Mittlerweile ist es für viele Leute wie die fünfte Jahreszeit, wie ein fixer Termin neben Geburtstag und vielleicht noch Weihnachten geworden: Ende August nimmt man, wenn man nicht eh schon seinen Sommerurlaub hat, Donnerstag und Freitag frei und wird für drei Tage Bürger der „Metal City-Abtsgmünd“, die Ostalb im Ausnahmezustand… Und auch wenn viel gemunkelt wurde über einen Umzug auf ein anderes, größeres Gelände, erneut wars der Festplatz am Rand von Abtsgmünd, der über drei Tage lang seinen Namen alle Ehre machte. Denn der Platz trägt wohl nicht unwesentlich bei zum ganz eigenen Charme des Festivals, das über die letzten Jahre kontinuierlich in der Gunst der Metalheads gestiegen ist. Das Gelände hat Charakter, wird von Fluss und Berghang umrahmt und ist unverwechselbar und eben nicht nur ein flaches Stück Land ohne Merkmale, das dann auch ohne weiteres austauschbar wäre. Weit über die Grenzen der Region hinaus zieht das Festival jedes Jahr mehr begeisterte Fans nach Abtsgmünd. Und auch in diesem Jahr waren wieder viele Fans aus aller Herren Ländern angereist. Entsprechend gesteigert hat sich mit jedem Jahr auch die Professionalität der Durchführung und der Organisationsaufwand, was einst mit einem Zelt und einem Klowagen begann ist mittlerweile ein aufwändig durchgeplantes Spektakel, das hauptberuflich gemanagt wird. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – und so beginnt die Planung fürs Festival meist unmittelbar nachdem die letzte Band die Bühne verlassen hat… Wie auch schon im letzten Jahr hat es zwei Bühnen geben, auf denen sich über drei Tage die 50 Bands abgewechselt haben. Im Gegensatz zum letzten Jahr gabs zwischen den Bands aber kurze Pausen, damit es wenigstens kleine akustische Verschnaufpausen gibt. Was sich über die Jahre als charakteristisch neben der familiären Atmosphäre, den fairen Preisen und dem freundlichen Team etabliert hat, wurde auch dieses Jahr beibehalten: Zusätzlich zu den grossen Headlinern gabs erneut auch ne Chance für regionale Newcomer-Bands und Gruppen ohne Plattenvertrag neben den Profis aufzutreten.

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  1. Summer Breeze 2003
  2. Freitag 22.08.2003
  3. Samstag 23.08.2003
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Sleepingodslie

Den Reigen eröffnen durften am Donnerstag um 14 Uhr die Münchner SLEEPINGODSLIE, die sich diesen Platz im Vorfeld durch das Gewinnen des Hammer-Nachwuchswettbewerbs gesichert haben. Was auf Konserve noch etwas gewöhnungsbedürftig war, ging live rockig, mit Elementen des modernen Metal und einem absoluten Sympathen am Mikro richtig schön nach vorne los. Von den bajuvarischen Herren wird man bestimmt noch hören.

Final Breath

Trotz der frühen Stunde konnten sich FINAL BREATH schon über ordentlichen Zuspruch vor der Painstage freuen und knüppelten sich entsprechend enthusiastisch durch ihre 25 minütige Spielzeit. Unter anderem gabs auch schon Perlen vom neuen Album zu hören, das zum Zeitpunkt des Festivals noch gar nicht auf dem Markt war. Erinnerte in den besten Momenten an Größen wie z.B. Testament. Kontrastreich gings danach auf der Mainstage weiter, sowohl optisch als auch akustisch. Denn die vier mageren Herren hatten weder lange Haare, trugen keine schwarzen oder benieteten Klamotten noch zelebrierten sie wirklichen Metal.

Sincere

Launigen angegrungten Rock mit ner guten Portion Punk ballerten die Belgier von SINCERE ins Volk und das mit einer Hingabe, dass sich doch tatsächlich eine ganze Menge der Anwesenden angetan zeigten. Das Set bestand natürlich hauptsächlich aus Nummern vom aktuellen Album „Darkside Escort Service“, das sie schon auf mehreren Touren (u.a. auch im Vorprogramm der Emil Bulls) vorgestellt haben.

Edenbridge

Gegen halb vier starteten dann EDENBRIDGE auf der kleiner Bühne. Als erste Gothic Bands des Tages wurden sie zu un-gothicmässiger Zeit trotzdem vom entsprechenden Publikum empfangen und unterstütz, so dass gegen später sogar bei der Ballade „Final Curtain“ die Stimmung im Publikum nicht sank, beachtlich! Der grazilen Sängerin fehlt es noch etwas an Souveränität, aber man spielt ja auch nicht jeden Tag vor derartigen Massen. Ähnlich gings auch mit der nächsten Band weiter, will sagen Gothic und Frau am Mikro. Die Blutblumen waren den Stammbesuchern sicher schon bekannt, auf der Hauptbühne waren sie aber zum ersten Mal zu sehen.

Bloodflowerz

Die BLOODFLOWERZ zeigten eine solide Show, hatten in letzter Zeit aber Umbesetzungen zu verarbeiten (neuer Mann an der Gitarre) und waren nicht ganz so mitreißend und überzeugend wie noch im letzten Jahr. Den Fans hats aber in jedem Fall zugesagt und so wurden die letzten zwei Songs „Fallen Angel“ und „Fire in Paradise“ auch entsprechend abgefeiert bevor nach einer halben Stunde auch schon wieder Schicht- bzw. Bühnenwechsel angesagt war.

Psychopunch

Der Gothic-Reigen war fürs erste vorbei, denn die vier Schweden von PSYCHOPUNCH rissen quasi vom ersten Ton an die Anwesenden mit ihrer eigenen Interpretation von Rock `n Roll mit. Cool bis in die Stiefelspitzen, mit sympathisch tiefergehängten Instrumenten, waren sie wohl die erste richtige Überraschung des Festivals, eine Band die vorher nur wenige auf dem Plan aber später umso mehr auf dem Einkaufszettel hatten. Folgerichtig gabs erste richtige Mosh-Pits. Pluspunkte und entsprechenden Applaus vom Publikum verdient sich die Band auch durch die Widmung eines Songs an die zwei verstorbenen Ramones.

Napalm Death

Donnerstag, kurz vor 18 Uhr und in Abtsgmünd gehen NAPALM DEATH auf die Bühne! Wenn mir das jemand vor 5 Jahren erzählt hätte, hätte ich ihn wohl einweisen lassen… An den kurzhaarigen Barney hat man sich mittlerweile ja gewöhnt, aber irgendwas stimmte doch da nicht… richtig, da war einer zu wenig auf der Bühne! Gitarrist Jesse Pintado glänzte durch Abwesenheit, was seine Bandkollegen aber locker durch gesteigerten Einsatz wettmachten. Die einzige englische Band auf dem Billing wurde dann auch prompt mit heimischem Wetter empfangen: Zum allerersten Mal beim Breeze öffnte der Himmel seine Tore und ließ es regnen. Die Fans störte das aber kein bisschen, im Gegenteil, das kühle Nass wurde eher als willkommene Abkühlung empfunden. Birminghams Finest können scheinbar keine schlechten Shows spielen, denn trotz mittlerweile fast zweistelligen Konzertbesuchen meinerseits und quasi in Unterbesetzung funktionierte die Band wie die sprichwörtlich geölte (Grind-) Maschine und gab dem Publikum mit „Nazi Punks Fuck Off“ und „Siege of Power“ nach atemberaubenden 45 Minuten den Rest.

Symphorce

Danach kamen dann auch die angereisten Power-Metal-Fans zu ihrem Recht: SYMPHORCE gingen nach theatralischem Nebel-Intro mit „Speak my Mind“ gleich in die vollen, hatten ihr Publikum über die gesamte Spielzeit voll im Griff und ließen nichts anbrennen. Sänger Andy B. Franck, den die meisten wohl von Brainstorm kennen, erwies sich erneut als geborener Frontmann, bewegte sich viel und hatte leichtes Spiel. Das gegen Ende des 40minütigen Auftritts eine gewisse Abwanderung in Richtung Mainstage einsetze ist somit auch in keinster Weise durch mangelnde Qualität zu erklären, das lag wohl eher daran, dass sich so mancher einen guten Platz mit entsprechendem Blick auf die folgende Band sichern wollte.

Rage

Kurz vor halb acht waren dort nämlich die stilistisch ähnlichen RAGE an der Reihe. Durch die Jahre des konstanten Rockens in Form von Veröffentlichungen und Auftritten kann man sie getrost als Urgestein der deutschen Metal-Szene und Sänger/Basser Peavy (neuerdings kahlgeschoren) als Kultfigur bezeichnen. Mit den Ausnahmemusikern Mike Terrana am Schlagzeug und Victor Smolski an der Gitarre sind Rage seit Jahren auch eine exzellente Live-Band, über die Notwendigkeit von entsprechenden Solos kann man sich bei der ohnehin knapp bemessenen Festival-Spielzeit aber streiten. Mit „War of the Worlds“ gabs sogar schon nen Vorgeschmack aufs neue Album „Soundchaser“ zu hören. Wenn die Stimmung durch technische Probleme des Gitarristen und die damit verbundene Unterbrechung auch etwas getrübt wurde, beim abschliessenden „Higher than the Sky“ wurde lauthals mitgesungen und das auch noch, als die Band schon nicht mehr auf der Bühne war!

Pungent Stench

Meshuggah hatten leider krankheitsbedingt absagen müssen und die entstandene Lücke sollten PUNGENT STENCH, die Death-Grind-Weirdos aus Österreich füllen. Das war natürlich von vorne herein nicht möglich, zu verschieden sind die beiden Bands. Trotzdem enttäuschten die Schluchtis das Publikum in keinster Weise. Schon optisch stachen sie mit anfangs Priestersoutanen und nach dem zweiten Song bereits mit nichts als schwarzen Hotpants (ok, der Basser hatte zusätzlich noch ne Art SadoMaso-Leder-Geschirr an) schon mal ordentlich aus der Masse heraus. Das Trio und auch das Publikum genossen den Auftritt sichtlich (Spass auf der Bühne, fliegende Körper im Publikum). Das „Deadly Medley“ wurde dem Chef von Nuclear Blast gewidmet, da er ihre erste Platte in Deutschland veröffentlicht hat und von der gab es auch reichlich zu hören. Als kurioses Sahnehäubchen gabs dann noch ne „La bamba“-Coverversion, klingt komisch, war aber so!

Krokus

Ein weiteres bergiges benachbartes Land ist die Heimat von KROKUS. Viele der Zuschauer mögen da zunächst mal an frühlingshafte und giftige Feldblümchen denken, denn als die Eidgenossen ihre größten Erfolge feierten, war manch einer im Publikum noch nicht mal geboren. Die gibt’s aber tatsächlich immer noch und sie traten den Beweis an, dass sie auch live noch ordentlich rocken können. Dass man in der Schweiz neuerdings Englisch spricht war mir neu, jedenfalls waren die Ansagen komplett englisch gehalten, aber vielleicht war das ja wegen der vielen internationalen Zuschauer im Publikum. Wie auch in den Jahren davor, hat es sich auch in diesem Jahr wieder als richtig erwiesen auch dem Hardrock sein Plätzchen einzuräumen, denn die AH-Mannschaft um Gitarrero Ferando von Arb sorgte für ausgelassene Stimmung und geht als Bereicherung fürs Festival durch und die Sprechchöre im Publikum „Who the Hell is Angus Young?“ waren der Brüller.

Pyogenesis

Ähnlich wie Paradise Lost und Amorphis haben auch PYOGENESIS einen langen Weg vom Death-Metal hin zu ihrem heutigen Stil hinter sich. Nur dass Pyo wie sie von den meisten liebevoll genannt werden, diesen Weg deutlich weiter gegangen sind, als die zuvor genannten: nämlich bis zu ihren poppigen Punk-Rock-Nummern. Sänger Flo verkündet auch gleich zu Beginn des Sets, dass man für die heutige Show extra ganz tief in der Bandgeschichte geforscht habe und unter anderem sogar einen Song von „Sweet X-Rated-Nothings“ auf die Setlist gehieft hat. Vor dem vertrauten Kassettenrekorder-Backdrop und wie üblich in schwarzen Hemden und weinroten Krawatten trat die Band einen regelrechten Siegeszug an. Die perfekte Live-Show, die sehr tight aufspielende Band und die imposanten Feuersäulen sorgten für eine unvergessliche und schwer zu übertreffende Leistung, die dem Sänger fast Tränen der Rührung in die Augen trieb als er sich gegen Ende vom Publikum verabschiedete.

Subway to Sally

Danach gingen die Headliner des ersten Tages, SUBWAY TO SALLY, auf der Hauptbühne ans Werk. Und auch wenn ihr im März veröffentlichtes Album nicht nur auf positive Kritiken stieß, war das Gelände prall mit enthusiastischen Fans gefüllt, die den Auftritt der Band zu einem der Höhepunkte des Tages machten. Auf der Bühne gabs mit aufwändigen Aufbauten erneut viel zu sehen, was die musikalische und stimmliche Leistung aber zu keiner Zeit in den Hintergrund drängte. Mit „Geist des Kriegers“ und massivem Pyro-Einsatz starteten sie ihren Auftritt und nach kurzen soundtechnischen Anfangsschwierigkeiten knallten auch die Gitarren angemessen. Das Potsdamer Sextett spielte sich souverän durch seinen Backkatalog, legte mit ganzen acht Songs aber einen deutlichen Schwerpunkt aufs aktuelle Album. Nach schweisstreibenden 90 Minuten und unter entsprechendem Protest der unersättlichen Fans verliess die Band mit einem breiten Grinsen und sichtlich zufrieden die Bühne.

The Kovenant

Als Betthupferl gabs dann auf der PainStage noch THE KOVENANT. Hier schieden sich dann die Geister etwas; die Fans der Norweger bescheinigten ihren Helden einen einwandfreien Auftritt, bei etwas objektiveren Zuschauern wirkten sowohl die Gitarren als auch die Stimme des Sängers etwas dünn.

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