Rückblick 2015

Mittwoch, 12.08.2015:
BLASMUSIK ILLENSCHWANG, DIABLO BLVD., AUTUMNAL, BATTLE BEAST, HARK, AVATARIUM, THRÄNENKIND, PANZER, DESERTED FEAR, SONIC SYNDICATE, DEMONICAL, DEATH ANGEL, ISOLE, DEVILMENT, NERVOSA, STEVE'N'SEAGULLS

Donnerstag, 13.08.2015:
TROLLFEST, MEGAHERZ, THE SIRENS, NE OBLIVISCARIS, KYLE GASS BAND, HOTROD MAYHEM, HÄMATOM, CORVUS CORAX, DRESCHER, TANKARD, OBEY THE BRAVE, DIE APOKALYPTISCHEN REITER, ROGASH, OST+FRONT, DESTRUCTION, NACHTGESCHREI, BETRAYING THE MARTYRS, BLACK STONE CHERRY, ANTROPOMORPHIA, DORNENREICH, SODOM, JOHN COFFEY, OPETH, CARNIFEX, VITJA, SALTATIO MORTIS, EISREGEN, DEAD LORD, KREATOR, AGALLOCH, THE GREEN RIVER BURIAL, AMORPHIS, DEATH TO ALL, CROWN, CARACH ANGREN

Freitag, 14.08.2015:
ANY GIVEN DAY, HEIDEVOLK, KISSIN' DYNAMITE, SEVERE TORTURE, BLUTENGEL, THE GOGETS, LANTLOS, ALESTORM, NECROTTED, KADAVAR, SISTER SIN, ENSIFERUM, LIFELESS, THY ART IS MURDER, PYOGENESIS, FUCK YOU AND DIE, GLORYHAMMER, SEPULTURA, FIRE RED EMPRESS, COMBICHRIST, SUICIDE SILENCE, HOUR OF PENANCE, POWERWOLF, EKTOMORF, BELOW, BLOODBATH, NEAERA, FINSTERFORST, TRIVIUM, MARDUK, TO THE RATS AND WOLVES, CRADLE OF FILTH, WALLS OF JERICHO, TEMPLE OF BAAL, SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH

Samstag, 15.08.2015:
SERUM 114, MAJESTY, BE'LAKOR, MILKING THE GOATMACHINE, HAUDEGEN, RELIQUIAE, THE DUSKFALL, BETONTOD, PRIPJAT, EMIL BULLS, SUICIDAL ANGELS, KATAKLYSM, DUST BOLT, BREAKDOWN OF SANITY, KNORKATOR, RECTAL SMEGMA, HACKNEYED, PARADISE LOST, CHAPEL OF DISEASE, BELPHEGOR, CANNIBAL CORPSE, DREAMSHADE, HATEBREED, MORGOTH, REVEL IN FLESH, DARK TRANQUILLITY, SICK OF IT ALL, TERROR UNIVERSAL, NIGHTWISH, INQUISITION, TROLDHAUGEN, VENOM, GHOST BRIGADE, NAILED TO OBSCURITY, DARK FORTRESS

(MS) = Main Stage (PS) = Pain Stage (TS) = T-Stage (CS) = Camel Stage

Mittwoch 12.08.2015

14.00 (CS) BLASMUSIK ILLENSCHWANG
Wohl keine Band hat häufiger auf dem SUMMER BREEZE gespielt und somit hat sich die Kapelle auch fast schon einen Headliner-Habitus zugelegt – wer kann sich sonst schon erlauben 15 Minuten später als angekündigt auf die Bühne zu kommen und mit einer riesigen Entourage in den Backstage-Bereich einzulaufen? Das massig vorhandene Publikum forderte jedenfalls minutenlang frenetisch Blasmusik und die erste Wall Of Death des Festivals. Unter aufbrandendem Jubel bestieg die Band die Bühne und begann ihren ca. 45minütigen Siegeszug. Die erste Wall Of Death ließ nicht lange auf sich warten, die Grabensecurity hatte nonstop zu tun und beim zweiten gespielten Song setzte sich ein Großteil des Publikums vor der Bühne und begann eine Rudermeute. Zwischen den Songs brandeten immer „Illenschwang, Illenschwang“-Rufe auf und die Meute nahm jeden Song dankbar auf und feierte alles ab, egal ob „Mein Tirolerland“, „Auf der Vogelwiese“ oder der „Böhmische Traum“. Bei „Die Hände zum Himmel“ saßen wieder alle auf dem Boden und „Ein weißer Schwan“ kam als erste Zugabe derart gut an, dass das Publikum sogar eine Strophe komplett ohne die Kapelle grölte. Nach einem Medley aus u.a. dem „Radetzkymarsch“, dem „Marsch der Toreros“ aus Carmen, dem „Cancan“ von Offenbach und „Stars And Stripes Forever“ war dann definitiv Schluss.


16.00 (TS) DIABLO BLVD.
Wie die BLASMUSIK ILLENSCHWANG so gehört auch die Nuclear Blast Labelnight mittlerweile zu den festen Institutionen des SUMMER BREEZE. Dieses Jahr hatten die Newcomer von DIABLO BLVD die Ehre, das Festival sowie die Label Night zu eröffnen. Oder besser gesagt: die Herausforderung. Denn die Belgier hatten merkliche Anlaufschwierigkeiten das zu gut einem Viertel gefüllte Zelt und auch sich selbst in Gang zu bringen. Zu heiß drückte die Sonne noch am späten Nachmittag auf Dinkelsbühl hernieder, als dass Band und Publikum von Anfang an hätten Vollgas geben können. Aber wie so häufig will gut Ding einfach Weile haben. Spätestens mit dem dritten Song „Rise Like Lions“ begann der schmissige Southern Rock mit VOLBEAT-Kante Früchte zu tragen, den Rest erledigte der immer wieder angenehm an Glenn Danzig erinnernde Frontmann Alex Agnew mit seinen sympathischen Ansagen. Das ging sogar so weit, dass er zu „Between The Hammer And The Holy Cross” einen Pit forderte…und gleich eine Wall Of Death bekam! Den Pit gab es dann noch oben drauf. Wer dachte, DIABLO BLVD. seien als Opening Act nicht heftig genug, wurde definitiv eines Besseren belehrt.


16.45 (CS) AUTUMNAL
Death Doom Metal in der prallen Sonne klingt ja erst mal widersprüchlich. Als kompletter Kontrast zum Wetter traten AUTUMNAL in die Fußstapfen einer ganzen Reihe ähnlich gelagerter und mit ähnlichen Witterungsbedingungen kämpfender Bands der letzten Jahre (man denke nur an den Auftritt von BLACK SUN AEON in der Mittagshitze 2009). Doch die Spanier zeigten sich davon gänzlich unbeeindruckt und zeigten mehreren hundert Fans, was es bedeutet, düster-melancholische Stimmung an einem sommerlichen Tag zu verbreiten. Mit ihren teilweise überlangen Kompositionen schafften es zwar nur drei Songs in den halbstündigen Auftritt, die bildeten dafür die komplette Bandbreite in Sachen Schwermut ab. Das Opener-Duo des aktuellen Albums „The End Of The Third Day” sowie „As Soon As You Die, Kill Me” mäanderten zwischen heftigen Growl-Attacken und katatonischen Clean-Parts und boten mit ihrem Midtempo-Fokus gerade die richtige Schlagzahl zum langsamen Mitgehen. Trotz der äußeren Bedingungen: AUTUMNAL dürften an dem Tag sicherlich einige Fans dazugewonnen haben.


17.15 (TS) BATTLE BEAST
Schon beim Soundcheck vor der Show ließ sich das Publikum von BATTLE BEAST-Frontlady Noora Louhimo zu einem kleinen Mitsingspielchen animieren. Und obwohl die hitzegeplagte Meute etwas Zeit brauchte, um ordentlich in Schwung zu kommen, strömten im Laufe der Show immer mehr Leute herbei, die der Powerfrau am Mikrofon begeistert aus der Hand fraßen. Mit ausladenden Gesten, einem neckischen Streifenschurz aus Leder und einer Extraportion Selbstbewusstsein bewaffnet, demonstrierte die Finnin, dass auch Frauen mit Kurven extrem sexy sein können. Doch auch die bestens aufeinander eingespielte Begleitmannschaft hatte großen Anteil daran, BATTLE BEAST zu den absoluten Gewinnern des Tages zu machen. Obwohl die Band sich erst im Februar von ihrem langjährigen Gitarristen und Songschreiber Anton Kabanen getrennt hatte, präsentierten sie sich als nahezu perfekte Einheit. Hoch engagiert feuerten sie Live-Granaten wie das umjubelte "Black Ninja" in die Menge, die sich mit ihren bewusst simplen Strukturen auf Anhieb zum Mitsingen eigneten. Kein Wunder also, dass sich die Stimmung immer weiter ins Euphorische steigerte, bis schließlich das komplette Zelt vollkommen „Out Of Control" geriet.


18.00 (CS) HARK
Der Sludge-Sound der Engländer HARK erinnerte nicht von ungefähr an den hitzegeplagten Boden vor der Bühne - trocken, erdig und mit einem Hauch von verschüttetem Bier. Ziemlich lässig spielte das Trio eine Auswahl von Stücken ihres starken Debütalbums "Crystalline", die vom Publikum ähnlich lässig abgenickt wurden. Für Spannung im Songaufbau sorgte die leichte Post-Rock-Schlagseite der Kompositionen. Da durfte auch eine kleine Solo-Einlage von Gitarrist Jimbob Isaac nicht fehlen, bei der dieser sein Instrument mit krasser Verzerrung schaurig schön aufheulen ließ, bevor wieder eine amtliche Drei-Mann-Soundwalze über das Publikum hereinbrach. Diese passte so gut zum diesjährigen SUMMER BREEZE, dass das fiese Feedback-Finale den aufbrandenden Jubel und die vereinzelten Zugaberufe nicht übertönen konnte. Den einen oder anderen Besucher, der von der auf Hochglanz getrimmten BATTLE BEAST-Show im Zelt herübergeschlendert gekommen war, mochte hingegen an dieser Stelle das dringende Bedürfnis überkommen haben, sich und seine Gehörgänge einer gründlichen Reinigung zu unterziehen.
 


18.30 (TS) AVATARIUM
Obwohl AVATARIUM erst im Jahr 2013 gegründet wurden, konnten sie in der gitarrenlastigen Musiklandschaft schon so einigen Staub aufwirbeln. Dementsprechend war der Bereich vor der T-Stage zu Beginn ihres diesjährigen Gigs auf dem SUMMER BREEZE auch ordentlich gefüllt, als die Band um Goldkehlchen und Schmuckstück Jennie Smith auf die Bühne ging. Als Opener diente das liebliche „Moonhorse“ von der gleichnamigen EP, mit der AVATARIUM im Jahr ihrer Gründung erstmals von sich reden machten. Anschließend wurde aber in Form von „Bird Of Prey“ der Groove ausgepackt. Leider konnte Gründungsmitglied Leif Edling (u.a. CANDLEMASS) nicht mit von der Partie sein, jedoch wurde er nahezu perfekt von Anders Iwers (u.a. TIAMAT) vertreten. Über allem thronte allerdings Frontfrau Jennie, die sowohl stimmlich, als auch optisch bezaubern konnte. Unglaublich, welch eine Kontrolle diese Dame über ihr wohlklingendes Gesangsorgan besitzt. Doch auch die Instrumentalfunktion ließ sich nicht lumpen und überzeugte mit im Takt wehenden Haupthaar. Ohnehin hat die Truppe im Gegensatz zu den ersten Auftritten deutlich an Live-Erfahrung gewonnen. Der gute Sound und eine ansprechende Lichtershow taten ihr Übriges und machten den ersten Auftritt von AVATARIUM in Dinkelsbühl zu einem mehr als erfolgreichen. Dies wusste auch das Publikum zu würdigen, indem es die schwedische Band nach der selbstbetitelten Bandhymne mit reichlich Applaus verabschiedete.
 


19.15 (CS) THRÄNENKIND
Das perfekte Setting für ihren „Vegan Straight Edge Post Metal“ (Zitat Bandinfo!) erwischten THRÄNENKIND aus München. Denn die Sonne setzte gerade dazu an unterzugehen, als die Truppe um Bandkopf Nathanael, den meisten bestimmt durch AGRYPNIE bekannt, die Camel Stage bestieg und sich einer äußerst ansehnliche Masse an Zuschauern gegenüber sah. So wirkte ihre atmosphärisch dichte Mischung aus Black Metal (überwiegend), Crust und Hardcore (ein wenig) fast einen Ticken besser, als wenn man ihren aktuellen Longplayer „The Elk“ auf der heimischen Stereoanlage einschiebt und aufdreht. Und auch die Band zeigte sich bester Laune und sichtlich angetan von den durchweg positiven Resonanzen des Publikums, die nach jedem gespielten Song merklich lauter wurden. THRÄNENKIND verstanden es einfach sehr gut ihre ausgefeilten Song geschickt mit – fast schon schönen - Melodien zu durchsetzen und so gekonnt Spannungsbögen zu setzen. Einen Pluspunkt gab es auch für die politischen Ansagen, die klar und deutlich gegen rassistisches Gedankengut gerichtet waren. Alles in allem ein wirklich runder Gig.
 


19.45 (TS) PANZER
Da rollt er an, der Heavy Metal-Panzer – natürlich in friedlicher Mission, also mit reichlich guter Musik im Gepäck. Dafür in Bestbesetzung, denn der teutonische Dreier besteht aus wahren Metal-Urgesteinen. Im Cockpit sitzt Schmier, der der Masse eher als Frontmann der Thrasher DESTRUCTION bekannt sein dürfte. Ebenso an Bord: Herman Frank (ACCEPT, VICTORY) und Stefan Schwarzmann (ACCEPT). Da darf man so einiges erwarten! Die drei pressten das Gaspedal in Sachen Dynamik auch sogleich mit Bleifuß nach unten. Der Sound war stark, die massiven Riffs drückten ordentlich und wurden dem Bandnamen mehr als gerecht. Das 2014er-Debüt "Send Them All To Hell" bietet jede Menge Treibstoff für eine ausgelassene Heavy Metal-Party. Dass die Leute genau darauf Bock hatten, zeigte sich schon an der Zelt-Auslastung, das bis nach hinten gut gefüllt war. Mit "Hail & Kill" startete das Trio in ein Set, das über die gesamte Länge der Songs gerade im Tempo wenig variierte, die Stimmungsmacher-Qualität sowohl der Musiker als auch der Lieder unterhielt aber auf ganzer Linie. Schmier, beinahe zu oldschool in Schlaghose gekleidet, poste mit einem der Gitarristen, Stagediver würdigten den Gig auf ihre Weise, das Meer aus Pommesgabeln, das nach jeder Nummer brandete, tat ein Übriges; ebenso der Mini-Pit weit vorne. Selbstredend schwappte solch eine Resonanz auch auf die Bühne und stachelte die eh schon vorhandene Spielfreude zusätzlich an. Die Soli (beispielsweise in „Freakshow“) saßen genauso gut wie die Vocals – ja, sogar die höheren Töne. Schön auch das Lob von Schmier hinsichtlich der verschiedenen Nationen, die sich tapfer dem German Metal Panzer stellten: "We speak the language of Heavy Metal“! Na, wo er Recht hat! Am Ende flogen Plektren und ein Drumstick ins feiernde Rund, wenn sie es denn über den Fotograben schafften. So oder so: PANZER haben die Zeltbühne amtlich überrollt!


20.30 (CS) DESERTED FEAR
Sollten die Herren Frank, Schwarzmann und Schmier die Jeans bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht zum Zwicken gebracht haben, so dürfte der Eisenberger Nachschlag auf der Camel Stage danach ein Übriges dazu beigetragen haben. DESERTED FEAR übernahmen das Ruder mit ihrer unverkennbaren Mischung aus Energie und Midtempo-Todesblei nach Art der alten Schule. Auch die positive Entwicklung ihrer ohnehin schon guten Bühnenpräsenz war deutlich zu spüren: War anfangs ein übersichtlicher Pulk agiler Fans zu sehen, schafften es bereits die ersten drei Songs, die Zuschauerzahl der Vorband problemlos zu verdoppeln und damit sämtliche umliegenden Getränkestände wie die Wespen - dieses Jahr auch sehr zahlreich - zu umzingeln. Dicht an dicht rotierten die Matten und die live-erprobte und dynamische Atmosphäre der Thüringer zog sich durch die 45minütige Show, deren Setlist sowohl alte Stücke von "My Empire", als auch Songs des neueren Albums "Kingdom Of Worms" im Angebot hatte. Selbstredend entwickelten sich "Kingdom Of Worms", "Mortal Reign" und "Bury Your Dead" zu gefeierten Nummern, zudem gab es ein weiteres Highlight im Publikum, welches von Gitarrist Fabian mit einem glücklichen "Das war unsere erste Wall Of Death!" prämiert wurde. Der lautstarke Applaus und die durchgehenden Circlepits waren wohlverdient und die Jungs hatten der Menge für den noch jungen Abend mächtig eingeheizt.


21.15 (TS) SONIC SYNDICATE
Erst vor wenigen Tagen hat Bassisten und Gründungsmitglied Karin die Band aus privaten Gründen verlassen. Dies hielt SONIC SYNDICATE jedoch keinesfalls davon ab, den Weg nach Dinkelsbühl anzutreten. Gut so, denn das Zelt war zu Beginn des Auftritts ziemlich ordentlich gefüllt. Bereits zum ersten, bezeichnenden Song „Day Of The Day“, dem ein kultiges STARSHIP-Intro vorausging, wurden die Schweden vom Publikum mit Beifall begrüßt. Optimale Voraussetzungen, doch leider wollte der Sound zum Auftakt noch nicht vollends mitspielen. Glücklicherweise änderte sich dies in der Folge, so dass gern gespielte Songs wie „Denied“ oder „Revolution, Baby!“ für ordentlich Stimmung vor der Bühne sorgten. So segelten reihenweise Crowdsurfer in den Graben, während der immer wieder aufkommende Circle-Pit für noch mehr Staub in der Luft sorgte, als ohnehin schon aufgrund des trockenen Bodens durch das Zelt der T-Stage wirbelte. Neu-Bassist Michel Bärzén fügte sich bei seinem ersten Auftritt mit SONIC SYNDICATE nahtlos ein, unterstützte Sänger Nathan Biggs mit einigen Gesangparts, wo er nur konnte, und heizte das Publikum mit zahlreichen Aufforderungen weiter an. Schwungvoller Auftritt einer Band, die sich nicht unterkriegen lässt.


22.15 (CS) DEMONICAL
Geheimtipp? Bei Weitem nicht mehr! Beim Anblick auf die große Schar an Leuten, die sich vor der Camel Stage versammelte hatten, ließ sich ganz gut erahnen, dass die Schweden von DEMONICAL diesen Status mittlerweile weit hinter sich gelassen haben. Es dauerte jedenfalls nicht sonderlich lang – um genau zu sein bis zum Breakdown im Mittelteil von „Cursed Liberation“ – bis sich ein Meer von Pommesgabeln in den Abendhimmel reckte. Sicher, es war nach einer ähnlich gelagerten Walze wie zuvor DESERTED FEAR keine leichte Aufgabe das Energie-Level zu halten, doch DEMONICAL schafften das ohne große Mühe. Und wer die Truppe um den Ex-CENTINEX-Recken Martin Schulman schon einmal live erleben durfte, wusste ohnehin schon, dass sie live eine Macht sind. Bei dem tödlichen Gemisch aus alten DISMEMBER, alten ENTOMBED und (in ihren melodischen Parts auch) EVOCATION war kaum jemand zu sehen, der seine Matte nicht schwang. Vom harten Groove motiviert, machten sich dann auch einige Crowdsurfer zum Schlusspunkt „Death Metal Darkness“ auf den Weg. Jeder der etwas mit Old-School-Death Metal anfangen kann, sollte sich DEMONICAL spätestens nach diesem eindrucksvollen Auftritt auf die Favoritenliste schreiben. Einziges kleines Manko: Die Gitarren hätten deutlich mehr Punch in den unteren Frequenzbereichen gebraucht, um die Wucht der Songs noch besser abzubilden.


23.00 (TS) DEATH ANGEL
Bereits fünfzehn Minuten vor dem Auftritt forderten die Fans im rappelvollen Zelt die Bay Area Thrasher DEATH ANGEL auf die Bühne. Lange ließen sich die fünf Herren dann auch nicht bitten - und zeigten sich zum Abschluss ihrer 2015er Europatour von der ersten Minute an in allerbester Spiellaune. Die ohnehin großartige Liveband um den charismatischen Frontmann Mark Osegueda konnte an diesem Abend ein Lehrbeispiel für einen mitreißenden Auftritt hinlegen: Angestachelt von einem frenetischen Publikum ballerten die Thrash-Legenden die Highlights ihrer knapp dreißigjährigen Bandgeschichte in die verschwitzte Menge. Dort wurde der engagierte Auftritt des Bay Area-Fünfers begeistert aufgenommen - bis zum ersten Wellenbrecher tobte der Moshpit und selbst in letzten Reihen flogen die Haare durch die Luft und die Fäuste wurden gen Zeltdach gereckt. Textsicher trug das elektrisierte Publikum die Band durch ihren Gig - und forderte nach Ende der einstündigen Spielzeit lautstark einen Nachschlag aus dem von Klassikern gespickten Repertoire der Todesengel. Trotzdem das sonst gesetzte „Kill As One“ als Abschluss fehlte herrschte weitgehend Einigkeit, dass man gerade den Tagessieger gesehen hat. Bleibt also zu hoffen, dass es DEATH ANGEL mit ihrem nächsten Album bald wieder für weitere Auftritte nach Europa führt.


00.00 (CS) ISOLE
Mit einem unspektakulären "We are ISOLE from Sweden" eröffneten die vier Epic Doomer ihr Set auf der Camel Stage, um dann mit dem Titeltrack ihres aktuellen Albums "The Calm Hunter" ihre markante Mischung aus schleppendem Doom und epischem Metal aufzuführen. Dabei entwickelte sich der Auftritt zu einem wirklich unterhaltsamen Konzert für alle Freunde der düsteren und schweren Gitarrenmusik: In Anbetracht der selbst um Mitternacht noch sehr hohen Außentemperaturen gelingt es ISOLE verblüffend gut ihren melancholischen Sound dicht und stimmungsvoll darzubieten - eine starke Leistung der Herren aus dem schwedischen Gävle! Obwohl die Zuschauerzahl zu Anfang noch recht überschaubar ist, wird die Menge im Laufe des 45-minütigen Sets zusehends größer: den getragenen Gitarrenriffs der Titel "By Blood" und "The Lake", sowie dem markanten Klargeang von Frontmann Daniel Bryntse kann sich das vorbeilaufende Publikum dann doch nicht entziehen. Der zum Abschluss des Gigs gesetzte elf Minuten-Brecher "From The Dark" machte das Set dann zu einer runden Sache - mit majestätischen, BATHORY-haften Klängen wird das Publikum in die Nacht entlassen. Nach getaner Arbeit verließ auch die Band dann sichtlich zufrieden mit ihrem Auftritt die Bühne - und wird sicherlich an diesem Abend einige neue Anhänger hinzu gewonnen haben, die ISOLE vorher nicht auf der Rechnung hatten.


00.45 (TS) DEVILMENT
Zu einem überraschend späten Zeitpunkt im Tagesprogramm startete das britische Sextett DEVILMENT ihre erste, kurzweilige Show auf dem SUMMER BREEZE. Die Zweitband um einen der bekanntesten Giftzwerge des extremen Metals, Dani Filth, welcher Freitag nochmals mit CRADLE OF FILTH zu sehen sein wird, veröffentlichte ihr erstes Album vergangenen Oktober, inhaltlich und optisch an Halloween angelehnt und wer es kennt, weiß um den Facettenreichtum und die Finesse, die es birgt. Funktioniert diese Vielschichtigkeit live genauso gut, wie auf Platte? Daran ließen DEVILMENT keinerlei Zweifel. Mit dem Opener "Even Your Blood Group Rejects Me" startete eine Show rund um groovige und moderne Riffs und die altbekannte Stimmvielfalt, welche von hohen Pig Squeals über tiefe Growls und furchteinflößendes Geflüster reichte. Das Publikum zeigte sich zu Beginn noch etwas verhalten, aber sowohl die langjährige Bühnenerfahrung Danis, der offensichtliche Spaß der Band am Auftritt selbst, wie auch die technisch außerordentlich beeindruckende Show, lockten die Zuschauer mit zunehmender Spieldauer ins Zelt und aus der Reserve. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser Jubel das nächste Mal schon zu Beginn zu vernehmen ist.


01.30 (CS) NERVOSA
Dass die Kombination Thrash Metal und Brasilien gut funktioniert, weiß der geübte Metaller natürlich. NERVOSA stammen ebenfalls aus Südamerika, imponieren zunächst jedoch auf andere Weise: Als Band mit rein weiblichen Mitgliedern fällt man im extremen Metal zwar nach wie vor auf, umso schöner ist aber die Tatsache, dass das Trio aus São Paulo dennoch keinen Einzelfall darstellt. Die Uhrzeiger waren schon etwas vorgerückt, als NERVOSA die Camel Stage betraten und auf einen ordentlich gefüllten Publikumsbereich blickten. Und wie bedankt man sich bei einer so feierfreudigen Meute? Richtig, mit einem dicken Sound, der im Fall von NERVOSA bis auf ein paar übersteuerte Ausreißer passend zur musikalischen Ausrichtung angenehm in den Gehörgängen kratzte. Das Brett, das die Brasilianerinnen auf ihrer ersten Europa-Tour aus den Instrumenten schreinerten, war so dermaßen amtlich, dass die Band vortrefflich in die Reihe der diesjährig vertretenen Thrash-Veteranen passte. Mit anderen Worten: Wer sich nicht rechtzeitig duckte, lief Gefahr, von den Rasiermesser-Riffs enthauptet zu werden. Aber hey, das mit dem Ducken passiert ja beim Headbangen automatisch. Und genau dafür tischten NERVOSA so einige Songs vom Demo und dem 2014er-Debüt auf – mit schnittiger Oldschool-Attitüde! Im Rund klatschten Hände und Stagediver segelten über die Köpfe. Auf der Bühne wurde gepost und um Moshpits und eine Wall of Death gebeten. NERVOSA hatten die beste Grundlage für einen starken Auftritt mitgebracht: richtig Bock! Diese Dynamik infizierte auch die Anwesenden, also überzog man sogar um rund zehn Minuten und konnte sich am Ende über Zugabe- und „NERVOSA“-Rufe freuen. Als i-Tüpfelchen hielten sich Prika Amaral und Fernanda Lira noch mindestens eine halbe Stunde lang im Graben auf, um sich mit den Fans zu unterhalten und Fotos zu machen. Ganz groß!
 


02.15 (TS) STEVE 'N' SEAGULLS
Kann sich noch jemand an die MTV-Trailer erinnern, in denen irgendwelche skandinavischen Hillbillies sich in Holzhütten mit Tischtennis-Schlägern geschlagen haben? Die Typen machen jetzt Musik – jedenfalls sahen die fünf fröhlichen Finnen von STEVE’N’SEAGULLS original so aus! Als sie um zwei Uhr nachts mit „Paradise City“ fulminant in ihr Set starteten, war das Zelt gerade einmal zu einem Viertel gefüllt, was aber eindeutig daran lag, dass auf der Running-Order im Programmheft und der Homepage 2.15 Uhr als Beginn gelistet wurde und nebenan auf der Camel Stage noch die drei Südamerikanerinnen von Nervosa regelten. Spätestens bei „Holy Diver“ war die Hütte voll und streckenweise lauter am Singen als die Band. Man kann also von einem veritablen Erfolg der Band sprechen, was im Vorfeld nicht abzusehen war; denn die Herren arbeiten doch mit leicht anderem Besteck als der Großteil der anderen Bands des Festivals. Banjo, Mandoline, Kontrabass und Akkordeon machten aber eben gerade den Unterschied aus und machten die Coverversionen quer durch den Hard Rock- und Metal-Garten auch so besonders. Dazu punktete noch der leicht schräge Look mit Latzhosen und ungewöhnlichen Kopfbedeckungen (hatte der Keyboarder bzw. Akkordeon-Spieler nen ganzen Fuchs auf dem Kopf?). Bei der Rammstein-Nummer „Ich will“ boten die Nordlichter sogar astreinen vierstimmigen (!) Satzgesang! Bei „Nothing Else Matters“ gabs ein Meer an Feuerzeugen und „Thunderstruck“ war zum Abschluss nochmal ein echtes Highlight.


DONNERSTAG 13.08.2015

11.00 (MS) TROLLFEST
Fall es Zweifel gab, ob TROLLFEST die passende Band für die Eröffnung der Main Stage waren, schmolzen sie in der Vormittagssonne schnell dahin. TROLLFEST dürfen sich wohl rühmen, der Opener zu sein, der in der Geschichte des SUMMER BREEZE bislang die größte Menschenmenge antreten ließ. Bis zum FOH reihten sich die Feierwütigen, als die Norweger, in Arztkittel und Fliegerbrillen gekleidet, ihren derbspaßigen Folk Metal unter das Volk brachten. Mit Songs wie „Konterbier“ oder dem BRITNEY SPEARS-Cover „Toxic“ folgte die Show des verrückten Oktetts klar der Spaß-Maxime, der sich auch das Publikum bereitwillig unterwarf. Von Bangen über Tanzen bis hin zu leichten Massenkniebeugen und einer Polonaise gab es ordentlich Bewegung in der Menge, die durch weitere Laufkundschaft bereits weit ins Infield hineinreichte. Da störte auch nicht, dass Gitarrist Mr.Seidel während „Brumlebassen“ fluchtartig die Bühne verlassen musste, um seine Soundprobleme in den Griff zu kriegen. Die Messlatte für den Opener des nächsten Jahres liegt bereits jetzt ganz schön hoch.


11.50 (PS) MEGAHERZ
War es denn schon Zeit für den Headliner? Das prall gefüllte Rund hätte es vermuten lassen können. Dicht gedrängt, bis in die letzten Reihen trotzten die Fans schon Minuten vor dem Auftritt der Münchner der gleißenden Sonne. Und leider sollten sie das auch noch gut 15 weitere Minuten nach dem angekündigten Beginn tun müssen. MEGAHERZ hatten nämlich aufgrund der berühmten technischen Probleme einen holprigen Start in den Donnerstag erwischt. Doch weder Band noch Publikum ließen sich den Spaß verderben und vertrieben sich Wartezeit mit Zugaberufen und stetiger Wasserausgabe durch Sänger Alexander „Lex“ Wohnhaas. Als es dann endlich losgehen konnte, war das Publikum bereits derartig heiß gelaufen, dass schon der Opener „Zombieland“ vom gleichnamigen Album die Menge zum kollektiven Hüpfen brachte. Sichtlich angetan von der Leistung des Publikums, galt es nicht noch mehr Zeit zu verlieren und man reihte direkt Hit an Hit. Sänger „Lex“ schwang dazu gekonnt im Takt sein zum Mikroständer umgebauten Baseballschläger. Selbst ein engagierter Rollstuhlfahrer ließ es sich nicht nehmen, sich von vielen helfenden Händen übers Publikum tragen zu lassen. Respekt! Aufgrund der verkürzen Spielzeit, schien das Set dann bereits mit „Für immer“ ein Ende gefunden zu haben. Ohne ihren größten Hit gespielt zu haben, wollte man die Münchner allerdings nicht gehen lassen und man zwang förmlich Band und Stagemanager die Spielzeit noch etwas zu erweitern. So kam es, wir es kommen musste: „Miststück“ war somit der gewohnte finale Paukenschlag eines kurzen, aber deshalb nicht weniger intensiven Auftritts der Band.


12.40 (MS) THE SIRENS
Mit den beiden Norwegerinnen Kari Rueslåtten und Liv Kristine sowie der Holländerin Anneke van Giersbergen waren unter dem THE SIRENS-Banner gleich drei der bedeutendsten Metal-Sängerinnen überhaupt auf der Main Stage vereint. Und wie man es bei einer solchen Konstellation erwarten durfte, nahm jede der drei Damen auf charmanteste Weise ihre Zeit im Rampenlicht in Anspruch. Zur Höchstform liefen THE SIRENS jedoch auf, wenn sie wie im Opener "Treat Me Like A Lady" als Trio agierten. Eine auserlesene Publikumsschar lauschte größtenteils andächtig den starken Kompositionen aus dem Repertoire der drei Solokünstlerinnen sowie ihrer aktuellen beziehungsweise ehemaligen Bands THE 3RD AND THE MORTAL, LEAVES EYES und THE GATHERING. Der nach jedem Stück aufbrandende Applaus machte hingegen deutlich, dass die Songs bei der Fraktion der stillen Genießer auf ausgesprochen fruchtbaren Boden fielen. Als Highlights dürften dabei vor allem das von Liv Kristine und Anneke van Giersbergen im Duett dargebotene "Vervain" und Annekes Darbietung des THE GATHERING-Klassikers "Strange Machines" noch lange im Gedächtnis bleiben.


13.00 (TS) NE OBLIVISCARIS
Mit einer der technisch anspruchsvollsten Bands des SUMMER BREEZE 2015 stieg auch die T-Stage in den zweiten Festivaltag ein: NE OBLIVISCARIS aus dem sonnigen Australien gaben sich mit ihrer besonderen Mischung aus technischem Death Metal und folkigem Black Metal ein Stelldichein. Es mag leichter verdauliche Kost in der brütenden Mittagshitze geben, dennoch fand eine erfreulich große Anzahl an Fans den Weg unter das Zeltdach. Und enttäuscht wurde sicherlich niemand: Die Band hatte ob des engagierten und gut aufgelegten Publikums sichtlich Spaß am Musizieren und rief immer wieder zum Mitmachen auf – insbesondere, da die ersten Reihen die vier Songs des Sextetts von Down Under frenetisch abfeierten. Hauptsächlich die von der Violine getragenen, eingängigen Passagen rissen die Zuschauer immer wieder mit – der engagierte Auftritt von Sänger Xen tat dann ein Übriges. So stimmte die Mischung zwischen ehrfurchtsvollem Staunen ob der spielerischen Fähigkeiten von Bassist Cygnus und dem Gitarristen-Duo Matt Klavins und Benjamin Baret, und der mitreißenden Darbietung von (Clean-) Sänger und Geiger Tim Charles absolut – und NE OBLIVISCARIS lieferten trotz eines etwas dominanten Schlagzeugsounds einen amtlichen Auftritt ab.


13.30 (PS) KYLE GASS BAND
Nachdem die stimmgewaltigen Grazien die Main Stage verlassen hatten, setzten sich alle Zuschauer in Bewegung und es war ein schier endloser Ansturm auf die Pain Stage auszumachen. Keine Übertreibung bei den Worten: Es war proppenvoll - als wäre es bereits spätabends! Überall nur KYLE GASS BAND-hungrige Zuschauer, die den Hollywood-Schauspieler und Vollblut-Musiker und seine Truppe lautstark erwarteten. Wer allerdings den typischen TENACIOUS D-Humor, gepaart mit Classic Rock und einer One-Man-Show erwartete, wurde enttäuscht - oder besser positiv überrascht. Bei "Bro Ho" und dem Medley aus dem JACKSON 5-, MICHAEL JACKSON- und DJ JAZZY JEFF & THE FRESH PRICE-Cover - bei dem übrigens der Drummer das Mikro übernahm - wurde natürlich Spaß zelebriert, aber Songs wie "Manchild", "Dyin' Day" und "Gypsy Scroll" zeigen, dass THE KYLE GASS BAND durchaus auch ernstzunehmende Musik mit Inhalt abliefern. Dabei ist wirklich jeder Musiker auf der Bühne essentieller Teil des Ganzen und das Publikum durfte eine tolle und sommerlich-rockende Show genießen. Direkt nach der Show bahnte sich Kyle Gass dann den Weg zum anstehenden Treffen mit den drei glücklichen Gewinnern, welche KYLE GASS BAND im Akustikgitarren-Wettkampf zu besiegen versuchten.


13.45 (CS) HOTROD MAYHEM
Obwohl sich zunächst nur eine Handvoll Hartgesottene vor der Camel Stage zum Auftritt von HOTROD MAYHEM einfanden, legte das Heidenheimer Quintett sichtlich motiviert und energetisch los. Bereits der Opener "We Are At War" gab die Richtung der kommenden halben Stunde vor: Geradeaus, ohne Umwege, ohne Haltestellen. So stellte sich sehr schnell heraus, dass genau dieser direkte und rotzige Thrash Metal in der brütenden Mittagshitze das richtige Rezept ist: Bereits beim zweiten Titel "Contamination Overdose" war die Begeisterung der Band merklich auf das Publikum übergesprungen. Insbesondere Frontröhre Feben legte dabei einen engagierten Auftritt auf der Bühne hin und zog die Anwesenden mit ihrer begeisternden Art schnell in ihren Bann – folglich stieg die Zuschauerschar im Laufe des Sets kontinuierlich an. Auch das dem verstorbenen SUMMERBREEZE-Urgestein Michael Trengert gewidmete "Meltdown", das zu den Bandfavoriten gehörenden "Reaktored" und die beiden Abschlusstracks "Black Rain" und "Slaves" kamen bei den Zuhörern gut an – so konnte das sympathische Quartett schließlich einen gelungenen Auftritt für sich verbuchen – erst recht, wenn man bedenkt, dass dies die erste Show mit Feben war und die Band recht kurzfristig als Ersatz für HELL CITY ins LineUp gerutscht ist, Respekt!


14.15 (TS) HÄMATOM
"Dinkelsbühl: 35 Grad – die Schminke sitzt." Unter diesem Motto stiegen die vermummten HÄMATOM rund um den wie gewohnt schwarz-weiß geschminkten Frontmann "Nord" auf die Bühne der T-Stage. Bereits vor den ersten Klängen des Openers "Leichen pflasterten unseren Weg" forderte die zahlreich erschienene Fanschar den Auftritt der Band mit lautstarken Sprechchören – und unterstützt von vier großen Leinwänden, die den visuell opulenten Auftritt der Maskenmänner noch verstärkten, ging es dann auch von Anfang an ordentlich zur Sache. Ausgestattet mit Hits wie "Sturm" und "Auge um Auge" bot das dargebotene Set dem Publikum ausreichend Gelegenheit sich ordentlich körperlich zu verausgaben: Entweder beim lautstarken Mitsingen oder beim zwischenzeitlich aufkommenden Moshpit. Da auch die berühmte T-Shirt Kanone nicht fehlte und die eingängigen Titel von einem wummernden Bühnensound getragen wurden, hatte HÄMATOM schnell die Herzen (und Nacken) der Fans erobert – die dann auch bereits fünfzehn Minuten vor Ende des Auftritts erste Zugaben forderten.


14.20 (MS) CORVUS CORAX
Mit den selbsternannten Königen der Spielleute CORVUS CORAX hielt dann echtes Mittelaltermarkt-Feeling auf dem Gelände Einzug. Auch ohne elektrische Verzerrung sorgte die Percussion-lastige Show für ausgelassene Stimmung unter den zahlreichen Fans anachronistischer Instrumentarien und sorgte für ein munteres Gymnastikprogramm bestehend aus rhythmischem Klatschen – pardon: Handgeklapper, Hüpfen und La-Ola-Wellen. Einige Todesmutige eröffneten in der prallen Mittagshitze sogar einen amtlichen Moshpit. Das passte gut zum martialischen Auftreten der Spielleute, das im Zusammenspiel mit den Kostümen, die aus historischen und historisierenden Kompositionen bestehende Show, um eine eindrucksvolle visuelle Komponente ergänzte. Mit "Twilight Of The Thunder God" wagten sich CORVUS CORAX sogar an eine zeitgenössische Komposition der "kleinen schwedischen Band" AMON AMARTH, die dem Vernehmen nach sehr angetan von der akustischen Neuinterpretation gewesen sein soll. An die Stimmgewalt eines Johan Hegg reichte Frontmann Castus mit seinem dumpfen Gebell zwar nicht ganz heran, darüber sahen die Fans jedoch gerne hinweg und feierten diesen Höhepunkt einer rundum gelungenen Mittelalter-Show mit besonders frenetischem Jubel.


15.00 (CS) DRESCHER
So jetzt hier, Hefte raus, Klassenarbeit! Also, man nehme 5 Österreicher, statte einen davon mit einem Metal-untypischen Instrument (Akkordeon) aus und füge eine gängige Metal-Bandbesetzung hinzu. Und was gibt’s das dann, wenn es um drei Uhr nachmittags bei mindestens 35° Außentemperatur auf freiem Feld zelebriert wird? Richtig, ne amtliche Vollbedienung! Die fünf Austria-Buam, allesamt in Lederhosen und schwarzen Hemden mit Rot-Weiss-Karo-Schulterbereich stießen von Anfang an auf massig Gegenliebe und dürften sich ob der vielen Österreich-Flaggen und der textsicheren ersten Reihen fast ein bisschen heimisch gefühlt haben. Auf der Bühne und auch im Publikum fand sich überall das Bandlogo, ein gehörntes Akkordeon wieder, ob nun auf dem Backdrop, auf Shirts und sogar auf den Schuhen des Bassisten! Die ohnehin schon prächtige Laune ließ sich dank einer Coverversion des göttlichen Falco („Amadeus“) sogar noch steigern und als nach einer halben Stunde dann schon wieder Schluss war, konnte den Zugabe-Chören leider nicht gefolgt werden. Leiwad!


15.10 (PS) TANKARD
Nimmt man alle bandeigenen Songs von jedem Studioalbum zusammen, haben TANKARD 166 Songs in geradliniger Thrash-Metal-Manier parat, bei denen es in mindestens 167 um Bier geht. Da bietet sich als Einleitung der Besprechung doch ein Zitat von Frontmann Gerre an: „Prost Freunde!“ Wer hier nicht mit einem kühlen oder auch lauwarmen Gerstensaft erschienen ist, hat irgendetwas falsch gemacht. Schon vor der Show bahnten sich „TANKARD“-Rufe durch die Hitzewand. Wie angenehm, dass die Sonne zum Start kurz hinter einer Wolke verschwand. Das Security-Personal drehte trotzdem den Wasserschlauch auf und berieselte die vorderen Reihen – tatsächlich mit Wasser, nicht mit Bier. Davon stand aber eine Palette am Drumkit bereit, und im Verlauf des Gigs flog die eine oder andere Dose ins dankbare Rund. Apropos Rund: Es versammelten sich enorm viele Leute zur feuchtfröhlichen Messe, die sogleich entbrannte, als Bassist Frank Thorwarth und Gitarrist Andy Gutjahr auf die Bühne kamen. Kurz darauf eilte auch Gerre herbei, dessen Bierseligkeit in Bauchform jedes Mal aufblitzte, wenn er die Arme hob, um die Menge zu animieren. Aber das kennt man ja! Auch zwischendurch wurde das Shirt eifrig angehoben, um der zufriedenen Plautze etwas Frischluft zu verschaffen. Nach dem Opener „Zombie Attack“ vom 1986er-Debüt schob der sympathische Sänger „erst mal etwas Ernstes“ ein und sprach den Ausfall von Drummer Olaf an, der inzwischen wieder aus dem Krankenhaus entlassen wurde – gute Besserung weiterhin! Ansonsten verlief der Auftritt wie gewohnt auf einem äußerst unterhaltsamen Level. Die Songauswahl war großartig und bot eine illustre Mischung aus richtig alten und neuen Nummern. Gerre flitzte von einer Seite zur anderen, warf einen Handkuss in Richtung Kamera, spielte Luftgitarre, hob die Kamerafrau – der er auch den Song „A Girl Called Cerveza“ widmete – später sogar hoch und erntete unzählige „Ausziehen“-Rufe aus dem Zuschauerpulk. Ein mittelgroßer Pit wirbelte trockenen Staub auf, durch den wiederum nach und nach Stagediver segelten. Man liest es schon heraus: TANKARD ließen eine prächtige Nachmittagsparty steigen. Richtig lustig wurde es, als ein Fan auf die Bühne durfte, um erst mitzugröhlen und dann die unerforschten Tiefen unter Gerres Shirt zu erkunden. Kurzum: TANKARD haben mächtig abgeliefert und sich ihr Bier mehr als verdient!


15.30 (TS) OBEY THE BRAVE
OBEY THE BRAVE sind zwar erst seit 2012 im Metalcore-Business, doch längst keine Unbekannten mehr. Das liegt wohl vor allem daran, dass Shouters Alex Erian bei DESPISED ICON – die damals 2010 auf der T-Stage ihre letzte Deutschland Show vor der Auflösung zum Besten gaben – aktiv war, beziehungsweise wieder ist. So konnten sie sich durch gute und viele Touren schnell einen Namen machen und sich eine ansehnliche Fanschar erspielen. Demnach war der nachmittägliche Slot, des frisch aus Kanada eingeflogenen Fünfers, mehr als berechtigt. Umso mehr, wenn man einen Blick ins Publikum warf. Denn es wartete ein gut halb gefülltes Zelt auf die Kanadier, das absolut in Party-Laune war. „Not trying to reinvent the wheel. We keep it simple. We keep it real.“ ist ja bekanntlich das Motto von OBEY THE BRAVE und dieser Slogan fasste den musikalischen Output perfekt zusammen. Die Band preschte mal schnell, mal mit viel Groove nach vorne und bot mit massig Breakdowns auch genügend Möglichkeiten für die Pit-Akrobaten sich in Szene zu setzen. Aber auch die Melodien kamen bei OBEY THE BRAVE nicht zu kurz. Dazu ist Erian nicht nur ein Monster am Mic, sondern auch noch ein Entertainer par excellence, der es versteht die Zuschauer zu Höchstleistungen anzutreiben. Der Pit war von Beginn an hoch frequentiert und nach knappen drei Songs war bereits so viel Staub aufgewirbelt worden, dass das Atmen im Zelt deutlich schwerer viel. Bei so viel Action war es aber auch abzusehen, dass gegen Ende erste Ermüdungserscheinungen auftraten. Die Show jedenfalls war von Anfang bis Ende ein ziemliches Brett!


16.00 (MS) DIE APOKALYPTISCHEN REITER
Jetzt neu im Lexikon unter "Gummiball": DIE APOKALYPTISCHEN REITER bzw. deren Frontderwisch Fuchs – abgesehen von der ersten Nummer des diesjährigen Festivalauftritts. Nach einer kurzen Umbaupause und einem bejubelten Einzug zum Intro zeigte sich der uniformierte Fuchs nebst edel gekleideten Mitstreitern beim Opener "Freiheit.Gleichheit.Brüderlichkeit" erstaunlich zurückhaltend und stoisch militärisch. Ab "Revolution" und damit die restlichen Minuten der einstündigen Show einschließend, war der Flummi jedoch wieder gewohnt agil unterwegs und auch die beiden Gitarristen Volk-Mann und Ady hatten nach den ersten drei Songs vor Anstrengung rote Köpfe - genauso wie die feierwütige Menge, die sich bis zu den ganz hinten gelegenen Essensständen erstreckte. Vorne gab es große Circle-Pits, weiter hinten kleine Drei-Mann-Circle-Pits, dazu pausenlos Crowdsurfer, teilweise sogar Rollstuhlfahrer (Hut ab, Leute!), Sitzkreise mit Ruder-Einheiten und bei "Seemann" wurde die ausgewählte Seefrau auf einem schwarzen Schlauchboot über das Meer der Zuschauer geschickt. Blanke Hinterteile gab es diesmal keine, zumindest nicht auf der Bühne, aber die Zeit verging dank der facettenreichen Songauswahl wie im Flug und DIE APOKALYPTISCHEN REITER zeigten abermals, dass sie ihre Zuschauer auch live mit Wahn, Witz und zeitgleich auch Ernsthaftigkeit trotz tropischen Temperaturen in praller Sonne zu Höchstform animieren können. Tatsächlich fühlte es sich an, als wären die Chaoten auch auf ihre eigene Art und Weise erwachsener geworden, aber es stellt sich die Frage, ob Dr. Pest wohl seinen Vogelkäfig von einst vermisst.


16.15 (CS) ROGASH
Death Metal-Deutschland geht’s aktuell richtig gut. Neben den am Vortag bereits aufgetretenen DESERTED FEAR zählen ROGASH zu den neuen Sternen am todesmetallischen Himmel hiesiger Gefilde. Allerdings füllte sich der Platz vor der Camel Stage nur allmählich, als die aus Jena stammende Band mit „Less Emotion“ loslegte. Midtempo kennt die Truppe nur bedingt, primär wurde genüsslich der Knüppel geschwungen. „Voll auf die Mütze“ hieß das Motto und trotz der hohen Temperaturen und brennenden Sonne ließ sich Dinkelsbühl nicht lumpen. Nach anfangs erst zaghaften Versuchen, wurde nach kurzer Aufwärmphase so manche Matte geschwungen. Gefüllt wurden die 30 Minuten mit Material von der ersten EP „Rogan Era“ und dem Debütalbum „Supremacy Undone“. Sänger Erik konnte mit seinen fiesen, brutalen Vocals überzeugen, daneben gesellte sich ein ums andere mal Blickfang und Bassist Florian, der mit seinem rotierenden Dreadlocks zu beeindrucken wusste. Trotz der auf Dauer relativ simpel gestrickten Nummern, versammelten sich nach und nach mehr Neugierige vor der Bühne, die mit einem amtlichen Death Metal-Brett belohnt wurden. Ein kleines Meer aus Hörnern war die logische Folge, als die Band sich mit dem SEPULTURA-Cover „Refuse/Resist“ verabschiedete.


16.45 (TS) OST+FRONT
Nach einer kurzzeitigen Schminkepause in Form von OBEY THE BRAVE wurde bei OST+FRONT wieder ganz tief ins Beautycase gegriffen. Optisch kam die Band wie eine Mashup aus den Filmen Iron Sky und The Walking Dead daher und musikalisch orientierte man sich merklich an Lindemann&Co.. Als Intro gabs die komplette Nationalhymne der DDR und auch sonst bemühte sich die Band um Akzente. So gab es immer wieder Phasen während der Show in der die Musiker unbeweglich an ihren Plätzen verharrten, stoisch is da word. Der hühnenhafte Bassist sah aus, als hätte er sein Instrument im Spielzeugladen erstanden, weils im Kontrast zu ihm einfach extrem winzig aussah. Und ganz wie bei dieser anderen bekannten rrrrrrockenden Band gestikulierte der Fronter theatralisch und gab der Keyboarder in seiner Zweiter Weltkrieg-Uniform den Freak. Beim zweiten Song „Fleisch“ wetzte er im Graben herum und verteilte irgendwas zu Essen an die ersten Reihen und später düste er dann mit nem Seniorenmobil zwischen seinen Kollegen auf der Bühne herum und einmal diente er seinem Sänger als devoter Sitz. Cool kamen auch die zwei riesigen, weißen Ballons, die ins Publikum geworfen wurden – vor allem weil sie irgendwann platzen und die rote Soße aus ihrem Inneren überm Volk verspritzt wurde. Also langweilig wars bestimmt nicht!


17.05 (PS) DESTRUCTION
Wer hat Angst vorm Butcher? Scheinbar gar nicht so viele, sonst wäre der Bereich vor der Pain Stage nicht so gut gefüllt gewesen. DESTRUCTION waren die zweite Band der Big German Four, nachdem TANKARD bereits vorgelegt hatten. Im Vergleich zu Gerre und Co. gehen Schmier und Konsorten aber um ein 666-faches finsterer zu Werke. Nieten reflektierten die Sonne, Pentagramme zierten das Backdrop und die Pyros schienen – plakativ betrachtet – unmittelbar aus der Hölle zu kommen. Wirklich böse aufgelegt war hier natürlich niemand, und so reckten die Fans schon beim Opener unaufgefordert die Fäuste und Pommesgabeln in den sattblauen Himmel. Wer bereits 1982 an den Start ging und seither mehr oder weniger regelmäßig Studioalben veröffentlicht, hat sich seine Daseinsberechtigung unweigerlich verdient. Bei DESTRUCTION kann das noch verschärft werden: Die Band gehört ohne Frage zur Speerspitze der deutschen Thrash-Metal-Szene und kann in Sachen Songrepertoire aus dem Vollen schöpfen. So wurde den Anwesenden eine bis auf den Einsatz der schon erwähnten Pyros angenehm schnörkellose Show geboten – mit spannenden Reisen in die musikalische Vergangenheit. Da DESTRUCTION aber stets nach DESTRUCTION klingen, war die Oldschool-Attitüde omnipräsent. All das eingebettet in einen satten, gut ausbalancierten Sound. Man fragt sich nur, ob es nicht doch etwas riskant ist, volle Bierdosen relativ unangekündigt in die Menge zu feuern. Da niemand verletzt wurde, blieb unterm Strich aber ein weiterer starker Gig, der erneut zum ausgelassenen Feiern und Headbangen anregte.


17.30 (CS) NACHTGESCHREI
Obwohl die Sonne ihre tägliche Wanderung über das Firmament noch nicht vollendet hatte, wurde es nun Zeit für NACHTGESCHREI. Die Frankfurter Mittelalter-Rocker hatten einige Stücke ihres in der Vorwoche veröffentlichten neuen Albums "Staub und Schatten" im Gepäck und ergänzten diese um "In die Schwärze der Nacht" und "Sirene" vom Vorgänger "Aus schwärzester Nacht". Dabei wurde es angesichts von sieben Musikern ziemlich eng auf der Bühne und auch der Raum davor war mit einer erfreulich großen Menge an Fans gut gefüllt. Die rockigen Kompositionen rückten die Stimme von Martin LeMar deutlich in den Vordergrund, während der Dudelsack eine begleitende Funktion inne hatte. An der Drehleier konnte man mit Lauren "Laui" Weser in diesem Jahr ein neues Gesicht begrüßen. Ihre Einarbeitung schien indes unproblematisch verlaufen, die junge Dame hatte sichtlich Spaß auf der Bühne, suchte und fand immer wieder den direkten Kontakt zu ihren Jungs und bekam das strahlende Grinsen dabei kaum mehr aus dem Gesicht. Neben den mittelalterlichen Elementen lebte die Show von ihrem erdigen, satten Rocksound und den markant in Szene gesungenen deutschen Texten. Dass Nachtgeschrei ihre Kompositionen dabei allerdings nicht im Pathos ertränken, machte sie auch für jene Besucher interessant, die anderen namhaften Deutschrock-Bands eher reserviert gegenüberstanden.


18.00 (TS) BETRAYING THE MARTYRS
Nachdem die Show von OBEY THE BRAVE schon ein richtiger Abriss und für die Hard- und Metalcore-Jünger sehr intensiv war, folgte, nach kurzer, knapp zweistündiger Verschnauf- und Abkühlpause, schon das nächste Schmankerl auf der T-Stage: Die Franzosen BETRAYING THE MARTYRS um Sänger und Frauenschwarm Aaron Matts. Im Gepäck hatten sie eine überbordende Mischung aus technisch anspruchsvollem Death Metal, samt einer klaren Core-Kante und symphonischen Keyboard-Klängen - und von allem reichlich. Jeder Song strotze nur so vor Ideen und unerwarteten Wendungen. Dazu das beständige Duell zwischen Matts brutalen Growls und Keyboarder Victor Guillet, der sowohl spitz keifen kann, als auch engelsgleich singen. Zwischen diesen beiden Spannungspunkten grasten BETRAYING THE MARTYRS wirklich alles ab, was das, wenn man es denn so nennen möchte, Death Core Genre hergab. Das gut halb volle Zelt erfreute sich an diesem Abwechslungsreichtum und feierte ausgiebig. Wall of Death, Circle-Pit und moshen, von allem war etwas dabei und binnen wenigen Songs wurde das Zelt zur Staubhölle. Die Band stand dem in nichts nach und hinterließen mit dem abschließenden „Legends Never Die“ ein nachdrücklich guten Eindruck. Plus: Dieser Song wurde dem kürzlich verstorbenen AFTER THE BURIAL Gitarrist Justin Lowe gewidmet.


18.10 (MS) BLACK STONE CHERRY
Southern Rock in Southern Germany - eine gute Kombination! Mit dem Song "Maybe Someday" des selbst betitelten Debütalbums von 2006 nahmen die Jungs von BLACK STONE CHERRY die Main Stage in Beschlag. Die Setlist umfasste eine ausgeglichene Mischung aus drei der vier veröffentlichten Alben, das Zweitwerk "Folklore And Superstition" war nur mit einem Song vertreten. Anzumerken ist hierbei jedoch, dass sich auch ungewöhnliche Tracks unter der Auswahl befanden - nicht alle waren typische Klassiker von BLACK STONE CHERRY. Das tat der Stimmung oder Show aber nicht im Entferntesten einen Abbruch. Mit spürbarer Leidenschaft und Direktheit duellierten sich Gitarrist Ben Wells und Bassist Jon Lawhon, schmissen sich von einer Pose in die nächste und feuerten von ihrer Position aus selbst noch die Zuschauer vor dem FOH an. Aber wenn ein Mann ganz besonders hervorzuheben ist, dann ist das der Herr an der Schießbude: Was Mr. Young da an seinem Schlagzeug vollbrachte, ließ so manche Kinnlade herunterklappen. Nicht nur, dass er das Snare-Fell dermaßen zertrümmerte, dass er eigentlich keinerlei Mikros nötig hatte, es wurden während der Show 17 (!) Drumsticks gesichtet, die entweder ihr Ziel verfehlten, vom Drumtec aufgesammelt werden mussten oder in ihre Einzelteile zerbarsten. Nur gut, dass zumindest Frontmann und Gitarrist Chris Robertson eine gewisse "Ruhe" in den Auftritt brachte, nicht zuletzt mit einer hervorragenden stimmlichen Leistung. Besonders "Me And Mary Jane" und das WILLIE DIXON-Cover "Built For Comfort (Not For Speed)" entwickelten ihren unvergleichlich erdigen Charme. Bei "Blame It On The Boom Boom" übernahm das Publikum von ganz allein den Refrain. Trotz des gespielten "Rain Wizard" gab es leider keinen kühlenden Regen, wohl aber eine leichte Brise und eine große Portion breitbeinigen Rock 'n' Roll.


18.45 (CS) ANTROPOMORPHIA
Ihren Jungfern-Gig auf dem SUMMER BREEZE haben sich ANTROPOMORPHIA wohl anders vorgestellt. An Interesse mangelte es vor der Camel Stage beileibe nicht, aber der Sound war leider nicht der Freund der Niederländer. Der Vierer musste die kompletten 30 Minuten viel zu leise abgemischt, mit konturlos wummerndem Bass und ohne wirklich hörbare Gitarren bestreiten. Doch ANTROPOMORPHIA gaben sich unbeeindruckt und zogen ihren Auftritt professionell durch – immerhin stehen sie mit Pausen ja auch schon bereits seit 1989 auf der Bühne. Ein Bühnenseitenwechsel des Bassers und zweiten Gitarristen war die einzige Showeinlage, ansonsten regierte trockener und einfach nur ehrlicher Midtempo-Death Metal ohne viel Firlefanz. Leichenblass geschminkt und mit Kunstblut beschmiert zimmerten sie ausschließlich Songs der letzten zwei Alben in die Menge, wer auf die ganz alten Old-School-Schinken hoffte, wurde leider enttäuscht. Trotz des suboptimalen Klangs gabs ordentlich Zuspruch der Leute, auch wenn sich die Reihen zur Mitte des Sets merklich lichteten. Lag aber auch am Mini-Moshpit, der sich während „Inanimatus Absqui Anima“ formierte. Insofern: trotz Zimmerlautstärke beide Daumen hoch.


19.15 (PS) SODOM
Nach der knochentrockenen Liederstunde von BLACK STONE CHERRY zogen die Ruhrgesteine SODOM die Zuschauer zu sich vor die benachbarte Pain Stage. "Bisschen moshen?" Da musste Tom Angelripper nicht erst lange bitten. Kaum war die Truppe dem Rauch und Nebel entstiegen und der Titeltrack des "Agent Orange"-Albums gezündet, wurden Onkel Tom und Konsorten furios gefeiert. Eine weitere Nachhilfestunde in Sachen Thrash-Metal vom Feinsten begann und auch die Kollegen von TANKARD zollten ihren Tribut auf der Tribüne. Generell galt für SODOM: Lieber Taten statt Worte. Ohne groß Reden zu schwingen wurden Kult-Songs wie "Ausgebombt", "Stigmatized" und "The Saw Is The Law" ausgepackt und zusammen mit neuem Material aufgetischt. Tatsächlich konnte man SODOMs Auftritt auch auf diese Art zusammenfassen: Sie sind einfach Kult, vielleicht eine der wichtigsten Bands in diesem Genre, Urgesteine in ihrem Element - dabei aber keineswegs "eingeschlafen" oder "veraltet". Die Jungs kamen auch nach all diesen Jahren noch euphorisch auf die Bühne und zockten sich locker durch ihr Set. Und für das Publikum war letztendlich egal, ob alt oder neu, auch aktuelles wie "Sacred Warpath" von der letzten 4-Track-EP wurde mit Beifall angenommen. Erfahrung, Präzision und absolute Spielfreude in Reinkultur eben.


19.15 (TS) DORNENREICH
Erstmals am heutigen Tag erhielt Schwarzmetall Einzug auf der T-Stage. Allerdings nicht im traditionellen Sinne, denn DORNENREICH spielten noch nie nach den Regeln anderer, was allein an der Besetzung mit einem Gitarristen, einem Violinisten und einem Schlagzeuger deutlich wird. Während des stimmungsvollen Intros betraten die Musiker der Reihe nach die Bühne und wurden dabei von reichlich Applaus begrüßt. Anschließend hieß es jedoch andächtig den Klängen von „Der Wunde Trieb“ zu lauschen; Beifallsbekundungen des Publikums beschränkten sich nahezu ausschließlich auf die Pause zwischen den einzelnen Songs. Auch wenn es bei der immer noch im Zelt festsitzenden Hitze schwer fallen mochte, die Menge ließ sich auf die gefühlvollen Stücke der Österreicher ein und tauchte in deren Welt ab. Auch seitens der Musiker fehlte kein Prozent an Hingabe: Allen voran Gitarrist und Sänger Jochen Stock. Der bescherte dem Volk durch seinen leidenschaftlichen Gesang eine Gänsehaut nach der anderen. Ob nun Stücke neueren Datums („Flammenmensch“, „Erst Deine Träne löscht den Brand“) oder ältere Songs wie „Schwarz schaut tiefsten Lichterglanz“, das Publikum war mit der homogen wirkenden Songauswahl rundum zufrieden. So bedurfte es auch keiner großen Ansagen der Band, um die 45 Minuten Spielzeit wie im Fluge vorbeiziehen zu lassen und schließlich mit „Trauerbrandung“ zu enden.


20.00 (CS) JOHN COFFEY
Um es gleich vorweg zu nehmen, die allereinzigste Enttäuschung beim Auftritt der sympathischen Niederländer war, dass nicht ein Bierbecher aus dem Publikum in Richtung des Sängers geworfen wurde, so dass er erneut seinen unglaublichen Stunt vom diesjährigen Pinkpop hätte zeigen können. (Falls es tatsächlich noch jemand nicht gesehen haben sollte, einfach JOHN COFFEY und Beer bei YouTube suchen). Mit Ausnahme des Drummers, der die ganze Zeit faul auf seinem Hocker saß, war die komplette Band an sich permanent in Bewegung. Für einen der Gitarristen ging mit der Show ein lang gehegter Traum in Erfüllung, weil die Band sich wohl schon immer wieder mal bei Metal Festivals beworben hat, als launige Punkband aber immer abgelehnt wurde. Zum Highlight der Show geriet „Heart Of A Traitor“ bei dem sich der Sänger ins Publikum begab und eine – zumindest mir seither – unbekannte Aktion initiierte: Er dirigierte das komplette Publikum auf die linke Seite und wies es an beim Einsatz der Band nach rechts zu spurten und dann direkt wieder nach links zurückzupreschen. Das funktionierte tatsächlich sehr gut und resultierte in fröhlichem Gerangel und einer riesigen Staubwolke. Zum Abschluss ließ sich der Sänger dann noch singenderweise vom begeisterten Publikum über die Köpfe reichen. Und huch, der einleitende Satz war doch nicht ganz wahr, extrem enttäuschend war natürlich auch die viel zu kurze Spielzeit von gerade mal einer halben Stunde. Grandios und hoffentlich nicht zum letzten Mal in Dinkelsbühl!


20.20 (MS) OPETH
Zum ersten Mal seit 2009 waren auch die Prog-Meister OPETH wieder mit von der Partie. Wer bei damaliger Show vor der Bühne stand, erinnerte sich sicherlich auch an die technischen Probleme, die den Gig damals zeitweise zu überschatten drohten. Es galt also Einiges wieder gut zu machen. Mit hörbarem Erfolg, wie sich herausstellte: Nicht nur der Sound, auch die umfang- und variantenreiche Setlist konnte die Fans zufrieden stellen und den vorderen Festivalbereich füllen, so weit das Auge reichte. Nachdem schon zur letzten Tour wieder Growl-Songs in Selbige aufgenommen wurden, konnten OPETH all ihre Stärken ausspielen und ausgewählte alte, wie auch viele neue Songs zu einem überragenden Gemisch formen. Zwar gab sich Mikael Åkerfeldt abgesehen von einem "Mein Hund ist dunkelblau" (so hat ers gesagt!) ungewohnt wortkarg, aber es war nicht nur erfrischend alte Klassiker zu hören, sondern auch rare Perlen wie "To Rid The Disease" vom 2003er "Damnation"-Album. Dies und ein breitgefächertes Spektrum seines gesanglichen Könnens zwangen ohnehin zu Dauerbewegung. Natürlich lieferte die gesamte Band ihren Beitrag zu einer großartigen Show und das Wechselbad der Gefühle war durch gefühlvolle und mehrdimensionale Melodieläufe, akzentuierte Soli, aber auch harte Kanten und die berüchtigten Wendungen und Partwechsel melodisch wie taktisch garantiert. Den größten Kontrast und gleichermaßen leuchtende Augen verursachten OPETH jedoch mit "Heir Apparent", seines Zeichens einer der Titel vom Album "Watershed", der mit seinen wuchtigen Gitarrenriffs und dem stellenweise zu Tage gelegten Tempo den Anschein einer ganz anderen Band - oder zumindest Ära - erweckte. So richtig entwickeln konnten sich OPETHs Sphären und Zauber erst, als die Sonne ganz verschwunden war, aber dann war man unweigerlich ein Teil dieser einzigartigen Klangwelt.


20.30 (TS) CARNIFEX
Nach BETRAYING THE MARTYRS marschierte mit CARNIFEX am Donnerstag das nächste Death-Core Bonbon in die Staubhölle der T-Stage ein. Und die Amis starteten ihr Set gleich standesgemäß mit einem schönen großen Circle-Pit, der gleich die Richtung für die nächsten 45 Minuten vorgab. CARNIFEX gingen im direkten Vergleich zu ihren französischen Brüdern im Geiste zwar deutlich sparsamer mit Melodien um, doch so kamen die Songs, auch in Verbindung mit dem klaren Sound, noch brutaler und massiver rüber, als sie ohnehin schon waren. Besonders die vielen krachenden Breakdowns spürte man deutlich in der Magengegend. Und wenn man nicht die Musik spürte, dann wohl den Schuh des Nebenmannes im Pit. Dieser kochte nämlich von Beginn an und wurde von Sänger Scott Lewis immer wieder angepeitscht. Bei der imposanten Erscheinung und mit dieser imposanten Stimme, wagte es sowieso niemand, den Aufforderungen zu mehr Action nicht nachzukommen. So schraubten sich sowohl Publikum als auch die Band beständig die Birne ab, bis zum furiosen Finale mit „Hell Chose Me“.


21.15 (CS) VITJA
Die Jungs von VITJA profitieren erheblich vom Zustrom der das Zelt verlassenden CARNIFEX-Jünger. Beide Bands hatten nämlich durchaus eine musikalische Schnittmenge aufzuweisen und so blieben gleich einige Leute stehen und checkten die junge Band aus Köln und Münster aus. Der durchschlagende Cocktail aus progressivem Metal-Core, der öfter in Djent abrutschte und dezent mit elektronischen Samples vom Band aufgefüllt wurde, wusste zu gefallen. Dazu präsentierte sich VITJA sehr gut aufeinander eingespielt und hoch motiviert. Auf der völlig in weiß – bei den Gitarrenboxen beginnend, über die weißen Instrumente bis hin zu den passenden Mikroständern – gehaltenen Bühne herrschte nie Stillstand. Hier war vor allem Sänger David Beule ein echter Aktivposten. Bei „The New Breed“ wurde dieser dann noch vom THE GREEN RIVER BURIAL Sänger Gerald Ruschel unterstützt und spätestens bei „My Kingdom“ fraßen die Zuschauer VITJA aus der Hand, so dass die geforderte Wall of Death auch sofort in die Tat umgesetzt wurde. Am Ende hatten VITJA ihre halbe Stunde auf jeden Fall perfekt genutzt.


21.40 (PS) SALTATIO MORTIS
Die Spielleute von SALTATIO MORTIS feierten in diesem Jahr ihr fünfzehnjähriges Bestehen. Am Vorabend der Veröffentlichung ihres zehnten Studiowerks "Zirkus Zeitgeist" gab es also ordentlich Grund zu feiern - und die Fans kamen der Aufforderung dankend nach. Von der Bühne herab blickten die Musiker auf ein wahres Meer von emporgereckten Armen herab und in Bühnennähe herrschte angesichts der herbeigeströmten Menschenmassen quälende Enge. Gleich zwei neue Stücke entschädigten jedoch für das erzwungene Gruppenkuscheln. Mit ihrer aktuellen Single-Auskopplung "Wo sind die Clowns?" forderten SALTATIO MORTIS zu mehr Fröhlichkeit in der Welt auf, während sich das vermeintlich aus der Zeit gefallene "Willkommen In Der Weihnachtszeit" als punkig ironisierendes Spottlied entpuppte. Überhaupt entpuppten sich die Spielleute wieder einmal als wache Geister, die sich nicht hinter ihrer teilweise altertümelnden Instrumentierung verstecken, sondern immer wieder einen kritischen Blick auf aktuelle gesellschaftliche Probleme warfen. Da durfte die "Dekonstruktion unserer Nationalhymne" in Form des kapitalismuskritischen "Wachstum über alles" selbstverständlich nicht fehlen. Ihre kritische Haltung gegenüber rückwärtsgewandtem Denken machten die Spielleute bereits mit dem ironisch betitelten Opener "Früher war alles besser" deutlich, dessen Kernbotschaft sie zur Mitte ihres Sets hin durch eine kleine Zeitreise zu den Anfängen der Band unterstrichen. Statt der Bühnenbeleuchtung sorgten Feuerschalen für die passende Lichtstimmung, als SALTATIO MORTIS den "Knöterich" und "Totus Floreo" im von Dudelsäcken und Trommeln getragenen Akustikgewand präsentierten. Dagegen wurde das Element während der übrigen, rockigen Stücke eher in Form gewaltiger Flammensäulen gen Himmel gejagt, was nicht nur den umjubelten Klassiker "Prometheus" eindrucksvoll untermalte. Zum Ende hin ließ sich Frontmann Alea seinen gewohnten Crowdsurfing-Ausflug ins Publikum nicht nehmen. Auf den unerwarteten Damenbesuch, den er dabei in luftiger Höhe bekam, reagierte er unter dem Johlen der Umstehenden mit einem spontanen Küsschen. Zurück auf der Bühne fand die mitreißende Mittelalter-Rock-Show ihren Abschluss im "Spielmannsschwur", den die sangesfreudige Menge begleitet von einem mittelgroßen Feuerwerk gen Nachthimmel schickte.


21.45 (TS) EISREGEN
Es kündigte sich bereits am Nachmittag auf dem Infield an: Die Meute sehnte dem Auftritt der nicht ganz unumstritten und vor allem bei der Bundesprüfstelle bekannten Band EISREGEN entgegen. Die auf der Händlermeile meist nachgefragte Platte an diesem Tag war ohne Frage das neue Album „Marschmusik“, welches pünktlich zum SUMMER BREEZE das Licht der Welt erblickte. Dementsprechend wurde die Band um Schlagzeuger Yantit auch mit stimmkräftigen Sprechchören begrüßt. Nach „Todestag“ folgte dann in Form von „Marschmusik“ und „Blutkreis“ direkt der Doppelschlag von der neuen Veröffentlichung, der vom euphorischen Publikum positiv aufgenommen wurde. EISREGEN verstanden es in der Folge, aus alten und neuen Songs eine stimmige Setlist zu basteln, die einzig durch eine Pipi-Pause von Bassist West unterbrochen, jedoch gekonnt überbrückt wurde. Immer eine Anekdote auf Lager, versüßte Michael „Blutkehle“ Roth die ohnehin makabren Songtexte auf individuelle Art. Dem Publikum gefiels: Ein ums andere Mal flammte der Pit auf, während die ersten Reihen ihre Textsicherheit unter Beweis stellten. Eine wahrer Triumphzug aus Thüringen, zu der die neue „Marschmusik“ wie die Faust aufs Auge passte. „Elektrohexe“ besorgte den Rest und holte nochmals alles aus den zahlreichen Fans vor der Bühne heraus.


22.45 (CS) DEAD LORD
DEAD LORD haben gleich auf mehreren Ebenen das Maximale aus ihrem Gig herausgeholt. Nicht nur, dass die Schweden sechs Minuten früher beginnen und um fünf Minuten überziehen durften: sie gestalteten auch jede Sekunde der gesamten Spielzeit extrem kurzweilig. Vor allem THIN LIZZY-Fans kamen voll auf ihre Kosten, als das Quartett seinen hochmelodischen Heavy Rock schön trocken bei feinstem Sound herausrotzte: die Gitarren schnittig und klar konturiert, die Drums satt und kräftig mit einem sagenhaften Snare-Sound konnten die vor lockeren Doppel-Leads strotzenden Songs nur gewinnen. Stimmlich zeigte sich Lockenkopf Hakim Krim sattelfest und entpuppte sich als richtige Frontsau, die aus den schweißgetränkten Kompositionen auch noch das letzte bisschen Groove herauskitzelte. Und sogar für einen kurzen Jam auf IRON MAIDENs „The Trooper“ war noch Zeit. Mit klassischem Synchronposing der Saitenfraktion gab es vom Publikum dann auch zwischen den Songs mehr als nur Szenenapplaus. Ein bärenstarker Auftritt, den man wohl im englischen Sprachgebrauch getrost als „Powerhouse“ bezeichnen kann!


22.55 (MS) KREATOR
Zeit für den Headliner: Das letzte Mal vor ganzen sechs Jahren auf dem SUMMER BREEZE zu Gast, holten KREATOR zum großen Schlag aus. Ein opulenter Bühnenaufbau mit zahlreichen LED-Leinwänden im Halbrund hinter der Band ließ die Vorfreude wachsen, bis das Set, eingeläutet durch zwei Bengalo-Träger, schließlich mit dem Intro „Choir Of The Damned“ und „Enemy Of God“ Fahrt aufnahm. Bereits hier machte die aus Essen stammende Band keine Gefangenen und zündete den ersten Konfetti-Regen. Es folgte ein Best-Of-Set, dass es wirklich in sich hatte: Ob nun Songs der ersten Schaffensphase der Ruhrpott-Legende („Terrible Certainty“, „Awakening Of The Gods“) oder neuere Schmankerl vom aktuellen Album „Phantom Antichrist“, es folgte Hit auf Hit. Passend untermalt wurden die Songs dabei durch zahlreiche Animationen auf den LED-Leinwänden sowie Pyros und Nebelkanonen. Zu „Warcurse“ legte Frontmann Mille sogar selbst Hand an und feuerte mit einer CO2-Kanone über die Köpfe des Publikums hinweg. Dieses Zusammenspiel aus bockstarken Songs, einer guten Show und einem drückenden Sound traf den Nerv der Leute auf dem brechend vollen Platz vor der Bühne. Bereits früh stimmten die aus zahlreichen Ländern angereisten Fans (u.a. Mexiko, Brasilien, Kroatien) KREATOR-Sprechchöre an. Selbstverständlich ließ es sich Mille auch nicht nehmen, seine berühmten Ansagen vor den Songs zu platzieren. Zu „Extreme Aggression“ wurde wie gewohnt das „totale Chaos“ gefordert und Dinkelsbühl lieferte prompt mit einer satten Wall of Death. Zum Ende mit „Pleasure To Kill“ wurden dann nochmal alle Geschütze aufgefahren: Pyros, Nebelfontänen und Konfettikanonen im Zusammenspiel bescherten ein amtlichen Abschluss. Wahrlich ein würdiger Headliner, bei dem aufgrund mangelnder Zeit leider sowohl „Flag Of Hate“, als auch „Betrayer“ gestrichen werden mussten.


23.15 (TS) AGALLOCH
Die US-Amerikaner AGALLOCH, die ansonsten eher zu den seltenen Gästen auf Europas Bühnen zählen, gaben am späten Abend ihren langerwarteten Auftritt auf der T-Stage. Da AGALLOCH insbesondere auf ihren älteren Werken ihren Fokus auf eine dichte und getragene Stimmung legen, konnte man gespannt sein, wie es der Band gelingen würde, ihren düster-folkigen Black Metal live umzusetzen. Überraschenderweise zeigte das Quartett konsequenterweise ein gänzlich anderes Gesicht als auf ihren Tonträgern: AGALLOCH betonten nämlich die im Dark Rock verwurzelte Seite ihrer Musik. Besonders das Highlight "Dark Matter Gods" vom aktuellen Album "The Serpent & The Sphere" setzte aufgrund seiner starken Melodien ein Ausrufezeichen in einem starken Set, dessen Schwerpunkt klar auf den neueren Werken der Truppe lag. Dass sich Frontmann John Haughm auf der Bühne eher zurückhaltend gab, war aufgrund der bisherigen Auftritte der Band durchaus zu erwarten – aber dass insbesondere Gitarrist Don Anderson einen derartig engagierten und publikumszugewandten Auftritt hinlegte, verblüffte dann doch. Unterstützt von einem fetten Basssound und glasklaren Gitarren lieferten AGALLOCH einen kurzweiligen Auftritt ab, der Fans der beiden neueren Scheiben ganz sicher nicht enttäuscht hat.


00.15 (CS) THE GREEN RIVER BURIAL
THE GREEN RIVER BURIAL haben in letzter Zeit einen enormen Popularitätsschub erfahren. Das lag zum einen an der verstärkten Live-Präsenz und zum anderen an ihrem starken, immer noch aktuellen, Output von 2012 namens „Separate & Coalesce“. Kein Wunder also, dass sich die ersten Reihen schon einige Minuten vor Beginn des Sets mit Anhängern der Frankfurter füllten. Das krude Gebräu aus New School Hardcore a là THE GHOST INSIDE, technischem Death Metal und Djent-Einschüben zündet gleich und war dazu noch mehr als Pit-tauglich. Folglich wurden auch die massiven Breakdowns von den bewegungsfreudigen Karate-Kids für Kampfeinlagen genutzt und einige Circle-Pits gestartet. Auch die Abwechslung kam nicht zu kurz. Neu Sänger Gerald Ruschel streute ab und zu cleanen Gesang ein und bei „Reinvent The Real“ bedienten sich THE GREEN RIVER BURIAL auch im deutschen Hip Hop. Dadurch wurde das Set zu einem sehr kurzweiligen Vergnügen. Und auch style-mäßig setzte man Akzente – Batikshirts sah man sonst ja nicht so oft am Festival.


00.20 (PS) AMORPHIS
Dass dies keine normale Show werden würde, war bereits im Vorfeld klar. Denn AMORPHIS wurden mit einem speziellen „Tales From The Thousand Lakes“-Auftritt angekündigt, bei dem das gesamte Werk durchgespielt werden würde. Dieser Meilenstein hat bereits 21 Jahre auf dem Buckel, über die Jahre aber keineswegs an Qualität und Relevanz eingebüßt. Die Rahmenbedingungen waren hervorragend: Mitten in der Nacht, als letzte Band auf der Pain Stage und bei perfekter Witterung, füllte sich der Platz bis weit hinter den FOH. Daher glich die Frage von Sänger Tomi Joutsen nach dem Intro und dem ersten Songs „Into Hiding“, ob das Publikum für das gesamte „Tales From The Thousand Lakes“ bereit sei, mehr einer rhetorischen, als ernsthaften Frage. Der Sänger, der erst seit 2005 in der Band spielt und sich vor Kurzem seiner charakteristischen Dreadlocks entledigte, musste an diesem Abend große Fußstapfen ausfüllen, machte seinen Job aber auch bei schwierigen Passagen wie in „In The Beginning“ mehr als ordentlich. Leider wurden die markanten Passagen mit Klargesang größtenteils durch Growls ersetzt, was den Songs einen leicht anderen Anstrich verlieh, der dennoch auf seine Weise zu überzeugen wusste. Möglicherweise ist dies aber eine Erklärung dafür, dass der Funke nicht komplett überspringen wollte. Nach dem Schwerpunkt des Sets folgten noch eine Reihe weiterer Songs, für die AMORPHIS tief in der Bandhistorie kramten: Mit „Vulgar Necrolatry“ setzte es einen Death Metal-Brecher der Extraklasse, ehe das 96er Werk „Elegy“ mit drei Songs in den Fokus gerückt wurde. Den Abschluss besorgte das selten gespielte „Folk Of The North“, nach dem die Band mit Applaus verabschiedet wurde.


00.45 (TS) DEATH TO ALL
„Das ist es, worum es hier geht“, ließ Steve DiGiorgio verlauten und gedachte in einem von vielen Gänsehautmomenten natürlich ehrenvoll dem verstorbenen Chuck Schuldiner. Allein die Betrachtung des DEATH-Backdrops rührte auf der einen und erfreute auf der anderen Seite. Wer hätte gedacht, dass man die Klassiker dieser Ausnahmeband um Mastermind Chuck auf solch beeindruckende Weise live zu hören bekommt? Der Sound erreichte locker die Perfektionsebene, besser kann man eine Live-Show nicht auf und über die Bühne bringen. Das Zusammenspiel aller Musiker verschmolz mit dem individuellen Können der Einzelnen zu einem überragenden Auftritt, bei dem die Floskeln „auf den Punkt“ und „wie aus einem Guss“ tatsächlich mal ihre Berechtigung fanden. Im Vergleich zu früheren Gigs hat sich das LineUp an zwei Stellen verändert: Am Drumkit saß Gene Hoglan, an der Gitarre zupfte Bobby Koelble, der 1995 zur „Symbolic“-Truppe gehörte. Eine feste Säule ist Bassist Steve DiGiorgio, der auch alle Ansagen übernahm. Max Phelps komplettierte die Mannschaft wie erwartet am Mikro und an der Gitarre – genau wie Chuck damals; selbst die Haltung der Klampfe erinnerte an den Ausnahmekünstler. Und genau dessen Name wurde mehrfach vom Publikum gerufen, denn ja, das ist es, worum es hier geht! Nachdem der „Philosopher“ vom 93er-Album „Individual Thought Patterns“ von der Leine gelassen wurde, folgte ein Oldschool-Doppelhammer vom Zweitwerk „Leprosy“. Anschließend unternahmen DEATH TO ALL einen abwechslungsreichen Diskografie-Ritt, bei dem auch die Nummer „Symbolic“ vom gleichnamigen Meisterwerk, dem Anfang 2015 eine komplette Tour gewidmet wurde, in die Setlist rutschte – ebenso ein Highlight wie das synchrone Headbangen des Dreiers zum Ende des besagten Songs. Tributebands gibt es viele, doch DEATH TO ALL erstrahlen im Glanz der alten Zeit und schaffen es auch, diese Nostalgie, gepaart mit enormer technischer Versiertheit, musikalisch zu transportieren.


01.45 (CS) C R O W N
Wie sehr C R O W N noch als Geheimtipp gelten, sah man am Donnerstag zu später Stund vor der Camel Stage. Nur eine recht überschaubare Besucherschar fand sich vor der kleinsten der Bühnen ein, als der Vorhang für eine der bemerkenswertesten Bands auf dem diesjährigen SUMMER BREEZE aufging. Die wenigen Anwesenden wurden Zeuge einer außergewöhnlichen wie individuellen Mischung aus Industrial, Doom, Sludge, Black Metal und Elektro, die C R O W N mit nur drei Gitarristen darboten: Drums und Bass kamen komplett vom Band! Was auf Konserve eine unglaubliche Wucht entwickelt, fehlte live zu Anfang leider ein wenig die Durchschlagskraft. Die drei Sechssaiter drückten zu leise über den Äther, erst in der zweiten Hälfte des Sets entwickelten die Franzosen ihren unentrinnbaren Sog aus brachialer Negativität. Dafür nahm die Show durch ihre kalte und isolierte Atmosphäre von Beginn an gefangen. Kaum Ansagen, Bewegung nur in manchen Passagen, da dann aber ekstatisch, Sänger Frederyk Rotter wischte sich erst beim letzten Song die langen Haare aus dem Gesicht: C R O W N waren völlig in ihrer eigenen, düsteren Welt gefangen, vollkommen der Zelebration ihrer Musik hingegeben. In dieser stellte zwar das aktuelle Album „Natron“ die gesamte Setlist, womit Songs vom ebenso genialen Vorgänger „Psychurgy“ oder der „The One“-EP leider nicht zum Einsatz kamen. Doch wer C R O W N auf der laufenden Club-Tour mit AGALLOCH erwischen kann, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.


02.15 (TS) CARACH ANGREN
„You Came To The Wrong Forest“ ... aber ihr seid ins richtige Zelt gekommen! Denn da zelebrierten CARACH ANGREN eine düster-bombastische Grusel-Messe im Symphonic-Black-Metal-Subgenre. Schon das Outfit der Holländer wusste zu beeindrucken: Lack, Leder, massive Stiefel – in dominierendem Schwarz, auch wenn Ardek mit seinem weinroten Samtmantel zumindest farblich etwas aus dem Rahmen fiel. Dafür durfte der Keyboarder ein lebensgroßes Skelett an seinem Instrument begrüßen. Herzlich willkommen, morbider Charme! Auch CARACH ANGREN profitierten von einem starken Sound, der gerade die symphonischen Elemente einwandfrei integrierte. Hier donnerte und fidelte nichts zu laut und nichts zu leise. Die Setlist hatte erwartungsgemäß eine leichte „This Is No Fairytale“-Schlagseite, der Rest war eine gelungene Mischung aus den ersten drei Releases. Das ganz große Plus einer Show von CARACH ANGREN ist die berauschende Theatralik: Gerade Frontmann Seregor inszenierte die Vocals mehr, als dass er sie einfach vortrug, und auch die Ansagen profitierten von einem durchdachten Spiel der Mimik und Gesten. Weil die Niederländer auf der anderen Seite aber auch den Wunsch nach extremem Metal durch ratternde Doublebass-Teppiche, Blastbeat-Gewitter und akribisch geschärfte Riffs erfüllten, wurde dem Publikum eine richtig runde Sache geboten. Und wem trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit noch warm war, der genoss einfach den Wind, wenn Sänger Seregor mit seinen ellenlangen Haaren den Propeller anschmiss. Zum Thema „schmeißen“: Passend zum Text von „Two Flies Flew Into A Black Sugar Cobweb“ wurden Lutscher in die vorderen Reihen geworfen – süß, aber gefährlich, wenn man mit den Lyrics vertraut ist. Unterm Strich wurden CARACH ANGREN der hohen Qualität ihrer Studioalben auch live mehr als gerecht!


FREITAG 14.08.2015

11.00 (MS) ANY GIVEN DAY
Das morgendliche Frühsport-Programm übernahmen heute die Gelsenkirchener ANY GIVEN DAY. Obwohl ihr energiegeladener Metalcore-Sound mit vielen progressiven Elementen deutlich in Richtung Djent ausschlug, zündeten die Kompositionen auf Anhieb und veranlassten die Menge zu verschiedensten Formen der spontanen Leibesertüchtigung. So gab es neben dem ersten Circle-Pit des Tages auch Scharen von Crowdsurfern und die eine oder andere Martial-Arts-Trockenübung zu bestaunen. Mit der rhetorischen Frage "Wer von euch will zerstören?" initiierte Frontmann Dennis Diehl sogar eine amtliche Wall of Death. Kaum zu glauben, dass dies ausgerechnet zur Cover-Version des Rihanna-Songs "Diamonds" erfolgte, die das Original auch ohne sportliches Begleitprogramm schon ziemlich blass und kraftlos aussehen ließ. Angesichts der abwechslungsreichen, leidenschaftlichen Show des Quintetts, war es nicht verwunderlich, wie sehr die Zuschauer ANY GIVEN DAY aus der Hand fraßen, sie begeistert abfeierten und so wurde am Ende auch vehement nach einer Zugabe verlangt – die war aber aus zeitlichen Gründen nicht mehr drin.


11.50 (PS) HEIDEVOLK
„Guten Morgen SUMMER BREEZE, sind Sie schon wach?“ So die freundliche Begrüßung unserer holländischen Nachbarn. Wach war das Publikum und hatte sich analog des Vortages, in Massen vor der Pain Stage eingefunden. Nach einem teutonischen Intro und dem hymnenhaft inszenierten „Winter Woede“, vom aktuellen Longplayer „Velua“ war klar, dass der Sechser wenig Mühe haben würde, die Temperatur in den vorderen Reihen noch weiter ansteigen lassen zu können. Die beiden agilen Sänger flitzten wie Derwische über die Bretter, um sich immer wieder, Kehle an Kehle um ein Mikrofon zu formieren. Ein besonders heroisches Bühnenbild ergab sich, wenn sich die Band in einer Linie formierte und mit geballten Fäusten ein ohnehin dankbares Publikum noch weiter anheizte. Eine wirklich exzellente Setlist tat schließlich ein Übriges und bescherte den Jungs einen tollen Auftritt, der mit entsprechenden Zugaberufen quittiert wurde. Mit diesem engagierten Auftritt, haben sich HEIDEVOLK für die kommenden Jahre ganz sicher weit nach oben in der Aufmerksamkeitsliste geschoben. Sind ja doch recht sympathisch, unsere Nachbarn.


12.40 (MS) KISSIN' DYNAMITE
"Megalomania" lautete nicht nur der Titel von KISSIN' DYNAMITEs jüngstem Studiowerk, sondern auch das Motto ihrer heutigen Show. Den Power Metal-Wurzeln ihres "Steel Of Swabia"-Debüts war die Truppe um Front-Schönling Hannes Braun längst entwachsen und präsentierte eine stadionkompatible Glam Rock-Show. Diese hätte auch vor einer noch größeren Menge bestehen können, als sie heute vor der Main Stage versammelt war. Die überlebensgroßen Rockstarposen der Musiker kratzten teilweise hart an der Grenze zur Parodie, was die Gute-Laune-Atmosphäre ihrer Songs jedoch eher noch unterstrich. Musikalisch brauchten sich KISSIN' DYNAMITE ohnehin keine Vorwürfe gefallen zu lassen, denn angetrieben von Andi Schnitzers energischem Drumming feuerte die Saitenfraktion eine präzise Riffsalve nach der anderen ab. Etwas ruhiger wurde es dann mit "Six Feet Under", bei dem die Akustik-Gitarren-Begleitung von Ande Braun für eine latente Country-Balladen-Schlagseite sorgte. Im Anschluss ging es dann mit "Sex Is War" und "Ticket To Paradise" hingegen wieder in die Vollen, bevor der pompöse Samtmantel, in dem Hannes Braun zu den Klängen von "I Will Be King" über die Bühne stolzierte, dem zum Tagesmotto erhobenen Größenwahn die Krone aufsetzte.


13.00 (TS) SEVERE TORTURE
Gerade mal 13:00 Uhr und es wurden bereits keine Kompromisse gemacht! Wer sich zu früher Stunde aus seinem Zelt geschält hat oder von der Sonne aus ebendiesem getrieben wurde, konnte sich als Anti-Kater-Programm erst mal eine XXL-Portion Todesbrei abholen. SEVERE TORTURE musizieren durchweg auf oberem Härte-Level, aber Death Metal aus Holland klingt eben gern mal wie der Soundtrack zu einer kreisenden Abrissbirne. Ganz so viele Birnen wurden heute zwar nicht abgerissen, doch einige Maniacs haben den Weg ins Zelt gefunden. Und wer da war, hat es nicht bereut: SEVERE TORTURE ballern nicht nur stumpf drauflos, sondern verbinden klassische Todesstahl-Riffs mit vereinzelter Thrash-Würze, ein paar Einsprengseln aus dem Subgenre Technical Death Metal und stampfenden Parts ohne Breakdown-Niveau – oldschool war angesagt! Dazu passten auch die konstant markerschütternden Growls und der drückend laute Sound, unter dem der Boden dezent vibrierte. Die Instrumentalfront bangte zu jeder passenden Gelegenheit, während Sänger Dennis Schreurs immer in Bewegung und darauf Bedacht war, die Meute zum Moshen und Rotieren zu animieren. Am Ende konnte man aus zweierlei Gründen zufrieden sein: zum einen, weil die Death Metal-Lehrstunde von wahren Profis vollzogen wurde, zum anderen, weil das Zelt noch stand.
 


13.30 (PS) BLUTENGEL
Eins der größten Experimente in der Geschichte des SUMMER BREEZE stand bevor: BLUTENGEL traten den Weg aus Berlin an und reisten mit ihrem Gothic-Pop nach Dinkelsbühl. Allen Befürchtungen zum Trotz versammelte sich eine ganze Schar an sonnenerprobten Fans vor der Pain Stage. Im Vergleich zu frühen Auftritten, der im Jahr 1998 gegründeten Band, befinden sich mittlerweile auch zahlreiche Musiker auf der Bühne, so dass neben dem Gesang auch die restliche Musik live dargeboten wird. Bereits zu Beginn zeigte sich das Publikum begeisterungsfähig und klatschte fleißig zum Intro mit. Direkt nach der Single „Sing“ des in diesem Jahr erschienen Albums „Omen“ richtete Sänger Chris Pohl ein wenig verwundert das Wort ans Publikum. Mit solch einer Vielzahl an Personen hatte auch die Band nicht gerechnet. Im Fokus standen primär neuere Songs, doch auch Klassiker wie „Bloody Pleasures“ aus dem Jahr 2001 sorgten für ausgelassene Stimmung. Zusätzlich angeheizt wurde das Publikum durch vier zunehmend leicht bekleidete Tänzerinnen, die immer wieder auf der Bühne auftauchten, um zu den eingängigen Songs passende Inszenierungen darzubieten. Bei „Lucifer“ holten sie die Nonnenkuten raus und ließen diese schließlich fallen, was für ausgelassenen Beifall sorgte. Sex lag in der Luft, so dass ein in der Luft wehendes Kondom im Zuschauerbereich kaum verwunderte. Während des abschließenden „Reich mir die Hand“ betraten erneut zwei Damen die Bühne und setzten mit zahlreichen Feuerspuck-Aktionen den Schlusspunkt unter einen mehr als überraschenden Auftritt.


13.45 (CS) THE GOGETS
Am Freitag startete das SUMMER BREEZE 2015 – zumindest auf der Camel Stage - etwas seichter als bisher in den Tag. THE GOGETS machten Dinkelsbühl das erste Mal ihre Aufwartung, was wohl leider nicht so viele mitbekommen haben. Knapp hundert Sonnensüchtige wollten ihren Tag mit einer großen Portion guter Laune und schmissigem, poppigem Midtempo-Rock beginnen. Was nicht bedeutet, dass die Österreicher keine harte Kante fahren können. Gefällige, hymnische und bisweilen auch leicht melancholische Rocksongs hauten die vier in schwarz gekleideten Jungs aus Wien heraus und hatten sichtlich Spaß dabei. Vor allem der dreistimmige Gesang der Saitenbespieler wusste zu überzeugen, auch wenn es stimmlich hier und da vor allem in den hohen Passagen ein ganz klein wenig hakte. So viel Enthusiasmus und Spielfreude wurde aber belohnt: die Hüften kreisten, die Köpfe wippten, es bildeten sich kleine Tanzgrüppchen und zwei Fans aus der ersten Reihe stießen gar zu Beginn Seifenblasen-Salven in die Lüfte. Harte Musik kann also auch freundlich.


14.15 (TS) LANTLÔS
Im Fokus des Schaffens der Band LANTLÔS steht die Wirklichkeitsflucht. Viele Fans flüchteten aber leider nicht aus der Sonne ins stickige Zelt zu den entrückten Klängen der Band um Markus „Herbst“ Siegenhort. Ursprünglich noch im Black Metal verwurzelt, löste sich die Band mit ihrem aktuellen, vierten Werk „Melting Sun“ gänzlich von dieser Ausrichtung. Dies war auch dem Auftritt, für den sich einige hartgesottene Band-Liebhaber in die vorderen Reihen begeben hatten, anzumerken. Die ersten drei Songs, alle mit Überlange, stammten ausnahmslos vom aktuellen Werk. Dann ging es jedoch mit „Bliss“ auf das Vorgängeralbum „Agape“ bzw. mit „Pulse/Surreal“ auf die zweite Veröffentlichung „.neon“ zurück. Dabei trumpfte die mit drei Gitarren ausgerüstete Band mit großer Leidenschaft auf. So wurde auch keine Zeit mit langen Ansagen verschwendet, sondern die Musik für sich sprechen lassen. Trotz der Hitze gaben sich die Anwesenden dem meditativen Nummern hin und wurden gegen Ende von Blastbeats und Kreischgesang wieder aus ihren Träumen zurückgeholt. Verstörend schöner Auftritt einer sympathischen Band, bei dem einzig der Klargesang schon mal besser kam.


14.20 (MS) ALESTORM
Der Preis für das "hübscheste" Bühnen-Backdrop ging beim diesjährigen SUMMER BREEZE zweifelsfrei an die schottischen Metal-Piraten ALESTORM. Mit ihrer in LSD-verdächtige Neon-Farben gehüllten Komposition aus zwei einander anblickenden Bananen-Gänse-Chimären sorgten sie bei ihren Fans sowohl für schlimmen Augenkrebs als auch für wildeste Spekulationen ob der tieferen Bedeutung dieses "Kunstwerks". Musikalisch gingen sie hingegen auf Nummer sicher und präsentierten eine Auswahl der größten Hits ihrer bisherigen vier Studioalben. Damit trafen sie offensichtlich genau den Nerv des Publikums, das die Band nach allen Regeln der Kunst abfeierte. Doch sowohl "Wettrudern" als auch Mosh- und Circle-Pits spielten im Vergleich mit den Massen an teils bunt kostümierten Crowdsurfern nur eine untergeordnete Rolle. Eine Verschnaufpause gab es nur bei "Nancy The Tavern Wench", das dafür von dem wogenden Meer der schunkelnden ALESTORM-Fans lautstark mitgegrölt wurde. Mit "Keelhauled" und "Drink" steuerte die Show schließlich ihrem Höhepunkt in Gestalt des abschließenden "Captain Morgan's Revenge" entgegen, bei dem sich auch die Schlagzahl der im Bühnengraben in Empfang genommenen Crowdsurfer nochmals deutlich erhöhte.


15.00 (CS) NECROTTED
"Rauchen kann tödlich sein. Raucht bitte mehr - sterbt alle!" Dass sie nicht zur Kategorie "Schönwetter-Mucke" zählen, könnte dem einen oder anderen der knapp 700 Zuschauer vor der Camelstage aufgefallen sein… In Sachen brutales Todesblei kann man von den Abtsgmündern noch was lernen. Anno 2007, also ein Jahr nach Gründung der anderen Abtsgmünder HACKNEYED, welche sich im Übrigen zwei Bandmitglieder (die Fink Brüder) teilen, erblickte die Band NECROTTED das Licht der örtlichen Bühnen und konnte die spielerischen Fähigkeiten nun zum ersten Mal auf der heimischen SUMMER BREEZE-Bühne unter Beweis stellen. Blastige Riffattacken mit Growls, Erbarmungslosigkeit und Tempo - der Circle-Pit in den vorderen Reihen hatte nicht umsonst während des gesamten Konzert einen Durchmesser von knapp 8 Metern und war ständig in Bewegung. Sei es nun die Kunst, die Menge durchgehend zu dieser Form der Aktivität anzustacheln, die Anregung für Stagediver mit einem Bandshirt als Belohnung bei Erreichen der Bühne, oder schlichtweg die Tatsache, dass man bei den beiden Frontern Fabian und Pavlos den Eindruck hatten, dass sie viel lieber hinter der Absperrung mitmischen wollten - die Zuschauerzahl hat sich über die 30 Minuten vom Start bis ins Ziel geradezu verdoppelt. Das kann sich wahrlich sehen lassen und es bleibt zu hoffen, dass darauf noch viele Wiederholungen folgen.


15.10 (PS) KADAVAR
Natürlich waren die recht kurzfristig für die verhinderten MASTODON ins Billing gerutschten KADAVAR kein perfekter Ersatz, aber in mindestens zwei Kategorien waren sie absolut auf Augenhöhe mit MASTODON: Leidenschaft und Virtuosität. Ansonsten übten sich die drei bärtigen Berliner im gepflegten Understatement, außer einem Backdrop gabs keinerlei Schnickschnack, also weder Intro, noch Pyros, Aufsteller, Schminke etc. – das Trio konnte sich voll auf seine Songs und ihr perfektes Zusammenspiel verlassen und erhob „Let The Music Do The Talking“ zu ihrer Maxime. Schlagzeuger Christoph „Tiger“ Bartelt saß wohl auch hinter dem kleinsten Schlagzeug, dass dieses Jahr auf dem Festival zu finden war, was im Umkehrschluss aber eben keinesfalls hieß, dass er in der Möglichkeit seiner musikalischen Ausdrucksweise irgendwie limitiert war, es kommt eben immer darauf an, was man daraus macht! Es war eine Freude dem Trio beim Zelebrieren ihres Retrorocks mit gelegentlichen Black Sabbath-Anklängen zu lauschen und selbst bei einem noch unveröffentlichten Track von ihrem erst am 21. August erscheinenden „Berlin“-Albums ging das Publikum nicht weniger mit. Großartig.


15.30 (TS) SISTER SIN
Vor zwei Jahren mussten SISTER SIN ihren Auftritt beim SUMMER BREEZE noch kurzfristig absagen, 2015 schafften sie es dann wie geplant auf die T-Stage. Als eine der letzten Bands, die aufgrund des einsetzenden Unwetters ihre Auftritte nicht eine Stunde nach hinten schieben mussten, trafen sie noch auf eine sonnengebrutzelte Menge in furztrockener Luft. Von ausgelaugter Lahmarschigkeit fehlte jedoch sowohl vor als auch auf der Bühne jede Spur. Bei SISTER SIN war es vor allem die rothaarige Frontröhre Liv Jagrell, die, nicht nur aufgrund ihres Leder- und Nieten-Outfits, so gar nicht dem Female-Fronted-Metal-Stereotyp entsprach und richtig Randale machte: statt Goldkehlchen gab es derbe Shouts, Propeller-Gemoshe und ganz schön viel Bewegung von links nach rechts. Gestenreiches Sterben in Schönheit hätte auch sowas von gar nicht zum stampfenden Hardrock der Schweden gepasst. Die energetischen Songs mit Anleihen aus True und Heavy Metal fanden so einige dankbare Abnehmer, die Hörner flogen regelmäßig in die Höhe, auch wenn die Resonanz insgesamt noch ein wenig zügelloser hätte sein können. Denn SISTER SIN empfohlen sich mit diesem Auftritt definitiv für eine weitere Stippvisite beim SUMMER BREEZE.


16.00 (MS) ENSIFERUM
Zuschauer, so weit das Auge reichte und nur ein Ziel: ENSIFERUM. Wenn es drei ungeschriebene Gesetze über ENSIFERUM gibt, dann sind das die folgenden. Erstens: Sie liefern immer ab. Sturm, Wind, Regen, Hitze, früh, spät - auch diesmal lieferten sie trotz tropischer Gegebenheiten einen mitreißenden Auftritt und das Publikum war danach mindestens so außer Atem, wie die Gruppe auf der Bühne. Zweitens: Es gibt Action zu sehen und zu erleben - Sami Hinkka und Markus Toivonen stürmten konstant über die Stage und ließen kein Haar ungeschüttelt. Drittens: Die Songs zünden, ausnahmslos. Mit Hauptaugenmerk auf das jüngst veröffentlichte Album "One Man Army" gab es heroische Schlachthymnen aus sechs Epochen, die das Publikum mittels ihrer schieren Klangwucht in Bewegung hielt. Den krönenden Abschluss lieferte der kurze Ausflug in eine 70er-Jahre-Disco mit "Two Of Spades", der zudem noch von zwei adretten Tänzerinnen versüßt wurde. Ob das nun zu ENSIFERUM passt, oder nicht, ist diskussionswürdig, aber die mitgröhlende Menge machte deutlich, dass sie ihr Ziel erreichte hatten: ENSIFERUM.


16.15 (CS) LIFELESS
"Hier gibt es Death Metal für lau" – so eröffnete Marc Niederhagemann den Auftritt von LIFELESS. Der Ruhrpott-Vierer nutzte die Gelegenheit seinen thrashigen Old School Todesmetall zu präsentieren und ordentlich Werbung in eigener Sache zu machen. Dabei musste sich die Truppe gegen die im angrenzenden Metal Hammer-Stand durchgeführte Signingsession mit SALTATIO MORTIS behaupten – bedingt durch den Andrang und die ausgedehnte Warteschlange war der Zugang zur Camel Stage deutlich erschwert. Doch LIFELESS kümmerte das nicht: Auf der Bühne wurde unbeeindruckt drauflos geholzt. Der Dank seiner markanten Breaks und treibenden Melodien sehr unterhaltsame und kurzweilige Auftritt fand sein Highlight schließlich in "Insanity Reigns" von der aktuellen EP "Sermon Of Ungodly Dreams". Nach sechs Songs war dann Schluss und das Publikum wurde zum groovenden Abschluss von "Under The Sign Of The Iron Cross" entlassen - und vielleicht hat ja der ein oder andere wartende Mittelalter-Fan an diesem Nachmittag seine Liebe für den klassischen Death Metal entdeckt…


16.15 (TS) THY ART IS MURDER
THY ART IS MURDER aus „Down Under“ gehören mit Sicherheit zu einer der am härtesten arbeitenden Bands im Metal-Zirkus. Sie waren zum Beispiel fast das ganze vergangene Jahr auf Tour und haben überall gespielt, wo sie eine Steckdose vorfanden. Dieser Arbeitsethos zahlt sich mittlerweile aus und THY ART IS MURDER konnten auf ein gut gefülltes Zelt blicken, das nicht nur wegen der brutalen Hitze, heiß auf Action war. Natürlich stürmte Sänger CJ McMahon wi gewohnt in seiner schwarzen Regenjacke auf die Bühne und gab sofort 100 Prozent. Und das trotz einer, nach eigener Aussage, sehr anstrengenden Anreise. Für die ganze Band gab es nur eine Richtung: Vollgas nach vorne. Gefangene wurden dabei keine gemacht. Die kompromisslose Walze aus Tech Death, Blast-Beats (Drummer Lee Stanton leistete hinter den Kesseln Unmenschliches) und vertrackten Breakdowns in Verbindung mit der ungeheuren Spielfreude waren einfach ansteckend und sprang schnell auf das, im Übrigen sehr textsichere, Publikum über. Das ging soweit, dass McMahon bei „Dead Sun“ den bis dato größten Circle-Pit des SUMMER BREEZE 2015 um den ersten Wellenbrecher anzettelte, der fast den ganzen Song über anhielt. Das sah von oben fast aus wie die siebenmalige Umrundung der Kaaba in Mekka. Mit einigen Kilometern auf der Uhr flachte der Pit im Anschluss ein wenig ab, aber das war kein Wunder bei der sportlichen Leistung einiger. Sichtlich angetan von der Resonanz beendeten THY ART IS MURDER ein rundes Set auf hohem Niveau mit dem Titeltrack ihrer einige Wochen vor dem Festival veröffentlichten neuen Platte „Holy War“.


17.05 (PS) PYOGENESIS
Nachdem die Band ganze zehn Jahre nicht mehr in Deutschland gespielt hatte, drängten sich nicht gerade Tausende vor der Bühne als sie mit „Through The Flames“ und, nomen est omen, massig Flammensäulen-Einsatz loslegten. Wer vor der Bühne stand, war Fan, textsicher und begierig die Band endlich wieder live zu erleben. Die Band um Fronter Flo von Schwarz hatte sich schick gemacht, außer dem Drummer waren alle in elegantem Schwarz, mit Hemd, Weste und auberginefarbener Krawatte aufgelaufen und offensichtlich hoch motiviert. Trotzdem hakte es hier und da in Sachen Zusammenspiel, man hatte sich aber viel einfallen lassen um die Show abseits der Musik zu bereichern. Da wurden massig Klopapierrollen ins Volk geballert (kann man auf nem Festival ja auch gebrauchen), mehrfach kams zum Pyrotechnikeinsatz und der Fronter schwang sich bei einem Song sogar auf einer großen aufblasbaren Matratze balancierend aufs Publikum und ließ sich eine Runde über die Köpfe tragen. Selbst einen Circle-Pit gabs bei „Every Single Day“, auch wenn es nicht ganz der größte Europas war, wie vom Sänger vorher gefordert wurde. Um eine Fußball-Weisheit zu zitieren: zum fehlenden Glück kam dann auch noch Pech dazu, denn die Band musste ihre Show wegen des aufziehenden Unwetters mit extremen Windgeschwindigkeiten frühzeitig abbrechen.


17.30 (CS) FUCK YOU AND DIE
FUCK YOU AND DIE hätte in Richtung des Wetters gehen sollen, doch alles der Reihe nach. Die Baden-Württemberger starteten ganz normal in ihr Set, noch schien die Sonne. Technik und Brutalität halten sich in den Songs der Death Metaller spannend die Waage, doch der Fokus lag beim Gig woanders: auf Spaß. Klar, die musikalische Darbietung kam keineswegs zu kurz, aber FUCK YOU AND DIE haben es entgegen des Bandnamens schlicht auf eine gute Zeit mit dem Publikum abgesehen. Genau solch eine frontal feuchtfröhliche Einstellung kam natürlich gut an, sodass sich einige Leute trotz des aufkeimenden Unwetters vor die Camel Stage wagten. Fronter Roman Hilser war stets bemüht, das Publikum bei Laune zu halten und schmetterte Sprüche der Sorte „Ich habe mich extra letzten Sonntag für euch geduscht“ in die Menge. Oder: „Wie viele Leute heißen Thomas? Der nächste Song ist für Euch.“ Und es folgte die 11-sekündige Nummer „Human Torch“ vom 2011er-Demo. Lustig. Musikalisch orientierten sich FUCK YOU AND DIE am geradlinigen Death Metal mit Technical-Einschlag, der auch Elemente wie Pig Squeals aus dem Brutal Death integriert. Stimmlich überwogen die Growls, doch ab und an schrillten auch hohe Schreie à la SLAYER in den immer dunkler werdenden Himmel. Und dann war er da, der erste Regentropfen. Egal, weitermachen! Plötzlich hatte der Fronter eine Gitarre in der Hand und der Bassist keifte für einen Teil des Songs ins Mikro – das nennt man wohl Teambuilding. Dann kam, was bereits angekündigt wurde: der Sturm. Und mit ihm leider der Abbruch eines Gigs, der gern auch noch länger hätte dauern können.


19.00 (TS) GLORYHAMMER
Unmittelbar vor der wetterbedingten Unterbrechung des laufenden Programms bereiteten sich GLORYHAMMER auf ihren Auftritt auf der T-Stage vor. Doch bevor die Truppe um ALESTORM-Frontmann Christopher Bowes die Bühne entern konnte mussten alle Anwesenden das Zelt verlassen und sich an einen sturmgeschützten Ort begeben – in Anbetracht der erwarteten Windstärke 12 eine mehr als angemessene Maßnahme: Sicherheit geht natürlich absolut vor und das wartende Publikum leistete den Aufforderungen der Veranstalter ohne Murren und Probleme Folge – dickes Lob dafür! Nach Wiederaufnahme des Programmablaufs nach knapp einer Stunde ging es dann umso ausgelassener zur Sache: Das Zelt füllte sich in Windeseile wieder und trieb die Fantasy Power Metaller zunehmend energisch nach vorne. Neben diversen Aufrufen, die Fans mögen doch bitte mehr trinken und ordentlich Alkohol vernichten, boten die kostümierten Schotten auch musikalisch eine begeisternde Show: Insbesondere Sänger Thomas Winkler a.k.a. "Angus McFife XIII, Prince of the Galactic Empire of Fife" war sichtlich gut aufgelegt und trug mit seiner theatralischen und emotionalen Stimme die hymnenhaften Songs vor. Passend zur Witterung wurde auch "The Epic Rage Of Furious Thunder" gespielt, ansonsten boten GLORYHAMMER eine ausgewogene Mischung von aktuellem Material der "Tales From The Kingdom Of Fife" und der Ende September erscheinenden "Space 1992: Rise of the Chaos Wizards". Zum Abschluss des begeisternden Auftritts folgte noch die rituelle Krönung von Bassist James Cartwright, besser bekannt als "Hootsman, the Barbarian King of California" – und wie es sich gehört kniete das Publikum vor ihrem neuen König nieder.


19.10 (MS) SEPULTURA
Kurz bevor SEPULTURA, die dieses Jahr ihr 30. Bandjubiläum (sic!) feierten, die Bühne betreten sollten, öffnete der stark verdunkelte Himmel seine Regen-Schleusen und fegte in einem heftigen Sturm über das Gelände. Aufgrund der Wetterlage mit Windgeschwindigkeiten bis zu Windstärke 12 wurden die Shows auf allen Bühne unterbrochen und zunächst abgewartet, wie sich das Lage entwickeln würde. Nach einer gut einstündigen Zwangspause ging es aber dann weiter. Das geräumte Infield füllte sich schnell wieder und als die Brasilianer mit „Troops Of Doom“ in ihr Set starteten, hatten sich schon wieder einige Zuschauer vor der Bühne eingefunden. Der Strom an Menschen, die vor die Main-Stage drängten, riss auch in der Folge nicht ab. SEPULTURA spielten mit mächtigem Sound einen wirklich hörenswerten Querschnitt ihrer langen und bewegten Karriere. So kam, neben den eher vorhersehbaren Songs, die natürlich nicht fehlen dürfen, auch seit langem nicht mehr live gehörtes, beispielsweise „From The Past Comes The Storms“ vom zweiten Longplayer „Schizophrenia“ zum Zug. Besonders sehenswert war wieder einmal Drummer Eloy Casagrande, der die Felle nach allen Regeln der Kunst malträtierte. Im Allgemeinen sah man der gesamten Band um Front-Hünen Derrick Green (neuerdings mit ohne Haare) und Andreas Kisser die Spielfreude an. Und selbstverständlich gipfelte die Show im bandeigenen Evergreen „Roots Bloody Roots“.


19.45 (CS) FIRE RED EMPRESS
Erdigen Rock, gewürzt mit einer Prise Blues, Rock'n'Roll und Punkrock, boten die Engländer FIRE RED EMPRESS unmittelbar nach Ablauf der kurzen witterungsbedingten Unterbrechung auf der Camel Stage. Zumindest der Laune aller Beteiligten – Band und Publikum – war die Auszeit nicht abträglich, denn schon bei den ersten Klängen des Openers "7 Shades To The Storm" ging es auf der Bühne mächtig zur Sache. Und schnell sprang der Funke auch auf die Zuschauer über: Dem zugänglichen Rock des Quartetts konnte sich kaum jemand entziehen. Der charismatische Sänger Nic Taylor-Stoakes näherte sich während des Auftritts stimmlich ein ums andere Mal an den Darkrock-Gott Glenn Danzig an - und gehörte, modisch in Stiefel und Sakko gekleidet, sicherlich zu den besser angezogenen Frontmännern des diesjährigen Festivals. Sechs Titel konnte das Quartett dem Publikum vorstellen – und obwohl FIRE RED EMPRESS bislang nur die EP "Paint Me The Devil" auf dem Markt haben: Macht die Truppe so weiter und legt bald ein Debütalbum nach, werden es das nächste Mal sicherlich noch deutlich mehr Zuschauer! Zum Abschluss der kurzweiligen dreißig Minuten gab es dann noch das obligatorische Band-Selfie mit Publikum – ganz sicher ein gelungener Abend für die vier Herren aus Birmingham!


20.15 (TS) COMBICHRIST
Einige Besucher der gut gefüllten T-Stage kannten die Herren von COMBICHRIST sicher noch von ihrer ausgedehnten Europatour mit RAMMSTEIN im Jahre 2009. Warum sie diesen überaus begehrten Slot absolut verdient hatten, demonstrierten die Norweger heute eindrücklich und schwangen ab dem ersten Takt ihre elektronische Abrissbirne mit brachialer Gewalt. Sänger und Gründer Andy LaPlegua trug dabei beim ersten Song „We Love You“ eine furchteinflößende, rot erleuchtete Maske, die ein übriges tat. Angeheizt von erschütternden Basswalzen, gepaart mit Metalcore-artigen Screams, wuchteten sich die Mannen durch ein fulminates Set mit zahlreichen Höhepunkten. Sichtlich begeistert, ließ man sich immer mehr auf das Publikum ein und forderte diesem auch noch die letzten Kraftreserven ab. Besonders bemerkenswert waren die beiden Keyborder, die imposant auf ihren Podesten thronten und gekonnt das perfekte Maß an Pathos in die Songs packten. COMBICHRIST dürfen getrost als Überraschung des frühen Abends gewertet werden und ließen ein überaus begeistertes Publikum zurück. Gerne wieder!


20.15 (PS) SUICIDE SILENCE
Krachender Deathcore, energetisch vorgetragen, voll auf die Zwölf? Willkommen bei SUICIDE SILENCE! Wer nach der wetterbedingten Unterbrechung noch nasse Haare und Klamotten hatte, der konnte sich vor der Pain Stage ausgiebig trocken moshen (lassen) – und von dieser Möglichkeit machte die große und loyale Fanschar der US-Band ausgiebig Gebrauch. Der (gar nicht mehr so) neue Sänger Eddie Hermida, Nachfolger des 2013 verstorbenen Mitchell Adam Lucker, trieb das zahlreich erschienene Publikum vor der Pain Stage immer wieder lautstark an –wirklich nötig war dies allerdings nicht, denn die Fans gingen auch ohne Extra-Aufforderung mächtig ab. Der aufgeweichte Boden in Dinkelsbühl forderte den ersten Reihen, der zu "Disengage" initiierten Wall Of Death, allerdings einiges ab – doch trotz gesteigerter Rutschgefahr meisterten die Fans auch diese Herausforderung souverän und mit gegenseitiger Fairness. Der zum Ende des Gigs angesetzte, obligatorische Circel-Pit trug dann ebenso nicht zur Rasenpflege und Verbesserung der Bodenqualität vor der Bühne bei - aber wo gehobelt wird, da fallen halt auch mal Späne. Mit dem Abschlusstrack "You Only Live Once" beschloss die Band ihr Set, das einmal durch die knapp zehnjährige Bandgeschichte bis zum aktuellen Album "You Can't Stop Me" führte – und sicherlich jeden Fan der Band zufrieden zurück ließ.


21.00 (CS) HOUR OF PENANCE
Während es gut zwei Stunden nach Wiederanpfiff des SUMMER BREEZE nur noch leicht nieselte, erlebte die Camel Stage ihren heftigsten Schwermetall-Hagel des Tages. HOUR OF PENANCE waren Futter für all jene, die dieses Jahr Kaliber wie BEHEMOTH oder NILE vermissten. Und wie gut diese Italiener ihre Sache doch machten! Ihr technischer, ultra brutaler Death Metal kannte nur zwei Gangarten: flächendeckende Double-Bass-Teppiche oder pfeilschnelle Blasts und beides weit jenseits der 200 BPM-Marke. Schon erstaunlich, mit welcher Präzision HOUR OF PENENACE ihre unheiligen Kompositionen herausblasteten, wenn auch aufgrund des nicht perfekt austarierten Sounds nicht alle Feinheiten erfasst werden konnten. Die mehreren hundert Fans ließen sich dennoch mitreissen, schickten die ersten Crowd Surfer des Tages vor der Camel Stage über die Köpfe hinweg und kamen der Forderung von Fronter Paolo Pieri nach einem Circle Pit bei „Incestuous Dinasty Of Worms“ nur allzu bereitwillig nach. Entsprechend missmutig wurde die Ankündigung von „Misconception“ als letztem Song angenommen. Dafür flogen hier nochmal besonders viele Matten und HOUR OF PENANCE durften ihren Gig ein paar Minuten überziehen. Gelungener Abriss!


21.20 (MS) POWERWOLF
Die überragenden Livequalitäten der Pseudo-Rumänen aus dem Saarland hatten sich längst herumgesprochen, so dass der Zuschauerraum bei POWERWOLF bis auf den letzten Platz gefüllt war. Vom eröffnenden "Sanctified With Dynamite" an klatschten, sangen und feierten die Fans gemeinsam mit der Band ein rauschendes Fest. Die simpel strukturierten Songs luden wieder einmal zum Mitsingen ein und das Gebrüll, zu dem Frontmann Attila Dorn die Fans immer wieder anstachelte, war geradezu ohrenbetäubend. Kein Wunder also, dass sich die Gebrüder Greywolf und ihre Mitstreiter davon zu absoluten Höchstleistungen inspirieren ließen. Die beiden Gitarristen posierten auf ihren Podesten am Bühnenrand um die Wette, dazwischen flitzte Organist Falk Maria Schlegel immer dann wie ein Derwisch hin und her, wenn er mit der Bedienung seines Instrumentes wieder einmal nicht ausgelastet war. Bei "Kreuzfeuer" wechselten POWERWOLF ihr Backdrop von einem großen Wolfsmotiv zu stilisierten Kirchenfenstern und geizten während der gesamten Show nicht mit Flammensäulen. Angesichts von vor Wortwitz strotzenden Klassikern wie "Coleus Sanctus", "Resurrection By Erection" oder "All We Need Is Blood" war beste Laune ohnehin garantiert. Dabei unterstrichen die aufwändigen, an christliche Motive angelehnten Kostüme in Kombination mit den schwarzweiß geschminkten Gesichtern die humoristische Seite der Band. Da spielte es dann auch keine Rolle, wenn Attila Dorn seinen falschen osteuropäischen Akzent vorübergehend einmal vergaß, die Show blieb von der ersten bis zur letzten Minute höchst unterhaltsam. Egal ob der Frontmann mit seinem prunkvollen Kelch voll Blut der Menge zuprostete oder am Ende weihrauchschwenkend seinen Segen über die Gemeinde sprach, die opulente Kostümierung und das durchdachte Bühnendesign unterstrichen die sakrale Atmosphäre der Lieder. So zählte der Auftritt von POWERWOLF zweifellos zu den mitreißendsten des gesamten Festivals und hinterließ ein unüberschaubares Meer an glücklich strahlenden Gesichtern auf dem Infield. Quasi der Headliner der Herzen!


21.30 (TS) EKTOMORF
EKTOMORF waren vor wenigen Jahren noch Garant für volle Hallen, die man stets im Handumdrehen in Hüpfburgen verwandeln konnte. In der letzten Zeit war es allerdings etwas still geworden um die Ungarn. Bis dann dank des aktuellen Longplayers „Retribution“ wieder Leben in die Bude kam. Fast genau zehn Jahre dauerte es, bis man wieder auf dem SUMMER BREEZE zu sehen war. Noch bevor die Band die Bühne enterte, war zu spüren, dass das Zelt förmlich nach der Band gierte. Lauthalts wurde der Bandname skandiert und so brüllte man die Jungs förmlich auf die Bühne. Die Herren um Sänger und Bandgründer Zoltan „Zoli“ Farkas ließen sich dann auch nicht lange bitten und fegten direkt mit dem Opener „You Can’t Control Me“ alle eventuell vorhandenen Zweifel weg. Der Titel sollte schließlich Programm werden, denn „Zoli“ schaffte es, das mittlerweile brechend gefüllte Zelt bis in die letzten Reihen zum kollektiven Ausrasten zu animieren. Spätestens beim sehnlichst erwarteten „I Know Them“ brachen dann alle Dämme. Band und Publikum verschmolzen zu einer wilden Horde und reckten gemeinsam allen Hatern den Mittelfinger entgegen. EKTOMORF zählten ganz klar zu den Gewinnern des Abends und bewiesen einmal mehr, dass man auch als Epigon mittels totaler Fannähe und einer fast schon ekstatischen Bühnenshow auf ganzer Linie überzeugen kann. Bärenstark!


22.15 (CS) BELOW
Zum frostigen Wetter kam der passende Soundtrack von den schwedischen Doomstern von BELOW. Doom war jetzt nicht gerade massenhaft vertreten im diesjährigen Bandreigen und somit war absolute Anwesenheitspflicht für die Jünger des Genres. Mit schlichtem Backdrop (weißer Schriftzug auf schwarzem Textil) und zwei großen silbernen Kerzenständern mit schwarzen Kerzen links und rechts vor dem Drumkit war die Bühne perfekt bereitet als ein kurzes Gewitterintro den Reigen eröffnete. Direkt mit dem Opener „Trapped Under Ground“ konnte die Band in Bestform einsteigen, besonders beeindruckte die Stimme von Sänger Zeb, der selbst in den höchsten Lagen noch überzeugte. Die Band vereinte das Beste von CANDLEMASS, BLACK SABBATH und KING DIAMOND, nur die Gitarren klangen hier und da etwas schief. Und ihr Track „Ghost Of A Shepherd“ war für eine Doom-Band erstaunlich flott! Unkonventionell zeigte sich auch der Bassist – zumindest in Sachen Outfit: obenrum komplett finster, also mit ärmellosem Kapuzling, schwarzer enger Jeans und silbern funkelndem Patronengurt, kombinierte er ganz frech quietschgelbe Chucks dazu – Mut zur Farbe!


22.40 (PS) BLOODBATH
Eines der wenn nicht sogar das (!) Death-Metal-Highlight des diesjährigen SUMMER BREEZE wurde schon früh lauthals mit Sprechchören auf dem proppevollen Platz vor der Pain Stage gefordert. Endlich beglückten BLOODBATH auch mal Dinkelsbühl mit einem ihrer raren Live-Auftritte. Spannend war dabei vor allem die Frage, ob die Schweden den Abgang ihres langjährigen Growlers Mikael Åkerfeldt kompensieren und auch mit PARADISE LOST-Fronter Nick Holmes funktionieren können. Sie können. Und wie! Mit einer permanent in blutrotes Licht getauchten Bühne gerieten die gesamten 70 Minuten Spielzeit zu einer einzigen Demonstration finsterfieser, schwedisch-englischer Death-Metal-Macht! Die zumindest live etwas spannungsarmen letzen Åkerfeldt-Jahre sind passé, BLOODBATH zeigten mit wildem Mosh wieder richtig Bock auf Krach der alten Schule. Anders "Blakkheim" Nyström und Per "Sodomizer" Eriksson schraubten sich die Rüben ab und zerrissen die Luft förmlich mit ihren Riffs und Holmes‘ Besetzung am Mikro passt einfach wie Sarg auf Friedhof. Sein knorriges Gekeife funktionierte prächtig auch mit Songs der Tägtgren/Åkerfeldt-Alben, von denen BLOODBATH an diesem Abend eine ganze Menge präsentierten. Auch wenn sie bei der Setlist-Zusammenstellung im Angesicht ihres Backkatalogs eh nicht hätten daneben greifen können: zu wahren Highlights gerieten „Breeding Death“ oder auch „Soul Evisceration“, nach welchem Holmes zudem mit seinem trockenen britischen Humor punktete. Er gab Drummer Martin Axenrot mit einem „Good job, thank you“ die Hand. Und bei Satan, was ist Axenrot doch für ein unfassbarer Drummer! Mit ihm als Pulsschlag waren BLOODBATH eine der arschtightesten Bands, die die SUMMER BREEZE-Bühnen jemals in Schutt und Asche gelegt haben. Dieses Inferno konnten selbst eine kaputte Snare Drum und eine ausgefallene Gitarre beim letzten Song „Cry My Name“ nicht stoppen. Erfreulich zudem, dass BLOODBATH den gesamten Gig über das Publikum fesselten, Schwund war selbst zum Ende hin kaum auszumachen. Sollten BLOODBATH jemals wieder zurückkehren, sollte man sich schon heute den Platz in der ersten Reihe reservieren.


23.45 (TS) NEAERA
Zwar ohne Hohepriester Nick Holmes, sinnbildlich wohl aber ziemlich nahe an einem "Blutbad" anderer Art spielten NEAERA zeitgleich zu BLOODBATH auf der T-Stage. Müsste man die Show mit einem von Bennys Zitaten zusammenfassen, dann wäre es: "Ihr seid einfach so geil, dass mir die Hose platzt!" - im wortwörtlichen Sinne. Von null auf hundert in drei Sekunden - und das nicht erst beim sechsten Song, auch wenn die Hose bis dahin erstaunlicherweise gehalten hat. Der vorige Sturm von draußen konnte dabei noch etwas vom regelrechten Sturm des Münsteraner Fünfers auf der Bühne lernen. Zwar hat das letzte Album NEAERAs nun auch schon zwei Jahre auf dem Buckel, aber mit dem Namensgeber zu "Ours Is The Storm", der Teil, an dem die Hose nachgab, gab es ohne Zweifel mächtig auf die Ohren. Aber der Wahnsinn startete direkt mit der ersten Sekunde und die Jungs brachten das gesamte Zelt zum (durch)drehen. Etwas Abendsport auf dem SUMMER BREEZE? Kommen Sie zu NEAERA. Nackenschmerzen, blaue Flecken von der größten Wall of Death des bisherigen Festivals und Muskelkater in den Beinen vom Circle-Pit um die Zeltpfeiler sind garantiert. Sie wissen nicht wie's geht? Schauen Sie einfach dem Mann am Mikro zu, der zeigt zur Not auch, wie man sich formvollendet in die Menge stürzt oder einen ganz eigenen Moshpit startet. Sei es nun zum klassischen "Walls Instead Of Bridges" vom Debütalbum, zum brachialen "I Loath" oder zu "My Night Is Starless", Benny und Co. gaben von Anfang an alles und es passte auch alles: Die Stimme, der Sound, die Klampfen, die Breaks. Die Mischung der gespielten Songs war dabei sehr ausgewogen und es ging dermaßen zur Sache, dass die Jungs auch gleich im Publikum hätten spielen können. Dass die Band wieder einmal ihre berühmt berüchtigten überragenden Live-Qualitäten abgeliefert hat, dürfte auch der letzte Zeltpfosten unweigerlich gespürt haben. Dieser schweißtreibende Sturm aus Death Metal, Black Metal und Core war der perfekte Wegbereiter - vielleicht nicht so ganz für Zuschauer von MARDUK, aber vielleicht ja für die von WALLS OF JERICHO. Eine kleine Verschnaufpause kann nach so einem harten Stück Arbeit ja nicht schaden.


23.45 (CS) FINSTERFORST
Die Schwarzwälder FINSTERFORST haben in ihrer Karriere ja schon einige Gefilde abgegrast: Pagan Metal, Viking Metal, Black Metal... Was sie aber wirklich sehr gut konnten: Die Camel Stage kurzfristig in ein "FINSTERFORST!"-besungenes und beschunkeltes Stückchen Land zu verwandeln. Mit nur 30 Minuten Spieldauer, gefüllt mit drei Songs, Farbe im Gesicht, technisch einwandfreien Kapriolen, einem Barfuß-Akkordeonspieler und auch sonst ganz schön viel Naturverbundenheit, feierten die Mannen ihren Auftakt auf den hiesigen Festival-Bühnen. Mit einer Mischung aus spaßigem Humppa-Schunkel-Metal und epischen und "dunkleren" Tracks neueren Datums haben sie - neben den vorderen Reihen, die hörbar die Texte mitgesungen haben - mit Sicherheit neue Fans dazugewonnen und verbreiteten mit ihrer Art einfach unglaublich viel Spaß. Auf ein Neues!


23.55 (MS) TRIVIUM
Nachdem BLOODBATH die Pain Stage mit schwedischem Todesstahl in Schutt und Asche gelegt hatten, wurde es auf der Main Stage wieder moderner. Zeit für den Headliner des Tages, was auch dem Zuschauerandrang anzumerken war: Der Platz vor der Bühne war bei TRIVIUM standesgemäß bis nach hinten voll. Stilvoll angekündigt wurde der Auftritt von einer IRON MAIDEN-Nummer, ehe es mit dem Intro zum neuen Album „Silence In The Snow“ und der dazugehörigen, selbstbetitelten Single direkt in die Vollen ging. Sänger und Gitarrist Matt Heafy hatte direkt ein Grinsen auf den Backen, das SUMMER BREEZE musste lange auf die Vorreiter in Sachen moderner Metal mit traditionellen Anleihen warten und ließ der angestauten Freude mit Beginn des Sets freien Lauf. Es wurde ein wildes Potpourri aus der gesamten Schaffensphase der im Jahr 2000 gegründeten Band serviert. Einzig das Debüt „Ember To Inferno“ wurde nicht bedacht, was bei den kraftvollen Nummern der anderen Werke und einer enorm gut eingespielten Band aber auch nicht stärker ins Gewicht fiel. Mit nun fast schon drei Tagen voller Musik und dem Unwetter bzw. dessen Folgen in den Knochen, war Dinkelsbühl zwar sichtlich erschöpft, ließ sich aber nicht lumpen. Immer wieder flammten kleinere Pits vor der Bühne auf, zu „Like Light To The Flies“ wurde gar eigenständig eine Wall of Death angezettelt. Die Band war beeindruckt, was Matt Heafy dazu veranlasste, gleich mehrmals das Wort an die Fans zu richten, seine Vorliebe für Deutschland kundzutun und Erinnerungen an das erste TRIVIUM-Konzert hierzulande Revue passieren zu lassen. Eingebettet waren die Songs in eine von zahlreichen Nebelfontänen begleitete Show, bei der vor allem die opulenten Totenmasken mit leuchtenden Augen Eindruck hinterließen. Zum Abschluss mit „In Waves“ wurde ein letztes Mal alle Register gezogen und der letzte Tropfen Energie gefordert. Kein Wunder, dass die stimmkräftige Menge teilweise sogar ganze Textpassagen übernahm und ein memorables Finale besorgte.


00.15 (TS) MARDUK
"…and now for something completely different": Kaum war der intensive Auftritt von EKTOMORF Geschichte, stieg die schwedische Black Metal-Institution MARDUK auf die T-Stage. Gefühlt fiel die Temperatur im Zelt augenblicklich um einige Grad, als das Quartett mit seinen frostigen Titeln "Frontschwein" und "The Blond Beast" vom aktuellen Album das Set eröffnete. Insbesondere die große Anzahl der typisch schwarz-weiß gehaltenen T-Shirts mit MARDUK –Schriftzug fiel bereits zu Beginn ins Auge - Sänger Mortuus wird dies sicherlich gefreut haben. Auch wenn in den vorderen Reihen noch ein bisschen Platz war: Dies ließ den nötigen Raum, um zu den treibenden Songs von "The Levelling Dust" bis zu "Into Utter Madness" ordentlich die Haare fliegen zu lassen.
Insgesamt bot die Setlist dann auch keinen Grund zur Beanstandung, insbesondere dann nicht, wenn man die eingängigeren Nummer von MARDUK bevorzugt. Dass es dadurch einige Klassiker nicht in das Set schafften, war absolut zu verschmerzen: Dieser Auftritt der Band kann sicherlich als "Besonderheit" verbucht werden – der standesgemäß mit "The Black…" beendet wurde.


01.15 (CS) TO THE RATS AND WOLVES
TO THE RATS AND WOLVES erlebten in der vergangenen Zeit einen richtigen Hype. Die Band aus Essen traf den Zeitgeist mit ihrem Elektro geschwängerten Metalcore – vierstellige Clickzahlen auf You-Tube inklusive – und konnte bereits auf einige Live-Erfahrung zurückblicken. Hauptsächlich erspielten sich TO THE RATS AND WOLVES durch ihre ausgiebige Europa-Tour zusammen mit ESKIMO CALLBOY viele Fans und so warteten bereits einige, größtenteils weibliche, Fans vor der Camel Stage auf ihre Helden. Diese legten zwar mit viel Energie los, hatten allerdings ein wenig mit dem Sound zu kämpfen. Besonders die Bass-Drum wirkte soundtechnisch ein wenig wie ein unnatürlicher Fremdkörper. Nichtsdestotrotz machten die vier Instrumentalisten und die zwei Sänger/ Shouter gut Party und feuerten einige Songs aus ihrem kürzlich veröffentlichtem Debüt-Album „Neverland“ in das Rund. Die Laune war gut, auch wenn nicht jeder Ton dort saß, wo er hin sollte. Auch zwei Cover schafften es in die Set: „Remmi Demmi“ von DEICKIND und zum Abschluss „Anywhere For You“ von John Martin, dass aus einigen Kehlen inbrünstig mitgesungen wurde.


01.20 (PS) CRADLE OF FILTH
Als eine der bekanntesten britischen Extrem Metal-Bands haben CRADLE OF FILTH gleichermaßen viele Freunde wie puristisch veranlagte Verneiner, im Billing des SUMMER BREEZE waren die Engländer aber nicht sehr präsent. Vor sieben Jahren stand die Truppe um Front-Schreihals Dani Filth zum ersten und bis dato einzigen Mal auf der hiesigen Bühne, anno 2015 folgte endlich der zweite Auftritt. Aufgrund des Unwetters zeitlich nach hinten geschoben, betraten CRADLE OF FILTH eine Stunde nach Plan die Pain Stage, um mit dem „Midian“-Klassiker „Cthulhu Dawn“ rasant in ein ausgewogenes Set zu starten. Interessanterweise nicht vor dem Cover des aktuellen Albums „Hammer Of The Witches“, sondern vor einem Backdrop mit dem „Bitter Suits To Succubi“-Motiv. Überraschend, aber wirksam, denn die leicht bös dreinblickende Dame wurde während des Gigs ansprechend in Szene und Farbe gesetzt – ein atmosphärischer Pluspunkt. Nach dem Opener frönten CRADLE OF FILTH ihrer düster-romantischen Hingabe mit einer im Gothic-Dress leicht bekleideten Feuerkünstlerin, die zu „A Dream Of Wolves In The Snow“ so einige heiße Fontänen in den Nachthimmel spuckte: Pyros mal anders. Die Bühnenbeleuchtung ergänzte die Farben Rot und Grün, während reichlich Kunstnebel die Stage in ein morbides Grusel-Setting verwandelte und den Frontmann immer wieder geheimnisvoll verschluckte. CRADLE OF FILTH legen eben großen Wert auf Showeinlagen, verknüpfen die verschiedenen Elemente aber zu einer homogenen Einheit, die den Zuschauer gekonnt in ihre Welt aus finsterer Poesie, Lack, Spiritualität und Horror entführt. Nur verliert sich die Truppe halt nicht in dieser Atmosphäre, sondern schafft durch brutale Todesriffs, schwarz-melodische Gitarrenarbeit, schnellen Drums und das unverwechselbare Organ von Dani Filth eine Symbiose, die den harten Metal nie aus den Augen lässt – egal, ob einem der Song mit Blastbeats Nägel in die Hirnrinde hämmert oder man im Midtempo durchs Publikum stampft. Da tat es der Stimmung auch keinen Abbruch, dass der nicht immer optimale Sound das eine oder andere Detail der facettenreichen Liedstrukturen außer Hörweite brachte. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht wieder sieben Jahre dauert, bis diese Ausnahmeband das SUMMER BREEZE zerlegt.


01.45 (TS) WALLS OF JERICHO
Durch die zeitliche Verschiebung enterten WALLS OF JERICHO recht spät die T-Stage. Schon vor zwei Jahren haben die Amis um Frontfrau Candace Kucsulain die Pain Stage abgerissen und schickten sich nun an selbiges im Zelt zu wiederholen. Wie immer hoch energetisch preschten die Band ohne große Umschweife mit „All Hail The Dead“ los. Das Backdrop auf dem in großen Lettern „Mosh Army“ prangte, gab so zugleich die Marschrichtung vor: komplette Verwüstung. Der Pit tobte und Candace machte wie immer geschmeidig und ohne Verschnaufpause die Animateurin. Einfach unglaublich, welche einnehmende Präsenz diese Frau hat. Neben den alten Dauerbrennern wie „Feeding Frenzy“ oder „A Trigger Full Of Promises“ hatten WALLS OF JERICHO mit „Relentless“ endlich auch einen neuen Song auf dem Zettel. Dieser gab einen guten Vorgeschmack auf das kommende Album, welches, Vorsicht Spoiler, ein Brett wird! Der Höhepunkt war, wie meistens bei einer WALLS OF JERICHO-Show, selbstverständlich „Revival Never Goes Out Of Style", während dem Candace ein ausgiebiges Bad in der Menge nahm und den lautstarken „Oh-Oh“-Sing-Along dirigierte. Wie immer mehr als überzeugend.


02.45 (CS) TEMPLE OF BAAL
Aufgrund der Unwetter-Verzögerungen konnten TEMPLE OF BAAL erst mitten in der Nacht auf die Bühne. Überraschenderweise versammelte sich dennoch zu solch später Stund’ eine ordentliche Gruppe hartnäckiger Black/Death-Fans vor der Camel Stage. Ob nun langsam und tief schürfend oder pfeilschnell und brutal, das französische Quartett um Gründungsmitglied Amduscias hat sich der räudigen Seite des Metals verschrieben. So wurde bei Nummern wie dem einleitenden „Flames Of Baal“ vom Zweitwerk „Traitors To Mankind“ auch gerne Mal ins Publikum gespuckt. TEMPLE OF BAAL kannten keine Gnade und forderten zum bolzenden „Slaves To The Best“ massive Headbang-Action. Die tapfere Meute vor der Bühne gab ihr bestes und wurde dafür belohnt: Mit „Divine Scythe“ schaffte es ein brandneues Stück in die Setlist, wodurch schon mal einen kleiner Ausblick auf das im Oktober erscheinende Album „Mysterium“ gewährt wurde, ehe das abwechslungsreiche, zehnminütige „Walls Of Fire“ den letzten Gnadenstoß versetzte.


03.15 (TS) SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH
Was macht man, wenn nicht so viele Leute kommen? Man reißt die Anwesenden so richtig mit! Und doch war es schade, dass der Sturm etliche Festivalbesucher in ihre Zelte geweht hat, denn zu fast schon früher Morgenstund bebte das Zelt unter wahrhaft kultigen Riff-Salven. Obwohl die Zeitrechnung eigentlich ausgehebelt war, denn SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH, der Name verrät es schon, brachte eine der szeneprägendsten Death Metal-Bands zurück auf die Bühne. Martin Schirenc war 1988 dabei, als PUNGENT STENCH aus einer vor Blut und Gedärmen triefenden Taufe gehoben wurde. Die Truppe galt aufgrund ihrer Gore-lastigen Texte als eine der extremsten Bands im gestählten Todes-Sektor. In den Songs dominiert hingegen ein unüberhörbarer „Death 'n' Roll“-Vibe. Nachdem die SUMMER BREEZE-Besucher bereits mit DEATH TO ALL in die musikalische Vergangenheit reisen konnten, lieferten SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH ein weiteres Beispiel dafür, dass legendäre Songs eben zeitlos sind. So wurde die Nostalgie-Fahne auch vom Start weg hochgehalten – in Form eines Dreiers, der sich von den ersten zwei Alben bediente. Die Österreicher präsentierten sich ungemein eingespielt und tight. Schön, dass sich SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH weder von der Uhrzeit noch von der Zuschauerzahl entmutigen ließen, sondern das Erscheinen der Wenigen würdigte und einen Gig auf die Bretter legte, als wäre das Zelt berstend voll gewesen.


SAMSTAG 15.08.2015

11.00 (MS) SERUM 114
Noch nicht wach? Die deutsche Punkrock-Formation SERUM 114 wusste Abhilfe: Als erste Band des letzten Festivaltages eröffnete Frontmann Esche mit brennendem Bengalischem Feuer und einem herzlichen "Willkommen zum SERUM 114-Frühschoppen" die Hauptbühne. Dabei hatte der Auftritt der Truppe absolut nichts mit gemütlichem Beisammensitzen zum Loswerden des feierbedingten Katers zu tun, denn die Frankfurter kannten von Anfang nur eine Richtung: Nach vorne. Dabei war der Bereich vor der Main Stage für diese ungewöhnlich frühe Zeit gut gefüllt – auch in Anbetracht der Tatsache, dass die allgegenwärtige Sonne schon wieder volle Leistung brachte. Gerade dies schien die Fans aber kaum zu stören: In kleinen Gruppen wurde gewippt, getanzt und mitgesungen – sogar die wiederholten Aufforderungen zum Mitspringen wurden umgehend und engagiert befolgt. Dass bei der Songauswahl die Coverversion "Illegale Fans" von DEICHKIND genauso wenig fehlen durfte, wie das antreibende "Adrenalin" und das stimmungsvolle "Kopfüber ins Nichts", war dann natürlich auch selbstverständlich. Dank SERUM 114 hatten die Anwesenden einen sichtlich gelungenen Start in den Tag!


11.50 (PS) MAJESTY
Obwohl sie schon viele Jahre auf Heavy Metal-Mission sind, feierten MAJESTY eine Premiere: Die Truppe um Fronter Tarek zwirbelte ihre True-Hymnen das erste Mal auf dem SUMMER BREEZE – aber sicher nicht zum letzten Mal! Ganz zur Zufriedenheit der Band zeigte sich das Publikum trotz der frühen Stunde entsprechend interessiert. Ausgestattet mit einem von Tarek passend beschriebenen „Frühstücksbier“ hatte sich eine Vielzahl vor der Pain Stage versammelt, um die Fäuste zu recken und „Hail hail to MAJESTY“ zu skandieren – die Band musste nicht einmal darum bitten. Wie gewohnt vollzogen MAJESTY eine äußerst sympathische Show, der nichts an Dynamik und Spielfreude fehlte. Sympathisch, weil die Baden-Württemberger in der Tradition ihres inzwischen fixierten Abschlusssongs „Metal Union“ mit jedem Gig die Einheit der Metalheads feiern. Und so wurde der Fronter auch diesmal nicht müde, genau diesen Zusammenhalt sowohl inner- als auch außerhalb der Songs durch Ansagen zu würdigen. Das gemeinsame Posen und Headbangen der einzelnen Musiker passte als Symbol ebenso gut in die Reihe. Davon abgesehen sprechen die Nummern eh nur eine Sprache: Heavy Metal! Beweglich wie eh und je zelebrierten MAJESTY den klassischen Stahl zu jeder Sekunde, glorifizierten die „Generation Steel“ und verlasen das „Metal Law“. Beim fixen und mit Power Metal versehenen „Heavy Metal Battlecry“ sang die Meute eifrig mit und Tarek dichtete die titelgebende Textzeile am Ende stilsicher in „Heavy Metal SUMMER BREEZE“ um. Der erst 2013 dazu gestoßene Lead-Gitarrist Robin Hadamovsky ist inzwischen so integriert, dass Posen und Soli ebenso passgenau saßen, wie die schwarze Lederkluft. Hut ab, Pommesgabeln hoch und ein lautstarkes „Hail hail to MAJESTY“.


12.40 (MS) BE'LAKOR
Die Australier von BE’LAKOR sind gern gesehene Gäste auf dem SUMMER BREEZE. Bereits in den Jahren 2010 und 2012 war die Band zu Gast in Dinkelsbühl und hinterließ einen durchweg positiven Eindruck. Und wie bei ihren seitherigen Gastspielen, hatte die Band auch bei der diesjährigen Ausgabe das Glück, dass die Sonne genau passend zu Beginn ihres Sets hervorkam. Vom Start weg herrschte dementsprechend gute Stimmung auf und vor der Bühne. Einige Besucher schienen sich besonders auf die sympathische Formation aus Melbourne gefreut zu haben und schwangen zu den Klängen vom Opener „In Parting“ bereits fleißig die australische Nationalflagge. Neben Songs vom aktuellen „Of Breath And Bone“ und dem zweiten Album „Stone’s Reach“ beglückten BE’LAKOR die Anwesenden mit dem neuen Song „Exogeny“ vom kommenden Album. Die Leadmelodien frästen sich in die Gehörgänge und ließen, getrieben von der Doublebass, zahlreiche Köpfe nicken und gar erste Crowdsurfer in den Graben fliegen. Zwei der Stammmitglieder mussten am heutigen Tage ersetzt werden, jedoch machten die befreundeten Ersatzmusiker ihren Job mehr als ordentlich, so dass am Ende erneut ein mehr als runder Auftritt zu verzeichnen war.


13.00 (TS) MILKING THE GOATMACHINE
Und ehe man sich versah, ertönte chaotischer Midtempo-Deathgrind von der T-Stage, oder besser gesagt: "Goatgrind" und vieles mehr. MILKING THE GOATMACHINE, die größte frei ziehende Ziegenherde am Dinkelsbühler Äquator, zelebrierten Mid- und Lowtempo-Attacken und abermals technisch anspruchsvolle Gitarrenspielereien in einem für die Uhrzeit dermaßen erstaunlich gefüllten Zelt, dass selbst die Band ihre Freude darüber zum Ausdruck bringen musste. Mit den berüchtigten Ziegen-Masken, gut gelaunten Goatleeb und Goatfreed Udders und den beiden Live-Ziegen rockte die Truppe alles nieder, was nicht bei drei zurück im Stall war und präsentierte dabei ein Potpourri aus den frühen Anfangstagen und unter anderem von ihrem im Juni veröffentlichten fünften Album. Die Mittags-Ravioli wurden zu goat-tastisch groovendem Prügelmetal mit ordentlich Druck und natürlich einem bestechenden Augenzwinkern, was Texte und Songtitel anbelangt, durchgeschüttelt und die Publikumsherde forderte immer noch mehr und mehr Wall of Deaths. Am lautesten und wildesten wurde es bei "Ding Dong", aber es war insgesamt eine mitreißende Show zu früher Stunde und somit war dieser Auftritt, abgesehen von der im Oktober anstehenden Tour mit EISREGEN und DEBAUCHERY, eine der letzten Möglichkeiten zum gemeinsamen Gruppen-Meckern, bevor die Ziegenmänner 2016 eine Pause einlegen. Kommt bald zurück!


13.30 (PS) HAUDEGEN
Nach den ultra-traditionellen Klängen von MAJESTY, die den Samstags-Reigen auf Pain Stage begonnen hatten, war mit den Berlinern HAUDEGEN erst mal Kontrastprogramm angesagt. Die zwei gewichtigen, großflächig tätowierten und in Bikerkutten steckenden Fronter wurden von ihrer Begleitband unterstützt und dabei war das Gesagte zwischen den Songs ihnen auch sehr wichtig. Frei von der Leber weg, in typischer Berliner Schnauze hatte das hohen Unterhaltungswert. „Das erste Mal SUMMER BREEZE, geile Scheiße, wa!“ – die Herren fühlten sich wohl und wurden von den anwesenden Fans textsicher unterstützt. Als Arbeiterkinder aus dem Marzahner Plattenbau fühlten sie sich eins mit dem Publikum. Und so litt man auf der Bühne ähnlich wie die in der prallen Sonne stehenden Fans: „Läuft Euch der Schweiß auch so die Arschritze runter?“. Im Gegensatz zum eher stoisch agierenden Basser wurden die Gitarristen wohl nach zurückgelegten Bühnenmetern bezahlt, denn die flitzen um die Wette über die Bühne. „Was für die STONES „Angie“ ist, ist für HAUDEGEN „Ein Mann, ein Wort“, und so wurde die inoffizielle Bandhymne auch veritabel abgefeiert. Ein Zuschauer, der die Band vorher noch nie gesehen hatte, meinte, das ist wie eine Mischung aus Bierzelt und ONKELZ. Dem ist nichts hinzuzufügen.


13.45 (CS) RELIQUIAE
Als erste Band auf der Camel Stage weckten RELIQUIAE ihre Zuschauer mit einer gepflegten Portion Sackpfeifen aus dem Mittagsschlaf. Die Herren und die Dame in den wehenden Rüschenhemden peppten ihre eingängigen Rocksongs mit Dudelsack, Geige und Laute auf und legten dabei streckenweise eine gehörige Punk-Attitüde an den Tag. Kein Wunder also, dass der ein oder andere Besucher auf dem Weg ins Infield spontan stehenblieb, um den Mittelalter-Rockern zu lauschen. Mit "Medusa", "Pandora" und dem abschließenden "Sisyphos" bediente sich die Hälfte ihrer Stücke bei Motiven aus der griechischen Mythologie. Aber halb so schlimm, angesichts der klar formulierten deutschsprachigen Texte konnten auch jene die Inhalte verstehen, die keine klassisch-humanistische Bildung genossen hatten. Dadurch erinnerte die Band umso stärker an SALTATIO MORTIS, deren ehemaliger Sackpfeifer Cordoban der Verspielte bis 2010 Teil der Band gewesen war. Vergleichbare Zuschauermassen wie die Badenser am vorangegangenen Donnerstag konnten RELIQUIAE zwar nicht für sich begeistern, die Anwesenden durften sich aber dennoch bestens unterhalten fühlen.


14.15 (TS) THE DUSKFALL
Auch wenn MILKING THE GOATMACHINE als Opener der T-Stage das Zelt komplett leergespielt haben und das Interesse an den folgenden, nach sieben Jahren reaktivierten THE DUSKFALL leider mehr als mau war: die vor allem auf die frühen Alben abzielende Setlist hätte ein gefundenes Fressen für alle Oldschool-Fans werden können. Wohlgemerkt: hätte. Denn was die Schweden in der folgenden dreiviertel Stunde boten, war leider eine ganz schwache Leistung, die in der Form gerade einmal für einen Auftritt bei einer Autohauseinweihung gereicht hätte. Die Instrumentalfraktion um GATES OF ISHTAR-Legende Mikael Sandorf bot reinen Standfußball, während der erst im April eingestiegene, neue Sänger Jonatan Storm unmotiviert über die Bühne schlich und sich sichtlich wenig Mühe gab, seine Growls kraftvoll rüberzubringen. Passend dazu kämpfte Sandorf permanent mit technischen Problemen, die ihn mitten in „Case Closed“ auch noch dazu zwangen, seine Gitarre neu stimmen zu müssen. Da konnte selbst der vom kommenden Album stammende neue Song „World Of Lies“ die Kohlen nicht mehr aus dem Feuer holen. Für eine Band, die nach sieben Jahren wieder Gas geben will und sich vor allem das erste Mal nach ihrer SUMMER BREEZE-Absage 2004 wieder auf dem Festival präsentiert, war das viel zu wenig.


14.20 (MS) BETONTOD
Die Freunde des kehligen Deutschrocks wurden nach SERUM 114 und HAUDEGEN direkt ein drittes Mal beglückt. Überlebensgroß füllte das BETONTOD-Backdrop den gesamten Bühnenhintergrund aus – ein guter Indikator dafür, was für einen Status die Rheinberger Band mittlerweile hat. Denn so ein riesiges Bachdrop hat nur ne Band, die auch halbwegs regelmäßig auf derart großen Bühnen auftritt. Groß war auch vom ersten Ton des Openers „Mein letzter Tag“ an die Resonanz seitens des Publikums. Die Band war abgesehen vom weißen Unterhemd ihres Drummers komplett in schwarz aufgelaufen, düster war an ihrem Punksound aber an sich nichts. Die Menge zeigte sich enorm aktiv, es wurden Crowdsurfer über die Köpfe gereicht und nach dem programmatischen „Wir spielen keine Popsongs“ skandierte die Meute den Refrain sogar fast lauter, als es die Band vorher über die PA gemacht hat. „Ich bereue nichts“ war der Schlusspunkt eines rundum gelungen Auftritts und zu bereuen gab es hier nun wahrlich nichts!


15.00 (CS) PRIPJAT
Den Auftritt der Jungspunde von PRIPJAT kann man mit drei „Üs“ beschreiben: überraschend, überragend und, ja ganz ehrlich, übergeil! Anders formuliert: Die Kölner haben eines der Tages-Ausrufezeichen gesetzt, das man in dieser explosiven Form nicht erwartet hat. Mit einem langen hohen Schrei – nicht die einzige SLAYER-Reminiszenz – ging es los, dann rotierte ein Tornado an blitzschnellen Thrash-Riffs und etlichen Soli, die gemütlich zwischen ästhetischem Chaos und Melodie pendelten. Ergänzt wurde die musikalische Ausrichtung durch moshende Parts, doch der Grundtenor hieß Bleifuß. Die Dynamik des Vierers wirkte wie ein Zuschauermagnet: Sie rannten, sie bangten, sie drehten sich im Kreis. Und agierten trotzdem überaus punktuell und sicher – PRIPJAT beherrschen ihr Handwerk und das schwappte über. Mehr und mehr Leute schlossen sich den bereits Feiernden an und warfen zum Speed-Thrash-Massaker alsbald die eigene Mähne oder zumindest den Kopf. Fronter Kirill beeindruckte mit einer Stimme, die wie geschaffen für den Thrash Metal klang, und Gitarrist Eugen streckte immer wieder die Zunge raus – gebt dem Jungen doch mal ein kühles Bier, der hechelt ja so. Spaß beiseite ... wobei, genau darum ging es ja vor allem: um Spaß! Und den hatten sowohl die Musiker als auch die Zuschauer, von denen einige in einem Pit ausrasteten, der genauso prächtig zur Musik von PRIPJAT passte wie der Spruch auf dem Shirt des Sängers zum gesamten Gig: I love Thrash! Ein kleiner Fauxpas wie das kurzzeitige Verlieren des Sticks von Drummer Yannik fiel dann nicht mal auf. Und sonst so? Ein Mini-Bass-Solo, ein SLAYER-Gedächtnis-Riff, einen Crowdsurfer, der beinahe abgestürzt wäre, sodass die Beine für einen Moment senkrecht in den Himmel zeigten. Ach ja, und natürlich die „PRIPJAT“- und Zugaberufe am Ende, denen tatsächlich ein weiterer, vorab nicht eingeplanter Song folgte.


15.10 (PS) EMIL BULLS
Im Gegensatz zu anderen Bands im LineUp, die auch mehr als 20 Jahre auf dem Bandexistenz-Konto haben, befinden sie sich auf dem Zenith ihres Schaffens. Denn die Münchner haben sich in den letzten Jahren regelrecht den Arsch abgetourt und in schöner Regelmäßigkeit starke Platten raus gebracht, die jedes Mal aufs Neue spannend sind. Zuletzt mit ihrer aktuellen Platte „Sacrifice To Venus“. Und so kam es auch, dass der Platz vor der Pain Stage, trotz sägender Sonne, bis zum Bersten gefüllt war. Die Bullen wurden gleich beim Opener „Between The Devil And The Deep Blue Sea“ frenetisch in Empfang genommen und gingen direkt in die Vollen. Nach einer kurzen Aufforderung von Sänger Christoph von Freydorf beim zweiten Song „Hearteater“ nach etwas mehr Bewegung, kamen die Crowdsurfer postwendend im Sekundentakt angeflogen und die Grabenschlampen hatten alle Hände voll zu tun. Das Publikum schonte sich auch in der Folge kein bisschen, legten mit zunehmender Spielzeit sogar mit Wall of Death und Circle-Pit eine Schippe obendrauf. Selbst ein Eisverkäufer war dermaßen vom Sound der BULLS angestachelt, dass er sich ein Runde über die Köpfe der Zuschauer (wohlgemerkt inklusive Bauchladen!) nicht nehmen ließ. Starker Auftritt der EMIL BULLS, die vollkommen zu Recht vom Publikum mit Sprechchören gefeiert wurden!


15.30 (TS) SUICIDAL ANGELS
Das SUMMER BREEZE atmete 2015 mehr denn je den Thrash Metal! Und da durften die SUICIDAL ANGELS natürlich nicht fehlen. Zwar ist das Zelt nur zu gut einem Viertel gefüllt, doch die Anwesenden feierten die an alte SLAYER erinnernden Thrash-Hits der Griechen, als gäbe es kein Morgen. Und eigentlich gab es das ja auch nicht, wenn man bedenkt, dass der letzte Festivaltag lief. Thrash Metal ist eigentlich eher eine Open-Air-Angelegenheit, aber die vor allem textlich düstere Ausrichtung des Vierers passte wiederum gut zur tageslichtlosen Zelt-Atmosphäre. Erneut präsentierte sich der Sound von einer extrem guten Seite, sodass einem illustren Gig mit schnellen und walzenden Riffs nichts im Wege stand. Doch ganz ehrlich: Wer sich den SUICIDAL ANGELS in den Weg stellt, hat eh verloren. Songs wie „Bleeding Holocaust“, „Seed Of Evil“ vom letzten Output „Divide And Conquer“ und der Überhit „Apokathilosis“, mit dem das Set stilecht endete, verhalten sich wie ein akustisches Räumungskommando. Aber selbstverständlich ließ sich hier niemand aus dem Weg räumen: „Reborn“ skandierte Fronter Nick Melissourgos und die Masse antwortete: „In Violence“! Quietschfidele Soli, Gitarren-Sägearbeit, Stakkato-Schnätzelei und schweres Riffing gaben sich die Klinke in die Hand, dazu wurde animiert, was das Zeug hält. Immerhin mit dem Erfolg, dass gegen Ende eine Wall of Death durchgezogen wurde, die wiederum einen moshenden Krater im Publikum hinterließ. Abriss!


16.00 (MS) KATAKLYSM
Relativ früh duften die Kanadier am heutigen Samstag antreten. Wirklich zu stören schien das das SUMMER BREEZE Publikum allerdings nicht. Denn schon Minuten vorher, war der Platz pickepacke dicht und in freudiger Erwartung der Dampfwalze, die gleich über sie hinwegfegen würde. Mit „To Reign Again“ gingen die Herren sofort in die Vollen und zeigten eindrucksvoll, wie Death Metal heute zu funktionieren hat. Voller Energie und überaus sympathisch leitet Sänger Maurizio seine Mitstreiter treffsicher durch das Programm und schlug mit einer superben Songauswahl eine breite Schneise der musikalischen Verwüstung durch das Rund. Insbesondere mit einem sehr früh gespielten „As I Slither“, hatten KATAKLYSM auch die letzten Reihen erreicht. Dabei wurden treibende Midtempo-Hymnen wie „Taking The World By Storm“ ebenso frenetisch abgefeiert wie Blastbeat-Attacken der Marke „Ambassador Of Pain“. Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte das Set mit einem messerscharf dargebotenen „Shadows And Dust“. Ein absolut brachialer Auftritt des Vierers, der abermals eindrücklich beweist, dass an dieser Band live kaum jemand vorbeikommt. Es wäre nicht verwunderlich, wenn die Band in den kommenden Jahren noch den einen oder anderen Slot nach oben rutscht. Großartig!


16.15 (CS) DUST BOLT
Party, Party, Party! Und eigentlich könnte die Besprechung des Auftritts von DUST BOLT an dieser Stelle schon enden, denn im Grunde ist alles gesagt. Weil hier aber noch ein paar Zeilen frei sind, soll die gehobene Qualität des sympathischen Vierers auch entsprechend gewürdigt werden. Und mal ehrlich: Wenn man fast vor jedem Song nach einem Pit fragt, zeugt das von einem gesunden Selbstbewusstsein, das bei DUST BOLT auch völlig gerechtfertigt ist. Das sah man dann auch an der Tatsache, dass der Staub wirklich bei jeder Nummer in die Luft rotiert wurde. Und auch die Wall of Death, die gänzlich ohne Aufforderung entstand, spricht Bände. Aber da zeigt es sich eben wieder: Wer mit überbordender Spielfreude an den Start geht, erntet auch dementsprechend. Die Jungs waren so agil, als würde ihr Leben von diesem einen Auftritt abhängen – allen voran Bassist Bene, der sich gefühlt 666 Mal im Kreis drehte und dabei seine beneidenswert lange Mähne schüttelte. Pit, Pit, Pit! Selbst die Musiker moshten quasi auf der Bühne. Aber hey, die musikalische Grundorientierung aus überwiegend sprintenden Riffs in Bay-Area-Manier ließ auch nichts anderes zu.


16.45 (TS) BREAKDOWN OF SANITY
Samstagnachmittag, 16.45 Uhr, Dinkelsbühl, im knapp bis über die Hälfte gefüllten Zelt: Die perfekte Zeit für ein Ganzkörper-Workout und damit für die Senkrechtstarter BREAKDOWN OF SANITY, dem Inbegriff von leidenschaftlicher Spielfreude, unglaublicher Wucht, geladenen Riffs und Breakdowns, deren Übermacht und Tiefgang kaum überboten werden können. Kurzfassung: Sie spielten die Zuschauer an die sprichwörtliche Wand. Langfassung: Ein besonderes Lob gilt den Musikern für die fast schon mechanisch perfekte Umsetzung und Stimmung, nicht zuletzt zog auch Fronter Carlo Knöpfel stimmlich alle Register - von mitreißenden und knalligen Shouts, bis hin zu emotionalem Clean-Gesang. Die Setlist, eine lückenlose Ansammlung von Knallersongs, forderte dem Publikum alles ab, sogar so viel dass niemand Zeit hatte, an Crowdsurfing zu denken. Mit einem gigantischen Circle Pit verabschiedete sich die Band mit dem finalen "Crumble" und machten deutlich, dass sich die Schweizer zweifelsohne zu Hochkarätern der Metalcore-Szene hochgearbeitet haben - grandioser Auftritt! An dieser Stelle gilt es, auch die entspannten und vorab von NEAERA gelobten Securities zu erwähnen: Weil es eben dank Circlepits und Wall Of Death-Runden vergleichsweise wenige Crowdsurfer gab, war genug Zeit, um gut gelaunt und mit vollem Körpereinsatz den umherfliegenden Aufblasball zurück in die Menge zu werfen - die ganze Zeit. So machen Konzerte Spaß!


17.05 (PS) KNORKATOR
Von Anfang an machten KNORKATOR klar, dass sie kein Blatt vor den Mund nehmen würden und verlangten im Zuschauerraum nach dem "größten Loch der Welt". Nachdem das unvermeidliche Feuerwerk an sexuellen Anspielungen abgeklungen war, schlugen die Berliner mit der "Hymne" ungewohnt sanfte Klänge an. Obwohl sie dann in der Folge die Publikumsbeleidigung zur Kunstform erhoben, kam der ADHS-verdächtige Mix aus Comedy-Elementen und Rockmusik bei den Fans hervorragend an. Offensichtlich verfügten die Anwesenden über ausreichend Sinn für Humor, um Freude an dem ironischen Wortwitz der Band zu haben. Und obwohl das Songwriting auf den ersten Blick so subtil wie eine Dampfwalze zu sein schien, verbargen sich darin doch zahlreiche intelligente Betrachtungen und ein nicht unbeträchtliches Maß an künstlerischem Anspruch. Das bunte Sammelsurium an Klobürsten und anderen Deko-Objekten, das Alf Ator an seinem Keyboard-Rollator spazieren fuhr, durfte man hingegen guten Gewissens als "albernen Quatsch" abstempeln. So war es einmal mehr der bewusste Zwiespalt aus Genialität und Wahnsinn, von dem die KNORKATOR-Show lebte. Frontmann Stumpen begann bereits nach dem ersten Lied, sich Stück um Stück zu entblättern, jedoch konnte er sich am Ende dann doch nicht dazu durchringen, vollständig blank zu ziehen. Ungleich mutiger war da jene Zuschauerin welche der johlenden Festivalmeute ihre nackten Brüste entgegenreckte, nachdem Stumpen sie gegen Ende der Show zu sich auf die Bühne geholt hatte. Musikalisches Highlight war hingegen erwartungsgemäß "Wir werden alle Sterben", das von einem vieltausendstimmigen Zuschauerchor lautstark mitgesungen wurde. Am Ende offenbarten KNORKATOR dann ein etwas zu pessimistisches Zeitmanagement und konnten ihrer Setlist spontan zwei weitere Zugaben hinzufügen, ganz ohne dass die Band dafür aus eigener Tasche Überziehungsgebühren zu berappen hatte.


17.30 (CS) RECTAL SMEGMA
Wer sich im Vorfeld des Festivals so ein bisschen über die Bands informiert hat und dabei auch über den Namen RECTAL SMEGMA gestolpert ist, hat vielleicht etwas gestutzt. Und dann vielleicht die wörtliche Bedeutung gegoogelt und dann vielleicht beschlossen zum Zeitpunkt des Auftritts der Gore Grind-Niederländer am genau entgegengesetzten Ende des Festivals zu sein. Schwerer Fehler an sich, denn Geschmacklosigkeiten wie der Bandname gehören im Genre einfach zum „guten Ton“, genau wie eine riesige Portion Humor. Und Humor bewies in der halben Stunde in der der Wahnsinn auf und vor der Camel Stage regierte sowohl die Band als auch das Publikum. Der Fronter trug nichts außer einer kurzen hellblauen Hose und das Publikum drehte zu den groovigen Gore-Kaskaden der Spacken nonstop am Rad. Der Staub konnte sich ob der Nonstop-Action gar nicht mehr legen und es wurde neben einer aufblasbaren Palme auch ein zum Crowdsurfen missbrauchtes Gummikrokodil in bzw. auf der Menge gesichtet. Unvergesslich.


18.00 (TS) HACKNEYED
Sie sind gar nicht mehr so jung, die Abtsgmünder Buben HACKNEYED. Noch vor wenigen Jahren zeigten sie den Fans und vielen gestandenen Musikern älterer Generationen quasi im Vorübergehen, wo der Hammer hängt. Heutzutage gehören sie trotz jungen Alters schon zu den "alten Hasen" und Todesblei-Geheimtipps Deutschlands. Vergangenes Jahr noch kurzfristig als Ersatz eingesprungen, hatten sie diesmal die T-Stage ganz für sich und eine weitere Scheibe namens "Inhabitants Of Carcosa" im Repertoire. Die Leute die anwesend waren, blieben keine Minute an Ort und Stelle. Mit Recht, denn schon während dem ertönenden Intro des ersten Songs, bekam man Gänsehaut und wartete unruhig auf den ersten Schlag in die Magengegend. Und dann hieß es: Durchhalten! Mit "The Flaw Of Flesh", "God's Own Creation", "Now I Am Become Death" und "Death Toll" präsentierten die Lokalmatadoren vier Walzen vom neuen Album und bei letzterem kam Roman von FUCK YOU AND DIE als Ersatz für den Part von Nikita Kamprad ans Mikro und mischte bei Fronter Phils Leistung ordentlich mit. Aber natürlich durften auch bewährte Nackenbrecher wie "Gut Candy" und "Axe Splatter" nicht fehlen. Die beiden Herren Fink dürften ja noch von ihrer NECROTTED-Show tags zuvor Muskelkater gehabt haben, Devin spätestens einen Tag nach diesem Auftritt auch und von weiter hinten hätte man meinen können, Tim haut die Bude gleich komplett kurz und klein. Wieder einmal eine großartige Show von hoffentlich vielen, die noch folgen werden.


18.10 (MS) PARADISE LOST
Nachdem Sänger Nick Holmes bereits am vorherigen Tag mit BLOODBATH im Einsatz gewesen war, ging’s am Tag darauf mit seiner Stammformation zum Einsatz auf die Main Stage. Eben jene PARADISE LOST erleben seit einigen Jahren ihren zweiten Frühling und spätestens seit dem kürzlich erschienen Werk „The Plague Within“, auf dem wie in Anfangszeiten verstärkt Growls verwendet werden, hat die Band aus Yorkshire auch bei alten Fans wieder Boden gut gemacht. Kaum eine Band ist stilistisch so breit aufgestellt wie die vor nahezu 30 Jahren gegründete Truppe, was sich auch in der Setlist widerspiegelte. Neben neuen Songs („No Hope In Sight“, „Terminal“), die sich an den frühen Death/Doom-Ausrichtung der Band orientieren, gab es auch Material aus der teilweise umstrittenen, auf jeden Fall aber erfolgreichen Phase wie „One Second“ oder „Erased“. Am Schlagzeug unterstützt wurden die sympathischen Herren dabei von Aushilfstrommler Waltteri Väyrynen (u.a. VALLENFYRE), der den verhinderten Adrian Erlandsson ersetzte. Greg Mackintosh schüttelte trotz anfänglicher Probleme mit der Technik ein sehnsuchtsvolles Riff nach dem anderen aus dem Ärmel, während Aaron Aedy gewohnt Vollgas gab und sich Steve Edmondson in vornehmer Zurückhaltung übte und zwischen den Songs immer wieder mal an seiner E-Zigarette zog. Zudem legte Nick Holmes eine vergleichsweise starke Gesangsleistung hin, so dass am Ende ein klasse Auftritt einer Band zu verzeichnen war, die es auf die alten Tage nochmal wissen möchte.


18.45 (CS) CHAPEL OF DISEASE
Dass sich zum Auftritt der Kölner Death Metaller der Horizont bedrohlich verdunkelte, wird vielleicht nicht unbedingt etwas mit ihrem Auftritt auf der Camel Stage zu tun haben - gänzlich auszuschließen ist es aber auch nicht, wenn man bedenkt, dass das Debütalbum des Quartetts "Summoning Black Gods" heißt. Der geschundene und düstere Sound der Rheinländer, der mit hypnotischen Riffs und plötzlichen Ausbrüchen kombiniert wird, zog erwartungsgemäß überwiegend Fans des Death Metals alter Schule an – eine entsprechend hohe Anzahl an schwarzen Kutten und Patronengurten war im Publikum vertreten. Gerade in der ersten Reihe flogen dann auch amtlich die Haare – kein Wunder, ob der schweren und eingängigen Ausrichtung der dargebotenen vier Songs. Dass zum Abschluss des Sets mit dem Titeltrack des aktuellen Albums dann doch kein schwarzer Gott auf der Bühne erschien, ist vielleicht auch ganz in Ordnung und kein Anlass zur Kritik. Dass das anwesende Publikum allerdings einen starken Auftritt einer talentierten Band gesehen hat, ist unbestritten.


19.15 (PS) CANNIBAL CORPSE
Hurra, hurra, der Corpsegrinder ist da.! Wenn CANNIBAL CORPSE ihre Instrumente in die Hand nehmen, bleibt kein Stein auf dem anderen. So auch auf dem SUMMER BREEZE bei dem die Szeneninstitution am letzten Tag nochmals ein totales Death Metal-Gewitter auslöste. Den Anfang machten neue Stücke von den letzten drei Alben, aber spätestens mit „Stripped, Raped And Strangled“ vom Klassiker „The Bleeding“ aus dem Jahr 1994 und dem „Gallery Of Suicide“-Doppelschlag mit „Disposal Of The Body“ und „Sentenced To Burn“ brachen alle Dämme. Reihenweise hagelten Crowdsurfer in den Graben vor der Bühne, so dass die Securities Mühe hatten, Herr der Lage zu bleiben. Viele Anwesende versuchten zudem während des als Liebeslied angekündigten „I Cum Blood“ im Haarrotor-Contest mitzuhalten, doch Sänger und Headbang-Hüne George „Corpsegrinder“ Fisher erstickte jegliche Versuche im Keim, wie er auch selbst anmerkte: „Try To Keep Up, But You Will Fail“. Da die Amerikaner aktuell auf ausgedehnter Europa-Tour sind, hämmerten sie ihr Set ohne Kompromisse so präzise wie ein Schweizer Uhrwerk herunter. Keine Frage, dass nach dem umjubelten „Hammer Smashed Face“ und dem abschließenden „Devoured By Vermin“ nicht mehr als ein einziges Schlachtfeld vor der Bühne zurückblieb.


19.15 (TS) BELPHEGOR
Nimmt man die Attitüde und den allgemeinen Bandsound zusammen, waren BELPHEGOR wohl die härteste Truppe des diesjährigen Billings. Blutstriemen zierten die Gesichter und Arme der Musiker, die Mikros waren eher Knochenständer. Kaum zu glauben, dass es schon zwölf Jahre her ist, als die österreichischen Extremisten letztmals auf dem SUMMER BREEZE wüteten. In diesem Jahr ging passend zum anstehenden Gig eine erneute Wetterwarnung mit Aussicht auf Dauerregen raus. Zwar fühlten sich die vehementen Blastbeats eher wie Hochgeschwindigkeits-Hagelkörner an, gepasst hat es dennoch. Bevor es losging, wurden die Zuschauer minutenlang durch ein Intro ins BELPHEGOR'sche Dunkelreich gezerrt, wo im Allgemeinen Death und Black Metal-Riffs und im Detail diabolische Tritonus-Intervalle, mörderische Pinch Harmonics und monströse Growls warteten – alles Elemente, die nur aus der Feder des leibhaftigen Beelzebubs stammen können, logisch. Im Ernst, BELPHEGOR sind der Inbegriff von konsequent böser Durchschlagskraft in Musikform, sowohl auf Songebene als auch beim Drumherum. Zu diesem Drumherum gehörte auch eine pechschwarze Kapuzengestalt, die im Kunstnebel zu schweben schien und das Zelt okkult charmant mit dem Duft von Weihrauch erfüllte. Hier und da hat der Sound gerade beim heftigen Drum-Geballer die Riffs verschluckt, doch alles in allem haben BELPHEGOR ein weiteres Mal gezeigt, wer der Satan im Haus ist.


20.00 (CS) DREAMSHADE
Es mag vielleicht stimmen, dass DREAMSHADE in ihrem Genre nicht vor Innovationskraft strotzen, aber hey, wen kümmert das schon, wenn die Party vor der Camel Stage so abgeht wie bei den Italienern? Zudem die jungen Burschen handwerklich ihr Metier aus dem FF beherrschen und sich hinter etablierteren Bands aus dem melodischen Metalcore nicht verstecken müssen. DREAMSHADEs Interpretation der modernen Metalspielart strotze vor guter Laune, die binnen Nullkommanix auf das Publikum übersprang: Jumpdafuckup-Action gab es schon bei „Photographs“, es müssen ja nicht immer düstere Melodien sein. Auf Bandseite stellte sich vor allem Sänger Kevin Cali als Aktivposten heraus. Engagiert beackerte er alle Bühnenränder und machte dabei stimmlich sowohl beim Growling als auch den Clean Parts eine gute Figur. Durch ihren Slot profitierten DREAMSHADE zudem von einem netten Nebeneffekt: da ihr Auftritt sich zeitlich mit der NIGHTWISH-Autogrammstunde überschnitt, bekam das Quintett eine ganze Menge Zuhörer frei Haus, die ansonsten vielleicht nicht auf die Band aufmerksam geworden wären. Zum Schluss wurden die „Zugabe“-Rufe der Fans auch noch erhört und DREAMSHADE durften mit „Wide Awake“ sogar ein wenig überziehen.


20.20 (MS) HATEBREED
HATEBREED waren schon immer ein Phänomen. Ob nun in Metal- oder Hardcore-Kreisen, die aus Amerika stammende Band besitzt seit jeher Anhänger in beiden Lagern. Dementsprechend gemischt war auch das Publikum vor der Main Stage, als am letzten Tag des diesjährigen Festivals auf die Zielgerade eingebogen wurde und „Bad Boys“ von BOB MARLEY den Auftritt von HATEBREED ankündigte. Die Jungs um Sänger Jamey Jasta fackelten auch nicht lange und die explosionsartig freigesetzte Energie übertrug sich direkt aufs Publikum. Kollektives Ausrasten war zu Nummern wie „To The Threshold“ angesagt. Nachdem mit ersten Songs vorgelegt und ein dickes Ausrufezeichen gesetzt wurde, gönnte Jamey Jasta dem Publikum vorerst eine kleine Verschnaufpause und holte in seiner Ansage etwas weiter aus, indem er sich für das zahlreiche Erscheinen bedankte sowie seine Vorliebe für Deutschland und die dort beheimateten Festivals, insbesondere das SUMMER BREEZE, kundtat. Sympathisch, doch dann ging’s auch schon weiter und Dinkelsbühl aktivierte am letzten Festivaltag nochmal die letzten Kraftreserven. Neben zahlreichen Crowdsurfern, nahmen zu „Defeatist“ gleich mehrere kleine Circle Pits Fahrt auf, die von oben betrachtet ein wahrlich schönes Bild abgaben. Immer wieder setzte Nieselregen ein, von dem sich das springfreudige Publikum jedoch nicht abhalten ließ, sondern diesen allenfalls als willkommene Abkühlung begrüßte. Wer Geschosse wie „Live For This“ oder „I Will Be Heard“ im Repertoire hat und diese auch noch so locker leicht, aber immer mit durchgedrücktem Fuß auf dem Gaspedal raushaut, macht nicht viel falsch. Ein Glück also, dass Fronter Jamey eine weitere Pause dazu nutzte und neues Material ankündigte, welches direkt nach dem heutigen Konzert, dem vorerst letzten in Deutschland, aufgenommen werden soll. Amtlicher Abriss einer Band, die live immer ihre Leistung bringt und Spaß macht.


20.30 (TS) MORGOTH
Nach dem starken neuen Album "Ungod" war der Auftritt von MORGOTH auf der T-Stage für jeden Oldschool Death Metal-Fan eine Pflichtveranstaltung beim diesjährigen SUMMER BREEZE. Nach dem überraschenden Abgang des Stammsängers Marc Grewe lag es am neuen Frontmann Karsten „Jagger“ Jäger (DISBELIEF) zu beweisen, dass er ebenso perfekt in das Konzept der Todesmetall-Urgesteine passt. Und wie sich schnell zeigte gibt es zumindest live absolut nichts zu beanstanden: Das tiefe Grollen des langhaarigen Hünen unterstützt den walzenden Sound des Quintetts auf der Bühne ganz ausgezeichnet. Dass die Reihen vor der Bühne eher spärlich besetzt waren, tat der Spielfreude der Band dabei keinen Abbruch – schließlich galt es nicht weniger als dreißig Jahre deutsche Death Metal-Geschichte in einem Set von 45 Minuten unterzubringen. Neben Klassikern wie "Sold Baptism" oder "Resistance" wurde auch das Material von der aktuellen Scheibe ausreichend berücksichtigt – ein gelungener Rundumschlag von MORGOTH, der der Nackenmuskulatur der anwesenden Fans einiges abverlangte. Dass man dann zum Abschluss noch auch das erhabene "Isolated" darbot, war dann die musikalische Kirsche auf einem gelungenen Auftritt.


21.15 (CS) REVEL IN FLESH
Schwäbisch, schwäbischer, REVEL IN FLESH. Für Fans von waschechtem und purem Death Metal alter Schule ging zu später Stunde eine zweite Sonne beim gelben Kamel auf. Knapp 300 moshwütige Zuschauer trotzten dem leichten Schauer und bewegten ihre geplätteten Häupter zu REVEL IN FLESHs ungeschliffenen und tiefer gestimmten Gitarren. Gekonntes Up- und grooviges Mid-Tempo wechselten mit kernigen Growls, melodischen Gitarrenmelodien, an passender Stelle heiseren Screams und einer nahezu ununterbrochen malmenden Riffwand. Fast hatte es den Anschein, als wären die Schwaben genau für diese Bühne gemacht: Die synchronen Moshattacken passten perfekt, der Sound war umwerfend und einnehmend, die Stimmung bedrohlich und sogar der Tanzpartner mit der Vendetta-Maske im Publikum musste den Kopf rhythmisch zu den Schweden-affinen Klängen und dem Gewitter der Drums bewegen. Ein schwäbisches Lob haben die Jungs wirklich verdient: Net gmault isch globt gnuag!


21.40 (PS) DARK TRANQUILLITY
Auch in diesem Jahr waren DARK TRANQUILLITY wieder gerne gesehene Gäste auf dem SUMMER BREEZE und lockten eine große Zuschauermenge vor die Pain Stage. Ihr Melodic Death Metal der klassischen Göteborger Schule stellte die perfekte Kombination aus Melodie und Härte dar. Darüber hinaus punkteten die Musiker wie gewohnt mit ihrem äußerst sympathischen Auftreten. Frontmann Mikael Stanne suchte immer wieder vom Bühnengraben aus den direkten Kontakt mit den Fans. Dabei nahm er dann auch höchstpersönlich einen besonders mutigen Crowdsurfer entgegen, der sich im Rollstuhl sitzend auf den Weg in Richtung Bühne machte. Da ihm für den Refrain des genialen "The Mundane And The Magic" keine weibliche Duettpartnerin zur Verfügung stand, suchte und fand er diese ebenfalls in der ersten Publikumsreihe. Den begeisterten Jubel der Menge, den die Band sichtlich genoss, konnte der Sänger nur mühsam weit genug im Zaum halten, um mit der Show fortzufahren: "Wir werden immerhin dafür bezahlt, hier zu spielen." Angesichts des hohen Zuspruchs wurden aus den "Wonders At Your Feet" ganz schnell die "Wonders At SUMMER BREEZE". Im Gepäck hatten DARK TRANQUILLITY eine Auswahl ihrer größten Hits, wobei sie zumeist ein ziemlich flottes Tempo anschlugen. Während der Bass in der jüngeren Vergangenheit aus der Konserve zugemischt wurde, hatte man sich heute die Unterstützung durch TIAMAT-Tieftöner Anders Iwers gesichert, der ja auch schon am Mittwoch bei AVATARIUM ausgeholfen hatte. Dieser harmonierte gut mit den Gitarristen Niklas Sundin und Martin Henriksson sowie Drummer Anders Jivarp und sorgte dadurch für ein tight groovendes Rhythmus-Fundament. Den Klassiker "Lethe" widmete Frontmann Mikael Stanne seinem CANNIBAL CORPSE-Kollegen George "Corpsegrinder" Fisher und erinnerte dabei an gemeinsame Zeiten auf Tour. Das absolute Highlight der Show bildete hingegen "ThereIn", bei dem das Publikum den Refrain lautstark mitsang. Wer dabei nicht ausreichend textsicher war, konnte die Schlüsselbegriffe als Einblendung auf der großen Leinwand im Bühnenhintergrund ablesen. Über diese flimmerten während der gesamten Show teils ausgesprochen morbide und verstörend anmutende Projektionen, die die düstere Atmosphäre der DARK TRANQUILLITY-Songs optimal unterstützten.


21.45 (TS) SICK OF IT ALL
Als nächstes wurde es Zeit für die Erfinder der Wall of Death: SICK OF IT ALL. Und wer hat schon jemals eine schlechte Show der New Yorker Hardcore-Urgesteine gesehen? Eben, niemand. Wie immer voller Elan und mit einem Lächeln im Gesicht betraten Lou Koller und seine Mannen die Bühne. Ein kurzes „Are You Reaaady?!“ und los ging es mit „Uprising Nation“ in ein abwechslungsreiches Set, gespickt mit neuen und alten Klassikern aus mittlerweile satten 29 Jahren Bandgeschichte. Da kommen natürlich einige Songs zusammen, die Lou mit seinen gewohnt sympathischen Ansagen einleitete. Neben ihm war sein Bruder Pete, aka. „der menschliche Flummi“, der gewohnte Aktivposten. Egal ob rennend oder springend, zockte er fast schon beiläufig Gitarre. Allein das Publikum schien nach mehreren strapaziösen Festivaltagen doch ein wenig ausgelaugt gewesen zu sein. Denn es wachte erst zur Wall of Death zu „Scratch The Surface“ so richtig auf. Zum Finale mit den Klassikern „Good Lookin' Out“ und dem grandiosen „Us vs. Them“ war es aber dann doch zur Stelle und sang lauthals mit. Nach all den Jahren sind SICK OF IT ALL live immer noch eine Macht, von der sich die ein oder andere junge Band noch etwas abschauen könnte.


22.45 (CS) TERROR UNIVERSAL
Auf TERROR UNIVERSAL mussten die einige hundert Interessierten ein wenig warten. Mit rund zehn Minuten Verspätung enterten die (ex)-Musiker von MACHINE HEAD, SOULFLY und ILL NINO die Bühne. Dass diesen Zusammensetzung aber sicherlich nicht jeder erkannte, lag mit Sicherheit daran, dass sich die Musiker mit Alien-Masken unkenntlich machten. Auch auffällig war, dass nur zwei Gitarristen und kein Bassist an den Instrumenten aktiv waren. Das nahm dem groovigen Modern Metal aber keinesfalls die Durchschlagskraft. Es drückte mächtig und mündetet meist in einem cleanen Refrain, der sich nachhaltig im Hirn festsetze. Das bemerkten auch die vorbeiziehenden Leute, und so blieben immer mehr stehen um zu lauschen. Sogar eine Wall of Death kam zustande. Den krönenden Abschluss einer kurzweiligen Show markierte das gelungene ROB ZOMBIE Cover „Superbeast“. Wer TERROR UNIVERSAL bisher nicht auf dem Zettel hatte, sollte unbedingt die Debüt-EP „Reign Of Terror“ auschecken.


22.55 (MS) NIGHTWISH
Bei den finnischen Symphonic-Metallern NIGHTWISH wurde nicht gekleckert, sondern geklotzt. Zwar standen für die zahlreichen Orchester-Parts keine leibhaftigen Musiker zur Verfügung, doch im Zusammenspiel mit den live dargebotenen Rock-Instrumenten ergab sich ein wahrhaft majestätischer Sound, der die Zuschauer im restlos gefüllten Infield komplett zum Ausrasten brachte. Nach einem langen Orchester-Intro eröffnete eine ohrenbetäubende Explosion die Show und war doch nur ein Vorgeschmack auf die Masse an Feuerwerk, Gasflammen und Bühnennebel, die während des Konzerts verballert wurden. Das gesamte Bühnendesign griff die Evolutions-Thematik des aktuellen Studio-Meisterwerks "Endless Forms Most Beautiful" auf, von dem sich ganze fünf Stücke auf der Setlist wiederfanden. Mastermind Tuomas Holopainen agierte hinter seiner Keyboard-Burg, die mit einem stilistierten Headbanger mit beidseitig emporgereckter Pommesgabel dekoriert war. Ihm gegenüber nahm die meiste Zeit über Troy Donockley Platz, der neben Dudelsack und Flöten auch vereinzelt zur Mandola griff. Über allem thronte Neu-Drummer Kai Hahto, der mit seinem kräftigen Punch die Stücke mächtig nach vorne prügelte. Für die Bühnenaction im Vordergrund sorgte hingegen neben Bassist Marco Hietala und Gitarrist Emppu Vuorinen vor allem Frontfrau Floor Jansen. Diese harmonierte nicht nur perfekt mit ihren Bandkollegen, sondern lieferte sowohl bei den ursprünglich mit Tarja Turunen entstandenen als auch bei den für Anette Olzon komponierten Liedern eine Leistung ab, die der ihrer Vorgängerinnen in nichts nachstand. Vom operesken Soprangesang bis hin zur voluminösen Rockröhre erwies sich die Holländerin als extrem vielseitig und hinterließ nicht nur mit ihren giftigen Schreien bei "Yours Is An Empty Hope" mächtig Eindruck. Dass NIGHTWISH mit Floor Jansen die Möglichkeit hatten, Stücke aus allen Schaffensperioden überzeugend darzubieten, nutzten sie nach Kräften und wuchteten neben "She Is My Sin" mit "Stargazers" eine weitere Klassiker-Überraschung auf die Setlist. Das absolute Highlight bildete indes einmal mehr "Ghost Love Score", bei dem die Musiker noch einmal aus dem Vollen schöpfen und ihre gesamte musikalische Klasse demonstrieren konnten. Schade nur, dass nach dem "Last Ride Of The Day" schon Schluss war und sich die Band allzu früh unter minutenlangen Konservenorchesterklängen ausgiebig von ihren Fans verabschieden musste.


23.15 (TS) INQUISITION
Als völliges Kontrastprogramm zum Headliner der Main Stage gab es im Zelt mit der einzigen Festival-Show 2015 der kolumbianischen Black Metaller INQUISITION ein besonderes Schmankerl. In der Szene als Kult-Band gefeiert, war allein die außergewöhnliche Besetzung schon einen Besuch wert: ein Drummer, ein Gitarrist, kein Basser. Da der Tieftöner nicht einmal vom Band eingespielt wurde, musste Fronter Dagon den Alleinunterhalter geben, während Schlagwerker Incubus im Hintergrund präzise die High-Speed-Salven durch die Boxen tackerte. In Punkto Obskurität standen die Songs dieser Bandkonstellation in nichts nach. Es war schon erstaunlich, wie nah INQUISITION ihren ureigenen und unverkennbaren Stil auf der Bühne reproduzieren konnten. Allem voran stand natürlich das knarzige, sonore Knurren Dagons im Vordergrund, das so rein gar nichts mit orthodoxem Schwarzwurzel-Gekreische gemein hat und eine beschwörende, unheilvolle Atmosphäre kreierte. Ebenso eigenwillig war die Kombination aus thrashigem Riffing, Black’n’Roll und dem chaotischem Element ursprünglichen Black Metals, mit der INQUISITION ihr zerstörerisches Potential voll ausschöpften. Derart überzeugend, war Landflucht gar kein Thema: INQUISITION konnten Ihre Fans das gesamte Set über bei Laune halten. Starker Auftritt einer der bemerkenswertesten Bands, die das SUMMER BREEZE je als Gäste begrüßen durfte.


00.15 (CS) TROLDHAUGEN
Wer nach GLORYHAMMER und ALESTORM noch nicht genug Gute-Laune Metal hatte, der war bei dem späten Auftritt von TROLDHAUGEN auf der Camel Stage genau richtig aufgehoben. Die australische Spaßband eröffnete zu fetzigen Conga-Rhythmen ihr Set, das man auf zwei Worte reduzieren konnte: Absolut abgedreht. Gekleidet in Hawaiihemden, Badehosen und mit Blumenkränzen behängt, gab die Band dem anwesenden Partypublikum den Rest: Bis in die letzten Reihen wurde getanzt, geschunkelt und sogar eine Polonaise wurde angezettelt. Selbst die am Nachmittag aufgetretenen KNORKATOR steckten die vier Australier hinsichtlich schrägem Humor und extravagantem Auftreten locker in die Tasche – die gesangliche und optische Ähnlichkeit von Frontmann Reventüsk mit WEIRD AL YANKOVIC passt da nur allzu perfekt ins Gesamtbild. Und obwohl die geplante Zugabe einer kurzen Unterbrechung der Stromversorgung zum Opfer fiel, verabschiedeten die zahlreichen Fans die Band mit frenetischem Jubel von der Bühne.


00.20 (PS) VENOM
Den krönenden Abschluss auf der Pain Stage bildeten VENOM, die sich mit Fug und Recht als Erfinder des Black Metal bezeichnen können, wenngleich die jüngeren Vertreter des Genres stilistisch nicht mehr sonderlich viel mit den Gründervätern gemeinsam haben. Von der Urbesetzung war freilich nur noch Bassist und Sänger Conrad "Cronos" Land übrig geblieben, der inzwischen mit seinen Sidekicks La Rage an der Gitarre und Danny "Danté" Needham an den Drums über die Bühnen dieser Welt rumpelte. Sonderlich filigran ging das Trio dabei nicht zu Werke, stattdessen wurde der extragroße Knüppel ausgepackt und mächtig durchgezogen. Die Atmosphäre spielte eine deutlich wichtigere Rolle als eine saubere Spieltechnik und wenn das Timing stellenweise nicht ganz perfekt war, unterstrich dies nur die Authentizität des von den Musikern vermittelten Old-School-Rock'n'Roll-Feelings. Der Blick ins Publikum offenbarte viele ältere Semester, die sich noch einmal in die rebellische Phase ihrer Jugend zurückversetzt fühlen konnten, aber auch bemerkenswert viele junge Leute, die am bodenständigen Sound der Engländer ihre Freude hatten. Mit einer Menge Charisma und unbestreitbaren Entertainer-Qualitäten hatte Cronos die Menge souverän im Griff und ließ doch stets erkennen, dass die Band sich selbst und ihre Musik nicht allzu ernst nahmen, sondern ihr Publikum in erster Linie unterhalten wollte. Kaum vorstellbar, dass VENOM früher zum vermeintlich satanischen Bürgerschreck getaugt haben mochten. Nach dem unvermeidlichen "Black Metal" begann sich das Publikum im einsetzenden Regen langsam auszudünnen. Wer zu früh ging, verpasste jedoch das hypnotisch-repetitive "In League With Satan", das die Musiker mit gehörnten Masken auf den Köpfen eröffneten. Darüber hinaus geizten VENOM auch nicht mit einer feurigen Pyro-Show, die viele überraschende Akzente setzen konnte. Dabei schafften sie es sogar, die am Bühnenrand versammelte und von den Strapazen des Festival-Wochenendes sichtlich gezeichnete Bühnencrew kurz vor dem Ende der Show mit einer lauten Explosion wieder aufzuwecken, damit diese daraufhin pünktlich mit dem Abbau der Bühne beginnen konnte.


00.45 (TS) GHOST BRIGADE
Auch wenn für die Unersättlichen später noch zwei derbere Bands folgen sollten, so waren für die Allermeisten doch GHOST BRIGADE der optimale Abschluss nach vier Tagen SUMMER BREEZE. Mit ihrem melancholischen und enorm dichten Sound zauberten sie nochmal ordentlich Atmosphäre in Zelt. Ohne Backdrop oder ähnliches startete ihr Intro kurz vor der eigentlichen Spielzeit bevor die Finnen dann mit „Wretched Blues“, dem Opener ihres aktuellen Albums „IV: One With The Storm“ starteten. Ohne eine Ansage oder größere Pause ging es mit „Aurora“ weiter bevor Sänger Manne Ikonen wenige Worte ins Mikro nuschelte und es mit dem Übersong „Into The Blacklight“ weiterging. Das sollte leider der einzige Track vom „Isolation Songs“-Album bleiben, der Schwerpunkt lag mit fünf von acht gespielten Song eindeutig beim aktuellen Werk. Der Fronter bewegte sich in seiner ganz eigenen ungelenken Art, erinnerte stellenweise etwas an Joe Cocker in einem Limbocontest, traf aber jeden Ton und performte die Songs leidenschaftlich wie auch seine Mitstreiter. Nach dem finalen „Elämä On Tulta“ explodierte Keyboarder Aleksi Munter förmlich und schmetterte plötzlich sein Keyboard auf den Boden. Die vielen Zugabe-Rufe konnten von der Band leider nicht erfüllt werden, da ihre Spielzeit abgelaufen war. Dabei wollte wirklich niemand das Zelt verlassen, weil es drußen nämlich schüttete. Keine Show um ins Schwitzen zu kommen, dank Regen war man danach trotzdem nass.


01.45 (CS) NAILED TO OBSCURITY
Bisher wurde das SUMMER BREEZE zum Großteil von schlechtem Wetter verschont, Samstag Nacht um zwei Uhr aber war die Witterung zum ins Zelt kriechen. Es war nass, es war kalt, es war klamm. Das hielt aber etwa 100 Hartgesottene nicht davon ab, nach VENOM nochmal bei der letzten Band auf der Camel Stage vorbeizuschauen. Die Norddeutschen NAILED TO OBSCURITY hätten zwar mehr Andrang verdient, scherten sich aber einen feuchten Kehricht drum und trümmerten packenden Death Metal mit deutlich doomiger Grundstimmung aufs Parkett. Ihr Sound, irgendwo zwischen alten OPETH und noch älteren KATATONIA angesiedelt, dröhnte herrlich voluminös und satt über den fast menschenleeren Platz. So ließen sich dicht gedrängt an der Absperrung die verbliebenen Zuschauer gerne zum finalen Headbangen dieses Jahres hinreißen und holten nochmal das Letzte aus sich heraus. NAILED TO OBSCURITY dankten es ihnen mit einer bewegungsfreudigen Show, bei der Fronter Raimund Ennenga mit seinen Growls und die Gitarristen mit reichlich Kopfnicken eine besonders gute Figur machten. Ein feiner Abschluss der mittlerweile fest zum Festivalprogramm gehörenden Camel Stage.


02.15 (TS) DARK FORTRESS
Den Schlusspunkt des SUMMER BREEZE 2015 setzen die Black Metal-Recken von DARK FORTRESS auf der T-Stage. Während der Regen unerbittlich auf das Zeltdach prasselte, enterte Sänger Morean zu einem stimmungsvollen Intro zunächst allein die Bühne, bevor auch der Rest der Band dazu kam, um in den titelgebenden Track ihrer aktuellen Platte „Venereal Dawn“ einzusteigen. Ohne Umschweife und mit einem sehr guten Sound knüppelten die Landshuter mit kreisenden Köpfen los. Dazu gab es eine sehr sehenswerte Light-Show, die auch den folgenden Kracher „Silver Gate“ perfekt in Szene setzte. Danach drosselten DARK FORTRESS das Tempo und zeigten bei „Chrysalis“, dass sie nicht nur die rasanten Attacken, sondern auch das sphärische Mid-Tempo mit Leichtigkeit beherrschen. Die Mischung aus alten und neuen Stücken stimmte und deckte fast die gesamte Diskographie ab. Und so bekamen alle, die noch standhaft geblieben waren, eine starke Show zu sehen, die ein würdiger Abschluss des SUMMER BREEZE war.