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Dinkelsbühl | Germany -
Interview mit Landrat Marco Meier

Interview mit Landrat Marco Meier

Dinkelsbühl liegt, wie auch die Städte Feuchtwangen und Rothenburg, im Landkreis Ansbach. Hier leben fast 190.000 Menschen und seit 1. Mai 2026 haben sie einen neuen Landrat: Marco Meier löste nach einer Stichwahl den seitherigen CSU-Amtsinhaber ab. Mit so einem neuen Amt geht natürlich jede Menge Terminstress einher, aber Marco hat es sich trotzdem nicht nehmen lassen, sich ein paar Tage vor Festivalbeginn selbst ein Bild von den Aufbauarbeiten, den Dimensionen und dem ganzen Drumherum zu machen.

 

SB: Wir feiern dieses Jahr ja 20 Jahre SUMMER BREEZE in Dinkelsbühl und da kam vor einiger Zeit im Team die Idee auf etwas über die Stadtgrenzen hinauszuschauen und auch mal Dich als Landrat anzusprechen. Dann waren wir uns aber gar nicht so sicher, obs da überhaupt ne Schnittmenge gibt und waren doch sehr überrascht, dass Du es mit gerade mal 33 Jahren auf diese Position geschafft hast! Bist Du der jüngste Landrat, oder gibt’s tatsächlich noch jüngere?

MM: Es gibt noch gewählte Kandidaten, die jünger sind. Und das ist auch gar nicht so schlecht, mal nicht mehr der Jüngste zu sein. Dadurch, dass ich ja schon sechs Jahre Bürgermeister war, im Bezirkstag bin, Kreisrat war, hat sich die Landratskandidatur als nächster Schritt ergeben. Seit der Gebietsreform 1972, als die vier Landkreise Ansbach, Dinkelsbühl, Feuchtwangen und Rothenburg zusammengegangen sind, gab es nur Landräte von der CSU. Also ich bin jetzt auf jeden Fall seit dieser Zeit der erste Nicht-CSU-ler und der jüngste Landrat, den der Landkreis Ansbach bisher hatte.

“Dann also erstmal Gratulation!”

SB:  Das ist auch ein enorm wichtiges Signal und es wird ja auch immer viel rumgeunkt, dass „die jungen Leute“ allesamt politikverdrossen sind und nur noch vor ihren Spielkonsolen sitzen. Was so pauschal natürlich Quatsch ist, aber das sind halt immer so Legenden, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.

MM: Ich möchte junge Leute motivieren, sich nicht von ihren Zielen abbringen zu lassen, sondern es einfach zu probieren. Das ist wie beim Sport. Man kann gewinnen oder verlieren. Wenn man verliert, hat man es aber wenigstens versucht und an Erfahrung gewonnen.

SB: Wo Du den Sport gerade ansprichst; der hat ja auch schon früh eine große Rolle in Deinem Leben gespielt. Du hast u.a. Sportmanagement studiert und auch eine Zeit lang die U16 von Greuther Fürth trainiert. Dann war wahrscheinlich erstmal der Plan Profitrainer zu werden, oder?

MM: Ja, genau. Ich komme aus dem Sport, habe nach Sportmanagement noch Wirtschaftspsychologie studiert und habe dann bei der Spielvereinigung Greuther Fürth gearbeitet. Ich habe dann als Mitarbeiter beim Landtagsabgeordneten Dr. Peter Bauer angefangen. In Ornbau habe ich die Bezirksliga-Herrenmannschaft trainiert. Als dann dort ein neuer Bürgermeister gesucht wurde, habe ich mich als einer von zwei Kandidaten aufstellen lassen und prompt mehr Stimmen bekommen als mein Gegenkandidat. Und dann gings grad so weiter…

SB: Mit 27 Jahren Bürgermeister, krass. War das dann so halb unfreiwillig, dass die Jungs in Deinem Verein gesagt haben, dass Du Dich da jetzt aufstellen lassen sollst, oder hast Du das Interesse für Politik vom Elternhaus mitbekommen?

MM: Mein Urgroßvater war zwar auch Bürgermeister, aber mein Vater hat jetzt nicht unbedingt etwas mit aktiver Politik am Hut. Mein politisches Engagement hat begonnen, als ich mich in meiner Heimatgemeinde Weihenzell, das liegt auch im Landkreis Ansbach, für das Schwimmbad eingesetzt habe. Später kam ich dort dann auch in den Gemeinderat. Und im Fußballverein in Ornbau kam dann in geselliger Runde die Frage auf, naja, wenn du jetzt Ornbau trainierst, warum kannst du nicht gleich den Bürgermeister machen? (lacht) Aus einem anfänglichen Spaß wurde dann Ernst.

SB: Lass uns noch kurz beim Thema Fußball bleiben. Sind denn Leute aus Deiner U16-Trainer-Zeit heute Bundesliga-Profis?

MM: Ja, tatsächlich, z.B. Maximilian Bauer, der lange Profi beim FC Augsburg war, der ist kürzlich nach Bielefeld gewechselt.

SB: Ist die Spielvereinigung Greuther Fürth dann auch dein Lieblingsverein?

MM: Auf jeden Fall, ich bin ein Kleeblättler durch und durch!

SB: Sowas ist ja auch keine rationale Entscheidung. Das machst du irgendwann sehr früh in deinem Leben und dann muss man da durch, inklusive aller Ups and Downs. Dann drücken wir mal die Daumen, dass die Fürther die Liga halten können!

MM: Ja, da war die letzte Saison schon verdammt hart und eng und jetzt gab es einen riesigen Kaderumbruch inklusive Sportdirektor, aber vielleicht klappts ja gerade dann.

SB: Sportlich spielt Tennis bei Dir auch eine große Rolle, oder?
MM: Ja, absolut. Das ist als sportlicher Ausgleich sehr wichtig und man ist eben flexibler als bei Mannschaftssportarten.

“Festival und Politik.”

SB: Aber zurück zu unserem eigentlichen Thema: Vor der Recherche war ich mir gar nicht so sicher, ob ein bayerischer Landrat ausgerechnet ein Herz für Metal und Hard Rock haben wird, aber spätestens beim Besuch Deiner Insta Seite, mit dem gesonderten Bereich für AC/DC, war dann alles klar. Wie oft hast du sie mittlerweile gesehen?

MM: Ich kann es gar nicht mehr ganz genau sagen… Also 2009 war ich zum ersten Mal mit meinem Vater und mit Bekannten am Hockenheimring. Und dann noch 2010, 2014… (zählt diverse Jahre auf) also ich vermute mal so um die 20 Mal.

SB: Wow, tatsächlich zweistellig – Respekt! Und Du warst sogar bei Shows in den USA …

MM: Ja genau, beim Power-Trip-Festival, das war ein absolutes Highlight!

SB: Das war doch dieses Monster-LineUp mit Metallica, Iron Maiden, AC/DC und Guns N’Roses?

MM: Genau, und sogar noch Tool und Judas Priest. Eigentlich hätte sogar noch Ozzy Osbourne spielen sollen, der musste dann aber absagen.

SB: Die hatten glaube ich doch auch 50.000 Leute pro Tag …
MM: Ja, kann sein, aber das lässt sich überhaupt nicht mit dem SUMMER BREEZE vergleichen. Erst recht nicht nachdem ich von Euch übers Gelände gefahren wurde und Einblicke in die ganze Infrastruktur und Planung bekommen habe. In den USA steht die Profitmaximierung absolut im Vordergrund.

“Das kann man 0,0 vergleichen.”

SB: Dann muss ich jetzt noch etwas Salz in deine Wunde streuen, dass Du dieses Jahr nicht beim SUMMER BREEZE dabei sein kannst: Wir haben dieses Jahr Geezer Butler zu Gast!

MM: Ja, ich weiß. Wir sind leider im Urlaub.

SB: Vorhin haben wir ja schon kurz Dein Elternhaus gestreift. Wie war denn Deine musikalische Sozialisation, wenn Dein Vater mit dir bei AC/DC war, dann…

MM: Mein Vater ist ganz klar Rocker. Das lief also schon mal daheim und meine Mutter ist eher Schlagerfan. Wir sind, als ich klein war, auch schon zu Coverbands gegangen. Für mich ist Rockmusik auch am meisten mit Freiheit verbunden. Da ist wenig Fassade, die stellen sich halt einfach auf die Bühne und spielen los. Und wie ich gehört habe, sind ja auch dieses Jahr wieder Bands aus der Region im LineUp.

SB: Ja, genau. Das war schon immer Teil unserer DNA. Auch dass wir Bands schon in einem sehr frühen Stadium eine Bühne bieten, die dann Jahre später selbst zu Headlinern werden. Bei uns waren das über die Jahre z.B. Heaven Shall Burn, Powerwolf, Volbeat oder auch Gojira.

 

SB: Was war denn dann das erste selbsterstandene Album in Deiner Sammlung?

MM: Ich meine das war „Dead Letters“ von der finnischen Band The Rasmus.

SB: Das war das mit diesem Überhit „In The Shadows“, oder?

MM: Ganz genau. Das nächste war dann auch schon „Ballbreaker“ von AC/DC. Das sind zwei Rockalben, mit denen ich sehr viel verbinde.

SB: Und was war dann das erste Rockkonzert?

MM: Ich hab ja schon die diversen Coverbands erwähnt, aber das erste richtig große Rockkonzert war eben 2009 AC/DC am Hockenheimring.

SB: Aber beim SUMMER BREEZE warst Du noch nie?
MM: Ich hab’s tatsächlich schon mehrfach vorgehabt, aber es kam dann immer irgendetwas dazwischen.

“Nächstes Mal klappt’s bestimmt!”

SB: Du spielst ja selbst auch Schlagzeug.

MM: Ja, aber nur so hobbymäßig. Wobei wir vor kurzem unser erstes Konzert auf einer Hochzeit gespielt haben und direkt der ganze Ort beschallt wurde!

SB: Na, wer weiß, was noch daraus wird… Der SUMMER BREEZE-Veranstalter Achim spielt ja auch Schlagzeug und einer der Gründe das erste Festival auf die Beine zu stellen war, dass er mit seiner Band Voodoo Kiss eben auch mal auf nem Festival spielen wollte…

MM: Ach cool, das wusste ich gar nicht.

SB: Und Du hast Dich dann irgendwann gegen die Trainerlaufbahn und für die Politik entschieden. Man muss da ja schon von einer beachtlichen Karriere sprechen, beachtliche Schritte in relativ kurzen Zeitintervallen. Wenn das so weiter gehen sollte – wo führt der Weg denn dann hin?

MM: Da, wo ich jetzt angekommen bin, gefällt es mir wirklich sehr gut. Ich wurde von der Bevölkerung gewählt und will gemeinsam mit der Verwaltung nach Lösungen suchen, um die Menschen zu unterstützen. Wir können wirklich gestalten, etwas verändern und Weichen für die Zukunft stellen.

SB: Du kommst dann mit einer ganz anderen Perspektive da rein und hast einen frischen Blick auf Prozesse und Gepflogenheiten.

SB: Es gibt ja auch eine Schnittmenge zwischen deiner Musikliebe und deiner Politiktätigkeit. Es gibt wohl einen Bürgermeisterchor, erzähl doch mal!

MM: Ja genau. Der Landkreis Ansbach hat einen Bürgermeisterchor, da dürfen nur aktive und ehemalige Bürgermeisterinnen und Bürgermeister mitsingen. Da wird traditionelles Liedgut gesungen. Der Chor ist richtig wichtig für die Gemeinschaft und hat für die Region schon über eine Viertelmillion Euro an Spenden zusammengetragen.

SB: Ach, dann sind das immer so Benefizauftritte?
MM: Ja genau. Die Spenden fließen in die Gemeinde, in der das Konzert stattgefunden hat, wenn z.B. eine Kirchensanierung ansteht, wenn ein soziales Projekt gefördert werden soll usw.. Mein Vorvorgänger, Landrat Rudolf Schwemmbauer, der leider schon verstorben ist und der Chorleiter war, der hat immer gesagt:

„Der Bürgermeisterchor ist ein gemischter Chor: Die einen können singen und die anderen nicht!“

SB: Und wie groß ist der Chor?

MM: Also normalerweise sind wir immer so rund 50 Leute.

SB: Na, das ist ja ein richtiger imposanter Klangkörper.

MM: Es hört sich auch wirklich imposant an!

SB: Als wir damals mit dem Festival von Baden-Württemberg nach Bayern umgezogen sind, haben die Ordnungskräfte in diesem Jahr das Schlimmste befürchtet und waren mit Kampfmonturen, Maschinenpistolen, Plastikschilden und Hundestaffel vor Ort, nur um dann zu sehen, dass das alles sehr friedlich und fröhlich abläuft…

MM: Das Offene, Herzliche und Unverstellte ist auch das, was mir an der Szene und an dem Festival so gefällt.

SB: Wenn man unser Festival mit anderen Großveranstaltungen vergleicht, egal ob Fußballstadien, das Oktoberfest oder was auch immer – bei uns ist es im Vergleich quasi paradiesisch.

MM: Ja, weil hier eben Gleichgesinnte herkommen, die die Musik verbindet. Wir sind sehr stolz, dass das Festival im Landkreis Ansbach stattfindet. Das ist nicht zuletzt auch ein enormer wirtschaftlicher Faktor, Branchen wie die Gastronomie, Hotellerie und natürlich der Einzelhandel profitieren da enorm.

SB: Ich bin auch immer wieder baff, wie die Leute aus aller Herren Länder hier her strömen und hier ihr Jahreshighlight feiern.

MM: Danke für den Einblick, der mir hier heute gewährt wurde. Es war sehr interessant, den Aufbau mitzuerleben und zu hören, wie durchdacht hier alles ist und dass hier bewusst Wert auf einen familiären Charakter gelegt wird. Auch dass die Anwohner mit Verständnis und Unterstützung reagieren, ist toll.

SB: Wir haben zu danken, toll dass Du Dir trotz des übervollen Kalenders ein Zeitfenster freigeschaufelt und vorbeigeschaut hast!

Dinkelsbühl liegt, wie auch die Städte Feuchtwangen und Rothenburg, im Landkreis Ansbach. Hier leben fast 190.000 Menschen und seit 1. Mai 2026 haben sie einen neuen Landrat: Marco Meier löste nach einer Stichwahl den seitherigen CSU-Amtsinhaber ab. Mit so einem neuen Amt geht natürlich jede Menge Terminstress einher, aber Marco hat es sich trotzdem nicht nehmen lassen, sich ein paar Tage vor Festivalbeginn selbst ein Bild von den Aufbauarbeiten, den Dimensionen und dem ganzen Drumherum zu machen.

 

SB: Wir feiern dieses Jahr ja 20 Jahre SUMMER BREEZE in Dinkelsbühl und da kam vor einiger Zeit im Team die Idee auf etwas über die Stadtgrenzen hinauszuschauen und auch mal Dich als Landrat anzusprechen. Dann waren wir uns aber gar nicht so sicher, obs da überhaupt ne Schnittmenge gibt und waren doch sehr überrascht, dass Du es mit gerade mal 33 Jahren auf diese Position geschafft hast! Bist Du der jüngste Landrat, oder gibt’s tatsächlich noch jüngere?

MM: Es gibt noch gewählte Kandidaten, die jünger sind. Und das ist auch gar nicht so schlecht, mal nicht mehr der Jüngste zu sein. Dadurch, dass ich ja schon sechs Jahre Bürgermeister war, im Bezirkstag bin, Kreisrat war, hat sich die Landratskandidatur als nächster Schritt ergeben. Seit der Gebietsreform 1972, als die vier Landkreise Ansbach, Dinkelsbühl, Feuchtwangen und Rothenburg zusammengegangen sind, gab es nur Landräte von der CSU. Also ich bin jetzt auf jeden Fall seit dieser Zeit der erste Nicht-CSU-ler und der jüngste Landrat, den der Landkreis Ansbach bisher hatte.

“Dann also erstmal Gratulation!”

SB:  Das ist auch ein enorm wichtiges Signal und es wird ja auch immer viel rumgeunkt, dass „die jungen Leute“ allesamt politikverdrossen sind und nur noch vor ihren Spielkonsolen sitzen. Was so pauschal natürlich Quatsch ist, aber das sind halt immer so Legenden, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.

MM: Ich möchte junge Leute motivieren, sich nicht von ihren Zielen abbringen zu lassen, sondern es einfach zu probieren. Das ist wie beim Sport. Man kann gewinnen oder verlieren. Wenn man verliert, hat man es aber wenigstens versucht und an Erfahrung gewonnen.

SB: Wo Du den Sport gerade ansprichst; der hat ja auch schon früh eine große Rolle in Deinem Leben gespielt. Du hast u.a. Sportmanagement studiert und auch eine Zeit lang die U16 von Greuther Fürth trainiert. Dann war wahrscheinlich erstmal der Plan Profitrainer zu werden, oder?

MM: Ja, genau. Ich komme aus dem Sport, habe nach Sportmanagement noch Wirtschaftspsychologie studiert und habe dann bei der Spielvereinigung Greuther Fürth gearbeitet. Ich habe dann als Mitarbeiter beim Landtagsabgeordneten Dr. Peter Bauer angefangen. In Ornbau habe ich die Bezirksliga-Herrenmannschaft trainiert. Als dann dort ein neuer Bürgermeister gesucht wurde, habe ich mich als einer von zwei Kandidaten aufstellen lassen und prompt mehr Stimmen bekommen als mein Gegenkandidat. Und dann gings grad so weiter…

SB: Mit 27 Jahren Bürgermeister, krass. War das dann so halb unfreiwillig, dass die Jungs in Deinem Verein gesagt haben, dass Du Dich da jetzt aufstellen lassen sollst, oder hast Du das Interesse für Politik vom Elternhaus mitbekommen?

MM: Mein Urgroßvater war zwar auch Bürgermeister, aber mein Vater hat jetzt nicht unbedingt etwas mit aktiver Politik am Hut. Mein politisches Engagement hat begonnen, als ich mich in meiner Heimatgemeinde Weihenzell, das liegt auch im Landkreis Ansbach, für das Schwimmbad eingesetzt habe. Später kam ich dort dann auch in den Gemeinderat. Und im Fußballverein in Ornbau kam dann in geselliger Runde die Frage auf, naja, wenn du jetzt Ornbau trainierst, warum kannst du nicht gleich den Bürgermeister machen? (lacht) Aus einem anfänglichen Spaß wurde dann Ernst.

SB: Lass uns noch kurz beim Thema Fußball bleiben. Sind denn Leute aus Deiner U16-Trainer-Zeit heute Bundesliga-Profis?

MM: Ja, tatsächlich, z.B. Maximilian Bauer, der lange Profi beim FC Augsburg war, der ist kürzlich nach Bielefeld gewechselt.

SB: Ist die Spielvereinigung Greuther Fürth dann auch dein Lieblingsverein?

MM: Auf jeden Fall, ich bin ein Kleeblättler durch und durch!

SB: Sowas ist ja auch keine rationale Entscheidung. Das machst du irgendwann sehr früh in deinem Leben und dann muss man da durch, inklusive aller Ups and Downs. Dann drücken wir mal die Daumen, dass die Fürther die Liga halten können!

MM: Ja, da war die letzte Saison schon verdammt hart und eng und jetzt gab es einen riesigen Kaderumbruch inklusive Sportdirektor, aber vielleicht klappts ja gerade dann.

SB: Sportlich spielt Tennis bei Dir auch eine große Rolle, oder?
MM: Ja, absolut. Das ist als sportlicher Ausgleich sehr wichtig und man ist eben flexibler als bei Mannschaftssportarten.

“Festival und Politik.”

SB: Aber zurück zu unserem eigentlichen Thema: Vor der Recherche war ich mir gar nicht so sicher, ob ein bayerischer Landrat ausgerechnet ein Herz für Metal und Hard Rock haben wird, aber spätestens beim Besuch Deiner Insta Seite, mit dem gesonderten Bereich für AC/DC, war dann alles klar. Wie oft hast du sie mittlerweile gesehen?

MM: Ich kann es gar nicht mehr ganz genau sagen… Also 2009 war ich zum ersten Mal mit meinem Vater und mit Bekannten am Hockenheimring. Und dann noch 2010, 2014… (zählt diverse Jahre auf) also ich vermute mal so um die 20 Mal.

SB: Wow, tatsächlich zweistellig – Respekt! Und Du warst sogar bei Shows in den USA …

MM: Ja genau, beim Power-Trip-Festival, das war ein absolutes Highlight!

SB: Das war doch dieses Monster-LineUp mit Metallica, Iron Maiden, AC/DC und Guns N’Roses?

MM: Genau, und sogar noch Tool und Judas Priest. Eigentlich hätte sogar noch Ozzy Osbourne spielen sollen, der musste dann aber absagen.

SB: Die hatten glaube ich doch auch 50.000 Leute pro Tag …
MM: Ja, kann sein, aber das lässt sich überhaupt nicht mit dem SUMMER BREEZE vergleichen. Erst recht nicht nachdem ich von Euch übers Gelände gefahren wurde und Einblicke in die ganze Infrastruktur und Planung bekommen habe. In den USA steht die Profitmaximierung absolut im Vordergrund.

“Das kann man 0,0 vergleichen.”

SB: Dann muss ich jetzt noch etwas Salz in deine Wunde streuen, dass Du dieses Jahr nicht beim SUMMER BREEZE dabei sein kannst: Wir haben dieses Jahr Geezer Butler zu Gast!

MM: Ja, ich weiß. Wir sind leider im Urlaub.

SB: Vorhin haben wir ja schon kurz Dein Elternhaus gestreift. Wie war denn Deine musikalische Sozialisation, wenn Dein Vater mit dir bei AC/DC war, dann…

MM: Mein Vater ist ganz klar Rocker. Das lief also schon mal daheim und meine Mutter ist eher Schlagerfan. Wir sind, als ich klein war, auch schon zu Coverbands gegangen. Für mich ist Rockmusik auch am meisten mit Freiheit verbunden. Da ist wenig Fassade, die stellen sich halt einfach auf die Bühne und spielen los. Und wie ich gehört habe, sind ja auch dieses Jahr wieder Bands aus der Region im LineUp.

SB: Ja, genau. Das war schon immer Teil unserer DNA. Auch dass wir Bands schon in einem sehr frühen Stadium eine Bühne bieten, die dann Jahre später selbst zu Headlinern werden. Bei uns waren das über die Jahre z.B. Heaven Shall Burn, Powerwolf, Volbeat oder auch Gojira.

 

SB: Was war denn dann das erste selbsterstandene Album in Deiner Sammlung?

MM: Ich meine das war „Dead Letters“ von der finnischen Band The Rasmus.

SB: Das war das mit diesem Überhit „In The Shadows“, oder?

MM: Ganz genau. Das nächste war dann auch schon „Ballbreaker“ von AC/DC. Das sind zwei Rockalben, mit denen ich sehr viel verbinde.

SB: Und was war dann das erste Rockkonzert?

MM: Ich hab ja schon die diversen Coverbands erwähnt, aber das erste richtig große Rockkonzert war eben 2009 AC/DC am Hockenheimring.

SB: Aber beim SUMMER BREEZE warst Du noch nie?
MM: Ich hab’s tatsächlich schon mehrfach vorgehabt, aber es kam dann immer irgendetwas dazwischen.

“Nächstes Mal klappt’s bestimmt!”

SB: Du spielst ja selbst auch Schlagzeug.

MM: Ja, aber nur so hobbymäßig. Wobei wir vor kurzem unser erstes Konzert auf einer Hochzeit gespielt haben und direkt der ganze Ort beschallt wurde!

SB: Na, wer weiß, was noch daraus wird… Der SUMMER BREEZE-Veranstalter Achim spielt ja auch Schlagzeug und einer der Gründe das erste Festival auf die Beine zu stellen war, dass er mit seiner Band Voodoo Kiss eben auch mal auf nem Festival spielen wollte…

MM: Ach cool, das wusste ich gar nicht.

SB: Und Du hast Dich dann irgendwann gegen die Trainerlaufbahn und für die Politik entschieden. Man muss da ja schon von einer beachtlichen Karriere sprechen, beachtliche Schritte in relativ kurzen Zeitintervallen. Wenn das so weiter gehen sollte – wo führt der Weg denn dann hin?

MM: Da, wo ich jetzt angekommen bin, gefällt es mir wirklich sehr gut. Ich wurde von der Bevölkerung gewählt und will gemeinsam mit der Verwaltung nach Lösungen suchen, um die Menschen zu unterstützen. Wir können wirklich gestalten, etwas verändern und Weichen für die Zukunft stellen.

SB: Du kommst dann mit einer ganz anderen Perspektive da rein und hast einen frischen Blick auf Prozesse und Gepflogenheiten.

SB: Es gibt ja auch eine Schnittmenge zwischen deiner Musikliebe und deiner Politiktätigkeit. Es gibt wohl einen Bürgermeisterchor, erzähl doch mal!

MM: Ja genau. Der Landkreis Ansbach hat einen Bürgermeisterchor, da dürfen nur aktive und ehemalige Bürgermeisterinnen und Bürgermeister mitsingen. Da wird traditionelles Liedgut gesungen. Der Chor ist richtig wichtig für die Gemeinschaft und hat für die Region schon über eine Viertelmillion Euro an Spenden zusammengetragen.

SB: Ach, dann sind das immer so Benefizauftritte?
MM: Ja genau. Die Spenden fließen in die Gemeinde, in der das Konzert stattgefunden hat, wenn z.B. eine Kirchensanierung ansteht, wenn ein soziales Projekt gefördert werden soll usw.. Mein Vorvorgänger, Landrat Rudolf Schwemmbauer, der leider schon verstorben ist und der Chorleiter war, der hat immer gesagt:

„Der Bürgermeisterchor ist ein gemischter Chor: Die einen können singen und die anderen nicht!“

SB: Und wie groß ist der Chor?

MM: Also normalerweise sind wir immer so rund 50 Leute.

SB: Na, das ist ja ein richtiger imposanter Klangkörper.

MM: Es hört sich auch wirklich imposant an!

SB: Als wir damals mit dem Festival von Baden-Württemberg nach Bayern umgezogen sind, haben die Ordnungskräfte in diesem Jahr das Schlimmste befürchtet und waren mit Kampfmonturen, Maschinenpistolen, Plastikschilden und Hundestaffel vor Ort, nur um dann zu sehen, dass das alles sehr friedlich und fröhlich abläuft…

MM: Das Offene, Herzliche und Unverstellte ist auch das, was mir an der Szene und an dem Festival so gefällt.

SB: Wenn man unser Festival mit anderen Großveranstaltungen vergleicht, egal ob Fußballstadien, das Oktoberfest oder was auch immer – bei uns ist es im Vergleich quasi paradiesisch.

MM: Ja, weil hier eben Gleichgesinnte herkommen, die die Musik verbindet. Wir sind sehr stolz, dass das Festival im Landkreis Ansbach stattfindet. Das ist nicht zuletzt auch ein enormer wirtschaftlicher Faktor, Branchen wie die Gastronomie, Hotellerie und natürlich der Einzelhandel profitieren da enorm.

SB: Ich bin auch immer wieder baff, wie die Leute aus aller Herren Länder hier her strömen und hier ihr Jahreshighlight feiern.

MM: Danke für den Einblick, der mir hier heute gewährt wurde. Es war sehr interessant, den Aufbau mitzuerleben und zu hören, wie durchdacht hier alles ist und dass hier bewusst Wert auf einen familiären Charakter gelegt wird. Auch dass die Anwohner mit Verständnis und Unterstützung reagieren, ist toll.

SB: Wir haben zu danken, toll dass Du Dir trotz des übervollen Kalenders ein Zeitfenster freigeschaufelt und vorbeigeschaut hast!