
IN FLAMES bitten zu Tisch
Doch bevor die schwedischen Festspiele eröffnet werden, servieren die Festivalmacher den Besuchern um exakt 21:05 Uhr eine Vorspeise der Extraklasse. Wer dachte, der Headliner-Slot würde einfach nur mit der üblichen Umbaupause eingeleitet, sollte eines Besseren belehrt werden.
Bevor auch nur ein einziger Ton aus den Verstärkern dröhnt, bewegt sich etwas auf den riesigen LED-Wänden der Main Stage und ein Raunen geht durch das dicht gedrängte Infield.
Zehntausende Menschen. Ein gemeinsamer Herzschlag. 30 Jahre SUMMER BREEZE – Gänsehaut pur!
Die Screens schicken alle Anwesenden auf eine mitreißende Zeitreise durch staubige Moshpits, Mitschnitte voller Schweiß, Emotionen und Ekstase wechseln sich ab mit Videogrüßen von Wegbegleitern, untermalt von alten und aktuelleren Konzertmomenten und den strahlenden Gesichtern der BREEZE-Community.
Als die Emotionen ihren Höhepunkt erreichen, folgt der nächste Paukenschlag: Mit der größten Bandankündigungswelle der Festival-Geschichte werden unter tosendem Beifall auf einen Schlag satte 63 Acts für das 30-jährige Jubiläum im Jahr 2027 enthüllt. Der große „Ooooh!“-Ausruf folgte allerdings erst danach: Zum 30. Geburtstag wird es auf der Main Stage die exklusive All-Star-Show „SUMMER BREEZE Legends & Orchestra“ geben, bei der eine hochkarätige All-Star-Besetzung gemeinsam mit dem 40-köpfigen Orchester der Philharmonie Leipzig die prägendsten Hymnen der Festivalhistorie zum Leben erwecken wird.
Ein historischer Moment, der die Vorfreude auf das Festival-Jahr 2027 weiter anheizt und den perfekten Nährboden für eine Nacht schafft, die kaum würdiger hätte weitergehen können.
Der Acker war auf Betriebstemperatur und bereits wenige Minuten später richten sich die Blicke wieder gebannt nach vorne. Denn jetzt übernahmen die Schweden von IN FLAMES.
Schon der Einstieg ist ein klares Statement. Mit dem Klassiker „Colony“ peitschten die Göteborger die Menge von der ersten Sekunde an nach vorne. Was folg, ist eine gekonnt austarierte Setlist, die gekonnt den Bogen zwischen den legendären 90er-Jahre-Highlights und den modernen Werken der Band schlägt.
Wo andere Bands an Stilbrüchen scheitern, fügen sich aktuellere Härtetests wie „State Of Slow Decay“ oder „Meet Your Maker“ nahtlos neben unsterblichen Hymnen wie „Trigger“ und „Cloud Connected“ ein.
Das Bühnenbild versprüht dabei „Colony“-Vibes und wirkt farbig, organisch und lebendig. Über der Band hängen dicke Kabelstränge, die sich von der Mitte zu den Seiten zogen. Auf den Screens läuft dazu ein gealterter, dynamischer Live-Mitschnitt, der optisch perfekt zur Energie und zum jeweiligen Tempo der Show passt. Dann fliegen plötzlich riesige schwarze Bälle über die Köpfe der Menge hinweg, was die Moshpits kurzzeitig in ein riesiges Völkerball-Turnier verwandelt während die Band sich in Höchstform präsentiert.
Als überraschend stark präsentiert sich dabei auch die Tempo-gedrosselte Mitte des Sets. „The Chosen Pessimist“ regelt die Geschwindigkeit dabei fast auf Null runter und man vernahm anfangs u.a. ein laut gebrülltes „Laaangweilig!“ in den Reihen. Aber der Song baut nach und nach eine dichte, monolithische Stimmung auf und das resultiert flächendeckend in grassierendem Gänsehaut-Befall und Begeisterungsrufen.
Auch der Humor kommt keinesfalls zu kurz: Als Anders Fridén den 96er-Klassiker „Artifacts Of The Black Rain“ vom Album „The Jester Race“ anstimmt, kündigt er die alte Melodic-Death-Nummer trocken als „Liebeslied an Nuclear Blast Records“ an – eine herrlich süffisante Spitze Richtung Label, mit dem die Band über die Jahrzehnte ihre ganz eigene On-Off-Beziehung führte.
Danach wird das Tempo nochmals erhöht und als „Only For The Weak“ anrollt, springt das sonnengeplagte Publikum trotz anfänglicher Zurückhaltung geschlossen mit. Die Moshpits werden größer, die Crowdsurfer-Dichte zieht nochmal drastisch an und der Security im Graben hat folgerichtig ordentlich zu tun.
Mit „I Am Above“ und „Take This Life“ gibt es zum Schluss nochmal die maximale Breitseite. Kein langes Betteln um Zugaben, keine künstlichen Pausen. IM FLAMES ziehen das Ding am Stück durch und hinterlassen ein völlig plattgefeiertes Infield.
(Tammy)




























