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Dinkelsbühl | Germany -
AMORPHIS - Skalpell statt Keule

AMORPHIS – Skalpell statt Keule

Mächtige Kost erwartet die Besucher am späten Abend auf der Mainstage. AMORPHIS rollen grollend wie ein Gewitter über das Infield und setzen vom ersten Gitarrenriff an auf Atmosphäre statt auf große Gesten. Gebannt lauscht die Crowd dem weit aufgespannten Sound.
Holy Canelonni, das zieht, große Ansagen braucht es nicht.

Sänger Tomi Joutsen lässt lieber die Musik sprechen.

Die Menge nickt im Takt, zurückhaltend, aber sichtlich fasziniert. Erst nach dem dritten Song richtet Joutsen erstmals ein paar Worte ans Publikum, bevor es mit „Wrong Direction“ direkt in die richtige Richtung weitergeht. Viel reden? Fehlanzeige. Pedal durchdrücken lautet die Devise.

Über die komplette Show halten AMORPHIS das Stimmungsniveau beeindruckend hoch. Die Reaktionen aus dem Publikum bleiben verhalten, vereinzeltes Mitklatschen ist das Höchste der Gefühle. Hier steht eindeutig das Genießen im Vordergrund. Zwischen den Zuschauern entdecken wir Fans, die sich mit geschlossenen Augen beinahe tranceartig zur Musik bewegen. Immer wieder schiebt sich Joutsens grollende Stimme hypnotisch durch den Sound.

Zum Ende zieht die Band dann noch einmal an. Das Tempo steigt, die Intensität wächst – und plötzlich gehen immer mehr Hände nach oben. Mit „Sampo“ und „Dancing Shadow“ gehen AMORPHIS in den Endspurt und geben auf den letzten Metern noch einmal Volldampf.

Routiniert? Sicherlich. Episch? Definitiv!

Wer den großen Abriss erwartet, ist hier allerdings falsch beraten. AMORPHIS killen an diesem Abend nicht mit der Keule, sondern subtil und präzise – mit dem Melodic Death Metal-Skalpell.

(Jeanette)