12.00 (PS) NACHTBLUT

Die Ehre, den letzten Festivaltag eröffnen zu dürfen, gebührte NACHTBLUT. Bandname als auch ihr Stil, eingängiger Dark Metal, passten zwar nicht unbedingt zur Tageszeit, aber es versammelte sich doch eine sehr ansehnliche Masse, um zusammen mit den Osnabrückern den Festivalsamstag einzuläuten. Das Dargebotene der geschminkten Truppe um Fronter Askeroth lag irgendwo zwischen finsterem, opulentem Gothic Metal der Neunziger gemischt mit Melodic Black Metal mit dezenten Ambient-Einflüssen. Die Fans hatten sichtlich Spaß daran, die klischeehaften deutschen Texte lautstark mitzusingen. Vor allem bei den Stücken „Ich trinke Blut“ mit seinem prägnanten Refrain und „Der Weg ist das Ziel“ ging ordentlich die Post ab und erste Crowdsurfer landeten im Fotograben. Völlig außer Rand und Band geriet der Auftritt, als Sänger Askeroth gemeinsam mit den Fans vor der Bühne zu Anfang des Songs „Mordlust“ pogte. Den Abschluss bildete wie so oft das PRINZEN Cover „Alles nur geklaut“.

12.45 (MS) ORDEN OGAN

Kurz und knackig eröffneten ORDEN OGAN den Samstag auf der Main Stage mit einem vierzigminütigen Set, der ganz im Zeichen ihres jüngsten Albums „To The End“ stand. So wurden die Musiker wie Gefangene von zwei Statisten auf die Bretter geschleift, deren postapokalyptische Mad-Max-Outfits verdächtig an die Powerrüstungen aus der Computerspielreihe „Fallout“ erinnerten. Entgegen früherer Gewohnheiten provozierte Frontmann Sebastian „Seeb“ Levermann das Publikum heute nicht, ihn als „Pussy“ zu beschimpfen, stattdessen wurde mehrfach die „Fist Of Fate“ beschworen, die eine kleine, aber feine Zuschauermenge eifrig gen Bühne reckte. Lässt man einmal außer Acht, dass es sich bei „Angels War“ um die Neueinspielung eines Klassikers des selbstveröffentlichten „Testimonium A.D.“-Albums handelte, arbeitete sich die Band chronologisch durch die Hits ihrer Diskografie, wobei das Highlight erwartungsgemäß der „Monkey Island“-Gedächtnis-Song „We Are Pirates“ darstellte. Warum den Sauerländern aber der große Durchbruch noch immer verwehrt bleibt, darauf konnte auch dieser starke Gig keine Antwort liefern, der seinen Abschluss mit dem von den „Cold Dead And Gone“-Rufen des Publikums getragenen „The Things We Believe In“ fand.

13.30 (PS) ARKONA

Weiter ging es mit dem majestätischen Pagan Metal von ARKONA. Von Anfang an heizten die Russen dem Publikum mit ihren komplexen Stücken ordentlich ein. Die Instrumentalfraktion spielte äußerst souverän und mit viel Freude auf, allen voran Multiinstrumentalist Vladimir, während die im Fell auftretende Frontfrau und Schreihals Maria „Scream“ Archipowa mit ihrer wilden Darbietung und dem markanten Organ eindeutig im Mittelpunkt des Geschehens stand. Mit ihrem zwischen episch erhaben bis hin zu rasenden Ausbrüchen pendelndem Pagan Metal schafften es ARKONA wie gewohnt, ihrem Ruf als geniale Live-Band gerecht zu werden, was sich auch an den teils euphorischen Publikumsreaktionen zeigte. Neben Crowdsurfen, Bangen, die Texte lauthals mitsingen, der mittlerweile fast schon obligatorischen Wall Of Death, machten sich einige Fans einen Riesenspaß, Arm in Arm im Kreis zu tanzen. Die stärksten Reaktionen gab es natürlich bei Klassikern vom Stile „Slav’sja, Rus'“, hier war die Menge kaum zu halten. Da machte es auch nichts aus, dass die Ansagen von Maria aufgrund ihres Akzents nur schwer verständlich waren.

14.00 (CS) BEMBERS

„Ey horch amol, hier kommt de Bembers!“ hieß es an diesem Nachmittag auf der Camel Stage, als BEMBERS der Metal-Komiker in Dinkelsbühl auftrat, und es war für die meisten Besucher wohl das erste Mal, dass sie auf einem Festival einem waschechten Standup-Comedian gegenüber standen. Was BÜLENT CEYLAN kann, das kann BEMBERS schon viel länger, und so enterte das Schwergewicht stilecht mit seiner Mähne und Vollbart, und natürlich seinem aktuellen Programm „Und die Erde ist doch eine Scheiße“ kurz vor 14 Uhr die Camel Stage, um die Metaller am letzten Festivaltag noch einmal richtig zum Lachen zu bringen. Schon sein Gesichtsausdruck, den er selbst als „Eh Fresse ziehn“ bezeichnet, ist unbezahlbar, und die kleinen Anekdoten aus seinem Leben sind einfach zum wegschmeißen. Die Mischung aus fränkischer Mundart, musikalischen Einlagen und sauwitzigen Sprüchen erinnerten von der Machart her immer wieder an Helge Schneider, nur prolliger und ohne irgend ein Blatt vor dem Mund. Kostprobe gefällig? „Ich brauch doch kein Mikroständer, ich hab´schon einen in der Hos´wenn ich euch seh“. Scheinbar hatte sich herumgesprochen, dass es mit BEMBERS eine wunderbare Abwechslung gibt, die perfekt auf das Metalpublikum zugeschnittene Lacher liefert, denn es waren recht viele Zuschauer vor der blauen Bühne die sich im Chor den Arsch ablachten. 45 Minuten lang gab es eine humorvolle Persiflage auf das Leben aus den Augen eines Metallers, die sich von Fäkalwitzen bis hin zum Alltagsrassismus einfach alles vornahmen. BEMBERS ist ein Unikat, und genau so einzigartig wie er war an diesem Samstag auch mal wieder seine Show, die mit einem johlenden Abschied seitens der Zuschauer beendet wurde. „So isches richtig!“

14.15 (MS) VAN CANTO

Wem das schwermetallische Reinheitsgebot am Herzen lag, der ging nun besser Bier holen oder suchte sich eine andere Beschäftigung, die ihn von der Main Stage fernhielt. Denn diese enterte nun mit VAN CANTO eine Band, die außer einem Schlagzeug keinerlei Instrumente verwendete. So ganz stimmte dies heute jedoch nicht, denn für „One To Ten“ holten die A-Capella-Metaller immerhin ORDEN OGAN-Gitarrist Tobias Kersting für ein Solo auf die Bühne. Die Hälfte des Sets bestand aus Eigenkompositionen des Sextetts, von denen der Opener „If I Die In Battle“ und das deutschsprachige „Neuer Wind“ besondere Beachtung verdienten. Dazwischen fanden sich Cover-Versionen bekannter Metal-Hits, die natürlich umso begeisterter von den Fans mitgesungen wurden. Auf NIGHTWISHs „Wishmaster“ folgten „Rebellion“ (GRAVE DIGGER) und der „Bard’s Song“ (BLIND GUARDIAN), darüber hinaus wurde in das VAN CANTO-Gründungsstatut „The Mission“ ein kurzer Ausschnitt aus METALLICAs „Master Of Puppets“ eingebaut. Als Highlight entpuppte sich aber wieder einmal der IRON MAIDEN-Klassiker „Fear Of The Dark“, der den Set zu einem fantastischen Ende brachte. Offensichtlich sah die Mehrzahl der Festivalbesucher die Sache mit dem Reinheitsgebot wesentlich entspannter, so dass sich der Platz vor der Bühne trotz der frühen Nachmittagsstunde bereits ordentlich gefüllt hatte.

15.00 (PZ) CLITEATER

Den heftigen Reigen im Zelt durften am letzten Festivaltag CLITEATER eröffnen. Die Holländer, welche seit Jahren als feste Größe in der (Porn-)Grind-Krachszene gelten, sind ja für ihren etwas stumpfen Grindcore mit Rock’n’Roll Anleihen berüchtigt, aber live zündet ihr gnadenloser Sound immer. Der heutige Auftritt wurde allerdings vom Tod eines engen Freundes der Band überschattet, welchem dieses Konzert gewidmet wurde. Trotz der Umstände zogen die Grind-Metzger mit irre viel Spaß in den Backen in gewohnt souveräner Art und Weise alle Register, welche das Genre hergibt, schnelle Blastbeats, und rasante Gitarren, groovige Parts und Gegurgel aus den tiefsten Gedärmen von Sänger Joost sorgten von Anfang an für mächtig Alarm im Zelt. Gleich mit dem Opener „Glory Hole“ bildete sich ein wilder Circlepit, welcher bis zum viel zu frühen Ende auch nicht mehr zur Ruhe kam. Kein Wunder, sind die Stücke doch bei aller extremen Brutalität doch von einer mitreißenden, tanzbaren Eingängigkeit geprägt. Und mit Joost haben CLITEATER einen nicht nur unglaublich starken Sänger, sondern auch einen wunderbaren Entertainer, dessen sympathische Ansagen in einem Mischmasch aus Deutsch, Englisch und Französisch für scharenweise grinsende Gesichter sorgte. Dazu passte auch der herrliche Schlussgrind „Eat Clit Or Die“, ein S.O.D. Cover von „Speak English Or Die“

15.05 (PS) FIDDLER'S GREEN

Richtig metallisch kamen FIDDLER’S GREEN zwar auch nicht daher, doch mit mehr als zwanzig Jahren Bühnenerfahrung konnten sie auch auf dem SUMMER BREEZE mühelos bestehen und eine beeindruckende Menge an Fans für sich begeistern. Ihr „Irish Speedfolk“ sorgte für beste Laune und um ganze Horden an Crowdsurfern auf sich zukommen zusehen, musste Gitarrist Patrick Prziwara erst gar nicht lange bitten. Obwohl die Erlanger mit „Winners & Boozers“ gerade erst ein neues Album auf den Markt gebracht hatten, bestand ein Großteil der Setlist aus den Stücken des Vorgängers „Wall Of Folk“. Die namensgebende Wall-Of-Death-Variante, bei der das Publikum auf Kommando „friedlich die Seiten wechseln“ und sich jeweils eines Kleidungsstücks entledigen sollte, wurde ausgiebig zelebriert. Zur allgemeinen Enttäuschung standen die Musiker am Ende jedoch nicht vor einer vollständig entblößten Zuschauerschar. Dafür reichte der kollektive „T-Shirt-Propeller“ bis weit hinter den Front-Of-House-Turm. Seinen Höhepunkt fand der Auftritt im in epischer Breite zelebrierten „The Night Pat Murphy Died“, bei dem die Musiker kollektiv um das Drum-Kit herum posierten, während Schlagzeuger Frank Jooss die frische Luft des Bühnenrandes schnuppern durfte – verkehrte Welt gewissermaßen. Der begeisterte Applaus des Publikums reichte anschließend bis weit über den Rausschmeißer „Folk’s Not Dead“ hinaus.

15.40 (CS), 16.40, 17.45 VK GOES WILD

Eine relativ leere Bühne auf der sich nur ein Piano und ein überschaubares Drumkit befand, sorgte vor dem Auftritt von Viktoriya Yermolyeva für vereinzelte irritierte Blicke vor der Camel Stage. Eingeweihte wussten allerdings ganz genau, was die zierliche Osteuropäerin in ihren drei Blöcken anbieten würde: hochvirtuose Klavierinterpretationen bekannter Metalsongs, beim Summer Breeze sogar ausnahmsweise mit Schlagzeugunterstützung. Die zierliche Pianistin stöckelte im kleinen Schwarzen zu ihrem Hocker und hatte das Publikum innerhalb kürzester Zeit in ihren Bann gezogen. Den Publikumskontakt übernahm dabei ihr offensichtlich deutscher Drummer, der die Songs jeweils kurz ansagte. Die Szene kann sich glücklich schätzten, dass die mit internationalen Preisen im klassischen Sektor hochdekorierte Virtuosin irgendwann ihre Liebe zu metallischen Klängen entdeckt hat. Jeder Block war extrem beeindruckend, aber der zweite bot mit TYPE O NEGATIVES ruhigem „Love You To Death“ und der Grindcore-Hymne „Corporal Jigsore Quandary” von CARCASS die größten Kontraste.

16.00 (PZ) DR. LIVING DEAD!

Um Punkt vier Uhr nachmittags übernahmen vier Schweden die Bühne im Zelt, die man wohl aufgrund der äußeren Erscheinung und auch ihrer Kleidung wegen eher in Venice Beach verortet hätte. Skate-Thrash in bester SUICIDAL TENDENCIES-Manier haben sich die Männer mit den Schädelmasken auf die Fahnen geschrieben – bei den Temperaturen und dem an den Tag gelegten Bewegungsdrang war es wohl derbe schweißtreibend unter den Gummimasken und Bandanas der Jungs – machte in Verbindung mit dem riesigen Bandlogo-Backdrop und den beiden Aufstellern neben dem Drumkit schon was her. Die Band war ständig in Bewegung, besonders der dürre Basser legte lange Wege zurück und mit jedem ihrer elf Songs stieg die Begeisterung im Publikum. Ab dem dritten Song gabs erste Crowdsurfer und Circle-Pit-Aktion. Ob das Konzept der Band für eine jahrzehntelange Kariere trägt, sei mal dahingestellt, das Festival haben sie mit ihrem kurzweiligen Gig auf jeden Fall bereichert!

16.00 (MS) MOONSPELL

Tags zuvor noch in Falun, Schweden, standen MOONSPELL als dritte Band am Samstag auf der Main Stage – und mit ORDEN OGAN und VAN CANTO als ihren Vorgängern waren die Portugiesen wohl die erste Band des Tages, die so etwas wie Dunkelheit mit auf die Bühne brachte. Das Wetter spielte dem Fünfer, der bei einem Song von TRISTANIA-Sängerin Mariangela Demurtas unterstützt wurde, zwar nicht unbedingt in die Hände, dennoch legten Fernando Ribeiro und Mitmusiker mit „Axis Mundi“ und dem Titelsong des aktuellen Albums „Alpha Noir“ einen fulminanten und dem blauen Himmel trotzenden finsteren Start hin. Wer als Zuschauer nun erwartete, MOONSPELL würden sich im Wesentlichen aus ihrer aktuellen Schaffensphase bedienen, wurde mit dem Titelsong des 2008er Albums „Night Eternal“ nur bedingt bestätigt – doch die nachfolgenden Songs „Opium“ und „Raven Claws“ stellten einen sehr weiten Blick in die Vergangenheit dar: Anfang 1996 war „Irreligious“ erschienen, da waren nicht wenige Festival-Besucher vermutlich noch nicht einmal geboren. Nach einem kurzen Ausflug zurück zum aktuellen Album („Em Nome Do Medo“) ging es mit „Vampiria“ und „Alma Mater“ gar noch weiter zurück – zum 1995er Debut „Wolfheart“ nämlich. Interessanteste Beobachtung des Auftritts war wohl, dass MOONSPELLs Publikum sowohl die neueren bis ganz neuen Songs als auch das alte Material aus der schwarzmetallischeren Vergangenheit der Band gnadenlos abfeierte und sich vom gelungenen Stage-Acting der Musiker zu jedem Zeitpunkt mitreißen ließ.

16.55 (PS) KNORKATOR

Ja war denn schon Headliner-Zeit? Zumindest die Massen vor der Pain Stage hätten es vermuten lassen. Soweit das Auge reichte drängten sich die Menschen dicht an dicht und sahen dem entgegen, was da gleich folgen sollte. KONRKATOR aus Berlin hatten geladen, den „wahren Blödsinn zu verteidigen“. Bissige Satire und nicht sonderlich kinderfreundliche Vulgarität gepaart mit Sozialkritik und jeder Menge Spaß. Das ist es, was KORKATOR am heutigen Nachmittag ausmachte. Und es war genau das, was die Zuschauer sehen wollten und bereitwillig teilten. Kaum anders war es zu erklären, dass sich selbst im Publikum lustig verkleidete Menschen fanden, die irgendwann, irgendwie im Graben landeten. Auch KNORKATOR Sänger „Stumpen“ war sichtlich begeistert von den Reaktionen und bat kurzerhand nach einem rauschenden „All That She Wants“ die Fotografen aus dem Graben auf die Bühne, um das Geschehen festzuhalten. Mega sympathisch, super schrill und auf seine eigene Weise ein brillanter Auftritt der Formation, die von einer Blödelei zur nächsten hastet. Egal ob ein Federballspiel ausgepackt wurde, oder ob man mit dem Publikum kokettierte, KNORKATOR hatten sich in die Herzen des SUMMER BREEZE-Publikums gespielt. Ein vorläufiges Finale fand das Set mit „Böse“, der Hit-Nummer der Berliner. Damit aber nicht genug, denn Sänger „Stumpen“ ließ sich während des Stückes in einen überdimensionalen Ballon verpacken und hopste darin über die johlende Menge. Gemessen an der Zeit und dem Andrang vor der Bühne, wird dieser Auftritt wohl für eine längere Zeit Maßstäbe setzen.

17.00 (PZ) HATE

Erinnert sich noch jemand an den letzten OPETH-Gig auf dem SUMMER BREEZE? Damals hatten die Schweden mit massiven Soundproblemen zu kämpfen und mussten ihr Set gar für eine halbe Ewigkeit unterbrechen, um der Lage Herr zu werden. Dieses Jahr wurden HATE Opfer des Fehelerteufels. Schon beim Opener „Eternal Might“, bei dem Gitarrist Destroyer und der für den kürzlich verstorbenen Basser Mortifier eingesprungene Kain ihre Instrumente gegen Fackeln zwecks Feuerspucken tauschten, schwankten die Drums bedenklich zwischen laut und leise. Im Endeffekt erwischte es aber den Gitarrensound: zack, bumm, aus, nix ging mehr. Hektisch tauschten die Techniker einen der Verstärker aus, was einen erneuten Soundcheck erforderte. Summa summarum mussten die Polen so auf gut ein Drittel ihrer Spielzeit verzichten und ihr Set um zwei Songs auf insgesamt nur sechs Stücke zusammenstreichen. Während die Band mit einer sichtlichen Portion Wut im Bauch zu retten versuchte, was zu retten war, nahmen die Fans die unfreiwillige Unterbrechung gelassen hin. Keine Pfiffe, keine Buhrufe, dafür dankbares Bangen. Spätestens bei „Erebos“ war so der Spielfluss wieder erreicht und HATE konnten ihre Show unter ehrlichem Applaus beenden.

17.50 (MS) DEVILDRIVER

Nach der stark ironischen und witzigen Vorstellung von KNORKATOR, war es an den Kaliforniern von DEVILDRIVER das Aggressionslevel erneut hochzuschrauben. Die Mannen um Dez Fafara, der mittlerweile auch wieder mit seiner früheren Truppe COAL CHAMBER aktiv ist, sind mittlerweile auch schon zehn Jahre im Geschäft und können auf eine starke Discografie zurückgreifen. Zudem haben sie sich über die Jahre hinweg einen hervorragenden Ruf als hart arbeitende Live-Band erspielt. Auf dem SUMMER BREEZE stellten sie ihre Qualitäten – um das einmal vorweg zu nehmen – erneut unter Beweis, auch wenn das Mikro zu Beginn noch ein wenig streikte. Allen voran war natürlich Dez mit seiner unbändigen Energie eine imposante Erscheinung und forderte dem Publikum alles ab. Wall Of Death, bei der sich alle Teletubbies in der Mitte vereint der Meute stellten und einer der wohl größten Circle-Pits, den das SUMMER BREEZE dieses Jahr gesehen hat, waren das Resultat. Am Ende des einstündigen Sets hatten DEVILDRIVER die Meute für HATEBREED mehr als gut aufgeheizt und verabschiedeten sich mit 2PACs “California Love“ als Outro-Song vom SUMMER BREEZE 2013.

18.05 (PZ) GRAND SUPREME BLOOD COURT

Zählt Martin van Drunen eigentlich schon zum Inventar des Summer Breeze? Rechnete man heute mit, dann war das Grauhaar in den letzten sechs Jahren ganze fünf Mal mit ASPHYX oder HAIL OF BULLETS zu Gast. Obwohl GRAND SUPREME BLOOD COURT streng genommen ja auch nichts anderes als genannte Bands sind, nur in veränderter Besetzung und unter anderem Namen. Die Marschroute war also
Von vorne herein klar: Old School-Death Metal aus Holland und nix für progressive Gemüter. Roh, hässlich und brutal wälzte sich der Sound aus den Boxen, genau passend für GRAND SUPREME BLOOD COURT, die nur zwei Tempi kannten: Uffta-Beats oder zähen Lava-Doom. Vor allem die schweren, langsamen Parts kamen ultrafett daher gekrochen. Viel war zwar nicht los vor der Bühne, doch wer dem Gemetzel beiwohnte schüttelte auch engagiert den Kopf. Routiniert zogen die Holländer ihr Programm durch und machten mit reichlich Haar-Einsatz auch ordentlich was fürs Auge her. Zwischen all dem dreckigen Todesblei gab es aber auch ein wenig Melodie: der hymnische aber nicht weniger fiese Zehnminüter „…And Thus The Billions Shall Burn“ gab den perfekten Rausschmeißer.

18.50 (CS) 19.55, 21.05, 22.15 EDDIE SPAGHETTI

Seine Punkband, die SUPERSUCKERS, bezeichnete der Künstler augenzwinkernd als „beste Band der Welt“. Doch zum SUMMER BREEZE war EDDIE SPAGHETTI alleine angereist und bot dem überschaubaren Publikum vor der Camel Stage eine Mischung aus Singer/Songwriter-Material mit Punk-Elementen und Country-Musik mit Johnny Cash-Attitüde. Markanteste Alleinstellungsmerkmale des Amerikaners waren seine rauchige Stimme und der breite Südstaaten-Akzent. Der Künstler gab sich improvisationsfreudig und reagierte dabei auch spontan auf Liedwünsche per Zuruf. Und egal ob er über exzessiven Drogenmissbrauch sang oder die großartigen AC/DC coverte, sehenswert war seine Show allemal. Herrlich kauzig wirkte dabei das obligatorisch „Tscha Tscha Tscha“, das er als „wichtigen Teil der Show“ bezeichnete und mit dem er dem Publikum am Ende eines jeden Songs das Signal zum kollektiven Ausrasten gab. Dieser Aufforderung hätten gerne noch mehr Leute nachkommen dürfen, verdient hätte der extrem coole EDDIE SPAGHETTI die Aufmerksamkeit allemal gehabt.

18.55 (PS) ENSIFERUM

Dass ENSIFERUM bereits länger nicht mehr Gast auf dem SUMMER BREEZE waren, zeigte sich am Andrang vor der Bühne. Sichtlich froh, die größte Hitze überstanden zu haben, schmissen sich unzählige Fans in passende Rüstung. Auch den Finnen war deutlich anzumerken, dass man heute nichts anbrennen lassen wollte und sie starteten mit „Hero In A Dream“ in ein 60 minütiges Set quer durch ihren Backkatalog. Jetzt ein Highlight besonders herausheben ist fast schon unmöglich, denn ENSIFERUM trieben sich und das Publikum zu Höchstleistungen an. Bis in die hintersten Reihen kreisten die Matten, tanzte das „Kriegervolk“ und beförderte gefühlt im Sekundentakt die Crowdsurfer über die Köpfe. Deutschland schien an diesem Tag die musikalische Heimat des Fünfers zu sein. Egal was man auf der Bühne machte, die Meute war gefesselt und sog die Hymnen förmlich in sich auf. Da war es auch nicht sonderlich störend, dass die Ansagen von Sänger Petri Lindroos eher knapp gehalten waren. Vielleicht lag es auch daran, dass Air Berlin mal kurzerhand sämtliches Equipment und die Bühnenausstattung der Band verschlampt hatte. So blieb einmal mehr der Fokus auf den heroisch dargebotenen Songs. Der Wirkung der Band tat dieser Umstand keinen Abbruch, wenngleich ein Set in gewohnter Ausstattung noch runder gewesen wäre. Der musikalischen Ãœbermacht tat dies keinen Abbruch. ENSIFERUM gehören bis heute zur absoluten Speerspitze des klassischen Viking Metal.

19.10 (PZ) PRO-PAIN

Der letzte Besuch der Hardcore Metal-Ikonen um Szene Urgestein Gary Meskil beim SUMMER BREEZE liegt auch schon ein paar Jahre zurück – damals fand das Festival sogar noch ein paar Kilometer weiter südwestlich in Abstgmünd statt. Außer dem Fronter und Bassisten Gary Meskil war aber keiner der heutigen Bühnenakteure in Abtsgmünd mit von der Partie, denn das Bandkarussell hat sich seither gleich mehrfach gedreht. Auf den Signature-Sound der Band hatten die Umbesetzungen aber keinerlei Einfluss. Meskil & Co. zeigten sich enorm spielfreudig und hatten die anfangs etwas trägen Zuschauer – denen die seitherigen Festivaltage sicherlich schon in den Knochen steckten – schnell auf ihre Seite gezogen. Ihr enorm tightes Zusammenspiel und die Flitzereien der Gitarristen sowohl auf den Bühnen- als auch auf den Griffbrettern waren eine wahre Freude, den Vogel schoss aber eindeutig der Drummer ab, der nicht nur ultrapräzise spielte, sondern dabei auch noch abing als gäbe es kein Morgen. Im November erscheint das neue Album der Band und zum neuen Song „Deathwish“ wurde vor Ort ein Video gedreht, was die Aktivitäten vor der Bühne natürlich zusätzlich steigerte. Starke Performance einer Institution.

20.00 (MS) HATEBREED

Jamey Jasta war die letzten drei Jahre, in verschiedenen Konstellationen, zu Gast auf dem SUMMER BREEZE. Dieses Jahr zum zweiten Mal mit seiner Hauptcombo HATEBREED. Waren sie 2011 noch Headliner am Samstagabend; mussten sie sich dieses Jahr den allmächtigen IN FLAMES unterordnen und agierten deshalb mit ein wenig kürzerer Spielzeit. Das tat dem Spaß aller Beteiligten aber keineswegs einen Abbruch. Sowohl die Band als auch das Publikum zeigte sofort die gewohnte Präsenz bzw. Energie. Man hatte überhaupt nicht den Eindruck, dass sich irgendjemand für IN FLAMES die Kräfte einteilte. Ganz im Gegenteil! Der Pit kochte ununterbrochen vom Opener “In Ashes They Shall Reap“ bis zum Schlusspunkt “Destroy Everything“. Verschnaufpausen gönnten sich HATEBREED wie immer keine. Da ging es Schlag auf Schlag, Hit auf Hit. Mit dem neuen Album “The Divinity Of Purpose“ im Rücken, wurde die Setlist um einige Brecher erweitert (“Dead Man Breathing“, “Honor Never Dies“, “Indivisible“ und “Put It To The Torch“), ohne dabei auch die frühen Schaffensphasen aus den Augen zu lassen. Selbstredend widmeten HATEBREED – Jasta ist bekanntlich ausgewiesener Thrash-Fan – einen Song dem kürzlich viel zu früh verstorbenen Jeff Hanneman und coverten SLAYERs “Ghosts Of War“. Hier zeigte sich die Band von einer ungewohnt technisch versierten Seite, geht es bei HATEBREED doch meist weniger um komplexe Songstrukturen oder anspruchsvolles Riffing, als um die Vertonung von roher Gewalt. Und darin sind sie Meister. Dies zeigte sich vor allem im mächtigen Dreier-Abschlussblock mit “This Is Now“, “I Will Be Heard“ und der bandeigenen Mitsing-Hymne “Destroy Everything“. Wie immer äußerst überzeugend und nachdrücklich.

20.15 (PZ) GRAVE

Mehr Old School ging fast nicht. Scheinbar hatten es sich GRAVE zur Aufgabe gemacht, die Fahne für klassischen Death Metal nochmal ordentlich hoch zu hängen. Wie sonst lässt sich eine dermaßen auf die alte Schule zugeschnittene Songauswahl erklären? Die aktuelle Scheibe „Endless Procession Of Souls“ ließen sie fast komplett links liegen, dafür holzten sich die Schweden durch eine feine Auswahl an Songs, die ausschließlich von den ersten drei Platten stammten. „Too Old For This Shit“, wie Gitarrist und Sänger Ola Lindgren über seine Band sagte? Wohl kaum. GRAVE pflügten über den Bühnenacker, als gelte es, die faule Saat möglichst weit zu streuen. Logisch, dass vor allem die Mähnen der älteren Fans durch die Luft wirbelten auch wenn die Bewegungsfreude nach fast vier Tagen Festival nachgelassen hatte und Lindgren das ein oder andere Mal zu mehr Teilnahme aufforderte. Dafür saßen ebenjene präzise, wie zum Beispiel das Circle Pit-Verbot und Bang-Gebot bei „Morbid Way To Die“. Siehe Einleitung: Mehr Old School ging halt fast nicht!

21.20 (PS) AMORPHIS

AMORPHIS sind immer wieder gern gesehene Gäste auf dem SUMMER BREEZE und pflegen selbst ein besonderes Verhältnis zum Festival. Nicht umsonst erachteten die Finnen ihren 2009er-Gig als würdig genug, auf ihrer letzten Live-DVD „Forging The Land Of Thousand Lakes“ verewigt zu werden. Das wussten natürlich auch die Fans, die sich scharenweise vor der Pain Stage einfanden, als AMORPHIS das halbe Dutzend an SUMMER BREEZE-Auftritten vollmachten. Im Gegensatz zu ihrer Show vor zwei Wochen auf einem anderen großen Metalfestival im Norden der Republik gab es jedoch zunächst kein Akustik-Set. Absolut richtige Entscheidung, denn so konnten die Fans alle bei der Stange gehalten werden. Bei glasklarem und wuchtig dröhnenden Sound konzentrierten sich AMORPHIS vornehmlich auf ihr aktuelles Album „Shades Of Grey“, hatten aber mit „The Castaway“ und „On Rich And Poor“ auch Lieder aus seeligen Zeiten im Gepäck. Die Band präsentierte sich in ausgezeichneter Form, wobei natürlich Fronter Tomi Joutsen im Mittelpunkt stand. In bekannter Manier ließ er seine prachtvollen Dreadlocks propellerartig über den Boden fegen und überzeugte abermals sowohl mit seinen vollen Growls als auch der cleanen Gesangsstimme. Die Gitarristen Esa Holopainen und Tomi Koivusaari spielten sich mit ihren Leads und Effekten gegenseitig die Bälle zu, während Keyboarder Santeri Kallio den Bühnensound mit perlenden Melodien anreicherte. So viel erhabene Brutalität, wie sie AMORPHIS transportieren können, wurde mit reichlich in die Luft gestreckten Hörnern und Crowdsurfing honoriert. Zum Schluss ließ Joutsen die Fans einen Teil von „House Of Sleep“ singen, bevor sich AMORPHIS bis zum nächsten Mal verabschiedeten.

21.25 (PZ) ENSLAVED

Bestehen eigentlich irgendwelche Zweifel an dem besonderen Status, den ENSLAVED mittlerweile in der nordisch-schwarzmetallischen Welt einnehmen? Nicht ernsthaft. Aber wer auch immer diese Zweifel haben sollte, musste sich nur den Auftritt des Fünfers im Partyzelt anschauen: Als erster Teil des Norwegen-Doppels mit TRISTANIA präsentierten sich Ivar und Grutle samt Mitstreitern in einem blendend differenzierten, aber dennoch druckvollen Sound. Mit den Titelsongs der beiden Alben „Riitiir“ und „Ruun“ geht es direkt in die Vollen – eine bessere Wahl hätten ENSLAVED kaum treffen können! Das zahlreiche Publikum quittiert die Performance ENSLAVEDs mit frenetischem Beifall und rhythmischen „Hey!“-Rufen – und mal ganz ehrlich: Welche Band kann sich schon erlauben, ihre Fans zu einem 7/8-Takt zum Mit-„Hey!“-en zu animieren? ENSLAVED konnten das – und hatten beeindruckenden Erfolg! Nach den beiden ersten Songs blieben ENSLAVED noch ein wenig in ihrer modernen Phase, bevor es mit „Convoys To Nothingness“ und „Allfadr Odinn“ etwas retrospektiv wurde – aber ähnlich wie MOONSPELL auf der Main Stage am Nachmittag gelang es der Band scheinbar spielend, alte Stücke in ihren zeitgemäßen Sound zu integrieren. Die Zuschauer dankten es ihnen selig.

22.25 (MS) IN FLAMES

IN FLAMES sind wohl so etwas wie Legenden was den Melodic Death Metal der Göteborger Schule angeht. Die Band rund um Anders Fridén, der unter anderem auch als Produzent für CALIBAN oder ENGEL arbeitet, war für viele Festivalbesucher wohl auch das Highlight des SUMMER BREEZE, denn soweit das Auge reichte war das Infield schlicht brechend voll mit Zuschauern, die sich, erkennnbar an den „In Flames“-Chören, bereits eine halbe Stunde vor der Show vor der Bühne einfanden und auf ihre Helden freuten. „Sounds Of A Playground Fading“, einer der bekanntesten Songs vom gleichnamigen Album, lieferte dann auch einen grandiosen Einstieg für die 90minütige Party, die hier bevor stand. Was IN FLAMES an Professionalität, Soundqualität und guter Laune auf der Bühne boten, bekommt man nur selten zu sehen, und auch der Moshpit vor der Stage nahm nach wenigen Songs ungeahnte Ausmaße an. Da hatten die Ordner alle Hände voll zu tun, die Massen von Crowdsurfern abzufangen, die die Show über Richtung Graben brandeten. Wer IN FLAMES auf ihrer diesjährigen Festivaltour bereits gesehen hat, der wusste auch was an diesem Abend noch bevorstand: Eine Licht- und Feuershow die sich vor RAMMSTEIN und METALLICA nicht verstecken muss, und sowohl Anders Fridén samt Kollegen als auch den Fans in der ersten Reihe ein heißes Erlebnis bescherte. Da spielten die Dunkelheit der Nacht und die kalte Luft natürlich auch positiv mit hinein, jeder Flammenstoß erzeugte Jubelschreie im Publikum. Fridén merkte man seine Erfahrung jederzeit an, er spielte und redete mit dem Publikum, machte seine Scherzchen und moshte bei den harten Songs rücksichts- und schonungslos – schließlich war dies die letzte Show für mehrere Monate, da die Band sich in der Folge an die Arbeit zum nächsten Album macht. Die Setlist bot an diesem Abend etwas für jeden IN FLAMES-Fan, egal ob alt oder jung, Hits wie „Where The Dead Ships Dwell“, „Cloud Connected“ oder „All For Me“ boten eine gelungene Mischung aus harten Schwedenriffs und eingängigen Refrains, die die textsicheren Fans durch die Bank beherrschten. Trotz kleinerer Verschnaufpausen brachten es die Fünf auf immerhin 14 Songs, die mit „My Sweet Shadow“ einen würdigen Abschluss fanden, bei dem sowohl die Band als auch das Publikum nochmal alles gab – begleitet von einem fulminanten Feuerwerk über der Bühne. Schlicht und einfach perfekt was die Schweden hier boten, und ein grandioser Abschluss für ihre Tour.

22.35 (PZ) TRISTANIA

Nachdem ENSLAVED das norwegische Doppel im Partyzelt eröffnet hatten, durften TRISTANIA ran – ohne Zweifel gibt es stilistische Unterschiede zwischen den Bands, doch finster sollte es in beiden Fällen werden. Weniger ausgeprägt als bei ENSLAVED war der progressive Anteil, noch weniger präsent der Black Metal – dafür wurde Atmosphäre im dargebotenen Gothic Metal groß geschrieben! Insbesondere Sängerin Mariangela Demurtas, die bereits früher am Tag mit MOONSPELL auf der Bühne gestanden hatte, und Sänger Kjetil Nordhus stachen durch ihr charismatisches Stage-Acting hervor. Unterstrichen wurde dies vom zeitweise klaren, mitunter jedoch enorm druckvollen Sound, der besonders die härteren Aspekte TRISTANIAs herauszustellen vermochte. Trotz der stilistischen Differenzen zum Vorgänger lässt sich jedoch eine Gemeinsamkeit festhalten: Ebenso wie ENSLAVED integrierten auch TRISTANIA auch ältere Songs (hier sei der Titelsong des 1999er Albums „Beyond The Veil“ genannt) in ihr Set, ohne auch nur im Geringsten zerrissen zu wirken. Klasse!

23.25 (CS) 00.40, 01.55 VOLKSMETAL

Die bayrischen Biergartenmetaller von VOLKSMETAL waren bereits vor zwei Jahren zu Gast auf der Camel Stage. Damals funktionierte die Fusion aus Metal meets bayrischen Dialekt schon prächtig und auch an diesem Samstagabend scharte die Truppe aus Konstanz am Bodensee während allen drei Sets eine ansehnliche Menge um sich, die sogar beeindruckend textsicher auftrat. Metal mit Tuba und Quetschkommode schließt sich offensichtlich nicht aus. Dabei präsentierte sich die Band wie gewohnt in Metal-Shirts und Trachtenhosen und auch das vom letzten Auftritt bekannte Fräulein im Dirndl versorgte die erste Reihe mit direkt aus dem Fass in den geöffneten Zuschauerrachen gekippte Bier. Druckbetankung eben. Eins ums andere Mal boten VOLKSMETAL Songs mit extrem hohem Mitmachfaktor feil, was offenbar genau den Geschmack der Besuchermassen vor der Bühne traf. Und die Party, die die Band auf der Bühne machte, stachelte auch das Publikum immer weiter an. Ein Wunder nur, dass dieses Konzept nicht schon im größeren Maßstab greift.

23:45 (PZ) ARCHITECTS

Nach der letztjährigen Absage der Briten musste die SUMMER BREEZE-Gemeinde schon viel zu lange auf die ARCHITECTS warten. Dass sie bereits lange vor dem Beginn der Show mit lautstarken Sprechchören herbeigesehnt wurden, war nur ein weiteres Indiz für die Spannung, die im Volk herrschte. Da die Band die letzten zwei Jahre nur auf Tour verbracht hat, zeigte sich das Quintett entsprechend gut aufeinander eingespielt, technisch extrem versiert und ultra tight. Ohnehin ist es beeindruckend wie sauber die Instrumentalisten spielen, dabei aber kaum eine Sekunde an der gleichen Stelle stehen bleiben. Auch Sänger Sam Carter machte ordentlich Wirbel und entlockte seinen Stimmbändern ohne Probleme sowohl die kehligen Screams, als auch den Clean-Gesang. Der Kontrast aus extremer Härte und eingängigen Refrains macht die Band seit dem 2009er Album “Hollow Crown“ aus und dementsprechend bestand die Set auch nur aus Songs ab diesem Album an. Dass das eher schwache 2011er Full-Length “The Here And Now“ nur mit einem Song bedachte wurde, machte wohl niemandem traurig. Das Finale furioso, bestehend aus den zwei Über-Songs “Early Grave“ und “These Colours Don’t Run“ hätte nicht besser gewählt werden können und pusteten noch einmal kollektiv die Ohren frei.

00.00 (PS) DARK FUNERAL

Corpsepaint, Christenhass und puristischer Black Metal: Pünktlich um Mitternacht stand mit DARK FUNERAL die wohl schwärzeste Truppe des bisherigen Abends auf der Pain Stage. Da war es nicht verwunderlich, dass sich in der ersten Reihe ein Fanheer mit schwarz-weiß bemalter Haut einfand, um die Schweden bei ihrer extremen Show zu feiern. Viele waren noch ganz platt von der vorangegangenen Wahnsinnsshow von IN FLAMES, nahmen aber trotzdem die wenigen Meter weg auf sich, um sich einem Kontrastprogramm zu stellen. Lord Ahrima, Dominator, Chaq und Nachtgarm, der übrigens erst seit zwei Jahren als Sänger bei der Truppe tätig ist, waren böse eingestimmt und starteten mit „The Arrival Of Satans Empire“ mit ordentlich Blasts und viel Agressivität in ihr Set. Die Markenzeichen von DARK FUNERAL sind extremer und schneller Black Metal ohne jegliche Schnörkel, keine Keyboards, keine Synthies, einfach nur purer Hass. Titel wie „Vobiscum Satanas“ oder „Secrets Of The Black Arts“ machten keinen Hehl daraus, aus welchem Holz die Jungs geschnitzt sind. Mit einer grandiosen Lichtshow im Rücken, die die dunkle und kalte Atmosphäre der Songs perfekt unterstrich, wurde das Set nur durch kurze Pausen zum Luftholen unterbrochen. Obwohl beim Black Metal nicht üblich, waren die Fans wohl noch so in Feierlaune, dass schon nach kurzer Zeit ein kleiner Moshpit entstand, und die Headbanger in der ersten Reihe waren sichtlich überrascht, dass auch vereinzelte Crowdsurfer von hinten ankamen. Die knappe Stunde Spielzeit der Band war ein wahrlich würdiger Abschluss für diesen Abend und das gesamte Festival. Entsprechend gut gelaunt fiel auch die Verabschiedung der Fans aus, die sich neben DARK FUNERAL auch vom SUMMER BREEZE verabschiedeten, natürlich nicht ohne sich noch zu einer letzten Party ins Zelt zu begeben. Die Schweden lieferten wie gewohnt eine routinierte Show ab, die wenig Überraschungen aber ganz schön viel Professionalität bot.

01.00 (PZ) PRIMORDIAL

TDass PRIMORDIAL eine der wenigen Bands sind, die für die Untermalung der wehmütigen Stimmung in den letzten Stunden einer jeden SUMMER BREEZE-Ausgabe qualifiziert sind, bewiesen sie schon 2011 als Schlussact auf der Pain Stage. Und da dieses Jahr weder KATATONIA, ANATHEMA noch MY DYING BRIDE anwesend waren, was hätte da besser passen können, als der hymnische Black Metal der Iren? Die Ausgangslage war günstig. Der Sound brachte alle Instrumente differenziert zur Geltung, schon „No Grave Deep Enough“ geriet zur absoluten Wucht und, das Partyzelt war trotz später Stunde noch sehr gut gefüllt. Und überraschenderweise erwies sich das Publikum auch noch als enorm aktiv. Bei so manch anderer früher aufgetretenen Band gingen die Fans nicht in dem Maße mit, doch was hätten sie auch anderes tun sollen? PRIMORDIAL gaben sich absolut tight und ließen erst gar keine Müdigkeitserscheinungen aufkommen. Trotz fast identischer Setlist wie vor zwei Jahren zündete jeder Song, was nicht zuletzt an den Entertainerqualitäten eines Alan Nemtheanga lag: dem wie üblich in Corpse Paint und Kapuze gekleideten Fronter merkte man förmlich an, wie sehr er dem Auftritt und der Interaktion mit dem Publikum entgegengefiebert hatte. Stimmlich in bestechender Form, wurde er nicht überdrüssig, alles und jeden zum Mitmachen zu animieren und lockte so die Hörner gleich zu Hunderten hervor. So machten Pflichtnummern wie „God To The Godless“ oder das SOLSTAFIR und MARDUK gewidmete „The Coffin Ships“ eine Menge Spaß und machten PRIMORDIAL sicherlich zu einem der Gewinner dieses Jahres.

02.15 (PZ) LONG DISTANCE CALLING

Das muss man LONG DISTANCE CALLING erst einmal nachmachen: bevor es nach Dinkelsbühl ging, spielten die Münsteraner noch am gleichen Nachmittag auf einem Festival am Hockenheimring. Zwei Gigs in zwölf Stunden, Respekt vor so viel Einsatz! Aber genau mit diesem Herzblut haben sich die Jungs mittlerweile einen Status in Deutschland erarbeitet, der die Menge nach PRIMORDIAL eben nicht ausdünnen lässt, obwohl man als letzte Band im Partyzelt wohl mit weniger Zuspruch hätte rechnen können. Die Post Rocker bedankten sich für das Durchhaltevermögen mit einem grandiosen Auftritt und waren wohl selbst überrascht auf wie viel Gegenliebe sie zu so später Stunde noch stießen. Und der (weitestgehend) Instrumental-Rock in Überlängen-Songs war wahrlich der perfekte Ausklang. Zwischen träumerisch-melancholischen Clean-Passagen, massiven Soundwänden und Double Bass-Geballer rockten LONG DISTANCE CALLING so ziemlich alles in Grund und Boden. Begünstigend wirkte hier sicherlich der Umstand, dass Keyboarder und Ex-FEAR MY THOUGHTS-Mitglied Martin Fischer lediglich bei „The Man Within“ Gesang beisteuerte und man sich so vollkommen in die Musik fallen lassen konnte. Breitwand-Kino Deluxe und definitiv ein würdiger Abschluss für das SUMMER BREEZE 2013.