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Dinkelsbühl | Germany -
Kim Dracula - Seifenblasen vor der Main Stage

Kim Dracula – Seifenblasen vor der Main Stage

Wer am Donnerstagnachmittag bei dieser brennenden Hitze mitten in der Staubwolke vor der Main Stage steht, macht das keineswegs nur zufällig. Die Crowd vor Ort ist mit voller Absicht da, um eines der faszinierendsten und kompromisslosesten Talente der modernen (Trap-)Metal-Szene live zu erleben. Wer vorab nicht über das auf TikTok gehypte „Paparazzi“-Video gestolpert ist, kennt den Namen KIM DRACULA höchstens als bewusste Referenz an den gleichnamigen Deftones-Track. Was der australische Solo-Act hier allerdings bei praller Sonne abliefert, sprengt sämtliche Erwartungen.

Müsste man ein einziges Wort für das Ganze finden, wäre es

„Chaos“

Was KIM DRACULA am Mikrofon zelebriert, ist schiere musikalische Anarchie gepaart mit meisterhafter Stimmakrobatik und Diversität auf der Bühne. Kim schaltet in Millisekunden von glasklaren, opernhaften Passagen über hasserfülltes Screaming bis hin zu tiefsten Slam-Gutturals um. Genau in den Momenten, in denen they neben dem Saxophonisten zu den extremsten Tönen ansetzt, sorgt die Crew mit dem Wasserschlauch für die nötige Abkühlung im Infield. Die Hand wie eine Waffe auf die Menge gerichtet, werden musikalische Zitate von George Michaels „Careless Whisper“ über das James Bond Theme bis hin zu Pearl Jams „Even Flow“ verwoben. Auch das legendäre „Make Me Famous“ feuert früh durch die PA, ehe in der Mitte des Sets „Drown“ den nächsten tonnenschweren Akzent setzt.

Gegen Ende eröffnet sich ein surreales, aber mitreißendes Bild: Beim jüngst veröffentlichten Song „Molecular Conversion“ steigen plötzlich hunderte Seifenblasen vorn im Publikum auf – direkt über einem Pit, der so heftig kocht, dass der Staub millimeterdick in der Luft steht. Die Augen und Lungen brennen, aber die Begeisterung kennt keine Grenzen. Bei „Paparazzi“ brüllt die Menge laut im Chor mit, und den Schlusspunkt setzt „Killdozer“: kurz, dreckig und ohne große Abschiedsworte. Das Infield hustet noch, während KIM DRACULA die Bühne verlässt. Genau so sieht ein erster Auftritt aus, an den man sich auf dem SUMMER BREEZE noch lange erinnern wird.

(Tammy)