Rückblick 2016

Mittwoch, 17.08.2016:
BLASMUSIK ILLENSCHWANG, ALMANAC, EVIL INVADERS, MANTAR, OBSCURE INFINITY, BURY TOMORROW, AEVERIUM, LOST SOCIETY, NOVELISTS, GRAND MAGUS, DOWNFALL OF GAIA, BEMBERS, AGNOSTIC FRONT, KETZER, VADER, FÄULNIS, BÖMBERS

Donnerstag, 18.08.2016:
TOXPACK, LORD OF THE LOST, MONUMENTS, HEART OF A COWARD, OMNIUM GATHERUM, HIGH FIGHTER, OHRENFEINDT, GRAVEYARD (ESP), EMMURE, UNDERTOW, DEEZ NUTS, IRON REAGAN, EXODUS, ASENBLUT, CATTLE DECAPITATION, EQUILIBRIUM, INSANITY ALERT, WOLFHEART, AT THE GATES, STALLION, TRIBULATION, ASKING ALEXANDRIA, THE NEW ROSES, AIRBOURNE, STICK TO YOUR GUNS, STEAK NUMBER EIGHT, FEAR FACTORY, ENTOMBED A.D., SAILLE, SABATON, ABBATH, TRAGEDY (ALL METAL TRIBUTE TO THE BEE GEES & BEYOND), GYZE, TESTAMENT, THE BLACK DAHLIA MURDER, VIRTUE CONCEPT, SWALLOW THE SUN

Freitag, 19.08.2016:
VERSENGOLD, GRAILKNIGHTS, FEUERSCHWANZ, CONAN, DEADLOCK, STEPFATHER FRED, ARKONA, KÄRBHOLZ, ARKTIS, DYING FETUS, BOMBUS, PARASITE INC., QUEENSRŸCHE, THE WORD ALIVE, SOILWORK, IMPLORE, OBSCURA, ARCH ENEMY, BLIKSEM, NASTY, MASTODON, ONE I CINEMA, MOONSORROW, CARCASS, WINTERSTORM, EISBRECHER, COHEED AND CAMBRIA, BURNING DOWN ALASKA, SLAYER, UNLEASHED, GOROD, SATYRICON, H2O, ACCU§ER, IN THE WOODS...

Samstag, 20.08.2016:
GOITZSCHE FRONT, COPPELIUS, BEYOND THE BLACK, THUNDERMOTHER, PSYCHOPUNCH, HELL CITY, THE OTHER, LETZTE INSTANZ, UNEARTH, RANDALE, DYSCORDIA, SKÁLMÖLD, SLAUGHTERDAY, KORPIKLAANI, CLITEATER, D*A*D, TRAITOR, ROTTEN SOUND, SUBWAY TO SALLY, NIM VIND, NOCTE OBDUCTA, PAIN, HARAKIRI FOR THE SKY, STEEL PANTHER, ILLDISPOSED, MR. HURLEY & DIE PULVERAFFEN, BLUES PILLS, NAPALM DEATH, KNEIPENTERRORISTEN, PARKWAY DRIVE, MY DYING BRIDE, KATATONIA, ZODIAC, PRIMORDIAL, ARGYLE GOOLSBY AND THE ROVING MIDNIGHT, BATUSHKA


(MS) = Main Stage (PS) = Pain Stage (TS) = T-Stage (CS) = Camel Stage (CC) = Campsite Circus

Mittwoch, 17.08.2016

14.00 (CS) BLASMUSIK ILLENSCHWANG
„Polkas, Walzer, Märsche, sowie Stimmungsmusik“ hat die BLASKAPELLE ILLENSCHWANG laut ihrer Website im Programm. Als einzige Vertreter dieser Stilrichtung, zieht das Ensemble um 14 Uhr am Eröffnungstag sämtliche Anhänger gediegener deutschsprachiger Klänge vor die Camel Stage und marschiert im roten Ornat zu frenetischen „Illenschwang!“-Rufen auf die Bühne. Die Menge stapelt sich regelrecht, mehrere Pokemons ringen um die vordersten Plätze – steht hier etwa schon der heimliche Headliner auf den Brettern? Nach einem zünftigen „Grüß Gott, Freunde!“, gibt die Kapelle jedenfalls vom ersten bis zum letzten Takt alles und streichelt die Seelen des Publikums mit einem reinen Klassiker-Set: Schon zu „Auf der Vogelwiese“ bildet sich die erste Wall of Death, während im Hintergrund Seifenblasen in den Himmel wabern. Das Publikum zeigt sich textsicher bei „Von den blauen Bergen kommen wir“, in dem auch das letzte „Yippie Yippie Yeah Karamba Karacho“ aus vollen Kehlen mitgesungen wird, aber so richtig blühen die Herzen der Fans zum „Böhmischen Traum“ auf: Hunderte Zuschauer sinken gleichzeitig zu Boden, um der Gruppe mit rhythmischem Synchronrudern zu huldigen. Prominent wird es zu „Weil du so schön bist, mein Tiroler Land“, als Superman persönlich über die Menge gleitet (oder war es nur ein sehr überzeugendes Double?), bevor der „Zillertaler Hochzeitsmarsch“ mit einer weiteren Wall Of Death gefeiert wird. Dirigent und Sänger „Harich Günther“ weiß, wie er sein Publikum bei Laune hält und allen von Trübsal geplagten empfiehlt er „Trinken, trinken, weil man die Sorgen dann vergisst“. Nachdem sich zum „Kufsteinlied“ die Versammelten noch einmal die Seelen aus dem Leib jodeln konnten, gibt es als Zugabe ein packendes Medley aus verschiedenen Märschen. Klar, dass das SUMMER BREEZE „seine“ Blaskapelle so schnell nicht von der Bühne ziehen lässt. Deswegen erfeut die BLASMUSIK ILLENSCHWANG einfach noch ein zweites Mal mit der „Vogelwiese“, ehe die roten Uniformen das BREEZE endgültig dem Metal und dem Metal allein überlassen. Zünftig war‘s!

 


16.00 (TS) ALMANAC
ALMANAC, das Allstar-Projekt um den ehemaligen RAGE-Gitarristen Victor Smolski, eröffnen den metallischen Teil des Festivals um 16 Uhr auf der T-Stage. Es herrscht ein angenehm erfrischendes Lüftchen und das Zelt ist bereits zur Hälfte gefüllt, als die Band mit dem Titeltrack ihres Debüts "Tsar" ihr Set eröffnet. Sicher haben sich auch einige Zuschauer vor der knallenden Sonne in die T-Stage hinein geflüchtet, doch auch die konnten nicht lange die Beine still halten. Sofort herrscht Dynamik auf der Bühne, denn das dreiköpfige Sängergespann bestehend aus David Readman (PINK CREAM 69), Jeanette Marchewka und Andy B. Frank (BRAINSTORM) harmonieren nicht nur gesanglich wunderbar miteinander, sondern sorgen auch für reichlich Bewegung auf der Bühne. Sie animieren das Publikum zwar selten zum Mitmachen, dieses zeigt sich jedoch stets kooperativ und liefert gerne die nötige Stimmung, im Falle von "Nevermore" und "No More Shadows" sogar unaufgefordert. Und immer, wenn Smolski seine Gitarrenkünste zur Schau stellt, beispielsweise beim Gänsehaut-Solo von "No More Shadows" oder dem furiosen Einstieg von "Hands Are Tied", räumen die drei das Feld, um den Maestro im Fokus zaubern zu lassen. So spielen sich ALMANAC fast durch ihr gesamtes Debütalbum, überraschen zum Schluss aber dann sogar mit dem RAGE-Song "Empty Hollow", der als Rausschmeißer fungiert. Insgesamt sorgte die Band für einen mehr als gelungenen Festivalauftakt.


16.45 (CS) EVIL INVADERS
Wenn bei der Blasmusik Illenschwang vielleicht noch „erstmal langsam anfangen“ galt, so wurde beim nächsten Programmpunkt auf der Camel Stage klar, dass es damit jetzt direkt vorbei war. Mit Höchstgeschwindigkeit ging es zurück in die 80er, wo die hautengen Hosen genauso gut saßen wie die Mähne inklusive Ponyfrisur. Bei Letzterem half dann auch noch der bereitgestellte Ventilator nach. Nicht nur musikalisch gaben die Thrasher aus Belgien Gas, auch rein physisch gab es für sie auf der Bühne kein Halten mehr. Das Publikum tat es ihnen gleich und setzte die Security auch sofort dem ersten Stresstest des Tages aus. Auf dem gut gefüllten Platz tummelten sich schnell gleich mehrere Crowdsurfer gleichzeitig. Für die gute Laune sorgte vor allem die fast übermäßige Energie auf der Bühne, aber auch die teilweise hymnenhaften Soli, die sich zwischen die Hochgeschwindigkeits-Riffs schlichen, leisteten da ihren Beitrag. Nach ihrem Set kehrte die Band dann noch mit einigen Promo-Geschenken auf die Bühne zurück, worauf sie dann erst recht gefeiert wurde.


17.15 (TS) MANTAR
Vor zwei Jahren gaben sich MANTAR zu später Stunde noch als Geheimtipp die Ehre auf der Camel Stage. Inzwischen zählt das sympathische Duo aus Norddeutschland zu einem der neueren Pferde im Nuclear Blast Rennstall und konnte mit dem aktuellen Album „Ode To The Flame“ seinen Fankreis deutlich vergrößern. Noch während an den letzten Finessen des Soundchecks geschliffen wird und trotz des schönsten Wetters, füllt es sich heute vor der Zeltbühne bereits bis zum ersten Wellenbrecher. Sänger Hanno öffnet sich noch schnell ein Bier, befreit sich von seinem Shirt und los geht’s. Sicher nicht ganz unbeabsichtigt bedienen MANTAR erstmal die Fans des Debütalbums mit Songs wie „Spit“, „Cult Witness“ und „Astral Kannibal“. Noch wird nur in den ersten drei Reihen das Haupt geschüttelt, als es jedoch an „Cross The Cross“ geht, gibt es kaum noch ein Halten in der Menge und der Aushänge-Ohrwurm „Era Borealis“ lässt das inzwischen bis zum Cocktailstand gefüllte Zelt völlig ausrasten. Nicht nur die Menge gibt Vollgas, sondern auch Hanno wirft sich, vergleichbar mit einem Gummiball, auf der Bühne umher. MANTAR sind zwar nur zu zweit, betreiben aber genug Körpereinsatz für eine Kreisliga-Turnmannschaft. Ganz alleine ziehen die Bremer ihren Gig am Ende dann aber doch nicht durch: Für einen Urschrei bei „Into The Golden Abyss“ tritt Gabriel „Gabbo“ Dubko von IMPLORE ans Mikro, brüllt runde fünf Sekunden lang alles nieder und verschwindet dann fröhlich winkend wieder im Seitenaus der Bühne. MANTAR sprühen bei vollem Einsatz noch für den Rest des Titels Schweiß (und mutmaßlich Blut) in alle Richtungen und gehen unter gellendem Jubel ab. Der Adler ist gelandet, das Zelt zerstört, denn so geht „Death über alles!“.
 


18.00 (CS) OBSCURE INFINITY
Als OBSCURE INFINITY die Bühne betreten, verzieht sich genau rechtzeitig die Sonne hinter die Bühne. Nur eine halbe Stunde hat die Death Metal-Combo aus dem Westerwald Zeit, um ihre Oldschool-Qualitäten unter Beweis zu stellen. Deshalb geben sie direkt und kompromisslos Vollgas. Die routinierte Show wird nur für kurze Publikumsansprachen und Bierpausen unterbrochen. Lässt der Auftritt zunächst Höhepunkte vermissen, setzt mit „A Forlorn Wanderer“ ein so dynamischer und abwechslungsreicher Song ein, dass kein Zweifel mehr daran besteht, dass sich OBSCURE INFINITY zu Recht das Label „Old School Death Metal“ an den Patronengurt geheftet haben. Der brutale Sound kann sich zum Ende der Show immer besser entfalten und vor allem die zweistimmigen Gesangsparts wissen zu gefallen. Der Platz vor der Bühne ist durchgehend gut gefüllt. „Maniac Destroyer“ bildet einen gelungenen Abschluss eines rundum hörens- und sehenswerten Auftritts.


18.30 (TS) BURY TOMORROW
Die Metalcore-Institution BURY TOMORROW aus Southampton lässt eine amtliche Metalcore-Walze über das Publikum der T-Stage hereinbrechen. Dabei ist die Stimmung in der Crowd schon vor dem eigentlichen Gig bombastisch. Unter anderem äußert sich das in Huh-Rufen, wie man sie von den Fans derr isländischen Nationalmannschaft kennt. Die Briten entfesseln ein eingängiges und mitreißendes Metalcore-Feuerwerk mit stampfenden, pumpenden Rhythmen und poppigen Melodien. Zwischen flotteren Songs wie "Memories", mit denen BURY TOMORROW ihr Set eröffnen, fährt die Band auch donnernde Mitdtempo-Songs wie "Lion Heart" auf. Dabei müssen sie dem Publikum gar nichts beweisen, denn dieses frisst ihnen quasi von Anfang an aus der Hand. Und es dauert auch nicht lange, bis sich die obligatorischen Crowdsurfer über die Masse emporheben und in Richtung Bühne getragen werden - darunter auch einige Rollstuhlfahrer! Ein echter Circle Pit bildet sich jedoch erst nach Aufforderung durch Sänger Jason Cameron. Kurz vor Ende des Auftrittes konstatiert dieser: "This is the opening day of the festival. WHAT THE FUCK?" und spielt dabei auf die überwältigend positive Resonanz der Crowd an, für die er sich im Anschluss an den Auftritt sogar noch die Zeit für Selfies mit den Fans nimmt - und dabei so manche Albernheit über sich ergehen lässt. Alles in allem ein gelungener Auftritt mit reichlich Action auf und vor der Bühne.


19.15 (CS) AEVERIUM
Was bei Konzertbeginn sofort auffiel: für eine noch recht junge Band hatten AEVERIUM überraschend viele Leute mobilisiert. Sobald die Band dann loslegte, wurde auch klar, wieso. Mit einer eingängigen Mischung aus verschiedenen Rock und Metal Genres, abgerundet durch einige Elektro-Elemente als Streusel obendrauf, hat die Truppe aus NRW ein smartes Konzept parat. Auch gesanglich gestalten sie ihr Programm abwechslungsreich und bedienen damit die Fans ganz unterschiedlicher Richtungen. Neben dem im Gothic Metal gängigen Soprangesang von Sängerin Aeva erinnern Sänger Marcels Vocals, abwechselnd clean und Shouts, eher an Metalcore. Auch einige Breakdowns finden sich in den Songs, was den Eindruck noch verstärkt. Wie sehr sie das Publikum mitzureißen vermögen, stellten die fünf dann unter Beweis, als für einen mit Amanda Somerville aufgenommenen Song schlicht die betreffende Dame fehlte. Die Menge war jedenfalls sofort bereit, den entsprechenden Gesangspart zu übernehmen. Zum Abschluss folgten dann noch zwei Tour-Ankündigungen, einmal mit Kamelot und einmal mit Lord Of The Lost. Die Fans werden also auch weiterhin bedient.


19.45 (TS) LOST SOCIETY
Für die nächsten 45 Minuten steht das T in T-Stage für Thrash. Kaum entern die finnischen Youngster LOST SOCIETY die Bühne, bildet sich davor direkt ein amtlicher Moshpit. Auch die Crowd-Surfer lassen nicht lange auf sich warten und stürzen sich immer wieder aufs neue in Richtung Bühnengraben. Offensichtlich sind den Fans die überwiegend dem aktuellen Album "Braindead" entstammenden Songs wohlbekannt, doch auch wer mit dem Material noch nicht vertraut ist, beginnt binnen kürzester Zeit seine Rübe zu schütteln und eifrig im Takt zu wippen. LOST SOCIETY gehen mit einer dermaßen großen Portion Herzblut zur Sache, dass selbst ein wenig innovationsverdächtiges Genre wie der traditionelle Old-School-Thrash plötzlich wieder frisch und unverbraucht wirkt. Kein Wunder also, dass sich gerade viele junge Menschen vor der Bühne wiederfinden. Da wird dann ausgerechnet das Drum-Solo zur kurzen Verschnaufpause, bei der das Publikum vorübergehend an Ort und Stelle stehenbleibt und "nur" frenetisch mitklatscht.


20.30 (CS) NOVELISTS
Ein Blick auf die zahlreichen Festivalbesucher, die sich nach Sonnenuntergang vor der Camelstage versammeln, lässt vermuten, dass die Pariser NOVELISTS vor keiner leichten Aufgabe stehen würden: Das bunt gemischte Publikum steht dicht gedrängt und ist höchst ungeduldig. Florestan Durand gehört allerdings zu der Sorte von Sänger, die die Menge schon beim Betreten der Bühne für sich gewinnen. Immer wieder angespornt von seinen „Bounce! Bounce!“-Zwischenrufen tobt durchgängig ein wilder Moshpit vor der Stage. Besonders die harten Djent-Riffs gepaart mit aggressiven Screams heizen sowohl den Violent Dancern als auch den Headbangern ordentlich ein. Höhepunkt für die tanzwütige Meute ist sicherlich die Wall of Death am Ende des Auftritts. Treffen die harten Parts voll ins Schwarze, gehen die ruhigeren, clean gesungenen Songabschnitte oft leider etwas unter. Vielleicht fehlt es da noch etwas am Feinschliff. NOVELISTS‘ eingängige Mischung aus progressivem Metalcore und Djent stellt aber auch an diesem Abend unter Beweis, dass sie die Zuschauer nicht nur begeistern, sondern auch konstant zum Ausrasten bringen kann.


21.00 (TS) GRAND MAGUS
Bereits vor dem eigentlichen Intro stimmt das vom Band eingespielte "Longboats Are Coming" auf eine Show voller Wikingerromantik ein. Wenn es das Wort "episch" im deutschen Sprachschatz nicht gäbe, für GRAND MAGUS müsste es eigens erfunden werden. Die Band reiht eine mitsingtaugliche Mid-Tempo-Hymne an die nächste und sorgt im gesamten Zelt für ein Meer aus emporgereckten Fäusten und/oder Pommesgabeln. Beste Voraussetzungen also für maritime Hits wie "Sword Of The Ocean" oder "Like The Oar Strikes The Water". Doch neben Segeln und Reiten ("On Hooves Of Gold") gehört natürlich auch Kämpfen zum wikingischen Triathlon, heute unter anderem vertreten durch "Steel Versus Steel" oder "Triumph And Power". Die Schlachtgesänge leben von der charismatischen Stimme des Oberwikingers JB, der sich in den Refrains ebenso gut entspannt zurücklehnen und der Menge vor der Bühne das Feld überlassen könnte. So schallen die "Hammer Of The North"-Chöre noch lange durchs Zelt auch nachdem GRAND MAGUS dieses längst wieder verlassen haben.


22.00 (CS) DOWNFALL OF GAIA
Atmosphärisch dicht ziehen zu später Stunde DOWNFALL OF GAIA die Menge in ihren Bann. Die Post-Metal Crustcore-Kombo tritt ab 22 Uhr auf die Camel Stage und zerreißt mit zermürbender Geduld die Nacht. Weitschweifig-krachende Riffs treffen auf eine beachtliche Schar Neugieriger, die für die volle Spielzeit der deutsch-amerikanischen Formation vor der Bühne ausharrt und den mal brachialen, mal mystischen Klängen lauscht. Hinter der Bühne riecht es indes würzig nach Räucherstäbchen und vorne crowdsurft allen Ernstes eine Mülltonne über die Köpfe des Publikums. Wir sind eben immer noch auf einem Festival. DOWNFALL OF GAIA zeigen eindrucksvoll, dass auch nach Einbruch der Dunkelheit und vor einer partyhungrigen Horde anspruchsvolle Musik funktionieren kann und lassen mit ihrer basslastigen Mischung aus Doom-, Death- und Black-Elementen das Knochemark vibrieren. Ein lang gezogener Ton läutet den letzten Song ein, ehe noch einmal in die akustische Finsternis abgetaucht werden darf. DOWNFALL OF GAIA ziehen zu enthusiastischem Applaus von der Bühne und hinterlassen ein zufriedenes Publikum.


22.00 (CC) BEMBERS
Nachdem die fränkische Frohnatur vor ein paar Jahren schon einmal auf dem Festival zu Gast war (damals auf der Camel Stage) und er es mittlerweile ja auch im Fernsehen zu einer gewissen Prominenz gebracht hat, ist es nicht verwunderlich dass das Zirkuszelt schon lange vor Showtime „dicht“ ist und niemand mehr eingelassen wird. Und anhand der vielen verschiedenen Bembers-Fangesänge wird auch deutlich, dass sich das Volk hier nicht zufällig eingefunden hat. Ob nun „Geh mer halt zum Bembers“ („Vamos a la Playa“) oder „Dieser Bembers ist klasse“ („Seven Nation Army“) – der Mob tobt bevor der Meister auch nur einen Fuß auf die Bühne setzt. Als BEMBERS in seinem „Sommerkleidchen“ (einer Tunika im Jesus-Stil) dann pünktlich auf die Bühne schreitet, gibt es vollends kein Halten mehr, was folgt ist ein 45minütiger Triumphzug bei dem man ob der frenetischen Reaktionen ab und an den Protagonist kaum hört. Der hangelt sich von einem Knüller zum nächsten, räsoniert über staatlich beauftragte Temperaturfühler, missglückte Architektur in Osnabrück, das Zuckerfest und den Europakongress der Zeugen Jehovas in Dortmund, Multikulti in der Nürnberger Südstadt („Salafisten vs. Salat fisten“) und, und, und… Grandiose Show und BEMBERS geht nach der Show dann sogar noch mit seinem Handy auf die Bühne um die eskalierenden Massen zu dokumentieren.


22.45 (TS) AGNOSTIC FRONT
Die Publikumsmenge im Zelt erreichte ihren bisherigen Höhepunkt, als die Hardcore-Legende AGNOSTIC FRONT zum Dienst antrat. Das Licht ging aus und Jubelstürme brachen los. Zur Titelmusik von "Zwei Glorreiche Halunken" betrat Gitarrist Vinnie Stigma die Bühne. Auf seine Frage "Are you ready?" reagierten die Fans mit frenetischem Gebrüll. Zum Einstieg gab es dann auch direkt den Klassiker "Eliminator". Frontmann Roger Mirets Aufforderung zum Circle Pit folgte die Meute innerhalb weniger Sekunden. Beim anschließenden "Dead To Me" sprang das gesamte Publikum bis der Boden bebte. Vinnie Stigma fegte derweil wie ein Derwisch über die Bühne und stand nicht eine Sekunde still. In Sachen Bühnenpräsenz macht ihm so schnell niemand was vor. "Peace" wurde mit Gastsänger Freddy Cricien von Madball dargeboten. Gänsehaut gab es bei "For My Family". Hier zeigten sich die Fans absolut textsicher. Getoppt wurde das nur noch beim Überhit "Gotta Go", der das letzte Viertel des Auftritts einläutete. Überpünktlich beendeten AGNOSTIC FRONT ihre energiegeladene Show mit dem RAMONES-Cover "Blitzkrieg Bop".


23.00 (CC) TRAGEDY
And now, for something completely different… Nach fränkischer Comedy gings nach kurzem Wechsel mit den New Yorkern TRAGEDY weiter. Jede Menge Pailletten und Fransen, Plateauschuhe, bunte Tücher, ordentlich mit Schminke betonte Augenpartien und sogar eine durchsichtige Flying-V-Gitarre wurden aufgefahren um den Sound der Band ins rechte Licht zu rücken. Die Amerikaner widmen sich dem Covern von Hits von u.a. den BeeGees und das machen sie wirklich außerordentlich gut. Je weiter sie in ihrem Set fortschreiten umso voller wird auch das Zelt – und umso freudiger interagiert das Publikum mit der Band. Und die hängt sich auf der Bühne mächtig rein, teilweise geht das schon in Richtung Schauspiel, wenn die Herren mit ihrem Tänzer/Sklaven Lance im Matrosenkostüm herumalbern. Die Toto-Bearbeitung von „Africa“ ist nicht ganz so gelungen, dafür schieben sie später eine grandiose Neil vs. Kig Diamond-Version von „Sweet Caroline“ nach. Direkt danach spielen sie dann Slayers „Reign in Blood“ an, das gekonnt in „Reigning Men“ der Weather Girls übergeht. Am Ende ihrer Show dürfen dann Leute aus dem Publikum mit der Band Karaoke singen, was richtig gut ankommt und später ohne die Band weitergeführt wird. Ha, ha, ha, ha… Stayin’ Alive!


23.45 (CS) KETZER
Dass KETZER sich kein bisschen um Genre-Konventionen scheren, haben sie bereits mit dem aktuellen Album "Starless" bewiesen. Auf der Bühne präsentiert sich die Band auch optisch jenseits von Metal-Klischees der Marke "Nieten und Leder" – außer dem Drummer trugen z.B. alle Mucker Cowboystiefel. Aber das hielt die angehenden H&M-Posterboys nicht davon ab, ein brachiales Black-Thrash-Inferno zu entfachen. Band-Klassiker wie "Satan's Boundaries Unchained" oder "Endzeit Metropolis" gaben den zahlreiche erschienenen KETZER-Fans die volle Metalbreitseite. Doch auch Stücke neueren Datums wie das schleppende "When Milk Runs Dry" und das eingängige "Godface" wurden euphorisch mitgegrölt. Ansagen gab es nahezu keine. Stattdessen dienten atmosphärische Samples als Überleitung zwischen den Songs. Die Show war bis ins letzte Detail perfekt inszeniert, ohne dabei aufgesetzt zu wirken. Bei einem Top Sound konnten KETZER mit einer Killer-Setlist von Anfang bis Ende tosenden Applaus für sich verbuchen.


00.30 (TS) VADER
Drei Jahre ist es bereits her, dass VADER die feiernden Massen vor der T-Stage zuletzt überrollt haben. Seitdem sind die Polen, trotz inzwischen 33-jähriger Bandgeschichte, keinesfalls alt oder gar müde geworden, sondern haben auch am heutigen Tag geplant, die Fläche vor der T-Stage ordentlich platt zu walzen. Das Zelt ist zu gut 2/3 gefüllt, vereinzelte „VADER!!!“-Sprechchöre werden angestimmt und von draußen drängen sich zahlreiche Festivalbesucher in den sprichwörtlichen Vorhof der Hölle. Das Licht geht aus, das Intro erklingt, die Menge brüllt...und VADER brüllen zurück! Die Polen haben eine Setlist zusammengestellt, die es ganz klar auf Zerstörung anlegt. Titel wie „Go To Hell“ und „Come And See My Sacrifice“, heizen die Menge an und die ersten Crowdsurfer werden den „Grabenschlampen“ geliefert. VADER verschwenden wenig Zeit mit Ansagen, sondern halten den hart arbeitenden Moshpit mit einem absoluten Drumgewitter und Riffhagel bei Laune. Der Schwerpunkt des Sets liegt mit Titeln wie „Triumph Of Death“ und „Carnal“ zwar klar bei aktuelleren Alben der Polen, doch auch Klassiker wie „Sothis“ oder „The Witcher“ haben VADER im Gepäck. Die späte Uhrzeit scheint vergessen und nach kurzem Verschwinden der Musiker hinter die Bühne setzen VADER zum brachialen Finale mit „Helleluyah“ an und ziehen anschließend episch zum gewohnten „Imperial March“ von der Bühne. Das helle Licht der Bühne kann sich kaum noch einen Weg durch das staubige Zelt bahnen, Mission also erneut erfüllt: verbrannte Erde vor der T-Stage!


01.30 (CS) FÄULNIS
Hamburger Bands erwischen am Mittwoch einen mehr als guten Tag. Erst der völlige Abriss von MANTAR auf der T-Stage, jetzt der amtliche Rausschmiss von FÄULNIS auf der Camel Stage. Zwar entfalten die Black Doom Punker aus der Hansestadt als letzte Band des Abends auf der kleinsten Bühne nicht die gleiche Wucht wie ihr Kollegen-Duo einige Stunden zuvor im Zelt, in Punkto Intensität und Selbstaufgabe steht das Quintett ihnen aber in nichts nach. Vor allem Fronter Seuche macht seinem Namen alle Ehre und kotz-schrei-würgt sich seine Hasstiraden mit Inbrunst raus. Dem Schreihals ist es zu verdanken, dass FÄULNIS‘ Deutschpunk-Wurzeln live viel stärker als auf Konserve zum Tragen kommen. Die Assel-Attitüde beherrscht den Großteil des Gigs und entfacht mehrfach einen Irokesen-Punk-Hüpfmob am Rande des Geschehens. Die restlichen Anwesenden, und davon gibt es zu solch später Stund noch mehrere Hundert, laben sich derweil größtenteils kopfnickend an den melodischen Black- und Blast-Parts, die FÄULNIS ebenfalls aus dem Effeff beherrschen. Auch wenn nicht mehr die ganz große Welle geht, ernten FÄULNIS beachtlichen und auch verdienten Zuspruch.


02.00 (TS) BÖMBERS
Lemmy, Lemmy, immer wieder Lemmy! Schon Minuten vor dem Auftritt der BÖMBERS machen Sprechchöre klar, welche Band dieses Jahr schmerzlich auf dem SUMMER BREEZE vermisst wird. Der plötzliche Tod von Ian Fraser „Lemmy“ Kilmister im Dezember 2015 beraubte die Rock- und Metal-Welt nicht nur einer ihrer größten Ikonen, sondern riss damit verbunden auch ein riesiges Loch in das diesjährige Headliner-Programm. Dem Ausfall von MOTÖRHEAD begegneten die Veranstalter jedoch mit einem smarten Move, indem kurzerhand die BÖMBERS als Tribute-Band verpflichtet wurden. Ein Lockruf, dem Mittwochnacht leider nicht viele folgen - bei der letzten Band auf der T-Stage war viel Luft im Rund. Vielleicht ist vielen auch nicht bewusst, wer genau da Lemmy um zwei Uhr nachts die Ehre erweist: hinter BÖMBERS verbirgt sich niemand geringerer als Olve Eikemo alias Abbath, der seinerseits selbst mit IMMORTAL Musikgeschichte geschrieben hat. Flankiert von Tore „Fast Tore“ Bratseth (ex-OLD FUNERAL) und Jan Terje „Party Animal“ Pedersen (ex-PUNISHMENT PARK) lässt Olve „Killminister“ Eikemo in dieser Nacht die Sau raus und wirbelt als möglichst originalgetreue Kopie Lemmys mit Cowboy-Hut und Rickenbacker Bass sichtlich vergnügt über die Bühne. Seine Reibeisenstimme kommt zwar nicht ganz an das Original heran, aber wer könnte das schon jemals von sich behaupten. Es gab und wird immer nur einen Lemmy geben und diese Tatsache bekräftigen die Fans lautstark, als BÖMBERS sich durch ein Best-Of-Set MOTÖRHEADs mit den unvermeidlichen Hits zocken. Die wenigen, die vor Ort sind, bleiben bis zum Schluss und feiern das Vermächtnis einer der größten Rock-Ikonen ab, bis dann erst mal der Vorhang auf der T-Stage fällt.


Donnerstag, 18.08.2016

11.00 (MS) TOXPACK
Für den Großteil der Festivalbesucher war an diesem Morgen die gefühlte Uhrzeit ausschlaggebend und nicht die tatsächliche. 11 Uhr war so oder so definitiv zu früh für derart viel Licht, Sonne und Temperatur. Trotz derart widriger Umstände findet sich eine Rotte tapferer Fans und bereiteten den Berlinern von TOXPACK ein ordentliches Willkommen. Die verbreiteten auch direkt ihre – laut Backdrop – aggressive Kunst und stürmen, mit Ausnahme ihres Drummers, an die vordere Bühnenkante und starten mit „Bellaria / Fünfzehn“ in ihr Set. Quasi uniformiert – alle tragen schwarze lange Hosen und schwarze, kurze Hemden – sind sie auch musikalisch eine Einheit und überzeugen vom Start weg mit der vierfachen Gesangspower. Sänger Schulle hat das Publikum auch zwischen den Songs mit launigen Ansagen in der Hand und mit fortschreitender Zeit füllt sich auch die Fläche vor der großen Bühne immer mehr. Und obwohl die punkige Mucke an sich optimal für Frühsport geeignet ist, ist erst mal wenig mit Bewegung vor der Bühne – bei der Hitze und Uhrzeit aber auch kein Wunder. Mit „Uhrwerk“ verabschieden sich die sympathischen Herren aus der Hauptstadt pünktlich von ihrem Publikum und widmen sich schweißnass den bereitstehenden Kaltgetränken.


11.50 (PS) LORD OF THE LOST
Obwohl die bratende Mittagssonne das Aufkommen einer packenden Düster-Atmosphäre effektiv verhindert, spielen LORD OF THE LOST tapfer dagegen an. Mit böllernden Industrial-Beats vertreiben sie immerhin die Müdigkeit, die das auffällig junge Publikum zu Beginn noch fest im Griff hat. Sänger und Frontmann Chris Harms ist dagegen von Beginn an hellwach und stellt seine Entertainer-Qualitäten mit flotten Sprüchen unter Beweis, während er mit seinen Kollegen an Gitarre und Bass um die Wette post. Seinen Höhepunkt erreicht der Auftritt mit der Coverversion "eines der größten Metal-Klassiker überhaupt", wie die Hamburger augenzwinkernd verkünden. Und tatsächlich geben sie den Metal-Spirit der BACKSTREET BOYS in ihrer rotzig-frechen Interpretation von "Everybody (Backstreet's Back)" fast perfekt wieder. Bierernst sollte man die Musik der "Fischköppe" also nicht nehmen, das wird spätestens bei den Salsa-Rhythmen des Rausschmeißers "La Bomba" deutlich, die einige Fans spontan zur "Polonaise Of Death" inspiriert.


12.40 (MS) MONUMENTS
Den Modern-Proggern MONUMENTS ist der Sonderpreis für das markanteste Hairstyling des diesjährigen SUMMER BREEZE bereits sicher. Doch auch musikalisch liegen die Briten mit ihrer Mischung aus Djent-Riffs, satter Metalcore-Power und einer beeindruckenden Vielseitigkeit des zwischen harschen Growls und melodiösem Klargesang changierenden Frontmanns Chris Barretto voll im Trend. Obwohl die Songs höchst anspruchsvoll und definitiv keine leichte Kost sind, gehen die fetten Grooves sofort ins Blut und animieren zu spontaner Leibesertüchtigung. Kein Wunder also, dass sich mit Circle-Pits, Slamdance, Crowdsurfing und einer kleinen Wall Of Death das komplette Metalcore-Standard-Bewegungsrepertoire beobachten lässt. Da will auch der Sänger nicht nachstehen und stürzt sich tollkühn in die Menge. Ein paar Purzelbäume auf den Händen seiner Fans später bringt die Band den Gig mit "I, The Creator" zu einem glorreichen Ende und verabschiedet sich erschöpft, aber sichtlich glücklich, von der im Laufe der Show deutlich angewachsenen Menge.


13.00 (TS) HEART OF A COWARD
Die angenehm schattige T-Stage ist etwa zur Hälfte gefüllt, als HEART OF A COWARD aus Milton Keynes nach obligatorischem Intro die Bühne betreten. In der Folge entfesseln die Briten ihren kraftvollen, drückenden und doch eingängigen Metalcore, bei dessen schierer Energie man gewiss auch von einem Powersound reden kann, dessen enorme Heaviness die Köpfe der Zuschauer fast wie von selbst mitnicken lässt. Das Quintett feuert einen Nackenbrecher nach dem anderen ab, mal treibend wie "Miscreation", mal atmosphärisch wie "Turmoil Pt. II", dabei immer das Gleichgewicht zwischen Komplexität und Eingängigkeit wahrend. Der Sound ist bombastisch und die Bühnenpräsenz der Band dynamisch. Unterdessen sorgt das Publikum für reichlich Action vor der Bühne mit Circle Pits und kollektivem Headbanging zum Sound der Briten. Sänger Jamie Graham, der sowohl die gesungenen als auch die gebrüllten Vocals übernimmt, stachelt dieses sogar noch weiter an, was die Stimmung im Zelt schließlich zum Kochen bringt. Insgesamt also ein sehr überzeugender erster Auftritt auf der T-Stage am Donnerstag.


13.30 (PS) OMNIUM GATHERUM
Wenn es darum geht, das Konzept des melodischen Metal fast schon auf die Spitze zu treiben, ohne dabei an Härte einzubüßen, scheinen die Finnen im Allgemeinen die Nase ganz weit vorn zu haben. Ein sehr gutes Beispiel für diesen Drahtseilakt stellen OMNIUM GATHERUM dar, die es als nicht allzu bekannte Band mit einem recht frühen Slot trotzdem schafften, den Platz bis zum FOH-Tower zu füllen. Wie im Melodic Metal üblich zeichnen sich die Riffs dadurch aus, dass sie mal schleppend und mal schnell, jedoch stets druckvoll daherkommen. Getragen werden die Songs aber hauptsächlich durch die mitreißenden Soli, meist gespielt von Lead-Gitarrist Markus Vanhala, den viele wahrscheinlich von den ebenso melodischen INSOMNIUM kennen. Dazu kommen noch die Keyboard-Melodien, die man getrost als gefühlvoll und melancholisch bezeichnen kann. Die härteren Passagen laden wiederum zum Headbangen ein, wozu Sänger Jukka Pelkonen auch mehrfach aufforderte. Die Menge ließ sich da nicht zwei Mal bitten, und sowohl auf als auch vor der Bühne kreisten die Mähnen bald synchron. Dass viele Besucher wohl auch Wiederholungstäter waren und die Band bereits zuvor gesehen hatten, war an der Menge der „Omni-Signs“ (zwei Pommesgabeln mit nach innen gerichteten Fingern, die so dem Bandlogo ähnlich sehen) zu erkennen, die überall zu sehen waren.


13.45 (CS) HIGH FIGHTER
Die Hamburger Stoner-Sludge-Band HIGH FIGHTER um Sängerin Mona Miluski betritt die Camel Stage, vor der sich bereits einige Hörer versammelt haben, wobei sich das Publikum zum Graben hin drängt, sich weiter hinten dann aber relativ schnell deutlich lichtet. Unter der knallenden Mittagssonne holzen HIGH FIGHTER los und eröffnen ihr Set mit dem krachenden "Black Waters". Miluski, so zierlich sie auch erscheinen mag, brüllt und keift wie eine Berserkerin und lässt sich in den klar gesungenen Passagen von Schlagzeuger Thomas Wildelau harmonisch unterstützen. Die Band entfesselt fette Grooves mit einem Sound, der einem Vulkanausbruch gleich kommt und dem Publikum förmlich ins Gesicht drückt. Dieses wiederum lässt sich von den kräftigen Rhythmen zum Headbangen mitreißen und nutzt den Platz, den es gerade in den hinteren Rängen hat, bestens aus. Schmetterndes Drumming, bratende Gitarren und eine Frontfrau wie ein Orkan machen diesen Auftritt zum gelungenen Eröffnungsgig der Camel Stage.


14.15 (TS) OHRENFEINDT
Über den Auftritt der Rock'n'Roller OHRENFEINDT aus St. Pauli hinweg füllt sich das Zelt mehr und mehr, bis es zum Ende hin schon richtig voll ist. Kein Wunder: OHRENFEINDT überzeugen mit ihrem deutschsprachigen Rock, der unverkennbar von AC/DC inspiriert ist, und einer guten, energischen aber irgendwie auch bodenständigen Performance. Soll heißen, dass sie sich selbst einfach nicht zu ernst nehmen und ihre Sache doch sehr gut machen. Die Songs haben einen ordentlichen, knackigen Sound, sie grooven, rocken und machen einfach Laune. Dabei erfreuen sich OHRENFEINDT ihrer Nähe zum Publikum, das wie eine eingeschworene Gemeinschaft wirkt. Sänger Chris Laut hält dieses mit frechen Ansagen und interaktiven Überleitungen zwischen den Songs gut bei Laune, fordert auch mal auf, "laudääär" zu werden und lockt die zwischenzeitlich etwas nachlassende Crowd mit der Bemerkung "Samma', is' das hier euer erstes Konzert?" aus der Reserve. Somit liefern OHRENFEINDT einen wunderbar unterhaltsamen Auftritt mit guter Musik und einer noch besseren Chemie zwischen Band und Publikum.


14.20 (MS) EMMURE
EMMURE bieten anschließend extremes Kontrastprogramm zur Vorgängerband auf der Pain Stage. Die Menge, die gerade noch den emotionalen Melodien von OMNIUM GATHERUM gelauscht hatte, wird schlagartig mit dem vollen Hardcore Brett konfrontiert. Die US-Amerikaner verbinden aufs Feinste Elemente verschiedener Genres, deren Bezeichnung aber natürlich allesamt auf -core enden, und ein Blick ins Publikum beweist, dass sich das auch bei den Anhängern besagter Richtungen herumgesprochen hat. Über mangelnde Besucherzahlen kann die Band jedenfalls nicht klagen. Wo bei anderen Bands fröhlich gesprungen wird, wird hier im wahrsten Sinne des Wortes aggressiv gehüpft. Dabei gilt: auf gar keinen Fall den grimmigen Gesichtsausdruck vergessen! Aber auch für einige Spielereien ist das Publikum offen. Der Aufforderung „when I say SUMMER, you say BREEZE!“ wird prompt Folge geleistet. Sänger Frankie lockert die Stimmung aber auch durch seine Bühnenpräsenz immer wieder etwas auf, und schafft als souveräner Frontmann den Spagat zwischen psychopathenhafter Mimik und verspielten Tanzeinlagen. Leider gehen der Band dann aber 15 Minuten vor dem offiziellen Ende die Songs aus, weshalb die Zugabe-Rufe des Publikums auch unbeantwortet bleiben.


15.00 (CS) GRAVEYARD (ESP)
Die spanische Death-Metal-Band GRAVEYARD hat nichts mit den gleichnamigen Retro-Blues Rockern aus Schweden gemeinsam - abgesehen vom Namen eben. Und das macht das Quintett auch von der ersten Sekunde an deutlich: ein orchestrales Intro lässt Böses erahnen, und ebendieses bricht schließlich in Form einer finsteren Death-Metal-Walze im Stile der klassischen GRAVE und DISMEMBER über das Publikum herein. Dieses füllt den Platz vor der Camel Stage ganz ordentlich und schaut gebannt auf den spanischen Fünfer, wobei die Köpfe leicht im Rhythmus nicken, während ein mobiler Bierspender die durstigen Kehlen im Rund versorgt. Der kreischende Sound der Gitarren sägt sich kräftig - vielleicht etwas zu penetrant - durch den Äther, während die Stimme von Sänger Fiar souverän über dem Geschehen thront. So entfesseln GRAVEYARD ihre komplexe Todeskunst, wahren sich dabei eine gewisse Distanz zum Publikum - keine abwertende, wohlgemerkt - und bieten ihre Songs sehr kraftvoll und energisch dar. Schließlich, nach dem Auftritt, verteilt Schlagzeuger Gusi noch seine Sticks - eine schöne Geste und ein schöner Abschluss für diesen gelungenen Auftritt.


15.15 (PS) DEEZ NUTS
Direkt im Anschluss an EMMURE geht es in bester Hardcore-Manier weiter. DEEZ NUTS schließen sich quasi nahtlos auf der Main Stage an und zum bisherigen Publikum gesellt sich direkt noch einiges dazu und füllt das Gelände imposant auf. Anders als ihre Vorgänger wirken die Australier weniger verbissen und scheinen sich selbst auch weniger ernst zu nehmen. Die gute Stimmung steht für die Jungs definitiv im Mittelpunkt und dieses Gefühl überträgt sich auch 1:1 auf die Menge. Wo eben noch aggressiv gemosht wurde, wird nun eher Party gemacht. Größere und kleine Moshpits bilden sich dennoch zur Genüge. Die Security ist vorbereitet und mit rund 20 „Grabenschlampen“ zusätzlich im Einsatz, was sich auch als notwendig erweisen sollte. Nach knapp der Hälfte des Sets wird schon Schlange gestanden um zum Crowdsurfen zu kommen und bis zu fünf Leute gleichzeitig im Graben „angespült“. Bei all den Verausgabungen kommen die regelmäßigen Duschen mit dem Feuerwehrschlauch, ein extra Service der SUMMER BREEZE Security, den Fans auch gerade recht. Ebenfalls hoch ist der Mitsingfaktor bei Songs wie „Band Of Brothers“, mit dem die Band dann wie EMMURE ebenfalls vor der Zeit die Bühne räumt.


15.30 (TS) IRON REAGAN
IRON REAGAN machen Crossover-Thrash ohne großen Schnickschnack. Dementsprechend starten die Amis zum Einstieg auch kein pompöses Intro, ein wenig Rückkopplung und Gitarrengeräusche müssen reichen. Danach gibt es zum Einstieg fünf knackige Songgranaten am Stück und im Publikum wird konsequent der erste Moshpit gebildet. IRON REAGAN spielen sich zunehmend in Rage und Tony Forestas erste Ansage ist kurz: "That was five Songs. Here is six more." Verschnaufpausen zwischen den Liedern gibt es kaum. Auf die Frage wer das erste Mal eine IRON REAGAN-Show sieht heben viele Fans die Hände - textsicher sind trotzdem alle. Das laute Mitgrölen bei der Midtempo-Hymne "Four More Years" beweist es. "Miserable Failure" wird von Foresta als "the story of our lives" angekündigt. Der Fünfer aus Richmond, Virginia nimmt sich selbst nicht allzu ernst, was den Spaßfaktor spürbar nach oben treibt. Und nach einer halben Stunde verlässt die Band bei satten 20 gespielten Songs auf dem Zähler und unter nicht enden wollenden "One More Song"-Rufen die Bühne. Mission erfüllt, aber sowas von!


16.10 (MS) EXODUS
Vor der Main Stage ist kaum noch Platz. Kein Wunder, steht doch mit EXODUS eine wahre Metal-Legende auf dem Plan. Schon beim Intro recken die Fans ihre Fäuste in die Luft und man muss kein Prophet sein um den Bay-Area-Thrasher leichtes Spiel vorherzusagen. Zwar wird Bandchef Gary Holt mal wieder durch einen Aushilfsgitarristen vertreten, der Performance tut das aber keinen Abbruch. Frontmann Steve "Zetro" Souza dirigiert die Massen souverän. Seinem "Get your horns in the air!" folgt die Crowd ohne Umschweife. Als er dann noch offenbart, dass er auf dem SUMMER BREEZE weitaus mehr Spaß hat als bei diesem Festival, das mit W beginnt, frisst ihm auch der Letzte aus der Hand. Die EXODUS-Chöre der Fans finden kein Ende mehr und beim Klassiker "Bonded By Blood" eskaliert die Meute dann endgültig. Zum abschließenden "Strike Of The Beast" gibt es eine amtliche Wall Of Death und noch ein Erinnerungsfoto bevor EXODUS ihre Fanschaaren in den Rest des Festivals entlassen.


16.15 (CS) ASENBLUT
Während auf der Main und Pain Stage gerade die Hardcore-Phase zu Ende geht, gibts auf der Camel Stage komplettes Kontrastprogramm. Mit ASENBLUT wird es episch, auch wenn die Vielschichtigkeit der Songs ein wenig unter Soundproblemen leidet. Viele der melodischen Passagen werden vom dröhnenden Bass verschluckt. Band und Fans lassen sich davon aber nicht beirren, und sowohl harte Riffs als auch hymnenhafte Soli werden gebührend abgefeiert. In der ersten Reihe zeigen die Fans mit Bandshirts Präsenz, aber auch weiter hinten, auf dem gut gefüllten Feld, werden die Arme rhythmisch nach oben geworfen. Für die Promo des neuen Albums hat sich die Band einen besonders gewieften Marketing-Trick einfallen lassen: noch während der Show mischten sich Merch-Ladies mit Bauchläden unters Volk, um die neue Platte direkt an den Mann und natürlich die Frau zu bringen. Auch einige kostenlose Exemplare finden ihren Weg von der Bühne. Mit ihrem Song „Asenblut“, der sich natürlich so richtig schön zum Mitsingen eignet, bringen die Jungs das Publikum dann zum Schluss nochmal richtig in Fahrt.


16.45 (TS) CATTLE DECAPITATION
Für CATTLE DECAPITATION ist das SUMMER BREEZE der Abschluss einer 38 Dates umfassenden Europa-Tour, ergo kommen Fans technischen Death Metals an diesem Nachmittag in den Genuss einer perfekt eingespielten Band. Mehr noch, die US-Amerikaner, die momentan im Zuge ihres aktuellen Albums „The Anthropocene Extinction“ auf einer Welle des Erfolgs schwimmen, präsentieren sich unfassbar tight und ultra angriffslustig. Keine Selbstverständlichkeit angesichts der Grippe, die Frontmann Travis Ryan mit sich rumschleppt. Nichtsdestotrotz gibt Ryan vollstes Vollgas und schont seine Stimmbänder in keinster Weise, während Drummer David McGraw derweil die Saitenfraktion nach vorne peitscht und mit eindrucksvoll technischem Spiel unter Beweis stellt, wieso er einer der besten seines Fachs ist. Mit so viel Überzeugungsdruck schaffen es CATTLE DECAPITATION im Verlauf ihres Sets, mehr und mehr Leute vor die T-Stage zu ziehen, sodass schlussendlich ein gut zur Hälfte gefülltes Zelt Zeuge einer absoluten Machtdemonstration wird.


17.15 (PS) EQUILIBRIUM
Kaum entern die Epic Metaller von EQULIBRIUM die Bühne, müssen die Grabenschlampen ihr Personalaufgebot erneut erhöhen, denn das bis zum Horizont gefüllte SUMMER BREEZE-Gelände flutet von Anfang bis Ende unentwegt Besucher in ihre Richtung. Die Fans, die es schaffen, ihre Füße am Boden zu halten, zeigen sich trotz neuer Songs bereits beeindruckend textsicher, obwohl die Band um Gitarrist und Komponist Rene Berthiaume ihr aktuelles Album „Armageddon“ gerade erst vergangene Woche veröffentlicht hat. Zu „Der ewige Sieg“ unterstellt Sänger Robse der viel beschäftigten Grubencrew dennoch, nicht ausreichend beschäftigt zu sein. Das nimmt er zum Anlass, die Menge beim neuen Song „Karawane“ zur größten Wall of Death des Festivals aufzufordern. Jedoch wird dem Frontmann spätestens dann etwas bange, als ein Rollstuhlfahrer über die Köpfe der Menge nach vorne getragen wird und er weigert sich, weiter zu singen bevor er sich nicht sicher ist, dass dieser wieder lebend am Boden angekommen ist. EQUILIBRIUM legen die Messlatte in Sachen Partylaune für das SUMMER BREEZE sehr hoch und auch wenn die Band sicher irgendwann müde geworden wäre - ihre Fans hätten locker noch eine Stunde weitergefeiert. Zum Ende des Sets aus überwiegend neuem Material bleibt der Crowdsurfer-Counter auf geschätzten 350 hängen: Das muss erst mal getoppt werden!


17.30 (CS) INSANITY ALERT
Zu Videospiel-Sounds und Alarmsirenen betreten INSANITY ALERT die Bühne, ihr Frontmann Heavy Kevy trägt eine Zwangsjacke! Was über den Verlauf der Showl nicht sein einziges abgefahrenes Accessoire bleiben wird. Mit nur einer Gitarre bringt die Band trotzdem einen verdammt mächtigen, rohen Sound rüber, der wie egschaffen für ihren knackigen Crossover-Thrash ist. Knapp 150 Fans moshen um ihr Leben und sogar der ein oder andere Crowdsufer wagt sich in den ersten Stock. Auf der Bühne gibt es derweil nicht nur Thrash vom Feinsten, sondern auch einiges zu bestaunen. Bei "Weedgrinder" holt Kevy einen riesigen Pappjoint raus, "Crabman" intoniert er stilecht mit Krabbenhandschuhen und als besonderes Schmankerl gibt es mit "Pact With Satan" einen brandneuen Song vom anstehenden Album "Moshburger", das passend zur Tour mit DUST BOLT im September erscheint. Den Abschluss bildet die IRON MAIDEN-Hommage "Run To The Pit", inklusive Konfettikanone (!) und der ersten Heavy-Metal-Polonaise des Tages.


18.00 (TS) WOLFHEART
WOLFHEART ist die aktuelle Band von Multiinstrumentalist und Sänger Tuomas Saukkonen und baut unüberhörbar auf dessen vorigen Projekten (BLACK SUN AEON, BEFORE THE DAWN etc.) auf. Egal, was Saukkonen anfasst, es klingt auf seine ganz persönliche Art düster-brachial und melancholisch-sehnsuchtsvoll. Hat er in der Band eindeutig die Rolle des Masterminds inne, hält er sich auf der Bühne jedoch zurück und tritt erst gelassen nach vorn, als der Bassist Lauri Silvonen die Menge schon angefeuert hat. Zwischen ihm und den Fans stimmt die Chemie von Anfang an. Im Laufe des Konzerts strömen immer mehr Festivalgäste nach und füllen die wenigen Lücken an den Seiten der Bühne. Sie halten die Flagge der Schweiz und der USA in die Höhe, headbangen und werden gerade in den melodischen, hymnenhaften Refrains völlig in den Bann der Finnen gezogen. Während Mika Lammassaari an der Gitarre ein Soli nach dem zum Besten gibt, steht Saukkonen wie ein Fels in der Brandung am Mikro. Lodernde Feuerfontänen verpassen dem Auftritt optisch den letzten Schliff und am Ende der Show richtet der Fronter dann doch noch ein paar Worte an die Fans, um einen neuen Song anzukündigen.


18.20 (MS) AT THE GATES
Der Schwedentod in Reinform hält Einzug auf der Main Stage: AT THE GATES reißen gewohnt brachial das Klangzepter an sich und versammeln auch am späten Nachmittag schon tausende Fans des vertonten Abgrunds vor der Hauptbühne. Das anfänglich eher verhaltene Publikum kann der leidenschaftlichen Spielfreude der Death-Veteranen nicht lange widerstehen und taut zügig auf – und das mit gutem Grund: Seit es im Jahr 2008 nach einer rund 12-jährigen Auszeit zur Reunion kam, führt das Quintett aus Skandinavien eindrucksvoll vor, warum man ihnen die Mitbegründung des Melodic Death-Genres zuschreibt. Heute werden sie dafür schon ab dem zweiten Song "Death And The Labyrinth" mit einem kleinen, aber engagierten Circle Pit gefeiert. Musikalisch können sich Fans der vergangenen Tage über zahlreiche Klassiker vom Meilenstein-Album "Slaughter Of The Soul" freuen, darunter "Cold", "Suicide Nation" und "Blinded By Fear". Aber auch Freunde des neuesten Albums „At War With Reality“ aus dem Jahr 2014 werden nicht enttäuscht und schwingen die Mähnen unter anderem zu "Death And The Labyrinth", "Heroes And Tombs" und "Night Eternal" freuen. Frontmann Tomas Lindberg verschwendet nicht viel Zeit mit Ansagen, zeigt sich dafür aber durchgehend bester Laune, schlürft während der Instrumentalparts abwechselnd Pfefferminztee, Kamillentee und Dosenbier und scherzt ausgelassen mit Crew und Bandkollegen. Diese Energie schwappt über: die schwedischen Veteranen hinterlassen ein meisterlich aufgeheiztes Publikum in freudiger Erwartung der weiteren musikalischen Bonbons des heutigen Abends.


18.45 (CS) STALLION
Seit der Veröffentlichung ihres Debütalbum „Rise and Ride“, konnten STALLION bereits auf zahlreichen Festivals und Konzerten bewundert werden und blieben Fans des klassischen Heavy Metals vor allem durch energiegeladenes Auftreten und die feschen Spandexhosen in Erinnerung. Auch heute haben sich STALLION in die zweite Haut geschmissen und starten fulminant mit „Killing Time“ und den selbstironischen Worten „Wir sind Freiwild aus Süddeutschland“ in ein absolut energiegeladenes Set. Ein wirklich dankbarer Job scheint dies zu Anfang leider nicht zu sein, denn nur vereinzelte Festivalbesucher stehen lose verteilt auf dem Vorplatz der Camel Stage. Lange können vorbeilaufende Headbanger mitreißenden Songs wie „The Right One“ und „Rise And Ride“ jedoch nicht widerstehen und finden sich schnell in einer wachsenden Menge wieder. Der harte Kern der STALLION-Fans hält indes von Anfang bis Ende des Sets eisern die Stellung in den ersten Reihen und lässt sich ganz klar an Stirnbändern und „Tina Turner-Frisuren“ erkennen, wie man sie zuletzt wahrscheinlich 1987 bewundern konnte. Die Jungs aus Baden-Württemberg fühlen sich auf der Bühne sichtlich wohl und da der „Stock nicht zu tief im Heavy-Metal-Arsch stecken soll“ (Zitat Sänger Pauly), überziehen sie ihr Set auch ganz dreist um fünf Minuten und verlassen die Bühne nicht in den Backstage-Bereich, sondern direkt in den Graben zu ihren Fans.


19.15 (TS) TRIBULATION
TRIBULATION sind wahre Meister darin, ein packend-exotisches Klangsüppchen aus Vintage Rock und Melodic Death Metal zu kochen. Die Schweden befinden sich seit ihrem 2009 erschienen Debütalbum „The Horror“ stetig auf Erfolgstour und beglücken das SUMMER BREEZE auf der Zeltbühne mit einer düster-beschwingten Performance vom Feinsten. Das besondere Körnchen Würze ist TRIBULATIONs Hang zum Schrägen: feenhafter Ausdruckstanz in Damenschuhen an der Gitarre und düster-bleich geschminkte Gesichter treffen auf einen stimmigen Stilmix, der auch Neulinge sofort mitreißen kann. Die hageren vier Gestalten demonstrieren auf der von Räucherstäbchen umnebelten Bühne neben beachtlichem Können an den Instrumenten vor allem Gespür für den Moment und einen unwiderstehlichen Hang zum Groove, den Fronter Johannes Andersson leidenschaftlich mit seinem Gekeife kreideweiß bis tiefschwarz auskleidet. Dass die Formation längst den Untiefen der Geheimtipp-Nische entstiegen ist, lässt sich unschwer am gut gefüllten Bühnenvorplatz, zahlreichen Fanshirts und viel Enthusiasmus untern den Zuschauern erkennen. Da können sich TRIBULATION auch mal einen zehnminütigen Instrumentalpart erlauben, mit dem noch der letzte Sonnenstrahl aus der Zeltatmosphäre gesogen wird. Die Zuschauer danken es den Skandinaviern mit tüchtigem Applaus und pilgern zufrieden zurück in das inzwischen wolkenverhangene Tageslicht.


19.25 (PS) ASKING ALEXANDRIA
Während die älteren Semester noch die Schwedendeath-Vollbedienung von AT THE GATES bekommen, strömt der Nachwuchs schon in Scharen vor die kleine Bühne, wohl in freudiger Erwartung dessen, was sie bei ASKING ALEXANDRIA erleben werden. Die Metalcoreler aus UK können am Donnerstag den Erfolg für sich verbuchen, die Band mit dem größten Alarm-Potential auf der Pain Stage zu sein. Der Auftakt fällt mit „I Won't Give In“ als melodischer Appetizer zwar noch relativ verhalten aus, dann aber zieht der Fünfer ab dem folgenden und deutlich heftigeren „Run Free“ alle Register und verwandelt den Platz in einen einzigen Party-Pit. Eine gefühlte Myriade an Crowdsurfern überzieht die Grabenschlampen mit Dauerfeuer und der Strom an über die Köpfe getragenen Körpern reißt selbst dann nicht ab, als Fronter Denis Stoff vor „Closure“ zu einer Wall of Death aufruft. Dass die bei dem Abriss, den ASKING ALEXANDRIA auf die Bühne brettern, locker Orkanstärke erreicht, ist selbstredend. Dass die Fans so am Rad drehen, erscheint aber nur allzu verständlich, präsentieren sich ASKING ALEXANDRIA doch in Top-Form mit einem Aushängeschild als Sänger, der den Spagat zwischen Screams, Growls und perfekt getroffenen Clean Vocals mit Bravour meistert. Von elektroverschnittenen Metalcore kann man halten, was man will, aber in Punkto Unterhaltung macht ASKING ALEXANDRIA so schnell niemand etwas vor.


20.00 (CS) THE NEW ROSES
Ein gleißendes Gute-Laune-Feuerwerk prasselt auf die Zuschauer, die sich trotz des heraufziehenden Unwetters vor der Camel Stage eingefunden haben: Die Wiesbadener 80-ies/Glam Rock-Kapelle THE NEW ROSES betritt die Bühne und bietet Ohrwürmer und Tanzbeinfutter am laufenden Band. Auch wenn das Quartett wirkt, als könnte es direkt aus dem 80-er Jahre-Vorprogramm von GUNS‘N‘ROSES auf das SUMMER BREEZE teleportiert worden sein, liefern THE NEW ROSES weiß Gott keinen Sound von gestern. Es ist folglich auch kein Wunder, dass die Menge vor der Camel Stage langsam anschwillt und bereitwillig die Hände in die Luft reckt. Titel wie “Gimme Your Love“ oder „Devil‘s Toys“ entpuppen sich schnell zu absoluten Gassenhauern, die auch vorbeistreunende Black Metaller unwillkürlich wippen lassen. Nach einer guten halben Stunde ist das deutlich erstarkte Publikum ordentlich aufgewärmt und geklatscht, muss die sympathischen Wiesbadener jedoch wieder ziehen lassen. Zum Abschluss gibt es noch ein Foto fürs Bandalbum vor der begeisterten Menge – die strahlenden Gesichter haben sich THE NEW ROSES redlich verdient!


20.30 (MS) AIRBOURNE
Eigentlich dürfte bei einer Band wie AIRBOURNE ganz ordentlich Kohle hängenbleiben, doch offensichtlich reicht es nicht einmal, um die Löcher in Joel O'Keeffes Hose zu stopfen. Vielleicht verschleißen die Dinger aber auch einfach nur verdammt schnell angesichts der Agilität mit der der Australier auf der Bühne hin und her wetzt. Und nicht nur deren gesamte Breite wird ausgenutzt, auch in die Höhe zieht es den Frontmann. So spielt er an der Traverse des Boxenturms hängend das vermutlich höchste Gitarrensolo des Festivals. Derlei Sperenzchen und die zugehörigen Gitarrenwechsel halten nicht nur die Crew ordentlich auf Trab, sie unterstreichen auch AIRBOURNES herausragende Entertainment-Qualitäten. Da kann schon mal mitten im Song eine streikende Gitarre gewechselt werden, ohne dass die Band auch nur mit der Wimper zuckt. Ansonsten gerät der Auftritt zu einer großen Werbeveranstaltung für kühlen Gerstensaft. Alleine trinken wollen AIRBOURNE nicht, so dass sie dutzendfach geöffnete Bierdosen in die Menge schleudern. Und wenn Joel O'Keeffe sich eines der Aluminiumbehältnisse mit Wucht gegen die Schädeldecke donnert, bis sie schließlich kleinbeigibt und ihren Inhalt in einer großen Fontäne preisgibt, kommen auch die Fotografen im Bühnengraben voll und ganz auf ihre Kosten. Bezüglich der Schauwerte legen AIRBOURNE die Messlatte für SABATON somit bereits ordentlich hoch. Und auch musikalisch überzeugt der gutlaunige Stadion-Rock der Australier auf ganzer Linie. Wenn die Landsleute und großen Vorbilder AC/DC in absehbarer Zeit den Weg alles Irdischen gegangen sein werden, könnten diese Jungspunde problemlos in die entstehende Lücke stoßen. Dementsprechend euphorisch fallen auch die Fanreaktionen aus. Nicht einmal für eine Wall Of Death oder einen gepflegten Circle-Pit ist sich die Menge zu schade - da sag noch einer, dass diese Formen des Ausdruckstanzes nur in Metalcore-Kreisen gepflegt werden. Nur den kurzen Platzregen, der während des Rausschmeißers "Runnin' Wild" auf das Gelände niedergeht, hätte man sich echt sparen können.


20.30 (TS) STICK TO YOUR GUNS
Wenn man sich das Billing der T-Stage am Donnerstag anschaut, wirken STICK TO YOUR GUNS eingerahmt von Black und Death Metal so ein bisschen wie ein Fremdkörper. Doch das interessiert zur Prime Time nicht die Bohne: die US-Amerikaner und ihr Melodic Hardcore zünden wie kein anderer ihrer ebenfalls auf dem SUMMER BREEZE spielenden Genre-Kollegen. Sowohl auf als auch vor der Bühne geht der Punk, wobei das eine natürlich das andere bedingt. Shouter Jesse Barnett und das Gitarren-/Bass-Triplett haben wohl eine Duracell-Packung inhaliert, so unermüdlich beackern sie die Bretter von links nach rechts und wieder zurück. Und hätte man unters Drumkit von George Schmitz Rollen geschraubt, er hätte an diesem Abend wohl auch keinen Flecken der Bühne zwei Mal gesehen. Auch davor wird Stillstand heute ganz klein geschrieben. Insgesamt wirbeln drei fette Circle-Pits Staub auf, dazu wird inbrünstig und lauthals mitgesungen und der ein oder andere Crowdsurfer gen Bühnenrand transportiert. Dieses allseitige Energielevel ist auch kein Wunder, denn egal ob schneller D-Beat, fette Slams oder vibrierende Breakdowns: STICK TO YOUR GUNS beherrschen ihr Metier und zerlegen heute nach allen Regeln der Kunst. Im Überschwang der Gefühle pfeffert Jesse Barnett zum Ende des Sets gar aus Versehen sein Mikro unter den Drumriser. Fetter Auftritt!


21.15 (CS) STEAK NUMBER EIGHT
Gerade erst von ihrem ersten Supportkonzert mit den mächtigen MASTODON zurück, versuchen die Belgier von STEAK NUMBER EIGHT auch auf dem SUMMERBREEZE ihren Fankreis zu erweitern. Hierzu haben die Sludge-Post-Metaller nicht nur ein gut gemischtes Set ihrer inzwischen vier veröffentlichten Alben dabei. Als besonderes Schmankerl bringen sie auch, passend zur düsteren Atmosphäre, schlechtes Wetter mit. Die angetretenen Fans kann der aufkommende Regen allerdings nicht verjagen, denn STEAK NUMBER EIGHT ziehen alles im direkten Umkreis der Camel Stage in ihren Bann und die Festivalbesucher lassen nahezu kataton den wilden Genremix auf sich nieder regnen, während die Saitenfront wild zappelnd über die Bühne springt und Frontmann Joris sich die Seele aus dem Leib keift. Zum Ende des Auftritts kündigt das junge Quartett nochmals ihre kommende Tour im September an und überlässt die Menge nicht nur der drückenden Schwere ihrer Songs, sondern auch dem Regen.


21.45 (TS) ENTOMBED A.D.
Nach Sonnenuntergang ziehen Gewitterwolken über das Festivalgelände und Platzregen geht auf die Feierenden nieder. Ein naheliegender Fluchtort: das große Zelt der T-Stage. Dass man hier aber nicht zur Ruhe kommen kann, wird spätestens klar, als LG Petrov und seine Bandkollegen zum Dienst antreten. Ist die Meute vor der Bühne wegen des Regens nass, fließt auf ihr der Schweiß. Petrov scheint immer in Bewegung zu sein, beugt sich mal am rechten Rand der Bühne über die Monitorboxen, nur um im nächsten Moment zielstrebig zur entgegengesetzten Seite zu marschieren oder ein kurzes Video mit seinem Handy zu drehen. Dabei strahlt die gesamte Band eine Gelassenheit aus, die nur einem Urgestein der Szene zuzutrauen ist. Gleiches gilt für die Entertainer-Qualitäten Petrovs: „Noch eins? Noch zwei?“ fragt er die Menge, der er in regelmäßigen Abständen Tetrapacks mit Wasser zuwirft. Angesichts der enthusiastischen ersten Reihen, die fröhlich moshend und headbangend ihren Idolen huldigen, wirkt der Rest des rappelvollen Zelts eher verhalten. Die Begeisterung auf der Bühne steckt jedoch spätestens bei dem Klassiker „Left Hand Path“ auch diejenigen im Publikum an, die eigentlich nur Schutz vor dem Regen gesucht haben.


21.50 (PS) FEAR FACTORY
Die Wolken hängen tief über dem Sinbronner Flugplatzgelände und ein heftiger Regenschauer ergießt sich über den Festivalbesuchern. Die denken jedoch nicht im Traum daran, sich von ein bisschen (oder eher: ganz schön viel) Wasser daran hindern zu lassen, die legendären Industrial-Thrasher FEAR FACTORY aus Los Angeles endlich wieder auf dem SUMMER BREEZE zu begrüßen. Vom Bühnendach stürzt eine Wasserwand und landet unmittelbar vor den Monitorboxen, als die Truppe um das kreative Duo Burton C. Bell und Dino Cazares die Bühne entert und mit „Demanufacture“ direkt einen Klassiker vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 1995 raushaut. Damit werden die Goldstücke der früheren Dekaden aber keinesfalls wieder weggepackt! FEAR FACTORY lassen es krachen und schieben direkt den Nackenbrecher „What Will Become“ von „Digimortal“ hinterher und spätestens nach „Shock“ und „Edgecrusher“ von „Obsolete“ überlegt sich auch der Regen, ob er nicht doch besser vor FEAR FACTORY fliehen sollte. Trotz durchnässter Kleidung und kühlem Wind, schafft es keiner sich von der Pain Stage zu entfernen. Nach all den Klassikern soll auch das aktuelle Album „Genexus“ nicht zu kurz kommen und so feuern die Amis „Soul Hacker“ und „Regenerate“ in die tobende Fanmenge, die die „Angstfabrik“ zu Tausenden bis hin zum Technikturm feiert. Mit „Martyr“ wird dem Debüt „Soul Of A New Machine“ nochmals gehuldigt und nach „Replica“ von „Demanufacture“ verschwinden die Industrial-Death-Thrash-Virtuosen in die inzwischen wieder trockene Sommernacht. Ein absolut fulminanter Auftritt, der wirklich keinen Fan unbefriedigt vom Gelände entlässt, denn FEAR FACTORY hatten mit ihrem Set pures Gold aus jeder Epoche ihres Bandbestehens im Gepäck.


22.45 (CS) SAILLE
Gerade als der Vollmond durch die dichten Regenwolken bricht, entzünden die belgischen Symphonic Black Metaller von SAILLE ihr Räucherwerk und beginnen vor gut gefülltem Platz ihre Show. Auf der Bühne trägt man konsequent schwarz, aber auf umgedrehte Kreuze und Corpsepaint wird verzichtet. SAILLE will sich abheben und etwas Eigenständiges jenseits von Satanismus und anderen Black Metal-Stereotypen schaffen. Das dichte Klangbild und vor allem die Riffs in Songs wie „Maere“ und „Haunter Of The Dark“ können auch vollends überzeugen. Das, was SAILLE allerdings ausmacht, nämlich die epische, orchestrale Untermalung, weist während des Auftritts ein ums andere Mal Schwächen auf. Vor allem dann, wenn sich weder die vielen Samples noch die Keyboard-Melodien in das Gesamtbild einpassen wollen. Sänger Dennie Grondelaers weiß seine Stimme variabel einzusetzen und versinkt am Mikro vollends in seiner eigenen, okkult-nihilistischen Welt. Fast immer schafft er es, die Zuschauer in diese Welt zu entführen.


22.55 (MS) SABATON
SABATON haben sich endlich von ihrem "Final Countdown"-Intro verabschiedet. Stattdessen stimmt die bandeigene Cover-Version von STATUS QUOs "In The Army Now" als Tonkonserve auf den bevorstehenden Schlachtzug ein. Mit dem "March To War" entern die Schweden dann die Bühne, in deren Mitte ein als Drumpodest zweckentfremdeter Panzer thront. Die Mannen um Front-Sympath Joakim Brodén geben sich also gewohnt martialisch und setzen dabei doch auf zuckersüße Ohrwurm-Melodien und epische Mitsing-Hymnen. Traditionsgemäß rennt "Swedish Pagans" beim deutschen Publikum offene Türen ein, tausende von Kehlen stimmen in die "Ohohoh"-Chöre mit ein. Doch da der Veröffentlichungstermin ihres neuen Albums unmittelbar bevorsteht - beziehungsweise zum Ende der Show bereits erreicht ist - präsentiert die Band auch direkt zwei neue Stücke. Kurzzeitig täuscht Gitarrist Chris Röhrland mit der Akustik-Gitarre ein drittes an, das sich jedoch als "Wind Of Change"-Cover entpuppt. Der charakteristische Pfeif-Part des SCORPIONS-Klassikers wird sogleich als perfekte Überleitung zum ebenfalls mit einer gepfiffenen Intro-Melodie ausgestatteten "To Hell And Back" genutzt. Wenn es darum geht, ihren Auftritten einen tragfähigen Spannungsbogen zu verpassen und sich mit gezielten Pyro-Effekten in Szene zu setzen, macht SABATON eben so schnell keiner etwas vor. Und obwohl die meisten Showeinlagen genau geplant und streng durchchoreographiert sind, hat sich die Band ihre Spontanität und Bodenständigkeit bewahrt. An die lautstarken "Noch ein Bier!"-Rufe mögen sie sich inzwischen gewöhnt haben, die Dankbarkeit über das begeisterte Zuschauerinteresse wirkt dennoch authentisch und zu keinem Zeitpunkt gekünstelt. Es spricht eben doch Überzeugung aus Joakim Brodén, wenn er verkündet, den besten Job auf der Welt zu haben. Auf das Publikum hört man auch bei der Wahl für ein schwedisch-sprachiges Stück bei der sich "En Listid I Krig" gegen "Karolinens Bön" durchsetzt. Und während der Frontmann mit dem Full-Metal-Sixpack bei "Resist And Bite" noch seinen Gitarristen ihren Job streitig macht, überlässt er ihnen bei "Gott Mit Uns" (beziehungsweise "Noch Ein Bier") komplett das Feld, damit diese sich den kompletten Gesang und damit auch die Zeit im Rampenlicht teilen können. Für den scheidenden Thobbe Englund ist es eine der letzten Gelegenheiten, seine Sangeskünste vor einem solch großen Publikum zu demonstrieren. Immerhin dürfte er den umjubelten Auftritt vor einem rappelvollen Infield ebenso in guter Erinnerung behalten wie alle anderen Anwesenden.


23.15 (TS) ABBATH
Gestern noch mit den BÖMBERS ungeschminkt auf der T-Stage, zeigt sich der Norweger Abbath heute wieder im Corpsepaint mit seinem neuesten Projekt vor einem erneut stattlichen Publikum auf der Zeltbühne. Um es einfach zu halten, nennt Abbath besagtes Projekt ABBATH und veröffentlichte unlängst das gleicnamige Debütalbum. Dennoch handelt es sich keinesfalls um ein Solounterfangen, denn der Ex-IMMORTAL-Sänger bringt drei weitere Musiker, darunter durchaus Prominenz mit: den Bass bedient niemand Geringeres als King Ov Hell, der sich bereits mit Bands wie GORGOROTH und SAHG einen Namen machen konnte. Umringt von gleich fünf Monitorboxen tritt ein gut gelaunter und buchstäblich flammender Abbath auf die Bühne und startet thematisch mit „To War!“ sehr passend ins Set. Grob die Zeit überschlagen und schon dürfte klar sein, dass das Material vom Album-Debüt alleine nicht ausreichen wird, um das Set zu füllen. So hofft das gut gefüllte Zelt natürlich auf Glanzstücke von IMMORTAL. Und tatsächlich, Abbath lässt sich nicht lang bitten und serviert mit „In My Kingdom Cold“ und „Tyrants“ nicht nur IMMORTAL-Klassiker, sondern legt mit „Warriors“ auch noch einen kleinen Ausflug in eines seiner weiteren Nebenprojekte „I“ oben drauf. Die Fans vor der T-Stage feiern die Show konstant ab und recken ausdauern ihre Pommesgabeln und Fäusten in die Luft. Nach einem ausgewogenen 1-stündigen Set, entlassen die Black Metaller ihre Fans mit „All Shall Fall“ aus dem IMMORTAL-Repertoire stilecht in die Nacht.


00.15 (CS) GYZE
Noch nie etwas von GYZE gehört? Solltest man aber, wenn z.B. CHILDREN OF BODOM und barocke Klassik täglich auf dem heimischen Plattenteller rotieren. Die Japaner gehören zum Exotischsten, was das SUMMER BREEZE dieses Jahr zu bieten hat, und obwohl das Trio hierzulande beileibe nicht an jeder Steckdose spielt, konnte es scheinbar schon ein beachtliches Following hinter sich versammeln. Diesen Eindruck erweckt zumindest das Feedback der paar hundert Leute vor der Camel Stage, als GYZE sichtlich beflügelt von der Gelegenheit, ihr Standing außerhalb Nippons auszubauen, eine energiegeladene Show auf die Minibühne zimmern. Vor allem Drummer Shuji wütet wie ein Derwisch, behält dabei aber stets die Oberhand über seine komplizierten Drumfills. GYZE sind sowieso eine Augen- und Ohrenweide für alle jene, die ihren melodischen Death Metal vorzugsweise mit vielen Leads, Soli und komplexem, von mächtig viel Klassik inspiriertem Gitarrengegniedel konsumieren. Fronter Ryoji hält anscheinend sowieso nicht viel von Rhythmusgitarren und lässt seine Flitzefinger selbst während der Strophen über die hohen Lagen seines Griffbretts fliegen. Überfrachtet für die einen, genau richtig für die anderen, die GYZE zu später Stunde die Aufwartung machen.


00.30 (PS) TESTAMENT
Ein martialisches Bühnenbild ziert die Pain Stage, auf dem Infield ist es rappelvoll und TESTAMENT ziehen auch nach 33 Jahren bewegter Bandgeschichte Alt- und Jung-Thrasher magisch an. Auf Chuck Billys Ansage "Are you ready? Let's take it over the Wall!" reagiert das Publikum mit ohrenbetäubendem Jubel und auch das folgende Mitsingspielchen bei "Rise Up" klappt einwandfrei. Egal ob 80er-Jahre-Klassiker oder Hits neueren Datums: die Fans zeigen sich textsicher und grölen jeden Song aus voller Kehle mit. Auf der Bühne wiederum werden ausnahmslos Höchstleistungen geboten. Chuck Billy versemmelt nicht einen Ton; die Stimmgewalt dieses Mannes ist immer wieder beeindruckend - da können sich so einige Alterskollegen eine Scheibe von abschneiden. Das Gebiet der agilen Bühnenperformance überlässt er aber lieber seiner Gitarrenfraktion. Vor allem Alex Skolnick hechtet über die Bühne als ginge es um sein Leben. Wie er dabei noch ein Weltklassesolo nach dem anderen aus dem Ärmel schüttelt, ohne sich auch nur einmal zu verspielen, weiß wohl nur er selbst. Schön auch, dass hier nicht nur die Soli der Studioaufnahmen eins zu eins nachgespielt werden. Skolnick improvisiert immer wieder neue Licks, wodurch sein Spiel selbst für Die-Hard-Fans spannend bleibt. Und dank glasklarem Sound macht das Zuhören gleich doppelt Spaß. In der Mitte des Sets gibt es mit der Halb-Ballade "Dark Roots Of Earth" eine kurze Verschnaufpause. Ansonsten geben TESTAMENT von Anfang bis Ende Vollgas. Nach dem abschließenden "The Formation Of Damnation" werden fleißig Gitarren-Plecs ins Publikum geworfen und die Band verneigt sich vor ihren Fans.


00.45 (TS) THE BLACK DAHLIA MURDER
Während die Massen vor der Pain Stage eben noch kollektiv ihr TESTAMENT machen, geht’s auf und vor der T-Stage deutlich heftiger zur Sache. Und damit auch jeder weiß, dass die Jungs aus Detroit im Haus sind, haben sie die Bühne entsprechend ausstaffiert; ein den Bühnenhintergrund komplett füllendes, dreiteiliges Backdrop im Design des aktuellen „Abysmal“-Albums mit dazu passenden Aufstellern vor der Backline. Und der Opener des genannten Albums ist auch der Eröffnungssong der einstündigen Vollbedienung die folgt. Fronter Trevor Strnad trägt souverän Kutte zu seinen Shorts, flitzt nonstop wild gestikulierend über die Bühne und ist auch immer wieder für eine smarte Ansage gut („Beim nächsten Song will ich die Unterseite eurer Schuhe sehen, Zeit zu springen, auf geht’s!“). Er animiert die Fans unermüdlich zum Mitmachen und hat mit seinen Bandkollegen sichtlich Spaß bei der „Arbeit“. Mit ihrem letzten Song sprechen sie das aus, was sich wohl die Mehrheit der Anwesenden erhofft: „I Will Return“.


01:45 (CS) VIRTUE CONCEPT
Bands, die sich irgendwo zwischen Metalcore und Post-Hardcore bewegen, gibt es viele. Umso schwieriger ist es da, aus dieser Masse hervorzustechen. VIRTUE CONCEPT gelingt dies auf eine unfassbar sympathische und effektive Art: Ausstrahlung und bayrischer Dialekt des Sängers Christian Priol kommen so gut an, dass er das Publikum zu jedem Zeitpunkt auf seiner Seite hat. Immer wieder schafft er es, die Distanz zwischen Bühne und Publikum auf ein Minimum zu schrumpfen: „Hey Partypeople, kommts an Schritt nach vorn. Das macht’s familiärer.“ Insgesamt ist den Regensburgern viel an der Interaktion mit den Fans gelegen. Als der vordere Teil, der für diese Uhrzeit stattlich angewachsenen Menschenmenge, durch die exzessiv tanzenden Violent Dancer auseinanderzudriften droht, springt Priol kurzerhand vor die Bühne, wodurch Fans zu ihm hin stürmen. Aber nicht nur Priol trägt zu einem rundum gelungenen Auftritt bei. Auch seine Bandkollegen liefern jederzeit 100 Prozent ab, weshalb nach einem sehr persönlichen Abschied, auch noch eine Zusage gespielt wird.


02.15 (TS) SWALLOW THE SUN
Die Sonne ist schon lange untergegangen, als SWALLOW THE SUN um viertel nach zwei die T-Stage betreten. Trotz der späten Stunde ist das Zelt zu gut einem Drittel gefüllt und die Zuschauer haben offensichtlich den festen Willen mitgebracht, von den Finnen die letzte Erinnerung an das Tageslicht verschlucken zu lassen. Die Meister des Death Doom zelebrieren den akustischen Einzug der Nacht mit Genuss und Entschleunigung: Während die Klangwand des Intros vom Band langsam anschwillt, harren die sechs Musiker scheinbar regungslos auf der Bühne aus, um dann mit „Ten Silver Bullets“ fulminant zu starten. Die letzte Band des Festivaltages schafft es mühelos, die Mähnen der Fans noch einmal in Bewegung zu versetzen, was neben dem glasklaren Sound vor allem ihrem atmosphärischen Können geschuldet ist. SWALLOW THE SUN erheben Introvertiertheit zur Kunstform und verschwinden regelrecht hinter der schweren Präsenz ihrer Musik. Dass sich die Band dennoch amüsiert, zeigt Keyboarder Aleksi Munter, der immer wieder mit seinen Bandkollegen herumalbert und vor Schlagzeuger Juuso Raatikainen Grimassen schneidet. Der ist übrigens ein würdiger Ersatz für Kai Hahto, welcher als Dauerersatzmann zu NIGHTWISH gewechselt hat. Trotz des getragenen Sounds vergeht die Dreiviertelstunde mit SWALLOW THE SUN wie im Flug. Zum abschließenden „Swallow“ lassen die Finnen noch einmal die Weinflasche kreisen und entlassen die letzten Festivalgäste des Abends mit einem knappen, aber warmen „Thank You“ endgültig in die Nacht.


Freitag, 19.08.2016

11.00 (MS) VERSENGOLD
Es muss ja nicht immer elektrisch verzerrter Krach sein. VERSENGOLD eröffnen den Freitag mit folkigen Akustik-Klängen, bei denen der charismatische Gesang und die hintergründigen Texte aus der Feder von Bandkopf Malte Hoyer deutlich im Vordergrund stehen. Schon bei der als Opener gespielten Bandhymne zeigt sich das Publikum hellwach und als williges Klatschvolk. Damit gerät der Gig für die Bremer zum Durchmarsch und beweist, dass das SUMMER-BREEZE-Publikum auch am späten Vormittag des dritten Tages noch empfänglich für clevere lyrische Finesse ist. Denn die Arbeit mit Metaphern und das intelligente Spiel mit Worten verleiht selbst vordergründig simplen Trinkliedern wie "Drey Weyber" oder "Hoch Die Krüge" im VERSENGOLD-Universum einen doppelten Bedeutungsboden. Wem sich dieser nicht erschließt, der kann bei Schunkeln und Polonaise dennoch seinen Spaß haben. Denn die Musik der Bremer Musikanten ist gleichermaßen eingängig wie mitreißend und bringt dadurch sogar die "Grabenschlampen" zum Polkatanzen. Schade nur, dass der straffe Zeitplan keinen Raum für die lautstark geforderte Zugabe mehr lässt.


11.50 (PS) GRAILKNIGHTS
So schunkelig der Tag bei VERSENGOLD angefangen hat, geht er mit den GRAILKNIGHTS weiter. Allerdings mit verzerrten Gitarren und bunten Superhelden-Kostümen. Zum Glück sind sich die Hannoveraner ihres gesteigerten Klamauk-Faktors jederzeit bewusst und schrecken vor keiner augenzwinkernden Albernheit zurück. Schon der theatralische Raub des Heiligen Grals durch den totenbeschädelten Fiesdämonen "Dr. Skull" zu Beginn der Show führt in das launig inszenierte Storykonzept um die fünf Capeträger ein und beschert ihnen einen "muskulösen Empfang" durch den vor der Bühne versammelten "Battlechoir". Eigentlich schreit das nach klischeetriefendem Power Metal, tatsächlich rücken die leicht folkige Schlagseite und der oft und gerne eingesetzte Growl-Gesang die Band aber mindestens so stark in die Nähe von EQUILIBRIUM wie in die der schottischen Schunkel-Piraten ALESTORM. Immerhin wohnen mit FEUERSCHWANZ ein paar prominente Zaungäste dem Gig bei, die sich hier womöglich ein paar Anregungen für ihre eigenen Klamauk-Shows holen. Denn eine "Bierzapfstute" im rosa Plüschumhang, die ein Fässchen Bier für die Zuschauer in der ersten Reihe im Gepäck hat, hat auch nicht jeder. Das inszenatorische Highlight stellt aber sicherlich der in Slow-Motion inszenierte Endkampf gegen Dr. Skull dar. Musikalisch ist hingegen das Superhero-Medley besonders spannend, das ein lustiges Ratespiel für Kenner der angespielten TV-Serien-Titelmelodien und Metal-Riff-Klassiker darstellt.


12.00 (CC) UNDERTOW (unplugged)
Die Band um den sympathischen Fronter Joschi Baschin ist nun wirklich keine Unbekannte auf diesem Festival, gestern und heute gab/gibt es aber sowohl an diesem Ort als auch generell etwas Neues für die Combo: in Zweierbesetzung, also ohne Schlagzeug und Bass, wurde erstmalig Unplugged gespielt. Bei der zweiten Show am Freitag gibt es direkt mehrere Verbesserung zur Premiere am Vortag; am auffälligsten: der verbesserte Sound (am Donnerstag stimmte irgendetwas am Tonabnehmer einer Gitarre nicht) und auch wichtig: Joschi hatte ein Handtuch dabei – wollte das aber genauso wenig wie sein Bier mit dem schwitzenden Publikum teilen. Es ist beeindruckend zu sehen, wie die Songs auch in dieser reduzierten und ruhigen Form funktionieren und gerade im Gesangsbereich gekonnt andere Harmonien als in den metallischen Vorlagen eingewoben werden. Überraschend auch der Einstieg mit dem groovigen „Threedouble Chime“, denn die Mehrheit hatte wohl mit einem reinen doomigen bzw. balladesken Set gerechnet. Anlass der Show war ja die „Painted In Blood“-Kunstausstellung, die zwei Tage im Campsite Circus-Zelt zu sehen war. Und einer der drei ausstellenden Künstler, Björn Gooßes aka. Killustrations hat in der Vergangenheit schon mehrfach für UNDERTOW gearbeitet und ist ja selbst auch mit u.a. THE VERY END musikalisch aktiv. Gooßes kommt in der zweiten Hälfte der umjubelten Show dann selbst für zwei Songs mit auf die Bühne um bei „Homemade Funeral“ und „Beyond Dreaming“ Gastgesang beizusteuern. Mit dem Titelsong ihres aktuellen Albums „In Deepest Silence“ geht ihr Auftritt zu Ende und im Herbst geht die Band in Studio um das neue Album einzuspielen.


12.40 (MS) FEUERSCHWANZ
Nach VERSENGOLD und den GRAILKNIGHTS sind die jederzeit gerne gesehenen FEUERSCHWANZ aus dem schönen Frankenlande die dritten im Bunde der Anheizkapellen um die (vielleicht noch vom Vortag) müde SUMMER BREEZE-Fangemeinde aufzuwecken und zu neuen Höchstleistungen zu motivieren. Kein leichtes Unterfangen, könnte man annehmen, aber die Mittelalter-Gute-Laune-Kombo stößt hierzu erstmal mit „Auf's Leben“ auf den Untergang an und erobert so bei jedem Einzelnen bis zum Techniktower versammelten Fans das „Herz im Sturm“. Prinz R. Hodenherz III und Hauptmann Feuerschwanz lassen sich hierzu von ihren Miezen auch schon die erste Jungfrau in einen Pappturm sperren, denn Sexismus nimmt bei den Franken einen sehr hohen Stellenwert ein...ach nein, „Sex is muss“ soll es ja heißen und benennt sowohl den Titel des Liedes, als auch das gerade heute neu erschienene siebte Album der Erlangener. Das versammelte Publikum hat trotz unerbittlicher Mittagssonne sichtlich großen Spaß und kann durch Wasserschläuche zwar nass gemacht, aber nur schwer abgekühlt werden. Sollte hier noch irgendjemand eine „Blöde Frage“ mit „Saugelage“ beantworten, wird er mal fix mit dem Schlauchboot im Mainstage-Meer der Seemannsliebe überlassen und der „Ketzerei“ beschuldigt. Hauptsache ist allerdings, dass während der gesamten Reise kein „Metnotstand“ herrscht. FEUERSCHWANZ verlassen die Bühne mit der Gewissheit alle anwesenden Fans auf einen langen und harten Festivaltag vorbereitet zu haben.


13.00 (CS) CONAN
CONAN sind am Freitag der perfekte Opener auf der T-Stage, um sich mit langen Instrumentalpassagen entschleunigt den Kater der Vornacht aus den Gliedern zu schütteln. Fette Riffs, walzender Klangwände und tonnenschwere SloMo-Atmosphäre regieren in den Songs des Trios aus Liverpool, das in diesem Jahr sein Debut auf dem SUMMER BREEZE gibt. Obwohl CONAN auch den ein oder anderen beherzten Tritt aufs Gaspedal beherrschen, sind die wuchtigen Sludge-Doomer am mächtigsten, wenn sie sich im Midtempo eingrooven und sich der ordentlich bratzende Sound wie flüssige Lava in die Gehörgänge walzt. So heavy, dass Drummer Rich Lewis im Überschwang seiner treibenden und omnipräsenten Fills gar eine seiner Toms umhaut. Die nöl-krächzende Stimme von Jon Davis mag gewöhnungsbedürftig und nicht jedermanns Sache sein, aber schließlich ist sie ein essentieller Teil dessen, was CONAN von ähnlich gelagerten Kapellen abhebt. Ein paar hundert Frühaufsteher lassen sich diesen leckern Happen zur frühen Stunde nicht entgehen und frönen mit lässigem Kopfnicken dem dritten Festivaltag entgegen.


13.30 (PS) DEADLOCK
Die deutsche Melodic-Death-Metal-Band DEADLOCK betritt Stück für Stück die Bühne, angefangen mit Schlagzeuger Werner Riedl über die Saitenfraktion hin zu Brüllwürfel John Gahlert und der neuen Sängerin Margie Gerlitz, die sich wie selbstverständlich in die Band eingefügt hat und auch Klassiker wie "Code Of Honour" souverän darbietet. Natürlich hat die Band auch Tracks vom neuen Album "Hybris" mit in ihr Set integriert, so etwa den Titeltrack oder "Berserk". Und vor der Pain Stage ist, trotz der relativ frühen Stunde schon eine ganze Menge los. Die Crew sorgt bei knallender Mittagssonne mit zu Wassersprengern umfunktionierten Feuerwehrschläuchen für Abkühlung und der mobile Bierausschank befindet sich im Dauereinsatz, um die durstigen Mäuler des Publikums zu versorgen, während DEADLOCK ihren melodischen Death Metal auf die feiernde und gut mitfiebernde Crowd loslassen. Fett knallt die Musik der Band von der Pain Stage auf das Publikum herunter und der zweistimmige Gesang von Gahlert und Gerlitz macht einen sehr dynamischen Eindruck. DEADLOCK entlassen ihre Fans schließlich zufrieden in den restlichen Festivaltag.


13.45 (CS) STEPFATHER FRED
Dass es bei STEPFATHER FRED nicht um Tod, Hass, Krieg und Zerstörung geht, ist schon beim Bandnamen klar. Der Intro-Song „Hound Dog“ nährt die Vermutung auf Abteilung gute Laune und tatsächlich: Flanellhemden, zerschlissene Jeans und Trucker-Caps verheißen schon optisch, dass es den vier Jungs aus dem Allgäu um Bühnenspaß mit Benzin im Blut geht. Der Opener „Freedom Call“ lässt dies schließlich zur Gewissheit werden. Fetter, schnörkelloser Heavy Alternative Rock hebt bei knallender Sonne die Gemüter der Leute vor der Camel Stage und lädt zum Grooven und Tanzen ein. Wer auch nur im Entferntesten etwas mit MOTORJESUS und Konsorten anfangen kann, schwingt bei den knackigen Rock Songs die Hüften und lässt sich von der Reibeisenstimme des Fronters die Morgenmüdigkeit aus den Falten bügeln. Manch einem mags sogar etas zu laut für die frühe Stunde gewesen sein. Aber STEPFATHER FRED entpuppen sich mit ihrem Mitmach-Rock dennoch zweifellos als weise gewählter Anheizer für die Camel Stage.


14.15 (TS) ARKONA
Es ist zwar keine ganz frühe Show, aber mit 14.15 Uhr haben ARKONA dann doch einen der zeitigeren Slots erwischt. Desto überraschender ist es, wie vollgepackt das Zelt um diese Uhrzeit schon ist. Dass die Band aber eine sehr breit angelegte Fanbase hat und in der Regel gut besucht ist, ist wiederum kein Geheimnis. Ein Blick in die Menge fördert dann auch reichlich Hammerträger und Trinkhornliebhaber zutage. Los geht es mit dem mittlerweile altbekannten Intro, das anschließend in „Yav“ vom aktuellen, gleich betitelten Album übergeht. Die erste Hälfte der Show gilt eher den härteren Songs mit nur wenig Folk-Elementen. Es fällt mal wieder positiv auf, wie die Band es schafft, ihren Folk/Pagan-Charakter zu erhalten ohne dabei in von so manchen verschmähtes „Gedudel“ zu verfallen. Nach der Ballade „Slavsia Rus“ als Übergang folgt dann aber prompt der „dudeligere“ Teil der Show. Dies ist keinesfalls negativ aufzufassen, denn gerade diese Songs sind Klassiker der Band und kommen bei Konzerten regelmäßig am besten an. Es gibt kaum einen Moment, in dem die Arme unten bleiben, und auch mit dem für ARKONA typischen Doppelklatschen sind bereits alle bestens vertraut. Mit reichlich Springen und Tanzen geht die Show dann für das Publikum leider viel zu früh zu Ende.


14.20 (MS) KÄRBHOLZ
Als KÄRBHOLZ auf der Mainstage an der Reihe sind, werden die Frisuren im Publikum kürzer und die Pogos fröhlicher. Trotz der Hitze haben sich reichlich Fans vor der Bühne eingefunden, um klatschend und hüpfend ihre Idole abzufeiern. Die Rheinländer verzichten auf ein Intro, marschieren singend, mit der Gitarre im Anschlag auf die Bühne und liefern den perfekten Soundtrack zum Trinken, Gröhlen und Tanzen. In seiner ersten Ansage gibt Frontmann Torben Höffgen dem Publikum eine Nachhilfestunde in kölschem Dialekt. Er weiß genau, wie er mit seinen Fans sprechen muss, und der gesamten Band steht die Begeisterung ins Gesicht geschrieben. Bei „Nacht ohne Sterne“ wird der Spieß umgedreht und Gitarrist Adrian Kühn lässt Fanchöre anstimmen, während die übrigen Bandmitglieder gemütlich vor dem Schlagzeug sitzen und Dosenbier zu sich nehmen. Läuft die Show souverän und routiniert ab, bietet das Motörhead-Cover „Killed by Death“ zu Ehren Lemmys eine kleine Überraschung. Denn ihre Wurzeln haben KÄRBHOLZ trotz großer Bühne nicht vergessen.


15.00 (CS) ARKTIS
Dieses Quintett aus Hannover ist gleich im doppelten Sinne als jung zu bezeichnen. Zum einen haben die Jungs selbst noch nicht so viele Jahre auf dem Buckel, zum anderen liegt die Bandgründung auch erst ein gutes Jahr zurück. Das Debutalbum folgte dann 2016. Mit der Camel Stage hatten die fünf das richtige Setting für ihren Auftritt erwischt, denn ganz so gut ziehen die Neulinge dann doch noch nicht. Live besticht ihre Show durch ein für eine solch frische Band überraschend professionelles Zusammenspiel. Ein einheitlicher Band-Look in schwarz und weiß unterstreicht zudem die im Bandnamen schon mitklingende Geradlinigkeit und Kälte. Mit ihrem Metalcore zieht die Band vor allem das jüngere Publikum an. Die deutschen Texte werden auf ein, zwei Aufforderungen hin dann auch fleißig mitgesungen, und der ein oder andere Crowdsurfer lässt sich auch vor die Bühne tragen. Der Moshpit kann zwar noch nicht ganz mit den Großen mithalten, den Leuten ist aber der Spaß an der Sache anzusehen. Den richtigen Start in die Karriere haben die Jungs jedenfalls schon mal hinbekommen.


15.15 (PS) DYING FETUS
DYING FETUS mobilisieren so viele Fans, dass es vor und um die Painstage wirklich eng wird. Das hat den Vorteil, dass die vielen Crowdsurfer beste Verkehrsbedingungen vorfinden und den dauerhaft tobenden und immer weiter wachsenden Circlepit weiträumig umfahren können. Während die Grabenschlampen im Dauereinsatz sind, Getränke verteilen, die Crowdsurfer in Empfang nehmen und mit dem Feuerwehrschlauch für Abkühlung sorgen, stehen John Gallagher und Sean Beasly breitbeinig und felsenfest vor ihren Mikros, in die sie abwechselnd growlen. DYING FETUS brauchen keine Showeffekte, denn die Dynamik ihrer Songs transportiert sich über die brutalen Riffs, tiefen Vocals und die knallharten Schlagzeug-Rhythmen. Sowohl Songs der letzten Veröffentlichung wie „From Womb To Waste“ als auch das mittlerweile betagte „Grotesque Impaled“ heizen den Fans ein, sodass die euphorische Menge 50 Minuten lang ununterbrochen mosht und headbangt. Mit „Induce Terror“ wird sogar ein neuer Song gespielt, der den meisten Fans aber bereits ein Begriff sein sollte. Mit ihrem souveränen Auftritt hinterlassen DYING FETUS bleibenden Eindruck.


15.30 (TS) BOMBUS
Trotz des deutlichen Genrewechsels von ARKONA hin zu BOMBUS selbst deklarierten „Heavy Duty Bomboozle Bonanza“ zeigt sich das Zelt gut gefüllt und interessiert. Vielleicht hat ja die überaus kreative Genrebezeichnung das SUMMER BREEZE Publikum neugierig gemacht. Für jene Zuhörer, die mit dieser Musikrichtung nun nicht vertraut sind, klingen BOMBUS wohl am ehesten nach Hard Rock mit ordentlich Groove und Cochones; da darf es ab und zu auch gerne härter sein und ordentlich Metal-Elemente verbaut werden. Die vier Schweden haben eine klassische Rollenverteilung mit zwei Gitarren, Bass und Drums. Gesang gibt es dann abwechselnd von den drei Herren an den (Bass-)Gitarren. Das Volk vor der Bühne lässt sich bereitwillig auf diverse Interaktions-Spielereien ein, was sichtlich gut ankommt. Die Schweden besinnen sich auf ihre Stärken (straighte Rocker im tighten Gewand) und so manch einer wird sich jetzt erst recht für die Metal Hammer-Awards interessieren, wo die Band neben u.a. SODOM und HEAVEN SHALL BURN auftreten. Zum Schluss ihres Konzerts lockern die Jungs die Stimmung dann noch mit einem Drum-Solo auf, durch das es sogar gelingt das Publikum noch weiter aus der Reserve zu locken.


16.10 (MS) QUEENSRŸCHE
Der Rosenkrieg mit Geoff Tate mag QUEENSRŸCHE in den letzten Jahren einiges an Vertrauen gekostet haben, für das Bandgefüge und das kreative Wirken der Band aus Seattle war die Trennung von ihrem Ex-Sänger aber die einzig richtige Entscheidung. So darf man heute eine Band erleben, die nicht nur an ihren Instrumenten auf höchstem technischem Niveau agiert, sondern auch sichtbar Spaß daran hat, sich erstmals dem Dinkelsbühler Publikum zu stellen. Frontmann Todd La Torre steht seinem zweifellos brillanten Vorgänger in nichts nach und meistert die fast ausschließlich aus Bandklassikern bestehende Setlist souverän. Große Show-Elemente gibt es heute nicht zu verzeichnen, QUEENSRŸCHE spielen eine No-Bullshit-Rockshow, bei der das herausragende Songmaterial im Mittelpunkt steht. Das legendäre Über-Album "Operation: Mindcrime" ist neben dem Titeltrack auch mit "The Mission" und dem abschließenden "Eyes Of A Stranger" vertreten und hat angesichts der im Großen und Ganzen unveränderten globalpolitischen Großwetterlage auch nach 28 Jahren nichts an Aktualität verloren. Doch QUEENSRŸCHE sind nicht hier, um zu moralisieren, sondern um zu unterhalten. Und das tun sie hervorragend. Unterstützt von einem glasklar abgemischten Sound feiert die Band einen würdigen Einstand ihrer aktuellen Europa-Tour, der Lust macht, der Band auch in Zukunft die Treue zu halten.


16.15 (CS) PARASITE INC.
Nicht nur die Nebelmaschinen machen ordentlich Dampf, PARASITE INC. aus Aalen lassen die Gitarren kreischen und die Köpfe nicken. Hier gibt es kraftvollen, treibenden Melodic Death Metal mit messerscharfem Riffing, großen Melodien und heiserem Gekeife und Gebrüll auf die Ohren. Mit "This World" hat das Quartett sogar einen brandneuen, stampfenden Song in sein Set integriert. Dass es zu diesem Zeitpunkt etwas abkühlt, merkt man kaum: Das Publikum, das den Platz vor der Bühne nahezu komplett füllt, macht richtig Stimmung und hat sichtlich Spaß an den harten, melodischen Tönen, die ihnen aus Richtung der Camel Stage um die Ohren geballert werden. Sänger und Gitarrist Kai Bigler zeigt sich überwältigt vom allgemeinen Zuspruch und kommentiert: "Ich bin etwas überfordert mit so vielen Leuten vor der Bühne". Es ist ein denkwürdiger Auftritt für Band und Publikum, den beide Parteien mit einem breiten Grinsen im Gesicht verlassen.

 


16.45 (TS) THE WORD ALIVE
Nach einem atmosphärischen Synthie-Intro steigen THE WORD ALIVE mit "Made This Way" und einem hammerharten Breakdown in ihr Set ein. Brachialität dominiert den Auftritt der Jungspunde genauso wie Bewegung – und die gibt es sowohl vor als auch auf der Bühne. Das Ami-Quartett gönnt sich keine Ruhepause und es ist verdammt beeindruckend, wie die Jungs ihren Energielevel bis zum Schluss auf dem Höchststand halten. Die Fans belohnen die Spielfreude bereits nach dem dritten Song mit einer Wall Of Death. Bei "Follow Me" wiederum wird auf Anweisung von Sänger Telle Smith kollektiv mit den Armen gewunken. Zu "Entirety" kniet sich das gesamte Publikum hin, um auf Kommando aufzuspringen und einen gigantischen Moshpit zu entfachen. Folgerichtig kann sich die Band am Ende ihres Auftritts vor "One more Song"-Rufen nicht mehr retten. THE WORD ALIVE haben dem SUMMER BREEZE definitiv ihren Stempel aufgedrückt!


17.15 (PS) SOILWORK
Mit ihrem letztjährigen Album "The Ride Majestic" kehrten SOILWORK zu alter Stärke zurück. Das verleiht ihnen auch für die Show beim diesjährigen SUMMER BREEZE Rückenwind. Die Truppe liefert eine hochenergetische Show ab, die nicht nur den sechs Musikern den Schweiß auf Stirn und Körper treibt. Dass alle Beteiligten dieses Powerlevel bis zum Ende durchhalten ist beachtlich. Auch nach einer Stunde rennt der Circle Pit noch immer brav im Kreis, während links und rechts davon Scharen von Crowdsurfern auf die Bühne einprasseln. Klar, die Setlist geizt nicht mit Klassikern. "Nerve" und "Overload" gehen eben immer und wer sich beim Jahrhundert-Refrain von "Rejection Role" nicht automatisch zum Mitsingen animiert fühlt, muss wohl taub sein. Die Bühnenshow beschränkt sich hingegen auf das Wesentliche, die Gitarristen Sylvain Coudret und David Andersson posen mit Bassist Markus Wibom um die Wette. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht jedoch auch bei SOILWORK der Sänger. Björn "Speed" Strid treibt das Publikum vor sich her, das beim unvermeidlichen Rausschmeißer "Stabbing The Drama" die letzten Reserven mobilisiert. Ob da noch genug Kraft bleibt, um auch den nachfolgenden ARCH ENEMY einen würdigen Empfang zu bereiten?


17.30 (CS) IMPLORE
Was IMPLORE hier heute auf die Bühne bringen ist Death Metal der schmerzhaften Sorte, allerdings im absolut positiven Sinne! Das deutsch-spanische Trio wütet sich durch eine halbe Stunde gnadenlosen Geknüppels. Die Blastbeats wollen scheinbar kein Ende nehmen und ein Hochgeschwindigkeitsriff jagt das nächste. Wie Gitarrist Petro das bei der horrenden Hitze im Pullover aushält, bleibt sein Geheimnis. Sänger und Bassist Gabriel sticht derweil vor allem durch den nahezu inflationären Gebrauch des F-Worts hervor. Bei seinen Ansagen zeigt er sich dem Publikum gegenüber aber auch sehr dankbar. Dass brutalster Death Metal in Menschen die verschiedensten Reaktionen hervorruft, ist allseits bekannt. Ein knutschendes Pärchen inmitten all der Zuschauer ist dann allerdings etwas überraschend. Doch selbst vom konstant tobenden Moshpit um sie herum lassen sich die beiden nicht von ihrem innigen Zungengulasch abhalten. So wird beim Auftritt von IMPLORE jeder auf seine Art glücklich.

 


18.00 (TS) OBSCURA
Der Platz vor der Bühne ist gut gefüllt, als OBSCURA damit beginnen, ihre anspruchsvollen, spielerischen Künste zur Schau zu stellen. Das Quartett bietet seinen technischen Death Metal mit wahnsinniger Präzision auf der einen und erstaunlicher Gelassenheit auf der anderen Seite dar. Sie lösen sich dabei jedoch zwischen den Songs stets aus ihrem ekstatischen Zustand, um sich mit Interaktions-Ansagen an das Publikum zu wenden. Zum Beispiel fordert Sänger und Gitarrist Steffen Kummerer das Publikum bei "Anticosmic Overload" explizit zum Headbangen auf, welches dieser Ansage natürlich gerne nachkommt. Überhaupt ist die Crowd bester Stimmung und feiert den Sound der Landshuter ausgelassen und euphorisch. Bei den intensiveren Momenten wie etwa dem heftigen "Akróasis", bei dem OBSCURA zur Höchstform auflaufen, lässt die Technik das Stroboskop glühen. Man hat geradezu den Eindruck, als ob OBSCURA im Begriff sind, ihren eigenen Kosmos auf der Bühne entstehen zu lassen - nur um ihn dann mit einer kompromisslosen Death-Metal-Walze wie "Ode To The Sun" wieder in Stücke zu hauen. Wie begeistert das Publikum vom Auftritt ist, zeigt sich, als dieses beim finalen "Centric Flow" noch mal alles gibt, um dieses Konzert zu einem der denkwürdigsten Momente des Festivaltages zu machen.


18.20 (MS) ARCH ENEMY
Vor der Main Stage ist das Gedränge schon so groß, dass fast kein Durchkommen mehr ist, als ARCH ENEMY ihr Set mit einer vollen Breitseite namens „Khaos Overture“ beginnen. Auch die Anzahl der Sanitäter und der Feuerwehrleute ist deutlich aufgestockt worden, man ist also auf alles vorbereitet. ARCH ENEMY sind vor allem eins: Schnell. Passagenweise könnte man ihnen fast das Label Speed Metal aufstempeln, doch dann kommen sie in Songs wie „Bloodstained Cross“ mit Melodien um die Ecke, die klarstellen, wieso sie nach wie vor am besten mit Melodic Death tituliert werden. Schon zu Beginn des Sets geht es in der Menge ordentlich ab. Immer wieder bilden sich Circle Pits, und die Grabenschlampen werden von den zahllosen Crowdsurfern mal wieder einem Dauer-Stresstest unterzogen. Zeitweise hält es nicht mal die Rollstuhlfahrer mehr am Boden. Auf der Bühne hat sich das Gitarren- und Bass-Trio, das erst vor kurzem durch den Amerikaner Jeff Loomis ergänzt wurde, bereits super eingespielt. Genau wie die Musiker ist auch der blaue Haarschopf von Sängerin Alyssa White-Gluz immer in Bewegung. Zusätzlich zu ihrer genialen Show mit reichlich Interaktion zwischen den Bandmitgliedern und dem Publikum lässt die aus mittlerweile drei Nationen zusammengewürfelte Band außerdem noch imposante Feuersäulen in den (Bühnen-)Himmel steigen. Gleich sieben Songs werden so von der eindrucksvollen Pyrotechnik untermalt. Vor allem Klassiker wie „War Eternal“, „My Apocalypse“ und „Nemesis“ lassen die Menge in Begeisterung ausbrechen. Letzterer Song stellt vor dem Outro auch den letzten Song des Sets dar, und natürlich kann dieser nicht ohne das obligatorische Fahnenschwingen zu Ende gehen. Schmerzlich vermisst wird aber sicherlich bei sehr vielen der all time classic „We Will Rise“, den ARCH ENEMY überraschender Weise allgemein nicht mehr oft zu spielen scheinen.


18.45 (CS) BLIKSEM
Wer beim Zusammenstellen seiner persönlichen Running Order vor Festivalbeginn auch Bands der Camel Stage mit einbezogen hat, dürfte an den Belgiern von BLIKSEM hängen geblieben sein. Der Genremix aus Thrash- und melodischem Heavy Metal, lockt auf dem Promofoto, neben schweren Lederjacken auch mit der wirklich ansehnlichen Frontfrau Peggy. Da ARCH ENEMY allerdings zeitgleich die Main Stage mit rausgeputzter Frontfrau in Schutt und Asche legen, entscheidet sich die Sängerin der Antwerper für die andere Alternative und geht ungeschminkt, mit weitem Shirt und barfuß auf die Bühne. Viel schöner konnte die Band ihren rohen und brachialen Sound kaum visualisieren, denn Schminke und Tamtam haben BLIKSEM bei so viel Talent einfach nicht nötig. Stattdessen überzeugen sie die versammelten Fans mit einer extrem energiegeladenen Show, bei der mit „Twist The Knife“ und „Face The Evil“ nicht nur songtechnisch alle Highlights der Band präsentiert werden, sondern auch Fannähe bewiesen wird. Sängerin Peggy lässt es sich schließlich für ihr Finale mit „The Life On Which I Feed“ nicht nehmen, barfuß durch den steinigen Graben zu tanzen. Von BLIKSEM wird man in Zukunft hoffentlich mehr hören!


19.15 (TS) NASTY
NASTY aus La Calamine in Belgien haben seit ihrer Gründung im Jahr 2004 eine ordentliche Karriere mit fünf Alben hingelegt. Völlig verdient dürfen sie sich entsprechend heute auf der T-Stage (oder wie die Band auf ihrer Facebook-Seite ankündigt: Testosterone Stage) des SUMMER BREEZE die Ehre geben. Die Hardcore-Jünger drängen sich erwartungsvoll zwischen den Wellenbrechern und NASTY demonstrieren vom ersten Takt an, dass sie hier keine Gefangenen machen. Der frische Beatdown-Core des Quartetts knallt wie eine Panzerfaust und die Grabenschlampen werden ordentlich gefordert, denn das Publikum gönnt ihnen kaum Zeit zum Verschnaufen. Wer nicht gerade die Füße über den Köpfen der Anderen hat, singt lauthals mit oder mischt einen der zahllosen Moshpits auf. Das Zelt mag zwar nur zur Hälfte gefüllt sein, aber hier wird härter gefeiert als zeitgleich vor der gut besuchten Pain Stage mit MASTODON. Sänger Matthias dankt es dem Publikum in Worten, vor allem aber mit seiner unglaublichen Energie und Brutalität, die er mit jedem Song neu entfacht. Als Höhepunkt springt er selbst in den Graben, klettert auf den Wellenbrecher und brüllt den Crowdsurfern entgegen, ehe er noch einmal zu einem Circle Pit aufruft, der das Zelt regelrecht zu zerreißen droht. Die Erde dampft, als NASTY zu tosendem Applaus von der Bühne ziehen und dem Publikum wurde eine Show geboten, die sich so schnell nicht vergessen lässt.


19.25 (PS) MASTODON
Das psychedelische Backdrop und ein ebenso psychedelisches Intro lassen nur einen Schluss zu: es ist Zeit für MASTODON. Nachdem der für 2015 angekündigte Auftritt kurzfristig abgesagt wurde, können sowohl die Band als auch die Fans das jetzt endlich nachholen. Dementsprechend ist es vor der Pain Stage brechend voll als Gitarrist Brent Hinds die Bühne stilecht in einer weißen Fransenjacke betritt. Ansonsten gibt es optisch wenig Auffälligkeiten, da lassen MASTODON lieber die Musik für sich sprechen. Die Gesangsperformance war in der Vergangenheit gelegentlich ein Schwachpunkt der Live-Shows des Quartetts, davon ist heute nichts zu spüren und vor allem Bass-Guru Troy Sanders zeigt sich stimmlich in Höchstform. In längeren Instrumentalpassagen räumt er den vorderen Bühnenteil und macht Platz für seine Gitarrenkollegen. Vor allem Brent Hinds nutzt das für ausgiebiges Posing. Musikalisch sind die Amis ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Angetrieben von Schlagzeug-Übermensch Brann Dailor stacheln sich MASTODON gegenseitig zu Höchstleistungen an. Das aktuelle Album "Once More 'Round The Sun" dominiert mit vier Songs den Anfang des Konzerts bevor dann nach etwa der Hälfte des Sets die ersten Ansagen kommen. Mit Rufen wie "Was los?" zeigt vor sich vor allem Hinds sehr humorvoll. Die Crowd geht derweil zu "Bladecatcher" steil. Und im letzten Drittel folgt Hit auf Hit. Zu "The Wolf Is Loose" bilden sich im Publikum immer mehr Moshpits bevor beim abschließenden Klassiker "Blood And Thunder" vollends alle Dämme brechen und Troy Sanders sich sogar auf dem Drumriser austobt. Die Liebe, die die Band fürs Festival kundtat (Troy Sanders: „Mastodon loves SUMMER BREEZE!“) beruht auf Gegenseitigkeit.


20.00 (CS) ONE I CINEMA
ONE I CINEMA aus Osnabrück formen sich um Bandkopf Marco Meyer, der das Mikro und die Lead-Gitarre bedient. Das charismatische Quartett konkurriert zur Prime Time des heutigen Festivalabends mit den gleichzeitig auftretenden MASTODON um Zuschauer. Dennoch sammelt sich eine kleine, aber treue Schar vor der Camel Stage, um dem eingenwillig-eingängigen Rock mit Weltschmerz-Attitüde zu lauschen. ONE I CINEMA punkten mit Ohrwurmpotenzial und geschmeidigen Riffs, die zum Mitwippen einladen. Schnell haben sie das Publikum damit auf ihrer Seite, dirigieren die erhobenen Hände des harten Kerns direkt vor der Bühne und können so manchen vorbeistreunenden Unbeteiligten zum Stehenbleiben motivieren. Dabei bedienen die vier Jungs mit Titeln wie "Broken Hearts" oder "I Will Never Say Goodbye" eher die Softie-Schiene und navigieren somit knapp am akustischen Leitmotif der hiesigen Veranstaltung vorbei - aber vermutlich ist es gerade das, womit sich ONE I CINEMA in einer halben Stunde erfolgreich einen Platz im Herzen der Anwesenden erspielt haben.


20.30 (MS) CARCASS
Gerade erst zwei Jahre ist es her, dass CARCASS zuletzt auf der Main Stage des SUMMER BREEZE bewundert werden konnten. Die Grindcore/Death-Veteranen Jeff Walker und Bill Steer zeigen aber glücklicherweise keinerlei Anzeichen von Altersschwäche. Stilecht reißt das Quartett ohne Umschweife ein Set herunter, das die Wurzeln im Punk und Grindcore ebenso zelebriert, wie das Meilensteinalbum „Heartwork“ und den aktuellen Longplayer „Surgical Steel“ aus dem Jahr 2013. Die Nähe zu ihrem ehemaligen Gitarristen Michael Ammot halten die Briten zumindest raum-zeitlich, schließlich hat er mit ARCH ENEMY gerade erst die Main-Stage geräumt. In Sachen Dynamik und Humor zeigen sich CARCASS indes eher „very British“: Jeff Walker fragt zwar gelegentlich nett nach, ob man denn unten wohl noch ein weiteres Lied hören wolle und ob sich irgendwer auf Slayer freue. Davon abgesehen prügeln die Herren ihr Set aber ohne viel Regung und Brimborium durch. Den spektakulärsten Gefühlsausbruch bei Walker erleben wir, als ein aufgepustetes Kondom über der Menge schwebt. („Oh! A condom.“) Der Rest ist einfach nur Death Metal vom Feinsten. Well done, Gentlemen!


20.30 (TS) MOONSORROW
Die im Jahr 1995 von den Sorvalli-Brüdern gegründete Pagan Metal Band MOONSORROW steht mit ihren finnischen Texten vor allem für epische Songlängen. Wer es schafft, ein 70-minütiges Album mit gerade mal zwei Songtiteln zu produzieren, hat vermutlich Schwierigkeiten, ein ausgewogenes Liveset über 45 Minuten zusammen zu stellen. MOONSORROW nehmen die Hürde allerdings bravurös: Live sind die Finnen inzwischen leider ohne Keyboarder Henry Sorvali (aka Trollhorn von FINNTROLL) unterwegs, aber wie man an den Songs „Ihmisen Aika“ und „Jumalten Aika“ unschwer anhört, ist er am Songwriting noch maßgeblich beteiligt. Diese beiden Titel vom aktuellen Album „Jumalten Aika“ ummanteln heute zwei klassische Ohrwürmer der frühen Alben „Voimasta Ja Kunniasta“ und „Suden Uni“. Mit vier Titeln ist die Setlist fett gefüllt und wie gewohnt errichten MOONSORROW eine so dicke Soundwand, dass die ca. 3000 hier anwesenden Headbanger nur vergebens versuchen können dieses Konstrukt einzureißen. Die Finnen überzeugen ganz klar und zwar mit Klasse, statt Masse.


21.15 (CS) WINTERSTORM
Von einem Geheimtipp kann im Falle von WINTERSTORM längst keine Rede mehr sein. Der Platz vor der Camel Stage reicht kaum aus, um alle an der Band interessierten Fans aufzunehmen. Die Menge kommt der Eintrittsschleuse gefährlich nahe und lässt sich auch in Sachen Mitklatschen und Mitsingen nicht lumpen. Leichtes Spiel also für die Franken, die just heute ihr neues Album "Cube Of Infinity" veröffentlichen. Den Titeltrack nutzt man direkt als Opener und mit "Timeshift" gibt es später noch einen weiteren neuen Song zu hören. Bleibt noch Platz für drei weitere Songs auf der Setlist, die paritätisch aus den früheren Alben der Band ausgewählt werden. WINTERSTORM würzen ihren Power Metal-Sound mit einer gesunden Prise Folk und leben von den hymnischen Refrain-Melodien, bei denen Sänger Alexander Schirmer einen gewaltigen Fan-Chor anführen kann. Auch die Menge an Crowdsurfern, die vom bärtigen Ordner im Graben mit breitem Grinsen in Empfang genommen werden, ist immens hoch. Wie es aussieht, könnten WINTERSTORM bei einem eventuellen zukünftigen Engagement auch auf einer der größeren Bühnen mühelos bestehen. 


21.45 (TS) COHEED AND CAMBRIA
Mehr als zwanzig Jahre Bandgeschichte, teilweise noch unter anderen Namen, können COHEED AND CAMBRIA mittlerweile vorweisen. Inhaltich befassen sich die Texte der Amerikaner jedoch bekanntlich mit „The Amory Wars“, einer von Frontmann Claudio Sanchez erdachten Comic-Serie um das Ehepaar Coheed und Cambria Kilgannon, ihrem Sohn Claudio und dem Machtkampf in Heaven‘s Fence - der Planetenkonstellation, die durch das Logo der Band dargestellt wird. Von den acht Studioalben der Prog-Rocker geht es lediglich auf der aktuellsten Platte "The Color Before The Sun" (2015) nicht um die Coheed-Saga. Den Zuschauern vor der Bühne kann das alles egal sein, denn bei den Konzerten stand schon immer die Musik im Vordergrund und nicht die Story dahinter. Und das reicht auch völlig: das Zelt ist am heutigen Abend zugut zwei Dritteln gefüllt und vor dem Auftritt tönen bereits lautstarke „Coheed“-Rufe, die klar machen: es sind Fans anwesend. Da sind sie richtig, denn auf Set-Startposition Nr. 1 gibt es direkt einen heftigen Nostalgie-Einschuss: „In Keeping Secrets Of Silent Earth 3“ war zu Beginn des Jahrtausends eine Universalhymne, die auch 2016 noch ihre ganze Suchtfaktor-Gewalt entfacht und das gute alte „Man Your Own Jackhammer!“ tönt in dieser Nacht aus tausenden, seligen Kehlen. Dass die vorderen Reihen überwiegend von Menschen bevölkert werden, die ihre CD-Sammlungen in den 90-ern gegründet haben, erstaunt nicht. Lockenmonster Claudio Sanchez sieht die meiste Zeit aus wie Vetter It von der Addams Family, wenn er sich das Mikro in eine Wand aus Haaren drückt. Den Rest der Zeit hüpft er wie ein Flummi über die Bühne und präsentiert sich mit seinen Bandkollegen leidenschaftlich, geschmeidig und energiegeladen. Dabei bieten sie einen guten Mix aus Altbekanntem, allem voran die Klassiker „No World For Tomorrow“ und „A Favor House Atlantic“. Mit „Island“ und „Eraser“ sind jedoch auch zwei echte Kracher vom aktuellen Album vertreten. Als kleines Bonbon schmuggeln die New Yorker eine Coverversion von NIRVANAs „Drain You“ dazwischen, die sich nahtlos ins Set fügt, bevor Sanchez die doppelhälsige Gitarre auspackt und zum Abschluss das unvermeidliche „Welcome Home“ anstimmt. Sichtlich erfreut über den großen Zuspruch der Menge, winken COHEED AND CAMBRIA noch einmal und hinterlassen eine selige Horde im Zelt zurück.


21.50 (PS) EISBRECHER
EISBRECHER sind mit ihren elektrolastigen Neue Deutsche Härte-Sounds eher Exoten auf dem SUMMER BREEZE. Über Publikumsmangel können Alexander Wesselsky und seine Mannen sich nun allerdings überhaupt nicht beschweren. Vor der Pain Stage drängen sich die Fans dicht an dicht und direkt beim treibenden Eröffnungssong "Verrückt" tobt die Menge. EISBRECHER ernten in der Folge nach ausnahmslos jedem Song frenetischen Applaus. Was der ehemalige DMAX-Checker zwischen den Songs so von sich gibt, scheint vollkommen egal zu sein, denn die Meute frisst ihm so oder so aus der Hand. Wesselsky regiert die Bühne während der Rest der Band sich eher im Hintergrund hält. Nach dem dritten Song macht er eine klare Ansagen gegen den massiven Gebrauch von Handys auf Konzerten. "Wie wäre es damit: Wir machen jetzt ein paar Posen, damit ihr Fotos machen könnt und dann packt ihr die Dinger weg. Okay?", bietet er an. Danach wird noch kurz der Pokérap zitiert. "Ich halte es ja für einen Fehler auf son' Quatsch zu stehen, aber Fehler machen Leute", gibt Alexx sein Statement zu Pokémon-Go ab und leitet damit zum nächsten Song über. Dank einer perfekt eingespielten Band tanzt mittlerweile das gesamte Publikum. Die "Noch ein Bier!"-Rufe haben sich die EISBRECHER-Fans wohl beim gestrigen SABATON-Auftritt abgeguckt. Und auch wenn hier nicht so viel Bier geext wird wie bei den Schweden, bekommen die Fans, was sie verlangen. Bei "Eiszeit" regnet es später dann Konfetti auf der Bühne. "This Is Deutsch" wird von großen Schildern begleitet auf den allseits bekannte Dummsprüche wie "Das wird man wohl noch!!!" oder "Ich bin ja nicht, aber!" prangen. Und schließlich wird natürlich auch dem Wunsch nach "Miststück" nachgegeben. Eine XXL-Version des Klassikers von Wesselskys Ex-Band MEGAHERZ beschließt ein durchweg mitreißendes Konzert.


22.45 (CS) BURNING DOWN ALASKA
Es ist schon ein schweres Los, das BURNING DOWN ALASKA da gezogen haben: ein halbstündiges Set, während aus Richtung der Main Stage eine gewisse Thrash-Metal-Band namens SLAYER lärmt - vielleicht hat schon jemand von ihnen gehört? Ein schweres Los? Mitnichten! Die Band spielt selbstbewusst und völlig unbeeindruckt vom Geschehen nebenan ihren poppigen, emotionalen Post-Hardcore mit harten Grooves und vielen Melodien, während das zweiköpfige Sängergespann Kassim Auale und Tobias Rische keine Gelegenheit auslässt, mit der Crowd zu interagieren. Apropos: vor der Camel Stage-Bühne ist die Hölle los. Das Publikum scheint geradezu hypnotisiert zu sein und macht so ziemlich alles mit, was die blutjunge Truppe aus Recklinghausen verlangt. Circle Pit, Wall Of Death, Stagediving, kollektives in die Hocke gehen und dann Springen? Kein Problem, die Fans hängen der Band förmlich an den Lippen. Unterdessen haben die Grabenschlampen mit den Crowdsurfern - vor allem gegen Ende des Sets - alle Hände voll zu tun und Rische lässt es sich nicht nehmen, auf das Gerüst der Bühne zu klettern. Es herrscht eine wahnsinnige Stimmung auf und vor der Bühne, sodass dieser Auftritt allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben wird.


22.55 (MS) SLAYER
Das „Battlefield“ ist bis zum Horizont gefüllt und die neu eingeführten Boxen an den Towern garantieren, dass auch wirklich jeder hier anwesende Fan ordentlich auf die Ohren bekommen kann. Legenden-Glanz im Headliner-Slot sollte dem SUMMER BREEZE dieses Jahr eigentlich durch MOTÖRHEAD beschert werden – als Hommage an diesen edlen Plan sind auf dem Gelände daher „SÜMMER BREEZE“-Shirt im MOTÖRHEAD-Stil erhältlich. Aber wer SLAYER kennt, weiß dass auch diese „Louder Than Everything Else“ sein können. Den gesamten Tag konnten bereits Aufbauarbeiten für einen garantiert gigantischen SLAYER-Auftritt im Backstagebereich um die Main Stage herum beobachtet werden. Die Spannung steigt, das Intro läuft an und sorgt erst mal für irritierte Blicke: „Thunderstruck“ von AC/DC beginnt, die Fans verstehen aber sofort, was von ihnen erwartet wird und so erschallt statt dem gewohnten „Thunder!“ ein zigtausendfach gebrülltes „SLAYER!“, das man wohl auch noch im „benachbarten“ München gehört hat. Dann betreten die lebenden Thrash-Legenden die Bühne und starten ihr Set routiniert mit „Repentless“ vom aktuellen Album. Kaum eine Band hat so viele Klassiker in der Hinterhand, wie die Kalifornier und so ist die Zusammenstellung der Setlist ziemlich naheliegend. Ohne Songs wie „War Ensemble“, „Mandatory Suicide“ oder „Seasons In The Abyss“ gilt ein SLAYER-Set nunmal nicht als gelungen. Das „Thrash-Pack“ um Fronter Tom Araya wird im Verlauf ihrer inzwischen über einjährigen „Repentless“-Tour souverän den Ansprüchen der Fans gerecht und feuert mit absoluter Professionalität einen Hit nach dem anderen in die Menge. Unterbrochen wird diese Monstershow lediglich durch das sympathische Lächeln von Sänger Araya, der vor jeder Ansage erstmal abwartet und die „SLAYER“-Rufe der Fans auf sich wirken lässt. Nach dem All-Time-Favourite „South Of Heaven“ wird das Backdrop gewechselt und somit dem 2013 verstorbenen Gründungsmitglied Jeff Hannemann gehuldigt. Auch wenn dieser inzwischen von EXODUS-Mastermind Gary Holt vertreten wird, ist sein Erbe mit einem legendären Finale in Form von „Raining Blood“, „Black Magic“ und dem unverkennbaren „Angel Of Death“ präsent. SLAYER kamen, zerstörten und gingen! Diesen Auftritt wird das SUMMER BREEZE so schnell nicht vergessen.


23.15 (TS) UNLEASHED
Während SLAYER auf der Mainstage performen, feiert vor der Tentstage eine zwar von mehreren Tagen Festivalaction gezeichnete, aber mannstarke Menge zur schwedischen Death Metal-Legende UNLEASHED. Die Fans singen zur schwerfällig-niederwalzender Brachialität der langsamen Stücke genauso textsicher mit, wie bei den schnell hämmernden, brutalen Parts. Die Sicherheit, mit der UNLEASHED beide Varianten beherrscht und zu kombinieren weiß, macht ihre Qualität als Live-Band aus. Sänger und Bassist Johnny Hedlund schafft es aber auch, die trägen Fans zu motivieren. Wird anfangs auf der Bühne noch mehr geheadbangt als davor, schafft er es durch seine Ansagen die beharrlichen Kopfnicker zum Headbangen zu bringen. Als nach einer halben Stunde für längere Zeit Stille auf der Bühne herrscht, scheint es erst, als sei einer der Bierpausen ein wenig ausgeartet. Es gibt aber wohl handfeste Probleme am Schlagzeug, die zum Glück nach kurzer Zeit behoben werden können. Danach scheint Drummer Anders Schultz noch heftiger und schneller zu spielen. Vor Ende der Show wird Hedlund sein obligatorisches Trinkhorn gereicht. Ohne das, ist eine UNLEASHED-Show einfach nicht komplett.

 


00.15 (CS) GOROD
Die Technical Death Metal-Virtuosen GOROD treten nach Mitternacht auf die Camelstage. Die fortgeschrittene Stunde kann aber die Fans nicht davon abhalten in Scharen vor die Bühne zu strömen. Dementsprechend gut aufgelegt sind die Franzosen. Sänger Julien Deyres sorgt am Mikro für Abwechslung und variiert seine Vocals. Shouts, Growls, Grunts und Screams gehören wie selbstverständlich zu seinem Repertoire. Das Mikro fest in der Faust, gibt er alles, um die Menge zu unterhalten: Er steckt sich das Mikro sogar in den Mund und sammelt durch deutsche Ansprachen zusätzliche Sympathiepunkte. Dabei ist eins immer klar: Der Auftritt auf dem SUMMER BREEZE ist eine Herzensangelegenheit der gesamten Band. Allein die dynamische Performance des Bassisten Benoit Claus würde genügen, um die Bühne in Schutt und Asche zu legen. Diese positive Grundhaltung überträgt sich auch auf das Publikum. GOROD spielen das erste Mal auf diesem Festival, aber sie lassen keinen Zweifel daran, dass sie hier genau richtig sind.


00.30 (PS) SATYRICON
Jubiläumsshows zu genre-definierenden Alben, die schon ein paar Dekaden auf dem Buckel haben, liegen ja gerade voll im Trend. Kaum eine große Metal-Band, die sich nicht dazu bewegt, einen Meilenstein ihrer Diskografie live in Albumlänge Revue passieren zu lassen. Da lassen sich SATYRICON nicht lumpen und tun es den Kollegen von AMORPHIS gleich, die vor zwei Jahren ihr „Tales From The Thousand Lakes“ auf der Pain Stage aufführten. „Nemesis Divina“ heißt ihr Durchbruch, den Satyr, Frost und Begleitband darbieten und der vor Festivalpublikum in dieser Form nicht 100%ig funktioniert. Vielleicht ist es auch dem Umstand geschuldet, dass SATYRICON erst durch ihre aktuelleren, im Vergleich zu den Anfangstagen deutlich rockigeren Alben, zu einer Metal-Größe gewachsen sind: die harsche, hässliche Black Metal-Breitseite, die „Nemesis Divina“ nun mal ist, entpuppt sich für Teile der Anwesenden als recht schwer verdaulich und nicht das, was erwartet wurde. Die Resonanz ist trotz fast vollem Platz verhalten, was der Leistung SATYRICONs an diesem Abend jedoch nicht gerecht wird. Sie untermauern ein weiteres Mal ihren Ruf als souveräne Live-Band mit einer astrein einstudierten und fehlerfreien Show, bei der es sich selbst Satyr, trotz seines angeschlagenen gesundheitlichen Zustandes, nicht nehmen lässt, zu Moshen und zu Bangen, was das Zeug hält. Klar, „Mother North“, das aus dramaturgischen Gründen ans Ende des „Nemesis Divina“-Teils gestellt wird, ist ein Muss und funktioniert immer, aber man sollte „Nemesis Divina“ eben nicht auf diesen Hit reduzieren. Zum versöhnlichen Abschluss gibt es am Ende des Sets mit „Black Crow On A Tombstone“, „Fuel For Hatred“ und „K.I.N.G.“ noch drei Hits neueren Datums, die dann auch entsprechend abgefeiert werden.


00.45 (TS) H2O
Nach dem ja immer wieder gern genommenen Carmina Burana-Intro gibt es zur späteren Stunde endlich mal wieder Futter für die Fans von Hardcore & Co.. Vier Leute stürmen auf die Bühne und es geht ohne Ansage direkt mit „Black Sheep“ in die Vollen. Ursprünglich waren für diese Position ja TERROR geplant, die dann wegen der Rücken-OP ihres Fronters passen mussten. Im direkten Vergleich gehen H2O viel melodiöser ans Werk und so wurde im Publikum auch mehr selig mitgegröhlt und gepogt als Violent Dancing trainiert. Fans der Band fällt im zweiten Satz bereits ein vermeintlicher Fehler auf, denn an sich sind H2O zu fünft, einer ihrer Gitarristen musste aber kurzfristig aus familiären Gründen zurück in die Staaten fliegen. Die Band stand im Vorfeld also vor der Entscheidung: absagen oder improvisieren und hat sich glücklicherweise für die zweite Alternative entschieden. Um 19 Uhr fand ihre Quartett-Premiere auf einem anderen Festival statt und hier auf der T-Stage gabs dann die zweite Vorstellung. Außenstehenden ist die Anspannung gerade von Sänger Toby Morse wohl gar nicht aufgefallen, denn die Band tritt durchaus tight auf und lässt sich die ungewohnte Situation kaum anmerken. Gegen Ende der Show sucht Morse den direkten Kontakt zu den Fans, begibt sich in den Graben und dann auf die Absperrung und singt dort zwei Song. 10 Minuten vor dem Verstreichen ihrer Spielzeit ging die Band unter lauten Zugabe-Rufen von der Bühne, mehr war heute einfach nicht drin. Sympathische Band und großen Respekt für die Leistung!


01.45 (CS) ACCU§ER
Eine überraschend große Schar Nimmersatter hat selbst nach SLAYERs Abriss auf der Main Stage immer noch nicht genug Thrash Metal bekommen und findet sich trotz einsetzendem leichten Regen vor der Camel Stage ein, um sich die Vollbedienung bei ACCU§ER zu holen. Zwar sind auf der Bühne nur schemenhafte Gestalten zu erkennen, denn der Nebelmann macht heute Nacht einen außergewöhnlich engagierten Job und flutet die Camel Stage den gesamt Gig über komplett. Klanglich haben die altgedienten Recken aus Nordrhein-Westfalen aber den vollen Durchblick und zimmern ein mächtiges und vor allem präzises Brett ins begeisterte Publikum. Die Setlist konzentriert sich dabei erfreulicherweise vornehmlich auf die alten Gassenhauer und bringt zusammen mit den auf den Punkt gezockten, sägenden Riffs tatsächlich ein wenig Bewegung ins Publikum – die großen Thrash-Götter aus L.A. haben vorher dann vielleicht doch schon ein wenig zu viel Energie gezogen. Thrash aus deutschen Landen at it’s best!

 


02.15 (TS) IN THE WOODS...
Die letzte Band des Abends auf der T-Stage ist etwas für wahre Feinschmecker: IN THE WOODS…, eine der innovativsten und einflussreichsten Bands norwegischen, progressiven Black Metals und erst kürzlich von den Toten wiederauferstanden, geben sich für einen ihrer ganz seltenen Gigs die Ehre. Dass sie ob ihrer langen Auszeit von 14 Jahren kein Publikumsmagnet sondern eher eine Randerscheinung sein würden, war zwar von vornherein klar. Aber es ist dennoch schade, dass eine solch großartige Band relativ unbeachtet vom Großteil der SUMMER BREEZE-Besucher auftritt. IN THE WOODS…, nach dem Ausstieg des langjährigen Originalsängers Jan Kenneth Transeth nun mit James „Mr. Fog“ Fogarty am Mikro, können sich zu später Stunde jedoch auf eine Abordnung Hardcore-Fans verlassen und begeistern mit einer atmosphärisch sehr dichten Show, die sich gleichzeitig als Fluch und Segen entpuppt. So perfekt die fünf Norweger auch ihren Kultstatus vertonen: IN THE WOODS… stellen sich als eher schwierige Festivalband heraus und dürften mit ihrem breitgefächerten, manchmal kauzigen Progressive Black Metal besser in intimer Club-Atmosphäre funktionieren. Nichtsdestotrotz werden die Fans Zeugen einer wunderbaren Setlist, die vom frühen Meilenstein „Heart Of The Ages“ über den Bestseller „Omnio“ bis hin zum aktuellen Album „Pure“ alle Schaffensphasen dieser Ausnahmeband abdeckt.


Samstag, 20.08.2016

11.00 (MS) GOITZSCHE FRONT
Die Sonne brennt. Kaum eine Wolke ist in Sicht. Und trotzdem hat sich schon eine beachtliche Menge Zuschauer im Infield eingefunden, um mit GOITZSCHE FRONT in den finalen Festivaltag zu starten. Die Ostdeutschen Rocker haben auch auf dem SUMMER BREEZE ihre Fans im Schlepptau und zwischen den Songs stimmt die Crowd immer wieder GOITZSCHE FRONT-Chöre an. Auf Anweisung von Frontmann Bocki wird bei "Vier Asse" lauthals mitgegrölt und der erste Moshpit lässt auch nicht lange auf sich warten. Vereinzelte Crowdsurfer sind hier und da ebenfalls auszumachen. Zur Erfrischung bekommen die Fans nach der Hälfte des Sets eine ordentliche Ladung vom Wasserschlauch ab. Als Gitarrist Maxi ein Bier in die Hand nimmt fordert das Publikum lauthals: "Ex, ex, ex" und dieser Aufforderung kommt er prompt und ohne Umschweife nach. Dann ist auch schon Endspurt angesagt. Mit dem DIE PRINZEN-Cover "Alles nur geklaut" erreicht der Partyfaktor seinen absoluten Höhepunkt. Nach "Solange mein Herz noch schlägt" verlassen GOITZSCHE FRONT die Bühne und hinterlassen davor eine Menge sichtlich zufriedener Fans.


11.50 (PS) COPPELIUS
Sanft erklingt Tschaikowskis „Tanz der Zuckerfee“ und der wartenden Menge ist klar, was das bedeutet: Jeden Moment beginnt das kurzweilige und verrückte Set von Deutschlands erster und wohl einziger Kammercore-Band, COPPELIUS. Ruckzuck hat Butler Bastille die Bühne für die Herren hergerichtet und sie können mit „Bitten Danken Petitieren“ ihr anspruchsvoll-durchgeknalltes Musiktheater beginnen. Eine Sache, für die die Band besonders bekannt ist, ist die ständige Interaktion mit dem Publikum. Da verschwindet schon gerne mal ein Musiker in der Menge und taucht anderswo wieder auf, oder ein Fan wird für die Unterstützung am Tamburin auf die Bühne geholt. Aber auch wenn die Herren auf der Stage unter sich sind, wird es nicht langweilig. Alle fegen sie permanent hin und her, wechseln sich am Mikro ab, oder haben kleine Show-Kabbeleien untereinander. COPPELIUS sind aber nicht nur was fürs Auge. Mit ihrem Alternative gespielt auf klassischen Instrumenten (daher die Bezeichnung Kammercore) haben sie ein musikalisches Alleinstellungsmerkmal, das ihnen bisher keine Band so wirklich streitig machen konnte. Ihr ungewöhnliches Konzept ist auf dem SUMMER BREEZE beeindruckend in die Praxis umgesetzt worden.


12.40 (MS) BEYOND THE BLACK
Fast aus dem Nichts scheint diese Band aufgetaucht zu sein, als sie vor ca. einem Jahr plötzlich in der Fernsehwerbung auftaucht. Seit dem haben sich BEYOND THE BLACK aber definitiv in der Metal-Gemeinde etabliert und haben auch beim SUMMER BREEZE eine durchaus beachtliche Menge vor der größten Bühne versammeln können. Musikalisch bewegen sich die Mannheimer im Melodic Metal Bereich, auch wenn sie im allgemeinen oft als Gothic Metal bezeichnet werden. Außerdem schleichen sich hier und da ein paar Metalcore-Elemente ein. Sängerin Jennifers Gesang wird dabei durch männliche Backing Vocals und Growls ergänzt. Vor allem durch ihre sehr eingängigen Melodien kommen BEYOND THE BLACK beim Publikum richtig gut an. Auch die Texte sind leicht zugänglich und werden vom Publikum willig mitgesungen. Ihre Show zeichnet sich durch eine sehr sympathische und dynamische Bühnenpräsenz aller Mitglieder aus, wirkt aber doch etwas generisch und durchgeplant, was auch nicht verwunderlich ist, handelt es sich doch um nur vorläufige Bandmitglieder. Die Sängerin hatte sich ein paar Wochen vor der Show von allen anderen getrennt und sucht sich gerade neue Mitstreiter aus. Den Zuschauern gefällt es aber sichtlich, und sie verabschieden die Band nach dem hymnenhaften Rausschmeißer „Running To The Edge“ euphorisch.


13.00 (TS) THUNDERMOTHER
Bereits im Vorbericht wurden THUNDERMOTHER als eine Band „mit Eiern“ angekündigt... allerdings nur die sprichwörtlichen, denn die schwedische Heavy Metal- Formation besteht zu 100% aus einer weiblichen Besetzung und sollte keinesfalls mit den gleichnamigen Psychedelic-Rockern den 70er verwechselt werden. Für das SUMMER BREEZE haben die fünf Musikerinnen aus Stockholm offenbar den Plan gefasst, sich neben AIRBOURNE auf den AC/DC-soundalike-Thron zu bewerben. Souverän rocken sich die Mädels mit Ohrwürmern wie „Cheers“ und „Thunder Machine“ in die Ohren ihrer versammelten Fans und brechen die Geschlechter-Vorurteile etwas auf, indem Sängerin Clare Cunningham auf hochhackigen Leoparden-Schuhen gangsicher zwischen den Songs sogar ein Gespräch über Frauenfußball beginnt. Bandgründerin und Leadgitarristin Filippa Nässli lässt sich zu „Shoot To Kill“ dazu hinreißen in die Menge zu rennen und dort einige Minuten Gitarrengefrickel live VOR der Bühne zum Besten zu geben. Auch bei diesem Track wurde sich für die Basics dezent bei AC/DC bedient und THUNDERMOTHER konzentrieren sich dann darauf, dem Song eine ganz eigene Note zu verpassen. Eine wahrlich intensive Show, an der nicht nur die circa 4000 anwesenden Fans Spaß haben, sondern auch ganz deutlich die Mädels von THUNDERMOTHER, die mit ihrem heutigen Auftritt ihre sommerliche Festival-Tour imposant beenden. 


13.30 (PS) PSYCHOPUNCH
Darf es zur Abwechslung auch mal etwas poppiger Punk sein? Genau das liefern PSYCHOPUNCH am Samstag zur besten Mittagsstunde. Die forschen Punker aus Schweden und ihr Fronter JM locken eine ganze Reihe von Fans vor die Bühne der Pain Stage, welche folglich für die Uhrzeit schon erstaunlich gut besucht ist. Zufrieden und gut gelaunt tanzt das Publikum zu den eingängigen Hymnen wie "Last Night" oder "The Way She's Kissing". JM ist somit natürlich bestens gelaunt und kann kaum eine Minute still stehen. Immerzu bringt er das Publikum mit offensiven Ansagen in Wallung und erkundigt sich auch mal völlig ungeniert nach dem Liebesleben der Crowd. Für "Forever And A Day" holt er sich die Gastsängerin Clare Von Stitch auf die Bühne, die mit ihm diesen Titel vom aktuellen Album "Sweet Baby Octane" singt. Das da nicht alle Töne zu 100% getroffen werden fällt kaum in Gewicht, aber bei Punk Rock geht das in Ordnung, vor allem bei dieser Show, die in erster Linie Spaß machen soll. Und das tun PSYCHOPUNCH in jeder Hinsicht.


13.45 (CS) HELL CITY
Auf der Camel Stage ist für die kommende halbe Stunde Modern Metal angesagt. Offensichtlich genau das Richtige für das SUMMER BREEZE-Publikum, denn überraschend viele Zuschauer genießen anstatt ihres Mittagessens den Auftritt von HELL CITY. Die Belgier sind optimal aufeinander eingespielt und legen vom Start weg einen amtlichen Groove an den Tag. Frontfrau Michelle Nivelle zeigt sich stimmlich extrem stark; da sitzt jeder Ton und auch die großen Gesten beherrscht sie aus dem Effeff. Somit ist es kein Wunder, dass ihr das Publikum schnell aus der Hand frisst. Begeistert werden die Fäuste in die Luft gereckt und auf Nivelles Frage "Are you still okay?" gibt es lautstarken Jubel. Einzig die zweite Gesangsstimme, die aus dem Nichts zu kommen scheint, ist etwas befremdlich. Ansonsten lassen HELL CITY aber nichts anbrennen. Die dicken Riffs sitzen. Die Gitarrensoli begeistern. Am Ende verabschiedet sich die Band mit dem Versprechen bald wieder nach Deutschland zurückzukehren.


14.15 (TS) THE OTHER
Mit ihren Songtexten und dem Make-Up bedienen THE OTHER gekonnt jedes Klischee ihres Genres. Echte Düsterstimmung will trotzdem nicht aufkommen, da helfen auch die LED-Kerzen auf der Bühne nicht. Denn die Musik der Kölner lädt vielmehr zum Tanzen und Spaß haben ein und bedient damit exakt die Wünsche des Publikums. Die schweißtreibende Show lässt selbst Bassist Chris Cranium sein großflächig ins Gesicht geschminktes Grinsen immer mehr vergehen - oder besser: zerfließen. Kein Wunder also, dass auch der zu Beginn noch etwas träge wirkende Moshpit bald ordentlich Fahrt aufnimmt. Die geradlinigen Horrorpunk-Songs saugen sich viel zu schnell im Nacken fest und lassen sich selbst durch heftigstes Rübengeschüttel nicht mehr loswerden. Für "echten" Punk beherrschen die Jungs aber ihre Instrumente viel zu gut. Auch Gitarrist Ben Crowe in Gehrock und mit Zylinder macht sowohl optisch als auch an seinem Instrument eine gute Figur. Mit langen Ansagen halten sich THE OTHER immerhin nicht auf, da spielen sie lieber noch einen Song mehr, in diesem Fall den umjubelten Rausschmeißer "Transylvania".


14.20 (MS) LETZTE INSTANZ
Emotionen an! LETZTE INSTANZ bringen die Massen, die sich auf dem Platz vor der Main Stage versammelt haben, mit ihrer Brachialromantik in Wallung. Denn trotz der tiefgründigen Texte und dem zunächst feinfühligen Sound herrscht eine ausgelassene Stimmung im Publikum. Sicher mit dafür verantwortlich ist auch Sänger Holly Loose, der sich als herausragender Entertainer erweist und die Crowd zwischen den Songs gerne mal zum Lachen bringt, sich aber auch herzlich für den Kauf des neuen Albums "Liebe im Krieg" und der dadurch resultierenden Top-5-Chartplatzierung bedankt, ehe die Band mit dem Titeltrack der besagten Platte in den härteren, zweiten Teil ihres Sets einsteigt. Ab jetzt wird von den Brachialromantikern also die Betonung auf "Brachial-" gelegt. Bei "Komm" schließlich verlangt Loose vom Publikum "kleine Kreise, keine Circle Pits" und fordert die Menge zum Tanzen auf. Aus den Kreisen bilden sich schnell Polonaisen und auch Loose tanzt mit Bassist Ende, Violinist Schwibs und Cellist Gerlach auf der Bühne mit. Die gut aufgelegte Band, die sogar kurz VAN HALENs "Jump" anspielt, und das aktive Publikum haben einfach eine beeindruckende Chemie, ehe sich LETZTE INSTANZ mit "Finsternis" von der Bühne verabschieden.


15.00 (CS) DYSCORDIA
Die Rahmenbedingungen für den Auftritt von DYSCORDIA sind denkbar schlecht. Lead-Gitarrist Guy Commeene hat sich erst Anfang der Woche das Handgelenk gebrochen und einen Ersatz konnten die Belgier auf die Schnelle nicht organisieren. Folgerichtig wird eine der drei Gitarrenstimmen aus der Konserve eingespielt, was dem tighten Zusammenspiel jedoch keinen Abbruch tut. So kann die erlesene Zuschauerschar nicht weniger erlesene Prog-Metal-Kompositionen mit latenter Melo-Death-Schlagseite und einem phantastischen Gespür für große Melodien genießen. Der Sound der Truppe ist angenehm vielseitig und sich auch für kleinere Experimente nicht zu schade. Da darf im Outro von "Bail Me Out" sogar eine kleine Flamenco-Gitarren-Einlage erklingen ohne deplatziert zu wirken. Ansonsten wird hier jedoch so hart gerifft, dass das Wechselspiel zwischen Piet Overstijns Klargesang und den von den Axtmännern beigesteuerten Growls eine eher untergeordnete Rolle spielt. Echte Geheimtipp-Qualitäten erwachsen jedoch aus der simplen Tatsache, dass DYSCORDIA nie die großen Melodien aus den Augen verlieren, die sich frei von jeglichem Kitschverdacht ins Gedächtnis einbrennen.


15.00 (CC) RANDALE
Eine der auffälligsten Neuerungen des diesjährigen SUMMERE BREEZE ist der Campsite Circus. Mit seinen vielfältigen Angeboten ist er eine gelungene Bereicherung des Festivals und der Zuspruch der Besucher spricht eine deutliche Sprache. Als das Zelt an diesem letzten Tag seine Tore öffnet, darf aber nicht jeder ins Innere, denn mit RANDALE spielt heute eine Kinderband. Also keine Band mit Kindern an den Instrumenten, sondern eine Band, die Songs speziell für Kinder im Repertoire hat. Innerhalb der Szene gehören sie zu den absoluten Stars, wohl auch, weil ihr Songs auch vielen Eltern sehr gut gefallen. Rein kam man also nur, mit einem oder mehreren deutlich Minderjährigen. Und da das Zelt ja außerhalb des eigentlichen Festivalgeländes stand, waren auch viele Nicht-Festivalbesucher gekommen um den Auftritt der vier Bielefelder zu erleben. Die starteten pünktlich um 15 Uhr in ihr kurzweiliges Set und hatten innerhalb kürzester Zeit sowohl die vielen, vielen kleinen als auch die begleitenden großen Zuschauer im Griff. Sehr früh im Set spielten sie ein altes, deutsches Volkslied – von den RAMONES! Vor dem mitreißenden „Kinderzimmerpunk“ gabs eine Einführung in Hard Rock/Metal-Begriffe wie z.B. den Moshpit. Später gabs einen kurzen musiktheoretischen Exkurs in den Ska („Einfach auf der Stelle laufen, das ist alles!“) und Reggae („wenn man den ganzen Tag Rasen gemäht hat und überall Gras rumliegt und man nur noch ausruhen will!“) bevor der Star schlechthin seinen Auftritt hatte: der „Hardrockhase Harald“ – ein großer Fan von HASI/DC, IRON MÖHRCHEN und den TOTEN HASEN. Die siebzig Minuten Spielzeit waren auf jeden Fall viel zu schnell wieder vorbei und mit dem "Punkpanda Peter" und "Flummi" wird dann noch die vehement geforderte Zugabe gespielt.


15.15 (PS) UNEARTH
Nein, der Zirkus ist nicht nach Dinkelsbühl gekommen, auch wenn das bunte Treiben von UNEARTH am frühen Nachmittag auf der Pain Stage durchaus diesen Eindruck vermitteln könnte. Würde man die Musik wegnehmen, hätte der Gig der US-Amerikaner immer noch einen enormen Unterhaltungswert. Allen voran Gitarrist Buz McGrath sorgt für reichlich Unterhaltung, wenn er sich im Gitarrenhochwurf übt, auf Gerüst und Lautsprechern herumklettert oder sich von der Crew mit einem Rollwagen durch die Gegend fahren lässt. Mit Musik bläst einem orkanartiger, schweißtreibender Metalcore um die Ohren. Vor der Pain Stage hat sich ein immenser Pulk versammelt, der den Krawall, der da von der Bühne kommt, zunächst noch etwas verschlafen aber zunehmend gut gelaunt und aktiver aufnimmt. Sänger Trevor Phibbs fordert die Meute schließlich auf, die Grabenschlampen mal richtig arbeiten zu lassen, aber zunächst wandern nur wenige Crowdsurfer in Richtung Graben. Erst bei "My Will Be Done" haben die in rot gekleideten Sicherheitskräfte des Grabens alle Hände voll zu tun. Band, Publikum und die Graben-Security geben zum Ende hin noch mal alles.


15.30 (TS) SKÁLMÖLD
Statistisch gesehen ist Island neben Finnland das Land mit der größten Metalband-Dichte. An Bands wie SKÁLMÖLD kann man sehen, dass da nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität stimmt. Ihr von isländischem Folk beeinflusster Melodic Death donnert an diesem letzten Festivaltag wunderschön von der T-Stage. Abwechselnd laden harte Passagen zum Headbangen ein und versetzen einen gefühlvolle und melodische Soli ins Schwärmen. Mit gleich drei Gitarristen gelingt der Gruppe aus Reykjavik eine Vielschichtigkeit bei der Gitarrenarbeit, die immer wieder für Staunen sorgt. Auch an den Mikrofonen geht so einiges ab, denn alle sechs Bandmitglieder bringen sich stimmlich ein, manchmal sogar alle auf einmal. Die Band ist außerdem zu einem richtigen Familienunternehmen geworden und setzt sich momentan zu 50% aus Geschwistern zusammen. Durch eine zeitliche Überschneidung mit KORPIKLAANI leert sich das Zelt gegen Ende der Show zwar etwas, der Andrang zu Beginn beweist aber, wie beliebt SKÁLMÖLD in der deutschen Szene mittlerweile sind. Alle, die es wegen des Timings nicht geschafft haben, dürfen sich im Herbst auf eine gemeinsame Tour mit KORPIKLAANI freuen.


16.10 (MS) KORPIKLAANI
Im Sprint geht es für so machen von der Tent Stage, wo SKÁLMÖLD vom Publikum gerade gebührend in den Feierabend verabschiedet wurden, zur Main Stage, wo die Waldschrate von KORPIKLAANI bereits voll in Aktion sind. Highlights wie „Vodka“ und „Beer Beer“ befinden sich ohnehin weiter hinten im Set. Zum Stil der Finnen muss eigentlich nicht viel gesagt werden, nur so viel: sie haben den Humpa Metal perfektioniert. Vor der Bühne gibt es bereits zu Anfang der Show für viele kein Halten mehr. Wo Platz ist wird ausgelassen getanzt und wo kein Platz ist wird eben Platz gemacht. So entstehen ein Humpa-Circle, ein flächendeckendes Ruderboot, das der Kamerakran gar nicht mehr ganz ins Bild bekommt. KORPIKLAANI sind auch als eine der Bands bekannt, bei denen so ziemlich alles möglich ist, und so fliegen dann auch aufgeblasenen Kondome, Gummipuppen, und jede Menge Crowdsurfer, zum Teil mit erhobenen Trinkhörnern. Mitgesungen werden kann aufgrund der vorwiegend finnischen Texte eher weniger, doch gerade bei den englischsprachigen Stücken und beim allbekannten Lalalei ist die Menge dann wieder dabei. Wo fremdsprachige Texte für manche Bands ein Problem bei der Motivation des Publikums bedeuten, heißt es bei KORPIKLAANI eher „keiner versteht was, aber alle haben Spaß“. Die Band ist aber nicht nur etwas für den Alkohol liebenden Party-Besucher, sondern auch für diejenigen, die auf Folk Metal mit Qualität stehen. Gegen Ende regieren dann aber doch die Sauflieder, man hat ja schließlich auch einen Ruf zu wahren.

 


16.15 (CS) SLAUGHTERDAY
Old School Death Metal wird dieses Jahr auf dem SUMMER BREEZE mit Bands wie ENTOMBED A.D. und UNLEASHED ganz groß geschrieben. Aber auch die jüngeren SLAUGHTERDAY halten diese Fahne hoch und tragen ihren Teil dazu bei, dass die alte Schule nicht in Vergessenheit gerät. Routiniert und selbstsicher präsentieren die Niedersachsen bewährte Songs aus ihrem Repertoire, aber auch den Opener ihres aktuellen Albums. In der Menschenmenge klaffen zwar hier und da Lücken und die Reihen könnten enger stehen. Diejenigen, die den Weg zu SLAUGHTERDAY gefunden haben, werden allerdings vom schwerfälligen, schleppenden Sound überzeugt und mitgerissen. Vergleiche mit den Vorbildern müssen SLAUGHTERDAY nicht scheuen. Obwohl sie eher selten headbangen und sich völlig konzentriert ihren Instrumenten hingeben, sind ihre Songs der beste Soundtrack für ein intensives Nackenmuskel-Training. Der Auftritt wird mit „Cosmic Horror“ komplettiert, einem Song vom ersten Demo, das seinerzeit stilecht auf Kassette erschien, denn den richtigen Geschmack haben die Jungs definitiv.


16.45 (TS) CLITEATER
Die Mühlen des Circlepits mahlen wieder: CLITEATER aus den Niederlanden sind auf der T-Stage zu Gast und sorgen für eine amtliche Zerlegung, bei der die Fans von den genretypisch kurzen Songs bestens unterhalten werden. Der Goregrind der Niederländer geht direkt ins Genick und nimmt dabei gleich den ganzen Körper mit. Sänger Joost Silvrants feuert die Menge zusätzlich an. Mal springt er aufs Podest der Drums, nur um im nächsten Moment über die Bühne zu stürmen oder sich wild growlend auf dem Boden zu wälzen. Mit Erfolg, denn schon bei „Nuke Them All“ erheben sich die ersten Crowdsurfer über die dicht gedrängte Menge. Sie stehen in Konkurrenz zu dutzenden aufblasbaren Tieren, Luftballons und Wasserbällen. Heimlicher Star ist ein großes, grünes Krokodil, das Runde um Runde im Circle Pit dreht. Die Wasserbälle fliegen bis auf die Bühne und werden virtuos zurückgekickt oder sogar geköpft. Der Enthusiasmus der Goregrind-Combo sucht seines Gleichen und ist höchst ansteckend.

 


17.15 (PS) D*A*D
Bekanntermaßen gehen D*A*D humortechnisch gerne da hin, wo es weh tut - heute also auf die Pain Stage. Die Devise für die ausschließlich aus Klassikern bestehende Setlist gibt Frontmann Jesper Binzer in einer seiner charmanten Ansagen aus: "Keine Nostalgie, nur Energie!". Zugegeben, wenn der Däne mal ordentlich loslegt, dürften die meisten Anwesenden bestenfalls die Hälfte verstehen, angesichts seines putzigen Akzents kommt man aus dem Grinsen jedoch so schnell nicht wieder heraus. Überhaupt stehen D*A*D - oder mit vollem Namen DISNEYLAND AFTER DARK, wie das Backdrop nicht verschweigt - für Gute-Laune-Rock, der den unvermeidlichen AC/DC hinreichend ähnelt, um gleichermaßen universell zu zünden und praktisch jede Menge zum Ausrasten zu bringen. Mit zirkusreifen Outfits und Stig Pedersens transparentem Bass setzt die Band auch optische Highlights. Im Mittelpunkt steht jedoch schnörkelloser Rock, bei dem von Laust Sonnes präzisem Drumming bis hin zu den Mark-Knopfler-Gedächtnis-Gitarren-Soli einfach alles stimmt. Und dass "Sleeping My Day Away" nicht nur der größte Hit der Dänen ist, sondern auch den Tag nach dem Festival treffend beschreibt, hat die Band ebenfalls trefflich erkannt.

 


17.30 (CS) TRAITOR
Auf der Bühne ertönt das Knacken eines Strahlenmessgeräts. Die Gitarristen tragen Shirts von DEATH ANGEL und KREATOR. Somit ist allen Anwesenden schon vor dem ersten Ton der Band klar: bei TRAITOR regiert Old School Thrash Metal. Überraschenderweise ist ihr Schlagzeuger Andreas Mozer für den Gesang zuständig. Eine sehr ungewöhnliche Konstellation, die aber dafür sorgt, dass Bass- und Gitarrenfraktion totale Bewegungsfreiheit haben. Und die nutzen sie auch, um die Camel Stage vollkommen auszufüllen, inklusive ausgiebigem Headbangen. Im Publikum kreist ein Circle Pit nach dem anderen. "Wie das funktioniert wisst ihr ja schon, aber macht das größer, ihr seid viele Leute", stacheln TRAITOR ihre Fans noch weiter an. Bei "Teutonic Storm" werden die Balinger auf der Bühne von Burkhard Schmitt (HATE SQUAD) als Gastsänger unterstützt. Beim anschließenden "Lords Of Lust" reckt die gesamte Crowd dann ihre Fäuste im Takt in die Luft. TRAITOR verlassen zu lauthalsen "Zugabe"-Rufen die Bühne. So in etwa müssen sich die frühen Auftritte der Bay-Area-Legenden in den 80ern wohl angefühlt haben.


18.00 (TS) ROTTEN SOUND
Die Reihen im großen Zelt haben sich etwas gelichtet, als die finnischen Veteranen von ROTTEN SOUND dem SUMMER BREEZE zeigen, was Grindcore heißt. Ihre aggressiv-energetische, aber an den richtigen Stellen auch brachial-walzende Spielweise bringt den Circle Pit wieder in Gang. Die Raserei auf der Bühne steckt allerdings nur nach und nach die Menge an. Und so geht den Moshern ein ums andere Mal die Luft aus. Dabei gibt Schlagzeuger Sami Latva wirklich alles und muss schon nach kürzester Zeit zu den Reservesticks greifen. Er ist der Herzschrittmacher der Band, bestimmt wann die Songs beginnen und gibt Signale an die anderen Bandmitglieder. Sänger Keijo Niinimiaa bedankt sich nach jedem Song auf Deutsch oder Englisch und trägt mit seiner bescheidenen Art zum sympathischen Eindruck der Band bei. Nicht nur diesen hinterlassen ROTTEN SOUND, sondern auch eine verwüstete Bühne, auf der sich die Bruchstücke der Drumsticks verteilen.

 


18.20 (MS) SUBWAY TO SALLY
Während des Auftritts der Berliner Mittelalter-Rocker beginnen die ersten Regentropfen dieses Festivalabends zu fallen. Doch was bereits Tage zuvor bei SABATON geklappt hat, taugt auch für SUBWAY TO SALLY: die Hitze, die von den großzügig eingesetzten Flammensäulen abstrahlt, hilft dabei, die Klamotten rasch wieder trocken werden zu lassen. Und für den Rest hilft ein wenig sportliche Betätigung in Form von Hüpfen, Klatschen oder dem von Sänger Eric Fish geforderten Circle-Pit. Die Band spielt ihre Routine gekonnt aus und erntet entsprechend großen Beifall. So schlagen sich Stücke jüngeren Datums wie "Grausame Schwester" oder "Arme Ellen Schmitt" vom jüngsten SUBWAY-TO-SALLY-Silberling "Mitgift" nur unwesentlich schlechter als die großen Klassiker, die sich in der zweiten Set-Hälfte nahtlos aneinander reihen. Die Frage, wer von den Anwesenden tätowiert sei, spaltet die Menge zur Überraschung von Eric Fish ziemlich genau hälftig. Das sich anschließende "Kleid Aus Rosen" vereinigt beide Parteien jedoch sofort wieder, um den Text des Evergreens gemeinsam aus voller Kehle mitzusingen. Den Lautstärkerekord bricht das Publikum aber natürlich am Ende, als die "Räuber saufen Blut!"-Chöre noch lange übers Festivalgelände hallen, als die Band die Bühne schon längst wieder in Richtung Artist Bereich verlassen hat.


18.45 (CS) NIM VIND
Über schlechtes Wetter freut sich auf einem Festival niemand so richtig, aber wenn es auf dem diesjährigen SUMMER BREEZE eine Band gibt, der düstere Wolkenteppiche und Nieselregen irgendwie stehen, dann sind es vermutlich die Horrorpunkrocker von NIM VIND. Der Bandname ist gleichzeitig auch das Pseudonym von Frontmann Chris Kirkham, der dem Projekt seit 2005 seinen herrlich schrägen Stempel aufsetzt. Am heutigen Abend freuen sich über die eklektische Formation einige tapfere Fans, die dem heraufziehenden Unwetter zum Trotz ein Näschen Horror schnüffeln wollen. Dabei spielt das Trio zwar düster-übersteuerten Rock, umschifft gängige Klischees des „Horror“-Genres aber weiträumig. Stattdessen präsentieren NIM VIND eingängige Songs mit schräger Finesse, Partyfaktor und mehrstimmigem Gesang, während vom Balkon eine Gummipuppe wedelt. Bevor sich die sympathischen Kanadier vom Publikum verabschieden, weisen sie noch darauf hin, dass sie zu fortgeschrittener Stunde mit den aktuellen Tourpartnern von ARGYLE GOOLSBY erneut auf der Bühne stehen werden. Man darf gespannt sein!

 


19.15 (TS) NOCTE OBDUCTA
Wenn Headbangen eine Tanzart ist, dann ist die Musik NOCTE OBDUCTAs definitiv tanzbar. Beim SUMMER BREEZE weiß man das schon, schließlich waren die altgedienten Black Metaller zuletzt 2013 zu Besuch. Sie bringen souverän ihre altgedienten Songs wie den Klassiker „Und Pan spielt die Flöte“ auf den Punkt. Aber auch Material vom überzeugenden, neuen Album wird diverses vorgetragen. Beides kommt bei den zahlreich erschienenen Fans bestens an. Insgesamt herrscht eine sehr familiäre, geradezu intime Stimmung im Zelt, die Ausdruck der engen Bindung zwischen Fans und Band ist. Mit geschlossenen Augen wird versucht die dichte Atmosphäre aufzusaugen und zu verinnerlichen. Kurios ist der Bassist, der mit weißem Ananas-T-Shirt vor dem Schlagzeug steht und sich sichtlich zurückhält, um nicht die sonst eher schlichte, zurückhaltende Präsentation zu stören. Die Bühnenshow wird bestimmt von Sänger Torsten Hirsch, dessen Performance dynamisch und bodenständig wirkt. Er beendet den Auftritt mit folgenden Worten: „Ihr seid unfassbar! Vielen, vielen herzlichen Dank!“

 


19.25 (PS) PAIN
PAIN auf der Pain Stage – das verspricht Nackenschmerzen! Das Partyquartett um Mastermind Peter Tägtgren steht kurz vor der Veröffentlichung des achten Studioalbums "Coming Home" und lässt es am heutigen Abend vor einem riesigen Zuschauerheer so richtig krachen. Eine Kostprobe vom neuen Album bieten die Schweden nicht – vielleicht hat dafür die Zeit nicht gereicht. Schließlich hat Tägtgren seit der Geburt seines Projektes vor rund 20 Jahren einen Gassenhauer nach dem nächsten in die Welt gesetzt. Tatsächlich erläutert er das Dilemma: Die Erkrankung des Tourkeyboarders macht die Präsentation neuer Songs spontan unmöglich. Stattdessen prügeln PAIN von "Same Old Song" über "End Of The Line" bis "Shut Your Mouth" zum charakteristisch-unwiderstehlichen Technovibe einen altbekannten Ohrwurm nach dem nächsten in die Menge. Die Keyboardpassagen kommen hierzu ausnahmsweise vom Band. Das Publikum reagiert textsicher mit einer Vollbedienung fürs Grabenpersonal. Zu "Dirty Woman" grinst Fronter Tägtgren aus seiner schmutzig-weißen Zwangsjacke in die Menge. "Ich weiß, dass ihr alle "dirty women" seid!" Der Zustand hält leider nicht lange an, da sich in diesem Moment einer der hartnäckigeren Regengüsse des diesjährigen SUMMER BREEZE über die Köpfe der Zuschauer ergießt. Macht nix, findet die Menge, und tanzt im Regen weiter. Wem am Ende der Nacken nicht schmerzt, der hat was falsch gemacht: Mission PAIN erfüllt!

 


20.00 (CS) HARAKIRI FOR THE SKY
So wollten HARAKIRI FOR THE SKY ihren Opener „Calling The Rain“ sicherlich nicht verstanden wissen. Kurz vor dem Auftritt der Österreicher wird es auf dem SUMMER BREEZE richtig ungemütlich, die schon den ganzen Tag über dem Gelände hängende Wolkendecke macht ernst und lässt den ersten Schauer ab. Davon lassen sich die in ordentlicher Zahl angetretenen Fans aber nicht verscheuchen, auch wenn sie einen nicht in jeder Hinsicht optimalen Auftritt der Post-Rocker erleben. Die ersten paar Sekunden vergisst der Tonmeister schlicht, die Regler aufzudrehen und lässt HARAKIRI FOR THE SKY somit A capella moshen – was zugegebenermaßen schon recht witzig aussieht. Auch in der Folge ist der Sound nicht optimal austariert, die Gitarren sind beispielsweise etwas leise und verwaschen. Trotzdem bieten die vier gebotenen Songs aus melancholischem Post Rock und deutlichen Black Metal-Anleihen die perfekte Untermalung für den trüben Abendhimmel. Die fünf Salzburger haben keinerlei Probleme, die Pommesgabeln in die Luft schnellen und vereinzelte Crowdsurfer über die Köpfe fliegen zu lassen. Zum Ende von „Funeral Dreams“ meint es dann auch das Wetter gut mit HARAKIRI FOR THE SKY und legt für den Rest der Show eine Regenpause ein.

 


20:30 (MS) STEEL PANTHER
Als mit dem Einbruch der Dunkelheit die Zeit für den Auftritt von STEEL PANTHER gekommen war, deutete nichts darauf hin, was in den folgenden 75 Minuten passieren sollte. Wer sich im Vorfeld mit der Band beschäftigt hatte, wusste von ihrer ironischen Spiegelung der 80er-Hair Metal-Bands wie POISON oder auch MÖTLEY CRÜE. Auch ihre fast kultische Verehrung der weiblichen Brust war im Vorfeld wohl kaum jemandem verborgen geblieben und abseits davon wusste man von Perücken, Lippenstift und mächtigen Mengen an Haarspray. Auch die fast schon spartanische Bühnendeko - ein den Bühnenhintergrund flächig füllendes Backdrop mit dem Schriftzug der Band - lässt nicht erahnen was folgen würde. Dicht gedrängt harren die Massen vor der Bühne aus und auch der einsetzende Regen veranlasst kaum jemanden zum Gehen. Unter tosendem Applaus preschen die vier stählernen Panther an ihre Positionen und legen mit „Eyes Of A Panther“ und „Tomorrow Night“ los. Viel vom Inhalt der Texte geht im Sound und dem Regen unter, dafür geraten die ausufernden Ansagen zwischen den Songs umso schlüpfriger. Gitarrist Satchel und Sänger Michael Starr preisen das deutsche Publikum im Allgemeinen und die Frauen im Besonderen bevor schon bald die überschaubaren und thematisch limitierten Deutschkenntnisse präsentiert werden. „Bitte zeig mir deine Titten!“ war wohl die Hauptforderung und schlecken wollten sie auch noch irgendwas… Nun ist das ja ein allseits gern gespieltes Spielchen im Livezirkus, das Publikum in der just besuchten Stadt ist natürlich immer das allerbeste, nie hat man ein tolleres Publikum erlebt usw. und so fort. Aber hier und heute springt wohl nicht nur ein Funke von der tight agierenden Band aufs Publikum über, es kommt in der Folge zu einer langanhaltenden wechselseitigen Mega-Stromstoß-Entladung und mit jedem Song eskaliert die Show zusehends. Die breit grinsenden Musiker stimmen spontan eine „Summer Breeze“-Coverversion an, die sie dann sogar mehrfach variieren; vom Original, über eine Rock- bis zu einer Metalversion. Bei „Party Like Tomorrow“ feiert und grölt der ganze Platz bevor Satchel nach „Turn Out The Lights“ tatsächlich zum Gitarrensolo ansetzt. So etwas wird ja gerne mal zum Bierholen genutzt, aber Satchel schafft es selbst diesem Klischee eine neue Dimension zu verpassen indem er nämlich parallel zum imposanten Fingergeflitze auch noch mit den Füßen die Bassdrum des Schlagzeugs bedient und das Publikum begeistert die so angespielten ewigen Metalhits wie z.B. „Smoke On The Water“, „Master Of Puppets“, „Sweet Child Of Mine“ und natürlich „Iron Man“ abfeiert. Zuerst reißen sich nur vereinzelte Mädels ihre Oberbekleidung vom Leib, später dann immer mehr und ein sichtlich strahlender Sänger weist irgendwann dann die Security im Graben an einfach alle Mädels auf die Bühne zu lassen – so lange sie riesige Brüste haben. Ob er selbst damit gerechnet hat, dass dann später tatsächlich ca. 30 wenig oder auch gar nicht mehr bekleidete Mädels mit ihm auf der Bühne ausflippen? Das ist so eine Show, von der man noch seinen Enkeln erzählen wird – und die müssen das dann sogar glauben, denn dieses Internet vergisst nichts! Ach ja, ein riesiger aufblasbarer Penis aus dem Publikum spielte dann auch noch eine Rolle, aber lassen wir das. Episches Ding das – also die Show natürlich!

 


20.30 (TS) ILLDISPOSED
ILLDISPOSED sind auf dem SUMMER BREEZE seit jeher ein Garant für einen brachialen Abriss. Schade nur, dass die swuulen Nutten aus Dänemark dieses Mal die ersten fünf Minuten ihrer dreiviertelstündigen Spielzeit erstmal für zwei Intros verschwenden, bevor ein sichtlich verkaterter Bo Summer in einem "Je suis Illdisposed"-Shirt auf die Bühne wankt und sich zu „I Believe In Me“ guttural auskotzt. Im Vergleich zum Auftritt vor drei Jahren ist vor der T-Stage zwar nicht ganz so viel los aber damals spielten ILLDISPOSED ja auch an einem sonnigen ersten und nicht an einem verregneten letzten Tag. Nichtsdestotrotz zeigen die altgedienten Skandinavier, wieso sie live immer noch eine sichere Nummer sind. Abgesehen von der eh exzellenten Songauswahl, die beinahe jede Schaffensphase abdeckt, bekommen ILLDISPOSED einen standesgemäß fetten Sound auf den Leib geschneidert, mit dem vor allem die Drums alles niederwalzen, was im ersten Drittel des Sets noch nicht die Haare fliegen lässt. Im Verlauf taut dann auch Bo ein wenig auf, legt seine Hüftsteifigkeit ab und macht das, was er neben übelst tief growlen am besten kann: pöbeln und Gott und die Welt inklusive Publikum beleidigen. Dieses Mal gibt es u.a. Stories über homosexuelle Wikinger aus dem schwedischen Nachbarland, Angela Merkel, wie Bo auf dem Weg zum SUMMER BREEZE an der A7 in den Wald geköttelt hat und dass es ihm ganz recht ist, nur 45 Minuten zu spielen, weil er dann nämlich mehr Zeit zum Saufen und an sich rumspielen im Drei-Mann-Zelt hat. Bis dahin gibt es aber noch Gassenhauer wie „Dark“ oder die übermächtige BOLT THROWER-Hommage „Throw Your Bolts“, die auch dieses Mal keinen Stein auf dem anderen lassen.


21:15 (CS) MR. HURLEY & DIE PULVERAFFEN
Kein Sturm besiegt die Pulveraffen! Unsere „Lieblingspiratenband aus dem karibischen Osnabrück“ zieht bei strömendem Regen spektakuläre 1000 Fans vor die Camel-Stage und das, obwohl zeitgleich auf der Hauptbühne STEEL PANTHER zu sehen sind. Eine Tonbandansage stellt die beiden Seefahrer Mr. Hurley und Buckteeth Bannock kurz vor. In Anbetracht der zahllosen Piratenhüte und Aufblassäbel vor der Bühne hätte man sich das aber offensichtlich sparen können. Um den richtigen Piratenvibe zu erzeugen, haben die Osnabrücker Seemänner neben einem einäugigen Schlagzeuger und einem Stück Tau am Mikrofonstand auch tanzende Frauen dabei. Ms. Ivy Cox und Pegleg Peggy stürmen zum "Plankentanz" die Bühne und führen eine Art Macarena auf, was von den textsicheren Fans bereitwillig kopiert wird. Dazu werden ganz piratisch neben Säbeln auch auffallend viele Aufblasbananen geschwenkt und spätestens ab dem zweiten Titel "Booty Island" fliegen den Grabenschlampen die Zuschauer in Scharen in die Arme - darunter mehrere Pikachus, Aluthutträger und das obligatorische Einhorn. Und falls dennoch jemand Zweifel hat, dass MR. HURLEY und sein Haufen es mit STEEL PANTHER aufnehmen können, ziehen gleich mehrere Damen vor der Pirantenkombo blank. Völlig zu Recht fordern die Seefahrer abschließend die Fans auf, eine Petition zu unterschreiben, damit das Schiff aus Osnabrück zukünftig auf eine der Hauptbühnen anlegen kann. Ein Meer aus Fans hätten die Pulveraffen sicher auch dort vor sich!

 


21.45 (TS) NAPALM DEATH
Können NAPALM DEATH überhaupt eine schlechte Show spielen? Die Antwort ist ein ganz klares Nein! Es ist immer wieder erstaunlich, wie die UK-Legenden in das scheinbare Chaos ihrer Live-Auftritte Ordnung bringen und die umherschwirrenden Grind-, Death- und Hardcore-Versatzstücke zu einem perfekt eingespielten, mächtig durchschlagenden Ganzen zusammenfügen. Seit dem letzten SUMMER BREEZE-Auftritt 2012 hat sich in Punkto Qualität, Unterhaltungsfaktor und Ehrlichkeit bei NAPALM DEATH nicht das Geringste verändert, ergo weiß man, was man kriegt: einen unermüdlich über die Bühne flitzenden Barney Greenway, den Präzisionstacker Danny Herrera hinter den Kesseln sowie Kult-Basser Shane Embury, bei dessen Spielstil es an ein Wunder grenzt, dass er nicht bei jeder Show mit seiner Greifhand den Basshals zerquetscht. Ersatzgitarrist John Cooke mag als Brüllwürfel am Mikro zwar weniger als der seit zwei Jahren pausierende Mitch Harris beschäftigt sein, steht ihm spieltechnisch aber in nichts nach. Als kleine Verschnaufpause zwischen all dem Highspeed-Geballer gönnen sich NAPALM DEATH sogar das vergleichsweise doomige „Dear Slum Landlord...“, was nur ein weiteres Qualitätsmerkmal verdeutlicht: bei dem schier unerschöpflichen Fundus an Songs aus 35 Jahren Bandgeschichte können es sich NAPALM DEATH erlauben, die Setlist im Vergleich zum letzten Gig in Dinkelsbühl fast komplett umzustellen. Wobei natürlich die obligatorischen Klassiker wie „Suffer The Children“, „Scum“, „Nazi Punks Fuck Off“ (von Sprechchören begleitet) oder „You Suffer“ (natürlich hart abgefeiert) nicht fehlen dürfen. Zusammen mit den eindringlichen Ansagen Barney Greenways, die jegliche Missstände politischer, religiöser und gesellschaftlicher Art anprangern und viel Zuspruch vom Publikum bekommen, addieren NAPALM DEATH einen weiteren glorreichen Auftritt zu ihrer beeindrucken Karriere.


21.50 (PS) BLUES PILLS
Vor der Pain Stage ist auch noch das letzte Stückchen Platz belegt. Das Publikum steht sich trotz des Regens bis weit in den Main Stage-Bereich die Beine in den Bauch. Alle warten auf den Auftritt der Senkrechtstarter BLUES PILLS. Die haben mit ihrem neuen Album "Lady In Gold" gerade Platz eins der deutschen Charts erreicht. Umso größer ist die Spannung wie sich das neue Material der Band in der Livedarbietung schlägt. Ohne jegliches Intro betreten BLUES PILLS die Bühne. Sängerin Elin trägt einen hautengen, dunklen Catsuit und ist wie immer barfuß. Überraschend ist, dass das Quartett von einem zusätzlichen Live-Musiker unterstützt wird. Der wechselt im Laufe des Auftritts je nach Bedarf zwischen Keyboard und Gitarre. Als Einstieg gibt es das soulige Titelstück der neuen Platte. Schnell zeigt sich, dass die neuen Songs auch in der reduzierteren Live-Darbietung ihre volle Wirkung entfalten. Denn BLUES PILLS agieren mit einer unglaublichen Spielfreude wie sie nur die allerwenigsten Bands auf die Bühne bringen. Auch die fehlenden Chöre fallen gar nicht weiter ins Gewicht. Warum? Weil Elin Larsson einfach eine so herausragende und einzigartige Sängerin ist. Mit ihrer kraftvollen Stimme sorgt sie ein ums andere Mal für Gänsehaut, bis manch einem gar die Freudentränen in die Augen schießen. Noch dazu zeigt sie sich extrem leidenschaftlich und bewegungsfreudig. Da ist sogar ein Abstecher in den anhaltenden Regenschauer drin. Vor dem Coversong "Elements And Things" bittet sie das Publikum doch mit ihr zu tanzen und dem kommen die Fans ohne Umschweife nach. Gitarrenwunder Dorian Sorriaux versinkt derweil voll und ganz in seinem Gitarrenspiel. Immer wieder nutzt er die ausgiebigen Instrumentalpassagen für gefühlvolle und über weite Strecken improvisierte Soli. Vom "Höher, Schneller, Weiter"-Wahn anderer Gitarristen ist er meilenweit entfernt, hier ist ein Virtuose am Werk. Offensichtlich haben BLUES PILLS in den Monaten seit ihrer letzten Tour ordentlich Energie getankt, denn mit dem neuen Album im Gepäck hat sich diese ohnehin schon grandiose Live-Band erneut gesteigert und liefert ein Weltklasse Konzert ohne gleichen ab!

 


22.45 (CS) KNEIPENTERRORISTEN
Zum Abschluss der Camel Stage kreist nochmal die Asi-Keule. Songs über Bier, Brüste, Fußball und Rock ‘n‘ Roll sind scheinbar genau das, was nach vier langen, bierseligen Tagen bei einer Handvoll Kneipengängern nochmal richtig zündet. Wobei: das SUMMER BREEZE hat schon gewaltigere Rausschmeisser auf seiner kleinsten Bühne gesehen. Der mit geräucherter Reibeisenstimme gesegnete und Bierkrug schwingende Fronter Jörn Rüter macht noch den besten Eindruck und zeigt, dass sie bestens im Stande ist, selbst komplett ausgelaugte Fans noch einmal zu Höchstleistungen zu motivieren. Die Sechs- und Viersaiter stehen dagegen etwas passiv in der Gegend herum, so sie denn nicht die Backing-Vocals zu den zahlreichen Mitgröhlrefrains beisteuern. Sei’s drum, die Durchnässten vor der Bühne lassen sich nochmal den letzten Tropfen Party-Stimmung rausquetschen und einige sich sogar über die Köpfe hinwegtragen. So gesehen entfaltet der erdige Deutschrock genau seine gewollte Wirkung.

 


22.55 (MS) PARKWAY DRIVE
Die Metalcore-Fans dieser Erde oder zumindest des diesjährigen SUMMER BREEZE haben wohl nichts sehnlicher erwartet als den Auftritt von PARKWAY DRIVE. Das Quintett beschließt das Programm auf der Main Stage. Und damit es ein würdiger Abschluss wird, haben die Australier weder Kosten noch Mühen gescheut. Schon beim eröffnenden "Destroyer" werden auf der Bühne die ersten Knaller gezündet. Im weiteren Verlauf des Konzerts beeindruckt vor allem die spektakuläre Lichtshow, in deren Schatten die Band oft beinahe winzig wirkt. Nach dem zweiten Song erkundigt sich Frontmann Winston McCall, ob im Publikum alles in Ordnung ist. Der frenetische Applaus spricht eine deutliche Sprache. Anschließend fordert er die Fans dazu auf im Takt mitzuhüpfen – wobei er sich die Aufforderung getrost hätte sparen können, denn die Crowd ist von der ersten Sekunde an derart bewegungsfreudig, wie man es sich als Band nur wünschen kann. Jeder Breakdown wird zum Moshen genutzt, bei jedem melodischen Refrain wird lauthals mitgesungen und es wird immer wieder eifrig im Kreis gerannt. Trotzdem ruft McCall die Fans immer wieder zu noch mehr Action auf. Vor "Dedicated" heißt es: "We wrote this song for you to move. We wrote this song for you to bang your heads!" Dem kommt das Publikum auch gnadenlos nach. Ein weiteres Highlight ist "Karma". Als schnellster Song des Abends angekündigt, fordern PARKWAY DRIVE auch den größten Circle Pit ein, der prompt geliefert wird. Aufgrund einer kleinen Technikpanne muss der Song ein zweites Mal gestartet werden, der Stimmung tut die kurze Unterbrechung allerdings keinen Abbruch. Die Fans feiern bis zum Schluss eine riesige Party und zwar sowohl bei den derberen, älteren Song, als auch bei den fast schon poppigen Songs jüngeren Datums. Für ihren durchgehend hohen Energiepegel werden alle am Ende noch mit einem schicken Feuerwerk belohnt.

 


23.15 (TS) MY DYING BRIDE
Draußen ist es bereits lange dunkel, und im Zelt wird es jetzt gefühlt sogar noch dunkler: MY DYING BRIDE ziehen mit versteinerten Mienen auf die Bühne und saugen den letzten Rest Hoffnung aus der Festivalwelt der Zuschauer. Wie kaum eine andere Band können die Briten die Verdammnis vertonen. Zum Auftakt packen sie mit "Your River" daher stilecht einen rund 23-jährigen Klassiker aus. Die tieftraurige Klangwand versiegelt das Zelt und MY DYING BRIDE bringen es fertig, auf einem Sommerfestival einen Auftritt zu absolvieren, der wirkt wie ein Clubkonzert im tiefsten Winter: Vergessen sind Einhornkostüme und Flunky-Ball-Turniere. Stattdessen regiert der Doom, trefflich inszeniert mit dem Titel "Feel The Misery" vom gleichnamigen Album-Meisterwerk von 2016. Damit fesseln sie ihr Publikum, dessen Durchschnittsalter deutlich über dem der Besuchergesamtmasse liegen dürfte, bis zur letzten Bassvibration. Besonders viel Beifall kassieren MY DYING BRIDE für "My Father Left Forever", ebenfalls von "Feel The Misery", das deutlich zügiger vorgetragen wird, als die Albumversion. Zum Abschluss schaltet die Band hingegen einen Gang runter: Zu "She Is The Dark" empfiehlt Sänger Aaron Stainthorpe den Zuschauern, sich seinen Liebhaber oder die Person, die es werden soll, zu schnappen. Wer knapp zehn Minuten später das Zelt nicht händchenhaltend und totunglüklich verlässt, hat den Schuss nicht gehört. Da hilft dann wohl nur Flunky-Ball im Einhornkostüm.

 


00.15 (CS) ZODIAC
ZODIAC betreten die Camel-Stage als PARKWAY DRIVE auf der Hauptbühne gerade die letzten Takte anstimmen. Also alles andere als ein leichter Slot, um mit hypnotischem Hardrock die Massen zu begeistern. Entsprechend krallen sich nicht gar so viele Fans und Neugierige an die Absperrung vor der ambitionierten Band aus Münster. ZODIAC lassen sich davon nicht beirren und klampfen sich mit ihrem basslastigen Psychedelic-Sound in die Herzen der Anwesenden. Von dem Besucherstrom, der inzwischen die Main Stage in Richtung Zeltplatz verlässt, gibt es mit gutem Grund manchen Überläufer, der vor der Camel Stage verharrt. Köpfe nicken und Füße wippen, während sich Ohrwürmer wie "Rebirth By Fire" und "Follow You" in die Nacht bohren. Den letzten Song "Coming Home" präsentiert das charismatische Quartett alsso vor deutlich mehr Zuschauern als zu Beginn ihres Sets und erntet verdient einen enthusiastischen Applaus, bevor alle in die nass-kalte Dunkelheit entlassen werden.

 


00.30 (PS) KATATONIA
Vor dunklem Firmament lassen sich die Regenwolken erahnen, die ihren kalten Guss auf das Heer von Zuschauern entleeren, das sich mitten in der Geisterstunde vor der Pain Stage aufgestellt hat, um den schwedischen Großmeistern von KATATONIA trotz aller Wetterwidrigkeiten zu lauschen. Der erschlankte Frontmann Jonas Renkse lässt wie gewohnt sein Gesicht hinter einem Vorhang aus Haaren verschwinden. Dass ihn der Anblick der Massen vor der Bühne nicht unberührt lässt, ist dennoch deutlich zu spüren, als er sich beim Publikum für das zahlreiche Erscheinen trotz Regenwetters bedankt. Für eine ordentliche Gänsehaut sorgen heute Abend dann auch nicht Wind und Nässe, sondern die ersten Akkorde von "July", mit dem KATATONIA ihren Teil des Abends eröffnen. Bereits zum fünften Mal kann den melancholischen Klängen der Genrekreuzer auf dem SUMMER BREEZE gehuldigt werden. Wie kaum eine andere Band haben die Schweden um Jonas Renkse und Anders Nyström ihren Sound stetig weiter entwickelt und dennoch nie einem Klischee nachgegeben. Der große Andrang zu später Stunde ist somit keine Überraschung, auch wenn der Sänger verrät: "Wir waren nicht sicher, dass überhaupt Leute kommen..." Dennoch haben sich die Fünf ordentlich Mühe gegeben, ein spektakuläres Klangsüppchen zu kochen, das wie immer durch atmosphärische Dichte glänzt. Die Auswahl wird von Titeln des 2006-er Albums "The Great Cold Distance" dominiert, gespickt mit einigen Songs von "Dead End Kings" (2012) und dem im Mai erschienenen "The Fall Of Hearts". Dass die Band ihr Meilensteinalbum "Last Fair Deal Gone Done" zu Gunsten einer runden Zusammenstellung heute gänzlich ausspart, zeugt von der Größe ihres Gesamtwerks. Dafür servieren KATATONIA ihren Fans mit "Onward Into Battle" von "Night Is The New Day" ein besonders feines Häppchen, das schon länger nicht mehr live zum Besten gegeben wurde. Renkse gesteht im Anschluss: "Ich war ein bisschen nervös." Angemerkt hat man ihm das sicher nicht. KATATONIA kraulen kurz vor Ende des SUMMER BREEZE 2016 die Seelen ihrer Anhänger mit Ruhe und Weltschmerz - mit karitativem Anspruch. Schließlich seien nach drei Tagen Festival doch sicher alle ein wenig verkatert, befindet der Sänger. Man selbst habe jedenfalls ordentlich Party gemacht. Mit ihrem Auftritt sind sie heute wohl für viele Anwesenden der wichtigste Headliner und Höhepunkt der Veranstaltung. Weitere Worte sind da nur Verschwendung: Großartig!


00.45 (TS) PRIMORDIAL
Dunkel, feucht und kalt ist es draußen, ideale Bedingungen also für ein Konzert der irischen Pagan Metal-Epiker PRIMORDIAL, die in Begleitung eines epischen Intros auch die Bühne erklimmen und mit „Where Greater Men Have Fallen“ den Opener ihres Sets auf die Meute loslassen. Gewohnt agil flitzt A.A. Nemtheanga über die Bühne, gestikuliert wild und unterzieht das Publikum regelmäßig einem Stimmungstest, das diesen jederzeit mit Bravour meistert. PRIMORDIAL sind eben nach wie vor gern gesehene und gehörte Gäste beim Summer Breeze und sorgen auch dieses Mal für reichlich Gänsehaut, allen voran mit Klassikern wie „The Coffin Ships“ und „Empire Falls“, die unter großem Beifall entgegen genommen werden. Auch fragt A.A. Nemtheanga scherzend in die Runde, ob das Publikum, welches das Zelt der T-Stage zur Hälfte ausfüllt, denn vom KATATONIA-Konzert auf der Pain Stage wisse, das parallel zum nächtlichen Gig der Iren stattfindet – sehr zur Belustigung des Publikums. Das zeigt, dass auch zu dieser späten Stunde von eingeschlafener Stimmung keine Rede sein kann, sowohl Band als auch Publikum sind hellwach, gut aufgelegt und bestens aufeinander abgestimmt.


01.45 (CS) ARGYLE GOOLSBY AND THE ROVING MIDNIGHT
Wer stellt sich denn bitteschön um viertel vor zwei vor die Camel-Stage? Nachdem KATATONIA auch den ganz harten Festivalgängern Bettschwere in die Beine gezaubert haben? Bei Regen?! Nur ein paar Handvoll Leute können diese, eher rethorischen, Fragen kurz vorm Schlussakkord des SUMMER BREEZE 2016 mit "Ich!" beantworten. ARGYLE GOOLSBY aus den USA stört sich daran kein bisschen. Als THE ROVING MIDNIGHT hat er die kanadischen NIM VIND im Gepäck, die sich früher am Abend bereits die Ehre auf der Bühne gegeben haben, sowie deutschen Support an der Gitarre durch Jackal von THE CRIMSON GHOSTS. Trotz der späten Stunde, hüpft GOOLSBY wie ein junges Häschen über die Bühne, krabbelt auf Boxentowern herum oder lehnt sich tief in den Graben, während er mit seinem eingängigen Horror-Rock ordentlich Scooby-Doo-Atmosphäre versprüht und einen Tanzbeinkitzler nach dem nächsten raushaut. Dazu verzaubert er das Publikum mit ein paar Bröckchen Deutsch und ordentlich Selbstironie. Noch eine rethorische Frage: Wer schafft es bitteschön, um 2:45 Uhr (in Worten: Viertel vor drei!) als vorletzter Act auf einem dreitägigen Festival im strömenden Regen, seine Zuschauerzahl von anfänglich ca. 20 auf schlussendlich über hundert zu steigern und um drei (DREI! Kein Witz!) Zugaben angebettelt zu werden? ARGYLE GOOLSBY AND THE ROVING MIDNIGHT. Heimliche Headliner finden sich oft unverhofft. Und spät. GOOSLBY findet schließlich sogar die perfekten Schlussworte: "You got church in the morning. Go to bed!"


02.15 (TS) BATUSHKA
Es ist lange nach Mitternacht, als die Vorbereitungen für den Auftritt der letzten Band beginnen und sich eine erstaunlich große Anzahl hartgesottener Black Metal-Jünger vor der T-Stage einfindet. Rot-goldene Deckchen werden unter die Verstärker gelegt, Kerzen entzündet, ein Altar aufgebaut, Räucherwerk in Position gebracht und rituelle Gegenstände auf der Bühne verteilt. Mehrere orthodoxe, gesichtslose Ikonen-Darstellungen von Maria mit Kind überschatten die Szenerie und geben ihr eine feierliche Stimmung. Bis BATUHSKA weihrauchschwenkend die Bühne betreten, vergehen weitere Minuten. Die acht polnischen Musiker laufen schließlich barfuß ein. Jeder trägt die gleiche tiefschwarze Kutte mit spitzer Kapuze und weißen Bemalungen. Die umgedrehten Kreuze und Totenköpfe sind deutlich zu erkennen. Zusätzlich hüten graue Gesichtsmasken das Geheimnis um die Identität der Musiker. Statuenhaft, fast regungslos stehen Gitarristen und Background-Sänger auf der Bühne, während der Frontmann die blasphemische Andacht leitet. Allein sein Bauchumfang lässt ihn wie ein Mönch wirken. BATHUSKA wissen ganz genau, wie man durch die Verbindung sakraler Choräle mit religiöser Symbolik und doomigem Black Metal eine unfassbar dichte Atmosphäre kreiert und eine bis ins Detail stimmige Bühnenshow präsentiert. Die treibende Dramaturgie des Albums „Litourgiya“ adaptieren BATUHSKA eins zu eins, indem sie das gesamte Album von vorne bis hinten spielen. Insgesamt ein sehr kluger Schachzug, aber nicht die einzige wohlüberlegte Entscheidung, denn die Polen heben Black Metal-Performances durch ihre konsequente Konzeption und fulminante Inszenierung auf ein ganz neues Level. Auf diese Weise erlebt das SUMMER BREEZE ganz zum Schluss nochmal ein echtes Highlight.