11.00 (PS) CUMULO NIMBUS

Eine Gewitterwolke hätte es ja nun nicht gleich sein müssen – inkontinente Wolken sind ja auch nicht so der Bringer bei Festivals – aber die pralle Mittagssonne stach erbarmungslos auf die, vor allem für die Uhrzeit, beachtliche Zahl an Zuschauern, die sich vor der Painstage versammelt hatte. Die Bands für das Mittelalter-affine Volk, waren dieses Jahr eher in der Minderheit und so wurden die entsprechenden Bands, nur umso frenetischer abgefeiert. So hatten auch die Spielleute von CUMULO NIMBUS in ihren liebevollen Outfits leichtes Spiel, die zwei attraktiven Damen an Geige, Gambe und Flöten dürften neben den schmissigen Liedern ein weiterer Grund für die positiven Resonanzen gewesen sein. Die Band zeigte sich extrem spielfreudig, hopste munter synchron über die Bühne und besonders Erik der Müllermeister betätigte sich als emsiger Anheizer – und bediente „nebenbei“ auch noch seine Gitarre, sang und spielte ab und an Laute. Als Sahnehäubchen gabs beim letzten Song „Aderlass“ noch „Besuch“ von zwei maskierten Feuerwirblern.

11.35 (PS) INME

Als um kurz nach halb Zwölf die vier schmächtigen Briten von INME tapfer auf die Hauptbühne stapften, befand sich vor dieser – in Relation zur Gesamtbesucherzahl – quasi niemand. Die Leute, die dann doch da waren, erlebten eine unglaublich virtuose Band, die sich regelrecht die Hinterteile aufriss, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Die Jungs waren extra für diese einzelne Show von Brentwood (Essex) nach Süddeutschland gefahren (nicht geflogen!) und bereuten das, trotz überschaubarer Kulisse, keine Sekunde. Sänger/Gitarrist Dave McPherson und seine Mitstreiter genossen die Show offensichtlich in vollen Zügen, und Dave warf sogar gekonnt den ein oder anderen deutschen Satz ein. Niemand versteht es so gekonnt, eingängige, ja stellenweise poppige Melodien, mit derart vertracktem „Hintergrundgeräuschen“ zu verbinden. Alternative meets Mathcore, und aus dieser intensiven Begegnung wurde ein Kind namens INME geboren. Die sechs gespielten Song stammten zu gleichen Teilen aus den jeweils zwei letzten Alben der Band, die sich bestimmt der ein oder andere SUMMER BREEZE-Besucher dann dieser Tage ins Regal stellen wird – also: Mission erfüllt!

12.10 (PS) DEADSTAR ASSEMBLY

„Hallo Deutschland, da wo wir her kommen, ist es jetzt gerade mal sechs Uhr in der früh! Egal, für uns erfüllt sich eben ein Traum!“. Die extrovertierten und hochmotivierten US-Amerikaner erwiesen sich als weiterer absoluter Glücksgriff der Booking-Abteilung. Darkmetal mit leichter Industrial-/Elektroschlagseite und vor allem richtig fetten Riffs, die direktamente in die Knie und Herzen der Zuschauer trafen. Hier war natürlich auch und besonders was für die Ladies geboten, die im Vorjahr vielleicht die DEATHSTARS angeschmachtet haben. Auch der US-Fünfer legte sich in Sachen Outfit und Posing mächtig in die Riemen. Absoluter Blickfang war der Keyboarder mit der Steckdosen-Frisur, der permanent am extrem Grimassieren und Gestikulieren war; und auch der Sänger war offensichtlich zufrieden mit dem feiernden Mob vor der Bühne, er hörte jedenfalls gar nicht mehr auf Gratis-Shirts ins Publikum zu feuern… In der zweiten Sethälfte schmuggelten sie noch eine ordentliche „Send Me An Angel“-Coverversion zwischen ihr eigenes Material, und auch dieser Track wurde begeistert aufgenommen – die Band hätte noch deutlich mehr Publikum verdient!

12.50 (PS) MONO INC.

Während des Intros betrat als erste die schnucklige Schlagzeugerin die Bühne, ging direkt vor an den Rand und forderte das Publikum zum Mitklatschen auf – und eigentlich hatte die Band ab da schon das Heft fest in der Hand. Ihr Sound war zwar etwas sonniger, passte aber trotzdem ganz gut zu DEADSTAR ASSEMBLY vor ihnen und so sind wohl viele von der Pain Stage direkt an die Main Stag gewechselt. Bis 2006 war ihr Fronter Martin Engler ja noch Schlagzeuger der Band, er ist mittlerweile aber absolut in der Rolle des Fronters angekommen – und die Lücke am Schlagzeug wurde ja auch äußerst charmant und kompetent mit Katha Mia gefüllt, die nicht nur prima Schlagzeug spielte sondern auch noch Backup-Vocals beisteuerte. Engler gefiele sich sichtlich in seiner Rolle, poste, grimassierte und gestikulierte wie ein Weltmeister und sah mit seinem schwarz geschminkten Augenbereich irgendwie aus wie Onkel Fester. Zur Krönung gabs gegen Ende noch eine sehr gelungene „Sleeping My Day Away“-Coverversion der Dänen D.A.D. – der Auftritt bleibt auf jeden Fall positiv im Gedächtnis.

13.35 (PS) LETZTE INSTANZ

Mit strahlend blauem Himmel zeigte sich der frühe Nachmittag an diesem Freitag von seiner besten Seite. An sich nicht die besten Rahmenbedingungen für die teils doch etwas düsteren Klänge der LETZTEN INSTANZ. Am heutigen Tage störte sich daran aber weder die Band noch das Publikum. In Scharen waren die Anhänger der Dresdner vor die Painstage gepilgert und hatten schon vor dem Gig sichtlich Spaß. Größtenteils barfuss stürmten die Herren schließlich unter tosendem Applaus die Bühne und setzten mit „Mea Culpa“ und dem nahtlos anschließenden „Mein Engel“ gleich den ersten Glanzpunkt eines, so viel sei verraten, starken Gigs. Unter der Rhythmusgewalt des seit kurzem zur Band gestoßenen ehemaligen SUBWAY TO SALLY Drummers David Pätsch trieb die LETZTE INSTANZ das Publikum derartig auf Temperatur, dass bereits nach wenigen Songs die Securities mit dicken Schläuchen Wasser ins Publikum pumpen mussten. Ungeachtet dessen, war für die eher rockigen Klänge eine durchaus beachtliche Menge an Crowdsurfern unterwegs. Richtig zum Kochen kam das Publikum dann schließlich unter der Regie des sympathischen Fronters Holly, der mit diversen Spielchen genau den Nerv der Fangemeinde traf. Als Schmankerl gab es schließlich noch einen Song des erst Anfang Oktober erscheinenden neuen Albums „Heilig“. Die LETZTE INSTANZ wurde nach dem eigentlich letzten Song schließlich derartig abgefeiert, dass mit „Rapunzel“ sogar noch eine Zugabe im Köcher war.

14.25 (MS) FIDDLER‘S GREEN

„Folk’s Not Dead!“ war das einzig mögliche Fazit nach der schweißtreibenden Show der LETZTEN INSTANZ. Genau diesem Ruf folgten dann auch Tausende vor die Mainstage und ließen sich herrlich von FIDDLER’S GREEN unterhalten. 20 lange Jahre ist die Formation nun schon unterwegs. Genau diese Routine merkte man den Herren auch an. Trotz des eher unmetallischen Folk Rocks hatte die Band leichtes Spiel den Funken gleich von Beginn an zu zünden – nicht umsonst haben vermeintlich eher abseitige oder gar deplazierte Bands eine lange Tradition im Reigen des SUMMER BREEZE. Entscheidend dafür war nicht zuletzt der Umstand, dass sich FIDDLER’S GREEN an diesem Mittag selbst nicht zu erst nahmen. So war es dann auch Party pur, als man kurzerhand eine Wall Of Death zu irischen Folkklängen inszenierte. Ob das funktionierte? Und ob! Auf Fünf gab es nach der großen Teilung, die bis zum FOH reichte den großen Clash. Inspiriert von dieser Aktion waren schließlich sogar noch einige Circlepits zu beobachten. Der Toleranzpreis geht an diesem Mittag wieder an das fantastische SUMMER BREEZE Publikum, das FIDDLER’S GREEN ebenso abfeierte wie den Rest des metallischen Billings. Aufmunternder Gig, der dieser Tageszeit richtig gut zu Gesichte stand.

15.00 (PAS) DESTINITY

Die Franzosen DESTINITY hatten die undankbare Aufgabe, den Freitag auf der Party Stage zu eröffnen. Als das Quintett loslegte, war das Zelt auch zunächst nur spärlich gefüllt, im Laufe des Sets strömten aber immer mehr Zuschauer hinein, um sich von dem harten Sound der Band die Gehörgänge durchpusten zu lassen. Mit einer ausgewogenen Mischung aus Groove, Melodik und Technik boten die Jungs aus Lyon ihren Death Metal dar und besonders Sänger Mick präsentierte sich als Aktivposten. Mit viel Bewegungsdrang sprang er über die Bühne, spielte Luftgitarre, entledigte sich nach drei Songs seines Shirts und bangte synchron mit seinen Bandkollegen, die ebenfalls so oft es ging die Matte kreisen ließen. Auf Nachfrage, wer im Publikum denn aus Frankreich sei, gingen zahlreiche Hände in die Höhe, zudem wurde in der ersten Reihe die Tricolore in die Luft gehalten. Die nicht allzu vielen Zuschauer zeigten sich sehr angetan vom Auftritt der Band und besonders der Punk im mehr oder weniger stilsicheren Borat-Outfit machte ordentlich Alarm. Besonderes Lob verdiente sich Drummer Morteüs, der neben seiner eigentlichen Tätigkeiten die wirklich guten, klaren Backing Vocals beisteuerte. Insgesamt ein ordentlicher Auftritt der hierzulande (noch) eher unbekannten Band.

15.15 (PS) THE BLACK DAHLIA MURDER

THE BLACK DAHLIA MURDER waren am frühen Nachmittag der erste knüppelharte „Hallo wach!“ Weckruf für alle Pit-Fanatiker. Wer Lust hatte einige Runden im Circlepit zu drehen, hatte gleich mehrfach Gelegenheit dazu und wer sich lieber stehend die Birne abschraubte, kam ebenso voll auf seine Kosten. Sänger-Sympath Trevor Strnad stachelte das Publikum immer wieder zu Höchstleitungen an, während sich seine Band präzise durch ihre eingängigen Melodic Death-Ungetüme ackerte. Da die Band einen Backkatalog voller Hits aufweisen kann, fiel die Setlist-Gestaltung sicher schwer, doch am Ende machten die üblichen Verdächtigen „Statutory Ape“, „Deathmask Divine“ oder „Elder Misanthropy“ das Rennen. Wer nach den ersten Songs nicht schon komplett nass geschwitzt war, war es spätestens dann, als die Security den Feuerwehrschlauch auspackte und erneut für eine wohlverdiente und wohl auch dringend benötigte Abkühlung sorgte. THE BLACK DAHLIA MURDER sind bekanntermaßen ja immer für eine schweißtreibende Show gut, doch was die Detroiter an diesem Nachmittag boten, war einfach überragend! Kein Wunder konnten die Band-Shirts der Truppe später an allen Ecken und Enden des Festivalgeländes gesichtet werden.

15.55 (PAS) PANTHEON I

Nach einem düsteren Intro starteten PANTHEON I aus Oslo in ihr Set. Geboten wurde fieser Black Metal im traditionellen Stil. Surrende Gitarren und rasende Beats lieferten die Grundlage für die röchelnden Vocals von Frontmann André. Um die düstere Stimmung weiter zu unterstreichen hatte die Band eine Cellistin mit an Bord, die den brutalen Sound um eine melodische Komponente ergänzte. Dabei war nicht nur die Dame sondern auch ihr Cello ein absoluter Hingucker. Das Zelt war zwar noch nicht voll, es hatte sich aber eine stattliche Anzahl von Fans versammelt die der Band an den Lippen hing und lauthals ihre jeweiligen Lieblingssongs forderte. Die Band vermied es dankenswerter Weise gänzlich gängige Black Metal-Klischees zu bedienen und trat ohne Bemalung oder besondere Outfits auf. Dies unterstrich ihr sympathisches Auftreten zusätzlich und schmälerte den Effekt ihres bitterbösen Sounds in keinster Weise.

16.05 (MS) ENSIFERUM

Schwerttragend, was der Name ENSIFERUM frei übersetzt bedeutet, waren die Finnen heute nicht. Das hatte man auch zu keiner Sekunde des Sets nötig, denn mit einem bunten Strauß aus Hits der bisherigen Diskografie, hatte man ausreichend schlagkräftige Argumente im Marschgepäck. Den Start in ein bombastisches Set machte schon beinahe traditionell das durchaus programmatische „From Afar“. Somit war dann auch der Platz vor der Hauptbühne für die erste wirklich sehenswerte Flugshow freigegeben. Im Sekundentakt schoben sich die ENSIFERUM-Fans über die Massen, ganz zur Begeisterung der Band. Songs wie „Into Battle“ oder „Smoking Ruins“ feierten die SUMMER BREEZE-Besucher von Beginn an ab. Unzählige Köpfe kreisten, gigantische Trinkhörner wurden gehoben und begeistert wurde jeder Song lauthals mitgegröhlt. Für ein starkes Finale an diesem Festivalnachmittag durfte natürlich „Iron“ nicht fehlen. ENSIFERUM gingen nach einer Stunde glücklich und von den Fans bejubelt von der Bühne. Mehr gibt es zu der Show nicht zu sagen. ENSIFERUM in gewohnter Stärke – absolut in bester Form, routiniert und professionell. ENSIFERUM waren und bleiben eine bärenstarke Liveband und wurden an diesem Freitag ihrem Status absolut gerecht.

16.50 (PAS) WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER

Das Party Zelt war zum Auftritt von WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER zum brechen gefüllt. Viele Fans fanden gar keinen Platz mehr und mussten der Band von draußen lauschen. Drinnen wurde eine Party sondergleichen gefeiert. Die Elektro-Deathcore Truppe, die sich selbst nicht so ernst nimmt und trotz brutalem Sound einen deutlich humoristischen Ansatz. Und natürlich hatten sie das Publikum von Anfang an fest im Griff. Ansagen wie „Wer mag Kartoffelsalat?“ wurden mit lautstarken Reaktionen abgefeiert. Die Jungs gaben sich bewegungsfreudig und synchrones Moshen war an der Tagesordnung. Die Ordner hatten mal wieder alle Hände voll zu tun und mussten einen Crowdsurfer nach dem anderen von der Meute fischen. Eine stattliche Zelt-Wall-Of-Death gab es als Krönung obendrauf. Natürlich durfte auch eine Deathcore Version des Deichkind Partyhits „Remmi Demmi“ nicht fehlen. Die Band war von der guten Stimmung im Zelt offenbar selbst überwältigt und bedankte sich ausgiebig beim Publikum. Ein lohnender und äußerst spaßiger Auftritt.

17.10 (PS) ANATHEMA

Eigentlich war es viel zu sommerlich für einen Auftritt der britischen Melancho-Rocker ANATHEMA. Zieht man aber in Betracht, dass das aktuelle Album „We’re Here Because We’re Here“ deutlich positiver ausgefallen ist, als die Vorgänger, so erschien der Sonnenschein doch wieder passend. Dem Wetter entsprechend betrat Sänger Vincent Cavanagh die Bühne mit Sonnenbrille, während sein Bruder Danny eine seltsame, Handtuch-artige Kopfbedeckung zur Schau trug. Wobei ANATHEMA allerdings auch keine Band ist, bei der das Optische im Vordergrund steht, auch wenn man Vincent bei seiner Bühnenshow jede Menge Charisma attestieren darf. Dem Anlass angemessen ging das Set mit den zwei älteren und recht harten Songs „Deep“ und „Empty“ los, was das Publikum entsprechend honorierte. Das enorm depressive „Lost Control“ stellte dann den größten Gegensatz zum Wetter dar. Der zweite Teil des Sets bestand aus neueren und komplexeren Songs wie dem sich stetig steigernden „A Simple Mistake“ oder dem packenden „Closer“ mit den verfremdeten Vocals und Vincents eindringlicher, auf dem Boden kniender Pose. Beim ruhigen „A Natural Disaster“ hatte Sängerin Lee Douglas ihren großen Auftritt, während es beim nächsten Song ganz weit in die Vergangenheit ging, „Sleepless“ ist nämlich vom 1993er-Debütalbum „Serenades“. Der Sprung zu „Universal“ hätte nicht größer sein können, ist der Song doch vom aktuellen Album. Den vielumjubelten Schlusspunkt setzte der Song, den ANATHEMA wohl bis in alle Ewigkeit bei jedem Konzert spielen müssen: „Fragile Dreams“ – wobei der Song auch einfach nur großartig ist.

17.25 (CS) DOWNSPIRIT

Um den SUMMER BREEZE-Zuschauern die Wartezeiten während der Umbau-Pausen im Partyzelt angenehmer zu gestalten, fanden sich DOWNSPIRIT als Ersatz für THE MEAN zu drei kurzen Sets à 20 Minuten auf der benachbarten Camel Stage ein. Leider fanden zu keinem der drei Gigs wirklich viele Besucher den Weg vor die Bühne, doch DOWNSPIRIT ließen sich davon kein bisschen beeindrucken, präsentierten spielfreudig und energisch einige Songs ihres bevorstehenden Debüts “Point Of Origin” und gaben alles, um den – wenn auch wenigen – Anwesenden eine gute Show zu präsentieren. Mit ihrer interessanten Mischung aus Metal, Blues und Southern Rock gelang das den fünf Musikern sogar ziemlich gut, denn auch wenn die Reaktionen des Publikums insgesamt eher verhalten blieben, wurden zu den groovigen, lässigen Kompositionen doch zumindest ein paar Mähnen kräftig geschüttelt und die übrigen Zuschauer kamen auch nicht umhin, das Haupt rhythmisch im Takt mitwippen zu lassen. Etwas mehr Aufmerksamkeit des SUMMER BREEZE -Publikums wäre DOWNSPIRIT zwar zu gönnen gewesen, doch einige neue Fans hat die Band mit diesen Shows bestimmt dazu gewinnen können.

17.45 (PAS) WAR FROM A HARLOTS MOUTH

Die Berliner waren gekommen um das Partyzelt in Schutt und Asche zu legen. Schonungslos ballerte die Truppe ihren ultrabrutalen Techcore aus der Hüfte in die Meute und hatte dabei noch reichlich Spielraum um ordentlich für Bewegung auf der Bühne zu sorgen. Insbesondere Frontmann Nico zog durch sein äußerst agiles Auftreten alle Aufmerksamkeit auf sich. Ein von den Fans zugeworfenes T-Shirt wurde kurzerhand als Moshprothese missbraucht und ein ausgiebiges Bad in der Menge lies er sich natürlich auch nicht nehmen. Das machte ihm offensichtlich so viel Spaß, dass er einen kompletten Song vom Publikums aus sang. Die Berliner zettelten zu Ehren und auch als Training für den späteren Auftritt von HEAVEN SHALL BURN einen Circlepit um den Mischerturm an. Die Songauswahl zog sich durch alle Veröffentlichungen der Band, Songs der neuen EP wurden ebenso gespielt wie Tracks vom Debütalbum. WAR FROM A HARLOTS MOUTH sorgten mit diesem Auftritt für offene Münder, breites Grinsen und wohl auch eine Menge blaue Flecken.

18.05 (MS) CANNIBAL CORPSE

Das Kontrastprogramm zwischen ANATHEMA und END OF GREEN hätte kaum größer sein können, als mit den US-amerikanischen Death Metal-Großmeistern CANNIBAL CORPSE. In gerade mal einer Stunde hämmerte die Band dem Publikum auf der Main Stage 15 Songs um die Ohren und demonstrierte eindrucksvoll, wie man ultratight und gleichzeitig megabrutal ein Riffmassaker nach dem nächsten abfeuert. Der stiernackige Grunzer George „Corpsegrinder“ Fisher amüsierte mit seinen Ansagen, forderte das Publikum auf, so schnell den Nacken wie er kreisen zu lassen – oder es zumindest zu versuchen, bat die Zuschauer mit der Ansage zu „Make Them Suffer“, auch den Nebenmann in den Pit einzubeziehen und widmete „Priests Of Sodom“ allen Schlampen im Publikum. Der inzwischen anscheinend nackte Punk, der auch schon bei DESTINITY aufgefallen war, erregte ebenfalls die Aufmerksamkeit des Sängers und erntete prompt Spott und Hohn. Das zu einem großen Teil männliche Publikum arrangierte selbständig eine Wall Of Death, zirkulierte in größeren und kleineren Pits und forderte lautstark den Hit „Hammer Smashed Face“, der zum Ende des Sets auch zum Einsatz kam und bei dem der Wasserschlauch der Security für Abkühlung im Moshpit sorgte. Musikalisch nicht unbedingt abwechslungsreich, trotzdem in der Konsequenz und Genrerelevanz beeindruckend (und unterhaltsam!).

18.40 (PAS) KYLESA

KYLESA gehörten sicherlich zu den Exoten auf dem diesjährigen Summer Breeze. Spielte die Band doch mit gleich zwei Drumkits, einer Sängerin und einem Sänger, die on top auch noch Gitarren bedienten. Die US-Amerikaner aus Savannah sind einer der (Ex-)Geheimtipps im gerade schwer angesagten Stoner/Sludge/Psychedelic-Revival. Und zu diesem Sound gehören vor allem zwei Dinge: 1.) staubtrockene Fuzz-Gitarren, die eine möglichst dichte Soundwand spinnen und 2.) ein großer Berg an Effektgeräten, der, wenn richtig eingesetzt, die sphärischen Elemente optimal in Szene setzt. Gerade das Drummer-Duo machte mit diversen Eskapaden dermaßen viel Druck, dass man sich fragte, warum das eigentlich nicht mehr Bands so machen. Aber auch der Rest der Band vermochte es mit viel Charme und ungezügelter Bewegungsfreude drahtige Riffs der KYUSS-Schule aus dem Handgelenk zu schütteln und diese dann mit psychedelischen Soundscapes zu spicken, die eine ganz besondere Atmosphäre im leider nur halb gefüllten Zelt erzeugten. Ein hervorragender Auftritt einer hervorragenden Band!

19.10 (PS) END OF GREEN

Nachdem der Mitternachtsverkauf der neuen END OF GREEN-Platte „High Hopes In Low Places“ am Stand von metal.de ein durchschlagender Erfolg war, standen die Gothic Rocker nun auf der Pain Stage, vor der sich zahlreiche Zuschauer versammelt hatten, was bei Sänger Michelle Darkness nach eigener Aussage zu „harten Nippeln“ führte. Und obwohl die Band allein schon wegen ihres Frontmannes und Gitarristen Sad Sir optisch einiges zu bieten hat, zog zunächst jemand anders die Aufmerksamkeit auf sich. In einer Ecke der Bühne stand nämlich der Sohn von Albumproduzent Corni Bartels mit cooler Kindergitarre, eigener Monitorbox samt Mikrostativ und rockte bei den ersten Stücken wie die Großen mit. Die starten mit „Weakness“ in ihr Set und legten mit dem harten „Dead City Lights“ ordentlich nach. Die Mädels, die bei CANNIBAL CORPSE fehlten, waren allesamt hier zu finden und erfreuten sich am charismatischen Sänger. Umso mehr Action verbreiteten Sad Sir mit seiner fliegenden Dreadlock-Matte, der zweite Gitarrero Kerker und Basser Rainier Sicone Di Hampez, der gut gelaunt über die Bühne sprang. Allerdings wollte der Funken zunächst nicht so richtig aufs Publikum überspringen, das zwar brav mitklatschte und viel Applaus spendete, aber keine wirkliche Partystimmung verbreitete. Am Auftritt von END OF GREEN kann das jedenfalls nicht gelegen haben, denn die rockten mit „Killhoney“ und dem düsteren „Drink Myself To Sleep“ munter weiter, bei dem dann auch der „Damm“ brach; ab hier zeigte sich auch ordentlich Bewegung in der Meute. Vom frisch veröffentlichten Album gab es dann auch noch die erste Auskopplung „Goodnight Insomnia“ (bei welchem sich Michelle für die Belästigung mit dem Video zum Song auf dem Festival süffisant entschuldigte) und den Brocken „Tie Me A Rope… While You’re Calling My Name“ zu hören. Ein wie erwartet großer Auftritt von Deutschlands derzeit besten Düsterrockern.

19.40 (PAS) DISBELIEF

DISBELIEF sind zweifelsohne eine der Institutionen des deutschen Death Metal schlechthin und somit natürlich immer gern gesehener Gast auf Festivals hierzulande. Kein Wunder also, dass die Hessen sich auch im diesjährigen SUMMER BREEZE-Billing wieder fanden. Pünktlich um 19:40 Uhr enterte die Band um Kult-Fronter Jagger die Bühne im gut halb vollen Partyzelt und schmetterte mit „A Place To Hide“ nach einem kurzen Intro sogleich eine geballte Death Metal-Granate ins Publikum, die ihr Ziel nicht verfehlte und sofort zündete. Schon nach kurzer Zeit sah man unzählige Köpfe kreisen, es wurde eifrig mitgegrölt und DISBELIEF nach allen Regeln der Kunst abgefeiert. Jagger und Co. hatten, dank entsprechender Diskografie, ordentlich Song-Munition um die ihnen zugestandenen 40 Minuten in ein Best-Of-Sperrfeuer zu verwandeln. Ein Killer-Song reihte sich an den anderen und dank Berücksichtigung vieler verschiedener Alben kam auch die Abwechslung nicht zu kurz. Zwar hätte man der Band ein noch größeres Publikum gewünscht, die Hessen machten allerdings das beste daraus und lieferten eine Top-Leistung ab. Auf die zentrale Frage „Do You Really Feel Sick?“ des viertletzten Songs, hat wohl keiner der Anwesenden im Anschluss mit ja geantwortet.

20.15 (MS) HYPOCRISY

Seit nunmehr 20 Jahren sind die Schweden von HYPOCRISY fester Bestandteil der internationalen Death Metal-Szene und daraus einfach nicht mehr wegzudenken. Und warum das so ist, demonstrierte das Trio um den Kult-Fronter Peter Tägtgren auch beim diesjährigen SUMMER BREEZE mit einer 75-minütigen Wahnsinns-Show. Vor der Main Stage sammelte sich in der Umbau-Pause vor dem Auftritt bereits eine ordentliche Anzahl Zuschauer und als die Band schließlich die Bühne enterte und mit “Fractured Millenuim” ohne Vorwarnung in die Vollen ging, strömten immer mehr Menschen vor die Bühne und die Stimmung erreichte in Rekord-Geschwindigkeit den Siedepunkt. Und beim nun folgenden grandiosen Streifzug durch ihre Diskografie zeigten die Schweden eidrcuksvoll, wodurch sie sich den diesjährigenCo-Headlinerposten verdient haben, denn HYPOCRISY gehören zu den wenigen Bands, die es ohne großartige Bühnenshow und sonstiges Drumherum, einfach durch ihre pure Anwesenheit und Ausstrahlung auf der Bühne, schaffen, die Menschen sofort mitzureißen und für die komplette Länge der Show nicht wieder vom Haken zu lassen. Elementarer Bestandteil der Begeisterung, die die Schweden so mühelos entfachen, waren natürlich auch ihre genialen Kompositionen, voller Spielfreude und zudem auf den Punkt exakt gezockten, die ausnahmslos vom Publikum abgefeiert wurden, als gäbe es kein Morgen mehr. Besonders Peter Tägtgren selbst konnte durch seine amüsanten Ansagen zwischen den Songs und seine zurückhaltende, einfach irgendwie angenehme Art eine ganze Familienpackung Sympathiepunkte einheimsen. So konnte man es eigentlich gar nicht recht glauben, dass die Spielzeit der Schweden bereits so schnell vergangen sein sollte, als sie nach etwas mehr als einer Stunde die Bretter der Main Stage nach “Warpath” verließen. So leicht ließen die Fans die Band allerdings nicht davon kommen und verlangten eifrig nach einer Zugabe, um die sich die Schweden natürlich nicht lang bitten ließen. Mit “Roswell 47” servierten sie ihren absoluten Über-Klassiker bevor dann leider endgültig Schluss war. HYPOCRISY räumten unter tosendem Applaus und weiteren, nicht enden wollenden, Zugabe-Rufen die Bühne.

20.20 (CS) DAS PACK

Für weitere Pausenunterhaltung auf der Camel Stage sorgten am Freitag DAS PACK. Die Hamburger boten deutschsprachigen Punk mit leichtem Hang zum Thrash Metal. Die Affinität zu SLAYER war aufgrund der zur Schau gestellten Shirts dann auch kaum zu übersehen. Mit kühlem nordischen Charme und intelligent verpacktem Wortwitz, machten die Hamburger ein riesiges Fass auf – und das wohlgemerkt nur zu zweit! Drummer Flozze spielte ÄRTZE-like im Stehen und sein „Partner in Crime“ Pensen bediente die Gitarre. Die Bandbreite an Lyrik reichte von verflossenen Freundinnen in „Du bist eine Nutte“ über den Drang sich ständig mit Seife zu säubern der in „Waschzwang“ thematisiert wurde, weiter über abartige Vorlieben in „Fass mir an die Füße“ bis hin zu Songs über die Pubertät und das eigene Glied in „Mein Schwan“. DAS PACK zog mehrere hundert Leute vor die Bühne, die sogar ziemliche Textsicherheit bewiesen und das Duo mehr als würdig abfeierten.

20.40 (PAS) ORIGIN

ORIGIN müssen schon im Kindesalter die hohe Schule des technischen Death Metal besuchte haben und selbst dann haben sie mit Sicherheit einige Klassen übersprungen und mit Auszeichnung abgeschlossen. Anders ist die technische Versiertheit der Musiker nicht zu erklären. So rasant, so verspielt und mit so viel technischer Finesse wie die Band zu Werke ging, kam das Auge zeitweise fast schon nicht mehr mit den Flitzefingern der Musiker mit. Die überbordende instrumentale Verspieltheit grenzte fast schon an Reizüberflutung und auch der schwammige Sound im Zelt legte oftmals einen undurchsichtigen Schleier um viele Details, die dann für das Ohr kaum noch herauszufiltern waren. Bei den ohnehin schon sehr schwer verdaulichen Stücken der Amerikaner ein Grund mehr für Bauchschmerzen. Doch ORIGIN sind nicht erst seit gestern dabei und vor allem der meist in gebückter Körperhaltung agierende Sänger Mica Meneke kompensierte jede Soundschwäche mit einnehmender Präsenz. Besonderes Highlight: der Titeltrack ihres aktuellen Albums „Antithesis“ kurz vor dem Ende. Nach diesem Auftritt kam die Pause gerade gelegen, denn die Ohren benötigten dringend etwas Kontrastprogramm.

21.35 (PS) GORGOROTH

Nach HYPOCRISYS Siegeszug auf der Mainstage, gings im Anschluss auf der Pain Stage sogar noch heftiger weiter. Die norwegischen Kult-Black Metaler von GORGOROTH stürmten die Bühne für ihre (zumindest geplant) einstündige Show. Als Problem sollte sich nur erweisen, dass sie aber bereits mit zehn Minuten Verspätung mit “Bergtrollets Hevn” und dem neuen Stück “Satan-Prometheus” starteten. Das in großer Zahl erschienene Publikum schien GORGOROTH das ein wenig übel zu nehmen, denn die Stimmung war von Beginn an eher gedrückt, die Zuschauer reagierten verhalten auf die Norweger und man sah immer weniger Matten kreisen, bis die meisten Zuschauer den Gig in der zweiten Hälfte des Sets nur noch passiv zu verfolgen schienen. Dies lag auch daran, dass es GORGOROTH regelrecht auf die Stirn geschrieben stand, dass sie gerade übermotiviert waren. Zwar technisch einwandfrei, jedoch völlig lieb- und lustlos zockten sich die fünf Musiker durch ihr Set, das in Sachen Song-Auswahl zwar keine Wünsche offen ließ, aber auch der beste Track macht bei leidenschaftsloser Darbietung nur wenig Freude. Als die Norweger dann allerdings auch noch bereits nach 40 Minuten Spielzeit wieder von der Bühne eilten, verloren sie jegliche Unterstützung des Publikums. Nur vereinzelte Zugabe-Rufe erschallten, die meisten Zuschauer entfernten sich missmutig von der Pain Stage und als sich GORGOROTH dann doch noch einmal auf die Bühne begaben und eine kurze Zugabe zum Besten gaben, war einfach jegliche Luft raus. Schade, dass die Band so wenig aus diesem Gig gemacht hat, denn die Zuschauer hatten offensichtlich ordentlich Bock auf GORGOROTH und die Show hätte mit ein wenig mehr Einsatzwillen auf der Bühne richtig gut werden können.

21.45 (PAS) DESPISED ICON

Das Interesse an den Kanadiern von DESPISED ICON war verständlicher Weise groß und die Menge im Zelt dicht gedrängt. War doch die Show auf dem diesjährigen Summer Breeze ihre vorerst letzte auf deutschem Boden. Nach dieser Tour wird für die Band nämlich Schluss sein. Dementsprechend motiviert ging das Publikum zu Werke, das von der ersten Sekunde an keinen Zweifel aufkommen ließ, wem man an diesem Freitag besonders entgegen gefiebert hatte. DESPISED ICON legten mit „All For Nothing“ gut vor und mussten im weiteren Verlauf nur noch die Früchte ihrer mehr als sehenswerten Show ernten. Moshpits soweit das Auge reichte und keine Textzeile, die nicht aus hunderten Kehlen mitgeschrieen wurde. Die Band war sichtlich gerührt, rang zeitweise sogar nach Worten zwischen Abrissbirnen wie „A Fractured Hand“, „Day Of Mourning“, „Retina“ oder „Furtive Monologue“. Viel zu früh wurde mit dem lautstark geforderten „MVP“ die letzte Runde eingeläutet, bevor eine der beliebtesten Death Core-Bands den Hut zog und sich mit einem mehr als würdigen Abgang wahrscheinlich für immer verabschiedete.

22.40 (MS) HEAVEN SHALL BURN

Die Thüringer kann man inzwischen getrost als SUMMER BREEZE-Veteranen bezeichnen. Bereits zum vierten Mal standen die Jungs auf der Hauptbühne. Nach ihrem Siegeszug aus dem Jahr 2008, der sicher noch einigen Fans im Gedächtnis war, füllte die Band die wohlverdiente Position des Headliner auf der Main Stage aus. Die Band wollte sich an der schweren Aufgabe versuchen den damaligen Auftritt noch zu toppen. Nach einem kurzen Intro legten sie dann mit „Architects Of The Apocalypse“ los um direkt den Hit „The Weapon They Fear“ anzuhängen. So hatten die sympathischen Jungs das Publikum dann auch sofort auf ihrer Seite. „Hallo, wir sinds wieder“, begrüßte Frontmann Marcus die Meute. Die Band gab sich während des kompletten Auftritts bewegungsfreudig und hatte selbst wieder sichtlich Spaß an der Show. Kein Wunder, das Publikum unterstützte sie nach Kräften und bildete am laufenden Band Circlepits und Todeswände. Auch Marucs Bitte nach vielen kleinen Pits – er sprach von olympischen Ringen – kamen die Fans gerne nach. Das baut vertrauen auf und anstatt weiter Planwirtschaft in Sachen Tanzeinlagen zu betreiben, rief der Sänger später mit „Macht was ihr wollt.“ zur Bewegungs-Anarchie auf. Die Band beschränkte sich nicht „nur“ darauf einen musikalisch beachtlichen Auftritt hinzulegen, sondern hat sich für eine ordentliche Headlinershow auch etwas fürs Auge einfallen lassen. Hinter der Band waren riesige Videoleinwände aufgebaut, die den jeweiligen Song stimmungsvoll untermalten. Hier waren neben coolen Lichteffekten auch kritische Botschaften in Sachen moderne Ernährung, Massentierhaltung, Krieg und Kindersoldaten zu sehen. Ein humoristischer Höhepunkt war sicher auch das Stück Kot das sich in Guido Westerwelle verwandelt hat .Das Set der Band bot alle Hits inklusive aktueller Smasher wie „Counterweight“, „Endzeit“, „Voice Of The Voiceless“ und „Lie You Bleed For“ aber auch Klassiker wie das in letzte Zeit immer seltener live gehörte „7th Cross“. Nach einer kurzen Pause gab es dann noch drei Songs als Zugabe, unter anderem das Edge Of Sanity Cover „Black Tears“, bei dem es passenderweise schwarze, dickflüssige (Öl-)Tränen auf den Leinwänden im Hintergrund zu sehen gab, die über BP-Logos tropften. Zum Abschluss gab es noch eine massive Nebelwand mit Glitzerregen (!). HEAVEN SHALL BURN haben mit diesem Auftritt ein weiteres Mal ihre enormen Livequalitäten unter Beweis gestellt – auch wenn es die imposanten Publikumsbewegungen der letzten Show dieses Mal wegen der Wellenbrecher nicht geben konnte. Mal wieder ein absolutes Highlight.

22.50 (PAS) WATAIN

Antikosmische Uhren scheinen ein wenig anders zu ticken, denn wie die Geschwister im Geiste THE DEVIL’S BLOOD schafften es auch WATAIN nicht, pünktlich auf der Bühne zu erscheinen. Im Gegensatz zu den Niederländern zogen die Schweden aber die richtige Konsequenz und strichen klaglos den letzten Song von ihrer Setlist. Nichtsdestotrotz war der Auftritt im ordentlich gefüllten Zelt eine Demonstration in Sachen Black Metal. Das fing schon mit der Bühnendekoration an: neben den Drums rechts und links Bandlogos, die während des gesamten Auftritts brannten, vorne zwei umgedrehte Kreuze, aus denen ebenfalls eine Flamme züngelte und vier Banner mit Bandmotiven zierten die Bühne. Und auch die Band fuhr in Sachen Outfit schwere Geschütze auf, Corpsepaint und Blutüberguss, Spikes und Nieten – so wünscht der geneigte Schwarzmetaller sich das. Dazu passte auch die Lichtshow, die meist von hinten kam, so dass die Musiker mehr als schwarze Schatten wahrzunehmen waren. Nach dem Intro legte man mit „Malfeitor“ imposant los und legte mit „Sworn To The Dark“ nach. Sänger Erik stellte sich immer wieder dramatisch in Pose, was ab und an allerdings leicht übertrieben wirkte. Seine Keifvocals saßen aber perfekt und in der Gesamtbetrachtung gab er durchaus einen charismatischen Frontmann ab. Mit dem Übersong „Reaping Death“ und dem hymnischen „Legions Of The Black Light“ erreichte die Show ihren musikalischen Höhepunkt, die abschließenden „Wolves Curse“ und das ultra-derbe „Total Funeral“, bei dem Erik einen Becher Blut ins Publikum schleuderte, standen aber in nichts nach. Hammer!

00.00 (PS) GWAR

GWAR traten seit längerem mal wieder an den Planet Deutschland zu erobern. In voller Montur, behangen mit Spikes, Schädeln und vor allem Penissen zog die Truppe von einem anderen Planeten in die Schlacht. Die Ordner und Fotografen im Graben hatten sich in weiser Voraussicht mit Regencapes ausgestattet. Die Fans leider nicht, was sich noch rächen sollte – wobei die Die-Hard-Fans natürlich mit voller Absicht in weißen Shirts in den ersten Reihen standen. Die Musik war bei diesem Auftritt relative Nebensache, denn die Show stand da eindeutig im Vordergrund. Die krass überzeichnete wilde Mixtur aus Gewalt, Obszönitäten und unterschwelliger Sozialkritik bot immer wieder Anlass zum Schmunzeln. Im Grunde bestand die Show daraus, dass zwischen den Songs ein wechselnder Charakter von den Sklaven auf die Bühne gebracht wurde, dem dann nach und nach Gliedmassen abgetrennt wurden oder eher Unangenehmes in den Körper eingeführt wurde. Aus den Wunden spritzte dann reichlich Kunstblut und sonstige simulierten Körpersäfte ins Publikum. Unter den Unglücklichen befanden sich Hitler, ein Polizist, Papst Ratzinger, der Chef des GWAR Fanclubs und schließlich Osama Bin Laden. Auch der Teufel höchstpersönlich wurde abgeschlachtet nachdem Frontmann Oderus Urungus dessen Aufforderung zum Blowjob nicht nachkommen wollte. Zum großen Finale gab es dann noch verschiedenfarbige Flüssigkeiten aus einer großen Kanone sowie Oderus Urungus übergroßem Penis. Der Auftritt von GWAR war genau das richtige um den Abend mit einem Auftritt der etwas anderen Art ausklingen zu lassen.

00.50 (PAS) DYING FETUS

Das diesjährige SUMMER BREEZE war erneut gespickt mit hochkarätigen Death Metal- und Gindcore-Bands, sodass jeder Anhänger extremer Klänge sicherlich voll auf seine Kosten kam. DYING FETUS sind nicht nur eine der Dienstältesten, sondern auch eine der Einflussreichsten und gleichzeitig der meist kopierten Acts in diesem Genre. Doch in Sachen Power und technischer Sauberkeit schlugen die Marylander selbst zu dritt die meisten Nachahmer live immer noch um einige Längen. Dabei teilten sich Gitarrist Jon Gallagher und Bassist Sean Beasley am Mikro ihre Hasstiraden mit Titeln wie „Kill Mommy“, „One Shot, One Kill“ oder „Justifiable Homicide“ gekonnt und abwechslungsreich. Keine Schaffensphase wurde hierbei ausgelassen. Nur das aktuelle, sehr empfehlenswerte Album „Descend Into Depravity“, wurde leider nur mit einem Song bedacht. Mit dem bisher besten und klarsten Sound im Zelt kamen die wuchtigen Gitarrenriffs und das abartig schnelle Drumming in den „Knüppel-aus-dem-Sack“-Parts hervorragend zur Geltung, was mit viel Bewegung im Pit honoriert wurde. Am Ende hatten DYING FETUS das Partyzelt im Prinzip ein Mal komplett umgepflügt.

01.10 (PAS) HAIL OF BULLETS

Die Niederländer um den Asphyx Frontmann Martin Van Drunen entfesselten zur späten Stunde ihre schonungslose Kriegsmaschinerie im Partzelt. Der Sound von HAIL OF BULLETS rollte über die noch recht zahlreichen Anwesenden hinweg wie ein Panzer. Massive Riffwände und donnernde Drums beherrschen das Klangbild zu dem die heiseren Vocals von Van Drunen perfekt passten. Dieser glänzte bei seinen Ansagen übrigens mit sehr gutem Deutsch. Im Bühnenvorraum wurde auch zu so später Stunde noch gemosht was das Zeug hielt. Der Auftritt war leider auch ein tatsächlicher Angriff auf die Ohren der Zuhörer, da es wirklich mörderisch laut war. Als besonderes Schmankerl spielte die Band auch einen Song von brandneuen Album, das später im Jahr erscheinen wird. Die Darbietung von „Operation Z“ war auch für die Band selbst eine Premiere, da sie ihn zum ersten Mal überhaupt live aufführten. Nach dem Set durfte die Band aus Zeitgründen leider die lautstarken Zugabenwünsche nicht mehr erfüllen.

02.15 (PAS) ORPHANED LAND

Als ORPHANED LAND pünktlich um 02:15 die Bühne im Partyzelt betraten, konnten sich die Israeli bereits einer für die späte Stunde sehr ansehnlichen Anzahl Zuschauern gegenüber sehen. Optisch präsentierten sich ORPHANED LAND in den Gewändern der verschiedenen Religionen, um die Botschaft ihrer Musik und den Frieden zwischen den Glaubensgemeinschaften, zu untermalen. Und auch die begeisterte Ausstrahlung und emotionale Performance der Band zeigte in jedem Moment, wie sehr ORPHANED LAND hinter dieser Botschaft stehen, was ihnen sofort die größtmögliche Unterstützung des Publikums einbrachte. In den folgenden 45 Minuten spielten sich die Israeli durch ein abwechslungsreiches Set von Songs all ihrer bisherigen Alben, animierten die Zuschauer in einer Tour, die der Band und besonders dem charismatischen Fronter Kobi Farhi über die komplette Länge der Show bedingungslos aus der Hand fraßen und auf alle Aufforderungen zum Mitmachen ausgelassen eingingen. Die dreiviertel Stunde verging dann auch viel zu schnell und als ORPHANED LAND schließlich die Bühne räumen müssen, konnten sie sich vor ekstatischem Applaus und Zurufen kaum retten, dem Verlangen nach einer Zugabe konnten die Israeli aus Zeitgründer aber leider nicht nachkommen – aber auch ihr zweiter Besuch beim SUMMER BREEZE kann getrost als voller Erfolg verzeichnet werden.

03.20 (PAS) LONG DISTANCE CALLING

Den Abschluss des Festival-Freitags machten die Postrock-Senkrechtstarter LONG DISTANCE CALLING aus Münster, die sich spätestens Anfang diesen Jahr als Vorband von KATATONIA Rang und Namen erspielt hatten. Das Partyzelt zeigte sich der Uhrzeit entsprechend natürlich nicht mehr proppenvoll, als LONG DISTANCE CALLING ihre Show jedoch pünktlich mit “I Know You, Stanley Milgram!” eröffneten, schlossen sich Stück für Stück die Lücken und es fand eine beachtliche Zahl an Zuschauern den Weg vor die Bühne. Zwar hat es eine Band ohne Sänger bei Live-Shows nicht sonderlich leicht, doch die Westfalen konnten das Publikum problemlos allein durch ihre atmosphärischen, spannungsgeladenen Kompositionen fesseln, sodass es während der 40-minütigen Show der Münsteraner kein bisschen langweilig wurde. Das Set füllten sowohl Stücke aus den frühen Tagen der Band wie “Metulsky Curse Revisited”, aktuelles Material und sogar zwei ganz neue Kompositionen, die vom Publikum sofort sehr gut aufgenommen wurden. Zwar hätte man der Band eine angenehmere Spielzeit und so noch größere Beachtung seitens der Festivalbesucher gewünscht, LONG DISTANCE CALLING haben dennoch ihr Bestes gegeben und die Zuschauer mit einer leidenschaftlichen Performance in die Nacht entlassen.