Rückblick 2013

Mittwoch, 14.08.2013:
WALKING DEAD ON BROADWAY, AEONS CONFER, 
STORMBORN, 
DIVIDE, DAHACA,
 MAY THE SILENCE FAIL, BURY TOMORROW, VADER, 
EXODUS, DESTRUCTION, KADAVAR, BLASMUSIK ILLENSCHWANG, REVEL IN FLESH, 
NASTY, 
DESERTED FEAR, YEAR OF THE GOAT, HAMMERCULT,
 WILD ZOMBIE BLAST GUIDE

Donnerstag, 15.08.2013:
FIRST BLOOD, THE BONES, SOILWORK, FEAR FACTORY, DER W, SABATON, NEW BLOOD AWARD WINNER, CULTUS FEROX, 
ALESTORM, WE CAME AS ROMANS, KORPIKLAANI, POWERWOLF, SALTATIO MORTIS, WINTERFYLLETH, MUSTASCH, ILLDISPOSED, EVOCATION, NECROPHOBIC, SOLSTAFIR, ATROCITY, CULT OF LUNA, DYING FETUS, HAGGARD, CARACH ANGREN, SKI-KING & BAND, TRAGEDY, HONIGDIEB

Freitag, 16.08.2013:
FEUERSCHWANZ, NEAERA, AGNOSTIC FRONT, EISBRECHER, ANTHRAX, LAMB OF GOD, SISTER SIN,
 LETZTE INSTANZ, LEAVES‘ EYES,
 END OF GREEN, WALLS OF JERICHO, TIAMAT, FINNTROLL, MERRIMACK, MISANTHROPE, ROTTEN SOUND, DER WEG EINER FREIHEIT, FIREWIND, ORPHANED LAND, WHITECHAPEL, MADBALL, EVERGREEN TERRACE, MARDUK, NOCTE OBDUCTA, DAS NIVEAU, 
BOB WAYNE & THE OUTLAW CARNIES, GASMAC GILMORE

Samstag, 17.08.2013:
ORDEN OGAN, VAN CANTO, MOONSPELL, DEVILDRIVER, HATEBREED, IN FLAMES, NACHTBLUT, ARKONA, FIDDLER‘S GREEN, KNORKATOR, ENSIFERUM, AMORPHIS, DARK FUNERAL, CLITEATER,
 DR. LIVING DEAD!,
 HATE,
 GRAND SUPREME BLOOD COURT, PRO-PAIN, 
GRAVE,
 ENSLAVED, 
TRISTANIA, 
ARCHITECTS, 
PRIMORDIAL,
 LONG DISTANCE CALLING, BEMBERS, VKGOESWILD, EDDIE SPAGHETTI, VOLKSMETAL

(MS) = Main Stage (PS) = Pain Stage (PZ) = Party Stage (CS) = Camel Stage

Mittwoch, 14.08.2013

14.00 (CS) BLASMUSIK ILLENSCHWANG
Tradition verpflichtet heißt es ja so schön. Und über die letzten Jahre ist der Auftritt der BLASMUSIK ILLENSCHWANG wahrlich zu einem Ritual geworden, das für sehr viele Festivalbesucher quasi den offiziellen Startschuss für unser aller liebste fünfte Jahreszeit gibt. Der gesamte Auftritt lässt sich als imposante Visitenkarte für den breiten Horizont der Metalszene lesen, von Engstirnigkeit und stilistischen Scheuklappen war jedenfalls weit und breit keine Spur. Hier feierte sich eine Szene mit viel Humor und Lebensfreude selbst, es fehlten natürlich weder die stimmungsvolle Polonaise noch erste Crowdsurfer, Circle-Pit- und Wall-Of-Death-Aktionen. Bei bestem Wetter und ebensolcher Laune sorgten Dirigent Günther Harich mit seiner Formation mal wieder für einen mehr als gelungenen Festivalauftakt.


15.00 (PZ) WALKING DEAD ON BROADWAY
Als erste Band des Tages begaben sich WALKING DEAD ON BROADWAY in den New Blood Award-Ring. Und direkt von der ersten Sekunde an war klar, dass die Leipziger hier nur eine Gangart gehen würden: Vollgas. Und sie hatten auch schon erstaunlich viel Volk vor der Bühne, das bereit bzw. sogar begierig war, die Band und ihren Deathcore abzufeiern. Nach dem Intro gab es bereits beim Opener "Illusions" kein Halten mehr im Publikum, es bildete sich sofort ein Moshpit vor der Bühne in dem sich die Meute extrem agil und sportlich betätigte. In Sachen Hingabe gab's also weder auf, noch vor der Bühne etwas zu meckern, nur der Sound liefl etwas zu wünschen übrig. Sänger Robert und seine vier Mitstreiter nutzten ihre 25 Minuten Spielzeit optimal und legten sehr stark vor.


15.45 (PZ) AEONS CONFER
Nach 20 Minuten Umbaupause war es dann Zeit für die Hanseaten von AEONS CONFER. Mit ihrem Modern Symphonic Dark Metal ging es stilistisch in eine deutlich andere Richtung, die Fanscharen von WALKING DEAD ON BROADWAY machten somit recht schnell Platz für die nicht ganz so zahlreichen AEONS CONFER-Anhänger. Schon rein äußerlich wirkten sie durch die einheitliche schwarze Leder-Kleidung sehr homogen, ihr Fronter Bernhard war mit seinem gestählten Body und Oberarmen, die normale Menschen als Oberschenkel haben, eindeutig der Blickfang. Er überzeugte auch stimmlich mit starken Growls und klaren Gesangspassagen, die leicht an CANDLEMASS erinnerten. Der Sound war leider immer noch nicht optimal, aber zumindest das Schlagzeug und die atmosphärischen Keyboard-Teppiche waren neben dem Gesang recht gut auszumachen. Die Anreise aus Hamburg hat sich für die Band auf jeden Fall gelohnt.


16.30 (PZ) STORMBORN
Einen noch etwas längeren Anfahrtsweg als die Hamburger AEONS CONFER hatten die folgenden STORMBORN. Die Londoner sind tatsächlich zu fünft (!) in einem Kleinwagen (!!!) zum Festival nach Dinkelsbühl gegondelt. Das mag auch ein Grund für den enormen Bewegungsdrang sein, den besonders ihr Fronter Carl Casagrande an den Tag legte. Wie der junge W. Axl Rose in seinen besten Tagen zischte er ständig von links nach rechts und retour, animierte die Leute zum Mitmachen und erledigte "nebenher" noch einen souveränen Job am Mikro. In kürzester Zeit füllte sich die Fläche vor der Bühne mit Zuschauern, die sich schnell vom Power Metal der Briten mitreiflen lißen. Selbst als einer der Gitarristen minutenlang technische Probleme hatte, überbrückte Sänger Carl die Zwangspause locker und souverän mit ein paar Sprüchen, bevor es wieder mit dem Set weitergehen konnte.


17.15 (PZ) DIVIDE
Nach dem klassischen NWOHM, mit dem die Briten STORMBORN begeisterten, war es wieder Zeit den Härtegrad zu erhöhen. DIVIDE aus Kiel hatten sich angesagt und legten gleich zu Beginn ordentlich los. Leider hatten auch die sympathischen Nordlichter mit einem eher durchschnittlichen Bühnensound zu kämpfen, der die teils filigranen Death Metal Salven mitunter wenig transparent wirken ließ. Ungeachtet dieser Tatsache gab es an den musikalischen Fähigkeiten wenig auszusetzen. Brachiale Death Metal-Granaten, im Fahrwasser von VADER und BOLT THROWER wurden zielgerichtet ins Publikum gefeuert. Insbesondere Sänger Daniel Stelling konnte mit seinem charismatischen Organ überzeugen und würde jeder etablierten Band des Genres gut zu Gesicht stehen. Unterm Strich ein mehr als solider Auftritt der jungen Band, die durchaus Hoffnungen für den deutschen Death Metal-Nachwuchs zurücklässt. Auf die inszenierte und eher kümmerliche Wall Of Death am Ende des Sets hätte man allerdings gerne verzichten können. Daumen hoch!


18.00 (PZ) DAHACA
Polnische Bands haben mittlerweile eine gewisse Tradition beim New Blood Award. Nach dem letztjährigen Gewinner OBSCRURE SPHINX, hat es mit DAHACA eine weitere Band aus Polen in das Finale des Contests geschafft. Zu Recht, wie die folgenden 25 Minuten beweisen sollten. DAHACA hatten zwar nicht den besten Start, musste Gitarrist Tom doch nach wenigen Sekunden ein defektes Gitarrenkabel ersetzen. Danach legten die Polen aber umso vehementer los und zeigten musikalisch imposant, warum sie Teil dieses Wettbewerbs waren. Ihr Brutaler Death Metal, versetzt mit treibenden Grooveparts, wurde perfekt in Szene gesetzt. Keine Kompromisse, war der Leitspruch an diesem Abend. Lediglich Sänger Filidh war sichtlich unentspannt und hatte zunächst etwas Mühe die Death Metal-Kracher des Fünfers ins Publikum zu transportieren. Schlussendlich tat dies einem gelungenen Auftritt allerdings keinen Abbruch. DAHACA sind ein schönes Beispiel einer lebendigen Szene und werden hoffentlich bald wieder irgendwo zu sehen sein. Well done!


18.45 (PZ) MAY THE SILENCE FAIL
Es war Zeit für die letzte Band des NEW BLOOD Awards. Die Lokalmatadoren MAY THE SILENCE FAIL ließen bereits mit einem imposanten Bühnenaufbau keine Zweifel aufkommen, dass man den heutigen Abend mehr als ernst nehmen würde. Auch das Rund war mittlerweile richtig gut gefüllt und man spürte bereits beim Opener "Come Alive", dass man hier Heimvorteil genießen würde. Diesen Bonus hatten die Schwaben um die beiden charismatischen Sängerinnen Janina und Sarina allerdings gar nicht nötig. Nahezu perfekt aufeinander eingespielt, huschte man durch das kurzweilige Set. Von der Nervosität einer jungen Band war am heutigen Abend nichts zu spüren und die beiden Damen überboten sich gegenseitig im Spiel mit dem dankbaren Publikum. Beim Auftritt der Band war deutlich zu spüren, dass man sich gut auf den heutigen Auftritt vorbereitet hatte. Man überließ nichts dem Zufall, das komplette Set wirkte harmonisch und die Band strotzte nur so vor Spielfreude. Am Schluss bleibt festzuhalten, dass MAY THE SILENCE FAIL eine deutliche Duftmarke hinterlassen haben und in dieser Form noch für Aufsehen sorgen werden. Bravo!


19.30 (CS) REVEL IN FLESH
War es am Mittag noch die BLASMUSIK ILLENSCHWANG, die für eine amüsante Unterhaltung auf der Camel Stage sorgte, sollte es am frühen Abend mit den Schwaben von REVEL IN FLESH eine ganze Ecke brutaler werden. Die fünf dunkel gekleideten Jungs hatten ihr taufrisches Album "Manifested Darkness" mit im Gepäck und bewiesen in einer routinierten Show, dass gut gemachter, oldschooliger Death Metal auch in heimischen Gefilden zu finden ist. Mit ordentlicher Durchschlagskraft präsentierten REVEL IN FLESH eine knappe halbe Stunde lang walzende Nackenbrecher in bester Stockholm-Manier. Tracks wie "Revel In Flesh" oder das ältere "Iron Coffin" kamen bleigeladen und voll auf die Zwölf. Da ließen dann auch die ersten Headbanger nicht lange auf sich warten, hatte sich vor der blauen Bühne doch eine ordentliche Meute eingefunden, um dem brutalen Treiben zu lauschen. Das kalte Lüftchen, das einige Male herb um die Ecke zog, vertrieb der muntere Frontsänger schnell mit guter Laune und seinem brutalen Organ, und auch dem Publikum war das Wetter anscheinend egal, die Stimmung war ausgelassen. So vergingen die 30 Minuten Show wie im Flug und REVEL IN FLESH, die sich übrigens ganz oldschool nach einem Track der Veteranen von ENTOMBED benannt haben, ließen sich bei den sechs dargebotenen Tracks zu keiner Sekunde anmerken, dass sie noch als Underground-Tipp durchgehen. Ein starker Auftakt für diesen ersten Abend.


20.00 (PZ) BURY TOMORROW
Mit BURY TOMORROW folgte in der nun beginnenden Nuclear Blast-Labelnacht eine Band aus England, welche Deathcore wie aus dem Lehrbuch spielt und sich dabei auf die gängigen Stilmittel verlässt: Harte Riffs wechseln mit Melodien, inbrünstige Growls und fiese Screams im Wechselspiel mit Klargesang, und natürlich jede Menge massive Breakdowns. Wie auch auf Platte bewiesen sie live, dass sie gerade für die Abwechslung von cleanen und aggressivem Gesang ein wirklich gutes Gespür haben, wie Frontmann Daniel Winter-Bates für die Screams, und sein Sidekick Jason Cameron, zuständig für die klare Stimme und Gitarre, eindrucksvoll unter Beweis stellten. BURY TOMORROW präsentierten sich sehr bewegungsfreudig und energiegeladen, und diese Energie griff von Anfang an auf das Publikum über, was zu massenweise Headbanging, Moshpits, Crowdsurfern und lautstarkem Mitsingen führte. Die bereits vor dem Auftritt lautstark geforderte Wall Of Death wurde sogleich am Anfang eingelöst, und zum Circle Pit mussten BURY TOMORROW das SUMMER BREEZE-Publikum auch nicht lange bitten. Die aggressive Musik stand im Kontrast zum sehr sympathischen Auftreten der Band, welche nicht müde wurde, sich mehrmals bei allen und jedem zu bedanken, selbst bei den Leuten, die mit BURY TOMORROW nichts anfangen können, aber trotzdem den Weg ins Zelt gefunden hatten. Den Vogel schossen die Engländer allerdings ab, als sie es nicht nur schafften, dass viele Fans einander auf die Schulter nahmen, sondern nahezu das komplette Zelt inklusive der Musiker auf die Knie ging, um sogleich wieder aufzuspringen. Ein wirklich sehr unterhaltsamer und mitreiflender Auftritt!


20:45 (CS) NASTY
Beatdown, wenn man denn NASTY in diese Spielart des Hardcore stecken will, war trotz immer wieder ins Billing eingestreuter Hardcore-Hochkaräter, eigentlich noch nie auf dem SUMMER BREEZE vertreten. Dass gerade NASTY eingeladen wurden, spricht dabei nur für die Popularität, die die deutsch-belgische Co-Produktion seit einigen Jahren in der Szene genießt. Und genau das spürte man von den ersten Tönen des Openers "Fire On The People" an sofort, es wurde eng und der Schweiß floss in Strömen. Sänger Matthi suchte direkt die Nähe des Publikums und verbrachte mehr Zeit im Graben als auf der Bühne, während sich die Band zackig durch die Setlist bolzte. Das zahlreiche Publikum reagierte mit Circle-Pits, wildem Gemoshe und feierte ausgelassen bis zum letzten Ton. So wurden die 30 Minuten Spielzeit zu einem Siegeszug, der von den meisten so vielleicht nicht erwartet wurde, aber durch eine äußerst engagierte Leistung mehr als verdient war. Selbst nach dem regulären Set wollte die Meute die Band nicht gehen lassen und forderte lautstark eine Zugabe. Da noch drei Minuten Spielzeit übrig waren, kamen NASTY auch prompt dieser Forderung nach, bevor sie sichtlich glücklich die Bühne räumten.


21.15 (PZ) VADER
Immer wieder gerngesehene Gäste des SUMMER BREEZE sind fraglos VADER, welche seit Jahrzehnten Garanten für massive, schnörkellos brutale und dennoch gepflegte Death Metal-Auftritte sind. Nachdem BURY TOMORROW das Publikum im Zelt ordentlich angestachelt hatten, lag es nun an der polnischen Kampfmaschine, den Hunger nach lautem, extremen Metal und Bewegungsdrang zu stillen. Die Sturmtruppen um Frontkämpfer Piotr "Peter" Wiwczarek fuhren mal wieder erbarmungslos das volle Brett auf und feuerten mit "Sothis" und "Vicious Circle" gleich mal zwei ordentliche Granaten ins zum Bersten gefüllte Zelt. Dabei präsentierten sich VADER wieder einmal in gewohnter Stärke: Enorm tight, perfekt aufeinander eingespielt und dabei auch noch mit unglaublicher Bühnenpräsenz gesegnet, holzten sich die Polen präzise und unerbittlich durch ihren unverkennbar eigenen, rohen Todesblei, und lieferten den Fans genau das, wonach diesen dürstete. Eine ordentliche Portion Old School Death Metal zum Abfeiern! Zwischen den druckvollen Songs übte sich Piotr in seinen Ansagen in Fremdsprachenkenntnissen und unterhielt das Publikum in perfektem Deutsch. Mit diesem starken Auftritt untermauerten VADER einmal mehr eindrucksvoll, welche Macht sie auch und vor allem live sind, wozu auch das vom Publikum lauthals mitgesungene Outro "The Imperial March" von Star Wars passte. Bis zum nächsten Mal!


22.15 (CS) DESERTED FEAR
Nach der Beatdown Walze von NASTY boten DESERTED FEAR ein krasses Kontrastprogramm auf der Camel Stage. Dass VADER im Zelt gerade ihr Set beendet hatten, spielte den Thüringern natürlich stark in die Hände, denn einige nimmersatte Death Metal-Jünger bekamen genau den passenden Nachschlag geliefert. Nach kurzem stimmungsvollen Intro ging es gleich wuchtig mit "The Battalion Of Insanities" vom 2012er Album "My Empire" los. Dabei kam der Mid-Tempo-lastige, dezent melodische Death live sogar noch eine Spur heftiger rüber, als auf Platte. Auch das folgende "Nocturnal Frags" hielt das Aggressionslevel hoch und die Köpfe am kreisen. Nur gelegentliche Pausenfüller vom Band lockerten ab und zu das Brett auf, das DESERTED FEAR da abfeuerten. Zwar hatte die Band zwischenzeitlich mit leichten technischen Problemen zu kämpfen, doch taten auch diese der guten Stimmung keinen Abbruch. Eine halbe Stunde pure Energie, die wohl keinen Death Metal-Fan enttäuscht zurückgelassen hat.


22.45 (PZ) EXODUS
Nachdem VADER das Partyzelt amtlich planiert haben, wird es Zeit für die doppelte Thrash-Granate aus EXODUS und DESTRUCTION. Dass EXODUS ihren bisher einzigen Gig beim Summer Breeze vor fünf Jahren spielten, merkt man sofort. Der Platz vor der Bühne ist sogar noch ein wenig voller als bei VADER, als die Amerikaner mit "The Ballad Of Leonard And Charles" und "Beyond The Pale" in ihr Set einstiegen. Bis auf den harten Kern im Pit reagieren die Fans gemessen am Menschenauflauf zunächst ein wenig träge, doch die Thrash-Veteranen wussten genau, wie sie das Publikum auf Betriebstemperatur bringen konnten. Immer wieder stachelte Fronter Rob Dukes die Menge mit Anfragen nach Circle Pits an, war sich für keinen Spaß mit aufblasbaren Gummistangen zu schade und wuchtete seinen massigen Körper fortwährend über die Bühne. Die Saitenfraktion tat moshenderweise ihr Übriges. Vor allem HEATHEN-Gitarrist Kragen Lum, der für den aktuell bei SLAYER aushelfenden Gary Holt einsprang, macht eine gute Figur und beherrscht seine Parts fließend und fehlerfrei. Spätestens bei "Children Of A Worthless God" kochte die Halle und flogen die Crowdsurfer in die Arme der Security. Nachdem "Bonded By Blood" als Tribut an Jeff Hanneman und Paul Baloff abgefeuert wurde, folgte direkt danach bei "A Lesson In Violence" der größte Cirlce Pit des Gigs. Ob hier wohl die Ankündigung Dukes geholfen hat, EXODUS würden die Show für eine anstehende DVD filmen? Fest steht: EXODUS servierten hier ein absolutes Brett, das kein Thrasher-Auge trocken ließ und die Messlatte für DESTRUCTION ganz schön hoch legte.


23.45 (CS) YEAR OF THE GOAT
Es nahte die Geisterstunde auf der Camel Stage - und was könnte da besser passen als der okkulte Rock von YEAR OF THE GOAT? Der charismatische Sänger und Gitarrist Thomas Sabbathi begrüßte das Publikum mit den Worten "Welcome To The Circle!", was die sechs Musiker mit ihrem eröffnenden Song "A Circle Of Serpents" mit Bedeutung füllten. Die teilweise an verlangsamten Ska erinnernde Rhythmus-Arbeit der drei (!) Gitarristen mochte dem ein oder anderen Zuschauer zunächst seltsam erscheinen, doch entsteht hierdurch ein beeindruckend treibendes Fundament, das durch das geradlinige Schlagzeug vervollständigt wurde. Die Schweden blieben auch im nachfolgenden Song dem Thema "Circle" treu, dieses Mal sind es nämlich "Spirits Of Fire", die Musiker und Zuhörer umkreisen. Spätestens jetzt wurde auch klar, warum die Band auf der Bühne mit drei Gitarristen arbeitet: Die zweistimmigen Lead-Motive klingen einfach viel zwingender, wenn sie von einer gesunden Rhythmusfraktion unterstützt werden. Keyboarder Pope, der hier und dort auch gesangliche Unterstützung liefert, ergänzt mit Hammond- oder anderen Vintage-Klängen das retrospektive, aber dennoch frische Gebräu, das die Menge vor der Bühne nicht nur zu begeistertem Kopfnicken animierte, sondern auch immer wieder die Pommesgabel herausforderte. Nach einer halben Stunde dieses auffällig abwechslungsreichen Retro-Rocks verabschiedeten sich YEAR OF THE GOAT mit "Lepaca Luciferi"-Skandierungen von ihrem dankbaren Publikum.


00.15 (PZ) DESTRUCTION
00.15 (PZ) DESTRUCTION Nach dem Feuerwerk, das EXODUS just abgebrannt haben, hatten DESTRUCTION einen merklich schweren Stand. Nicht nur, dass die Menge um gut ein Drittel geschrumpft ist, auch die verbleibenden Fans lassen sich nur schwerlich zu einem Aktionslevel animieren, das dem bei EXODUS annähernd gleichkam. Dabei präsentierten sich die deutschen Urgesteine eigentlich in guter Form. Identifikationsfigur Schmier beackert alle drei Mikrofone in regelmäfligem Wechsel und moshte und bangte mit Gitarrist Mike, was das Zeug hielt. Doch erst als Schmier es mit trockenem Humor versuchte und fragte, ob das Publikum denn schon mal von einem Moshpit im Metal Hammer gelesen hat, ließ sich selbiges aus der Reserve locken. Obwohl (oder gerade weil) die Setlist fast auf den Song genau die gleiche war wie beim letzten DESTRUCTION-Auftritt beim Summer Breeze vor zwei Jahren, geriet die Maschinerie spätestens beim "Mad Butcher" ins Rollen. Eingeheizt durch eine Menge an Pyroeffekten, bildeten sich immer wieder kleinere Moshpits, die DESTRUCTION mit einer lupenreinen Leistung quittierten. Der Lohn für die Mühen: bis zu den letzten Klängen von "Curse The Gods" dünnte die Menge kaum aus und DESTRUCTION wurden so abgefeiert, wie es sich gehört.


00.45 (CS) HAMMERCULT
Der Fünfer von HAMMERCULT machte von der ersten Sekunde an klar, dass man nicht gewillt ist, in dieser halben Stunde auch nur einen Gefangenen zu machen: Die spitzen Schreie von Sänger Yakir Shochat zogen die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich - etwas, das man ohne Zweifel auch über den zackigen Death Thrash Metal der Israelis sagen muss: In der Tat hätten sich HAMMERCULT wohl keinen besseren Platz in der Running Order aussuchen können - schliefllich trudelten nach und nach die Zuschauer des DESTRUCTION-Auftritts von der benachbarten Party Stage ein. Es schien fast, als hätten DESTRUCTION ihren Anhängern noch genug Energie für HAMMERCULT gelassen, jedenfalls formierte sich innerhalb kürzester Zeit ein beeindruckender Circle Pit, den die Band ausdrücklich zu schätzen wusste. Yakir bezeichnete die deutschen Metal-Fans angesichts der mittlerweile deutlich fallenden Temperaturen nicht umsonst als "verrückteste Metal-Fans der gesamten Welt". Als er sich dann noch positiv über deutsche Frauen und insbesondere deutsches Bier äußerte, war ihm die Sympathie der Zuschauer vollends sicher. Die Musiker hatten sichtlich Freude an ihrer Musik und der Interaktion mit dem Publikum und dankten es mit zwei neuen Songs vom bald erscheinenden zweiten Album. Deren einer Titel ist wohl programmatisch für diesen Auftritt: "Metal Rules Tonight". Das Ende des kompakten, aber gewaltig Arsch tretenden Sets widmeten HAMMERCULT dann auch stilecht dem kürzlich verstorbenen SLAYER-Gitarristen Jeff Hanneman. Ein würdiger Abschluss der Gewinner des Wacken Metal Battles 2011.


01.45 (PZ) KADAVAR
Zum Tagesabschluss nahmen KADAVAR das Publikum mit auf eine Zeitreise in die glorreichen Siebziger. Die Outfits und wilde Haarpracht des Berliner Power-Trios wirkten ebenso anachronistisch wie die authentisch unmodernen Psychedelic-Sounds. Dass KADAVAR eigentlich "nur" als Ersatz für die Schweden WITCHCRAFT eingesprungen waren, spielte kaum eine Rolle, sprachen sie doch ohnehin dieselbe Klientel an. Dieses folgte der Show bis zuletzt aufmerksam und nickte dabei gleichermaflen stoisch wie selig grinsend den Takt ab. Die Setlist wurde dabei nicht vom im April erschienenen "Abra Kadavar" dominiert, sondern vom selbstbetitelten Albumdebüt aus dem Jahr 2012. Dabei konnte man das Drum-Kit von Taktgeber Christoph "Tiger" Bartelt durchaus als Symbol für den Sound sehen: bewusst minimalistisch und vollkommen transparent. Wer sich da nicht ganz hippiesk auf den coolen Grooves treiben ließ, dürfte für die noch immer unaufhaltsam weiterrollende Retro-Rock-Welle gänzlich unempfänglich sein.


02.30 (CS) WILD ZOMBIE BLAST GUIDE
Für ein ansehnliches Häufchen Unverzagter geht der Tag mit wüstem Geknüppel zu Ende. "The Walking Dead" und Konsorten zum Dank sind Zombies gerade schwer in Mode, wovon auch WILD ZOMBIE BLAST GUIDE profitieren wollen, die ihren derben Grind-Metalcore-Thrash-Mix mit dem passenden Image aufpeppen - Styropor-Grabsteine und blutige Plastik-Köpfe auf der Bassdrum inklusive. Mit dem (natürlich ebenfalls blutbesudelten) weiflen Priester-Schal ihres Sängers und dem manchmal ins pseudo-sakrale entgleitenden Horror-Mäntelchen versuchten WILD ZOMBIE BLAST GUIDE auf eine ähnliche Weise über die Musik hinaus Aufmerksamkeit zu erregen wie es POWERWOLF erfolgreich vorgemacht haben. Dass deren Gitarrist Matthew Greywolf sogar das Mastering des in Kürze erscheinenden Zweitwerks "Salute The Commander" übernommen hat, überrascht angesichts der gänzlich unterschiedlichen musikalischen Ausrichtung dennoch. Das Publikum feierte die fetzigen Stücke begeistert ab und ließ sich dabei noch reichlich launige Floskeln um die Ohren knallen: "Nur die Harten kommen in den Garten!" - "Es war uns eine Ehre, euer Hirn zu zermalmen!" - "Wir sehen uns in der Hölle!" Sprach's und beendete mit dem hitverdächtigen "Double Tap" (Zombieworld, anybody?) den Festival-Mittwoch am frühen Donnerstagmorgen.


Donnerstag, 15.08.2013

12.00 (PS) NEW BLOOD CEREMONY & STORMBORN
Nach einer durchaus "frischen" Nacht, begrüßte die Sonne das SUMMER BREEZE Publikum pünktlich und unerbittlich zur Verleihung des NEW BLOOD AWARDS, der in diesem Jahr zum sechsten Mal verliehen wurde. Zur Awardübergabe hatten sich die Jury und natürlich die Gewinnerband STORMBORN eingefunden. Nach kurzer Ansprache von Jens Prüter (Head of A&R von Century Media) wurde der eigens über Nacht gravierte Award an die Band übergeben. Nach einer kurzen Umbaupause war es dann Zeit für die Jungs aus London, die am Vortag eine sechzehnstündige Autofahrt auf sich genommen hatten. Auch dafür noch mal höchsten Respekt an dieser Stelle. Schon bei den ersten Tönen des technisch ausgefeilten Power Metals füllte sich der Platz vor der Bühne sichtlich. Carl Casagrande, der Mann am Mikro, ließ sich davon sichtlich inspirieren und fegte wie ein Derwisch über die Bretter. Obwohl man den Jungs zunächst anmerkte, dass man den gestrigen Sieg gefeiert hatte, lieferte der Fünfer auch heute ein brillantes Set. Allen voran wieder Goldkehlchen Carl, der einen grandiosen Job am Mirko ablieferte und keinen Chance ausließ, das Publikum professionell zu animieren. So war es auch kein Wunder, dass die "Matten" mittlerweile im Takt kreisten. Das Ende des Sets markierte im Gegensatz zum Vortag das grandiose Stück "Stormborn". Ein starker Auftakt an diesem ersten Festivaltag auf dem Hauptgelände und vielleicht der Startschuss in eine hoffnungsvolle Zukunft. Wir sind gespannt!


12:45 (MS) FIRST BLOOD
FIRST BLOOD gehören sicherlich zu den Durchstartern der letzten Jahre, was das Segment des metallischen Hardcore angeht, und hatten sich den Opener-Slot auf der Main Stage somit mehr als verdient. Wer die Truppe um Ex-TERROR-Bassist Karl Schwarz einmal live gesehen hat, kann sicher ein Lied über die Qualitäten der Band singen. Zwar funktioniert der Sound der Amis immer am besten in einem kleinen Club mit viel Nähe zum Publikum, aber auch auf der groflen Bühne kam der moshlastige Sound hervorragend rüber. Nach kurzem mit Micheal Jackson-Samples gespickten Intro ging es sofort energiegeladen los. Sowohl Band als auch Publikum schenkten sich in Sachen Frühsport nichts. So wurde die ganze Palette möglicher und unmöglicher Verrenkungen durchexerziert: Violent Dancing, Wall Of Death, ein Haufen Cirlce-Pits und Headbangen sowieso. Das forderte den Tanzwütigen viel Substanz ab, so dass erstmals zur Kühlung der durch die Sonne aufgeheizten Körper der Feuerwehrschlauch zum Einsatz kam. Nach knappen 40 Minuten und einem ausgewogenen Mix aus dem 2006er Album "Killafornia" und dem 2010er Album "Silence Is Betrayal" war Schluss. Für die geforderte Zugabe blieb da keine Zeit mehr. Starker Auftritt, der die Messlatte bereits sehr früh, sehr hoch gelegt hat.


13.30 (PS) CULTUS FEROX
Für eine lustige Mittelalter-Party mit Liedern über Sagen und Mythen, Piraterie und heidnische Religionen sind CULTUS FEROX immer zu haben. Die in mittelalterlichem Gewand aufspielenden Berliner sind seit Jahren eine der beliebtesten Bands des Genres, was sich während des SUMMER BREEZE Auftritts auch daran zeigte, dass die zahlreich versammelten Fans nicht nur ordentlich mittanzten, sondern auch textsicher die Zeilen ihrer favorisierten Barden mitsangen. Egal ob mit Stücken wie "Blendwerk" oder "Ahoii", CULTUS FEROX trafen mit ihren mitreiflenden Rhythmen und aufwühlenden, eingängigen Melodien den Nerv des Publikums und nahmen dieses mit auf eine Reise in längst vergangene Zeiten. Neben Gitarren, Bass und verschiedensten Trommeln gehörten zu der Instrumentierung noch Marktsackpfeifen, Flöten, Geigen und Drehleiher, womit die Barden bei aller Feierlaune auch für hohe Authentizität sorgten. Und mit richtig starker Rock-Show-Performance sorgten die Spielleute für ausgelassene Partystimmung im schwarzen als auch bunten Volk, welches bei der Mittagshitze auch für die Abkühlung vom Wasserschlauch aus dem Fotograben sehr dankbar war./p>


14.15 (MS) THE BONES
Es wurde Zeit für eine amtliche Party, und die gute Stimmung wurde schon einmal von "We Don't Talk Anymore" von CLIFF RICHARD, dessen Foto auch groß vor dem Schlagzeug prangte, angeheizt. Mit THE BONES aus Schweden kann man einfach mehr als nur gut feiern, woran die Herren auch an diesem Mittag keinen Zweifel ließen! Laut, mit rotziger Attitüde und viel Spaß in den Backen rockten THE BONES ihre gute Mischung aus dreckigem, nach vorne preschendem Punk und Rock'n'Roll, irgendwo zwischen MOTÖRHEAD und THE GENERATORS, und traten dabei ordentlich aufs Gaspedal. Der Stimmungspegel war seitens der spielfreudigen Band und der Zuschauer konstant hoch, es wurde getanzt und lauthals mitgegrölt, kein Wunder bei der schweißtreibenden Performance sowie derart eingängigen Melodien und Sing-Alongs. Und so entfesselten THE BONES ihr volles Energiepotential während des Auftritts, vollgepackt mit Party, Bier und Rock 'n' Roll. Höhepunkt des gut besuchten Auftritts war das dreckig runtergetrümmerte ACCEPT Cover "I'm A Rebel". Davon überzeugte sich auch FEAR FACTORY Sänger Burton C. Bell, der den Auftritt von THE BONES auf der Bühne sichtlich gut gelaunt mitverfolgte.


15.00 (PZ) WINTERFYLLETH
Wer an diesem noch jungen Summer Breeze bisher unter Black Metal-Entzug litt, der bekam jetzt mit WINTERFYLLETH die volle Schwarzwurzel-Kurpackung. Naja, zumindest akustisch, denn wie typische Vertreter ihrer Zunft gaben sich die vier Jungs aus Manchester nicht gerade. Kein Gepose, keine aufwändigen Outfits, dafür reiner, folkloristisch angehauchter und tight dargebotener Black Metal Made in England. Für den Donnerstags-Opener auf der Party Stage fanden sich trotzdem kaum mehr als 150 Seelen im Zelt ein und auch zusätzliche Laufkundschaft wollte sich während des Gigs nicht blicken lassen. Das interessierte die vor allem seit ihrem aktuellen Album "The Threnody Of Triumph" hochgefeierten Briten aber herzlich wenig: routiniert und ohne viel Gehabe präsentierten sie ein ausgewogenes Set, das auch die ersten beiden, weniger bekannten Alben berücksichtigte. Hätte sich die gesamte Menge mal an die vereinzelten Banger im Pit gehalten, dann wäre WINTERFYLLETHs SUMMER BREEZE-Debut zu den Highlights der letzten Jahre zu zählen gewesen. Dennoch ein guter Gig, bei dem man den Mannen sogar das leichte überziehen ihrer Spielzeit nachsah.


15.05 (PS) ALESTORM
Yo-ho-ho, die Piraten schickten sich an, die Partystage, nein, das ganze SUMMER BREEZE im Sturm zu entern! Unter dem Banner von Jolly Roger versammelten sich ALESTORM, um mit ihrer Mischung aus klassischem, nach vorne preschendem Heavy und Thrash Metal, Piraterie, rauen Sitten und Party für ausgelassene Stimmung zu sorgen. Mit voller Breitseite feuerten die latent alkoholisierten Schotten um Christopher Bowes ihre schnapsgeladene Musik unters sehr zahlreich versammelte Volk, spielten ihre Stücke unter vollen Segeln, und das SUMMER BREEZE feierte, grölte, soff, bangte und tanzte bei bester Laune. Zweifelsohne avancierte der Auftritt von ALESTORM zum bisherigen Stimmungshöhepunkt des Donnerstags, das Publikum brandete in Heerscharen gegen die Wellenbrecher, eine Flut von Hunderten Crowdsurfer forderten die Securities im Fotograben, mehrfach saßen die Fans auf dem Boden und ruderten zu den treibenden Rhythmen, oder man schunkelte Arm in Arm. Der vielumjubelte und gefeierte Auftritt endete mit dem live deutlich flotter gespielten "Rum".


15.40 / 16.40 / 17.45 (CS) SKI-KING & BAND
Da soll noch einer behaupten, dass Metal-Fans in irgendeiner Weise engstirnig sind! Nachdem die BLASMUSIK ILLENSCHWANG mittlerweile zur Kult-Institution geworden ist, traten SKI-KING & BAND in ihren drei Sets erneut den Beweis an, dass man Metaller eben auch mit "klassischeren" Klängen begeistern kann: Der Vierer aus Nürnberg hatte zwar zu Beginn nicht das größte Publikum, der Zugewinn an tanzenden und feiernden Festival-Besuchern in kürzester Zeit war dagegen schwer beeindruckend. Nicht nur der Kopf der Band, SKI-KING himself, verbreitete durchweg beste Laune, auch die anderen Mitglieder standen ihm in Ausstrahlung und Spielfreude in nichts nach. Ein Blickfang war definitiv auch die Lady am Kontrabass Lea Randella, die in rosafarbenem Retro-Kleid und passendem Bass-Notenschlüssel-Tattoo auf der Schulter extrem lässig wirkte und diesen Eindruck durch einige akrobatische Einlagen noch verstärkte. Natürlich lag auch ihr Bass-Spiel der Musik entsprechend groovy über dem treibenden Schlagzeug und harmonierte wunderbar mit den bluesig-rockigen Gitarren. SKI-KING selbst bewegte sich stimmlich zwischen JOHNNY CASH, LEMMY KILMISTER und LEE HAZELWOOD, ebenso wohl sein Coolness-Faktor, der ihn und seine Band über alle drei Sets extrem unterhaltsam machte.


16.00 (PZ) MUSTASCH
Dass es im Party-Zelt nicht immer schnell zugehen muss, bewiesen MUSTASCH aus Schweden. Deren Hardrock zeichnete sich nämlich in erster Linie durch unfassbaren Groove aus, der im Wesentlichen in den Stakkato-Riffs der beiden Gitarristen Ralf Gyllenhammar und David Johannesson begründet liegt. Um so etwas zielsicher ins Publikum zu schießen, muss man als Band schon verdammt gut eingespielt sein - das demonstrierten die vier Schweden jedoch eindrucksvoll, wie die mehr als nur einmal entgegengebrachten "Hey! Hey! Hey!"-Skandierungen der Zuschauer bewiesen. Doch Groove ist bei MUSTASCH nicht alles - so merkte man den Songs hin und wieder deutlich ihre schwedische Herkunft an, denn das eine oder andere Motiv würde auch KATATONIA zu Gesicht stehen. Apropos "zu Gesicht stehen": Der Blick ins Publikum verriet schnell, wer wohl treuer Anh‰nger der Band sein dürfte: Aufgeklebte Schnurrbärte als Zeichen der Bewunderung? Großartig - genau wie die bereits beschrieben Kombination aus extrem dynamischem Hardrock und einigen melancholischen Momenten. So wurden MUSTASCH nach dem abschließenden "I Hunt Alone", das mit seiner 6/8-Rhythmik glänzte, vollkommen zu Recht frenetisch bejubelt.


16.00 (MS) SOILWORK
Die Schweden von SOILWORK gehören zu den wichtigsten Bands in ihrem Genre, werden sie doch regelmäflig in einem Atemzug mit Größen wie IN FLAMES oder DARK TRANQUILLITY genannt. Die fünf Mannen rund um Fronter Björn "Speed" Strid sind gern gesehene Festivalgäste, und auch das SUMMER BREEZE wurde schon in der Vergangenheit beehrt. Nun war es an diesem sonnigen Nachmittag also Zeit für den melodischen Death Metal modernster Prägung, den die Sechs seit Jahren zelebrieren. Dabei stand das neue Album "The Living Infinte", das im Rahmen der "European Infinity Tour" im Moment in ganz Europa präsentiert wird, natürlich im Vordergrund. Mit einem dicken Sound und ganz viel Professionalität, die man sich in fast 20 Jahren Bandgeschichte aneignete, wurde von Anfang an die Bühne zum Beben gebracht. Nach einem kurzen Keyboard-Intro wurde mit "Momentary Bliss" direkt ins Set gestartet, und das dankten die vielen Headbanger vor der Stage mit lautem Mitsingen, vereinzelten Moshpits und hunderten schwingenden Matten. Strid mag ein alter Hase im Geschäft sein, aber er ließ es sich nicht nehmen, von einer Seite der Bühne zur anderen zu stürmen, das Publikum zu animieren und dabei mit Zielsicherheit zwischen brutalen Shouts und den Orhwurm-Melodien zu wechseln, die viele Fans so zu schätzen wissen. Gegen Ende ging dem Guten dann aber sichtlich die Puste aus und er zog es vor in der Mitte der Stage zu verweilen. Obwohl "The Living Infinte" natürlich das Set beherrschte, ließ man es sich nicht nehmen auch etwas von den älteren Werken zu spielen, wie zum Beispiel das abschließende "Stabbing The Drama" vom gleichnamigen Album, sehr zur Freude vieler Fans. Die einstündige Spielzeit erschien einigen wohl etwas zu kurz, waren doch eindeutige "Zugabe"-Rufe zu hören. Die Zuschauern waren sichtlich glücklich und SOILWORK haben erneut unter Beweis gestellt, warum sie zu den Großen der Szene zählen.


16.55 (PS) WE CAME AS ROMANS
Nachdem die Besucher des SUMMER BREEZE bereits den ganzen Mittag Zeit hatten, sich bei Bands wie WINTERFYLLETH oder ALESTORM ihre Portion Black, Death und Thrash Metal abzuholen, war es kurz vor Fünf nun Zeit für die wohl jüngste Truppe an diesem Tag. WE CAME AS ROMANS, die aus Michigan angereist waren um ihr noch nicht einmal ein Monat altes Album "Tracing Back Roots" den geneigten Zuschauern zu präsentieren, hatten eine mitreißende Mischung aus Metalcore, Hardcore und Stadionrock im Programm, die neben den vielen jungen Fans in den ersten Reihe auch viele bunt gemischte Hörer vor die Pain Stage zog. Ihr Mix aus harten Strophen, dicken Breaks und unfassbar eingängigen Refrains zwang nach wenigen Songs auch den letzten True-Metaller zum Mitsummen. Da wurde Power ohne Ende versprüht und die beiden Sänger waren sich zu keinem Move zu Schade, flink wie Wiesel hetzten David Stephens und Kyle Pavone über die Bühne und sorgten damit auch für gehörig viel Bewegung vor der Stage. Aus mehreren kleinen Pits wurde langsam ein grofler, und auch ein ganzer Haufen Crowdsurfer nutzte die ausgelassene Stimmung für eine bessere Aussicht. Tracks wie "Fade Away" stellten ihre Mitgröhl-Qualtitäten unter Beweis und auch die härteren Nummern kamen mit Breakdowns, Shouts und schwedischen Riffs einfach richtig gut, die Energie der Jungspunde reichte um den ganzen Platz vor der Bühne warmzuhalten, so dass der wasserspendende Schlauch mit Johlen begrüßt wurde. Nach einem bunt gemischten Set das sowohl aus Klassikern wie "The Move On Is To Grow" als auch aus neueren Tracks bestand, gingen die sechs dann eine knappe Stunde später sichtlich erschöpft aber immer noch strahlend gut gelaunt von der Bühne, nur um sich dann noch einmal für das groflartige Publikum zu bedanken. Hochsympathisch!


17.00 (PZ) ILLDISPOSED
Ganze sechs Jahre musste das Summer Breeze auf die Rückkehr der selbsternannten swuulen Nutten aus Dänemark warten - und das Warten hat sich gelohnt. ILLDISPOSED erwischten in allen Belangen einen fast perfekten Tag: volle Hütte (und das schon zu so früher Zeit), fetter und drückender Sound, eine leckere Songauswahl von anno dazumal bis heute und ein Publikum, das richtig Stimmung machte, schon bevor die ersten Takte von "Sense The Darkness" gespielt wurden. Klar, dass die Band sich da nicht lumpen ließ und ebenfalls Vollgas gab. Vor allem Fronter Bo Summer ist der geborene Fronter und auch stimmlich eine "Ohrenweide". Nicht nur gab er immer wieder gern den Pausenclown und zog sich und sein Ensemble mit selbstironischen Sprüchen ständig durch den Kakao, auch seine Vocals waren dem Anlass angemessen: tief, böse und voluminös. Er peitschte sich und seine Band durchs Set und ließ dabei Walzen wie "Throw Your Bolts" oder "Dark" noch zerstörerischer als auf den Alben einschlagen. Ein Groove-Monster vor dem Herrn, das hoffentlich nicht wieder sechs Jahre auf sich warten lässt.


17.50 (MS) FEAR FACTORY
Das 1995 erschienene Album "Demanufacture" galt lange Zeit als der bahnbrechende Meilenstein des Modern Metal. Bis zu diesem Zeitpunkt und lange danach gab es kein vergleichbares Album auf dem Markt. Von ein paar mehr oder weniger ernst zu nehmenden Nachahmern mal abgesehen. FEAR FACTORY sind zurück, von der Urbesetzung sind allerdings nur noch Burton C. Bell und Dino Cazaress verblieben. Komplettiert wird die Band derzeit durch Matt DeVries und Mike Heller, die Christian Olde Wolbers und Raymond Herrera ersetzen. Wirklich auffällig oder störend war das nicht an diesem herrlichen Sommernachmittag. Viel imposanter war es zu sehen, welche Spielfreude Burton und Dino an den Tag legten und sichtlich den Spirit alter Tage verbreiteten. Insbesondere als man "Self Bias Resistor" und "Replica" ins Publikum hämmerte, gab es kein Halten mehr. Burtons klare Stimme, die schon in den "Anfangstagen" eher als Schwachstelle galt, war heute überraschend präsent und ließ weniger Raum für Kritik, wenngleich auch nicht jeder Ton dort saß, wo er hingehörte. Dem Publikum war dies herzlich egal und die Energie sprang schnell über. Hinzu kam, dass Dino heute präzise unterwegs war und mit messerscharfen Riffs durch das mit Hits gespickte Set der Amerikaner leitete. Unterm Strich also ein starker Auftritt von FEAR FACTORY. Ganz an die Größe alter Tage konnte man allerdings nicht anknüpfen. Die Formkurve zeigt jedoch wieder deutlich nach oben und der heutige Auftritt lässt auf neues Material hoffen.


18.05 (PZ) EVOCATION
ILLDISPOSED hätten eigentlich der perfekte Anheizer für EVOCATION sein können aber Pustekuchen: fast leergefegt war das Zelt, als die Schweden-Deather die Bühne betraten. 2009 an gleicher Stelle noch eine der am meisten abgefeierten Bands, sahen sich EVOCATION heuer mit einer relativ teilnahmslosen Handvoll Leute konfrontiert. Und das völlig zu Unrecht! Mit allerhand Pyroeffekten gespickt, riss das Quintett trotz des moderner ausgerichteten aktuellen Albums "Illusions Of Grandeur" ein fettes Old School-Set ab, das mit "Through The Darkened Peril" gar bis in die Demophase der Neunziger zurückging. Doch nur vereinzelte Banger lieflen ihre Mähnen im Pit fliegen, der Rest betrieb größtenteils Standfußball. Entmutigen ließ sich die Band trotzdem nicht. Getreu dem Motto "Jetzt erst recht" mühten sich EVOCATION nach Kräften, eine gute Show abzuliefern. Angesichts ihres steilen Aufstiegs der letzten Jahre hätten EVOCATION deutlich mehr Zuspruch von Seiten des Publikums verdient gehabt.


18.50 (CS), 19.55, 21.05, 22.15 TRAGEDY
Man wundert sich ja doch immer wieder, auf was für Ideen Bands kommen. Die wunderbaren TRAGEDY aus den USA haben sich in großen Teilen dem Oeuvre der BEEGEES verschrieben und spielen diese in einer Metalbesetzung. Standesgemäß starteten die Jungs dann auch mit "Nightfever" in ihr schillerndes erstes Set. Schillernd auch wegen der vielen Pailetten, die in ihre Bühnenoutfits verarbeitet wurden, mancher sah da fast aus wie eine menschgewordene Discokugel. Programmatisch auch das folgende "Disco Inferno" bei dem dann auch erstmals der wieselflinke Matrose Bruce zum Einsatz kam, der den Musikern immer wieder den Schweiß von der Stirn tupfte oder auch für Showeffekte wie punktuell eingesetztes Glitzerkonfetti sorgte. Auch die eingestreuten Songs anderer Kapellen wie von ABBA oder den WEATHER GIRLS zündeten genauso wie die ein oder andere Anekdote zwischen den Songs. Ein weiteres Highlight auf der Camel Stage. Und um auf die Einleitung zurück zu kommen, man wundert sich auch, wo die Veranstalter derartige Perlen aufspüren, aber so oder so: danke dafür!


18.55 (PS) KORPIKLAANI
Normalerweise würde man es auf einem Festival nicht unbedingt als positives Zeichen werten, wenn die Ordner viel zu tun haben - nicht so bei den Humppa-Metallern von KORPIKLAANI, die mit ihrer extrem animierenden Musik rund einem Dutzend Ordner im Bühnengraben den Schweiß auf die Stirn trieben: So kamen zeitweise bis zu fünf Crowdsurfer gleichzeitig vorne an, um den netten Herren in Rot in die Arme zu fallen. Der finnische Sechser hatte indes zusehends Spaß daran, die Meute vor der Bühne weiter zu animieren: Insbesondere Sänger Jonne Järvela huschte wie ein Derwisch über die Bühne, Akkordeon-Spieler Sami Perttula und Violinist Tuomas Rounakari standen dem Fronter in puncto Bühnen-Aktivität und Bewegungsdrang aber nur wenig nach. Die feiernde Menge konnte - zumindest im vorderen Bereich - nur bedingt dem überspringenden "Hummeln im Arsch"-Funken gerecht werden, im hinteren Bereich wurde jedoch von der ersten Sekunde an ausgiebig getanzt. "Von der ersten Sekunde an" meint hier übrigens wirklich, dass mit dem Einsetzen des Intros aus der Konserve die Feier im Publikum startete. Das muss man auch erstmal schaffen! Mindestens ebenso beeindruckend war jedoch die von den Zuschauern gezeigte Sicherheit bei Songtiteln und Texten, die ja nun zum Großteil in Finnisch gehalten sind - auch wenn Worte wie "Polkka" und "Vodka" auch ohne umfangreiche Finnisch-Kenntnisse verstanden werden dürften. Insgesamt präsentierten sich KORPIKLAANI und das SUMMER BREEZE-Publikum also als wunderbar funktionierende Feier-Einheit, der zuzusehen bei strahlendem Sonnenschein ohne jede Einschränkung Spaß machte.


19.10 (PZ) NECROPHOBIC
Im Vorfeld machte die Nachricht die Runde, dass NECROPHOBIC ohne ihren etatmäßigen Frontmann Tobias Sidegard den Auftritt bestreiten müssen, da der Schwede (un-)passenderweise sein Dasein derweil hinter schwedischen Gardinen fristet. Mit Aushilfs-Bösewicht Kristoffer Olivius hatte man sich aber einen fähigen, SUMMER BREEZE-erprobten Ersatz-Sänger von den NAGLFAR-Kollegen ausgeliehen. Das Partyzelt war gut gefüllt, was kein Wunder war, bekommt man die Black-Death-Thrasher doch nicht gerade oft zu sehen. Mit ihrem aggressiven, dennoch melodischen Metal ohne überflüssigen Schnickschnack und satanischer Lyrik gaben NECROPHOBIC auf der Bühne Vollgas, posten wie die Weltmeister und wirkten dabei aufgrund des übertriebenen Auftretens manches Mal sogar unfreiwillig komisch. Das tat dem erstklassigen Schwarztod allerdings keinen Abbruch. Leider vermisste man natürlich die zweite Gitarre, da Tobias eben auch diesen Job innehat, und zu Anfang war der Gesang zu leise. Dennoch war der Auftritt gelungen, ein Schwarztod-Brecher jagte den anderen, dabei ließ man auch die Frühzeit nicht aus wie bspw. den Debütsong "The Nocturnal Silence", und mit "Black Moon Rising" zollte man dem in diesem Jahr aus dem Leben verschiedenen Gitarristen David Parland alias Blackmoon Tribut, Gründungsmitglied von DARK FUNERAL und eben NECROPHOBIC.


20.00 (MS) DER W
Für Stephan Weidner alias DER W war es an diesem Donnerstag eine Premiere auf dem SUMMER BREEZE. Obwohl der Ex-BÖHSE ONKELZ Bassist nun schon seit 2008 auf Solopfaden wandelt, hat es eine ganze Weile gedauert um nach Dinkelsbühl zu kommen. Umso gespannter waren scheinbar die vielen Fans und Interessierten, die sich kurz vor Acht vor der Main Stage versammelt hatten, um eine der bekanntesten Persönlichkeiten des Deutschrocks bei seiner Perfomance zu erleben. Mit seiner üblichen Coolnes enterte DER W dann auch pünktlich die Bühne und startet schon nach wenigen Sekunden voll durch. Die musikalische Vergangenheit längst abgelegt, präsentierte Weidner seine Auslegung von Deutschrock, mal knallig, mal melancholisch, aber immer höchst melodisch und mitreißend. Weidner und seine Musiker ließen es sich dabei nicht nehmen die Setlist ungeahnt bunt zu gestalten, neben Tracks vom aktuellen Album "III" wurden auch immer wieder ältere Songs eingestreut, sehr zur Freude eines ausgesprochen aktiven Publikums. Bei den eher rockigen Tönen gab es keinen nennenswerten Moshpit, beeindruckend war aber, wie viele textsichere Fans DER W vor die Bühne brachte, die aus dem Stehgreif alle Songs mitsangen. Weidner jagte sein Set ohne grofle Pausen durch, Songs wie "Leinen Los", "Der W Zwo Drei" und "Kampf Den Kopien" kamen hörbar gut an, und nach knapp einer Stunde und mit einem frischen Lüftchen im Nacken lag die Idee nah, mit "Geschichtenhasser" und "Pack Schlägt sich, Pack verträgt sich" zum Abschluss zwei echte Rocker zu bringen, die nochmal ordentlich Bewegung in die Meute brachten, und sogar den ein oder anderen Crowdsurfer hervorbrachten. Um 21.15 Uhr war dann schliefllich pünktlich Schluss und DER W verließ unter viel Applaus die Stage. Man muss Weidner kennen um seine kühle Art nicht falsch zu deuten, denn mehr als knappe Ansagen und ein kurzes Dankeschön gab es an diesem Abend nicht, die Show war aber professionell und auf den Punkt, ganz wie von einem Musiker seines Schlages zu erwarten.


20.15 (PZ) SÓLSTAFIR
Betrachtete man den "Füllstand" des Partyzelts, wurde deutlich, dass SÓLSTAFIR ihren Geheimtipp-Status inzwischen wohl komplett eingebüßt haben. Dabei fanden sie quer durch alle Besucherschichten Anklang und vereinten somit ein extrem buntgemischtes Publikum vor der Bühne. Dieses ließ sich von einer zum Schneiden dichten Atmosphäre gefangen nehmen und statt ausgelassen tanzenden Körpern sah man allerorten nur den Takt mitnickende Köpfe, die dabei aber selig grinsend nur umso glücklicher wirkten. Unterstützt von einer astreinen, erdig-warmen Produktion strahlten die fünf überlangen Songs eine oftmals geradezu schmerzhafte Intensität aus. Frontmann Aðalbjörn Tryggvason traf mit seinem charismatisch-rauen Gesang tief in die Seele der Zuhörer, gerade weil er nicht über das verfügt, was man gemeinhin als wohlklingende Singstimme bezeichnen würde. Nach dem düsteren und mehr als nur unterschwellig aggressiven "Þín Orð" kündigte er das melancholisch-ruhige "Fjara" als Song "für die Mädels" im Publikum an. Doch erst mit dem abschließenden "Goddess Of The Ages" verließen SÓLSTAFIR ihr noch immer aktuelles Meisterwerk "Svartir Sandar" und legten ein Stück von dessen nicht minder genialem Vorgänger "Köld" vor. Der Song beschloss einen absolut makellosen Auftritt, der zweifellos zu den absoluten Highlights des diesjährigen SUMMER BREEZE zählte.


21.20 (PS) POWERWOLF
Jetzt neu im Lexikon unter T wie Triumphzug: POWERWOLFs legendärer Auftritt auf dem SUMMER BREEZE Festival 2013. Vor zwei Jahren noch vor überschaubarer Kulisse im Zelt war es dieses Jahr schier unglaublich, was bereits vor dem Auftritt für Stimmung im Publikum war. Bewegung war ob des Andrangs im vorderen Bereich quasi unmöglich, deswegen verlegte sich das Publikum auch direkt auf POWERWOLF-Chöre. Schon an den Bühnenaufbauten war zu erkennen, dass es auch für die Band alles andere als eine x-beliebige Show sein würde. Aufgefahren wurde u.a. ein riesiges raumfüllendes Backdrop im Design des aktuellen Albums, riesige Aufsteller und diverse Podeste, die die Bühne in eine Art Kathedrale verwandelten. Noch imposanter wurde es mit dem Beginn des Openers "Sanctified With Dynamite" als massive Feuer- und CO2-Säulen hinzukamen, die die gesamte Show begleiten sollten. Die Band in ihren gewohnten Bühnenoutfits ging hoch motiviert ans Werk, die Gitarristen kreuzten und bangten was das Zeug hielt, Oberorgler Falk flitze immer wieder von seinem Podest an die Bühnenkante und animierte das Volk (an sich völlig unnötig) zum Mitmachen und Zeremonienmeister Attila Dorn war der gewohnte Mittelpunkt und Moderator der Show. Selbst Ansagen, die ansonsten völlig daneben gewesen w‰ren ("Männer, hattet Ihr heute Morgen eine Latte?" - vor "Resurrection By Erection") gingen klar und auch links-rechts-Spiele des Fronters wurden begeistert mitgemacht. Bei "Kreuzfeuer" wurde vor dem Drumkit ein über drei Meter großes in Flammen stehendes Kreuz positioniert, das selbst die Feuerwehrleute am Bühnenrand latent nervös mit den Füßen scharren ließ. Sehr imposant auch, dass bereits seit 12 Uhr mittags einige Fans ununterbrochen in der ersten Reihe ausharrten um ihren Helden möglichst nah zu sein. Die Band ist völlig zu Recht zum Headliner avanciert!


21.25 (PZ) ATROCITY
Nachdem BENEDICTION aufgrund eines Todesfalls im engeren Familienkreis ihren heutigen Auftritt leider absagen mussten, konnte mit ATROCITY kurzfristig ein würdiger Ersatz gefunden werden. Bereits im Vorfeld hatte man angekündigt, der "Ersatzposition" gerecht werden zu wollen und versprach ein "brutales Set" ohne jegliche 80ies Coverversionen. Ganz einfach hatte es die Band allerdings zunächst nicht, lag ihr Auftritt doch zwischen den derzeit heiß begehrten Acts SABATON und POWERWOLF. Im Verlaufe des Sets erwies sich dieser Umstand allerdings als klarer Vorteil. So hatten sich die absoluten Fans der Schwaben im Zelt versammelt und trieben Alex Krull und seine Mannen zu Höchstleistungen an. Gleich beim Opener "Pandaemonium" vom aktuellen Album "Okkult" war klar, dass ATROCITY ihr Versprechen halten würden denn sie traten mächtig aufs Gaspedal. Mit "Haunted By Demons" und "March Of The Undying" gab es doppelten Nachschlag vom aktuellen Album. Dass ATROCITY zu den Urgesteinen des deutschen Death Metals zählen, unterstrich man mit einer feinen Songauswahl aus den Klassikern "Todessehnsucht" und "Willenskraft". Nicht fehlen durften natürlich die mittlerweile zum Standard gewordenen leicht bekleideten Damen, die sich zuweilen stimmig in das Set integrierten. Am Ende bleibt ein starker Auftritt der Süddeutschen, der richtig Lust macht die alten Scheiben mal wieder zu entstauben.


22.25 (MS) SABATON
Die Voraussetzungen für einen gelungenen Headliner-Gig von SABATON waren nicht optimal. Das Equipment der Band hatte seinen Weg nach Dinkelsbühl nicht gefunden, wofür sich Sänger Joakim Broden ironisch bei der Fluggesellschaft Air Berlin bedankte. Völlig ironiefrei und von Herzen geht der Dank hingegen an jene Kollegen, die den Schweden leihweise ihre Instrumente zur Verfügung gestellt haben, insbesondere an FEAR FACTORY und ALESTORM. Überhaupt gab sich der Iro-Träger mit der stählernen Sixpack-Panzerung gewohnt redselig, sympathisch und bodenständig. So durfte man ihm die aufrichtige Entschuldigung dafür, dass bei der Autogrammstunde aus Zeitgründen nicht jeder der Wartenden auf seine Kosten kommen konnte, genauso glauben wie seinen Dank an die Fans für ihre langjährige Unterstützung. Allen "Noch ein Bier!"-Rufen und dem üppigen Einsatz von Flammen-Säulen und Feuerwerk zum Trotz sorgte aber in erster Linie die Musik des Quintetts dafür, dass die Menge den gesamten Platz vor der Bühne dicht gedrängt füllte und sichtlich ihren Spaß hatte. Eingängige Melodien, die sich nicht scheuen, immer wieder ins Poppige abzugleiten, und ein angenehm tightes Riffing bestimmten das Geschehen. Präzise wie ein Uhrwerk gab Snowy Shaw den Takt vor, der den im "Vaterschaftsurlaub" befindlichen Drummer Robban Bäck vertrat. Da SABATON beim großen Besetzungswechsel im letzten Jahr noch immer keinen neuen Tastenmann gefunden hatten, kamen die großflächig eingesetzten Keyboard-Teppiche hingegen wieder einmal vom Band, der tollen live-Stimmung tat dies jedoch keinen Abbruch. Bei Songs wie dem Opener "Ghost Division" oder den großartigen Mitsing-Hymnen "Cliffs Of Gallipoli" und "Carolus Rex" hätte sich Joakim das Singen sparen können, viele tausend Kehlen trugen die Refrains übers gesamte Gelände hinweg und bis ins ferne Dinkelsbühl. Am eindrucksvollsten war aber sicherlich der großartige, den unzähligen Opfern des Ersten Weltkriegs gewidmete Marsch "The Price Of A Mile". Es ist der Kontrast zwischen den gutgelaunt dargebotenen Melodic Metal-Hymnen und den ernsten Kriegs-Thematiken der Texte, der nach wie vor für Kontroversen um die Band sorgt. Doch konzentrierte man sich aufs Wesentliche, durfte man eine unterhaltsame Power Metal-Show mit höchst sympathischen Musikern erleben, die auch mit fremdem Handwerkszeug ihrem Headliner-Status absolut gerecht wurden.


22.35 (PZ) CULT OF LUNA
Nach fünf Jahren ohne neues Album kehrten die Post Metal-Urväter von CULT OF LUNA endlich wieder auf die Bühnen der Welt zurück und machten im Rahmen ihrer Europa-Tour auch beim SUMMER BREEZE Halt. Das proppenvolle Zelt wartete gespannt auf die mit leichter Verspätung startenden Schweden - immerhin hatten sie gleich zwei Drumkits zu verkabeln - und wurde sicherlich nicht enttäuscht. Verpackt in einem äußerst klaren und druckvollen Sound bauten die Nordlichter ihre überlangen Songs behutsam auf, um sie dann in einem massiven Riff-Gewitter wieder einzureiflen. Besonders die Drummer machten dabei ordentlich Dampf und zeigten sich hervorragend aufeinander eingespielt. Doch das war nicht die einzige Augenweide, denn die perfekt auf die Songs abgestimmte Light-Show machte einiges her und ließ die leidenschaftlich agierenden Musiker meist nur schemenhaft erkennen. Das schaffte eine überaus dichte Atmosphäre und den passenden Rahmen für intensive 50 Minuten zwischen Rock und Doom-Metal, Post Hardcore und Post Rock.


23.25 (CS), 00.40, 01.55 HONIGDIEB
Ein Backdrop mit einem Esel in Groflaufnahme, eine Querflöte und Geige in der Besetzung, ein seltsamer Bandname - man durfte gespannt sein, was HONIGDIEB in ihren drei Blöcken auf der Camel Stage so anstellen würden. Als die Musik einsetzte, wurde schnell klar, dass hier absolut feinkörnig musiziert wurde, gestandene Mucker, die ganz genau wissen, wie der Hase läuft und dann noch Verstärkung von den eingangs erwähnten Instrumenten Querflöte und Geige bekamen. Ganz klar im Mittelpunkt steht bei der Band aber ihr Fronter Sir Hannes. Stimmlich eine Mischung aus Marius Müller-Westernhagen und Helge Schneider gab er gekonnt die extrovertierte Diva. Zum freien Oberkörper, einem weiten Mantel mit breitem Kragen, einem blinkenden Ohrring und der pflegeleichten Fleischmützen-Frisur fehlte an sich nur ne Federboa. Die offene Frage in Bezug auf den Esel auf dem Backdrop beantwortete dann der Opener "Verkehrt" des zweiten Blocks, in dem Sir Hannes berichtete, dass er alle so gern verkehrt macht, dass er nicht nur die Frauen mag, sondern eben auch sehr gerne Esel. Aha. Musikalisch eine Mischung aus Rock, Psychedelic und Ska waren die Shows auf jeden Fall willkommenes Kontrastprogramm!


23.45 (PZ) DYING FETUS
Bei DYING FETUS zog sich die Verspätung weiter. Noch während CULT OF LUNA ihren letzten Songs zum Besten gaben, hatten sich alle drei DYING FETUS Musiker neben der Bühne versammelt, strotzen nur so vor Tatendrang und wirkten dabei wie Löwen in einem Käfig, die jeden Moment zur Fütterung raus gelassen werden werden. Und als es dann endlich losging, war die Spielfreude der Marylander ungezügelt. Technisch perfekt ballerten DYING FETUS einen Brecher nach dem anderen raus. Bemerkenswert wie nur drei Leute einen Sound fabrizieren können, der so fett und breit klingt als wären gleich sechs Gitarren am Werk. Das Publikum im zu dreiviertel gefüllten Zelt ließ sich schnell von der energischen Leistung anstecken und rastete kollektiv aus. Gitarrist Jon Gallagher feuerte die Masse in den Spielpausen weiter an und benutze dabei das böse F-Wort dermaßen inflationär, dass der eigentliche Sinn der Ansagen kaum noch zu erkennen war. Das übermächtige "One Shot, One Kill" setzte den Schlusspunkt eines starken Auftritts!


00.00 (PS) SALTATIO MORTIS
SALTATIO MORTIS profitierten von dem enormen Publikumsandrang bei SABATON, denn ein beträchtlicher Teil der Menge blieb einfach da, um in die Show der badischen Spielleute hineinzuschnuppern - und nicht wenige von diesen hielten sogar bis zum Schluss durch. Gewohnt rockig und direkt stieg die Band mit ihrer "Ode An Die Feindschaft" in den Set ein, der dem quirligen Frontmann Alea viel Raum bot, um seinen durchtrainierten Oberkörper zur Schau zu stellen. Nebenbei durfte er aber natürlich auch singen und machte dies extrem gut, obwohl er außerhalb der Songs ein heiseres Kratzen im Hals nicht gänzlich verbergen konnte. Das getragene "Prometheus" rief ein schier endlos erscheinendes Händemeer vor der Bühne hervor, wie auch den zahllosen Aufforderungen zur Mitmachgymnastik bereitwillig nachgekommen wurde. Im Mittelpunkt des Sets stand dabei - natürlich - die aktuelle Single "Wachstum über Alles", der Drummer Lasterbalk eine kleine Ansprache voranschickte. Das Publikum durfte dieser im Sitzen lauschen, um dann zu Beginn des Stücks gemeinsam aufzustehen. Denn obwohl das Stück die deutsche Nationalhymne zitierte, war es "nicht für braune Socken und Nazis" gedacht, sondern sollte als antikapitalistisches Statement die Leute zum Nachdenken bringen. Echt jetzt! So kleideten SALTATIO MORTIS statt Mittelaltermarkt-Romantik lieber politische und gesellschaftskritische Themen ins Dudelsack-Gewand und blieben dabei bewusst unbequem. Zum Ende ließ sich Alea zu den Klängen von "Falsche Freunde" in gewohnter Weise crowdsurfend über die Köpfe der Zuschauer tragen, um hinterher beeindruckt festzustellen, dass dies wohl sein weitester derartiger Ausflug überhaupt gewesen sein dürfte. Kein Wunder also, dass die Spielmänner sich hinterher freudestrahlend vom Publikum feiern ließen und dieses sogar dazu brachten, ein kurzes "Happy Birthday" für das an diesem Tage veröffentlichte neue Album "Das Schwarze Einmaleins" anzustimmen.


01.00 (PZ) HAGGARD
Dafür, dass die Münchener Klassik Metal-Kollaboration erst mit acht Minuten Verspätung loslegen durften, waren im Wesentlichen die Vorgänger-Bands verantwortlich. So zeigte sich Bandkopf Asis Nasseri in seiner Begrüßungs-Ansprache sichtlich beeindruckt von dem flotten Umbau und Soundcheck, der immerhin vierzehn Leuten (darunter ein Streich-Quartett, zwei Bläser und drei klassische Sänger) Platz auf den Brettern und im Klangbild einräumen musste. Umso beeindruckender war, wie transparent und druckvoll letzteres ausfiel, die verschiedenen Instrumente blieben deutlich unterscheidbar und fügten sich zu einem Gesamtbild zusammen, das seinesgleichen suchte. Statt Rock-Songs mit symphonischem Bombast anzureichern, fuhren HAGGARD klassische Kompositionen auf, deren Instrumentierung um Stromgitarren und Growls erweitert wurde. Das wollten auch erfreulich viele Zuschauer sehen, das Zelt blieb bis in den hinteren Bereich gut gefüllt. Natürlich durfte dabei der All-Time-Klassiker "Awaking The Centuries" nicht fehlen, neues Material gab es dagegen nicht, wenngleich Asis ankündigte, man würde sich in Kürze über Neuigkeiten zum Nachfolger des 2008er "Tales Of Ithiria"-Albums freuen können. Der Bühnenpräsenz merkte man hingegen an, dass HAGGARD viel zu selten und in stets wechselnder Besetzung live auftreten. Zwischen ungelenk und hypernervös gaben die Musiker ein recht uneinheitliches Bild ab, insbesondere der expressionistische Ausdruckstanz der klassischen Sängerinnen fiel aus der Rolle. An der herausragenden Klasse der musikalischen Darbietung änderten aber auch die zahlreichen Lacher nichts, die Asis dafür erntete, dass ihm bei der Vorstellung seiner dreizehn Mitstreiter nicht alle Namen auf Anhieb einfallen wollten.


02.15 (PZ) CARACH ANGREN
Trotz fortgeschrittener Uhrzeit und letztem Konzert des Abends war das Partyzelt gut gefüllt - die Niederländer von CARACH ANGREN scheinen sich mit ihren ersten drei Alben offenbar einen guten Ruf unter Anhängern symphonisch geprägten Black Metals erarbeitet zu haben. Da mutete es zunächst seltsam an, dass wirklich nur drei Musiker die Bühne enterten - neben Sänger und Gitarrist Seregor traten nur die etatmäßigen Mitglieder Namtar (Drums) und Ardek (Keyboards) an, um in zehn Songs ihre künstlerische Vision zu vermitteln. Doch wer dünne oder gar unvollständige Klänge erwartete, konnte sich kaum mehr irren: Neben dem Bass spielte die Band auch weite Teile der orchestralen Passagen aus der Konserve ein und bewies dabei, wie gut sie eingespielt ist. Jeder Ton saß, was bei der recht progressiven Ausrichtung ihres schwarzmetallischen Gebräus ein echtes Kunststück ist. Entsprechend reibungslos funktionierten auch die Übergänge zwischen den einzelnen Songs. Ganz ihrem lyrischen Ansatz entsprechend, inszenierte sich insbesondere Fronter Seregor in beeindruckend theatralischer Weise, was dem einen oder anderen Zuschauer wohl recht albern erschienen sein dürfte - spätestens in dem Moment, in dem er sich tatsächlich eine Theater-Maske aufsetzte und dem Darsteller einer griechischen Tragödie (plus Corpsepaint natürlich!) gleich über die Bühne stolzierte. Nichtsdestoweniger quittierte das Publikum den Auftritt der drei mit tosendem Beifall und forderte sogar eine Zugabe.


Freitag, 16.08.2013

12.00 (PS) PSYCHOPUNCH
Leider mussten SISTER SIN ihren Auftritt auf dem SUMMER BREEZE kurzfristig absagen, dafür konnten die Veranstalter mit PSYCHOPUNCH aber einen mindestens ebenso starken Ersatz finden. Die Band gehört schon seit Jahren quasi zum Inventar des Festivals und ist ein immer wieder gern gesehener Gast. Und so hatten sich trotz der recht frühen Stunde doch schon einige vor der Bühne versammelt, um gemeinsam mit den alten Bekannten zu feiern. Mit fett bratzenden, eingängig knackigen Punkrock-Songs zeigten die saucoolen und sympathischen Schweden souverän, wie man von der ersten Minute an für richtig gute, ausgelassene Stimmung sorgt. PSYCHOPUNCH rockten mit sichtlich viel Spafl in den Backen und enormer Spielfreude bei ihrem Quasi-Heimspiel mit schmissigen Songs der Marke "Last Night" und "Overrated". Und so gestaltete sich der Auftritt in eine wirklich willkommene musikalische Abwechslung, welche vom Publikum dankbar angenommen wurde, was sich nicht nur daran zeigte, dass hier schon die ersten Crowdsurfer Richtung Fotograben getragen wurden, sondern auch ein Fan der Band ein paar Bier spendierte. PSYCHOPUNCH waren genau das richtige Mittel, um den Kater zu bekämpfen.


12.45 (MS) FEUERSCHWANZ
Die bajuwarischen Mittelalter-Comedy-Folkloristen FEUERSCHWANZ sind mit ihrem Motto "Met, Weib und Gesang" live immer wieder ein Garant für ausgelassene Stimmung. Denn ihre mitreißende Mischung aus Mittelalter und schrägem Humor bringen die Spielleute stets mit viel Spaß in den Backen auf die Bühne. Angesichts der Uhrzeit hatte sich eine wahrlich gewaltige Menge vor der mit Säulen dekorierten Bühne eingefunden, und von Anfang an stand das SUMMER BREEZE-Publikum Kopf. Alles sprang, sang, tanzte und freute sich einfach über die dargebotenen Lieder mit den teils herrlich sinnfreien Texten. FEUERSCHWANZ selbst, in verschiedenen Gewändern auftretend und verstärkt um zwei als Katzen verkleidete Tänzerinnen, genoss sichtlich die hohe Aufmerksamkeit und spielte in bester Laune mit breitem Grinsen im Gesicht. Nach jedem Stück brandete ein wahrer Jubelsturm auf. Und anstatt einer Wall Of Death führten die Spielleute den Graben der Leidenschaft ein, welcher sich schnell zu einer umtriebigen Tanzfläche entwickelte. Höhepunkt des Auftritts war ein im Batman-Kostüm verkleideter Fan, welcher auf die Bühne gebeten wurde. Mit rosafarbenen Elfenflügeln durfte er zusammen mit FEUERSCHWANZ während "Wunsch ist Wunsch" auf der Bühne feiern. Die Spielzeit verging wie im Fluge und das feierwütige Publikum wollte "des Hauptmanns geilen Haufen" gar nicht mehr von der Bühne lassen.


13.30 (PS) LETZTE INSTANZ
LETZTE INSTANZ sind eine Bank. Mit ihren Alben konnten sie über die Jahre stetig an Bekanntheit zulegen, so erreichte das aktuelle Album "Ewig" sogar Platz elf in den deutschen Albumcharts, und ihre Konzerte wurden auch immer größer. Wie auch auf dem SUMMER BREEZE: Direkt nach dem vielumjubelten Auftritt von FEUERSCHWANZ bewegten sich die Anhänger gesammelt in Richtung Pain Stage. Die Dresdener schafften während ihres Auftritts das schier Unmögliche, nämlich das Stimmungslevel zu halten. Großen Anteil daran hatten sicherlich die lustigen Ansagen des sowohl charismatischen wie sympathischen Sängers Holly Loose, der zum Beispiel das bisherige Geheimnis preisgab, als Jugendlicher unsagbar in Nena verliebt gewesen zu sein. Aus den an sie geschriebenen Liebesliedern haben sich angeblich LETZTE INSTANZ entwickelt. Auch ansonsten war der Fronter stets um viel Interaktion mit dem Publikum bemüht, wodurch er dieses noch richtig zum Kochen brachte. Der Fokus der gespielten Stücke lag auf den Alben "Ewig" und "Schuldig", wobei zusätzlich auch einige alte Klassiker eingestreut wurden.


14.15 (MS) NEAERA
Drei Mal beackerten NEAERA auf dem Summer Breeze bereits die Party Stage, heute durften sie zum ersten Mal auf der Main Stage ran. Eine absolut richtige Entscheidung, denn die Münsteraner zerlegten die Hauptbühne nach allen Regeln der Kunst. Schon bei den ersten Takten von "Ours Is The Storm" zettelte die hungrige Meute eine Wall Of Death an - und stand bis zum Ende des Gigs nicht mehr still. Der ganze Bereich zwischen den Wellenbrechern drehte eine Dreiviertelstunde lang komplett am Rad. Nur die Wasserschläuche sorgten zwischendurch für Abkühlung, ansonsten hieß die Devise auf und vor der Bühne: vollstes Vollgas. Die Instrumentalfraktion gab sich tight wie eh und je und Fronter Benny hüpfte wie gewohnt als menschlicher Flummi über die Bühne. Wie man selbst in der Nachmittagshitze Party macht und sich völlig verausgabt, zeigten NEAERA gleich mehrfach: "Armamentarium" wurde von je einer Wall Of Death vor und hinter dem Wellenbrecher begleitet; vor "I Loathe" forderte der Sänger zwei Circle-Pits und wurde mit gleich dreien beschenkt. Es flogen Menschen, Sonnebrillen, Schuhe und Unterhosen durch die Luft, zu "Through Treacherous Flames" wurden Crowdsurfer auf Bennys Anweisung scharenweise nach vorne getragen, während selbiger sich gleich zwei Bäder in der Menge gönnte. Von so viel Zuspruch geplättet, bedankte er sich mehrfach im Namen der Band. Zum Abschluss gönnten NEAERA sich und ihren Fans noch die Abrissbirne und BOLT THROWER-Hommage "Spearheading The Spawn". Ganz starker Auftritt einer der sympathischsten und bodenständigsten Bands auf dem SUMMER BREEZE.


15.00 (PZ) MERRIMACK
Angesichts hochsommerlicher Temperaturen und strahlendem Sonnenschein standen MERRIMACK als eröffnende Band auf der Party Stage vor der Aufgabe, für Gegenmaßnahmen zu sorgen: Kälte und Dunkelheit, die den langsam mehr werdenden Zuschauern im langsam stickiger werdenden Schatten des Zeltes sicher sehr gelegen käme. Entsprechend fackelten die Franzosen nicht lange und gingen mit "Arousing Wombs In Nine Angles Pleroma" vom 2012er Output "The Acausal Mass" gleich in die Vollen. Sänger Vestal kreischte sich zum recht orthodox vorgetragenen Black Metal seiner vier Mitmusiker die Seele aus dem Leib und animierte das Publikum von Beginn an zu Sympathie-Bezeugungen in Form von Pommesgabeln und heftigem Headbanging. Dazu boten die sieben Songs ausreichend Gelegenheit, denn MERRIMACK sind ohne Zweifel eine der wenigen Bands, denen es gelingt, ihre schwarzmetallische Kunst zugleich geradlinig-klassisch und unheimlich dynamisch zu gestalten: Drummer Blastum machte seinem Namen natürlich immer wieder durch triolische Blastbeats alle Ehre, doch langsame, zum Teil mit Doublebass unterlegte Groove-Passagen durchzogen die nordisch anmutende Musik MERRIMACKs wie der sprichwörtliche rote Faden: So gelang es der Band nicht nur, einen beeindruckend abwechslungsreichen und dynamischen Auftritt hinzulegen, sondern auch, die gefühlte Temperatur im Partyzelt um mehrere Grad zu senken.


15.05 (PS) LEAVES' EYES
Hatten die Jungs von Psychopunch am Morgen noch mit etwas Zuschauermangel vor der Pain Stage zu kämpfen, was wahrscheinlich auch an den Schlafgewohnheiten der Festivalbesucher lag, hatte sich um kurz nach drei eine ansehnliche Menge an Zuschauern vor der Bühne eingefunden. Einige waren noch zu geplättet von der vorangegangenen NEAERA Show, um LEAVES' EYES, der Truppe rund um die schöne Frontsängerin Liv Kristine und ihrem hochmelodischen Symphonic Metal zu lauschen. Sie waren sichtlich gut gelaunt und starteten gleich mal kraftvoll in ihr Set: Dicke Riffs, verschnörkelte Keyboard-Sounds und die engelsgleiche Stimme von Frontfrau Liv, die einigen noch von ihrer alten Band THEATRE OF TRAGEDY bekannt sein dürfte. Nach einer eher kühlen Nacht drehte die Sonne gen Mittag dann auch richtig auf, und die Ordner sorgten mittels Wasserschlauch mehrfach für eine willkommene Abkühlung. Die Songs kamen offenbar gut an, denn das bunt gemischte Publikum war sich nicht zu schade die Refrains im Chor mitzusingen, die 50 Minuten Spielzeit waren dann auch viel zu schnell vorbei. Nach einer sympathischen Verabschiedung wurden noch schnell Pleks und Drumsticks verteilt und es waren sogar vereinzelte "Zugabe"-Rufe zu hören. Schöne Frau, schöner Auftritt, schöne Musik!


15.40, 16.40, 17.45 (CS) DAS NIVEAU
Um sich als Duo nur mit einer Akustik-Gitarre bewaffnet vor eine wilde Festival-Meute zu wagen, benötigt man zweifellos Mut. An diesem mangelte es Martin Spieß und Sören Vogelsang sicherlich nicht, als sie am Nachmittag für ihren dreigeteilten Set unter dem vielsagenden Namen DAS NIVEAU die Camel Stage enterten. Was im ersten Moment wie plumper Klamauk mit exzessivem Gebrauch von Wörtern wie "ficken", "Titten" oder "Arsch" anmutete, entpuppte sich bei genauerer Betrachtung indes als hintersinnig, gewitzt - und sogar ziemlich niveauvoll! Wo die Texte vor Wortwitz sprühten, verkam die Musik zur harmlosen Hintergrundbegleitung, ohne dass dies ernstlich gestört hätte. Die selbstironischen Wortakrobaten ließen ihre Berliner Schnauze ungebremst auf die beachtliche Zuschauermenge los und animierten damit nicht wenige Passanten zum Stehenbleiben. Dabei waren sich sich auch nicht zu schade, Witze auf ihre eigenen Kosten zu machen und einander gehörig durch den Kakao zu ziehen. Und auch ihr Improvisationstalent zeichnet die beiden Künstler, die sich ursprünglich bei einem Live-Rollenspiel-Event kennengelernt hatten, aus. Die Setlist wurde spontan ausdiskutiert und dabei auch auf die Zurufe des Publikums reagiert. Und wer bei den pointierten Parodien typischer Metal- und HipHop-Klischees nicht schmunzeln musste, war wohl vollkommen humorfrei. Da konnte man auch allzu leicht die satirischen und sozialkritischen Untertöne überhören, die das Werk von DAS NIVEAU - als harmloser Klamauk getarnt - durchzogen und gerade auch vor organisierten Religionen und anderen Horten der Intoleranz keinen Halt machte.


16.00 (MS) AGNOSTIC FRONT
Wer an Hardcore denkt, denkt automatisch an AGNOSTIC FRONT, denn die New Yorker Veteranen gehören, was die NYHC-Szene betrifft, nach über 30 (!) Jahren Bandgeschichte zu DEN Aushängeschildern schlechthin. Fronter Roger Miret (dessen Halbruder und Sänger von MADBALL übrigens am gleichen Tag mit seiner Band auf der Bühne stand) begrüßte bestens gelaunt die Massen, die sich vor der Main Stage eingefunden hatten um die Klassiker der Hardcore-Geschichte mitzugröhlen. Der Moshpit, der sich über fast die komplette Zuschauerfläche erstreckte, war beachtlich, die starken Männer vor der Bühne mussten die Crowdsurfer am Fließband von den Köpfen des Publikums pflücken. "For My Family" und "My Life My Way" fehlten natürlich genauso wenig wie das obligatorische "Gotta Go", das inzwischen weit über die Szene bekannt sein dürfte. Vieler Worte bedurfe es gar nicht, Stigma und Miret versprühten schlicht die pure Energie und waren sich trotz ihres hohen Alters nicht zu schade, auf der Bühne hin und her zu hetzen, um das Publikum zu animieren. Mit "Blitzkrieg Bop" gab es zum Abschluss noch ein Cover zum mitsingen. Wie immer ganz großes Kino.


16.00 (PZ) MISANTHROPE
In ihrer französischen Heimat besitzen sie Kultstatus, in unseren Breitengraden sind MISANTHROPE dagegen leider noch eher Geheimtipp. Denn leider spielt die seit 1988 bestehende Band nicht gerade häufig in unseren Breitengraden, der Festivalauftritt 2008 auf dem SUMMER BREEZE war da eine löbliche Ausnahme und damals sogar ihr erstes Deutschlandkonzert. Sechs Jahre später war das Partyzelt verglichen mit damals deutlich besser besucht, es zahlt sich eben doch aus, solche Auftrittsmöglichkeiten wahrzunehmen. Wer die Exoten noch nicht kannte, wurde überrascht, denn weder spielten die Franzosen den landestypischen Black Metal, noch standen sie wie verwurzelt da, sondern zeigten sich in Sachen Stageacting enorm quirlig. Musikalisch gab es schwere, enorm vielschichtige Kost, ein eigenständiger Mix aus progressivem Melodic Death Metal, Hard Rock, Jazz und Klassik, was sicherlich den einen oder anderen im Publikum überforderte. Das lag nicht nur an den vielen Stilen, welche hier zu einem Konglomerat verschmolzen, auch die häufigen Tempowechsel und viele sehr gut gespielte Soli forderten die volle Aufmerksamkeit. Die verschachtelten Songs wurden von den engagiert auftretenden, sehr bewegungsfreudigen MISANTHROPE aber sehr präzise dargeboten, zudem war der Sound glasklar und messerscharf, so dass es für die Fans eine wahre Freude war, diesem Erlebnis beizuwohnen.


16.55 (PS) END OF GREEN
END OF GREEN halten den Festival-Rekord: bereits zum neunten Mal standen die Süddeutschen Düsterrocker mittlerweile auf den Brettern des SUMMER BREEZE und hatten mit "The Painstream" gleich eine brandneue Scheibe im Gepäck. Damit aber nicht genug. Bereits vor drei Jahren hatten END OF GREEN mit dem Sohn von Albumproduzent Corni Bartels einen kleinen Gastmusiker auf der Bühne. Damals noch mit niedlicher Kindergitarre "bewaffnet", hatte der kleine Herr mittlerweile aufgerüstet und begleitete das gesamte Set mit einer echten Gitarre um den Hals geschnallt. Aber zurück zu den Hauptakteuren von END OF GREEN. Optisch markant, präsentierte sich der Fünfer um Sänger Michelle Darkness an diesem Nachmittag. Hatte sich die Damenwelt bei AGNOSTIC FRONT noch kaum vor die Bühne verirrt, drängte man sich nun bei END OF GREEN nach vorne. Los ging es mit dem rockingen "Highway 69", was treffender nicht hätte gewählt werden können. Das Publikum war somit bereits mit dem ersten Song auf Betriebstemperatur und ließ auch bis zum Ende des Sets nicht mehr nach. Ganz im Gegenteil, gepaart mit dem energetischen Stageacting von Gitarrist und Dreadlock-König Sad Sir steigerte sich die Stimmung immer weiter. Die superbe Songauswahl tat ein Übriges. END OF GREEN hatten die Meute im Griff und die zeigte sich selbst bei den neuen Nummern "Hangman's Joke" und "De(ad)-Generation" erstaunlich textsicher und war somit eine perfekte gesangliche Ergänzung zu Michelle Darkness. END OF GREEN sind und bleiben ein Phänomen. Über 20 Jahre im Business und kein Stück müde. Erneut ein großartiger Auftritt der Düsterrocker, die im Herbst mit UNDERTOW auf Tour sind.


17.00 (PZ) ROTTEN SOUND
Nach dem technisch recht anspruchsvollen Set von MISANTHROPE wurde es mit ROTTEN SOUND deutlich straighter. Die finnischen Großmeister des Grind um Sänger und Tausendsassa Keijo Niinimaa, der neben ROTTEN SOUND unter anderem bei MEDEIA aktiv ist und die letzte NASUM-Tour bestritten hat, legten ohne Umschweife direkt mit dem Doppelpack "Slay" und "Western Cancer" los. Dabei präsentierten sich besonders die Instrumentalisten an der Gitarre Mika Aalto und am Bass Kristian Toivainen als Aktivposten, während Schlagzeuger Sami Latva hinter den Kesseln Unmenschliches leistete und die Blast-Beats extrem präzise aus dem Handgelenk schüttelte. Viel Gerede oder anderen Schnick-Schnack gab es nicht, stattdessen ballerten ROTTEN SOUND satte 19 Songs in 35 Minuten raus. Einmal quer durch die umfangreiche Discografie. Kurz, schnell, hart, dreckig und ohne Kompromisse. So wie man es von ROTTEN SOUND eben gewohnt ist.


17.50 (MS) EISBRECHER
Eiszeit? Keineswegs! EISBRECHER waren gekommen um einzuheizen. Und genau das taten sie. Die Band um Alexx Wesselsky kam, sah und siegte. Bereits mit dem Opener "Exzess" tobte das Rund und beförderte die stetig mehr werdenden Crowdsurfer in die Arme der Grabensecurity. Eingängige Songs mit Mitgröhlgarantie waren die beste Voraussetzung für eine Megasause. Allen voran Sänger Alexx, der es einmal mehr verstand, die Leute perfekt zu unterhalten. EISBRECHER auf einem Metal-Festival ist eine Kombination, die erstaunlich gut funktioniert und selbst eingefleischten Metalheads ein Mitwippen abringen kann. Die Band hat sich mittlerweile zur perfekten Shownummer entwickelt, die einfach nur rocken und unterhalten will. Egal ob der energetische Gesang von Wesselsky, oder das tighte Gitarrenspiel von Jochen „Noel Pix“ Seibert, alles passte am frühen Abend und ließ keine Zweifel aufkommen, dass die Herren genau auf diese Bühne gehörten. Auch der Spaß kam nicht zu kurz, als man die Titelmelodie der Biena Maja intonierte. Ein starkes Finale markierte einmal mehr der Megahit "Miststück", der eigentlich von Alexx' ehemaliger Band MEGAHERZ stammt. Wesselsky stieg dazu hinab in den Graben und animierte die ersten Reihen zum Mitsingen, was mehr oder weniger gut funktionierte. Zurück auf der Bühne war dann ein weiterer starker Auftritt der Band Summer Breeze-Geschichte. Für die Fans gab es zum Abschluss noch von jedem Bandmitglied einen Plüscheisbären, den man gekonnt ins Publikum beförderte.


18.05 (PZ) DER WEG EINER FREIHEIT
Bei ihrem Auftritt auf dem SUMMER BREEZE vor zwei Jahren galten die Jungs von DER WEG EINER FREIHEIT noch als waschechte Newcomer. Etliche Auftritte und Touren später, unter anderem mit AGRYPNIE, kam vergangenes Jahr dann das Debüt "Unstille" und schlug in der Szene ein wie eine Bombe. Spätestens seit diesem Zeitpunkt war jedem klar, dass die Mannen rund um Mastermind Nikita Kamprad noch Grofles vor sich hatten. Um kurz nach sechs hatte sich deshalb, ganz im Gegensatz zu 2011, eine riesige Menge an Fans eingefunden, um dem modernen, kühlen Black Metal zu lauschen, der auch prompt mit dem Opener "Ewigkeit" eingeläutet wurde. DER WEG EINER FREIHEIT stehen für eine dunkle, kalte Atmosphäre zwischen Melancholie und schneidenden Riffs, und dies wurde beim diesjährigen Auftritt perfekt umgesetzt. Die erste Reihe gab sich hierbei sogar erstaunlich textsicher, während bei den rein instrumentalen Parts die Matten geschwungen wurden. Die Blasts von Drummer Tobi kamen dabei auf den Punkt genau, während Fronter Nikita scheinbar mühelos Gitarre und Mikrofon gleichzeitig bearbeitete. Mit "Der Stille Fluss", "Nachtsam" und "Ruhe" gab es ein bunt gemischtes Set aus neueren und alten Tracks, wobei "Unstille" natürlich im Vordergrund stand. Die knappe Stunde Spielzeit wurde optimal genutzt, und um kurz vor sieben verließ man, nach etlichen Dankes-Bekundungen, sichtlich erschöpft die Bühne. DER WEG EINER FREIHEIT sind längst dem Untergrund entwachsen und dort gelandet wo sie hingehören, auf den groflen (Festival-)Bühnen.


18.50 (CS), 19.55, 21.05, 22.15 BOB WAYNE & THE OUTLAW CARNIES
Howdyho Friends And Neighbours! In vier umjubelten Blöcken bot Meister Bob Wayne (in Bikerkutte und mit Stirnband) lupenreinen Country. Musikalisch gabs da nicht viel Anknüpfungspunkte zum Restprogramm des Festivals aber auf dem rechten Unterarm des Fronters prangte ein riesengrofler NEUROSIS-Schriftzug und zudem hat er vor ein paar Monaten eine Splitsingle mit EXODUS veröffentlicht (kein Witz jetzt!), so falsch war der Mann hier also gar nicht. Seine vierköpfige Band bestand aus einem Mann am Kontrabass, einem an der Gitarre, einem Drummer und einem am Banjo. Die Herren waren aber gar nicht seine übliche Begleitband (Zitat Bob: "My Band Got Deported To The States After The End Of The Tour!") sondern bestand aus deutschen Muckern die auf dem SUMMER BREEZE ihr Debüt mit Master Wayne gaben, was man ihrem souveränen Spiel zu keiner Zeit anmerkte. Zwischen den Songs unterhielt der ehemalige ZEKE-Mercher mit lustigen Stories und reagierte auch mehrfach auf Publikumswünsche - die beigefügte Setlist also nur unter Vorbehalt.


18.55 (PS) WALLS OF JERICHO
Lange haben sich WALLS OF JERICHO rar gemacht. Die Schwangerschaft von Front-Frau Candace Kucsulain leitete eine fast zwei Jahre andauernde Pause ein, die erst letzten Sommer beendet wurde. Und wieder ein Jahr später durften wir die Band aus Detroit nun endlich auch wieder auf dem SUMMER BREEZE begrüßen. Bei strahlendem Sonnenschein wartete bereits lange vor Beginn des Sets eine riesige Menge vor der Pain Stage auf den Fünfer, der sich mit Chris Rawson einen Gitarrist mit STICK TO YOUR GUNS teilt. Dabei war die Show auf dem Summer Breeze der erste Tag der Europa-Tour von WALLS OF JERICHO. Dementsprechend gut aufgelegt zeigte sich die Band und als Candace den ersten Schrei bei "Another Day, Another Idiot" los ließ, gab es kein Halten mehr. Die Grabensecurity hatte alle Hände voll mit Stagedivern zu tun und der riesige Pit wirbelte ordentlich Staub auf. Was folgte, waren knappe 40 Minuten am oberen Energielevel, die ihren Höhepunkt bei "Revival Never Goes Out Of Style" erreichten, als sich Candace in den Graben begab und einen der fettesten Sing-Alongs des Festivals in Gang brachte. Gänsehaut pur! Einzig in der B-Note mussten Abz¸üe gemacht werden, denn die angedachte volle Stunde Spielzeit wurde leider nicht ausgereizt.


19.10 (PZ) FIREWIND
Der Gig von FIREWIND begann eher unspektakulär. Doch die Band um den griechischen Gitarren-Wunderknaben Gus G., der inzwischen auch bei OZZY OSBOURNE in die Saiten haut, gab sich redlich Mühe, konnte sich genauso rasch steigern wie der anfangs eher suboptimale Sound und das Publikum bald aus seiner frühabendlichen Lethargie reiflen. Natürlich durfte Gus G. seine Künste auch in einem Solo unter Beweis stellen, das nahtlos in das starke Instrumentalstück "The Fire And The Fury" überleitete. Bei den übrigen Stücken stand ADAGIO-Sänger Kelly Sundown Carpenter hinter dem Mikro, der in diesem Sommer den ausgestiegenen Apollo Papathanasio vertrat, da die Band bislang noch keine Zeit für die Suche nach einem vollwertigen Nachfolger gefunden hatte. In seinem langen Lodenmantel dürfte der Frontmann ordentlich ins Schwitzen gekommen sein, seiner starken Gesangsperformance tat dies jedoch keinen Abbruch. Für "Breaking The Silence" bekam der Däne Unterstützung durch LEAVES' EYES-Frontelfe Liv Kristine. Ihr gemeinsames Duett entpuppte sich als der Höhepunkt des Sets und wurde bis in die hintersten Reihen des Zeltes ausgiebigst beklatscht. Die Menge war somit endgültig aus ihrer Lethargie gerissen und stimmte nach dem abschlieflenden "Falling To Pieces" laute "Zugabe"-Rufe an, die indes aufgrund des straffen Zeitplans unerfüllt bleiben mussten.


20.00 (MS) ANTHRAX
Es war mal wieder an der Zeit, auf der Main Stage den imaginären roten Teppich auszurollen, der den Legenden vorbehalten ist. Ladies And Gentlemen, We Proudly Present, One Of The Famous Big Four: ANTHRAX! Im Bühnenhintergrund prangte ein riesiges Backdrop im Design ihres 2011er-Albums "Worship Music", neben dem Drumkit standen vor der Backline jeweils grofle Aufsteller mit den bekannten A-Pentagrammen (später wurden dort dann Dimebag-Gedenk-Motive aufgezogen) und die Band lief einheitlich mit schwarzen identisch bedruckten Hemden auf. Wobei die Band - da mag sich der ein oder andere verwundert die Augen gerieben haben - wartete mit ein paar neuen Gesichtern auf. An der Lead-Gitarre rifft ja bekanntlich seit dem Abgang seines Vorgängers gen VOLBEAT Jonathan Donais (Ex-SHADOWS FALL) aber auch hinterm Schlagzeug saß heute nicht Charlie Benante. Der hatte sich nämlich an der Hand verletzt und wurde durch den Metal-Söldner Jon Dette ersetzt, der in seiner langen Karriere u.a. auch schon für TESTAMENT, SLAYER und EVILDEAD die Kessel gerührt hat. Mit dem Doppelpack aus "Among The Living" und "Caught In A Mosh" starteten die New Yorker fulminant in ihr Set. Der gertenschlanke Frontmann Joey Belladonna zeigte sich sehr bewegungsfreudig und gut gelaunt, schonte sich trotz seiner 52 Jahre in keinster Weise und kommunizierte genausoviel mit dem Publikum wie die Gaillionsfigur der Band, Scott Ian. Der kündigte in der Mitte des Sets dann auch eine Coverversion seiner Lieblingsband an und es folgte tatsächlich "TNT" von AC/DC. Kann man machen! Das Publikum tickte jedenfalls total aus und selbst die drei am Ende des Sets positionierten Klassiker "I Am The Law", "Madhouse" und "Antisocial" wurden später nicht mehr gefeiert. Die Band konzentrierte sich natürlich hauptsächlich auf die allseits bekannten Klassiker, aber auch groflartige Songs jüngeren Datums wie "In The End" fanden ihren Weg ins Set.


20.15 (PZ) ORPHANED LAND
ORPHANED LAND haben mit ihren orientalisch angehauchten und progressiven Kompositionen in den letzten zwanzig Jahren garantiert mehr für die Völkerverständigung im Nahen Osten getan als jeder Politiker. So interpretierte Sänger Kobi Farhi den Titel ihres neuen Albums "All Is One" als Symbol für das vorbildliche Miteinander und die gelebte Toleranz innerhalb der Metal-Szene. Der Sänger, der komplett barfuß über die Bühne turnte, erinnerte optisch an Jesus, seine Message blieb aber nicht mehr als die des einfachen Mannes, der in Frieden leben und sich mit seinen Nachbarn vertragen will. Und obwohl der Sound nicht jede der vielen Klangfacetten zum Strahlen bringen konnte, kam die Botschaft bei der großen Zuschauerschar an, die die Israelis von der ersten gespielten Note an gemeinsam bejubelte. Den unbedarften Hörer konnte die Musik in ihrer Vielschichtigkeit geradezu erschlagen, wer sich jedoch auf die anspruchsvollen Kompositionen einließ, der erfreute sich an der Erhabenheit der Songs und ihrem Tiefgang. Für "Norra El Norra" holte Kobi Farhi TRISTANIA-Frontlady Mariangela Demurtas als Duettpartnerin zu sich auf die Bühne, die in ihrem kurzen roten Kleid und den hohen weiflen Stiefeln auch optisch eine gute Figur machte. Die abschließenden Zugabe-Rufe galten hingegen gänzlich dieser auflergewöhnlichen israelischen Band, die allen politischen Implikationen zum Trotz in erster Linie doch einfach fantastische Musik ablieferte.


21.20 (PS) TIAMAT
Magische Momente sind durchaus rar. Diese emotionale Stimmung mit einem Festivalauftritt von TIAMAT in Verbindung bringen zu wollen, gleicht schon fast einem Lottogewinn. Aber genau das war heute mit der hereinbrechenden Nacht der Fall. Johan Edlund war auf den Punkt präsent und zündete mit dem Opener "The Scarred People" ein Hit-Feuerwerk. Unerwartet, aber umso schöner war der Platz vor der Bühne anzusehen. Soweit das Auge reichte, drängten sich die Festivalbesucher vor der Bühne, um dem Auftritt der Schweden beizuwohnen. Unerwartet deshalb, weil Edlund bei den letzten Veröffentlichungen nicht durchgängig seine Talente als begnadeter Songwriter zur Geltung bringen konnte. Trotzdem war es schön zu sehen, welche Anziehungskraft noch immer von dieser Ausnahmeformation ausgeht. Auch Edlund und seine Mannen schienen zu spüren, dass dieser Abend ein ganz besonderer werden könnte. Unterstützt wurde dieser legendäre Auftritt von einem kristallklaren Bühnensound. Zwar war die Laustärke zu Beginn nahe der Schmerzgrenze, nach zwei Songs hatte sich allerdings eine perfekt balancierte Soundwand eingepegelt, die die eindrückliche Wirkung der Songs zudem unterstrich. Edlund ist bekanntermaßen kein Entertainer und tat an diesem Abend auch optisch nichts dazu, dies zu fördern. Barfuß und mit ausgewaschenen Klamotten, präsentierte sich der Schwede und hielt sich auch mit Ansagen dezent zurück. Dies war allerdings zu keiner Zeit störend. Der Fokus lag von Beginn an auf den Songs und Edlund ist das Zentrum eben dieser. An der Saiten- und Rhythmusfraktion gab es Individualisten zu sehen, die versunken und verloren in der Musik genau das taten, was sie sollten. Sie legten einen pompösen Soundteepich unter Edlunds Organ. Was bleibt am Ende dieses Sets? TIAMAT haben es mit ihrer Musik geschafft, tausende zu magnetisieren und in ein Zentrum purer Magie zu ziehen. Perfekt!


21:25 (PZ) WHITECHAPEL
Der Mann mit der wohl unscheinbarsten Statur auf dem Festival, Phil Bozeman, und seine Jungs von WHITECHAPEL waren der perfekte Act, um kurz nach neun die vorwiegend jungen Zuschauer in das kuschlig warme Zelt zu treiben. Deathcore der härtesten Sorte sollte es geben, der spätestens seit dem Deal mit Metal Blade Records und vier groflartigen Alben auch über Szenegrenzen hinaus geschätzt wird. Ein angsteinflößendes Grunzen und schnelle Blasts lieferten dann einen knallharten Einstieg für die Party, die in der Folge vor der Bühne steigen sollte: Moshpits, Crowdsurfer, Headbanger, hier war einfach alles dabei, und gerade bei den Breakdowns und den Zurufen des Sängers ging im Pit gehörig die Post ab. Mit "Make It Bleed" oder "Section 8" gab es viele neuere Songs der Band zu hören, die inzwischen deutlich näher am Death Metal rangiert als noch auf dem Debüt. Abgeschreckt wurde dadurch aber niemand, ganz im Gegenteil: Je mehr Titel die Fünf zockten, desto mehr Interessierte füllten mit fortschreitender Spielzeit das Zelt. Ohne Gnade und nennenswerte Pausen zockten die Amis ihr Set runter, bedankten sich am Ende freundlich und verlieflen dann beinahe so erschöpft wie die feiernde Meute das Zelt.


22.25 (MS) LAMB OF GOD
Gemütlich haben sie es sich ja gemacht, die Lämmer Gottes. Für ihren Headliner-Slot, der zeitgleich ihren ersten Gig überhaupt beim SUMMER BREEZE bedeutete, entrollten LAMB OF GOD heimelige Teppiche mit Bandlogo und -schriftzug auf dem Bühnenboden und auch die Backline aus Marshall-Türmen lud zum Verweilen vor der Main Stage ein - wenn man denn noch einen Platz fand. Proppenvoll war es, als mit "Desolation" sowohl Fans als auch Band regelrecht explodierten und die nächsten eineinhalb Stunden genau das machten, was Fronter Randy Blythe immer wieder forderte: "Fuck The Place Up!" Natürlich gingen er selbst und die Instrumentalfraktion mit gutem Beispiel voran. Während Monster-Drummer Chris Adler relativ ruhig aber präzise sein Kit zu Klump schlug und die Gesichter der Saitenhexer beim Dauerbangen kaum zu sehen waren, fegte Blythe von Beginn an wie ein Derwisch von links nach rechts und wieder zurück, brüllte sich die Lunge aus dem Leib und animierte das Publikum zum Mitsingen, Moshen und Durchdrehen. Fast müßig zu erwähnen, dass im Pit der Punk abging. Die Security im Graben hatten fast keine ruhige Minute. Ständig kamen Wellen neuer Crowdsurfer über die Köpfe der Fanmassen nach vorne, wenn nicht gerade mal wieder gewaltige Circle Pits den Raum vor der Bühne einnahmen - bei "Omerta" und "Redneck" gar über die gesamte Bühnenbreite! So viel Aktion schlaucht. Ab und zu nahmen sich LAMB OF GOD also ein kleines Päuschen und Blythe die Zeit, sich ausgiebig beim Publikum für den Support zu bedanken und Späße über die deutsche Faszination für David Hasselhoff zu reißen. Schade nur, dass LAMB OF GOD etwa fünfzehn Minuten früher als geplant mit ihrem Set durch waren und auch keine Zugabe nachschoben. Dennoch erwiesen sie sich bei ihrer Dinkelsbühl-Premiere als absolut würdige Headliner, der hoffentlich bald wieder beim SUMMER BREEZE mitmischt.


22.35 (PZ) MADBALL
Neben AGNOSTIC FRONT war mit MADBALL eine weitere soundprägende Hardcore-Band aus New-York auf dem SUMMER BREEZE vertreten. Außerdem ist MADBALL-Sänger Freddy Cricien der Halbbruder von AGNOSTIC FRONT-Sänger Roger Miret. Da LAMB OF GOD zeitgleich auf der Mainstage spielten, war das Zelt nicht ganz gut gefüllt, aber die Leute, die sich eingefunden hatten, konnten sich auf ein mit Hits gespicktes Set freuen. Schlechte Shows der schwergewichtigen New Yorker muss man ohnehin mit der Lupe suchen und auch an diesem Freitagabend gab es nur eine Marschrichtung: mit voller Kraft voraus! Wie immer rannte und sprang Freddy Cricien wie ein Derwisch über die Bühne und scheute auch den direkten Kontakt mit dem Publikum nicht. Trotzdem dauerte es einige Songs bis auch das Publikum die Steilvorlage aufnahm und für mehr Action zu haben war. Nachdem man sich aber aufeinander eingegroovt hatte, kam man dem gewohnten Prädikat Abriss erneut sehr nahe.


23.25 (CS), 00.40, 01.55 GASMAC GILMORE
Man kann sich sicher sein, dass diese Band in vielen Nachberichten positiv hervorgehoben und wohl auch als eine der Überraschungen des Festivals genannt werden wird. Vorher hatten die wohl die wenigsten auf dem Zettel, aber bereits bei ihrem ersten Block sprang die Energie, die die Band rüberbrachte, direkt aufs Publikum über - auch wenn "Mayonnaise" und "Sunkist" rein kulinarisch sonst nicht so die optimale Kombination sind. Auch optisch präsentierte sich die Band als tighte Einheit, erschienen sie doch in einer Art Tracht. Musikalisch war's ein wilder Mix aus SYSTEM OF A DOWN, Balkansounds und Klezmer, den ihnen so leicht keiner nachmacht. Mit jedem Set wuchs der Andrang vor der Camel Stage und die Mucker genossen die Zeit mit dem Publikum sichtlich. Das nennt man dann wohl eine klassische Win-Win-Situation!


23.45 (PZ) Evergreen Terrace
Wer nach MADBALL auf die Bühne muss, hat es erfahrungsgemäß immer schwer und so zeigten sich bei EVERGREEN TERRACE schon leichte Auflösungserscheinungen beim Publikum. Nichtsdestotrotz startete die Band aus Jacksonville gewohnt bewegungsfreudig mit “Enemy Sex“. Mit mehr als sieben Platten zur Auswahl hat die Combo natürlich mit der Zeit einige Hits angehäuft, die das Set ganz automatisch zu einem starken Best-Of verdichteten. Auch kamen gleich zwei Cover-Songs (“Mad World“ von TEARS FOR FEARS und “Sunday Bloody Sunday“ von U2) zum Zug, die lauthals mitgesungen wurden und den Ruf von EVERGREEN TERRACE als hervorragende Party-Band zusätzlich untermauerten. Klar durfte da auch “Chaney Can't Quite Riff Like Helmet's Page Hamilton“ nicht fehlen, das frenetisch bejubelt wurde. Alles in allem sicher ein sehr guter Auftritt der Amis, der wohl nur dem offensichtlich auf MARDUK wartenden und mit Corpse-Paint bemalten, absolut emotionslosen jungen Herr in der ersten Reihe nicht gefallen haben dürfte.


00.00 (PS) FINNTROLL
Als am Freitagabend pünktlich um Mitternacht ein dunkles Hämmern begleitet von einer atmosphärischen Lichtshow von der Pain Stage ertönte, hatten sich zahlreiche Fans mit Methörnern und Fellen bewaffnet vor der Bühne eingefunden, um mit den Trollfreunden aus Helsinki zu feiern. FINNTROLL waren gleich zu siebt angereist, und hatten neben ihren alten Klassikern natürlich auch das neuste Werk "Blodsvept" im Gepäck. Mit dem Titeltrack wurde dann auch gleich kräftig losgehämmert, Humppa-Klänge trafen auf Black und Death Metal alter finnischer Schule, die Crowdsurfer ließen sich nicht lange bitten und auch ein ordentlicher Pit hatte sich bereits nach wenigen Minuten unmittelbar vor der Stage gebildet. Da spritzte das ein oder andere Bier, oder in diesem Fall wohl eher Met durch die Luft, bei den Refrains gaben sich die Zuschauer trotz den rein schwedischen Lyrics textsicher (trotz ihrer finnischen Herkunft singen FINNTROLL auf schwedisch, da es "verdammt trollisch" klingt), und Fronter und Guttural-Spezialist Mathias "Vreth" Lillmåns heizte das Publikum mit seinen amüsant klingenden Zurufen ordentlich an. Seine Deutschkenntnisse, die sich eigentlich nur auf Schimpfwörter beschränkten, sorgten für genauso gute Laune wie die beiden äußerst aktiven Gitarristen Skrymer und Routa, die von einer Seite der Stage zur anderen hetzten. Die Setlist war sehr zur Freude vieler Fans nicht nur auf neuere Songs beschränkt, die sich spätestens seit dem letzten Album von der Trollthematik abgewandt haben, sondern hatte am Ende mit "Trollhammaren" und "Jaktens Tid" noch zwei echte "Evergreens" der Band im Programm. Ein würdiger Abschluss für die Party auf dem Infield, den die Zuschauer mit minutenlangen Jubelschreien nochmal ordentlich feierten.


01.00 (PZ) MARDUK
Nach den Metalcorelern von EVERGREEN TERRACE wurde es wieder finster im Partyzelt - und das lag nur zum Teil an der fortgeschrittenen Stunde, sondern vor allem an der Bühnenpräsenz MARDUKs, die ihre gesamte Routine ausspielten und ihr Publikum von der ersten Sekunde an fesselten. Die Auswahl der Songs erstreckte sich vom 1998er Knaller "Nightwing" über "Panzerdivision Marduk" bis hin zum aktuellen Album "Serpent Sermon", dessen Vertreter "Temple Of Decay" den Vierer in ungewohnt getragener Manier zeigt, dabei aber nichts von der rohen Gewalt einbüßt, die dem schwedisch-schwarzen Schwermetall von Håkansson & Co. innewohnt. War "Temple Of Decay" vergleichsweise gedrosselt, schienen MARDUK diese "Verzögerung" direkt aufholen zu wollen und schoben mit "Christraping Black Metal" einen durchgängig in Blastbeats gehaltenen Song hinterher. Dabei demonstrierte Sänger Mortuus in seiner Interaktion mit den Zuschauern einmal mehr, dass er mittlerweile zur echten Frontsau gereift ist. MARDUK scheinen dabei nicht nur gegen den Zahn der Zeit immun zu sein - wie "Serpent Sermon" eindrucksvoll beweist -, auch Widrigkeiten auf der Bühne machen der Band offenbar keinerlei Schwierigkeiten: Sei das die streikende Gitarre Morgans oder ein übereifriger Fan, der gegen Ende des Gigs die Bühne stürmte und sein Hinterteil entblößte; als er das ein weiteres Mal versuchte, machte er unsanfte Bekanntschaft mit einer elanvoll geschwungenen Gitarre. MARDUK demonstrierten in den 55 Minuten einmal mehr, welche Macht sie live sind, und hinterließen ein feierndes Publikum, das wohl zu Recht eine Zugabe forderte.


02.15 (PZ) NOCTE OBDUCTA
Zum Abschluss des Freitags war Kontrastprogramm angesagt - und zwar nicht nur in dem Sinne, dass NOCTE OBDUCTA einen ganz anderen Ansatz der Black Metal-Tonkunst verfolgen als das die Schweden von MARDUK taten. Nein, auch innerhalb des Auftritts der Deutschen konnten die Kontraste nicht deutlicher ans Licht treten: Neben epischen Songs der "Nektar"-Phase oder dem Opener "Leere" vom aktuellen Album "Umbriel (Das Schweigen Zwischen Den Sternen)" fanden mit "Waldrand" und "Braineaters" auch zwei zackig-knackige Kracher den Weg ins Programm des Sechsers. Besonders schönes Detail des Auftritts war wohl der Song "Kinder", den NOCTE OBDUCTA der Ansage von Gitarrist Marcel Va. Traumschänder zu Folge bereits vor acht Jahren auf dem Summer Breeze dargeboten hatten, danach aber nie auf Platte bannen konnten. Dies soll nun im Rahmen der kommenden beiden Alben nachgeholt werden, weshalb der Song vollkommen zu Recht ausgiebig bejubelt wurde. Mit "November / Pan" boten NOCTE OBDUCTA, die zeitweise mit vier Sängern gleichzeitig aktiv waren, genau das richtige Gehör-Futter, um die dankbaren Fans um kurz nach drei Uhr in den wohlverdienten Schlaf zu schicken.


Samstag, 17.08.2013

12.00 (PS) NACHTBLUT
Die Ehre, den letzten Festivaltag eröffnen zu dürfen, gebührte NACHTBLUT. Bandname als auch ihr Stil, eingängiger Dark Metal, passten zwar nicht unbedingt zur Tageszeit, aber es versammelte sich doch eine sehr ansehnliche Masse, um zusammen mit den Osnabrückern den Festivalsamstag einzuläuten. Das Dargebotene der geschminkten Truppe um Fronter Askeroth lag irgendwo zwischen finsterem, opulentem Gothic Metal der Neunziger gemischt mit Melodic Black Metal mit dezenten Ambient-Einflüssen. Die Fans hatten sichtlich Spaß daran, die klischeehaften deutschen Texte lautstark mitzusingen. Vor allem bei den Stücken "Ich trinke Blut" mit seinem prägnanten Refrain und "Der Weg ist das Ziel" ging ordentlich die Post ab und erste Crowdsurfer landeten im Fotograben. Völlig außer Rand und Band geriet der Auftritt, als Sänger Askeroth gemeinsam mit den Fans vor der Bühne zu Anfang des Songs "Mordlust" pogte. Den Abschluss bildete wie so oft das PRINZEN Cover "Alles nur geklaut".


12.45 (MS) ORDEN OGAN
Kurz und knackig eröffneten ORDEN OGAN den Samstag auf der Main Stage mit einem vierzigminütigen Set, der ganz im Zeichen ihres jüngsten Albums "To The End" stand. So wurden die Musiker wie Gefangene von zwei Statisten auf die Bretter geschleift, deren postapokalyptische Mad-Max-Outfits verdächtig an die Powerrüstungen aus der Computerspielreihe "Fallout" erinnerten. Entgegen früherer Gewohnheiten provozierte Frontmann Sebastian "Seeb" Levermann das Publikum heute nicht, ihn als "Pussy" zu beschimpfen, stattdessen wurde mehrfach die "Fist Of Fate" beschworen, die eine kleine, aber feine Zuschauermenge eifrig gen Bühne reckte. Lässt man einmal außer Acht, dass es sich bei "Angels War" um die Neueinspielung eines Klassikers des selbstveröffentlichten "Testimonium A.D."-Albums handelte, arbeitete sich die Band chronologisch durch die Hits ihrer Diskografie, wobei das Highlight erwartungsgemäß der "Monkey Island"-Gedächtnis-Song "We Are Pirates" darstellte. Warum den Sauerländern aber der große Durchbruch noch immer verwehrt bleibt, darauf konnte auch dieser starke Gig keine Antwort liefern, der seinen Abschluss mit dem von den "Cold Dead And Gone"-Rufen des Publikums getragenen "The Things We Believe In" fand.


13.30 (PS) ARKONA
Weiter ging es mit dem majestätischen Pagan Metal von ARKONA. Von Anfang an heizten die Russen dem Publikum mit ihren komplexen Stücken ordentlich ein. Die Instrumentalfraktion spielte äußerst souverän und mit viel Freude auf, allen voran Multiinstrumentalist Vladimir, während die im Fell auftretende Frontfrau und Schreihals Maria "Scream" Archipowa mit ihrer wilden Darbietung und dem markanten Organ eindeutig im Mittelpunkt des Geschehens stand. Mit ihrem zwischen episch erhaben bis hin zu rasenden Ausbrüchen pendelndem Pagan Metal schafften es ARKONA wie gewohnt, ihrem Ruf als geniale Live-Band gerecht zu werden, was sich auch an den teils euphorischen Publikumsreaktionen zeigte. Neben Crowdsurfen, Bangen, die Texte lauthals mitsingen, der mittlerweile fast schon obligatorischen Wall Of Death, machten sich einige Fans einen Riesenspaß, Arm in Arm im Kreis zu tanzen. Die stärksten Reaktionen gab es natürlich bei Klassikern vom Stile "Slav'sja, Rus'", hier war die Menge kaum zu halten. Da machte es auch nichts aus, dass die Ansagen von Maria aufgrund ihres Akzents nur schwer verständlich waren.


14.00 (CS) BEMBERS
"Ey horch amol, hier kommt de Bembers!" hieß es an diesem Nachmittag auf der Camel Stage, als BEMBERS der Metal-Komiker in Dinkelsbühl auftrat, und es war für die meisten Besucher wohl das erste Mal, dass sie auf einem Festival einem waschechten Standup-Comedian gegenüber standen. Was BÜLENT CEYLAN kann, das kann BEMBERS schon viel länger, und so enterte das Schwergewicht stilecht mit seiner Mähne und Vollbart, und natürlich seinem aktuellen Programm "Und die Erde ist doch eine Scheiße" kurz vor 14 Uhr die Camel Stage, um die Metaller am letzten Festivaltag noch einmal richtig zum Lachen zu bringen. Schon sein Gesichtsausdruck, den er selbst als "Eh Fresse ziehn" bezeichnet, ist unbezahlbar, und die kleinen Anekdoten aus seinem Leben sind einfach zum wegschmeißen. Die Mischung aus fränkischer Mundart, musikalischen Einlagen und sauwitzigen Sprüchen erinnerten von der Machart her immer wieder an Helge Schneider, nur prolliger und ohne irgend ein Blatt vor dem Mund. Kostprobe gefällig? "Ich brauch doch kein Mikroständer, ich hab´schon einen in der Hos´wenn ich euch seh". Scheinbar hatte sich herumgesprochen, dass es mit BEMBERS eine wunderbare Abwechslung gibt, die perfekt auf das Metalpublikum zugeschnittene Lacher liefert, denn es waren recht viele Zuschauer vor der blauen Bühne die sich im Chor den Arsch ablachten. 45 Minuten lang gab es eine humorvolle Persiflage auf das Leben aus den Augen eines Metallers, die sich von Fäkalwitzen bis hin zum Alltagsrassismus einfach alles vornahmen. BEMBERS ist ein Unikat, und genau so einzigartig wie er war an diesem Samstag auch mal wieder seine Show, die mit einem johlenden Abschied seitens der Zuschauer beendet wurde. "So isches richtig!"


14.15 (MS) VAN CANTO
Wem das schwermetallische Reinheitsgebot am Herzen lag, der ging nun besser Bier holen oder suchte sich eine andere Beschäftigung, die ihn von der Main Stage fernhielt. Denn diese enterte nun mit VAN CANTO eine Band, die außer einem Schlagzeug keinerlei Instrumente verwendete. So ganz stimmte dies heute jedoch nicht, denn für "One To Ten" holten die A-Capella-Metaller immerhin ORDEN OGAN-Gitarrist Tobias Kersting für ein Solo auf die Bühne. Die Hälfte des Sets bestand aus Eigenkompositionen des Sextetts, von denen der Opener "If I Die In Battle" und das deutschsprachige "Neuer Wind" besondere Beachtung verdienten. Dazwischen fanden sich Cover-Versionen bekannter Metal-Hits, die natürlich umso begeisterter von den Fans mitgesungen wurden. Auf NIGHTWISHs "Wishmaster" folgten "Rebellion" (GRAVE DIGGER) und der "Bard's Song" (BLIND GUARDIAN), darüber hinaus wurde in das VAN CANTO-Gründungsstatut "The Mission" ein kurzer Ausschnitt aus METALLICAs "Master Of Puppets" eingebaut. Als Highlight entpuppte sich aber wieder einmal der IRON MAIDEN-Klassiker "Fear Of The Dark", der den Set zu einem fantastischen Ende brachte. Offensichtlich sah die Mehrzahl der Festivalbesucher die Sache mit dem Reinheitsgebot wesentlich entspannter, so dass sich der Platz vor der Bühne trotz der frühen Nachmittagsstunde bereits ordentlich gefüllt hatte.

15.00 (PZ) CLITEATER
Den heftigen Reigen im Zelt durften am letzten Festivaltag CLITEATER eröffnen. Die Holländer, welche seit Jahren als feste Größe in der (Porn-)Grind-Krachszene gelten, sind ja für ihren etwas stumpfen Grindcore mit Rock'n'Roll Anleihen berüchtigt, aber live zündet ihr gnadenloser Sound immer. Der heutige Auftritt wurde allerdings vom Tod eines engen Freundes der Band überschattet, welchem dieses Konzert gewidmet wurde. Trotz der Umstände zogen die Grind-Metzger mit irre viel Spaß in den Backen in gewohnt souveräner Art und Weise alle Register, welche das Genre hergibt, schnelle Blastbeats, und rasante Gitarren, groovige Parts und Gegurgel aus den tiefsten Gedärmen von Sänger Joost sorgten von Anfang an für mächtig Alarm im Zelt. Gleich mit dem Opener "Glory Hole" bildete sich ein wilder Circlepit, welcher bis zum viel zu frühen Ende auch nicht mehr zur Ruhe kam. Kein Wunder, sind die Stücke doch bei aller extremen Brutalität doch von einer mitreißenden, tanzbaren Eingängigkeit geprägt. Und mit Joost haben CLITEATER einen nicht nur unglaublich starken Sänger, sondern auch einen wunderbaren Entertainer, dessen sympathische Ansagen in einem Mischmasch aus Deutsch, Englisch und Französisch für scharenweise grinsende Gesichter sorgte. Dazu passte auch der herrliche Schlussgrind "Eat Clit Or Die", ein S.O.D. Cover von "Speak English Or Die"


15.05 (PS) FIDDLER'S GREEN
Richtig metallisch kamen FIDDLER'S GREEN zwar auch nicht daher, doch mit mehr als zwanzig Jahren Bühnenerfahrung konnten sie auch auf dem SUMMER BREEZE mühelos bestehen und eine beeindruckende Menge an Fans für sich begeistern. Ihr "Irish Speedfolk" sorgte für beste Laune und um ganze Horden an Crowdsurfern auf sich zukommen zusehen, musste Gitarrist Patrick Prziwara erst gar nicht lange bitten. Obwohl die Erlanger mit "Winners & Boozers" gerade erst ein neues Album auf den Markt gebracht hatten, bestand ein Großteil der Setlist aus den Stücken des Vorgängers "Wall Of Folk". Die namensgebende Wall-Of-Death-Variante, bei der das Publikum auf Kommando "friedlich die Seiten wechseln" und sich jeweils eines Kleidungsstücks entledigen sollte, wurde ausgiebig zelebriert. Zur allgemeinen Enttäuschung standen die Musiker am Ende jedoch nicht vor einer vollständig entblößten Zuschauerschar. Dafür reichte der kollektive "T-Shirt-Propeller" bis weit hinter den Front-Of-House-Turm. Seinen Höhepunkt fand der Auftritt im in epischer Breite zelebrierten "The Night Pat Murphy Died", bei dem die Musiker kollektiv um das Drum-Kit herum posierten, während Schlagzeuger Frank Jooss die frische Luft des Bühnenrandes schnuppern durfte - verkehrte Welt gewissermaßen. Der begeisterte Applaus des Publikums reichte anschließend bis weit über den Rausschmeißer "Folk's Not Dead" hinaus.


15.40 (CS), 16.40, 17.45 VK GOES WILD
Eine relativ leere Bühne auf der sich nur ein Piano und ein überschaubares Drumkit befand, sorgte vor dem Auftritt von Viktoriya Yermolyeva für vereinzelte irritierte Blicke vor der Camel Stage. Eingeweihte wussten allerdings ganz genau, was die zierliche Osteuropäerin in ihren drei Blöcken anbieten würde: hochvirtuose Klavierinterpretationen bekannter Metalsongs, beim Summer Breeze sogar ausnahmsweise mit Schlagzeugunterstützung. Die zierliche Pianistin stöckelte im kleinen Schwarzen zu ihrem Hocker und hatte das Publikum innerhalb kürzester Zeit in ihren Bann gezogen. Den Publikumskontakt übernahm dabei ihr offensichtlich deutscher Drummer, der die Songs jeweils kurz ansagte. Die Szene kann sich glücklich schätzten, dass die mit internationalen Preisen im klassischen Sektor hochdekorierte Virtuosin irgendwann ihre Liebe zu metallischen Klängen entdeckt hat. Jeder Block war extrem beeindruckend, aber der zweite bot mit TYPE O NEGATIVES ruhigem „Love You To Death“ und der Grindcore-Hymne „Corporal Jigsore Quandary” von CARCASS die größten Kontraste.


16.00 (PZ) DR. LIVING DEAD!
Um Punkt vier Uhr nachmittags übernahmen vier Schweden die Bühne im Zelt, die man wohl aufgrund der äußeren Erscheinung und auch ihrer Kleidung wegen eher in Venice Beach verortet hätte. Skate-Thrash in bester SUICIDAL TENDENCIES-Manier haben sich die Männer mit den Schädelmasken auf die Fahnen geschrieben – bei den Temperaturen und dem an den Tag gelegten Bewegungsdrang war es wohl derbe schweißtreibend unter den Gummimasken und Bandanas der Jungs – machte in Verbindung mit dem riesigen Bandlogo-Backdrop und den beiden Aufstellern neben dem Drumkit schon was her. Die Band war ständig in Bewegung, besonders der dürre Basser legte lange Wege zurück und mit jedem ihrer elf Songs stieg die Begeisterung im Publikum. Ab dem dritten Song gabs erste Crowdsurfer und Circle-Pit-Aktion. Ob das Konzept der Band für eine jahrzehntelange Kariere trägt, sei mal dahingestellt, das Festival haben sie mit ihrem kurzweiligen Gig auf jeden Fall bereichert!


16.00 (MS) MOONSPELL
Tags zuvor noch in Falun, Schweden, standen MOONSPELL als dritte Band am Samstag auf der Main Stage - und mit ORDEN OGAN und VAN CANTO als ihren Vorgängern waren die Portugiesen wohl die erste Band des Tages, die so etwas wie Dunkelheit mit auf die Bühne brachte. Das Wetter spielte dem Fünfer, der bei einem Song von TRISTANIA-Sängerin Mariangela Demurtas unterstützt wurde, zwar nicht unbedingt in die Hände, dennoch legten Fernando Ribeiro und Mitmusiker mit "Axis Mundi" und dem Titelsong des aktuellen Albums "Alpha Noir" einen fulminanten und dem blauen Himmel trotzenden finsteren Start hin. Wer als Zuschauer nun erwartete, MOONSPELL würden sich im Wesentlichen aus ihrer aktuellen Schaffensphase bedienen, wurde mit dem Titelsong des 2008er Albums "Night Eternal" nur bedingt bestätigt - doch die nachfolgenden Songs "Opium" und "Raven Claws" stellten einen sehr weiten Blick in die Vergangenheit dar: Anfang 1996 war "Irreligious" erschienen, da waren nicht wenige Festival-Besucher vermutlich noch nicht einmal geboren. Nach einem kurzen Ausflug zurück zum aktuellen Album ("Em Nome Do Medo") ging es mit "Vampiria" und "Alma Mater" gar noch weiter zurück - zum 1995er Debut "Wolfheart" nämlich. Interessanteste Beobachtung des Auftritts war wohl, dass MOONSPELLs Publikum sowohl die neueren bis ganz neuen Songs als auch das alte Material aus der schwarzmetallischeren Vergangenheit der Band gnadenlos abfeierte und sich vom gelungenen Stage-Acting der Musiker zu jedem Zeitpunkt mitreißen ließ.


16.55 (PS) KNORKATOR
Ja war denn schon Headliner-Zeit? Zumindest die Massen vor der Pain Stage hätten es vermuten lassen. Soweit das Auge reichte drängten sich die Menschen dicht an dicht und sahen dem entgegen, was da gleich folgen sollte. KONRKATOR aus Berlin hatten geladen, den "wahren Blödsinn zu verteidigen". Bissige Satire und nicht sonderlich kinderfreundliche Vulgarität gepaart mit Sozialkritik und jeder Menge Spaß. Das ist es, was KORKATOR am heutigen Nachmittag ausmachte. Und es war genau das, was die Zuschauer sehen wollten und bereitwillig teilten. Kaum anders war es zu erklären, dass sich selbst im Publikum lustig verkleidete Menschen fanden, die irgendwann, irgendwie im Graben landeten. Auch KNORKATOR Sänger "Stumpen" war sichtlich begeistert von den Reaktionen und bat kurzerhand nach einem rauschenden "All That She Wants" die Fotografen aus dem Graben auf die Bühne, um das Geschehen festzuhalten. Mega sympathisch, super schrill und auf seine eigene Weise ein brillanter Auftritt der Formation, die von einer Blödelei zur nächsten hastet. Egal ob ein Federballspiel ausgepackt wurde, oder ob man mit dem Publikum kokettierte, KNORKATOR hatten sich in die Herzen des SUMMER BREEZE-Publikums gespielt. Ein vorläufiges Finale fand das Set mit "Böse", der Hit-Nummer der Berliner. Damit aber nicht genug, denn Sänger "Stumpen" ließ sich während des Stückes in einen überdimensionalen Ballon verpacken und hopste darin über die johlende Menge. Gemessen an der Zeit und dem Andrang vor der Bühne, wird dieser Auftritt wohl für eine längere Zeit Maßstäbe setzen.


17.00 (PZ) HATE
Erinnert sich noch jemand an den letzten OPETH-Gig auf dem SUMMER BREEZE? Damals hatten die Schweden mit massiven Soundproblemen zu kämpfen und mussten ihr Set gar für eine halbe Ewigkeit unterbrechen, um der Lage Herr zu werden. Dieses Jahr wurden HATE Opfer des Fehelerteufels. Schon beim Opener "Eternal Might", bei dem Gitarrist Destroyer und der für den kürzlich verstorbenen Basser Mortifier eingesprungene Kain ihre Instrumente gegen Fackeln zwecks Feuerspucken tauschten, schwankten die Drums bedenklich zwischen laut und leise. Im Endeffekt erwischte es aber den Gitarrensound: zack, bumm, aus, nix ging mehr. Hektisch tauschten die Techniker einen der Verstärker aus, was einen erneuten Soundcheck erforderte. Summa summarum mussten die Polen so auf gut ein Drittel ihrer Spielzeit verzichten und ihr Set um zwei Songs auf insgesamt nur sechs Stücke zusammenstreichen. Während die Band mit einer sichtlichen Portion Wut im Bauch zu retten versuchte, was zu retten war, nahmen die Fans die unfreiwillige Unterbrechung gelassen hin. Keine Pfiffe, keine Buhrufe, dafür dankbares Bangen. Spätestens bei "Erebos" war so der Spielfluss wieder erreicht und HATE konnten ihre Show unter ehrlichem Applaus beenden.


17.50 (MS) DEVILDRIVER
Nach der stark ironischen und witzigen Vorstellung von KNORKATOR, war es an den Kaliforniern von DEVILDRIVER das Aggressionslevel erneut hochzuschrauben. Die Mannen um Dez Fafara, der mittlerweile auch wieder mit seiner früheren Truppe COAL CHAMBER aktiv ist, sind mittlerweile auch schon zehn Jahre im Geschäft und können auf eine starke Discografie zurückgreifen. Zudem haben sie sich über die Jahre hinweg einen hervorragenden Ruf als hart arbeitende Live-Band erspielt. Auf dem SUMMER BREEZE stellten sie ihre Qualitäten – um das einmal vorweg zu nehmen – erneut unter Beweis, auch wenn das Mikro zu Beginn noch ein wenig streikte. Allen voran war natürlich Dez mit seiner unbändigen Energie eine imposante Erscheinung und forderte dem Publikum alles ab. Wall Of Death, bei der sich alle Teletubbies in der Mitte vereint der Meute stellten und einer der wohl größten Circle-Pits, den das SUMMER BREEZE dieses Jahr gesehen hat, waren das Resultat. Am Ende des einstündigen Sets hatten DEVILDRIVER die Meute für HATEBREED mehr als gut aufgeheizt und verabschiedeten sich mit 2PACs “California Love“ als Outro-Song vom SUMMER BREEZE 2013.


18.05 (PZ) GRAND SUPREME BLOOD COURT
Zählt Martin van Drunen eigentlich schon zum Inventar des Summer Breeze? Rechnete man heute mit, dann war das Grauhaar in den letzten sechs Jahren ganze fünf Mal mit ASPHYX oder HAIL OF BULLETS zu Gast. Obwohl GRAND SUPREME BLOOD COURT streng genommen ja auch nichts anderes als genannte Bands sind, nur in veränderter Besetzung und unter anderem Namen. Die Marschroute war also Von vorne herein klar: Old School-Death Metal aus Holland und nix für progressive Gemüter. Roh, hässlich und brutal wälzte sich der Sound aus den Boxen, genau passend für GRAND SUPREME BLOOD COURT, die nur zwei Tempi kannten: Uffta-Beats oder zähen Lava-Doom. Vor allem die schweren, langsamen Parts kamen ultrafett daher gekrochen. Viel war zwar nicht los vor der Bühne, doch wer dem Gemetzel beiwohnte schüttelte auch engagiert den Kopf. Routiniert zogen die Holländer ihr Programm durch und machten mit reichlich Haar-Einsatz auch ordentlich was fürs Auge her. Zwischen all dem dreckigen Todesblei gab es aber auch ein wenig Melodie: der hymnische aber nicht weniger fiese Zehnminüter "...And Thus The Billions Shall Burn" gab den perfekten Rausschmeißer.


18.50 (CS) 19.55, 21.05, 22.15 EDDIE SPAGHETTI
Seine Punkband, die SUPERSUCKERS, bezeichnete der Künstler augenzwinkernd als "beste Band der Welt". Doch zum SUMMER BREEZE war EDDIE SPAGHETTI alleine angereist und bot dem überschaubaren Publikum vor der Camel Stage eine Mischung aus Singer/Songwriter-Material mit Punk-Elementen und Country-Musik mit Johnny Cash-Attitüde. Markanteste Alleinstellungsmerkmale des Amerikaners waren seine rauchige Stimme und der breite Südstaaten-Akzent. Der Künstler gab sich improvisationsfreudig und reagierte dabei auch spontan auf Liedwünsche per Zuruf. Und egal ob er über exzessiven Drogenmissbrauch sang oder die großartigen AC/DC coverte, sehenswert war seine Show allemal. Herrlich kauzig wirkte dabei das obligatorisch "Tscha Tscha Tscha", das er als "wichtigen Teil der Show" bezeichnete und mit dem er dem Publikum am Ende eines jeden Songs das Signal zum kollektiven Ausrasten gab. Dieser Aufforderung hätten gerne noch mehr Leute nachkommen dürfen, verdient hätte der extrem coole EDDIE SPAGHETTI die Aufmerksamkeit allemal gehabt.


18.55 (PS) ENSIFERUM
Dass ENSIFERUM bereits länger nicht mehr Gast auf dem SUMMER BREEZE waren, zeigte sich am Andrang vor der Bühne. Sichtlich froh, die größte Hitze überstanden zu haben, schmissen sich unzählige Fans in passende Rüstung. Auch den Finnen war deutlich anzumerken, dass man heute nichts anbrennen lassen wollte und sie starteten mit "Hero In A Dream" in ein 60 minütiges Set quer durch ihren Backkatalog. Jetzt ein Highlight besonders herausheben ist fast schon unmöglich, denn ENSIFERUM trieben sich und das Publikum zu Höchstleistungen an. Bis in die hintersten Reihen kreisten die Matten, tanzte das "Kriegervolk" und beförderte gefühlt im Sekundentakt die Crowdsurfer über die Köpfe. Deutschland schien an diesem Tag die musikalische Heimat des Fünfers zu sein. Egal was man auf der Bühne machte, die Meute war gefesselt und sog die Hymnen förmlich in sich auf. Da war es auch nicht sonderlich störend, dass die Ansagen von Sänger Petri Lindroos eher knapp gehalten waren. Vielleicht lag es auch daran, dass Air Berlin mal kurzerhand sämtliches Equipment und die Bühnenausstattung der Band verschlampt hatte. So blieb einmal mehr der Fokus auf den heroisch dargebotenen Songs. Der Wirkung der Band tat dieser Umstand keinen Abbruch, wenngleich ein Set in gewohnter Ausstattung noch runder gewesen wäre. Der musikalischen Ãœbermacht tat dies keinen Abbruch. ENSIFERUM gehören bis heute zur absoluten Speerspitze des klassischen Viking Metal.


19.10 (PZ) PRO-PAIN
Der letzte Besuch der Hardcore Metal-Ikonen um Szene Urgestein Gary Meskil beim SUMMER BREEZE liegt auch schon ein paar Jahre zurück – damals fand das Festival sogar noch ein paar Kilometer weiter südwestlich in Abstgmünd statt. Außer dem Fronter und Bassisten Gary Meskil war aber keiner der heutigen Bühnenakteure in Abtsgmünd mit von der Partie, denn das Bandkarussell hat sich seither gleich mehrfach gedreht. Auf den Signature-Sound der Band hatten die Umbesetzungen aber keinerlei Einfluss. Meskil & Co. zeigten sich enorm spielfreudig und hatten die anfangs etwas trägen Zuschauer – denen die seitherigen Festivaltage sicherlich schon in den Knochen steckten – schnell auf ihre Seite gezogen. Ihr enorm tightes Zusammenspiel und die Flitzereien der Gitarristen sowohl auf den Bühnen- als auch auf den Griffbrettern waren eine wahre Freude, den Vogel schoss aber eindeutig der Drummer ab, der nicht nur ultrapräzise spielte, sondern dabei auch noch abing als gäbe es kein Morgen. Im November erscheint das neue Album der Band und zum neuen Song „Deathwish“ wurde vor Ort ein Video gedreht, was die Aktivitäten vor der Bühne natürlich zusätzlich steigerte. Starke Performance einer Institution.

20.00 (MS) HATEBREED
Jamey Jasta war die letzten drei Jahre, in verschiedenen Konstellationen, zu Gast auf dem SUMMER BREEZE. Dieses Jahr zum zweiten Mal mit seiner Hauptcombo HATEBREED. Waren sie 2011 noch Headliner am Samstagabend; mussten sie sich dieses Jahr den allmächtigen IN FLAMES unterordnen und agierten deshalb mit ein wenig kürzerer Spielzeit. Das tat dem Spaß aller Beteiligten aber keineswegs einen Abbruch. Sowohl die Band als auch das Publikum zeigte sofort die gewohnte Präsenz bzw. Energie. Man hatte überhaupt nicht den Eindruck, dass sich irgendjemand für IN FLAMES die Kräfte einteilte. Ganz im Gegenteil! Der Pit kochte ununterbrochen vom Opener “In Ashes They Shall Reap“ bis zum Schlusspunkt “Destroy Everything“. Verschnaufpausen gönnten sich HATEBREED wie immer keine. Da ging es Schlag auf Schlag, Hit auf Hit. Mit dem neuen Album “The Divinity Of Purpose“ im Rücken, wurde die Setlist um einige Brecher erweitert (“Dead Man Breathing“, “Honor Never Dies“, “Indivisible“ und “Put It To The Torch“), ohne dabei auch die frühen Schaffensphasen aus den Augen zu lassen. Selbstredend widmeten HATEBREED - Jasta ist bekanntlich ausgewiesener Thrash-Fan - einen Song dem kürzlich viel zu früh verstorbenen Jeff Hanneman und coverten SLAYERs “Ghosts Of War“. Hier zeigte sich die Band von einer ungewohnt technisch versierten Seite, geht es bei HATEBREED doch meist weniger um komplexe Songstrukturen oder anspruchsvolles Riffing, als um die Vertonung von roher Gewalt. Und darin sind sie Meister. Dies zeigte sich vor allem im mächtigen Dreier-Abschlussblock mit “This Is Now“, “I Will Be Heard“ und der bandeigenen Mitsing-Hymne “Destroy Everything“. Wie immer äußerst überzeugend und nachdrücklich.

20.15 (PZ) GRAVE
Mehr Old School ging fast nicht. Scheinbar hatten es sich GRAVE zur Aufgabe gemacht, die Fahne für klassischen Death Metal nochmal ordentlich hoch zu hängen. Wie sonst lässt sich eine dermaßen auf die alte Schule zugeschnittene Songauswahl erklären? Die aktuelle Scheibe "Endless Procession Of Souls" ließen sie fast komplett links liegen, dafür holzten sich die Schweden durch eine feine Auswahl an Songs, die ausschließlich von den ersten drei Platten stammten. "Too Old For This Shit", wie Gitarrist und Sänger Ola Lindgren über seine Band sagte? Wohl kaum. GRAVE pflügten über den Bühnenacker, als gelte es, die faule Saat möglichst weit zu streuen. Logisch, dass vor allem die Mähnen der älteren Fans durch die Luft wirbelten auch wenn die Bewegungsfreude nach fast vier Tagen Festival nachgelassen hatte und Lindgren das ein oder andere Mal zu mehr Teilnahme aufforderte. Dafür saßen ebenjene präzise, wie zum Beispiel das Circle Pit-Verbot und Bang-Gebot bei "Morbid Way To Die". Siehe Einleitung: Mehr Old School ging halt fast nicht!

21.20 (PS) AMORPHIS
AMORPHIS sind immer wieder gern gesehene Gäste auf dem SUMMER BREEZE und pflegen selbst ein besonderes Verhältnis zum Festival. Nicht umsonst erachteten die Finnen ihren 2009er-Gig als würdig genug, auf ihrer letzten Live-DVD "Forging The Land Of Thousand Lakes" verewigt zu werden. Das wussten natürlich auch die Fans, die sich scharenweise vor der Pain Stage einfanden, als AMORPHIS das halbe Dutzend an SUMMER BREEZE-Auftritten vollmachten. Im Gegensatz zu ihrer Show vor zwei Wochen auf einem anderen großen Metalfestival im Norden der Republik gab es jedoch zunächst kein Akustik-Set. Absolut richtige Entscheidung, denn so konnten die Fans alle bei der Stange gehalten werden. Bei glasklarem und wuchtig dröhnenden Sound konzentrierten sich AMORPHIS vornehmlich auf ihr aktuelles Album "Shades Of Grey", hatten aber mit "The Castaway" und "On Rich And Poor" auch Lieder aus seeligen Zeiten im Gepäck. Die Band präsentierte sich in ausgezeichneter Form, wobei natürlich Fronter Tomi Joutsen im Mittelpunkt stand. In bekannter Manier ließ er seine prachtvollen Dreadlocks propellerartig über den Boden fegen und überzeugte abermals sowohl mit seinen vollen Growls als auch der cleanen Gesangsstimme. Die Gitarristen Esa Holopainen und Tomi Koivusaari spielten sich mit ihren Leads und Effekten gegenseitig die Bälle zu, während Keyboarder Santeri Kallio den Bühnensound mit perlenden Melodien anreicherte. So viel erhabene Brutalität, wie sie AMORPHIS transportieren können, wurde mit reichlich in die Luft gestreckten Hörnern und Crowdsurfing honoriert. Zum Schluss ließ Joutsen die Fans einen Teil von "House Of Sleep" singen, bevor sich AMORPHIS bis zum nächsten Mal verabschiedeten.


21.25 (PZ) ENSLAVED
Bestehen eigentlich irgendwelche Zweifel an dem besonderen Status, den ENSLAVED mittlerweile in der nordisch-schwarzmetallischen Welt einnehmen? Nicht ernsthaft. Aber wer auch immer diese Zweifel haben sollte, musste sich nur den Auftritt des Fünfers im Partyzelt anschauen: Als erster Teil des Norwegen-Doppels mit TRISTANIA präsentierten sich Ivar und Grutle samt Mitstreitern in einem blendend differenzierten, aber dennoch druckvollen Sound. Mit den Titelsongs der beiden Alben "Riitiir" und "Ruun" geht es direkt in die Vollen - eine bessere Wahl hätten ENSLAVED kaum treffen können! Das zahlreiche Publikum quittiert die Performance ENSLAVEDs mit frenetischem Beifall und rhythmischen "Hey!"-Rufen - und mal ganz ehrlich: Welche Band kann sich schon erlauben, ihre Fans zu einem 7/8-Takt zum Mit-"Hey!"-en zu animieren? ENSLAVED konnten das - und hatten beeindruckenden Erfolg! Nach den beiden ersten Songs blieben ENSLAVED noch ein wenig in ihrer modernen Phase, bevor es mit "Convoys To Nothingness" und "Allfadr Odinn" etwas retrospektiv wurde - aber ähnlich wie MOONSPELL auf der Main Stage am Nachmittag gelang es der Band scheinbar spielend, alte Stücke in ihren zeitgemäßen Sound zu integrieren. Die Zuschauer dankten es ihnen selig.


22.25 (MS) IN FLAMES
IN FLAMES sind wohl so etwas wie Legenden was den Melodic Death Metal der Göteborger Schule angeht. Die Band rund um Anders Fridén, der unter anderem auch als Produzent für CALIBAN oder ENGEL arbeitet, war für viele Festivalbesucher wohl auch das Highlight des SUMMER BREEZE, denn soweit das Auge reichte war das Infield schlicht brechend voll mit Zuschauern, die sich, erkennnbar an den "In Flames"-Chören, bereits eine halbe Stunde vor der Show vor der Bühne einfanden und auf ihre Helden freuten. "Sounds Of A Playground Fading", einer der bekanntesten Songs vom gleichnamigen Album, lieferte dann auch einen grandiosen Einstieg für die 90minütige Party, die hier bevor stand. Was IN FLAMES an Professionalität, Soundqualität und guter Laune auf der Bühne boten, bekommt man nur selten zu sehen, und auch der Moshpit vor der Stage nahm nach wenigen Songs ungeahnte Ausmaße an. Da hatten die Ordner alle Hände voll zu tun, die Massen von Crowdsurfern abzufangen, die die Show über Richtung Graben brandeten. Wer IN FLAMES auf ihrer diesjährigen Festivaltour bereits gesehen hat, der wusste auch was an diesem Abend noch bevorstand: Eine Licht- und Feuershow die sich vor RAMMSTEIN und METALLICA nicht verstecken muss, und sowohl Anders Fridén samt Kollegen als auch den Fans in der ersten Reihe ein heißes Erlebnis bescherte. Da spielten die Dunkelheit der Nacht und die kalte Luft natürlich auch positiv mit hinein, jeder Flammenstoß erzeugte Jubelschreie im Publikum. Fridén merkte man seine Erfahrung jederzeit an, er spielte und redete mit dem Publikum, machte seine Scherzchen und moshte bei den harten Songs rücksichts- und schonungslos – schließlich war dies die letzte Show für mehrere Monate, da die Band sich in der Folge an die Arbeit zum nächsten Album macht. Die Setlist bot an diesem Abend etwas für jeden IN FLAMES-Fan, egal ob alt oder jung, Hits wie "Where The Dead Ships Dwell", "Cloud Connected" oder "All For Me" boten eine gelungene Mischung aus harten Schwedenriffs und eingängigen Refrains, die die textsicheren Fans durch die Bank beherrschten. Trotz kleinerer Verschnaufpausen brachten es die Fünf auf immerhin 14 Songs, die mit "My Sweet Shadow" einen würdigen Abschluss fanden, bei dem sowohl die Band als auch das Publikum nochmal alles gab – begleitet von einem fulminanten Feuerwerk über der Bühne. Schlicht und einfach perfekt was die Schweden hier boten, und ein grandioser Abschluss für ihre Tour.


22.35 (PZ) TRISTANIA
Nachdem ENSLAVED das norwegische Doppel im Partyzelt eröffnet hatten, durften TRISTANIA ran - ohne Zweifel gibt es stilistische Unterschiede zwischen den Bands, doch finster sollte es in beiden Fällen werden. Weniger ausgeprägt als bei ENSLAVED war der progressive Anteil, noch weniger präsent der Black Metal - dafür wurde Atmosphäre im dargebotenen Gothic Metal groß geschrieben! Insbesondere Sängerin Mariangela Demurtas, die bereits früher am Tag mit MOONSPELL auf der Bühne gestanden hatte, und Sänger Kjetil Nordhus stachen durch ihr charismatisches Stage-Acting hervor. Unterstrichen wurde dies vom zeitweise klaren, mitunter jedoch enorm druckvollen Sound, der besonders die härteren Aspekte TRISTANIAs herauszustellen vermochte. Trotz der stilistischen Differenzen zum Vorgänger lässt sich jedoch eine Gemeinsamkeit festhalten: Ebenso wie ENSLAVED integrierten auch TRISTANIA auch ältere Songs (hier sei der Titelsong des 1999er Albums "Beyond The Veil" genannt) in ihr Set, ohne auch nur im Geringsten zerrissen zu wirken. Klasse!


23.25 (CS) 00.40, 01.55 VOLKSMETAL
Die bayrischen Biergartenmetaller von VOLKSMETAL waren bereits vor zwei Jahren zu Gast auf der Camel Stage. Damals funktionierte die Fusion aus Metal meets bayrischen Dialekt schon prächtig und auch an diesem Samstagabend scharte die Truppe aus Konstanz am Bodensee während allen drei Sets eine ansehnliche Menge um sich, die sogar beeindruckend textsicher auftrat. Metal mit Tuba und Quetschkommode schließt sich offensichtlich nicht aus. Dabei präsentierte sich die Band wie gewohnt in Metal-Shirts und Trachtenhosen und auch das vom letzten Auftritt bekannte Fräulein im Dirndl versorgte die erste Reihe mit direkt aus dem Fass in den geöffneten Zuschauerrachen gekippte Bier. Druckbetankung eben. Eins ums andere Mal boten VOLKSMETAL Songs mit extrem hohem Mitmachfaktor feil, was offenbar genau den Geschmack der Besuchermassen vor der Bühne traf. Und die Party, die die Band auf der Bühne machte, stachelte auch das Publikum immer weiter an. Ein Wunder nur, dass dieses Konzept nicht schon im größeren Maßstab greift.


23:45 (PZ) ARCHITECTS
Nach der letztjährigen Absage der Briten musste die SUMMER BREEZE-Gemeinde schon viel zu lange auf die ARCHITECTS warten. Dass sie bereits lange vor dem Beginn der Show mit lautstarken Sprechchören herbeigesehnt wurden, war nur ein weiteres Indiz für die Spannung, die im Volk herrschte. Da die Band die letzten zwei Jahre nur auf Tour verbracht hat, zeigte sich das Quintett entsprechend gut aufeinander eingespielt, technisch extrem versiert und ultra tight. Ohnehin ist es beeindruckend wie sauber die Instrumentalisten spielen, dabei aber kaum eine Sekunde an der gleichen Stelle stehen bleiben. Auch Sänger Sam Carter machte ordentlich Wirbel und entlockte seinen Stimmbändern ohne Probleme sowohl die kehligen Screams, als auch den Clean-Gesang. Der Kontrast aus extremer Härte und eingängigen Refrains macht die Band seit dem 2009er Album “Hollow Crown“ aus und dementsprechend bestand die Set auch nur aus Songs ab diesem Album an. Dass das eher schwache 2011er Full-Length “The Here And Now“ nur mit einem Song bedachte wurde, machte wohl niemandem traurig. Das Finale furioso, bestehend aus den zwei Über-Songs “Early Grave“ und “These Colours Don't Run“ hätte nicht besser gewählt werden können und pusteten noch einmal kollektiv die Ohren frei.


00.00 (PS) DARK FUNERAL
Corpsepaint, Christenhass und puristischer Black Metal: Pünktlich um Mitternacht stand mit DARK FUNERAL die wohl schwärzeste Truppe des bisherigen Abends auf der Pain Stage. Da war es nicht verwunderlich, dass sich in der ersten Reihe ein Fanheer mit schwarz-weiß bemalter Haut einfand, um die Schweden bei ihrer extremen Show zu feiern. Viele waren noch ganz platt von der vorangegangenen Wahnsinnsshow von IN FLAMES, nahmen aber trotzdem die wenigen Meter weg auf sich, um sich einem Kontrastprogramm zu stellen. Lord Ahrima, Dominator, Chaq und Nachtgarm, der übrigens erst seit zwei Jahren als Sänger bei der Truppe tätig ist, waren böse eingestimmt und starteten mit "The Arrival Of Satans Empire" mit ordentlich Blasts und viel Agressivität in ihr Set. Die Markenzeichen von DARK FUNERAL sind extremer und schneller Black Metal ohne jegliche Schnörkel, keine Keyboards, keine Synthies, einfach nur purer Hass. Titel wie "Vobiscum Satanas" oder "Secrets Of The Black Arts" machten keinen Hehl daraus, aus welchem Holz die Jungs geschnitzt sind. Mit einer grandiosen Lichtshow im Rücken, die die dunkle und kalte Atmosphäre der Songs perfekt unterstrich, wurde das Set nur durch kurze Pausen zum Luftholen unterbrochen. Obwohl beim Black Metal nicht üblich, waren die Fans wohl noch so in Feierlaune, dass schon nach kurzer Zeit ein kleiner Moshpit entstand, und die Headbanger in der ersten Reihe waren sichtlich überrascht, dass auch vereinzelte Crowdsurfer von hinten ankamen. Die knappe Stunde Spielzeit der Band war ein wahrlich würdiger Abschluss für diesen Abend und das gesamte Festival. Entsprechend gut gelaunt fiel auch die Verabschiedung der Fans aus, die sich neben DARK FUNERAL auch vom SUMMER BREEZE verabschiedeten, natürlich nicht ohne sich noch zu einer letzten Party ins Zelt zu begeben. Die Schweden lieferten wie gewohnt eine routinierte Show ab, die wenig Überraschungen aber ganz schön viel Professionalität bot.


01.00 (PZ) PRIMORDIAL
TDass PRIMORDIAL eine der wenigen Bands sind, die für die Untermalung der wehmütigen Stimmung in den letzten Stunden einer jeden SUMMER BREEZE-Ausgabe qualifiziert sind, bewiesen sie schon 2011 als Schlussact auf der Pain Stage. Und da dieses Jahr weder KATATONIA, ANATHEMA noch MY DYING BRIDE anwesend waren, was hätte da besser passen können, als der hymnische Black Metal der Iren? Die Ausgangslage war günstig. Der Sound brachte alle Instrumente differenziert zur Geltung, schon "No Grave Deep Enough" geriet zur absoluten Wucht und, das Partyzelt war trotz später Stunde noch sehr gut gefüllt. Und überraschenderweise erwies sich das Publikum auch noch als enorm aktiv. Bei so manch anderer früher aufgetretenen Band gingen die Fans nicht in dem Maße mit, doch was hätten sie auch anderes tun sollen? PRIMORDIAL gaben sich absolut tight und ließen erst gar keine Müdigkeitserscheinungen aufkommen. Trotz fast identischer Setlist wie vor zwei Jahren zündete jeder Song, was nicht zuletzt an den Entertainerqualitäten eines Alan Nemtheanga lag: dem wie üblich in Corpse Paint und Kapuze gekleideten Fronter merkte man förmlich an, wie sehr er dem Auftritt und der Interaktion mit dem Publikum entgegengefiebert hatte. Stimmlich in bestechender Form, wurde er nicht überdrüssig, alles und jeden zum Mitmachen zu animieren und lockte so die Hörner gleich zu Hunderten hervor. So machten Pflichtnummern wie "God To The Godless" oder das SOLSTAFIR und MARDUK gewidmete "The Coffin Ships" eine Menge Spaß und machten PRIMORDIAL sicherlich zu einem der Gewinner dieses Jahres.


02.15 (PZ) LONG DISTANCE CALLING
Das muss man LONG DISTANCE CALLING erst einmal nachmachen: bevor es nach Dinkelsbühl ging, spielten die Münsteraner noch am gleichen Nachmittag auf einem Festival am Hockenheimring. Zwei Gigs in zwölf Stunden, Respekt vor so viel Einsatz! Aber genau mit diesem Herzblut haben sich die Jungs mittlerweile einen Status in Deutschland erarbeitet, der die Menge nach PRIMORDIAL eben nicht ausdünnen lässt, obwohl man als letzte Band im Partyzelt wohl mit weniger Zuspruch hätte rechnen können. Die Post Rocker bedankten sich für das Durchhaltevermögen mit einem grandiosen Auftritt und waren wohl selbst überrascht auf wie viel Gegenliebe sie zu so später Stunde noch stießen. Und der (weitestgehend) Instrumental-Rock in Überlängen-Songs war wahrlich der perfekte Ausklang. Zwischen träumerisch-melancholischen Clean-Passagen, massiven Soundwänden und Double Bass-Geballer rockten LONG DISTANCE CALLING so ziemlich alles in Grund und Boden. Begünstigend wirkte hier sicherlich der Umstand, dass Keyboarder und Ex-FEAR MY THOUGHTS-Mitglied Martin Fischer lediglich bei "The Man Within" Gesang beisteuerte und man sich so vollkommen in die Musik fallen lassen konnte. Breitwand-Kino Deluxe und definitiv ein würdiger Abschluss für das SUMMER BREEZE 2013.