Mit etwas Abstand zum eigentlichen Festivalgeschehen lässt sich eigentlich nur ein Fazit ziehen: es war ein erfolgreiches, mit über 40000 Metalheads erneut ausverkauftes Festival und die wenigen aufgetretenen Probleme gingen zum Großteil auf das erstmals richtig regnerische Wetter. Die Erfahrung, die das Team über die Jahre bei der Organisation auf dem Gelände sammeln konnte, haben zu einem fast reibungslosen Ablauf geführt, die Kritikpunkte des letzten Jahres wurden gelöst und das Wetter liegt ja nun wirklich nicht in der Macht der Veranstalter…

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  1. Summer Breeze 2004
  2. Freitag 20.08.2004
  3. Samstag 21.08.2004
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LORDS OF DECADENCE

Die Opener-Position auf der Hauptbühne haben sich dieses Jahr die Österreicher LORDS OF DECADENCE erarbeitet. Die haben sich nämlich im Metal Hammer-Contest gegen die illustre Mitbewerberschar durchgesetzt und waren gewillt diese Chance auch zu nutzen. Vom Publikum wurde ihr leicht an Children of Bodom angelehnter Metal dankend aufgenommen und sie dürften nicht nur aufgrund ihrer weißen Garderobe in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen ihrer souveränen Show. Besonderen Respekt verdient der Schlagzeuger, nach dem kurzfristigen Ausstieg seines Vorgängers packte er sich die Songs in nur zwei Wochen ins Hirn und leistete einen guten Job!

FRAGMENTS OF UNBECOMING

Auf ähnlichem Energie-Niveau gings dann auf der Pain-Stage weiter: FRAGMENTS OF UNBECOMING feuerten eine fette Schweden-Metal-Breitseite ins hungrige Publikum und bewiesen, dass derartiges eben nicht nur von Skandinaviern kompetent zelebriert werden kann. Die Süddeutschen brillierten sowohl auf technischer Seite, als auch vom Einsatz und ihre halbstündige Spielzeit war viel zu schnell vorbei.

RAWHEAD REXX

Seit jeher ist das Summer Breeze ein Festival, das verschiedenste Spielarten des Metals präsentiert und so machte das Publikum auch den Wechsel von den heftigen Klängen der Pain-Stage zu dem fast klassischen Heavy Metal freudig mit und empfing die Vier mit offenen Armen. Die waren wohl etwas überrascht trotz des frühen Nachmittags mit so viel Einsatz empfangen zu werden und legten sich nur umso mehr ins Zeug. Und auch wenn die Band selbst noch recht Jung ist, standen hier doch bekannte Leute auf der Bühne: Glenmore, Letter X und Erotic Jesus wären als ehemalige Wirkungsstätten aufzuführen – was sich natürlich in entsprechend souveränem Songwriting und Stageacting niederschlägt.

GOREROTTED

Und wieder ein krasser Stilwechsel! Von Heavy Metal zu derbestem Grindcore mit hohem Unterhaltungsfaktor. Wie ein Sturm fegt der Sound der Engländer über die Bühne, der Sänger ist mit seiner Weirdo-Nummer inklusive blutbesudeltem Outfit das klare Zentrum der Aufmerksamkeit und auch wenn die Musik in keinster Weise lustig ist, macht der Auftritt doch jede Menge Spaß. Das quittiert das Publikum folgerichtig mit dem ersten Moshpit des Tages…

MÖRK GRYNING

Zurück zur Hauptbühne wo MÖRK GRYNING nen skandinavischen Dreierpack einleiteten. Die unberechenbaren Schweden mit dem eigenwilligen Sound aus Metal, Klassik und Folklore wurden sehnlichst erwartet und nutzten ihre 35minütige Spielzeit unter anderem um auch erstmals neues Material vom kommenden Album zu präsentieren. Ihr Auftritt krankte Anfangs etwas an Soundproblemen, das Keyboard drang kaum durch die anderen Instrumente und das hochprozentige Frühstück scheint bei manchem Skandinavier wohl Standard zu sein…

VOMITORY

Die vereinzelt gesichteten Schwedenfahnen brauchten gar nicht erst weggesteckt werden, denn die Landsmänner VOMITORY spielten direkt im Anschluss. Extremen Metal mit derber, aber doch hochtechnischer Gitarrenarbeit boten die Brüder Gustafsson mit ihren Kollegen der Meute vor der Pain-Stage.

SONATA ARCTICA

Ihr Sänger heisst Tony Kakko, ihr Auftritt war aber genau das Gegenteil! OK, die technischen Probleme waren offensichtlich, aber ansonsten wurden die Finnen ihrem Insider-Tip-Status völlig gerecht; auf dem Gebiet des melodischen Power-Metal werden sie zu recht hoch gehandelt. Als Krönung eines gelungenen Auftritts brachten sie noch „Still loving you“ von den Scorpions. Ihr Gig beim Breeze hat ihnen bestimmt viele neue Fans beschert, die sich die gemeinsamen Dates mit Nightwish im Herbst bestimmt nicht entgehen lassen werden.

FLESHCRAWL

Bei der Band aus der Ulmer-Gegend kann man ja fast noch von einem Heimspiel reden, der Platz vor der Pain-Stage war auf jeden Fall rappelvoll als die Jungs die Bühne betraten. Ab dem Moment war sowohl auf der Bühne als auch davor permanentes Headbangen angesagt, denn die Band machte wirklich keine Gefangenen. Brutale Vocals und ein entsprechender Gitarrensound transportierten die schwedisch angehauchten Death Metal-Songs ideal durch die Boxen und natürlich fehlten weder die Hits ihres aktuellen Albums a la „Flesh bloody Flesh“ noch ältere Granaten und sogar eine Cover-Version von Carnage wurde ins dankbare Publikum gefeuert.

CREMATORY

„Manchmal kommen sie wieder“ heisst ein Buch von Stephen King, und genau wie seine Bücher sind Reunions auch immer Geschmackssache. Wenn die Publikumsreaktionen aber als Indiz für die Notwendigkeit der Rückkehr dieser Band zählen, dann war es längst überfällig, dass sie nun wieder die Bühnen dieser Welt bespielen. Mit offenen Armen und mehr als frenetisch wurden sie empfangen und führten die Meute durch ein Sammelsurium an Hits wie der aktuellen Chart-Single „Greed“ und dem Klassiker „Tears of Time“. An der der Sisters of Mercy-Coverversion „Temple of Love“ schieden sich allerdings die Geister. Über die Jahre haben Elektro- und Synthie-Elemente eine immer größere Rolle in der Musik der Band eingenommen und das schlug sich auch in ihrem Auftritt nieder.

SALTATIO MORTIS

Das tolle an großen Festivals ist ja, dass man unter Umständen Bands für sich entdecken kann, die man sonst nie gesehen hätte, die einem am Festival aber total überraschen und begeistern. Im letzten Jahr waren das z.B. Psychopunch, die mit ihrer sympathischen und energiegeladenen Show auch Nicht-Punkrockern gefallen haben. Für viele Leute wird diese Band 2004 SALTATIO MORTIS gewesen sein. Denn wer die im Vorfeld nur als weitere Mittelalter-Band abgetan hat, wurde am Donnerstag Abend schnell eines Besseren belehrt. Schon die komplett umgebaute Bühne erregte Aufmerksamkeit, zusätzliche Podeste mit arrangierten Trommeln und die Pyroshow taten ein Übriges. Nicht zu vergessen die ansteckende Spielfreude und der Spaß den die Band offensichtlich auf der Bühne hatte und die schnell ins Publikum überschwappte… Zu den mittelalterlichen und fremdländischen Instrumenten (Leier, Dudelsack, Schalmei, Flöten) kamen spanische und Techno-Einflüsse sowie Cover-Versionen, die hier wohl auch niemand erwartet hätte (z.B. „God gave Rock’n’Roll to you“ von KISS und „Eine Insel mit zwei Bergen“). Viel Applaus erntete auch die treffende Ansage in Bezug auf den amerikanischen Präsidenten vor ihrem zweiten Song „Der Heuchler“.

HYPOCRISY

In der Dämmerung gingen die Schweden auf die Bühne und spielten in die Dunkelheit hinein – ein Bild für die Götter! Und passend zu den Lichtverhältnissen gings auch gleich mit „Adjusting the Sun“ in die Vollen. Mehr als souverän war der gesamte Auftritt der Band, flankiert von Transparenten im Alien-Design und vor einem riesigen Backdrop mit dem aktuellen Albumcover stimmte auch die Optik. „Neu“-Drummer Horg kannte den Ausblick von der Hauptbühne ja noch von einem früheren Besuch mit seiner Ex-Band Immortal und auch Workaholic Tägtgren ist Summer Breeze-Wiederholungstäter – sowohl mit Hypocrisy als auch mit seinem Projekt Pain war er schon früher zu Gast. „Fire in the Sky“ passte sehr gut zum blutrot gefärbten Himmel und mit „Rosewell 47“, der Bandhymne vom „Abducted“-Album, beendete Peter & Co. ihren Gig und liessen ein geschafftes aber auch mehr als glückliches Publikum zurück. Für viele wohl der Headliner am Donnerstag

LAKE OF TEARS

Nach den heftigen Tönen ihrer Landsmänner auf der Hauptbühne tauchten LAKE OF TEARS in ihr ganz eigenes Sound-Universum ab. Schon rein optisch fielen die Musiker auf: der Sänger und Gitarrist Daniel Brannare hatte bei den ersten Songs eine Fliegenpilzartige Kopfbedeckung auf, der Drummer sah aus wie ein US-Cop und seine Kollegen hatten fusslig-bunte Oberteil an, die mich irgendwie an Sesamstrasse-Vögel erinnert haben… Die Fans erlebten ergiffen einen der seltenen Gigs der Schweden, die ihre ganz eigenen Klänge zwischen Hippie-, Gothic- und Metal-Sounds aufbauten. Von Stageacting konnte man nicht wirklich reden, aber hier zählt eben mehr die Atmosphäre. Ins Set wurden auch schon Songs des kurz nach dem Breeze erschienen „Comeback“-Album „Black Brick Road“ eingebaut.

SENTENCED

Nach ihrem umjubelten Auftritt auf dem Summer Breeze 2002 kehrten die Finnen dieses Jahr als Headliner nach Abtsgmünd zurück – auch wenn sie optisch nicht unbedingt als solcher auszumachen waren: keinerlei Backdrop, Aufbauten, Pyros oder sonstige Gimmicks, die Herren konzentrierten sich voll auf die Musik. Trotz fast permanentem Regen liessen sich die zahlreichen Fans die Laune nicht verderben und begleiteten ihre Band durch einen Querschnitt ihres Schaffens; sogar Songs vom mittlerweile fast zehn Jahre alten „Amok“-Album wurden gespielt. Etwas verwunderlich war, dass sie einen ihrer größten Erfolge („Killing you, Killing me“) nicht präsentierten, aber die Setlist kann bei so einem Repertoire ja nicht jedem Geschmack gerecht werden… Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand ganz klar Sänger Ville Laihiala, der den klassischen, leicht angetrunkenen Frontposer gab und von den Fans gefeiert wurde. Da tat es der Stimmung auch kaum Abbruch, dass ein Gitarrist nen Einsatz verpasste und ein Song neu begonnen werden musste… Als Abschluss gabs mit der Iron Maiden Cover-Version „The Trooper“ eine Verneigung vor den alten Helden und unterm Strich wars wohl ein angemessener Headliner.
 

GODDESS OF DESIRE

Ladies and Gentleman, it’s Showtime! Zum Abschluss des ersten Tages gabs nochmal richtig was fürs Auge. Musikalisch bieten die Nachbarn aus den Niederlanden nichts wirklich Neues, sondern eher Altbekanntes a la AC/DC, aber das wird ehrlich und engagiert dargeboten und die Show bleibt unvergesslich. Zwei leicht bekleidetet Damen strippten bzw. präsentierten sich immer wieder in verschiedenen Rollen lasziv auf der Bühne, mal als „strenge“ Lehrerin verkleidet, dann mal wieder eher in der Lustsklaven-Pose. Dazu gabs ordentlich Splatter-Show und entsprechende Totenkopf- und ähnliches Dekozeug. Nicht zu vergessen die Pyroshow – wobei ein Teil davon leider durch den Regen nass wurde und nicht zum Einsatz kam… Eine Band mit viel Humor und Spaß an der Sache, die das gesamte Wochenende viel Fan-Nähe zeigte und mit den Leuten feierte. Noch lange schallten die an den Hit „Vamos a la playa!“ angelehnten „Goddess of Desire, oh, ohohoh, oh!“-Rufe übers Gelände…

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