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Dinkelsbühl | Germany -
PERCHTA - Mit dem Hackbrett in die Nacht

PERCHTA – Mit dem Hackbrett in die Nacht

Eigentlich ist es noch etwas zu hell, als PERCHTA am Freitagabend im Campsite Circus starten. Doch auch im Dämmerlicht erzielen sie ihre Wirkung. Ihr Ambient-Intro erzeugt eine urige, bedrohliche Atmosphäre. Diese schlägt in folkige Klänge um, als der Opener „Ois wås ma san“ mit Hackbrett-Intro beginnt. Wenig später betritt Frontfrau ‚Frau Percht‘ die Bühne, um mit einem Schrei das Signal für den Einsatz der vollen Instrumentierung zu geben und den Black Metal Einzug halten zu lassen.

Die Band aus Tirol ist in gleich mehrerlei Hinsicht unkonventionell – selbst für das SUMMER BREEZE, wo aufgrund der schieren Anzahl und Bandbreite der Bands viele diverse Klänge zusammenkommen. Ihren Namen haben PERCHTA von einer weiblichen Sagengestalt, die dem Krampus ähnelt. Ihre Songs thematisieren unter anderem Weiblichkeit, Menstruation und Mutterschaft, verpackt in Texte in Tiroler Mundart. Zusammen mit der hexenartig wirkenden Performance von Frau Percht ergibt sich eine Kombination aus Düsternis, Folklore und Fruchtbarkeitskult.

Zwischen den Stücken spielt beklemmender Ambient, dann folgt „Åtem“, ein Song, der die vielen Facetten von PERCHTA in sich vereint. Frau Perchtas Vocals reichen von Geflüster über folkigen Klargesang bis hin zu Black Metal-Gekeife, die Musik von Folk bis zu tiefer Schwärze. Ganz viel Atmosphäre stets inklusive. Das darauffolgende Interlude „Summa“ ist mehr Rezitation als Song.

Mit zunehmender Dunkelheit gewinnt Frau Perchts fesselnde Bühnenpräsenz noch mehr an Wirkung. Die komplett schwarzen Augen, die schwarz gefärbte Zunge und klauenartigen, hoch erhobenen Hände sind ein schaurig-schönes Schauspiel. Musikalisch überzeugt die Band sowohl bei den andächtigen Passagen als auch mit rohem Geholze. Die Folk-Einflüsse in Form des Hackbretts, verschiedenen Percussion-Instrumenten und einer Maultrommel fügen sich nahtlos ein, sodass sich ein harmonisches Klangbild ergibt.

Es entsteht das Gefühl, nicht nur Liedern, sondern auch einer Geschichte zu lauschen.

Beim letzten Stück „Hebamm“ tauchen PERCHTA noch mal ganz tief in ihre Themenwelt ein und transportieren verschiedenste Stimmungen. Die Reaktionen des Publikums, der volle Bühnenbereich und die sich im Anschluss an den Auftritt wieder Richtung Infield bewegende Menschenmenge beweisen, dass PERCHTA nicht nur eine Nische bedienen.

(Angela)