Rückblick 2011

Mittwoch, 17.08.2011
BLASMUSIK ILLENSCHWANG, DAVIDIAN, STEVE FROM ENGLAND, SHEAR, KILT, ARCTURON, DEZPERADOZ, FAREWELL TO ARMS, MELECHESH, SCAR SYMMETRY, DESTRUCTION, VADER, HELL, SYLOSIS

Donnerstag, 18.08.2011
STEVE FROM ENGLAND, A PALE HORSE NAMED DEATH, THE SORROW, SEVENTH VOID, CRIPPER, RANZ BOELLNER AND THE HEAVY METAL WARRIORS, DEATH BEFORE DISHONOR, 9MM ASSI ROCK'N'ROLL, THE HAUNTED, DER WEG EINER FREIHEIT, COMEBACK KID, VREID, SUICIDAL TENDENCIES, KVELERTAK, AC/DX, IGNITE, KAMPFAR, ARCH ENEMY, DEVIL SOLD HIS SOUL, SONIC SYNDICATE, DECAPITATED, IN EXTREMO, HACKNEYED, EXCREMENTORY GRINDFUCKERS, MARDUK, WITCHERY, ABORTED, POSTMORTEM

Freitag, 19.08.2011
TRIGGER THE BLOODSHED, NERVECELL, YOUR DEMISE, SKELETONWITCH, KALMAH, EMIL BULLS, REV 16:8, HAIL OF BULLETS, GUNS OF MOROPOLIS, INTERMENT, SALTATIO MORTIS, STAHLMANN, ENSLAVED, FACEBREAKER, J.B.O., HELRUNAR, TURISAS, WEISSGLUT, MAD SIN, BOLT THROWER, GRAVEYARD, AMORPHIS, NEAERA, HAMMERFALL, VICIOUS RUMORS, KATAKLYSM, POWERWOLF, EINHERJER, SECRETS OF THE MOON, IMPERIUM DEKADENZ

Samstag, 20.08.2011
MOTORJESUS, BENIGHTED, TOTAL CHAOS, ENGEL, DEADLOCK, GRAND MAGUS, CRIMINAL, SMOKE BLOW, VOGELFREY, ADEPT, FARMER BOYS, DEMONICAL, CORVUS CORAX, WOLF, AS I LAY DYING, SWASHBUCKLE, CALIBAN, VOLKSMETAL, OBSCURA, TARJA, THE OCEAN, SODOM, TÝR, HATEBREED, GOD DETHRONED, PRIMORDIAL, VOMITORY, MOONSORROW, ROTTING CHRIST, BURDEN OF GRIEF

(MS) = Main Stage (PS) = Pain Stage (PAS) = Party Stage (CS) = Camel Stage


Mittwoch, 17.08.2011

14.00 (CS) MUSIKVEREIN ILLENSCHWANG
Rituale sind wichtig im Leben. Und so gehört es für viele Leute, die das Summer Breeze jedes Jahr auf dem Plan haben, eben auch dazu den Auftakt mit dem Musikverein Illenschwang zu begehen. Dirigent und Sänger Harich Günther hatte mit seiner Kapelle auch von Anfang an volles Haus und dementsprechend leichtes Spiel. Es wurden direkt erste Circlepits gesichtet, die Polonaise zog launige Runden durchs Publikum und während der einstündigen Show kam es bereits zu mindestens drei Walls Of Death! Die lustigen Mannen sind mittlerweile sogar soweit, dass sie ihr Merch auf dem Festival feilbieten, dieses Jahr gabs neben der aktuellen CD nämlich auch Shirts und Mützen. Als Vollprofis mit zig Auftritten pro Jahr, haben sie natürlich auch Wünsche erfüllt und so durften dann auch Standards wie der Zillertaler Hochzeitsmarsch nicht fehlen. Ozapft is!

 


15.00 (PZ) DAVIDIAN
Bei prächtigem Wetter am ersten Festivaltag hatten DAVIDIAN die Ehre den NEW BLOOD AWARD und somit das Festival zu eröffnen. Welchen Stellenwert der Contest mittlerweile hat, war am gut gefüllten Rund zu bestaunen. Angesichts des in diesem Jahr vergrößerten Zeltes ein perfekter Start für die Schwaben. Nervosität war den Jungs trotz der imposanten Kulisse aber kaum anzumerken. So ging es von der ersten Minute an mit Vollgas nach vorne und die Matten kreisten im Takt. Ganz unbekannt schien die Band dem Publikum nicht zu sein. So war es kaum erstaunlich, dass Kracher wie "Fake Society" und "Manmade Hell" deutlichen Zuspruch fanden. Sichtlich angetan von den Reaktionen der schon jetzt wild moshenden Masse, liefen DAVIDIAN zur Höchstform auf. So war es schließlich auch eine logische Konsequenz, dass sich dank den erdigen Thrashsalven von der Bühne der erste Circlepit bildete. DAVIDIAN wurden schließlich nach knapp 30 Minuten und einer überzeugenden Leistung verabschiedetet und markierten einen starken Einstand für das SUMMER BREEZE 2011.


15.50 (PZ) STEVE FROM ENGLAND
Mit Hardcore Punk war jetzt gleich mal Kontrastprogramm angesagt und STEVE FROM ENGLAND wurden als zweite Band des noch frühen Nachmittags förmlich auf die Bühne gebrüllt. Leider hatten die jungen Herren nicht den besten Start, sondern direkt mit einigen Soundproblemen zu kämpfen, die sich allerdings im Laufe des Sets schnell verflüchtigten. Angeheizt von einem gönnerhaften Publikum, liefen die fünf Herren zu absoluter Topform auf. Getreu dem Motto "Rechts vorbei und Spaß dabei!" donnerten STEVE FROM ENGLAND völlig enthemmt auf ihrer Autobahn von Song zu Song und sorgten für ein tobendes Publikum. Die leichten Startschwierigkeiten am Anfang waren denn auch schnell vergessen. Routiniert und mit jeder Menge Pfeffer im Allerwertesten brannte das Quintett ein überzeugendes Hardcore-Feuerwerk ab, das sich gewaschen hatte und setzen einen Glanzpunkt des noch jungen ersten Festivaltages. Auch das Publikum hatte die Mannen nun vollends ins Herz geschlossen und schmetterte die ersten Zugabe-Rufe.


16.40 (PZ) SHEAR
SHEAR hatten mit gut 2000 zurückgelegten Kilometern und 30 Busstunden Fahrtzeit die mit Abstand längste und sicherlich auch stressigste Anreise der heutigen NEW BLOOD Bands hinter sich. Dafür alle Daumen hoch und Respekt vor diesem Engagement. Sichtlich motiviert enterten die fünf Herren um Frontdame Alexa die Bretter und legten mit dem Opener "Someone Else's Eyes" mächtig los, was vom Publikum mit anerkennendem Beifall belohnt wurde. Leider schoss Sängerin Alexa zuweilen etwas über das Ziel hinaus und schien die Anreisestrapazen nicht ganz so gut verdaut zu haben wie ihre Bandkollegen. Nichtsdestotrotz erholte sich die hübsche Blondine im Laufe des Sets und fand zunehmend zu ihrer stimmlichen Stärke. Stilistisch bewegten sich die Finnen im Melodic Death-Fahrwasser und ließen zum Ende des Sets keine Zweifel aufkommen, dass sich die lange Anreise gelohnt haben sollte. So war es auch kaum verwunderlich, dass das Publikum die anfänglichen stimmlichen Patzer schnell entschuldigte und einen soliden Auftritt geboten bekam.


17.30 (PZ) KILT
Als nächstes gingen nun KILT aus Kiel an den Start und hatten die bis dato kräftigste Crowd vor der Bühne versammelt - was wohl auch daran lag, dass sich die meisten mittlerweile häuslich auf dem Campingplatz eingerichtet hatten und sich vollends den Bands widmen konnten. KILT sollten die Erwartungen der Fans an diesem frühen Abend vollends erfüllen, soviel sei schon vorweggenommen. KILT ließen von Beginn an keine Zweifel aufkommen, dass man wild entschlossen war, die Menge im Sturm erobern zu wollen, was mit Ansage und tight gespielten Death Metal-Krachern hervorragend gelang. "From The Abyss", "Worlds Collide" und "Enslaved By A Slave" waren derartige Anheizer, dass sich der Moshpit bis an die Grenzen des Zeltes ausdehnte. Die fünf Jungs hatten sichtlich Spaß am heutigen Abend und ließen wenig Zweifel daran, dass man sich neben STEVE FROM ENGLAND als heißen Anwärter für den Sieg beim NEW BLOOD AWARD empfehlen wollte. Well done boys!


18.20 (PZ) ARCTURON
Während KILT mächtig Eindruck gemacht hatten und zum Ende gar noch mit Zugaberufen verabschiedet wurden, hatten ARCTURON als fünfte Teilnehmer des New Blood Awards da schon mehr mit dem Publikum zu kämpfen. Selbiges tröpfelte nur langsam herein, als die jungen Schweizer mit „Pleasures Of The Earth“ ihr Set begannen. Doch von der etwas ausgedünnten Menge ließ sich das Quartett nicht beirren und lieferte bei glasklarem Sound, der vor allem die Soli herrlich perlend hervortreten ließ, eine solide Show ab. Vor allem Fronter Aljosha Gasser war ständig auf Interaktion mit dem Publikum aus, das es ihm mit fortlaufender Show auch immer mehr dankte. Der kleine Tanz Pit zu „Gryfius“ entwickelte sich bald zu einem ansehnlichen Mosh Pit und spätestens beim schnellsten Song „The Dissenter“ konnte man die Anzahl der fliegenden Mähnen nicht mehr an zwei Händen abzählen. Auch wenn es mit dem Sieg letztendlich nichts geworden ist: für ARCTURION hat sich die weite Anreise aus der Schweiz definitiv gelohnt.


18.45 (CS) DEZPERADOZ
Die Gesetzlosen aus Heidelberg traten in adäquater Kleidung zu ihrer Show auf der Camel Stage an, die sie dann auch noch mit diversen Accessoires ausgeschmückt hatten. Cowboyhüte und -stiefel, Lederhosen und –mäntel sowie ein entsprechendes Backdrop waren ja zu erwarten. Aber der Mikroständer von Sänger Alex Kraft in Form eines Gewehrs, der Rinderschädel am Mikroständer des Bassisten, die Strickschlinge an der Gitarrenbox und auch die Hörner am übergeilen Sonnengelb-Metallicfarbenen Ludwig-Drumkit waren schon Hingucker. Los gings natürlich mit nem Mundharmonika-Intro a la Morricone, bevor sie ihren Gäulen dann die Sporen gaben und mit dem programmatischen "Wild Times" losgaloppierten. Die Band kam vom Start weg gut an, gewann aber mit jedem ihrer vier Sets sogar noch mehr Publikum für sich. Smart beendeten sie jedes Segment mit einer Coverversion und sorgten u.a. mit einem Banjo-Einsatz für Abwechslung.


19.10 (PZ) FAREWELL TO ARMS
Die frenetische Begrüßung durch eine nicht ganz kleine Fangruppe gleich zu Anfang des Sets ließ zwar bereits auf einige Bekanntheit von FAREWELL TO ARMS schließen aber Heidewitzka: was dieser Metalcore-Fünfer mit lediglich vier Songs ablieferte, ist sichtlich jedem und jeder des anwesenden Junkvolks wie ein ganzer Bottich eiskalten Bieres an diesem heissen Tag reingelaufen! Über die gesamten 25 Minuten hatten FAREWELL TO ARMS die Menge fest im Griff. Technisch tight aufgelegt gab sich jeder der Beteiligten als Aktivposten auf seiner jeweiligen Position und auch bei den zahlreich erschienen Fans gab es keinen Stillstand. „Stick To Nothing“ und „Waiting Till The Sky Falls“ wurden fast durchgängig mit Circle Pits quittiert, in „From Init To Exit“ spielte fast die Hälfte Hüpfburg und die vor „Between The Walls Of Ruins“ vom Fronter Dominik Martin angekündigte Wall Of Death mochte gar nicht abebben, sondern endete im heillosen Mosh Chaos. Ein Feuerwerk für die junge Garde, das sicherlich ein Highlight an diesem noch jungen Summer Breeze-Tag darstellte.


20.00 (PZ) MELECHESH
Zum ersten Mal auf dem Summer Breeze zu Gast waren MELECHESH, eine wirklich ungewöhnliche Band mit israelischen Wurzeln und einem ganz ureigenen Stil, welcher sich von sämtlichen Mitbewerbern unterscheidet. Davon durften sich auch die zahlreichen Fans im Partyzelt überzeugen, spielt die Truppe um Frontkämpfer Melechesh Ashmedi doch fast schon progressiven Black/Thrash Metal mit orientalisch angehauchten Skalen, welche dem technisch anspruchsvollen und dennoch wildem Black-Metal-Sturm einen besonderen mystischen Charme verleihen. Von düsterer Magie geprägte Epen wie „Rebirth Of The Nemesis“ überzeugten mit mächtiger, präziser Percussion-Arbeit, einer druckvollen Wand aggressiv sägender Gitarren, einprägsamen, detailverliebten Melodien, sowie ausdrucksstarkem Gesang. Dabei verströmten die Hymnen ein orientalisches Flair, als ob das Partyzelt irgendwo im Nahen Osten gestanden hätte. Angesichts der schwierigen Lage dort waren aber sicherlich alle Anwesenden froh, diesem interessanten, mitreißenden und gleichzeitig exotisch wirkenden Auftritt der sumerischen Schwarzmetaller doch hier in Dinkelsbühl beigewohnt zu haben. MELECHESH wurden kräftig abgeifert, zumindest in der vorderen Hälfte des Zeltes bildeten sich größere Moshpits, es gab auch schon die ersten Publikumsdiver, und jedes neue Stück wurde heftig umjubelt. Passend zum speziellen Flair hatte Ashmedi übrigens einen Perserteppich auf der Bühne ausgelegt. Morgenländische (Schatten-)Kultur im Abendland!


21.10 (PZ) SCAR SYMMETRY
Nachdem die Metaller von MELECHESH die Bühne verlassen haben, machte sich wahrlich frenetischer Jubel breit, als der schwedische Sechser namens SCAR SYMMETRY nach dem obligatorischen Soundcheck die Bühne betritt. Das Zelt vor der Partystage ist beinahe komplett gefüllt und wirklich jedem Aufruf der Musiker wird konsequent und augenblicklich (und sogar bis in die hinteren Reihen!) Folge geleistet – egal ob Klatschen, die blanke Faust oder schlichtweg die Pommesgabel handelte. Die beiden Sänger, wie auch die restliche Band, geben ihr Bestes, um die Crowd bei Laune zu halten, was ihnen scheinbar mühelos gelingt. Fast jeder Song wird brav mit einem "Dankeschön" beendend, lassen Sie einen Track nach dem anderen vom Stapel. Soundtechnisch wahrlich gut in Szene gesetzt, formt sich zwischenzeitlich eine Wall Of Death in der Menge, welche vom Härtegrad her wiederum weniger zum Stoffhasen passt, der im Verlauf des Gigs auf die Bühne fliegt. In die gleiche Richtung werden von der dicht gedrängt stehenden Menge ebenfalls der ein oder andere Crowdsurfer geschickt, welche allesamt mit offenen Armen von der Band empfangen werden. Nachdem SCAR SYMMETRY kurz vor Ende ihres Sets noch auf die Autogrammstunde am Metal.de Stand hingewiesen haben, ist auch Feierabend für die Musikanten und die sechs Schweden verschwinden unter frenetischem Applaus von der Bühne.


22.20 (PZ) DESTRUCTION
Urgesteine des deutschen Thrash Metals kündigen sich an und bereits beim Soundcheck werden massig DESTRUCTION-Rufe laut. Im Moment des einsetzenden Intros gibt es bei vielen der Anwesenden kein Halten mehr und die eine oder andere Kehle wird durch exzessives Schreien staubtrocken. Kaum hat das Intro ein Ende, ist es auch soweit: DESTRUCTION legen mit "Curse The Gods" los. Wo zuvor noch Wall of Death und Circlepit regierten, gibt es nun einen Moshpit, der bis zum letzten Song des Sets auch kein Ende findet. Schmier, der sicherlich des einen oder anderen Besuchers Vater sein könnte, meint diesbezüglich, dass das SUMMER BREEZE das Festival des Nachwuchses sei. Hier gäbe es weniger alte Säcke, als in Wacken. Wir lassen das unkommentiert. So alt die Protagonisten auch sein mögen, sie lassen sich nichts davon anmerken. Mike ist von der ersten Sekunde an am Headbangen und Schmier post wie ein Verrückter. Sie spielen sich durch alle Dekaden ihrer Schaffenszeit und obwohl die Menge immer voll dabei ist, wird Schmier nicht müde, den Moshpit weiter anzufeuern. Bier als Duschersatz wird ebenfalls verschenkt und ein weiteres Mal machen DESTRUCTION ihre Fans mit einem routinierten, aber keinesfalls langweiligen Gig glücklich.


23.45 (PZ) VADER
Püntklich um 23.45 Uhr drang der Imperial March aus Star Wars aus den Boxen und kündigte die Ankunft VADERs an. In einem bis zum Bersten gefüllten Partyzelt wurden die Todesblei-Veteranen mit einem Meer aus in die Höhe gereckten Pommesgabeln begrüßt und läuteten die zweite Hälfte der Nuclear Blast Label Night gleich mit dem "Necropolis“ Opener-Duo "Devilizer“ und "Rise Of The Undead“ ein. Das von vorn herein auf Krawall gebürstete Publikum musste hier zwar noch mit einem etwas dünnen Sound auskommen, was der fortwährenden Feierlaune allerdings keinen Abbruch tat. Denn schon mit dem Blick zurück nach 1994, "Sothis“, knatterte die polnische Death Metal-Maschinerie in gewohnter Stärke aus den Boxen: mit trockenen Salven aus den Sechsaitern und einer immerwährend präzise und unerbittlich tackernden Artillerie aus der Schießbude. Leader Piotr „Peter“ Wiwczarek übte sich in seinen Ansagen in Fremdsprachenkenntnissen, vergaß darüber hinaus aber nicht, auch mit Bühnenpräsenz zu überzeugen. Trotz der schlauchenden Temperaturen und der hohen Gangart hielt die Menge VADER bis zum letzten Drittel des Sets die Treue, bevor es bei "Impure“ und "The Wrath“ auch vor der Bühne dann deutlich gemäßigter zuging. Apropos gemäßigt: in der als Tribut an die Anfänge des Heavy Metal angekündigten Zugabe doomten sich VADER zunächst mit "Black Sabbath“ durch ein immer noch zu drei Vierteln gefülltes Partyzelt, bevor mit "Reign In Blood“ dann noch der standesgemäße Schlusspunkt eines enorm tighten Gigs gesetzt wurde.


01.10 (PZ) HELL
Die "Newcomer" von HELL veröffentlichten ihr Debüt ja erst 2011, die Band existiert aber bereits seit Anfang der 80er! Hier schwang sich also mächtig motiviert eine wahre Kultband auf die Bühne, der man ihr Alter einerseits zwar ansah aber andererseits nicht anmerkte, so engagiert und bewegungsfreudig wie die Briten ans Werk gingen. Klarer Chef im Ring war ihr Sänger, der allein durch seinen silbernen Lorbeerkranz im Haar und sein Bügelmikro auffiel, vor allem aber mit seiner extrovertierten Art und hohem Gestikfaktor punktete – kein Wunder, der Mann kommt vom Musical. Das zahlreich anwesende Publikum geriet nicht gerade in Extase, klatschte aber immer wieder gerne mit und die ersten Reihen zeigten sich sogar recht textsicher. Die Band spielte perfekt zusammen, zwischen den Songs wurde mittels Keyboard-Flächen die Stimmung gehalten und der Sänger sorgte zusätzlich durch den ein oder anderen Kostümwechsel für Abwechslung. Für viele unbemerkt stand da eine regelrechte Metal-Legende auf der Bühne, eine der Gitarren wurden nämlich von Andy Sneap bedient. Der hat über die letzten Jahre alles was Rang und Namen im Business hat in seinem Studio produziert oder deren Alben gemischt – Hut ab!


02.20 (PZ) SYLOSIS
Als SYLOSIS um kurz vor halb Drei ihr Set begannen, hatten die heißen Temperaturen und die hohe Schlagzahl der vorangegangenen Bands bereits ihren Tribut gefordert: nur noch ein kleiner Kreis Hartgesottener harrte im Partyzelt aus, als die jungen Briten mit „Empyreal“ in ein spannungsgeladenes Set einstiegen. Und auch auf der Seite der Band zeigten sich Ermüdungserscheinungen. SYLOSIS waren, so Sänger und Gitarrist Josh Middleton, noch geschlaucht vom Gig der letzten Nacht und so fiel das Stageacting nicht ganz so energetisch aus, wie man es von SYLOSIS vielleicht erwarten könnte. Was nicht heißen soll, dass Band und Pulikum kein Gas gegeben hätten. Die Fans holten mit vereinzelten Circle Pits das letzte ihrer Reserven heraus und SYLOSIS selbst zockten über 40 Minuten einen guten Querschnitt ihrer beiden Alben nebst geforderter Zugabe professionell, tight und mit drückendem Sound herunter. Vor allem war es eine Wonne dem Solo-Geflitze von Josh Middleton zuzuhören, so präzise kamen seine Leads. Mit einem guten Querschnitt aus ihren beiden Alben fand die Nuclear Blast Label Night einen würdigen Abschluss.



Donnerstag, 18.08.2011

12.45 (PS) NEW BLOOD AWARD-CEREMONY & STEVE FROM ENGLAND
Gemäß der Tradition startete das Festival auf dem Hauptgelände auch in diesem Jahr mit der Verleihung des NEW BLOOD AWARD, der 2011 verdient an die fünf Herren von STEVE FROM ENGLAND ging. Mächtig aufgeregt und mit sympathischer Zurückhaltung nahmen die Jungs die Auszeichnung in Empfang und legten im Anschluss musikalisch derart engagiert nach, dass immer mehr Besucher aus dem Schatten krochen. So füllte sich der Platz vor der Bühne zunehmend und STEVE FROM ENGLAND hatten leichtes Spiel mit dem Publikum. Bei den gespielten Songs hielt man sich nahe an das Set vom Vorabend, was sich als keine schlecht Wahl erwies. So war der Wiedererkennungswert gegeben und das Publikum hatte sichtlich Spaß bei der treibenden Performance. Angesichts der klasse Leistung der Jungs, blieben auch auf der Pain Stage die Zugabe-Wünsche nicht aus, der die Band gerne nachkam. STEVE FROM ENGLAND haben mit ihren beiden Auftritten um dem Gewinn des NEW BLOOD AWARDS ein deutliches Zeichen gesetzt und dürften in naher Zukunft viel von sich hören machen.


13.35 (MS) A PALE HORSE NAMED DEATH
Es sind die außergewöhnlichen Bands, die noch nicht an jeder Steckdose gespielt haben, mit welchen das SUMMER BREEZE immer wieder seinen guten Riecher für frische, noch relativ unbekannte und dennoch großartige Gruppen beweist. Dies trifft auch auf das Pferd namens Tod zu, der neuen Band um ex-TYPE O NEGATIVE bzw. ex-LIFE OF AGONY Fellgerber Sal Abruscato sowie SEVENTH VOID-Gitarrist Matt Brown. Es hatte sich schon eine ansehnliche Zuschauermenge vor der Bühne versammelt, die Namen der beteiligten Protagonisten schienen sich mittlerweile doch schon weiter rumgesprochen zu haben, oder das Debütalbum "And Hell Will Follow Me“ hatte schon viele Abnehmer gefunden - nach diesem Auftritt werden es sicherlich noch mehr. A PALE HORSE NAMED DEATH liegen nämlich musikalisch in der Schnittmenge aus, Überraschung, TYPE O NEGATIVE und LIFE OF AGONY, würzen das Ganze aber auch mit einem Schuss ALICE IN CHAINS sowie einem kräftigen Schluck BLACK SABBATH, fertig ist die Mischung aus fettem und schwerem Alternative/Grunge/Metal. Die nicht gerade lebensbejahenden Stücke wie "To Die In Your Arms“ wurden bei aller vertonter und besungener Selbstzerstörung und Negativität von der perfekt aufspielenden Band mit so viel Elan und Schmiss vorgetragen, dass sich bereits zu so früher Stunde in den vorderen Reihen der Fans ordentlich viel bewegte. Allen voran Drummer John Kelly malträtierte wie in Trance hart und mit voller Leidenschaft wuchtig sein Schlagzeug, aber auch seine Mitstreiter an den drei (!!!) Gitarren und am Bass gingen sichtbar in ihrem staubtrocken groovenden Sound auf. Wie gut A PALE HORSE NAMED DEATH ankamen, ließ sich alleine schon daran ablesen, dass sie als gerade mal zweite Band des Tages laute Zugabe-Rufe ernteten. Mit ihrer energiegeladenen Performance stellte die Truppe klar, dass sie Live noch deutlich zupackender wirkten als auf der heimischen Anlage. Und da sag noch mal einer, es würde sich nicht lohnen, ein totes Pferd zu satteln...


14.15 (PS) THE SORROW
2009 wurden sie schon kräftig abgefeiert, kein Wunder also, dass THE SORROW gerne erneut in Dinkelsbühl zu Gast waren. Die Österreicher gaben nach A PALE HORSE NAMED DEATH Vollgas und legten eine ordentliche Schippe in Sachen Aggression und Härte nach, genau richtig um sich die letzte Müdigkeit aus den Knochen zu schütteln. Ihr vehement vorgetragener, sehr eingängiger Metalcore mit melodischen Gitarrenläufen und fetten Moshparts war aber auch genau das Richtige um diese Uhrzeit, und so bildeten sich in der riesigen Zuschauermenge die ersten großen, wilden Circle-Pits - sehr zur Freude der spielfreudigen Voralberger, welche viel Spaß an der Interaktion mit den Fans zeigten und diese immer wieder anstachelten. Der Aufforderung, mittels der Shirts frische Luft Richtung Bühne zu wedeln, kamen Tausende nach, ein Meer von Leibchen kreiste über den Köpfen der Fans, welche sich auch in vier mächtigen Walls Of Death verausgabten. Erste Publikumsdiver wurden auch schon Richtung Bühne getragen, und das alles bei annähernd 30 Grad Hitze. Die wohltuende Abkühlung durch den Wasserschlauch der Security kam da gerade richtig. THE SORROW präsentierten sich in Topform, jede Note und jedes Break saß, und auch der Wechsel von den mächtigen, brutalen Shouts hin zu den feinen klargesungene Refrains passte, zusammen mit dem fetten Sound ein durchweg gelungener Auftritt. Keine Frage, die Band ist mittlerweile eine echte Macht!


15.00 (MS) SEVENTH VOID
Doom Metal und Sonnenschein? Geht das? Ja, das geht! Auch wenn die New Yorker von SEVENTH VOID auf der Mainstage mit deutlich weniger Publikum auf die Bühnen gehen mussten als noch zuvor THE SORROW nebenan auf der Painstage. Es scheint sich noch nicht bei allen rumgesprochen zu haben, dass Kenny Hickey und Johnny Kelly, ihres Zeichens ehemalige TYP O NEGATIVE-Mitglieder, bei SEVENTH VOID das Zepter in der Hand haben. Wer kam, sah aber eine äußerst spielfreudige und gut aufgelegte Band, die mit fast dem ganze Repertoire ihres 2009 erschienenen Debüts "Heaven Is Gone", plus einem neuen, noch unveröffentlichtem Song, reichlich auftischten. Klar schleicht sich hier und da mal ein typisch grün gefärbtes Riff ein, aber die entfernt an Chris Cornell erinnernde Stimme von Hickey und das erdige Riffing, zogen das Gebräu doch stark in Richtung Hardrock. Und wer dann noch so lässig die gute alte Cowbell in seine Songs einbaut, hat sowieso schon gewonnen. Das sahen auch die Fans so, die ihren Helden durch das Set hindurch immer wieder mit begeistertem Applaus huldigten. Alles in Allem eine runde, ansprechende und überaus engagierte Leistung.


15.00 (PZ) CRIPPER
Partyzelt, neuer Tag, neues Glück und vor allem gar nicht neue Hitze. Bereits bevor die erste Band durchstartet, macht sich die derbe drückende Temperatur breit und lässt die Anwesenden bereits ohne wirkliche Bewegung schwitzen. Als dann der Umstand, der sich CRIPPER nennt noch auf die Bühne poltert, ist es mit dem schweißfreien Nachmittag gänzlich vorüber. Als Einstieg in den partymäßigen Donnerstag gibt es ordentlichen Thrash – und zwar voll auf die Mütze. Frontfrau Britta heizt die Menge an was das Zeug hält und all die Anstrengung kommt positiv zu den Hannoveranern zurück. Die angesetzten 35 Minuten werden genutzt, um zielsicher eine Thrashgranate nach der anderen abzufeuern. Die Crowd lässt sich gerne im Sinne von "höher, schneller, weiter" mitnehmen und freut sich außerordentlich, als zum finalen "FAQU" eine zweite Sängerin in Form von Lucie (SUBORNED) unterstützend eingreift. Alles in Allem ein sauberer Auftritt, der dank konsequentem Stage-Acting vor Energie und Power nur so sprühte.


15.35 (CS) RANZ BOELLNER AND THE HEAVY METAL WARRIORS
Im Bühnenhintergrund prangte zwar kein eigenes Backdrop der Combo, aber das Camel Stage-Motto "We Are Inspired By Music" passte auch wies Gesäß aufs Gefäß zu der jecken Truppe. Die legte sich da mächtig ins Zeug um die Hochzeiten des (Hairy) Heavy Metal erneut heraufzubeschwören. Dazu haben sie besonders im Beinkleidbereich massig Tierfell und Spandex verbaut, fleißig mit Cowboystiefeln garniert (einer der Gitarristen hatte besonders liebevoll und mit imposanten Handarbeits-Skills zum Stiefel gepimpte Turnschuhe an), dazu durch die Bank Porno-Sonnenbrillen im Gesicht und massig Kunsthaar aufm Scheddel. Das klingt jetzt viel zu sehr nach Verarsche, und Humor ist da auch massig am Start, aber im Kern schwingt da jede Menge Liebe und Leidenschaft mit für die Musik, mit denen so mancher im Publikum groß geworden ist. Dem Publikum sprachen RANZ BOELLNER und seine Schwermetallkrieger offensichtlich aus der Seele, da war auf jeden Fall ausgelassene Stimmung und Begeisterung am Start. Und das war auch kein Wunder, denn die Band spielte – albern hin oder her – wirklich tight zusammen und besonders der Sänger gab mit Bravour den Axl Rose – was selbst dem Original heute ja nicht immer so einfach gelingt. Horns Up!


15.50 (PS) DEATH BEFORE DISHONOR
Im Anschluss an SEVENTH VOID gab es dann auf der Painstage das absolute Kontrastprogramm: die Tough-Guy-Hardcore Recken von DEATH BEFORE DISHONOR. Die Bostoner waren noch nie dafür bekannt Gefangene zu machen und auch dieses Mal gab es von Sekunde eins nur eine Richtung. Keine Kompromisse und mit Dampf nach vorne. Traditionsgemäß eröffnete "Count Me In" das Programm, welches mit dem bis zu diesem Zeitpunkt wohl härtesten Pit seitens des Publikums wohlwollend quittiert wurde. Kein Breakdown, der nicht im vorgesehenen Ziel einschlug wie Boris Beckers Ass zum Wimbledon-Sieg back in 1985. Kein Singalong, der vom äußerst textsicheren Publikum ausgelassen wurde. Sowieso gibt es wohl kaum einen Frontmann der inbrünstiger "Fuck It All" singt und dabei so authentisch und grundsympathisch rüber kommt wie Bryan Harris. Dass eben dieser mal kurz seine komplette Instrumental Fraktion ausgetauscht hat, fällt da nicht weiter ins Gewicht, wenn man Hits wie "Curl Up And Die" oder das von Vielen herbeigesehnte "Friends, Family, Forever" so tight durch die PA prügelt. Doch das Beste kam wie immer zum Schluss. DIE Street Punk-Hymne über die Heimatstadt der Jungs: "Boston Belongs To Me". Damit war alles gesagt, was gesagt werden musste und der Abriss gut zehn Minuten vor dem eigentlichen Spielzeit-Ende eingetütet.


15.55 (PZ) 9MM ASSI ROCK 'N' ROLL
Bereits im Vorfeld relaxten die lustigen Musikanten von 9MM ASSI ROCK 'N' ROLL hinter der Bühne und genossen die Sonne unter schwarzen Schirmen, die farblich ideal zum restlichen Äußeren passten. Die zuvor angedeutete Hitze im Zelt hat natürlich in der Zwischenzeit nicht abgenommen und passend zu der tropischen Atmosphäre ertönt das Intro von "Pirates Of The Carribean". Erste Grinser sind der Band somit sicher. Mit einem Ausschnitt des JUDAS PRIEST Klassikers "Living After Midnight" geht es nun auch los. Fliegerbrille, Lederkutte, passende Hose und jede Menge Proll bringen die vier Jungs mit. Wer der Band gegenüber im Vorfeld skeptisch war, wird prompt eines Besseren belehrt. Die Truppe um Sänger Rock Rotten legt ohne Umschweife los, jeden Zweifel ihnen gegenüber auszumerzen. Eine Mischung aus dreckigem Rock 'n' Roll, Punk-Avancen und jeder Menge Partylaune lässt die Temperaturen zwar nicht vergessen, macht sie jedoch um einiges erträglicher. Solidarisch mit den Zuschauern lässt der Sänger zuerst seine Hose fallen und schlussendlich auch seine lederne Kutte. Mit der Ansage "Nice Boys Don't Play Rock 'N' Roll" und dem Song "Respektlos Bis Zum Letzten Schuss" ist auch die Richtung klar. Ein Fan schafft es nebenbei noch auf die Bühne und selbst das Cover von "Marmor, Stein und Eisen bricht" kommt glänzend an. Starke Leistung, die gerne wieder abgerufen werden kann.


16.40 (MS) THE HAUNTED
Nach DEATH BEFORE DISHONOR hatten THE HAUNTED nicht unbedingt leichtes Spiel, denn die Bostoner hatten im Vorfeld nebenan mächtig vorgelegt. Nachdem die Band und allen voran der vollbärtige Frontman Peter Dolving die Bühne enterten, merkte man dem Publikum die Neugier aufs neue Material und wie bzw. ob es funktionieren würde das mit den alten Smashern gekonnt zu verbinden. Zunächst fiel der gute und differenzierte Sound auf, der der Truppe sofort Pluspunkte verschaffte. Konzentriert wurde sich vornehmlich auf Songs der mittleren Phase der Band (das Debüt wurde leider komplett außen vor gelassen). Brandneuer Stoff kam mit "Never Better“ und "Unseen“ selbstverständlich auch zum Zuge, wurde jedoch noch leicht verhalten aufgenommen. Überhaupt wollte der Funke zunächst erstaunlicherweise nicht völlig aufs Publikum überspringen, welches nur vereinzelt die melodischen Passagen der Band zu schätzen wusste und sichtbar nach der härteren Gangart lechzte. Die Kuh flog dann im Pit auch entsprechend bei den schnelleren und härteren Songs aus der früheren Phase der Band. Mit etwas Nachhilfe von Dolving, der die Meute immer wider zum Abfeiern und Ausflippen animierte, klappte es dann noch mit einem Circle Pit und einer ordentlichen Wall Of Death. Unterm Strich hatten THE HAUNTED also erneut eine überzeugende Show hingelegt, die die Menge nach Verklingen des letzten Tons entsprechend mit dem verdienten Applaus belohnte.


16.50 (PZ) DER WEG EINER FREIHEIT
Mit DER WEG EINER FREIHEIT schickte sich eine der vielversprechendsten deutschen Underground-Black Metal-Bands an, das Summer Breeze zu erobern. Mit ihren beiden bisher erschienen Werken konnten die Würzburger (die auch bei der Hardcore-Truppe FUCK YOUR SHADOW FROM BEHIND aktiv waren) in der Szene einen Achtungserfolg verbuchen, was in Anbetracht des edlen, treibenden Schwarzmetalls voll filigraner Melodieführung und reflektierter deutscher Texte auch nicht weiter verwundert. Und gerade Live gestalteten sich die feinen, teils postrockigen Leadmelodien ungemein bestechend-faszinierend, was sicherlich neben der nahezu perfekten instrumentalen Darbietung auch am differenzierten Sound lag. Die vehement nordisch-klirrend sägenden Gitarren, das nahezu durchgehend im Blast-Beat-Trommelfeuer präzise hämmerende Schlagzeug in Einklang mit dem hysterisch heiseren Kreischgesang, den dezent eingesetzten Chören und der auf Blau und Weiß stimmlich abgestimmten Lightshow zauberten eine eiskalte Atmosphäre in das Zelt, und ein Gänsehautmoment jagte den nächsten. So erweckten DER WEG EINER FREIHEIT mit ihrem unorthodoxen Black Metal wahrlich den Wolf im Manne!


17.35 (PS) COMEBACK KID
Von einem Comeback kann hier ja gar nicht die Rede sein, denn die Band trat heuer das erste Mal auf dem SUMMER BREEZE auf. Wenn man aber die Publikumsreaktionen als Maßstab nimmt, dann hoffentlich nicht zum letzten Mal. Energie wird groß geschrieben bei den Kanadiern und obwohl es durch den enormen Bühnengraben nicht möglich war auf Tuchfühlung mit dem Publikum zu gehen, sprang der Funke sofort über und man schaukelte sich gegenseitig in höchste Ekstaselevel. Beim Sänger Andrew Neufeld musste man ständig fürchten, dass ihm jetzt tatsächlich der feuerrote Kopf platz, so leidenschaftlich legte er sich ins Zeug. Offensichtlich ist die Band auch den traditionellen Hardcorewerten verbunden, es wurde sich immer wieder fleißig bedankt und sogar die Band gepriesen, mit denen sie gerade auf Europatour sind und die nicht beim SUMMER BREEZE spielen konnten. Der Innovationspreis 2011 geht wohl auch an COMEBACK KID, denn im Gegensatz zu Standards wie Circlepits und Todeswänden riefen sie zum "Biggest Hug Ever" auf – und wurden erhört! Da gabs vor der Bühne also einen riesigen Haufen sich umarmender Zuschauer, Durchmesser bestimmt so an die zehn Meter; coole Aktion und bockstarker Auftritt!


17.45 (PZ) VREID
So wie die Nebelschwaden in den Wipfeln der Partystage, so weht auch durch die Songs der Norweger VREID immer noch ein Hauch von WINDIR – anno 2011 vielleicht deutlicher als je zuvor, kehrte doch erst letztes Jahr Gitarrist Stian Bakketeig zurück, der die Verbindung zur Sóknaldar-Legende noch verstärkte. Mit „V“ hatte sich das Quartett erst in diesem Februar neu definiert, und so war es auch keine große Überraschung, dass man das Set mit "Arche“ einläutete. Sirenengeheul und atmosphärische Keyboardklänge gaben dem gut gefüllten Zelt einen beinahe morbiden, sakralen Anstrich. Einer nach dem anderen, Bassist Hváll, Gitarrist Stian und Gitarrist/Sänger Sture Dingsøyr, betraten die Bühne, und dann ging es los: Melodic Black’n’Roll! KAMPFAR Hauptmann Dolk höchstpersönlich ließ es sich nicht nehmen, diesen Song mitzuerleben. Waren die ersten Reaktionen zwar zustimmend aber noch etwas zaghaft, kam schon deutlich mehr Energie in die Masse, als "Raped By Light“ vom Debütalbum angestimmt wurde. Die gesamte Saitenfraktion, allen voran Hváll, sollten der Menge als ‚unholy trinity’ bis zum Ende ordentlich einheizen. Bockshörner und gehobene Fäuste wippten im fetten Midtempo-Takt durch das zuckende Strobelight. Es folgte "Speak Goddamnit“ von „Milorg“, eine Granatennummer, die die Matten im Publikum mächtig kreisen ließ. Gerade hier, im packenden Mittelteil des Stücks, wurde die Vergangenheit der Band wieder sicht-, oder besser, hörbar. Mit "Wolverine Bastards“ kam ein weiterer Song vom neuen Album, bevor es dann in der Bandhistorie mit "Jarnbyrd“ einen Schritt zurückging. Abgesehen von der wirklich ausgewogenen Mischung, die VREID hier präsentierten, wurde mehr als einmal deutlich, wie komplex und vielseitig sie mitunter voranschreiten. Epische Melodien, wüste Riffattacken, Blues, der sich mit Black Metal duelliert und grooviges Midtempo ergeben die für die Norweger so typische Melange, der man mit einem simplem Begriff wie ‚Black’n’Roll’ tatsächlich nicht gerecht werden kann. Doch gerade wegen der ausgesprochenen Dynamik der Musik schwächelten die Norweger zu keiner Minute und wurden gebührend gefeiert. Unverzichtbar daher das abschließende "Pitch Black“, dem ungeschlagenen VREID-Klassiker, mit dem sie nochmals mit aller Kraft zum Sturm bliesen. Im Publikum: hunderte Hände und eine Flagge der United States Of VREID. Mit den Introklängen zu „The Red Smell“ endete einer der heutigen Höhepunkte des Festivals. Enter The Pitch Black Brigade!


18.30 (MS) SUICIDAL TENDENCIES
Nach längerer Funkstille sind die Jungs um Kult-Frontmann Mike Muir vor ein paar Jahren wie der sprichwörtliche Phönix aus der Asche wiederauferstanden. Von der Urbesetzung ist zwar nicht mehr allzu viel übrig, aber die Mannschaft, die da auf die Bühne preschte war in Sachen technischer Fähigkeiten und leidenschaftlicher Darbietung allererste Sahne. Kein Wunder also, dass im Verlauf der Show bis auf den Rhythmusgitarristen jeder einen kleinen Solopart zugestanden bekam. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand einmal mehr Frontpsycho Muir, der sich zwischen den Songs auch wieder massig Zeit für seine legendären Philosophie-Ansagen nahm – leider mussten dafür drei Songs von der Setlist gestrichen werden. Eine Augenweide auch der entfesselte menschgewordene Berg am Schlagzeug, und ja, das war tatsächlich der in der Schlagzeugszene durchaus prominente Eric Moore! Auch in den Seitenflügeln und auf dem Balkon der Hauptbühne verfolgten einige Musiker anderer Bands die Show und im Publikum gabs irgendwann kein halten mehr. Das ging soweit, dass der Fronter (zum Entsetzen der Stagecrew!) beim letzten Song "Pledge Your Allegiance" die Leute in den vorderen Reihen auf die Bühne einlud – was natürlich einen Massenansturm zur Folge hatte! Um es mit den Worten der Band zu sagen: Still Cyco After All These Years!


18.40 (PZ) KVELERTAK
Kurz vor 19 Uhr war es dann endlich Zeit für die Durchstarter von KVELERTAK. Mit ihrem eigenwilligen Mix aus Rock'n'Roll, Punk und einer Prise Black Metal machten sie dem Namen des Partyzelt alle Ehre. Die Norweger spielt seit dem Release ihres viel umjubelten selbstbetitelten Debüts vor gut einem Jahr so ziemlich auf jeder Bühne, auf der eine Steckdose zu finden war. Doch von Ermüdungserscheinungen oder gar von gelangweiltem Abspulen der Show war überhaupt nichts zu spüren. Vielmehr legte der Opener "Sjøhyenar (Havets Herrer)" direkt den Würgegriff (die deutsche Bedeutung des Bandnames) um das proppevolle Zelt, um dann in der Folge auch kein bisschen locker zu lassen. Die unbändige Spielfreude und mitreißende Energie der Band sprang sofort auf das Publikum über und die Begeisterung war jedem Zuschauer ins Gesicht geschrieben. Allen voran Sänger Erlend Hjelvik fegte, selbstverständlich mit freiem Oberkörper, wie ein Derwisch über die Bühne oder auch mal in den Graben um ein Bad in der Menge zu nehmen. Die drei Gitarren machten derweil mächtig Druck und setzen die grandiosen, mehrstimmigen Melodien fast eins zu eins wie auf Platte um. Knapp 40 Minuten Schweiß, Blut und Dreck. So muss das sein! Mit diesem mehr als positiven Eindruck kann man sich auf die europaweite Headliner-Tour mit WOLVES LIKE US, TRAP THEM und TOXIC HOLOCAUST im November freuen. Wie man munkelt dann auch mit neuem Material!


19.20 (CS) AC/DX
Wenn die Boxen im Partyzelt für 20 Minuten Umbaupause schweigen, wenn die Menschen herausströmen, um sich auf die anstehenden Gigs vorzubereiten, was gibt es da logischeres, als für diese Zeit etwas zu bieten, auf das sich fast jeder Rock- und Metal-Liebhaber einigen kann? Bei AC/DX muss man nicht lange raten, welchem Dino der Szene die fünf junggebliebenen Herren auf der Camel Stage huldigten. Gekleidet wie die Originale in Baskenmütze und Schuljungenuniform konnten AC/DX bei ihren insgesamt vier Auftritten jedes Mal genug feierwilliges Pausenpublikum zusammenraffen, um eine feiste Rock’N’Roll-Party zu feiern. Natürlich kamen dabei nur diejenigen Hits zur Aufführung, die das Prädikat "Kennt jedes Kind“ tragen. Doch genau das bot die Basis für vier Zwischenspiele, bei denen man herrlich alte Klassiker abfeiern konnte und die ebenso wie die "großen“ Bands auch nicht mit Licht- und Pyroeffekten geizten. Guter Zeitvertreib!


19.35 (PS) IGNITE
Neben SUICIDAL TENDENCIES sind IGNITE wohl eine der dienstältesten Hardcore-Bands auf dem Summer Breeze 2011. Der Zuschauerandrang zeigte auch: eine der Beliebtesten. Und das völlig zu recht. Selbst wenn der letzte Longplayer "Our Darkest Days" satte fünf Jahre auf dem Buckel hat, haben kompakte melodische Hardcore-Kracher wie "Poverty For All", "Let It Burn" oder "Bleeding" rein gar nichts von ihrer Eindringlichkeit verloren. Ebenso wenig wie die sozialen und politischen Missstände um die sich die Lieder drehen und auf die Sänger Zoli Téglás in den Spielpausen unermüdlich hinweist. In einer Zeit in der der politische Aspekt des Hardcore immer mehr in den Hintergrund rückt und die einstigen Ideale einer eigentlich politikbewussten Gegenbewegung fortschreitend auf Spaß reduziert werden, eine gern gesehene Abwechslung. Musikalisch, als auch menschlich ist auf IGNITE eben immer Verlass. Einziger Wehrmutstropfen war, wie schon so oft, dass neben dem aktuellen Lonplayer nur noch Songs vom 2000er Release "A Place Called Home" im Set berücksichtigt wurden. Auf alte Hits wie "Embrace" wartet man auch 2011 vergebens. Sei es drum, die Show von IGNITE war fantastisch. Punkt.


19.40 (PZ) KAMPFAR
Die Nordmannen KAMPFAR um Fronter Dolk enterten die Bühne, um ihre ureigene Vision des Pagan Black Metals zu präsentieren. Als eine der ersten Bands dieses Genres auf dem Billing verstehen es die Norweger wie kaum eine andere, ihre Mischung aus Pagan und Black Metal sowie folkloristische Elemente sehr authentisch, ursprünglich und kompromisslos miteinander zu verweben und darzubieten. Und gerade Live entfalteten die erhabenen, eingängigen und treibenden Hymnen von KAMPFAR eine besonders hasserfüllte und brachiale Stimmung, was zusammen mit dem motivierten Auftreten der Band besonders die vorderen Reihen des Publikums ganz schön anspornte und so das Zelt in einen heißen Hexenkessel verwandelte. Allen voran der wie üblich Oberkörperfreie auftretende und mit Nietenarmbändern bewehrte Dolk verstand es meisterlich, mit seinen Black-Metal-Posen und Anfeuerungen die Fans ordentlich anzustacheln und mitzureißen. Und bei aller roher Wildheit und Aggressivität der heidnischen Norweger, waren es doch auch die großen, von nordischer Folklore geprägten Melodien, die sich ins Ohr festsetzten und einen elementaren Bestandteil der dargebotenen Klangwelten darstellten, ohne auch nur annähernd seicht zu wirken. Ein gelungener Angriff!


20.30 (MS) ARCH ENEMY
2008 konnten ARCH ENEMY bereits Main Stage-Luft auf dem SUMMER BREEZE schnuppern, heuer sollten sie auf dem Slot vor IN EXTREMO das Publikum auf Hochtouren bringen. Und wahrlich, einen besseren Co-Headliner für den Donnerstagabend konnte man sich kaum wünschen. Wenn auch der Platz vor der Main Stage tagsüber ob der knallenden Sonne nicht immer gut besucht war, um Punkt halb neun abends war er bis auf den letzten Meter gefüllt. Und in der folgenden Stunde bekam das zahlreich angetretene, vornehmlich junge, Publikum eine Show, die ungefähr so hitzig und intensiv geführt wurde, wie die Hitzeschlacht am Tag. Über die Qualitäten der Instrumentalfraktion aus den Amott-Brüdern an den Sechssaitern, Basser Sharlee D’Angelo und Schlagwerker Daniel Erlandsson braucht man keine Worte verlieren, sie alle erledigten ihren Job tadellos und mit vollem Einsatz. Angela Gossow, in nietenbesetzt glitzernder Jacke, hatte die Fans ebenso im Griff und reagierte auf die zahlreichen „Ausziehen“-Rufe zu Anfang mit Humor und Geschick. Die Frontfrau peitschte die Anwesenden (trotz sichtlich dicker Weisheitszahn-OP-Backe!) mit Growls, Kreischgesang und dem Schwenken der „Khaos Legions“-Fahne nach vorne und die Legionen dankten es ihr entsprechend. Zeitweise waren bis zu fünf Circle Pits gleichzeitig am Rotieren, die Forderungen nach einer Wall Of Death wurden allerdings nicht erfüllt. Doch so oder so dürfte sich die Menge fast restlos verausgabt haben bei einer Show, die mit Pyroeffekten nicht geizte und so manchem jetzt schon Lust auf einen erneuten ARCH ENEMY-Besuch in den nächsten SUMMER BREEZE-Jahren gemacht haben dürfte.


20.40 (PZ) DEVIL SOLD HIS SOUL
Klar ist es schwer, als eher kleine progressiv angehauchte Post Hardcore-Band wie DEVIL SOLD HIS SOUL, gegen Metal-Größen wie ARCH ENEMY, die zeitgleich die Mainstage mit meterhohen Flammensäulen in Brand zu setzen versuchten, anzutreten. Unmengen an Publikum rottete sich demnach auch nicht im Partyzelt zusammen. An der Leistung der jungen Briten konnte das aber sicher nicht gelegen haben, denn diese war überaus konzentriert und wusste zu begeistern. Der dichte Soundteppich, den die Band zusammen spinnt, erzeugte eine fesselnde Atmosphäre und bot mehr als nur einen großen Moment pro Song. Die wenigen, aber geschickt platzierten, ruhigen Momente waren kurze Inseln der Ruhe, bevor die Gitarrenwand wieder auf den gebannten Zuschauer niederging. Doch nicht nur die instrumentale Leistung konnte sich sehen lassen, auch Sänger Ed Gibbs hatte ein Volumen in der Stimme, dass man sich fragen musste wo der recht schmächtige Kerl des denn herholt. In den viel zu kurzen 45 Minuten lies die Band dabei keine Schaffensphase aus und mit dem letzten Lied "Like Its Your Last", vom hierzulande eher unbekannten Demo "Darkness Prevails", kamen selbst die Die-Hard-Fans voll auf ihre Kosten.


21.35 (PS) SONIC SYNDICATE
Nach einem anpeitschenden Intro haben SONIC SYNDICATE schnell und unmissverständlich klar gemacht, dass sie sich ihren Triumph heute Abend nicht nehmen lassen werden. Gleich mit seiner ersten Ansage peitsche Sänger und Vorturner Nathan James Biggs das willige Publikum dermaßen an, dass sich die fantastische Stimmung nicht nur während des gesamten Sets hielt, sondern sich zum Ende hin sogar noch immer weiter steigerte und in lauten Mitsingorgien und einer finalen Wall Of Death endete. Während ihres Sets brillierte die Band mit einem sicheren Zusammenspiel, einem sauberen Sound und einer insgesamt sehr coolen und mitreißenden Performance, mit der die Musiker ihre Professionalität gezeigt und bewiesen haben. Die Song-Auswahl zog sich zwar durch ihr gesamtes musikalisches Schaffen, hatte jedoch einen Schwerpunkt auf ihrem letzten Album „We Rule The Night“. Besser hätte es die Band nicht machen können. Die Reaktionen des Publikums gaben ihnen da mehr als Recht. Unterstrichen wurde das Ganze mit einer zur Musik fantastisch passenden Lightshow, die von leicht psychedelischen Lichtwänden in blau über wilde Flashlights ein stimmiges Spektrum abdeckte. Um ea auf den Punkt zu bringen: SONIC SYNDICATE haben einfach nur verdient abgeräumt. Das tobende Publikum lieferte mit ihrem Jubel die Bestätigung. Stimmungsmäßig sicherlich eines der Highlights des bisherigen Festivals. Diese Band hat noch große Zeiten vor sich, erst recht, wenn sie in diesem Tempo weitermacht.


21.45 (PZ) DECAPITATED
Der 29. Oktober 2007 ist das Brandmal in der Geschichte von DECAPITATED, einer der Top-Acts im polnischen Death Metal. Der tragische Unfall in Weißrussland schien damals das Ende der Band zu sein, doch Vogg bekräftigte später in Interviews, dass die Band überleben muss. Mit ihrem neuen Album „Carnival Is Forever“ meldeten sie sich nun im Zuge ihrer jüngst gestarteten Europatour auf der Partystage zurück. Und was sie da zeigten, kann man mit nichts geringerem als amtlicher Vollbedienung beschreiben. Ohne große Umschweife legten sie mit "Day 69“ vom letzten Album "Organic Hallucinosis“ los. Das Schlagzeug massierte den Erdboden, während Vogg dieses unglaubliche Riff spielte. Danach mit "404“ ein neuer Song, mit dem die Band eindrucksvoll bewies, dass sie nach wie vor in der ersten Liga des technischen Death Metal spielen. Die Maschine DECAPITATED läuft wie ein Uhrwerk, beeindruckend präzise und tight. Während Vogg auf den Saiten sägt, stürmt Sänger Rafal wie ein Derwisch unermüdlich über die Bühne. Dieser Bewegungsdrang wirkt ansteckend: In Publikum kommt Action auf, und mittlerweile ist das Zelt gut gefüllt. Das wohlig-warme Licht der Scheinwerfer erfasst die Menge, die unisono ihre Arme in die Höhe recken. „Are you ready for war?” ruft Rafal, und stimmt "Mother War“ an. Hunderte Körper ergehen sich in wilden Zuckungen, Metalheads werden über dutzende Hände getragen. Während sich draußen nun die Luft spürbar abkühlt, ist davon im Zelt nichts zu spüren. DECAPITATED sorgen eher dafür, dass die Temperaturen noch einmal steigen. Die Masse feiert diese Band, dass es schon bald gar keiner Aufforderung durch Rafal mehr bedarf. Was hätten sie wohl auf Hauptbühnen für ein Feuerwerk entfachen können? Allein so eine Nummer wie "Carnival Is Forever“ vom neuen Album: Das sich immer weiter steigernde Intro und der anschließende Riffsturm sind Brutalität mit majestätischer Eleganz – klingt komisch, ist aber so. Und wenn es bei einer Fussball WM 80 Millionen Trainer in Deutschland gibt, so gibt es an diesem Abend einige Dutzend neue Gitarristen für DECAPITATED, die ihre luftgefüllten ‚Instrumente’ beinahe so fingerfertig bedienen wie Vogg. DECAPITATED adé, scheiden tut weh – als die Band nach 45 Minuten die Bühne verlässt, hallt es noch lange Zugabe-Rufe. So und nicht anders muss ein vollkommen runder Auftritt enden.


22.40 (MS) IN EXTREMO
Nach vier Jahren hatten es die Mittelalter-Rocker IN EXTREMO wieder nach Dinkelsbühl geschafft. Viel zu lange, richtet man sich nach der Masse, die sich vor der Main Stage versammelt hatte. Unter frenetischem Beifall betraten die Herren die Bühne und brannten ein Feuerwerk an Hits jeder Schaffensperiode ab. Seit jeher bekannt für eine imposante Bühnenshow, übertrafen sich die Mannen heute selbst. Ganz im Zeichen der neuen Scheibe, entführten IN EXTREMO das tobende Rund auf eine Reise zu den Sternen. Mit rauschartiger Hingabe spielte sich die Band in die Herzen der Anhänger und kokettierten mit gewohnt feurigen Ansagen und einer Hitdichte die ihresgleichen suchte. Nach dem viel umjubelten "Sterneneisen" vom gleichnamigen aktuellen Album ging es zügig über zu "Zigeunerskat" und dem von Feuerfontänen umspülten "Sängerkrieg". Am heutigen Abend konzentrierten sich IN EXTREMO trotz der überzeugenden Pyro- und Lichtshow mehr auf ihre spielerischen Fähigkeiten und hatten bis auf dezent arrangierte Bühnenutensilien wenig Aufbauten, die vom Geschehen der sieben Spielmannsleute hätten ablenken können. Richtig wild wurde es vor der Bühne beim fast schon obligatorischen "Spielmannsfluch", der langsam aber sicher den Höhepunkt des heutigen Sets einleiten sollte. IN EXTREMO genießen sichtlich ihren Auftritt und lassen sich gebührend feiern, bevor mit "Rasend Herz" und dem finalen "OMNIA SOL TEMPERAT" alle Dämme brechen und das Septett einen würdigen Headliner-Gig beschließt. IN EXTREMO stellte am heutigen Abend einmal mehr unter Beweis, dass der Band live nur wenige Acts das Wasser reichen können. Das fehlende "Erdbeermund" war dabei nur ein kleiner Wermutstropfen eines sonst rundum gelungen Auftritts, der die zufriedenen Anhänger in die Nacht entließ.


22.50 (PZ) HACKNEYED
Once only referred to as youngsters, by now HACKNEYED have matured in age as well as musically. It was already quite late when they took the stage in the Party Tent to deliver a mix of death metal and grind. Their gig at Summer Breeze was kind of a home match as the musicians all reside relatively close to Dinkelsbühl. In a professional and experienced manner they smashed one song after the other into the audience in their alotted 45 minutes of stage time. They played stuff from their first album to the newly released “Carnival Cadavre”, which was going to be available for purchase for the first time at the band's signing session later that evening. The crowd celebrated every song on offer, and it was pretty impressive to see how many people had come to see the show and how they got into it. The band really ignited a spark in the audience, not least because of their tireless stage acting. Especially guitarist Devin was quite acrobatic, but singer Phil also ran around a lot.


00.00 (PS) MARDUK
Panzerfahren auf dem BREEZE – genau das war um Mitternacht auf der Painstage möglich. Die schwedische Black Metal Institution MARDUK trat an, um dem sommerlichen Ambiente zumindest für eine finstere Stunde den Garaus zu machen und den leuchtenden Halbmond einzunebeln. Aus diesem Dunst traten die Schwarzmänner dann heraus – ein kurzes Innehalten bei bedrohlicher Hintergrundbeschallung, ein markerschütternder Schrei von Mortuus, und dann preschten die Schweden erwartungsgemäß drauflos. Keine Gnade, kein Erbarmen, die Ketten des Mardukpanzers waren gut geölt und walzten über das Publikum hinweg. Nun ist es ja bei den geschwindigkeitsverliebten Schweden so eine Sache mit Liveauftritten: Will man das Publikum nicht gänzlich in den ersten Minuten überfahren, muss auch ab und zu mal ein Gang runtergeschaltet werden. Ein Mittel zum Zweck waren die nach jedem Song eingelegten Minipausen: Neuer Nebel, kurzer Saitencheck und dann die Ansage, die auch manchmal eher eine Warnung war. Es war aber vor allem die sehr ausgewogene Mischung aus den letzten 15 Jahren ihres Schaffens, inklusive brandneuer Songs wie "Headhunter Halfmoon“, die ihrem Set die richtige Dynamik verpasste. Auf ungezügelte Ausbrüche von Raserei folgten immer wieder nackenfreundliche Midtempo-Kracher, z. B. "Bleached Bones“. Die Reaktionen im Publikum sprachen eine eindeutige Sprache. Während bei Blastbeats nur die härtesten Lockenrotoren die Luft durchwirbelten, erfassten die gemäßigteren Stücke (sofern man das überhaupt von MARDUKs Songs sagen kann) das gesamte Publikum. Worin sich allerdings alle Fans einig waren: Wenn Panzer, dann MARDUK. Ihre Hymne "Panzerdivision Marduk“ sorgte noch mal für Aufruhr. Das Publikum ließ sie nicht gehen, und so kehrten die Schweden dann noch einmal zurück, um mit "Azrael“ den Tag auf der Painstage gebührend zu verabschieden.


00.00 (PZ) EXCREMENTORY GRINDFUCKERS
Es gibt kaum eine andere Band die besser auf die Party Stage passt als die ECREMENTORY GRINDFUCKERS. Bevor sie mit ihrem Set begannen haben die Herren das Publikum mit alten Schlager- und Mallorcagesängen angeheizt. Dann starteten die Jungs mit einem wahnwitzigen Mischmasch aus Grindcore, Hardcore und Schlager- sowie Chartsongs. Von der ersten bis zur letzten Minute hat die aufgeheizte Menge den Blödsinn der Band feuchtfröhlich mitgemacht und kräftig bejubelt. Egal ob David Hasselhoff oder Roberto Blanco, alle mussten dran glauben. Die EXCREMNETORY GRINDFUCKERS haben sich an verschiedenen Genres bedient, „Klassiker“ verwurstet und mit heftigem Grind-Gebolze vereint. Nachdem die Burschen eine Stunde lang "Schnaps“, "Heimscheisser", "Veganerweibchen“, das liebe "Taschengeld“ oder die "Vater Morgana“ besungen haben war klar, dass in der Meute kein Auge und wohl auch keine Achsel trocken blieb. Es wurde gelacht, getanzt, abgefeiert und rumgeblödelt was das Zeug hält. Der Aufforderung zum Ausziehen ist zwar keiner nachgekommen, aber die Idee zählt! Als zuletzt auch noch EUROPE und ihr "Final Countdown“ dran glauben mussten, war alles erledigt. Definitiv keine Musik für den netten Heimgebrauch aber perfekt geeignet um ungebetene Gäste zu vertreiben. Die Lachmuskeln sind gereizt. Party pur.


01.10 (PZ) WITCHERY
Sie ließen sich etwas bitten und fingen nicht ganz pünktlich um 1.10 Uhr an. D hatten die Leute aber umso mehr Zeit das schlichte, aber stylishe, dreiteilige Backdrop der Band auf sich wirken zu lassen, bevor es zum launigen Intro der 70er-Jahre-Serie "Die Zwei" dann los ging und die komplett in schwarz gekleidete Band die Bühne betrat. Da wars dann aber auch ruckzuck Schluß mit launig, denn mit dem ersten Track "Witchkrieg" ließ die Band auch gleich mal den Knüppel aus dem Sack. Besonders finster-imposant kam der Sänger rüber, der in Corpsepaint und Lederbrustpanzer mit Pentagramm auflief. Wem der Mann bekannt vorkam, dem gings spätestens nach dem ersten Song ein Licht auf, denn da erwähnte er, dass er ja im letzten Jahr auf diesem Festival seine letzte Show mit DARK FUNERAL gespielt hat, am Mikro heute also: Masse Broberg. Und auch am Schlagzeug gabs eine Überraschung, da saß nämlich keinesfalls OPETH-Drummer Martin Axenrot, sondern ein Ersatzmann. Der machte seinen Job erstaunlich gut, nach dem Highlight der Show, dem atmosphärisch mit Glockengeläut begonnenen treibenden Midtempo "Omens", bedurfte es dann aber einer kleineren Diskussion zwischen dem Drummer, Gitarrist Jensen (von THE HAUNTED) und dem Bassisten (ARCH ENEMYs Sharlee D'Angelo) bevor sie mit dem Abschlussduo "Awaiting The Exorcist" und "The Reaver" noch mal kräftig hinlangten.


02.20 (PZ) ABORTED
Je später der Abend, desto wilder die Gäste. Als ABORTED zu später Stunde die Partystage betraten, standen sie vor der schweren Aufgabe, den durch die unerträgliche Sommerhitze abgekämpften Metalheads noch mal einen finalen Adrenalinkick zu verpassen. Schon im Soundcheck, in der Schlagzeuger Dirk Verbeuren eine erste Schallmassage ans Publikum verteilte, machten die Belgier klar, was von ihnen zu erwarten war: Goremageddon! Eingeleitet durch das berüchtigte Sample „…I think you should know that I killed a lot of people“ wüteten ABORTED mit "Dead Wreckoning“ los. Ein besserer Start hätte ihnen wohl kaum gelingen können. Technisch brillant und mit vollster Härte planierte der brutale Death-Metal-Brecher die Bühne. Wie viele andere Bands dieses Festivals auch setzten ABORTED vor allem auf bewährte Klassiker und donnerten ohne Unterlass durch die Highlights ihrer bisherigen Karriere. Ob "Meticulous Invagination“, "Necro-Eroticism“, "The Saw And The Carnage Done“ oder "Sanguine Verses“, ABORTED gaben ihren Fans nur vom Besten, und die feierten ihre Helden entsprechend. Das Zelt war zwar nur etwa bis zur Hälfte gefüllt, doch im Publikum zeigten sich keinerlei Spuren von Müdigkeit oder Erschöpfung. Lockenrotoren und bangende Köpfe wohin man sah, und auf der Bühne eine Band, die regelrecht explodierte. Was Svencho und seine Kumpanen allein schon bei "Threading on Vermillion Deception“ für eine irre Akrobatik hinlegten, war ein Fest für’s Auge. Eine kleine Überraschung hatten sie indes auch im Gepäck. Da ihr letztes Album schon längst Staub angesetzt hat, fragte Svencho, ob das Publikum mal etwas Neues hören will. Die Jubelschreie waren eine klare Antwort, und so spielten ABORTED mit "Flatline“ einen brandneuen Track ihres für Anfang nächsten Jahres geplanten Albums. Und eins ist sicher: Wenn die Belgier bei den anderen Songs genauso ranklotzen, dann erwartet uns im Januar 2012 ein ultraheftiges Death-Metal-Brett, welche die Schwächen der letzten EP vollständig vergessen lassen dürften. Nicht ganz so schnell vergessen wird man den Gig – ABORTED zeigten sich in Bestform mit drückender Soundkulisse, an der bis auf die Bassdrum vom Schlagzeug nichts auszusetzen war. Top!


03.20 (PZ) POST MORTEM
Die Death-Thrasher POSTMORTEM hatten die anspruchsvolle Aufgabe, den offiziell ersten und absolut genial gelungenen Festivaltag zu beenden. Einfach erschien diese Aufgabe nicht, da schon viele in den Zelten vor sich hin murmelten. Der harte Kern jedoch wollte die Band ganz offensichtlich sehen und wurde entsprechend belohnt. POSTMORTEN pfefferten ihren saftigen Metal passend in die Runde und sorgten dafür, dass auch noch der letzte Rest an Kraft für diesen Tag aus den Zuschauern gesaugt wurde. Mit leicht anzüglichen Ansagen und überhaupt wörtlichen Zwischenspielchen wurde die für diese Uhrzeit erstaunlich gute Stimmung in der Menge gehalten. Da die Band seit 1987 existiert, hatten sie einiges an Möglichkeiten aus ihrem Repertoire zu schöpfen und so nutzten sie diese Gelegenheit auch, um den letzten Überlebenden des Tages die volle Breitseite an POSTMORTEM zu bieten. Von "Bleeding“ über "Lobotomy“ bis zu "Ghost Of The Warship“ und "Hate, Kill, Destroy“ wurde bis Oberkante Unterlippe geprügelt und somit der Tag würdig beendet. Danach trollten sich die Meisten der Anwesenden brav in ihren Schlafsack und dürften zufrieden die wohlverdiente Nachtruhe gefunden haben.



Freitag, 19.08.2011

11.00 (PS) TRIGGER THE BLOODSHED
Nach dem nächtlichen Gewitter luden TRIGGER THE BLOODSHED zu früher Stunde vor die Bühne, um der noch recht überschaubaren Menge an Musikhungrigen den Kater ordentlich aus den Ohren zu blas(t)en. Für die Brachial-Prügler aus England war es auch kein Problem, mit ihrem wütenden Brutal-Death-Metal, der fast durchgehend gnadenlos voll auf die Zwölf ging, und der aggressiven Performance konnten die Briten nicht nur alle Aufmerksamkeit des Festivalgeländes auf sich ziehen, sie sorgten auch schon für ein wenig Bewegung vor der Bühne. Erste Moshpits und sogar ein kleiner Circle-Pit sorgten für erste Stimmungshochs am dritten Festivaltag, Respekt! Gepaart mit hochmodernen Moshparts, fettem Doublebass-Groove und ordentlich vielen Blast-Beats, zeigte sich das amtliche Klanggewitter nicht nur erbarmungslos, sondern auch recht abwechslungsreich, lediglich der Brüll-Grunz-Gesang wirkte auf Dauer ein wenig eintönig. Mit ihrer gnadenlos präzisen Darbietung versetzten TRIGGER THE BLOODSHED allen Morgenmuffeln einen mächtigen Tritt in den Allerwertesten.


11.35 (MS) NERVECELL
Aus den Vereinigten Arabischen Emiraten stammen NERVECELL, die nach TRIGGER THE BLOODSHED die Aufgabe hatten, den nun langsam zahlreicher erscheinenden Fans ordentlich einzuheizen und ihnen die Restmüdigkeit aus den Knochen zu kloppen. Der Übergang passte auch gut, nun wurde technisch anspruchsvoller, kompromissloser Old School Death Metal serviert, na denn Mahlzeit! Mal straight ohne Schnörkel brutal und wuchtig nach vorne bolzend, dann wieder technisch vertrackt präzise vernichtend, und stets mit wunderbaren Melodien in den ausgefeilten Soli garniert, obendrein das mächtige Growling. Verstärkt wurden NERVECELL von BENIGHTED Fellgerber Kikou, welcher sein Schlagzeug, wie wir es von dem guten Mann schon gewohnt sind, mit äußerster Perfektion und gnadenloser Energie malträtierte. Ein schöner Vorgeschmack auf den morgigen Tag, an welchem er dann mit seiner Stammformation für amtliches Geprügel sorgt. Die starke musikalische Darbietung der kräftigen, kernigen Death-Metal-Walze wurde vom Publikum sehr positiv aufgenommen, von Stück zu Stück steigerte sich die Anzahl der Banger merklich. Mit ihrem gelungenen, makellosen Auftritt bewiesen NERVECELL, dass sie verdammt viel Potenzial besitzen und sicherlich der wichtigste Export in Sachen Todesblei ihres Landes sind.


12.10 (PS) YOUR DEMISE
Ein weiteres Highlight für die zahlreichen Hardcore-Jünger waren YOUR DEMISE. Die Briten haben sich für einen Slot auf der Pain Stage des Summer Breeze fast schon aufgedrängt. Haben sie sich doch in den letzten Jahren immer höhere Plätze auf den Line-Ups der einschlägigen Touren erspielt und einhergehend damit eine immer breitere Fanbase. Diese ließ sich dann selbst kurz nach High Noon nicht lumpen und feierte ihre Helden auch zu so früher Stunde schon nach allen Regeln der Kunst ab. Circle Pits wie am Fließband, eine ansehnliche Wall of Death oder wildes Gemoshe - meist unter zur Hilfenahme wirklich jeglicher Körperteile - Frühsport ist Kindergarten dagegen. Das Gemisch aus melodischen Ohrwurm-Melodien, die mit den beliebten "Ich-stehe-breitbeinig-da-und-schaue-extra-tough"-Moshparts durchsetzt werden, eignet sich aber auch hervorragend dazu. Der nun nicht mehr ganz so neu Sänger Ed McRae brauchte wahrlich nicht viele Worte zur Motivation des wilden Mobs verlieren. Selbstredend wurde das Set mit "Burnt Tongues" dem Überhit des Debüts "Ignorance Never Dies" beendet. Ein Blick in die Gesichter der Anwesenden sprach Bände: Guter Auftritt dieser YOUR DEMISE!


12.50 (MS) SKELETONWITCH
Die zweite Band auf der Mainstage am heutigen Tage ist SKELETONWITCH. Vier Amis aus Ohio, die sich voll und ganz dem tiefgeschwärzten Thrash Metal verschrieben haben. Bereits Tage zuvor trieben sich die Jungs mehr oder weniger nüchtern auf den Gelände herum, um schlussendlich den frühen Nachmittag stielecht mit "Upon Wings Of Black" einzuschwärzen. Wind, Wolken und wilde Mähnen fliegen durch die Gegend. Sowohl vor, als auch auf der Bühne. In den ersten Sekunden will der Mikrophon-Sound noch nicht so wirklich, doch dieses Problem legt sich schnell und SKELETONWITCH steigen in ein 40minütiges Set ohne Wenn und Aber ein. Trotz oder obwohl die Musiker nun schon eine Weile vor Ort sind, geben sie von der ersten Minute an alles. Der Truppe um den charismatischen Frontmann Chance Garnett, dessen Bruder übrigens eine der beiden Gitarren bedient, steht ein ansehnliches Publikum gegenüber, was mit zunehmender Spieldauer die Songs wie zum Beispiel "Beyond The Permafrost" amtlich abfeiert. Die Frage an die Zuschauer, ob sie noch zwei Tracks hören möchten, erübrigt sich, da die Band laut Sänger Chance diese so oder so gespielt hätte. Dies nur als kleiner Humorbeweis einer sehr sympathische Truppe, die doch so düstere Musik spielt.


13.35 (PS) KALMAH
Nach einem beschwörenden Intro hatten KALMAH ganz eindeutig leichtes Spiel, denn im Publikum machte sich sofort gute Stimmung breit, was der Band sichtlich Auftrieb verlieh und sie zu richtig guten Leistungen anspornte. Selbst wenn die zwischendurch eingesetzten Keyboards nicht jedes Mal rundum perfekt ins Klangbild ihres Gigs passten, waren und sind sie fester Bestandteil der Musik KALMAHs. Ein Großteil der Menge störte sich nicht daran, dass nicht jeder Ton saß und feierte die Band nach allen Künsten des Zuspruchs ab. Der Pit vor der Bühne tobte, was Sänger Pekko Kokko Sicherheit gab und ihn zu einigen lockeren und anpeitschenden Ansagen trieb. Besonders, wenn KALMAH amtlich Gas gegeben haben, merkte man, dass es im Pit kribbelte und brodelte. Die Mähnen kreisten, es wurde schön Druck gemacht und die Songauswahl war ebenfalls sicher und äußerst befriedigend- Der Sound war schön klar und fett und wenn man die fast schon kleinliche Kritik am Keyboardsound vergisst, war ihr Auftritt ein rundum gelungenes Mosaikteil eines bislang fabelhaften Festivals.

14.25 (MS) EMIL BULLS
Alle Jahre gibts nach Bekanntgabe der Verpflichtung der Münchner wieder Geunke im Forum, dass die Band doch auf einem Metalfestival nichts verloren hat usw. – dabei machten sie bereits mit dem Intro "The Crown And The Ring" von MANOWAR (!) in Sachen Metal alles klar. Mit dem Opener "Here Comes The Fire" kam es dann auch gleich zum ersten Circlepit, und – nomen est omen – die Temperatur im Publikum dürfte direkt um mehrere Grad gestiegen sein. Leader Of The Pack war natürlich der Mann mit der harten und der zarten Stimme, Sänger Christ zeigte sich sehr agil, war ständig unterwegs über die Bühne und wuselte ständig auf und um sein kleines Podest am vorderen Bühnenrand rum. Derart frenetische Publikumsreaktionen hatte wohl selbst der Fronter nicht erwartet, die Band wurde regelrecht abgefeiert. Man konzentrierte sich hauptsächlich auf die jüngeren Veröffentlichungen und dabei wurde klar, dass die Band in letzter Zeit in Sachen Härte doch ein paar Schippen nachgelegt hat – ohne dabei aber ihr großes Kapital zu vernachlässigen: die großen Ohrwurm-Melodien! Vom im Oktober erscheinenden neuen Album gabs zwar noch nix zu hören, trotzdem Spiel, Satz und Sieg für die EMIL BULLS!


15.00 (PZ) REV 16:8
Irgendwann ist immer das erste Mal. Den schwedischen Black Metallern REV 16:8 kam heute die Aufgabe zu, den Reigen im Partyzelt zu eröffnen. Düsteres Schwarzmetall in praller Sonne und schwüler Hitze? Kein leichter Job, aber für die fünfköpfige Band eine spannende Angelegenheit, ist doch der Gig auf dem BREEZE der erste Festivalauftritt der Band überhaupt. Und irgendwie musste es sich rumgesprochen haben, dass REV 16:8 vor ein paar Monaten ein richtig starkes Langeisen ins Feuer geworfen hatten, so dass sich doch eine – vor allem für diese Uhrzeit - beachtliche Zahl von Festivalbesuchern vor der Partystage einfand. Es bestimmten vor allem Songs des neuen Werks „Ashlands“ das Set. Sänger Talon stand wie ein Priester am zackenverzierten Mikro, doch sein markanter, raukehliger Gesang hatte zunächst einige Probleme, gegen die Saitenfraktion anzukämpfen. Auch zwischendurch gab es immer mal kleine Pausen, die dem Auftritt aber nicht schadeten. Ganz im Gegenteil: Die Kombination aus typisch schwedischem Schwarzstahl, eingängigen Melodien und furioser Raserei kam sehr schnell sehr gut beim Publikum an. Und was in den Songs hervorragend gut funktioniert, wurde auch auf der Bühne gut umgesetzt: atmosphärische Interludien, ein kurzes Innehalten, bevor REV 16:8 mit geballter Kraft nach vorne stürmten. Sehr schön auch, dass sie "Flame Salvation“ vom Debüt spielten, der Song hat durchaus das Potential zu einem Live-Dauerbrenner zu werden. Nach 35 Minuten war klar: Feuertaufe bestanden. So kann’s weitergehen!


15.15 (PS) HAIL OF BULLETS
Na, das nennt man wohl schlechtes Timing. Da BOLT THROWER ihren traditionell in einem separaten Zelt abgehaltenen Merchandise-Verkauf auf 14 Uhr ansetzten und diesen noch um etwas eine halbe Stunde hinauszögerten, sahen sich HAIL OF BULLETS zu Beginn ihres Gigs einer kleineren Fangemeinde gegenüber, als man hätte eigentlich erwarten können. Während auf der Merch-Meile also noch die Schlacht um die begehrten Devotionalien tobte, eröffneten HAIL OF BULLETS vor leicht dezimierter Menge mit "Operation Z“ ihren eigenen Kriegsschauplatz. Und dieser Kampf wurde erbittert geführt! Der tiefe, fette Old School Death Metal wurde zwar durch die starken Winde ein wenig verweht, die Wucht von "Red Wolves Of Stalin“, "Guadalcanal“ und dem live nur sehr selten gespielten "On Coral Shores“ traf die Anwesenden dennoch mit voller Wucht. In den ersten Reihen flogen die Matten, Fronter Martin van Drunen zeigte sich hervorragend aufgelegt und gab in den Songpausen immer wieder kurze Erklärungen zu der historischen Grundlage der Songs. "Tokyo Napalm Holocaust“ wurde dann von van Drunen auch noch der „Konkurrenz“ von Bolt Thrower gewidmet. Mit "Ordered Eastward“ verabschiedeten sich HAIL OF BULLETS bei ihrem insgesamt dritten SUMMER BREEZE-Auftritt, der ihnen einige neue Rekruten beschert haben dürfte.


15.35 (CS) GUNS OF MOROPOLIS
Rock'N'Roll mit dänischer Schlagseite präsentierten das Trio um den charismatischen Frontmann August Paulsen aka. Paul der beim ersten Block noch eher dünn gesäten Meute vor der Camel Stage. Letztes Jahr haben die Jungs noch am New Blood Award teilgenommen, für den Seg hat es da zwar nicht gelangt, sie können mittlerweile aber auf einen Plattenvertrag und ihre Debut-CD "In Dynamite We Trust" verweisen. Zudem geht’s demnächst auf ausgedehnte Tour im Vorprogramm der Emil Bulls, da geht also einiges. Auch auf der Kamelbühne legten sich die Jungs ins Zeug, an den Mikroständern prangte einmal eine US- und eine UK-Fahne und mit seiner "SUMMER BREEZE"-Ansag erfüllte sich der Fronter wohl einen lang gehegten Traum. Mit dem kürzlich durcheinandergeworfenen LineUp (der Basser spielte heute erst seinen zweiten Gig für die Band) ruckelte es hier und da noch etwas, aber mit zunehmender Spielzeit, lief es immer besser für GUNS OF MOROPOLIS – auch wenn sie ihr Backdrop wegen Brandgefahr nicht aufhängen durften, da wurde es einigen ziemlich heiß vor der Bühne!


15.55 (PZ) INTERMENT
Kann man mit Old School Death Metal irgend auf diesem Festival etwas falsch machen? Natürlich nicht. Den einzigen Fehler, den man als Band machen kann: Jahrelang musizieren, ohne ein Album zu produzieren. Glücklicherweise hatten sich die Schweden zusammengerauft und nach 20 Jahren endlich ihr Debütalbum “Into The Crypts Of Blasphemy” fertiggestellt. Was diese extrem lange Zeitspanne für Auswirkung haben kann, zeigte sich beim Gig von INTERMENT. So als ob die Zeit damals einfach stehengeblieben wäre, knüppelten und rifften sie drauflos, dass es die reinste Freude war. Leider war das Publikum noch nicht gut aufgelegt, gerade einmal hundert Mann hatten sich zu Beginn ins Partyzelt verirrt. Das Dröhnen des Basses und der wuchtige Klang des Schlagzeuges schien dann aber doch noch etliche Metalheads mehr anzulocken. Mit “Morbid Death” präsentierten die Schweden dann noch einen Brecher aus den jüngsten Tagen der Band. Und der eine oder andere im Publikum wird es spätestens dann bemerkt haben, dass hier eine der dienstältesten Bands des hohen Nordens ein formidables Set runterzockte.


16.05 (MS) SALTATIO MORTIS
Bereits zum vierten Mal zu Gast und immer wieder gerne gesehen auf dem SUMMER BREEZE waren die Barden von SALTATIO MORTIS. Kein Wunder, sorgten die Spielleute doch immer wieder für ausgelassene Stimmung und gute Laune auf und vor der Bühne. Und so zogen die Chartknacker auch heute wieder eine riesige Menschenmenge an, was in Anbetracht der verhältnismäßig frühen Zeit doch sehr beachtlich war. Der jubelnde Empfang Tausender klatschender Hände war wieder einmal gigantisch, und egal was auch immer SALTATIO MORTIS zum Besten gaben, mit ihrer ansteckenden Spielfreude sorgten die Barden dafür, dass ihnen die Fans sprichwörtlich aus den Händen fraßen. Jubel, Trubel, Heiterkeit, es wurde gefeiert überall, und die Ordner in den Gräben hatten alle Hände voll zu tun, den Ansturm an Crowdsurfern aufzufangen. Ihr mittelalterlicher Rock erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit, und Stücke wie "Uns gehört die Welt“ wurden lauthals mitgesungen. Ein stimmungsvoller Höhepunkt jagte den anderen, und die siebenköpfige Formation gab sich hochmotiviert wie eh und je. Allen voran der frisch verheiratete Sänger Alea der Bescheidene, dessen Hochzeit jüngst von Pro7 gefilmt wurde. Alea wirbelte über die Bühne wie ein wilder Derwisch, die Energie dieses Mannes schien grenzenlos. Natürlich ließ er es sich nicht nehmen, zu "Falsche Freunde“ ein ausgiebiges Bad in der Menge zu nehmen, die Fans trugen ihn während des gesamten Liedes über ihre Köpfe hinweg. Mit „Spielmannsschwur“ endete ein weiteres Highlight des diesjährigen SUMMER BREEZE.


16.50 (PZ) STAHLMANN
Hätten INTERMENT noch ein Quäntchen länger gezockt, dann wäre der Lack abgewesen – und zwar von den Silbermännern von STAHLMANN, einem noch relativ jungen Licht am deutschen Rockhimmel. Im edlen Outfit, mit schwarzer Krawatte und glitzerndem Farbüberzug auf der Haut ging es auf die Bühne, vor der sich bereits ein gut überschaubarer Pulk gebildet hatte. Mit "Willkommen“ läuteten die Göttinger ihren Reigen ein. In der Schnittmenge von Bands wie EISBRECHER, UNHEILIG, MEGAHERZ und natürlich RAMMSTEIN setzt die Band auf erfrischend unkomplizierte Rocksongs mit deutlichem Industrial-Einschlag. Stampfende Beats, treibende Rhythmen und harte Riffs erwiesen sich als hochgradig ansteckend beim Publikum. Sänger Mart erwies sich in seiner „Mitmach-Band“ allerdings auch als echter Entertainer und Animateur, der ein geschicktes Händchen im Umgang mit dem Publikum beweist. Keine generischen Ansagen, sondern echte Interaktion – das zeigt Wirkung. Die Menge ist begeistert, klatscht in die Hände und springt freudig im Takt auf und ab. Dadurch gelingt es der Band, zwischendurch auch mal zwei etwas ruhigere, balladeskere Stücke einzubauen ("Göttin“, "Herzschlag“), nicht ohne augenzwinkernde Bemerkung von Mart, ob die Meute es danach gern wieder etwas schneller hätte. Will sie! Bekommt sie! Ein sehr unterhaltsamer Auftritt einer Band, die ihr Publikum voll im Griff hat.


17.10 (PS) ENSLAVED
Es war schon ein klein wenig ein Spiel mit dem Feuer, denn Musik wie die von ENSLAVED hört man am Besten in der Dämmerung oder noch besser bei Nacht, damit sich die transportierte Atmosphäre so richtig entfalten kann. Doch bereits nach dem ersten Stück wurde deutlich, dass ENSLAVED tatsächlich auch bei Sonnenlicht funktionieren, selbst wenn die Wirkung der Musik weniger magisch rüberkommt und eher zum Zurücklehnen animiert. Sänger und Bassist Grutle hatte das Publikum vollkommen auf seiner Seite und somit fest im Griff. Die Meute kam jeder Aufforderung zum Mitklatschen und Stimmungmachen nach und unterstütze die Norweger lautstark. Besonders die lang ausgedehnten, verspielten und leicht psychedelischen und auch progressiven Passagen waren es, die das Publikum einfingen und in denen man so richig schön schwelgen konnte. Durch den Regen, der wenige Stunden vorher niederfiel, bildeten sich relativ große Matschpfützen, in denen sich eiserne ENSLAVED-Anhänger nach Herzenslust austoben konnten und es auch getan haben. Die Lightshow kam aufgrund der starken Sonnenstrahlung leider nur wenig zur Geltung, was jedoch den durchweg positiven Verlauf des Sets nicht beeinflusste. ENSLAVED ließen es sich zudem nicht nehmen und spielten mit "Allfádr Odinn“ sogar einen Track ihrer ersten EP "Hordanes Land“ aus dem Jahre 1993. Ein äußerst gelungener Spagat zwischen Moderne und Nostalgie pur. ENSLAVED haben absolut abgeräumt.


17.45 (PS) FACEBREAKER
Wenn auch FACEBREAKER heuer zum ersten Mal in ihrer Geschichte auf dem SUMMER BREEZE aufspielten, so standen da beileibe keine Unbekannten um viertel vor Sechs auf den Brettern. Vor allem Fronter Roberth „Robban“ Karlsson hat unter anderem mit SCAR SYMMETRY und EDGE OF SANITY schon einige Meriten gesammelt. Dennoch versammelten sich nur wenige, als die ersten Klänge von "Cannibalistic“ und "Torn To Shreds“ über den Holzboden des Partyzeltes hinwegwalzten. Dabei wurde für Fans des gutturalen Death Metals viel geboten: eine blendend eingespielte Band, brachialer Sound, Songs, die wie Planierraupen alles dem Erdboden gleichmachten und die über allem thronenden Growls von Robban. Auch Klampfer Mika Lagrén präsentierte sich in Spiellaune und konnte vor allem durch feine Soli überzeugen. Ein guter Gig einer guten Band, der sollten sie in den nächsten Jahren nach Dinkelsbühl zurückkehren, ein bisschen mehr Zuspruch zu wünschen ist.


18.05 (MS) J.B.O.
Man mag es kaum glauben, aber kurz nach 18 Uhr ging in diesem Jahr bereits der erste Headliner auf der Main Stage an die Arbeit – zumindest gemessen an den Publikumsreaktionen während der Show der Franken. Ganz nach dem Motto ihres Openers "I Don't Like Metal (I Love It!)" sollten die folgenden 65 Minuten ihres Auftritts eine einzige Huldigung an unser aller Lieblingsmusik werden – nicht zu vergessen natürlich jede Menge Spaß und Albereien. Das ging schon los mit dem coolsten Backdrop des Festivals, die Herren hatten sich einfach für einen komplett pinken Bühnenhintergrund entschieden! Für den "Dr. met." warf sich Vito in pinke Medizinerkluft, bei "Glaubensbeknntnis" gab er den pinken Priester hinter dem prompt drei Leute der Crew in pink-weißen Ministrantenkutten synchron (!) rumturnten und bei " Bimber Bumber" kreiselte ein völlig schräges Dirndl-Trachten-Pärchen über die Bühne. Im Publikum waren tausende kleiner pinke Fähnchen zu sehen, die die Band aus Anlass der Veröffentlichung ihres neuen Werks "Killeralbum" vorher hatte verteilen lassen – ein Bild für die Götter. Die gegen Ende in sPublikum geworfenen vier Riesenluftballons schafften es leider nicht an den für sie vorhergesehenen Ort in Mitten des Publikums, da machte der Band der Wind einen Strich durch die Rechnung – aber sonst lief alles wie am Schnürchen für J.B.O. – die dürfen gerne wiederkommen! Detail am Rande: im Seitenflügel der Hauptbühne verfolgten mehrere BOLT THROWER-Mucker mehr oder weniger verwirrt die Show der Franken. In Unkenntnis der Sprache war das für sie wohl deutlich zu viel Pink auf der Bühne!


18.40 (PZ) HELRUNAR
Ohne richtiges Banner im Rücken begannen HELRUNAR ihren Set und stiegen souverän mit "Kollapsar“ ihres aktuellen Doppelalbums "Sol“ ein. Der Sound war erstaunlich gut. Man hörte jedes Instrument sauber heraus, es wurde viel Energie transportiert und die Menge geriet entsprechend schnell in Bewegung und gestaltete aus dem Gig eine kleine Black Metal-Feier. Die Gitarren peitschten ihre Riffs ins Zelt, das Schlagzeug schleppte und hämmerte seine Beats dazu und der Gesang keifte und kreischte jeglichen Anflug von Zweifel an der Band davon. HELRUNAR traten absolut sicher auf und hielten das Publikum immer fester in ihrem Griff, der sich von Song zu Song stärker aufbaute und in dem sicherlich von Vielen geforderten Bandhit "Älter als das Kreuz“ vom "Frostnacht“-Album gipfelte. Dabei ließ ihr Sänger Skald Draugir die Menge schön die "Älter als das Kreuz“-Zeile jedes Mal mitsingen, was eine besondere Nähe der Band zum Publikum versprüht hat. Am Ende waren sicherlich einige etwas baff, dass nach nur fünf Liedern schon wieder Sense war, aber in Anbetracht der Dauer der einzelnen Songs war einfach nicht mehr Spielzeit drin. Sehr schade, denn den Reaktionen des Publikums konnte man unschwer entnehmen, dass sie gerne noch viel länger der derzeit vielleicht besten deutschen Black Metal-Band zugehört hätten. Ein rundum gelungener Auftritt, der viel Lust auf mehr von HELRUNAR macht.


19.15 (PS) TURISAS
Es ist kurz nach sieben Uhr und vor der Pain Stage hat sich eine mehr als beachtliche Menge Menschen angesammelt. Bei genauer Betrachtung sogar einige mit rot-schwarzer Kriegsbemalung. Ein deutliches Anzeichen, dass der Auftritt von TURISAS bevorsteht. Und genau so ist es auch. Nachdem die Bühne mit übergroßem Backdrop und Side-Bannern ausstaffiert wurde, lassen die Krieger aus Finnland nicht lange auf sich warten. Rot-schwarz ist aktuell die Farbe der Stunde und einzig die Dame am Akkordeon bleibt nackt - im Gesicht! TURSIAS legen fulminant mit "To Holmgard And Beyond" los, um mit "One More" den Fans direkt den nächsten Kracher entgegen zu schmettern. Sänger Mathias „Warlord“ Nygård feuert die Leute an was das Zeug hält und erinnert während seiner "Reden" teilweise durchaus an Dee Snider von TWISTED SISTER. Inflationär ist der Gebrauch des "F-Worts" anzusehen, was die "Heringe", wie die Menge von Nygård genannt wurde, allerdings nicht stört. Spielerisch einwandfrei, auch wenn man an manchen Stellen gerne eine zweite Gitarre hören würde, kommen sie jedoch mit ihren Mathematikkenntnissen zu keinem Ruhm, denn die Setlist ist zu kurz. Aber getreu dem Motto "Live Is Live" wird improvisiert und letzten Endes sind alle Anwesenden rundum zufrieden ob der dargebotenen Leistung.


19.20 (CS) WEISSGLUT
Mit ihrer ausgeklügelten Setlist aus RAMMSTEIN-Cover konnten WEISSGLUT schnell nahezu jeden einfangen und binden, der sich entweder vor die Camel Stage wissentlich aufgebaut hat oder zufällig dran vorbei lief. RAMMSTEIN ziehen halt und WEISSGLUT sind Spezialisten darin, ihre Brüder im Geiste zu kopieren. Stücke wie "Asche zu Asche“, "Du Riechst so gut“, "Mein Teil“, "Du Hast“, "Sonne“, "Ramstein“ und den Hit "Engel“ können einfach nur auf einem Festival wie dem SUMMER BREEZE funktionieren und so fiel es WEISSGLUT sichtbar leicht, ordentlich loszulegen und gleichzeitig abzuräumen. Selbst wenn die Camelstage nur eine kleine Bühne ist, der Platz davor ist bei jeder Etappe von WEISSGLUT amtlich gefüllt gewesen und von mitrockenden Metallern belagert worden. Mitgesungen wurde selbstverständlich auch lauthals und die jubelnde Menge bestätigte die Richtigkeit der Songauswahl die WEISSGLUT getroffen hat. Sehr gut.


19.40 (PZ) MAD SIN
MAD SIN gehörten heute sicherlich zu den Bands mit der längsten Tradition. Nach fast 25 Jahre und dem 13ten Album im Gepäck, merkte man den Herren um Sänger Köfte einmal mehr ihre Routine an. Diese nutze man am heutigen Abend zum absoluten Vorteil, was sich in perfekt arrangierten Songs manifestierte. Getragen von Köftes Charakterstimme, sog das Publikum die Psychobilly-Hymnen förmlich in sich auf. Von links nach rechts, von hinten nach vorne tanzten und hüpften die Besucher im gut gefüllten Zelt. Eine Augenweide war Stand-Up Basser Valle, der sein mächtiges Instrument in angsteinflößender Präzision drehte und wirbelte, wie es unsereins wohl nicht einmal mit einer Ukulele bewerkstelligen könnte – geschweige denn mit einem mannshohen Kontrabass. MAD SIN waren nach HELRUNAR zwar drastisches Kontrastprogramm nutzen aber genau diesen Exotenstatus, ohne allerdings auf metallische Publikumsspielchen verzichten zu wollen. So trieb Köfte kurz vor Ende des Sets die grölende Masse zu einer Wall Of Death an, die sich gewaschen hatte und von einem netten Pyro-Effekt am Bass begleitet wurde. Trotz der bereits überzogenen Spielzeit genehmigten sich die Billies mit "Psychtic Night" eine Zugabe und trieben der Bühnencrew den Schweiß auf die Stirn. Das Publikum bekam dafür die satte Vollbedienung und freute sich über einen ganz besonderen Gig.


20.20 (MS) BOLT THROWER
Als das britische Death-Metal-Flaggschiff nach ihrem majestätischen Intro die Bühne betrat und die ersten Töne erklangen, war sofort alles klar: BOLT THROWER würden regieren, aber sowas von. Nach dem Opener "The IVth Crusade“ begrüßte Karl Willets das SUMMER BREEZE-Publikum mit wenigen aber dafür gezielten und anheizenden Worten. Die Menge dankte dies mit geschlossener Antwort in Form von Jubel und brandendem Applaus nach jedem Stück. Egal, ob "When Glory Beckons“, "Where Next To Conquer“, das schleppende "Silent Demise“ oder “No Guts, No Glory”, BOLT THROWER wussten zu jeder Sekunde was sie tun und die johlende Meute nahm dies gebührend zur Kenntnis. Nicht einmal die mäßige Bewegung der Band-Mitglieder störte das Publikum, sondern machte einen eher erhabenen Eindruck. Wenn sich eine Band erlauben kann, die meiste Zeit wie festgenagelt auf der Bühne zu stehen und dafür trotzdem bejubelt zu werden, dann kann sie nur wahrhaft groß sein. Und zudem wirkte die Art der Performance auch zu keiner Zeit langweilig sondern ihrem Status entsprechend fast schon majestätisch. Der komplette Platz vor der Mainstage war rappelvoll, was einmal mehr den Status der Band bestätigt, die sich sonst live (und besonders in Sachen Festivals) extrem rar macht. BOLT THROWER sind die Kaiser des Old School Death Metal und das sogar, obwohl sie seit rund sechs Jahren nichts Neues veröffentlicht haben. Das letzte Stück "Where Cannons Fade“ beschloss einen rundum gelungenen Auftritt und lässt eigentlich nur noch darauf hoffen, dass die Kanonen noch nicht komplett verstummt sind und die Briten doch bald ein neues Album veröffentlichen. Absolut genialer Gig einer Kultband.


20.40 (PZ) GRAVEYARD
Eigentlich musste man ja eine Grundsatzentscheidung treffen – soll man nun zur Death Metal-Legende BOLT THROWER gehen, oder zur neuen Rocksensation aus Schweden? Den Besuch der Partystage dürfte jedenfalls niemand bereut haben, denn GRAVEYARD legten einen Auftritt hin, den man locker unter die Top-10 der besten BREEZE-Performances einordnen kann. Stark Retro-angehauchter Hard Rock mit Spurenelementen aus Doom und Stoner geben sich bei den verspielten Schweden die Klinke in die Hand. Das erst kürzlich von Nuclear Blast neu aufgelegte Album „Hisingen Blues“ schien schon im Vorfeld viele Liebhaber gewonnen zu haben, denn die Reaktionen der Masse sprachen Bände. Begeisterter Jubel, klatschende Hände und ein mächtiger Pulk vor der Bühne, der nahezu zwei Drittel des Zeltes einnahm. Das Faszinierende an der Band war aber nicht nur der warme, analoge Rocksound, sondern die Tatsache, dass sich GRAVEYARD sozusagen live das Set aus dem Ärmel schüttelten. Nichts geplant, alles ist möglich. Geradezu mitreißend, wie die Musiker bei „Thin Line“ im Song schwelgen und daraus eine ausladende Nummer von fast 10 Minuten machen. Kann man ihnen da böse sein, dass sie ein bisschen überzogen haben? Es hätte gut und gerne noch zwei Stunden so weiter gehen können!


21.35 (PS) AMORPHIS
Trotz verschiedenster gegenteiliger Ansagen blieb es an diesem Abend trocken und der Platz füllte sich nach dem grandiosen Gig von BOLT THROWER bis weit nach hinten. AMORPHIS sind live stets ein Garant für technisch und musikalisch perfekt ausgefeilte Shows und so weiß man inzwischen einfach, was man an ihnen hat. Die Finnen erwischten einen hervorragenden Start und hatten beim willigen Publikum leichtes Spiel. Musikalisch luden sie zu einer Reise quer durch ihren umfangreichen Backkatalog und fanden damit schnell Anhänger aus allen Schaffensphasen, wobei der Schwerpunkt auf dem aktuell gefeierten Longplayer "The Beginning of Times" lag. Trotzdem blieb der Eindruck, dass die Fans mehr Gefallen an den alten Songs fanden. Dies tat der Show allerdings keinen Abbruch. Dafür verstand der charismatische Fronter Tomi Joutsen an diesem Abend sein Handwerk als Entertainer viel zu gut, als dass die Stimmung hätte kippen können. Es war eine Pracht, wie Joutsen seine Dreadsmähne wirbeln ließ und so im Gegenlicht skurrile Bilder zeichnete. Einzig seine Mitstreiter wirkten zuweilen sehr zurückhaltend und hielten sich arg im Hintergrund. Das mittlerweile oft fehlende "Black Winter Day" hätte dem ohnehin grandiosen Auftritt wohl vollends die Krönung verpasst, wurde aber leider nicht gespielt. Nichtsdestotrotz gab es mit "House Of Sleep" einen krachenden Rausschmeißer, der der ohnehin schon schwer geforderten Graben-Security nochmals alles abverlangte. AMORPHIS bewiesen mit diesem Auftritt wieder einmal ihr Stärke, allen voran ein stimmlich in allen Lagen überzeugender Tomi Joutsen.


21.45 (PZ) NEAERA
Der Pokal für den beeindruckendsten Abriss im Partyzelt ging am Freitag, mit (deutlichem!) Abstand vor der Konkurrenz, an die Melo-Deather von NEAERA. Schon vor dem Auftritt wurden die Münsteraner vom zahlreich erschienenen Publikum - das Zelt platze regelrecht aus allen Nähten - mit Sprechchören auf die Bühne geschrieen. Und als das Intro auslief und die ersten Töne von "Heaven's Descent" erklangen, brachen alle Dämme. Wo man hinsah tobte der Pit oder die Leute zerstörten sich inbrünstig die Nackenmuskeln. Auch die erste Wall of Death ließ nicht lange auf sich warten. Doch der wahre Höhepunkt kam, als Sänger Benny Hilleke erfolgreich einen massiven Circlepit um die Wellenbrecher und um den FOH-Stand herum forderte und dirigierte. So etwas hat das Summer Breeze noch nicht gesehen! Die Entertainer-Qualitäten des Sängers waren ohnehin sehr beeindruckend. Vom ersten bis zum letzten Song fraß ihm die Meute willenlos aus der Hand – er schonte sich selbst im Gegenzug aber auch nicht und gab wirklich alles und ließ sich einmal sogar von der Meute auf Händen tragen. Das Publikum wurde gegen Ende dann verdientermaßen mit einigen Shirts der Band belohnt, die mit einer Druckluftkanone ins Publikum gefeuert wurden. NEAERA kamen, sahen und siegten und als sie gingen, blieb nichts als verbrannte Erde und ein verwüstetes Partyzelt zurück. Unglaublich!


22.40 (MS) HAMMERFALL
Nach dem Triumphzug der Kriegsmaschinerie BOLT THROWER war es nun Zeit, den Hammer fallen zu lassen. Die Bedenken, ob die Headliner-Position nicht doch an den Todesmörtel aus Coventry, England hätte gehen sollen, dürften sich relativ schnell zerstreut haben. Auch wenn das Lautstärkeniveau etwas unter dem BOLT THROWERs lag, hatten HAMMERFALL die Menge ab den ersten Funkenflügen beim Opener "Patient Zero“ absolut fest im Griff. In bester Poser-Manier zog die Instrumentalfraktion um Oscar Dronjak die Fans in ihren Bann, es folgten Mitsingchöre auf HAMMERFALL-Skandierungen, als die Schweden mit reichlich Pyroeffekten einen ausgewogenen Querschnitt über alle Phasen ihres Schaffens präsentierten. Joacim Cans, in schmissige Denim and Leather-Kluft gekleidet, zeigte nicht nur seine Qualitäten als tonsicherer Sänger, sondern auch als Erzähler. Immer wieder gab er zwischen den Songs Geschichten von Damals zum Besten, wie es war, als HAMMERFALL diesen oder jenen Song schrieben und wie er nie gedacht hatte, sie vor so einer großen Menge zu spielen. Natürlich mit dem obligatorischen Heavy Metal-Pathos aber wer den bei HAMMERFALL bemängelt, war sowieso fehl am Platz. Nach nur einer knappen Stunde war die erste Runde vorbei, bevor die Band für die Zugabe aus "One More Time“, dem Mitsing-Knaller "Hearts On Fire“ und dem unausweichlichen "Let The Hammer Fall“ zurückkam. HAMMERFALL kamen, um den Platz von vorne bis hinten, von links nach rechts in eine bierselige Partylaune zu versetzen. Mission erfüllt, kann man nur sagen!


22.50 (PZ) VICIOUS RUMORS
Nachdem der Circlepit für beendet erklärt wurde und die Massen aus dem unübersehbaren Partyzelt herausströmen, ist Zeit für die Umbaupause für die nächste Band gekommen. Ursprünglich angekündigt waren ja die Florida-Deather von ATHEIST, doch es ist nun einmal nichts so konstant wie der Wandel. Dementsprechend spielt genau diese Band nach einer kurzfristigen Absage nämlich nicht. Für Ersatz ist jedoch schnell in Form von VICIOUS RUMORS gesorgt. Die 1979 in den USA gegründeten Power Metaller sind zwar stilistisch nicht unbedingt ein Trost für ATHEIST Fans, allerdings geben sie trotzdem Alles, um so viele Leute wie möglich abzuholen. Während HAMMERFALL zeitgleich spielen, finden sich die Zuschauer vor der Partystage nicht ganz so zahlreich ein und das ein oder andere überraschte Gesicht, aufgrund des vielen Platzes rund herum ist nicht zu übersehen. Metal ist, wenn man trotzdem spielt und so steigen Geoff Thorpe und seine Kumpanen mit dem Klassiker "Digital Dictator" in ihr Set ein. Posing ohne Ende, Leder und Kutte auf der Bühne, die Jungs fliegen musikalisch quer durch ihren Backkatalog und zeigen, wie man Party macht. Sänger Brian Allen ist sich nicht zu schade, stagedivend ein Bad in der doch recht überschaubaren Menge zu nehmen und ihre dreiviertel Stunde Spielzeit wird vollends ausgenutzt.


00.00 (PS) KATAKLYSM
Die Stunde Null war heute eine ganz besondere. Denn auf den Tag genau heute vor zwanzig Jahren hatten ein paar "Fucking Retards“ (O-Ton Maurizio Iacono) nichts Besseres zu tun, als eine Band namens KATAKLYSM zu gründen. Was gibt es also besseres, als den Geburtstag mit einer Menge Fans auf dem SUMMER BREEZE zu feiern? Die Rahmenbedingungen für eine Party der besonderen Art stimmten: der Platz vor der Party Stage war bis zum Bersten gefüllt, die Luft war mild, das Publikum verlangte lautstark nach der Band. Und die hatte heute ein paar Überraschungen in Petto. Zum Ehrentag präsentierten die Kanadier nämlich eine Songauswahl, die es in dieser Form sonst nicht gab: mindestens ein Song von jedem Album wurde gespielt, von den frühen Anfängen mit "Feeling The Neverworld“ vom "Sorcery“-Album bis hin zum Titeltrack des aktuellen "Push The Venom“. Auch wenn dadurch so einige der sonst gesetzten Dauerbrenner wegfielen und die alten Schinken einigen Anwesenden nicht ganz so geläufig schienen: heiß wurde es nicht nur durch die zahlreichen Pyroeffekte, denn KATAYKLSM verstanden es, den Fans mit brachialem Sound richtig Feuer unterm Popo zu machen. Und als Iacono noch schließlich den Security-Stress-Test ausrief, brach sich die Begeisterung endgültig Bahn. Auf seinen Geheiß bekamen die Ordner im Bühnengraben richtig zu tun, Crowdsurfer nach Crowdsurfer schwamm nach vorne und bescherte dem Personal einen arbeitsintensiven Abend. Beim Rausschmeißer "Push The Venom“ wurde dann schließlich das Backdrop gegen eine riesige 20 ausgetauscht, die bei den letzten Klängen in roten und weißen Wunderkerzen erstrahlte. Zum Schluss gab es noch ein Erinnerungsfoto vor tausenden in die Höhe gereckten Pommesgabeln. Herzlichen Glückwunsch! Und die gute Nachricht zum Schluss, die Show wurde für eine DVD mitgeschnitten, dieser denkwürdige Auftritt wurde also angemessen dokumentiert.


00.00 (PZ) POWERWOLF
Die Meute vor der Partystage wächst langsam aber sicher signifikant an und auch die Umbaupause dauert etwas länger (was aber hauptsächlich mit der von MAD SIN verschleppten Verzögerung zu tun hat). Pyros werden bereit gemacht, Kameras installiert, Altar und Kelch: POWERWOLF sind dran. Ein Rundum-Blick offenbart, dass die Wölfe es wieder einmal geschafft haben, jede Menge Beute anzulocken, denn die Location ist bis in die hinteren Reihen gefüllt. "Attila"-Schilder werden in die Höhe gereckt und der Jubel ist groß, als die Messe um kurz nach Mitternacht beginnt. Die Partystage wurde von Zeremonienmeister Attila Dorn höchstpersönlich kurzerhand in Ronnie James Dio Stage umbenannt und passend dazu auch noch mit Weihrauch gesegnet. POWERWOLF sind bekannt für ihre eingängigen Songs sowie Refrains und so ist es kein Wunder, dass jeder, selbst wenn er die Band bis dato nicht so gut kannte, spätestens beim zweiten Stück "Prayer In The Dark" laushals mitgröhlt. Zwischendurch zerlegt der neue Drummer Roel van Helden sein Schlagzeug und wird schwerstens ausgepfiffen. Allerdings wurde die Menge von Attila Dorn auch eingeladen exakt dies zu tun. Dass sich POWERWOLF selbst nicht ganz so ernst nehmen ist weitläufig bekannt. So ist es auch dieses Mal eine Freude zuzusehen, mit welcher Leichtigkeit und musikalischem Können sie die Fans für sich begeistern können. Es werden Songs für alle gespielt, wie "We Drink Your Blood" und laut Aussage Attila Dorns, auch Songs nur für Männer. Man nehme hierzu "Resurrection By Erection". Im Endeffekt ist es völlig gleich, welches Stück nun für wen bestimmt ist, denn nach der abschließenden Segnung war wohl jeder weidlich bedient. Schee wars!


01.10 (PZ) EINHERJER
Dass sie unter Kennern einen gewissen Kultstatus besitzen, ist nicht zu leugnen. Dass sie sich 2009 wieder zusammengetan haben, macht die Sache gut und dass sie heute auf dem SUMMER BREEZE spielen macht sie noch besser! Es ist kurz nach ein Uhr, die Power Metal-Fans sind alle im Bett, und jetzt wird es nordisch. Wikingerhelme sind zwar keine sichtbar, aber mit geschlossenen Augen kann man durchaus das eine oder andere Drachenschiff am Horizont kreuzen sehen. Eines davon kommt immer näher und wird von gefallenen Kriegern manövriert. Das Intro ist noch nicht verhallt, da stehen die Mannen von EINHERJER gänzlich ohne Kettenhemd oder Ähnlichem auf der Bühne um das zu tun, was sie am besten können. Nachdem die Technik, sprich Gesang und Gitarren sich eingependelt hat, nehmen sie die Anwesenden mit auf eine Reise quer durch die ferne Welten, Sagen und Mythen. Ohne großes Stage-Acting, dafür aber um so konzentrierter und fokussierter auf die Musik an sich. Ihre Stücke und Lieder werden entsprechend dankbar angenommen. Vom bereits angekündigten neuen Album "Nørrøn", was nun nach acht(!) Jahren im September 2011 erscheinen wird, gibt es ebenfalls erste Kostproben in Form von "Norrøn Kraft" und "Balladen Om Bifrost". Die Norweger verstehen es, die Menge und nicht zuletzt sich selbst mit ihrem Sound hochzuschaukeln und mitzureißen. Wehmütig nehmen die Fans die Ansage des letzten Songs "Ironbound" zur Kenntnis, in freudiger Erwartung, dass dies sicherlich nicht der letzte Auftritt von EINHERJER war.


02.15 (PS) SECRETS OF THE MOON
Mit Black Metal fing es an und mit Black Metal hörte es auf. Nachdem der Tag auf der Party Stage mit REV 16:8 begonnen hatte, lag es an SECRETS OF THE MOON, erneut die Schwarzmetaller ins das Zelt zu locken. Die erschienen, trotz später Stunde, auch recht zahlreich. Doch SECRETS OF THE MOON selbst ließen sich etwas bitten. Erst ganze 15 Minuten später als geplant gingen die Osnabrücker auf die Bühne, nahtlos und ohne Ansage ging die Stille in den Gig über. Wenn sich die Band auch gut eingespielt präsentierte, so wollte doch irgendwie keine richtige Stimmung aufkommen. Bei etwas verwaschenem Sound brauchte es lange, bis spürbare Resonanz aus dem Publikum kam. Durch die Verzögerung zu Anfang musste die Band auch leider ihr Set um entsprechende 15 Minuten kürzen, so dass sie mit kurzer Entschuldigung etwas enttäuschend nach einer knappen halben Stunde wieder hinter der Bühne verschwanden.


03.20 (PS) IMPERIUM DEKADENZ
Nach dem etwas missglückten Auftritt von SECRETS OF THE MOON lag es nun an IMPERIUM DEKADENZ, die Kohlen für die Schwarzwurzel-Fraktion aus dem Feuer zu holen. Erstaunlicherweise verließen in diesen späten Nachtstunden nur wenige das Partyzelt, sodass sich die Zahl der Köpfe vor der Bühne nicht merklich reduzierte. Mit "Ocean, Mountain's Mirror“ stieg die letzte Band des Tages in ein Set ein, das sich ausschließlich auf die beiden letzten Alben "Procella Vadens“ und "Dämmerung der Szenarien“ konzentrierte. Die Sessionmusiker an den Saiteninstrumenten zelebrierten die späte Stunde fortwährend mit synchronem Banging, Frontmann Horaz bereicherte den atmosphärischen Black Metal mit variablen Vocals zwischen Growlen und Gekreische und insgesamt zeigten sich die Schwarzwälder gut aufgelegt. Highlight war das zehnminütige "A Million Moons“, an dessen Ende leider das Mikro von Horaz komplett streikte und der Song als Instrumental zu Ende gebracht wurde. Ein versöhnlicher, schwarzer Abschluss des dritten SUMMER BREEZE-Tages.



Samstag, 20.08.2011

11.00 (PS) MOTORJESUS
Wer sagt denn, Rock’N’Roll sei tot? MOTORJESUS taten am Samstagvormittag alles Mögliche, um das geflügelte Wort zu widerlegen. Ohne Untertreibung dürfte das SUMMER BREEZE wohl ganz selten einen Opener der Party Stage gesehen haben, der zu dieser morgendlichen Stunde so viele Menschen so derbe mitgerissen hat! Obwohl Rockröhre Chris Birx vorgab, ob des ersten Males auf dem SUMMER BREEZE ultranervös gewesen zu sein, war von Muffensausen keine Spur. Nein, der Mann hat echte Entertainerqualitäten! Quasi im Alleingang riss er das zahlreich erschienene und völlig abfeiernde Publikum auf die Seite der Band, verteilte Konterbiere und Käse- und Salamibrötchen unter den Fans und machte auch stimmlich eine sehr gute Figur. "Fist Of The Dragon" widmete er seinen beiden Idolen Bruce Lee und Chuck Norris und demzufolge wollte er bei diesem Song auch keine Pommesgabeln oder Fäuste sondern die Todeskralle sehen! Fraßen die Anwesenden ihm nicht eh schon willig aus der Hand, folgte der Höhepunkt beim letzten Song "A New War“: mittendrin schwenkte die Band in ein Medley aus SCORPIONs "Rock You Like A Hurricane“ und AC/DCs "TNT“, wobei letzteres auf Bitten Birx‘ doch bitte in der SIX FEET UNDER-Version vom Publikum gegrowlt werden sollte. Absolut souveräner Samstagsauftakt. Diese Band hat sich definitiv für höhere Weihen empfohlen!
 


11.35 (MS) BENIGHTED
Hatten am Vortag TRIGGER THE BLOODSHED und NERVECELL für brachiale Todeskunst zu früher Stunde gesorgt, lag es nun am letzten Festivaltag an BENIGHTED, es ihnen gleichzutun. Ihre Mission: die Anhänger des Brutal-Death Metals mit einem ordentlichen Brett Wachzuprügeln. Die Franzosen hauten ihre derben Stücke derart vehement und brachial in die Masse der sehr zahlreich versammelten Fans, dass es eine wahre Freude war. Die perfekt aufeinander eingespielten BENIGHTED spielten ungemein präzise sowohl irrwitzige Blast-Beat-Attacken als auch fette, groovende Moshparts. Für zusätzliche Dynamik sorgten die eingestreuten eingängigen Melodien sowie der Wechsel aus extrem tiefem Gegrunze und hohen Schreien von Sänger Julien Truchan, welcher barfüßig über die Bühne wirbelte. Im Publikum bildeten sich von Anfang an richtig große Circlepits, und auch zwei dicke Walls Of Death sorgten für zusätzliche Unterhaltung. Wie beliebt BENIGHTED mittlerweile sind, zeigte sich nicht nur an der großen Menge, sondern auch daran, dass wirklich jeder Songtitel in den Ansagen aus tausenden Kehlen mitgebrüllt wurde, und mit jedem Stück verwandelte sich der Platz in ein Meer wild kreisender Schädel. Bassist Eric Lombard feuerte die ohnehin schon heißgelaufenen Fans noch zusätzlich an, indem er während „Asylum Cave“ in den Fotograben sprang, dort vor der Menge enthusiastisch spielte und sich ordentlich austobte, um dann punktgenau zum kurzen Basssolo wieder auf die Bühne zu steigen. Der lauthals geforderten Zugabe konnte leider nicht entsprochen werden. Die Zuschauer verabschiedeten die sichtlich erfreuten BENIGHTED schlussendlich noch mit der laut gesungenen „Marseillaise“, der französischen Nationalhymne.
 


12.10 (PS) TOTAL CHAOS
Wild waren sie auch, energisch sowieso, und doch gänzlich anders als die vorher lärmenden BENIGHTED: TOTAL CHAOS aus Kalifornien waren das absolute Kontrastprogramm, mit hautengen Jeans, einigen Nieten und Stachelhaarfrisur alleine schon optisch stark unterschiedlich, gab es hier auch ganz andere Töne auf die Ohren. Mit viel Elan, und trotz sehr übersichtlicher Zuschaueranzahl und einer ordentlichen Portion Spaß in den Backen, rotzte die Band ihren kompromisslosen treibenden Hardcore-Punk heftig von der Bühne – und das nach achtstündiger Anfahrt über Nacht aus Polen. Die Fans nahmen die flotten Stücke dankbar auf und feierten ihre Helden kräftig ab, und langsam zogen TOTAL CHAOS auch mehr Leute an. Dabei zeigten sich die Mannen um den rau röhrenden Sänger Rob Chaos als musikalisch topfit und gaben mit schwerem Groove, exaktem Spiel, eingängigen Mitgröl-Refrains und dabei dennoch dreckigem, ätzend wütendem Punk-Geballer eine ordentliche Vollbedienung. Highlight der Show war das als "Du siehst Scheiße aus“ angekündigte "Kill The Nazis“.
 


12.50 (MS) ENGEL
Perfekt ausbalanciert zeigten sich ENGEL. Die Band um Gitarrist Niclas Engelin, der eine oder andere kennt ihn vielleicht noch von der IN FLAMES-Ersatzbank oder artverwandten Bands wie GARDENIAN bzw. PASSANGER, schafften spielend leicht den Spagat aus hart groovendem Mid-Tempo-Mosh und großen Refrains mit teilweise schon poppigen Melodien. Das Gebräu erfreute sich ungemeiner Beliebtheit und so konnten ENGEL von der Mainstage aus, trotz an sich unmöglicher Uhrzeit, zu der man sonst vielleicht gerade mal den Grill anwirft, auf eine beachtliche Menge herabblicken, die auch keinen Moshpit scheute. Im Gepäck hatten die Göteborger einen ausgewogenen Mix aus Tracks ihrer beiden Alben "Absolut Design" und "Threnody", die, wenn man sie so auf den Punkt spielt wie es die Band tat, ganz schön in der Magengegend drückten. Dabei hinterließ Sänger Magnus "Mangan" Klavborn einen besonders guten Eindruck. Bestens bei Stimme meisterte er die Wechsel aus Shouts, Growls und Clean Vocals spielend leicht und vor allem in den melodischen Songs konnte er mit seiner außergewöhnlichen Klangfarbe punkten. Die Fans dankten es ENGEL mit viel Bewegung und Textsicherheit. Metal aus Göteborg, ist einfach ne Marke das.
 


13.35 (PS) DEADLOCK
Vom Unwetter am Vortag war am Samstag kaum noch etwas zu sehen. Und wenn es noch ein paar Wolken wegzuschieben gab, dann sorgten DEADLOCK für die endgültige Rückkehr der Hitze vor der Pain Stage. Kein Gramm Eis, das zwischen der Band und dem Publikum geschmolzen werden musste, stattdessen verdampfte das Wasser aus dem Feuerwehrschlauch blitzschnell auf den Körpern der feiernden Fans. Mit "Bizarro World“ hatten die Schwarzenfelder ihr hochkarätiges neues Album im Gepäck, dessen Songs das Set auch eindeutig dominierten. Das Kontrastprogramm startete jedoch gleich zu Beginn mit elektronischen Beats, also genau dem Element, auf das DEADLOCK beim neuen Werk verzichtet haben. Die Menge wusste was kommt, und kaum hatten ihre Helden die Bühne betreten, ging die Party in drückender Hitze los. Es wurde mitgesungen, laut geklatscht und freudig auf der Crowd gesurft. Die Ordner hatten massig zu tun, und überhaupt forderte hier jeder jeden: DEADLOCK lieferten einen Kracher nach dem anderen, das Frontduo Johannes und Sabine heizte die tobende Menge immer wieder an, die wiederum ihre grenzenlose Begeisterung an die Band zurückgaben. Der Circlepit wurde bald zur „Circle-Acht“, die Stimmung war genauso ausgelassen, wie schon vorher bei ENGEL. Ein Blick in die Menge erlaubte nur ein klares Urteil: Drei Tage Festival, die bereits in den Knochen der Fans steckten, schienen immer noch keine Ermüdungserscheinungen hervorzurufen. Nix bizarro, alles bombig!
 


14.25 (MS) GRAND MAGUS
Stop! – Hammertime! Gerade noch hatten DEADLOCK die Painstage gerockt, da betraten die schwedischen Wölfe die Hauptbühne. War der Boden schon für sie bereitet? Die Luft stand bereits, und jetzt waren die Großmagier angetreten, auch die Gesamtgeschwindigkeit des Festivals zu drosseln. Ursprünglicher Heavy Doom, bei dem Kollege Satan vor Angst den Schwanz einzieht! BATHORY, WITCHFINDER, SAINT VITUS oder GOATSNAKE, sowie die üblichen Verdächtigen aus seligen NWOBHM-Zeiten – ein bisschen von allem lassen die Schweden in ihre Songs einfließen. Der urige Sound, bei dem sich das Festivalgelände eigentlich sofort in eine schneebedeckte Winterlandschaft hätte verwandeln müssen, infiziert die Metalheads sehr schnell. Trotz des Kampfes gegen die brennende Sonne ließen sie sich nicht davon abbringen, die Köpfe im Takt auf und ab zu bewegen. Bei so einer durchgängig schwergewichtigen Show kann man sich auch ruhig mal braten lassen. GRAND MAGUS belohnten den "Iron Will“ ihrer hartgesottenen Fans mit einem Potpourri aus Klassikern der gesamten Diskographie, konzentrierten sich dann aber selbstverständlich auf die Songs ihres aktuellen Albums "Hammer Of The North“, welches ein ganzes Stück mehr Heavy als Doom ist. Die Scheibe wurde nicht umsonst mit Lob überschüttet, und Songs wie "I, The Jury“, "Ravens Guide Our Way“ oder das gleichnamige Titelstück wurden entsprechend mit Begeisterung empfangen. Die Gitarrenrecken Janne und Fox verzichteten auf ausladendes Geplänkel mit dem Publikum, sondern verwöhnten sie dafür jeweils mit einigen Soloeinlagen. Wie schon des öfteren auf diesem Festival zeigte sich: Für einen Hammersound braucht es nicht mehr als drei Mann. Und wenn es sich dann noch um eine Kultband wie GRAND MAGUS handelt, macht es das Ganze noch deftiger.
 


15.00 (PZ) CRIMINAL
Ohne hier jetzt groß auf die Tränendrüse zu drücken, aber die Welt ist einfach nicht gerecht. Wenn es nämlich mit rechten Dingen zugehen würde, dann hätten CRIMINAL längst einen ganz anderen Status und würden dann wohl auch zu ner anderen Uhrzeit ins SUMMER BREEZE-Rennen gehen. Seit Mitte der 90er ist die ursprünglich aus Chile stammende und heute in England beheimatete Band unermüdlich dabei sich den Allerwertesten abzuspielen und zudem wurden in der Zeit kontinuierlich starke Alben veröffentlicht. Als sie denn um 15 Uhr ihre diesjährige SUMMER BREEZE-Visite mit "21st Century Paranoia" vom 2009er "White Hell"-Album begannen, konnte man noch nicht ganz von einer geschlossenen Front im weiten Rund sprechen. Sie wurden aber dennoch lautstark empfangen. Im Bühnenhintergrund prangte ein Backdrop im Design des neuen Albums "Akelarre", das das inhaltliche Konzept der Band wohl sehr gut auf den Punkt brachte. Da waren nämlich die drei größten Kriminellen weltweit zu sehen: Kirche, Wirtschaft und Militär. Fronter Anton ging sichtlich in den Songs auf, bewegte sich viel und bellte inbrünstig die Texte zu den wüsten Thrashnummern der Combo. Auch sehr leidenschaftlich war der Gitarrist Olmo Cascallar unterwegs, kurzum: die Band war in Höchstform und hätte wesentlich mehr Publikum verdient gehabt.
 


15.15 (PS) SMOKE BLOW
SMOKE BLOW gehörten mit ihrem hardcore-affinen Punk der dreckigeren Sorte auf dem SUMMER BREEZE sicher eher zu den Exoten. Doch auch in südlichen Breitengraden haben sich die Kieler in zwölf Jahren Bandhistorie einige Anhänger erspielt, die sich zahlreich unter der knallenden Nachmittagssonne vor der Painstage einfanden. Mit einnehmendem Bewegungsdrang rotzten sich die Nordlichter durch alle ihren Backkatalog hindurch. Immer im Zentrum der Aufmerksamkeit dabei: die zwei Vokalisten mit den bezeichnenden Namen Letten und MC Straßenköter. Mit einer gehörigen Portion nordischem Charme und viel Wortwitz führten die beiden Entertainer durch das Programm. Dass sich die Band nicht immer völlig ernst nimmt und im Grunde für jede Schandtat bereit ist, zeigte gegen Ende die Coverversion von Billy Idols "Rebel Yell". Die beiden Frontmänner nutzten den Song für die Zurschaustellung ihrer innigen Zuneigung für einander, indem sie die Hosen fallen ließen und sich öffentlich der gleichgeschlechtlichen Liebe hingaben. Wahre Liebe gibt es eben nur unter (Punk-)Männern! Alles andere als liebevoll ging es dabei im Pit zu. Hier regierte der gute alte Pogo während sich die weiteren Reihen ausgiebig die Seele aus dem Leib grölten. Unterm Strich mit Sicherheit eine der unterhaltsamsten Partys des Wochenendes.
 


15.35 (CS) VOGELFREY
Ein bisschen ist ja die Camelstage wie eine Wühlkiste, wie ein Schaufenster voller Sonderangebote. Oder vielleicht ein Stolperstein, über den man sich im Nachhinein bedankt, denn der – wenn man es so bezeichnen möchte – „Mitnehmer-Effekt“ ist nicht zu unterschätzen. Vier Sets á 20 Minuten sind keine bloße Unterhaltung für die Pause, sondern ist für neugierige Festivalbesucher eine hervorragende Gelegenheit, interessante Bands wie VOGELFREY kennen zu lernen – und zwar live und direkt, was 100mal besser funktioniert als mit einer bunten Anzeige in einer Zeitschrift. Die Hamburger, die vor knapp einem Jahr ein erstaunlich gutes Debüt vorgelegt haben, gehören zu den Mittelalter-Bands, die wieder verstärkt auf Rock-Instrumentierung setzen. Folk-Elemente ja, aber bitte schön heftig und mitreißend gespielt. Dass die Band nicht nur auf Konserve überzeugt, zeigen sie schnell. Das Sextett agiert mit ansteckender Freude, die Musiker sind über die gesamten Sets gut aufgelegt, und Frontmann Jannik beweist als Entertainer ebenso gute Qualitäten wie an seinen vielen Instrumenten. Den charismatischen Geschichtenerzähler hat er auf der Bühne ebenso gut drauf wie auf Platte. VOGELFREY vereinen Traditionelles und Moderne in derart überzeugender Weise, dass man die Herren und Damen auf dem Zettel haben sollte. Den Vergleich mit wesentlich bekannteren Kollegen – das beweisen sie vier Mal hintereinander – müssen sie jedenfalls nicht scheuen. Klasse gemacht!
 


15.55 (PZ) ADEPT
Bei ADEPT nahm die Zuschauermasse im Zelt nochmals zu. Vor allem die vordere Hälfte der Fans machte auch von Anfang an schön mit und ließ sich von der kraftvollen Mischung der Schweden aus Melodic Death Metal und Hardcore ordentlich mitreißen. Die gutgelaunten Jungs zeigten von Anfang an echte Spielfreude und sprühten vor Charisma und Energie, allen voran Sänger Robert Ljung, der mit seiner unglaublichen Bühnenpräsenz alle Aufmerksamkeit auf sich zog und die Fans fest im Griff hatte. Die gaben es sich nicht nur in ordentlichen Moshpits, sondern auch zum Auf- und Abspringen sowie einem dicken Circle-Pit ließen sie sich animieren. Das lag aber natürlich auch an der souverän dargebotenen, wuchtigen Musik mit fetten Doublebass-Gewittern, kräftigen Breakdowns und den typischen Göteborg-Melodien. Alles in allem eine mehr als sehenswerte Show, die ADEPT da abgeliefert hatten, mit ordentlich harter Musik und viel Spaß, vor und auf der Bühne!
 


16.05 (MS) FARMER BOYS
Welcome To The Farm 2011! Nachdem es die Band de facto seit Jahren nicht mehr gibt und die letzte Show auch schon wieder fast drei Jahre zurückliegt, war der Auftritt der Schwaben eine sehr exklusive Angelegenheit. Und so hatte sich trotz erbarmungslos vom Himmel brennendem Planeten eine gespannte Meute vor der Main Stage versammelt um zu sehen, was die Jungs noch draufhaben. Mit ordentlichem Applaus wurden sie direkt beim Erscheinen beklatscht und los gings passenderweise mit "When Pigs Fly", das Schweine fliegen können war nämlich für einen Großteil der Anwesenden lange Zeit genauso wahrscheinlich wie eine Show oder ein neues Album der FARMER BOYS. An dritter Position schickten sie dann "Like Jesus Wept ", einen der vielen Smasher von "The Other Side" ins Rennen. Der Song wurde von Sänger Matze als Song vom aktuellen Album angekündigt, und als er dann selbst verstanden hat, was er da gesagt hat, hat er sich dann auch ordentlich weggeschmissen – denn das Album hat ja nun stolze sieben Jahre auf dem Buckel. Die Leute vor der Bühne freuten sich sehr über den erneuten Einsatz des Feuerwehrschlauchs, denn da floss vor lauter euphorischer Bewegung massig Schweiß und da war eine Abkühlung natürlich mehr als willkommen. Bis auf den etwas abwesend wirkenden Keyboarder hatten alle Beteiligten sichtlich Spaß auf der Bühne und dieser Spaß wurde auch entsprechend in Energie umgesetzt, die sie direkt ins Publikum weiterreichten. Im Prinzip war alles beim alten, eine fantastische Band mit ganz eigenem Stil und ein Sänger mit dem Hang zum großen Pathos sowohl in den Melodien, als auch in der Gestik – und in Sachen Geblubber, wie war das mit seinem Wohnort auf der dunklen Seite des Mondes? Egal, die vorderen Reihen skandierten mehrmals lauthals "Neues Album! Neues Album!" Wo kann ich denn hier bitte "Gefällt mir" klicken?
 


16.50 (PZ) DEMONICAL
Mit DEMONICAL ging es nun doch deutlich traditioneller weiter, leider vor weniger Publikum als noch bei ADEPT. Dafür wohnten die Anwesenden einem besonders gelungenen Auftritt bei. DEMONICAL sind eine Macht, und das nicht nur auf ihren Studiowerken, sondern auch und vor allem an der Live-Front! Kaum eine Band versteht es, den einzig wahren Old School Schwedentod in Reinform so authentisch und mitreißend zu zelebrieren. Lässig wie immer wirkten die Mannen um den doch des Öfteren ein wenig manisch dreinblickenden Fronter Sverker Widgren, dessen ultraböse Growls schön druckvoll tönten. DEMONICAL machten mit ihrem treibendem Groove und diesen charmant knarzenden, tief wummernden, schnörkellosen Riffs, keine Gefangen. Vehement knüppelten sich die Schweden mit tödlicher Präzision durch ihr Set. Zusammen mit den Fans bangte sich die Band nach allen Regeln der Kunst die Seele aus dem Leib, was eben auch zu der räudig-sympathischen Ausstrahlung der Schweden mit beitrug. Ein Todesblei-Hit jagte den nächsten, und die Show der Nordlichter wurde zu Recht von den Fans kräftig abgefeiert und bejubelt!
 


17.10 (PS) CORVUS CORAX
Gaukler, Barden und Spielmannszüge, das war die vollkommen unmetallische Maxime von CORVUS CORAX. Es gab keine Gitarren und keine herkömmlichen (Metal-)Instrumente, sondern mittelalterliche Klänge, zumeist feuchtfröhlich und feierlich, mal aber auch getragen schwer. Es war schon ein kleines Wagnis zwischen all den Metalheads und Bands, die sich gegenseitig an Härte und Geschwindigkeit zu übertreffen versuchen, mit der Musik von CORVUS CORAX trumpfen zu wollen. Aber allen bösen Vorahnungen zum Trotz hat die Truppe das Publikum sofort mit den ersten (verdammich lauten) Klängen gefesselt und verbreitete eine fantastische Stimmung, die sich manch andere Band sicherlich gewünscht hätte. Es wurde getanzt, geschunkelt und ausgeflippt in der Menge, in der sich viele Goths und andere dunkle Gestalten in entsprechendem Outfit versammelt hatten. Mit Ansagen, die sprachlich an das Mittelalter angelehnt waren, baute die Band eine ureigene Stimmung auf, die sich bis zum Schluss halten sollte. Selten hat ein Kontrastprogramm zu all dem Metal-Futter so sehr ins Ziel getroffen, wie die Musik von CORVUS CORAX. Absolut fantastisch, wie sie mit ihren Dudelsäcken, Schalmeien, Trommeln und Pauken und anderen alten Instrumenten nachhaltige Stimmung entfachten. Erstaunlich viele Metaller sind zur Musik der Band steil gegangen, was einmal mehr beweist, dass der gemeine Metaller nicht engstirnig ist. Bei dieser tollen Musik sollte man das auch nicht sein.
 


17.45 (PZ) WOLF
Der Kuttenfaktor schlägt plötzlich enorm nach oben aus, es gesellen sich zunehmend entsprechend Bekleidete vor die Bühne, das Intro läuft schon, alles vorbereitet, WOLF stehen auf der Bühne und allesamt stimmen ihre Instrumente. Gesamt gesehen, hält sich der Andrang allerdings in Grenzen, was im Nachhinein betrachtet schade ist, denn die Band knallte den Zuschauern ein einwandfreies Set schwedischen Heavy Metals um die Ohren. Trotz eher dunkleren Lichtverhältnissen an der Partystage zieht der Drummer es vor, die Sonnenbrille aufzulassen. Als Metal Country wird Deutschland von WOLF hochgelobt und entsprechend wird auf der anderen Seite jeder Song abgefeiert. Sei es "The Bite" oder auch das neue "Skull Crusher". Bassist Anders "Tornado" Modd macht seinem Spitznamen alle Ehre und dreht eine Runde um die Bühne, damit er bei "Hail Caesar" im Graben davor in unmittelbarer Fan-Nähe spielen kann. Tolle Show der Schweden, deren Ende für viele wohl viel zu früh kam.
 


18.05 (MS) AS I LAY DYING
Als nächstes gab es Metalcore im Doppelpack. AS I LAY DYING enterten zuerst die Hauptbühne bevor dann CALIBAN direkt im Anschluss auf der Pain Stage folgen sollten. Schulter an Schulter mit KILLSWITCH ENGAGE bilden die Amis die Speerspitze in diesem immer noch sehr beliebten Genre. Und der komplett gefüllte Platz vor der Bühne unterstrich dies nachdrücklich. Brachial ging es gleich los mit "Within Destruction", schnell gefolgt vom ersten Stück des aktuellen Albums "The Powerless Rise" "Upside Down Kingdom". Die Band ließ zu keiner Minute etwas anbrennen. Vielleicht wurden aber ihre Haare hin und wieder von den meterhohen Flammen angekokelt. Änderte der Wind doch immer mal wieder seine Richtung und kam der Band doch ziemlich nah. Übrigens On Fire: Sänger Tim Lambesis ist schon eine sehr beeindruckende Erscheinung. Groß gewachsen, zutätowiert und mit einer Wut in der Stimme, das einem Angst und bange wird. Dazu lebt er seine Songs und die Texte unheimlich. Springt umher, schraubt sich die Rübe ab und prügelt auch mal gerne wild um sich. Wohlgemerkt ohne auch nur ein bisschen an Druck einzubüssen. Souverän dirigiert er eine der größten Wall Of Deaths, die das SUMMER BREEZE 2011 erlebt hat und peitscht die Menge immer weiter zu Höchstleitungen an. Dass der Ein oder Andere die Waffen vorzeitig strecken muss um das Schlachtfeld in Richtung Sanizelt zu verlassen, verwundert dabei fast schon weniger. Ernsthafte Verletzungen waren aber nicht gesehen und das ist auch gut so. Ein sattes Pfund legten AS I LAY DYING gegen Ende des Auftritts hin. Drei mal drei Hits am Stück: "Forever", "Confined" und natürlich der Song, der in keinem Set fehlen darf, "94 Hours". Ein perfekter Abschluss für einen bärenstarken Auftritt und für CALIBAN eine schwer zu toppende Angelegenheit. Leichten Abzug gibt’s in der B-Note für das Verschenken von 10 Minuten Spielzeit, die der Band nach "94 Hours" noch geblieben wären.
 


18.40 (PZ) SWASHBUCKLE
Es mag als Anachronismus gewertet werden, doch ein Pirat auf der Bühne mit einer Kamera in der Hand ist heutzutage durchaus möglich. Bei SWASHBUCKLE erst recht und wer die Amerikaner kennt, weiß, dass jetzt eine amtliche Menge Spaß gemischt mit Thrash ansteht. Ein Intro im Nintendo-Sound, bei dem auf der Bühne getanzt wird, kündigt an, was dem gefüllten Zelt bevorsteht. Admiral Nobeard verkündet inbrünstig, dass er sowie die ganze Band jede einzelne Person, die vor ihnen steht von Grund auf liebt. Erste Circlepits bilden sich von ganz alleine, trotzdem ist es ihm wahrlich ein Anliegen, dass diese noch viel, viel größer werden, schließlich braucht die Security auch etwas zu tun. Als kleines Intermezzo wird zwischendurch "Black No. 1" von den legendären TYPE O NEGATIVE angespielt, was genau wie der gesamte Rest des Gigs sensationell ankommt. Ein paar Freunde (DEADLOCK) kommen verkleidet als Papagei, Krabbe und Hai zu "Cruise Ship Terror" auf die Bühne, was die Menge schlussendlich vollends ausrasten lässt. Crowdsurfer überall, Moshpit hier, Circlepit da, die Piraten haben ihr Ziel erreicht: Thrash & Fun allererster Kajüte.
 


19.15 (PS) CALIBAN
An sich ist die Band gerade im Studio, für die SUMMER BREEZE-Show haben sie die Arbeiten aber wohl gerne kurz niedergelegt. Von Anfang an standen die Zeichen an der Pain Stage auf Sturm und dicke Hose. Die Bühne war imposant dekoriert, u.a. gabs zwei große Aufsteller vor der Backline und über die gesamte Höhe des Bühnenhintergrunds vier Backdrops mit den Buchstaben C, L, B und N, da konnte man sich die Umbaupause dann schon mal mit intellektuellem Vokaleraten vertreiben! Nach dem Opener "Love Song" griffen sie dann auch zum ersten Mal in den Zylinder und zauberten eine imposante CO2-Wand aus weißem Rauch vor die Bühne, volles Rohr quasi. Die Band hatte sichtlich Spaß, Sänger Andy leider nicht so lange, wie seine Kollegen, bei einem der ersten Songs stürzte er wohl über etwas am Bühnenrand, schlug sich leicht den Schädel dabei an und holte sich blöderweise ne Knöchelverletzung. In der Folge gab er also den Metal-Flamingo, hüpfte auf einem Bein über die Bühne und hatte statt nem Schuh am Fuß nen Eisbeutel im Socken. Als nächstes Schmankerl schickte die Band Manuel aus Augsburg, einen mutigen Contestgewinner, mit einer Helmkamera mitten in den Hexenkessel vor der Bühne – an sich war ja im Vorfeld klar, dass das Ding die erste Wall Of Death nicht überleben würde, Manuel hats aber unbeschadet überstanden, Respekt! Respekt bekommt auch der Mischer von CALIBAN, denn einen bessern Sound hat man dieser Tage wohl selten gehört. Und auch der für die Cleanen Gesänge zuständige Gitarrist hat das mittlerweile ganz gut im Griff. Nachdem es COMEBACK KID an selber Stelle ja schon nicht an innovativen Publikumsaktionen haben mangeln lassen, schmeißt sich ein Großteil der Fans bei der ersten Coverversion "Helter Skelter" (das haben die Beatles echt nicht verdient) von der aktuellen Cover-EP sitzend auf den Boden und huldigten ihren Helden mit dem Hochreißen der Arme – hat man so auch noch nicht gesehen, oder? Standards wie Todeswände und Crowdsurfer müssen hier nicht groß erwähnt werden. Bei einer von Andys Ansagen fehlte den vorderen Reihen dann etwas die Konzentration, da sich eine leichtbekleidete Dame auf die Schultern von jemand geschwungen hatte und die Blicke auf sich zog. Die verdatterte Lady lud Andy spontan auf die Bühne ein, damit wenigstens wieder alle in seine Richtung schauen. Zum Schluss griffen sie noch mal richtig tief in die Trickkiste, vor der RAMMSTEIN-Nummer "Sonne" gabs nen Funkenregen, danach noch mal die Rauchwand und nach dem abschließenden "It's Our Burden To Bleed" schossen sie drei riesige, lang andauernde Konfettifontänen in den Farben rot, weiß und grün in den Himmel. Alles sehr imposant, die Fans rasteten völlig aus und die Band sah auch nicht unzufrieden aus. DEADLOCK hatten ein paar Stunden früher völlig ohne Klimbim ähnlich überzeugt.
 


19.20 (CS) VOLKSMETAL
Beim Namen dieser zünftigen Kapelle gabs nicht viel zu rätseln, was die Zschauer in den fünf Blöcken der Band erwarten würde. Und an sich ists ein Wunder, dass das nicht längst jemand auf wesentlich populärerem Level fusioniert hat, Metal meets Bierzelt quasi. Denn Metaller, Bierseligkeit und ein hoher Mitgröhlfaktor, das funktioniert offensichtlich astrein. Auch die Garderobe der Mannen war ein wilder Mix aus Trachtenoutfit und Metalshirts und –accesoires. Und in Sachen Instrumente genossen die Tuba und die Quetschkommode natürlich den größten Exotenbonus unter der normalen Rockbesetzung. Die Truppe regierte die Fläche der Camel Stage und der Sänger wurde vor lauter Einsatz mit jedem Block heiserer. Cool auch die eingestreuten Coverversionen von Hubert von Goisern, STS und der EAV. Und als ob das alles nicht eh schon überzeugend genug gewesen wäre, gabs dann noch ein zünftiges Pärchen in Tracht, die die vorderen Reihen aus dem Bierfass mit kühlem Gerstensaft versorgten und auch Brezeln reichten. Oans, zwoa, gsuffa!
 


19.40 (PZ) OBSCURA
Obskur, obskurer, OBSCURA! Ein Genrewechsel vom wilden Piratentum hin zu technischen Death Metal mit deftigen Black-Einlagen. Ironischerweise war Sänger Steffen Kummerer selbst sehr über den Zuspruch seitens der Zuschauer überrascht, mit so vielen Leuten hätte er nicht gerechnet. Das spornt natürlich zusätzlich an, den technisch sehr anspruchsvollen Sound möglicherweise noch besser als sonst in Szene zu setzen. Von der ersten Minute an ist die Menge auf ihrer Seite und es wird zu harten Klängen, wie auch zu hochpräzisen Soli gebangt bis alles zu spät ist. Es ist deutlich zu spüren, wie das positive Feedback die Band beflügelt, von Song zu Song ihr Bestes zu geben. Fans der alten MORBID ANGEL kommen ebenso auf ihre Kosten, wie die Anhängerschaft von geschwärzteren Klängen. Sänger Steffen lud jeden ein, sich nach der Show mit der Band auf ein Bier zu treffen.
 


20.20 (MS) TARJA
Langsam kühlte es ein wenig ab und die Sonne versank eindrucksvoll am Horizont. Also optimale Voraussetzungen für eine Show des finnischen Goldkehlchens. Und Gold sollte an diesem Abend noch eine ganz besondere Rolle spielen. Dazu aber später mehr. Was sofort auffiel war die ungewöhnliche Platzierung der All-Star Formation. Mike Terrana hatte sich mit seinem gigantischen weißen Drumset rechts positioniert, während Tarja links von ihrem Cellisten flankiert wurde. Im Hintergrund ragte dazu eine beachtliche Keyboard Collage über der Gitarren- und Rhythmusfraktion. Tarja und ihre Mannen waren also bereit für ein ganz besonderes Set. Es konnte losgehen, und das mit voller Wucht. Bereits beim Opener "Dark Star" war klar, dass Tarja bei bester Laune war und wenig Wert auf die sonst üblichen modischen Spaziergänge legte. Dezent in schwarz gekleidet stand heute einzig und alleine die Musik im Mittelpunkt. Tarja hatte ein ganzes Potpourri an Hits im Gepäck und begeisterte den prall gefüllten Platz vor der Main Stage. Die Menge stimmte dabei immer wieder in Tarja-Sprechchöre ein, was der ehemaligen NIGHTWISH Sängerin sichtlich gefiel. Dass es sich Mike Terrana hinter seiner imposanten Schießbude nicht ganz nehmen ließ, das ein oder andere Solo zu platzieren war klar. Allerdings war der heutige Abend mehr als sonst auf die charismatische Frontfrau zugeschnitten. Wer auf NIGHTWISH-Material wartete, wurde zumindest halbwegs bedient, denn die Lady brachte die Coverversion " Over The Hills and Far Away", die ja auch schon bei ihrem letzten Arbeitgeber gern gereicht wurde. Auch Cellist Max Lilja (E-APOCALYPTICA, HEVEIN) hielt sich dezent im Hintergrund. Warum das heute so war, wurde klar, als das Set kurz dem großen Finale für eine besondere Einlage unterbrochen wurde. Gunnar Sauermann, langjähriger Freund und Vertrauter der Band, überreichte Tarja Turunen eine Goldene Schallplatte für das aktuelle Album "My Winter Storm". Sichtlich berührt wandte sich Tarja nochmal an die Zuschauer und bedanke sich nach einer kurzem Ansprache mit einem würdigen Finale in Form von "Until My Last Breath". Bleibt zu hoffen, dass Tarja und ihren Mannen noch lange nicht die Luft ausgeht und wir uns noch auf viele solche Auftritte freuen dürfen.
 


20.40 (PZ) THE OCEAN
Es gibt Auftritte, bei denen das Publikum völlig ausrastet. Und dann gibt es Auftritte á la THE OCEAN, bei der die Musiker alles daran setzen, die Bühne in ihre Bestandteile zu zerlegen. Was für eine irre Show! Das Kollektiv aus Berlin bzw. aus der Schweiz, zelebrierte seinen Gig wie eine Schlacht, bei der die Gitarristen ihre Instrumente wie Streitäxte durch die Lufte wirbelten. Wer diese Band schon einmal erleben durfte, weiß, dass man von den Experimental-Prog-Extremmetallern nicht nur gehörig die Trommelfelle versohlt bekommt. Die fünf Musiker sind nämlich auch ein intensives Erlebnis für’s Auge. Wie von den SUMMER BREEZE-Wespen gestochen, so als ob nicht ihre Instrumente, sondern ihre Körper verkabelt wären, rotieren und wirbeln sie unablässig über die Bühne, benutzen die Monitore als Sprungbrett und die Traversen als Klettergerüst – und das bei Stücken, die technisch so einiges von dem Muckern forderten. Und was die Fans können, können sie schon längst: Bassist Louis surft auf der Crowd und Sänger Loïc schmeißt sich in die erste Reihe, um ganz nah bei den Fans zu sein. Die feiern ohne Ende im dicht gefüllten Zelt – schon vor dem Auftritt war die Spannung in der aufgeheizten Partysauna zu spüren, doch als dann das Intro durch die Boxen bebte, ging es wie ein Blitz durch die Menge. Richtig ins Kochen geriet sie dann bei den beiden epischen Stücken "The Origin Of Species“ und “The Origin Of God”. Diese zwei Stücke runden das Album "Heliocentric“ ab, und das Meer aus erhobenen Händen sowie die Jubelchöre machten deutlich, das es kaum jemanden gab, der nicht nach den ersten Takten wusste, dass man Zeuge und Teil von etwas Großem werden würde. Unglaublich, diese Energie und Leidenschaft! Eines der ganz großen Highlights des SUMMER BREEZE 2011! Wer das verpasst hat, kann das über die mitgeschnittene DVD wenigstens vor dem heimischen TV nachholen – allerdings wohl frühestens im Herbst 2012.
 


21.35 (PS) SODOM
Natürlich ließ sich die SUMMER BREEZE-Gemeinde den Auftritt der Thrash-Urgesteine SODOM nicht entgehen und so versammelte sich vor der Pain Stage eine riesige Meute, die sich bis ganz weit nach hinten erstreckte. Nach dem saftigen Einstieg "The Vice Of Killing“ vom "Code Red“-Album war klar, dass SODOM es heute nicht auf die sanfte Tour probieren wollten, was das Publikum mit großem Jubel wahrnahm. Es folgten Klassiker wie "Outbreak Of Evil“, "The Saw Is The Law“, das wahnsinnig schnell und hart gespielte "Agent Orange” sowie das ebenso deftig runtergeratterte "Blasphemer” von der ersten EP "In The Sign Of Evil“, das Onkel Tom seinem verstorbenen Freund und ehemaligen SODOM-Drummer Chris Witchhunter widmete. Spätestens an diesem Punkt des Gigs war übrigens klar, dass SODOM nicht nur sehr beliebt sind, sondern sie sich ihren Triumph an diesem lauen Sommerabend nicht nehmen lassen würden. Die folgenden Songs "Ausgebombt“, an dessen Ende sich die Band hilflos verhaspelte, was sie aber eher sympathisch und menschlich zeigte als dass man das überbewerten sollte. "Remember The Fallen“ und das fast in Blast-Geschwindigkeit gebretterte "Bombenhagel“ (ohne Nationalhymne) waren dann nur noch der längst bestätigte Durchmarsch einer sauguten Old School Thrash-Band, die sich mit den ielen Jahrenihrer Existenz jeden einzelnen Applaus und Jubelschrei redlich verdient hat. Die Ruhrpottler haben hier vorgemacht, wie man als „alte Säcke“ noch fett Gas gibt und den Boden zum Beben bringt. SODOM haben regelrecht abgeräumt, viel altes Material gespielt und dabei nicht nur den guten alten deutschen Thrash Metal zelebriert, sondern auch die MOTÖRHEAD-Rock’n’Roll-Nummer perfekt abgeliefert.
 


21.45 (PZ) TÝR
Der Auftritt von TÝR rückte näher, und das Zelt schien aus allen Nähten zu platzen. Die Truppe von den Färöer Inseln wurde von einer riesigen Menschenmenge lauthals und warmherzig empfangen, als sie die Bühne betraten. Konzentriert und trotzdem mitreißend spielten TÝR ihre ureigene Version des Pagan/Viking Metals, welcher Elemente der nordischen Folklore beinhaltet. Trademarks sind die ausgeprägten doppelstimmigen Melodien der Gitarren aber auch die Spuren des klassischen Heavy Metals in im Sound. Die eingängigen Hymnen wurden von tausenden Kehlen laut mitgesungen, vor allem beim Klassiker "Hail To The Hammer“ zeigten sich die Fans ausgesprochen textsicher. Jedes Stück wurde kräftig abgefeiert, und die im Sekundentakt anfliegenden Crowdsurfer sorgten für anhaltende Arbeit der stark geforderten Ordner im Fotograben. Die Mannen um Heri Joensen, welcher nach jedem Stück dem Publikum zuprostete, zeigten sich sehr engagiert und topfit. Die sympathischen TÝR bewiesen, dass sie live absolute Stimmungsmacher sind und im Partyzelt für Frohsinn und verdammt viel Spaß sorgten.
 


22.40 (MS) HATEBREED
Nach fast vier Tagen ausgiebigen Feierns in denen die Zuschauer des SUMMER BREEZE von den Bands geschunden wurden und sich selbst zerstörten, hatten sie zum Abschluss des Samstags auf der Mainstage noch mal eine ganz harte Nuss zu knacken. HATEBREED luden zum Pit und alle kamen. Zum ersten Mal auf dem SUMMER BREEZE und dann hatten die "Everybodys Darling" des Hardcore gleich die Ehre auf der Mainstage den Abend zu beschließen. Die Band um Energiebündel Jamey Jasta wusste das zu würdigen und boten ein Set das sich gewaschen hatte. Nach einem kurzen Dreierblock aus Songs der aktuellen selbstbetitelten Platte ("Everyone Bleeds Now", "Hands Of A Dying Man" und "Merciless Tide"), ging es Schlag auf Schlag weiter mit einem wahres Feuerwerk an Hits aus allen Phasen. Jedes Album wurde mit mindestens zwei Songs bedacht, wobei die Stücke der "Perseverance"-Zeit wohl die beste Resonanz bekamen. Die Menge mobilisierte noch Mal alle Kräftereserven und folgte Zeremonienmeister Jasta aufs Wort. Der Mann ist so routiniert und erfahren, dass er genau weiß, was er zu tun hat um die gewünschte Reaktion zu bekommen. Hängt das Publikum wie ein angeschlagener Boxer mal in den Seilen, wird mit diversen Mitsing- und Hüpfspielchen sofort dagegen angekämpft. Beispiel gefällig? Jasta: "Let me hear your scream: Hate!", Publikum: "Breed". Dazu Pyros ohne Ende und das was HATEBREED eben am besten kann: keine Gefangenen machen. Dabei vergisst die Band nie, wem sie das Ganze zu verdanken hat und bedankt sich immer wieder artig bei allen Anwesenden und dem Breeze selbst, sowie bei allen Bands. Und das Jasta ein ausgewiesener SODOM-Fan ist, wussten spätestens nach seiner Huldigung der Thrash-Helden jeder. Zwar verließen HATEBREED nach "This Is Now" die Bühne, doch ließen sie sich nicht lange bitten und kamen prompt für einen Nachschlag zurück. Noch einmal alles geben, ein letztes Mal voll auf die Zwölf. Selbstverständlich wurde der Zugabenblock mit "Destroy Everything" beendet. Was natürlich eine Mitgrölhymne par excellence ist. Zwei Worte bei denen wohl niemand mehr seine Stimmbänder schonte und ein Groove, der keinen still stehen lies. Ein mehr als würdiger Abschluss für das Summer Breeze 2011. Zumindest auf der Mainstage. Denn PRIMORDIAL standen für das große Finale nebenan auf der Partystage schon in den Startlöchern...
 


22.50 (PZ) GOD DETHRONED
Einen besseren Platz als das Partyzelt hätten GOD DETHRONED nicht bekommen können. Nach einem beschwörenden Intro legte das niederländische Geschwader dermaßen saftig los, dass man hätte meinen können, sie haben extra schneller gespielt, damit sie mehr Stoff bringen konnten. In wahnwitziger Geschwindigkeit schmetterte die Band Stücke wie "Boiling Blood“, "Storm Of Steel“ oder "Under The Sign Of The Iron Cross“ runter und regierte souverän das Zelt. Die Menge hat die freigesetzte Energie der Band gebührend gefeiert und entsprechend mit lautem Applaus belohnt. GOD DETHRONED hatten bei der Auswahl ihrer Setlist ein sehr feines Händchen bewiesen und bauten alle paar Songs etwas langsamere Stücke ein, die nicht durchweg Blast-Tempo beinhalten. Gerade die schweren Parts waren es, die wie das Luftholen vor der nächsten Geschwindigkeitsattacke wirkten, welche wie das Amen in der Kirche kommen sollte. Die Zeit fürs Durchatmen wurde dennoch gering gehalten und die Truppe zeigte sich von einer äußerst spielfreudigen Seite, die viele ihnen sicherlich so nicht unbedingt zugetraut hätten, waren doch auf den letzten Alben der Band auch einige eher Midtempo-lastige Stücke zu finden. Hiervon war aber nur marginal etwas zu spüren. Wie eine tödliche Walze fegte die Band durch das Partyzelt, wischte jeglichen Zweifel hinfort und machte deutlich, dass sie ein großes Loch hinterlassen werden, wenn sie demnächst dem Nachwuchs das Feld überlassen und den Laden zumachen.
 


00.00 (PS) PRIMORDIAL
Bei ihrem letzten Besuch, hatte die Band zwar einen denkwürdigen Auftritt gespielt, allerdings eher in negativer Sicht, denn der Schlagzeuger stand doch sehr neben sich. Der Mann hat seine Lektion aber offensichtlich gelernt, denn er war, wie auch die anderen Musiker, voll dabei und bereitete den Aktion von Sänger Alan die Bühne. Der erschien natürlich wieder blutig geschminkt und mit zerrissener Garderobe, versprühte aber auch sofort wieder das gewohnte Charisma des perfekten Zeremonienmeisters. Die wehmütigen Songs waren fast schon erschreckend passend für die Funktion als letzte Band auf der Pain Stage. Hinzu kam über weite Strecken ein eher schummriges, hauptsächlich in roten Tönen gehaltenes Licht und der nebenan schon beginnende Abbau der Main Stage tat ein Übriges für ordentlich Kopfkino mit PRIMORDIAL-Soundtrack. Trotzdem wirklich allen die letzten Tage mit ordentlich Hitze, Schweiß und Feiern in den Knochen gesteckt haben dürfte, schafften es die Iren noch mal die letzten Reserven zu mobilisieren und bis zum FOH-Turm alle mit ihrem Sound anzustecken. Bei "Bloodied Yet Unbowed" erwähnte Alan das 20jährige Jubiläum der Band und widmete es ihren Freunden von Rotting Christ, die nach ihnen noch im Partyzelt aufspielten. Danke PRIMORDIAL!
 


00.00 (PZ) VOMITORY
Schwedentod zum Abendbrot – bevor VOMITORY ihr Gemetzel im Zelt veranstalteten, versicherte sich Gitarrist Urban noch schnell über den Zustand der blutrünstigen Meute: „Are you still drunk?“ Nein, ohne Frage war das Publikum auch in der Nacht zum Sonntag noch bestens aufgelegt, und was könnte es Besseres zum Auffrischen der müden Gehirnzellen geben, als das schwedische Sägeninferno? Mit "Regorge In The Morgue“ gab die Band dann gleich einen Song ihres neuen Albums "Opus Mortis VIII“ zum Besten. Der Start erfolgte nicht ohne kleine Schnitzer: Erst wollte der Sound nicht, dann wollten die Gitarren nicht. Nachdem aber derart kleine Anlaufschwierigkeiten hinter ihnen lagen, ging es ohne Probleme weiter. VOMITORY spielten routiniert vorzugsweise Songs ihres aktuellen Albums, aber auch ältere Geschosse wie z. B. "Terrorize Brutalize Sodomize“ oder "Under Clouds Of Blood“ wurden ins Riffmagazin geladen und zielgenau abgefeuert. Man wechselte von messerscharfen Hochgeschwindigkeits-Tracks zu etwas gemäßigteren Attacken, und Urban fragte dann sicherheitshalber noch mal nach: „Do you want it fast or faster?“ Kurzum: Ein absolut rundes Set, hart und knackig. Schade nur, dass am Ende die Zeit dann doch nicht mehr für die geplante Zugabe "Chaos Fury“ gereicht hat.
 


01.10 (PZ) MOONSORROW
Den Finnen MOONSORROW hätte man keine bessere Spielzeit zuteilen können als mitten in der Nacht. Ihre atmosphärische Version des Black Metals meets Folk meets Pagan ergänzte sich optimal mit der Uhrzeit und die Zuhörer waren mehr als dankbar. Nachtstimmung machte sich breit; einige schunkelten, andere schwenkten mit geschlossenen Augen ihren Kopf und wieder andere genossen ausgiebiges Crowdsurfen. Die Ansagen der Band wurden kurz gehalten und sie haben „nur“ vier Songs spielen können, dafür aber alle mit Überlänge und massig Tiefe. Selbst wenn das Keyboard hier und da ganz knapp am Kitsch vorbeispielte, schaffte es die Band trotzdem, eine stimmige Atmosphäre aufzubauen und zu halten, die immer wieder mit Härte und auch Geschwindigkeit getränkt wurde. Die Songauswahl umfasste zwei Stücke ihres aktuellen Albums und zwei ältere. Somit durften alle gut bedient worden sein, die auf MOONSORROW stehen. Gelungener Auftakt des Ausklangs des Tages und des Festivals.
 


02.15 (PZ) ROTTING CHRIST
Trotz doch schon sehr vorangeschrittener Stunde und ernsthaften Abnutzungserscheinungen bei den meisten Festival-Besuchern, konnte ROTTING CHRIST noch auf eine beachtliche Menge an Jünger herabblicken. Klar, die Griechen sind ja auch schon ein ganz schönes Weilchen im Geschäft und können auf einen reichhaltigen Backkatalog zurückblicken, der ihnen eine große Fanbase eingebracht hat. Und weil das so ist, ballerte die Band einen Song nach dem anderen raus ohne große Verschnaufpausen. Das nennt sich dann wohl optimales Zeitmanagment. Dabei zeigte sich die Band in hervorragender Spiellaune und war für die ein oder andere lustige Ansage zu haben, die mit diesem griechischen Akzent an Charme gewannen. Sichtlich angetan von den vielen positiven Reaktionen, spielten sich ROTTING CHRIST in einen wahren Rausch, immer am Rotieren und nach kürzester Zeit von oben bis unten durchnässt. Passenderweise wurde die schweißtreibende Show mit "Noctis Era" beendet und ROTTING CHRIST ließen sich vom Publikum gebührend feiern.
 


03.20 (PZ) BURDEN OF GRIEF
Für die allerletzten metalhungrigen Nimmersatten durften die Kasseler Melodic-Death-Metaller von BURDEN OF GRIEF als wirklich letzte Band des SUMMER BREEZE 2011 noch einmal das Partyzelt umpflügen. Trotz des Rausschmeißer-Slots kamen BURDEN OF GRIEF gut gelaunt und spielfreudig mit dem Titeltrack des aktuellen Albums "Follow The Flames" gleich richtig in Fahrt. Die verbliebene Meute schmiss noch mal den Propeller an und genoss das Set der Kasseler in vollen Zügen. Und die gaben alles. "Swallow The Sun", "Burn In Fire" und "Nightmare" blieben auf einem ähnlich aggressiven Level, aber ohne jemals die Melodien und Eingängigkeit aus den Augen zu verlieren. Ordentlich Stimmung kam bei "Aces High" einem IRON MAIDEN-Cover auf, bevor "Rise Like A Phoenix" mit einem der fettesten Riffs überhaupt den passenden Abschluss markierte. Sicher ein würdiger Abschluss für das SUMMER BREEZE!