Rückblick 2012

Mittwoch, 15.08.2012
BLASMUSIK ILLENSCHWANG, ARSIRIUS, WITHOUT WORDS, OBSCURE SPHINX, AMOEBA, GOODBYE TO GRAVITY, BUFFET OF FAITH, MUNICIPAL WASTE, DEVIL’S TRAIN, BULLET, RAGE, TANKARD, GRAVEWORM, TASTERS

Donnerstag,16.08.2012
NEW BLOOD CEREMONY & OBSCURE SPHINX, BE’LAKOR, MÅNEGARM, DARKEST HOUR, GLORIOR BELLI, EVERY TIME I DIE, AGRYPNIE, STIER, EPICA, PETER PAN SPEEDROCK, NAPALM DEATH, ALCEST, ICED EARTH, BORN FROM PAIN, DIE APOKALYPTISCHEN REITER, NORMA JEAN, BEHEMOTH, WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER, SKI’S COUNTRY TRASH, ELUVEITIE, DIE KASSIERER, SUBWAY TO SALLY, GHOST BRIGADE, DEATHSTARS, EXCREMENTORY GRINDFUCKERS, IN SOLITUDE, FARSOT, THE ROTTED

Freitag,17.08.2012
THE FORESHADOWING, ROTERFELD, BLEED FROM WITHIN, DEW-SCENTED, MYSTIC PROPHECY, CROWBAR, MONO INC., ESKIMO CALLBOY, HELHEIM, UNEARTH, BLACK SHERIFF, TOXIC HOLOCAUST, NILE, BLACK SUN AEON, JASTA VS. WINDSTEIN, HEIDEVOLK, SIX FEET UNDER, BEFORE THE DAWN, WITHIN TEMPTATION, INSOMNIUM, DARK TRANQUILLITY, OHRENFEINDT, KRISIUN, IMMORTAL, TERROR, CORVUS CORAX, MORGOTH, EISREGEN, MENHIR, AHAB

Samstag,18.08.2012
WHILE SHE SLEEPS, NIGHT IN GALES, BETONTOD, THE UNGUIDED, TANZWUT, BEMBERS, NAGLFAR, AUDREY HORNE, UNLEASHED, DESASTER, SEPULTURA, NITROGODS, INCANTATION, LACUNA COIL, CATTLE DECAPITATION, PARADISE LOST, NIFELHEIM, OOMPH!, SHINING, SICK OF IT ALL, ASPHYX, ASP, MAMBO KURT, VALLENFYRE, AMON AMARTH, DEEZ NUTS, KATATONIA, ANAAL NATHRAKH, CIRCUS INSANE, ENTRAILS, HATESPHERE

(MS) = Main Stage (PS) = Pain Stage (PAS) = Party Stage (CS) = Camel Stage

Mittwoch, 15.08.2012

14.00 (CS) BLASMUSIK ILLENSCHWANG
Alle Jahre wieder, zum Auftakt des Summer Breeze, darf eine Institution nicht fehlen. Der Musikverein Illenschwang unter der Leitung von Herr Harich Günther hatte einmal mehr die Ehre das Summer Breeze in seiner mittlerweile 15. Auflage zu eröffnen. Ein volles Rund war Ehrensache an diesem brütend heißen Mittwoch, wodurch Herr Günther wenig Mühe hatte die Meute in Wallung zu bringen. So wurden gleich zu Beginn erste Circle Pits gesichtet, die sich immer wieder zu einer gepflegten Wall Of Death (!) formierten. Um dem volkstümlichen Rahmenprogramm zusätzlich den entsprechenden Rahmen zu bieten, zog in regelmäßigen Abständen eine heitere Polonaise durch die Reihen. Eine Stunde hatte der Musikverein Illenschwang das metallische Publikum auf seiner Seite und griff selbst musikalische Wünsche des Publikums gerne auf. Als Schmankerl zum gewohnt professionellen Auftritt der Formation gab es noch einen Hinweis auf das mittlerweile feilgebotene Merch. Damit dürfte die nächste Gartenparty in trockenen Tüchern sein. Prost!


15.00 (PZ) ARSIRIUS
Bei heißen 30 Grad und blauen Himmel hatte die Münchener Death Metal-Combo von ARSIRIUS die große Ehre den NEW BLOOD AWARD zu eröffnen. Während sich erstaunlich viele feierwütige Leute im Partyzelt eingefunden hatten um die große Sause zu eröffnen, gaben ARSIRIUS ihr Bestes um Volk und Jury zu überzeugen. Mit brutalen Screams wurde die Menge begrüßt und schon beim Opener "Arcanum" legte man mit voller Wucht los. Die im Zelt versammelte Meute ließ sich natürlich nicht lange bitten, es wurde fleißig gemosht und kurze Zeit später folgte auch schon der erste Circle Pit. Mit ihrem Wechselspiel aus druckvollen, treibenden Midtempo-Moshparts und gleichzeitig kompakten und komplexen Riffs gelang es den fünf Jungs einen optimalen Start hinzulegen und so vergingen die 25 Minuten Spielzeit wie im Flug. Am Ende gab es sogar "Zugabe"-Rufe, denen man aber aus Respekt für die Spielzeit der anderen Newcomer nicht nachkommen konnte. Alles in allem ein gelungener Start für diesen tollen Wettbewerb!

15.50 (PZ) WITHOUT WORDS
WITHOUT WORDS waren die jüngsten Teilnehmer, die es dieses Jahr in das Finale des NEW BLOOD AWARD geschafft haben, doch diese Tatsache merkte man ihnen zu keiner Sekunde an. Ab dem Opener "Deny Me" wurde mit viel Professionalität und Gelassenheit Metalcore der Marke CALIBAN vorgetragen, schwedische Riffs, Screams im Wechselspiel mit cleanem Gesang und knüppelharte Breaks luden zum Mosh-Gewitter vor der Bühne ein. Inzwischen war die Zahl der tanzfreudigen Besucher auch deutlich gestiegen, es wurde gesprungen, gemosht und gebangt was das Zeug hält und auch die melodischen Parts, die sich die zwei Gitarristen leichtfüßig zuwarfen, fanden Anklang. Nach alter Bandtradition gab es passend zum Titel "Circle Of Pain" dann auch einen ordentlich Circle Pit und als bei "Symptoms Of Suffocation" lautstark zur Wall of Death aufgerufen wurde, gab es kein Halten mehr. Nach sechs starken Tracks verabschiedete sich das Publikum auch hier mit "Zugabe"-Rufen von der Band, und die Jungs dankten es ihrerseits mit zahlreichen Verneigungen. Hier steckt definitiv Potential für etwas Großes dahinter, man darf gespannt sein was man in Zukunft von WITHOUT WORDS hören wird.

16.40 (PZ) OBSCURE SPHINX
16 Stunden Anreise, ein defektes Gefährt und viel Schweiß hatten die aparte Dame und ihre vier Mitstreiter auf dem Weg zum Summer Breeze zu verkraften, bevor pünktlich am späten Nachmittag der ersten Song "Vestiez" aus den Boxen quoll. Was jetzt innerhalb der nächsten gut 25 Minuten folgen sollte war ebenso unkonventionell wie zeitweise verstörend. Sängerin Zofia hatte ihre Arme in weiße, mumienhafte Laken gekleidet und faszinierte mit unnachahmlichem Stageacting. Die Musik von OBSCURE SPHINX ist mit Worten nur schwerlich zu fassen und rankt irgendwo zwischen hypnotischen Soundfragmenten, die Zofia aus ihrer Sampling-Maschine zaubert, tonnenschweren Riffs im Fahrwasser von NEUROSIS und apokalyptischen Sangeseinlagen. OBSCURE SPHINX aus Warschau tauchten in ein dunkles, musikalisches Paralleluniversum ein und reißen trotz der noch gleißenden Sonne das Publikum mit sich. Obgleich, oder gerade wegen der teils minimalistischen Klangfragmente, war die Band zu jeder Zeit präsent und es war schnell absehbar, dass mit den Polen in Sachen NEW BLOOD AWARD zu rechnen war. So war es auch kein Wunder, dass nach Ende des nur mit zwei überlangen Songs bestückten Sets, Zugaberufe bis in die hinteren Reihen zu hören waren. OBSCURE SPHINX sind ein Juwel in einer leider immer uniformer werdenden Musiklandschaft. Ein erstes Highlight des Festivals!


17.30 (PZ) AMOEBA
Nach OBSCURE SPHINX war Kontrastprogramm angesagt. AMOEBA aus Frankreich packten die ganz dicke Keule aus und ließen ab der ersten Minute kaum Zweifel an ihren technischen Fähigkeiten aufkommen. Brutal ging es nach vorne und Sänger Lucas tauchte in stimmliche Tiefen ab, die an Intensität kaum zu toppen waren. Deathcore auf erstaunlich hohem Niveau ließ das Zelt schnell voll werden, sodass der erste Circle Pit schnell am Rotieren war. Sichtlich inspiriert von der Publikumsreaktion, trieb der Sänger seine drei Mitstreiter zu Höchstleistungen an. Insbesondere Basser Simon raste nach kurzer Aufwärmphase mit aberwitziger Geschwindigkeit über das Griffbrett und bildete mit Drummer Louis eine massive Rhythmuswand, die tosend über dem Publikum zusammenbrach. Immer auf die Zwölf war das Motto der jungen Formation, ohne jedoch zu irgendeinem Zeitpunkt die Kontrolle über ihre Instrumente oder gar das Publikum zu verlieren. AMOEBA hatten mit ihrem Klanggewitter bis zur letzten Minute die Oberhand und gönnten dem Rund kaum Erholungspausen. So war es kaum verwunderlich, dass das Quartett nach ihrem gut 25-minütigen Gig ein zufriedenes, erschöpftes Publikum zurückließ. Starker Auftritt dieser jungen Formation, die sicherlich nicht ihren letzten Gig vor großer Kulisse gespielt hat.


18.20 (PZ) GOODBYE TO GRAVITY
Nachdem AMOEBA doch sehr gekonnt die ganz derbe Death-Keule geschwungen haben, grenzte die Pausenbeschallung in Form von STRATOVARIUS schon etwas an Körperverletzung, aber Überraschung: Die Rumänen GOODBYE TO GRAVITY servierten eine gekonnte Mischung aus Modern und Power Metal und somit kann man fast von einer zärtlichen Überleitung reden. Von der ersten Sekunde an war klar, dass man es hier mit einer überaus routinierten und erfahrenen Band zu tun hat. Allesamt enorm fit an ihrem Instrument, war da viel Bewegung auf der Bühne und sowohl die Posen als auch die Gesangspassagen von Sänger Andrei Galut saßen - der Mann hat 2008 in Rumänien die Casting Show Megastar gewonnen! Bevor sie sich mit „Between The Tides“ verabschiedeten gabs im Publikum noch Gerangel um die Shirts, die die Band ins Volk feuerte. Es hat wohl gefallen!

19.10 (PZ) BUFFET OF FATE
Die Band verdient auf jeden Fall den Preis fürs kreativste Intro des Tages. Im Stil amerikanischer Serien rasselte Mucke im Hintergrund während eine sonore Stimme verkündete „In der heutigen Folge spielen BUFFET OF FAITH auf dem legendären Summer Breeze. Mal sehen, ob das Party Zelt seinem Namen Ehre machen wird. Findet es heraus, mit BUFFET OF FAITH!“. Und dann war jedwedes Erbarmen mal wieder zu spät, denn die Hessen sind sowas von gekommen. Die fünf Recken waren extrem gut gelaunt und motiviert am Start, zudem noch enorm spielfreudig und tight – einen besseren Start hatte keine andere Band des New Blood Award. Mit dem gute Laune machen haben sie es in der Folge dann mit leichtgeschürzter Assistentin und Wasserbällen vielleicht etwas übertrieben, unterm Strich aber ein mehr als überzeugender Auftritt der Band!

20.00 (PZ) MUNICIPAL WASTE
Die erste Band des Summer Breeze 2012 außerhalb des New Blood Awards und Opener der Nuclear Blast Label-Nacht wurde vom sich immer mehr füllenden Zelt bereits sehnlichst erwartet. Schon während der Verkündung von OBSCURE SPHINX zum Sieger des New Blood Award wurden MUNICIPAL WASTE mit Sprechchören herbeigeschrien. Verständlich, denn was passt besser in das Partyzelt als eine Band, der der Ruf als in der Live-Situation hart feiernden Spaßtruppe vorauseilt? Richtig. Nichts. Kein Wunder also, dass in der folgende Stunde Vollgas angesagt war. Hervorragend aufgelegt und mit einem klaren druckvollen Sound ballerten die Amis im Dauermosh-Zustand knackige vom Punk getränkte Bay Area Thrash Metal-Abrissbirnen am laufenden Meter ab. Auch das Publikum ließ sich nicht lange bitten und ging sofort mit. Da kam es dann auch durchaus öfter vor, dass der Ein oder Andere seinen Schuh im Circle-Pit nicht mehr bei sich halten konnte, oder dass Sänger Tony „Guardrail“ Foresta auf einem riesigen Luftkissen beim Crowdsurfen gesichtet wurde. Mit Sicherheit ein schöner Auftakt für den Rest des Abends.


21.00 (CS) DEVIL’S TRAIN
Prominenz auch ohne Renitenz. Während den fünf fulminanten Blöcken des Quartetts gab es wohl immer mal wieder Zuschauer, die sich überrascht die Augen rieben und denen das „Sag mal, ist das nicht…?“ förmlich ins Gesicht gemeißelt war. Und ja, da war einiges an bekannten Gesichtern auf der Bühne versammelt, allen voran natürlich Fronter R.D. Liapakis von MYSTIC PROPHECY. Aber auch neben und hinter ihm gab es mit Jörg Michael (ex-Stratovarius) an den Drums und Jari Kainulainen (ex-Stratovarius) am Bass bekannte Gesichter – und rein spielerisch konnte der Gitarrist seinen Kollegen mühelos das Wasser reichen. Es passte also so einiges (wie geil war denn bitte das orangene Acryl-Kit des Drummers? Bonham lässt grüßen!) und die wenig bekleideten Damen auf ihren Podesten links und rechts neben dem Drummer wären an sich gar nicht nötig gewesen - gestört dürften sie aber wohl auch niemanden haben! Allerfeinste Heavy Rock- bzw. Sleaze-Vollbedienung mit diversen leckeren Coverhäppchen (siehe Setlist), da steigt man gerne wieder mal ein, wenn der DEVIL’S TRAIN am Bahnsteig in der Nähe Halt macht!


21.20 (PZ) BULLET
Gegen 21 Uhr hatte sich das Zelt mehr als gut gefüllt, denn mit BULLET stand die erste klassische Heavy Metal-Band des Abends auf dem Programm. Die fünf Schweden, die seit über zehn Jahren für gute Laune auf den Festivalbühnen sorgen, hatten neben ihrem aktuellen Werk "Highway Pirates" natürlich auch Klassiker im Programm, so dass jeder Fan restlos bedient wurde. Los ging es mit "Full Pull" und Meister Hell gab von Anfang alles für sein Publikum. "Back On The Road", "Heading For The Top" oder auch der Klassiker "Dusk Till Dawn" wurden fleißig mitgegröhlt, eine Stunde lang flogen die Matten durch die Luft und es gab bei den kochenden Temperaturen natürlich auch die ein oder andere Bierdusche zu beobachten. Ganz klassisch in Röhrenjeans und Lederjacke gehüllt spielten sich Erik und Hampus Schulter an Schulter die Soli zu, während Drummer Gustav sein Bestes gab. Die geballten Fäuste der Menge stellten ein imposantes Bild dar und natürlich war niemand verlegen lautstark um eine Zugabe zu bitten. Das ließen sich die Herren nicht zweimal sagen, und so kamen am Ende mit "Stay Wild", "Rebels Return" und "Bite The Bullet" nochmal drei echte Perlen aus den Boxen geschallt. Hell trug hierzu natürlich seinen legendären roten Mantel und wirbelte über die Bühne bis zum Schluss. Nach vielen Verbeugungen und Danksagungen an das großartige Publikum war dann aber auch wirklich Schluss, auch wenn die Leute immer noch nach mehr verlangten. Heavy Metal wurde bestellt und BULLET lieferten gekonnt wie eh und je ab. Großes Kino!


22.40 (PZ) RAGE
Immer wieder willkommene Gäste des SUMMER BREEZE Festivals sind RAGE aus Herne, eine der Metal-Institutionen Deutschlands. Und so war es kein Wunder, dass die Mannen um Fronter Peavy eine riesige Menschenmenge ins Partyzelt lockten, um gemeinsam zu krachendem, gepflegtem Heavy Metal abzufeiern. Wie immer spielten RAGE mit guter Laune und ordentlich Spaß in den Backen, allen voran der sympathische, stetig grinsende Peavy, sowie der souverän auftrumpfende Saiten-Virtuose Victor Smolski. Von Anfang an brannte die Luft, den altgedienten Recken gelang es ohne Mühe, ein Power-Metal-Feuerwerk zu entfachen, und die Fans kosteten jede einzelne Note vollends aus. Das bestens aufeinander eingespielte Trio bewies wieder einmal, wie man sich trotz Routine dennoch die Freude am Spielen erhalten kann, und diese Freude sprang direkt aufs buntgemischte Publikum über, womit das Partyzelt seinem Namen auch völlig gerecht wurde. Gerade in den Momenten, in denen RAGE tief in die Klamottenkiste griffen und alte Gassenhauer wie „Refuge“ zum Besten gaben, war die Stimmung vor und auf der Bühne am Besten. Die erfahrenen Urgesteine überzeugten ein weiteres Mal mit Spielfreude, Charme und erstklassigem, hervorragend dargebotenem Heavy Metal. Bis zum nächsten Mal!


00.00 (PZ) TANKARD
"Für uns alte Säcke ist das hier keine Uhrzeit" klagte Sänger Gerre gleich in seiner ersten Ansage. Das hielt TANKARD aber keineswegs davon ab, einen engagierten und gewohnt unterhaltsamen Gig auf die Bretter zu legen. Kein Wunder also, dass ordentlich Bewegung in das gut gefüllte Partyzelt geriet, als die hessische Rampensau und ihre drei Sidekicks mit "Zombie Attack" routiniert wie eh und je loslegten. Seine Weight Watchers-gestählte Traumfigur wies mittlerweile wieder einen sichtbaren Bierspoiler auf, nichtsdestotrotz beeindruckte Gerre mit jeder Menge Hummeln im Hintern und rannte praktisch ununterbrochen wie von der Tarantel gestochen auf der Bühne hin und her. Als besonderes Schmankerl holte die Band für den Titeltrack des aktuellen Albums "A Girl Called Cerveza" die aus dem zugehörigen Video bekannte Tänzerin auf die Bühne, die im spielerischen Kampf mit dem Sänger nur knapp unterlag, als dieser sie am nietenbesetzten Gürtel davonschleifte. Und weil eine einzige hübsche Frau TANKARD offenbar zu wenig war, durften sich bei "Freibier" gleich zweiunddreißig Artgenossinen mit Bierdosen bewaffnen und mit der Band um die Wette tanzen. Derartige Showeinlagen trugen sicherlich zum Unterhaltungswert des Auftritts bei, die musikalische Qualität hätte jedoch auch für sich alleine bestehen können. TANKARD gaben sich routiniert und spielten eine extrem tighte Show, die ihren Abschluss ganz traditionell mit "(Empty) Tankard" fand und eine begeisterte Menge vergeblich nach einer Zugabe rufen ließ.


01.20 (PZ) GRAVEWORM
GRAVEWORM hatten sich erst in diesem Jahr von Keyboarderin und Gründungsmitglied Sabine Mair getrennt. Folgerichtig klangen sie nun merklich straighter und weniger verspielt als noch in der Vergangenheit. Heftiges Geknüppel stand auf dem Programm und wenngleich sich die Publikumsreihen zu dieser späten Stunde bereits etwas gelichtet hatten, wurde nur umso heftiger gemosht. Die Forderung von Frontmann Stefan Fiori nach einem Circle-Pit war im Grunde überflüssig, denn das Publikum kannte seine Pflichten selbst gut genug. Begleitet von einem bunten Reigen an spieltechnisch brillant umgesetzten Black/Death Metal-Krachern gaben die Fans alles. Gegen den Sänger auf der Bühne kamen sie jedoch nicht an. Bei grandiosen Stücken wie "The World Will Die" und "Abhorrence" schrie und kreischte sich Stefan Fiori die Seele aus dem Leib. Und wie es bei GRAVEWORM schon immer zum guten Ton gehörte, endete der Gig mit dem Brachial-Cover eines im Original wesentlich melodischer tönenden Überhits. Dieses Mal handelte es sich dabei um IRON MAIDENs "Fear Of The Dark", das nach der härtetechnischen Generalüberholung eine gänzlich andere Atmosphäre verströmte.


02.25 (PZ) TASTERS
Zum Abschluss der Nuclear Blast Lablenight sieht sich die letzte Band mit keiner leichten Aufgabe konfrontiert. Während GRAVEWORM das Partyzelt noch zu einem Gutteil füllen konnten, kämpfen deren Landsmänner von TASTERS bei Beginn ihrer Show mit Zuschauerschwund. Doch von Demotivation ist bei den Italienern keine Spur. Mit Wucht steigt das Quintett nach kurzem Intro in "Katherine’s Got A Secret" ein und konzentriert sich in der Folge vor allem auf Material des aktuellen Albums "Reckless 'Till The End". Der zu später Stunde sehr ausgedünnten Menge vor der Bühne ist die Anstrengung des ersten und sehr warmen Festivaltages zwar deutlich anzumerken, dennoch lässt sich Frontmann Danielle Nelli nicht entmutigen und stachelt die gut verbliebenen Fans immer wieder zur Bewegung an. Den geforderten Circle Pit während "Fight If Your Heart Is Broken" bekommt er zwar nicht, seinen Aufforderungen zum Mithüpfen kommt das Publikum dagegen schon bereitwilliger nach. Bei "Disappear" nimmt Nelli noch ein kurzes Bad in der Menge, bevor "Please Destroy This World" solide 35 Minuten Metalcore bei druckvollem und klarem Sound beendet.



Donnerstag, 16.08.2012

2.45 (PS) NEW BLOOD CEREMONY & OBSCURE SPHINX
Nach der Hitze am gestrigen Mittwoch, kam über Nacht der große Regen. Darüber war aber keiner der Besucher ernsthaft böse. So war der Platz vor der Pain Stage zur Übergabe des NEW BLOOD AWARDS auch schon gut gefüllt. Zur Preisverleihung hatten sich die Vertreter der Jury und natürlich die verdienten Gewinner um Frontfrau Zofia eingefunden. Noch sichtlich nervös, angesichts des sich immer weiter füllenden Runds, wurde nach kurzer Ansprache der über Nacht geschmiedete Award überreicht. Nach einer Umbaupause war es dann soweit. OBSCURE SPHINX aus Polen betraten die Bühne und sahen sich einer noch vom Vorabend gut eingestimmten Meute entgegen. Wie auch gestern machte das monumentale "Nastiez" den Anfang. Sängerin Zofia legte ihre vornehme Zurückhaltung schnell ab und verfiel zunehmend in einen Trance-ähnlichen Zustand. Mit einer Mischung aus ballethaften Bewegungen und hypnotischen Körperregungen glitt die charismatische Frontfrau über die Bretter und akzentuierte mit ihrer unnachahmlichen Stimme die teils fragile, teils brachiale Soundwand ihrer Mitstreiter. Insbesondre dann, wenn die mit acht Saiten bestückte Gitarrenfraktion einstimmte, gab es auch in den Reihen kein Halten und das Ende des 11-minütigen Openers wurde mit reichlich Beifall belohnt. Im Gegensatz zum gestrigen Gig, hatte man sich heute dazu entschieden mit "Paragnomen" einen anderen Song des eigenproduzierten Debüts "Anasthetic Inhalation Ritual" auf die Setlist zu hieven. Obwohl dieser Song dem Publikum noch gänzlich unbekannt war, zündete auch er und sorgte für Bewegung vor der Bühne. Nach nur 20 Minuten war dieser denkwürdige Auftritt leider auch schon Geschichte – die Polen verschenkten fünf Minuten ihrer Spielzeit; einfach, weil sie keinen Song mit „nur“ fünf Minuten Spielzeit hatten. Von dieser Band wird man noch viel hören!


13.30 (MS) BE’LAKOR
Falls sie denn überrascht waren, so konnten sie es jedenfalls sehr gut verbergen. Denn dass beim Opener auf der Mainstage schon die gesamte Fläche zwischen Bühne und FOH gefüllt sein würde, war nicht absehbar. Und motiviert waren die Massen auch noch, frenetischer Applaus beim Einlauf der Band zum Film-Zitat-Intro aus „Session 9“ und sogar mehrere Australienflaggen wurden geschwenkt; ein Einstieg nach Maß also! Sänger George Kosmas war die Souveränität in Person, plauderte locker mit dem Volk und gab sich, als ob er mit seinen Downunder-Jungs jeden Tag derartige Festivals rocken würde. BE’LAKOR haben es dank smarten Tempowechseln und stimmig eingesetzten, flächigen Keyboards geschafft dem Melodic Death Metal-Genre ihren Stempel aufzudrücken. Selbst bei „Fraught“ vom erst im Juni veröffentlichten „Of Breath And Bone“-Album, riss die Begeisterung keinesfalls ab – well done, boys!


14.10 (PS) MÅNEGARM
In Sachen Pagan Metal zählen sie zu den ersten Bands der Stunde, und auch wenn der große Erfolg bisher ausblieb, erfreuen sie sich in der Szene doch sehr großer Beliebtheit. Die Rede ist natürlich von MÅNEGARM, welche es zu dieser Stunde erfreulicherweise schafften, eine wirklich ansehnliche Menge vor der Bühne zu versammeln. Die Schweden lieferten einen schön abwechslungsreichen Rückblick über ihr bisheriges Schaffen und überzeugten mit ihrer packenden Mischung aus brutalem Metal und durchdachten folkigen Elemente, welche trotz der heftigen Riffs doch stets den Weg ins Gehör fanden. Besonders die starken melodischen Gitarrenleads stachen hervor, und zusammen mit dem massiven Doublebass-Attacken, dem harschen Kreischgesang sowie den klaren Chören präsentierten MÅNEGARM ihre Version des Pagan Metals. Die Fans grölten und feierten ausgelassen und eifrig zu den teils doch auch tanzbaren Rhythmen und verwandelten den Platz vor der Bühne in ein Feld voll fliegender Haare und tanzender Menschen. Von der aufgeheizten Menge sichtlich angeheizt, hatten auch MÅNEGARM offensichtlich jede Menge Spaß und Posten, was das Zeug hielt. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, präsentierte die Band noch ein neues Stück namens "Hordes Of Hel" vom kommenden Album, ein straighter, melodisch eingängiger Song im Midtempo, welcher bei den Fans sehr gut ankam. Die aufgrund der positiven Publikumsresonanzen sichtlich erfreuten MÅNEGARM bedankten sich noch bei ihren Fans, welche ihnen nun schon 17 Jahre lang die Treue gehalten haben.


14.55 (MS) DARKEST HOUR
Nachdem es zuvor auf der Painstage noch deutlich Black Metal-lastiger zuging, war es im Anschluss an der Zeit für mehr Core-Input. Erstaunlich, dass dabei der Preis für die bis dato haarigste Band an die amerikanischen Hauptstädter von DARKEST HOUR ging – hätte man so wohl auch nicht erwartet. Wie man die Matte schwingt, wissen DARKEST HOUR aber nur zu gut, stehen die Jungs doch schon knappe 17 Jahre auf den Bühnenbrettern dieser Welt und beackern das Feld zwischen Hardcore, Thrash Metal und Melodic Death. Dieses Erfahrung spürte und hörte man, denn die Musiker spielten so tight zusammen, dass da wohl kein Blatt Papier mehr dazwischen gepasst hätte. Auch die Song-Auswahl ließ kaum etwas zu wünschen übrig, wurde doch jede Schaffensphase mit mindestens einem Lied bedacht und es tauchte sogar „The Sadist Nation“ vom 2001er Album „So Sedated, So Secure“ im Set auf. Ein Song, den sicher die Wenigsten in den letzten Jahren von der Band live zu hören bekamen. Das Publikum dankte es der Band, erschien am frühen Nachmittag zahlreich und kam jeder Aufforderung von Sänger John Henry sich (noch) mehr in Bewegung zu setzten nach. Schade nur, dass nach dem wirklich guten Set, dass mit „Doomsayer (The Beginning of the End)“ sicherlich seinen Höhepunkt erreicht hatte, die noch vorhandene Spielzeit nicht für eine Zugabe genutzt wurde.


15.00 (PZ) GLORIOR BELLI
Musikalisch ursprünglich im traditionellen, orthodoxem Black Metal beheimatet, hatten sich GLORIOR BELLI im Laufe ihres zehnjährigen Bestehens nach und nach von diesem engen musikalischen Korsett befreit, um nunmehr gänzlich erweiterten Klanglandschaften zu frönen. Das Konzept ging auf, inzwischen hat sich ihr Name doch schon in der Szene rumgesprochen, und im Partyzelt versammelten sich nicht wenige, um den abgefahrenen Klängen der Franzosen zu lauschen. GLORIOR BELLI gelang es dabei ganz ausgezeichnet, ihre ureigene, abwechslungsreiche Mischung aus Southern Rock/Metal, Stoner und Black Metal, gekonnt und schmissig live zu präsentieren – trotz leichter Aussetzer am Schlagzeug. Mit unbändiger Energie, psychedelischen Anleihen, häufigen Tempowechseln, bluesigen Riffs und sägenden Gitarren, vermittelten die Franzosen mit ihren wuchtigen Klanglandschaften das Gefühl von staubtrockenen Wüstenlandschaften, und das mitten im Partyzelt. Viele der Anwesenden ließen sich mitreißen, und so dürften GLORIOR BELLI an diesem Tag einige weitere neue Fans dazugewonnen haben. Denn es war nichts anderes als ein verlockendes, teuflisch-musikalisches Wechselspiel der Extreme, mit viel Charme und auf verdammt hohem Niveau! Zum Schluss sprang Sänger J. noch in den Fotograben, um die Fans in den ersten Reihen mit seiner Gitarre spielen zu lassen.


15.45 (PS) EVERY TIME I DIE
Pünktlich um viertel vor Vier enterten die Southern-Spezialisten von EVERY TIME I DIE die Bühne und sie waren die ersten an diesem Tag, die nicht mehr mit dem unangenehmen, kalten Wind zu kämpfen hatten, der die Massen seit den Morgenstunden zum Frösteln brachte. Passend zum Südstaaten-Sound ließ sich nämlich die Sonne blicken und so hatten sich viele Fans vor der Pain Stage versammelt um sich von den Buffalo-Gitarren erwärmen zu lassen. Frontmann Keith "Balls" Buckley gab von Anfang an sein Bestes die Massen in Bewegung zu halten, neben dem aktuellen Album "Ex Lives" hatten die New Yorker auch echte Klassiker im Gepäck. Mit "No Son" wurde explosiv gestartet, Gitarrist Jordan (stilecht in Batik-Shirt und Röhrenjeans) stürmte von der einen zur anderen Seite und das Publikum folgte den Bewegungen gerne. Nach zwei Songs begaben sich dann die Mannen von DARKEST HOUR an den Bühnenrand, wo sie von Keith mit dem oder anderen Seitenhieb über diverse Rauchschwaden und Düfte bedacht wurden. Das trug natürlich zur Erheiterung bei, der erste Circle Pit ließ nicht lange auf sich warten und beim Klassiker "Bored Stiff" ging dann richtig die Post ab. Nach zwölf rotzigen Songs verabschiedete man sich dann mit dem obligatorischen Verschenken der Drumsticks und Bierbecher, und die Masse johlte noch einmal auf. Der Auftakt für die Sommer-Stimmung an diesem Tag war hiermit also definitiv gelungen.


15.55 (PZ) AGRYPNIE
Bereits zum zweiten Mal beehrten AGRYPNIE das SUMMER BREEZE. Bereits der erste Auftritt in Dinkelsbühl 2008 war ein voller Erfolg, was sich nicht nur anhand der großen Zuschauermenge zeigte, sondern auch an deren Reaktion auf das Dargebotene. Und auch 2012 rannten die Mannen um den sympathischen Fronter Torsten im Partyzelt offene Türen ein. Die Anzahl der anwesenden Fans war nochmals größer, und diese gingen von Anfang an auch richtig gut mit. Die Avantgarde Black Metaller, welche noch in diesem Jahr ein neues Album veröffentlichen werden, präsentierten sich noch eingespielter, noch routinierter und selbstbewusster als bisher, was sicherlich den inzwischen in großer Anzahl absolvierten Auftritten geschuldet ist. Die ausdruckstarken, dynamisch gespielten Hymnen versprühten trotz frühem Nachmittag eine herrlich dunkle Atmosphäre, kein Wunder bei den wunderbar kalten Riffs, dem präzisen Schlagzeugspiel, dem charismatischen Kreischgesang sowie den emotionalen deutschen Texten. Die sehr offensiv aufspielenden AGRYPNIE verstanden es, mit ihren wuchtigen, dabei äußerst melodischen Epen das Publikum vollends zu fesseln.


16.30 (CS) STIER
Die meisten Leute kennen Hans-Martin Stier wahrscheinlich als Clubvorsitzenden aus "Hausmeister Krause", oder aus diversen Kriminalfilmen im öffentlich-rechtlichen TV. Dass der gute Mann aber auch musikalisch was auf der Pfanne hat, bewies er mit seiner Show auf der Camel Stage, die zwar unter chronischem Zuschauermangel zu leiden hatte, da parallel aufspielende Bands wie NAPALM DEATH natürlich die Massen anzogen, jedoch durchaus seine Klasse bewies. Die schlicht STIER betitelte Band bot mit Songs wie "Vampire" oder "Mein Gott" harten deutschen Rock, mit dicken Gitarren und schleppenden Drums, ohne dabei mit den Texten ins Lächerliche zu rutschen. Im Fahrwasser von UNHERZ oder vielleicht auch RAMMSTEIN verlor Herr Stier zu keiner Sekunde die Lust an der Unterhaltung und lockte mit seiner charismatischen-dunklen Stimme gegen Ende doch noch einige Hörer vor die kleine Bühne. Das Nachmittagsprogramm war somit gesichert und jeder der sich mal von dem Massenandrang vor der Hauptbühne erholen wollte, fand eine gelungene Abwechslung bei den Mannen rund um Stier. Der Herr hat also definitiv noch mehr Talente als die Schauspielerei!


16.35 (MS) EPICA
Mit einem minutenlangen, von Paukenschlägen dominierten Intro spannten EPICA ihre Fans vor der Bühne ganz schön auf die Folter. Doch als die Holländer erst einmal die Bühne geentert und die ersten Riffsalven ins Publikum abgefeuert hatten, strahlte über der Main Stage nicht nur die Sonne, die endlich den harten Kampf gegen die dichte Wolkendecke gewonnen hatte. Dass Sängerin Simone Simons mit ihrer arschlangen rotblonden Mähne wieder einmal im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit stand, bedarf eigentlich längst keiner besonderen Erwähnung mehr. Dabei konnte die Frontlady nicht nur optisch, sondern auch akustisch überzeugen. Natürlich durfte man sich wieder einmal an die unvermeidlichen Vorbilder NIGHTWISH erinnert fühlen, wer genau hinhörte, konnte aber den eigenständigen Charakter der Band erkennen. Und auch das Publikum fand sichtlich Gefallen an der Mischung aus einer gesunden Prise Kitsch und Pathos, symphonischem Keyboard-Bombast und amtlich bratenden Gitarrenriffs. Den Anfang der Setlist dominierten Stücke von den jüngsten beiden Studioalben, ihren Höhepunkt erreichte die Stimmung aber erst mit "Cry For The Moon" vom Debütalbum "The Phantom Agony", das sich mit weniger Bombast und offensichtlicheren Melodien als todsicherer Mitsing-Ohrwurm entpuppte.


16.50 (PZ) PETER PAN SPEEDROCK
PETER PAN SPEEDROCK aus dem schönen Holland hatten mit ihrem Auftritt ein hartes Los gezogen, denn man musste gegen EPICA antreten die auf der Main Stage die Blicke auf sich zogen. Trotzdem hatten sich einige Fans im Partyzelt versammelt um zum rauhen Rock´n´Roll der drei Männer ihre eigene kleine Party zu feiern. Ohne große Worte zu verlieren wurde mit "Bakkerburg" im Highspeed-Tempo gestartet, Sänger Peter "Piet" van Elderen brüllte mit seiner Reibeisenstimme in bester Motorhead-Manier in den extra hochgedrehten Mikrofonständer und die wenigen die gekommen waren, ließen sich auch nicht lange bitten eine Tanzeinlage einzulegen. Nach den ersten drei Songs folgte dann auch eine Begrüßung an die Fans und die Aufforderung alles zu geben um das Zelt zum Kochen zu bringen. Dem wurde auch nachgekommen, ein kleiner Circlepit war genauso zu beobachten wie dutzende schwingende Matten in der Menge. Der Sound schien anscheinend Anklang zu finden, gegen Mitte des Sets stieg die Zahl der Zuschauer deutlich an und so kam doch noch eine ordentlich rockige Stimmung auf woraufhin PETER PAN SPEEDROCK ihre Show ohne jegliche Ermüdungserscheinungen zu Ende spielten.


17.30 (PS) NAPALM DEATH
Nachdem EPICA am späten Nachmittag die Bombastfraktion befriedigt haben, gibt es auf der Main Stage das volle Kontrastprogramm. NAPALM DEATH legten die Hauptbühne bereits vor zwei Jahren in Schutt und Asche, da kann der Anspruch für die kleinere Schwesterbühne kein geringerer sein. Und wahrlich, ab den ersten Klängen von "Circumspect" regiert für eine dreiviertel Stunde der Knüppel aus dem Sack. Bei drückendstem Sound macht die Grind-Institution, die sich übrigens in diesem Jahr bereits seit 31 Lenzen durch den Underground holzt, keine Gefangenen und präsentiert sich in bestechender Form. Auch wenn NAPALM DEATH heute nicht in Bestbesetzung antreten (Basser Shame Embury wird krankheitsbedingt durch einen äußerst aktiven Glatzkopf vertreten): Fronter Barney Greenway zuckt wie gewohnt halb-spastisch durch die Gegend, Mitch Harris zersägt mit schneidenden Riffs die Luft und Danny Herrera verprügelt mit Dauergrinsen im Gesicht sein Drumkit, als wärs der letzte Gig. Schade nur, dass das in hoher Zahl angetretene Publikum den hohen Energielevel nicht von Anfang an mitgeht. Während der größte Teil lieber Standfußball spielt, tauen immerhin die ersten Reihen schnell auf. Ab "Protection Racket" geht die Post ab, die zwei kleinen Moshpits vermischen sich während "Analysis Paralysis" zu einem großen, in dem gilt: jeder mit jedem und alle gegen alle. Folgerichtig pflücken auch die Ordner die Crowdsurfer in Zehnerpacks herunter. Zum Abschluss gibt es die obligatorischen Evergreens, die einmal mehr verdeutlichen: NAPALM DEATH dürfen auch gerne noch die nächsten 30 Jahre weiterhin für globale Zerstörung sorgen.


17.50 (PZ) ALCEST
ALCEST hatten gleich mehrere Dinge mit GLORIOR BELLI gemeinsam. Beide Bands stammen aus Frankreich, ebenso waren sie ursprünglich musikalisch im Black Metal beheimatet. Die weitere Entwicklung ist aber bei ALCEST eine gänzlich andere, nämlich in Richtung Post Metal. Die Mannen um Fronter Neige verzauberten das Partyzelt des SUMMER BREEZE mit ihren ruhigen, meist relaxten Epen mit viel Melodie und Herz, und luden die zahlreich erschienenen Fans mit ihren intensiven Klangwelten zum Träumen ein. Während der Stücke lauschte das Publikum gebannt, um nach jedem Lied mit viel Beifall die talentierten Musiker zu belohnen. Der bittersüße, wohltuende Klargesang sowie die prägnanten Melodien sorgten für eine dichte Atmosphäre, dazu passend hatte man sich auf eine dezente Lightshow mit grünen und blauen Strahlern konzentriert. Doch ALCEST leugneten nicht ihre Vergangenheit, immer wieder gab es schwarzmetallische Ausbrüche, währenddessen dann auch mal die Haare im Publikum dazu kreisten. Ein spannender, stimmungsvoller Auftritt!


18.20 (MS) ICED EARTH
ICED EARTH sind eine Band, die schon einige Höhen und Tiefen in ihrer Kariere zu verkraften hatte. Das lag nicht zuletzt an Mastermind Jon Schaffer, der in den letzten Jahren mit wenig konstanten Line-Ups glänzen konnte. Das schlug sich zum einen in mäßigen, eher uninspirierten Live-Auftritten nieder und zum anderen gab es auch auf Konserve eher Durchschnittliches zu hören. Mit der neuen Langrille scheint die Band aber endgültig die Kurve bekommen zu haben. Neuer Sänger, neuer Spirit und mit "Dystopia" eine starke neue Langrille in der Hinterhand. Dementsprechend selbstbewusst präsentierte sich die Band um den neuen Sänger Stu Block am frühen Donnerstagabend. Und, oh Wunder, ICED EARTH gehören noch lange nicht zum alten Eisen. Auch wenn das aus früheren Tagen gewohnte Bild, Kutten tragender Metalheads nicht das heutige Tagesbild bestimmte, war ab dem klug gewählten Opener "Dystopia" klar, dass ICED EARTH diese Runde auf dem Summer Breeze locker würden meistern können. Mehr noch, Jon Schaffer war zwar noch immer omnipräsent auf der Bühne, überließ seinem Sänger Block aber das Regiment. Das zahlte sich während der gesamten Spielzeit aus. Block, der stimmlich absolute Oberklasse war, verstand es die Festivalbesucher routiniert durch das Set zu führen. So war es kaum verwunderlich, dass Hits wie "I Died For You" oder das epische "Watching Over Me" lauthals mitgesungen wurden. ICED EARTH haben an diesem Abend eine beeindruckende Show abgeliefert. Bleibt nur zu hoffen, dass Schaffer die Qualitäten seines neuen Fronters noch lange zu schätzen weiß.


18.50 (PZ) BORN FROM PAIN
Mit BORN FROM PAIN stand an diesem Tag nach PETER PAN SPEEDROCK schon die zweite niederländische Truppe auf der Zeltbühne, aber diesmal gab es das komplette Kontrastprogramm: Feinster Hardcore mit viel metallischen Anleihen sollte das Zelt zum Kochen bringen, und BORN FROM PAIN lieferten wie erwartet die bisher wildeste Show des Tages im Zelt ab. Mit "Relentless" begann ein Feuerwerk an explosivem Hardcore und die mehr als zahlreichen Besucher hatten richtig Bock den Laden gehörig zum Beben zu bringen. Ab dem ersten Song war nicht mehr zu unterscheiden ob Circle Pit, Wall of Death oder einfach nur wildes Gemoshe, aber hier war defintiv die Hölle los. Es flogen Bierbecher und Klorollen und Sänger Rob Franssen animierte zu jeder Sekunde seine Fans. Klassisch im Hardcore-Style wurde hier zu mehr Unity aufgerufen und auch wenn die Leute nur so durch die Gegend flogen und die Securitys alle Hände voll zu tun hatten die Crowdsurfer aufzufangen, muss man an dieser Stelle einfach mal den äußerst gemeinschaftlichen Umgang unter den Fans hervorheben. Rob lies es sich natürlich auch nicht nehmen von der Bühne zu springen und gemeinsam mit der Crowd, die ihn freudig in die Arme schloss, die Refrains ins Mikro zu brüllen. Und gerade als die ersten Ermüdungserscheinungen unter den verschwitzen Fans auftreten kam die Aufforderung zum größten Circle Pit aller Zeiten, woraufhin sich ein großartiger Anblick von der Bühne aus bot. BORN FROM PAIN sind nach so vielen Jahren immer noch nicht müde,und das merkte man ihnen zu jeder Sekunde an, die Bewegungen der Bandmitglieder waren fast so wild wie die der Crowd, was natürlich mehr und mehr animierte. Nach dem großen Finale mit "Stop At Nothing" verabschiedete man sich dankbar und sichtlich verschwitz von der großartigen Menge und man konnte vor Zugabe-Forderungen, die aufrgrund des engen Zeitplans leider nicht bedient werden konnten, kaum noch etwas hören. Ganz großes Kino!


19.25 (PS) DIE APOKALYPTISCHEN REITER
Kaum waren die letzten Klänge von ICED EARTH Festivalgeschichte, drang aus den Boxen der Pain Stage das gesprochene Intro der Reiter, die sich noch hinter einem schwarzen Vorgang versteckten. Als dieser mit einem lauten Knall gefallen war und Fuchs gewohnt energiegeladen hervortrat, gab es im Publikum kein Halten mehr. Der Opener "Vom Ende der Welt" war Programm und der Auftakt einer schweißtreibenden Orgie für Band wie Publikum. Gefühlt gab es noch bei keiner Band zu diesem Zeitpunkt einen ähnlichen Zuspruch vor der Pain Stage. Soweit das Auge reichte war die Reitermania ausgebrochen und das "Fliegen" hatte begonnen. Zeitweise waren derartig viele Crowdsurfer unterwegs, dass sich die komplette Grabensecurity einfinden musste, um das "Flugaufkommen" in Bahnen zu halten. Dass die Reiter mit optischen Schmankerln nicht geizen, war auch heute wieder fester Bestandteil des Gigs. So hatte der komplett in Leder gekleidete Dr. Pest auf einer überdimensionalen Schaukel Platz genommen und verdrosch in dieser Position sein Keyboard. Ein weiteres Highlight markierte die zu "Revolution" gezündete Konfettikanone, die Bühne und Zuschauer in ein Meer aus roten und weißen Papierschnipseln tauchte. Damit aber nicht genug, denn die APOKALYPTISCHEN REITER hatten zu diesem Auftritt noch ein Kracher im Petto. Schon im Vorfeld angekündigt, hatte die Band exklusive T-Shirts im Gepäck, die man verteilen wollte. Wie, war allerdings im Vorfeld nicht klar. Das Rätsel sollte sich aber schnell auflösen, als man zu "Seemann" ein mit einer hübschen Dame bestücktes Gummiboot auf Reisen schickte. Die Dame hatte dann die ehrenvolle Aufgabe unter heftigstem Seegang die Shirts unter das Volk zu bringen. Ein Spaß für alle Beteiligten. Dass die Reiter auch musikalisch keine Wünschen offen ließen, sei nur der Vollständigkeit wegen erwähnt. Eines stand schon am ersten Tag des Festivals fest, die Reiter legten die Messlatte fast astronomisch hoch und beschlossen ihren Gig mit dem vielbejubelten "Die Sonne scheint". Mitreißend, originell, die Reiter waren und bleiben eine Macht.


19.50 (PZ) NORMA JEAN
NORMA JEAN hatten zur Prime Time, fernsehtechnisch gesehen, keinen leichten Stand im Party Zelt. Denn nach einer Abrissbirne vom Kaliber BORN FROM PAIN hat man es naturgemäß nicht leicht. Da die Amis auch nicht sehr oft Europa betouren und hier zu Lande nicht den Status genießen, den sie in Amerika innehaben, war zu erwarten, dass das Zelt eher spärlich bevölkert ist. Tatsächlich kam es dann auch so. Die Reihen blieben verhältnismäßig leer. Doch davon ließen sich NORMA JEAN nicht beirren und ließen ein Set vom Stapel, das sich gewaschen hatte. Einmal quer durch den Backkatalog ging die Reise. Vom Debüt „Bless The Martyr And Kiss The Child“ bis zum aktuellen Album „Meridional“ wurde in den Tiefen des chaotischen Hardcore gekramt ohne auch nur eine Verschnaufpause oder ruhigen Moment. Die Spielfreude der Band sprang dann dementsprechend schnell auf das Publikum über, welches den extra Platz für diverse Zurschaustellungen von Spinkicks, Two-Steps und Karate-Einlagen nutze. Beide Parteien verließen die Arena sichtlich glücklich und schweißgetränkt.


20.30 (MS) BEHEMOTH
Wenn die Bezeichnung "heimlicher Headliner" an diesem Wochenende auf eine Band zutrifft, dann ist es definitiv BEHEMOTH. Die Polen wurden wohl wie kaum eine andere Band herbeigesehnt, mussten sie doch ihren für 2010 gebuchten Auftritt auf dem Summer Breeze damals aufgrund der schweren Erkrankung Adam "Nergal" Darskis absagen. Vier Jahre ist es nun also her, dass die schwarze Todesblei-Walze das letzte Mal das Ländle beackerte, dementsprechend groß ist der Andrang vor der Main Stage, als die vier martialisch gekleideten Protagonisten die Bühne betreten. Was folgt, ist eine Demonstration absoluter Macht. Zwar waren BEHEMOTH schon immer eine Band, deren Auftritte mit Lobeshymnen bedacht wurden, doch was Nergal, Inferno, Orion und Seth in den letzten Jahren an Bühnen-Präsenz aufgebaut haben, ist schier beängstigend. Mehr denn je versprüht Nergal die Aura eines Predigers, der stoisch und aus tiefstem Herzen seine Sichtweise auf Gott und die Welt seinen Schäfchen verkündet. Was er an Agilität beim Stage-Acting eingebüßt hat, kompensierte er durch eine Ausstrahlung, die noch eine Schattierung schwärzer als früher scheint. Dazu kommt, dass Seth und Orion, die immer wieder unterstützend an ihren Mikrofonen hasserfüllt bellten, mittlerweile wie zwei Monolithen wirken, die schützend ihren Hohepriester flankieren und "Ov Fire And The Void", "Demigod" und das groovige "Moonspell Rites" (vom "...And The Forests Dream Eterenally"-Urgestein) zu einer schwarzen Messe mutieren ließen. Und im Hintergrund fortwährend das präzise Tackern der Drum-Maschinerie Inferno. Die hochprofessionelle und bis ins kleinste Detail eingspielte Darbietung setzte sich in einem Best of der jüngeren Schaffensphase fort, in der zu "Christians To The Lions" umgedrehte Kreuze am vorderen Bühnenrand angezündet wurden und die schlangenverzierten Mikrofone während "Alas, Lord Is Upon Me" Feuer fangen. Und wem das noch nicht warm genug war, bekam auch während der gesamten Show die Pyro-Vollbedienung. Mittlerweile altbekannt doch obligatorisch fegten die Abrissbirnen "Slaves Shall Serve" und "Chant For Ezkaton 2000 E.V." über den Platz, bevor "Lucifer" das Ende einer Rückkehr markierte, die man sich böser kaum hätte ausmalen können. Welcome back, BEHEMOTH!


20.50 (PZ) WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER
Die True-Metaller bekamen wohl eine echte Gänsehaut als sich die ersten Reihen vor dem Auftritt der Jungspunde WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER mit jungen Mädels füllte, die allesamt im Uni-Look auftraten und ihrer Lieblingsband mit einem WBTBWB-Shirt huldigten. Und auch sonst war der Altersschnitt im Zelt deutlich niedriger als seither, aber die Reihen waren mehr als gut gefüllt mit Interessierten. Schon beim Intro wurden laute Chöre angestimmt und als die Band an ihre Instrumente trat, gab es keinen Zweifel mehr daran, dass hier alle Bock hatten zu feiern. Mit dem Opener "Der Tag an dem die Welt unterging" verwandelte sich die gesamte Zuschauer-Fläche in einen einzigen Moshpit, der Breakdown-lastige Deathcore der Kombo, der mit so illustren Titeln wie "Breekachu" oder "Superföhn Bananendate" den Humor der Brandenburger unter Beweis stellte, schlug bei der Zielgruppe voll ein. Der Metal-Nachwuchs ließ keine Zweifel mehr daran, dass er ordentlich feiern kann, Circle Pits, Wall Of Death und Crowdsurfing ohne Ende boten einen grandiosen Anblick. Unsere geschätzten Grabenschlampen hatten jedenfalls alle Hände voll zu tun um die Ordnung in Bühnennähe wenigstens halbwegs aufrecht zu erhalten. Die extrem agile Band heizte immer noch mehr an, Sänger Paul stürmte von Seite zu Seite und rief zu diversen Tanzmoves auf, während Gitarrist Kenneth immer wieder seine Sprungkraft auf den Verstärkern zum Besten gab. Nach der Hälfte des Sets gab es zur kurzen Entspannung die inzwischen bei Fans sehr beliebte Coververison des DEICHKIND-Klassikers "Remmi Demmi" zu belauschen und nach dieser kurzen Erholung moshte man mit "Backe Backe Kuchen" dann wieder volles Rohr los. Am Ende kam dann sogar noch eine kleine Pyro-Show inklusive der Konfetti-Kanone zum Einsatz, welche natürlich wieder johlend gefeiert wurde. Passend zum Titel legte man mit "Extrem" ein Wahnsinns-Finale hin und auch wenn man kein Fan des modernen Sounds war, das war nach BORN FROM PAIN defintiv die explosivste Show des bisherigen Tages im Zelt. Die lauten Zugabe-Rufe brachten Fronter Paul dann nochmal auf die Bühne um sich mit einer erneuten Verbeugung vor diesem großartigen Publikum zu verabschieden.


21.35 (CS) SKI’S COUNTRY TRASH
Den Ski King kennt man landauf landab als charismatischen Mann mit der großen Stimme im Spannungsfeld zwischen Elvis A. Presley, Lemmy Kilmister und Johnny Cash. Ob nun solo, oder als Sänger von BELOVED ENEMY, der Mann zieht die Blicke auf sich und weiß auf einer Bühne zu agieren. Noch nicht ganz so populär ist er seither unter dem SKI’S COUNTRY TRASH-Banner, aber wer einen oder gar alle Blöcke ihres SUMMER BREEZE-Auftritts gesehen hat, wird die Kunde von den Qualitäten der Combo freudig streuen. Mitreißend gespielte Country-, Rockabilly und Punkrock-Perlen gab die herrlich aufeinander eingespielte Band zum besten und oh Wunder: der Blickfang schlechthin war NICHT Meister Ski sondern die zierliche Dame am riesigen Kontrabass. Die wird wahrscheinlich demnächst den Kontrabass-Kamasutra herausgeben, denn es gibt wohl niemanden, der mehr verschiedene Stellungen mit dem Gerät drauf hat als sie! Da war so mach einer der zahlreichen Anwesenden traurig, wenn nach nur 20 Minuten schon wieder das benachbarte Partyzelt loslegte und Skis Team pausieren musste.


21.35 (PS) ELUVEITIE
Mit acht Musikern und einem bunten Sammelsurium an Instrumenten wurde es bei ELUVEITIE richtig eng auf der "Pain Stage". Und auch das Publikum stand dicht gedrängt, um den vielschichtigen Folk-Metal-Hymnen der Schweizer zu lauschen. Die Setlist bestand größtenteils aus Stücken von "Helvetios", ihrem aktuellen Konzeptalbum über die Gallischen Kriege, was sich angesichts der Qualität des Songmaterials als ausgesprochen gute Entscheidung erwies. Statt als dröge Geschichtsstunde wurden die historischen Fakten und Zusammenhänge hier in Form einer raffinierten Mischung aus Death Metal und keltischer Folklore präsentiert. Mit "Uis Elveti", "Inis Mona" und "Kingdom Come Undone" gesellten sich immerhin drei Klassiker hinzu, die sich aber erfreulich harmonisch in den Gesamtablauf einfügten. Frontmann Christian "Chrigel" Glanzmanns "Ich dachte, das Summer Breeze wäre ein Metal-Festival, von hier oben sieht das aber noch nicht so aus" mag zwar nicht ganz fair gewesen sein, erfüllte aber vortrefflich seinen Zweck, die Fans aus der Reserve zu locken und zu Höchstleistungen anzuspornen. Zahllose Crowdsurfer und ein amtlicher Circle-Pit waren der Lohn für die Mühen des sympathischen Charakterkopfes. Musikalische Höhepunkte der Show stellten indes "A Rose For Epona" und "Alesia" dar, bei denen die melodische Gesangsstimme von Anna Murphy einen angenehmen Kontrast zu den harschen Growls von Chrigel setzen konnte. Der Bandkopf selbst steuerte indes neben diversen Blasinstrumenten auch Harfenklänge bei und ließ trotz seiner zurückhaltenden, manchmal etwas unterkühlt wirkenden, Art deutlich erkennen, wie viel Spaß ihm der Auftritt machte. Das Publikum fraß ihm dabei aus der Hand und ließ sich schließlich sogar zu einem amtlichen Circle-Pit animieren, während die Musiker eindrucksvoll demonstrierten, dass es sich bei der Behauptung, die Schweizer wären stets eine Ecke langsamer als Angehörige anderer Volksgruppen, nur um ein böswilliges Klischee handelt.


21.55 (PZ) DIE KASSIERER
Bock auf Niveau-Rock? Bitte schön, DIE KASSIERER stehen zu Diensten! Eigentlich auf dem With Full Force als Stammgast (und immer im jährlichen Wechsel mit den Lokalmatadoren) verwurzelt, wurde es für die Bochumer Kaputtniks ja auch mal langsam Zeit, das Summer Breeze mit ihren anspruchsvollen Ergüssen zu erquicken. Man mag von den seit 1985 lärmenden Chaoten halten, was man will, eines kann man ihnen jedoch nicht absprechen: wo immer sie auftauchen ist Spaß und gute Laune. Wenn Wolfgang "Wölfi" Wendland schon zu Beginn "Saufen, saufen, jeden Tag nur saufen" zur obersten Verhaltensmaxime skandiert und sich gleich darauf zu "Mein Schöner Hodensack" überraschend früh komplett entkleidet, um mit Textzettel und Bierdose in der Hand seinen Astralkörper zu präsentieren, bleibt halt kein Auge trocken. Es ist schon erstaunlich, wie die Band mit dem immer gleichen Programm über Jahre solche Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann, ohne über 45 Minuten Spielzeit auch nur ansatzweise zu langweilen. Der Siedepunkt ist somit schnell erreicht, bei "Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist" schmettern die feierwütigen Sprechchöre gen Bühne und lassen in Folge das Wasser von der Decke tropfen. Manchmal reichen halt (Selbst-)Ironie, die richtige Portion Satire, ein augenzwinkernder Umgang mit dem Publikum (von Wölfi immer mit "Meine Damen und Herren" adressiert) und natürlich die herrlich sinnbefreiten Texte schon aus, um die mit aufblasbaren Riesenpenissen bewaffnete Menge zu belustigen. Und mit "Sex mit dem Sozialarbeiter", "Mein Gehirn, Dein Gehirn" oder auch "Großes Glied" haben DIE KASSIERER genügend Evergreens in der Tasche, um auch noch in 20 Jahren mit dem gleichen Programm durch die Lande zu ziehen.


22.40 (MS) SUBWAY TO SALLY
Zu den besten deutschen Mittelalter-Rock-Bands gehören SUBWAY TO SALLY schon längst, ihren Platz als Headliner auf der Main Stage hatten sie sich also absolut verdient. Und um dies auch eventuellen Kritikern zu zeigen, gaben sie von Beginn an Vollgas. Sänger Erik Hecht alias Eric Fish gab wieder einmal überzeugend den Front-Derwisch und spielte, wenn er gerade mit seiner unverwechselbaren Gesangsperformance nicht ausgelastet war, eifrig mit dem Feuer. Die zahlreichen Pyro- und Gasflammen-Effekte sorgten alleine schon für einen ungemein hohen Unterhaltungswert, die musikalische Darbietung stand dem aber in nichts nach. Das exzellente Riffing von Haupt-Songschreiber Ingo Hampf, Frau Schmitts Geigenklänge und die Akustikgitarren- und Drehleier-Parts des stets sympathischen Michael "Bodenski" Boden griffen wie gewohnt ineinander und erzeugten einen satten Gesamtklang, dem man auch den ein oder anderen Ausflug in etwas kitschigere Gefilde gerne verzieh. Besondere Beachtung verdiente aber Drummer Simon Michael, der extrem timingsicher für ein solides Rhythmus-Fundament sorgte. Im Mittelpunkt standen die Songs des jüngsten Studioalbums "Schwarz in Schwarz", so dass der ein oder andere Klassiker natürlich ungespielt bleiben musste. Dabei waren es gerade Stücke wie "Mephisto", "Kleid aus Rosen" oder "Ohne Liebe", bei denen die Stimmung am überkochen war und die Musiker von der Bühne herab wahrhaft auf ein "Schwarzes Meer" blicken konnten. In der Ansage zu "Besser Du rennst" animierte Eric Fish die Zuschauer reichlich umständlich zu gleich mehreren kleinen Circle-Pits. Und natürlich durfte auch der obligatorische "Schrei" nicht fehlen. Vielleicht mochten die Zuschauerreaktionen nicht ganz so ausgelassen sein wie bei den APOKALYPTISCHEN REITERN, mitgeklatscht, mitgewippt und mitgesungen wurde aber über den gesamten Raum vor der Bühne hinweg, so dass sich auch SUBWAY TO SALLY eine makellose Performance auf die Fahnen schreiben dürfen.


23:00 (PZ) GHOST BRIGADE
Wie schnell sich die Zeiten doch ändern. Noch vor drei Jahren galten GHOST BRIGADE als absoluter Geheimtipp, damals fanden sich zu später Stunde nur eine Handvoll Fans nebst einiger versprengter Neugieriger zum ersten Summer Breeze-Auftritt ein. Seitdem haben sich die Finnen mit drei außergewöhnlichen Alben ein starkes Standing erspielt, das sich heuer in einem zu mehr als der Hälfte gefüllten Partyzelt niederschlägt. Und wie zu erwarten schlägt die Melange aus brachialen Soundwänden, doomiger Schwere und melancholisch getragener Atmosphäre wie eine Bombe ein. Gleich von Beginn an ist mit dem tonnenschweren "Lost In A Loop" mächtig Groove im Sound. Die Saitenfraktion mosht sich in Trance, die Drums wummern in tiefster Synchronität mit dem Bass, die Luft ist getränkt mit finnischer Düsternis. Besonders der introvertierte Sänger Manne Ikonen hat heute einen perfekten Tag erwischt. Seine Growls trägt er mit Inbrunst vor und bei den gefühlvollen Clean-Vocals zeigt er sich sicher in der Spur, eine Leistung, die er live nicht immer zu bringen vermag. Als Highlight kristallisiert sich das hymnische "Into The Black Light" heraus, das von der Menge mit frenetischem Applaus bedacht wird. Wenn man GHOST BRIGADE an diesem Abend etwas vorwerfen kann, dann dass sie sich lediglich auf ihre letzten zwei Alben konzentrieren und leider keinen Song vom Debut "Guided By Fire" zum Besten geben. Dennoch ein absolut überzeugender Auftritt, dem hoffentlich noch viele weitere auf dem Summer Breeze folgen werden.


00.00 (PS) DEATHSTARS
Wer sich nach Mitternacht vor die Pain Stage verirrte, der mochte sich ernsthaft wundern, in was für eine Freakshow er da bloß geraten war. Doch die Kostümierung der DEATHSTARS passte wie die Faust aufs Auge zur Mischung aus harschen Death Metal-Riffs und elektronischen Industrial-Beats. Kaum zu glauben, dass die Bandmitglieder früher in verschiedenen traditionellen Death und Black Metal-Bands wie DISSECTION und OPHTHALAMIA gespielt hatten. Sänger Whiplasher Bernadotte gefiel sich in der Rolle des verschrobenen Zeremonienmeisters und "Lehrermeisters", der seinen "Schülern" eine Lektion in Sachen "Death-Glam" gab. Sein schräger, staubtrockener Humor machte ihn dabei sofort sympathisch, so dass sich das Publikum bereitwillig vorschreiben ließ, wann es zu jubeln und wann die Klappe zu halten hatte. Dass die Synthie-Effekte aus der Konserve eingespielt wurden, nahm der intensiven Performance nichts von ihrer Durchschlagskraft. Die Gitarristen Nightmare Industries und Cat Casino feuerten eine Riff-Salve nach der anderen ins Publikum ab, während Bassist Skinny Disco seine langen Rasta-Zöpfen wild durch die Luft schleuderte und seinen schlaksigen Körper vor und zurück bog. Und trotz aller elektronischer Härte waren es vor allem die großartigen Melodien und eingängigen Grooves, die im Ohr blieben. Ob "Blitzkrieg", "Cyanide" oder das mit einer Anti-Huldigung an schwedische Girls eingeleitete "Blood Stains Blondes", um Political Correctness scherten sich die DEATHSTARS stets einen Teufel. Erlaubt war eben alles, was unterhält. Und dazu gehörte auch das Spiel mit traditionellen Geschlechterklischees, das sich von den Outfits bis hin zu den Liedtexten im Schaffen der Schweden wiederspiegelte. So gingen Musik und Show stets Hand in Hand und verschmolzen untrennbar zu einer Einheit, die erst in Kombination ihren wahren Reiz entfalten konnte.


00.05 (PZ) EXCREMENTORY GRINDFUCKERS
Um kurz nach Geisterstunde war das proppenvolle Zelt kollektiv reif für die Insel. Die „Headliner der Herzen“, für die die Organisatoren angeblich seit Jahren die Zeltkapazität nach oben schrauben, hatten viel Herzblut in ihre Outfits und die Bühnendeko investiert. Mannshohe aufblasbare Palmen links und rechts neben dem Drumkit, mehrere aufblasbare Äffchen und bunte Tücher in Südseefarben sorgten für ordentlich Karibik-Zauber und die Band überbot sich gegenseitig mit Bad Taste Bermudashorts, Hawaiihemden und sonstiger Strandwear. Sänger Him lag mit seiner Schwimmring-Giraffe samt Taucherbrille, Bademütze und Schnorchel nur um Haaresbreite vor Drummer Christus im gewagten Bikinitop und Blumenkette. Zum Smasher „Crack“ bretterten sie an die 50 exklusive EXCREMENTORY GRINDFUCKERS-Wasserbälle in die Fan-Wogen, mit denen das Volk noch lange Spaß hatte. Die Band richtete aber auch mal kritisch das Wort an die Fans: „Sagt mal, ihr seid so ruhig, sind wir hier auf dem Wacken, oder was?“. Als die Band nach 45 Minuten schließlich zum abschließenden „Final Grinddown“ ansetzte gabs noch ne Ladung Gratisshirts für die vorderen Reihen und es war klar, auch der dritte Besuch der liebenswerten Grindchaoten kann nur als Siegeszug verbucht werden! Und großzügig, wie man sie kennt, wanderte die komplette Insel-Deko zum Ende der Show ins Publikum.


01.15 (PZ) IN SOLITUDE
Als allererste Amtshandlung, noch bevor irgendwelche Instrumente auf die Bühne getragen wurden, installierten die Schweden erst mal massig Räucherstäbchen an den Monitorboxen und legten für Uneingeweihte wohl erst mal eine ganz falsche musikalische Fährte. Die Fläche vor der Bühne war im Gegensatz zu den vorher bei den EXCREMENTORY GRINDFUCKERS anwesenden Massen natürlich nur spärlich gefüllt, aber als die Bühne betrat, spürte man sofort, dass die es wissen wollen. Als dann kurz darauf der bleich geschminkte Sänger Hornper auf die Bühne preschte explodierte die ganze Band und spielte in der Folge, als ob es mindestens um ihr Leben, wenn nicht gar einen Majordeal ginge. Die nächtliche Heavy Metal-Mahlzeit schmeckte den Anwesenden dann auch ganz wunderbar, in den ersten Reihen gabs mehr und mehr Bewegung und auch die Band ließ keinesfalls nach. Warum Herr Hornper aber nen präparierten Fuchs um den Hals hatte, bleibt wohl sein Geheimnis. Angenehme Überraschung, Daumen hoch!


02.20 (PZ) FARSOT
Zu später Stunde fielen die Temperaturen dann selbst im Partyzelt merklich, sodass es bei FARSOT doch schon recht kalt war. Doch die ausharrende Fangemeinde freute sich merklich auf die Band und im Grunde wars das perfekte Setting für den Avantgarde Black Metal der Thüringer. Auch ihre überlangen Stücke - bei vierzig Minuten Spielzeit standen neben dem Intro gerade einmal drei Songs auf dem Programm – versprühen eine unter die Haut gehende Kälte. Ebenso schien sich warmzutanzen weder für die Band, noch für das Publikum eine Option zu sein. Die Mucker waren vertieft in ihrem jeweiligen Instrument, während Sänger 10.XIXt (sic!) sich stoisch bangend an seinen Mikroständer hielt. Die Musik wirkte auch ohne große Show und zog wirklich alle Anwesenden in ihren Bann. Der aufbrandende Jubel nach den Songs und die Zugabe-Rufe am Ende waren ein guter Indikator für den nachhaltigen Auftritt von FARSOT.


03.20 (PZ) THE ROTTED
Wer sich im Anschluss an FARSOT immer noch auf den Beinen halten konnte, wurde dann von den Horror-affinen Briten von THE ROTTED, die vor 2005 noch unter dem Namen GOREROTTED ihr Unwesen trieben, endgültig niedergestreckt. Ganze elf Mal wurde das Gore Grind/ Brutal Death Metal Hackebeil mit Genuss geschwungen. Mal unterlegt von einem straighten D-Beat Rhythmus, ein andermal von präzisen Double-Bass-Salven oder wahlweise einem British-Hyper-Blast-Massaker. Vor allem Sänger Ben Goreskin zeigte sich sehr agil, publikumsnah und, ganz im Gegensatz zu den bluttriefenden Texten und seinem entfesselten Stageacting, ziemlich freundlich. Verteilte eine Flasche mit einem undefinierbarem lila Getränk an die letzten Kampftrinker und freute sich über den regen Zuspruch des Publikums. Das schraubte sich bis Ultimo die Rübe ab und feierte auch den zum ersten Mal live gespielten neuen Song „Rotted Fucking Earth“, obwohl dieser deutlich mehr in Richtung Punk geht als das restliche Material der Briten.



Freitag, 17.08.2012

11.00 (PS) THE FORESHADOWING
Dass es heute wieder heiß werden würde, hatte der Wetterbericht schon verlauten lassen. Nach dem gestrigen Regen und der doch empfindlich kalten Nacht eine willkommene Wetterbesserung. Leider hatten sich zum Auftritt der Römer noch nicht wirklich viele Besucher vor die Bühne der Pain Stage verirrt. Es dauerte auch eine ganze Weile bis sich die ersten Reihen füllten, um den epischen Hymnen im Fahrwasser von Candlemass und älteren Anathema zu folgen. Einfaches Spiel hatten die Jungs aus Italien leider trotzdem nicht mit den eher getragenen Songs, die zwar technisch und stimmlich brillant vorgetragen wurden, aber nicht wirklich ein Feuer in der aufkommenden Mittagshitze entfachen wollten. Auch wenn sich die Band redlich mühte, gab es nur dezenten Beifall von den vorderen Rängen, was angesichts der wirklich starken Songauswahl sehr schade war. Selbst beim finalen "Havoc" blieben die Publikumsreaktion eher verhalten. Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass viele Besucher noch Nachwehen vom Vorabend hatten. Wer die Italiener aber kennt, weiss, dass THE FORESHADOWING auf Clubebene eine sichere Bank sind und für ein emotionales Hörerlebnis stehen. Nichtsdestotrotz sei jedem der mittlerweile dritte Longplayer "Second World" an Herz gelegt, der auch zuhause wunderbar funktioniert.


11.35 (MS) ROTERFELD
Wie schon seine italienischen Nachbarn musste auch der Österreicher Aaron Roterfeld mit der Kombination aus frühe Stunde meets stechender Planet fertig werden und notgedrungen gute Miene zum bösen Spiel machen. Teilweise befanden sich nämlich mehr Zuschauer auf dem großen Balkon der Main Stage, als vor derselben – weil zur ROTERFELD-Showtime gerade das Kinder-Ferienprogramm der Stadt Dinkelsbühl dort vorbeischaute. Schade an sich, denn der stampfende Düsterrock im Fahrwasser von HIM und Konsorten in Kombination mit dem engagierten Auftreten der Band, hätte vor größerer Publikumskulisse bestimmt gut funktioniert. So half aber alles Posen des „Falco des Düsterrock“ nichts; er und sein Team nahmen es aber gelassen und hatten trotzdem Spaß auf der Bühne. Spieltechnisch war auch alles bestens, sogar die Gesangsparts der schmucken Keyboarderin saßen perfekt und besonders der Bassist im Schotenrock zeigte sich sehr bewegungsfreudig.


12.10 (PS) BLEED FROM WITHIN
Die junge Band aus Glasgow gab von Anfang an gleich gewaltig Vollgas, und Einflüsse von THE BLACK DAHLIA MURDER und AS I LAY DYING waren nicht zu überhören. Damit trafen die Schotten auch treffsicher den Nerv der angesichts der doch frühen Stunde zahlreich versammelten Fans, welche gleich voll einstiegen und kräftig abfeierten. BLEED FROM WITHIN zeigten sich sehr spielfreudig, und in Sachen leidenschaftlicher Darbietung stach vor allem Frontmann Scott Kennedy hervor, welcher sich sprichwörtlich die Seele aus dem Leib brüllte, während seine Mitstreiter die langen Mähnen kreisen ließen. Der Deathcore präsentierte sich bei genauerem Hinhören als doch recht abwechslungsreich, groovige Midtempo-Parts wechselten mit mächtigen, melodischen Abschnitten, um sogleich mit brachialen Breakdowns alles niederzuwalzen. Die Fans ließen sich von dem derben Core mitreissen, was sich in diversen Circle-Pits und einer Wall Of Death zeigte. Und wer kurz "5 Minutes Alone“ von PANTERA anspielt, hat sowieso schon gewonnen.


12.50 (MS) DEW-SCENTED
Waren bei BLEED FROM WITHIN hauptsächlich sehr junge Fans am Start, erhöhte sich der Altersdurchschnitt im Publikum bei den nachfolgenden DEW-SCENTED, deren Alben immer mit einem "I" beginnen, doch ein wenig, kann die Band doch auf eine treue, langjährige Anhängerschaft zurückgreifen. Mitnichten weniger aggressiv, und qualitativ nochmals gesteigert, überzeugten die Mannen um Leif Jensen mal wieder vollends und präsentierten allerfeinstes Thrash-Gebolze – da blieb kaum Zeit zum Verschnaufen! Gnadenlos holzte sich die sympathische Band laut, schnell und rau durch ihre starken Death-Thrash-Abrissbirnen mit den kraftvollen Riffs und passend eingestreuten Melodiebögen, dazwischen sorgte Leif durch witzige und freche Ansagen für einige spaßige Momente. Viele Fans grunzten die Stücke mit oder moshten im Pit, als gäbe es keinen Morgen mehr. Wenn die Nordlichter eines an diesem Mittag ganz sicher beherrschten, so war es das weitere Anheizen der Menge vor der Bühne, was angesichts der mitreißenden, präzisen und fesselnden Performance auch kein Wunder war!


13.35 (PS) MYSTIC PROPHECY
Während die Sonne erbarmungslos vom Himmel brannte, wurde es endlich Zeit für eine amtliche Portion typisch europäischen Power Metals. Sieben Alben haben MYSTIC PROPHECY bereits veröffentlicht, die Setlist wurde jedoch von der aktuellen Scheibe "Ravenlord" dominiert. Die Mannen um den griechisch stämmigen Sänger Roberto D. Liapakis lieferten eine tadellose Leistung ab, die nur von gelegentlich etwas gekünstelt wirkenden Ansagen unterbrochen wurde. Die Fans störte dies jedoch nicht, obwohl die Mittagshitze alle etwas träge hatte werden lassen und nur wenige überhaupt den Weg vor die Bühne gefunden hatten, bedachten diese die Musiker mit freundlichem Applaus. Erfreulich ernsthaft konnte das Songmaterial auch anspruchsvollere Gemüter zufriedenstellen und wich entscheidend genug vom tradierten Power Metal-Schema ab, um über eine Existenzberechtigung zu verfügen. Zwischen merklich düstereren Bands wie DEW-SCENTED und CROWBAR bildeten MYSTIC PROPHECY somit einen erfreulich bunten musikalischen Farbklecks.


14.25 (MS) CROWBAR
Gleich mehrfach hatte Mastermind Kirk Windstein in der Vergangenheit seine Teilnahme am Summer Breeze wieder absagen müssen, aber wie sagt man so schön? Was lange gärt, wird endlich Wut, oder so ähnlich. Spätestens als das Backdrop im aktuellen Albumdesign im Bühnenhintergrund platziert wurde, war es den gespannt Wartenden klar, dass es diesmal wohl wahr werden würde mit dem ersten Auftritt von CROWBAR in Dinkelsbühl. Mit einem fast schon ZZ-TOPwürdigen Bart stapfte der kompakte Windstein ans Mikro, begrüßte kurz das Volk und startete dann trocken aber höchst effektiv in eine 45minütige Lehrstunde, die eindrucksvoll unterstrich, warum diese Band seit Jahren eine Ausnahmestellung in der Metalwelt einnimmt – was sich auch ganz gut an den vielen prominenten Zaungästen am Bühnenrand ablesen ließ. Am heutigen Tag passte aber auch wirklich alles für die Band, zum perfekten Sound kam eine schlafwandlerische Sicherheit im Zusammenspiel, so dass selbst komplizierte Parts wie in „New Dawn“ ihre volle Durchschlagskraft entwickeln konnten. Zwischen den Songs, die gekonnt sowohl aus sehr frühem, als auch aktuellem Material zusammengestellt wurden, forderte Kirk immer wieder Publikumsreaktionen, die er auch prompt bekam. Höhepunkt in einem durchweg starken Set, war wohl das gänsehautprovozierende „Planets Collide“.


15.15 (PS) MONO INC.
Bei ihrer letzten Visite beim Summer Breeze waren sie noch Opener auf der Main Stage und dieses Jahr haben sie sich schon ins Nachmittagsprogramm vorgearbeitet. Völlig zu Recht, denn vor der Pain Stagen hatte sich die seither größte Menschenmenge des Tages eingefunden, die schon vor Beginn des Auftritts den Bandnamen skandierten. Fronter Martin Engler und sein Team hatten sich aber auch sichtlich Mühe gegeben und nichts dem Zufall überlassen: hinter der Band prangte ein großes Banner mit ihrem Schriftzug und neben dem Arbeitsplatz von Drummerin Katha standen kompakte LED-Wände, die im Laufe der Show so einiges her machten. Beim Titelsong ihres an diesem Tag veröffentlichten neuen Albums „After The War“ kamen dann auch erstmals die effektvollen Feuerbälle zum Einsatz, die zwei unscheinbare Maschinchen an der vorderen Bühnenkante von sich gaben. Langweilig wurde es also beileibe nicht bei MONO INC., nach dem vierten Song verließ aber mal die komplette Band die Bühne und nur der Fronter blieb mit einem Hocker und einer Akustikgitarre zurück. Darauf spielte er dann „Passenger“ von IGGY POP an, animierte das Publikum zum Mitsingen des komplizierten Refrains („Der Text ist La!“) und verhöhnte sie dann ein paar Mal, bis ihm die Gesänge laut genug waren – gewisse Entertainerqualitäten kann man dem Mann nicht absprechen, die Fans fraßen ihm quasi aus der Hand und ließen sich sogar willig diktieren, wann sie wie zu klatschen hatten. Man muss kein Prophet sein, um der Band eine erfolgreiche Zukunft vorher zu sagen, und bei einem eventuellen nächsten Besuch auf diesem Festival, werden sie wohl ohne Tageslicht auskommen müssen.


15.00 (PZ) ESKIMO CALLBOY
Wenn eine Band auf dem diesjährigen Summer Breeze den Begriff polarisierend verdient hat, dann sind es wohl die Jungs von ESKIMO CALLBOY. Deren Debut "Bury Me In Vegas" sorgte in der Metalszene für viele kontroverse Diskussionen, Online-Magazine wurden mit einer regelrechten Kommentarflut überschwemmt, das FUZE bezeichnete die Musik jüngst als extrem frauenfeindlich, aber irgendwas muss eben doch dran sein an dem Ganzen, denn die Verkaufszahlen und Buchungen sprechen nun mal eine deutlich Sprache. So verwundert es auch nicht, dass sich an diesem sonnigen Nachmittag hunderte von Zuschauern vor der Zeltbühne versammelt hatten und auch die Pressegallerie prall mit Interessierten gefüllt war. Nach einem kurzen Techno-Intro schossen die sechs dann in bester Partylaune und mit den passenden Outfits auf die Bühne um zu beweisen, dass man auch live etwas auf dem Kasten hat. Schon zu Beginn heizte man mit Wasserflaschen, die ins Publikum gesprüht wurden die Stimmung an, Elektro-Sounds, die wohl die meisten an SCOOTER erinnerten, trafen hier auf beinharte Gitarren, gegrunzte wie auch cleane Vocals und natürlich haufenweise Ohrwurm-Melodien. Spätestens nach dem Opener "Is Anyone Up" war auch beim Letzten die Skepsis verflogen, denn hier war die Party voll im Gange. Bei der guten Stimmung sah man auch gerne über den ein oder anderen schrägen Ton hinweg, den Fronter Sushi von sich gab, von den schreienden Mädels in der ersten Reihe bis zum harten Moshpit, der sich fast über die komplette Breite des Zeltes erstreckte, war hier alles zu sehen. Das Publikum wollte feiern und es wurde mehr als ordentlich bedient. Songs wie "Kerosene Dance" oder "Muffin Pupergurk" brachten die Stimmung immer mehr zum Kochen und die Ordner mussten sich ohne Pause um die Crowdsurfer kümmern. Passend zum letzten Song "California Girls", übrigens ein Cover eines Katy Perry Songs, holte man sich dann noch eine hübsche Begleiterin aus dem Publikum auf die Bühne, um gemeinsam den Refrain zum Besten zu geben. Über den Sound lässt sich streiten, dass die Jungs aber alles gaben um hier eine fette Show hinzulegen, ist keine Frage.


15.55 (PZ) HELHEIM
Sie zählen zu den Urgesteinen des Viking Metal: HELHEIM, bereits seit 20 Jahren aktiv, haben sie dieses Genre entscheidend mitgeprägt. Das Zelt war recht gut gefüllt, als die Krieger in Kettenhemden zu den Klängen des Intros die Bühne betraten, um in die Schlacht zu ziehen. Mit Vehemenz hämmerten die norwegischen Wikinger ihren wilden, wuchtigen Viking Black Metal ins Zelt, mit herrlich nordisch-klirrend sägenden Gitarren und harschem Kreischgesang. Dabei präsentierten HELHEIM ihr Material mit hohem technischen Anspruch, so wurden nicht nur die folkloristischen Elemente auch live perfekt dargeboten, auch ihr auf Platte vorherrschendes feines Gespür für Dynamik, wie bspw. die halbakustischen Parts mit Klargesang, gaben die Nordmannen nahezu in Perfektion zum Besten. Bei aller Musikalität stach auch das dominante, sehr wilde Auftreten der Band hervor, wahre Kriegernaturen eben. Dazu passten auch die eingespielten Samples hervorragend, welche ebenfalls zur kriegerischen Atmosphäre mit beitrugen. Auch das Publikum gab Vollgas, und als letztendlich Bassist V’gandr auch noch mit seinem Instrument spielend im Moshpit unter den Fans auftauchte, gab es sowieso kein Halten mehr. Eine siegreiche Schlacht!


16.05 (MS) UNEARTH
Die Metalcore Veteranen von UNEARTH beehrten das Summer Breeze dieses Jahr zum ersten Mal. Mit „Darkness In The Light“ haben die Amis auch ein aktuelles Album in der Hinterhand, das durch die Bank gutes Feedback einheimste und den Slot am Nachmittag auf der Mainstage mehr als rechtfertigte. UNEARTH sind ohnehin nicht gerade oft in unseren Breitengraden unterwegs und deshalb war es umso schöner, sie hier auf der großen Bühne zu sehen. Das dachten sich offensichtlich ein Menge Menschen und der Platz vor der Mainstage war folglich proppenvoll. Bereitwillig ließen sich die Pitvernarrten von Sänger Trevor Phipps zu physischen Verrenkungen der Extra-Klasse anstacheln. Doch dieser bekam nie genug und forderte immer noch mehr Circle-Pits. Bei der zu dieser Zeit knallenden Sonne durchaus Extremsport. Aber auch die Saitenhexer auf der Bühne blieben nicht eine Sekunde still stehen und rissen ebenso einiges an Kilometern runter. Da kam gegen Ende des schweißtreibenden Sets die Abkühlung aus den Feuerwehrschläuchen der Security genau richtig. Die Band darf gerne wieder mal vorbeischauen!


16.30 (CS) BLACK SHERIFF
In der knalligen Mittagssonne hatten BLACK SHERIFF an diesem Freitag die Aufgabe auf der Camel Stage die Leute zu unterhalten die fernab von Main und Pain Stage Entspannung suchten und sich im kleinen Kreis gut unterhalten lassen wollten. Trotz der wenigen Zuschauer, die allerdings immer wieder mit "Black Sheriff, Black Sheriff!!"-Rufen die Stimmung aufheizten, gab man sich keine Blöße. Der Vierer bot mit seinem an die Australier Airbourne erinnernden Gitarrenrifs, der rauchigen Stimme des Fronters Glen Ravioli und den nach vorne peitschenden Drums eine durchweg solide Show, wenn sich zwischen den Hauptacts die Ränge vor der Camel Stage etwas mehr füllten wurde auch immer wieder zum Mitklatschen und Mitsingen der eingängigen Refrains animiert, hier und da gab es zur Belohnung dann auch mal eine Bierdusche. Vor allem der Song "We Want You" fand anscheinend Anklang, denn hier blieben auch Zuschauer vor den Gattern stehen um sich anzusehen wer hier so viel Stimmung macht. Die Mittagsunterhaltung war also gesichert, und pünktlich mit der Sonne verabschiedeten sich dann auch BLACK SHERIFF dankend von ihren Fans.


16.50 (PZ) TOXIC HOLOCAUST
Nach MUNICIPAL WASTE am Mittwochabend hatten sich die Fans des Old School Thrash Metal wohl auch die Show von TOXIC HOLOCAUST ganz fett rot im Kalender markiert. Zwar war das Zelt nicht wirklich prall gefüllt, wer sich aber bewusst gegen die parallel aufspielende Konkurrenz aus UNEARTH und NILE entschieden hatte, war auch Fan der Band aus Portland, Oregon. Die zeigte sich nicht nur stilistisch sehr puristisch, sondern verzichtete auch auf ein Backdrop oder sonstigen Dekoschnickschnack, let the Thrash-Keule do the Talking! Und die Keule kreiste vom ersten bis zum letzten Ton, Sänger und Gitarrist Joel Grind zelebrierte seine Songs mit seinen zwei Kollegen im perfekten Zusammenspiel und besonders Drummer Nick Bellmore holte aus seinem Mini-Drumkit das Maximum heraus. Es war eine Freude den Gig der Band zu verfolgen und im Publikum floss der Schweiß in Strömen.


17.10 (PS) NILE
Zeit für erhabene Klänge: Die Ägyptologen NILE luden vor die Pain Stage, um ihre ganz eigene Vision des Death Metals zu zelebrieren, und Tausende Fans erwarteten nichts anderes als ein weiteres Live-Highlight der Todesblei-Maschine. Gnadenlos mächtig und brutal, dabei mit präziser Urgewalt knallten NILE ihre Stücke mit einer massiven Soundwand von der Bühne. Und dabei gelang es den Amis, trotz aller Härte dennoch, die facettenreichen melodischen Details ihrer Musik perfekt darzubieten. Der Auftritt hatte die Atmosphäre einer mythologischen Zeremonie, dazu passte auch, dass Ausnahme-Schlagzeuger George Kollias mit geschlossenen Augen lässig wie in Trance schnellste Blast Beats in absoluter Präzision runterhämmert, als sei dies die einfachste Sache der Welt. Mit ihrer beinahe greifbaren Spielfreude und ihrem zerstörerischen, technisch hochwertigem Death Metal Marke Desert Storm sorgten NILE für massenweise Bewegung im Publikum. Besser kann man komplexen, aber messerscharfen Metal nicht spielen!


17.50 (PZ) BLACK SUN AEON
BLACK SUN AEON stehen für melancholischen Metal der Extraklasse. Nach 2009 zum zweiten Mal Gast auf dem Summer Breeze, gab es auch zum Jubiläum eine intensive Schleichfahrt durch tonnenschwere Riffs und beklemmende Finsternis. Tuomas Saukkonen, hauptamtlich tätig bei BEFORE THE DAWN hat mit BLACK SUN AEON ein Projekt aus der Taufe gehoben, dem sich kein Freund des traurigen, schweren Metal entziehen kann. Genau dieses Publikum hatte sich am frühen Abend im Zelt versammelt und erwartete gespannt den Auftritt der Formation. Was könnte diese Band falsch machen? Heute bestimmt nichts, denn das Potpourri aus den bisherigen Veröffentlichungen schlug im Rund ein wie eine Bombe. Bis in die hinteren Reihen kreisten die Matten. Mit stoischer finnischer Gelassenheit fielen die Ansagen zwar spärlich aus, umso elektrisierender waren dann aber Song wie "Solitude" und das grandiose "Oblivion". Reichlich Unterstützung gab es am Mikro von Janica Lönn, die nicht nur optisch überzeugte, sondern auch perfekt mit den Growls der Gitarrenfraktion harmonierte. BLACK SUN AEON waren eine Gänsehauterfahrung, die bis zur letzten Note anhielt. Großartiger Auftritt der Band um den "Dirigenten" Tuomas Saukkonen.


18.05 (MS) JASTA VS. WINDSTEIN
Eine Weltpremiere auf dem Summer Breeze, das sieht man nicht oft. Dieses Jahr gaben sich Jamey Jasta, der durch HATEBREED, sein eigenes Projekt JASTA und dutzende Kooperationen mit anderen Bands eine nicht mehr wegzudenkende Hardcore-Ikone wurde, und Kirk Windstein, seinerseits Mitglied von DOWN und CROWBAR (die übrigens nur wenige Stunden vorher auf der gleichen Bühne standen), die Ehre in einem gemeinsamen Auftritt alte Klassiker und aktuelle Songs zu präsentieren. Die beiden kannten sich ja bereits nur zu gut aus der vorangegangenen Arbeit in der gemeinsamen Band KINGDOM OF SORROW, und enterten um kurz nach sechs die Bühne um dem Publikum eine gepflegte Portion Hardcore, Metal und Doom zu servieren. Scheinbar hatte die heiße Mittagssonne einige Besucher mürbe gemacht, denn vor der Mainstage hatten sich nicht so viele eingefunden wie noch zuvor bei UNEARTH. Wer Jasta aber kennt weiss, dass dieser Mann einfach immer powern kann, dementsprechend gut war auch die Stimmung in den ersten Reihen. Kirk Windstein steuerte seine Gitarren- und Gesangsarbeit zu den ersten zehn Songs bei, während Jamey Jasta immer wieder zu neuen Mosh-Actions wie zum Beispiel einem riesigen Circle Pit aufrief. Dem wurde gerne Folge geleistet, so richtig wild wurde es aber erst als Songs vom aktuellen Werk JASTA und die alten HATEBREED-Klassiker vorgetragen wurden. Herr Windstein betrachtete das Geschehen gelassen vom Bühnenrand und versorgte derweil das Publikum mit Massen an zugeworfenen Bierdosen. Überhaupt war die Stimmung auf der Bühne von viel Spaß und freundschaftlichem Miteinander geprägt, es wurde viel gelacht zwischen den Songs und auch die Moshpit-Fetischisten gaben sich diesem Unity-Gedanken gerne hin. Den krönenden Abschluss bildete dann aber das HATEBREED-Fans wohlbekannte "I Will Be Heard", hier wurde nochmal aus vollem Halse mitgegröhlt. Und so bot sich trotz der nicht ganz so riesigen Menge eine tolle Stunde mit Songs Queerbeet durch die Geschichte der zwei Größen Jasta und Windstein.


18.50 (PZ) HEIDEVOLK
Was im ersten Moment lediglich nach schlechtem Deutsch klang, entpuppte sich tatsächlich als Holländisch. Denn die Niederländer HEIDEVOLK sangen ausschließlich in ihrer Muttersprache und thematisierten dabei die germanische Geschichte und Kultur. Die eigentliche Besonderheit des Sextetts stellte jedoch der zweistimmige Leadgesang von Mark Splintervuyscht und Joris Boghtdrincker dar. Dieser verlieh den im Kern nach FINNTROLL, ENSIFERUM und Konsorten tönenden Stücken ein gerüttelt Maß an Eigenständigkeit. Im Partyzelt kam diese Mischung jedenfalls hervorragend an und brachte Bewegung in die gesamte vordere Hälfte des Zuschauerraums. Mit "Een Nieuw Begin" und "De Toekomst Lonkt" präsentierten HEIDEVOLK zwei Stücke vom aktuellen Album "Batavi", der Rest des Sets bot einen repräsentativen Querschnitt durch die Diskografie der Band, sowie mit "Vulgaris Magistralis" ein launiges Cover ihrer Landsleute NORMAAL. Da war es schwer beeindruckend, mit welcher Inbrunst die Menge vor der Bühne den Ohrwurm-Refrain weiterskandierte, als die Band bereits längst aufgehört hatte zu spielen.


19.10 (PS) SIX FEET UNDER
Nach wie vor zählen SIX FEET UNDER zu den absoluten Größen des Death Metals. Davon konnten sich die zahlreichen Fans vor der Bühne beim mittlerweile dritten Besuch der Todesblei-Institution aus Florida auf dem SUMMER BREEZE überzeugen. Hingucker war wie immer natürlich Chris Barnes, mit seinen gewaltigen Rastalocken und einem der wohl immer noch geilsten Brüllorgane dieses Planten. Bei massivem Sound groovten und grunzten SIX FEET UNDER unerbittlich und gleichzeitig eingängig alles in Grund und Boden, wozu auch die gnadenlose Setlist mit Evergreens wie "Human Target" oder das kultige "Hammer Smashed Face" (CANNIBAL CORPSE Cover) beitrugen. Es war wieder einmal erstaunlich, wie Chris selbst in fortgeschrittenem Alter einerseits ultratiefe Growls und Pig-Squeals anderseits total locker hinbekam, und dabei noch energisch seine Matte schüttelte. Noch erstaunlicher war allerdings die Anzahl der Crowdsurfer, die im Sekundentakt im Fotograben von den freundlichen Grabenschlampen (der einzigartigen Summer Breeze-Security) empfangen wurden. Und spätestens beim abschließenden AC/DC Cover "T.N.T." stand sowieso das komplette Summer Breeze Kopf.


19.50 (PZ) BEFORE THE DAWN
Obwohl sie in den vergangenen dreizehn Jahren stolze sieben Alben veröffentlicht hatten, verströmten BEFORE THE DAWN eine unverbrauchte Frische, die an einen brandheißen Newcomer gemahnte. Dazu trug nicht nur das jugendliche Aussehen der Musiker - allen voran Bassist Pyry Hanski - bei, sondern auch der mitreißende und angenehm frische Melodic Death-Sound. Statt mit modernen, Industrial- oder Core-Einflüssen bereichern die Finnen ihren Sound um eine melancholische, eher gotisch anmutende Note und fallen damit leicht aus dem von andern Genre-Vertretern abgesteckten Rahmen. Dass man sich vor etwas über einem Jahr von Lars Eikind getrennte hatte, erwies sich letztlich nicht als Nachteil, denn die Growls von Tuomas Saukkonen waren stark genug, um auch ohne einen cleanen Gegenpart zu begeistern. Der Großteil des gespielten Materials stammte vom aktuellen Longplayer "Rise Of The Phoenix", dagegen wurde mit "Unbreakable" nur ein echter Klassiker ausgepackt. Und obwohl die hintere Hälfte des Partyzelts fast komplett leer blieb, hatten die Fans im vorderen Teil großen Spaß an der engagierten und energiegeladenen Show. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass dieser Band noch Großes bevorstehen könnte.


20.15 (MS) WITHIN TEMPTATION
Mögen Kritiker die holländischen Symphonic-Metaller auch als Nightwish-Klonband verunglimpfen, so konnte man sich zur besten Prime-Time auf der "Main Stage" davon überzeugen, dass WITHIN TEMPTATION längst einen ganz anderen Weg eingeschlagen haben. Das jüngste Studio-Album "The Unforgiving", das knapp die Hälfte der Setlist ausmachte, atmete ein bemerkenswertes 80er-Jahre-Stadionrock-Flair und basierte auf einer Comicbuch-Serie von Steven O'Connell und Romano Molenaar. Um die starke visuelle Komponente auf der Bühne angemessen umzusetzen, setzten WITHIN TEMPTATION auf eine gewaltige Video-Wand, über die ständig professionell produzierte Film-Einspielungen flimmerten. Direkt darunter thronten auf einem Podest Drummer Mike Coolen und Keyboarder Martijn Spierenburg und bekamen immer wieder Gesellschaft von den Gitarristen oder ihrer Frontlady. Nach Bandkopf Robert Westerholt hielt man hingegen vergebens Ausschau. Der glatzköpfige Gitarrist hatte seinen Posten als Live-Musiker an Stefan Helleblad übergeben, um sich selbst um die drei gemeinsamen Kinder mit Sängerin Sharon den Adel zu kümmern. Der Neue lieferte einen tadellosen Job ab, wie auch die gesamte Band sich in guter Form präsentierte. So wurden Augen und Ohren gleichermaßen gut bedient und durften eine extrem professionelle Show erleben, bei der es auch nicht negativ ins Gewicht fiel, dass der männliche Gesangspart in "What Have You Done" nicht live gesungen wurde, sondern als Audio- und Videoeinspielung von Keith Caputo hinzugefügt wurde. Dass WITHIN TEMPTATION dem Summer Breeze schon lange verbunden sind, zeigte sich darin, dass sie als besonderes Schmankerl die schon seit langem nicht mehr gespielte Akustik-Ballade "Neverending Story" darboten. Anschließend fand die Show ihren krönenden Abschluss mit dem unvermeidlichen "Mother Earth", bei dem man von der Bühne herab auf ein schier endlos erscheinendes Meer aus hin und her wogenden Armen blicken und sich einer Gänsehaut kaum erwehren konnte.


20.50 (PZ) INSOMNIUM
Gleiche Stelle, gleiche Welle? Naja, nicht ganz, denn immerhin betraten INSOMNIUM die Partystage eine ganze Stunde später als bei ihrem letzten Gig anno 2010. Ansonsten grüßte das sprichwörtliche Murmeltier jedoch tatsächlich. Auch vor zwei Jahren bildeten INSOMNIUM einen finnischen Doppelblock (damals mit TRACEDAWN, heute mit BEFORE THE DAWN) und auch performancetechnisch stand das Quartett seiner Leistung in nichts nach. Noch vor Anpfiff wurden INSOMNIUM von der zahlreich erschienen Menge mit Applaus bedacht und die Vorschusslorbeeren waren allemal gerechtfertigt. Die Mischung aus traditionell finnisch geprägtem Death Metal, weit ausladenden Melodieteppichen und Melancholie kam an diesem noch jungen Abend bestens an. Eines der Highlights der Show fand bereits gleich zu Beginn statt: kurz vor seinem Auftritt mit DARK TRANQUILLITY auf der Pain Stage gab sich deren Fronter Mikael Stanne die Ehre und intonierte zusammen mit Niilo Sevänen "Weather The Storm". Und das Sympathiepunktekonto stieg weiter. Die Leads in "The Killjoy" kamen perlend klar und saftig und während des hymnenhaften "Through The Shadows" schnellten die Pommesgabeln zu hunderten in die Höhe. Astreiner Auftritt einer Band, die mittlerweile höhere Weihen verdient hätte.


21.35 (PS) DARK TRANQUILLITY
Ein absolutes Muss auf der Pain Stage war die hochenergetische Show der Melodic Death-Mitbegründer DARK TRANQUILLITY. Der mit einer gewaltigen Ausstrahlungskraft und einer großartigen Stimme gesegnete Frontmann Mikael Stanne hatte das Publikum fest im Griff und führte einen bunten Reigen an mitreißenden Hymnen an, die vom Publikum begeistert mitgesungen und beklatscht wurden. Für eine dichte Atmosphäre sorgten die sparsame Bühnenbeleuchtung und die düsteren Projektionen auf einer großen Leinwand im Bühnenhintergrund. Diese unterstrichen die leicht morbiden und psychotischen Momente, die jeder Komposition der Göteborger innewohnen. Einen großen Reiz schöpften die Songs aber auch aus dem perfekten Zusammenspiel von bratenden Riffs, kraftvollem Gesang und nie übertrieben wirkenden Keyboard-Einsprengseln. Wer der Meinung war, dass Musik mit Synthie-Sounds stets zu soft klingen und ins Kitschige abdriften muss, konnte sich hier von Tastenmann Martin Brändström eines Besseren belehren lassen. Im Falle von DARK TRANQUILLITY erhöhte das elektronische Tasteninstrument den Härtegrad der Stücke eher noch, als ihn abzuschwächen. Mitreißend, gewaltig und stets auf den Punkt gespielt - wer nicht Zeuge dieses Auftritts wurde, verpasste ein definitives Highlight des gesamten Festivals. Besonders die Stücke von den beiden letzten Alben "We Are The Void" und "Fiction" sorgten für beste Laune und wurden von zahlreichen Crowdsurfern begleitet. Aber auch der "Projector"-Kracher "ThereIn" und "Final Resistance" standen dem in nichts nach. Nach einer unglaublich intensiven Stunde Spielzeit fand der Auftritt schließlich im überragenden "The Fatalist" seinen krönenden Abschluss und hinterließ zahlreiche erschöpfte, aber glückliche Gesichter.


21:35 (CS) OHRENFEINDT
Das Kontrastprogramm zum Zelt, das am Freitag Abend hauptsächlich von ziemlich harten Bands beackert wurde, boten wohl OHRENFEINDT auf der Camel Stage. Simpler, erdiger Rock, der starke AC/DC-Schlagseite hatte und mit deutschen Texten vorgetragen wurde, funktioniert eigentlich immer gut beim partywilligen Volk. Und wenn man dann noch einen so charismatischen Sänger wie Chris Laut am Mikro hat, kann nichts mehr schief gehen. Mit gekonnten Entertainereinlagen führte er durch die jeweiligen Blöcke. Songs mit Titeln wie „Rock'n'Roll Sexgott“, „Harley-Luja“ oder „Motormädchen“ brauchten aber auch keine großen Ansagen und sprachen für sich. Doch nicht nur „Vollgasrock“, wie OHRENFEINDT ihre Musik selber nennt, wurde geboten, sondern auch nachdenklichere Rock-Balladen waren m Angebot, was bei der sonstigen Beschallung im Zelt einen angenehmen Kontrast erzeugte. Die St. Paulianer gehörten sicherlich mit zu den diesjährigen Abräumern auf der Camel Stage.


21.55 (PZ) KRISIUN
Als nächstes war hyperaktiver Death Metal angesagt, denn Brasiliens Todesgeschwader Nr. 1, KRISIUN, waren am Zug! Es gibt einfach Dinge, die sich wohl nie ändern werden, und dazu zählt die immer brutale und gleichzeitig doch sehr filigrane Musik dieses famosen Trio Infernale. Die drei Brüder legten sich voll ins Zeug und zeigten den zahlreichen Fans im Zelt ihr Können, und zwar in Form von massivem, intensiven Death Metal erster Güteklasse. Kompromisslos holzten sich die Brasilianer auf spielerisch sehr hohem Niveau durch ihr Set, wobei vor allem die unglaublich präzise und anspruchsvolle Arbeit am Schlagzeug beeindruckte. Drummer Max Kolesne bearbeitete sein Schlagwerk mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit, an welcher sich ein Großteil seiner Kollegen die Zähne ausbeißen würde, und das alles so unfassbar entspannt und gelassen. KRISIUN schafften es trotz aller technischen Finesse, eingängig zu klingen und es nicht an Durchschlagskraft missen zu lassen, diese Band ist live einfach eine Macht! Ihre brachialen Todesblei-Hymnen wie "Hatred Inherit" oder "Kings Of Killing" walzten einfach alles nieder. Und so verwandelte sich auch die Menge vor der Bühne in einen wild moshenden Mob, der sich von dem Präzisionsgemetzel nur zu gerne immer weiter anstacheln ließ.


22.40 (MS) IMMORTAL
Man mag es kaum glauben, doch IMMORTAL beehrten das Summer Breeze bisher nur ein einziges Mal. 2001 war es, noch in Abtsgmünd und bevor Abbath, Demonaz und Horgh sich überlegten, ihre Black Metal-Institution für eine Weile auf Eis (!) zu legen. Satte elf Jahre mussten also ins Land ziehen, da IMMORTAL den Weg zurück fanden - und es wurde eine triumphale Rückkehr. Der Platz vor der Mainstage war proppevoll, als der Headliner in gleißend weiß-blaues Licht getaucht "Withstand The Fall Of Time" anstimmte und unter Pyroeinsatz anfing, seine Geschichten vom Königreich Blashyrkh zu erzählen. Ausgiebige Kommunikation mit dem Publikum durfte man dabei jedoch nicht erwarten, sind die Norweger doch seit jeher dafür bekannt, auf die Bühne zu kommen und ihr Set auch schon mal ohne Ansagen runterzuzocken. Zwischendurch richtete Abbath zwar doch schon ein paar Worte an das Publikum, ließ aber ansonsten eher seine eiskalten Riffs und das präzise Tackern der Schießbude Horghs für sich sprechen. So blieb mehr Zeit sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: ein Best-Of von "At The Heart Of Winter" bis hin zu "All Shall Fall" (mit starkem Fokus auf "Sons Of Northern Darkness") und das ausgiebige Stage Acting Abbaths. Ob Crabwalk oder Mimik: der Fronter ließ keine Gelegenheit aus, sich selbst nicht ernst zu nehmen und das Publikum mit seiner schrulligen Art zu unterhalten. Highlight der etwas mehr als einstündigen und pyrodurchtränkten Show war definitiv "Tyrants" mit Funkenfontänen und schönstem Abbath-Posing, wie es im Booklet zu "At The Heart Of Winter" steht. Für die Old School-Fans gab es zum Ende mit "The Sun No Longer Rises" noch den Blick ganz weit in die Vergangenheit zurück, bevor IMMORTAL die Bühne ver- und somit CORVUS CORAX die Hoheit über das Hauptgelände überließen.


23:00 (PZ) TERROR
Nach dem starken Auftritt von KRISIUN im Zelt wechselte das Publikum einmal komplett durch. Lange Haare und Kutte raus, kurze Haare und Basecap rein. Ein klarer Indikator dafür, dass es wieder hardcorelastig wurde. Und mit TERROR betrat eine der beständigsten, hart arbeitenden und beliebtesten Bands der Szene die Bühne. Entsprechend war das Partyzelt gut gefüllt. Hinzu kam auch noch, dass Sänger Scott Vogel seinen 34. Geburtstag feierte. Die Flasche Whisky, die auf der Bühne stand, fand dann auch öfter den Weg zu Vogels Mund, bevor er sie im Publikum versenkte. Nachdrücklich wie immer und sichtlich gut gelaunt verlangte er dem Publikum alles ab. Forderte ständig mehr Crowdsurfer oder warf einfach das Mikro in die Menge, die dem entschiedenen Gegner des Bühnengrabens natürlich zu weit weg war. Auch überließ er öfter mal Freunden der Band das Mic. Rob von BORN FROM PAIN durfte beispielsweise bei „Stick Tight“ ran. Sowieso können TERROR mittlerweile auf einen reich gefüllten Pool von Hits zurückgreifen, sodass eine dreiviertel Stunde Spielzeit viel zu schnell vorbei war. Einziges Manko: „Lowest Of The Low“ von der ersten Platte wurde nichts gespielt. Aber ein Abriss war der Auftritt so oder so.


00.00 (PS) CORVUS CORAX
Die selbsternannten Könige der Spielleute spielten als letzte Band am Freitagabend auf der Pain Stage zum Tanze auf. Und wie es sich für eine Mittelalter-Band gehört, wurde da kräftig auf Säcken herumgedudelt, Pauken geschlagen und jede Menge launiger Ansagen in die Menge gehauen. Besonders beeindruckend war der Einsatz der großen japanischen Trommeln durch die Düsseldorfer Taiko-Gruppe WADOKYO zu Beginn und am Ende des Sets, deren tiefes Dröhnen den Zuschauern durch Mark und Bein ging. Allgemein luden die Stücke mehr zum andächtigen Lauschen als zum wilden Abtanzen ein, seinen Spaß hatte das Publikum aber dennoch. Dafür sorgten neben einer Menge Stücke vom aktuellen Album "Sverker", das sich vorrangig mit dem namensgebenden Schwedenkönig Sverker II. befasst, auch unvermeidliche Klassiker wie "Mille Anni Passi Sunt", "Venus Vina Musica" oder "In Taberna". Respektabel war vor allem auch, dass CORVUS CORAX dem Mittelalter auch auf der großen Bühne treu blieben, sich nicht zum Einbringen moderner Stromgitarren und anderer Rock-Elemente hinreißen lassen und damit jederzeit einen Authentizitätswettstreit mit anderen Größen der Mittelalter-Zunft wie IN EXTREMO oder SUBWAY TO SALLY gewinnen könnten. Um den ging es aber gar nicht, sondern um den Spaß an der Musik mit launigen Liedern zwischen traditioneller Volksmusik und spaßigem Mittelaltermarkt-Gedudel. Die liebevoll gefertigten Kostüme und traditionellen Instrumente sorgten da für ein dickes Atmosphäre-Plus, und als im abschließenden "Na Lame Se" ein halbes Dutzend Trommler gleichzeitig auf ihre Taikos eindrosch, sich dabei immer weiter steigerte und schließlich mit einem lauten Pyro-Knall die Show beendete, konnten sich viele Zuschauer einer Gänsehaut nicht mehr erwehren.


00.05 (PZ) MORGOTH
“Manchmal kommen sie wieder” wusste schon Thrillmeister Stephen King. Die deutschen Death Metal-Helden um den mittlerweile in Ehre ergrauten Marc Grewe gehören in der langen Reihe der Band-Reunions auf jeden Fall auf die Seite der gelungenen Wiederauferstehungen. Hinter der Band prangte das altgewohnte Logo und vor ihnen tobte der Mob als sie kurz nach der Geisterstunde eine feine Auswahl an Songs ihrer Alben zum Besten gaben. Leider verzichteten sie dabei komplett auf Material ihres „Feel Sorry For The Fanatic“-Spätwerks, aber an dem spalten sich ja eh die Geister… Herr Grewe, stilsicher in Wollmütze und Kutte gekleidet, dirigierte die (vor CORVUS CORAX geflüchteten?) Metalheads nach seinem Geschmack, und war sich selbst für bierselige Ansagen a la „Seid ihr so gut drauf wie ich? Habt ihr genug Bier?“ nicht zu schade. „Suffer Life“ wurde brav einem der Veranstalter gewidmet und nach 50 Minuten war die Old School Death Metal-Party mit dem abschließenden „Under The Surface“ dann auch gegessen.


01:15 (PZ) EISREGEN
Bereits 2010 platze das damals noch deutlich kleinere Partyzelt bei EISREGEN aus allen Nähten. Und auch dieses Jahr war das Interesse an dem „Tod aus Thüringen“ entsprechend groß. Zwar gab es dieses Mal keine (diskussionswürdigen) Showeinlagen wie gekreuzigte Frau oder ähnliches, was das Publikum aber keineswegs daran hinderte die Band nach allen Regeln der Kunst abzufeiern. Jeder der acht Songs wurde inbrünstig mitgesungen und kaum war einer zu Ende brach ein Jubelsturm los oder es wurden EISREGEN-Sprechchöre intoniert. Wenn die Zuschauer einem so ergeben sind, war es dann auch für Sänger Michael „Blutkehle“ Roth ein leichtes die Stimmung durch kleine Aufforderungen oder Gesten weiter anzuheizen. Die Setlist, wie auch der Sound ließ keine Wünsche offen und „Elektrohexe“ DER Partysong – wenn man in Rahmen des Dark Metal der Band davon sprechen kann – stellte den passenden Endpunkt des Sets dar. Alles in allem kann der Auftritt der Thüringer ohne Übertreibung als Triumphzug bezeichnet werden.

02.20 (PZ) MENHIR
Gerade noch mit EISREGEN ordentlich Alarm gemacht, musste Keyboarderin Franziska auch gleich schon wieder mit MENHIR ran. Das war es aber auch schon an Gemeinsamkeiten, was die beiden Bands aus Thüringen an diesem Abend verband. Von einem Geisterspiel waren die Pagan Black Metaller zwar weit entfernt, dennoch hätte man ihnen wirklich etwas enthusiastischere Zuschauer gewünscht. Die Anwesenden haben sich nur schwerlich aus der Reserve locken lassen: bis auf ein paar geballte Fäuste während der Songs und ordentlichem wenn auch nicht überwältigendem Applaus gab es für MENHIR heute leider nicht viel zu holen. Schade, denn die in mittelalterliche Gewänder gekleideten Barden aus Breitungen gaben sich sichtlich Mühe. Da mutete die Szenerie schon ein wenig surreal an: halbvolles Haus und trotzdem keine Bewegung. Vielleicht lag es am Ende aber auch an den merklich übersteuerten Gitarren, dass MENHIR selbst ein wenig die Lust zu verlieren schienen, mehr aus dieser späten Nacht herauszukitzeln. Da wäre mehr drin gewesen.


03.20 (PZ) AHAB
AHAB entwickeln sich mittlerweile zu gern gesehenen Stammgästen auf dem Summer Breeze. Bereits das dritte Mal walzte ihr Nautic Funeral Doom durch die Sphären des Partyzelts, das zu nachtschlafender Zeit beachtlich gut gefüllt war. Kein Wunder, denn die Seefahrer um Frontmann Daniel Droste halten auch live, was sie mit mittlerweile drei Alben auf Platte versprechen. Zu Meeresbrandung und Möwengeräuschen wurde als Opener sanft "Old Thunder" intoniert, bevor es mit unbändiger Gewalt wie ein tosender Seesturm losbrach. AHAB profitieren von einem wuchtigen und zeitgleich glasklaren Sound, der an diesem Tag seinesgleichen suchte und ohne den die Seefahrer-Epen auch gar nicht funktionieren würden. Brachialst fett ging es mit "Deliverance (Shouting At The Dead)" weiter, das grün-blaue Licht der Bühnenbeleuchtung ließ auch optisch eine stimmungsvolle Atmosphäre aufsteigen. Mit "The Hunt" mäanderten AHAB zwischen sanft wogenden, jedoch bedrohlich das kommende Unheil ankündigenden Klangwellen und einer donnergrollend stürmisch aufgewühlten See, die alles und jeden um sich verschlang. Und wer es bislang noch nicht wusste: Droste besitzt eines der voluminösesten und bedrohlichsten Growl-Organe des Undergrounds, das er auch perfekt einzusetzen weiß. Mit "Antarctica The Polymorphess" vom aktuellen Album "The Giant" verabschieden sich AHAb bis zum nächsten Mal, wenn es wieder heisst: Doomwards let us row! Perfekter Abschluss des Partyzelt-Tages!


Samstag, 18.08.2012

11.00 (PS) WHILE SHE SLEEPS
Die Jungs aus "Steel City" Sheffield hatten am letzten Festivaltag die Ehre die Pain Stage zu eröffnen. Genau das taten sie und zwar ohne Kompromisse. Bereits nach dem Intro gab es mit "Dead Behind The Eyes" mächtig auf die Glocken. Also keine Zeit für die Besucher die Nachwehen der letzten Nächte zu verarbeiten. Sänger Lawrence Taylor gab ab der ersten Minute Vollgas und lieferte sich Sprung- und Laufwettbewerbe mit seinem Basser Aaran Mckenzie. Dem ersten Publikumsandrang nach zu urteilen, hatte die Briten nicht wirklich jemand auf der Rechnung. Das Bild sollte sich aber nach der Metalcore-Granate „Hearts“ ändern. Der Intensität der Insulaner konnte sich jetzt kaum noch einer entziehen. WHILE SHE SLEEPS waren auf den Punkt da und prügelten alles nieder. So ließ der erste Circle Pit auch nicht lange auf sich warten, der für die frühe Stunde dann sogar richtig beachtlich ausfiel. Mit "This Is The Six" und "Trophies" gabs noch zwei weitere Kracher, bevor Sänger Lawrence Taylor zu einer typischen Geste ausholte und begann das Publikum zu teilen. Was jetzt folgte, war mit "Crows" ein krachender Höhepunkt dieses begeisternden Gigs. Wir hören wieder voneinander!


11:35 (MS) NIGHT IN GALES
NIGHT IN GALES sind ein Urgestein der Summer Breeze Festivalgeschichte. Bereits 1999 und 2002 gab es Auftritte der Nordrhein-Westfalen. Nach längerer Pause sind die Herren nun endlich zurück und hatten mit "Five Scars" ihr superbes neues Langeisen im Gepäck. Leider waren die Reihen über das gesamte Set nur lose gefüllt, was weniger an der Band lag, sondern an der brütenden Hitze auf dem Vorplatz der Main Stage. Die Jungs nahmen es aber gelassen und hatten trotzdem mächtig Spielfreude im Gepäck. Ganz besonders bei Sänger Björn Goosses und Basser Tobias Bruchmann war zu spüren, dass man sich auf den Brettern wieder richtig zuhause fühlte. Getrieben von Schlagzeuger Adriano Ricci, der heute wie ein Uhrwerk funktionierte, schob man einen Hit nach dem anderen ins Publikum. Auch wenn die Band sicherlich etwas mehr Zuspruch vor der Bühne verdient hätte, war es ein starker, überzeugender Auftritt. Bleibt zu hoffen, dass sich die Herren nicht wieder so lange rar machen und zügig mit neuem Material und weiteren Live-Auftritten begeistern.


12.10 (PS) BETONTOD
Von der Mittagssonne begrüßt begaben sich die fünf Rheinberger von BETONTOD auf die Pain Stage um den Besuchern mit einer gehörigen Portion deutschsprachigem Punk die Müdigkeit aus den Knochen zu treiben. Die treuen Fans, die man sich in über 20 Jahren Bandgeschichte erspielt hat, füllten tapfer die ersten Reihen, während sich sonst nur wenige aufraffen konnten sich zu dieser Uhrzeit schon der wilden Pogo-Party hinzugeben. Der Laune von BETONTOD konnte das aber nichts anhaben, Frontmann Meister und Kollegen enterten pünktlich um zehn nach Zwölf nach einem kurzen Intro die Bühne und begrüßten ihr Publikum freudig, bevor es dann mit "Schwarzes Blut" in die Vollen ging. Die Reibeisenstimme, die klassichen Punkriffs und die eingängigen Refrains kamen gut an, man gab sowohl Klassiker wie "Viva Punk" als auch einige Tracks vom neusten Werk "Antirockstars" zum Besten. Nach und nach wurde der Platz vor der Bühne dann auch immer voller, und spätestens nach der Hälfte des Sets wurde hier doch noch sehr ordentlich abgefeiert. Als der beliebte Feuerwehrschlauch zum Einsatz kam wurde der Aufforderung zu mehr Bewegung dann auch gerne nachgekommen. Gitarrist Eule kam bei so viel Rennerei auch ganz schön ins Schwitzen, es wurde fleißig von Seite zu Seite gestürmt um die Fans zu animieren und Meister legte bei "Glück auf" sogar eine Klettereinlage ein und dirigierte sein Publikum wie einen Chor, "Wir müssen aufhörn' weniger zu Trinken" sang jeder so laut er konnte mit. Nach einer starken Show entließ man die Massen dann mit "Auf eine gute Zeit", welches nochmals lautstark mit Chören begleitet wurde, in den heißen Nachmittag.


12.50 (MS) THE UNGUIDED
Gegründet wurden THE UNGUIDED von ehemaligen SONIC SYNDICATE-Mitgliedern, was im Grunde vollkommen ausreichend ist, um die musikalische Stoßrichtung des Quintetts zu beschreiben. Von den Outfits über die Frisuren bis hin zur Musik war hier alles auf modern gebürstet und zog damit ein vergleichsweise junges Publikum an, das die Songs vom bisher einzigen THE UNGUIDED-Album "Hell Frost" wohlwollend aufnahm. Die Mischung aus fiesen Ohrwurm-Melodien, Melodic Death-Riffing und einer Extraportion Metalcore-Attitüde machte deutlich, dass "poppig" nicht unbedingt ein Schimpfwort sein muss. Die Band hielt die Energie auf einem konstant hohen Level und zeigte ein tightes Zusammenspiel ganz ohne Ecken und Kanten. Dass sie damit die Anhänger traditionellerer Klänge nicht hinter dem Ofen hervorlocken konnten, versteht sich von selbst. Dennoch machte die Band ihren Job gut und konnte mit ihrer Show einen Achtungserfolg für sich verbuchen.

13.35 (PS) TANZWUT
Schon spannend, was anderen Leuten als erste Gedanken des Tages so durch den Kopf gehen kann: "Heute Morgen bin ich aufgewacht und habe mir gedacht, wie ein Vulkan will ich heute mit euch durchdrehen," verkündete beispielsweise TANZWUT-Frontmann Teufel und gab damit die Marschroute für einen spannungsreichen Mittelalter Rock-Gig am frühen Nachmittag vor. In brütender Hitze kurbelten die zahlreich erschienenen Fans ihre Schweißproduktion durch intensives Hüpfen und Klatschen weiter an. Und weil die Zuschauer auf dem Summer-Breeze grundsätzlich ohnehin für jeden Blödsinn zu haben sind, schlängelte sich mehrere Stücke lang eine Metal-Polonaise von beträchtlicher Länge durchs Publikum. Für Abkühlung durften da die Security-Leute im Graben sorgen, was Teufel spontan nach einem "Applaus für die Männer mit dem großen Schlauch!" rufen ließ. Über zweideutige Anspielungen hinaus hatte jedoch auch die Musik der Berliner einiges zu bieten. Die Kombination von Dudelsäcken, Stromgitarren und Synthie-Sounds suchte in dieser Form zweifellos ihresgleichen und auf äußerst fruchtbaren Boden vor der Pain Stage.


14.00 (CS) BEMBERS
Der sympathische Franke war die große Ausnahme unter den Acts auf der Camel Stage 2012. Denn er war sowohl der einige, der einen reinen Comedy-Auftritt darbot als auch der einzige, der nur einmal dort auftrat – dafür wurden ihm auch gleich 45 Minuten Showtime zugestanden, statt der sonst üblichen fünf mal 20 Minuten. Und er nutze die ihm zugestandene Zeit weidlich! Schon das Intro brachte es an sich optimal auf den Punkt „BEMBERS burns like Hell, laut, hart, dringend, schnell!“. Mit dem staubtrockenen Eröffnungssatz „Ich bin Jesus Christus und mache demnächst in Dinkelsbühl ein Nagelstudio auf!“ hatte BEMBERS gleich die ersten Lacher auf seiner Seite, und es wurden noch deutlich mehr. Ob er nun von hormongeplagten Jugendlichen beim französischen Weichkäsekauf im Supermarkt erkannt wird oder von seinen Nöten beim Tätowieren und beim Delphinschwimmen auf dem Bahnsteig nach dem Antiaggressionstraining auf Jamaika berichtete, das Volk vor der Bühne schmiss sich kollektiv weg. Als er dann zu seinem von YouTube bekannten Beitrag über den vollpigmentierten Kain Schwarzer (sic!) ansetzte, skandierte das Publikum im Chor die Keylines, was den Maestro dann doch sichtlich begeisterte. Die Fäkallastigen Passagen über Kacken als Kunst, Angela Merkel im Swingerclub oder Penisvergrößerungs-Geräte hätte er an sich gar nicht nötig gehabt, was aber nicht heißt, dass die beim Publikum nicht ebenso gut angekommen sind.


14.25 (MS) NAGLFAR
Verdächtig lange war es still um NAGLFAR, einer der wichtigsten Black Metal-Bands Schwedens, welche dieses Jahr endlich mit "Téras" das Nachfolgealbum vom 2007er "Harvest" veröffentlichten. Doch das lange Warten hatte sich gelohnt, zeigte sich das aktuelle Werk doch einerseits im klassischen NAGLFAR melodischen Black-Death-Metal-Stil, andererseits aber auch herrlich erfrischend mit tollen neuen Akzenten. Und mit diesem tollen Album in der Hinterhand betraten die Wölfe aus Umeå die Bühne, um eindrucksvoll zu beweisen, dass sie neben WATAIN die einzig wahren Erben der mächtigen DISSECTION sind. Wer sonst kann so herrlich intensiven, nordischen Metal, der das Beste aus rauem Black und melodischem Death Metal verbindet, so gekonnt spielen? Hingucker war auf jeden Fall der charismatische Frontmann Kristoffer Olivius, welcher das Publikum stets mit stechendem Blick düster anstierte, ständig die Augen verdrehte, diabolisch poste, und dabei gerne den Oberbösewicht markierte. Gerade zu diesem Zeitpunkt wurden metalferne Besucher aus Dinkelsbühl durch den Fotograben geführt, und viele betrachteten ein wenig verwundert und neugierig das Geschehen auf der Bühne. NAGLFAR präsentierten sich in bestechender Form, spielten präzise auf, und gerade die frostig-sägenden, majestätisch-epischen Harmonien kamen prächtig rüber. Als Live-Musiker hatten die drei Wölfe noch Efraim Juntunen (PERSUADER, GUILLOTINE) am Schlagzeug und Bassist Alexander “Impaler“ Friberg (NECROPHOBIC) bei sich auf der Bühne. Highlights waren das gnadenlos nordisch rasende "Pale Horse" sowie der Klassiker "I Am Vengeance".


15.00 (PZ) AUDREY HORNE
Am letzten Tag eröffneten AUDREY HORNE den Reigen auf der Party Stage und man kann es gar nicht oft genug sagen: diese Band ist sträflich unterbewertet! Tropische Temperaturen hin oder her: den Norwegern, die mit Gitarrist Arve Isdal ein aktuelles ENSLAVED-Mitglied in ihren Reihen haben, gehört viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als es die recht spärlich angetretenen Fans vermuten lassen. Warum? Weil sie ihren mit viel Pathos und Attitude geschwängerten Classic Rock so heavy und perfekt intonierten, wie das selbst die Dinosaurier des Genres in ihren besten Tagen wohl nicht hinbekommen haben. Jeder Song war eine kleine Hymne für sich, wurde mit perfekten Doppellead Guitar-Duellen in die Menge gefeuert und machte einfach nur saumäßig viel Spaß. Das merkten auch schnell die anfangs noch zurückhaltend beobachteten Anwesenden, so dass am Ende so ziemlich jede vorhandene Hand zum Gabelgruß in die Luft gereckt wurde. Respekt für eine so reife Leistung einer Band, die es endlich mal verdient hätte, über den Kritikerliebling-Status hinauszukommen. Wurde bereits erwähnt, dass die Band sträflich unterbewertet wird?


15.15 (PS) UNLEASHED
Es gibt Bands, auf welche einfach immer Verlass ist. UNLEASHED zählen zu diesen Gruppen, nicht nur, dass die Schweden immer wieder sehr gute Alben voll klassischem Death Metal veröffentlichen, auch sind die Nordmänner stets ein Garant für eine starke Live-Show. Und so hatte sich natürlich eine riesige Menschenmenge vor der Pain Stage versammelt, um gemeinsam mit ihren Helden zu feiern. Wieder einmal präsentierten sich die Wikinger um Fronthüne Johnny Hedlund als ein perfekt aufeinander eingespieltes Team, das mit tödlicher Präzision und absoluter Sicherheit solch klassische Schwedentod-Kracher wie "The Longships Are Coming" oder "To Asgaard We Fly" zum Besten gab. So gelang es UNLEASHED sehr leicht, das Publikum zum Überkochen zu bringen, und man kann nur Respekt vor den versammelten Death Metal-Warriors haben, dass diese trotz starker Hitze über den kompletten Auftritt Vollgas gaben und ihre Matten wild kreisen ließen. Wieder einmal ein verdammt starker Auftritt der schwedischen Urgesteine, dem leider noch viel zu viele weitere Klassiker in der Setlist gefehlt haben.


15.55 (PZ) DESASTER
Mit einer gut 20-jährigen Bandgeschichte im Rücken, konnte man von DESASTER einen routinierten Gig erwarten. Und tatsächlich spielten sie ihre dunkelschwarzen Thrash-Songs ungemein tight und timingsicher exakt auf den Punkt. Großartige Show-Momente durfte man hier nicht erwarten, die Koblenzer konzentrierten sich auf das, was im Mittelpunkt jedes anständigen Rock-Konzerts stehen sollte, nämlich die Musik. Diese war bewusst rumpelig gehalten, zeigte dabei aber immer ein sicheres Gespür für Melodien. Dass Gitarrist und Bandgründer Markus "Infernal" Kuschke zwischendurch mit hartnäckigen technischen Problemen zu kämpfen hatte und minutenlang praktisch nicht zu hören war, überspielten die Mannen um den voluminösen Frontmann Guido "Sataniac" Wissmann gekonnt, so dass die gute Stimmung unter den Zuschauern nicht abriss. Wirklich voll wurde es im stickigen Partyzelt nicht, obwohl sich im hinteren Bereich einige Besucher einfanden, die unter der Zeltplane offenbar lediglich Schutz vor der unbarmherzig vom Himmel herab brennenden Sonne suchten.


16:05 (MS) SEPULTURA
Wie bei SEPULTURAs 2010er Debüt auf dem Summer Breeze schien auch dieses Jahr die Sonne mit voller Kraft. Man könnte meinen, die Band um den Front-Hünen Derrick Green und den Gitarristen Andreas Kisser würde das gute Wetter jedes Mal aus dem sonnigen Brasilien mitbringen. Ein neues Mitbringsel war Drummer Eloy Casagrande. Das junge Schlagzeug-Talent beerbt Jean Dolabella hinter den Kesseln und steht diesem in Sachen Präzision und Wucht in nichts nach. Vielleicht legt er sogar noch eine Schippe Virtuosität oben drauf. In Jedem Fall hielt er das Schiff immer auf Kurs, welches nach dem Intro mit gleich zwei Krachern in das einstündige Set einstieg. „Beneath The Remains“ und das grandiose „Refuse/Resist“ legten die Messlatte für das Restprogramm gleich enorm hoch an. Doch das Intensitätslevel blieb auch während der Songs neueren Datums, wie z.B. „Convicted“ oder „Choke“ enorm hoch. Der Dreier-Block bestehend aus „Arise“, „Rattamahatta“ und natürlich dem krönenden Abschluss „Roots Bloody Roots“ beendete einen weiteren fetten Auftritt der Brasilianer. Die anschließende Abkühlung durch den Feuerwehrschlauch hatte sich das Publikum, das von Minute eins steil ging, auf jeden Fall redlich verdient.


16:30 (CS) NITROGODS
Wenn man Claus "Oimel" Larcher, den Sänger der NITROGODS, so ansieht, mit seinem CROWBAR-Gedächtnis-Bart, dann erwartet man eher schwerfälligen Doom, als straighten, etwas härteren Rock'n'Roll der Marke MOTÖRHEAD. Doch wenn man das Trio um Gitarrist Henny Wolter (Ex-PRIMAL FEAR) und FREEDOM CALL-Schlagzeuger Klaus Sperling dann hört, bekommt man durchaus Lust das Haupthaar zu schütteln. Und obwohl die Band zu Anfang leichte technische Probleme hatte, wurden diese gekonnt und sympathisch überbrückt. Schnell war der Drive wieder da und die Spielfreude der Hannoveraner lockte immer wieder genug Leute für eine ordentliche Sause vor die Bühne. Zwar waren NITROGODS offensichtlich nicht vielen bekannt - das gleichnamige Debüt ist gerade in diesem Jahr erschienen - aber es schien als würden die Leute Gefallen finden an dem markanten, rotzigen Sound. NITROGODS konnten mit dieser überzeugenden Performance sicherlich einige neue Fans in ihr Gefolge einreihen.


16.50 (PZ) INCANTATION
Nachdem DESASTER in Punkto Härtegrad das Level um einiges über das von AUDREY HORNE geschraubt haben, schickten sich INCANTATIOn an, selbiges mit ihren Bühnenvorgängern zu tun. Bei der musikalischen Anlage und Albenauswahl kein Problem. Auch wenn die US Death-Legende seit satten sechs Jahren ohne neues Full Length dasteht: der Brachialität und Spielfreude stand dies nicht im Wege. Ganz im Gegenteil. Mit einer Handvoll Hardcore-Fans und einigen wenigen Neugierigen konnte sich das Quartett ganz auf die alten Klassiker konzentrieren und ihr Programm erbarmungslos runterholzen. Ausfallschritt, Kopf runter und los geht es, so einfach kann Death Metal sein. Zwischen pfeilschnellem Todesblei-Gebolze und finsteren Ausflügen in doomige, nach feinstem US-Morast stinkende Gefilde blieb auch noch Zeit, um eine andere amerikanische Death-Legende zu würdigen: als Schmankerl gab es "Mortician" von der gleichnamigen Kapelle aus New York, bei denen auch INCANTATIONs Live-Schlagwerker Sam Inzerra die Keulen schwingt. Killer Gig einer Killerband, die auf dem Summer Breeze erfolgreich das erste Mal ihre Visitenkarte abgab.


17.10 (PS) LACUNA COIL
LACUNA COIL sind nach längerer Bühnenabstinenz präsenter denn je. Die Band glänzte in der Vergangenheit nicht nur durch die Erscheinung ihres Frontsternchens Scabbia, sondern vor allem durch die Kombination aus brettharten Riffs und eben auch durch die variable Stimme der guten Dame. Mit neuem Album im Gepäck und mächtig Spielfreude im Hintern, war es gar nicht schlimm zu sehen, dass auch an Frau Scabbia die Jahre seit ihrem letzten Besuch beim Summer Breeze nicht spurlos vorbei gegangen sind. Trotz der längeren Auszeit waren die Italiener wieder eine feste Bank auf dem Summer Breeze, feiern doch beide, Band und Festival heute ihr 15 jähriges Jubiläum. Gewohnt offenherzig und mit mächtigem Engagement, war Scabbia bereits mit dem Opener auf Betriebstemperatur und animierte den prächtig gefüllten Platz vor der Pain Stage. Auch stimmlich gab es nur Grund zur Freude, denn das Duo Scabbia/Ferro ließ erneut die Bretter beben. Der Auftritt wirkte in vielen Phasen wie ein musikalischer Befreiungsschlag, der Zweifler endgültig verstummen lassen sollte. LACUNA COIL waren heute eine echte Überraschung, ohne Schnörkel und Lückenfüller und ließ abgesehen von einem großen Backdrop nur die Musik für sich sprechen. Die Band ist zurück und wird hoffentlich nicht wieder so lange von der Bildfläche verschwinden. Wem das alles viel zu schnell vorbei war, der darf sich die für November geplante Tour schon mal dick im Kalender anstreichen.


17.50 (PZ) CATTLE DECAPITATION
Die selbst ernannten Tierschützer von CATTLE DECAPITATION begannen in den frühen Abendstunden ihr Massaker auf der Zeltbühne, um die ohnehin schon von der prallen Sonne erhitzten Gemüter durch ihren brutalen Deathgrind noch zusätzlich ins Schwitzen zu bringen. Ohne großes Vorgeplänkel wurde dann mit einem Sturm von Blastbeats im Opener "Carbon" losgelegt. Fronter Travis legte sich mit seinem Gegrunze mächtig ins Zeug um den erfreulich zahlreich erschienenen Headbangern eine gute Show zu bieten. Schlagzeuger David McGraw legte wie gewohnt eine beeindruckende Performance hin, ein Blast jagte den nächsten, und passend dazu gab Saitenhexer Josh seine Grindriffs zum Besten. Mit Zwischenreden über das tolle Festival und massig Danksagungen an die Fans punkteten die Kalifornier natürlich und wurden ihrerseits mit einem kleinen Moshpit belohnt. Es waren sogar einige in den ersten Reihen zu sehen, die die nur schwer verständlichen Texte verinnerlicht hatten und mit voller Inbrunst mitgröhlten. Mitklatschen war dann tatsächlich auch angesagt und beim melodischsten Stück des Sets "Forced" kam richtig Bewegung in die Menge. So machte man bis zum Schluss gemeinsam das Beste aus der Show in dem heißen Zelt und wurde nach zehn knüppelharten Songs mit viel Applaus und einem Foto der Band mit den Zuschauern im Hintergrund verabschiedet.


18.05 (MS) PARADISE LOST
PARADISE LOST hatten am frühen Samstagabend hauptsächlich mit drei Problemen zu kämpfen: Temperatur, Technik und Sound. Als es um kurz nach sechs Uhr abends Zeit für die britischen Routiniers und ihre Show auf die Hauptbühne ging, war der Feuerball am Himmel zwar bereits am niedergehen, dennoch hing die Hitze noch wie ein bleierner Schleier in der Luft. Auf die Performance der Band wirkte sich dies zwar nicht aus, dafür umso mehr auf die der zahlreich angetretenen Fans. Trotz eines starken Sets aus neuen Songs vom aktuellen "Tragic Idol"-Album und Pflichtnummern wie "Pity The Sadness", "As I Die" und "The Enemy" kam kaum Bewegung in die Masse, so dass Sänger Nick Holmes dem immer wieder mit Aufforderungen zum Mitklatschen, Mitsingen und Mitfeiern entgegen wirken musste. Er hatte zudem stark mit seinem InEar-Monitoring zu kämpfen, was auch nicht gerade Freudentränen bei ihm verursachte. Aber vielleicht hätte schon ein wenig mehr Wumms in den Gitarren gereicht, um den Gig aufzuwerten. Die Gitarristen Gregor Mackintosh und Aaron Aedy bangten zwar was das Zeug hielt; trotzdem waberten ihre Sechssaiter seltsam drucklos über den Platz. Mit dem Dauerbrenner "Say Just Words" endete ein guter Auftritt, dem ein wenig die Durchschlagskraft fehlte.


18.50 (PZ) NIFELHEIM
Nun war es an der Zeit, dass eine der kultigsten Bands Schwedens im Partyzelt für Stimmung sorgte. Die diabolische Rasselbande NIFELHEIM betrat in voller Nietenmontur, Lederklamotten und Schminke Marke Achtziger-Jahre-Black-Metal die Bühne, um die Fahne des Oldschool Black/Thrash hochzuhalten. Von Anfang an gaben die schwedischen Undergroundrecken Vollgas, feuerten ihre einfach aber effektiv gestrickten Stücke mit messerscharfen Riffs und wildem, vorpreschendem Schlagzeugspiel, räudig und mit viel Charme in die Meute der gierigen Metalheads. Wer die Rumpel-Horde um die beiden ehemaligen NECROPHOBIC-Gitarristen kennt, weiß natürlich, dass neben dem derben Runterholzen von solchen Speed Metal-Krachern wie "Infernal Flame Of Destruction" oder "War Of Doom" auch das standesgemäße Posing enorm wichtig ist. Und so gab es neben zerstörerischem Metal für die Ohren auch noch schönes Stageacting der klassischen Schule. Ein authentisch wirkender Auftritt voll dunkler Atmosphäre der altgedienten Recken.
 

19.10. (PS) OOMPH!
Mit typischem Schiffsgetröte hieß es pünktlich um 19.10 Uhr „Leinen los!“ und auch gleich „Volle Fahrt voraus!“ auf der MS Schmerzbühne als die sieben OOMPH!-Mannen, komplett als Matrosen eingekleidet, mit „Unzerstörbar“ ans Werk gingen. Die Bühne war mit allerlei maritimen Material dekoriert und Sänger Dero hatte zudem schickes Joker-Makeup aufgetragen und gab in der folgenden Stunde den sympathischen Entertainer und Massendirigent. Denn es war schon zu Beginn der Show pickepacke voll vor der Pain Stage und es wurden noch viel mehr mit der Zeit. Allen Kritikern, die die Band im Vorfeld als deplatziert abgestempelt hatten, wurde sowas von der Wind aus den Segeln genommen und die Band erwies sich erneut als willkommene Bereicherung. Gerade die Ansagen Deros waren auch immer für nen Lacher gut, ob er nun „Bis der Spiegel zerbricht“ „Justin Biber und allen Casting Schwachmaten der Welt“ widmete, sich für „Kleinstadtboy“ bei Rob Halford und Bronski Beat bedankte oder „Sandmann“ „Germanys Next Top Moppel Angy Merkel“ widmete, er hatte die Lacher auf seiner Seite und wurde mit hüpfendem und feierndem Volk bis weit hinter den FOH-Turm belohnt. „Seemannsrose“ war mit seinem Bierzelt-Schunkel-Sound und dem Akkordeon vielleicht fast schon etwas zu viel des Guten, aber unter dem Strich ein klarer Sieg für die Band. Obwohl sie ihre Spielzeit schon knapp überschritten hatten, ließ es sich Dero auch dieses Mal nicht nehmen dem Publikum noch einen Chor einzupflanzen, diesmal war es „Always Look On The Bright Side Of Life“ von Monty Python.


19.50 (PZ) SHINING
Mit SHINING steht eine Band auf dem diesjährigen Summer Breeze Open Air, die einerseits wohl etwas aus der Reihe fällt und sich auf der anderen Seite im Wesentlichen auf Frontmann Niclas Kvarforth fokussiert. Etwas zu spät auf die Bühne gekommen, starten die Jungs aus Halmstad mit “Lat Oss Ta Allt Fran Varandra“ und seinem charakteristischen Einstandsriff. Der Mastermind kommt mit dunklem Pullover und aufgesetzter Kapuze auf die Bühne marschiert und verströmt eine beschwörende, etwas unheimliche, kaputte Ausstrahlung. Der Sound donnert recht klar aus den Boxen und lädt zum bedächtigen Haupthaarschütteln ein, bis ruhigere, teilweise durch Samples durchtränkte Passagen vermehrt an der düsteren, selbstzerstörerischen Atmosphäre arbeiten. Die einzelnen Songs ziehen sich verdächtig lang, wobei Kvarforth unterdessen an seinem bereits ausreichend vorgezeichneten Image arbeitet und zwischenzeitlich in die Menge spuckt oder seine Gitarristen traktiert. Dann geht er wieder in die Hocke, blickt irr in die ersten Reihen, flüstert und geht dabei voll in seinem Element auf. Dies fließt selbstredend in die Wirkung der ohnehin recht getragenen Musik ein und bildet somit ein durchaus wirkendes Gesamtkonstrukt. Die bereits erwähnte Länge der Stücke schlägt sich letztendlich dann doch nieder, denn laut Terminplan sollte nach “Ohm“ eigentlich Schluss sein, doch nach kurzem Flüstergespräch mit seinem Gitarristen legt Niclas Kvarforth noch “Submit To Self-Destruction“ und abschließend “Förtvivlan, Min Arvedel“ nach. Wirkung dennoch nicht verfehlt!


20.15 (MS) SICK OF IT ALL
Der New York Hardcore wäre ohne Sie nicht derselbe und viele Bands auf dem diesjährigen Breeze hatten diese Truppe bestimmt auf ihrer Liste der musikalischen Vorbilder. Die Rede ist von den NYHC-Szene-Urgesteinen SICK OF IT ALL, die seit Jahren die Festivals abklappern um zu beweisen dass nach über 26 Jahren Bandgeschichte noch immer ordentlich Lust da ist den Fans mit einer guten Show einzuheizen. Begleitet von der untergehenden Sonne stürmte Frontmann Lou dann auch in bester Laune die Bühne, begrüßte lauthals seine Fans und drehte mit "Take The Night Off" direkt auf 180. Die prall gefüllten Ränge, die übrigens im Laufe des Sets immer voller und voller wurden, gaben ihrerseits alles um in Bewegung zu bleiben, mit Sprüngen, wilden Moshpits und etlichen Crowdsurfern wurde hier in bester Hardcore-Laune abgefeiert. Bei der Songauswahl gab man sich, wie auf den bisherigen Festivals, sehr zielsicher, die Titel erstreckten sich quer durch die Bandgeschichte so dass alt und jung gemeinsam richtig feiern konnten. Auf Lou´s Frage "Are your ready?" wurde ihm natürlich prompt mit einem lauten "Yeah!" aus dem Publikum geantwortet, und bevor es mit "Die Alone" dann wieder eine echte Abrissbirne gab, dirigierte er hier alle erstmal wie einen Chor und animierte zum Mitsingen. Neben Lou sorgte aber immer wieder Bruder Pete für ordentlich Stimmung; fit wie ein Turnschuh war er sich nicht zu schade während des kompletten Sets ununterbrochen in Bewegung zu bleiben, da musste jede Box mindestens einmal als Sprungbrett herhalten. Ihr Auftritt verging so wie im Flug, ohne große Pause ballerten die vier Amis ihre Tracks raus, Titel wie "Good Looking Out", "Call To Arms" oder "Scratch The Surface" verursachten regelrechte Gewitter im riesigen Moshpit, und die Ordner durften massenweise Crowdsurfer (diesmal waren übrigens erstaunlich viele weiblich unter ihnen) aus dem Graben geleiten. Zum großen Finale, vor dem Lou dann nochmal alle Zuschauer von links nach rechts zum Mitmachen aufforderte, gab es dann noch den Klassiker "Step Down", nach dem man sich mit lauten Zugabe-Rufen auf der einen, und vielen Verneigungen auf der anderen Seite, voneinander verabschiedete. Nach so vielen Jahren geben sich SICK OF IT ALL also immer noch keine Blöße und stellen so manche junge Band in den Schatten was die Qualität ihrer Liveshow angeht. Es ist trotzdem unverständlich, dass die Band die restlichen 20 Minuten, der ihr zugestandenen Spielzeit nicht nutzte und vorzeitig die Bühne verließ und auch nicht für eine Zugabe zurück kam.


20.50 (PZ) ASPHYX
Wer die Death Metal-Legende ASPHYX an diesem Tag sehen wollte, musste sich ein wenig in Geduld üben. Erst mit satten 15 Minuten Verspätung stiegen die Krachmacher um den charismatischen Frontmann Martin van Drunen in "The Quest Of Absurdity" ein. Doch das Publikum verzieh schnell und bereitwillig, hatte das schwer gefüllte Rund die Holländer doch schon vor Anpfiff lautstark abgefeiert. Für anderes Verhalten hätte es auch keinen Grund gegeben, so tight präsentierte sich die Todesblei-Walze an diesem Abend. Von Anfang bis Ende flogen bei van Drunen, Gitarrist Paul Baayens und Basser Alwin in schönster Synchronität die Mähnen. Die Fans taten es ihnen gleich, moshten und bangten, was das Zeug hielt und reckten die Hörner zu hunderten in die Höhe. Van Drunen, der von links nach rechts Kilometer zurückgelegt haben muss, unterhielt zudem mit einem Schuss Humor und stellte sich selbst mit Roland Kaiser vor. Ob der wohl auch so viel Spaß gehabt hätte? ASPHYX zumindest hatten und verbreiteten ihn und beendeten mit dem neunminütigen Kult-Song "The Rack" ihre schweißtreibende Show.
 


21.35 (PS) ASP
Mit ASP gab es dieses Jahr auf dem Breeze einen der bekanntesten Vertreter der schwarzen Szene zu bestaunen. Die Band rund um Frontsänger Alexander "Asp" Spreng konnte mit ihrem weit über die Szenegrenzen bekannten "Schmetterlingszyklus" große Erfolge ernten, hohe Chartplatzierungen und ausverkaufte Konzerte sind für ASP inzwischen Standard. So hatten sich auch an diesem Abend soweit das Auge reicht Fans und Interessierte vor der Pain Stage versammelt um dem dunklen Treiben zu lauschen. Nach dem gespenstischen Intro, das mit einer faszinierenden Lichtshow und gregorianischen Gesängen die Stimmung ins Tiefschwarze treiben sollte, begaben sich ASP dann in schwarzer Kluft auf die Bühne und starteten mit "A Prayer For Sanctuary" sehr rockig in ihr Set. Schon beim ersten Track kam die Pyrotechnik imposant zum Einsatz, was natürlich mit tosendem Jubel der Besucher beantwortet wurde. Nach "Wechselbalg" und "How Far Would You Go" folgte dann schließlich die Begrüßung an das werte Publikum und die Aufforderung sich bloß nicht auszuruhen, denn mit "Eisige Wirklichkeit" kam schon der nächste Rocker aus den Boxen. Eine kurze Erholung verschafften dann aber die etwas ruhigeren Lieder wie "Kokon" oder "Krabat" (diese Stück stammte als eines der wenigen nicht aus dem Schmetterlings-Zyklus), bei dem mit Licht- und Farbeffekten bei dem ein oder anderen durchaus Gänsehaut aufkam, so perfekt war die Show inszeniert. Das Finale hingegen gestaltete sich wieder wesentlich härter, bei "Schwarzes Blut" und "Ich will brennen" kamen neben harten Gitarrenriffs auch wieder massig Pyroeffekte zum Einsatz, hier konnte man nur staunen wie viel Detailarbeit in den auf die Musik und die gruselige Stimmung abgestimmten Effekte stecken musste. ASP lieferten ein rundum gelungenes Gesamtpaket ab, technisch einwandfrei, stimmungsmäßig grandios, die Dunkelheit, das Licht und die passende Musik wuchsen hier perfekt zusammen. Und so kamen wohl nicht nur die Gothic-Fans voll auf ihre Kosten.


21.35 (CS) MAMBO KURT
Was eine Freude, dass zum 15. Jubiläum des Festivals auch der unangefochtene Meister des gepflegten Heimorgel-Massakers erstmals mit von der Partie war. Jeder seiner fünf Blöcke war ein einziges Fest der göttlichen „Verorgelung“ bekannter (Metal)Hits und selbst, als der Mambo Meister parallel zum Hauptact AMON AMARTH auf der Hauptbühne ran musste, war der Platz vor der Dromedar-Bühne rappelvoll. Ob nun „South Of Heaven“, „Killing In The Name Of“ oder RAMMSTEINs „Engel“, die Meute fraß dem Mann mit der großflächigen Sonnenbrille aus der Hand, mitgebrachtes Merch war schon nach dem zweiten Block restlos ausverkauft und von Wall Of Death bis zur Polonaise war alles mit dabei. Bei den ersten beiden Blöcken war noch seine fantastisch-elastische Orgelpraktikantin Frau Foxy mit auf der Bühne, die sich im Ausdruckstanz übte und auch mehrfach ans Mikro durfte, wie etwa bei „RemmiDemmi“ oder „I Just Can’t Get Enough“. Später wurde dann sogar noch der C64 ausgepackt, der sich als erstaunlich HipHop-affin zeigte und natürlich fehlte auch nicht „Musik ist Trumpf“, der Song mit dem Uns-Kurti 1982 den „Jugend musiziert“-Wettbewerb in der Kategorie Orgel gewonnen hat – echt jetzt! Bei seinem letzten Block hätte es wohl niemand gestört, wenn MAMBO KURT trotz den im Zelt startenden ENTRAILS noch ewig weitergemacht hätte!


21.55 (PZ) VALLENFYRE
PARADISE LOSTs Gitarrist Gregor Mackintosh und Drummer Adrian Erlandsson schoben am Samstag eine Doppelschicht. Bei VALLENFYRE ging es jedoch ungleich düsterer als vor ein paar Stunden auf der Hauptbühne zu. Kein Wunder, hob Mackintosh die Band doch in tiefster Trauer als Tribut an seinen kürzlich verstorbenen Vater aus dem Feuer. Vom Ergebnis "A Fragile King" kam lediglich "My Black Siberia" nicht zum Einsatz, ansonsten zockten die Engländer das komplette Album herunter. Und was war das für ein unglaubliches Brett! Die morbide, tiefschwarze Atmosphäre wurde perfekt auf die Bühne transportiert, mit brutalem Sound ging die Mischung aus Doom, Death und Crust direkt in die Magengrube. Die ungewohnte Position des Frontmanns ohne Gitarre füllte Mackintosh dabei überraschend selbstsicher, britisch-schwarzhumorig und gelegentlich fast schon schwafelnd aus. Welchen Stellenwert VALLENFYRE in seinem Leben haben, vermittelte etwa "Seeds", das er als "the most miserable Song ever played on Summer Breeze" ankündigte. Für die Banger gab es das hastige "Humanity Wept", an dem Erlandsson seine ganze Klasse zeigen konnte. Womöglich sah das Summer Breeze an diesem Abend einen historischen Gig, denn: der erst fünfte Auftritt VALLENFYREs könnte ihr letzter gewesen sein. Momentan sind keine weiteren geplant und auch wenn Mackintosh etwaige im Publikum anwesende Booker bat, sich bei Interesse zu melden, ist die Zukunft scheinbar ungewiss.


22.40 (MS) AMON AMARTH
AMON AMARTH durften natürlich nicht fehlen im Jubiläumsjahr des Summer Breeze. Die Geschichte des Festivals war und ist ganz eng mit dem Erfolg der Schweden verbunden. Kaum eine Band sorgte bisher für ähnlich frenetische Publikumsresonanzen. Egal, ob man mit einem dicken Wikingerschiff wie anno 2009 antrat, oder sich in Sachen Bühnenaufbau eher zurück hielt. AMON AMARTH waren auch an diesem denkwürdigen Abend eine Geschenk der nordischen Götter. Der Platz vor der Main Stage war bis in die letzten Ecken prall gefüllt und wohin man blickte, waren die Besucher komplett mit dem Merch der Band eingedeckt. Bereits 2009 legten AMON AMARTH die Messlatte in Richtung Zuschauerresonanz verdammt hoch, was sich allerdings an diesem Abend abspielte, war kaum mit Worten zu beschreiben. AMON AMARTH hatten den ganz großen musikalischen Amboss ausgepackt. Den Mannen gelang an diesem Abend alles. Egel welchen der zahlreichen Hits man anstimme, das Feld fraß den Recken um Johann Hegg aus den Händen. Es herrschte pure Magie über dem weiten Rund, das mittlerweile bis weit hin zur Pain Stage gefüllt war. Es war eine Freude mit ansehen zu dürfen, wie die beiden Gitarristen in perfektem Gleichklang die Gitarren in die Höhe rissen und wild moshten. Was man dieses Jahr an Bühnenaufbauten sparte, wog die perfekte Pyroshow mehr als auf. Gefühlt bei jedem zweiten Song schossen Feuersäulen in die Höhe oder explodierte Pyrotechnik. Ein besonderes Erlebnis war ein Feuerregen, der bei "Death In Fire" von der Bühnendecke krachte. AMON AMARTH machen einmal mehr deutlich, dass es für die Band ohne Mühen möglich war, ein gut 70-minütiges Set nur mit Hits zu bestücken. Alleine diese Tatsache spricht für die Band und unterstrich nachdrücklich den Status der Schweden. Dieser letzte Gig auf der Main Stage des diesjährigen Summer Breeze markierte zugleich den finalen Auftritt zum aktuellen Longplayer "Surtur Rising" mit dem die Band ca. zwei Jahre unterwegs war. Johann Hegg ergriff die Gelegenheit und dankte namentlich den Hauptakteuren, die die Band während der letzten Jahre unterstützt hatten. Eine feine Geste. AMON AMARTH waren an diesem lauen Sommerabend ein Highlight, welches man immer mit diesem Festival in Verbindung bringen wird. Großartiges Konzert, gespickt mit zahlreichen Höhepunkten. Horns Up!


23:00 (PZ) DEEZ NUTS
Die DEEZ NUTS werden in der Hardcore-Szene durchaus kontrovers diskutiert. Der recht simple Hardcore mit der leichten Metalkante und den stark vom Rap beeinflussten Texten ist nicht jedermanns Sache. Gerade die Texte werden oft als sexistisch abgestempelt und sind der Hauptgrund für Kritik. Doch egal, wie man dazu steht, es kann niemand leugnen, dass die Band um Ex-I KILLED THE PROM QUEEN-Drummer JJ Peters eine formidable Partyband ist. Und das war genau das, worauf das gut gefüllt Zelt aus war. Da wurden vom ersten Song an die Fäuste oder wahlweise Füße geschwungen, massig Crowdsurfer gestartet und gleich ab dem Opener „Stay True“ bewies die Menge ihre Textsicherheit. Kaum hielt Peters das Mikro in ihre Richtung kamen die Singalongs wie bestellt. Die Partystimmung kam zum Ende hin bei „Tonight We Gonna Party“ und „I Hustle Everyday“ zum Siedepunkt und selbst Minuten nachdem die Australier die Bühne verlassen hatten, brachen die Zugabe-Rufe nicht ab.
 


00.00 (PS) KATATONIA
Zum vierten Mal dabei und zum vierten Mal die Geisterstundeposition für KATATONIA – man kann wohl ohne zu übertreiben von einer besonderen Beziehung zwischen Band und Festival sprechen. Nicht umsonst haben die Schweden ihren seither besten Auftritt beim Summer Breeze auch mit ihrer Live-CD/DVD „Live Consternation“ verewigt. Als AMON AMARTH nebenan auf der Main Stage fertig hatten stieg die Spannung nebenan ins Unermessliche, ob die Band die genannte 2009er Darbietung würden toppen können. Die Bühne wirkte erstaunlich aufgeräumt, bis auf das Schlagzeug vor dem großen Backdrop und drei Mikroständern, waren weder Verstärker, noch Boxen oder Monitore zu sehen. Mit der tollen Technik gabs dann auch prompt Probleme, als das InEar-System eines Gitarristen streikte, dann startete aber doch das Intro, die Band betrat die Bühne und legte mit „Forsaker“ los. Da stimmte aber offenbar der Sound noch nicht, weder auf noch vor der Bühne waren die Gitarren so recht zu hören und so wurde nach dem ersten Song noch hektisch nachjustiert. Das wirkte dann auch nach und nach und spätestens bei „My Twin“ zeigte sich die Band von ihrer besten Seite, Jonas Renske traf jeden Ton, selbst die zweiten Stimmen von Gitarrist Anders Nyström kamen auf den Punkt und Drummer Daniel Liljekvist ist ohnehin ein absoluter Ausnahmedrummer. In der zweiten Hälfte der Show steigerte sich die Band dann endgültig zu wahrer Brillanz. Es folgten nur noch Hits und mit „Buildings“ sogar ein vielversprechender Ausblick auf das demnächst erscheinende „Dead End Kings“-Album. Die Band war sichtlich ergriffen von den Publikumsreaktionen, bedankte sich immer wieder und hätte wohl gerne noch länger gespielt. Die Herbst-Tour zusammen mit einer weiteren herausragenden Band des diesjährigen Summer Breeze (ALCEST) dürfte für viele zum Pflichttermin werden. Und um Schlag 1 Uhr, quasi mit dem Abgang KATATONIAs von der Bühne, wurden dann Bands und Zuschauer von einem mächtigen Jubiläums-Feuerwerk der Extraklasse überrascht.


00:05 (PZ) ANAAL NATHRAKH
Kurz nach der Geisterstunde beehrte ein ganz besonderer Gast das Partyzelt. ANAAL NATHRAKH haben schon immer klar gemacht, dass für sie eine Tour im klassischen Sinn nie zur Debatte steht. Die spärlichen Konzerte der Briten werden deshalb auch zu ganz besonderen Ereignissen und dass es zum 15. Geburtstag des Summer Breeze sogar schon zum zweiten Mal geklappt hat, war dann umso schöner. Doch ganz ungetrübt blieb das Vergnügen nicht. Denn nachdem die Instrumental-Fraktion im Anschluss an ein stimmungsvolles Intro die Bühne betrat und kurze Zeit später auch Sänger V.I.T.R.I.O.L. folgte, erblickte man den imposanten Glatzkopf auf einer Krücke gen Bühnenmitte humpeln. Das Knie machte wohl Probleme und man sah, dass er merklich Schmerzen hatte als er sich getrieben von der kraftvollen Musik doch auf Tour begab. Zwar war er nie lange unterwegs, gab aber, ebenso wie der Rest der Band, restlos alles. Gerade bei den Blast-Parts musste Drummer St. Evil hinter den Kesseln Höchstleistungen vollbringen. Die vielen Fans, die bis dahin ausgeharrt hatten – eine Dame wurde vorher schon absolut emotionslos in der ersten Reihe bei den DEEZ NUTS gesichtet, nur um einen Platz in der ersten Reihe zu haben – kamen mit Sicherheit sowohl optisch, als auch durch die Auswahl der Songs voll auf ihre Kosten. Die 50 Minuten Spielzeit rauschten viel zu schnell vorbei. Nach dieser beeindruckenden Show bleibt nur zu hoffen, dass ANAAL NATHRAKH bald wieder live zu sehen sein werden.


01.15 (PZ) CIRCUS INSANE
Als der Zeremonienmeister Doc Insane mit seinem flammend-roten Iro die Bühne betrat, wussten wohl die wenigsten im Zelt, was sie in den kommenden 45 Minuten erwarten würde. Als er sich dann aber mal eben mit einem Tacker einen Flyer an die Stirn tackerte, war die grobe Marschrichtung vorgegeben. Der offensichtlich für Schmerz nicht oder nur sehr wenig empfängliche Brite malträtierte sich in der Folge auf mannigfaltige Art, klopfte sich nen Nagel in die Nase, bohrte mit nem Akkuschrauber hinterher, ließ sich mit Dartpfeilen ins Gesicht werfen (zur Sicherheit seiner Augen trug er natürlich eine Schutzbrille!), steckte seine Finger in Wildfallen, deren Funktionalität er davor eindrucksvoll mit einem Würstchen unter Beweis gestellt hatte und ließ sich mit einem Vorschlaghammer eine Steinplatte im Schritt zertrümmern. Zudem zerbiss er eine Glühbirne und hielt sich dann das Mikro an den Mund, damit auch alle hören konnten, wie er knirschend die Scherben zerbiss. Dazwischen durfte der arme (?) Kerl zwei Mal für ein paar Minuten verschnaufen bzw. seine Wunden desinfizieren. Denn es gab zudem zwei Showeinlagen aus dem Bereich Artistik. Zunächst die African Bothers, die zu dritt über den Bühnenboden und die Luft darüber wirbelten, sich aufs unnatürlichste verrenkten und für jede Menge Spontanapplaus sorgten mit ihren halsbrecherischen Kunststückchen – demnächst auch bei Das Supertalent! Und später dann eine ähnlich bewegliche Lady, die mit unzähligen Hula-Hoop-Ringen hantierte und es schaffte unzählbar viele von ihnen gleichzeitig mit ihren Körperteilen zum Rotieren zu bringen. Den Schlusspunkt markierte dann wieder Doc Insane, als er auf einem großen Handtuch einen Eimer ausleerte in dem sich Scherben von 30 Glasflaschen befanden. Da legte er dann sein Gesicht rein, das Mikro daneben und dann stieg ihm einer der Artisten auf den Hinterkopf, dass es nur so splitterte und krachte. Brrrr. Schade, dass die vorbereitete Messerwerf-Wand und die Motorsägen aus Zeitgründen nicht mehr zum Einsatz kamen. Nach der Show musste sich auch niemand mehr wundern, warum die besonderen Talente von Doc Insane ihm bei mehreren Shows in Großbritannien Senderverbot einbrachten. DON’T TRY THIS AT HOME!!!


02.20 (PZ) ENTRAILS
Die Schweden ENTRAILS teilen mit ihren Landsmännern von EVOCATION und INTERMENT eine recht ähnliche Biografie. Anfang der Neunziger gestartet, dauerte es im Falle von ENTRAILS tatsächlich 19 Jahre, bis das Debütalbum “Tales From The Morgue“ endlich veröffentlicht wurde. Besser spät als nie, kann man hier nur sagen, denn geboten wird, wie auch auf dem Nachfolger “The Tomb Awaits“, feinster klassischer Schwedentod im Stil der alten ENTOMBED, GRAVE und DISMEMBER. Die versammelten Death Metal-Maniacs im Zelt durften sich also über eine geballte Ladung stilistisch absichtlich eingeschränkten Todesbleis erfreuen, welcher verdammt authentisch und mit viel Charme und schmissig dargeboten wurde. Die Mischung aus aggressiv sägenden Riffs mit latent eingestreuten Melodien, energischem Schlagzeugspiel und purer Spielfreude machte einfach Spaß. Und bei den äußerst geradlinigen, im Vergleich zu den obengenannten Vorreitern, sehr schnellen Stücken, ging jedem Liebhaber der guten alten Elchtod-Schule das Herz auf. Man fühlte sich in die Zeit Anfang der Neunziger Jahre zurückversetzt, und viele ließen gepflegt die Matte kreisen. Ein überzeugender und mitreißender Auftritt mit herrlich nostalgischem Charme.


03.20 (PZ) HATESPHERE
Nach der Vollbedienung an klassischem Death Metal lag es an HATESPHERE, das SUMMER BREEZE 2012 zu beenden. Es hatten sich noch einige Hartgesottene im Zelt eingefunden, um zusammen mit den Dänen ein wunderbares Festivalwochenende mit kräftigem Metal ausklingen zu lassen. Die Band, welche in den letzten Jahren bis auf Gitarrist und Mastermind Pepe Lyse Hansen komplett durchgewechselt wurde, machte von Anfang an richtig Alarm, und lieferte ein brachiales und präzises Brett an modernem Thrash Metal. HATESPHERE gelang es dabei, mit ihrem feinsten Geknüppel nochmals alle Reserven im Publikum zu aktivieren. Die versammelten Fans ließen sich von der energischen Performance mitreißen, es gab nochmals einen letzten Circle Pit. Die Dänen liefen zu Höchstleistungen auf, spielten äußerst präzise und mit sichtlich viel Freude. In Sachen leidenschaftlicher Darbietung stach dabei vor allem der sympathische Frontmann Esben hervor, welcher sich die sprichwörtliche Seele aus dem Leib brüllte, und zwischen den Stücken mit witzigen Ansagen für Stimmung sorgte. Und so endete das SUMMER BREEZE 2012 mit allerfeinstem Thrash-Gebolze, das keinerlei eventuell aufkeimender Müdigkeit nicht den Hauch einer Chance ließ.