
ILLDISPOSED – Dänen lügen nicht
Die Ausgangslage könnte kaum fieser sein: Drüben auf der Main Stage fahren ARCH ENEMY das ganz große Best-of-Besteck inklusive Pyrotechnik auf. Wer sich zeitgleich vor die Tool Rebel Stage verirrt, sucht keine Hochglanz-Show, sondern ehrliche Handarbeit. Und wer braucht schon perfekt choreografiertes Posing, wenn man den dänischen Abriss-Groove von ILLDISPOSED haben kann?
Schon beim Opener „I Believe in Me“ ist klar, wo die Reise hingeht: Frontbär Bo Summer schlendert mit der Tiefenentspannung eines dänischen Frührentners ans Mikrofon, öffnet den Mund und lässt ein Organ ertönen, das schwere Erdbebenwarnungen in der Region auslöst. Der Einstand sitzt, die Menge ist sofort on fire.
Wer hier steht, vermisst keinen einzigen Ton der Hauptbühne.
Mit „Dark“ wird das Fundament der Bühne auf eine harte Probe gestellt. Der Bass schiebt so tief in Richtung Magengegend, dass man das Riffing eher in den Zahnfüllungen spürt als mit den Ohren hört. Die grölende Meute dankt es mit fliegenden Bierbechern und neben ein paar komplett unverständlichen Brocken, die aus Jugendschutzgründen wohl ohnehin zensiert werden müssten, schallt ein trockenes „Ihr seid süß!“ ins Infield.
Bei „Throw Your Bolts“ und dem Klassiker „Sense The Darkness“ gibt es vollends kein Halten mehr und „Let Go“ liefert ein emotionales Highlight: Ein Vater crowdsurft gemeinsam mit seinem Kind über die Hände des Publikums – inklusive knallgelber Pikachu-Mütze auf dem Kopf des Nachwuchses. Frühkindliche Metal-Erziehung auf allerhöchstem Niveau!
Als Abschluss schallt aus den Boxen plötzlich der 70er-Jahre-Klassiker „Tränen lügen nicht“ und man kennt es: Das folgende Bild ist unbezahlbar. Hunderte völlig verschwitzte, tätowierte Kuttenträger, die eben noch im Kreis gerannt sind und die Haare geschüttelt haben, liegen sich selig in den Armen und grölen (besoffen?) deutschen Schlager mit.
In diesem Sinne ein letztes Zitat – und gleichzeitig das Abschiedswort von Bo: „Skål!“
(Tammy)
15.08.2026



























