Rückblick 2014

Mittwoch, 13.08.2014:
BLASMUSIK ILLENSCHWANG, LOST SOCIETY, TENSIDE, THE VINTAGE CARAVAN, CARNAL GHOUL, ENFORCER, BODYFARM, BLUES PILLS, HAMFERÐ, GRAND MAGUS, EREB ALTOR, UNLEASHED, PENTAGRAM CHILE, DECAPITATED, MY SLEEPING KARMA, TRAGEDY - ALL METAL TRIBUTE TO THE BEE GEES & BEYOND

Donnerstag, 14.08.2014:
ABORTED, THE UNGUIDED, DELAIN, KÄRBHOLZ, HERETOIR, EAT THE GUN, HACKNEYED, SKELETONWITCH, ELUVEITIE, SCIENCE OF SLEEP, MORS PRINCIPIUM EST, CALIBAN, TODTGELICHTER, GOTHMINISTER, ARCH ENEMY, RISE OF THE NORTHSTAR, EQUILIBRIUM, THE OCEAN, SUPERCHARGER, DOWN, SECRETS OF THE MOON, WINTER OF SIN, BEHEMOTH, TWILIGHT OF THE GODS, THE NEW BLACK, CHILDREN OF BODOM, THE HAUNTED, WALDGEFLÜSTER, TESTAMENT, ESKIMO CALLBOY, ALPHA TIGER, ALCEST

Freitag, 15.08.2014:
STAHLMANN, CRUCIFIED BARBARA, DEADLOCK, PRIMAL FEAR, OMNIUM GATHERUM, WOUND, BENEDICTION, WOLFHEART, J.B.O., MALRUN, ANNEKE VAN GIERSBERGEN, IGNITE, GINGERPIG, THE AGONIST, GAMMA RAY, ANISOKAY, AUGUST BURNS RED, EXCREMENTORY GRINDFUCKERS, CYRCUS, CARCASS, MAROON, MOTORJESUS, HYPOCRISY, AHAB, THE IDIOTS, MACHINE HEAD, DIE KASSIERER, HIS STATUE FALLS, DEVIN TOWNSEND PROJECT, INSOMNIUM, LAY DOWN ROTTEN, EINHERJER

Samstag, 16.08.2014:
UNDERTOW, IWRESTLEDABEARONCE, KAMPFAR, TEXAS IN JULY, THYRFING, TRACEY ATE A BUG, BRAINSTORM, IMPERIUM DEKADENZ, OBITUARY, CRIPPER, ROTTING CHRIST, CALLEJON, FJOERGYN, SEPTICFLESH, TARJA, THE VERY END, MONO INC., IMPALED NAZARENE, SCREAMER, IN EXTREMO, HAIL OF BULLETS, GUTALAX, WINTERSUN, CHROME DIVISION, MASTER, HEAVEN SHALL BURN, LEGION OF THE DAMNED, ZATOKREV, WATAIN, BIOHAZARD, MANTAR, SAHG

(MS) = Main Stage (PS) = Pain Stage (TS) = T-Stage (CS) = Camel Stage

Mittwoch, 13.08.2014

14.00 (CS) BLASMUSIK ILLENSCHWANG
Auch gänzlich ohne Miss Sophie gabs natürlich auch heuer die gleiche Prozedur wie jedes Jahr. Schon Minuten vor dem Auftritt der Combo mit der größten Besetzung im ganzen LineUp skandierten die Fans lautstark „Blasmusik! Blasmusik!“ – und die bekamen sie dann auch pünktlich auf die Minute. Für Außenstehende dürfte das alles recht seltsam gewirkt haben, aber die Szene hat eben Humor und so wurde die Truppe vom ersten bis zum letzten Ton ihres einstündigen Auftritts abgefeiert. Und da tat auch der einsetzende Regen dem Spaß keinen Abbruch. Zum rot-weißen Outfit der Band kamen noch stylishe Akzente in Form von giftgrünen Sonnenbrillen. An zweiter Stelle im Set stand das programmatische „Grüß Gott Ihr Freunde“ und spätestens ab dem „Böhmischen Traum“ – bei dem die vordersten Reihen kollektiv hüpften – gabs kein Halten mehr. Und natürlich fehlte auch die Wall Of Death nicht!


16.00 (TS) LOST SOCIETY
Sie waren die erste Band des Tages, die somit den metallischen Reigen des SUMMER BREEZE sowie der Nuclear Blast-Labelnight einläutete. Das Zelt war – wohl auch auf Grund des Regens – schon gut zu gut einem Drittel gefüllt. LOST SOCIETY zählen zu den Besten der neuen Thrash Metal-Acts, jung, hungrig und wild; ihre beiden Alben "Fast Loud Death" und "Terror Hungry" kamen sehr gut in der Szene an. Die Jungspunde, allen voran Sänger Samy Elbanna, der wie von der Tarantel gestochen Gitarre spielend über die Bühne wirbelte, sprühten von Anfang an vor ungestümer Energie und gaben sämtliche Posen des Thrash Metals zum Besten. Selbst im Fotograben suchte er immer wieder den Kontakt zu den Fans. Was an langjähriger Erfahrung vielleicht noch fehlte, machten LOST SOCIETY mit unbändiger Spielfreude, mit einer Prise rotziger Attitüde und präziser Performance locker wett. Die Thrash-Granaten, stilistisch irgendwo zwischen den alten Bay Area-Helden METALLICA und MEGADETH, Altessener Kompromisslosigkeit (KREATOR), drückendem ANTHRAX-Stakkato-Riffing und 90er Neo-Thrash (PANTERA) gelegen, preschten mächtig nach Vorne und stellten sich als idealen Einstieg für die anwesenden Headbanger dar. Der Funke sprang schnell von LOST SOCIETY aufs Publikum über - kein Wunder bei all der Spiellaune, Dynamik und versierten Rohheit, die sie in Form von vehementem Schlagzeugspiel und energischer Killer-Riffs mit zuhauf eingebauten fetten Moshparts aufboten. Kein Wunder, dass die Band das Zelt mit Leichtigkeit im Sturm eroberte und dafür mit einem wilden Moshpit überrascht wurde. Was für ein Einstieg!


16.45 (CS) TENSIDE
Trotz Regenschauer, kühlem Wind und den vermutlich ersten nassen Socken sammelten sich pünktlich zu Beginn der Spielzeit von TENSIDE rund hundert bunte Regenparkas vor der Camelstage, welche die vier Münchner schon sichtlich gespannt erwarteten. Diese Fan-Schar wurde bestens bedient, denn nach dem epischen Intro gaben die Herren ordentlich Gas und lieferten mit ihrer Mischung aus Modern-, Groove- und Metalcore beachtliche Action im angehenden Schlamm-Beet. Mit ihrer sympathischen Art und beinharten Riffs heizten die Jungs dem Publikum ganz schön ein und neben dem ersten Moshpit wurde ab der Hälfte, vor Allem aber zum Song „Reborn“, auch der erste freundschaftlich-rempelnde Circle Pit sichtbar. Songtechnisch wurde hauptsächlich Maßarbeit der neuen Platte „Nova“ präsentiert, der Auftritt war ausgeklügelt und direkt, aber die halbe Stunde Spieldauer war viel zu schnell vorbei. Der vermehrte Regen tat der allgemeinen Stimmung absolut keinen Abbruch und die Band war sichtlich erfreut über den Publikumszuspruch – aber den haben sie sich auch redlich verdient!


17.15 (TS) THE VINTAGE CARAVAN
Zu Beginn ihrer Show standen THE VINTAGE CARAVAN auf der T-Stage noch vor einem eher spärlich gefüllten Zelt und wurden nur von einer Handvoll Eingeweihter bejubelt. Die wahre Klasse dieser drei isländischen Jungspunde zeigte sich jedoch daran, dass sie dieses Bild im Laufe ihres Auftritts immer weiter auf den Kopf stellten, am Ende von praktisch jedem der Anwesenden lautstark abgefeiert wurden und liebend gerne den enthusiastischen Zugabe-Rufen nachgekommen wären. Mit gewaltiger Hingabe zelebrierten die Newcomer eine Musik, die schon lange vor ihrer Geburt alles andere als angesagt gewesen sein dürfte. Und das auf so authentische und leidenschaftliche Weise, dass sie aus der gegenwärtigen Flut an Retro-Rock-Kapellen mühelos hervorstechen. Die unvermeidlichen BLACK SABBATH-Riffs, Blues-Elemente und Prog-Anleihen fügten sich zu einem ganz eigenständigen Soundmix zusammen, wie ihn wohl nur die isländische Musikszene hervorbringen kann. Nach einigen gutlaunigen Rock-Krachern wie dem - nomen est omen - psychedelisch angehauchten "Expand Your Mind", begann "Winterland" vergleichsweise ruhig und atmosphärisch. Ein eruptives Break leitete dann jedoch in einen fetten Groove-Part und einen fulminantes Solo-Wettstreit zwischen Sänger und Gitarrist Óskar Logi Ágústsson, Bassist Alexander Örn Númason und Drummer Guðjón Reynisson über. Aus den zunehmend begeisterten Publikumsreaktionen stach anschließend die lautstark geäußerte Forderung nach "Cocaine Sally" heraus, der THE VINTAGE CARAVAN natürlich gerne nachkamen, bevor sie mit "Going Home" ein Zelt voller im Sturm eroberter Zuschauerherzen zurückließen.


18.00 (CS) CARNAL GHOUL
Dem verträumten Lächeln nach zu urteilen, welches CARNAL GHOUL ihren Fans allein mit ihrer Anwesenheit bescherten, stand vorab gar nicht zur Debatte, ob ihre Show überzeugen würde. Zwar startete der Gig zunächst ohne Gesang, allerdings war dies auch der einzige Moment, in dem man überhaupt Zeit hatte, sich über den erst kürzlich bekannt gegebenen Line Up-Wechsel Gedanken zu machen. Denn Sven Groß (FLESHCRAWL), die neue Stimme – oder besser: die neue Walze - am Mikro, ließ dann auch gar keine Zeit mehr für Fragen. Mit Brettern wie „Ripped From The Tomb “ und „Unleash The Forsaken“ preschten CARNAL GHOUL wie selbstverständlich nach vorn und die anwesenden Matten wurden beachtlich rotiert. Dazwischen wurde zwar versucht mit einem „Wir haben unser Spritgeld versoffen!“ die örtliche Kaufkraft zu steigern, aber man kann definitiv behaupten, dass alle Beteiligten die Bühne mit einem wohlverdienten Pfeifen im Ohr verlassen haben.


18.30 (TS) ENFORCER
Nachdem CARNAL GHOUL reichlich Kamele umgenietet haben, sorgen die Schweden ENFORCER im Zelt für den Spandexhosen-Spaßfaktor. Während sich Drummer Jonas Wikstrand neben der Bühne eifrig warmhüpft, läuft das Intro. Im Anschluss verbreiten quietschfidele Speed Metal-Nummern 45 Minuten lang reichlich Partystimmung. Das schwappt über: Das Zelt füllt sich, in den ersten Reihen kreisen die Matten und die Animierversuche von Sänger Olof Wikstrand werden erwidert. Zwei Songs vom aktuellen Album läuten den Gig ein, dazu wird gepost, was die engen Hosen hergeben. Ein rundum agiler Auftritt, bei dem Gitarren und Fäuste eifrig in die Luft gereckt werden. Nach „Live For The Night“ hallen ENFORCER-Rufe zur Bühne hinauf, und die Band dankt es dem wohlwollenden Publikum mit einer dynamischen Performance – so muss Heavy Metal aussehen. Und klingen: Die hohen Schreie von Fronter Olof sitzen so exakt wie die fixen Riffs und kreischenden Soli. Zwischendurch keift auch der Schlagzeuger mal ins Mikro und kurz vor Ende gibt’s sogar ein kurzes Drum-Solo. „We Come To Break Your Neck“, hieß es am Anfang. Mission Accomplished!


19.15 (CS) BODYFARM
Den Sonnen-Slot auf der Camel Stage hatten sich BODYFARM reserviert. Fast pünktlich zu ihrem Gig riss der wolkenverhangene Himmel auf und ließ ein paar Lichtstrahlen auf die recht zahlreich angetretenen Fans fallen. Und wer von den Niederländern bis dato noch nichts gehört hatte, wurde als Laufkundschaft quasi einfach kalt akquiriert – und das zu Recht. Nach nicht mal zwei Songs hatte sich die Menge vor der Bühne fast verdoppelt und lauschte einem Todesmörser nach Art Martin van Drunen, der gewaltig ballerte. Wäre es nicht um die zu lauten Drums und die zu leisen Gitarren gewesen, BODYFARM hätten noch ein wenig gewaltiger eingeschlagen. Auf Uffta-Rhythmen in die Magengrube und heftiges Double-Bass-Gewitter ließ es sich trefflich abfeiern. Ein kleinerer Moshpit und eine Wall of Death drückten denn auch aus, wie heiß die Fans drauf waren, dass das SUMMER BREEZE am Donnerstag seine Pforten endlich komplett öffnen würde.


19.45 (TS) BLUES PILLS
Schweden gleich Death Metal?! Bei den BLUES PILLS ganz sicher nicht! Die schwedisch-amerikanisch-französische Formation mit Sitz in Örebro darf getrost als der neue Senkrechtstarter im Bluesrock bezeichnet werden. Da tut es auch überhaupt keinen Abbruch, dass man sich stilistisch sehr nahe an GRAVEYARD heranwagte. Denn das, was das Quartett am frühen Abend des ersten Festivaltages ablieferte, war schlicht einzigartig hypnotisierend und ein brillanter Schwoof auf einer schäumenden Retrowelle. Insbesondere Sängerin Elin Larsson, ein Augen- und Ohrenschmaus zugleich, komplettierte mit ihrem puristischen Äußeren eine Show, die einen komplett gefangen nahm. So war es kaum verwunderlich, dass die T-Stage den ersten Höhepunkt verzeichnete und sich das Rund bis in die letzten Reihen füllte. Sichtlich überwältigt angesichts des frenetischen Jubels, spielte sich die Formation in einen Rausch und übertraf sich beim treibenden „Devil Man“ selbst. Wer nicht schon zuvor der stimmgewaltigen (und barfüßigen!) Schwedin verfallen war, konnte sich spätestens jetzt ihrer Magie nicht mehr entziehen. So war es schließlich nicht verwunderlich, dass das Ende der Show mit kollektiven Zugaberufen nur fast ein Ende fand. Mit „Time is Now“ gab es noch eine ungeplante Zugabe, die man herrlich frisch und und sichtlich berührt ins dankende Publikum schickte. Ein absolutes Highlight an diesem Abend. Coming soon


20.45 (CS) HAMFERD
Gäbe es einen Exoten-Bonus-Preis, dann hätte er wohl direkt an HAMFERD vergeben werden können. Von den Faröer Inseln hatte es bis dato nur eine weitere Band (Týr) aufs SUMMER BREEZE geschafft und in diesem Fall hat sich der weite Weg definitiv gelohnt. In schwarze Anzüge und Krawatten gekleidet, gaben HAMFERD die musikalische Entsprechung des wieder arg düster werdenden Himmels, allerdings mit einer ganzen Menge mehr Pathos. Ihr Death Doom wirkte jedoch trotz dieser zusätzlichen Theatralik weder peinlich noch inszeniert, sondern fast schon stoisch. Bewegung gab es weder vor noch auf der Bühne, dafür eine Menge dunkler Dramatik, die vor allem Sänger Jón Aldará transportierte. Er bewies, dass seine Clean-Vocals nicht nur auf der Perle „Evst“ sondern auch live hervorragend in Szene gesetzt werden können. Schade nur, dass Aldará in den ersten Minuten aufgrund etwas leise abgemischtem Sound vorrangig durch seine finsteren Growls auffiel. Das änderte jedoch nichts daran, dass der Rausschmeisser „Evst“ merklich viel Zuspruch bekam und HAMFERD sich für die nächsten Jahre für höhere Weihen empfahlen.


21.15 (TS) GRAND MAGUS
Die Show der jungen Senkrechtstarter BLUES PILLS zu toppen schien unmöglich, aber GRAND MAGUS zehren nicht nur von jahrelanger Erfahrung sondern ebenso hochklassigem wie eingängigem Songmaterial, und nicht zu vergessen: einer eingeschworenen Fangemeinde. Von diesen hatte sich eine ansehnliche Menge vor der Bühne versammelt, um gemeinsam den ureigenen Mix der Schweden aus episch melodischem Heavy Doom Metal zu feiern. Und bereits mit dem Intro "Conan" trieben GRAND MAGUS den Fans ein dickes Grinsen ins Gesicht. Mit purer Killerriff-Gewalt, eingängigen Melodien, fantastischen Grooves, der mächtigen Stimme von Janne "JB" Christoffersson und dem schon fast greifbaren Pathos der nordischen Mythologie brachte das Trio das Zelt zum Kochen. Ihr emotionaler und präzise wie ein Schweizer Uhrwerk dargebotener Metal ging einfach unter die Haut. THE VINTAGE CARAVAN, die erst kürzlich mit den Schweden auf Tour waren, verfolgten das komplette Konzert seitlich auf der Bühne mit und feierten Song für Song. Man merkte GRAND MAGUS, die aufgrund der Band-Konstellation natürlich etwas bewegungsärmer agierten, immer wieder den Spaß an ihrem Auftritt an, vor allem bei den Sprechchören des schon früh geforderten "Hammer Of The North". Bei ebenjenem Klassiker stimmten Band und Fans den Refrain gemeinsam in einem mächtigen Chor an, der selbst nach dem Ende des Auftritts nicht abebben wollte.


22:15 (CS) EREB ALTOR
Als Thomas Börje Forsberg, besser bekannt als Quorthon, am 03.06.2004 in Stockholm an Herzversagen starb, verließ mit ihm eine Ikone des extremen Metals diese Welt, aber in den Herzen unzähliger Black und Viking Metal-Fans lebt er weiter. Der Geist des Schöpfers der legendären Meisterwerke von BATHORY steckt auch in der Musik von EREB ALTOR, die ursprünglich von Ragnar (Daniel Bryntse) und Mats (Crister Olsson) als Nebenbetätigungsfeld von ISOLE gegründet wurden, und sich auf dem SUMMER BREEZE daher vor allem mit den ähnlich gearteten TWILIGHT OF THE GODS messen lassen müssen. Zwischenzeitlich hatten sich die Schweden weiter verstärkt und stilistisch geöffnet, vom episch meldodischem Viking Doom Metal bis hin zum eiskalten nordischen Black Metal, von langsam majestätisch mit klaren Gesängen und Chören bis hin zu harschen Ausbrüchen mit pechschwarzem Kreischgesang. Und doch bleibt eines: BATHORY sind allgegenwärtig. Und das funktionierte live hervorragend. EREB ALTOR schafften es mit scheinbarer Leichtigkeit und spielerischer Perfektion, die Intensität, den Pathos und die Atmosphäre auf die Bühne zu bringen und unter den Anhängern für einen Gänsehautmoment nach dem anderen zu sorgen. Exemplarisch sei da das "One Rode To Asa Bay"-Pendant "By Honour" genannt. Und Quorthon zu Ehren spielten EREB ALTOR auch noch ein ergreifendes "Twilight Of The Gods" Cover. Ob da TWILIGHT OF THE GODS am Donnerstag noch einen drauf setzen können?


23:00 (TS) UNLEASHED
Wenn UNLEASHED aufs Schlachtfeld bitten, kommen die Warriors – und zwar zahlreich! Das Zelt war übervoll, als Johnny Hedlund und seine Truppe die T-Stage enterten. Dass der Sound zu Beginn noch nicht ganz mit der Versiertheit der Band mithalten konnte, tat dem wie erwartet starken Auftritt keinen Abbruch. Zumal dieser Wermutstropfen auch recht zügig verdampfte. Mit „Blood Of Lies“ starteten UNLEASHED fulminant ins gut ausgewählte Set. Brachiale Todes-Stampfer wechselten wie selbstverständlich mit filigranem Riffing – da konnte man die Nackenwirbel fast knacken hören. Während Hedlund in gewohnter Manier dem Publikum zuprostete, später auch standesgemäß mit übergroßem Wikingerhorn, segelten Crowdsurfer gen Bühne, rasteten Feierwütige aus, wirbelten biergetränkte Haare durchs Zelt. Death Metal Victory, meine Damen und Herren! Immer wieder wurde die Show durch sympathische Aktionen unterbrochen: Vor „Fimbulwinter“ stellte der Fronthüne seine Mannschaft vor und die gesonderte Mitsing-Session bei „This Is Our World Now“ funktionierte auch einwandfrei – Death Metal Sympathy! Gesondert darf und sollte auch mal Anders Schultz erwähnt werden, der sein Drumkit mit eindrucksvoller Präzision malträtierte. Und siehe da, sogar ein kleiner Moshpit zog seine Kreise. Hedlund rief: „Wir kapitulieren“. Und die Menge antwortete korrekt: „Niemals“. Richtig, weiterfeiern!


00.00 (CS) PENTAGRAM CHILE
Der Slot den die Chilenen von PENTAGRAM CHILE um Mitternacht auf der Camel Stage hatten, war sicherlich kein einfacher. Denn mit UNLEASHED vor ihnen und DECAPITATED nach ihnen, wurden die Südamerikaner von zwei echten Schwergewichten des Death Metal in die Zange genommen. Und auch das Wetter wollte nicht so richtig mitspielen: Starker Wind und anhaltender Regen zehrten zunehmend an den Kräften der Besucher. Doch PENTAGRAMM CHILE sind lange genug im Geschäft – mit Unterbrechungen seit 1985 – um zu wissen, wie man selbst eine schwierige Crowd für sich gewinnt. Zwar dauerte es zwei, drei Songs, aber dann wurden die ersten Propeller angeworfen. Mit einer Nummer wie "Temple Of Perdition" auf der Setlist, die hinten raus dermaßen alles planierte oder dem Death-Thrash Knüppel "Demented" hatten die Südamerikaner ohnehin schon gute Argumente parat, um jeden Pit in Gang zu bringen und mit dem groovigen "The Apparition" weiter am Kochen zu halten. Unterm Strich also 45 Minuten Spielzeit, die PENTAGRAMM CHILE durchaus zu nutzen wussten und nach denen sie mit deutlich mehr als ''nur'' Anstandsapplaus verabschiedet wurden.


00.45 (TS) DECAPITATED
Das Motto "From Pain To Strength" prangt nicht umsonst auf dem Backdrop des polnischen Death Metal Top Acts DECAPITATED. Denn am 29. Oktober 2007 war die Band in einen Autounfall verwickelt, bei dem Drummer "Vitek" um Leben kam. Danach wurde die Band zunächst auf Eis gelegt, einige Zeit später aber von Gitarrsit Vogg wieder reanimiert, um 2011 mit "Carnival Is Forever" stärker denn je zurückzukommen. Im gleichen Jahr beehrten sie auch das Zelt auf dem SUMMER BREEZE. Drei Jahre später waren DECAPITATED wieder zu Gast auf der T-Stage und wurden vom gut gefüllten Zelt sehnlichst erwartet. Nach einem kurzen, stimmunsvoll-technoiden Intro brach mit "Lying And Weak" gleich ein Rifffeuerwerk allererster Güte los. Es drückte, es quietschte, es ballerte und es sägte an allen Ecken und Enden. Wie gewohnt auf einem schwindelerregenden technischen Niveau und mit einem fetten Sound prügelten sich die Polen durch ihren Backkatalog. Immer wieder wurden die schwer verdaulichen Brocken dabei durch kleine Interludes vom Band aufgelockert und boten dem sichtlich durch Wind und Wetter angeschlagenen Publikum kurze Inseln der Ruhe. Trotzdem steckte die agile Band, allen voran Sänger Rafal, das Publikum mit seinem Bewegungsdrang an, so dass ein ansehnlicher Pit zu Stande kam. Nach 45 Minuten Death Metal der Extraklasse, gingen beide Parteien sichtlich erschöpft, aber mit einem dicken Grinsen im Gesicht getrennte Wege. So, und nicht anders, muss das laufen!


01.30 (CS) MY SLEEPING KARMA
Musikalisch etwas aus dem Rahmen fallend, hielt mit MY SLEEPING KARMA, die rein instrumental zu Werke gingen, der Psychedelic Rock Einzug auf dem diesjährigen Summer Breeze. Und pünktlich zu Beginn hatte auch Wettergott Petrus Erbarmen mit den Leuten vor der Bühne, die zu später Stund’ zahlreich erschienen waren. Der mit Videoanimationen hinterlegte Auftritt rechtfertigte die Ausdauer des Publikums dann auch in allen Belangen. Ein fetter Sound und eine perfekt aufgelegte Band bescherten den Ausharrenden einen vor Atmosphäre nur so strotzenden Auftritt allererster Couleur. Zwischenzeitlich nur durch kleinere Ansagen („Summer Breeze, ihr habt ein gutes Karma“) unterbrochen, katapultierte sich das Quartett aus Aschaffenburg trotz einer relativ knapp bemessenen Spielzeit von 30 Minuten nicht nur selbst, sondern auch die immer größer werdende Menge vor der Bühne ein ums andere Mal in andere Sphären. Das mit überdurchschnittlich vielen Frauen aufwartende Publikum ließ der Euphorie freien Lauf, veranstaltete zum Ende nicht nur Mitklatsch-Spielchen (ganz ohne Anfeuerungsbemühungen seitens der Band), sondern bekam mit „Hymne 72“ sogar auch eine nicht eingeplante Zugabe. Besonders stark: Von jedem der vier Alben der Band war bei insgesamt nur fünf Songs mindestens ein Titel vertreten.


02.00 (TS) TRAGEDY - ALL METAL TRIBUTE
Vorhang auf für die volle Ladung Klamauk zur späten Stunde! Wer bis hierhin durchgehalten hatte, der konnte eine schrill geschminkte Party-Truppe in Disco-Glitzer-Outfits mit einer ordentlichen Portion TURBONEGRO-Chic erleben. Vollkommen over the top war das, was TRAGEDY hier veranstalteten und demonstrierte doch vor allem die absolute Unverwüstlichkeit der dargebotenen Disco- und Pop-Kompositionen. Mit augenzwinkerndem Humor trugen die New Yorker ein bis ins Absurde übersteigertes Selbstbewusstsein zur Schau und verkündeten bereits nach dem Opener "Night Fever", dass kein Applaus nötig sei: "Wir wissen, dass das fantastisch war!" Als sechster Mann wuselte Disco-Seemann Lance über die Bretter und wechselte ständig zwischen den Rollen als Hupfdohle, menschliche Windmaschine, (Achsel-)Schweiß-Abtupfer und Prügelknabe hin und her. Spätestens als er mit seiner rosafarbenen Mini-Flying-V zu einem elaborierten (und natürlich in Wirklichkeit von Bandkollege Barry Glibb (sic!) gespielten) Gitarren-Solo ansetzen durfte, hatte er die Sympathie des Publikums errungen - nicht aber die seiner Mitmusiker. Natürlich wimmelte die kurzweilige Show vor sexuellen Anspielungen (Griffbrett-Gewichse und Gitarren-Cunnilingus) und schlechten Wortspielen. In der Ansage zum Disco-Klassiker "Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After Midnight)" verkündete die Band stolz: "Ihr könnt uns Black ABBAth nennen!", während Intro und Outro von "It's Raining Men" geschickt mit SLAYERs markantem "Raining Blood"-Riff kombiniert wurde. Angesichts einer von Band und Publikum leider kaum näher beachteten Bridge-Zeile ("And you come to me on a SUMMER BREEZE") hätte "How Deep Is Your Love" das eigentliche Highlight dieses Gigs werden müssen, so gebührte diese Ehre aber dem wohl größten BEE GEES-Hit "Stayin' Alive", auf das noch der Rausschmeißer "Hot Stuff" und die letzten Zugabe-Forderungen einiger wahrlich unermüdlicher Bewohner von "Summer Breeze City" folgten.


DONNERSTAG, 14.08.2014

12.00 (PS) ABORTED
Was könnte es Besseres geben als sich nach dem harten ersten Festivaltag, am Donnerstagmittag, quasi mit dem Frühstücksbier, schön die Ohren mit einem gepflegten Death-Grind-Einlauf freipusten zu lassen? Richtig! Nix. Und genau diesen Gedanken hatten offensichtlich eine ziemlich ansehnliche Zahl an Leuten, die sich noch bevor die belgischen Splatter-Spezialisten die Pain Stage betraten, zahlreich auf dem Platz davor versammelten. Nach einem kurzen Intro ging es ohne Umschweife mit "Meticulous Invagination" vom 2003er Album "Goremageddon: The Saw And The Carnage Done" los. Und eins war ganz schnell klar: besser und variantenreicher kann man technischen Death Metal kaum spielen. Egal ob im Highspeedtempo durchgeboltzt wurde, mit schwerem Groove dahergemosht oder ob die Musiker ihre Arbeitsgeräte virtuos bearbeiteten, alles kam genau auf den Punkt. Selbst kleinere technische Probleme trübten den Spaß nicht. Dazu haben ABORTED mit Svencho de Caluwé einen Sänger in ihren Reihen, der getrost als Energiebündel bezeichnet werden kann. Unermüdlich stachelte er das Publikum zum Bangen oder zu Circle-Pits an. Dabei musste dieses eigentlich gar nicht mehr angefeuert werden, feierte es die Belgier doch ohnehin nach allen Regeln der Kunst ab – zahlreiche “A-BOR-TED“-Chöre inklusive. Sichtlich angetan von dem enormen Zuspruch, metzelte sich das Quintett mit viel Spielfreude durch eine beeindruckende dreiviertel Stunde Spielzeit.


12.50 (MS) THE UNGUIDED
THE UNGUIDED formierten sich 2010 aus den ehemaligen Mitgliedern Richard Sjunnesson, Roger Sjunnesson und Roland Johansson der Shooting Stars SONIC SYNDICATE, und führten die lange Tradition ihrer schwedischen Heimat an gutklassigen Melodic Death Metal-Bands, in diesem Fall in der Schnittmenge zum Metalcore, fort. Mit ihrer modernen Ausrichtung sorgten THE UNGUIDED vor der Main Stage für Kurzweil und kamen insbesondere beim jüngeren Teil des Publikums hervorragend an, während die älteren Traditionalisten das Geschehen aus sicherer Entfernung beobachteten. Und was die Schweden da ablieferten passte auch alles top zusammen: die äußere Modern Metal-Erscheinung von den Outfits über die Frisuren, die Ohrwurm-Melodien gepaart mit zugänglichen Refrains, mittelhartes Riffing und akzentuiertem Geballer, melodischer Klargesang und fauchendes Geschrei, dazu massive Breakdowns. Mit packender, konstant hoher Energie und einer Extraportion Metalcore-Attitüde sorgten die bewegungsfreudig und tight aufspielenden THE UNGUIDED schon für ordentliche Stimmung zu dieser frühen Stunde, was nicht zuletzt die immer wieder einsetzenden "The Unguided"-Sprechchöre lautstark untermalten.


13.40 (PS) DELAIN
Nachdem der Himmel wenig mehr als dicke Wolken und vereinzelte Regentropfen zu bieten hatte, lag es an DELAIN, die Sonne in die Herzen ihrer Zuhörer zu tragen. Nach dem gewohnten Orchester-Intro gab es jedoch zunächst eine weniger schöne Überraschung: Die Holländer standen nur zu viert auf der Bühne, Keyboarder und Bandgründer Martijn Westerholt musste krankheitsbedingt absagen. Das bedeutete auch, dass sämtliche Keyboard-Spuren aus der Konserve stammten, was für einige Unsicherheit in der Band sorgte. Doch DELAIN machten das Beste aus den widrigen Umständen und schafften es, die Menge vor der Pain Stage von Beginn an zu begeistern. Und obwohl der Opener auf den Titel "Go Away" hörte, machten die Besucher genau das Gegenteil und strömten zahlreich herbei. Ein echter Blickfang war natürlich einmal mehr die charmante Frontlady Charlotte Wessels mit einem raffinierten halbtransparenten Oberteil, das in etwa so viel nackte Haut zeigte wie verhüllte. Kein Wunder also, dass direkt nach der Show zahlreiche Crew-Leute herbeigeströmt kamen, um mit ihr für ein Foto zu posieren. Zuvor musste sie jedoch erst einmal ihre beeindruckende Sangeskraft unter Beweis stellen und unterstrich damit das exzellente Songwriting von Stücken wie "The Gathering", "Virtue And Vice" oder "Not Enough". Schade nur, dass das jüngste Studiowerk "The Human Contradiction" lediglich mit "Army Of Dolls" auf der Setlist vertreten und damit sträflich unterrepräsentiert war. Der guten Stimmung tat dies jedoch keinen Abbruch und als Charlotte Wessels und ihre Bandkollegen das abschließende "We Are The Others" anstimmten, wurde vielerorts lautstark mitgeklatscht und mitgesungen.


14.30 (MS) KÄRBHOLZ
Deutscher Rotzrock aus Ruppichteroth bei Bonn war am Mittag angesagt. Und Ruppig ging es dann auch zur Sache. “Keine Schnörkel“ war das unausgesprochene Motto der 45 Minuten. Genau das, was das Partyfolk nach der ersten kühlen Nacht auf Temperatur zu bringen schien. Gut gefüllt und die ersten warmen Sonnenstrahlen dankend aufsaugend, waren nicht nur die ersten Reihen textsicher und unterstützten Sänger Torben Höffgen lauthals. Getreu dem Motto “Stumpf ist Trumpf“ (und das ist in seiner positivsten Form zu verstehen!), feuerten die Jungs einen Gassenhauer nach dem anderen ins Volk. Als man dann zum TORFROCK Cover „Beinhart“ ansetzte, waren auch die letzten Reihen überzeugt. Frei von jeder Attitüde, die heute gerne jeder deutschen Rock’n’Roll Band unterschwellig angedichtet wird, zockten die Jungs ein mehr als überzeugendes Set. Mehr brauchte es nicht um dem SUMMER BREEZE einzuheizen. Und eines ist klar: bleiben die Jungs dieser engagierten Performance treu, dürfte das nicht der letzte Auftritt auf den großen Bühnen gewesen sein.


14.30 (TS) HERETOIR
Den Anfang auf der T-Stage machten am Donnerstag die von vielen Fans im Vorfeld geforderten HERETOIR. Und die Fans sollten Recht behalten, denn die Augsburger um Frontmann und Gründer Eklatanz waren direkt der erste Höhepunkt des Tages. Ihr eleganter, düstermelancholischer Post (Black) Metal wirkte in sich stimmig, die Band routiniert aufeinander eingespielt. Auf die zahlreichen Anhänger wirkte die emotional dynamische Kraft der wuchtigen Black-Metal-Soundwand sowie den ruhigeren, getragen gefühlvollen Momenten, womit HERETOIR eine ganz besondere Atmosphäre ins Zelt zauberten. Von den ersten Sekunden an schafften es die Augsburger, das Publikum in ihren Bann zu ziehen, auch dies eine Sache, die sie neben der Musik ähnlich hinbekommen wie die ebenfalls auf dem SUMMER BREEZE aufspielenden ALCEST - gewisse Ähnlichkeiten zu deren (frühem) Schaffen lässt sich nicht verleugnen. Insbesondere die langen, epischen Instrumental-Passagen ihres hervorragend dargebotenen Klangkosmos in Verbindung mit ruhigen Akkustikparts, entrückt klarem Gesang und der harschen Klänge sorgten für ein intensives Hörvergnügen. Mittelpunkt des Geschehens war Eklatanz mit seinen meterlangen, wild herumgewirbelten Dreads. Und der Gastauftritt von Torsten von AGRYPNIE bei "Eclipse" war ein zusätzliches Bonbon.


15.15 (CS) EAT THE GUN
Aus dem fernen Münster machte sich das Trio um den charismatischen Fronter und Gitarristen Hendrik 'Deuce' Ücüncü auf um erstmals den fränkischen Acker vor Dinkelsbühl zu bestellen. Die ersten drei Songs wurden ohne große Unterbrechungen aneinandergereiht, was den Spannungsbogen smart oben hielt größtenteils aber wohl auch dem straffen Zeitplan geschuldet war. Erst nach “Apocalyptic Blues“ wurden die ersten Worte ans mehr und mehr auftauende Publikum gerichtet. Der straighte Rock, der angenehm an DANKO JONES & Co. erinnerte, ging auch bei Leuten, die erstmals in Kontakt mit der Band kamen, schnell in die Beine. Vor der Bühne sammelten sich mehr und mehr Leute und beim Rock’n’Roll-Einschub vor dem fulminanten Abschlusssong “Loner“ waren hunderte von Händen über den Köpfen am Klatschen. Den Hinweis auf die anstehende Herbst-Tour der Jungs dürften viele mit Freude vernommen haben.


15.20 (PS) HACKNEYED
Da die amerikanische Metalcore Newcomer OF MICE AND MEN recht kurzfristig ihren Gig auf dem SUMMER BREEZE aus privaten Gründen absagen mussten, sprangen am Donnerstag Nachmittag die Death Metal Jungspunde HACKNEYED kurzfristig als Ersatz ein. Das SUMMER BREEZE ist wie auch vor drei Jahren schon, als die Band im Zelt antrat, ein Heimspiel für das Quintett. Schließlich stammen sie doch alle aus der näheren Umgebung von Dinkelsbühl. Zwar schauten einige Zuschauer, zu denen die Absage wohl nicht durchgedrungen war, zu Beginn etwas verwundert drein, aber nachdem “Flaw Of All Flesh“ (einer von zwei noch unveröffentlichten Songs, des neuen Albums, das demnächst erscheint) über sie hinweg gerollt war, mussten selbst hart eingesessene Klargesangs-Liebhaber zumindest anerkennend mit dem Kopf nicken. Anerkennung gebührte auch dem wilden Stageacting, welches regelrecht ansteckend wirkte. So jagte folgerichtig auch ein Circle-Pit den nächsten und die Haare flogen. Den perfekten Schlusspunkt für einen sehenswerten Auftritt markierte 'Cut Candy'. Der Song, der bereits auf HACKNEYEDs Demo aus dem Jahr 2006 für am meisten Aufsehen gesorgt hatte. Überzeugend und am Ende konnten die Lokalmatadore sicherlich einige Metalcore-Hardliner für ihren Sound gewinnen. Fronter Phil hat quasi im Vorbeigehen auch noch den Preis für die lässigste Ansage des Tages mitgenommen, und zwar für seine poetischen Zeilen “Von Aliens entführt und in den Arsch gefickt“.


15.45 (TS) SKELETONWITCH
Was SKELETONWITCH bei ihrem zweiten SUMMER BREEZE-Besuch boten, war nichts anderes als ein diabolisch-aggressiver, kultiger Old School Metal-Feuersturm aus skandinavischem Death Metal und Bay Area Thrash! Die Amis aus Ohio setzten von Anfang an zu einem regelrechten Vernichtungsschlag an. Ohne großes Trara begannen die US-Amerikaner stilecht und effektiv mit "I Am Of Death" den Nachmittag musikalisch einzuschwärzen. Mit der Durchschlagskraft einer zerstörerischen Walze holzte sich die Truppe durch die ersten Stücke, Verschnaufpausen wurden weder sich selbst noch den aufgepeitschten Fans gegönnt. Mit viel Bewegungsfreude und ordentlich Spaß in den Backen gaben die verschwitzen SKELETONWITCH wirklich alles, was auch vom ansehnlich versammelten Publikum mit wildem Bangen, Mitgrölen, Powerfäusten und Pommesgabeln honoriert wurde. Vor allem der Bandhit "Beyond The Permafrost" wurde amtlich abgefeiert. Die ersten Publikumsdiver des Tages im über die Hälfte gefüllten Zelt als auch ein amtlicher Moshpit waren Resultat des druckvollen und präzisen Getrümmers der Band. Die Mannen um den charismatischen Frontmann Chance Garnett sind und bleiben einfach eine sympathisch wirkende Live-Granate bei äußerst düsterer Musik.


16.10 (MS) ELUVEITIE
Vor der Hauptbühne wurde es nun Zeit für ein wenig Sport am Nachmittag. Unter Anleitung der Schweizer Folk Metaller ELUVEITIE gab es zunächst ein lockeres Aufwärmprogramm, bestehend aus Singen, Hüpfen und Klatschen. Über klassisches Synchron-Crowdsurfing und den unvermeidlichen Circle-Pit ging es pünktlich zu "The Siege" schließlich zur Königsdisziplin über: der Wall Of Death. Von der Bühne bot sich ein beeindruckendes Bild über den, trotz der frühen Stunde, bestens gefüllten Zuschauerraum, der einmal mehr verdeutlichte, welch hervorragendes Standing sich die Band aus "unserem kleinen Nachbarland" inzwischen beim Summer-Breeze-Publikum erspielt hatte. Spätestens bei "Inis Mona" rasteten die Fans dann auch kollektiv aus und lieferten im Refrain einen Headliner-würdigen Mitsing-Chor ab. Die Menge machte es ELUVEITIE leicht, was diese aber keineswegs als Anlass nahmen, es etwas ruhiger angehen zu lassen und auf Nummer sicher zu gehen. Selbstbewusst nahmen sie viele Stücke ihres starken neuen Albums "Origins" in die Setlist auf, die neben Hits des Vorgängers "Helvetios" und einigen wenigen älteren Stücken mühelos bestehen konnten. Dabei wirkte die Band trotz mehrerer Besetzungswechsel der jüngeren Vergangenheit bestens aufeinander eingespielt und erntete begeisterten Applaus und laute Zugabe-Rufe, als sie mit "King" ihre mitreißende Folk-Metal-Party zu einem krönenden Abschluss brachte.


16.30 (CS) SCIENCE OF SLEEP
Die Braunschweiger SCIENCE OF SLEEP haben seit einiger Zeit ordentlich Staub in der Deathcore-Szene aufgewirbelt. Ihr letztjähriges Debüt-Album “Exhaust“ wurde sowohl von Fans als auch der gesamten Journaille gleichermaßen abgefeiert. Ein Slot auf der Camel Stage war demnach nur folgerichtig. Und dass ein Auftritt einer Band, die „es sich zur Aufgabe gemacht hat, in Deutschland eine neue Ära brutaler Deathcore-Brutalität einzuläuten.“ (sic!), irgendwie brutal werden sollte, war abzusehen. Doch was SCIENCE OF SLEEP am Nachmittag mit ihrer Live-Show abgeliefert haben, war sogar noch einen Ticken massiver als erwartet. Zwar wurde die Band erst vor drei Jahren aus dem Boden gestampft, doch die Musiker wirkten sehr routiniert in ihrem Bewegungsablauf. So gab es viel Action auf der Bühne und auch davor. Gerade die häufig eingestreuten Breakdowns kamen sehr wuchtig aus den Boxen und veranlassten einige Deathcore-Jünger zu massig Roundhousekicks. Natürlich stammte der Großteil des gespielten Materials von der aktuellen Platte. Nur als die Zugaberufe nach dem Ende des regulären Sets nicht abklingen wollten und noch etwas Zeit auf der Uhr übrig war, musste “Fraudulent Misrepresentation“ vom 2011er Demo “Affliction“ noch einmal alle Moshhungrigen füttern. SCIENCE OF SLEEP sollte man auf jeden Fall im Auge behalten!


17.00 (TS) MORS PRINCIPIUM EST
Es blieb düster im Zelt. MORS PRINCIPIUM EST (lateinisch: Der Tod ist (erst) der Anfang) sorgten für weitere dunkle Klänge, wenngleich auch deutlich melodischere. Mit ihrem klassischen skandinavischen Melodic Death Metal, welcher mit etwas Thrash versetzt wird, waren die stilistisch gerne nach Schweden schielenden Finnen dennoch ein guter Kontrast zu dem derben Wüten von SKELETONWITCH. Und sie boten alles, was man in diesem Genre erwartet: vehement brachiales Riffgewitter, starke Harmonien, flinke halsbrecherische Gitarrensoli-Duelle, peitschende Double Bass, Blast Beats, akzentuierende sphärische Keyboards, eingängige Refrains…Und all das verpackt in mitreißende, knackige und beeindruckend präzise dargebotene Stücke. Immer wieder aufhorchen ließen die hervorragend gespielten doppelläufigen Leads, in welchen doch teils IRON MAIDEN als Vorbilder durchschienen. Und für Geschwindigkeitsfanatiker gab es mit "Finality" wieselflinkes Futter. MORS PRINCIPIUM EST bewiesen auch Live, dass sie auf jeden Fall zu den stärksten Bands des Genres gehören, ohne dieses aber wirklich revolutionieren zu wollen.


17.15 (PS) CALIBAN
Ab der ersten Sekunde, in der die ruhrpottschen Metalcore-Urgesteine auf die Bühne traten, war die Marschrichtung klar: nach vorne, komplette Übernahme, keine Geiseln! Die aufwändige Bühnendeko war in Anlehnung des Artworks zu „Ghost Empire“ mit apokalyptischer Endzeit-Atmosphäre sehr beeindruckend und unterstützte ihrerseits die düstere Stimmung, welche durch CO2-Kanonen und nicht zuletzt durch CALIBANs erbarmungslosen Brachialsound selbst abgerundet wurde. Nach dem Opener “King“ holte man sich für das hymnenhafte “We Are Many“ passenderweise noch dreifache Verstärkung von ESKIMO CALLBOY und SIX REASONS TO KILL ans Mikro, wohingegen der vokale Gastauftritt von “nebeL“ leider nur vom Band kam. Im Prinzip ging auf der Bühne während der gesamten Spielzeit genauso die Post ab, wie davor – das Publikum ließ sich willig zum ein oder anderen Circle Pit überreden; allerdings funktionierte der erst zu “Davy Jones“ auch ganz ohne weitere Anleitung. Songmäßig überwogen die beiden letzten Scheiben und nach dem krönenden Abschluss mit “yOUR song“ wurde die Band mit “CALIBAN! CALIBAN! CALIBAN!“-Rufen nur widerwillig von der Bühne gelassen.


17.45 (CS) TODTGELICHTER
Zwei Tagen vor ihrem Auftritt verkündeten TODTGELICHTER aus Hamburg, dass ihre Sängerin Marta erkrankt sei und den Auftritt auf dem SUMMER BREEZE leider nicht mit der Band bestreiten könne. Doch ohne nur eine Sekunde mit dem Gedanken einer Absage zu spielen, wurde mit Gastsänger Torsten (AGRYPNIE), der für viele Fans vor der Bühne ein bekanntes Gesicht gewesen sein dürfte, eine mehr als respektable Lösung gefunden. Dies zeigte sich auch direkt zu Beginn des Sets: Der ohnehin schon laute Jubel des zahlreich erschienen Publikums nahm nochmals zu, als Torsten die Bühne betrat. Nach kurzer Eingewöhnungszeit ließen sich die Leute immer mehr von der vermutlich einmaligen Gelegenheit, TODTGELICHTER mit rein männlicher Stimme zu erleben, gefangen nehmen. Komplett in weiß getüncht, begeisterte die Band in der Folge nicht nur mit traumhaft atmosphärischen Melodien (“Embers“), sondern auch harschen Tönen (“Blutstern“). Doch es kam noch besser: Zu “Phobos & Deimos“ enterte zusätzlich Dave (HERETOIR) die Bühne. Großes Kino auf der kleinsten Bühne des Festivals! Der Applaus nach Ende des letzten Songs “Allmählich“ ließ jedenfalls keine Zweifel aufkommen, dass die Entscheidung, den Auftritt trotz Krankheit der Sängerin nicht abzusagen, genau die richtige war.


18.15 (TS) GOTHMINISTER
1999 von Bjørn Alexander Brem gegründet, treibt der GOTHMINISTER schon seit 15 Jahren sein Unwesen. Der im normalen Leben als Rechtsanwalt agierende Künstler bewies schon auf diversen Veranstaltungen zuvor, dass seine Melange aus harten Elektrobeats, klassischem Gothic Metal und Industrial aufzugehen vermag, zumal das erste Album nicht umsonst auf den Namen “Gothic Electronic Anthems“ hört. Schon zum Einstieg bei “Someone Is After Me“ wurde das Tanzbein in den vorderen Reihen geschwungen und kräftig angefeuert. Zusätzlich zu seinen Mitmusikern (eine zweite Gitarre sorgte für ordentlich Druck) hatte der norwegische Schockrocker seine Gruselkameraden im Gepäck: Bei “Stonehenge“ bekam es der gute Herr mit einem Werwolf zu tun, während “Helldemon“ enterte zusätzlich ein Zombie die Bühne, gar eine Braut mit weißem Kleid wurde mittels Kettensäge geköpft, was von den leider etwas lichten Reihen lautstark bejubelt wurde. Dabei tummelten sich im Publikum erstaunlich viele Frauen, was sich nach dem abschließenden “Utopia“ deutlich heraushören ließ. Eine gelungene Horrorshow vom GOTHMINISTER höchstpersönlich, die erneut die stilistische Vielfalt des Festivals unterstrich!


18.20 (MS) ARCH ENEMY
Im Vergleich zum letzten SUMMER BREEZE-Auftritt von vor drei Jahren stand da jemand neues am Mikro bei ARCH ENEMY. Angela Gossow hat den Mikro-Staffelstab mittlerweile an die jüngere Alissa White-Gluz weitergegeben. Doch wer befürchtet hat, die Wachablösung würde nach hinten losgehen, wurde schnell eines Besseren belehrt: die neue Frontröhre hatte das Publikum von Anfang an im Griff. Und wie! Die ehemalige THE AGONIST-Sängerin mit der charakteristischen blau-grünen Mähne dirigierte die Fans von Anfang an souverän, so dass sie ihr am Ende des einstündigen Sets förmlich aus der Hand fraßen. Der proppevolle Platz vor der Main Stage kam jeder Aufforderung zum Hüpfen, Grölen und Mitsingen willig nach, was natürlich nicht zuletzt auch an der wieder einmal tadellos dargebotenen, musikalischen “Untermalung“ lag. Man mag ARCH ENEMY mit ihren letzten Outputs Stagnation vorwerfen oder nicht: wenn die neu formierten Schweden die Bühne entern, sind sie mit den präzise hämmernden Drums von Daniel Erlandsson, dem unermüdlich ackernden Bass-Ungetüm Sharlee D’Angelo und den Amottschen Melodien immer noch eine Macht. Wenn man ARCH ENEMY etwas anlasten wollen würde, dann dass sich die Setlist kaum von der von vor drei Jahren unterschied und es bis auf das mittlerweile gesetzte „Fields Of Desolation“ zum Schluss für Fans der ganz frühen Tage abermals nichts zu holen gab. Das dürfte dem Großteil der Fans aber eindeutig egal gewesen sein.


19.00 (CS) RISE OF THE NORTHSTAR
RISE OF THE NORTHSTAR kann man gelinde gesagt als “kleinen Geheimtipp in Sachen Circle-Pit-Faktor“ bezeichnen, der vor der Camel Stage für eine beachtliche Ansammlung an Menschen gesorgt hat. Ihre Mischung aus NYHC und Thrash-Metal hat bereits im Vorfeld eine stetig wachsende Fangemeinde verursacht, kommt doch das Gros der jungen Band aus Frankreich und nicht aus dem 1980’er Shibuya, wie man zunächst erahnen könnte. Dabei lieferten die Herren eine prollige und geladene Beatdown-Schlacht mit sichtbarem Manga-Einschlag, die man so vermutlich noch nicht gesehen hat. Sogar langhaarige Mattenträger ließen ihre Hosen auf halb acht herunter und schenkten dem Karate-Workout auf der Bühne bewegte Aufmerksamkeit. RISE OF THE NORTHSTAR bewiesen in der kurzen Zeit, warum sie auf dieser Bühne stehen durften und der Berserker-Track “Welcame“ macht ordentlich Laune auf das für Ende September angekündigte gleichnamige Debutalbum und somit waren RISE OF THE NORTHSTAR wohl eine der Überraschungen des Festivals.


19.25 (PS) EQUILIBRIUM
Nach dem veritablen Thrash-Abriss von ARCH ENEMY formierte sich das Publikum in rasender Geschwindigkeit vor der Pain Stage. Party war angesagt und die sollte es in den nächsten gut 60 Minuten zu Hauf geben. Dass das Volk in Stimmung war, ließ sich unschwer erahnen, als man sich die Wartezeit mit den TOTEN HOSEN verkürzte und lauthals „Eisgekühlter Bommerlunder“ skandierte. Man mag über die Band denken was man will, aber selbst ein nahezu kompletter Besetzungswechsel konnte der Triebkraft dieser Band keinen Schaden zufügen. Frontröhre “Robse“ hatte seine Hausaufgaben gemacht und führte sich und seine Mitstreiter souverän durch den frühen Abend. Süffige Hits wie “Wirtshaus Gaudi“ und das folgende “Met“ taten ein Übriges und bescherten den Grabensecurities Sonderschichten. Die neu aufgestellte Pagan-Truppe funktioniert noch immer hervorragend, vielleicht sogar noch besser als zuvor. Und die neue Bassistin wusste nicht nur optisch, sondern auch spielerisch voll zu überzeugen. Party-Abriss in Perfektion war geboten und mit einer finalen Zugabe entließ man seine “Jünger“ in die hereinbrechende Nacht.


19.30 (TS) THE OCEAN
Kurz vor Showtime wird immer noch hektisch gewerkelt auf der T-Stage, die Band ist alles andere als entspannt und startbereit, startet dann aber doch kurz nach der ursprünglich angesetzten Showtime in ihr Set. Die erste Ansage Robin Staps bringt dann auch gleich Licht ins Dunkel, wegen eines streikenden Vans ist die Band erst zehn Minuten vor Auftrittsbeginn angekommen! Das, was bei THE OCEAN seit Anbeginn sehr wichtig und ernst genommen wird, nämlich die visuelle Seite und hier besonders das Licht, ist nicht so wie ursprünglich geplant. Aber immerhin, die Videoprojektion im Bühnenhintergrund läuft und verbreitet die gewohnte maritime Stimmung. Vor der Backline sind zudem ca. einen Meter hohe Stellwände platziert, die von Schwarzlicht-LEDs im Takt beleuchtet wird. Trotz aller Widrigkeiten wird die Band freudig vom vollen Rund empfangen und Sänger Loic Rossetti hielt es nicht lange auf der Bühne aus und suchte bereits beim Opener den direkten Kontakt zum Volk, das ihn dann auch festhielt als er auf der Absperrung stehend sang. Auch während der Show gabs noch technische Probleme (Robins Gitarre zickte), das Publikum taute aber mehr und mehr auf und feierte auch Gastsänger Roy Mortensen ordentlich ab. Würdiger Abschluss der Show war ein instrumentale Track bei dem sich Loic gegen Ende ein Becken samt Ständer vom Drumriser schnappte und mit seiner Faust darauf eindrosch. Beeindruckend intensiv!


20.15 (CS) SUPERCHARGER
Wie, was, MACHINE HEAD auf der Kamelbühne? Mitnichten. Trotz Namensähnlichkeit sind SUPERCHARGER eine eigenständige Band – und was für eine! Für alle Festivalbesucher, die es gern mal etwas lässiger, gechillter und rockiger haben wollen, kamen die Dänen genau richtig. Zwischen Kopenhagen und Dinkelsbühl liegen etwa 750 Kilometer Luftlinie. Und diese Luft war so dermaßen von Rock 'n' Roll erfüllt, dass auch Lemmy sie gern geatmet hätte. Die Truppe um Fronter Mikkel Neperus kreiert in ihren Songs eine süffisante Melange aus AC/DC-Vibes, Rose Tattoo-Stimmung und Motörhead-Heavyness. Gepaart mit Tamburin, Klavier/Keyboard, Mundharmonika und Country-Gitarre ergab das eine tanzfreudige Partystimmung. Ein dezent älterer Zuschauer ging dann auch dermaßen aus sich heraus, dass ein punkiger Jüngling sogleich zum Duett antanzte. Ein kleiner „Hüpf-Pit“ entstand, und die Band gab sich alle Mühe, die Stimmung durch kommunikativen Eifer bis zum Ende am Kochen zu halten. Vor der Bühne versammelten sich immer mehr Bewegungssuchende, und so entstand ein kurzweiliges Vergnügen mit einer Combo, die sich leicht abseits vom eigentlichen Billing bewegte und doch ideal ins große Ganze passte. Da ist es auch zu verzeihen, dass Mikkel das Publikum zu sich nach Kopenhagen einlud, ohne jedoch seine Adresse zu verraten.


20.30 (MS) DOWN
Erneut ging auf der Main Stage der Legendenalarm los, denn mit DOWN beehrte eine echte Kultband das Festival. Beweisen müssen die Südstaatler schon lange keinem mehr etwas. Das dürfte auch der Grund sein, warum Phil Anselmo bereits spürbar unters Partyrad gekommen war und mit leichter Schräglage, aber bestens aufgelegt die Main Stage enterte. Viele der ausladenden Ansagen des ehemaligen PANTERA-Fronters - so sie denn verständlich waren - gaben Anlass zum Schmunzeln. Vielleicht lag es auch mit daran, dass es etwas dauerte bis der Funke so richtig aufs Publikum übersprang. Spätestens beim mächtigen “Hail The Leaf“ war es dann geschafft und DOWN hatten das Publikum gewonnen ohne es bis zum Ende dieses denkwürdigen Abends nochmal loszulassen. Mit zunehmender Spieldauer fand sich die Band immer mehr, was schließlich in lautstarken DOWN-Sprechchöre mündete. Wer genau hinsah, bemerkte am Bühnenrand haufenweise prominente Musiker. Unter ihnen auch Rob Flynn und Phil Demmel von MACHINE HEAD, die gegen Ende des Gigs noch eine tragende Rolle bekommen sollten. Einen vorläufigen Höhepunkt gab es schließlich mit „Stone The Crow“ bevor das vehement vom Publikum geforderte „Bury Me In Smoke“ intonierte wurde. Zu einer absolut unvergesslichen Show in der langen SUMMER BREEZE-Geschichte wurde ihr Auftritt durch die spontane Übernahme der Gitarren durch Rob Flynn und Phil Demmel – sowas erlebt man nicht alle Tage! Zum Abschluss sang Phil Anselmo mit dem Publikum dann noch sichtlich bewegt den Refrain von “Stairway To Heaven“. Wow!


20.45 (TS) SECRETS OF THE MOON
Vom rohen Black Metal über rockige Dunkelheit bis hin zum doomlastigen Schwarzmetall. Die musikalischen Entwicklungen sind beinahe so dynamisch wie die Besetzungswechsel der Deutschen. Beim diesjährigen SUMMER BREEZE präsentierten sich SECRETS OF THE MOON jedoch als eingespielte Truppe, die nichts anderes als ein vertontes okkultes Ritual zelebrierte. Am Bühnenrand loderten Flammen – sachte als visuelle Untermalung – und die präsente, meist rote Beleuchtung wurde hin und wieder von Nebelschwaden durchbrochen. Das alles mündete in einer zutiefst düsteren Atmosphäre, womit der perfekte Rahmen für eine SECRETS OF THE MOON-Show anno 2014 stand. Es begann doomig und so sollte es auch grundlegend weitergehen. Die Setlist umfasste fünf ausladende Songs, die sich oft im Midtempo aufhielten, die gerne ellenlang instrumental blieben und sich in Form von attackierenden Nuancen nur selten rasend präsentierten – dann aber mit so präzisem Drumming, dass es eine wahre Freude war, dem Fellverdrescher bei der Arbeit zuzusehen. Schön, dass es außerhalb des gut gefüllten Zelts ebenso schleppend dämmerte, wie sich die Nummern entfalteten. Die Kommunikation zwischen Band und Publikum hielt sich in Grenzen, doch “Hey hey hey“-Rufe haben bei solch einer Show auch nichts zu suchen. Und wie immer war „Lucifer Speaks“ ein erhabenes Highlight, auch wenn dem sonst guten Sound ausgerechnet beim treibenden Riffing etwas die Puste ausging.


21.30 (CS) WINTER OF SIN
Eigentlich ist Henri Sattler größere Bühnen gewohnt, vor allem mit seiner Stammformation GOD DETHRONED, die vor kurzem ihre Reunion feierte. Doch in der Zwischenzeit sind Henri und sein Kompagnon Michiel van der Plicht WINTER OF SIN beigetreten, die jüngst mit “Violence Reigns Supreme“ ein neues Album veröffentlichten. Da nur eine knappe halbe Stunde Spielzeit blieb, wurde direkt ohne große Umschweife mit “Astral Death Reign Algorithm“ losgemörtelt. “Eternal Winter“ setzte anschließend verstärkt auf Melodie, schraubte das Tempo dabei aber keinesfalls runter. Angetrieben von Drum-Maschine van der Plicht gab es ein Death Metal-Gewitter galore, das ohne Rücksicht auf Verluste über die Camel Stage hinwegfegte. Inhaltlich geht’s in den Songs um die Vernichtung der Menschheit. Passend dazu verkörpert Henris Stimme Aggression pur, ist dabei aber frappant verständlich, was auch live dank eines tollen Sounds grandios funktionierte und die anwachsende Meute in Verzückung versetzte. Viele der Anwesenden wussten um den Status des Frontmanns und riefen immer wieder seinen Namen, reckten dann zum Titeltrack des aktuellen Albums aber auch bereitwillig ihre Fäuste in luftige Höhe, ehe “Black Ashes“ nochmals die Headbanger auf den Plan rief. Nach dem messerscharfen “Maelstrom“ fand der wilde Ritt dann aber leider auch schon sein jähes Ende.


21.50 (PS) BEHEMOTH
Der Contest in Sachen Heaviness wurde am Donnerstag definitiv zwischen DOWN und BEHEMOTH ausgetragen. Kaum hatten die Sludge-Götter aus Nola die Main Stage mit ihrem Sound dem Erdboden gleich gemacht, da schickten sich die Polen schon an, die Pain Stage noch ein Stockwerk tiefer zu legen. Schon immer ein Garant für hochwertige Live Shows nicht nur auf dem SUMMER BREEZE, glich auch der diesjährige Auftritt einem absoluten Triumphzug. Bühnenaufbau und Show-Einlagen haben sich im Vergleich zum Gig vor zwei Jahren zwar nicht drastisch verändert – noch immer ist Feuer das bestimmende Element, ob als Pyrofontäne, den kunstvoll verzierten Schlangenmikrofonen oder den riesigen umgedrehten Kreuzen. Altbekannte Deko konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass BEHEMOTH musikalisch wie soundtechnisch immer noch vollends Arsch treten. Auch das Stage-Acting mag manchem als mittlerweile zu überkandidelt und ein Stück zu durchinszeniert erscheinen. Doch diese perfekte Choreographie gehört nun mal zu BEHEMOTH – ohne wäre es nichts Halbes und nichts Ganzes. Das aktuelle Album “The Satanist“ kam zwar nur mit drei Songs zum Zuge, was aber bei der Auswahl an Hits leicht zu verschmerzen war. Ob “Conquer All“, das unvermeidliche “Slaves Shall Serve“ oder die Double-Bass-Granate “Chant For Ezkaton 2000 e.v.“: wirklich jeder Song entfaltete seine Wirkung und zauberte ein breites Grinsen in die Gesichter der Fans, auch ob der schieren Wucht von Infernos Drumming. Beim abschließenden “O Father, O Satan, O Sun“ (auf der Bühnen-Setlist übrigens auf Polnisch als “Vater Unser“ betitelt) traten BEHEMOTH wie immer voll maskiert auf und verschwanden in einer gewaltigen Rauchwolke aus Kunstnebel. Perfekter Abgang.


22.00 (TS) TWILIGHT OF THE GODS
Wie das Leben doch manchmal so spielt. Ursprünglich wollte PRIMORDIAL-Sänger Alan Nemtheanga 2010 ja nur ein BATHORY-Tribute-Konzert mit seiner Band spielen. Das scheiterte laut Alan dann aber an der Faulheit seiner Bandkollegen; worauf er sich prompt andere Mitstreiter fürs Projekt suchte. Und die Schar ist ihm dann recht illuster geraten: am Schlagzeug Nick Barker (u.a. BENEDICTION, DIMMU BORGIR, CRADLE OF FILTH), am Bass Frode Glesnes (EINHERJER), an der einen Gitarre Rune Eriksen (MAYHEM, AURA NOIR) und an der anderen Patrik Lindgren (THYRFING). Der enorm hohe Promifaktor stand bei der SUMMER BREEZE-Show der Herren aber keinesfalls im Vordergrund, hier zählte alleine die Leidenschaft für eine legendäre Band und die adäquate Umsetzung des Materials auf der Bühne – für die viele BATHORY-Songs ja wohl nie gedacht waren. Tribute-Bands sind gerne mal ein zweischneidiges Schwert, aber hier kamen die Fans voll auf ihre Kosten, danke dafür!


22.45 (CS) THE NEW BLACK
In sechs Jahren Bandgeschichte bringen es die emsigen Würzburger doch tatsächlich schon auf drei Studioalben. Da dürfte es entsprechend schwer gefallen sein, die große Auswahl an Songs auf ein Programm von nur einer halben Stunde Spielzeit einzukochen, aber hilft ja nix, muss ja. Hochmotiviert und natürlich komplett schwarz gewandet, startete die Combo mit “Drive“ von ihrem selbstbetitelten Debutalbum in ihr Set. Vor lauter cooler Kolibri-Bühnendekoration war Drummer Chris Weiss kaum zu sehen – aber dafür konstant zu hören! Weiter gings mit dem vom genialen Augsburger Puppenkisten-Clip bekannten “Sharkpool“ und es war schnell klar, dass die Band einen sehr guten Slot erwischt hatte, denn wer sich nicht für CHILDREN OF BODOM auf der Hauptbühne erwärmen konnte, hatte in den Hard Rock-Recken die optimale Alternative gefunden. Die Band zeigte sich leidenschaftlich, routiniert und machte alles richtig. Und wie bereits bei ihrer 2009er-Show auf dem SUMMER BREEZE machten sie den Sack gekonnt mit dem eingängigen “Everlasting“ zu.


22.55 (MS) CHILDREN OF BODOM
Mit “Hate Me!“ starteten die Finnen kokett in ihr Set, wohl in vollem Bewusstsein dessen, dass ihnen diesen Wunsch heute wohl kaum jemand vor der Hauptbühne erfüllen würde. Es darf wohl auch als blanke Ironie gelten, dass die letzten Takte von "Bodom After Midnight" kurz vor dem Anbruch der Geisterstunde über das prall gefüllte Festivalgelände tönten. Bis dahin hatten sich die CHILDREN OF BODOM längst eingegroovt und ihrer treuen Anhängerschar mit flotten Melodic Death-Kapriolen ordentlich eingeheizt. Im Rahmen einer auf das Wesentliche reduzierten Bühnenshow waren es vor allem die Duelle zwischen Keyboarder Janne Wirman und Bandkopf Alexi Laiho an der Gitarre, die für Akzente sorgten. Dabei spickte letzterer seine Ansagen mit einer für seine Verhältnisse eher unterdurchschnittlichen Menge an "Fucks" und konzentrierte sich lieber auf sein Instrument und seinen so angepisst wie eh und je daher kommenden Gesang. Vom jüngsten Studiowerk "Halo Of Blood" kam neben dem Titeltrack das atmosphärische "Scream For Silence" zum Einsatz, ansonsten zeigte die Songauswahl einen Best-Of-Querschnitt durch alle Schaffensperioden der Band. So wurde einmal mehr die konstant hohe Qualität offenbar, die die Formation seit ihrem Debütalbum "Something Wild" im Jahr 1997 abliefert, echte Überraschungen blieben hingegen aus – was das ausgelassen feiernde Volk aber offensichtlich in keinster Weise gestört hat. Alles in allem also ein routinierter und unterhaltsamer Gig der Kinder vom Bodom-See. Was genau uns Alexi Laiho aber wirklich damit sagen wollte, als er gegen Ende der Show darum bat, ihm den ausgestreckten Mittelfinger entgegen zu recken, bleibt ein Rätsel. In Asien soll das ja durchaus ne freundliche Geste sein…


23.15 (TS) THE HAUNTED
Sein Bruder Daniel lieferte bereits früher am Tag auf der Main Stage mit ARCH ENEMY ab, am späten Abend lag es dann an Adrian Erlandsson, die Familienehre an den Drums mit THE HAUNTED fortzuführen. Los gings mit dem “The Dead Eye“-Doppelschlag aus “The Flood“ und “The Medication“; es war zwar nicht ganz so viel los wie bei den schwedischen Kollegen ein paar Stunden vorher aber dafür lieferten die Mannen um den wieder zurückgekehrten Fronter Marco Aro eine nicht minder intensive Show ab. Aro wuchtete seinen massigen Körper fortwährend von rechts nach links und vor und zurück über die Bühne und machte nach langer Abstinenz als Schreihals eine sehr gute Figur. Gleiches ließe sich auch von seinen Mitstreitern an den Instrumenten sagen – wenn man denn ein wenig weiter hinten im Zelt stand. Dort nämlich ließen sich die Death-Thrash-Salven einigermaßen sicherer entziffern; direkt vor der Bühne, wo der Sound leider hörbar verwaschen war, war das ein Ding der Unmöglichkeit. Schade eigentlich, denn die Setlist bot einen gelungenen Querschnitt durch das bisherige Schaffen THE HAUNTEDs (unter völliger Ignoranz des umstrittenen “The Unseen“-Albums) und konzentrierte sich sogar eher auf die allenthalben favorisierten Frühwerke. Vom kommenden, eher an den Anfangstagen der Band orientierten Album “Exit Wounds“ gab es mit “Eye Of The Storm“ und “My Enemy“ nur zwei Songs, die Meute im Pit interessierte das aber genauso wenig wie der suboptimale Sound. Den wiederholten Aufforderungen von Gitarrist Patrik Jensen nach mehr Bewegung kam man bereitwillig nach und bescherte der T-Stage mit THE HAUNTED somit einen gelungen Einstieg in den späten Abend.


00.15 (CS) Waldgeflüster
Psst, man flüstert sich, dass da eine deutsche Black Metal-Combo einen richtig starken Auftritt auf der Camel Stage geboten hat. Wer da war, konnte sich glücklich schätzen, wer zufällig vorbeigelaufen war, blieb stehen. WALDGEFLÜSTER tauchten die Bühne in passendes grünes Licht, mit ganz viel Fantasie konnte man sich die Münchener also inmitten von Bäumen vorstellen. Insgesamt boten Winterherz und seine Mannen einen atmosphärisch äußerst dichten Auftritt, bei dem das einzige Problem darin bestand, dass er nur eine halbe Stunde umfasste. Interessant: Erst kürzlich hat der Fronter verkündet, dass er nicht mehr allein im Dickicht flüstern wird, weil WALDGEFLÜSTER vom Solo-Status zu einer richtigen Band erhoben wurde. Entsprechend gut aufeinander abgestimmt präsentierten sich die Naturverbundenen dann auch. Insbesondere das Stimmenduett zwischen dem Bandgründer und seinem Bassisten konnte begeistern, weil die Symbiose aus cleanen und gekrächzten Vocals ein ums andere Mal für Gänsehautmomente sorgte. Auch die Gitarrenfraktion lieferte tadellos ab und umhüllte Stage und Publikum mit einer melancholischen Klangkuppel, unter der man sachte headbangen oder sich auf eine verlassene Lichtung träumen konnte. Sänger Winterherz vollzog den Gig wie gewohnt leidenschaftlich und warf immer wieder den Haar-Propeller an. Schade, dass aufgrund der kurzen Spieldauer und langen Songs nur drei Nummern gezockt werden konnten, die sich zudem recht stringent im Midtempo hielten. Dennoch: Ein berauschendes Erlebnis!


00.30 (PS) TESTAMENT
TESTAMENT werden auch auf ihre alten Tage nicht mehr müde, ganz im Gegenteil. Die kalifornischen Ur-Thrasher um Frontbulle Chuck Billy und das Gitarren-Duo Eric Peterson und Alex Skolnick haben sich noch nie lumpen lassen. Haben einerseits ihren ureigenen Stil bewahrt, andererseits aber immer wieder um neue Einflüsse, wie z.B. Death-Metal-Elemente, bereichert. Und auch die herausragenden Live-Qualitäten der Schwergewichte sind hinlänglich bekannt. So präsentierten sich TESTAMENT auch auf dem SUMMER BREEZE in bestechend guter Verfassung und bester Laune. Wieder präsentieren die Kalifornier auf eindrucksvolle Art und Weise, wie perfekt sie aufeinander eingespielt sind, und wie viel Bock sie darauf haben, ihren brutalen und gleichzeitig filigranen Thrash Metal unters Volk zu bringen. Sie scheinen tatsächlich derzeit ihre zweite Jugend zu erleben, soviel Feuer steckte in der Band, die inzwischen wieder eine mehr als hochkarätige Besetzung hat. Frontindianer, Sympathikus und Hüne Chuck Billy mit tragbarem Mikroständer mit seiner urgewaltigen und dennoch melodischen Stimme, Alex Skolnick brillierte mit edlen rasiermesserscharfen Soli, Drumgott Gene Hoglan scheint auch nicht älter zu werden und hämmerte mit voller Vehemenz, während Eric Peterson und der zurückgekehrte Steve Di Giorgio ebenfalls massiv für Druck und Präzision sorgten. Die angeheizte Menge stand Kopf und feierte die Bay-Area-Veteranen ab, egal welches Stück aus der zwischen neuen Songs und unsterblichen Klassikern smart austarierten Setlist auch gespielt wurde. Höhepunkt des Auftritts war das von Chuck Billy im Duett mit Alissa White-Gluz von ARCH ENEMY gesungene "Into The Pit". Auch Phil Anselmo (DOWN) und Robb Flynn (MACHINE HEAD) ließen es sich nicht nehmen dem Auftritt von TESTAMENT vom Bühnenrand aus zu verfolgen. Leichten Punktabzug gabs nur für das schmerzlich vermisste “Low“, ansonsten: well done!


00.45 (TS) ESKIMO CALLBOY
Auf die eröffnende Ansage “Schönen guten Abend, wir sind IMMORTAL!“ dürften nur die allerwenigsten Anwesenden im Zelt hereingefallen sein. Die sechs Spacken auf der Bühne waren zwar standesgemäß gecorpsepainted, aber die sich offenbarende Flora und Fauna der Pandas, Tiger und nackten Kapitäne offenbarte doch schnell, dass es sich um eine ganz andere Band handeln musste. Die seit jeher kontrovers diskutierten ESKIMO CALLBOY sorgten diesmal zur Absacker-Uhrzeit wieder einmal dafür, dass man gar nicht wusste, wohin man zuerst schauen sollte: Auf die Band, die wie die Sesamstraße auf Speed umherhüpfte, so dass man einen frühzeigen Herztod befürchten musste, oder auf die Fans, die die Tentstage gelinde gesagt in ihre sämtlichen Einzelteile zerlegen wollten oder gar auf das pinke epileptische Glitzerpuff-Discolichtgewitter? Egal, denn entweder war man mit gutem Grund im eigenen Zelt oder vor Ort und somit Teil des kollektiven Wahnsinns auf und vor der Bühne. Ob man der Musik nun etwas abgewinnen konnte, oder nicht: unterhaltsam war das in jedem Fall!


01.45 (TS) ALPHA TIGER
Das Tagesprogramm auf der Camel Stage fand mit ALPHA TIGER einen geradezu klassischen Abschluss. Die Sachsen zeigten sich überdeutlich von traditionellen NWoBHM-Formationen beeinflusst und lieferten ein gleichermaßen engagiertes wie routiniertes 30-Minuten-Set ab, den sie direkt mit ihrer neuen Single "Lady Liberty" eröffneten. Es folgten jeweils zwei Stücke von den beiden Alben "Beneath The Surface" und "Man Or Machine", sowie als Rausschmeißer mit "Metal Thrashing Mad" ein gelungenes ANTHRAX-Cover - und jedes einzelne Lied wurde von einer unermüdlichen Fanschar begeistert aufgenommen. Gerne wären die Jungs auch den Rufen aus dem Zuschauerraum nachgekommen und hätten eine Zugabe ans reguläre Set angehängt, dafür blieb jedoch keine Zeit mehr, denn aus dem Zelt wehten bereits die ersten Klänge von ALCEST heran.


02.15 (CS) ALCEST
ALCEST sind schon ein Phänomen. Obwohl die Band bereits seit 1999 existiert, wurde erst vor vier Jahren der erste Live-Auftritt bestritten; Hauptsongwriter Neige freundete sich in der Folge zunehmend mit dem Spielen vor Publikum an und tritt heutzutage zwar noch sichtlich zurückhaltend, aber dennoch selbstbewusst und -bestimmt auf. Ein Glück, denn die Mannen aus Frankreich verzauberten die T-Stage als letzte Band des Tages mit ihren schwelgerischen Stücken, voller Melodie und viel Herz. “Opale“ vom zu Beginn des Jahres veröffentlichten Album “Shelter“, auf dem gänzlich dem Metal abgeschworen wurde, diente dabei als Eintritt in die zarten, sensiblen Klangwelten ALCESTS. Die zahlreich erschiene Meute schien den Auftritt herbeigesehnt zu haben, schon zu diesem Zeitpunkt wurden Frankreichflaggen passend zum Takt geschwungen. Während bei “Là Où Naissent Les Couleurs Nouvelles“ zwischenzeitlich sogar gefühlvolles Headbangen zu sichten war, träumte ein Großteil mit geschlossenen Augen zu den Nummern “Autre Temps“ und “Les Iris“. Die ruhigen, mit viel Hall versehenen Gitarrenmelodien wurden des Öfteren durch behutsames Klatschen vom Publikum begleitet, wahrlich magische Momente - Gänsehaut! Toller Auftritt zum richtigen Zeitpunkt, denn besser hätte man nicht ins wohlige Zelt verabschiedet werden können.


FREITAG, 15.08.2014

12.00 (PS) STAHLMANN
Den Bandreigen am Freitag läuteten die Silber geschminkten STAHLMANN ein. Ihre martialische Musik mit harten Metal-Riffs, stampfenden Beats und deutlichen Industrial-Einlagen in der Schnittmenge von Bands wie EISBRECHER, UNHEILIG, MEGAHERZ und natürlich RAMMSTEIN, lud trotz der frühen Stunde zahlreiche Fans zum Tanzen ein, die wacker Wind und Kälte trotzten. Das verwunderte auch nicht, da STAHLMANN ihre mitreißenden, erfrischend unkompliziert treibenden Stücke, in welchen hier und da auch immer zarter Gothic eingewoben wurde, derartig schmissig und mit gewohnter Power spielten, dass einem kaum etwas anderes übrig blieb als sich zu den eingängigen Rhythmen zu bewegen. Dabei bewies sich vor allem Sänger Mart, der zu Anfang mit einem Nebelwerfer auf dem Rücken für Action sorgte, als echter Entertainer und Animateur, der mit seiner steten Interaktion das Publikum stets fest im Griff hatte und immer weiter anheizte. Die Fans feierten ihre Party, sangen Zeile für Zeile mit, klatschten in die Hände und sprangen freudig im Takt. Herrrrrlich!


12.50 (MS) CRUCIFIED BARBARA
Nach männlich-martialischem Stechschritt-Metal durfte nun das vermeintlich schwache Geschlecht ran - von wegen! CRUCIFIED BARBARA, das sind vier adrette, bezaubernd gutaussehende Damen fürs Auge, die rocken, was das Zeug hält! Leidenschaftlich und mit mächtig dicken, ähem, Eiern, zocken die wunderbar synchron posenden Schwedinnen herrlich unbekümmert ihren dreckigen, rifforientierten Rock, dass man sich unweigerlich an eine weibliche Form von MOTÖRHEAD erinnert fühlt. Mit souveränem Stageacting und präzisem Zusammenspiel überzeugten CRUCIFIED BARBARA von der ersten Minute an und rockten gegen die Kälte, und tatsächlich kam (wegen ihnen?) wieder die Sonne über dem SUMMER BREEZE raus. Vor allem die lässig gespielten, zweistimmigen Leads in Verbindung mit der kräftigen Röhre von Frontfrau Mia Coldheart setzten Ausrufezeichen. Ansonsten regierte simpler, effektiver, schmissiger Rock'n'Roll, in welchem die Songs der Stockholmerinnen untereinander zwar teilweise ziemlich ähnlich klangen, aber auch einfach Spaß machten und das zahlreiche Publikum zum Mitfeiern animierten.


13.40 (PS) DEADLOCK
TPassender als mit der Begrüßung "Wir bekommen ein Baby!" hätte DEADLOCKs Show kaum starten können, denn auf der Bühne stand eine umwerfende Bald-Mama, die das schlechte Wetter mit ihrem Strahlen zur Nebensache werden ließ. Doch nicht nur Sabine Scherer, die unverwechselbare Klarstimme der Melodic Death-Metaller, war für den baldigen Nachwuchs zu beglückwünschen - zudem handelte es sich um die Release-Show für DEADLOCKs neues Baby “The Re-Arrival“, welche am selben Tag veröffentlicht wurde. Von der neuen Scheibe wurden die Songs “An Ocean’s Monument“ und “The Arsenic River“ gespielt und auch Tracks wie “Earthlings“ und “Awakened By Sirens“ wurden im neuen Gewand vorgestellt und von den Fans mit winkenden Armen und gesanglicher Unterstützung gebührend belohnt. Einmal mehr konnten DEADLOCK beweisen, dass sie live absolut überzeugen und weder Wind noch Wetter etwas daran ändern kann. Und in Sachen frühkindliche Prägung hat die Band auch alles richtig gemacht!


14.30 (MS) PRIMAL FEAR
Regen ist flüssiger als Wasser - er ist nämlich verdammt überflüssig. Folgerichtig lockten PRIMAL FEAR nach einem letzten, kurzen Schauer erst einmal die Sonne hinter den Wolken hervor. Für die hervorragende Laune unter den Zuschauern war jedoch weniger das Wetter, als vielmehr die routiniert und spielfreudig agierende Band verantwortlich. Obwohl es die letzte gemeinsame Show mit Trommler Randy Black war und Gründungsmitglied Tom Naumann als Ersatz für den zweiten Gitarristen Magnus Karlsson einsprang, agierten PRIMAL FEAR als Einheit und kamen einer perfekten Heavy-Metal-Show bereits gefährlich nahe. Auf dem Programm stand ein Best-Of-Set, der vom Opener "Final Embrace" bis hin zum unvermeidlichen "Metal Is Forever" mit absoluten Klassikern gespickt war. Zwischen diesen machten aber auch die beiden aktuellen Stücke "Delivering The Black" und "When Death Comes Knocking" eine gute Figur. Und natürlich ließ sich Frontmann Ralf Scheepers, bei dem man nicht so recht entscheiden konnte, ob nun seine markerschütternden Schreie oder sein beeindruckender Bizeps mehr Respekt einflößten, die obligatorischen Mitsing-Spielchen nicht nehmen. An diesen beteiligte sich das Publikum nach Kräften, ohne dabei ernsthaft mit dem durch Mark und Bein gehenden Organ des Sängers mithalten zu können.


14.30 (TS) OMNIUM GATHERUM
OMNIUM GATHERUM sind mittlerweile zweifelsohne eine Klasse für sich. Die Finnen schaffen es immer wieder, auf ihren Alben gekonnt schwedische Melodic DeathMetal-Härte mit finnischer Melancholie und Progrock zu paaren, und präsentieren sich damit als eine Art Schöngeister des Genres. Und auch Live schafften es die Melodie-Könige OMNIUM GATHERUM, straighteste Grooves mit stilvollen Progrock-Vibes, brachiale Passagen mit fantastischen Hooklines und mitreißenden, zuckersüßen Melodien aufzuwerten. Egal wie komplex ihre durchdachten Kompositionen auch sind, OMNIUM GATHERUM spielten die Songs präzise und mit Liebe zum Detail. Auch wenn nicht jeder in der Menge mit dem Material der Band vertraut war, wurde in den ersten Reihen schon ordentlich mitgebangt. Ansonsten ließen sich doch einige im Publikum von der manchmal etwas überspitzt wirkenden Performance anstecken, allen voran Sänger Jukka Pelkonen, aber auch der an die Posen von Alexi Laiho (CHILDREN OF BODOM) erinnernde Gitarrist Markus Vanhala. Die nahezu perfekt dargebotenen Musik mit den eingängigen Refrains tat dann ein Übriges. Und hätten OMNIUM GATHERUM nicht erwähnt, dass Schlagzeuger Jarmo für diesen Auftritt durch Toni Paananen (HEVEIN, MALPRACTICE) ersetzt wurde, wäre das gar nicht aufgefallen. Well done!.


15.15 (CS) WOUND
Auf der Camel Stage ging es an diesem Tag mit WOUND los, und damit mit lupenreinem, kultigen Old School Death Metal aus Wiesbaden. Die Hessen konnten mit ihrem Demo "Confess To Filth - Demo MMXII" den Titel "Demo des Monats" im Rock Hard erreichen, und auch das Debütalbum "Inhale The Void" kam bei den Magazinen wie im Underground sehr gut an. Der räudige, kompromisslos straighte Todesblei wurde dabei offensichtlich von der ersten Welle schwedischer Death Metal Acts beeinflusst und enthält auch einen unüberhörbaren Crust-Einschlag. Dieser simpel eingängige, direkte aber keineswegs stumpfe Schwedentod uralter Stockholmer Schule machte es WOUND natürlich recht einfach, die versammelten Fans vor der Bühne mitzureißen. Mit Vehemenz und charmanter Brutalität knüppelte sich die Truppe durch fiese Stücke wie dem Brecher "Codex Arcanum", "Carrion" oder das coole ENTOMBED / NIHILIST Cover "Supposed To Rot" ohne sich zwischendurch mit viel Geschwätz aufzuhalten. Dabei wurden in die ansonsten rohen Songs beinahe unauffällige Melodien eingearbeitet, was dem Material zusätzlich Tiefe und eine düstere Aura verlieh. Alle Musiker machten einen verdammt guten Job mit aktivem Stageacting, allen voran der engagierte Sänger Christian Schettler, der nicht nur ordentlich tief growlte sondern auch angeschwärzt krächzte. Eindrucksvolle Vorstellung!


15.20 (PS) BENEDICTION
Letztes Jahr mussten BENEDICTION ihren Auftritt kurzfristig absagen, dieses Jahr hat es dann aber geklappt. Glücklicherweise, muss man sagen, denn der Hunger der Fans nach klassischem Todesmörtel war an diesem frühen Donnerstagnachmittag groß. Trotz viel Regen versammelte sich eine beachtliche Anzahl vorrangig älterer Herrschaften vor der Pain Stage und blickte auf eine spartanisch ausgestattete Bühne: Backdrop, ein überschaubares schwarzes Schlagzeug, schmale Backline und ein paar Büchsen Bier. Schon vor dem ersten Ton zu “Nightfear“ war also klar, dass es hier ohne Umschweife direkt auf die Fresse geben sollte. Da ließ die Sonne dann auch nicht lange auf sich warten und bescherte BENEDICTION ab dem umjubelten “Unfound Mortality“ einen warmen Empfang. Entsprechend gaben die englischen Death-Metal-Recken in einem erfreulicherweise sehr old-schooligen Set durchgängig Gas. Fronter Dave Hunt trat zwischendurch mal das Kabel von Gitarrist Darren Brookes raus, was jedoch von den Stage Hands schnell bemerkt und behoben wurde. Der redselige Hunt nahm es mit Humor und widmete “Suffering Feeds Me“ dem am Bühnenrand zuschauenden Nuclear Blast-Chef Markus Staiger – der laut dem augenzwinkernden Hunt die Schuld daran trug, dass es BENEDICTION überhaupt bis zum SUMMER BREEZE geschafft haben. Mit “The Dreams You Dread“ gab es aufgrund einem Mehr an Spielzeit sogar noch einen Bonustrack. Mit “Magnificat“ verabschiedete sich das Quintett von seinem ersten SUMMER BREEZE-Gig und das keine Sekunde zu früh – bei den letzten Klängen riss Darren Brookes die tiefe E-Saite. So sieht Einsatz aus.


15.45 (TS) WOLFHEART
Vorhang auf für Tuomas Saukkonen! Im letzten Jahr zog der umtriebige Finne unter all seine bisherigen Bands einen Schlussstrich. Nun ist er mit dem mittlerweile zur richtigen Band aufgestiegenen Projekt WOLFHEART zurück, um seine Art typisch skandinavischer Melancholie zu verbreiten. Mit Erfolg, schon der Opener “The Hunt“ knallt ordentlich und besticht durch Akustik-Intro und eindringlicher Melodie. Leichte Soundprobleme inmitten des Sets wurden gekonnt durch Ansagen überbrückt. Ohnehin war das Publikum bei bester Laune und wedelte fleißig mit finnischen Flaggen, während die Matten wild geschwungen wurden. Erst zu Beginn der diesjährigen Festivalsaison spielten die Jungs ihren ersten Gig außerhalb Finnlands, anzumerken war ihnen dies allerdings nicht, so gut eingespielt, wie sie waren. Alle außer Toumas (einer musste ja schließlich für den Gesang zuständig sein) ließen permanent ihre Köpfe kreisen, meist sogar synchron. Das schwappte schnell auf’s Publikum über, das sogar Zeuge einer Premiere wurde: Mit “Susi“ präsentierten WOLFHEART erstmals einen Song vom kommenden Album. Mehr und mehr von den Songs ergriffen, wurde die Band zum Ende hin nur unter lautem Jubel entlassen.


16.10 (MS) J.B.O.
Ein komplett einfarbiges Backdrop in rosa? Klar, nun spielten die Erlanger Klamauk-Metaller J.B.O. zum Tanze auf, die bereits in der Vergangenheit mehrfach ein gerne gesehener Gast auf dem SUMMER BREEZE waren. Das neue Album der Franken war just an diesem Tag erschienen und fand mit "Vier Finger Für Ein Halleluja" und "Death Is Death" (dreimal darf geraten werden, welcher Party-Klassiker hierfür umgedichtet wurde! Kleiner Tipp: na-naaa-naa-naa-na) gleich doppelte Berücksichtigung. Wer den Humor der Band teilte, bekam dazu auch eine gute Show geboten, bei der wieder einmal zwei Roadies der Band ihre Schauspielkünste unter Beweis stellen durften. "Ich will Lärm!" forderten die Musiker und bekamen diesen sogleich von der begeisterten Zuschauermenge, die Frontmann Vito C. beim Überhit "Ein Guter Tag Zum Sterben" komplett arbeitslos machte. Zum absoluten Höhepunkt sollte dieses Mal jedoch "Ein Fest" avancieren, bei dem das Publikum vorher verteilte Holi-Farbbeutel in die Luft warf und dann minutenlang rosane Schwaden über den gesamten Zuschauerraum hinweg wehten. So hinterließen J.B.O. bei einem Großteil der Besucher bleibenden Eindruck - bis der nächste Regenschauer die Holi-Farben in den Matsch spülte


16.30 (CS) MALRUN
Nach wüstem Death Metal folgte nun mit MALRUN totales Kontrastprogramm. Die Dänen spielen eine Mischung aus modernem Mainstream Rock bzw. Metal, melancholischem Alternative Rock und Core-Elementen, und gehören dabei zumindest in Europa zu den Besten ihres Fachs. Dies unterstrichen MALRUN auch auf dem SUMMER BREEZE - mit feinem Gespür für griffige Melodien, kräftige Riffs, massive Breakdowns, erstklassig starke Hooklines und eingängige Refrains hatten sie leichtes Spiel mit dem Publikum. Vor allem der hervorragend klare, hypnotische, sehr emotionale Gesang mit sporadischen Metalcore-Brüllattacken von Jacob Løbner, dessen Stimme doch manchmal an Jesse Leach (KILLSWITCH ENGAGE) erinnerte, erwies sich als großer Pluspunkt. MALRUN gelang es ebenfalls recht gut, die teils doch sehr progressiv angelegte Musik mitreißend mit viel Groove druckvoll zu präsentieren, und so das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Die Band strotze nur so vor Energie und Spielfreude und legte einen überzeugenden Auftritt mit beeindruckender Bühnenpräsenz hin. Die vielfach von den Fans geforderte Zugabe konnte mangels Zeit leider nicht mehr gespielt werden.


17.00 (TS) ANNEKE VAN GIERSBERGEN
Offensichtlich handelt es sich beim Auftritt von ANNEKE VAN GIERSBERGEN um einen echten Geheimtipp, denn das Zelt wollte sich am frühen Abend nur spärlich füllen. Die Anwesenden durften aber ein atmosphärisches Highlight mit vielen ambientigen Momenten erleben, über denen in all ihrer Erhabenheit die Stimme der sympathischen Sängerin thronte. Die Instrumentalparts bereicherte Anneke mit anmutigen Tanzeinlagen, deren positive Energie sich verlustfrei auf das Publikum übertrug. Wohl kaum ein anderer Künstler vermochte die Menge auf so sympathische Weise zum Mitklatschen und Mitsingen zu bewegen - wer da nicht mitmachte, bekam schon fast ein schlechtes Gewissen. Ihre THE-GATHERING-Vergangenheit wird ANNEKE VAN GIERSBERGEN hingegen wohl nie völlig ablegen können, so dass ein großer Teil der Fans mit Klassikern der Kategorie "Saturnine" oder "Strange Machines" vertrauter war als mit den jüngeren Solo-Aktivitäten Annekes. Dabei sprach es für das kompositorische Talent der Holländerin, wie nahtlos sich Solo-Stücke an THE-GATHERING-Tracks fügten und ein harmonisches Ganzes ergaben, das allen Anwesenden wohligste Gänsehautschauer bescherte.


17.15 (PS) IGNITE
Es gibt sicherlich nicht viele Bands, die über acht Jahre lang mit ein und derselben Platte touren können und trotzdem das Wohlwollen der Zuschauer in dem Maße genießen wie IGNITE. Somit ist das 2006er Überalbum "Our Darkest Days" auch auf der Stippvisite beim SUMMER BREEZE 2014 immer noch ihr aktuelles – den Fans ist das egal. Doch IGNITE wussten, dass ihre Anhänger langsam nach Neuem dürsten und hatten neben den alten Überfliegern wie "Let It Burn", "A Place Called Home" oder "Veteran", ohne die ein ordentliches Set der Band aus Kalifornien nicht komplett wäre, endlich auch neues Material im Gepäck. So ruhte der sonst sehr aktive Pit zu "Oh No Not Again! It's Just Another Army Marching In" für einige Minuten und der gesamte Platz lauschte andachtsvoll dem neuen Song. Auch wurde mit “Embrace“ an die Die Hard Fans gedacht und so konnte zum großen Finale "Veteran" jeder glücklich ausrasten. Fronter Zoli Teglas glänzte auch wieder mit diversen guten Ansagen, so widmete er “Fill In The Blanks“ allen anwesenden Vätern, die ihre Kinder als ihre Top-Priorität betrachten und sich auch um sie kümmern. Und auch die aktuellen Krisenherde Ukraine und Palästina blieben nicht unerwähnt. Große Band, große Show – und prominente Zaungäste am Bühnenrand; MACHINE HEAD outeten sich als große IGNITE-Fans!


17.45 (CS) GINGERPIG
Boudewjin Bonebakker (DAS ist ein Name!) hat sich leicht umorientiert. Früher, als er bei GOREFEST zockte, quälte er druckvolle Todesblei-Riffs aus seiner Klampfe. Heute fabriziert der Holländer mit GINGERPIG Hardrock mit Blues-Anleihen und ganz viel 70er-Jahre-Flair – und greift selbst zum Mikro. Mit der neuen Band geht’s also zurück zu den musikalischen Wurzeln. Das gesellt sich gut zur recht souverän rollenden Retro-Rock-Welle und somit auch zum SUMMER BREEZE. Vor dem Start hielt sich die Menschenmenge zwar noch in Grenzen, doch schon zu Beginn des Sets füllten sich die Reihen mehr und mehr. Fronter Boudewjin fragte dann auch erst mal, ob alle ihr Bier haben. So starteten GINGERPIG ihren Gig zu hochgereckten Bechern und siehe da, sogar die Sonne lugte interessiert aus der grauen Wolkendecke heraus. Auch das passte perfekt zur chilligen Musik und Performance. Dementsprechend wurde im Publikum auch nicht wild abgefeiert, sondern zufrieden genickt und lässig getanzt. Genau diesen Stiefel zogen GINGERPIG konsequent durch und dafür gabs am Ende auch vehemente „Zugabe“-Rufe.


18.15 (TS) THE AGONIST
Der Wettergott meinte es sehr gut mit den Kanadiern THE AGONIST. Denn pünktlich zu ihrem Showbeginn wurden auf einen Schlag wirklich sämtliche Schleusen geöffnet, so dass es in kürzester Zeit proppenvoll im Zelt war. Die von ihrer neuen Sängerin Vicky Psarakis gefrontete Band (ihre Vorgängerin singt mittlerweile bei ARCH ENEMY) legte sich entsprechend angestachelt direkt vom Start weg mächtig ins Zeug. Dank Senderanlagen und Funkmikro gabs keinerlei Hemmnisse für die wild kreuzenden Akteure und der Bassist wagte sich sogar mehrfach auf die im Graben stehenden Bassboxen vor. Direkte Reaktionen auf die Songs gab es anfangs aber nur bei den mit dem Material vertrauten Hardcorefans in den ersten fünf Reihen im Zentrum vor der Bühne – der Applaus zwischen den Songs wuchs aber mit jedem gespielten Song. Auf Bühnendeko in Form eines Backdrops oder ähnlichem wurde leider völlig verzichtet und auch in Sachen Ansagen zischen den Songs beschränkte sich die Band aufs Nötigste und wies nur auf ihr neues Album hin, dass Anfang November über Century Media veröffentlicht wird.


18.20 (MS) GAMMA RAY
Na das war doch mal ein Empfang für die Hanseaten. Unter tosendem Applaus und GAMMA RAY-Sprechchören enterten die Herren die Main Stage und legen mit “Avalon“ sogleich ein dickes Pfund in die Waagschale. Das war der beste Beweis, dass auch Power Metal anno 2014 richtig gut funktioniert und ein willkommener Farbtupfen inmitten des modernen Core-Reigens war. Sichtlich begeistert ob der Reaktionen, führte Kai Hansen durch ein perfekt arrangiertes Power Metal-Gewitter. So war es auch kaum verwunderlich, dass Kai Hansen namentlich vom Publikum gefeiert wurde. Angeheizt vom dankbaren Publikum zauberte man einen Kracher nach dem anderen aus der Wundertüte und fegte über “I Want Out“ (HELLOWEEN) zur einer bombastisch inszenierten “Rebellion In Dreamland“. Damit waren dann auch die letzten Reihen angeheizt und schipperten gemeinsam mit dem Quartett zu einem perfekten Festivalauftritt. GAMMA RAY waren erneut der Beweis, dass man auch mit traditionellem Heavy Metal noch immer und überall willkommen ist. Ein kurzweiliger Auftritt gespickt mit Hits des gesamten Schaffens der Band.


19.00 (CS) ANISOKAY
Die Post-Hardcore-Truppe ANNISOKAY hat seither hauptsächlich durch Miley Cyrus- und Lady Gaga- Cover auf sich aufmerksam gemacht. Nach dem Video zu „Wrecking Ball“, das mittlerweile bei 481.824 (!) Klicks angekommen ist, bekam auch ihr 2012 veröffentlichtes Debüt Album “The Lucid Dream[er]“ mehr Aufmerksamkeit. Größere Show und längere Touren war die Folge. Dabei macht die fünfköpfige Truppe aus Halle nicht unbedingt etwas Außergewöhnliches: Moshparts und Breakdowns werden mit großen Melodien versetzt. Dazu gibt es grobe Shouts von Sänger Dave Grunewald und zuckersüßen Clean-Gesang von Gitarrist Christoph Wieczorek. Was sie aber vom großen Rest der Masse abhebt, ist dass es unglaublich homogen und mitreißend präsentiert wird. Wer im Vorfeld der Show noch Zweifel hegte, war nach der halben Stunde bestimmt endgültig überzeugt. Die Band ging zudem mit viel Bewegungsdrang zu Werke und zeigte sich hervorragend aufeinander eingespielt; und auch das Publikum ging ordentlich mit. Und beim Miley Cyrus-Cover “Wrecking Ball“ sang selbst der härteste Metaler mit. Letzten Endes lässt sich die Show von ANNISOKAY auf ein Wort runterbrechen: überzeugend!


19.25 (PS) AUGUST BURNS RED
AUGUST BURNS RED haben sich seit ihrer Gründung 2003 mit einer Ochsentour nach der anderen in den Metalcore-Olymp gespielt - über 1,7 Millionen Facebook-Likes sind schon ne Ansage! Heuer waren sie also zum ersten Mal auf dem SUMMER BREEZE zu Gast. Dementsprechend groß war der Ansturm auf die Pain Stage als die Band nach einem unterhaltsamen Techno-Intro die ersten Töne des Openers "Internal Cannon" in die Menge feuerte. Was folgte waren 60 Minuten Metalcore-Meisterklasse. Technisch versiert und tight wie ein Uhrwerk folgte eine Groove-Salve auf die nächste. Dabei gönnten die Amis zum Einstieg weder sich noch dem Publikum eine Verschnaufpause. Die ersten vier Songs kamen en block und mündeten im großartigen "Back Burner" als vorläufigem Höhepunkt. Musikalisch ein Hochgenuss – menschlich unglaublich sympathisch. Sänger Jake Luhrs bedankte sich mehrfach sichtlich gerührt von dem überwältigenden Publikumszuspruch. Gekrönt wurde der regelrechte Siegeszug von AUGUST BURNS RED bei “Empire“ durch einen der lautesten Chöre, den das SUMMER BREEZE wohl je gehört hat. Ein absoluter Gänsehautmoment. Bei einem kurzen Drum-Solo durfte Drummer Matt Greiner noch sein Können unter Beweis stellen, bevor es mit "White Washed" in die Endrunde ging.


19.30 (TS) EXCREMENTORY GRINDFUCKERS
Eigentlich ist man geneigt zu glauben die Kapazität der T-Stage wird nur für die Auftritte der GRINDFUCKERS immer wieder nach oben korrigiert. Schon lange bevor der erste Ton aus der PA donnerte, war das Zelt bereits zum Bersten gefüllt und mal durfte die opulente weihnachtliche Bühnendeko bestaunen. Genau, richtig gelesen! Noch vor zwei Jahren im Strandoutfit und Gummiente in Sommerstimmung, feierte man dieses Jahr einfach Weihachten. So kamen die teils neu formierten Grindfuckers dann auch festlich gekleidet auf die Bühne. Him war Christus und Christus ein Engel. Rob hatte sich an dem Abend mit dem Weihnachtsmann begnügt. Lange Rede, kurzer Sinn, die Grindfuckers sind zurück und drückten zu Beginn im Gestöber zweier “Schneekanonen“ ein Medley aus “Last Christmas“, “Fröhliche Weihnacht“ und “Klinglöckchen“ ins Rund. Danach gab es “Schnaps“! „Ihr seid so ruhig, das ist doch nicht Wacken hier, oder was?“ kokettierte Sänger Him und verursachtef damit die totale Party-Eskalation. Das ohnehin schon prall gefüllte Zelt war komplett in der Hand der Band, und sogar das angrenzende Außenfeld wurde annektierte und selbst dort die Luft zum Brennen brachte. Die Grindfuckers sind und bleiben die Mutter des Spasses auf jedem Festival und markierten einen Höhepunkt des Freitages. Selbst nach dem abschließenden “Final Grinddown/Picknick“ ließen sich die Massen nicht beruhigen. Sänger Him nutze die Gelegenheit und liess sich nach dem Set nochmal über die feiernde Menge tragen. Die Grindfuckers haben sich einmal mehr den Titel “Headliner der Herzen“ verdient.


20.15 (CS) CYRCUS
Auf der Pain Stage bolzten gerade noch AUGUST BURNS RED, als die Genre-Brüder CYRCUS die Camel Stage enterten. Zu diesem Zeitpunkt war den Rheinländern noch nicht bewusst, welche Abrisswirkung ihr Auftritt erzielen sollte. Metalcore ist natürlich dafür bekannt, das Publikum ordentlich in Bewegung zu versetzen, doch die sukzessive Stimmungssteigerung war schon enorm. Los ging es mit einer übersichtlichen Menge an Zuschauern. Weiter ging es mit einem Mini-Moshpit, in dem sich ein paar Verzweifelte schubsten. Dann gings plötzlich Schlag auf Schlag: Erst schwangen sich überraschenderweise ein paar Crowdsurfer über die Köpfe, dann setzten sich einige Leute auf die Schultern anderer, mit einem Mal begann eine Polonaise, die ihren Radius immens vergrößerte, bis daraus ein waschechter Circlepit wurde, der sich zu einer Wall of Death entwickelte. Ähm, ist das tatsächlich noch die Camel Stage? Fronter Jan konnte es selbst kaum glauben und ging sogar auf die Knie, um soviel Huldigung zu huldigen. Metalcore kann ja so harmonisch sein. Musikalisch überzeugten CYRCUS durch gut miteinander verwobene Standards, das heißt: Melodien, Breakdowns, thrashiges Riffing und eingängige Refrains. Das alles mit cleaner Stimme und Gebrüll vorgetragen. Als Dankeschön wurden noch zwei EPs in die Menge geworfen. Lediglich die aufgrund des sich spontan ausweitenden Pits hoffentlich nur leicht verletzte Zuschauerin trübte das Gesamtbild etwas, insgesamt haben CYRCUS aber, anders kann man es nicht sagen, heftig abgeräumt – und das auf der kleinsten Bühne des Festivals.


20.30 (MS) CARCASS
Death Metal braucht keine Opulenz. Und wenn CARCASS nach gut 20 Jahren wieder live an den Seziertisch laden, sprechen nur messerscharfe Riffs und geniales Songwriting. Da braucht es keine ausladenden Bühnenaufbauten, Masken, Schminke, Kostüme oder nachterhellende Pyrowände; drei Backdrops im Bühnenhintergrund waren fast schon alles, was die Band neben der Musik aufgefahren hat. CARCASS sind zurück und haben nichts von ihrer musikalischen Genialität eingebüßt oder gar verloren – allein der spezielle englische Humor ist vielleicht noch schwärzer geworden. Flankiert von zwei dezenten Projektionswänden, thronten Bill Steer und Jeff Walker über dem Schaffen der Band, die den Death Metal nachhaltig geprägt und revolutioniert hat. Gänsehaut ist bereits beim Opener angesagt. Mit “Buried Dream“ war klar, dass Steer keine Mühe haben würde, das SUMMER BREEZE zu erobern. Selbst jüngere Zeitgenossen, die bei der Erstveröffentlichung des Songmaterials teilweise noch nicht einmal in fester Form vorhanden waren, unterstützen die Briten bei den alten Klassikern textsicher. Die Setlist selbst war eine Zeitreise durchs Schaffen der Combo, wobei ein leichter Schwerpunkt auf den aktuellen Longplayer "Surgical Steel” gesetzt wurde. Gekrönt wurde dieser Abend von Steers pointierten Ansagen, und auch bei seinem Shirt lohnt sich das genauere Hinsehen, der Mann hat ein Auge fürs Detail! Einen finalen Höhepunkt fand das Death Metal-Urgewitter dann mit dem Übersong “Heartwork“, der vom Publikum entsprechend abgefeiert wurde. Good to be back! Diese Reunion verdient das Prädikat “Besonders wertvoll“.


20.45 (TS) MAROON
Nach den vielen Highlights des bisherigen Festivals gibt es leider schlechte Nachrichten aus dem Hause MAROON zu verzeichnen: Im Vorfeld wurde bekanntgegeben, dass ihr Auftritt auf dem diesjährigen SUMMER BREEZE der letzte der 16-jährigen Bandgeschichte innerhalb Europas sein wird. Umso größer war die Fanschar, die “das Sterben dieser alten Lady“ miterleben wollte und MAROON bis zur letzten Minute gefeiert hat, als gäbe es kein Morgen mehr. Wer einen Rundumschlag von den Werken “Antagonist“ bis “Order“ erwartet hatte, wurde zwar enttäuscht, aber in 45 Minuten hätte man ohnehin nicht allen Veröffentlichungen gerecht werden können - vielmehr bestand das Set aus Songs der vergangenen zehn Jahre. Andre und Tom werden in Zukunft mit anderen Projekten zu hören sein, aber bei Kultwalzen wie “Stay Brutal“ und “The Worlds Havok“ wurde unmissverständlich klar, dass da eine Lücke zurückbleiben wird, die kaum eine andere Band und kein anderer Hüftschwung füllen kann! Und Ansagen wie “Ich möchte, dass Ihr Euch jetzt ins Gesicht tretet!“ hört man ja sonst auch nicht alle Tage. Mit “Wake Up In Hell“ verabschiedete sich die Band fulminant. Reunion 2018 auf dem SUMMER BREEZE?! Dafür!


21.30 (CS) MOTORJESUS
Es schien einen Haufen Leute zu geben, denen CARCASS wumpe, MAROONs Abschieds-Show egal und HYPOCRISY völlig gleich waren. Unglaublich, wie voll der Platz vor der Camel Stage war, als MOTORJESUS in die ersten Riffs von “Motor Discipline“ einstiegen! Die grundehrliche Einstellung und der Dicke-Eier-Rock vom ersten und bis dato letzten Auftritt der Gladbacher vor drei Jahren muss sich wohl herumgesprochen haben. Frontröhre Chris Birx war selbst vom immensen Zuspruch überrascht, was ihn und seine Begleitband jedoch nicht aus dem Konzept brachte. Eine halbe Stunde lang brieten MOTORJESUS bollernden Rotzrock mit Attitude über den Äther und vergaßen dabei nicht, auch zwischendurch für Spaß zu sorgen. Die Nummer mit dem ins Publikum geworfenen Dosenbier aus der Aldi-Tüte hat er zwar 2011 schon gebracht, trotzdem kam das überaus gut an. Der Mann weiß, wie man sich Freunde macht. Mit vorrangig von den letzten zwei Alben gespielten Songs und dem Bud Spencer, Terrence Hill und Bruce Lee gewidmeten „Fist Of The Dragon“ haben MOTORJESUS an diesem Abend sicherlich auch einige neue Fans hinzugewonnen.


21.50 (PS) HYPOCRISY
HYPOCRISY ist eine jener Bands, die man gefühlt mehrmals pro Jahr erleben kann, ohne jegliche Anzeichen von Langeweile dabei zu verspüren. Eine Meinung, die anscheinend viele auf dem SUMMER BREEZE teilten, denn schon in der Umbaupause versammelte sich eine ordentliche Anzahl an Zuschauern vor der Pain Stage. Pünktlich zum Beginn war es zappenduster in Dinkelsbühl und das HYPOCRISY-Logo zeichnete sich im blauen Nebel auf der Bühne ab; optimale Voraussetzungen für einen atmosphärischen Auftritt. Mit “End Of Disclosure“ eröffneten die Schweden dann auch mächtig und fanden ein Meer von Headbangern vor sich wieder, ehe bei “Valley Of The Damned“ der Pit losbrach. Nach diesem Doppelschlag wurde mit “Fractured Millenium“ die erste altgediente Hymne abgefeuert. Überhaupt lieferten Herr Tätgren und Co. eine wahrlich schmackhafte Mischung aus alten Großtaten und den dazu entsprechenden Pendants aus der Neuzeit ab. Ob “Fire In The Sky“ oder “The Eye“, hier wurde alles in Grund und Boden gefeiert. Die Stimmung befand sich bereits nach kürzester Zeit gefährlich nahe am Maximum. Auf Platte schon gnadenlos geil, zeigten die melodischen Death Metal-Granaten gerade auf großer Bühne und unter freiem Himmel ihr wahres Potential. Auch immer wieder grandios: Das ungestüme “Warpath“, bei dem der Pit nochmal so richtig Fahrt aufnahm. Peter heimste mit seinen Ansagen und Bier in der Hand ein ums andere Mal lauten Jubel und Sympathiepunkte ein. Von tiefen Augenringen gekennzeichnet, feuerte er bestens gelaunt das Publikum unerbittlich zu immer größeren Euphorieleistungen an. Hier und heute zeigte sich, dass es nicht immer die opulente Bühnenshow benötigt, um einen Abriss an Auftritt hinzulegen, sondern manchmal reichen schlicht und ergreifend gute Songs und sympathische Musiker mit Spielfreude aus. Den Abschluss besorgte schließlich “Roswell 47“, nach welchem HYPOCRISY die Bühne unter lauten Zugaberufen verließen.


22.00 (TS) AHAB
Minutenlanges Meeresrauschen leitete die Show der freudig erwarteten Funeral Doom-Helden ein, bevor das Schiff dann pünktlich um 22 Uhr für seine 45minütige Fahrt ablegte. Im Bühnenhintergrund prangte das Bandlogo und die Backline wurde links und rechts von je einem mannshohen Aufsteller mit Ankermotiv flankiert. “The Divinity Of Oceans“ eröffnete das Konzert programmatisch und trotz des extremen Kontrasts zu den davor extrem zerstörerisch agierenden MAROON war das Zelt schnell in der hynotisch-magischen Atmosphäre AHABs versunken. Die Stimmung changierte zwischen ruhig-melancholischem Dümpeln bis hin zu brachialen Brechern in aufgewühlter See und die Band spielte sich mehr und mehr in einen Rausch. Extremen Bewegungsdrang verspürte keiner der Musiker, das hätte aber auch nicht ins stoisch-leidenschaftliche Bild gepasst. Mit der OMEGA MASSIF-Coverversion “Wölfe“ unterstrichen AHAB lautstark ihr Bedauern über die Absage und Auflösung der Kollegen bevor sie mit “The Hunt“ zum Schluss kamen.


22.45 (CS) THE IDIOTS
Ein Teil der Geschichte des deutschen Punks war zu Gast auf der Bühne des SUMMER BREEZE – genau genommen eine der großen Legenden der Deutschpunk-Szene. Schafft die Kamele zur Seite, hier kommen THE IDIOTS. Wenig idiotisch war die Entscheidung der Festivalveranstalter, die Kulttruppe um Frontmann Sir Hannes ins Billing zu holen. Zwar gibt es durchaus angenehmere Slots als einen parallelen Auftritt zu MACHINE HEAD, doch wer so lange dabei ist, hat auch ein beachtliches Gefolge. Der Platz vor der Bühne war entsprechend gut gefüllt, als THE IDIOTS mit “Der S04 und der BVB“ in ihr zehn Songs umfassende Set starteten. Bei “Selbstmord“ gesellte sich Hannes mit freiem Oberkörper an die Absperrung und grölte äußerst präsent und laut bei den Fans in den vorderen Reihen – Hautkontakt und Speichelregen inklusive. Eine THE IDIOTS-Show ist also spürbar... und schmeckt auch ordentlich, denn zu “Tage ohne Alkohol“ wurde von einer barbusigen und zugleich maskierten Dame Dosenbier verteilt. Die Leute haben gemosht, der Gitarrist ist beim Solo komplett ausgeflippt und ekstatisch umhergehüpft und der Schreihals am Mikro gab sich so einigen Körperzuckungen hin. Eine Nummer wie “Emmy oh Emmy“ fiel rhythmisch aus dem Rahmen, während “E.D.E.K.A.“ den “Stumpf ist Trumpf“-Preis absahnte. MACHINE HEAD-Kontrastprogramm-Aufgabe souverän gemeistert!


22.55 (MS) MACHINE HEAD
Im letzten Jahr hat das SUMMER BREEZE mit IN FLAMES schon einen großen Wurf in Sachen Headliner gelandet, dieses Jahr zog man mit MACHINE HEAD eine noch größere Nummer aus dem Hut. Sowohl die Vorfreude als auch die Erwartungshaltung waren also immens groß und ohne in die totale Lobhudelei zu verfallen: keines von beiden wurde enttäuscht. Schon der Bühnenaufbau mit dem Bandlogo allenthalben auf Backdrop, Fahnen hier und da und riesigen MH-Gitarrenboxen-Türmen rechts und links versprach viel und ließ den Platz vor der Main Stage bereits Minuten vor dem Start “Machine-Fuckin‘-Head“ im Chor skandieren. Pünktlich zur anvisierten Uhrzeit erklang das Intro zu “Imperium“ und was dann folgte, spiegelte nur zu gut wieder, wieso MACHINE HEAD aktuell einer der besten und wichtigsten Acts im Metal ist. Von Beginn an hatten die Bay-Area-Thrasher die Fans absolut im Griff und ließen im Pit ständig den Punk abgehen. Ein derartiges Rumgeschiebe und –gehüpfe konnten auf dem SUMMER BREEZE bisher allenfalls Kapellen wie LAMB OF GOD, HATEBREED oder natürlich HEAVEN SHALL BURN überbieten. Dabei kam es nicht einmal auf aufwändiges Stage-Acting oder tonnenweise Pyros an: weder Robb Flynn noch Phil Demmel noch der dieses Jahr neu hinzugekommene Basser Jared MacEachern mussten allzu oft ihren Bewegungsradius ändern, um den Platz zum Ausrasten zu bringen. Was nicht bedeutet, dass die drei Herren Gas gaben, als gäbe es kein Morgen. Zu Dave McClains präzise hämmerndem Drumming sowie der sorgsam inszenierten Lichtshow, die vor allem Flynn und Demmel bei Solo-Ausflügen ins rechte Rampenlicht rückte, besorgte den Rest die exquisite Setlist und eine vollkommen ton- und treffsichere Band. Selbst der zwischendurch einsetzende Regen (bei “ The Blood, The Sweat, The Tears“ öffneten sich kurzzeitig alle Schleusen) tat der Feierlaune keinen Abbruch. Neben all dem Spaß blieb auch noch Zeit für bedächtige Momente: vor “Darkness Within“ setzte Flynn zu einer kleineren Ansprache über den Zusammenhalt und die Freiheit im Heavy Metal an und “Aesthetics Of Hate“ widmete der Fronter Dimebag Darrell. Highlight des Gigs, wenn nicht sogar eines der Highlights des diesjährigen Festivals, war das IGNITE-Medley aus “Darkest Days“ und “Bleeding“, für das eigens IGNITE-Sänger Zoltán Téglás auf die Bühne kam. Mit “Old“ feierte man das 20-jährige Jubiläum von „Burn My Eyes“ und “Halo“ ließ schlussendlich die Hauptbühne in einem Meer aus Konfettiregen und Kunstnebel untergehen. Falls es überhaupt etwas zu bemängeln gäbe, so ist es die fehlende Zugabe: nach genau eineinhalb Stunden war Schluss. Trotzdem bleibt nur eines festzustellen. Machine-Fuckin‘-Head: un-fuckin‘-fassbar gut.


23.15 (TS) DIE KASSIERER
Es gibt nur wenige Dinge, auf die man sich immer verlassen kann, aber Wolfgang “Wölfi" Wendland und DIE KASSIERER haben die Fans, die sich für sie und damit an diesem Abend auch gegen MACHINE HEAD, welche zeitgleich auf der Mainstage gespielt haben, nicht enttäuscht. Während der wohl gefeiertste Nackedei zum “Physikalischen Intro“ noch bekleidet auf die Bühne kam, wurde es vor eben dieser richtig gemütlich. Die Anwesenden konnten es gar nicht erwarten, den Sänger entblößt zu sehen und die Band und ihre doch stark polarisierenden Songs abzufeiern. Begrüßt wurde das Publikum mit: “Ihr könnt euch alle ausziehen, das Zelt ist beheizt!“ und schon zum dritten Song fielen kurzzeitig die Hüllen – sowohl auf der Bühne, als auch davor. Ein weiteres Mal stellte die Gruppe ihre Live-Qualitäten unter Beweis und die komplette Stunde war ein gegröhltes und belustigtes seliges Miteinander, bei dem die obligatorischen Zwischenansprachen sowie ein Best-Of-Querschnitt durchs Schaffen der KASSIERER nicht fehlen durften.


00.15 (CS) HIS STATUE FALLS
Im Anschluss an die KASSIERER konnte man sich auf der benachbarten Camel Stage das komplette Kontrastprogramm zum Punk im Rahmen elektronischer Klänge servieren lassen. Das Saarländer Quintett von HIS STATUE FALLS gesellt sich in die Riege der Post Hardcore- und Tech Core-Ecke und lieferte an diesem Abend eine gelungene Mischung aus eingängigen Elektroklängen und tanzbaren Rhythmen. Nach und nach füllten sich die Ränge – besonders nach Ende des MACHINE HEAD-Gigs blieben viele der vorbeilaufenden Festivalbesucher zunächst nur interessiert und dann oft auch schnell begeistert bei den Tönen der jungen Garde hängen. Mit dem starken Split am Mikro und Sample-, Keyboard- und Synthie-Einlagen konnten die Zuschauer sogar zu einer kleinen Wall of Death animiert werden. Last but not least legten HIS STATUE FALLS mit “What We Had Is Gone” die härteste Nummer ans Ende ihres Sets und setzten damit alles daran, die kurzweilige Show mit einem Knall zu beenden, was ihnen auch sehr gut gelungen ist!


00.30 (PS) DEVIN TOWNSEND PROJECT
Schon während des MACHINE-HEAD-Gigs flimmerte eine skurril anmutende Dia-Show über den Beamer auf die im Hintergrund der Pain Stage aufgespannte Leinwand. Die muntere Photoshop-Parade zeigte Devin Townsends Kopf im Kontext verschiedenster Motive mit Anspielungen auf die Pop-Kultur, beispielsweise als "Djent Djedi" oder Jabba the Hutt im "Star Wars"-Universum. Als der Kanadier dann endlich persönlich die Bühne enterte, stimmte er das Publikum zunächst mit einer kleinen Rede auf die bevorstehende Show und insbesondere seinen unkonventionellen Sinn für Humor ein. Mit "Seventh Wave" setzte das DEVIN TOWNSEND PROJECT dann eine ultrafette Soundwalze in Bewegung, die von Anfang bis Ende erbarmungslos alles niederwalzte. Egal ob ursprünglich als unter dem Namen DEVIN TOWNSEND, DEVIN TOWNSEND BAND oder jüngst DEVIN TOWNSEND PROJECT veröffentlicht, der musikalische Tausendsassa verfügte über ein breites Repertoire an Stücken, die technischen Anspruch mit eingängigen Melodien und einem fetten Groove kombiniert und ein wahres Fest für Freunde anspruchsvoller Prog-Kompositionen darstellten. Zwischendurch zog er dann viele liebgewonnene Rockstar-Klischees durch den Kakao und ließ bei aller Genialität immer wieder jene Extraportion Wahnsinn durchblicken, auf der sich sein Ruf als verrückter Professor der Prog-Welt begründet. Seine außerirdische Handpuppe Ziltoid kam dieses Mal nicht zum Einsatz, dafür bat Devin gleich mehrfach einen ungleich hübscheren und sympathischeren Gast zu sich auf die Bühne: Die wundervolle Anneke van Giersbergen unterstützte viele der Stücke mit ihrem Gesang. Beim Refrain von "Numbered" stimmten die Zuschauer lautstark mit ein und sorgte damit für einen echten Gänsehaut-Moment. Einzigartig waren auch die launigen Sprüche in Richtung der rotgekleideten Security-Leute im Bühnengraben, die Devin Townsend am Ende sogar erfolgreich zu einer kurzen Tanzeinlage animierte. Mit dem Übersong „Grace“ beendeten sie ihr reguläres Set. Und der sympathische Querkopf musste sich dann auch nicht lange um eine Zugabe bitten lassen und setzte mit dem bluesig angehauchten "Bad Devil" den perfekten Schlusspunkt unter eine abgedrehte Prog-Show der Extraklasse.


00.45 (TS) INSOMNIUM
INSOMNIUM sind wie guter Wein, je älter desto besser! Bester Beweis ist ihr unlängst veröffentlichtes Album “Shadows Of A Dying Sun“. Wie schon vor zwei Jahren grüßten die Vier von der Bühne im Zelt, diesmal jedoch als vorletzte Band des Abends. Und die Finnen wurden der Position gerecht: “The Primeval Dark“ eröffnete einen gelungenen Auftritt, bei dem sich die Gitarristen in Posen warfen, als wenn es kein morgen gäbe. Bassist und Sänger Niilo hingegen spielte sich nicht nur in die Herzen der Fans, sondern redete sich auch mittels kurzen, zugegebenermaßen lustig artikulierten, Ansagen auf Deutsch in diese. Mit “Only One Who Waits“, bei dem zwischenzeitlich leider beide Gitarren streikten, wurde zum vorletzten Album zurückgegangen. Nach anfänglicher Verunsicherung und dem Versuch, die Panne mit Humor zu nehmen, öffneten die Finnen mit wiedererstarkter Gitarrenfront durch “Down With The Sun“ und “Ephemeral“ die dunkel-melancholische Hitkiste. Das Wechselspiel zwischen groovenden, nach vorne preschenden Parts und hochmelodischen Refrains funktionierte bestens. Die Leute gingen steil und strapazierten ihre reichlich geölten Stimmbänder beim abschließenden “One For Sorrow“ bis auf’s Letzte.


01.45 (CS) LAY DOWN ROTTEN
Wer auf dem Weg von der fantastischen und facettenreichen DEVIN TOWNSEND-Show auf der Pain Stage zu seinem leise rufenden Schlafsack zufällig an der Camel Stage vorbei gekommen sein sollte, würde wohl jäh aus seinen Träumen gerissen. Zur späten Stunde zündete das Bombenverschärfungs-Kommando aus Herborn noch gnadenlos ihre Death Metal-Geschosse. Und wohl wegen der fiesen Kälte gingen die beachtlich zahlreich erschienenen Fans auch direkt dazu über sich vehement zu bewegen – sowas erzeugt ja schließlich Wärme! Extrem tight und effektiv bolzten die Jungs ihre Songs in die Meute und was beim ersten Eindruck “nur“ nach fiesem Geknüppel klang, erwies sich beim genaueren Hinhören als kompositorisch vielschichtiges Material. Die Band ging dabei auch immer wieder vom Hochgeschwindigkeitspedal um mit smart gesetzten Groove-Einschüben zu punkten. Der bullige Fronter Jost Kleinert verschwendete kaum Zeit mit Ansagen und führte seine Mitstreiter souverän durch die halbe Stunde bevor dann auch auf der Camel Stage das Licht ausging.


02.15 (TS) EINHERJER
Den superben Sound haben EINHERJER von INSOMIUM vererbt bekommen, die riesige Fanschar dagegen leider nicht. Nach den finnischen Melodic Deathern leerte sich das Zelt merklich, hinterließ aber noch eine gute Anzahl an Fans, die dem Viking Black Metal entgegenfieberten – immerhin kam Schwarzmetall an diesem Freitag auf allen Bühnen reichlich kurz. Entfesselte Raserei gab es ab dem Medley aus “Crimson Rain“ und “Ironbound“ jedoch nicht zu bezeugen, denn EINHERJER favorisierten eindeutig die entspanntere Gangart aus getragenem, folkloristischem Black Metal mit gelegentlichen atmosphärischen Einschüben aus der Konserve. Die Songauswahl beleuchtete das gesamte Schaffen der Band von früh bis spät, lediglich das aktuelle Album “Norrøn“ war mit gleich zwei dargebotenen Stücken vertreten. Augenscheinlich war dies die richtige Wahl zumindest beim harten Kern in der Mitte, der unablässig die Fäuste gen Zeltdach reckte. Zur späten Stunde merkte man den Anwesenden aber die Erschöpfung deutlich an und mit “Norrøn Kraft“ entließen EINHERJER das Publikum fünf Minuten früher in die nasskalte Nacht.


SAMSTAG, 16.08.2014

12.00 (PS) UNDERTOW
Den letzten Tag durften mit UNDERTOW ein paar alte Bekannte eröffnen. Nach heftigen Schauern am Morgen ließ es sich die Sonne pünktlich zum Showbeginn nicht nehmen, in die musikalisch eher düstere Doomcore-Show hineinzuschnuppern. Die Besucher hingegen wagten sich nur langsam aus ihren Zelten, doch im Laufe des Gigs gelang es den Schwaben immer mehr Leute vor die Pain Stage zu locken. Dort bekamen sie eine gewohnt engagierte Show zu sehen, die vor allem Stücke der letzten beiden Studioalben beinhaltete. Dabei hatten UNDERTOW seit der Hinzunahme eines zweiten Gitarristen Ende 2012 merklich an Durchschlagkraft gewonnen und ihren ohnehin schon fetten Sound um eine zusätzliche Dimension bereichert. Beim dritten Lied tauchten dann plötzlich technische Probleme auf, die dazu führten, dass Frontmann Joschi einen neuen Verstärker verpasst bekam. Nach entsprechenden Aufforderungen des Publikums überbrückten Drummer Oliver Rieger und Joschis Gitarren-Kollege Markus Brand die entstehende Pause mit einer kurzen Solo-Einlage. Von diesen Widrigkeiten ließen sich die Musiker aber nicht beirren und setzten ihr Programm nur umso engagierter fort. Gegen Ende wurde der sonst mit seinen launigen Ansagen in breitem Schwäbisch für Stimmung sorgende Joschi plötzlich ernst, als er verkündete, dass man das folgende "Canvas Ghosts" dem im letzten Jahr verstorbenen SUMMER BREEZE-Mitveranstalter Michael "T" Trengert widmen wolle. Da konnte dann auch der Himmel nicht mehr an sich halten und ließ einige dicke Regentropfen auf das Festivalgelände herabfallen. Rest in peace, T!


12.50 (MS) IWRESTLEDABEARONCE
Mit 20 minütiger Verspätung eröffneten IWRESTLEDABEARONCE mit dem „The Final Countdown“-Theme die Spiele auf der Mainstage am letzten Festivaltag. Trotz der frühen Uhrzeit hatte sich eine große Schar Zuschauer vor der Bühne versammelt um Courtney und Konsorten zu bejubeln. Was danach folgte, war das bandtypische kontrollierte Chaos mit exzessiven Breakdowns, elektronischen Passagen, brachialen Riffs, wüsten Deathcore-Parts und chaotisch platzierten melodischen Stilmitteln, die die Menge zum Toben brachten. Da kann man mit Fug und Recht von einer musikalische Achterbahnfahrt sprechen. Die Setlist der sympathischen und trotz der lästigen Verzögerung gut aufgelegten Besatzung war dann folgerichtig nur knapp 30 Minuten lang. Und dank kurzweiliger Songs wie “Tastes Like Kevin Bacon“, “Boat Paddle“ und “Firebees“ erschien die ohnehin knappe Spielzeit sogar noch kürzer, aber IWRESTLEDABEARONCE haben ihr Bestes gegeben, um die Fans trotzdem hinreichend zu begeistern und waren ein einzigartiges Erlebnis!


13.40 (PS) KAMPFAR
Seit Mitte der Neunziger pflanzen KAMPFAR durch ihr ganz eigenes Verständnis von Black Metal nordische Wälder in die Gehörgänge der Lauschenden. Die Herkunft klingt jederzeit durch, und doch spielen die Norweger aufgrund des Pagan-Einschlags ein wenig neben der traditionellen Schwarzmetall-Welle. Nach einem ausdauernden Intro begann die Truppe um Fronter Dolk mit einem Stück vom aktuellen Album “Djevelmakt“ – man kann als norwegische Black Metal-Band wohl kaum besser in ein Set starten als mit dem Wort “Helvete“. Die Bühne war auffällig beflaggt und behangen und die Farbe Rot schien omnipräsent; selbst der Mikroständer war entsprechend gefärbt. Scheinbar hatten so einige Lust auf harsche Klänge am frühen Nachmittag und so kamen etliche um dem charismatischen Bandleader zuzuhören. Die Sonne brannte zwar wieder, das tat der düsteren, von nordischer Mythologie geprägten, Mucke aber nicht weh. “I want to see some fucking horns“, und das Publikum gehorchte brav. Die Stücke entluden sich überwiegend im Midtempo-Bereich, da das Schlagzeugspiel aber stets variierte, ließ sich zum dargebotenen Material prächtig headbangen. Dolk hatte richtig Lust, war viel unterwegs, animierte, bedankte sich für den Support und zollte den Zuschauern aufgrund der immer wieder auftretenden Regenschauer seinen Respekt. Ein ewiges Highlight ist natürlich der Song “Ravenheart“, der als vorletztes gespielt und entsprechend angenommen wurde. Was bei einer KAMPFAR-Show auch nicht fehlen darf: der freie Oberkörper des Sängers, der zum letzten Stück jedoch von einer schwarzen Kapuzenkutte umhüllt war. Dolk zeichnete reichlich umgedrehte Kreuze in die Luft und so endete eine erhabene Show, die bei Dunkelheit sicher noch besser gewirkt hätte.


13.40 (PS) TEXAS IN JULY
Nach der amtlichen Vollbedienung durch AUGUST BURNS RED am Freitag, wartet am Samstag Mittag schon das nächste Schmankerl für alle Freunde des technischen Metalcore: TEXAS IN JULY. Die Amis sind dem Geheimtipp-Status über die letzten Jahren entwachsen und wurden von einer ansehnlichen Menge frenetisch begrüßt. Die kurze Ansage von Sänger J.T Cavey mit "Open up the Pit" genügte und ab ging die Post. Die Band exerzierte die ganze Palette der Animierspiele durch: Feuerzeuge in die Höhe, Mitklatschen, Faust in die Luft, Wall Of Death und mindestens ein Circle Pit pro Song. Das Energielevel blieb durchgängig hoch und auch die Band zeigte trotz des letzten Tourtages einer fünfwöchigen Europa-Tour keinerlei Ermüdungserscheinungen. Besonders der Bassist wirbelt unermüdlich und ohne den kleinsten spielerischen Schnitzer über die Bühne – und das bei dem hochtechnischen Songmaterial. Alles in Allem eine verdammt gute Show, von verdammt guten Musikern. Einziges Manko: die übersteuerte und ganz fies getriggerte Bassdrum, die mit der Zeit die Nerven doch arg strapazierte.


14.30 (MS) THYRFING
Ein klein wenig überraschend war es schon, dass man die Schweden von der Main aus beobachten durfte. Um es gleich vorwegzunehmen: vermutlich erzielt das Songmaterial noch mehr Wirkung, wenn die Bühne etwas kleiner und Band und Publikum etwas näher beisammen sind, aber dennoch hat der Auftritt bewiesen, dass THYRFING auch auf der Hauptbühne richtig gut funktionieren. Leder, Ketten, Kunstblut und schwarze Farbe ließen die Band wie Krieger erscheinen. Spätestens jetzt hätte sich der Sonnenball hinter eine dicke Wolke verziehen sollen, doch die Helligkeit blieb. So oder so entfachten Fronter Jens Rydén und seine musizierenden Kumpanen ein acht Songs umfassendes, schwarz angehauchtes Midtempo-Feuerwerk aus schweren Riffs, Viking und Pagan Metal-Atmosphäre. Im Hintergrund liefen die entsprechenden Samples, die auch auf Platte dafür sorgen, dass die Musik von THYRFING diesen ganz eigenen Charakter erhält. Rydén poste sowohl für die Zuschauer als auch für die Fotografen und verwendete das am Drumkit stehende Wasser standesgemäß nur zum Befeuchten der Haare – zum Trinken war ja schließlich Bier da. Eine energische Darbietung, die so anfixte, dass auch in den hinteren Reihen brav beim “Hey, hey, hey“-Spielchen mitgemacht wurde.


15.15 (CS) TRACEY ATE A BUG
TRACY ATE A BUG bewiesen mit ihrem Auftritt, wie gut ihre Mischung aus einprägsamen Refrains, wuchtigen Metalcore-Riffs und nicht zuletzt "Cookiebreed" funktionieren kann. Zwar ist die Band bisher hauptsächlich durch ihren auf YouTube äußerst erfolgreichen Sänger Andy (wer sich weiter oben gefragt hat, was "Cookiebreed" ist – so heißt sein You Tube-Channel) und dessen kurzzeitige Aushilfe bei WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER bekannt, doch auch ihre Show zeigte Potential, welches mit Sicherheit auch neue Fans erschließen konnte. Ein weiteres großes Aushängeschild ist die Wandlungsfähigkeit der Herren, welche durch die Songauswahl wirklich gut rüberkam: Von Screamo bis Deathcore oder gar Post-Hardcore war alles zu vernehmen und vor Allem bei den bekannten Abrissbirnen wie "Song Z" und "Mr. Right & Steve" geriet die Menge, deren ersten Reihen jede der Textzeilen offenbar auswendig konnte, ordentlich ins Wanken.


15.20 (PS) BRAINSTORM
Nach PRIMAL FEAR und GAMMA RAY am Vortag durfte nun eine weitere herausragende Power Metal-Band auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Und tatsächlich ließen sich Parallelen zwischen den Formationen feststellen. Auch BRAINSTORM lieferten eine herausragende Show ab und animierten das Publikum gekonnt dazu, sie nach allen Regeln der Kunst abzufeiern. Sänger Andy B. Franck sprintete nicht nur auf der Bühne hin und her, sondern sprang auch mehrfach in den Graben, um mit den Fans auf Tuchfühlung zu gehen. Bei "Shiva's Tears" ließ er sich gar von einem der Zuschauer seinen Job streitig machen und fand hinterher höchst anerkennende Worte zu dessen Gesangsleistung. Der Rest der Band zeigte sich nicht ganz so bewegungsfreudig, glänzte aber mit einem extratighten Zusammenspiel. Obwohl Andy B. Franck nicht müde wurde, Werbung für das neue Album "Firesoul" ("...das ihr natürlich alle habt!") zu machen, kam von diesem neben dem Titeltrack nur der Opener "Erased By The Dark" zum Einsatz. Der Rest bestand aus Klassikern, die entsprechend bejubelt wurden. Kein Wunder also, dass der Publikums-Chor beim abschließenden Mega-Ohrwurm "All Those Words" schier gar nicht mehr verebben wollte.


15.45.00 (TS) IMPERIUM DEKADENZ
Nachdem schon KAMPFAR und THYRFING für Schwärze auf dem SUMMER BREEZE sorgten, schickten sich IMPERIUM DEKADENZ an, das rußige Nachmittagstrio zu komplettieren. Schon vor dem Gig präsentierten sich die Bandmitglieder als eingeschworene Einheit, und genau diesen Zusammenhalt hörte man dann auch bis in die letzte Zeltecke. Sechs Songs wurden dargeboten, gleich drei davon vom aktuellen Album “Meadows Of Nostalgia“. Los ging es aber mit “Der Dolch im Gewande“, der auch gleich bewies, dass die Nummern der Schwarzwälder sowohl zum Rotieren der Haare als auch zum Schwelgen perfekt sind. Reine Blast-Gewitter hört man woanders, die Stücke sind allesamt voller Epik und mit einem beachtlichen Hymnencharakter versehen. Leidenschaftlicher, aufs Wesentliche reduzierter Black Metal eben, der sich auf ausladenden Songstrukturen entfaltet. Das kam auf der T Stage ausgiebig zur Geltung und animierte einen Anhänger sogar zum mehrfachen Crowdsurfen – das sehen IMPERIUM DEKADENZ sicher auch nicht alle Tage. Ein extremes Plus war der umwerfend starke Sound, der die einzelnen Instrumente und den Gesang einerseits gut hörbar machte, andererseits zu einer mächtigen Einheit verschmelzen ließ. Da die Band zudem ihr zehnjähriges Jubiläum feierte, bedankte sich Frontmann Horaz vor “Striga“ noch für die Unterstützung in den vergangenen Jahren. Gern geschehen!


16.10 (MS) OBITUARY
Es ist doch ein gutes Gefühl zu sehen, wie eine Band die Bühne betritt und direkt mit den ersten Tönen gute Laune verbreitet. So geschehen und gesehen bei OBITUARY. Frei von Allüren und ohne unnötiges Bühnenspektakel starten die Jungs aus Florida in eine Reise durch ihr Schaffen, das unzählige Bands dieser Welt inspiriert hat. Was gemächlich beginnt, türmt sich mit zunehmender Spielzeit zu einer bedrohlichen Walze. Brutal, direkt und kompromisslos räumt dieses Gefährt alles aus dem Weg und fräst sich durch die Gehörgänge der zahlreichen Besucher. Hits wie “Infected“ oder “Chopped In Half“ tun ein Übriges und fegen die letzten Zweifler vom Platz. OBITUARY sind wieder da, waren gefühlt nie weg und sind auch 2014 relevant. Trotz mehrjähriger Bühnen- und Veröffentlichungsabstinenz hat der Fünfer nichts von seiner Schlagkraft eingebüßt. Man zeigte heute eindrücklich, warum man zur absoluten Speerspitze dieses Genres gehört. Trotz oder vielleicht gerade wegen seiner spärlichen Ansagen ist John Tardy einer der charismatischsten Fronter, die das Business zu bieten hat. Mit “Inked In Blood“ und “Violence“ gab es zudem noch neues Futter vom im Oktober erscheinenden neuen Album zu hören. In Summe ein bombenstarker Auftritt, der Jugenderinnerung wachwerden lässt. Bitte mehr davon!


16.30 (CS) CRIPPER
Zu und mit den Hannoveranern CRIPPER hatten sich offensichtlich ziemlich viele Menschen zum gemeinsamen Schädelabschrauben verabredet. Denn der Platz vor der Camel Stage war so gut gefüllt, dass für die, die Richtung Main Stage wollten, fast kein Durchkommen mehr war. Die Thrasher um die charismatische Frontfrau Britta Görtz, die im Übrigen den Spitznamen "Elchkuh" trägt, legten mit "New Shadow" von ihrem aktuellen Langspieler "Antagonist" gut vor und gaben mächtig Gas. Ein klasse Riff jagte das nächste und brachte schnell die Stimmung zum Kochen. Dass Görtz bei "Fire Walk With Me" Crowd-Surfen war, wohl gemerkt NICHT auf dem Rücken, freute wohl vor Allem die männlichen Zuschauer, die sie minutenlang über ihren Köpfen weiterreichten. Mit dem mitsingkompatiblen "FAQU" endet ein mehr als überzeugendes Set. CRIPPER waren deutlich mehr als nur eine kleiner Happen für zwischendurch.


17.00 (TS) ROTTING CHRIST
Beim Herkules, die Griechen ziehen ein. ROTTING CHRIST erleben mit ihrem aktuellen Album gerade den zweiten Frühling ihrer Karriere. Schon als die Band beim Intro auf die Bühne kam, blickte sie auf ein Meer aus Fäusten und Hörnern. Und obwohl die Truppe um die Gebrüder Tolis schon eine Ewigkeit im Geschäft ist, scheint ihnen die Spielfreude nicht abhandengekommen zu sein. Ungeachtet der Tatsache, dass sowohl Gitarrist, als auch Bassist erst seit diesem Jahr zum Bandgefüge gehören, präsentierte sich das Quartett ungemein souverän. Nichts hakte, alles zog an einem Strang. Der Gesang von Sakis glich wahren Schlachtrufen, die Menge folgte ihm auf’s Wort, hisste mehrmals die griechische Flagge und bejubelte jeden Song ausgiebig, egal ob neu oder alt (“The Sign Of Evil Existence“, “Transform All Suffering Into Plagues“). Sichtlich angetan von der rundum guten Stimmung, überraschten ROTTING CHRIST mit dem THOU ART LORD-Cover “Societas Satanas“, das ordentlich Old School-Spirit versprühte. Nach dem letzten Stück “Noctis Era“ kam die Band nochmals raus, um sich gebührend feiern zu lassen und holte zusätzlich ihre Freunde von SEPTICFLESH auf die Bühne, die im Anschluss die T-Stage beschallen sollten.


17.15 (TS) CALLEJON
Vor fünf Jahren war die Combo um Vordenker, Fronter und Artwork-Koryphäe BastiBasti das letzte Mal auf dem SUMMER BREEZE zu Gast. Und in der Zwischenzeit genießt die Band offensichtlich einen ganz anderen Status. BRAINSTORM durften sich vor ihnen schon über viel Publikumszuspruch freuen, bei CALLEJON war es dann aber bei hellstem Tageslicht so proppenvoll vor der Bühne, dass man meinen konnte, dass jetzt der Headliner antritt. Und es stellte sich auch sehr schnell heraus, dass das nicht nur neugierige Zaungäste oder gar überpünktliche MONO INC.-Fans waren… Nur wenige Bands konnten derart feierwillige, textsichere und lautstarke Fans vorweisen und der Mädelsfaktor war wohl auch konkurrenzlos. Los ging es passend zur Jahreszeit natürlich mit “ Sommer, Liebe, Kokain“ bevor es mit “Schwule Mädchen“ gleich auf dem zweiten Startplatz etwas von der “Man spricht Deutsch“-EP gab. Auch für die Grabensecurity war das wohl einer der turbulentesten Auftritte, denn es waren wirklich immer mindestens fünf Crowdsurfer auf der Menge. Mit „“Veni, Vidi, Vici“ gabs sogar einen brandneuen Song zu hören. Der Fronter schonte sich in keinster Weise, brüllte was die Lungenflügel hergaben und machte einiges an Strecke. Nach seiner „Bisher war alles gut, aber ich will, dass es sehr gut wird!!!“-Ansage drehte die Meute tatsächlich noch mehr auf, über 20 Crowdsurfer wanden sich über den Köpfen – inklusive eines Rollstuhlfahrers! Selbst beim Drum-Solo, feierten die Leute konstant durch! Mit dem vernichtenden Doppelschlag aus der DIE ÄRZTE-Nummer “Schrei nach Liebe“ und “Porn From Spain 2“ holten Band und Publikum nochmal alles aus sich heraus, bevor der Vorhang viel. Wahnsinn.


17.45 (CS) FJOERGYN
Wer denkt, dass Epischer Avantgarde Black Metal und Tageslicht nicht zusammenpassen, liegt falsch! Der beste Beweis dafür war der Auftritt von FJOERGYN. Denn die Jenaer schafften es auch bei Tageslicht spielend für die passende Atmosphäre zu sorgen. Angetrieben durch massig Blastbeasts, die Drummer Martin L. erstaunlich locker aus dem Handgelenk schüttelte, kam ihre "Misanthropie in E-Moll" ziemlich eindringlich rüber. Dazu brachte die Aufteilung des Gesangs zwischen Ivo R., der sich um die heiseren Screams kümmerte, und Stephan L., der ebenso keifte, aber auch den klaren Gesang übernahm, viel Abwechslung in die überlangen Songs. Pünktlich zum dunklen “Katharsis“ zogen dann auch, fast wie bestellt, dicke schwarze Wolken über die Camel Stage. Ein glücklicher Umstand, der aber gar nicht nötig gewesen wäre. Denn der Lichttechniker kämpfte auf seine Art gegen das Tageslicht an: die Nebelmaschine lief nonstop durch, als ob versucht werden sollte die Sonne mit massiven Nebelschwaden zu verdunkeln. Mit “S.I.N.“ vom aktuellen Album "Monument Ende" verabschiedeten sich FJOERGYN gewohnt sperrig, aber ebenso intensiv und wurden völlig zu Recht abgefeiert.


17.45 (CS) SEPTICFLESH
Nach ROTTING CHRIST stand mit SEPTICFLESH die zweite griechische Formation des Festivals auf dem Plan. Und diese machte genau dort weiter, wo ihre Kollegen vorher aufgehört hatten. Da die Bands musikalisch im Grunde ein und dasselbe Klientel bedienen, war die Menge schon gut aufgeheizt und begrüßte das Quartett mit in die Höhe gereckten Hörnern. Mit “Titan“ wurde kürzlich ein neues Album veröffentlicht, von dem mit “Order Of Dracul“ und “Pyramid God“ auch zwei Songs auf der Setlist vertreten waren. Nicht bedacht wurde leider die Frühphase der Band vor 2003, bevor sie sich zwischenzeitlich gar auflösten und erst 2007 wieder zueinander fanden. Zudem kamen die symphonischen Elemente der majestätisch düsteren und gleichzeitig enorm kraftvollen Songs von den jüngeren Alben leider vom Band, entfachten dafür im Zelt jedoch eine einzigartige Atmosphäre. Vor der Bühne im ordentlich gefüllten Rund schien sich eine eingeschworene Fan-Gemeinde gefunden zu haben, die Musiker und deren Kompositionen wurden auf Händen getragen, so dass es zum Ende bei “Annubis“, welches der kürzlich verstorbenen Maria Kolokouri (TRISTESSE) gewidmet wurde, sogar noch vereinzelte Crowdsurfer in den Graben trug.


18.20 (MS) TARJA
Die Finnin Tarja Turunen überraschte mit einem ungewöhnlichen Bühnenaufbau. Im Hintergrund thronte nicht der Drumriser, sondern die Keyboard-Burg, davor postierten sich der Gitarrist und die Bassistin von TARJAs Solo-Band. Jeweils ein eigenes Podest auf der linken und rechten Seite bekamen Cello und Drum-Kit. Hinter letzterem nahm kein geringerer als Mike Terrana Platz, den viele noch von seiner Zeit bei RAGE und AXEL RUDI PELL in Erinnerung gehabt haben dürften. Im Mittelpunkt stand jedoch in jeglicher Hinsicht TARJA selbst, die sich mit ihren drei englischsprachigen Solo-Alben längst als eigenständige Künstlerin etablieren konnte. Da war es nur konsequent, dass viele Fans vergeblich auf den ein oder anderen NIGHTWISH-Klassiker hofften, ihre Vergangenheit wird Tarja aber wohl niemals zur Gänze ablegen können. Immerhin gab es mit dem GARY-MOORE-Cover "Over The Hills And Far Away" doch noch einen kleinen Querverweis auf die Symphonic-Metaller. An Selbstbewusstsein mangelte es der Finnin definitiv nicht und ihr strahlender Gesichtsausdruck ließ auch den Spaß erkennen, den sie auf der Bühne hatte. Zwischendurch nahm sie dann dem Kameramann vorübergehend sein Arbeitsgerät ab und filmte selbst auf gefährlich hohen Pfennigabsätzen herumstolzierend die jubelnde Menge. Während ihre Begleitmusiker "Never Enough" in einen ausgedehnten Instrumental-Jam übergehen ließen, nutzte TARJA die kurze Atempause für einen Garderobenwechsel. Und schließlich übernahm sie sogar die volle Verantwortung für den kurzen Schauer, der zum Ende ihres Sets über dem Gelände niederging und entschuldigte sich mit einem charmanten "Sorry, that happens."


19.00 (CS) THE VERY END
Auf der Main Stage stöckelte gerade TARJA durch ihr einstündiges Programm, während die sympathischen Ruhrpott-Thrasher von THE VERY END wohl auch davon profitierten, dass der Opern-Gesang der Finnin eben nicht jedermanns Sache war und somit der ein oder andere wohl die Alternativen gecheckt hat. Trotz fiesem Wetter (kalt, nass, windig) hatten sich eine Menge Headbanger vor der Bühne eingefunden und Fronter Björn schickte die auch schnell an die Arbeit: “Der nächste Song handelt vom Vorteil von Nackenmassagen – denn Ihr dürft ja nicht auskühlen bei dem Wetter!“. Es ist immer wieder eine Freude der Band bei der Arbeit zuzusehen, denn da trifft jede Menge Erfahrung auf Virtuosität und Leidenschaft – ganz zu schweigen vom erstklassigen Songmaterial. Nach einer gefühlt viel zu kurzen halben Stunde verabschiedete sich die Band nach ihrem finalen Brecher “Letters To The Living“.


19.26 (PS) MONO INC.
Seit ihrer Tour mit UNHEILIG sind MONO INC. nicht mehr aus der Gothic Szene wegzudenken und haben ihren Status beim SUMMER BREEZE mit jeder Teilnahme ausbauen können. 2014 sind MONO Inc. Also angesagter denn je und versammeln am frühen Abend Tausende vor der Pain Stage. Welchen Stellenwert die Formation mittlerweile erreicht hat, ließ sich unschwer an den Sprechchören erahnen, die bereits lange vor ihrem Erscheinen lauthals den Bandnamen skandierten. Als Fronter Martin Engler, gekleidet in einen knöchellangen schwarzen Mantel, schließlich seinen Bandkollegen folgte und “Heile, heile Segen“ anstimmte war ein Feuerwerk des deutschen Liedgutes eröffnet. Aus voller Kehle grölte die Masse, die wohl bewusst simpel gehalten Textpassagen mit. Auch Drummerin Katha hatte ihren Anteil und zeigte sich treffsicher hinter ihrer Schiessbude. Engler ist ein versierter Entertainer und verstand es das Publikum zum Äußersten zu treiben. Die letzten Barrieren fielen schließlich als der Vierer IGGY POPS “Passenger“ anspielte. Untermalt wurde das Set von einer opulenten Bühnenshow aus Feuer, Licht und Pyros. Damit hatte Engler seine “Jünger“ soweit, dass sie sich bereitwillig vom “Meister“ dirigieren ließen. Noch vor zwei Jahren auf einem Mittagsslot positioniert, durften MONO Inc. am diesjährigen Finaltag die hereinbrechende Nacht besingen und bestätigten ihren Slot eindrucksvoll . Ein starker Auftritt der Formation, die ihren Zenith wohl noch nicht erreicht hat und die vielleicht schon bald die ganz großen Hallen füllen wird.


19.30 (TS) IMPALED NAZARENE
Am Donnerstag gab es für Schwarzheimer im Billing bekanntlich nicht viel zu holen, am Freitag trat der Black Metal dann gleich in mehreren Schattierungen auf den Plan. Eine der, wenn nicht die extremste dieses Jahr, gaben IMPALED NAZARENE zum Besten. Eine halbe Stunde vor der Tagesschau betraten vier in Flecktarn und schmieriges Corpse Paint gekleidete Gestalten aus Finnland die T-Stage und entfachten in den folgenden fünfundvierzig Minuten eine wahre Kakophonie punkiger Black Metal-Raserei. Gefangene wurden keine gemacht, was sich schon schnell im Soundbild manifestierte: wer der ultra-verzerrt kreischenden Gitarre von Tomi UG Ullgren nicht standhielt, verließ schnell den Platz. Mit ausreichend zerstörerischem Songmaterial ausgestattet, war die Marschrichtung auf der Bühne schnell umrissen: totale Vernichtung. Nur Schreihals Mika Luttinen alias Slutti666 bequemte sich ab und an nach links oder rechts, ließ aber ansonsten mittig stehend nur sein Organ sprechen. Die Neugierigen verließen nach und nach das Zelt, noch bevor der unausweichliche Abschluss “Total War – Winter War“ unmissverständlich klarmachte, dass IMPALED NAZARENE eigentlich nur etwas für wahre Kenner bzw. Liebhaber sind.


20.15 (CS) SCREAMER
Die Schweden von SCREAMER, nicht zu verwechseln mit den beiden anderen gleichnamigen Formationen aus den USA, sind eine der vielen neuen jungen Bands, die sich dem traditionellen Heavy Metal verschrieben haben. Sicherlich erfinden sie das Rad nicht neu, aber gerade SCREAMER haben ihre Sache zuletzt auf ihrem zweiten Album "Adrenaline Distractions" so gut gemacht, dass sie von allen Seiten mit Lob überhäuft wurden. Grund genug ihnen einen Slot auf der Camel Stage anzubieten und sich selbst ein Bild ihrer Live-Qualitäten zu machen. Und was soll man sagen? SCREAMER haben gerockt! Und das mächtig! Mit der untergehenden Sonne im Rücken spielte sich das Quartett energiegeladenen durch ein sehr kurzweiliges Set, das einfach nur ganz viel Spaß verbreitete. Mitreißende Metal-Hymnen vom Kaliber "No Sleep 'til Hamilton" zählen dabei auf jeden Fall zu ihren Trümpfen. Ebenso wie das unerschöpfliche Repertoire an Posen – eine detaillierte Auflistung wäre Seitenlang. Und als wäre das nicht genug, räumt der erst kürzlich zur Band gestoßene Sänger Oskar Andersson aka "Burning Fire" zusätzlich den Preis für den coolsten Pornobalken ab. Sehr sympathisch!


20.30 (MS) In EXTREMO
Die Spielmänner sind vor Ort! IN EXTREMO haben schon seit Jahren einen Lauf, egal wo sie hinkommen, liegen ihnen die Leute zu den Füßen. Bevor HEAVEN SHALL BURN die Main Stage schlussendlich komplett abreißen würden, hieß es also vorerst Feuer frei für IN EXTREMO und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wer die Berliner Band kennt, weiß, dass diese nie ohne eine amtliche, mit reichlich Pyros, Funkenregen und Knalleffekten ausgestattete Show anreist. Das, was schlussendlich zählt, sind aber natürlich die Songs. Doch auch hier ließen sich die Spielleute nicht lumpen und präsentierten ein Set voller Hits. “Mein Rasend Herz“ zu Beginn sorgte direkt für ausgelassene Stimmung und verleitete das Publikum vollmundig zum Mitsingen, beim nachfolgenden “Horizont“ war sogar ein kleiner Pit vor der Bühne auszumachen. Ob das 75 Minuten durchzuhalten wäre, fragte sich so manch einer. Und wie, dachten sich die Fans! Spätestens zu “Vollmund“ dürften die Stimmen auch in der letzten Ecke des Zeltplatzes vernommen worden sein. Als Backdrop diente eine Illustration zum aktuellen Album “Kunstraub“, von dem mit “Himmel und Hölle“, “Belladonna“, “Feuertaufe“ und “Gaukler“ (welches Michael “T“ Trengert gewidmet wurde) gleich mehrere Stücke auf der Setlist vertreten waren und sich hervorragend zwischen den restlichen Songs einfügten. Micha “Das letzte Einhorn“ Rhein war besten aufgelegt und sorgte nicht nur mit seiner sehnsuchtserfüllten Stimme für große Momente, sondern hielt das Publikum auch mit humorvollen Ansagen bei Laune. Seine Kameraden standen dem in Nichts nach, insbesondere die Dudelsackspieler warfen sich immer wieder synchron in Pose. Bei “Viva La Vida“ kamen die Crowdsurfer auf ihre Kosten, “Liam“ begeisterte auf gewohnte Weise und “Spielmannsfluch“, mittlerweile nicht mehr wegzudenken auf einem IN EXTREMO-Konzert, leitete zur Zugabe “Ai Vis Lo Loop“ über. In Sachen Unterhaltung kann den Berlinern kaum eine andere Band aus dem Mittelalter-Genre das Wasser reichen. Ganz groß!


20:45 (TS) HAIL OF BULLETS
Mit den Worten "SUMMER BREEZE, are you ready for war?" läuteten die niederländischen Urgesteine von HAIL OF BULLETS eine weitere Geschichtsstunde der anderen Art ein. Während die Hörer einen umfassenden Exkurs durch den Deutsch-Sowjetischen-Krieg, den Pazifikkrieg und nicht zuletzt das militärischen Werk Erwin Rommels an die Hand gereicht bekamen, wurden sie mit vernichtend-rohem Old School Death Metal allererster Güte in die Knie gezwungen. Alle Alben waren gleichermaßen vertreten, besonders die entfesselten Attacken wie beispielsweise "Swoop Of The Falcon" und "Red Wolves Of Stalin" dürften noch ein paar Tage in Nackenhöhe spürbar sein, denn die Macher des Todesbleis zeigten sich gut gelaunt, redselig und wie gewohnt höchst professionell. Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle der Sound, der schlichtweg großartig war und das von Anfang bis Ende packende Konzert der Niederländer optimal transportierte.


21.30 (CS) GUTALAX
GUTALAX. Das klingt erst einmal wie ein Abführmittel, womit wir auch schon zum Wesentlichen kommen. Denn die sechs Tschechen, die um halb Zehn die Camel Stage enterten, waren von einem Laxativum so weit gar nicht entfernt – zumindest thematisch. Mit ausgeprägtem Sexual- und Fäkalhumor (siehe Setlist) gab es eine halbe Stunde lang Gore Porn Grind mit Fun-Faktor. In weiße Dekontaminationsanzüge und Gasmasken gekleidet, wurden an das Publikum erstmal allerhand Toilettenutensilien und aufblasbares Spielzeug als Feierausrüstung verteilt, bevor sich anschließend keiner mehr so wirklich ernst nahm. Mit Pig Squeals und maximal zwei Minuten langen Songs aus reichlich Blast Beats und Double-Bass-Geballer wurde nicht gerade musikalische Feinkost serviert. Aber das hat hier weder jemand erwartet noch ging es darum. Im Vordergrund stand eindeutig maximaler Schwachfug. Und die hemmungslose Party scheint der brechend vollen Camel Stage sehr geschmeidig reingelaufen zu sein: die Rufe nach „Gutalax“ oder „Zugabe“ hallten noch lange übers Gelände.


21.50 (PS) WINTERSUN
Auch wenn das Warten auf “Time II“ noch lange nicht vorbei ist, bleiben uns WINTERSUN zumindest live vorerst erhalten. Was auch gut so ist, denn die imposante Zuschauermenge vor der Pain Stage dürstete nach den epischen Hymnen der Band um Saitenhexer Jari Mäenpää. Die Bühne erstrahlte in mystisch blauem Licht, als die Musiker ihr Publikum begrüßten und mit “Sons Of Winter And Stars“ loslegten. Passend zu den frischen Temperaturen während des letzten Festivaltages wurde mit “Land Of Snow And Sorrow“ nachgelegt. Während seine Mitmusiker eher untergeordnete Rollen auf der Bühne einnahmen, lebte Frontmann Jari seine Songs voll und ganz aus. Dabei ließ er das Publikum natürlich auch nicht außer Acht, sondern forderte stets Fäuste in der Luft und fragte inmitten des Sets rhetorisch “Do you want some more?“, was natürlich umgehend mit lautem Grölen beantwortet wurde. Die ganz großen Highlights bot die Bühnenshow nicht, mit den Songs an sich war man aber auch ausreichend ausgelastet, die Musiker schienen jedenfalls sehr konzentriert. Schon beim ersten Song wurden Crowdsurfer über die Köpfe der ersten Reihen hinweggereicht, doch auch stimmlich präsentierte sich der Pulk äußerst gut. Dabei war man nicht nur mit den Texten des Debüts, sondern auch der letztjährigen Veröffentlichung “Time I“ vertraut. Ein Song hingegen musste gänzlich ohne gesangliche Unterstützung seitens des Publikums auskommen: mit “The Way Of The Fire“ wurde nämlich ein Song vom kommenden Album präsentiert, der definitiv Lust auf mehr macht. “Starchild“ besorgte zum Abschluss schließlich den melodischen Overkill und ließ ein breites Grinsen sowohl bei der Band, als auch beim Publikum zurück.


22.00 (TS) CHROME DIVISION
CHROME DIVISION haben mit vier Studioalben und (ex-)Mitgliedern von DIMMU BORGIR, BORKNAGAR, OLD MAN’S CHILD und SUSPERIA einiges auf dem Kerbholz, um die T-Stage zur besten Partyzeit ausreichend zu füllen. Kein Wunder also, dass schon die ersten Takte von “Breath Easy“ ziemlich abgefeiert wurden – was wohl auch nicht zuletzt vom Funkenregen rührt, den Fronter Shady Blue gleich zu Anfang entfacht. CHROME DIVISION pflegen ihr ruppiges Bikerimage gekonnt: in Lederkluft gehüllt, sonnenbebrillt und Zigarillo paffend, trieft die leicht gestelzte Coolness von den Norwegern wie Motoröl aus einem Feuerstuhl. Keiner, aber auch wirklich keiner der Musiker verzieht während des Gigs eine Miene, gebangt wird woanders. Dafür wird aber geposed, was das Zeug hält, was sich nicht zum Nachteil auswirkte. Die Fans zeigten sich sehr textsicher und sind mit “Raven Black Cadillac“, spätestens aber ab “Endless Nights“ auf der Seite der Band. Was bestimmt auch am perfekten Sound lag. Trocken und rotzig servierten CHROME DIVISION ihre traditionellen Heavy-Nummern, die Leads bluesig, die Drums treibend, das Volk zufrieden. Eine sehr willkommene Entspannung zwischen zwei Death-Attacken auf der T-Stage.


22.45 (CS) MASTER
Die Liste der Bands in denen MASTER-Kopf und Szene-Ikone Paul Speckmann mitgewirkt hat ist ganz schön lang: WAR CRY, DEATH STRIKE, FUNERAL BITCH, ABOMINATION, KRABATHOR und das SPECKMANN PROJECT. Jeder hat er irgendwie seinen eigenen Stempel aufgedrückt. Jede ist purer Death Metal. Mittlerweile konzentriert sich der im Jahre 2001 nach Tschechien ausgewanderte Amerikaner allerdings nur noch auf sein Baby: MASTER. Und eben diese Bündelung der ganzen Kreativität auf ein Projekt kam dem letztes Jahr veröffentlichten Album "The Witchhunt" offenbar zugute. Darauf fabriziert er schnörkel- und kompromisslosen Old School Death Metal der Oberliga. So war es also höchste Zeit ihn und seine zwei Mitstreiter für ein Tänzchen auf die Camel Stage zu bitten. Zwar war die Konkurrenz auf der Main Stage groß, aber Speckmann hat genug treue Fans, die ihn erwarteten. Und er selbst ist ebenso schnörkellos wie seine Musik ist. Kein Intro, kein Firlefanz – ein kurzes Hallo und ab da wurde gemosht und alles weggewalzt. Am Ende waren die 30 Minuten Spielzeit eine Lektion in Old School Death Metal. So und nicht anders wird's gemacht.


22.55 (MS) HEAVEN SHALL BURN
Bereits zum fünften Mal waren die Thüringer auf dem SUMMER BREEZE dabei - und zum zweiten Mal in Folge verteidigten sie Ihren Platz als Headliner auf der Main Stage. Denn HEAVEN SHALL BURN sind nicht nur eine Band - hier ist der Name Programm: Die Bühne verwandelte sich in ein apokalyptisch anmutendes Kriegsgebiet mit Sandsäcken, Panzern und Soldaten und die fünf Recken zeigten sich trotz Tourstress gut gelaunt und von der ersten Sekunde an unter Strom. Pyro Show, Co2-Kanonenfeuer und Glitzerregen: Was hier an Action und druckvollem Sound geboten wurde, ließ den Himmel im wahrsten Sinne des Wortes brennen. Als Belohnung formten die schweiß-, bier- und strapazen-gezeichneten Fans immer größere Circle Pits und als Marcus das Fanmeer teilte und die Wall Of Death des Tages aufeinanderprallte war auch klar, wer hier den Ton angibt und die Menge seinerseits zu Höchstleistungen antreibt. Die altbekannten Publikumslieblinge “Voice Of The Voiceless", “Black Tears" und nicht zuletzt das beliebte Blind Guardian-Cover “Valhalla" wurden natürlich gebührend vom Publikum abgefeiert, allerdings legen HEAVEN SHALL BURN bekanntlich mit jeder Show noch mal einen drauf und haben auch diesmal ihre Setlist mit absoluten Live-Raritäten aufgewertet, die man so bisher noch gar nicht oder zumindest nur selten gehört hat. “The Omen", “Of No Avail" und “The Disease" wurden lupenrein und überzeugend gespielt, was nicht zuletzt die allgegenwärtigen Mosh Pits und Publikumschöre bestätigten. Siebzehn (!) Songs wurden gespielt und jede Facette, die man von HEAVEN SHALL BURN kennt, ist zur Geltung gekommen und mit einer gelungenen Schnittmenge aus aktuellen und älteren Werken machten HEAVEN SHALL BURN ihrem Ruf alle Ehre und lieferten einen weiteren unvergesslichen Siegeszug! Der Sänger unterstrich in einer Ansage auch den besonderen Charakter des Festivals. Bevor der “Vorhang" für die Main Stage für das SUMMER BREEZE 2014 jedoch endgültig fiel, gab es beim letzten gespielten Song noch einen sehr bewegenden Moment: Im Andenken an Michael Trengert, dem Gründer des europäischen Ablegers von Metal Blade, sowie Mitveranstalter und geschätzten und vermissten Teil der SUMMER BREEZE-Familie galten die letzten Minuten seinem Gedenken und sein Abbild auf einem Bühnenfüllenden Banner erhellte die Main Stage bis zum Schluss.


23.15 (TS) LEGION OF THE DAMNED
Wenn zwei Abrisskommandos parallel spielen, wohin geht man dann? Auf der Main Stage randalierten HEAVEN SHALL BURN, und die Legion aus dem Nachbarland zerlegte das Zelt. So viel sei gesagt: Wer sich für LEGION OF THE DAMNED entschieden hat, hat rein gar nichts falsch gemacht. Die Holländer sind dafür bekannt, sich während einer Tour gern mal gemeinsam das eine oder andere Steak zu genehmigen, und es schien, als wären die Stücke diesmal besonders saftig gewesen. Die Combo strotze jedenfalls nur so vor Energie und bolzte sich ohne großes Brimborium durch ein amtliches Set. Stand man weiter hinten, verbreitete der Anblick der von Kunstnebel umwölkten Stage sogar die passende Weltuntergangsstimmung. Allerdings war der Sound hinten etwas dumpf, also schnell wieder nach vorne, wo schon ein kleiner Pit seine Runden drehte und ein Zuschauer mit Corpsepaint das Geschehen verfolgte. Fronter Maurice lief engagiert von einer Seite zur anderen und schüttelte fleißig die überlange Mähne. Meine Güte, diese Haare! Nimmt man alle Bandmitglieder zusammen, hat man wohl die mit Abstand längste Matte des Festivals! Da ging jedem Metalhead das Herz auf, wenn die Mannschaft nebeneinander bangte. In dem Fall Thrash Metal, der sehr viel brachialer daherkommt als bei vergleichbaren Combos. Allein der Beginn von “Cult Of The Dead“ beweist, welche Durchschlagskraft die Stücke von LEGION OF THE DAMNED haben. Da war so manch einer frisch geföhnt nach dem Gig!


00.15 (CS) ZATOKREV
HEAVEN SHALL BURN waren gerade mit den letzten Akkorden ihres immensen Abrisses auf der Main Stage beschäftigt, da schickten sich bereits ZATOKREV auf der Camel Stage mit “Goddamn Lights“ an, es ihnen gleichzutun. Die Schweizer bedienten das genau entgegengesetzte Ende vom Geschwindigkeitsspektrum, waren dabei jedoch nicht minder brachial. ZATOKREV brachten genau das rüber, was viele im Sludge Doom heute leider vermissen lassen: brachiale Inbrunst, sowohl was den Sound als auch die Perfomance angeht. Mit mächtigen Gitarrenwänden und stampfenden Drums warfen sich alle Beteiligten in jeden Moment, der auch nur ein zartes Headbangen ermöglichte. Und wie es sich für eine ordentliche Kapelle ihres Schlages gehört, war nicht ausreichend Platz auf der Setlist für mehr als drei Songs. Allesamt Zehnminüter, konnten das melodische “Medium“ und vor allem “…Zato Krev“ als Drone-Szenario überzeugen. So heavy, dass die Saitenfraktion zur Mitte des Songs gar ihre Instrumente auf dem Boden bespielte. Schade, dass ZATOKREV nicht mehr als eine halbe Stunde Zeit hatten um sich zu präsentieren, denn ihr Auftritt machte definitiv Appetit auf mehr.


00.30 (PS) WATAIN
Das SUMMER BREEZE verbindet: Menschen, die eben noch eine neumodisch orientierte HEAVEN SHALL BURN-Show verfolgt haben, pilgerten herüber, um im Anschluss dem Black Metal von WATAIN zu lauschen. Wobei auch der visuelle Aspekt nicht zu verachten ist. Mindestens zu einem Drittel sind die Shows der Schweden auch eine Art Ritual. Die Bühne war wie gewöhnlich dekoriert, sprich: Tierschädel, umgedrehte Kreuze, Knochen, Banner, Kerzen und die Schatzkiste von Fronter Erik, aus der er während des Auftritts mehrfach Utensilien fischte, um sie in die Darbietung zu integrieren. Passenderweise wurde die Stage in ein intensives Rot getränkt und ein wenig Nieselregen setzte exakt zum Start ein. Black Metal ist Wolkenbruch! Fronter Erik erschien wie erwartet mit einer Fackel auf der Bühne und es schien, als wäre jeder Schritt, jede Handbewegung, durchdacht. Kurz darauf tänzelten Flammen an zwei flankierenden Symbolen. Get the ritual started! Insgesamt befanden sich auffällig viele neue Songs im Set, das dann auch mit einem “The Wild Hunt“-Doppelschlag in Form von “De Profundis“ und “Black Flames March“ ins Rollen kam. Dazu gesellten sich zwei Nummern vom Vorgängeralbum und das unverzichtbare Epos “Stellarvore“ vom 2007er-Werk “Sworn To The Dark“. Die Anwesenden hatten richtig Bock auf WATAIN und ließen sich auch auf die Elemente ein, die abseits des Musikalischen liefen – da wurde nicht gepfiffen oder fordernd gegrölt, sondern interessiert beobachtet, während Erik sein Werk verrichtete. Der stakste dann sogar mit einem Kelch in der Hand an der Absperrung vor der ersten Reihe entlang – scheinbar auch ein Teil seines ganz speziellen Rituals. Doch zurück zur Musik. Soundtechnisch ging alles glatt und so krachten die feingliedrigen Songstrukturen gut hörbar aus den Boxen. Mal stumpf riffend, mal melodisch schreddernd, immer genau auf den Punkt. Gut eingespielt waren die Schwarzmänner in jedem Fall! Das monumentale “The Wild Hunt“ setzte dann einen würdigen Abschlusspunkt und Erik zugleich ein fettes Ausrufezeichen in Form von live ansprechend umgesetztem Klargesang.


00.45 (TS) BIOHAZARD
Die NY-Hardcore/Crossover-Heroen BIOHAZARD haben sich in letzter Zeit etwas rar gemacht. Das SUMMER BREEZE 2014 zählte glücklicherweise zu den ausgewählten Festivals, die die Amis diesen Sommer mitgenommen haben. Und wer glaubt, dass sie ihren Zenit bereits weit überschritten haben, wurde schnell eines Besseren belehrt. Denn die Band um das Gitarristen-Duo Billy Graziadei und Bobby Hambel sprang herum, als seien sie nicht älter als 18 Jahre. Dazu gab es noch ein richtig fettes Old School-Set, dass nur die ersten drei Alben berücksichtigte. Ganze fünf Tracks kamen dabei von ihrem Referenzalbum "Urban Discipline". Gleich zu Beginn gab es mit "Shades Of Grey" den ersten Kracher, welcher sofort von "What Makes Us Tick" getoppt wurde. Und bei dem BIOHAZARD-Song schlechthin "Punishment" brachen alle Dämme, was durchaus wörtlich genommen werden sollte. Denn die Band forderte die Security auf die Leute auf die Bühne zu lassen. Diese wurde selbstverständlich sofort von den ersten Reihen gestürmt, so dass die Bühne ziemlich voll war und die Band zwischen drin kaum noch auszumachen war. Ein Bild für die Götter. Vor allem als vom Drumriser herab die ersten Stagedives ausgeführt wurden und doch tatsächlich ein Circle-Pit auf der Bühne seine Runden drehte. Kaum war der Song vorbei, deckten sich einige noch mit jedem greifbaren Souvenir, vornehmlich Plektren, Drum Sticks und die Setlist, ein, machte noch ein paar Bilder mit ihren Helden – die Frauen der Schöpfung wurden von Basser Scott Roberts sogar mit Küsschen links, Küsschen rechts einzeln begrüßt – und ein denkwürdiger Auftritt ging zu Ende.


01.45 (CS) MANTAR
MANTAR dürfen getrost als Shootingstars bezeichnet werden und sind zu Recht Gast auf dem diesjährigen SUMMER BREEZE. Das zu Anfang des Jahres veröffentlichte Debüt “Death By Burning“ kommt ganz ohne Bass aus und wurde lediglich zu zweit eingespielt. Als eine der letzten Bands des Festivals zieht das Hamburger Duo noch erstaunlich viele Leute vor die Camel Stage. “Klotzen statt kleckern“ war wohl das Motto, denn ohne viel Worte ging es mit “The Berserker's Path“ los. Der Sound von MANTAR soll nicht schön sein, sondern roh und dreckig, was live ausgezeichnet funktionierte. Zusammen mit den fiesen Vocals von Gitarrist und Sänger Hanno verband sich das in ein ungemein intensives Gebräu aus Doom, Punk, Sludge und angeschwärztem Metal. Die Nebelmaschine war durchgängig in Betrieb, während Hanno ein tonnenschweres Monsterriff nach dem anderen aus der Gitarre quälte und seinen Körper beim Stageacting alles andere als schonte. Leider musste zum Ende hin “White Nights“ aus Zeitgründen von der Setlist gestrichen werden. Dennoch: ganz starker Auftritt einer aufstrebenden Truppe.


02.15 (TS) SAHG
Der letzte Slot des Festivals ist traditionell kein leichter Startplatz für eine Band. Dem Publikum stecken vier Tage Bands und Feiern in den Knochen und da bedarf es schon so einigem das Volk zur späten Stunde noch bei der Stange zu halten. Im letzten Jahr waren LONG DISTANCE CALLING die perfekte Band für den Ausklang und in diesem Jahr schickten sich die Norweger SAHG an dem Festival einen würdigen Abschluss zu verpassen. Vor einem großen Backdrop im Bühnenhintergrund startete die Band pünktlich in ihr Set und hatte die Anwesenden schnell im Griff. Und trotz der Strapazen der letzten Tage gelang es Sänger Olav und seinen Mitstreitern Iversen mit jedem Song mehr Resonanz vom Publikum zu bekommen, gegen Ende schwang sich sogar nochmal ein Crowdsurfer über die Köpfe! Schlagzeuger Thomas Lonnheim machte tatsächlich am meisten Show und wirkte dabei, als hätte er sich seit zehn Jahren nichts sehnlicher gewünscht als ein Schlagzeug und er es erst unmittelbar vor der Show zu Weihnachten bekommen. Bonuspunkte dafür, dass sie wussten, warum die Bühne T-Stage heißt und T einen Song gewidmet haben. Mit ihrem leidenschaftlichen Metal zwischen Doom und Stoner waren sie definitiv eines der Highlights des Festivals.