch tatsächlich Feuerzeuge – bei strahlendem Sonneneschein und gefühlter Windstärke acht! Und auch sonst erzählte er munter eine Schote nach der anderen, u.a. auch von Pornomagazinen – homoerotischen wohlgemerkt! Songtitel und Texte zogen wirklich jedes erdenkliche True und/oder Power Metal-Register, es wurden sogar Drachen getötet! Klischee im Quadrat also, aber in der Summe und in Verbindung mit der tighten Performance auf jeden Fall enorm unterhaltend und sehenswert. Und wer weiss, wen wir von dieser Band demnächst bei einer noch prominenteren Combo sehen, der Ex-Gitarrist Gus G. spielt ja mittlerweile bei OZZY!


Napalm Death

15:00 (MS) NAPALM DEATH
Am frühen Mittag betraten NAPALM DEATH die Mainstage. Die britischen Grindcore-Götter fackelten nicht lange und ballerten der immer zahlreicher werdenden Meute einen Blastbeat nach dem anderen um die Ohren. Nach „Strong-Arm“ vom aktuellen Album „Time Waits For No Slave“ gabs für die alten Fans auch gleich die Vollbedienung mit „Unchallenged Hate“ und „Suffer The Children“. Die Band präsentierte somit ein souverän gemischtes Best-Of-Gebräu aus neuem Material und Klassikern, das beim Volk offensichtlich runter ging wie Öl. Darunter natürlich auch die typischen ultrakurzen Grindcore-Brecher. Frontmann Barneys sehr eigenwilliges Auftreten (im Kreis rennen, spastisch zucken und dabei gucken wie ein Psychopath) auf der Bühne belustigt und beeindruckt zugleich. Zwischen den Songs gab er immer wieder Erklärungen zu den sozialkritischen Texten der Songs, die vom Publikum reichlich Zustimmung ernteten. Überhaupt war die Resonanz von Seiten der Fans zu so früher Stunde schon recht imposant und es bildeten sich erste Mosh- und Circlepits. Das obligatorische „Nazi Punks Fuck Off“ durfte natürlich nicht fehlen und rundet einen überaus gelungenen Auftritt ab.


Feuerschwanz

15.00 (PAS) FEUERSCHWANZ
Ab 15 Uhr ging es heute im Partyzelt zur Sache: Die Spielleute von FEUERSCHWANZ gaben sich als erstes für etwas mehr als eine halbe Stunde die Ehre und hatten es sich zur Aufgabe gemacht das Publikum zu bespaßen. Und mit einem bunten Querschnitt aus Songs ihrer bisherigen Diskographie fiel es den sechs Musikern auch nicht schwer, diese Aufgabe zu meistern. Trotz der frühen Stunde hatten bereits jede Menge Zuschauer den Weg ins Partyzelt gefunden, sodass sich FEUERSCHWANZ einer sehr ansehnlichen Menge Zuschauern gegenüber sahen und all diese folgten auf Kommando sämtlichen Aufforderungen der Band zum Mitmachen, sei es der traditionelle Aufruf zum Lindwurm, den Prinz Hodenherz höchstpersönlich anführte, oder der sogenannte Gesundheitstanz zur Einstimmung auf “Hurra, hurra, die Pest ist da!”. Die 35 Minuten Spielzeit vergingen wie im Flug und das feierwütige Publikum wollte des Hauptmanns geilen Haufen anschließend kaum von der Bühne lassen.


Ill Nino

15.45 (PS) ILL NINO
Die Latino-Metaller von ILL NINO traten nach der alles vernichtenden Show von NAPALM DEATH nebenan auf der Pain Stage an, um zu beweisen, dass New Metal noch lange nicht tot ist und man auch neben alteingesessenen Grindcore-Recken durchaus bestehen kann. Mit im Gepäck: Eine Setlist voller Hits, die fast zur Hälfte aus Titeln der ersten Platte „Revolution: Revolución“ bestand. Wer bei Nummern wie „I Am Loco”, „God Save Us” und „What Comes Around“ nicht mit dem Fuß wippte, mitsang oder sich in den Pit begab, wurde ohnehin von Sänger Christian Machado verbal – das böse F-Wort wurde inflationär oft gebraucht - fast schon dazu genötigt. Und tatsächlich sprang die Energie und Spielfreude des Sechsers auf das Publikum über und eine Wall Of Death jagte die andere. Die größtenteils Rastazöpfe tragende, oder schwingende Truppe aus New Jersey hat kein bisschen an mitreißender Kraft verloren und bot dank eigener Percussionabteilung und dem gelegentlichen Akustikgitarreneinsatz auch durchaus Abwechslung. Eine weitere positive Überraschung!


Sideblast

15.55 (PAS) SIDEBLAST
Als nächstes waren die Death Thrash Metaller von SIDEBLAST am Zuge. Leider jedoch leerte sich das Partyzelt während der Umbaupause schlagartig, sodass sich zu Beginn der Show der französischen Band nur noch wenige Zuschauer direkt vor der Bühne befanden. Davon ließen sich SIDEBLAST allerdings kaum beeindrucken und zockten sich während der kommenden 35 Minuten absolut souverän und professionell durch ihr Set, in dem sie dem Publikum sowohl Songs ihres aktuellen Albums “Flight Of A Moth”, als auch einige neue Stücke entgegen schleuderten. Dabei zeigten sich die Franzosen unglaublich agil und energisch auf der Bühne, sodass sie die - wenn auch wenigen - Zuschauer schnell für sich gewannen. Leider konnten SIDEBLAST am Ende ihrer Show jedoch nicht mehr als Anstandsapplaus einheimsen. Schade, denn die Vier haben sich die größte Mühe gegeben und ein größeres Publikum wäre ihnen nur zu wünschen gewesen.


Parkway Drive

16.40 (MS) PARKWAY DRIVE
PARKWAY DRIVE auf der Mainstage schafften es im Anschluss sogar noch einen draufzusetzen und zogen die moshende Meute mit wuchtigem, Breakdown-durchsetzten Metalcore in Scharen an. Die australischen Surferboys sind einfach angesagt und wer das neue Album „Deep Blue“ gehört hat, der weiß warum. Gitarrist Luke Kilpatrick war zwar sichtlich am rechten Fuß lädiert und konnte eigentlich kaum laufen, doch dafür schuftete der Rest der sonnigen Jungs umso mehr – der Drummer sogar barfuß! Erstes Highlight der da noch jungen Setlist war ohne Zweifel „Romance Is Dead“. Der Mittelteil des Songs mit der berühmten Zeile „So Cry Me A Fucking River, Bitch!“ wurde so laut von der jeden Ton gierig aufsaugenden Menge mitgesungen, dass es der Bäcker Hans im benachbarten Dinkelsbühl bestimmt auch noch gehört hat. Doch damit noch nicht genug. Weiterhin wurden wie am Fließband Brecher zum Abfeiern feilgeboten. Ganz großes Tennis war dabei der Abschluss mit „Carrion“ und „Boneyards“. Sympathisch, agil, einfach gut: PARKWAY DRIVE am Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein!


Grailknights

16.50 (PAS) GRAILKNIGHTS
Schon während der Umbaupause strömten die Massen erneut ins Partyzelt, um sich die nachfolgende Band keinesfalls entgehen zu lassen. Stilecht als Superhelden verkleidet, konnten die vier Niedersachsen das Publikum mit ihrer sympathischen Art, dem vielen Scherzen und Posieren in den Songpausen und vor allem den unglaublich eingängigen Kompositionen schon beim ersten Stück mitreißen und auf ihre Seite ziehen, sodass es ihnen in den folgenden 35 Minuten ein leichtes war, die gute Stimmung nicht nur zu halten, sondern die Zuschauer sogar immer weiter anzuheizen. So hatten die vier Gralritter um Sir Optimus Prime ihren Battlechoir stets fest in der Hand, denn jede einzelne ihrer Mitgröl-Hymnen traf sofort ihr Ziel. Ganz dem Bandnamen getreu umrahmten die GRAILKNIGHTS ihre Show natürlich mit der Inszenierung der Jagd nach dem heiligen Gral, dessen Fund und der damit verbundene Sieg über das Böse auch heute den krönenden Abschluss der viel zu schnell vergangenen Show darstellte. Die GRAILKNIGHTS sind und bleiben doch immer wieder ein Erlebnis!


Tieflader

17.25 (CS) TIEFLADER
Auf der Camelstage kam in der Zwischenzeit etwas angerauscht ohne Halt zu machen: ein TIEFLADER direkt aus Stuttgart. Und das satte drei Mal, jeweils zwanzig Minuten. Die Band um (Ex-?)FARMER BOYS-Gitarrist Alexander Scholpp überzeugte nicht nur die ohnehin schon anwesenden Anhänger mit ihrem Mix aus deutschen, leicht einprägsamen Texten und dicken, fleischigen Neo-Thrash Riffs a la PANTERA, sondern gewann mit einer ansprechenden Performance sicher eine Menge neuer Fans hinzu. Songtitel wie „Hier kommt der Hammer“, „Lauter“, „Durch die Wand“ und „Strom“ gaben jedenfalls genau das wieder, was auf der Bühne passierte: Vollgas bis die Sicherungen durchbrannten! Besonders überzeugen konnte Sänger Patrick Schneider, der die Stücke mit seiner rauchigen Stimme zu veredeln wusste. Alles in allem ein ziemliches Brett, was die Stuttgarter dem geneigten Hörer da um die Ohren kloppten. Von TIEFLADER wird man in Zukunft sicherlich noch öfter hören.


The 69 Eyes

17.35 (PS) THE 69 EYES
Um kurz vor halb sechs war der Anteil an weiblichen Zuschauern im Publikum rasant angestiegen. Der Grund dafür kam aus Finnland und nennt sich THE 69 EYES. Und die Mädels begrüßten den charismatischen Frontmann Jyrki 69 und seine Band mit enthusiastischem Geschrei. Die Band freute sich über den weiblichen Zuspruch und bedankte sich mit einer sehenswerten Show. Im angeschwärzten Glam-Outfit wurden die Songs mit gekonnten Rockstar-Posen in Szene gesetzt und besonders Jyrki 69 bestach dabei mit ausdrucksstarker Gestik, großem Bewegungsdrang und seiner dunklen Stimme. Mit „Back In Blood“ begann der düstere Reigen und schon beim folgenden „Never Say Die“ stieg die Stimmung im Publikum nochmals an. Hingebungsvoll tanzten die Damen zu den düsteren Klängen, die stets zwischen Sleaze und Gothic Rock pendelten. Bei „Devils“ gingen auf Kommando die Hörner in die Höhe und auch die neue Single „Kiss Me Undead“ kam gut an. Das melancholische „Wasting The Dawn“ setzte dunkle Glanzpunkte und bei „Framed In Blood“ klatschte das Publikum begeistert mit. Mit dem energischen Rocker „Dead Girls Are Easy“ ging es in den Schlußspurt und der folgende Hit „Brandon Lee“ wurde mit einem Zitat aus dem Kultfilm „The Crow“ eingeleitet: „The Weather Is Always Good When We Play Because It Can’t Rain All The Time“. Da der späte Nachmittag fest in Händen der Damenwelt war, gab es auch ausschließlich Crowdsurferinnen zu sehen. Und mit dem zweiten großen Knüller „Lost Boys“ ging der Auftritt dann langsam zu Ende, aber nicht ohne dass Jyrki 69 nochmal lasziv auf dem Drumriser stehend mit dem Hintern wackelte. Zum Dank hauchte er dann noch ein „You Guys Rock – ohne Scheiß!“ ins Mikrofon und hinterließ so manch seufzendes Mädchenherz.


DEW-Scented

17.45 (PAS) DEW-SCENTED
Nach dem farbenprächtigen und opulenten Auftritt von GRAILKNIGHTS war musikalisch und optisch Kontrastprogramm angesagt, als die Nordlichter DEW-SCENTED um Fronter Leif Jensen die Bühne betraten. Schon beim Opener „Arise From Decay“ wurde klar, dass DEW-SCENTED das Publikum im Griff haben würden. Der sympathische Shouter Leif Jensen und seine Mannen waren ab der ersten Minute topfit und heizten dem Publikum mächtig ein. Wie eine Abrissbirne fegten DEW-SCENTED über die kreisenden Matten und sorgten bis in die letzten Reihen des prächtig gefüllten Partyzeltes für Entzückung. Tight as hell knallten die Thrasher einen Hit nach dem anderen in die aufgeheizte Meute. Gepaart mit passend gestreuten Melodiebögen groovten die Herren durch ihr superb zusammengestelltes Set. Die aktuelle Sahneschnitte „Invocation“ im Rücken, trumpften DEW-SCENTED an diesem frühen Abend auf, wie lange nicht mehr. Wer die Livequalitäten der Band kennt, weiß, dass dies als absolutes Prädikat zu verstehen ist. In dieser Form werden sich die Mitstreiter, der im November startenden Tour warm anziehen dürfen. Abermals waren DEW-SCENTED eine absolute Bank und machten Lust auf den weiteren Abend.


Die Apokalyptischen Reiter

18.30 (MS) DIE APOKALYPTISCHEN REITER
Wenn es eine Band gibt, die an diesem Tag den Titel „heimlicher Headliner“ verdient hat, dann sind es DIE APOKALYPTISCHEN REITER. Vor der Main Stage ist es brechend voll und kaum dass die Thüringer in ihr Set gestartet sind, sehen sich die Mitarbeiter der Security mit einer wahren Flut von Crowdsurfern konfrontiert, die bis zum Ende des einstündigen Auftritts auch nicht nachlässt. Der Rest des Publikums pogt, hüpft, bangt und springt zu den eingängigen Songs der Band, die sich mal wieder optisch eine Menge hat einfallen lassen. So ist zu Beginn des Sets ein riesiger schwarzer Luftballon auf der Bühne postiert, aus dem Sänger Fuchs plötzlich springt. Bei „Wir sind das Licht“ entzündet der stolz seinen Brustpelz präsentierende Fronter ein stimmungsvolles bengalisches Feuer und immer wieder rutscht Keyboarder Dr. Pest seine eigens für ihn aufgebaute Kinderrutsche hinunter, um dann in Unterhose und mit Ledermaske über die Bühne zu springen und seine Peitsche zu schwingen, während Gitarrist Ady und Basser Volk-Man ihre Matten kreisen lassen. Der erste Teil des Sets besteht erfreulicherweise aus härteren Nummern wie „Revolution“, „Unter der Asche“ und „Friede sei mit Dir“ und nach dem vom Publikum mitgesungenen „Es wird schlimmer“ präsentieren die Reiter auch einen brandneuen Song namens „Boten einer neuen Zeit“. Nach „Adrenalin“ wird es mit „Nach der Ebbe“ ein wenig ruhiger, bevor im Endspurt zunächst „Der Adler“ in die Luft gelassen und „We Will Never Die“ proklamiert wird. Und wie es bei den Reitern üblich ist, klettert Fuchs beim abschließenden „Seemann“ in ein Gummiboot und lässt sich übers Publikum tragen. So geht perfektes Festival-Entertainment.


Tracedawn

18.40 (PAS) TRACEDAWN
Es folgte die dreifache finnische Vollbedienung. Allzuviele Besucher dürften mit dem bisherigen Schaffen der jungen Formation wohl noch nicht vertraut gewesen sein, was sich aber ganz und gar nicht als Nachteil herausstellen sollte. Unverhofft kommt oft, genau so war es dann auch bei den Mannen um Gründungsmitglied Tuomas Yli-Jaskari. Frischer melodischer Death Metal mit typisch finnischer Keyboard-Untermalung knallte durch das Zelt und traf nach den thrashigen DEW-SCENTED genau den Nerv des Publikums. Technisch auf höchstem Niveau entfachten die jungen Haudegen zur Begeisterung des scheinbar ebenso (angenehm!) überraschten Publikums ein musikalisches Feuerwerk. Begleitet von einem extrem sympathischen und stets zu Scherzen aufgelegten Fronter, schienen die restlichen Bandmitglieder Kilometergeld zu beziehen. Hinzu kam, dass der Sound ebenso auf der Höhe war und das perfekte Zusammenspiel noch unterstrich. Zwischenapplaus der Band verdiente sich das Publikum für einen waschechten Circlepit. An diesem Abend machte es wahrlich Spaß diesen jungen Wilden zuzusehen. Den Abschluss eines extrem mitreißenden Gigs markierte ein ausgelassener Gitarrist, der sich kurzerhand ins Publikum warf und gleich vor Ort die Dankesbekundungen der Fans entgegennahm. Starker Auftritt einer jungen Band, die in dieser Form noch einige offene Münder zurücklassen wird.


Agnostic Front

19.35 (PS) AGNOSTIC FRONT
Mit AGNOSTIC FRONT trat die New York Hardcore Legende schlechthin auf dem Summer Breeze auf. Die Herren Vinnie Stigma und Roger Miret sind zwar deutlich in die Jahre gekommen, geben sich auf der Bühne aber nach wie vor bewegungsfreudig. Insbesondere Stigma glänzt hauptsächlich durch wildes posen und gestikulieren. Souverän schmettern die alten Hasen die immerhin schon seit 1981 bestehen und damit wohl eine der Dienstältesten Bands des Festivals sind, ihr Set in die Menge. Die Setlist weißt überraschend viele Songs von den neueren Alben „Another Voice“ und „Warriors“ auf. Aber natürlich kommen auch Klassiker wie „Friend Or Foe“, „Victim In Pain“, „Crucified“ und selbstverständlich „Gotta Go“. Insbesondere letzteres wurde aus hunderten Kehlen lauthals mit gegrölt. Die von Miret geforderten drei Circle Pits kamen zwar leider nicht zustande die Publikumsreaktionen waren aber durchweg positiv. Ein überraschend cooler Auftritt einer Band die zwar alt ist, aber keineswegs zum alten Eisen gehört.


Insomnium

19:40 (PAS) INSOMNIUM
Passend zur langsam hereinbrechenden Nacht war es Zeit für die zweite finnische Band in Folge. INSOMNIUM zogen die Headbanger wie ein Magnet an und hatten ohne einen Ton gespielt zu haben das Zelt bereits bis zum Bersten gefüllt – was im Vorfeld so wohl auch niemand erwartet hätte. Als die Band schließlich das überragende „Equivalence“ intonierten, war die Masse bereits fest in ihrer Hand. Perfekt aufeinander eingespielt zelebrierten die Finnen ihren Auftritt förmlich. Jeder Song wurde vom Publikum regelrecht aufgesogen. Unterstützt von einem wuchtigen Soundgewand gab es an diesem Abend ein Potpourri aus messerscharfen Gitarrenriffs, traumhaft schönen Melodien und bleiernen Rhythmusparts. Besonders sympathisch waren auch heute wieder die in Deutsch gehalten Ansagen des charismatischen Sängers Niilo Sevänen. Auch die cleanen Passagen funktionierten heute bestens und jagten dem geneigten Hörer ein ums andere Mal eine Gänsehaut über den Rücken. Auch wenn man sich bei der Songauswahl vornehmlich auf die letzten beiden Alben „Across The Dark“ und „Above The Weeping World“ beschränkte, gab es an diesem Abend rein gar nichts zu kritisieren. INSOMNIUM hatten sich am Ende des Sets in die Herzen der Fans gespielt und bestimmt viele neue dazu gewonnen. Schon jetzt ein absolutes Highlight des Festivals und eine Marke, an der sich die nachfolgenden Bands messen lassen müssen.


Johnny & The Hot Rods

20.20 (CS) JOHNNY & THE HOT RODS
Für drei 20-minütige Sets, jeweils in den Umbau-Pausen des Partyzelts, wurden auch JOHNNY & THE HOT RODS auf die Camel Stage geladen. Das ganz große Publikum konnte die Neusser Formation zwar bei keiner der drei Einlagen anziehen, doch sorgten die Rockabilly/Country-Musiker mit ihren abwechslungsreichen Interpretationen von Songs von JOHNNY CASH, ELVIS PRESLEY, SOUNDGARDEN oder JUDAS PRIEST für ein optimales Maß an Abwechslung und Auflockerung zwischen den anderen Shows. Als bloßer Lückenfüller waren JOHNNY & THE HOT RODS jedoch keinesfalls einzustufen, denn die vier sympathischen Musiker um den herausragenden Fronter Johnny Yuma beherrschten ihr Handwerk ganz ausgezeichnet, wussten genau, wie sie das metallische Publikum für sich gewinnen und am Ball halten konnten, sorgten so problemlos für sehr gute Stimmung vor der Bühne und lieferten insgesamt eine einfach sehr souverän gezockte, runde und gelungene Show ab.


Obituary

20.30 (MS) OBITUARY
Mit OBITUARY konnte ein echtes Death Metal-Urgestein für das Breeze verpflichtet werden. Die Band um die Gebrüder Tardy zeigten wie es richtig gemacht wird. Kompromissloser Dampfwalzen-Death Metal wie er im Buche steht. Mit Gitarren die bis an den Rand des machbaren herunter gestimmt sind und den typischen OBITUARY-Mördergroove im Hintern, zimmerte die Band alles in Grund und Boden. Die Jungs haben sich für den zu GORGOROTH abgewanderten Frank Watkins den SIX FEET UNDER-Bassisten Terry Butler an Bord geholt, der zusammen mit Drummer Donald Tardy das rhythmisches Fundament legte. Frontmann John Tardy glänzte wie immer mit seinen animalischen Grunts, performte wie üblich hinter seinen Haaren versteckt und ging in längeren Instrumentalphasen auch gern mal von der Bühne. Zumindest wenn er nicht seinen Zweitjob ausübte und seinem Bruder mit zusätzlichen Percussions am Schlagzeug aushalf. Die Band hatte sichtlich Spaß an ihrem Auftritt und wer genau hingesehen hat, konnte immer wieder das ein oder andere verschmitzte Lächeln bei den Bandmitgliedern ausmachen. Die Setlist ließ keine Wünsche offen, neben ein paar neueren Tracks war das Set aber natürlich hauptsächlich von Klassikern geprägt. Nach dem abschließenden „Slowly We Rot“ verteilte die Band noch brav Plektren und bedankte sich ausgiebig beim Publikum.


Swallow the Sun

20.40 (PAS) SWALLOW THE SUN
Aufmerksame Zuschauer dürften beim Auftritt der Finnen gleich mehrfach gestutzt haben. Der Keyboarder da... der sieht doch dem Tastenmann der vorherigen INSOMNIUM verdächtig ähnlich!? Stimmt genau, Aleksi Munter war heute ausnahmsweise auch bei INSOMNIUM eingesprungen, hatte aber um das Manöver nicht gar zu offensichtlich zu machen, von der einen zur anderen Band immerhin die Bühnenseite gewechselt. Auch Sänger Mikko Kotamäki hatte sich seit der mittäglichen BARREN EARTH-Show extra ein anderes Shirt angezogen und präsentierte jetzt ein rotes TYPE-O-NEGATIVE-Leibchen. Musikalisch sind BARREN EARTH ja eine ähnliche Baustelle wie SWALLOW THE SUN, sie profitierten aber enorm von der Atmosphäre bzw. Dunkelheit im Zelt. Zum Klang ihres ruhigen Intros ging die Band nach vorne, schnallte sich ihre Instrumente um und verharrte dann erst mal noch wie eingefroren, bevor sie schließlich mit den ersten beiden Tracks ihres aktuellen Albums „New Moon“ loslegten. Was neben der leidenschaftlichen Performance besonders ins Auge stach: die Männer waren alle erschreckend dürr! Man verzeihe den Kalauer, aber ne Sonne hat von denen keiner verschluckt! Umso erstaunlicher, wie aus einem derart schmächtigen Mikko Kotamäki derart beeindruckender Gesang bzw. Geschrei herausbrechen kann. Der Fünfer schaffte es sogar in extrem ruhigen Passagen eine derartig gebannte Konzentration ins Zelt zu zaubern, die tatsächlich nicht mal von deplatziertem Gegröhle gestört wurde. In heftigeren Passagen (mit gelegentlichen Blastbeats!) ging das komplett gefüllte Zelt dann auch ebenso gerne vehement mit und klatschte sogar hier und da rhythmisch im Takt der Band. Dann schauen wir zum Abschluss noch kurz ins Lexikon... ja, genau, da steht unter „Show, perfekter“ tatsächlich SWALLOW THE SUN (FIN)!


Dark Tranquillity

21.35 (PS) DARK TRANQUILLITY
Was ein guter Frontmann ausmacht, zeigte sich an diesem Abend bei DARK TRANQUILLITY. Sänger Mikael Stanne hüpfte, rannte, kniete, stand, gestikulierte, bangte, lachte, feuerte das Publikum an und freute sich über die Reaktionen, die zurück kamen. Mit ausdrucksstarken Posen untermalte er die Texte, die er mit seiner unnachahmlichen Stimme intonierte und riss die Fans vor der Bühne von der ersten Sekunde an mit. Das lag aber nicht nur an seiner guten Show und der ausgiebigen Interaktion mit dem Publikum, sondern auch an dem Songmaterial, das die Schweden auf Lager hatten. Mit „At The Point Of Ignition“ stiegen die Melodic Death Metal-Meister in ihr Set ein, bei dem die ganze Zeit über sehenswerte und auf die Songs abgestimmte Videoprojektionen auf die große Leinwand hinter den Drums geworfen wurden. „The Fatalist“, wie auch der Opener vom aktuellen Album „We Are The Void“, entpuppten sich erwartungsgemäß als Live-Granaten und mit „Focus Shift“ stieg die Stimmung nochmals an. Mit „The Wonders At Your Feet“, „Final Resistance“ und „Therein“ gab es dann gleich drei ältere Tracks hintereinander. Die beiden Gitarristen Niklas Sundin und Martin Henriksson sowie Basser Daniel Antonsson standen musikalisch und optisch wie ein Wand hinter ihrem Sänger und sorgten bei sehr guten Soundverhältnissen für das harte Fundament. „Germany is the place to be for metal“ skandierte Stanne und als er den Hit „Lost To Apathy“ ankündigte, gab es unter den Fans kein Halten mehr. Und der rotgelockte Sänger setzte nochmals einen drauf, als er in den Fotograben sprang und die Zuschauer in den ersten Reihen herzlich umarmte. Kurioserweise verwechselte einer der Security-Leute den Frontmann mit einem Fan und stieß ihn erstmal unsanft zur Seite, bis er seinen Fehler bemerkte und ihm wieder aufhalf. Stanne unterstütze die Security dann auch noch dabei, Crowdsurfer aus dem Pulk zu ziehen, bevor er zurück auf die Bühne kletterte, um das eingängige „Misery’s Crown“ anzustimmen. Mit dem thrashigen „Punish My Heaven“ vom 1995er-Album „The Gallery“ gab es noch ein Geschenk für die langjährigen Anhänger der Band, bevor sich der beeindruckende Auftritt mit dem stimmungsvollen „Iridium“ langsam aber sicher dem Ende zuneigte, das mit dem tollen „Terminus (Where Death Is Most Alive)“ erreicht wurde.


Triptykon

21.45 (PAS) TRIPTYKON
TRIPTYKON, die neue Formation um ex-CELTIC FROST-Fronter und -Mastermind Tom Gabriel Warrior, standen als nächstes auf dem Programm des Partyzeltes und boten die mit Abstand finsterste, atmosphärischste und mächtigste Show des bisherigen Festivals dar. Und das war schon klar, als die vier Musiker, gehüllt in dichten Nebel und kaltes, blaues Licht, die Bühne betraten und nach einem kurzen Intro die ersten, stampfenden Akkorde von “Procreation (Of The Wicked)” aus den Boxen dröhnten. Die dichten, pechschwarzen Klangwände überrollten das Publikum regelrecht, das TRIPTYKON weniger bejubelte oder die Köpfe kreisen ließ, als der Show viel mehr völlig gebannt zu folgen und sich von der düsteren Atmosphäre umfangen zu lassen. Das Set TRIPTYKONs füllten sowohl Stücke des Debüts “Eparistera Daimones”, als auch weitere CELTIC FROST-Klassiker, die sich fast nahtlos aneinander schlossen. Nur selten verlor Tom Warrior ein paar Worte zwischen den Songs. Die folgenden 45 Minuten vergingen wie im Fluge und als TRIPTYKON anschließend ihren Dank ans Publikum aussprachen und die Bühne verließen, ernteten sie jede Menge anerkennenden Applaus, ein Zugabe wurde allerdings komischerweise nicht verlangt.


Subway to Sally

22.40 (MS) SUBWAY TO SALLY
Die Potsdamer Folk Metaller SUBWAY TO SALLY waren der Headliner auf der Main Stage und sind seit jeher Garanten für tolle Liveshows. Daran sollte sich an diesem Abend auch nichts ändern, denn an diesem Auftritt stimmte wirklich alles. Angefangen bei den einheitlich rot-schwarzen Outfits (Frau Schmitt in ihrem Kleid ausgenommen) über die im wahrsten Sinne des Wortes heiße Bühnenshow und die genre-typische Instrumentierung mit Geige und Drehleier bis hin zur von Hits nur so gespickten Setlist begeisterte die Band das Publikum uneingeschränkt. Schon der Einstieg mit „Henkersbraut“, dem Dauerbrenner „Kleid aus Rosen“ und „Feuerland“ war superb. Besonders bei letzterem beeindruckte der Einsatz von Feuersäulen und Pyro-Effekten. Man hatte beinahe schon Sorge, dass Sänger Eric Fish plötzlich in Flammen stehen würde, denn er tänzelte völlig unbeeindruckt zwischen dem Feuer auf der Bühne herum. Toll auch, wie das Publikum in den Strophen des Songs die Arme in der Luft wiegte. Natürlich forderte der blonde Frontmann auch an diesem Abend wieder den charakteristischen Schrei, der ihm aus tausenden Kehlen entgegenschmetterte. Aber nicht nur im Publikum war viel los, sondern auch auf der Bühne, denn die Musiker boten viel auf die Songtexte abgestimmte Interaktion. Ein Ozean aus klatschenden Händen begleitete „2000 Meilen unter dem Meer“, bevor es mit dem ruhigen, von den Zuschauern im Chor mitgesungenen „Maria“ in eine erste Verschnaufpause ging. Dem Titel entsprechend gab es dann bei „Meine Seele brennt“ wieder viel Feuer auf der Bühne und Fish schwang dazu einen brennenden Stab. Da dürfte auch so manchem seiner kaum weniger aktiven Mitmusiker der Angstschweiß auf der Stirn gestanden haben. „Genug ist genug“ schallte es bei „Falscher Heiland“ über das Gelände, bevor der Frontmann das Publikum zum „Veitstanz“ bat. Und die Menge ließ sich nicht zweimal bitten und tanzte ausgelassen zu dem Hit vom „Herzblut“-Album. Danach war Schluss, doch ohne Zugabe durften SUBWAY TO SALLY die Bühne natürlich nicht verlassen und so spendierte man noch „Sieben“, bevor das unvermeidliche, von den Zuschauern inbrünstig gesungene „Julia und die Räuber“ das fulminante Finale darstellte. So sieht ein würdiger Headliner aus.


Macabre

22.50 (PAS) MACABRE
MACABRE aus Chicago waren bereits zum wiederholten Mal Gäste auf dem Summer Breeze. Die Old-School Death Metal-Veteranen hatten im Party Zelt auch entsprechend viele Besucher angelockt. Das Trio nimmt sich auf humoristische Weise den diversen Massenmördern der Menschheitsgeschichte an. Frontmann Corporate Death, der wieder mal in ein Headset grunzte, wusste zu jedem Song auch eine entsprechende Geschichte zu erzählen. Musikalisch lieferte die Band ihre eigenwillige Mischung aus Death Metal der alten Schule und technisch recht anspruchsvollem Gefrickel ab. Die Band nimmt sich offensichtlich selbst nicht allzu ernst, was sich in teilweise recht obskuren Songs äußert, die Death Metal mit melodischen Rock-/Pop-Schnipseln kombinieren. Die Band will noch 2010 ein neues Album veröffentlichen und so wurden davon schon Tracks in das Set eingebaut. Nach dem Auftritt forderte das Publikum noch lauthals eine Zugabe, dem leider nicht nachgekommen werden konnte.


Raised Fist

00.00 (PS) RAISED FIST
Die Schweden von RAISED FIST kamen staubedingt erst sehr spät am Festivalgelände an und wirkten kurz vor Stagetime noch ein wenig müde von der langen Anreise. Doch kaum ist das Intro verstummt geht einiges auf und vor der Bühne. Dem Auftritt merkte man jedenfalls nichts von den Problemen im Vorfeld an und die gesamte Band ging überaus energiegeladen zu Werke so dass die Show zu einem wahren Empfehlungsschreiben für Neulinge in Sachen Hardcore geriet. Allen voran Sänger Alexander Hagman zeigte eindrucksvoll seine Kampfsportkünste und schrie sich ganz nebenbei auch noch gewohnt angepisst die Seele aus dem Leib. Mit einem Querschnitt aus fast allen Schaffensphasen bot RAISED FIST dem, trotz rapide gesunkener Temperaturen, reichlich erschienenen Publikum zwar zwanzig Minuten weniger Programm als ihnen zugestanden wurde, doch dafür mit einer unheimlichen Intensität, die nicht viele Bands auf der Bühne versprühen. Etwas ärgerlich war auch, dass der Mischer erst gegen Mitte des Auftritts der Schweden das volle Potential des Pults und der Anlage entdeckte – ab da entsprach dann auch das was aus den Boxen und auf dem Gelände ankam, dem was man auf der Bühne verfolgen konnte. Trotz aller Widrigkeiten: RAISED FIST konnten überzeugen.


Endstille

0.00 (PAS) ENDSTILLE
SUMMER BREEZE, Partyzelt und ENDSTILLE? Beißt sich? Beißt sich definitiv. Als die Band – wohl für viele das erste Mal mit dem neuen Sänger Zingultus - um Mitternacht die Bühne im nur noch gut halbvollen Zelt betrat, war die Stimmung auch dementsprechend verhalten. Eher nicht verhalten war der Sound, für den wäre verwaschen wohl das richtigere Wort. Zwar obskur, aber wenig druckvoll, mag das das nachvollziehbare ENDSTILLE-Ideal einer Black-Metal-Soundwand gewesen sein, aber weniger das, was man nach zwölf Stunden Dauerbeschallung als angenehm oder imposant empfindet. Trotzdem kämpften sich die Vier tapfer und recht tight, trotz kleinerer technischer Probleme, durch ein dreiviertelstündiges Set mit einer Handvoll Highlights aus der mittlerweile recht umfangreichen Diskografie und einem Song vom kommenden neuen Album. Die Reaktionen im Rund waren würdigend bis zufrieden, mehr aber dann auch nicht. Schon beim zweiten Track verließen ganze Gruppen die ersten Reihen. Beim letzten Titel, dem Titelstück vom vierten Album “Navigator”, betrat Lugubrem, der ENDSTILLE auf ihrer letzten Tour als Sänger begleitete, zum Duett die Bühne, bevor Zingultus zum Abschluss der Show ein Kreuz über ein ENDSTILLE-Logo auf schwarzem Papier schlug. Was das zu bedeuten hat, hat außer ihm wohl kaum jemand verstanden. So verließen ENDSTILLE nach einem sicherlich nicht ganz befriedigenden Auftritt ohne Zugabe die Bühne – und das ohne ihre Spielzeit voll auszunutzen. Vermutlich war das trotz einer soliden Leistung für die fortgeschrittene Uhrzeit einfach zu viel (oder zu wenig) für die leicht müden SUMMER BREEZE-Besucher.


Necrophagist

01.10 (PAS) NECROPHAGIST
Auf Grund technischer Probleme betraten NECROPHAGIST die Bühne des Partyzelts mit leichter Verzögerung, was zur Folge hatte, dass die Band einen der geplanten Songs streichen musste. Doch als der Vierer mit „The Stillborn One” von ihrem 2004er Album „Epitaph“ mächtig einstieg, wurde er mit reichlich Jubel von der sehnlichst auf ihre Helden wartenden Crowd empfangen. Und was die Musiker da an ihren Instrumenten fabrizierten, lässt sich wohl nur mit dem Attribut übermenschlich beschreiben. Die Lehrstunde in Sachen technischem Death Metal nahm somit wie erwartet ihren triumphalen Lauf. Komplex, verfrickelt, aber überaus tight und nie den Song aus den Augen verlierend, holzten sich die Karlsruher durch Stücke wie „Only Ash Remains“, „Extreme Unction“ und „Fermented Offal Discharge“ das es ein Genuss für Augen und Ohren war. Mit vorschreitender Spieldauer wanderten die Kinnladen im Publikum - das auf einen Pit verzichtete und lieber beide Augen auf die Bühne richtete - jedenfalls immer weiter gen Boden. Eins war nach diesem Auftritt klar: NECROPHAGIST muss man gesehen haben.


The Devil´s Blood

02.15 (PAS) THE DEVIL’S BLOOD
Zu später Stunde stand im Zelt eine Band auf der Bühne, die polarisiert: THE DEVIL’S BLOOD. Für die einen sind die Holländer eine Sensation, für die anderen lediglich ein überbewerteter Hype. Wie so oft liegt die Wahrheit wohl irgendwo dazwischen. Fakt ist aber, dass die Band mit ihren drei Gitarren in der Lage ist, ein hypnotisches Feuerwerk von okkultem Rock zu entfachen. Das sollte ihnen auch an diesem Abend gelingen, wobei die Musik in dieser Nacht letztendlich in den Hintergrund gestellt wurde. Mit einer Verspätung von rund zehn Minuten ging die Band auf die Bühne und es fiel auf, dass die Lautstärke angenehmer war, als bei manch anderen Auftritten der sechsköpfigen Band. Mit „Come, Reap“ und „Rivers Of Gold“ startete man erwartungsgemäß in das Set und spätestens bei „House Of 10.000 Voices“ war die Magie, die die Band ausstrahlt, da. „Rake Your Nails Across The Firmament“ wurde mit ausgiebiger Gitarrenarbeit im Vergleich zur Albumversion stark ausgedehnt und bei „The Heaven’s Cry Out For The Devil’s Blood“ hatte man sich endgültig in einen Rausch gespielt. Schon jetzt verriet der Blick auf die Uhr, dass es für die Band schwierig werden würde, ihre Setlist komplett zu absolvieren. Nach dem straighteren „The Graveyard Shuffle“ wurde trotzdem noch „Voodoo Dust“ in der ruhigeren Version gespielt, zu diesem Zeitpunkt hatte die Band ihr Curfew aber schon überschritten, was der Stage Manager der Band auch mehrfach anzeigte. Aber entweder bekam die Band das nicht mit oder ignorierte es einfach, was zur Folge hatte, dass bei „Christ Or Cocaine“ erst die Monitorboxen und dann auch die P.A. abgedreht wurde. Und als Bandleader Selim Lemouchi dies bemerkte, rastete er aus, stürmte zum Bühnenrand und wurde gegenüber der Bühnencrew handgreiflich. Wütend kehrte er auf die Bühne zurück, die Band spielte den Song nur noch über die Gitarrenverstärker weiter, wurde aber vom perplexen Publikum lautstark angefeuert. Bis dann der Strom endgültig abgestellt wurde und sich Selim erst noch mit der Security und dann mit seinem eigenen Tourmanager anlegte. Unschöne und vor allem unprofessionelle Szenen, die einen eigentlich guten, wenn auch beileibe nicht überragenden Auftritt von THE DEVIL’S BLOOD überschatteten.


Ahab

03.20 (PAS) AHAB
Aufgrund der von THE DEVIL’S BLOOD verursachten Verzögerung mussten auch die süddeutschen Funeral Doomster AHAB rund zehn Minuten später auf die Bühne, als geplant. Erstaunlicherweise war die Fläche vor der Party Stage zu nachtschlafender Zeit immer noch mit einigen hundert Fans mehr als ordentlich gefüllt. Der maritimen Thematik der Band entsprechend war die Bühne in blaues Licht getaucht, als die dunkle, kleine Nachtmusik mit „O Father Sea“ eingeläutet wurde. Die Songs des Quartetts waren auf der einen Seite unglaublich heavy und schwer, auf der anderen Seite aber auch ruhig und fragil und entwickelten eine wirklich packende Atmosphäre, die das Publikum zu lautem Applaus verleitete. Sänger Daniel Droste intonierte die Gesangspassagen entweder mit tiefem Gegrowle oder mit wirklich guten Klargesang, während seine Mitstreiter auch die zähesten Passagen mit viel Druck erklingen ließen. Zu einer Lehrstunde in Sachen intensivem, atmosphärischem Doom geriet das eindringliche „The Divinty Of Oceans“ und mit „Old Thunder“ gab es dann ein Stück vom Debütalbum „The Call Of The Wretched Sea“. Als letztes Stück des Tages bzw. der langen Nacht entließen AHAB das Publikum mit „Redemption Lost“ in die kühle Nacht.


Freitag, 20.08.2010

Cumulo Nimbus

11.00 (PS) CUMULO NIMBUS
Eine Gewitterwolke hätte es ja nun nicht gleich sein müssen – inkontinente Wolken sind ja auch nicht so der Bringer bei Festivals – aber die pralle Mittagssonne stach erbarmungslos auf die, vor allem für die Uhrzeit, beachtliche Zahl an Zuschauern, die sich vor der Painstage versammelt hatte. Die Bands für das Mittelalter-affine Volk, waren dieses Jahr eher in der Minderheit und so wurden die entsprechenden Bands, nur umso frenetischer abgefeiert. So hatten auch die Spielleute von CUMULO NIMBUS in ihren liebevollen Outfits leichtes Spiel, die zwei attraktiven Damen an Geige, Gambe und Flöten dürften neben den schmissigen Liedern ein weiterer Grund für die positiven Resonanzen gewesen sein. Die Band zeigte sich extrem spielfreudig, hopste munter synchron über die Bühne und besonders Erik der Müllermeister betätigte sich als emsiger Anheizer – und bediente „nebenbei“ auch noch seine Gitarre, sang und spielte ab und an Laute. Als Sahnehäubchen gabs beim letzten Song „Aderlass“ noch „Besuch“ von zwei maskierten Feuerwirblern.


Inme

11.35 (PS) INME
Als um kurz nach halb Zwölf die vier schmächtigen Briten von INME tapfer auf die Hauptbühne stapften, befand sich vor dieser – in Relation zur Gesamtbesucherzahl – quasi niemand. Die Leute, die dann doch da waren, erlebten eine unglaublich virtuose Band, die sich regelrecht die Hinterteile aufriss, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Die Jungs waren extra für diese einzelne Show von Brentwood (Essex) nach Süddeutschland gefahren (nicht geflogen!) und bereuten das, trotz überschaubarer Kulisse, keine Sekunde. Sänger/Gitarrist Dave McPherson und seine Mitstreiter genossen die Show offensichtlich in vollen Zügen, und Dave warf sogar gekonnt den ein oder anderen deutschen Satz ein. Niemand versteht es so gekonnt, eingängige, ja stellenweise poppige Melodien, mit derart vertracktem „Hintergrundgeräuschen“ zu verbinden. Alternative meets Mathcore, und aus dieser intensiven Begegnung wurde ein Kind namens INME geboren. Die sechs gespielten Song stammten zu gleichen Teilen aus den jeweils zwei letzten Alben der Band, die sich bestimmt der ein oder andere SUMMER BREEZE-Besucher dann dieser Tage ins Regal stellen wird – also: Mission erfüllt!


Deadstar Assembly

12.10 (PS) DEADSTAR ASSEMBLY
„Hallo Deutschland, da wo wir her kommen, ist es jetzt gerade mal sechs Uhr in der früh! Egal, für uns erfüllt sich eben ein Traum!“. Die extrovertierten und hochmotivierten US-Amerikaner erwiesen sich als weiterer absoluter Glücksgriff der Booking-Abteilung. Darkmetal mit leichter Industrial-/Elektroschlagseite und vor allem richtig fetten Riffs, die direktamente in die Knie und Herzen der Zuschauer trafen. Hier war natürlich auch und besonders was für die Ladies geboten, die im Vorjahr vielleicht die DEATHSTARS angeschmachtet haben. Auch der US-Fünfer legte sich in Sachen Outfit und Posing mächtig in die Riemen. Absoluter Blickfang war der Keyboarder mit der Steckdosen-Frisur, der permanent am extrem Grimassieren und Gestikulieren war; und auch der Sänger war offensichtlich zufrieden mit dem feiernden Mob vor der Bühne, er hörte jedenfalls gar nicht mehr auf Gratis-Shirts ins Publikum zu feuern... In der zweiten Sethälfte schmuggelten sie noch eine ordentliche „Send Me An Angel“-Coverversion zwischen ihr eigenes Material, und auch dieser Track wurde begeistert aufgenommen – die Band hätte noch deutlich mehr Publikum verdient!


Mono Inc.

12.50 (PS) MONO INC.
Während des Intros betrat als erste die schnucklige Schlagzeugerin die Bühne, ging direkt vor an den Rand und forderte das Publikum zum Mitklatschen auf – und eigentlich hatte die Band ab da schon das Heft fest in der Hand. Ihr Sound war zwar etwas sonniger, passte aber trotzdem ganz gut zu DEADSTAR ASSEMBLY vor ihnen und so sind wohl viele von der Pain Stage direkt an die Main Stag gewechselt. Bis 2006 war ihr Fronter Martin Engler ja noch Schlagzeuger der Band, er ist mittlerweile aber absolut in der Rolle des Fronters angekommen – und die Lücke am Schlagzeug wurde ja auch äußerst charmant und kompetent mit Katha Mia gefüllt, die nicht nur prima Schlagzeug spielte sondern auch noch Backup-Vocals beisteuerte. Engler gefiele sich sichtlich in seiner Rolle, poste, grimassierte und gestikulierte wie ein Weltmeister und sah mit seinem schwarz geschminkten Augenbereich irgendwie aus wie Onkel Fester. Zur Krönung gabs gegen Ende noch eine sehr gelungene „Sleeping My Day Away“-Coverversion der Dänen D.A.D. – der Auftritt bleibt auf jeden Fall positiv im Gedächtnis.


Letzte Instanz

13.35 (PS) LETZTE INSTANZ
Mit strahlend blauem Himmel zeigte sich der frühe Nachmittag an diesem Freitag von seiner besten Seite. An sich nicht die besten Rahmenbedingungen für die teils doch etwas düsteren Klänge der LETZTEN INSTANZ. Am heutigen Tage störte sich daran aber weder die Band noch das Publikum. In Scharen waren die Anhänger der Dresdner vor die Painstage gepilgert und hatten schon vor dem Gig sichtlich Spaß. Größtenteils barfuss stürmten die Herren schließlich unter tosendem Applaus die Bühne und setzten mit „Mea Culpa“ und dem nahtlos anschließenden „Mein Engel“ gleich den ersten Glanzpunkt eines, so viel sei verraten, starken Gigs. Unter der Rhythmusgewalt des seit kurzem zur Band gestoßenen ehemaligen SUBWAY TO SALLY Drummers David Pätsch trieb die LETZTE INSTANZ das Publikum derartig auf Temperatur, dass bereits nach wenigen Songs die Securities mit dicken Schläuchen Wasser ins Publikum pumpen mussten. Ungeachtet dessen, war für die eher rockigen Klänge eine durchaus beachtliche Menge an Crowdsurfern unterwegs. Richtig zum Kochen kam das Publikum dann schließlich unter der Regie des sympathischen Fronters Holly, der mit diversen Spielchen genau den Nerv der Fangemeinde traf. Als Schmankerl gab es schließlich noch einen Song des erst Anfang Oktober erscheinenden neuen Albums „Heilig“. Die LETZTE INSTANZ wurde nach dem eigentlich letzten Song schließlich derartig abgefeiert, dass mit „Rapunzel“ sogar noch eine Zugabe im Köcher war.


Fiddler´s Green

14.25 (MS) FIDDLER‘S GREEN
„Folk's Not Dead!“ war das einzig mögliche Fazit nach der schweißtreibenden Show der LETZTEN INSTANZ. Genau diesem Ruf folgten dann auch Tausende vor die Mainstage und ließen sich herrlich von FIDDLER’S GREEN unterhalten. 20 lange Jahre ist die Formation nun schon unterwegs. Genau diese Routine merkte man den Herren auch an. Trotz des eher unmetallischen Folk Rocks hatte die Band leichtes Spiel den Funken gleich von Beginn an zu zünden – nicht umsonst haben vermeintlich eher abseitige oder gar deplazierte Bands eine lange Tradition im Reigen des SUMMER BREEZE. Entscheidend dafür war nicht zuletzt der Umstand, dass sich FIDDLER’S GREEN an diesem Mittag selbst nicht zu erst nahmen. So war es dann auch Party pur, als man kurzerhand eine Wall Of Death zu irischen Folkklängen inszenierte. Ob das funktionierte? Und ob! Auf Fünf gab es nach der großen Teilung, die bis zum FOH reichte den großen Clash. Inspiriert von dieser Aktion waren schließlich sogar noch einige Circlepits zu beobachten. Der Toleranzpreis geht an diesem Mittag wieder an das fantastische SUMMER BREEZE Publikum, das FIDDLER’S GREEN ebenso abfeierte wie den Rest des metallischen Billings. Aufmunternder Gig, der dieser Tageszeit richtig gut zu Gesichte stand.


Destinity

15.00 (PAS) DESTINITY
Die Franzosen DESTINITY hatten die undankbare Aufgabe, den Freitag auf der Party Stage zu eröffnen. Als das Quintett loslegte, war das Zelt auch zunächst nur spärlich gefüllt, im Laufe des Sets strömten aber immer mehr Zuschauer hinein, um sich von dem harten Sound der Band die Gehörgänge durchpusten zu lassen. Mit einer ausgewogenen Mischung aus Groove, Melodik und Technik boten die Jungs aus Lyon ihren Death Metal dar und besonders Sänger Mick präsentierte sich als Aktivposten. Mit viel Bewegungsdrang sprang er über die Bühne, spielte Luftgitarre, entledigte sich nach drei Songs seines Shirts und bangte synchron mit seinen Bandkollegen, die ebenfalls so oft es ging die Matte kreisen ließen. Auf Nachfrage, wer im Publikum denn aus Frankreich sei, gingen zahlreiche Hände in die Höhe, zudem wurde in der ersten Reihe die Tricolore in die Luft gehalten. Die nicht allzu vielen Zuschauer zeigten sich sehr angetan vom Auftritt der Band und besonders der Punk im mehr oder weniger stilsicheren Borat-Outfit machte ordentlich Alarm. Besonderes Lob verdiente sich Drummer Morteüs, der neben seiner eigentlichen Tätigkeiten die wirklich guten, klaren Backing Vocals beisteuerte. Insgesamt ein ordentlicher Auftritt der hierzulande (noch) eher unbekannten Band.


The Black Dahlia Murder

15.15 (PS) THE BLACK DAHLIA MURDER
THE BLACK DAHLIA MURDER waren am frühen Nachmittag der erste knüppelharte „Hallo wach!“ Weckruf für alle Pit-Fanatiker. Wer Lust hatte einige Runden im Circlepit zu drehen, hatte gleich mehrfach Gelegenheit dazu und wer sich lieber stehend die Birne abschraubte, kam ebenso voll auf seine Kosten. Sänger-Sympath Trevor Strnad stachelte das Publikum immer wieder zu Höchstleitungen an, während sich seine Band präzise durch ihre eingängigen Melodic Death-Ungetüme ackerte. Da die Band einen Backkatalog voller Hits aufweisen kann, fiel die Setlist-Gestaltung sicher schwer, doch am Ende machten die üblichen Verdächtigen „Statutory Ape“, „Deathmask Divine“ oder „Elder Misanthropy“ das Rennen. Wer nach den ersten Songs nicht schon komplett nass geschwitzt war, war es spätestens dann, als die Security den Feuerwehrschlauch auspackte und erneut für eine wohlverdiente und wohl auch dringend benötigte Abkühlung sorgte. THE BLACK DAHLIA MURDER sind bekanntermaßen ja immer für eine schweißtreibende Show gut, doch was die Detroiter an diesem Nachmittag boten, war einfach überragend! Kein Wunder konnten die Band-Shirts der Truppe später an allen Ecken und Enden des Festivalgeländes gesichtet werden.


Pantheon I

15.55 (PAS) PANTHEON I
Nach einem düsteren Intro starteten PANTHEON I aus Oslo in ihr Set. Geboten wurde fieser Black Metal im traditionellen Stil. Surrende Gitarren und rasende Beats lieferten die Grundlage für die röchelnden Vocals von Frontmann André. Um die düstere Stimmung weiter zu unterstreichen hatte die Band eine Cellistin mit an Bord, die den brutalen Sound um eine melodische Komponente ergänzte. Dabei war nicht nur die Dame sondern auch ihr Cello ein absoluter Hingucker. Das Zelt war zwar noch nicht voll, es hatte sich aber eine stattliche Anzahl von Fans versammelt die der Band an den Lippen hing und lauthals ihre jeweiligen Lieblingssongs forderte. Die Band vermied es dankenswerter Weise gänzlich gängige Black Metal-Klischees zu bedienen und trat ohne Bemalung oder besondere Outfits auf. Dies unterstrich ihr sympathisches Auftreten zusätzlich und schmälerte den Effekt ihres bitterbösen Sounds in keinster Weise.


Ensiferum

16.05 (MS) ENSIFERUM
Schwerttragend, was der Name ENSIFERUM frei übersetzt bedeutet, waren die Finnen heute nicht. Das hatte man auch zu keiner Sekunde des Sets nötig, denn mit einem bunten Strauß aus Hits der bisherigen Diskografie, hatte man ausreichend schlagkräftige Argumente im Marschgepäck. Den Start in ein bombastisches Set machte schon beinahe traditionell das durchaus programmatische „From Afar“. Somit war dann auch der Platz vor der Hauptbühne für die erste wirklich sehenswerte Flugshow freigegeben. Im Sekundentakt schoben sich die ENSIFERUM-Fans über die Massen, ganz zur Begeisterung der Band. Songs wie „Into Battle“ oder „Smoking Ruins“ feierten die SUMMER BREEZE-Besucher von Beginn an ab. Unzählige Köpfe kreisten, gigantische Trinkhörner wurden gehoben und begeistert wurde jeder Song lauthals mitgegröhlt. Für ein starkes Finale an diesem Festivalnachmittag durfte natürlich „Iron“ nicht fehlen. ENSIFERUM gingen nach einer Stunde glücklich und von den Fans bejubelt von der Bühne. Mehr gibt es zu der Show nicht zu sagen. ENSIFERUM in gewohnter Stärke – absolut in bester Form, routiniert und professionell. ENSIFERUM waren und bleiben eine bärenstarke Liveband und wurden an diesem Freitag ihrem Status absolut gerecht.


We butter the bread with butter

16.50 (PAS) WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER
Das Party Zelt war zum Auftritt von WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER zum brechen gefüllt. Viele Fans fanden gar keinen Platz mehr und mussten der Band von draußen lauschen. Drinnen wurde eine Party sondergleichen gefeiert. Die Elektro-Deathcore Truppe, die sich selbst nicht so ernst nimmt und trotz brutalem Sound einen deutlich humoristischen Ansatz. Und natürlich hatten sie das Publikum von Anfang an fest im Griff. Ansagen wie „Wer mag Kartoffelsalat?“ wurden mit lautstarken Reaktionen abgefeiert. Die Jungs gaben sich bewegungsfreudig und synchrones Moshen war an der Tagesordnung. Die Ordner hatten mal wieder alle Hände voll zu tun und mussten einen Crowdsurfer nach dem anderen von der Meute fischen. Eine stattliche Zelt-Wall-Of-Death gab es als Krönung obendrauf. Natürlich durfte auch eine Deathcore Version des Deichkind Partyhits „Remmi Demmi“ nicht fehlen. Die Band war von der guten Stimmung im Zelt offenbar selbst überwältigt und bedankte sich ausgiebig beim Publikum. Ein lohnender und äußerst spaßiger Auftritt.


Anathema

17.10 (PS) ANATHEMA
Eigentlich war es viel zu sommerlich für einen Auftritt der britischen Melancho-Rocker ANATHEMA. Zieht man aber in Betracht, dass das aktuelle Album „We’re Here Because We’re Here“ deutlich positiver ausgefallen ist, als die Vorgänger, so erschien der Sonnenschein doch wieder passend. Dem Wetter entsprechend betrat Sänger Vincent Cavanagh die Bühne mit Sonnenbrille, während sein Bruder Danny eine seltsame, Handtuch-artige Kopfbedeckung zur Schau trug. Wobei ANATHEMA allerdings auch keine Band ist, bei der das Optische im Vordergrund steht, auch wenn man Vincent bei seiner Bühnenshow jede Menge Charisma attestieren darf. Dem Anlass angemessen ging das Set mit den zwei älteren und recht harten Songs „Deep“ und „Empty“ los, was das Publikum entsprechend honorierte. Das enorm depressive „Lost Control“ stellte dann den größten Gegensatz zum Wetter dar. Der zweite Teil des Sets bestand aus neueren und komplexeren Songs wie dem sich stetig steigernden „A Simple Mistake“ oder dem packenden „Closer“ mit den verfremdeten Vocals und Vincents eindringlicher, auf dem Boden kniender Pose. Beim ruhigen „A Natural Disaster“ hatte Sängerin Lee Douglas ihren großen Auftritt, während es beim nächsten Song ganz weit in die Vergangenheit ging, „Sleepless“ ist nämlich vom 1993er-Debütalbum „Serenades“. Der Sprung zu „Universal“ hätte nicht größer sein können, ist der Song doch vom aktuellen Album. Den vielumjubelten Schlusspunkt setzte der Song, den ANATHEMA wohl bis in alle Ewigkeit bei jedem Konzert spielen müssen: „Fragile Dreams“ – wobei der Song auch einfach nur großartig ist.


Downspirit

17.25 (CS) DOWNSPIRIT
Um den SUMMER BREEZE-Zuschauern die Wartezeiten während der Umbau-Pausen im Partyzelt angenehmer zu gestalten, fanden sich DOWNSPIRIT als Ersatz für THE MEAN zu drei kurzen Sets à 20 Minuten auf der benachbarten Camel Stage ein. Leider fanden zu keinem der drei Gigs wirklich viele Besucher den Weg vor die Bühne, doch DOWNSPIRIT ließen sich davon kein bisschen beeindrucken, präsentierten spielfreudig und energisch einige Songs ihres bevorstehenden Debüts “Point Of Origin” und gaben alles, um den - wenn auch wenigen - Anwesenden eine gute Show zu präsentieren. Mit ihrer interessanten Mischung aus Metal, Blues und Southern Rock gelang das den fünf Musikern sogar ziemlich gut, denn auch wenn die Reaktionen des Publikums insgesamt eher verhalten blieben, wurden zu den groovigen, lässigen Kompositionen doch zumindest ein paar Mähnen kräftig geschüttelt und die übrigen Zuschauer kamen auch nicht umhin, das Haupt rhythmisch im Takt mitwippen zu lassen. Etwas mehr Aufmerksamkeit des SUMMER BREEZE -Publikums wäre DOWNSPIRIT zwar zu gönnen gewesen, doch einige neue Fans hat die Band mit diesen Shows bestimmt dazu gewinnen können.


War from a harlots mouth

17.45 (PAS) WAR FROM A HARLOTS MOUTH
Die Berliner waren gekommen um das Partyzelt in Schutt und Asche zu legen. Schonungslos ballerte die Truppe ihren ultrabrutalen Techcore aus der Hüfte in die Meute und hatte dabei noch reichlich Spielraum um ordentlich für Bewegung auf der Bühne zu sorgen. Insbesondere Frontmann Nico zog durch sein äußerst agiles Auftreten alle Aufmerksamkeit auf sich. Ein von den Fans zugeworfenes T-Shirt wurde kurzerhand als Moshprothese missbraucht und ein ausgiebiges Bad in der Menge lies er sich natürlich auch nicht nehmen. Das machte ihm offensichtlich so viel Spaß, dass er einen kompletten Song vom Publikums aus sang. Die Berliner zettelten zu Ehren und auch als Training für den späteren Auftritt von HEAVEN SHALL BURN einen Circlepit um den Mischerturm an. Die Songauswahl zog sich durch alle Veröffentlichungen der Band, Songs der neuen EP wurden ebenso gespielt wie Tracks vom Debütalbum. WAR FROM A HARLOTS MOUTH sorgten mit diesem Auftritt für offene Münder, breites Grinsen und wohl auch eine Menge blaue Flecken.


Cannibal Corpse

18.05 (MS) CANNIBAL CORPSE
Das Kontrastprogramm zwischen ANATHEMA und END OF GREEN hätte kaum größer sein können, als mit den US-amerikanischen Death Metal-Großmeistern CANNIBAL CORPSE. In gerade mal einer Stunde hämmerte die Band dem Publikum auf der Main Stage 15 Songs um die Ohren und demonstrierte eindrucksvoll, wie man ultratight und gleichzeitig megabrutal ein Riffmassaker nach dem nächsten abfeuert. Der stiernackige Grunzer George „Corpsegrinder“ Fisher amüsierte mit seinen Ansagen, forderte das Publikum auf, so schnell den Nacken wie er kreisen zu lassen – oder es zumindest zu versuchen, bat die Zuschauer mit der Ansage zu „Make Them Suffer“, auch den Nebenmann in den Pit einzubeziehen und widmete „Priests Of Sodom“ allen Schlampen im Publikum. Der inzwischen anscheinend nackte Punk, der auch schon bei DESTINITY aufgefallen war, erregte ebenfalls die Aufmerksamkeit des Sängers und erntete prompt Spott und Hohn. Das zu einem großen Teil männliche Publikum arrangierte selbständig eine Wall Of Death, zirkulierte in größeren und kleineren Pits und forderte lautstark den Hit „Hammer Smashed Face“, der zum Ende des Sets auch zum Einsatz kam und bei dem der Wasserschlauch der Security für Abkühlung im Moshpit sorgte. Musikalisch nicht unbedingt abwechslungsreich, trotzdem in der Konsequenz und Genrerelevanz beeindruckend (und unterhaltsam!).


Kylesa

18.40 (PAS) KYLESA
KYLESA gehörten sicherlich zu den Exoten auf dem diesjährigen Summer Breeze. Spielte die Band doch mit gleich zwei Drumkits, einer Sängerin und einem Sänger, die on top auch noch Gitarren bedienten. Die US-Amerikaner aus Savannah sind einer der (Ex-)Geheimtipps im gerade schwer angesagten Stoner/Sludge/Psychedelic-Revival. Und zu diesem Sound gehören vor allem zwei Dinge: 1.) staubtrockene Fuzz-Gitarren, die eine möglichst dichte Soundwand spinnen und 2.) ein großer Berg an Effektgeräten, der, wenn richtig eingesetzt, die sphärischen Elemente optimal in Szene setzt. Gerade das Drummer-Duo machte mit diversen Eskapaden dermaßen viel Druck, dass man sich fragte, warum das eigentlich nicht mehr Bands so machen. Aber auch der Rest der Band vermochte es mit viel Charme und ungezügelter Bewegungsfreude drahtige Riffs der KYUSS-Schule aus dem Handgelenk zu schütteln und diese dann mit psychedelischen Soundscapes zu spicken, die eine ganz besondere Atmosphäre im leider nur halb gefüllten Zelt erzeugten. Ein hervorragender Auftritt einer hervorragenden Band!


End of Green

19.10 (PS) END OF GREEN
Nachdem der Mitternachtsverkauf der neuen END OF GREEN-Platte „High Hopes In Low Places“ am Stand von metal.de ein durchschlagender Erfolg war, standen die Gothic Rocker nun auf der Pain Stage, vor der sich zahlreiche Zuschauer versammelt hatten, was bei Sänger Michelle Darkness nach eigener Aussage zu „harten Nippeln“ führte. Und obwohl die Band allein schon wegen ihres Frontmannes und Gitarristen Sad Sir optisch einiges zu bieten hat, zog zunächst jemand anders die Aufmerksamkeit auf sich. In einer Ecke der Bühne stand nämlich der Sohn von Albumproduzent Corni Bartels mit cooler Kindergitarre, eigener Monitorbox samt Mikrostativ und rockte bei den ersten Stücken wie die Großen mit. Die starten mit „Weakness“ in ihr Set und legten mit dem harten „Dead City Lights“ ordentlich nach. Die Mädels, die bei CANNIBAL CORPSE fehlten, waren allesamt hier zu finden und erfreuten sich am charismatischen Sänger. Umso mehr Action verbreiteten Sad Sir mit seiner fliegenden Dreadlock-Matte, der zweite Gitarrero Kerker und Basser Rainier Sicone Di Hampez, der gut gelaunt über die Bühne sprang. Allerdings wollte der Funken zunächst nicht so richtig aufs Publikum überspringen, das zwar brav mitklatschte und viel Applaus spendete, aber keine wirkliche Partystimmung verbreitete. Am Auftritt von END OF GREEN kann das jedenfalls nicht gelegen haben, denn die rockten mit „Killhoney“ und dem düsteren „Drink Myself To Sleep“ munter weiter, bei dem dann auch der „Damm“ brach; ab hier zeigte sich auch ordentlich Bewegung in der Meute. Vom frisch veröffentlichten Album gab es dann auch noch die erste Auskopplung „Goodnight Insomnia“ (bei welchem sich Michelle für die Belästigung mit dem Video zum Song auf dem Festival süffisant entschuldigte) und den Brocken „Tie Me A Rope… While You’re Calling My Name“ zu hören. Ein wie erwartet großer Auftritt von Deutschlands derzeit besten Düsterrockern.


Disbelief

19.40 (PAS) DISBELIEF
DISBELIEF sind zweifelsohne eine der Institutionen des deutschen Death Metal schlechthin und somit natürlich immer gern gesehener Gast auf Festivals hierzulande. Kein Wunder also, dass die Hessen sich auch im diesjährigen SUMMER BREEZE-Billing wieder fanden. Pünktlich um 19:40 Uhr enterte die Band um Kult-Fronter Jagger die Bühne im gut halb vollen Partyzelt und schmetterte mit „A Place To Hide“ nach einem kurzen Intro sogleich eine geballte Death Metal-Granate ins Publikum, die ihr Ziel nicht verfehlte und sofort zündete. Schon nach kurzer Zeit sah man unzählige Köpfe kreisen, es wurde eifrig mitgegrölt und DISBELIEF nach allen Regeln der Kunst abgefeiert. Jagger und Co. hatten, dank entsprechender Diskografie, ordentlich Song-Munition um die ihnen zugestandenen 40 Minuten in ein Best-Of-Sperrfeuer zu verwandeln. Ein Killer-Song reihte sich an den anderen und dank Berücksichtigung vieler verschiedener Alben kam auch die Abwechslung nicht zu kurz. Zwar hätte man der Band ein noch größeres Publikum gewünscht, die Hessen machten allerdings das beste daraus und lieferten eine Top-Leistung ab. Auf die zentrale Frage „Do You Really Feel Sick?“ des viertletzten Songs, hat wohl keiner der Anwesenden im Anschluss mit ja geantwortet.


Hypocrisy

20.15 (MS) HYPOCRISY
Seit nunmehr 20 Jahren sind die Schweden von HYPOCRISY fester Bestandteil der internationalen Death Metal-Szene und daraus einfach nicht mehr wegzudenken. Und warum das so ist, demonstrierte das Trio um den Kult-Fronter Peter Tägtgren auch beim diesjährigen SUMMER BREEZE mit einer 75-minütigen Wahnsinns-Show. Vor der Main Stage sammelte sich in der Umbau-Pause vor dem Auftritt bereits eine ordentliche Anzahl Zuschauer und als die Band schließlich die Bühne enterte und mit “Fractured Millenuim” ohne Vorwarnung in die Vollen ging, strömten immer mehr Menschen vor die Bühne und die Stimmung erreichte in Rekord-Geschwindigkeit den Siedepunkt. Und beim nun folgenden grandiosen Streifzug durch ihre Diskografie zeigten die Schweden eidrcuksvoll, wodurch sie sich den diesjährigenCo-Headlinerposten verdient haben, denn HYPOCRISY gehören zu den wenigen Bands, die es ohne großartige Bühnenshow und sonstiges Drumherum, einfach durch ihre pure Anwesenheit und Ausstrahlung auf der Bühne, schaffen, die Menschen sofort mitzureißen und für die komplette Länge der Show nicht wieder vom Haken zu lassen. Elementarer Bestandteil der Begeisterung, die die Schweden so mühelos entfachen, waren natürlich auch ihre genialen Kompositionen, voller Spielfreude und zudem auf den Punkt exakt gezockten, die ausnahmslos vom Publikum abgefeiert wurden, als gäbe es kein Morgen mehr. Besonders Peter Tägtgren selbst konnte durch seine amüsanten Ansagen zwischen den Songs und seine zurückhaltende, einfach irgendwie angenehme Art eine ganze Familienpackung Sympathiepunkte einheimsen. So konnte man es eigentlich gar nicht recht glauben, dass die Spielzeit der Schweden bereits so schnell vergangen sein sollte, als sie nach etwas mehr als einer Stunde die Bretter der Main Stage nach “Warpath” verließen. So leicht ließen die Fans die Band allerdings nicht davon kommen und verlangten eifrig nach einer Zugabe, um die sich die Schweden natürlich nicht lang bitten ließen. Mit “Roswell 47” servierten sie ihren absoluten Über-Klassiker bevor dann leider endgültig Schluss war. HYPOCRISY räumten unter tosendem Applaus und weiteren, nicht enden wollenden, Zugabe-Rufen die Bühne.


Das Pack

20.20 (CS) DAS PACK
Für weitere Pausenunterhaltung auf der Camel Stage sorgten am Freitag DAS PACK. Die Hamburger boten deutschsprachigen Punk mit leichtem Hang zum Thrash Metal. Die Affinität zu SLAYER war aufgrund der zur Schau gestellten Shirts dann auch kaum zu übersehen. Mit kühlem nordischen Charme und intelligent verpacktem Wortwitz, machten die Hamburger ein riesiges Fass auf - und das wohlgemerkt nur zu zweit! Drummer Flozze spielte ÄRTZE-like im Stehen und sein „Partner in Crime“ Pensen bediente die Gitarre. Die Bandbreite an Lyrik reichte von verflossenen Freundinnen in „Du bist eine Nutte“ über den Drang sich ständig mit Seife zu säubern der in „Waschzwang“ thematisiert wurde, weiter über abartige Vorlieben in „Fass mir an die Füße“ bis hin zu Songs über die Pubertät und das eigene Glied in „Mein Schwan“. DAS PACK zog mehrere hundert Leute vor die Bühne, die sogar ziemliche Textsicherheit bewiesen und das Duo mehr als würdig abfeierten.


Origin

20.40 (PAS) ORIGIN
ORIGIN müssen schon im Kindesalter die hohe Schule des technischen Death Metal besuchte haben und selbst dann haben sie mit Sicherheit einige Klassen übersprungen und mit Auszeichnung abgeschlossen. Anders ist die technische Versiertheit der Musiker nicht zu erklären. So rasant, so verspielt und mit so viel technischer Finesse wie die Band zu Werke ging, kam das Auge zeitweise fast schon nicht mehr mit den Flitzefingern der Musiker mit. Die überbordende instrumentale Verspieltheit grenzte fast schon an Reizüberflutung und auch der schwammige Sound im Zelt legte oftmals einen undurchsichtigen Schleier um viele Details, die dann für das Ohr kaum noch herauszufiltern waren. Bei den ohnehin schon sehr schwer verdaulichen Stücken der Amerikaner ein Grund mehr für Bauchschmerzen. Doch ORIGIN sind nicht erst seit gestern dabei und vor allem der meist in gebückter Körperhaltung agierende Sänger Mica Meneke kompensierte jede Soundschwäche mit einnehmender Präsenz. Besonderes Highlight: der Titeltrack ihres aktuellen Albums „Antithesis“ kurz vor dem Ende. Nach diesem Auftritt kam die Pause gerade gelegen, denn die Ohren benötigten dringend etwas Kontrastprogramm.


Gorgoroth

21.35 (PS) GORGOROTH
Nach HYPOCRISYS Siegeszug auf der Mainstage, gings im Anschluss auf der Pain Stage sogar noch heftiger weiter. Die norwegischen Kult-Black Metaler von GORGOROTH stürmten die Bühne für ihre (zumindest geplant) einstündige Show. Als Problem sollte sich nur erweisen, dass sie aber bereits mit zehn Minuten Verspätung mit “Bergtrollets Hevn” und dem neuen Stück “Satan-Prometheus” starteten. Das in großer Zahl erschienene Publikum schien GORGOROTH das ein wenig übel zu nehmen, denn die Stimmung war von Beginn an eher gedrückt, die Zuschauer reagierten verhalten auf die Norweger und man sah immer weniger Matten kreisen, bis die meisten Zuschauer den Gig in der zweiten Hälfte des Sets nur noch passiv zu verfolgen schienen. Dies lag auch daran, dass es GORGOROTH regelrecht auf die Stirn geschrieben stand, dass sie gerade übermotiviert waren. Zwar technisch einwandfrei, jedoch völlig lieb- und lustlos zockten sich die fünf Musiker durch ihr Set, das in Sachen Song-Auswahl zwar keine Wünsche offen ließ, aber auch der beste Track macht bei leidenschaftsloser Darbietung nur wenig Freude. Als die Norweger dann allerdings auch noch bereits nach 40 Minuten Spielzeit wieder von der Bühne eilten, verloren sie jegliche Unterstützung des Publikums. Nur vereinzelte Zugabe-Rufe erschallten, die meisten Zuschauer entfernten sich missmutig von der Pain Stage und als sich GORGOROTH dann doch noch einmal auf die Bühne begaben und eine kurze Zugabe zum Besten gaben, war einfach jegliche Luft raus. Schade, dass die Band so wenig aus diesem Gig gemacht hat, denn die Zuschauer hatten offensichtlich ordentlich Bock auf GORGOROTH und die Show hätte mit ein wenig mehr Einsatzwillen auf der Bühne richtig gut werden können.


Despised Icon

21.45 (PAS) DESPISED ICON
Das Interesse an den Kanadiern von DESPISED ICON war verständlicher Weise groß und die Menge im Zelt dicht gedrängt. War doch die Show auf dem diesjährigen Summer Breeze ihre vorerst letzte auf deutschem Boden. Nach dieser Tour wird für die Band nämlich Schluss sein. Dementsprechend motiviert ging das Publikum zu Werke, das von der ersten Sekunde an keinen Zweifel aufkommen ließ, wem man an diesem Freitag besonders entgegen gefiebert hatte. DESPISED ICON legten mit „All For Nothing“ gut vor und mussten im weiteren Verlauf nur noch die Früchte ihrer mehr als sehenswerten Show ernten. Moshpits soweit das Auge reichte und keine Textzeile, die nicht aus hunderten Kehlen mitgeschrieen wurde. Die Band war sichtlich gerührt, rang zeitweise sogar nach Worten zwischen Abrissbirnen wie „A Fractured Hand“, „Day Of Mourning“, „Retina“ oder „Furtive Monologue“. Viel zu früh wurde mit dem lautstark geforderten „MVP“ die letzte Runde eingeläutet, bevor eine der beliebtesten Death Core-Bands den Hut zog und sich mit einem mehr als würdigen Abgang wahrscheinlich für immer verabschiedete.


Heaven shall burn

22.40 (MS) HEAVEN SHALL BURN
Die Thüringer kann man inzwischen getrost als SUMMER BREEZE-Veteranen bezeichnen. Bereits zum vierten Mal standen die Jungs auf der Hauptbühne. Nach ihrem Siegeszug aus dem Jahr 2008, der sicher noch einigen Fans im Gedächtnis war, füllte die Band die wohlverdiente Position des Headliner auf der Main Stage aus. Die Band wollte sich an der schweren Aufgabe versuchen den damaligen Auftritt noch zu toppen. Nach einem kurzen Intro legten sie dann mit „Architects Of The Apocalypse“ los um direkt den Hit „The Weapon They Fear“ anzuhängen. So hatten die sympathischen Jungs das Publikum dann auch sofort auf ihrer Seite. „Hallo, wir sinds wieder“, begrüßte Frontmann Marcus die Meute. Die Band gab sich während des kompletten Auftritts bewegungsfreudig und hatte selbst wieder sichtlich Spaß an der Show. Kein Wunder, das Publikum unterstützte sie nach Kräften und bildete am laufenden Band Circlepits und Todeswände. Auch Marucs Bitte nach vielen kleinen Pits – er sprach von olympischen Ringen - kamen die Fans gerne nach. Das baut vertrauen auf und anstatt weiter Planwirtschaft in Sachen Tanzeinlagen zu betreiben, rief der Sänger später mit „Macht was ihr wollt.“ zur Bewegungs-Anarchie auf. Die Band beschränkte sich nicht „nur“ darauf einen musikalisch beachtlichen Auftritt hinzulegen, sondern hat sich für eine ordentliche Headlinershow auch etwas fürs Auge einfallen lassen. Hinter der Band waren riesige Videoleinwände aufgebaut, die den jeweiligen Song stimmungsvoll untermalten. Hier waren neben coolen Lichteffekten auch kritische Botschaften in Sachen moderne Ernährung, Massentierhaltung, Krieg und Kindersoldaten zu sehen. Ein humoristischer Höhepunkt war sicher auch das Stück Kot das sich in Guido Westerwelle verwandelt hat .Das Set der Band bot alle Hits inklusive aktueller Smasher wie „Counterweight“, „Endzeit“, „Voice Of The Voiceless“ und „Lie You Bleed For“ aber auch Klassiker wie das in letzte Zeit immer seltener live gehörte „7th Cross“. Nach einer kurzen Pause gab es dann noch drei Songs als Zugabe, unter anderem das Edge Of Sanity Cover „Black Tears“, bei dem es passenderweise schwarze, dickflüssige (Öl-)Tränen auf den Leinwänden im Hintergrund zu sehen gab, die über BP-Logos tropften. Zum Abschluss gab es noch eine massive Nebelwand mit Glitzerregen (!). HEAVEN SHALL BURN haben mit diesem Auftritt ein weiteres Mal ihre enormen Livequalitäten unter Beweis gestellt – auch wenn es die imposanten Publikumsbewegungen der letzten Show dieses Mal wegen der Wellenbrecher nicht geben konnte. Mal wieder ein absolutes Highlight.


Watain

22.50 (PAS) WATAIN
Antikosmische Uhren scheinen ein wenig anders zu ticken, denn wie die Geschwister im Geiste THE DEVIL’S BLOOD schafften es auch WATAIN nicht, pünktlich auf der Bühne zu erscheinen. Im Gegensatz zu den Niederländern zogen die Schweden aber die richtige Konsequenz und strichen klaglos den letzten Song von ihrer Setlist. Nichtsdestotrotz war der Auftritt im ordentlich gefüllten Zelt eine Demonstration in Sachen Black Metal. Das fing schon mit der Bühnendekoration an: neben den Drums rechts und links Bandlogos, die während des gesamten Auftritts brannten, vorne zwei umgedrehte Kreuze, aus denen ebenfalls eine Flamme züngelte und vier Banner mit Bandmotiven zierten die Bühne. Und auch die Band fuhr in Sachen Outfit schwere Geschütze auf, Corpsepaint und Blutüberguss, Spikes und Nieten – so wünscht der geneigte Schwarzmetaller sich das. Dazu passte auch die Lichtshow, die meist von hinten kam, so dass die Musiker mehr als schwarze Schatten wahrzunehmen waren. Nach dem Intro legte man mit „Malfeitor“ imposant los und legte mit „Sworn To The Dark“ nach. Sänger Erik stellte sich immer wieder dramatisch in Pose, was ab und an allerdings leicht übertrieben wirkte. Seine Keifvocals saßen aber perfekt und in der Gesamtbetrachtung gab er durchaus einen charismatischen Frontmann ab. Mit dem Übersong „Reaping Death“ und dem hymnischen „Legions Of The Black Light“ erreichte die Show ihren musikalischen Höhepunkt, die abschließenden „Wolves Curse“ und das ultra-derbe „Total Funeral“, bei dem Erik einen Becher Blut ins Publikum schleuderte, standen aber in nichts nach. Hammer!


Gwar

00.00 (PS) GWAR
GWAR traten seit längerem mal wieder an den Planet Deutschland zu erobern. In voller Montur, behangen mit Spikes, Schädeln und vor allem Penissen zog die Truppe von einem anderen Planeten in die Schlacht. Die Ordner und Fotografen im Graben hatten sich in weiser Voraussicht mit Regencapes ausgestattet. Die Fans leider nicht, was sich noch rächen sollte – wobei die Die-Hard-Fans natürlich mit voller Absicht in weißen Shirts in den ersten Reihen standen. Die Musik war bei diesem Auftritt relative Nebensache, denn die Show stand da eindeutig im Vordergrund. Die krass überzeichnete wilde Mixtur aus Gewalt, Obszönitäten und unterschwelliger Sozialkritik bot immer wieder Anlass zum Schmunzeln. Im Grunde bestand die Show daraus, dass zwischen den Songs ein wechselnder Charakter von den Sklaven auf die Bühne gebracht wurde, dem dann nach und nach Gliedmassen abgetrennt wurden oder eher Unangenehmes in den Körper eingeführt wurde. Aus den Wunden spritzte dann reichlich Kunstblut und sonstige simulierten Körpersäfte ins Publikum. Unter den Unglücklichen befanden sich Hitler, ein Polizist, Papst Ratzinger, der Chef des GWAR Fanclubs und schließlich Osama Bin Laden. Auch der Teufel höchstpersönlich wurde abgeschlachtet nachdem Frontmann Oderus Urungus dessen Aufforderung zum Blowjob nicht nachkommen wollte. Zum großen Finale gab es dann noch verschiedenfarbige Flüssigkeiten aus einer großen Kanone sowie Oderus Urungus übergroßem Penis. Der Auftritt von GWAR war genau das richtige um den Abend mit einem Auftritt der etwas anderen Art ausklingen zu lassen.


Dying Fetus

00.50 (PAS) DYING FETUS
Das diesjährige SUMMER BREEZE war erneut gespickt mit hochkarätigen Death Metal- und Gindcore-Bands, sodass jeder Anhänger extremer Klänge sicherlich voll auf seine Kosten kam. DYING FETUS sind nicht nur eine der Dienstältesten, sondern auch eine der Einflussreichsten und gleichzeitig der meist kopierten Acts in diesem Genre. Doch in Sachen Power und technischer Sauberkeit schlugen die Marylander selbst zu dritt die meisten Nachahmer live immer noch um einige Längen. Dabei teilten sich Gitarrist Jon Gallagher und Bassist Sean Beasley am Mikro ihre Hasstiraden mit Titeln wie „Kill Mommy“, „One Shot, One Kill“ oder „Justifiable Homicide“ gekonnt und abwechslungsreich. Keine Schaffensphase wurde hierbei ausgelassen. Nur das aktuelle, sehr empfehlenswerte Album "Descend Into Depravity", wurde leider nur mit einem Song bedacht. Mit dem bisher besten und klarsten Sound im Zelt kamen die wuchtigen Gitarrenriffs und das abartig schnelle Drumming in den „Knüppel-aus-dem-Sack“-Parts hervorragend zur Geltung, was mit viel Bewegung im Pit honoriert wurde. Am Ende hatten DYING FETUS das Partyzelt im Prinzip ein Mal komplett umgepflügt.


Hail of Bullets

01.10 (PAS) HAIL OF BULLETS
Die Niederländer um den Asphyx Frontmann Martin Van Drunen entfesselten zur späten Stunde ihre schonungslose Kriegsmaschinerie im Partzelt. Der Sound von HAIL OF BULLETS rollte über die noch recht zahlreichen Anwesenden hinweg wie ein Panzer. Massive Riffwände und donnernde Drums beherrschen das Klangbild zu dem die heiseren Vocals von Van Drunen perfekt passten. Dieser glänzte bei seinen Ansagen übrigens mit sehr gutem Deutsch. Im Bühnenvorraum wurde auch zu so später Stunde noch gemosht was das Zeug hielt. Der Auftritt war leider auch ein tatsächlicher Angriff auf die Ohren der Zuhörer, da es wirklich mörderisch laut war. Als besonderes Schmankerl spielte die Band auch einen Song von brandneuen Album, das später im Jahr erscheinen wird. Die Darbietung von „Operation Z“ war auch für die Band selbst eine Premiere, da sie ihn zum ersten Mal überhaupt live aufführten. Nach dem Set durfte die Band aus Zeitgründen leider die lautstarken Zugabenwünsche nicht mehr erfüllen.


Orphaned Land

02.15 (PAS) ORPHANED LAND
Als ORPHANED LAND pünktlich um 02:15 die Bühne im Partyzelt betraten, konnten sich die Israeli bereits einer für die späte Stunde sehr ansehnlichen Anzahl Zuschauern gegenüber sehen. Optisch präsentierten sich ORPHANED LAND in den Gewändern der verschiedenen Religionen, um die Botschaft ihrer Musik und den Frieden zwischen den Glaubensgemeinschaften, zu untermalen. Und auch die begeisterte Ausstrahlung und emotionale Performance der Band zeigte in jedem Moment, wie sehr ORPHANED LAND hinter dieser Botschaft stehen, was ihnen sofort die größtmögliche Unterstützung des Publikums einbrachte. In den folgenden 45 Minuten spielten sich die Israeli durch ein abwechslungsreiches Set von Songs all ihrer bisherigen Alben, animierten die Zuschauer in einer Tour, die der Band und besonders dem charismatischen Fronter Kobi Farhi über die komplette Länge der Show bedingungslos aus der Hand fraßen und auf alle Aufforderungen zum Mitmachen ausgelassen eingingen. Die dreiviertel Stunde verging dann auch viel zu schnell und als ORPHANED LAND schließlich die Bühne räumen müssen, konnten sie sich vor ekstatischem Applaus und Zurufen kaum retten, dem Verlangen nach einer Zugabe konnten die Israeli aus Zeitgründer aber leider nicht nachkommen – aber auch ihr zweiter Besuch beim SUMMER BREEZE kann getrost als voller Erfolg verzeichnet werden.


Long distance calling

03.20 (PAS) LONG DISTANCE CALLING
Den Abschluss des Festival-Freitags machten die Postrock-Senkrechtstarter LONG DISTANCE CALLING aus Münster, die sich spätestens Anfang diesen Jahr als Vorband von KATATONIA Rang und Namen erspielt hatten. Das Partyzelt zeigte sich der Uhrzeit entsprechend natürlich nicht mehr proppenvoll, als LONG DISTANCE CALLING ihre Show jedoch pünktlich mit “I Know You, Stanley Milgram!” eröffneten, schlossen sich Stück für Stück die Lücken und es fand eine beachtliche Zahl an Zuschauern den Weg vor die Bühne. Zwar hat es eine Band ohne Sänger bei Live-Shows nicht sonderlich leicht, doch die Westfalen konnten das Publikum problemlos allein durch ihre atmosphärischen, spannungsgeladenen Kompositionen fesseln, sodass es während der 40-minütigen Show der Münsteraner kein bisschen langweilig wurde. Das Set füllten sowohl Stücke aus den frühen Tagen der Band wie “Metulsky Curse Revisited”, aktuelles Material und sogar zwei ganz neue Kompositionen, die vom Publikum sofort sehr gut aufgenommen wurden. Zwar hätte man der Band eine angenehmere Spielzeit und so noch größere Beachtung seitens der Festivalbesucher gewünscht, LONG DISTANCE CALLING haben dennoch ihr Bestes gegeben und die Zuschauer mit einer leidenschaftlichen Performance in die Nacht entlassen.


Samstag, 21.08.2010

Be´Lakor

11.00 (PS) BE‘LAKOR
Die Australier von BE’LAKOR hatten dieses Jahr wahrscheinlich die weiteste Anreise aller Bands. Und wenn man schon einmal um die halbe Welt reist um auf der Pain Stage des SUMMER BREEZE zu stehen, dann kann man auch seine Familie und Freunde mitnehmen. Diese tummelten sich allesamt hinter der Bühne und begutachteten die Show. Ebenso wie Hunderte Frühaufsteher oder Fans, die sich sichtlich auf BE’LAKOR freuten. Trotz der frühen Tageszeit schwangen schon einige die Matten zum Melodic Death Metal des Vierers. Was ja bekanntermaßen immer noch der beste Weg ist den Kater der vergangenen Nacht abzuschütteln. Die halbe Stunde Spielzeit wurde mit Songs aus dem aktuellen Album „Stone’s Reach“ gut genutzt und am Ende wurden die Australier während dem obligatorischen Gruppenfoto vom Drumriser sogar mit lauten Sprechchören gefeiert, was ihnen ein breites Grinsen auf das Gesicht zauberte. Die weite Anreise hatte sich für die Aussies von BE’LAKOR also eindeutig gelohnt.


The Foreshadowing

11.35 (MS) THE FORESHADOWING
Als zweite Band des letzten Festival-Tages enterten die italienischen Goth/Doom Metaller THE FORESHADOWING die Hauptbühne. Das Publikum war zu dieser Zeit nur sehr spärlich erschienen, die Meisten schlenderten sehr gemächlich Richtung Bühne, und der schleppende, depressive Sound war vielleicht nicht der passendste Weckruf und Einstieg in diesen brütend heißen Tag. Doch die Italiener gaben sich bemüht und gut aufgelegt. Zwar ging durch das Tageslicht ein gutes Pfund Atmosphäre verloren, die sie in einem Club entfacht hätten, aber die Stücke funktionierten auch so ziemlich gut. Gerade der Titeltrack des aktuellen Albums „Oionos“ entpuppte sich als echter Ohrwurm. Sänger Marco Benevento war hervorragend bei Stimme, seine Musiker bestens eingespielt und auch das geneigte Publikum merkte langsam, dass es sich lohnte beide Ohren zu spitzen und strömte nun zahlreicher auf das Gelände. Für Kurzweile sorgte die halbe Stunde Spielzeit von THE FORESHADOWING allemal.


Undertow

12.10 (PS) UNDERTOW
Weiter ging es auf der Pains Sage mit einem immer wieder gern gesehen Gast auf dem SUMMER BREEZE: UNDERTOW. Mit ihrem neuen, von Fachpresse, als auch Fans hochgelobtem Album „Don't Pray To The Ashes“ im Rücken und einem Backkatalog der viele Jahre zurückreicht und einige hervorragende Nummern hervorgebracht hat, konnte das Dreigestirn aus dem Vollen schöpfen. Gewohnt sympathisch führte Sänger Joschi durch die Setlist, die mit dem aggressiven „Bitter Taste“ begann bevor „Crawler“ ruppig das Energielevel anhob. Dieses blieb auch weiterhin über „Threedouble Chime“ und „Ashtray Memories“ hoch während die sägende Hitze der Crowd zu schaffen machte. Aber genau im richtigen Moment schob sich bei „Smoke Garden“, einem der langsameren, doomigeren Songs, eine Wolke vor die Sonne und erzeugte so, wie bestellt, genau die richtige Stimmung. Zum krönenden Abschluss kam Björn Goosses, seines Zeichens THE VERY END- und ehemals NIGHT IN GALES-Sänger, zu „Stomping Out Ignorance“ auf die Bühne und bereitete dem ohnehin schon starken Auftritt der Süddeutschen ein gebührendes Ende.


Van Canto

12.50 (MS) VAN CANTO
Die Heavy Metal A Capella Truppe von VAN CANTO war offensichtlich für viele das erste Highlight des noch jungen Tages, denn der Platz vor der Mainstage war tatsächlich erstmals an diesem Tag komplett gefüllt. Und ungewöhnlich ist das Gebräu des Sechser-Packs ja schon. Keine Gitarren, keine Verzerrer, keine riesen Türme von Amps nur pure Stimmgewalt und ein Drummer, der dermaßen auf die Felle eindrischt, dass man es fast mit der Angst bekommt. Die Sänger singen dabei alle Instrumente, die sonst gespielt werden. Hinzu kommen noch die markanten Organe von Philip Dennis „Sly“ Schunke und seinem weiblichen Pendant Inga Scharf (sic!) an den Lead-Stimmen. Neben einigen eigenen Nummern wurden gerne Metal-Klassiker wie METALLICAs „Master Of Puppets“ (in einer gekürzten Version) und IRON MAIDENs „Fear Of The Dark“ zum Besten gegeben. Natürlich sang der gesamte Platz lauthals mit, während die Band ständig in Bewegung war, dabei bestimmt einen Halbmarathon zurücklegte und einfach nur noch platt war von den äußerst positiven Reaktionen des Publikums. VAN CANTO waren die ersten großen Abräumer des Tages.


Pyschopunch

13.35 (PS) PSYCHOPUNCH
Es gibt Bands, die ihren Stil gefunden haben. Das sind Bands, die keine Experimente mehr machen müssen. Namen, die einem da spontan einfallen, sind vielleicht BOLT THROWER, BAD RELIGION oder AC/DC, und eben auch PSYCHOPUNCH. Auf dem SUMMER BREEZE sind die Schweden immer wieder eine Bank und auch in diesem Jahr rockten JM, Joey & Co. die Pain Stage in gewohnt souveräner Manier. Im schwermetallischen Reigen der beiden großen Bühnen waren die rotzrockigen Nummern wie ein Gläschen Kräuterlikör zwischen den Bieren oder ein gepflegter Rülpser am Mittagstisch. Mit schmissigen Nummern der Marke „Misunderstood“, „Overrated“ oder dem immer wieder gern gehörten ABBA-Cover „SOS“ hatten die Punkrocker alle Anwesenden auf ihrer Seite und überzeugten durch eine enorme Spielfreude. Dass Joey, wandelnde Minibar und mutmaßlich linker siamesischer Zwilling von Keith Richards, noch immer lässige Soli aus dem Ärmel schüttelt, grenzt an ein medizinisches Wunder. Aber auch der Rest der Band wusste mit den ihr entgegen gebrachten Sympathien blendend umzugehen. Haushalten mussten sie damit nicht, denn Alarm war vor der Pain Stage bis zur letzten Minute.


Frei.Wild

14.25 (MS) FREI.WILD
Dass es bei den Südtirolern trotz einiger im Vorfeld kontrovers diskutierter Meinungsbilder um den gebotenen Deutschrock rappelvoll sein würde, war zu erwarten. Pünktlich zur besten Nachmittagszeit betraten FREI.WILD unter brausendem Applaus die Bühne und eröffneten schon früh an diesem Samstag den Reigen jener Bands, deren Texte lauthals mitgegrölt wurden. Der komplette Bühnenbereich war während des Sets in Bewegung und so einige Fans durften sich nach einem Flug über die Mengen und der anschließenden Landung im Graben wieder zufrieden hinten anstellen. Die Stimmung erreichte schon nach wenigen Songs Ihren Siedepunkt und kühlte auch bis zum Schluss nicht merklich ab. Dafür sorgten die Wilden mit einer Mischung aus Party erprobten Gassenhauern und frischen Rocknummern, die vom Publikum förmlich aufgesogen wurden. Am Ende des Sets stand schließlich eine vereinte Masse und versüßten FREI.WILD den Weg von Bühne mit lange nachhallenden Zugaberufen. FREI.WILD waren an diesem letzten Festivaltag noch mal eine Dose Energy Drink für das teils doch deutlich geschundene Publikum.


Fejd

15.00 (PAS) FEJD
FEJD aus Schweden starteten im Zelt mit einer Mixtur aus schwedischer Folklore und Rock, wie man sie sonst wohl eher auf Mittelaltermärkten erwarten würde. Ein paar Interessierte hatten sich bereits zu Beginn der Show im Zelt eingefunden. Und im Laufe des Sets sollten es nach und nach immer mehr werden. Interessant bei FEJD war vor allem die Instrumentierung, neben Bass, Schlagzeug und Keyboard hatten sie eine Moraharpa, eine Mischung aus Laute und Geige, sowie eine Bouzouki, ein eigentlich traditionell griechisches Saiteninstrument. Eine E-Gitarre suchte man dagegen vergebens. Die Songs waren komplett in Schwedisch gehalten, und so dürfte sich das Material wohl den wenigsten Anwesenden über die Textaussagen erschlossen haben. Die Stimmung im Zelt war zwar anfangs eher verhalten, im Lauf des Auftritts ließen sich aber immer mehr Fans anstecken und es wurde bald ausgiebig geklatscht und getanzt.


Leaves Eyes

15.15 (PS) LEAVES EYES
Wie bestellt hatte sich, pünktlich zum Auftritt von LEAVES EYES, die Sonne komplett von der Bühne der Pain Stage verzogen, so dass sich die hellhäutige Sängerin Liv Kristin keine Sorge um ihren blassen Teint machen musste, als sie in einem ausladenden Kleid samt wohl an die zwei Meter langer Schleppe zu ihren hochmotivierten Bandkollegen stieß, die bereits vor ihr ins Set gestartet waren. Für die derberen Shouts hat sie bei dieser Band ja ihren Mann Alex Krull an ihrer Seite, den man, wie auch den Gitarristen, ja von Atrocity kennt. Den Heimspielcharakter unterstrich der langmähnige Krull dann auch bei einer seiner Ansagen. Liv schraubte sich in den Songs in sonst in diesen Tagen eher selten gehörte Höhen und zeigte sich auch sonst makellos und bedankte sich sogar bei den Zuschauern fürs Durchhalten und Mitgehen bei diesen extremen Temperaturen. Die größte Begeisterung löste dann auch der erneute Schlaucheinsatz der Security aus – was nicht heißen soll, dass die Zuschauer die Band nicht abfeierten – ganz im Gegenteil. Alex Krull erweis sich als smarter Massenanimateur und rief u.a. einen Wettbewerb zwischen dem englischen Publikum, vor dem die Band ihre vorherige Show gespielt hat, und dem SUMMER BREEZE-Publikum aus. Den Bühnenhintergrund schmückte ein ausladendes Backdrop und die fehlende Backline wurde durch Aufsteller neben dem Schlagzeug kaschiert. Der letzte Song war dann „Froyas Theme“ bevor der Auftritt mit dem Outro „Mot Fjorne Land“ zu Ende ging.


Hacride

15.55 (PAS) HACRIDE
HACRIDE aus Frankreich hatten die nicht ganz einfache Aufgabe in der mittäglichen Gluthitze ihren sperrigen Sound an die meist eher unvorbereiteten SUMMER BREEZE-Besucher zu bringen. Geboten wurde moderner Metal mit sehr technischer Ausrichtung der zudem noch mit düsteren atmosphärischen Parts versetzt wurde. Die Band wechselte pumpende Grooves mit trügerisch ruhigen Momenten ab nur um dann im nächsten Moment wieder zu explodieren. Die Protagonisten an Bass und Gitarre ließen ihre Matten ordentlich kreisen so dass zumindest ein kleines Lüftchen im stickigen Zelt wehte. Frontmann Samuel gab sich alle Mühe etwas Stimmung ins Zelt zu bringen, was ihm leider nur im Ansatz gelang. Der vierte Tag des Festivals machte sich wohl auch in den Knochen und Schädeln der Zuhörer bemerkbar. An der Band kann es jedenfalls nicht gelegen haben, auch wenn ihr Sound vielleicht nicht unbedingt zum mittäglichen Sportprogramm animiert, sondern eher schwer im Magen lag.


Eisbrecher

16.05 (MS) EISBRECHER
Wer angesichts des Bandnamens EISBRECHER auf eine Abkühlung hoffte, sah sich gründlich getäuscht. Denn der „Checker“ Alexx Wesselsky und seine Band hatten nichts besseres zu tun, als die Stimmung im Publikum noch um einiges anzuheizen. Wobei die Grundvoraussetzungen eh nicht hätten besser sein können: ein perfekter Entertainer, mega-eingängige Songs und eine Crowd, die sich bereitwillig unterhalten ließ und Humor bewies, was unter anderem ein hochgehaltenes Pappschild mit der Aufschrift „Ich will ein Auto von Dir“ unterstrich. Vom ersten Song „Eiszeit“ an tobte der Mob, die Mädels kreischten, zahllose Crowdsurfer waren unterwegs und bis in die letzten Reihen war Mitklatschen angesagt. Besondere Freude rief neben der Show der Wasserstrahl hervor, den die Security mehrfach ins erhitzte Publikum hielt. Angesichts der Tatsache, dass EISBRECHER heute mal auf einem Metal-Festival spielten, packten sie schon früh härtere Songs wie „Angst“ und „Phosphor“ aus und punkteten mit Hits wie „Leider“, „Schwarze Witwe“ und „Heilig“. Bei „This Is Deutsch“ setzte Alexx dann einen bayrischen Trachtenhut mit Gamsbart auf, zog eine entsprechende Weste an und stimmte auf einer Melodica die vermeintliche deutsche Nationalhymne an: es erklang „Alle meine Entchen“. Bei „Amok“ trommelte man zu viert auf Blechfässern herum und vor dem letzten Song punktete Alexx mit dem Hochhalten einer Bayern-Fahne. Und wie üblich machte „Miststück“, der Hit seiner alten Band MEGAHERZ, den Abschluss, dabei stieg der Frontmann in den Fotograben und hielt den Fans das Mikrofon zum Mitsingen vor die Nase. Fazit: EISBRECHER haben an diesem Nachmittag alles richtig gemacht.


Callisto

16.50 (PAS) CALLISTO
Kurz vor fünf Uhr war es Zeit für einen weiteren Exoten im Lineup des diesjährigen SUMMER BREEZE. Die Finnen CALLISTO mühten sich zu so früher Stunde und bei ungewohnt viel (Tages-)Licht redlich so etwas wie Atmosphäre ins Zelt zu zaubern – und das schafften sie auch recht schnell! Als die Sechs auf der Bühne waren, brauchten sie kurz um aus relativer Bewegungslosigkeit zu Beginn des perfekt gewählten Openers „Insession“ gegen Ende des Tracks dann zu kollektivem Bangen zu finden und in ihrem Sound aufzugehen. Sänger Jani Ali-Hukkala stand zwischen den Songs gerne mal mit dem Rücken zum Publikum am Drumriser, bangte da dann auch mal bis zu seinem Einsatz am Mikro. Erst nach drei gespielten Stücken richtete er das Wort, bzw. die Worte („Thank You!“) ans Volk, große Reden sind aber wohl nicht sein Ding. Gut so, denn groß wurde die Show durch das Zusammenspiel der Musiker und das Wechselspiel ruhiger Passagen mit Klargesang, die irgendwann dann explodieren und in Gebrüll oder gar Growls gipfeln. Nach dem Ende von „Providence“ ging bis auf den Drummer, einen Gitarristen und den Keyboarder alle von der Bühne und die Verbliebenen impovisierten noch weiter und sorgten so für einen weiteren unüblichen Part dieses grandiosen Auftritts. Für die (wohl jetzt auch vielen neuen) Fans zum Abschluss noch eine gute und eine schlechte Nachricht: Zuerst die schlechte: CALLISTO werden leider in absehbarer Zeit keine Headlinershows in Deutschland spielen. Die gute: sie nehmen sich demnächst dann vier Monate Zeit für ihr neues Album!


Poisonblack

17.10 (PS) POISONBLACK
Die finnischen Gothic Metaller um den ehemaligen SENTENCED-Sänger Ville Laihiala hatten es danach schwer, den hohen Stimmungspegel zu halten. So war das Feld vor der Bühne bei POISONBLACK auch alles andere als proppenvoll, wofür sicher auch die brütende Hitze mitverantwortlich war. Und auch wenn der Finne an sich kein großer Fan von Sommer, Sonne, Sonnenschein ist, so zog sich die Band überaus achtbar aus der Affäre. Was auch daran lag, dass die Leute vor der Bühne ordentlich Stimmung machten und fleißig Applaus spendeten. Neun Songs gaben die Finnen zum Besten und machten dabei deutlich, dass Gothic nicht mit Weinerlichkeit gleichzusetzen ist. Mit harten Gitarren kickten Ville und seine Jungs ordentlich Arsch und machten damit das kleine Manko, dass der Band noch ein richtiger Überhit in der Diskografie fehlt, locker wett. Außerdem ist es immer wieder schön, Villes charakteristischer Stimme zu lauschen. Was die Zuschauer ähnlich sahen und sich über Songs wie „Love Infernal“, „Left Behind“, „Buried Alive“ und „Bear The Cross“ freuten.


Solstafir

17.45 (PAS) SOLSTAFIR
SOLSTAFIR aus Island, der nächste Act im Partyzelt, zählten mit ihrer interessanten Mischung aus donnerndem Schwarzmetall und tieftraurigem Psychedelic Rock wohl zu den exotischeren Bands des diesjährigen SUMMER BREEZE Festivals. Seit mittlerweile 16 Jahren beschreitet das Quartett seinen ganz individuellen musikalischen Weg und kann auf eine große, treue Fangemeinde zählen. So war es wenig wunderlich, dass sich das Partyzelt für diese Tageszeit erstaunlich gut gefüllt hatte, als SOLSTAFIR ihre Show nach einem kuzen Intro mit „Köld”, dem Titelstück ihres aktuellen Albums, eröffneten. Dieses Stück, sowie das folgende 20-minütige „Ritual Of Fire” waren leider die einzigen Songs, die die Isländer zum Besten geben konnten, 35 Minuten waren für eine solche Ausnahme-Band einfach viel zu wenig, doch SOLSTAFIR bereiteten den Zuschauern auch in dieser kurzen Zeit ein wahnsinnig atmosphärisches, emotionales, völlig überwältigendes Klangerlebnis, bei dem ein Schauer auf dem Rücken den nächsten jagte. Die Musiker selbst schienen vom Publikum kaum Notiz zu nehmen und versanken voll und ganz in ihrer Musik. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb zogen sie die Menschen problemlos in ihren Bann. SOLSTAFIR sind live einfach immer wieder ein Erlebnis!


Rebellion

18.40 (PAS) REBELLION
Auch für Fans von deutschem Teutonenstahl wurde auf dem Festival natürlich gesorgt: REBELLION, die in diesem Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum begehen, machten sich auf, um für 40 Minuten das Partyzelt zum heroischen Fäuste-Recken und Mitgrölen zu bringen. Zwar konnten sich die Power Metaller nur einem gut halb vollen Zelt gegenüber sehen, doch die Zuschauer, die den Weg vor die Bühne fanden, waren auch hochmotiviert, ließen sich vom Opener „War“ sofort mitreißen und feierten REBELLION nach Strich und Faden ab. Die Band selbst strotzte regelrecht vor Spielfreude und guter Laune, die mit jedem Song mehr auf die Zuschauer überging, während Fronter Michael Seifert die Stimmung immer weiter anheizte und die Menschen so lange animierte, bis auch der letzte im Zelt einfach mitmachen musste. Den krönenden Abschluss der Show lieferte die Band schließlich mit GRAVE DIGGERs „Rebellion”, das von restlos allen Mündern vor der Bühne nach allen Regeln der Kunst zelebriert und mitgegrölt wurde.


Sepultura

19.00 (MS) SEPULTURA
Mit SEPULTURA aus Brasilien beehrte ein an sich längst überfälliger Gast das SUMMER BREEZE. Die Truppe hat zweifellos Legendenstatus inne, was sich auch überdeutlich am prall gefüllten Bühnenvorraum ablesen ließ. Nach dem Intro „A-LEX IV“ vom aktuellen Album legte die Band um den Hünen Derrick Green mit „Alex I“ und „Moloko Mesto“ los. Hier wurde sofort die Klasse von Drummer Jean Dolabella hörbar, der zwar schon seit 2006 in der Band ist, aber als Nachfolger von Igor Cavalera wohl noch lange als „der neue“ gelten wird. Die Intensität und Präzision mit der er sein Drumkit beharkte, sorgte reihum für offene Münder. Mit „Arise“ gab die Band dann auch schon recht früh den erste Klassiker zum Besten, das anschließende „Refuse/Resist“ erntete dann zum ersten Mal überschwängliche Publikumsreaktionen. Im weiteren Verlauf mischten SEPULTURA immer wieder neuere Tracks ins Set, das aber hauptsächlich von Hits wie „Territory“, „Troops Of Doom“ und „Innerself“ dominiert wurde. Erst zum Schluss kam dann das „Roots“ Album zum Zuge. Bei „Rattamahata“ steuerte Green zusätzliche Percussions bei, der Stimmungshöhepunkt lag aber beim Übersong „Roots Bloody Roots“. Green betonte, dass er sich freue endlich hier zu spielen und dass ihm schon oft gesagt wurde, wie fantastisch das Publikum auf dem SUMMER BREEZE sei. Auch SEPUTLURA können sich nach diesem Auftritt getrost selbst auf die Schultern klopfen.


Korpiklaani

19.05 (PS) KORPIKLAANI
Nebenan gab es nach SEPULTURA ordentlich Kontrastprogramm. Trinkfest und ihrem Bandnamen Korpiklaani (finn. „Klan des Waldes“) stets Rechnung tragend, erschienen die Finnen optisch gewohnt rustikal, aber auch in ebenso gewohnter bester Feierlaune. Schon vor dem Gig war der Platz überraschend gut gefüllt, was sich während des Auftritts noch so ausweiten sollte, dass selbst Teile des Vorplatzes der Maistage eingenommen wurden. Die Stimmung war ausgelassen, die ersten Reihen johlten, moshten und krakeelten jeden Song mit. Bis in die letzten Reihen wird die Musik der Folk Metaller gut abgefeiert und das, wie es sich gehört, mit viel viel Alkohol. Auch die Band selbst ließ es sich natürlich nicht nehmen an dem fröhlichen Trinkgelage teilzuhaben und genehmigte sich den einer oder anderen Schluck auf der Bühne. Ähnlich wie beim Auftritt vor zwei Jahren regierten die Herren an diesem Abend und zeigten eindrucksvoll wer der Herr im Ring des Folk Metals ist. Toller Auftritt der Herren, die abermals ihren Status bestätigten und mit „Beer Beer“ und dem finalen „Let’s Drink“ ein absolutes Highlight waren.


The very End

19.20 (CS) THE VERY END
Wenn er auch auf den größeren Bühnen in diesem Jahr nicht vertreten war, auf der Dromedar-Bühne gabs jetzt feinsten Ruhrpott Thrash – wenn auch mit ordentlich zeitgemäßem Anstrich. Die Band um Fronter Björn Goosses hob sich mit ihren schwarzen Klamotten deutlich vom weißen Bühnenhintergrund ab, und auch soundtechnisch vielen sie auf – und zwar positiv. Die beiden Gitarristen boten feinste Riffkost auf beeindruckend hohem Niveau und vergaßen dabei auch nicht sich zu bewegen, der Bassist mit seinem coolen Bart legte ein knarzig-fettes Fundament und über all dem thronte der abwechslungsreiche Gesang. Über Ignoranz seitens des Publikums konnte sich der Essener Fünfer auch nicht beklagen, trotz der fiesen Hitze wurde nicht nur auf der Bühne ordentlich geschwitzt, sondern auch davor fleißig gemosht. Kein Wunder, dass die Band kurz vor dem SUMMER BREEZE einen Vertrag bei SPV unterschrieben hat; die Fans müssen sich aber noch gedulden, das neue Langesien erscheint leidre erst Anfang 2011.


Manegarm

19.40 (PAS) MANEGARM
Als pünktlich um 19:40 Uhr die ersten Akkorde von „Mina Fäders Hall”, dem Opener von MANEGARMs aktuellem Album „Nattväsen”, aus den Boxen schallten, wartete bereits eine ansehnliche Menge Festival-Besucher vor der Bühne im Partyzelt auf die schwedischen Viking Metaller, die während der folgenden 40 Minuten einen abwechslungsreichen Rückblick über ihre bisherige Diskographie präsentierten, so gabs neben dem Opener auch weiteres Material vom neuen Album. Die Zuschauer ließen sich von Beginn an begeistern, grölten Klassiker wie „Havets Vargar”, „Sigrblot” oder „I Evig Tid” eifrig mit, nahmen aber auch die neuen Songs gut an und verwandelten das Partyzelt für die komplette Länge des MANEGARM-Gigs in ein einziges Meer aus fliegenden Haaren. Die Schweden hatten offensichtlich viel Spaß auf der Bühne, heizten die feiernde Menge immer weiter an und posten sich begeistert einen ab. MANEGARM machen einfach Spaß!


Bülent Ceylan

20.10 (MS) Surprise Act BÜLENT CEYLAN
Aufmerksame Festivalbesucher haben schon kurz nach dem Kauf eines Festivalshirts gewusst, wer denn die Überraschung auf der Hauptbühne sein würde, es stand nämlich auf dem Shirt neben den anderen Acts im Lineup. Insofern überraschte es auch nicht, dass bereits Minuten vor dem Auftrittsbeginn aus hunderten Kehlen „Wir wollen den Türken sehen“ skandiert wurde und im Publikum diverse Tafeln hochgehalten wurden wie z.B. „Der Türke muss schwitzen“. Kurz nach 20.10 stürmte der sympathische Mannheimer dann auch an die Bühnenfront und war sichtlich ergriffen, wie viele Leute da unten auf ihn warteten und ihn lautstark feierten. „Ihr seid doch krank im Kopp“ traf die Sache dann ganz gut. In der Folge schlüpfte der einzige Comedian Deutschlands mit glaubwürdigen Metal-Background in einige seiner bekanntesten Rollen (u.a. waren der türkische Gemüsehändler Aslan und der Hausmeister Mompfred, der mal wieder vergessen hatte seine Rassismuspillen zu nehmen dabei), improvisierte hier und da gekonnt und konnte es kaum fassen, als der ganze Platz ihn lautstark feierte, gleich mehrere Circlepits bildete und lautstark eine Wall Of Death forderte. Gegen Ende seines Kurzauftritts begab er sich sogar noch auf die Meute zum Crowdsurfen – und die wollte ihn gar nicht mehr auf die Bühne zurück lassen. Der Mann hat jetzt einen neuen Namen, ab sofort also bitte Dinkelsbühlent; und wiederkommen will er auch – das Publikum hätte wohl nichts dagegen! Vor der Show hat er sich wohl tatsächlich Sorgen gemacht, ob der Auftritt beim SUMMER BREEZE funktionieren würde...


Breschdleng

20.20 (CS) BRESCHDLENG
Die schwäbischen Originale waren keinesfalls zum ersten Mal in Dinkelsbühl zu Gast, bereits früher hat man mit beachtlichem Erfolg beim Nachwuchswettbewerb teilgenommen und so verwundert es auch nicht, dass sich bei den Auftritten von BRESCHDLENG auf der Camel Stage mehr Leute vor der Bühne einfanden, als bei allen anderen Acts, die hier vor ihnen aufgetreten sind. Die Band und ihr Label hatten sich seit Tagen auf den Auftritt vorbereitet, viel liebevolle Aktionen und Werbung auf die Beine gestellt (u.a. gabs gratis Gimmicks wie Luftballons mit dem Bandlogo und einen Wettbewerb ums imposanteste Erdbeer-Kamel) und als die Band dann endlich auf der Bühne stand, gabs kein Halten mehr. Leidenschaftlich und mit viel Witz seitens des Fronters, der sich sogar mit Edding „Baggana“ (sein Heimatort Backnang) auf den imposanten Bauch geschrieben hatte, legten sie sich ins Zeug. Die Combo verbindet auf einzigartige Weise schmissigen Metal mit Hardcore und packt komplett schwäbische Texte dazu. Obs da nun um die namensgebende Erdbeere („Breschdleng“), Übergewicht bei Männern („Schdeffala“) oder auch bewusstseinserweiternde Fleischwaren („Roschdrbrada“) ging, sowohl Band als auch Publikum ging ab wie Schnitzel. Im letzten Segment wurde dann das beste Erdbeer-Kamel prämiert – es gewann das kleinste – bevor zum zweiten Mal an diesem Abend „Schdeffala“ zelebriert wurde und „Seiferts Fritz“ das Ende markierte. Fantastische Show(s), da gabs Bands, die im Zelt vor deutlich weniger Zuschauern gespielt haben.


Sick of it all

20.30 (MS) SICK OF IT ALL
Nach AGNOSTIC FRONT am Donnerstag stand mit SICK OF IT ALL am Samstag bereits die zweite New York Hardcore-Legende auf einer SUMMER BREEZE-Bühne. Und viele Fans waren gekommen um mit den New Yorkern zu feiern. Die fackelten auch nicht lange und traten mit „Death Or Jail“, dem Opener des aktuellen Albums „Based On A True Story“, ein absolutes Brett los. Die Band um die Gebrüder Koller fegten über die Bühne als gäbe es kein Morgen mehr. Insbesondere Gitarrist Pete Koller sprang und rannte über die Bühne als ginge es um sein Leben und weder sich selbst noch dem Publikum gönnte die Band eine Verschnaufpause. In der Menge waren schnell mehrere Circle Pits zu sehen und Frontmann Lou Koller dirigierte die Fans schließlich zu der größten Wall Of Death des diesjährigen Festivals. Die Songauswahl bot sowohl jüngeren als auch älteren Fans etwas. Neue Kracher wie „A Month Of Sundays“, „The Divide“ oder „Take The Night Off“ wurden unter Hits wie „Step Down”, „Built To Last” (das die Band ihren Freunden von SEPULTURA widmete) oder „Busted” und ganz alte Klassiker wie „Injustice System” und „My Life” gemischt. Bei „Busted” übernahm Bassist Craig teilweise die Vocals und bediente sich dabei eines Megaphons. Bei einem derartigen Backkatalog kann natürlich nicht jeder Fan seine individuellen Lieblingssong bekommen, besonders „Just Look Around“ wurde nach der Show von vielen vermisst. Lou Koller zeigte im schicken schwarzen Hemd was für ein versierter Fronter und sympathischer Kerl er ist und das Publikum fraß ihm schon nach kürzester Zeit aus der Hand . SICK OF IT ALL haben mit diesem Auftritt ihre Vormachtstellung im Hardcore mehr als deutlich unterstrichen und eindrucksvoll bewiesen, dass sie sich ideal in ein LineUp wie dieses einfügen können.


Warbringer

20.40 (PAS) WARBRINGER
Am Samstag Abend galt es, die letzten Reserven zu mobilisieren und was eignet sich da besser, als eine ordentliche Dosis Old School Thrash? Die gab es auf der Party Stage im Zelt mit den Kalifornieren WARBRINGER. Angeführt von Sänger John Kevill, der ein wenig aussieht wie TANKARDs Gerre in jung und sich mit seinem CRYSTAL LOGIC-Shirt traditionsbewusst zeigte, prügelten sich die Jungspunde durch ihr Set, das hauptsächlich aus pfeilschnellen Thrash-Granaten bestand. Man merkte der Band zu jeder Sekunde an, dass sie hochmotiviert und hungrig war und das übertrug sich natürlich auch auf das Publikum, dass die Matten kreisen lies und Circle Pits und die obligatorische Wall Of Death startete. Der agile Frontmann tobte derweil über die Bühne, sprang auf die Monitorboxen, feuerte die Zuschauer unermüdlich an und auch sein herzhaftes „Prost“ wurde natürlich aus hunderten von Kehlen erwidert. Zwischen all den flotten Songs fiel besonders die starke Midtempo-Nummer „Prey For Death“ auf, man darf der Band aber attestieren, trotz der Bay Area-Anleihen schon jetzt eine eigenständiges Klangbild entwickelt zu haben. Wer braucht schon Red Bull, wenn er WARBRINGER haben kann?


Dark Funeral

21.35 (PS) DARK FUNERAL
Für Fans der schwedischen Black Metaller DARK FUNERAL schlug um 21:35 Uhr eine historische Stunde, denn Sänger Emperor Magus Caligula, neben Gründungsmitglied und Gitarrist Lord Ahriman einziges Überbleibsel der Band aus den 90ern, kündigte kurz vor dem Festival an, die Band aus familiärem Gründen zu verlassen und auf dem SUMMER BREEZE nach 15 Jahren sein letztes Konzert bei DARK FUNERAL zu geben. Gerade deshalb konnte man eigentlich mit wesentlich größerem Publikums-Andrang vor der Pain Stage rechnen, dieser blieb jedoch aus. Die Show der Schweden war nur mäßig gut besucht und einen Grund dafür suchte man vergebens, denn DARK FUNERAL zelebrierten ihr letztes Konzert in dieser Besetzung nach allen Regeln der Kunst und boten eine geradezu sensationelle Show dar. Nicht nur das perfekt ausgewählte Set, eine Rundreise durch die komplette bisherige Diskographie der Band, ließ dabei keinerlei Wünsche offen, sondern auch die Bühnenshow, dominiert von einer geballten Ladung Pyro-Effekte, lud mächtig zum Staunen ein. Auch musikalisch waren DARK FUNERAL in allerbester Form, zockten sich auf den Punkt genau durch die Songs und man sah ihnen deutlich an, wie viel Lust sie auf diese Show hatten (so deutlich zumindest, wie das bei den Corpse Paint-beschmierten, meist finster blickenden Visagen der Schweden überhaupt zu erkennen möglich war). Das Publikum direkt vor der Bühne ließ sich von dieser Show auch bedingungslos mitreißen und feierte den Einsatz der Band in höchstem Maße, schade nur, dass die Menge in den hinteren Reihen eher überschaubar und passiv war. Glücklicherweise strömten während der Show aber noch weitere Zuschauer vor die Bühne, sodass DARK FUNERAL sich zumindest in der zweiten Hälfte ihres Auftritts einem Publikum gegenüber sehen konnten, was einem solchen Gig zahlenmäßig gerecht wurde. Wahnsinns-Show und definitiv eines der Highlights an diesem Wochenende.


Maroon

21.45 (PAS) MAROON
MAROON aus Nordhausen hatten in der seitherigen Geschichte des SUMMER BREEZE bereits für den einen oder anderen Höhepunkt gesorgt. 2010 machten sie sich also daran ihren Ruf zu verteidigen und stiegen auch prompt programmatisch mit einer kleinen Slayer-Reminiszenz und „Stay Brutal“ in ihr Set ein. Das Zelt war zum Bersten gefüllt und die Band hatte die Meute im Handumdrehen auf ihre Seite gezogen. Ihr kompromissloser Metalcore ballerte die Müdigkeit aus den Anwesenden und Frontmann Andre dirigierte die Meute gewohnt souverän und unterhaltsam. Das Ergebnis war ein Stimmungshighlight nach dem anderen. Mal sprang das ganze Zelt, dann gab es eine riesige Zelt-Wall Of Death, ein Circle Pit um den Mischer oder es wurde einfach nur alles kurz und klein getreten. Sänger Andre gab genaue Anweisungen was zu tun ist: „Erst alle Kopfnicken, dann macht ihr alles kaputt.“ Und ein Bad in der Menge ließ sich Andre natürlich auch nicht nehmen. Er selbst hielt sich in Sachen Durchdrehen natürlich in keinster Weise zurück und ging so heftig ab, dass ihm sogar die Hose im Schritt gerissen ist. Mit „Schatten“ ging ein weiterer triumphaler MAROON-Besuch auf dem SUMMER BREEZE zu Ende.


Children of Bodom

22.40 (MS) CHILDREN OF BODOM
Der Mannheimer „Dinkelsbühlent“ Ceyland hatte wohl offensichtlich überaus beeindruckt, denn in der Umbaupause vor dem Headliner auf der Mainstage waren aus tausenden Kehlen mehrfach frenetische „Mompfred“-Rufe zu hören. Den krönenden Abschluss gabs auf dieser Bühne am Samstag aber von den Kindern vom Bodomsee. Und das absolut berechtigt, wenn man sich die Menschenmasse anschaute, die scheinbar kein Ende nahm. Zwar verzichteten CHILDREN OF BODOM auf jegliche optische Gimmicks, was für einen Hauptact eher enttäuschend ist, langweilig war die Show der Finnen aber trotzdem keineswegs. Allein schon das Gepose von Frontmann und Flitzefinger Alexi Laiho war wieder mal überaus sehenswert, zudem war es erstaunlich, mit welcher Leichtig- und Selbstverständlichkeit er und vor allem Keyboarder Janne Wirman, ihre alles andere als simplen Passagen quasi blind spielten. Mit „Follow The Reaper“ stieg das Quintett in ein Best Of-Set ein, dass so gut wie alle Alben der Bandgeschichte berücksichtigte, nur vom Debütalbum „Something Wild“ wurde – wie schon fast üblich – kein Song gespielt. Die Stimmung im Publikum war von Anfang an blendend und man merkte kaum, dass man auf das Ende des vierten Festivaltages zuging. Alle Hände voll zu tun hatten natürlich auch wieder die Jungs von der Security, denn ein Crowdsurfer nach dem anderen segelte in den Fotograben. „Everytime I Die“ und „Living Dead Beat“ wurden frenetisch bejubelt und nach dem düsteren „Angels Don’t Kill“ fing dann auch die für die Band typische Herumalberei an, als Janne Wirman erstmal „Alejandro“ von LADY GAGA anstimmte. Alexis unflätiger Kommentar zu der Popqueen sei an dieser Stelle verschwiegen. Ebenfalls üblich ist, dass die beiden Musiker dann ersteinmal eine Diskussion starten, in der Wirman zunächst angibt, viel zu betrunken zu sein, um „Kissing The Shadows“ zu spielen – was natürlich nicht stimmte. Das wiederum vom Publikum gefeierte „Hate Me“ beendete den regulären Teil des Sets, natürlich kam die Band aber für Zugaben zurück auf die Bühne. Das schnelle „Silent Night, Bodom Night“ erklang zunächst und entgegen der ursprünglichen Setlist fügten die Finnen dann auch noch „Needled 24/7“ ein, weil sie so angetan von der Resonanz seitens des Publikums waren. Ein zweite Runde Blödelei, in der unter anderem VAN HALENs „Jump“ und MICHAEL JACKSONs „Billie Jean“ angespielt wurden ging über in „Downfall“, das einen guten, aber vielleicht etwas zu routinierten Gig beendete, bei dem Alexi sein Lieblingswort „fuck“ ein kleines bisschen weniger inflationär gebrauchte als sonst.


Asphyx

22.50 (PAS) ASPHYX
Mit ASPHYX betrat eine europäische Death Metal-Band der ersten Stunde die Zeltbühne. Die Band hat mit ihren frühen Alben das Genre maßgeblich geprägt. Gleich mehrmals wurde die Band in der Vergangenheit bereits aufgelöst und wiedervereinigt. Im jetzigen Original LineUp hat die Band ein starkes neues Album veröffentlicht und beehrte 2010 nun zum ersten Mal das SUMMER BREEZE. Entsprechend viele hungrige Fans hatten sich eingefunden um der Band mit ihren kreisenden Matten ein gebührendes Willkommen zu bieten. Gestartet wurde mit dem Klassiker „Vermin“, gefolgt von „The Rack“ und dem neuen Track „Scorbutics“. Ob neu oder alt, jeder Track rollte wie eine Dampfwalze über das Publikum hinweg. Frontmann Martin Van Drunen, der am Vortag bereits mit HAIL OF BULLETS einen Auftritt absolviert hatte, zelebrierte den Death Metal am Mikro nach allen Regeln der Kunst. Und Drummer Bob Bagchus feierte sogar am Auftrittstag seinen Geburtstag. So forderte Van Drunen die Fans dann in der Mitte des Sets auf „Happy Birthday“ für den Schlagzeuger zu grölen. Mit ASPHYX konnte hinter eine weitere Death Metal Legende ein fettes Häkchen und ein begeistertes Ausrufezeichen gesetzt werden.


My dying Bride

00.00 (PS) MY DYING BRIDE
In schon gewohnter Tradition beendeten Bands der Couleur KATATONIA oder eben die großen MY DYING BRIDE in den vergangenen Jahren das SUMMER BREEZE. 2010 war es wieder Zeit für die Doomster aus West Yorkshire, die an diesem Abend zugleich ihr 20-jähriges Bandjubiläum zu feiern hatten. Sänger Aaron Stainthorpe hatte zu Beginn des einstündigen Sets eine nicht ganz so erfreuliche Nachricht parat. Drummer Dan Mullins hatte sich den Fuß gebrochen und musste folglich beim Jubiläumsgig pausieren. Als Ersatz konnte man David Gray von AKERKOCKE gewinnen. Dem eindrucksvollsten Auftreten von MYDYING BRIDE seit langer Zeit, tat das wenig Abbruch und man setzte mit dem grandiosen Einstig „Fall With Me“ des aktuellen Longplayers „For Lies I Sire“ den ersten Glanzpunkt. Kaum eine Band schaffte es bisher eine derart beklemmende, fast finstere Grundstimmung zu erzeugen, die sich einer apokalyptischen Urkraft gleich über das Publikum ergoss. In den ersten Reihen waren Fans zu beobachten, die hypnotisiert gen Bühne starrten und dort einen leidenden Aaron Stainthorpe vorfanden. Ein absolutes Highlight der Nacht war eine Reise in die tiefste Vergangenheit der Bandgeschichte. Auf „Turn Loose the Swans“ folgte mit „Vast Choirs“ das erste, je von der Band geschriebene Stück, des Debüt Albums „As the Flower Withers“. Etwas neuer, aber nicht minder intensiv, führte man in ein beklemmend dargebotenes „She Is The Dark“. Quittiert wurde diese Zeitreise von Szenenapplaus und Sprechchören des sichtlich entzückten Publikums. Als mit „My Body A Funeral“ die Zeiger schon bedenklich nahe an der ein Uhr Grenze nagte, wurde Gewissheit was mancher schon befürchtet hatte: Das an sich obligatorische „The Cry Of Mankind“ musste aus zeitlichen Gründen - und zum sichtlichen Leidwesen de Band - von der Setlist gestrichen werden. So war es auch verständlich, dass ein etwas irritiertes Publikum zurückblieb und die Zugaberufe erst nach längerer Zeit abebbten. An diesem lauen Sommerabend präsentierten sich MY DYING BRIDE in der Form ihres Lebens und beschließen ein grandioses SUMMER BREEZE 2010 auf der Pain Stage.


Eisregen

00.00 (PAS) EISREGEN
Unverhofft kommt oft besagt das Sprichwort und so überraschte es schon ein wenig, dass das Zelt bei EISREGEN pünktlich zur Geisterstunde brechend voll war. Und so gestalte sich der Auftritt der thüringischen Meister des Makabren als Triumphzug. Schon nach dem ersten Song skandierte das Publikum lautstark den Namen der Band und sang fortan fast jeden der zehn Songs mit. Zu bemängeln war allerdings, dass der Sound ohne einen Bass (es gab nur Gitarre, Drums, Keyboards und Gesang) etwas dünn war, was auch die brachiale Lautstärke nicht kaschieren konnte. Trotzdem fraßen die Zuschauer Sänger Michael „Blutkehle“ Roth quasi aus der Hand, klatschten und pogten mit und intonierten „1000 tote Nutten“, während die ganze Zeit über eine Thüringen-Flagge geschwenkt wurde. Über die Texte der Band und den eher simpel gehaltenen Dark Metal durfte man zwar genauso geteilter Meinung sein, wie über die eher geschmacklosen Banner mit dem Aufdruck „Jesus stinkt“ sowie einer gekreuzigten Frau, letztendlich durften EISREGEN diesen Auftritt aber als vollen Erfolg verbuchen.


The Crown

01.10 (PAS) THE CROWN
THE CROWN waren wohl die Band mit dem mitunter besten Sound im Zelt. Ihr Soundman zauberte den Schweden einen klaren, aber trotzdem brachialen Klang, der dem auf Platte schon verdammt nahe kam. Lange Anlaufschwierigkeiten hatte die ehemalige Band des ONE MAN ARMY AND THE UNDEAD QUARTET- Sängers Johan Lindstrand kaum und seit 2009 in Jonas Stålhammar sowieso einen Adäquaten Ersatz gefunden. THE CROWN zeigten sich in absoluter Höchstform und mit unbändiger Spiellaune. Zehn alles vernichtenden Death Metal-Kracher fanden den Weg in eine Setlist, die tatsächlich die ersten zwei, nicht minder guten Alben komplett außen vor lies und somit auf Killer-Nummern wie „Angels Die“ und „Godless“ ohne mit der Wimper zu zucken verzichtete. Doch dafür gab es den Titeltrack des bald erscheinenden neuen Albums „Doomsday King“, der sich hervorragend in den Gesamtkontext einfügte und auf einiges hoffen ließ. Die Schweden sind schon so lange im Geschäft, dass sie wissen wie man eingängige Nummer komponiert und diese live umsetzt. Wer nicht da war, hat mit Sicherheit etwas verpasst.


1349

02.15 (PAS) 1349
Lange mussten sich die Anwesenden Schwarzmetall-Fans gedulden, bis die Hauptdarsteller dann auch tatsächlich auf ihrer Bühne erschienen. Zunächst gab es dort auch lange nach dem eigentlich angekündigten Beginn nur Techniker zu sehen, die die Instrumente für die Show der Norweger vorbereiteten. Elf Minuten nach dem eigentlichen Beginn betraten zwei finstere Gestalten die Bühne, spuckten jeder einmal Feuer und räumten dann die Bühne für 1349. Das All-Star-Ensemble aus Mitgliedern von u.a. SATYRICON, GORGOROTH, PANTHEON I und KEEP OF KALESSIN stieg dann zwar mit deutlicher Verspätung und „Riders Of The Apocalypse“ in ihr Set ein, das Tat dem Effekt ihres Auftretens aber keinen Abbruch. Im Bühnenhintergrund prangte ein schlichtes, aber großes Banner mit ihrem Bandlogo, vor den Boxen hingen große Stoffbahnen mit stilisierten umgedrehten Kreuzen und die Mucker selbst hatten sich genretypisch geschminkt, der Bassist erschien sogar in einer schwarzen Kutte, deren Kapuze er über die ganze Show nicht ablegte. Anfangs holperte es noch hier und da, spätestens beim zweiten Song „Nathicana“ war die Band aber in ihrem Element, was im Publikum aber eher distanziert aufgenommen wurde. Klar reckten sich hier und da die Arme nach oben, in den vordersten Reihen wurde auch gebangt, aber richtig abgefeiert wurden die Norweger nur wahrlich nicht – vielleicht steckte dem etwa halb gefüllten Zelt einfach das viele Feiern über die letzten Tage in den Knochen. Aufgrund der Verzögerungen zu Beginn wurde „Chasing Dragons“ spontan gestrichen und die Band beschloss mit „Atomic Chapel“ ihr Set.


Count Raven

03.20 (PAS) COUNT RAVEN
Die große Ehre das Summer Breeze 2010 abzuschließen, hatte 2010 die Doom-Legende COUNT RAVEN. Einige hundert Konditionsstarke und Nimmersatte fanden sich um kurz nach drei im Partyzelt ein um mit den Schweden ein letztes Mal zu feiern. Zwar war der recht flotte Doom nicht gerade leicht verdaulich, doch Dan „Fodde“ Fondelius – der mit seinem Kopftuch übrigens aussah wie einer dieser verrückten Piraten von SWASHBUCKLE - war hervorragenden bei Stimme und die Band trotz der späten Uhrzeit in allerbester Spiellaune. Das Trio erzeugte einen unglaublichen Groove und durch die gewalttätige Art von Drummer Patrick Lundin sein Arbeitsgerät zu bearbeiten unheimlich Druck. Neben einigen Klassikern kamen auch zwei Songs aus ihrem aktuellen Album „Mammons War“ zum Zug, die sich ausgezeichnet in den Fluss der Show einfügten. COUNT RAVEN zelebrierten ihre Doom-Epen mit beeindruckender Genauigkeit, was enorm fesselte und eine fast magische Atmosphäre verbreitete. Ein mehr als würdiger Abschluss für das Festival.


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