
BLOOD COMMAND – Pailetten, BHs und Coitus Interruptus
All diejenigen, die die Norweger BLOOD COMMAND heute das erste Mal live erleben, dürften wohl etwas irritiert von deren australischer Frontfrau Nikki Brumen gewesen sein. Diejenigen, die zu den Wiederholungstätern gehören, freuen sich aber mit einem wissenden Grinsen auf die kommenden 45 Minuten. Denn wenn man Frauen in Metal-Bands mal ganz grob kategorisiert, dann gibt es da auf der einen Seite elfengleiche Wesen die süßlich trällern und sich ansonsten aufs dekorativ Aussehen konzentrieren und auf der anderen Seite das Modell „dralle Schildmaid“ gerne im Kontext von dudelnden Säcken und Schalmeien.
Nikki Brumen ist weder noch.
Als das Quartett tiefenentspannt auf die Bühne schlendert, fällt zunächst Mal auf, dass sie allesamt sportiv in Adidas gewandet sind. Sobald die Band aber mit „Ctrl+Art+Delete“ furios in ihr Set startet, wird allen Anwesenden schnell klar, dass man es hier mit einer veritablen Rampensau zu tun hat. Brumen spiegelt in vielem die altbekannten Bandleader-Moves, überzeichnet gerne auch derbe – inklusive dem MJ-Trademark-Griff in den Schritt-Move. Mir fällt auch keine andere Band ein, bei der die Person am Mikro sich erst in die Hand spuckt und sich den Schmodder danach in die Harre schmiert – oder auch mal großzügig ins Publikum schleudert.
Stillstehen ist offensichtlich so gar nicht ihr Ding und diese Rastlosigkeit gibt sie ein zu eins ans Publikum weiter, dass quasi schockverliebt alles tut, was die Lady fordert – und das wird im Lauf der Show noch so einiges sein! Nach dem zweiten Song kommt die schwitzige Kiste zwischen Band und Publikum zu einem abrupten Nothalt, quasi Coitus Interruptus – denn urplötzlich war der Strom weg! Nach kurzer Irritation begann die Fronterin dann damit einen Strip anzudeuten, bei dem man schonmal Teile ihres Pos und rote Pailetten zu sehen bekam, die sie unter ihren Shorts trug. Nach der Zwangspause gehts umso energiegeladener in „Heaven’s Gate“, was prompt zu ersten Crowdsurfern führt, was Nikki dann animiert selbst ein erstes Bad in der Menge zu nehmen.
Der Sound der Combo ist wie das Auftreten ihrer Sängerin: wild, ungezügelt, dreckig und konstant fesselnd. Ultramelodische, vielstimmige Singalongs, Black Metal-Blastpassagen, Techno-Breaks, Schweine Rock – man muss hier auf alles gefasst sein! Und es ist frappierend, wie sehr die Crowd den Ansagen der Sängerin folge leistet: ob sie nun Crowdsurfer fordert oder den ersten aus dem Publikum auf die Bühne geworfene BH ihrer Karriere, es wird prompt geliefert;
Es waren sogar zwei BHs, die nach Aussage Brumens einen Ehrenplatz bekommen werden.
Überhaupt sei das ja alles so geil hier, dass die Band sich nach der Show backstage erst mal fingern würde – soso! Nach einem anderen Song fragt sie nach Gras und nur Sekunden später fliegt eine formschöne Tüte auf sie zu, die der Gitarrist dann beim nächsten Song zwischen den Lippen pafft und die Sängerin mehrfach ziehen lässt. Auch die Adidas-Garderobe wird im Lauf der Show erläutert. Die Band war nach der Landung am Flughafen in Nürnberg wohl in die Firmenzentrale in Herzogenaurach geladen, wo sie großzügigst ausgestattet wurde; so wundert es dann auch nicht, dass sich die Sängerin in gleich mehreren Outfits präsentierte. Durch den Stromausfall reicht die verbliebene Spielzeit eigentlich nicht mehr um ihren letzten Song zu spielen – was der Stagemanager am Bühnenrand auch mit deutlichen Signalen anzeigt – die Fronterin zieht trotzdem durch, die Band gibt nochmal alles inklusive erneutem Bad in der Menge und noch während des Songs betritt die Stagecrew demonstrativ die Bühne und rollt das Backdrop der Band ein. Was ein Wahnsinns-Ritt und ich würde wetten, dass der Großteil der Meute sich schon aufs nächste „Date“ mit Nikki Brumen freut!
(Tom)
15.08.2026



























