
AIRBOURNE – Bierdosen-Zerquetscher from Down Under
AIRBOURNE dürfen mit Fug und Recht von sich behaupten, die beeindruckendste und aufwändigste Lichtshow des gesamten Festivalwochenendes im Gepäck zu haben. Zum Höhepunkt ihrer Show lässt die Band extra den Mond zwischen sich und die Sonne treten, was die Aufmerksamkeit ihrer Zuschauer immer wieder vom Geschehen auf der Bühne weg lenkt. Die Augen gut von den verspiegelten Spezialbrillen geschützt, bietet sich ein besonderes Spektakel, das von den australischen AC/DC-Soundalikes mit der perfekten musikalischen Untermalung versehen wird. So lange die Sonne aber noch zu sehen ist, brennt sie unbarmherzig auf die versammelte Metal-Meute herab und heizt den Bierdurst ordentlich an. Frontmann Joel O’Keeffe wirkt bereits durchgeschwitzt, bevor die Show richtig losgeht, lässt es sich aber nicht nehmen, auf den Schultern seines Roadies minutenlang Runden durchs Publikum zu drehen, dabei ausgedehnte Gitarrensoli abzufeuern und als besonderen Partytrick
mit der bloßen Hand volle Dosen zu zerquetschen.
Um die Opferung des edlen Gerstensaftes an den Sonnengott abzurunden, wirft er später noch eine ganze Batterie an Bierbechern in die Menge. Die Operation glückt und der große Himmelsdrache spuckt den brennenden Plasmaball wieder aus, bevor er ihn gänzlich verschlingen konnte. Im Vergleich zu diesem Spektakel muten das im Comic-Stil gehaltene Skelett-Piloten-Backdrop, die großen Marshall-Wände und die darüber thronenden Flutlichter ziemlich klassisch und geradezu bescheiden an. Ohne lange Ansprachen liefern AIRBOURNE vom Opener „Too Much, Too Young, Too Fast“ weg eine erdig-fette Rockshow ab, die ihre großen Vorbilder stolz machen dürfte. Egal ob der unvergessene Lemmy („You know why the sun disappears? Because of the fucking Ace Of Spades in front of the sun!“), die bereits erwähnten AC/DC oder ROSE TATTOO-Sänger Angry Anderson, dem Joel O’Keeffe das frenetisch umjubelte „Bottom Of The Well“ widmet, sie alle haben nicht nur die Musik von AIRBOURNE nachhaltig geprägt, sondern auch das charmant-dominante Auftreten ihres Frontmannes, der seine Bandkollegen über weite Strecken der Show zu bloßen Statisten degradiert. Selbst zum Statisten wird er hingegen in den zahlreichen Mitsingparts, wie im Smash-Hit „Live It Up“, der stilecht von einer live auf der Bühne angekurbelten Luftschutzsirene eingeläutet wird. Am Ende versinkt das, was von der Sonne noch übrig ist, etwa zur selben Zeit hinter dem Horizont, als AIRBOURNE ihre Show beenden und sich noch minutenlang vom Publikum beklatschen lassen.
(Flo)



























