14.00 Blasmusik Illenschwang

Mit leichter Verspätung marschierte der heimliche Tagesheadliner zur Eröffnung des 20. SUMMER BREEZE aus dem Backstage-Bereich den Rufen des Publikums entgegen: Die BLASMUSIK ILLENSCHWANG wurde für 2017 von der Camel Stage auf die T-Stage befördert und gäbe es noch das Zelt, wäre es gut gefüllt gewesen.

Nach einem Instrumental-Medley startete die Horde stilecht durch mit „Grüß‘ Gott, ihr Freunde“. Zur anschließenden „Vogelwiese“ (wo Franz bei Blasmusik und Tanz viel erlebte und zu viel trank) stiegen die ersten Feuerfontänen in die Luft, ehe zu „Weil du so schön bist, mein Tiroler Land“ eine stetig wachsende Polonaise durch die Menge zog.

ILLENSCHWANG wissen eben, ihr Publikum zu beherrschen und wurden dafür auch heute mit frenetischen Rufen, textsicherem Chorgesang („Fischer vom Bodensee“!) und zahllosen Crowdsurfern belohnt. Kein Wunder, denn vermutlich dominiert kein anderer Act des Festivals Paarreim und Vier-Viertel-Takt so selbstverständlich und schamlos wie die alteingesessene Blaskapelle. Diese feiert in diesem Jahr ebenfalls ein Jubiläum und nutzte das SUMMER BREEZE 2017 und ihre „30“ zu zelebrieren. Dafür wurden zwei Herren in Dirndl und Lederhosen als Gastsänger auf die Bühne geholt und verteilten dort zahllose Herzchen aus Flitterkanonen auf Kapelle und Fans. Als beliebteste Fan-Hymne entpuppte sich das „Kufstein-Lied“, zu dem aus vollen Kehlen gejodelt wurde – dafür kann man schließlich nicht zu betrunken sein! Als krönenden Abschluss gab es als Zugabe das emsig eingeforderte „Frankenlied“. Die BLASMUSIK ILLENSCHWANG hinterließ auch in diesem Jahr ein meisterlich aufgewärmtes Publikum, das sich zum Jubiläum auf einen gut gefüllten Nachmittag mit den Surprise Acts auf der T-Stage freuen durfte.

15.00 Bembers

Was BEMBERS und Metal gemeinsam haben, war auf den ersten Blick klar. Der BEMBERS ist ein Freund klarer Worte und redet nicht lange um den heißen Brei. Nachdem der fränkische Comedian mit dem Motto „Ey hoch amol“ sich wegen eines Staus verspätet hatte, stürmte er die Bühne und legte sofort los. Er sprach zuerst die Hitze an, was beim schwitzenden Publikum gut ankam. Was ist überhaupt los in Deutschland und wer bestimmt eigentlich diese „gefühlte“ Temperatur? Das Metal-Publikum freute sich natürlich auch über HipHop-Hetzerei, die BEMBERS selbstverständlich auf Lager hatte. Witze über zu enge Caps und wild fuchtelnde Typen in Baggy Pants kamen natürlich gut an und BEMBERS erntete dafür angemessenen Applaus. Bei all dem Quatsch merkte der genaue Zuhörer aber auch schnell, dass BEMBERS zwar in erster Linie an guter Laune interessiert ist, aber ganz sicher auch Wert auf eine gewisse Botschaft legt. Deshalb fasste er auch passend zusammen: „Der BEMBERS kauft nur bei Deutschen, auch wenn sie schwarz sind“. Allerdings ließ sich der BEMBERS, wie er sich selbst traditionell immer wieder nannte, auch nicht ins Handwerk pfuschen. Rufe wie „Scheiß Weiber“ wurden gerne unterstützt, Zwischenrufe allerdings mit „Halt mal die Fresse da unten“ kommentiert. Das Publikum fand beides gut. Die Zeit drängte, weshalb BEMBERS seinen Klassiker darüber, als er „die Flachwichser in die Schranken wies“ etwas kürzen musste. Zum Lob gab es aber als Abpfiff ein Feuerwerk bei Tageslicht. Ein Feuerwerk, das eigentlich nichts mit BEMBERS zu tun hatte, seinen Auftritt aber geschmackvoll abrundete.

15.32 Born From Pain

Der erste Surprise Act und damit gleichzeitig die erste „reguläre“ Band auf dem Infield, sollte gleich mal ordentlich Dampf machen – mit BORN FROM PAIN war nämlich metallischer Hardcore angesagt. Doch bevor die Holländer die T-Stage enterten, die im Gegensatz zum Vorjahr zu einer Outdoor Bühne umfunktioniert wurde, war es zunächst Zeit für einen emotionalen Start-Schuss. Nach einem rot-weißen Feuerwerk, traten vier Crew-Mitglieder auf die Bühne, entzündeten jeweils ein Bengalo und hielten ein Transparent hoch. Darauf stand in großen Lettern „Michael Trengert unvergessen“. Damit gedachte man dem 2013 verstorbenen SUMMER BREEZE-Mit-Veranstalter Michael Trengert. Sofort im Anschluss stürmten BORN FROM PAIN mit ihrem Intro „As Above, So Below“ die Bühne und gingen direkt in die Vollen. Ebenso wie die Crowd, die richtig Bock auf Bewegung hatte. Denn zu „Cause & Effect“ tobte bereits ein ansehnlicher Pit. Dass gerade BORN FROM PAIN als Opener der T-Stage ran durften, war kein Zufall. Denn Trengert, der auch Gründer des europäischen Ablegers von Metal Blade war, nahm die Holländer 2005 mit ihrem Album „In Love With The End“ auf seinem Label auf und führte sie so an eine größere Hörerschaft heran. Bevor dann mit „Rise Or Die“ der Eröffnungstrack genau dieses Albums angestimmt wurde, nahm sich Sänger Rob Fransen einige Minuten und sprach über die Verbindung der Band zu Trengert. Ein kurzer Moment der Andacht, der dann in den fiesen Moshpart des Tracks überging. „Too Cold“ und „The New Hate“ hielten das Powerlevel im Anschluss hoch und ein Circle Pit jagte den nächsten. Der gewaltig planierende BFP-Klassiker „Final Nail“ und die Midtempo-Walze „Behind Enemy Lines“ brachten den Pit noch mal ordentlich zum Kochen, bevor „Stop At Nothing“ einem schweißtreibenden Set die Krone aufsetzte. Ein enorm starker Auftakt für das Jubiläums-BREEZE.

16.15 Night Demon

NIGHT DEMON haben mittlerweile zwei saustarke Alben im Gepäck und traten dementsprechend selbstbewusst trat das Trio um Tausendsassa Jarvis Leatherby am Mittwochnachmittag an. Die versammelten Kuttenträger vor der Bühne fraßen dem charismatischen Frontmann von der ersten Sekunde an aus der Hand. Dafür brauchte er gar nicht viele Worte, sondern einfach nur eine mit Hits gespickte Setlist. Das eröffnende Doppel aus „Welcome To The Night“ und „Full Speed Ahead“ brachte die Meute augenblicklich zum Kochen. Fäuste wurden in die Luft gereckt und jeder Refrain lauthals mitgesungen. Zum Bandklassiker „The Chalice“ schaute traditionsgemäß Bandmaskottchen Rocky auf der Bühne vorbei. Wer dachte, dass das anschließende „Night Demon“ das Konzerthighlight war, lag falsch. Die letzten Minuten widmeten NIGHT DEMON nämlich ihren großen Idolen von Iron Maiden, und zwar mit einem tollen „Wasted Years“-Cover. Und das Publikum würdigte die gelungene Tributgeste zum Abschluss mit frenetischem Applaus.

17.00 VOMITORY

Der zweite Surprise Act des Tages auf der T-Stage war eine faustdicke Überraschung: niemand Geringeres als die eigentlich bereits 2013 aufgelösten VOMITORY haben sich für ein einmaliges Stelldichein wieder zusammengetan, um dem im gleichen Jahr verstorbenen SUMMER BREEZE-Mit-Veranstalter Michael Trengert die Ehre zu erweisen. „After this we go back to being dead“ stellte Gitarrist Peter Östlund aber sofort klar, um sich gleich wieder auf seinen eigentlichen Job an diesem Tag zu konzentrieren: die Menge mit schwedischem Prügel-Death par excellence zu malträtieren. Darüber hinaus zeigten sich VOMITORY zwar nicht besonders kommunikativ, bewiesen aber mit einer dreiviertel Stunde vollstem Vollgas, dass sie seit ihrem Abgang rein gar nichts verlernt haben. Der Sound hätte zugegeben ein wenig sauberer und drückender sein können, aber wer braucht das schon bei fortwährendem Geblaste? Der ab „The Voyage“ andauernde Pogo-Pit rechts von der Bühne anscheinend nicht. Astreine Aufwärmrunde für den Gig der Nachfolgeband Cut Up am Donnerstag, bei denen bekanntlich VOMITORYs Tobias Gustafsson und Erik Rundqvist mit am Start sind.

17.45 Kontinuum

Die Isländer sind eines der Gourmet-Häppchen im Line Up des diesjährigen SUMMER BREEZE Festivals. Denn obwohl es die Band bereits seit 2010 gibt, hat sie eben noch nicht an jeder Steckdose in unseren Breitengraden angedockt. Die Fläche vor der Camel Stage war entsprechend gut besucht und die fünf komplett schwarz gekleideten Musiker – alleine drei davon steuerten Gitarrenparts bei – starteten ohne Intro und mit ihrem Song „Breathe“ in ihr Set. Obwohl sie die Sonne im Rücken hatten trugen gleich drei der Mucker übers gesamte Set über eine Sonnenbrille. Eine erste Ansage gab es auch erst nach dem dritten Song, aber so gelang es dem Quintett trotz des, an sich hinderlichen, Tageslichts ordentlich Atmosphäre aufzubauen. Mit ihrem Sound irgendwo zwischen Katatonia und Fields Of The Nephilim stellten sie eine recht rare Spezies des diesjährigen Festivals dar und wurden deswegen wohl auch trotz der frühen Uhrzeit schon sehr wohlwollend aufgenommen. Herausragend waren auch der gekonnte zweistimmige Gesang und der Mix aus englischen und isländischen Songs.

18.30 In Extremo

Mit „Wind“ ging es bei IN EXTREMO direkt in die Vollen. Nach dem Opener kündigte Frontmann Michael Rhein für die folgende Stunde ein Klassiker-Set voller „Songs die wir seit 20 Jahren nicht gespielt haben“ an. Bereits das anschließende „Hiamali Tempore“ löste dieses Versprechen ein. Passend zum Retro-Set wurde auch die Bühnenshow auf das Wesentliche zurückgefahren. Die Band verzichtete weitestgehend auf den Einsatz von Pyros oder anderen Effekten. Stattdessen ließen IN EXTREMO an diesem Abend die Musik für sich sprechen. Dass das bei den Fans gut ankam, bewiesen die bereits früh einsetzenden „IN EXTREMO“-Chöre aus dem Publikum. Doch das Set war nicht nur eine Reise in die musikalische Vergangenheit, sondern auch eine Gedenkstunde für Michael Trengert. „Er war der erste, der an uns geglaubt hat“, gab Michael Rhein zu verstehen. Daraufhin gab es mit „Ai Vis Lo Lop“ den ersten Rocksong der Bandgeschichte zu hören. Passend zu dieser energiegeladenen Nummer, bildete das Publikum einen amtlichen Moshpit. Neben weiteren Evergreens wie „Herr Mannelig“ oder dem „Palästinalied“ gab es in der Mitte des Konzerts mit „Rotes Haar“ noch mal einen Song, der es in den letzten Jahren nur noch selten in eine IN EXTREMO-Setlist geschafft hat. Den Höhepunkt erreichte die Show aber beim abschließenden Song-Doppel. Der „Spielmannsfluch“ ist ja quasi das „Smoke On The Water“ der sieben Spielmänner. Dementsprechend textsicher zeigte sich hier das Publikum. Zum Abschluss gab es noch „einen Ausblick auf Morgen“ in Form von „Frei Zu Sein“. Hier feuerten IN EXTREMO zum krönenden Abschluss dann auch eine Breitseite Pyros und einen amtlichen Konfettiregen ab.

19.30 UADA

Mit „Devoid Of Light“ haben UADA zwar bislang nur ein Album vorzuweisen, das aber schlug letztes Jahr bei Fans atmosphärischen Black Metals so richtig ein. Entsprechend war es für Camel Stage-Verhältnisse zu dieser Tageszeit übervoll auf dem Platz, als die US-Amerikaner eine Masse an Fans zogen, die dicht gedrängt fast bis zu den Cocktailständen standen. Eigentlich war also alles für die Black-Metal-Messe angerichtet, wenn da nicht zwei Dinge gewesen wären: zum einen konnten UADA ob der Helligkeit die dichte Atmosphäre ihres Debuts nicht hundertprozentig auf der Bühne reproduzieren. Zum anderen, und sicherlich ärgerlicher, macht den US-Amerikanern der Sound zumindest in der ersten Hälfte des Sets einen Strich durch die Rechnung. Und da haperte es in allen Mannschaftsteilen: die Drums zu pappig, der Bass zu dröhnend, die Gitarren zu leise, die Vocals zu laut. Sehr schade, denn UADA lieferten nicht nur eine punktgenaue Performance ab, bei der sich vor allem Fronter Jake Superchie die Seele in ziemlich allen Färbungen zwischen Growls und Screams aus dem Leib schrie; sie präsentierten dazu auch zwei bislang unveröffentlichte Songs, die einen differenzierteren Klang verdient gehabt hätten. Das Erstaunliche: trotz der schwierigen Umstände dünnte die Menge keinesfalls aus sondern feierte einen Gig, den UADA komplett ohne jedwede Ansage kompromisslos durchzogen. Zum Ende hin löste zumindest die untergehende Sonne eine standesgemäß düstere Stimmung aus. UADA gingen heute auf der Camel Stage locker als heimlicher Headliner durch.

20.15 Powerwolf

Mit dem Wegfall des Zeltes hat sich der Charakter der T-Stage so drastisch verändert, dass sie im Rahmen der T-Party einer neuerlichen Weihung bedurfte. Und wer wäre besser für diesen Job geeignet gewesen als POWERWOLF, die mit ihrer Power Metal-Messe für eine angemessen sakrale Atmosphäre sorgten? Zwar sollte der Auftritt zugleich als Gedenkfeier für den von allen schmerzlich vermissten Michael Trengert dienen, in Traurigkeit versinken mochten die Wölfe und ihr bis in die hintersten Reihen dicht gedrängtes Rudel indes natürlich nicht. Stattdessen heizten gewohnt üppige Pyro-Effekte der versammelten Gemeinde ordentlich ein, die sich von den launigen, selbstverständlich mit Frontmann Attila Dorns pseudo-transylvanischem Akzent garnierten, Ansagen angestachelt zum gepflegten Ausrasten bringen ließen. Dabei wurde natürlich des Mannes „heiligstem Körperteil“ („Coleus Sanctus“) genauso gewürdigt wie seine allmorgenlättliche Wiederauferstehung („Resurrection By Erection“) – der einsame Moralwächter schrie auf seinem verlorenen Posten verzweifelt „Sexismus!“, woraufhin ihm die Power Metal-Fans ein wohlartikuliertes „Huh – Hah!“ entgegneten, während sich die bunt kostümierte Crowdsurfer-Meute lemminggleich in den Bühnengraben stürzte. „Let There Be Night“ forderten POWERWOLF und folgsam legte sich der Schleier der Nacht im Laufe der Show über das Geschehen und hüllte das Festivalgelände jenseits der grellen Bühnenscheinwerfer zunehmend in Dunkelheit. Genau die richtige Zeit also für armenische Werwölfe und andere Blutsauger, aus ihren Löchern zu kriechen und sich von den in eine extragroße Weihrauchwolke eingehüllten Musikern huldigen zu lassen. „Man merkt, Sie sind noch frisch“ lobte Frontmann Attila die vor Energie strotzende Menge. Logisch, am ersten Festivalabend waren alle (oder jedenfalls die meisten der) Anwesenden noch im Vollbesitz ihrer körperlichen Kräfte. Kaum vorstellbar, dass sie dieses Aktivitätsniveau über die drei noch anstehenden Festivaltage hinweg würden aufrecht erhalten können.

21.30 Vital Remains

„Are you ready for some old school Death Metal?“ hieß es um halb zehn auf der Camel Stage – denn die amerikanischen Death Metal-Heroen VITAL REMAINS luden zum gepflegten Kopf-Abschrauben. Und das mit Klassikern gespickte Set der US-Amerikaner hatte es in sich. Nach einem stimmungsvollen Intro ging es ohne Umschweife mit „Where Is Your God Now“ wuchtig los. Den rund 1000 Augenpaaren vor der Camel-Stage wurde damit direkt der erste Klassiker präsentiert, gefolgt von „Icons Of Evil“ vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 2007. Quittiert wurde dieser brutale Einstieg mit reichlich Pommes-Gabeln und viel Bewegung. Nach diesem starken Auftakt folgten mit „Scorned“ und „Hammer Down The Nails“ zwei weitere Songs des 2007er Albums. Und auch wenn die Band um Sänger Brian Werner auf der Bühne alles gab, und er mit einem Stage-Dive den Kontakt zum Publikum suchte, ließ die anfängliche Euphorie mit der Zeit ein wenig nach. Doch als es hieß „This is a new Song“ und der neue Kracher „A World Without God“ angestimmt wurde, war die Crowd wieder voll da. Das „Finale grande“ bildeten „Let The Killing Begin“ und „Dechristianize“ – den Song vom ikonischen 2003er Album, bei dem einst Glen Benton, Sänger und Bassist von DEICIDE, den Platz am Mikro übernahm. Natürlich mussten solche wegweisenden Songs dementsprechend zelebriert werden. So kam Werner, mit einer durch eine Rauchbombe umrahmten Pentagram-Fahne auf die Bühne und leitete übertrieben theatralisch das Ende des Sets ein – ein ausgiebiges Bad in der Menge inklusive. Nach 45 Minuten auf technisch und energetisch hohem Niveau war der Spuk schließlich vorbei.

22.15 Amon Amarth

AMON AMARTHs Frontmann Johan Hegg entschuldigte sich gleich zu Beginn des Sets für seine vermeintlich unzureichenden Deutsch-Kenntnisse. Da verzieh man ihm auch gerne die „immer verpasst – nie vergessen“-Stilblüte an die Adresse des ehemaligen Mentors Michael Trengert. Der aufmerksame Zuhörer wusste sowieso, was gemeint war, und das kam von Herzen. Statt langer Totenreden überließen es die Schweden ohnehin lieber der Musik, für sich zu sprechen. Kaum hatten die Wikinger das imposant im Zentrum der T-Stage thronende Drachenschiff geentert und sich in angemessene Heldenpose geworfen, da prasselten bereits Bandklassiker vom Schlage eines „Free Will Sacrifice“, „For The Stabwounds In Our Backs“ oder „Gods Of War Arise“ auf das Publikum ein. Im Zentrum des anderthalbstündigen Sets stand Material der Alben „Twilight Of The Thunder God“, „With Oden On Our Side“ und „Versus The World“, wer sich hingegen auf die Stücke der jüngsten drei Alben gefreut hatte, wurde auf die Hauptbühnen-Show am folgenden Abend vertröstet. Eine überwältigende Mehrheit der Anwesenden fand jedoch Gefallen am Old-School-Set, wovon nicht zuletzt der amtliche Moshpit vor der Bühne zeugte. Bei „Varyags Of Miklagaard“ gelang es AMON AMARTH sogar, die komplette Menge dazu zu bewegen, sich hinzusetzen und mit vollem Körpereinsatz ausladende Ruderbewegungen zu vollführen. Kannte man solcherlei Formen der körperlichen Ertüchtigung ansonsten eher von Konzerten aus dem Metalcore-Bereich, wirkten sie hier endlich einmal nicht vollkommen deplatziert. Die Gemeinschaft der tapferen Viking Metal-Fans legte sich ordentlich in die Riemen, um ihre Hauptleute auf der Bühne mit Schwung in die bevorstehende Schlacht begleiten zu können. Im Vergleich mit den zuvor aufgetretenen In Extremo und Powerwolf mutete hingegen die Pyro-Show weitaus bescheidener an. Lediglich zu den Klängen von „Asator“ schossen Feuersäulen in den nächtlichen Himmel, bevor der abschließende „Victorious March“ in einem gewaltigen Funkenregen endete.

23.45 Sister

Dunkelheit und schwarz-weißes Makeup gehen gut zusammen. Wenn dann noch knackiger Rock dazu kommt, ergibt das eine verlockende Mischung, die auch am sehr fortgeschrittenen Abend die Fläche vor der Camel Stage locker füllte. SISTER aus Schweden gaben sich mit großem Elan und mitreißenden Rhythmen die Ehre. Dass die Jungs aus Stockholm der Mehrheit der Anwesenden eher noch nicht vertraut waren, tat dem Spaß dabei keinen Abbruch. Spätestens ab dem dritten Titel wippte die zunächst etwas verhaltene Menge leidenschaftlich mit und die Rufe von Fronter Jamie Anderson nach Klatschen und Rufen wurden erhört. Einzig der Aufforderung „Spit!“ zum Titel „Spit On Me“ folgte dann doch kaum jemand… Den Schwung, den SISTER zu später Stunde auf die Bretter brachten, traut man Ihnen spontan gar nicht zu. Umso mehr wurde der Auftritt mit stetig steigendem Enthusiasmus aus der Menge belohnt und selbst die Frage „Are you sick motherfuckers?“ wurde leidenschaftlich bejaht. Zum Abschluss brüllten sich Band und Publikum noch im Chor ein frenetisches „Bullshit“ entgegen, ehe SISTER nach ausgiebigem Lob für die Horde und einem Pommesgabel-Selfie sichtlich gut gelaunt die Bühne verließen.

00.30 Destruction

Pech für Schlafmützen: Bettruhe ist definitiv nicht drin, wenn DESTRUCTION antreten. Der gleichen Meinung waren auch die Fans, die sich in großer Zahl um halb ein Uhr – also quasi mitten in der Nacht – vor der T-Stage versammelten. Es brodelte schon ordentlich in den vorderen Reihen, bevor die Band auch nur die Bühne enterte. Nach verheißungsvollem Intro begannen Schmier und Co., die T-Stage gepflegt und nach guter, alter DESTRUCTION-Art auseinander zu nehmen und ihrem Bandnamen so alle Ehre zu machen. Nebelkanonen hüllten die Bühne kräftig ein und lieferten die lichtbrechende Grundlage für ein Effektgewitter, das der Musik mehr als gerecht wurde. Der letzte Surprise Act des Tages lieferte die volle Dröhnung Teutonen-Thrash. Fronter Schmier genoss seinen Auftritt sichtlich und redete munter auf das Publikum ein. So wünschte er sich einen Moshpit zu „Nailed To The Cross“, den ihm das Publikum natürlich nur zu gerne lieferte. Die Nebelkanonen liefen auf Vollast und sorgten dafür, dass der Schlagzeuger bei „Mad Butcher“ streckenweise kaum noch zu sehen war. Die imposanten Feuerfontänen verliehen der Band noch zusätzliche Brachialität, und selbst die leichten technischen Probleme konnten den Siegeszug der Band nicht aufhalten. So viel also zum Thema Bettruhe.

01.15 Schammasch

Zwei Uhr nachts. Massive Nebelschwaden hüllten die Camel Stage ein. Und auf der Fläche vor der Bühne versammelte sich eine riesige Meute und füllte das Feld vor der Stage so fast ganz aus. Auf der Bühne erschienen die Silhouetten der Musiker. Lange hallte das Intro der Band durch die Reihen, während diese regungslos auf der Bühne stand, ehe der Opener „Consensus“ einer Explosion gleich im Publikum einschlug. Es herrschte eine fast mystische, andächtige Stimmung, während die Band ihren Black Metal in die Nacht hinein entließ. Die experimentellen Klänge versetzten das Publikum förmlich in einen tranceähnlichen Zustand, aus dem die Band sie mit den Ansagen jeweils nur kurz herausholte. So schienen Scheinwerfer hell wie die Lichter eines entgegenkommenden, amerikanischen Trucks auf dem Highway in das Publikum hinein, während Sänger Chris fragte : „Seid ihr noch wach?“ Die Band, die sich erst gegen Ende ihres Sets als „SCHAMMASCH aus der Schweiz“ vorstellte, nutzte die Gunst der Nacht für ihren mystischen Sound, der in der Dunkelheit sein volles Potential entfaltete.

02.00 Steve 'n' Seagulls

Wer geglaubt hatte, dass der BREEZE-Meute am Mittwoch nach der spätabendlichen T-Stage-DESTRUCTION keine Puste und Muße mehr für den Schlussakt des Tages verbleiben würde, der irrte. STEVE ‚N‘ SEAGULLS bewiesen vielmehr eindrucksvoll, dass ihre bandeigene Mischung aus Bluegrass, Punk und unsterblichen Rock-und Metal-Hymnen auch um zwei Uhr am Morgen noch sehr gut zu zünden vermag. Von Beginn an wurde getanzt, geklatscht, gepogt und, ja, gecrowdsurft. Voller Energie coverte sich das gut gelaunte Quintett derweil mit Banjo und Akkordeon von Iron Maiden über Metallica und Megadeth bis zu Pantera. Fröhliche Überraschung rief beim Publikum vor allem das mit charmantem Akzent angestimmte Rammstein-Cover „Ich Will“ hervor. Nicht müde wurden die Finnen zudem, den Namen ihres Schlapphut tragenden Banjo-Spielers Herman (Betonung auf dem R) de German zu betonen. Das alles kam so gut, dass die Versammelten am Ende lautstark nach einer Zugabe verlangten – wohlgemerkt um drei Uhr in der Nacht, von einer Country-Band auf einem Metal-Festival! Leider konnte diesem Wunsch nicht mehr nachgekommen werden.