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Dinkelsbühl | Germany -
Alcest - eine Tour de Force der Gefühle

Alcest – eine Tour de Force der Gefühle

Trotz später Stunde hat sich eine ansehnliche Menge zum Auftritt von ALCEST vor der Main Stage versammelt. Die Band, die man eher auf der T-Stage verorten würde und die in der Vergangenheit auch dort gespielt hat, scheint sich auf der größeren Bühne von Beginn an wie zuhause zu führen. Vor allem ihre ausgeklügelte visuelle Show profitiert von dem Upgrade.

Den Anfang macht „Améthyste“ vom aktuellen Album „Les chants de l’aurore“. Passend zum Albumcover haben ALCEST ihr Bühnenbild gestaltet. Kraniche und Bündel von Gräsern stehen verteilt; die Leinwand hinter der Band zeigt eine animierte Landschaft mit Sonnenuntergangsstimmung. Zusammen bilden diese Komponenten ein Diorama, in dem die Band performt. Von Beginn an ziehen ALCEST Ihr Publikum in ihren Bann. Es herrscht respektvolle Stille; die Besucher:innen schwelgen oft mit geschlossenen Augen im atmosphärischen Post-Black der Franzosen.

Der Fokus des Sets liegt statt auf dem aktuellen Album jedoch auf dessen Vorgänger „Spiritual Instinct“. Mit „Protection“, „Sapphire“ und „Le miroir“ stammt fast die Hälfte der Songs davon. Zu „Sapphire“, das in der PERTURBATOR-Version gespielt wird, zeigt sich, dass ALCEST bei den Visuals noch mehr Asse im Ärmel haben. Passend zum Song wechselt das Hintergrundbild zu einem funkelnden Juwel in kühlen Farben. Spätestens zum darauffolgenden „Écailles de lune – Part 2“, zu dem der Mond über glimmerndem Wasser aufgeht, während das Meeresrauschen des Intros ertönt, wird der Auftritt zu einem immersiven audiovisuellen Erlebnis.

Musikalisch begeben sich ALCEST mit diesem Stück am weitesten in ihrer Bandgeschichte zurück. Rasende Riffs und Blast Beats, aber auch die verträumtesten Parts des Sets, machen den Song zu einem ALCEST-Klassiker und einer Tour de Force der Gefühle. Zu „Eclosion“ sehen wir schließlich die Corona einer Sonnenfinsternis.

Das mag Zufall sein, passt am heutigen Tag der Sonnenfinsternis aber besonders gut.

Frontmann Neige ist nicht für seine Extrovertiertheit bekannt und hält sich auch diesmal in Sachen Ansagen weitgehend zurück. Dass ALCEST seiner Zählung nach zum vierten Mal auf dem SUMMER BREEZE spielen, ist jedoch eine Erwähnung wert. Vor dem letzten Song bedankt er sich in seiner charmant zurückhaltenden Art beim Publikum.

Dann ertönt „Kodama“ vom gleichnamigen Album. Ihren letzten Song hätten ALCEST nicht besser wählen können. Das durch und durch emotionale Stück lässt die Augen der Zuschauer:innen ein letztes Mal aufblitzen. Auch das Visual im Hintergrund wechselt nochmal; zu einem unscheinbaren Teich, rot getönt. Wer mit der Band gut vertraut ist, erkennt darin aber eine Anspielung auf das Cover jenes Albums, das eine ähnliche Szene im japanischen Kunststil zeigt. Fast schon ein Easter Egg. Zum Outro verabschiedet sich die Band schließlich sichtlich gerührt vom SUMMER BREEZE, und das wohl nicht zum letzten Mal.
(Angela)