
VERSENGOLD – Alles in Butter aufm Kutter
Zu fortgeschrittener Stunde bringen VERSENGOLD mit ihrem partytauglichen Folk Rock die Menge vor der Main Stage nochmals richtig zum Schunkeln. Hatten die Bremer bei ihrem letzten Besuch auf dem SUMMER BREEZE im Jahr 2023 noch einen Irish Pub als Kulisse gewählt, so dominiert heute ein optisch nicht minder beeindruckender Fischkutter die Bühne. Obwohl die Küstenkinder sich weit ins Landesinnere gewagt haben, gelingt ihnen heute doch der große Fang, ein gewaltiger Schwarm an feierwilligen Fans hüpft vor der Bühne auf und ab und brüllt sich die staubigen Infield-Reste lautstark von der Lunge. Mit „Der Tag mag kommen“ steigen VERSENGOLD in ihr Set ein und wer sich nun fragt, welcher Tag da wohl gemeint sein könnte, bekommt die Antwort direkt mit dem nächsten Stück: Die alternative Schöpfungsgeschichte „Der Tag, an dem die Götter sich betranken“ wird in gewohnter Weise von einem in die Zuschauermenge geschleuderten Erdkugel-Ball visuell untermalt. Und weil der Ballsport die Menge doch immer nur punktuell aktiviert, ruft die Band beim plattdeutschen „Cotton Eye Joe“-Soundalike „Dans Op De Del“ zum „Laien Dance – ein Line Dance für Deutsche“ auf.
Wo wir schon beim Thema „deutsch“ sind, beweisen VERSENGOLD einmal mehr Haltung und versehen ihre Anti-Populismus-Hymne „Falscher Leuchtturm“ mit dem glücklicherweise noch immer mehrheitsfähigen Alternativtitel „Fick die AFD!“. Kräftig ausgeteilt wird auch bei „Klopapier“, dass die Band „für alle Arschlöcher geschrieben“ hat, egal ob auf Social Media oder im echten Leben. Natürlich ergreifen einige Fans in der Menge die Chance und werfen Klopapier-Rollen durch die Luft – GUTALAX wären wahrlich stolz! Die zahlreichen Crowdsurfer hingegen müssen nun aufpassen, dass sie unter den vielstimmigen „Klohohohohohopapier“-Gesängen nicht als fertig gewickelte Mumien vorne im Bühnengraben ankommen. Überhaupt animiert Sänger Malte Hoyer die Menge mehrfach zum Mitsingen und stachelt sie mit einem wohlmeinenden
„Ich hab gesagt, das soll laut sein, nicht schön!“
hier oder einem kopfschüttelnden „Eure Lautstärke hat eine gewisse Erbärmlichkeit!“ dort zu neuen Höchstleistungen an. Nach dem „Kobold im Kopp“ und der von Bassist Eike Otten angeführten „Kobold In Your Head“-Shredding-Orgie wird es plötzlich dunkel und bleibt für einige Minuten still. Der Grund wird bald ersichtlich: Malte Hoyer und Eike Otten bahnen sich einen Weg durch die Menge, um die nächsten beiden Stücke aus der Menge heraus anzuführen. Einerseits hätte man in dieser Zeit gut noch ein weiteres Lied auf die Setlist bringen können, andererseits wäre es dann aber auch nicht zu jenem zwar eher gemächlich trabenden, aber nicht minder legendären Circle Pit gekommen, der sich zu „Butter bei die Fische“ um das Duo herum bildet. Nachdem sich die Band nicht nur aufs Herzlichste bei ihrer Crew bedankt hat, sondern auch bei Polizei, Rettungskräften, Securities und allen anderen, die das SUMMER BREEZE hinter den Kulissen am Laufen halten, gibt es mit dem traditionellen A-Cappella-„Abgesang“ einen harmonischen Ausklang für eine fantastisch schweißtreibende Folk Rock-Show.
(Flo)
16.08.2026

































